Er schien neugierig auf ihre Reise zu sein, oder ihm war schlichtweg langweilig, und er suchte nach etwas Unterhaltung, um sich die Zeit zu vertreiben. Serona konnte das schwer einschätzen. Aufgrund der spärlichen Interaktionen mit anderen Menschen in der Vergangenheit war sie nicht besonders gesprächig, und die Kunst des Small Talks war ihr vollkommen fremd. Sie wusste nicht, wie man belanglose Gespräche führte, und noch weniger, wie man auf sie reagierte. Oft fragte sie sich, warum ihr so viele Fragen gestellt wurden oder warum sie gelegentlich seltsame Blicke erntete, wenn sie ehrlich antwortete.
Kurz sah sie ihn von der Seite an, ehe sie ihren Blick wieder starr nach vorne richtete.
„Nichts. Ich bleibe nicht im Herbst. Ich reise weiter“, sagte sie knapp.
Und das war die Wahrheit. Ihr Ziel war der Winter, und danach hoffte sie, irgendwann die Grenze zu Eoma zu erreichen. Wie genau sie diese finden würde oder ob es überhaupt möglich war, stand noch in den Sternen. Doch Serona war fest entschlossen, es zumindest zu versuchen. Jetzt aber galt ihre Konzentration der potenziellen Gefahr, von der der Mann gesprochen hatte. Seine Worte klangen nachvollziehbar. Und sie musste zugeben, dass sie beim Gehen für eine kurze Weile zu unaufmerksam gewesen war. Die subtilen Veränderungen in der Umgebung waren ihr entgangen. Vielleicht hätte sie früher etwas bemerkt, hätte sie nicht so sehr in Gedanken gesteckt.
Sein Blick, dieses ständige, fast suchende In-die-Augen-Sehen, bereitete ihr weiterhin Unbehagen. Es fühlte sich für sie viel zu persönlich, beinahe übergriffig an. Als würde er sie durchleuchten wollen. Für Serona war das wie ein ungewollter Blick unter die Haut, in Bereiche, die niemand zu sehen bekam. Auch war ihr aufgefallen, dass er häufig ein leichtes Lächeln auf den Lippen trug. Ganz im Gegensatz zu ihr, denn Serona lächelte nicht. Das Höchste, was man je von ihr erwarten konnte, war ein kleines, kaum merkliches Heben der Mundwinkel. Doch das war weit entfernt von echter Heiterkeit. Warum? Weil es für sie nichts zu lächeln gab. Ihr Leben drehte sich ums nackte Überleben – darin lag für sie kein Grund zur Freude. Nichts und niemand hatte es bisher geschafft, ihr ein echtes Lächeln zu entlocken.
Verstehend nickte sie, als er weitersprach. Vielleicht sollte sie sich das merken. Auch wenn sie es nie offen zugeben würde, konnte man von jemandem wie ihm durchaus etwas lernen. Sie hatte keine Scheu davor, sich neues Wissen anzueignen, im Gegenteil: je mehr sie wusste, desto besser konnte sie überleben.
Doch ihre Haltung änderte sich schlagartig, als er beiläufig erwähnte, dass er keine Waffen bei sich trug. Sofort wanderte ihr Blick zu ihm, die Augenbrauen zogen sich zusammen, und ein leises, genervtes Seufzen entwich ihr.
„Du wirst immer wieder mit Menschen zu tun haben, ob du willst oder nicht“, warf sie trocken ein und fixierte ihn scharf. „Und wenn es keine Menschen sind, dann Tiere. Oder Skaarks.“
Ihre Stimme klang schärfer als beabsichtigt. Vielleicht, weil sie seine Sorglosigkeit irritierte. Nein, es machte sie wütend. Oder zumindest unruhig. Wer ohne Waffen reiste, der war entweder zu vertrauensselig oder zu töricht. Und beides konnte in ihrer Welt tödlich enden.
„Du brauchst wenigstens etwas, womit du dich verteidigen kannst“, fügte sie hinzu.
Natürlich ging es sie nichts an, wie er sich ausrüstete. Es war seine Entscheidung. Aber es störte sie, dass sie im Ernstfall für sie beide kämpfen müsste. Sie konnte nicht überall und jederzeit die Verantwortung für andere übernehmen, und vor allem nicht für Menschen, die sich selbst nicht einmal ein Messer zur Verteidigung einsteckten. Sie schnaubte leise, wandte den Blick wieder ab und starrte in die Ferne. Das bedeutete wohl, dass sie im Ernstfall alleine die Kämpfe führen musste. Sie hoffte jedoch das der Vorfall heute eine einmalige Sache war.
Serona suchte mit ihrem Blick wieder die Karawanne, die etwas erntfernter von uns ihren Weg ging. Solange sie diese im Blick hatte, würden sie den Weg nicht verlieren.
Kurz sah sie ihn von der Seite an, ehe sie ihren Blick wieder starr nach vorne richtete.
„Nichts. Ich bleibe nicht im Herbst. Ich reise weiter“, sagte sie knapp.
Und das war die Wahrheit. Ihr Ziel war der Winter, und danach hoffte sie, irgendwann die Grenze zu Eoma zu erreichen. Wie genau sie diese finden würde oder ob es überhaupt möglich war, stand noch in den Sternen. Doch Serona war fest entschlossen, es zumindest zu versuchen. Jetzt aber galt ihre Konzentration der potenziellen Gefahr, von der der Mann gesprochen hatte. Seine Worte klangen nachvollziehbar. Und sie musste zugeben, dass sie beim Gehen für eine kurze Weile zu unaufmerksam gewesen war. Die subtilen Veränderungen in der Umgebung waren ihr entgangen. Vielleicht hätte sie früher etwas bemerkt, hätte sie nicht so sehr in Gedanken gesteckt.
Sein Blick, dieses ständige, fast suchende In-die-Augen-Sehen, bereitete ihr weiterhin Unbehagen. Es fühlte sich für sie viel zu persönlich, beinahe übergriffig an. Als würde er sie durchleuchten wollen. Für Serona war das wie ein ungewollter Blick unter die Haut, in Bereiche, die niemand zu sehen bekam. Auch war ihr aufgefallen, dass er häufig ein leichtes Lächeln auf den Lippen trug. Ganz im Gegensatz zu ihr, denn Serona lächelte nicht. Das Höchste, was man je von ihr erwarten konnte, war ein kleines, kaum merkliches Heben der Mundwinkel. Doch das war weit entfernt von echter Heiterkeit. Warum? Weil es für sie nichts zu lächeln gab. Ihr Leben drehte sich ums nackte Überleben – darin lag für sie kein Grund zur Freude. Nichts und niemand hatte es bisher geschafft, ihr ein echtes Lächeln zu entlocken.
Verstehend nickte sie, als er weitersprach. Vielleicht sollte sie sich das merken. Auch wenn sie es nie offen zugeben würde, konnte man von jemandem wie ihm durchaus etwas lernen. Sie hatte keine Scheu davor, sich neues Wissen anzueignen, im Gegenteil: je mehr sie wusste, desto besser konnte sie überleben.
Doch ihre Haltung änderte sich schlagartig, als er beiläufig erwähnte, dass er keine Waffen bei sich trug. Sofort wanderte ihr Blick zu ihm, die Augenbrauen zogen sich zusammen, und ein leises, genervtes Seufzen entwich ihr.
„Du wirst immer wieder mit Menschen zu tun haben, ob du willst oder nicht“, warf sie trocken ein und fixierte ihn scharf. „Und wenn es keine Menschen sind, dann Tiere. Oder Skaarks.“
Ihre Stimme klang schärfer als beabsichtigt. Vielleicht, weil sie seine Sorglosigkeit irritierte. Nein, es machte sie wütend. Oder zumindest unruhig. Wer ohne Waffen reiste, der war entweder zu vertrauensselig oder zu töricht. Und beides konnte in ihrer Welt tödlich enden.
„Du brauchst wenigstens etwas, womit du dich verteidigen kannst“, fügte sie hinzu.
Natürlich ging es sie nichts an, wie er sich ausrüstete. Es war seine Entscheidung. Aber es störte sie, dass sie im Ernstfall für sie beide kämpfen müsste. Sie konnte nicht überall und jederzeit die Verantwortung für andere übernehmen, und vor allem nicht für Menschen, die sich selbst nicht einmal ein Messer zur Verteidigung einsteckten. Sie schnaubte leise, wandte den Blick wieder ab und starrte in die Ferne. Das bedeutete wohl, dass sie im Ernstfall alleine die Kämpfe führen musste. Sie hoffte jedoch das der Vorfall heute eine einmalige Sache war.
Serona suchte mit ihrem Blick wieder die Karawanne, die etwas erntfernter von uns ihren Weg ging. Solange sie diese im Blick hatte, würden sie den Weg nicht verlieren.