Between Fangs and Claws [Kürbis vs Dämon]

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    • Wie fühlte es sich an, wenn man rot wurde? Wie Feuer im Kopf? Wenn ja, dann wurde Cal gerade sehr rot. Ilya wollte auf ein Date mit ihm? Was sollte er dazu sagen?!
      Dankenderweise kam sie ihm zuvor, indem sie das Thema wechselte. Vielleicht hatte er ja Glück und sie übersah seine neue Gesichtsfarbe einfach. Er konnte nur hoffen.
      "Äh... ja. Ja, ich muss eine Lieferung überwachen und ein bisschen... Wolf-Zeug machen. Wir mich den ganzen Tag lang beschäftigen. Da fällt immer ein bisschen was an."
      Er zuckte ein bisschen verloren mit den Schultern.
      "Kleine Warnung: wenn du dich auf das Sofa legst, dann kannst du mit bis zu zehn Hunden kuscheln, je nachdem, ob die Fellknäule Bock haben. Irgendwas sagt mir, dass Maple auf jeden Fall Lust hat."
      Maple grinste ihn an, ihr Schwanz hämmerte auf den Teppich, während Ilya weiter ihren Bauch kraulte. Cal schüttelte lächelnd den Kopf. Die Hündin hatte wohl einen neuen Liebling gefunden. Ob Vampire Haustiere hielten? Wenn ja, dann könnte Maple ja mit Ilya gehen, dann wäre sie nicht mehr so allein in ihrem riesigen Apartment.
      Cal verdrängte den Gedanken mit einem kurzen Kopfschütteln, dann schlüpfte er in sein T-Shirt.
      "Ich seh dich dann später," verabschiedete er sich. Er ging hinten raus, damit Ilya im Wohnzimmer nicht unnötig von der Sonne erwischt wurde.


    • Sie hätte sich vermutlich nach oben ins Gästezimmer verzogen, wenn Calder ihr nicht eine Kuschelparty auf dem Sofa versprochen hätte. Nun aber, jetzt wo es gemütlich dunkel im Wohnzimmer war, ließ sie es sich nicht zwei Mal anbieten ein wenig Zeit mit felligen Tieren zu verbringen. Schließlich wusste sie nicht, wie oft sie noch diese Gelegenheit in der nächsten Zeit bekommen würde.
      Das Calder eine interessante Röte bekommen hatte, war ihr natürlich nicht entgangen. Ob er wohl ernsthaft über ihr Angebot nachdachte? Ein Date war ja nicht so schwer, aber was tat man da überhaupt? Essen war ja außer Frage, trinken waren sie schon zusammen gegangen und alles andere war schwierig wenn man eigentlich nicht zusammen gesehen werden durfte. Zumindest nicht in dem Kontext.
      "Pass auf dich auf und lass dich nicht wieder aufspießen oder so." rief sie ihm hinterher, während sie sich schon auf dem gemütlichen Leder platz nahm. Manche Vampire mochten Leder gerne. Ilya gehörte zu ihnen. Die kühle glatte Oberfläche passte sich immer gut an sie an.
      Es dauerte nicht lang, bis Ilya nicht nur von Maple belagert wurde. Die Hündin hatte es sich direkt neben ihr gemütlich gemacht und den Kopf auf ihren Schoß gelegt. Als sie letztendlich sogar ein zufriedenes Schnaufen von sich gab, während Ilya ihr hinter den Ohren kraulte, musste sie laut auflachen. Sie kannte da noch wen, der unter ihren Händen geschmolzen war....

      Letztendlich hatte sie den ganzen Tag mehr oder weniger dösend verbracht. Ab und zu kamen ein paar Hunde, andere gingen doch es war immer warm und immer voller wedelnder Schwänze, wie sie amüsiert beobachtete. Es war ungewöhnlich friedlich für jemanden wie Ilya, die normalerweise von Auftrag zu Mission zu irgendwelchen blöden Senatssitzungen lebte. Nun aber? Nun genoss sie die kurze Ruhe, die nicht von kaltem Beton und unerträglicher Stille dominiert wurde. Ob Calder sie wohl öfter hier schlafen lassen würde? Vielleicht wenn sie sich als Streunerin ausgab?


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    • Das Lagerhaus war wie erwartet leer, bis auf die ordentlichen Reihen aus Kisten, die sauber beschriftet auf ihre Reise warteten. Der Geruch von Öl, Metall und altem Staub lag in der Luft. Cal lehnte sich gegen einen der Pfeiler, verschränkte die Arme. Die Uhr zeigte kurz vor neun. Pünktlich wie immer tauchte Linden in der Seitentür auf. Wölfe trugen praktische Klamotten, aber sein Onkel hatte sich heute herausgeputzt - er musste sich nachher mit dem Rat der Altwölfe herumschlagen. Deswegen sah er in seinem hübschen Hemd irgendwie deplatziert aus.
      "Alles ruhig?" fragte Linden, während er das Lager musterte, seine Schritte hallten dumpf auf dem Boden wider.
      Cal nickte. "Bisher. Die Leute vom Hafen sind bereit. Sobald der letzte Container auf dem Laster ist, fahren wir hier los und drüben wird dann alles direkt verladen."
      Linden trat näher, blieb dann stehen. Seine Nase kräuselte sich kaum sichtbar, aber Cal sah es trotzdem. Er kannte dieses Gesicht.
      "Du riechst nach Vampir."
      Fuck.
      Cal zwang sich, nicht zusammenzuzucken.
      "Ja, ich war gestern nochmal in der Stadt. Ilya war da. Wir mussten was besprechen. Es ging um das nördliche Lager. Sie hat was mitgekriegt."
      Linden runzelte die Stirn, sein Blick schien ihn für einen Moment zu durchbohren. Dann schüttelte er den Kopf, wie jemand, der wusste, dass er mehr Fragen stellen könnte – aber nicht wollte. Nicht jetzt.
      "Solange du sauber arbeitest, Cal, ist mir egal, wo du dir deinen Geruch einfängst. Aber sei vorsichtig. Diese Leute sind keine Verbündeten. Nur temporäre Werkzeuge."
      "Schon klar."
      Cal zwang sich zur Ruhe, obwohl sein Herzschlag einen Takt zu hoch schlug.
      Die Verladung verlief ohne Zwischenfälle. Cal zählte die Container mit, sah zu, wie die schweren Fahrzeuge nacheinander vom Hof rollten. Dann folgte er in seinem SUV bis zum Hafen und überwachte dort auch das Verladen auf ein riesiges Containerschiff. Er fing nicht eine fremde Witterung auf, sah keinen einzigen verdächtigen Schatten zwischen den Kisten. Alles lief glatt. Und das machte ihn irgendwie nervös.

      Eine Stunde später versammelte sich die Nachtpatrouille auf dem unteren Platz hinter dem Versammlungshaus. Der Himmel über ihnen war klar, aber ein Wind kam auf. Cal hörte den Bericht von Sedge, einem schlanken, schweigsamen Wolf mit flachsfarbenem Haar und Augen, die zu viel sahen.
      "Alles ruhig, größtenteils. Bis auf den Vampirgeruch an der Südstraße. Frisch. Spätnacht."
      Cal nickte langsam. "Das war ich. Musste gestern für einen kurzen Moment Zugang gewähren. Ging um Informationen. War keine Bedrohung. Aber merkt euch den Geruch, der wird noch öfter auftauchen. Für's erste zählt der als in Ordnung."
      Niemand stellte die Entscheidung infrage, zumindest nicht laut. Sedge warf ihm einen kurzen, prüfenden Blick zu, sagte aber nichts. Cal wusste, dass er ihn im Auge behalten musste - Sedge war stark und als Jungwölfe hatte er oft ein bisschen zu ernst gespielt. Stille Wasser waren tief und Sedge könnte es auf seinen Posten abgesehen haben, wenn Cal nicht vorsichtig war. Beweise dafür hatte er keine, aber er wäre dumm, wenn er darauf wartete.
      "Ich nehme Daisy für heute aus der Rotation. Sie muss sich um Ash kümmern. Und Ash..." Cal stockte. Ash war ein zäher Bastard, aber der Angriff letzte Woche hatte dey übel zugesetzt und der Wolf war einfach nicht mehr wie vorher. Vielleicht würde Ash gar nicht mehr zurückkommen. "Dey bleibt weiter raus."
      "Ich spring ein."
      Dusty trat vor, die Hände in den Taschen, ein müdes Grinsen auf dem Gesicht.
      "Südstrecke ist sowieso langweilig."
      Cal verdrehte die Augen, konnte sich ein Schnauben aber nicht verkneifen. "
      Nur, wenn du dabei nicht einschläfst."
      "Ich doch nicht," grinste Dusty.
      Er verteilte die neuen Laufpläne, klopfte Willow auf die Schulter, die ihren ersten Einsatz auf der Westflanke bekam, und verabschiedete sich schließlich mit einem knappen Nicken. Linden würde sich wahrscheinlich noch ein paar Stunden mit dem Rat der Altwölfe herumschlagen. Sie würden Fragen haben. Über die Waffen. Über die Grenze. Über Ilya.
      Cal rieb am Zahn seiner Mutter, als er über den Platz in Richtung Osten verschwand. Der Wind roch nach Regen.

      Die Haustür quietschte leise, als Cal sie aufzog und kaum hatte er einen Fuß über die Schwelle gesetzt, brach die gewohnte, chaotische Begrüßung los. Krallen klickten auf dem Holz, ein heiseres Bellen von Fern, ein aufgeregtes Jaulen näher bei der Tür. Cal konnte sich kaum bücken, ohne von Zungen überfallen zu werden. Er ließ es geschehen, kniete sich mitten in das warme Gewusel aus Fell und nassen Nasen, ließ sich abschlecken, beschnüffeln, halb umwerfen.
      "Ja, ja. Ich hab euch auch vermisst", murmelte er, die Stimme heiser vom langen Tag. Seine Flanke brannte ein bisschen, aber für einen Moment war alles ruhig in ihm.
      Die Sonne draußen brannte noch gegen die Fenster, aber die dicken Vorhänge hielten das grelle Licht draußen. Es war angenehm dämmrig im Haus. Im Wohnzimmer lag Ilya auf dem Sofa, halb unter einer der alten Decken vergraben, die Cora irgendwann gehäkelt hatte. Ihre Haare fielen ihr lose ins Gesicht, die Wange gegen das Kissen gedrückt. Sie atmete atmete kaum, aber das war wohl normal für Vampire. Ihren kaputten Arm hatte sie vorsichtig über den Bauch gelegt. Ihre Lippen waren leicht geöffnet. Selbst im Schlaf sah sie gefährlich aus. Und viel zu verletzlich.
      Cal zögerte einen Moment in der Tür. Dann trat er leise näher und ließ sich langsam neben sie auf das Sofa sinken. Die Polster gaben unter seinem Gewicht nach, ein leises Knarzen, das Ilya nicht aufweckte. Gut.
      Acorn kletterte ohne Umschweife aufs Sofa, drehte sich einmal um sich selbst, dann warf er sich auf den Rücken, alle vier Pfoten in die Luft gestreckt, und seufzte zufrieden. Cal streckte automatisch die Hand aus, ließ die Finger durch das weiche Fell gleiten, rieb über seinen warmen Bauch, während Acorn wohlig grunzte. Die gleichmäßige Bewegung beruhigte ihn, ließ die Gedanken abklingen, die sich wie Dornen um seinen Schädel gewickelt hatten. Der Geruch nach Hund, nach Ilya, nach Zuhause mischte sich zu etwas, das sich fast wie Frieden anfühlte.
      Cal starrte an die Decke, während Acorns Schwanz träge gegen seine Hüfte klopfte. Er sagte nichts. Er dachte zu viel nach. Über die Lieferung heute, die Wachpläne, Ilya... über das leise Pochen seines Herzens, das noch immer nicht wusste, wie es schlagen sollte, wenn sie in der Nähe war.


    • Sie war erst aufgewacht, als Maple's Schwanz begann sich langsam, aber gleichmäßig zu bewegen. Bis dahin war sie komplett in den Tiefschlaf gefallen, wie es üblich war für Vampire, die einfach nur die Zeit todschlagen wollten. Irgendwann zwischendurch hatte sie Altair und Miklas ein Update gegeben. Nicht darüber, wo sie war, das konnten die ja eh sehen, aber warum. Ich geh was nachgucken. Hatte sie nur geschrieben. Das musste reichen. Außerdem brachte es nichts, wenn die beiden auch noch mitkamen. Nicht nur, weil es nicht sinnvoll war mehrere Vampire im Wolfs-Territorium rum laufen zu haben, sondern weil Miklas und Altair nicht reinblütig waren. Bei Problemen mit Gehirnwäsche oder ähnlichem waren sie nutzlos und auch wenn Vampire und Wölfe sich gut schaden zurichten konnten...wollte sie nicht einen von ihnen zerfetzt wissen.
      Als sie schließlich ihre tiefrosanen Augen öffnete, beobachtete sie zunächst nur, wie Calder an die Decke starrte und gedankenverloren einen der Hunde streichelte. Mittlerweile kannte sie den Blick. Nicht, weil sie ihn oft gesehen hatte, sondern weil es zu ihm passte. Wie jemand, der sein Schicksal längst akzeptiert hatte und es trotzdem jedes Mal auf's Neue hinterfragte. Das mochte sie nicht gern. Sie mochte es nicht gerne, ihn so zu sehen. Irgendwo zwischen Leiden und Fragen, auf die niemand eine Antwort hatte.
      Ohne weiter nachzudenken erhob sie sich und streckte ihre rechte, gesunde Hand nach ihm aus. Maple protestierte leise, als sich Ilya aufrichtete, doch noch mehr schien Calder sie gar nicht zu bemerken, bis sie ihre kalte Hand durch seine Haare gleiten ließ.
      "Du denkst zu viel nach. Davon bekommt man Falten."


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    • Calder schreckte geradezu aus seinen Gedanken, als er eine kalte Hand auf seinem Kopf spürte. Er hatte gar nicht bemerkt, dass Ilya nicht nur aufgewacht war, sondern sich auf aufgesetzt hatte. Und jetzt war ihre Hand in seinen Haaren, kraulte ihn beinahe so wie einen seiner Hunde. Und er konnte nicht sagen, dass ihm das nicht gefiel.
      "Du denkst zu viel nach. Davon bekommt man Falten," sagte sie und Cal lächelte unweigerlich schief.
      Er seufzte und entspannte die Schultern ein bisschen. Er sagte ihr nicht, dass sie aufhören sollte.
      "Ist 'ne Menge los," erklärte er. "Mehr als sonst. Normalerweise muss ich nicht so viel nachdenken."
      Er lachte leise. Denken lag ihm eigentlich gar nicht so sehr. Noch so ein Grund, warum sein Onkel viel besser für den Posten des Rudelführers geeignet war. Aber Blut war Blut und das Gesetz des Rudels bestimmte, das Cal diese Rolle einnehmen sollte. Und so einfach würde er nicht aufgeben. Das lag genauso wenig in seiner Natur.
      Cal ließ sich zur Seite sinken, sodass er nun mit dem Kopf direkt neben Ilyas Oberschenkel lag und zu ihr hinaufblicken konnte. Ihre Haare waren lang genug, dass wenn sie zu ihm runter sah, es sein Gesicht streifte. Gedankenverloren spielte er mit Ilyas Haaren, wickelte sich eine Strähne locker um einen Finger.
      "Normalerweise würde ich jetzt durch den Wald laufen, um den Kopf frei zu bekommen," meinte er leise.


    • Sie stoppte nicht, durch seine flauschigen Haare zu kraulen. Auch, als er sich schließlich neben ihren Schoß legte. Wozu die falsche Scheu? Ilya schmunzelte ein wenig als ihn mehr oder weniger nach oben drückte um ihre Beine unter seinen Kopf zu bewegen. Sobald er sich wieder gelegt hatte sah sie zu ihm herunter und arbeitete sich weiter durch seine Haare. Er schien genauso an ihren zu spielen, nicht dass es sie störte.
      Allgemein störte sie diese Position so ganz und gar nicht. Es fühlte sich seltsam vertraut an, seine Nähe, die ihren Körper wärmte und seine Haare unter ihren kalten Händen.
      Als er schließlich zugab, dass er lieber im Wald laufen würde nickte sie ein wenig. Tatsächlich konnte sie das verstehen. Selbst Ilya brauchte manchmal körperliche Betätigung, wenn alles zu viel wurde und nichts mehr richtig Sinn machte. Ein Wolf wie Calder, der für die Freiheit bestimmt war? Fühlte sich wohl am besten wenn er rennen konnte. Aber sie verstand auch, warum er es nicht tat. Die Wunden an seiner Flanke waren noch nicht verheilt, sie war allein im Wolfsterritorium und es gab zu viel zu tun.
      “Hmm..” sie murmelte vor sich hin, als sie ihm eine Strähne aus dem Gesicht schob. “Wenn ich helfen kann, sag Bescheid. Manchmal hilft es auch mit jemandem drüber zu reden und nicht alles alleine zu tragen.”


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    • Warum war ihr Oberschenkel so bequem? Das war gemein.
      "Du kennst doch schon alle Details. Normalerweise muss ich unsere Waffenlieferungen nicht überwachen, das läuft von allein. Normalerweise muss ich mich nicht mit meinen Patrouillen beraten. Normalerweise habe ich gar nicht so viele Patrouillen. Aber wer auch immer uns da so auf den Sack geht, mischt sich gern in unsere Geschäfte ein. Zeug verschwindet aus unseren Lagerhäusern, Lieferungen werden so sabotiert, dass wie Deadlines nicht einhalten können... Ich musste sogar schon ein paar Cops loswerden, weil irgendwer den einen rechtschaffenen gefunden hat, der sich unsere Lager mal ansehen wollte. Immerhin gab es keine Angriff mehr seit..."
      Er seufzte schwer. Vielleicht sollte er wirklich drüber reden?
      "In der Woche vor dem Vollmond hat es einen Angriff auf eine unserer Bars gegeben. Nach deiner Warnung hab ich die Jungwölfe im Revier behalten, um kein Risiko einzugehen, aber scheinbar hat das nicht funktioniert. Die Bar ist komplett zerlegt worden. Einer der Jungwölfe wurde schwer verletzt und einer... Ember hat's nicht mal zum Arzt geschafft."
      Cal griff nach dem Fangzahn seiner Mutter, drückte ihn so fest, dass sich die Spitze in seine Haut bohrte.
      "Ash war derjenige, der auf sie aufgepasst hat," fuhr er leise fort. "Dey gibt sich selbst die Schuld. Und ich auch. Als Rudelführer ist es meine Aufgabe, meine Leute zu beschützen. Du hast mich gewarnt und ich dachte, ich wüsste es besser."
      Er drückte sein Gesicht gegen Ilyas Hüfte, als könnte er sich dort vor den Erinnerungen an Embers leblosen Körper verstecken. Acorn krabbelte auf seine Brust, winselte leise.


    • Als Calder ihr die gesamte Story nochmal zusammenhängend erzählte spürte Ilya etwas entferntes wie Mitleid. Das war ungewöhnlich. Nicht, weil sie es nicht konnte, das konnte sie sehr wohl, sondern weil es nicht in der Natur von Vampiren lag, andere zu bemitleiden. Von Mensch zu Vampir gemachte legten ihre menschlichen Gefühle und Instinkte meist nicht ab. Daher galten sie allgemein als Mitfühlender und vielleicht auch ein bisschen Schwächer.
      Aber Reinblütige wie ihre Eltern und Ilya? Es gab wenig, was ihr Herz erwärmte. Sie wurde dazu erzogen, dass das Meiste nicht in ihrer Verantwortung lag. Es war immer das Versagen Anderer. Wenn ein Vampir starb? War er zu jung und damit zu schwach. Selbst, wenn Ilya auf einer Mission tatsächlich sterben würde, so würden ihre Eltern vermutlich nur bedingt trauern.
      Doch selbst mit diesem Wissen fühlte sich Ilya nicht nur unwohl, sondern verantwortlich für das ganze Dilemma. Sie hätte damals wirklich mehr darauf bestehen sollen. Wie auch schon den Tag zuvor dachte sie an die Vampire, die nicht von den Chinesen getötet wurden, sondern an ihrer eigenen Hand starben. Immerhin blieb das Calder verwehrt. Sie wollte nicht sehen, wie er einen seiner eigenen umbringen musste, weil es nicht anders ging.
      Als jener Mann sich schließlich in ihren Körper drückte, streichelte sie beruhigend seinen Kopf und seufzte tief. Es tat ihr Leid. Die ganze Situation tat ihr leid. Egal, ob er Vampir war oder nicht. Sie mochte es nicht, ihn leiden zu sehen. Oder irgendwen leiden zu sehen. Doch es gab auch keine Worte, die sie hätte sprechen können, die die junge Wölfin wieder zum Leben erwecken lassen würde. Es gab keine Worte, die die Verantwortung von Calder nehmen würde, auch wenn die Schuld letztendlich beim Aggressor lag.
      "Du gibst dein Bestes. Das weiß ich und das weiß auch der größte Teil deines Rudels," murmelte sie schließlich sanft. "Daisy und Briar wären sonst niemals mit Altair und Miklas allein in unser Revier gegangen."
      "Außerdem kannst du nicht jeden schützen, auch wenn du es willst," fügte sie hinzu, ihre Stimme ernst. Aber Ilya würde alles dafür tun, dass Calder nie einen seiner eigenen töten müsste. Nicht, wenn sie es schaffte ihre Hypnose zu wirken.


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    • Die Worte, die sonst nur irgendwelche Plattitüden waren, hörten sich aus ihrem Mund irgendwie anders an. Ehrlicher. Sie gingen tiefer und erreichten, was ihm alle anderen auch hatten sagen wollen. Vielleicht war Ilya ja zur Hälfte Hexe, dass sie wieder und wieder so einen magischen Effekt auf ihn haben konnte.
      Er seufzte und sah wieder zu Ilya auf. Noch immer spielte er mit dem Fangzahn, der um seinen Hals baumelte.
      "Dafür, dass dich immer alle Eisprinzessin nennen, kannst du ziemlich einfühlsam sein," kommentierte er. "Das gefällt mir," fügte er leiser hinzu.
      Sein Blick fiel auf ihre Lippen und er erinnerte sich daran, wie sie sich auf seiner Haut anfühlten. Wie sie schmeckten.
      Er setzte sich auf, um sich nicht in der Ecke seines Verstandes zu verlieren. Er ergriff ihre Hand und stand auf, führte sie zur Hintertür. Die Sonne ware gerade hinter dem Horizont verschwunden. Cal zog sich sein Shirt über den Kopf und schlüpfte aus seinen Hosen und Schuhen. Die Verbände rissen, als er sich verwandelte, aber das war egal. Seine Wunden wurden von seinem dichten Fell überdeckt.
      Wie in den Tunneln legte er sich hin und mit einem Nicken bedeutete er Ilya, aufzusteigen. Um sie herum japsten seine Hunde, die sich darauf freuten, mit ihm rennen zu können. Da sich Ilya nicht richtig an ihm festhalten konnte, würde er langsamer machen, aber das war seinen Hunden egal.
      Sobald Ilya aufgestiegen war, setzte sich Cal in Bewegung. Er trabte in Richtung Wald, umgeben von seinen Streunern. Er suchte sich seinen Weg geschickt durch die Bäume hindurch, seine Pfoten überraschend leise auf dem Laub. Das Rudel ließ den Wald größtenteils in Ruhe. Sie sorgten nur dafür, dass sich Parasiten nicht ausbreiten konnten und kontrollierten die Population von Tieren - auch damit sie selbst jagen konnten, wenn ihnen danach war. Dementsprechend schnell verschwanden alle Zeichen von Zivilisation.
      Schließlich erreichte Cal eine moosbewachsene Lichtung. Sie war groß genug für bis zu drei Wölfe seiner Größe und bot einen freien Blick auf den Nachthimmel über ihnen, wo langsam aber sicher die Sterne auftauchten. Der Moos unter seinen Pfoten war dick und weich, angenehm kühl nach dem warmen Tag.
      Cal ließ Ilya absteigen, dann setzte er sich und sah in den Himmel, bevor er sich zurückverwandelte. Außer dem Fangzahn um seinen Nacken trug er nichts, aber ihm war das egal.
      "Das hier ist mein Lieblingsort im ganzen Revier," gestand er. "Man kann den Mond hier das ganze Jahr lang sehen, wenn die Wolken es zulassen."
      Noch war der Himmelskörper nicht zu sehen, aber in ungefähr zwei Stunden würde er über der Lichtung auftauchen und bis ein paar Stunden vor Sonnenaufgang auch sichtbar bleiben.
      Cal wandte den Blick vom Himmel ab und richtete ihn stattdessen auf den Boden.
      "Ich wurde hier geboren," sagte er leise. "Da drüben."
      Er deutete auf einen Stein, der beinahe komplett im Moos verschwand. Der Stein hatte eine Inschrift:

      Savanna Ridley
      Mutter - Schwester - Rudelführerin


    • Eigentlich sollte sie den Anblick gewohnt sein. Aber gepaart mit der Tatsache, dass sie schon seit einer Weile darüber nachdachte, wie er sich über ihr angefühlt hatte....hm da konnte sie nun wirklich nicht wegsehen. Wenn er es bemerkte, so kommentierte Calder es nicht und wie schon vor ein paar Tagen setzte sie sich auf ihn. Dabei versuchte sie zumindest so gut es ging seine Wunden zu schonen. Eigentlich hätte sie ihn gerne geschimpft, sich überhaupt in den Wolf zu verwandeln, aber das war immer noch seine Entscheidung. Die Wunden würde sie wohl wieder verbinden wenn sie wieder zurück kamen.
      Ilya hielt sich in seinem Fell fest und ließ einfach die Umwelt auf sich wirken. Calder konnte ja nicht mit ihr reden und in seine Augen konnte sie auch nicht gucken. Daher genoss sie einfach den Ritt und die Tatsache von Wald und Hunden umgeben zu sein. Es war dunkel genug, dass sich ihre Haut nicht gleich anfühlte wie ein Spiegelei in der Pfanne und es würde bald so dunkel werden, dass sie nicht dauernd ihre Augen zusammen kneifen musste.
      Sie war etwas erstaunt, wie gut er sich im Wald zurecht fand. Kein falscher Tritt, keine übersehene Wurzel hielt ihn auf. Dabei war es wieder und wieder verblüffend, wie Calder sich mit einem Wildschwein angelegt hatte und dann solche Wunden davon getragen hatte. Irgendwann, eine Weile später betraten sie eine Lichtung. Ilya, die sonst nie so etwas gesehen hatte, fühlte sich etwas deplatziert. Nicht, weil es so ungewohnt war, sondern weil die Lichtung eine Art Stille und Ruhe versprühte, die sie ungerne stören würde.
      Doch sie stieg trotzdem ab, als Calder sich hin legte und sich prompt wieder zurück verwandelte. Diesmal fiel es ihr noch schwerer, nicht hinzuschauen. Einzig und alleine seine Stimme und die Deutung an einen bestimmten Platz brachte sie dazu, sich von der Augenweide abzulenken. Zwischen den Sternen und dem Nachthimmel war er doch irgendwie am schönsten.
      "Das hier ist mein Lieblingsort im ganzen Revier. Man kann den Mond hier das ganze Jahr lang sehen, wenn die Wolken es zulassen."
      Ilya sagte dazu nichts. Weil sie nicht wusste, was sie dazu sagen sollte. Er hatte sie hier hin gebracht, wo vermutlich nur sein Rudel zutritt hatte. Es lag ihr fern, da irgendwelche dummen unangebrachten Kommentare zu machen. Aber sie verstand, was er meinte. Die Lichtung war breit genug um ohne Probleme den Himmel zu betrachten. Noch bevor sie irgendwelche Worte zusammenkratzen konnte, holte Calder sie wieder aus ihren Gedanken.
      "Ich wurde hier geboren. Da drüben."

      Savanna Ridley
      Mutter - Schwester - Rudelführerin

      Ilya's Augen verengten sich automatisch, als sie die Insignia ausmachte. Jetzt bildeten sich gerade mehrere Fragen in ihrem Kopf. Sie hatte Savanna nie kennen gelernt, da sie vor Ilya's Geburt gestorben war. Sie wusste, nur das die Wölfin es gewesen war, die den Frieden zwischen den Wölfen und den Vampiren ausgehandelt hatte. Aber wie sie gestorben war? Das hatte ihr niemand verraten und Ilya hatte auch nie nachgefragt. Die Vampire kümmerten sich um sowas nicht. Aber die Platzierung, gepaart mit Calder's Kommentar ließ sie einiges zusammen setzen. Bei seiner Geburt? Ihre Augen glitten von dem Grab zu Calder, der so melancholisch wie frei wirkte. Wurden Werwölfe eigentlich in ihrer menschlichen oder in ihrer Wolfsgestalt geboren? Das wäre jetzt eine unangebrachte Frage oder?
      Ilya nickte daher nur und sah wieder in den Nachthimmel, betete ein bisschen dass man ihr doch normale Gedanken schicken sollte, die sie mit dem Mann, der sie hier her gebracht hatte, teilen konnte. Aber wirklich etwas einfallen tat ihr nicht.
      "Scheint als hätte deine Mutter den Anblick genauso geliebt." war schließlich das Einzige, was sie sagen konnte ohne die ganze Stimmung zu verdrehen.


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    • "Hat sie."
      Cal ging rüber zu dem Gedenkstein und befreite ihn ein bisschen vom Moos, aber nur gerade soweit, dass man den Stein noch sehen konnte. Er sollte von der Natur umgeben sein, als umarme sie den Stein.
      "Mein Onkel, ihr Bruder, hat mir erzählt, dass sie immer hier hergekommen ist, wenn sie mal nachdenken musste. Als Kind bin ich ständig weggerannt und auch hergekommen. Ich wusste nie, warum, da hat er mir das erzählt."
      Er strich über den Namen seiner Mutter.
      "Ich hab sie nie kennengelernt, weißt du? Sie hat sich hier her zurückgezogen, als ich zur Welt kam. Als mein Onkel sie am nächsten Morgen suchen gegangen ist, fand er sie. Und ich lag friedlich schlafend daneben."
      Mit einem Seufzen kehrte Cal zurück in die Mitte der Lichtung, wo er sich einfach ins Moos sinken ließ. Er streckte alle Viere weit von sich und starrte in den Himmel.
      "Niemand weiß, was passiert ist. Wölfe ziehen sich immer zurück, um zu gebären, das ist nichts ungewöhnliches. Die ganze Nacht lang nicht nach ihnen zu sehen ist auch normal - niemand will sich mit einer frisch gebackenen Mama-Wölfin anlegen. Sie war weg, und ich war da. Von meinem ersten Schrei an der neue Rudelführer."


    • Nachdem Calder sich ins Moos gesetzt hatte, ließ sich sie sich neben ihn hinab und hörte ihm dabei zu, wie er von seiner Mutter und sich erzählte. Auch hier gab es wieder nichts, was sie sonst sagen konnte. Plakatierte Worte oder Kommentare, die von einem Platz des Unverständnis kamen, standen ihr so wenig wie ihm. Das hatte sie nicht notwendig und das würde ihm auch nicht gefallen.
      Stattdessen legte sie sich neben ihn ins Moos und seufzte leise, als das kühle und nasse Moos ihre Haut durchdrang. Sie mochte es lieber warm, auch wenn das wohl hier kaum etwas zur Sache tat.
      Liegend sah der Himmel nochmal gleich viel schöner aus. Fast schon magisch. Sie hatte den Nachthimmel schon oft gesehen, aber nie so klar. Die Lichtverschmutzung der Stadt war enorm und selbst von ihrem Penthouse oder der Dachterrasse ihrer Eltern konnte man die Sterne nicht so funkeln sehen. Eigentlich ganz schön hier. Sie verstand, warum es jemanden wie Calder hier hin verzog.
      "Deswegen hat dein Onkel alles übernommen, bis du alt genug geworden bist," zog sie nach seiner Erzählung ihre Schlüsse. Sie hatte Linden nicht oft gesehen, nur wenn er mit ihrem Vater oder ihrer Mutter geredet hatte, doch lange Zeit hatte sie geglaubt, dass er auch der Rudelführer war, nicht nur ein Platzhalter für den wahren Erben.
      "Und vermutlich auch, warum viele dich herausfordern wollen."


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    • "Nicht so viele, wie du vielleicht denkst. Rudelführer hat mit dem Blut zu tun. Es gibt nur eine Handvoll Wölfe, die überhaupt ein Anrecht auf diesen Titel hätten - und nur ungefähr die Hälfte von denen ist stark genug, mir gefährlich zu werden. Aber wenn ich aufmüpfige Wölfe nicht in ihre Schranken weise, dann hält man mich für schwach und die paar Leute, die stark genug wären, würden es drauf anlegen. Oder schlimmer: Ein anderes Rudel würde versuchen, mir an die Kehle zu gehen."
      Das war der Teil, den Calder verstand. Wolf-Politik war einfach, weil sie mit Blut, Krallen, und Zähnen gemacht wurde. Sich prügeln, das konnte Calder. Gewalt war eine Sprache, die er beherrschte.
      "Aber du hast Recht: viele wollen, dass mein Onkel übernimmt. Der kann diesen ganzen Politik-Kram viel besser als ich. Der weiß, was er zu sagen hat, wann er es zu sagen hat. Er hat schon eigene Erben, was den Altwölfen ganz besonders gefällt. Und jetzt hab ich diese Sache mit den Chinesen auch noch versaut..."
      Calder graute es davor, nachher beim Abendessen erzählt zu bekommen, was während der Ratssitzung so gesagt wurde. Sein Onkel hatte keinerlei Ambitionen auf seinen Titel - was ein Glück für Calder war, da sie ungefähr gleich stark waren - und er war loyal bis zum Schluss, daher erzählte er ihm immer alles. Die anderen Altwölfe schienen Cals Abwesenheit bei den Ratssitzungen aber immer irgendwie als Einladung zu sehen, über ihn herzuziehen und seine Führungsfähigkeiten in Frage zu stellen. Deswegen wollte Linden ja ständig, dass er dabei war. Noch hatte keiner der Alten sich getraut, ihm die Meinung ins Gesicht zu sagen, aber das war nur eine Frage der Zeit.


    • Ilya bewegte sich nicht wirklich und starrte immer noch in den Nachthimmel, während Calder ihr mehr über sein Rudel und die Politik der Wölfe erzählte. Sie verstand seinen Unmut mehr, als es ihr lieb war. Und das Problem, welches sie als Vampirin auf dem Moos darstellte. Calder hatte ein Anrecht auf seine Position, aber es würde immer jemanden geben, der versuchen würde darüber hinaus zu gehen. Da konnte er sich nicht noch mehr Fehltritte erlauben. Es war so ähnlich, und doch so viel anders bei den Vampiren. Musste man aufpassen, dass man nicht von hinten umgebracht wurde? Ja. Musste Ilya das? Nein.
      Das war Geburtsrecht und gleichzeitig ihr Fluch. So rein ihr Blut war, so heilig war ihre Position im Clan. Aber das war eben auch alles. Das, was noch fehlte? Alter, Kraft, Erfahrung? All das fehlte ihr. Davon abgesehen, dass sie nicht gerade darauf stand irgendwann einen Posten ihrer Eltern zu übernehmen. Anders als Calder hatte sie keine Verantwortung. Zumindest noch keine, die man ihr tatsächlich zuweisen konnte.
      Irgendwie tat er ihr leid. Nicht, wegen seines Schicksals, auch wenn das natürlich auch nicht so toll war, sondern weil er nie eine andere Wahl gehabt hatte. Zumindest keine, die nicht ein paar sehr unschöne Entscheidungen beinhielt.
      "Versaut ist vielleicht etwas zu viel gesagt," murmelte sie schließlich, die Augen immer noch gen Himmel gerichtet. "Vergiss nicht, dass das noch in vollem Gange ist. Ein Wolf und vier Vampire sind tot. Damit haben sie mehr getötet, als wir uns gegenseitig getötet haben in den letzten 40 Jahren. Wenn deine Altwölfe noch ein bisschen Hirn haben, dann sollte ihnen bewusst sein, dass ein anderer Rudelführer vermutlich schon mehr Tote zu verzeichnen hätte. Schließlich redest du immerhin mit mir."


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    • "Damit haben sie mehr getötet, als in den letzten vierzig Jahren durch unsere Streitigkeiten gestorben sind, das stimmt schon. Aber sieh es mal so: Ember ist der erste Wolf, der seit vierzig Jahren in unserem Revier gestorben ist und die einzige Sache, die sich seither geändert hat, ist die Rudelführung. Unter meiner Mutter herrschte Frieden. Unter meinem Onkel herrschte Frieden. Kaum fange ich an, das Rudel zu übernehmen, stirbt ein Wolf. Ein Jungwolf. Das reicht den richtig alteingesessenen schon als Grund. Glaub mir, ein paar dieser alten Säcke würden mich liebend gern herausfordern, wenn sie noch körperlich dazu in der Lage wären."
      Cal seufzte. Er konnte es dem Ältestenrat ja nicht einmal verübeln. Die Zeichen waren da, sichtbar für alle. Cal hatte immerhin den Vorteil, dass viele vom Rudel auf seiner Seite standen, dank dem Schwall an Welpen, der zur gleichen Zeit wie seine Geburt passiert war, und den ganzen Streunern, die er über die letzten paar Jahre eingesammelt hatte. Das gab ihm zumindest ein bisschen Spielraum. Aber nicht viel und nicht für lange, wenn diese Situation noch weiter eskalierte.
      Cal erblickte er den ersten Streifen des Mondes am Himmel und lächelte.
      "Weißt du, woher wir Wölfe kommen?" wechselte er das Thema. "Vor langer Zeit, da gab es nur einen Wolf. Die große Wölfin. Sie streifte durch die ganze Welt, bis sie eines Nachts auf einem Berg stand und in den Himmel blickte. Sie sah den Mond und verliebte sich in ihn. Und der Mond verliebte sich in die Wölfin, die jede Nacht in den Himmel blickte, um ihn zu sehen. Die große Wölfin und der Mond hatten dreimal fünf Welpen. Auch sie wanderten wie ihre Mutter durch die Welt und blickten jede Nacht in den Himmel zu ihrem Vater. Aber, so über die Welt verteilt, waren sie einsam. Zuerst riefen sie ihrem Vater zu. Dann lernten sie, einander zu hören."
      Er rollte sich auf die Seite, schob einen Arm unter seinen Kopf und blickte Ilya an.
      "Deswegen heulen alle Wölfe. Damit wir uns nie verlieren und unserer Mutter und unserem Vater immer sagen können, wo wir sind."


    • Ilya nickte nur kurz, als er das mit dem Führungswechsel erzählte. Sie verstand warum er so dachte, selbst wenn sie es nicht genauso sah. Vielleicht war sie anderer Meinung, weil Wölfe anders als Vampire kurzlebig waren. Einige Fehler machten bei Ihnen das ganze Leben aus. Aber auch unter Vampiren war der Tod absolut.
      Auch wenn Ilya noch lange nicht so lang wie ihre Artgenossen gelebt hatte, so war sie doch mit den gleichen Werten und Gedanken aufgewachsen. Fehler waren das eine, doch solange es einen selbst nicht umbrachte würde man daraus lernen. Natürlich gab es auch Fehler, die den ganzen Clan in Gefahr brachten. Aber auch hier galt irgendwie der Fehler des Einzelnen gegen die Fehler der ganzen Gemeinschaft. Es war eigentlich sehr widersprüchlich. Einerseits kümmerten sich Vampire nicht wirklich untereinander, ließen einander die Freiheiten die man gewähren konnte, doch Fehler? Die wurden selten mit dem Tod bestraft. Vielleicht mit Ausgrenzung für ein paar Jahrzehnte, aber auch die Zeit ging ja schnell vorbei. Zumindest für jemanden, der schon Jahrhunderte gelebt hatte.
      Als er sich ihr schließlich zuwandte lächelte Ilya ihn schief an, auch wenn sie selbst noch still nach oben gerichtet lag. Eigentlich klang seine Story sogar ganz süß.
      "Immerhin haben wir dann etwas gemeinsam." Ilya schmunzelte ein wenig, als sie sich selber ihrer Story besann. "Es wird uns nachgesagt, dass ein verliebtes Ehepaar vor Äonen sich von Gott und damit dem Tod abwandte. Gott strafte sie damit, für ihre Lebenszeit Blut verzehren zu müssen, damit sie irgendwann in so viel Verzweiflung fallen, dass sie sich entweder umbrachten oder Gott wieder zuwandten. Alle reinblütigen Vampire stammen von ihnen ab. Ganz glaube ich der Geschichte aber nicht. Was machen sonst die ganzen Vampire im Vatikan? Gotteslästerung?" Ihre Augen blitzten ein wenig verspielt, als sie sich letztendlich auch zu ihm drehte. "Immerhin hattet ihr mehr Gendiversität als wir."


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    • "Ist 'ne ziemlich christliche Originstory, findest du nicht? Würde mich nicht wundern, wenn euer Vatikan das so umgeschrieben hat, damit alle nach seiner Pfeife tanzen. So wie's die Christen eben gemacht haben."
      Cal zuckte mit den Schultern.
      "Ich weiß, dass meine Geschichte wahr ist. Ich bin ein Nachkomme der ersten fünfzehn. Ziemlich direkt sogar. Das ist das, was ich mit Blut meine. Eigentlich sind wir beide gar nicht so verschieden: je reiner das Blut eines Wolfes, desto stärker ist er. Und die stärksten sind die Rudelführer. Es gibt natürlich mehr als fünfzehn Rudel, aber die sind für gewöhnlich kleiner und nicht so stark aufgestellt. Die ursprünglichen fünfzehn sind die großen Spieler, jedes hunderte von Wölfen stark. Bei Vollmond kannst du rausfinden, wie stark das Blut eines Wolfes ist. Je mehr Mond zu sehen ist, desto schwerer wird es, die animalischen Instinkte zu kontrollieren. Deswegen war ich auch so wütend als wir uns in der Bar getroffen haben. Das war die Vollmondnacht. Ich war drauf und dran den Tresen kaputtzumachen... So Probleme hast du als Vampirin wahrscheinlich gar nicht."


    • "Ja frag mich nicht. Mein Vater meinte irgendwann mal, dass er glaube, dass die Vampire eigentlich mal Menschen waren und irgendeinen Fluch oder einen Trank genutzt haben um sich unsterblich zu machen. Wir reinblütigen können ja nicht normal sterben." Ilya lachte leise, als er das mit den Christen ansprach. So was ähnliches hatte sie sich auch schon gedacht.
      Noch mehr musste sie allerdings schmunzeln, als sie sich an die verhängnisvolle Nacht erinnerte. Der Grund ihres Treffens war natürlich nicht der Schönste gewesen, aber nun machte alles ein bisschen mehr Sinn. Vor allem, dass er sich damals so ganz anders verhielt als sonst.
      "Ich dachte schon, du wolltest mir an die Kehle." gab sie zu. "Im echten Kampf kann ich dich ja niemals davon abhalten. Vermutlich zerlegt mich ein Jungwolf von euch ohne Probleme." Das war noch nicht einmal so abwegig. Ilya hatte ihre Hypnosefähigkeiten, aber wie auch schon in der Nacht, an dem sie kurzzeitig ihren Arm verlor war sie in einem Gemenge Hoffnungslos unterlegen. Zu wenig Zeit, zu wenig Erfahrung. "Dafür hast du mir deinen Blutgeruch dagelassen obwohl ich eh schon Hunger hatte. Und seitdem mag ich keine Blutkonserven mehr." Das war tatsächlich gar nicht so witzig. Was machte man denn als Vampir, wenn man seinen heiligen Gral gefunden hatte? Richtig. Den Menschen in einen Vampir verwandeln. Man gab sich gegenseitig Blut für einen Monat und dann hatte man seinen persönlichen Trinkbrunnen für für immer. Oder sowas in der Art. Das konnte und wollte sie aber nicht mit Calder machen.
      "Du hast mich für bestimmt die nächsten 200 Jahre dazu verdammt, zu Hungern."


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    • "Vermutlich zerlegt mich ein Jungwolf von euch ohne Probleme."
      Cal stutzte.
      "Warte. Willst du mir damit sagen, dass das Nesthäkchen der Vampire nicht weiß, wie sie sich selbst verteidigen kann?! Kein Wunder, dass die ständig behaupten, du hättest keine Erfahrung! Die lassen dich ja gar keine machen!"
      Er setzte sich auf, ignorierte dabei das unangenehme Ziehen in seiner Seite. Er lagerte hier auf der Lichtung immer ein paar Ersatzklamotten, falls mal was sein sollte. Er stand auf und holte sie aus einem hohlen Baumstamm, wo er sie in einer wasserfesten Tüte aufbewahrte. Schnell zog er sich zumindest die Shorts daraus an.
      "Du hast mich für bestimmt die nächsten 200 Jahre dazu verdammt, zu Hungern."
      "Ach was. Für hundert davon hast du mich doch."
      Wieder biss er sich auf die Zunge. Wieder hatte er losgeplappert, bevor er nachgedacht hatte. Verdammt, Cal!
      Er entschloss sich, schnell wieder das Thema zu wechseln, als er sich wieder zu Ilya umwandte.
      "Hopp, auf die Füße. Ich zeig dir ein bisschen was. Zumindest, wie du dich gegen jemanden wehren kannst, der dich zu beißen versucht. Wir können ja nicht jede Woche deinen Arm wieder drankleben. Das würde meinem Blutdruck glaube ich nicht so gefallen."


    • "Ich meine ich weiß wie man kämpft und wie man sich verteidigt. Zumindest in Teilen. Aber ich bin halt nicht so stark wie ein Jahrhunderte Alter Vampir." Ilya hob verteidigend den einen Arm, den sie gut nutzen konnte. Der Andere war ja nicht mehr in der Schlinge, aber reagierte immer noch wenig. Fast schon enttäuscht sah sie ihm dabei zu, wie er sich ein Paar Shorts anzog. Hm. Jetzt wusste sie gar nicht, welcher Anblick davon besser war.
      "Ach was. Für hundert davon hast du mich doch." Aha? Wurden Wölfe so alt? Sie wollte gerade noch was erwidern, als er sich schon wieder umdrehte und sie aufscheuchte. Aber hundert Jahre...waren hundert Jahre. Nein sagen würde sie dazu nicht. Egal wie das Arrangement am Ende aussah. "Du musst dir das so vorstellen," erklärte sie, auch wenn sie sich mit einem kleinen Stöhnen aufsetzte und schließlich aufstand so gut es mit einer Hand ging. Immerhin blieb sie nicht so kläglich sitzen wie letztens in der Küche.
      "Ich bin maximal ein gutes drittel Stärker als ein Mensch. Währenddessen lässt ein Kick von Altair oder Miklas Köpfe fliegen. Das ist voll unfair."


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