The Waves of Fate [Rheira&Tristale]

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    • Arien Darkbloom

      Gespielt nachdenklich verschränkte er die Arme vor der Brust und legte den Kopf leicht schief. "Ein Glitzerponcho für den Regen. Ich würde richtige Trends setzen. Bin dabei.", er grinste belustigt, machte sich dann aber wieder an die Arbeit. Auch wenn er nebenher mit Faith plaudern konnte, war er nun einmal zum arbeiten hier und sein Job hatte Priorität. Arien hatte aber schon immer ein ziemliches Talent für die Balance zwischen Unterhaltung der Kunden und Getränke mixen. Nicht das er unbedingt so sympathisch wäre, immerhin zeigte er hier sein wahres Gesicht. Allerdings schien genau diese freche, sarkastische und oft auch unglaublich fiese Art die Leuten anzuziehen wie Motten. Hier brauchte er kein falsches Lächeln, kein poliertes Image oder das Vokabular eines elitären Snobs. Nein, hier war er einfach er selbst und das genügte. Es genügte den Menschen auf dessen Meinung er wirklich Wert legte und hier war er daheim. Zwischen all seinen Trunkenbolden, seinem extrem lässigen Chef und dem Glitzern der frisch polierten Gläser. Nirgendwo sonst konnte man die Abgründe der Menschheit, die privatesten Gedanken, aber auch Hoffnungen und Träume besser erleben als hier.
      Bei den Worten, das er unmöglich war, schlich sich ein zufriedener Ausdruck auf sein Gesicht. Stimmt, das war er wirklich. Er war nicht der Märchenprinz, den alle in ihm sahen. Eine Rolle die Arien nie spielen wollte und verabscheute.
      "Oh, ich werde mich ganz kläglich am Zebrastrafen bemerkbar machen, wenn ich verdunste.", antwortete Arien ihr sogar lachend. Wer hätte gedacht, dass er mit der Ashenvale-Göre einmal so herzlich herumalbern könnte? Das Mädchen, welche auf den Veranstaltungen der Anwaltskammern immer in ihren viel zu perfekten Kleidchen neben ihrem Vater praktisch verstummte. Die Welt war wohl wirklich ein einziges Mysterium.
      Eines der anderen Mysterien dieser Welt, stolperte gerade filmreif und theatralisch in die Bar.
      Nicki war sturzbetrunken, wie jedes Mal, wenn er von seinem Freund verlassen wurde. Interessanter Weise war er nüchtern allerdings eine komplett andere Person und jemand den Arien sogar echt mochte. Was eine Rarität war, da der Hellhaarige so gut wie niemanden leiden konnte.
      Nicki sah mit seinem pechschwarzen glänzenden Haar und den leuchtenden Augen unsagbar gut aus, er hatte eine Stimme wie einer dieser K-Pop-Sternchen und war ein sehr liebenswerter Charakter. Etwas das man in seinem betrunkenen Wesen absolut nicht wiedererkennen konnte. Da glich er eher einer zugedröhnten Ente, die über ihre eigenen Füße stolperte und krächzte als hätte er eine Krähe gefuttert.
      Wie konnte ein solcher Kerl nur ein so großes Pech mit Männern haben? Immer lachte er sich die falschen Leute an und war am Ende die Person die mit gebrochenen Herzen in Ariens Bar aufkreuzte und dem Barkeeper die Zunge in den Hals schob, nur um sich am nächsten Tag peinlich berührt 1000x zu entschuldigen.
      Rob wiederum war die arme Seele, welche Nicki chronisch wieder einsammeln musste, tröstete, ihn zu Arien schleppte, weil Nicki wieder einmal nach ihm schrie und hinterher das Chaos aufräumte.
      Würde sich Nicki nur einmal genauer umsehen, dass der perfekte Mann eigentlich immer in seiner Nähe war...
      Als die 3 die Bar erreichten entschuldigte sich Rob natürlich erneut und auch Faith bat er um Verzeihung, während Nicki vor sich hin heulte. Arien stellte ihm ein Glas Wasser vor die Nase.
      Die Worte von Faith trafen ziemlich genau ins Schwarze, weshalb Arien einfach nur schwieg und Rob milde lächelte.
      Ja, das hier waren Ariens wahre Freunde, seine echten Freunde. Absolut nicht perfekt, aber echt und immer da, wenn man sie brauchte. Sie waren keine Sternchen an einer Universität oder Leute mit zu viel Kohle und einem schicken Wagen. Nein, sie waren einfach nur sie selbst und genau dafür schätzte Arien sie.
      "Die beiden sind in Ordnung, mach dir keine Sorgen."
      Nicki hob den Kopf von der Bar und blickte todtraurig zu Faith. Ein Blick der Steine selbst erweichen ließ.
      "Warum will mich niemand?"
      Rob und Arien seufzten im Chor.
      "Nicki trink dein Wasser."
      "Ich will kein Wasser."
      "Zwing mich nicht dir das Wasser einzuprügeln." brummte Arien.

      Jade Rhea Summer
      Er wollte da sein, wo er sein wollte? Sie blickte mit ihren goldenen und den Tränen zurückhaltend glänzenden Augen zu ihm auf. Wagte es ihn anzusehen und fragte sich, warum ein so wundervoller Mensch zu ihr gekommen war. Hawke könnte jetzt einen tollen Abend verbringen und Spaß haben und stattdessen vergeudete er seine Zeit mit ihr. Sie konnte es nicht glauben, dass er bei ihr sein wollte...
      Nein, Hawke war einfach nur zu freundlich. Der Schwarzhaarige wollte sie nicht verletzen, war sie doch ein einzig zerbrochenes Scherbenmeer. Ein Scherbenmeer, welches dafür sorgte, dass sie sich bei jedem Versuch noch einmal sich aufzuraffen, nicht aufzugeben ins Fleisch schnitt.
      Jade wusste nicht mehr was sie denken sollte, ihre Welt drehte sich zu schnell und alles tat ihr weh. Sie sollte ihn wegschicken und doch konnte sie es nicht.
      Als hätte er ihre Gedanken gelesen, hatte er ihr sogar angeboten gehen zu können. Panik machte sich in der Rothaarigen breit. Sie wollte, dass er von ihr Abstand nahm, weil er viel zu gut für sie war und gleichzeitig wollte sie nicht allein sein.
      Nicht schon wieder....war sie es doch ihr ganzes Leben lang.
      Nein....das stimmte nicht...früher hatte sie ihre Mannschaft gehabt.
      Sie war Sportlerin gewesen, hatte ein Team, war sogar Kapitänin. Sie hatte alles verloren, alles...

      Als sie aber Hawkes Worte vernahm, sah sie ihn einfach nur sprachlos an.
      Er wollte sie in seine Welt lassen. Sie mit sich ziehen in ein ihr so unbekanntes Licht, dass es ihr Angst machte.
      "Ich......bist du dir sicher? Also, ich meine...." unsicher blickte sie auf ihre Füße.


      ღ For my lovely Warlock ღ
    • Charilynn Faith Ashenvale
      Faith grinste breit und schüttelte leicht den Kopf, während sie mit gespieltem Ernst zu ihm hinüber sah. Ihre Augen funkelten belustigt und ein freches Lächeln huschte über ihr Gesicht, als sie mit einem Fingerschnippen in Richtung seines Shirts deutete. "Du weißt schon, dass ich es ernst meine, oder?" sagte sie und hob eine Augenbraue theatralisch, wobei sie ihm einen herausfordernden Blick zuwarf. "Wenn ich so ein Teil finde, gibt’s kein Zurück mehr. Ich will dich darin sehen. Komplett mit Pose, Laufsteg-Move und allem Drum und Dran."
      Dann lehnte sie sich zurück, drehte ihr Glas langsam in der Hand, während Arien hinter der Bar wirbelte wie ein Musiker in seinem Element. Faith sah ihm eine Weile still zu, ihr Blick wanderte von seinen Händen zu seinem Gesicht, wo sich hin und wieder ein dezentes Lächeln zeigte, wenn einer der anderen ihm einen Spruch zuwarf.
      Sein Flow war irgendwie… beruhigend. Wie das gleichmäßige Rauschen eines Flusses. Nichts Aufdringliches, kein Bedürfnis, im Rampenlicht zu stehen. Und trotzdem war er Mittelpunkt. Nicht wegen Drama. Sondern weil alles an ihm wie ein eingespielter Takt funktionierte. Sie dachte kurz daran, wie absurd das eigentlich war. Dass sie hier saß, ausgerechnet sie, mit einem ähnlich verknoteten Hintergrund, und sich ausgerechnet hier entspannt fühlte. Dass sie einfach wieder hergekommen war. Ganz ohne Plan. Allein. Es war ein bisschen verrückt, aber auch genau richtig.
      Noch mit einem frechen Spruch auf der Zunge und dem Bild von einem glitzernden Arien der auf einem Zebrastreifen verdunstete, stockte Faith mitten in der Bewegung. Die Bar­tür schleuderte auf wie in einem billig produzierten Drama — und der Auftritt passte dazu.
      Und keine Minute später befanden sich die zwei Männer direkt neben ihr.
      Sie lehnte sich leicht vor und stützte die Ellbogen lässig auf die Theke, während sie Nicki ansah. Sein Blick war tragisch. Kino-tauglich. So vollgepackt mit Selbstmitleid, dass er vermutlich sogar einem Eiswürfel das Schmelzen beibringen könnte. "Weißt du, was ich glaube?" Ihre Stimme war leise, aber bestimmt. "Dass du ständig versuchst, dich durch andere zu definieren. Wer dich will, wer dich braucht. Aber das ist nicht der Maßstab.". Sie beugte sich näher, sodass nur Nicki sie hören konnte. "Du bist gut. Verrückt, ein bisschen dramatisch, ja — aber gut. Und vielleicht sieht das gerade niemand so wie du es brauchst, aber das heißt nicht, dass es nicht stimmt.". Sie griff nach dem Wasserglas vor ihm, schob es demonstrativ in seine Richtung. "Trink das. Für dein Herz. Für deine Haut. Und damit Arien dich nicht mit Hydrierungshandschuhen verprügelt.". Ein kurzer Blick zu Arien, dann ein Zwinkern. "Außerdem musst du fit sein. Irgendwann kommt die Person, die dich will - sogar mit all deinem Drama im Gepäck. "Faith ließ sich zurücksinken, nippte an ihrem Cocktail und murmelte trocken "Bis dahin sind wir halt dein Seelensupport-Team mit Getränkeservice."

      Hawke Li-Winslow
      Die kühle Abendluft streifte seine Wangen, während Hawke einen Moment lang auf das Display seines Handys starrte. Dann hob er den Blick, sein Mund verzog sich zu einem leichten Lächeln, das irgendwo zwischen Entschlossenheit und leiser Besorgnis hing. "Klar bin ich mir sicher," murmelte er und tippte noch schnell die Nachricht zu Lina und Ethan. Dann ließ er das Handy sinken, steckte es zurück in die Jackentasche, aus der ein kaputtes Kopfhörerkabel herausragte, wie ein stiller Zeuge vergangener Tage.
      Seine Stimme war weich, ein bisschen heiser vielleicht, vom Rauch und den Gesprächen in der Bar. Aber sein Ton war warm.
      "Warst du eigentlich schon mal Billard spielen?" Ein leichtes Hochziehen der Augenbraue begleitete die Frage, sein Grinsen wurde breiter, fast schelmisch. "Ich mein, ich hab keine Ahnung, ob du ein Naturtalent bist oder ob wir uns die Regeln vorher nochmal googeln müssen."
      Er machte eine lockere Geste, als würde er imaginäre Billardkugeln anstoßen, und verzog dabei das Gesicht, als hätte er gerade einen besonders guten Stoß hingelegt.
      "Und falls du einfach nur lieber daneben sitzt und zuguckst, wie ich total versage… auch okay. Ich kann unterhaltsam verlieren."
      Ein Zwinkern. Ein Angebot. Keine Verpflichtung. Und dahinter: eine ehrliche Bereitschaft, einfach da zu sein.
      Hawke hatte sich bereits langsam in Bewegung gesetzt, seine Schritte ruhig und absichtsvoll - nicht als Flucht, sondern als Einladung.
      Nach ein paar Metern hielt er inne, drehte sich halb zu ihr um. Die Hände tief in den Taschen, sein Blick suchend, aber sanft. Ein kurzes Lächeln huschte über seine Lippen, kaum mehr als ein Hauch. "Und? Wie schaut's aus?". Ob Jade ihm nun nachging oder stehen blieb, lag ganz bei ihr.
    • Arien Darkbloom

      Nachdenklich legte er den Kopf schief, woraufhin ihm ein paar lose Haarsträhnen ins Gesicht fielen, während er darüber nachdachte wie er wohl in einem solchen Fummel aussehen würde. Arien war sich meistens nicht für einen Scherz zu Schade, wozu auch? Das Leben war schon ernst genug und mit all den Neureichen und Idioten auf der Uni würde er wahrscheinlich aufgrund von Langeweile zu Grunde gehen. Hätte er nicht sein heimliches echtes Leben hier, wäre er sicherlich irgendwann in dem Campusgebäude explodiert. Oh, oder er hätte ich tatsächlich auf einem Zebrastreifen in Dunst aufgelöst. "Solange es nicht auf dem Campus ist. Ich habe schließlich einen unfreiwilligen Ruf zu bewahren, hab ich damit kein Problem.", antwortete Arien nun grinsend, während er sich wieder an die Arbeit machte. Zwischen all den Bestellungen, unterhielt er sich hin und wieder mit Faith oder mit den anderen Kunden, alberte mit seinem Chef herum oder quatschte den Leuten noch mehr Drinks auf. Es war ein angenehmer Abend, ohne besondere Zwischenfälle.
      Dieser wurde aber von zwei sehr vertrauten Gesichtern direkt gesprengt. Zwei der wenigen echten Freunde die Arien besaß und sie mit all ihrer Peinlichkeit liebte.
      Nicht das er das je zugeben würde.
      Während Nicki der Welt verkündete, wie dramatisch er mal wieder abserviert wurde, der arme Rob das Chaos aufräumte und Arien nur schwer seufzte, hatte sich Faith zur neuen Therapeutin gemausert.
      Sie schien wohl genau die richtigen Worte gefunden zu haben, denn als Faith sich wieder gerade hingesetzt hatte und Nicki brav auf sie hörte und nach dem Wasserglas griff, sah er ernst zu seinem Barkeeper.
      "Wer ist sie? Ich liebe sie." sein Blick wanderte zu Faith. "Warum bist du nur weiblich. Ein Jammer."
      Nicki würde sich morgen für all die Peinlichkeit so sehr hassen. Arien hatte das dringende Bedürfnis ihn zu filmen. "Trink und halt die Klappe.", murmelte er belustigt und sah zu Faith.
      "Du würdest ihn nüchtern nicht wiedererkennen. Ich glaube manchmal das ist bei ihm ein wenig wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde."
      So verkehrt erschien ihm der Vergleich gar nicht. Nicki wiederum sah ihn nur fragend an.
      "Du bist viel zu böse für dein hübschen Gesicht, Arien." er sah zu Faith. "Oder? Das passt überhaupt nicht."
      Rob seufzte. "Ich sehe dich morgen schon einen Kilometer langen Entschuldigungsbrief schreiben."

      Jade Rhea Summer

      Hawke verwirrte sie. Auch wenn er nicht den Helden spielte wollte, so erschien Jade der Mann vor ihm immer mehr. Ein wenig düster vielleicht. Ein Held, der keiner sein wollte und doch einer war. Sicherlich war Hawke extrem beliebt. Konnte sie niemanden verdenken. Der Schwarzhaarige sah nicht nur extrem gut aus, mit diesen unglaublichen Augen, die Jade an einen wilden Wolf erinnerten, den nicht ganz zu bändigen schimmernden schwarzen Haar und dieser rauchigen Stimme, die ein wenig an einen Rockstar erinnerte. Nein, Hawke war auch unglaublich nett. Vielleicht würden ihr da andere widersprechen, da Hawke sich offenbar wirklich Mühe gab nicht nett herüberzukommen, aber er war es und Jade bekam wieder ein bisschen Herzklopfen, wenn er sie ansah.
      Sie konnte immer noch nicht glauben, dass dieser Mann sie in seine Welt einladen wollte. Er wollte sie dabei haben.
      Billiard spielen?
      Sie erinnerte sich, dass sie früher mit dem Verein so oft alle möglichen Dinge unternommen hatte. Erinnerungen, ein Hauch Vergangenheit, von dem sie geglaubt hatte, es nie wieder zu erleben.
      "Ich habe lange nicht mehr gespielt.", flüsterte sie leise, den Blick immer noch auf ihre Füße gerichtet, bis sie Schritte hörte und aufblickte.
      Hawke lief weiter, blieb aber stehen und sah sie wieder direkt an.
      Diese direkten Blicke machten sie wahnsinnig.
      Ein Blick vor dem es kein entkommen gab und vor dem sie nicht entkommen wollte. Als wäre es das einzige Licht in ihrer dunklen Welt und sie wollte instinktiv die Hand danach ausstrecken. Das Licht zu ergreifen versuchen.
      Plötzlich vibrierte ihr Handy in der Handtasche, welche sie über die Schulter trug. Als sie auf das Display sah und den Namen ihres Freundes entdeckte, hielt sie einen Moment inne.
      Ihr Blick wanderte zur Hawke der sie anlächelte.
      Ein kurzes Lächeln, fast nur eine Sekunde, als hätte man diesen Moment nur geträumt.
      So kostbar und....
      Jade drückte den Anruf weg, ehe sie schnell zu Hawke lief.
      Den Schmerz kaum spürend, der ihren ganzen Körper durchzog.
      Im Augenblick wollte sie nirgendwo anders sein als bei ihm.


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    • Charilynn Faith Ashenvale
      Faith verdrehte belustigt die Augen, ihr Blick glitt kurz zur Seite, bevor sie ihn mit einem gespielten Seufzer wieder ansah. "Ich hab mittlerweile schon verstanden, dass du deinen perfekten Ruf nicht verlieren willst," sagte sie mit einem süffisanten Lächeln. "Aber gut zu wissen, dann werd ich mich mal umsehen."
      Die Bar vibrierte wie ein stiller Aufstand. Der Sound war nicht laut, er brodelte. Gitarrenriffs krochen wie Rauch durch den Raum, der Bass legte sich wie Asphalt unter die Haut. Kein Kuschelkram, sondern Musik mit Narben und Haltung. Jeder Ton sagte: 'Bleib, wenn du’s fühlst.'. Und Faith fühlte es. Gedanklich schob sie die dicken Bücher in ihrem Kopf beiseite und atmete tief durch. Für einen Moment schien das Leben draußen pausiert zu haben. Die ganzen Erwartungen, To-Do-Listen und Gedanken an morgen waren draußen geblieben.
      Hier drin war alles ungeschönt und echt. Niemand spielte Rollen, niemand versuchte jemand zu sein, der er nicht war. Die Gäste lachten, gestikulierten wild beim Erzählen ihrer Geschichten, und selbst das Klirren der Gläser wirkte lebendig.
      Sowie Rob und Nicki. Ihre Kleidung anders und ihr Auftreten selbstbewusst und ungekünstelt. Faith beobachtete sie einen Moment lang, ihre Augen funkelten leicht, während sie ihr Glas hob und einen Schluck nahm.
      Ein leiser Gedanke huschte durch ihren Kopf. Vielleicht hatten diese Leute nicht viel Geld. Vielleicht wussten sie nicht, wohin ihr Leben führte. Aber sie schienen etwas zu besitzen, was in ihrem eigenen Leben oft fehlte: Spontanität. Freiheit. Echtheit. Dieses unverschämte Glück, nicht immer alles perfekt machen zu müssen.
      Sie wandte sich wieder ihrem Gesprächspartner zu, ihre Lippen formten ein breites Grinsen, das zwischen Stolz und Ironie schwankte. "Natürlich liebt man mich," sagte sie theatralisch und warf dabei ihr Haar zurück wie in einem alten Schwarz-Weiß-Film. "Ich bin wundervoll.".
      Sie zwinkerte, lehnte sich mit verschränkten Armen zurück und ließ ihr Grinsen noch einen Moment nachklingen. Natürlich war es ein Spaß, aber ein Teil von ihr liebte es, solche Sätze mit einem Hauch Überzeugung zu sagen.
      Obwohl Faith die beiden Männer erst kurz kannte, war sie schon jetzt froh, ihnen begegnet zu sein. Nicki brachte zwar eine ordentliche Portion Drama mit, doch statt den Abend zu stören, mischte das Chaos die Stimmung nur charmant auf.
      "Also ich finde, da passt so einiges nicht zusammen", meinte Faith lachend und warf Arien einen amüsierten Blick zu. Ja, da war tatsächlich einiges aus dem Takt geraten, und das Bild von Arien würde noch absurder wirken, wenn sie ihn bei der nächsten Anwaltsveranstaltung wiedertreffen würde. Zu wissen, was hier eigentlich so passiert, würde ihre Vorstellung von ihm gründlich auf den Kopf stellen.
      Er war offenbar doch nicht so, wie sie immer angenommen hatte.
      Gerade als sie noch etwas erwidern wollte, da trat ein weiterer Typ an die Bar. Er stellte sich direkt neben Faiths Hocker, lehnte sich locker an die Theke und ließ ein charmantes, leicht schiefes Lächeln aufblitzen.
      Er war groß, markante Wangenknochen, das Haar dunkel und leicht zerzaust, als wäre er gerade aus einem Konzert gestolpert, in dem er selbst gespielt hatte. Eine Lederjacke hing locker über einem grauen T-Shirt, und die silberne Kette um seinen Hals blitzte kurz im Licht der Bar. Er stellte sich direkt neben Faiths Hocker und warf ihr ein entspanntes Lächeln zu, "Lust auf einen Drink? Ich lad dich ein.". Sein Blick war weder aufdringlich noch berechnend, einfach selbstsicher. Und gutaussehend auf die Art, die nicht viel dafür tun musste.
      Faiths Hand ruhte locker am Glas, während ihr Blick zu seinem Gesicht glitt – verdammt, sah der Typ gut aus. "Na wenn du meine Freunde hier mit einlädst. Immerhin bin ich gerade nicht alleine hier.", meinte sie mit einem frechen Lächeln.

      Hawke Li-Winslow
      "Na dann ist es wohl mal wieder höchste Zeit", sagte Hawke und nahm ihre Antwort bereits als Zustimmung. Sie wollte mitkommen - er merkte es –, aber zögerte noch. Irgendwie konnte er das nachvollziehen. Vermutlich hätte sie sich gewünscht, dass ihr Freund sie begleitete, sich um sie kümmerte… nach allem, was geschehen war. Doch im Moment war nur er da. Und er wollte ihr helfen – ein echter Gefallen, nichts Verpflichtendes.
      Was konnte jetzt besser sein als eine gute Bar und ein paar Runden Billard? Also griff er zum Handy und schrieb seinen Freunden. In diesen schrecklichen Laden würde er definitiv keinen Fuß mehr setzen, die wenigen Sekunden dort hatten ihm gereicht: sterile Atmosphäre, hohle Gesichter, das Gefühl, fehl am Platz zu sein und alle nur auf Status erpicht.
      Und seine Vermutung bestätigte sich, kaum dass er ein paar Schritte vorausgegangen war. Jade hatte innegehalten, kurz auf ihr Handy geblickt, doch sie zögerte nicht lange, dann eilte sie zu ihm.
      "Bis zu unserer Stammbar ist es nicht weit", sagte Hawke beiläufig, "Ich weiß echt nicht, was die anderen geritten hat, ausgerechnet in diesen Schnöselladen gehen zu wollen." Seine Stimme klang noch leicht angespannt, aber nicht bitter.
      Er wollte gerade weitergehen, als er eine helle Frauenstimme hörte:
      "Hawke! Warte auf uns!"
      Er hielt inne, drehte sich um und erblickte Lina und Ethan, die eben aus dem Eingang der Bar traten und sich ihnen anschließen wollten.
      Lina winkte ihm zu, ihr Lächeln trotz der kühlen Nacht warm, während Ethan gelassen neben ihr herging, die Hände tief in den Jackentaschen, als hätte ihn nichts dort drin besonders beeindruckt.
      Hawke verspürte einen Anflug von Erleichterung. Zumindest würden sie jetzt gemeinsam einen Ort aufsuchen, der weniger vorgab, etwas zu sein, und stattdessen einfach war.
      Er ließ den Blick über seine Freunde schweifen. Lina wirkte, als hätte sie in dieser Bar wenigstens ein paar Sekunden Leichtigkeit gefunden, ihre Schritte beschwingt, ihr Lächeln wie gewohnt offen. Ethan hingegen sah aus, als hätte man ihm gerade eine Vorlesung über Weingläser gehalten, die er mit stoischem Gleichmut ertragen hatte.
      "Habt wohl den Ausgang auch mal gefunden.", meinte Hawke trocken, während er das Tempo ein wenig drosselte.
      "Du hast nicht mal auf die Antwort gewartet, bevor du losmarschiert bist", stichelte Lina und rief es ihm entgegen.
      "Ich war mir ziemlich sicher, dass ihr mir nicht lange in diesem Laden nachtrauert."
      "Also gut", sagte Ethan knapp, "gehen wir dahin, wo die Gläser Kratzer haben und die Musik nicht von einem Algorithmus kommt."
      Als sie sich den zwei dann endlich anschlossen, lächelte Lina warm und streckte Jade freundlich die Hand entgegen.
      "Ich bin Lina, schön, dich kennenzulernen", sagt sie mit heller Stimme, die irgendwie immer ein bisschen nach Sonne klingt. Ihre blonden, leicht gewellten Haare fielen locker auf die Schultern, und die leuchtend rote Jacke lässt sie zwischen den nächtlichen Farben beinahe aufflammen.
      Ethan blieb einen Schritt zurück, nickt nur knapp und hebt kurz die Hand zum Gruß.
      "Ethan", sagt er ruhig, aber mit einem Lächeln Er trägt einen dunklen Parka, den Kragen hochgeschlagen, und mit seinem dunkelbraunen Haar und den markanten Gesichtszügen wirkt er eher wie ein stiller Beobachter als ein Gesprächsführer, obwohl er oft nicht mehr aus dem Reden rauskam, hatte er einmal angefangen.
    • Arien Darkbloom

      Als Faith ihr Haar zurückwarf und diesen Satz abließ, sah er sie belustigt an.
      "Was zur Hölle war das denn bitte? Machst du einen auf Liviana?", hakte der Hellhaarige belustigt nach. "Was für eine Lawine?", hakte der betrunkene Nicki verwundert nach, sich große Mühe dabei gebend halbwegs wieder auszunüchtern. "Fast Nicki, fast. Vom Charakter ist sie eindeutig eine Lawine."
      "Frauen sind unheimlich....", murmelte der Schwarzhaarige Schönling an Arien gewandt. "Du sagst es." bestätigte er und gab seinem Freund ein weiteres Glas Wasser. Dieser sah ihn gequält an, aber sowohl der Blick von Rob als auch der von Arien sprach Bände und so gab sich Nicki geschlagen, ein wenig jammernd, aber er trank brav sein Wasser. Währenddessen bediente Arien seine Kunden weiter in der Bar. So sehr er seine wenigen Freunde auch liebte, er hatte einen Job und dieser beinhaltete zwar auch Babysitting seiner Kunden, aber eben auch das Ausschenken des Grundes, weshalb viele Männer entweder zu Babys oder Idioten wurden. Mit einem Ohr bekam er nebenbei mit, wie Nicki sich bei Faith darüber beschwerte das Ariens Charakter nicht zu seiner Optik passte und Faith die Verräterin bestätigte das auch noch.
      "Ihr könnt mich mal. Alle beide.", brummte der Hellhaarige, schüttelte aber nur grinsend den Kopf und schenkte einem riesigen Kerl, mit Schultern so breit wie die Eingangstür der Bar noch einmal kräftig Bier nach.
      "Siehst du?!", kam es von Nicki nach der Aussage an Faith gewandt. Rob grinste schief und bedachte Arien mit einem ´Bitte nimm es ihm nicht übel 'Blick. Das alte Spiel zwischen Arien, Rob und Nicolas. Das ging schon Jahre so und vielleicht war es auch genau das, was sie so zusammen schweißte. Ihre schräge Art, ein Charakter der sich nicht umformen ließ, ihre Authentizität. Sie gegen den Rest der Welt.
      Das könnte ein wirklich lustiger Abend werden. Nun so lange bis sich eine weitere Person der Runde anschloss, welche hier eindeutig nicht dazu gehörte.
      Während Faith den Kerl offenbar mit Blicken auszog, machte dieser sich direkt an sie heran. Entweder war der Kerl absolut mutig, ein Mädchen anzuquatschen, das nur von Kerlen umgeben war oder aber ein absolut selbstverliebter Narzisst. Arien tippte auf letzteres und Nicki, der in der Regel auf hübsche Männer direkt reagierte, sah den Kerl an, als hätte das Bedürfnis auf seine Schuhe zu kotzen.
      Arien hätte bezahlt um das zu sehen.
      "Ich verzichte Schätzchen. Ich steh nicht so auf Narzissten," schmunzelte Nicki und sprach in seinem betrunkenen Zustand genau das was Arien dachte. Ach ja, einer der Gründe weshalb Arien den Kerl so liebte.
      "Du hattest auch genug." Rob blickte entschuldigend zu dem Neuankömmling. "Entschuldige bitte meinen Freund. Er hatte schon ein paar Drinks zu viel. Ich brauche auch nichts, vielen Dank."
      Rob die gute Seele der Gruppe. Ein Herz so rein und gütig, dass er eher der Prinz im Turm war, der von der Prinzessin gerettet werden musste.
      Da Arien hier arbeitete musste er nach wie vor professionell sein. Nun, nicht das er in dieser Bar freundlich war, aber der Typ hatte ihm nichts getan und er verstand selbst nicht, wieso ihm der Sack so auf den Keks ging.
      "Was darf ich euch bringen?", hakte er demnach nach, darauf konzentriert dieses eine Glas in seiner Hand besonders gründlich zu polieren.

      Jade Rhea Summer

      Jade hatte zügig zu Hawke aufgeholt. Ihr Handy so weit in dieser kleinen Tasche die sie bei sich trug vergraben, wie es anhand der Größe möglich war. Sie würde heute nicht mehr auf das Display schauen. Hatte es bewusst lautlos gestellt und sie würde es schaffen heute nicht mehr an Killian zu denken. Ihr kleiner unerlaubter Crush auf Hawke würde ihr dabei helfen, das erste Mal seit langer Zeit mal wieder einen schönen Abend zu haben und sich nicht von Killian alles ruinieren zu lassen. Er war nicht da und sie würde alles daran setzen ihn wenigstens diese wenigen Stunden aus ihrem Hirn zu verbannen. Etwas das bei einem so charismatischen und manipulierenden Menschen wie ihrem Freund nicht sehr einfach war. Auch jetzt hörte sie noch seine Stimme im Kopf, dass sie ein schlechter Mensch sei, ihn verriet, fremd ging und es kein Wunder war, dass er sie so behandeln musste.
      Schnell schüttelte sie den Kopf. Gerade als sie etwas sagen wollte, hörte sie eine weibliche Stimme nach Hawke rufen.
      Seine Freunde.
      Das Mädchen das sich ihnen anschloss war wirklich niedlich. Sie hatte sonnengeküsstes blondes Haar, strahlende Augen und ein so warmherziges Lächeln, dass Jade gar nicht wusste wie ihr geschah.
      Der junge Mann der Runde, war sehr attraktiv. Er war nicht der typische heiße Kerl, dem die Mädchen nachschmachteten, er hatte diese Wärme und Ruhe, die ihn auf eine andere Art attraktiv machte. Eine Art die Jade mochte und sein Lächeln unterstrich dies nur noch.
      Von dem Selbstbewusstsein der beiden wurde die Rothaarige fast erschlagen.
      Dennoch nahm sie mutig, so fern Jade sich so bezeichnen konnte die Hand von Lina. Im Gegensatz zu ihrer eigenen Hand war diese so warm wie ihre Stimme. Jades Hände fühlten sich an wie Eiszapfen und sie hoffte das Mädchen damit nicht zu erschrecken.
      "Jade.....entschuldigt, dass ich mich einfach angeschlossen habe.", die gewohnte Entschuldigung kam kleinlaut über ihre Lippen, unsicher, ob diese nicht doch wütend waren, weil sie ihren Abend mit Hawke allein verbringen wollten und nicht mit einem fremden Mädchen.
      Ihr Blick wanderte nochmal Bestätigung suchend zu Hawke.
      War das wirklich richtig?


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    • Charilynn Faith Ashenvale
      Lachend warf sie Arien einen Blick zu. "Was? Etwa nicht überzeugend genug?". Nickis Vermutung brachte sie nur noch mehr zum Schmunzeln, und auf Ariens Worte nickte sie bloß mit einem breiten Grinsen. Faith kannte Liviana nicht besonders gut, aber die paar Geschichten, die sie gehört hatte, passten ziemlich genau zu dem Bild, das Lydia immer versuchte ihr zu erzählen. Ihre Freundin konnte Liviana absolut nicht ausstehen. Sie hatte Faith oft genug erzählt, wie sehr sie diese Frau verachtete. Angeblich hielt sie sich für etwas Besseres und lebte vom Ruhm ihrer Mutter, als wäre das ein Freifahrtschein für Arroganz.
      Trotz allem war die Stimmung überraschend locker. Die beiden Typen, die dazugestoßen waren, brachten eine gewisse Leichtigkeit mit, auch wenn Nicki nicht gerade in der besten Laune war. Offenbar war das so ein Ding, das öfter passierte.
      Dass plötzlich noch ein weiterer Mann auftauchte und Faith ohne zu zögern auf einen Drink einlud, damit hatte sie nicht gerechnet. Sie hob überrascht die Augenbrauen, musste aber zugeben: Es schmeichelte ihr. Und obwohl sie Nicki und Rob noch nicht lange kannte, lud sie die beiden kurzerhand ebenfalls ein. Vermutlich nicht das, was der Fremde beabsichtigt hatte – doch er lächelte einfach weiter und fragte, ob die beiden Männer ebenfalls etwas trinken wollten.
      Sie lehnten ab. Nickis Antwort war allerdings mehr als nur ein schlichtes Nein. "Das hat wehgetan", meinte der Fremde gespielt verletzt und klopfte sich dramatisch auf die Brust, direkt über dem Herzen. Doch anstatt sich abschrecken zu lassen, wandte sich der Mann wieder an Faith, seine Augen funkelten amüsiert. "Also… darf ich dir einen Drink ausgeben? Oder soll ich lieber verschwinden, bevor ich noch mehr Körbe kassiere?". Faith zögerte kurz und warf den Männern einen Seitenblick zu. "Warum nicht." Sie drehte sich zu Arien, der bereits wartete. "Machst du mir nochmal so einen?" Sie hob ihr Glas, in dem nur noch ein Rest war, und schlürfte den letzten Schluck durch den Strohhalm. "Der ist echt gut."
      Ein breites Lächeln zog sich über die Lippen des Mannes. "Für mich einen Old Fashioned." Dann wandte er sich wieder an Faith. "Ich bin Matt. Freut mich, dich kennenzulernen."
      "Faith", sagte sie mit einem Lächeln. Sie war gespannt, was dieser Abend noch so mit sich brachte.

      Hawke Li-Winslow
      Seine Freunde schlossen schnell zu ihnen beiden auf. Jetzt, wo Hawke wusste, wohin sie gemeinsam unterwegs waren, freute er sich tatsächlich mehr auf den Abend. Für seine Freunde hätte er sich auch in diese schicke Bar gesetzt und es einfach durchgezogen, aber das war einfach nicht sein Ding. Dieses ganze 'Reichen-Image' passte nicht zu ihm. Viel zu steif, viel zu gestellt.
      "Ach was, je mehr Leute, desto besser, oder?" meinte Lina fröhlich und hakte sich ohne zu zögern bei Jade unter. Ihr Lächeln war so selbstverständlich, dass es fast unmöglich war, sich nicht willkommen zu fühlen. "Gehen wir wieder ins Dark Lodge?" fragte sie, während sie sich mit federnden Schritten an Jades Seite hielt.
      "Natürlich", antwortete Ethan sofort, ohne zu zögern. "Da schmeckt das Bier wenigstens noch.", er grinste dabei, warf Hawke einen kurzen Blick zu und schob die Hände lässig in die Taschen. Die Stimmung war locker, vertraut - und Jade mittendrin.
      "Apropos Bier, du schuldest mir noch eins. Beim letzten Mal Billard hab ich gewonnen", meinte Hawke mit einem breiten Grinsen und einem Seitenblick zu Ethan. "Das war bloß Glück", konterte Ethan sofort, die Augen leicht verengt, als würde er die Niederlage immer noch nicht ganz akzeptieren. "Glück? Du meinst Können." Hawke lachte leise. "Was du da abgeliefert hast, war ja grauenvoll. Ich hab fast Mitleid bekommen.". Ethan schnaubte, schüttelte den Kopf und murmelte etwas von 'unfairer Tischkante', während er sich demonstrativ von Hawke abwandte.
      Lina, die sich immer noch bei Jade eingehakt hatte, grinste über die beiden Streithähne und wandte sich dann neugierig an die Rothaarige. "Gehst du und Hawke eigentlich auf dieselbe Uni?" fragte sie, während sie Jade einen kurzen, freundlichen Blick zuwarf. Die Jungs diskutierten im Hintergrund weiter über ihre angeblichen Billard-Skills, während Lina ganz selbstverständlich versuchte, Jade ein bisschen besser kennenzulernen, ohne Druck, einfach aus echtem Interesse.
    • Arien Darkbloom

      Plötzlich war jemand neues in ihre kleine aber feine Runde dazugestoßen. Nun, das war eine Bar und der Kerl hatte eine Daseinsberechtigung wie alle anderen hier auch. Er war ein Kunde und als solchen würde Arien ihn auch behandeln, aber er konnte nicht verhindern, dass ihn die Existenz dieses Menschen störte. Er konnte Existieren, aber bitte nicht vor seinem Bartresen. Warum zur Hölle störte ihn das? Wieso nervte es ihn, dass er mit Faith sprach? Wow, vielleicht sollte Arien wirklich mal frei nehmen und weniger arbeiten. Sein Hirn machte komische Sachen und merkwürdige Gedankengänge. Allerdings schien Nick der plötzliche Besuch ebenso bitter aufzustoßen. Er starrte den Kerl an, als wäre er die Pest auf zwei Beinen. Für jemanden so friedlichen und harmonischen wie Nikolas, eher selten. Allerdings änderte sich die Persönlichkeit des Dunkelhaarigen mit Alkohol schlagartig. Faith würde ihn niemals wiedererkennen, wenn sie ihn je nüchtern kennenlernen sollte.
      Die dramatische Reaktion des Typen, ließ Nicki nur mit den schönen Augen rollen. Arien fühlte das.
      Da er aber ein sehr guter Barkeeper - nein der Beste (!) war - musste er nun einmal seinen Job machen und so fragte er sowohl den Sack als auch Faith, was diese gerne trinken wollten. Wenigstens lobte die Hellhaarige sein Getränk erneut. Arien nahm die Bestellung auf und machte sich direkt an die Arbeit.
      "Ob er ihm ins Trinken spuckt?", kam es gelangweilt von Nicki der seinen Kopf auf dem Handrücken abstützte.
      "Nikolas!" ermahnte Rob ihn streng und seufzte gequält. Der arme Kerl hatte mit einem betrunken Nicki und einem chronisch unfreundlichen Arien wirklich alle Hände voll zu tun.
      Arien hatte Mitleid.
      ...
      Ein wenig.
      Er zauberte Faith also noch einmal ein Getränk, welches förmlich die Sonne im Glas einfing und auch das Getränk für Matt konnte sich sehen lassen. Der Old Fashioned glänzte förmlich in der Farbe flüssigen Bernsteins. Er hatte eine perfekt drapierte Orangenscheibe auf einen Zahnstocher in die Mitte geschoben, welcher in der Mitte des Glases balancierte wie ein Seiltänzer.

      Jade Rhea Summer

      Als sich die süße Lina bei ihr plötzlich einhakte, war das eine sehr liebevolle Geste. Allerdings kämpfte Jade damit nicht direkt das Gesicht vor Schmerz zu verzerren und nicht sofort nach Luft zu schnappen. Es war ohnehin beachtlich wie sie mit all den Verletzungen noch so perfekt gerade stehen und laufen konnte. Wahrscheinlich war es die jahrelange Übung darin, Schmerzen wie eine Katze perfekt zu verbergen. Irgendwie machte es das ganze noch trauriger. Tapfer schluckte sie also den Schmerz herunter und lief neben Lina her und versuchte sich zu erinnern, wann sie das letzte mal in einer so liebevollen Gruppe unterwegs war. Es wärmte ihr Herz und sie hatte das Bedürfnis erneut zu weinen. Aber dieses Mal aus purer Rührung über die Herzensgüte dieser Menschen hier. Warum waren sie nur so nett zu ihr? Die Jungs diskutierten über Billiard, während Lina versuchte ein Gespräch mit ihr suchen. "Ja....", antwortete Jade leise, versuchte sich aber dann zusammenzureißen. Lina war so freundlich zu ihr! Sie musste sich Mühe geben! Früher war sie doch so kontaktfreudig. "Ja, aber wir sind nicht im gleichen Studiengang. Ich ....ich habe ihn aus Zufall kennengelernt." antwortete sie der Blonden nun selbstbewusster. "Woher kennt ihr Hawke?"


      ღ For my lovely Warlock ღ
    • Charilynn Faith Ashenvale
      Faith saß an der Bar, die Fingerspitzen locker auf der kühlen Oberfläche des Tresens. Arien war bereits in seinem Element - der Shaker tanzte zwischen seinen Händen, Eis klirrte, und die Luft war erfüllt vom Duft frischer Zitrusfrüchte. Sie beobachtete ihn einen Moment lang, bis sie Nicki neben sich grummeln hörte. Rob ermahnte seinen Freund sofort, während Faith bloß belustigt mit dem Kopf schüttelte. "Ich bin ziemlich oft hier,", führte Matt das Gespräch fort "Aber dich hab ich noch nie gesehen.". Arya schmunzelte, "Das liegt wohl daran das ich erst das zweite Mal hier bin.". Matt nickte langsam, als würde er sich diese Information abspeichern. "Dann ist das hier also noch kein Stammplatz für dich."
      "Noch nicht", erwiderte sie, und ihre Stimme klang, als würde sie das selbst nicht ganz ausschließen. "Hier gibt es nur leider ziemlich gute Cocktails.".
      "Vielleicht ein Drittel. Ich bin vorsichtig mit Gewohnheiten."
      "Und mit Menschen?"
      Faith warf ihm einen kurzen Seitenblick, nicht abweisend, aber prüfend. "Kommt drauf an, wie sie sich benehmen"
      Matt hob die Hände leicht, als wolle er demonstrieren, dass er harmlos war. "Ich bin heute nur hier, um einen Drink zu genießen und nicht über mein Leben nachzudenken."
      "Dann hast du dir den richtigen Barkeeper ausgesucht. Arien mixt so, dass man kurz vergisst, was man verdrängen wollte."
      Als hätte er sie gehört – oder einfach perfektes Timing – stellte Arien in diesem Moment wortlos zwei Gläser vor ihnen ab. Faiths Drink schimmerte wie flüssiges Sonnenlicht, mit einem Hauch von Zitrusduft, der sofort die Sinne weckte. Auch Matt bekam sein Drink. Faith nahm ihr Glas, drehte es leicht im Licht und warf Arien einen kurzen, dankenden Blick zu.
      "Ich glaube, er mag dich," sagte Matt leise, während er sein Glas begutachtete.
      "Du scheinst wohl ein richtiger Menschenkenner zu sein.", meinte Faith und konnte nicht anders als kurz aufzulachen. Immerhin kannten Arien und sie sich nicht einmal richtig einander. "Er mag gute Drinks.".
      "Und du?"
      Faith nahm einen Schluck, ließ die Wärme sich ausbreiten, und sah Matt dann direkt an. "Ich bin noch unentschieden."
      Ein kurzes Schweigen entstand, nicht unangenehm, sondern wie ein Moment, der sich selbst zuhört. Die Musik war gedämpft, Stimmen verschwammen zu einem Hintergrundrauschen, und die Bar fühlte sich für einen Augenblick kleiner an – als würde sie sich nur um die beiden drehen.
      Matt nahm einen Schluck aus seinem Glas, ließ den Geschmack kurz wirken, dann stellte er es langsam ab. Sein Blick wanderte zu ihr, und für einen Moment schien er zu überlegen, ob er noch etwas sagen sollte – etwas Persönliches, vielleicht sogar Mutiges. Doch irgendetwas in ihrer Haltung ließ ihn innehalten.
      "Ich glaub, ich mach mich langsam auf den Weg", sagte er schließlich, ruhig und ohne Eile.
      Faith sah ihn überrascht an. Sein Lächeln war schmal, aber ehrlich. "Ich wollte nicht viel heute. Nur einen guten Drink und vielleicht ein kurzes Gespräch. Beides hab ich bekommen."
      Ein wenig irritiert sah sie ihn einfach nur an, ohne wirklich zu verstehen weshalb er direkt wieder verschwinden wollte.
      "Ich würd mich freuen, dich mal wieder hier zu sehen", fügte er hinzu, während er sich vom Hocker schob. "Aber keine Sorge – ich frag nicht nach deiner Nummer. Ich bin kein Sammler."
      Faith hob eine Braue, amüsiert. "Und kein Jäger?"
      "Nicht heute." Er zuckte leicht mit den Schultern. "Ich überlass das dem Zufall. Wenn wir uns wiedersehen, dann werd ich dich fragen.".
      Seine Worte klangen ehrlich, fast zärtlich. Und doch spürte sie, dass er sich nicht ganz sicher war, ob er willkommen war.
      "Bis dann Faith, habt noch einen schönen Abend.", sagte er, sein Blick blieb noch einen Moment auf ihr liegen, dann wandte er sich ab und ging zurück zu seinen Leuten – mit einem leisen Lächeln, das mehr sagte als Worte.
      "Du bist so gemein.", richtete Faith ihre Worte an Nicki, ihre Stimme klang amüsiert.

      Hawke Li-Winslow
      Hawke hatte sich gerade in eine hitzige Diskussion über die besten Eröffnungsstöße beim Billiard vertieft, als er aus dem Augenwinkel bemerkte, wie Jade sich bemühte, mit Lina Schritt zu halten. Als er ihren leisen Satz hörte 'Woher kennt ihr Hawke?' schmunzelte er leicht. Lina war wie die Sonne selbst und hatte das Talent, sich mit jedem Menschen anfreunden zu können. "Ihr seid nicht im selben Studiengang? Was studierst du denn dann?", wollte Lina wissen.

      "Oh, ich kenne Hawke schon ewig", begann sie, als Jade ihr die Gegenfrage stellte, und beobachtete mit einem zarten Lächeln die beiden Männer vor sich. "Im Grunde genommen wir beide. Ethan und er kennen sich schon seit dem Sandkasten und ich muss die zwei schon seit der Grundschule ertragen." Sie lachte leise, aber liebevoll, und warf Hawke einen neckenden Blick zu, den er mit einem gespielten Augenrollen quittierte. Die Vertrautheit zwischen den dreien war spürbar – sie neckten sich, aber da war auch Wärme, ein stilles Verständnis, das sich über Jahre aufgebaut hatte.
      Und Hawke liebte sie beide. Manchmal, wenn er inmitten seiner Freunde stand und das Lachen um ihn herum vibrierte wie Musik, wurde ihm bewusst, wie viel Glück er eigentlich hatte. Ihre Runde war groß geworden über die Jahre – ein bunter Mix aus Studienbekanntschaften, alten Schulfreunden, neuen Gesichtern. Aber wenn er ehrlich war, gab es zwei Menschen, die für ihn über allem standen: Ethan und Lina.
      Ethan war wie ein Bruder. Sie kannten sich seit dem Sandkasten, hatten zusammen Baumhäuser gebaut, sich beim Fußball gestritten und sich gegenseitig durch Prüfungsstress und Herzschmerz gezogen. Es gab keine Version seines Lebens, in der Ethan nicht vorkam. Und Lina… Lina war anders. Sie war wie ein Licht, das nie flackerte. Immer da, immer aufmerksam, immer bereit, ihm den Kopf zu waschen, wenn er sich verrannte – aber genauso bereit, ihn aufzufangen, wenn er fiel. Ihre Freundschaft war wie ein sicherer Hafen, und manchmal fragte er sich, ob sie überhaupt wusste, wie viel sie ihm bedeutete.
      Hawke wusste, dass er sich auf die beiden verlassen konnte. Egal, was passierte – ob er Mist gebaut hatte, ob die Welt ihm den Boden unter den Füßen wegzog oder ob er einfach nur jemanden brauchte, der schweigend neben ihm saß. Ethan und Lina waren da. Immer.
      Und das war mehr wert als alles andere
    • Arien Darkbloom

      Die drei Kerle beobachten die Szenerie vor sich mit den unterschiedlichsten Gesichtsausdrücken. Während Nicki aussah, als würde er sich am liebsten direkt übergeben, was zum einen vom Alkohol und zum anderen wegen der übertriebenen Selbstsicherheit des Kerls, sah Rob aus, als wäre er am liebsten irgendwo aber nur nicht hier. Arien wiederum hatte ein so perfektes Pokerface, dass man nicht herauslesen konnte, ob er einen Mord plante oder ihm all das schlichtweg egal war. Das hier war eine Bar und die zog allerhand kuriose Typen an. Was sollte es ihn also interessieren? Wenn Faith auf solche Typen stand, dann konnte sie das gerne tun. Allerdings wäre ihm das nicht direkt vor seinem Bartresen deutlich lieber. Das Geflirte war auf einem Niveau, dass an ein Handyotome-Spiel erinnerte und das bereitete ihm Gänsehaut, weil es dermaßen gruselig war. Arien hatte Otome-Spiele schon immer unheimlich gefunden. Abgesehen davon das man seine Getränke lobte, was auch das mindeste war, war die Szene ein einziges Trauerspiel. Mit der Gleichgültigkeit eines Felsen mixte er also die perfekten Cocktails und stellte sie vor den beiden ab. Seine Getränke waren Kunstwerke und seine Kunst bekam jeder zahlende Kunde, ob er sie nun mochte oder nicht. Ganz gleich wie unverschämt oder unhöflich er war, er wusste wie er mit den Leuten hier umgehen musste. Natürlich verkniff er sich kein Kommentar, das machte seinen Charme und seinen Ruf aus, aber gerade musste selbst Arien sich seine Worte verkneifen, da er bezweifelte das dieser Matt mit seinem Sarkasmus umgehen konnte und auch wenn er ihm auf den Sack ging, sein Geld tat es nicht. Sein Geld war unschuldig, falls er dafür nicht gerade getötet hatte. Wer wusste das schon.
      Glücklicherweise war es nicht sein zutun, dass der Typ endlich abzog. Arien kommentierte auch das nicht, bediente weiterhin seine Kundschaft. Nicki wiederum schüttelte sich. "Gemein? Der Typ war so schmierig, dass er jeder Nacktschnecke Konkurrenz macht. Brrr...."er blickte besorgt zu Faith. "Sag mir bitte nicht, dass das dein Typ ist? Weißt du..."
      "Gib ihr bitte keine Ratschläge. Dein Männergeschmack ist noch fragwürdiger." kam es trocken von Arien.
      Nicki sah nicht zu ihm, deutete aber mit dem Finger auf ihn. "Und in den darfst du dich auch nicht verknallen! Der saugt dir die Seele raus, weil er keine hat!"
      "Okay Dramaqueen. Ich glaube ich sollte dich langsam Heim bringen.", schmunzelte Rob und erhob sich vom Bartresen. "Faith? Ich habe mich sehr gefreut dich kennenzulernen. Komm gut nach Hause und lass dich von Arien nicht zu sehr ärgern." lächelte der Brünette sanft, ehe Arien und er zum Abschied die Fäuste aneinander hielten. "Arien."
      "Rob. Sieh zu das der Dichtsack unterwegs nüchtern wird." er grinste Nicki an. "Machs gut Drunken Princess."
      Nicki zog einen Schmollmund, verabschiedete sich aber dann von Faith und Arien, da gegen Rob zu argumentieren absolut sinnlos war und so machten sich die beiden auf und davon.

      Jade Rhea Summer

      Aufmerksam hörte die Rothaarige zu und versuchte unter Schmerzen mit der Gruppe Schritt zu halten. Die hatten nämlich einen echten Zahn drauf! Allerdings war das so eine herzliche Runde, voller Wärme und Sonnenlicht wie Jade es lange nicht mehr erlebt hatte, dass in ihr ungeahnte Kräfte beziehungsweise Lebensmut erwachten. Sie wollte so sehr Teil dieser Welt sein. Dieser Welt im Licht. Vielleicht war die Welt außerhalb ihrer Bücher doch nicht vollkommen schlecht.
      Lina berichtete ihr von ihrer Kindheitsfreundschaft und Jade kam nicht umhin sich Hawke als kleinen Jungen mit Latzhose in einem Sandkasten vorzustellen. Sie schmunzelte bei dem Gedanken. Sicherlich hatte er die beiden immer beschützt und die Gegner mit der kleinen Sandkastenschaufel bedroht. Hawke war sicherlich schon von Kindesbeinen an ein Beschützer gewesen. Jade hatte keine Kindheitsfreunde mehr, was sie unglaublich deprimierte. Die engen Freunde welche sie gehabt hatte, hatte ihr Freund vertrieben und durch den Umzug zu ihm waren die restlichen Kontakte auch langsam aber sicher verschwunden.
      Sie war allein...
      Vollkommen allein.
      Das Licht welches sie im Augenblick noch gespürt hatte drohte langsam aber sicher wieder zu verdunkeln. Die Rothaarige versuchte sich zusammen zu reißen. Das hier war ihr erster schöner Ausflug seit Ewigkeiten! Sie durfte sich nicht ihren trübseligen Gedanken hingeben. Die warteten Zuhause auch noch auf sie.
      "Ich studiere Veterinäramt." antwortete Jade dann auf die Frage von Lina, ehe sie vor einer Billiardbar zum stehen kamen, welche mit flackernden Lichter an die Kneipen aus den 60er Jahren erinnerte. Es hatte einen gewissen Charme.


      ღ For my lovely Warlock ღ
    • Charilynn Faith Ashenvale
      "Schmierig? Der war doch total nett", meinte Faith und warf Nicki einen belustigten Blick zu, die Augen leicht zusammengekniffen, ein Grinsen auf den Lippen. Sie konnte sich ein Kichern kaum verkneifen es war einfach zu amüsant, wie sehr er sich über Matt aufregte. Was erwartete man denn in einer Bar? Natürlich wurde man angesprochen. Und das war bei ihr nun wirklich nichts Neues. Wenn sie an all die anderen Typen dachte, die ihr schon über den Weg gelaufen waren, war Matt geradezu charmant gewesen. Immerhin hatte er gemerkt, dass er nicht willkommen war – na ja, nicht von ihr, aber definitiv von Nicki. Und der hatte das auch ziemlich deutlich gemacht. Dass Nicki ihr jetzt tatsächlich auch noch Ratschläge geben wollte, entlockte Faith ein leises Lachen. Sie sagte nichts, aber ihre hochgezogene Augenbraue sprach Bände. Ausgerechnet er, der Typ mit der Dauer-On-Off-Beziehung, bei der niemand mehr durchblickte. Bevor sie etwas erwidern konnte, unterbrach Arien ihn schon, und die Diskussion zwischen den beiden Männern nahm wieder Fahrt auf. Faith lehnte sich entspannt zurück, schlürfte an ihrem Cocktail und beobachtete das Schauspiel mit einem amüsierten Funkeln in den Augen.
      Als Rob sich schließlich entschied, dass es Zeit war zu gehen, richtete sie sich auf, strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und schenkte ihm ein ehrliches Lächeln. "Hat mich gefreut".
      Sie sah den beiden noch hinterher, wie sie durch die Tür verschwanden, und für einen Moment blieb ihr Blick an der Bewegung hängen.
      "Sag mal…", begann sie und drehte sich auf dem Barhocker zu Arien um, "Musst du am Wochenende auch zu diesem dämlichen Anwaltsevent mit deinem Vater?". Faith verzog das Gesicht, als hätte sie gerade an etwas besonders Trockenes gedacht. Ihre Augenbrauen zogen sich zusammen, und sie schüttelte leicht den Kopf, während sie sich mit einem genervten Laut zurücklehnte. "Ich weiß echt nicht, ob ich den Abend überlebe", murmelte sie genervt. "Die haben alle so nen Stock im Arsch, dass man meinen könnte, die Kinder wären entspannter, aber nope. Die sind mindestens genauso schlimm." Sie hob die Hände kurz in einer hilflosen Geste, ließ sie dann wieder sinken und starrte einen Moment auf ihr Glas, als würde sie darin nach einem Fluchtweg suchen. "Das letzte Mal hat mich eines dieser Jura-Wunderkinder gefragt, ob ich schon über meine Spezialisierung nachgedacht hab und mir erklärt wie man sich mit 18 schon ein Netzwerk aufbaut und eigentlich wollte ich bloß zum Buffet.".
      Ein schiefes Grinsen huschte über ihre Lippen, sie sah zu Arien und nahm einen Schluck, lehnte sich wieder etwas vor und flüsterte verschwörerisch: "Ich sag’s dir, ich brauch einen Fluchtplan.".

      Hawke Li-Winslow
      Lina warf Jade einen kurzen Seitenblick zu, als sie das Wort 'Veterinäramt' aussprach. Ihre Augen begannen zu leuchten, und ein warmes Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus.
      "Das ist super cool!", sagte sie begeistert "Hätte ich meinen Job nicht gefunden, dann hätte ich das auch studiert. Ich liebe Tiere!" Sie lachte leise, fast verträumt, und musterte Jade mit einem freundlichen Blick. "Aber irgendwie… hab ich mir sowas in der Richtung bei dir vorgestellt. Du wirkst wie jemand, der sich gern kümmert. So mit Herz.".
      Vor der Bar blieb die Gruppe stehen. Ethan lachte laut auf, seine Stimme hallte kurz in der ruhigen Straße wider. "Na warte ab! Bist du bereit zu verlieren? Ich mach dich sowas von fertig!" Hawke zog nur eine Augenbraue hoch, ein breites Grinsen auf den Lippen. Er drückte seine Zigarette lässig am Mülleimer aus, ließ den Rauch langsam durch die Nase entweichen und drehte sich dann gemeinsam mit Ethan zu den Mädels um. Sein Blick wanderte über die Fassade der Bar, deren flackernde Neonlichter an vergangene Jahrzehnte erinnerten. Normalerweise war hier mehr los – Grüppchen, Gelächter, Musikfetzen, die nach draußen drangen. Doch heute war es ungewöhnlich ruhig. "Heute ist wohl nicht viel los", meinte Hawke und zuckte leicht mit den Schultern. "Scheint so", antwortete Ethan, während er die Tür aufschob und sich mit einem erwartungsvollen Lächeln zur Gruppe umdrehte. "Aber mal schauen, wie's drinnen aussieht.".
      Als sie die Bar betraten, schlug ihnen sofort eine warme, leicht verrauchte Atmosphäre entgegen. Der Raum war in gedämpftes Licht getaucht, das von rustikalen Lampen über der Theke und den Billardtischen ausging. Die Wände waren dunkel gestrichen, stellenweise mit alten Konzertplakaten und vergilbten Fotos dekoriert, die Geschichten von längst vergangenen Nächten erzählten. Rechts erstreckte sich eine lange Holztheke, hinter der ein Barkeeper mit ruhiger Ausstrahlung Gläser polierte, als wäre das hier sein zweites Wohnzimmer. Die Regale hinter ihm waren voll mit Flaschen in allen Farben, und ein paar Stammgäste saßen verteilt auf den Hockern, nickten der Gruppe freundlich zu, als sie eintraten. Links befand sich der Billardbereich – leicht erhöht, mit drei großen Tischen, deren grüner Filz im Kontrast zum dunklen Holz fast leuchtete. Über jedem Tisch hing eine klassische Metalllampe, die das Spielfeld klar ausleuchtete. Die Kugeln lagen ordentlich aufgereiht, die Queues standen griffbereit in einem Halter an der Wand. Aus den Lautsprechern klang ein Mix aus Indie-Rock und alten Klassikern, nicht zu laut, aber präsent genug, um die Gespräche zu begleiten. Es war nicht überfüllt, eher angenehm belebt – ein Ort, an dem man sich nicht verstellen musste.

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    • Arien Darkbloom

      Arien war ziemlich erleichtert, als all das Drama sich verflüchtigt hatte. Sei es Faiths Beuteschema oder sein betrunkener bester Freund - armer Rob, Ariens ewiges Mitgefühl sei ihm gewiss. Er liebte seine Freunde aber als der Trubel sich gelichtet hatte, war Arien nicht böse darüber. In dieser Bar ging auch ohne filmreifes Drama genug ab, dass ihm nicht langweilig wurde und das Jonglieren zwischen betrunkenen Rockern, Machos und Freunden war nicht unbedingt einfach. Nicht das der Hellhaarige dies nicht vorbildlich hinbekam, aber es sorgte nicht dafür, dass Arien einen solchen Abend als entspannt betiteln wurde. In der Regel waren die Abende für ihn hinter dem großen Thresen, umringt von allerhand verschiedener Menschen dennoch für ihn entspannend. Hier so weit weg von all dem Ruhm, Glanz und Gloria der Highschool. Er lauschte dem tiefen kehligen Lachen seines Chefs, woraufhin der ganze Tisch in das Gelächter mit einstimmte und grinste ein wenig. Arien würde es nie zugeben, aber er liebte diesen Kerl. Für ihn war sein Chef der Vater, den er sich immer gewünscht hatte. Für Arien war es aber zu erbärmlich seine kindlichen Wünsche auf seinen Chef zu projezieren und er war dankbar, dass es noch niemand geschafft hatte in seinen Kopf zu blicken. Er würde vor Scham sprichwörtlich zugrunde gehen. Eine der wenigen Darkbloom-Eigenschaften die er tatsächlich besaß war sein furchtbarer Stolz.
      "Das Thema hatten wir doch erst du kleiner Dichtkopf.", neckte Arien Faith als diese von besagten Anwaltevent sprach und grinste schief. "Schon Filmrisse in dem Alter? Ich bin schockiert. Ich sollte dir Wasser geben." Es wollte Arien nicht gefallen, aber irgendwie machte es ziemlich Spaß dieses Mädchen zu necken. Entwickelte er hier gerade irgendeinen merkwürdigen Kink? Scheiße, hoffentlich nicht. Er hatte schon genug schlechte Eigenschaften, diese musste er jetzt nicht auch noch dazu zählen.
      "Ja, ich bin dort und präsentiere mich als perfekten Überflieger-Sohn, der wieder zig bescheuerten Weibern vorgestellt wird, mit denen mein Dad mich verkuppeln will, damit er noch mehr Prestige und Nutzen daraus ziehen kann. Und wie bereits erwähnt werde ich während dieser Zeit sturzbetrunken sein, dass mir das alles am Arsch vorbei geht und niemand wird es merken."
      Mit gespielt unpassenden Lehrerton erhob Arien den Zeigefinger. "Na hör mal. Ich bin auch ein Jura-Wunderkind und ich bin erschüttert, dass dir all die Paragraphen nicht einen absolut sexuellen Kick verleihen. Wer kennt sie nicht, die wilde Nächte mit dem Gesetzbuch. Du verpasst das Beste." Arien blickte sie daraufhin an, grinste und musste dann lachen. "Das Buffet scheint die ideale Abfangstelle zu sein. Ich werde da auch konstant angequatscht, aber ich höre nie zu. Beim letzten Event gab es eine geniale Käseplatte. Die war mein bester Gesprächspartner. Ich hoffe die ist wieder anwesend....es war Liebe."

      Jade Rhea Summer

      Jade war schon immer der Meinung, dass Menschen die Tiere mochten gute Menschen tief im Inneren waren, egal wie hart sie sich nach Außen gab. Genauso war es anders herum. Niemand konnte ein guter Mensch sein, der keine Tiere mochte. Das also die Augen von Lina leuchteten, als Jade Ihr Studienfach preisgab, ließ darauf schließen dass Jade gerade eine Verbündete in Sachen Tierliebe gefunden hatte, was auch für Hawke sprach, da sie seine Freundin war. Die sanften Worte von Lina ließen ihre von der Nachtwind gekühlten Wangen ein wenig rosig werden und ein schüchternes Lächeln umspielte das zarte Gesicht der Rothaarigen. "Ich habe Tiere schon immer geliebt. Sie geben so viel ehrliche Liebe zurück und es ist mir eine Ehre zu lernen mich um sie zu kümmern, damit ich wenigstens ein kleines Danke an diese kostbaren Seelen zurückgeben kann.", kam es in einem so sanften Ton von Jade, als gäbe es in ihrer Seele nicht den kleinsten Funken Dunkelheit. Obwohl ihr Leben in einer einzigen Finsternis zu ertrinken drohte, gab mir wenigstens das Kraft weiterzumachen. Vielleicht waren es tatsächlich die Tiere und ihre Märchenwelten, die sie am Leben hielten. Diesen Dank würde Jade nie zurückgeben können, aber sie hoffte ihrem Leben wenigstens so viel Wert aufzubringen, dass sie jemand sein konnte, der Tiere beschützte und vielleicht auch rettete. Dann hätte Jades Existenz einen Grund und das gab ihr tatsächlich Hoffnung. Das laute Lachen von Ethan ließ Jade aufschrecken und sie blickte erst verwirrt zu Lina, dann zu Jade und dann zu Hawke. Dieser grinste lässig und sie erkannte dieses Leuchten in seinen Augen, was ihm seine Freunde geben konnten. Sie wünschte sich mehr von Hawke zu sehen, ihn kennenzulernen und sich zu erlauben ihre kleine heimliche Schwärmerei fortzusetzen. Wenn es aber nur dieser eine Abend sein würde, wäre das auch in Ordnung.
      An diesem Abend hatte er sie gerettet und diese kostbare Erinnerung würde sie ein Leben lang in ihrem Herzen tragen.
      Sie betraten besagte Bar und schon wehte eine deutliche andere Luft Jade entgegen. Es roch nach Leder, kaltem Rauch und Indiemusik erkannte man bruchstückhaft. Es war eine lausige Qualität von Soundbox, aber es herrschte Gelächter und die Leute wirkten so....echt.
      Ja, sie waren echt und nicht wie diese Schaufensterpuppen in dieser prunkvollen Angeber-Bar, in der sie vor kurzem glaubte einzugehen wie eine kleine Blume am Straßenrand unter stickigen Abgasen.
      Jades Augen leuchteten ein klein wenig als sie sich in der Bar umblickte.


      ღ For my lovely Warlock ღ
    • Charilynn Faith Ashenvale
      Faith blinzelte verwirrt, als Arien sie mit einem schiefen Grinsen ansah, bis es ihr plötzlich dämmerte. Oh. Das Gespräch über dieses blöde Anwaltsevent. Gestern. Sie hatte es tatsächlich komplett vergessen. Dann schnaubte sie leise, schüttelte den Kopf und verzog das Gesicht, als hätte sie gerade in etwas Bitteres gebissen. "Dichtkopf?", wiederholte sie gespielt empört, hob eine Augenbraue und legte die Hand dramatisch auf die Brust. "Ich hab bei weitem noch nicht so viel getrunken, dass meine Demenz einsetzt – auch wenn ich zugeben muss, dass ich's wirklich vergessen hab.", ihre gespielte Empörung wandelte sich zu einem Grinsen um und ihre Stimme trug einen sarkastischen Unterton. "Das ist eben ein Thema, das ich lieber verdränge." Mit einem lockeren Schwung drehte sie ihr Glas zwischen den Fingern, warf Arien einen vielsagenden Blick zu. "Und dafür brauch ich definitiv noch ein paar mehr gute Drinks. Die du mir natürlich mischen musst.".
      Das Arien ihr erzählte das auch sein Vater ihn versuchte mit irgendwelchen Frauen zu verkuppeln, wunderte Faith kein bisschen. "Ist das eigentlich so ein Anwalt-Ding, dass man seine Kinder mit irgendwelchen langweiligen Arschkriechern verkuppeln muss?" fragte sie, während sie sich halb auf dem Barhocker drehte, die Beine locker übereinandergeschlagen. "Mein Dad macht das ganz genauso. Und ich bin jedes Mal aufs Neue verblüfft, was er da aus den Ecken zieht." Sie lachte leise, verzog aber innerlich gleichzeitig das Gesicht. Der schlimmste war bisher Arthur. Hornbrille, Gläser so dick, dass seine Augen wie Lupen wirkten. Die Hose bis zu den Achseln hochgezogen, die Krawatte viel zu lang, und das Hemd so tief in die Hose gesteckt, als wollte er sich selbst bügeln. Sie erinnerte sich so gut an diesen Typ, als stünde er gerade vor ihr. Es hat nur noch die Zahnspange gefehlt. Und ein Taschenrechner, den er als Flirtmittel präsentiert.
      "Die sind dann wohl genauso schlimm wie die Typen, oder? Ich hab zumindest kaum jemanden kennengelernt, der Humor besitzt. Oder überhaupt menschlich wirkt."
      Bevor sie noch weiter ausholen konnte, hob Arien mit einem gespielten Ernst den Finger, als wolle er Einspruch erheben. Dann brachte er einen Ton über die Lippen – halb gespielt, halb ernst – der Faith sofort ein Schmunzeln entlockte. Sie lehnte sich zurück und stimmte in sein Lachen mit ein. "Oh, dann muss das wohl mein Fehler sein", meinte sie grinsend. "Ich hab bisher einfach nicht das richtige Gesetzbuch gehabt, das mir so ein Vergnügen bereitet. Mein Fehler." Faith lachte. Es war erfrischend, sich mit jemandem über das Jura-Studentenleben auszulassen – jemand, der sie verstand, der wusste, wie absurd das alles manchmal war.
      "Das Buffet ist aber auch das Beste an diesen Events", fügte sie hinzu, während sie ihr Glas hob. "Immerhin scheuen die sich nicht vor den Preisen fürs Essen. Wär auch ein Drama, wenn man sich durch diese Gespräche hungern müsste.". Sie prostete ihm zu, ein ehrliches Lächeln auf den Lippen und für einen Moment fühlte sich das alles gar nicht mehr so schwer an. "Und der Alkohol darf auch bloß nicht fehlen.".

      Hawke Li-Winslow
      "Das klingt wirklich toll", sagte Lina mit echter Begeisterung in der Stimme und lächelte warm. Ihre Augen funkelten ehrlich, als sie Jade ansah. "Ich wette, du wirst mal eine richtig großartige Tierärztin.". Sie lehnte sich ein Stück näher, als würde sie ein kleines Geheimnis teilen, und ihre Stimme wurde ein wenig weicher. "Wir haben auch einen Hund in der Familie. Sie heißt Honey, ein Australian Shepherd-Mix." Ein liebevolles Lächeln huschte über ihr Gesicht, während sie kurz in Gedanken abschweifte. "Sie ist schon neun, also mittlerweile eine kleine alte Dame. Aber sie hat immer noch diesen Blick, weißt du? So ein 'Ich weiß genau, was du denkst'-Blick." Lina lachte leise, schüttelte leicht den Kopf. "Manchmal glaube ich, sie versteht mehr als die meisten Menschen.", sie blickte wieder zu Jade "Ich find's schön, wenn jemand Tiere so sehr liebt wie du. Das merkt man dir richtig an.", sagte sie noch ehe sie die Bar betraten.
      Ein fröhliches 'Hey!' kam Lina sofort über die Lippen, während Hawke und Ethan die Hand zum Gruß hoben, als ihnen der Barkeeper ein Grinsen schenkte. Milan gehörte hier mittlerweile mit zum Inventar, denn er arbeitet hier schon seitdem er ein Teenie ist. Mit seiner lockeren Art und seinem charmanten Lächeln lockt er auch einige Frauen an. Sein dunkles, leicht zerzaustes Haar fällt ihm locker in die Stirn, und die warmen braunen Augen funkeln verschmitzt unter dichten Brauen. Ein gepflegter Drei-Tage-Bart betont sein markantes Kinn, und das schwarze Hemd mit hochgekrempelten Ärmeln sitzt lässig auf seinen breiten Armen. Es wundert also keinen in dieser Bar, das er bei allen gut ankommt. "Ich hatte schon angst euch heute nicht mehr zu sehen", hörte man Milans dunkle, rauchige Stimme. "Wir können doch gar nicht ohne dich.", antwortete Ethan.
      "Du meinst, DU kannst nicht ohne mich.", woraufhin Ethan wieder antwortete und Milan zuzwinkerte: "Das stimmt wohl. Ich komm später zu dir, mein Hase.".
      Hawke schüttelte bloß den Kopf und grinste. Das war mittlerweile so ein Ding zwischen den beiden geworden und umso mehr Ethan trank, umso inniger wurde die ganze Sache zwischen den beiden auch. Das die beiden eigentlich an Frauen interessiert sind und Ethan mit Lina zusammen ist, war dann überhaupt nicht mehr zu spüren.
      Wie immer steuerten sie direkt auf ihren Stammplatz zu, den Billardtisch hinten in der Ecke, leicht abgeschirmt vom Rest der Bar. Der Bereich war gemütlich, fast wie ihr kleines Revier. Neben dem Tisch standen ein paar Barhocker und ein hoher Tisch, auf dem schon Kreidespuren und leere Gläser von früheren Runden zu sehen waren.
      Sie zogen ihre Jacken aus, warfen sie lässig über die Hocker, als wären sie hier Stammgäste – was sie irgendwie auch waren. Hawke streifte die Ärmel seines Pullovers hoch, mit dieser typischen Bewegung, die er immer machte, wenn er sich entspannte. Hier fühlte er sich wohl. Kein Glitzer, kein Getue. Keine Rolex-Blender, die sich gegenseitig mit Familiennamen und Kontoständen übertrumpfen wollten. Diese ganze Show war ihm schon immer zuwider gewesen. Dass er aber ausgerechnet Jade in so einer Vorzeigebar getroffen hatte, war für ihn immer noch ein kleiner Schock, aber ein guter.
      "Wollt ihr was trinken?", fragte Ethan in die Runde, während er sich schon halb Richtung Bar drehte. "Oh, ja! Ich komm mit dir mit. Jade, was möchtest du?", fragte Lina, die sich bereits ihre Haare aus dem Gesicht strich und sich auf den Weg machte.
      "Wie immer", antwortete Hawke mit einem kurzen Grinsen, während er sich den Queue schnappte und ihn prüfend in der Hand drehte. Als auch Jade eine Antwort gab, machten sich Ethan und Lina auf den Weg zur Bar, und Hawke blieb mit ihr zurück.
      Er lehnte sich locker gegen den Tisch, sein Blick wanderte kurz durch den Raum, dann zu ihr. "Alles ein bisschen anders als in der anderen Bar, was?" sagte er mit einem schiefen Lächeln, das mehr über seine Meinung verriet, als Worte es könnten.
    • Arien Darkbloom

      Zugegeben konnte Arien es ihr nicht verdenken, dass sie nicht an dieses Event denken wollte und es irgendwo weit hinten vergrub, dort wo man gewöhnlich seine Mathehausaufgaben aufbewahrt, die man angeblich gemacht hat. Dieses Event war ungefähr so aufregend wie Bruchrechnen und wenn der Hellhaarigen schon daran dachte, wie er ihn einem Anzug teurer als die Miete der meisten Leute gesteckt wurde, bekam er bereits jetzt Migräne. Würde sein Vater ihn hier sehen mit seiner wilden Frisur, dem ganzen Schmuck und dem losen Mundwerk, würde er ihn sicherlich direkt enterben oder in ein Kloster stecken, damit er das Mönchtum praktizierte. "Heißt wenn du noch mehr trinkst, setzt eine echte Demenz ein?", neckte Arien daraufhin sein neu gefundenes Opfer amüsiert, da ihm das deutlich mehr Freude bereitete als sich selbst in einer Mönchskutte vorzustellen. Es war erfrischend im Gegensatz zu den ganzen Armleuchtern an der Universität, dass sich Faith nicht zu fein war über sich selbst zu lachen. Während sein Gast mit dem leeren Glas zwischen den Fingern spielte und darauf anspielte, dass Arien offenbar Schuld war, würde sie zur Alkoholikerin verkommen, hatte er ihr das Glas aus der Hand gefischt und blickte sich um, was er ihr nun zubereiten konnte. Nun, Arien hatte nie behauptet das er ein guter Einfluss war und sein Chef würde sich nicht beschweren, solange er sie nicht komplett abfüllte und sie noch wusste was sie tat. Es würde also etwas nicht allzu starkes werden, aber gut genug um einen beschwippsten Abend zu haben. Einen Moment legte er nachdenklich den Kopf schief, ehe ihm ein passendes Getränk einfiel und er sich bereits ein paar Zutaten schnappte. Da aber das aktuelle Glas nicht zu dem Getränk passte, stellte er dieses zur Seite und suchte sich ein Martiniglas heraus, dessen Rand er mit einem Zuckerrand verzierte und eine perfekt geschnittene Zitrone zur Dekoration des leicht milchig anmutenden Getränks nun vor Faith stellte. "Ein Lemon Drop Martini, schon mal probiert?" schnurrte er ihr zu, ehe er auch schon vom nächsten Kunden gerufen wurde. Er zwinkerte Faith kurz zu und machte sich dann an die Arbeit eine Rockermädels-Gruppe mit passenden Getränken zu begeistern, die nicht Bier waren, da es Arien widerstrebte den ganzen Abend nur verfluchtes Bier auszuschenken. Er war Künstler verdammt kein Schankwirt in einem RPG-Spiel, dass irgendwelchen Orks ständig Bier ausschenken musste. Als er die nächste Runde versorgt hatte, war er wieder bei Faith, mixte nebenher aber weiter Getränke für die anderen Gäste. "Ich glaube das ist Einstellungskriterium, damit man sich Anwaltsdad schimpfen kann.", murrte Arien alles andere als glücklich an seine letzte Erinnerung von der Vorstellung was sein Vater als perfektes Dad für seinen Sohn empfand. "Oder? Ich glaube manchmal, dass er ganz Mittelerde, das Star Wars Universum und Hogwarts umgräbt, um all die Leute zu finden. Wären die Kandidaten wirklich von dort wäre es dennoch spannender, als das was ich so vorgesetzt bekomme." Die Erinnerung an Nudel-Laura war ihm noch böse im Gedächtnis geblieben und der Grund weshalb er einen Monat keine Pasta angerührt hatte. Er wusste nicht ob er schockiert oder beeindruckt darüber war, dass das Mädel den kompletten Abend Pasta gegessen hatte und sich versucht hatte zwischen Nudel und Fleischbällchen mit ihm zu unterhalten. "Ein Mädchen habe ich getroffen, die wirklich süß war, aber sie hatte einen Freund, den ihr Vater nicht akzeptiert hat und darum hatte er versucht sie weiter zu verkuppeln und den Kerl zu vergraulen. Ich frage mich was aus ihr geworden ist und dem armen Tropf, der sich gegen den Alten behaupten musste." antwortete Arien und reichte einem Biker ein Weinglas, dass er seine zierlichen Freundin überreichte, welche neben dem Riesen richtig winzig wirkte. Die beiden waren ein niedlicher Anblick.
      "Danke Hase.", entgegnete ihm der Biker - groß wie ein Felsen. Arien warf ihm eine Zitronenscheibe an den Kopf, welche an der Stirn kleben blieb. Perplex blinzelte er. "Wow, ich bin beeindruckt, dass das wirklich haftet." Während seine Freundin in schallendem Gelächter ausbrach, bedrohte ihn sein Gast mit ....Moment..."Was zur Hölle ist das?", hakte Arien irritiert nach und blickte auf ein flauschiges Etwas.
      "Bist du blind?! Der Schlüssel von meinem Bike, wenn ich dir den an den Kopf haue, dann hast du da ein Loch."
      "Da ist ein Puschel dran..."
      "Der ist von mir! Süß oder?", kicherte das zierliche Mädchen mit der feuerroten Mähne. Arien grinste. "Bezaubernd und unglaublich einschüchternd."
      "Gott, ich hasse dich...", seufzte der Biker und strich sich durch das bereits weiße Haar.
      "Ich mische deine Getränke."
      "Das ist dein Glück." die beiden setzten sich an ihre Plätze. Wo war er? Ah, Arien blickte wieder zu Faith. "Ich hab in einer Stunde Dienstschluss. Warte auf mich." Dann wendete er sich einer großen Gruppe zu, die etwas mehr Zeit in Anspruch nahm.


      Jade Rhea Summer

      Lina war so unglaublich lieb und freundlich zu ihr, dass Jade sich fühlte wie in einer warmen kuscheligen Decke. Es war lange her, dass jemand so sanft mit ihr umgegangen war. Die Rothaarige wusste nicht, ob Lina von Natur aus eine so sanftmütige und sonnige Natur besaß oder bewusst mit ihr so umging. Was auch immer der Grund war, ihr wurde warm ums Herz und dieser Abend war der erste Abend seit einer sehr langen Zeit in der Jade glaubte eine schöne Zeit zu haben. Ein wenig nervös war sie immer noch und die Angst etwas Falsches zu sagen oder zu tun saß ihr immer noch tief in den Knochen. Die Jahre lange Misshandlung durch ihren Freund hatte nicht nur körperliche sondern auch seelische Spuren hinterlassen und diese Angst bekam man leider nicht in einem Abend einfach aus ihr heraus. Allerdings fühlte sich Jade als hätte sie gerade ein Pflaster auf eine Wunde aufgelegt bekommen und das verdankte sie einzig und allein Hawke. Einen schüchternen Blick erlaubte sie sich zu dem Mann mit dem mitternachtschwarzen Haar. Er war unglaublich...
      Als ihr Lina dann allerdings von Honey erzählte, leuchteten die sonst so leblosen Augen der jungen Frau regelrecht auf. "Hast du ein Foto? Was für ein zuckersüßer Name." Lina war also eine Hundebesitzerin! Kein Wunder, dass sie so eine liebe Seele war, sie mochte Tiere offenbar genauso sehr! Die Jungs hatten bereits die Bar betreten, während die Mädchen ihnen schnell nachfolgten. Sofort wurden sie vom Barkeeper begrüßt, welcher sie ansah als wären sie alle schon jahrelange alte Freunde. Der Mann an der Bar wirkte ein wenig wie einer dieser Bad Boys aus Fernsehserien, welche in Wahrheit Kuscheltiere sammelten. Er war attraktiv, männlich und doch war er nicht einschüchternd. Trotzdem brachte Jade nur ein leises "Hallo." zur Stande, was aber offenbar niemanden störte, da sich Ethan und besagter Barkeeper einer sehr interessanten Unterhaltung und Flirterei hingaben, was Jade mit großen Augen beobachtete und sie an eines ihrer Lieblingspaare aus einem Roman erinnerte! Da Jade allerdings das Gefühl hatte zu stören, rückte sie ein wenig näher an Lina heran.
      Sie hatten sich offenbar auf dem Stammplatz der Gruppe niedergelassen, ein wenig versteckt und doch im Zentrum. Jade war erleichtert, dass der Zigarettenrauch hier nicht ganz so präsent war, da man offenbar in dieser Bar drinnen Rauchen durfte. Etwas das die Rothaarige nicht leiden konnte, aber ihr dennoch tausend Mal lieber war als der Club, in dem sich alle mit ihren Rolex und gebleichten Zähne anstrahlten, dass man das Bedürfnis hatte und eine Sonnenbrille aufzusetzen, nur um all dem irgendwie zu entkommen. Wahrscheinlich würden der Sonnenbrille aber die Gläser aus der Fassung springen. Sie wurde aus den Gedanken geholt, als sich Lina nach ihrem Getränkewunsch erkundigte. Jade hatte keinerlei Ahnung was man in so einer Bar trank und blickte beschämt auf den Boden. Sie fühlte sich wirklich wie von einem anderen Stern. "Uhm...ich würde das gleiche Trinken wie du..."
      Ethan und Lina hatten sie dann mit Hawke allein gelassen, der nun zu ihr sah. Diese wunderschönen Augen, in denen sich Jade verlieren konnte.
      "Ja, aber ich bin sehr froh darüber.", lächelte sie auf die Aussage von Hawke hin. "Danke....Danke für den wunderschönen Abend. Deine Freunde sind wirklich sehr lieb."


      ღ For my lovely Warlock ღ

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    • Charilynn Faith Ashenvale
      "Kommt ganz auf den Drink an, den du mir mixt", meinte Faith mit einem amüsierten Funkeln in den Augen, während sie das leere Glas spielerisch zwischen den Fingern drehte. Doch bevor sie noch etwas hinzufügen konnte, schnappte Arien ihr das Glas schon und sein Blick huschte kurz über die Flaschen hinter der Bar, dann zu den frischen Zutaten, die ordentlich aufgereiht neben dem Schneidebrett lagen. Sie hob die Augenbrauen, lehnte sich leicht auf die Theke und beobachtete ihn mit einem amüsierten Lächeln. Normalerweise war sie nicht der Typ, der sich quer durch die Cocktailkarte probierte. Sie blieb lieber bei dem, was sie kannte oder bei dem, was gut klang. Aber Arien hatte bisher ein Händchen für ihre Geschmäcker bewiesen. Kein Drink, den er ihr gemixt hatte, war bisher durchgefallen. Während sie ihm zusah, wie er routiniert die Zutaten abmaß, Eis in den Shaker füllte und mit flinken Bewegungen die Flasche drehte, schweiften ihre Gedanken ab. Es war fast absurd, dass sie beide hier waren, in dieser kleinen Bar, inmitten von Musik und Gelächter, obwohl ihre Eltern sich nicht ausstehen konnten und ganz andere Vorstellungen vom Leben ihrer Kinder hatten. Bisher hatte sie nicht wirklich mit Arien über ihre Familie gesprochen, aber sie wusste, dass sie sich da ähnlich waren.
      Faith beobachtete, wie er den Drink mit einer kleinen Zitronenscheibe garnierte, bevor er es vor ihr abstellte, jeder seiner Cocktails sah aus wie ein kleines Kunstwerk.
      "Bisher nicht", sagte sie mit einem leichten Kopfschütteln. Bei seinem kurzen Zwinkern konnte sie nicht anders, als zu lächeln. Es war dieses lockere, ehrliche Zwinkern, das ihr das Gefühl gab, hier gerade genau richtig zu sein. Die Stimmung gefiel ihr - mehr, als sie sich eingestehen wollte. Und gleichzeitig erinnerte sie sich daran, wie sehr sie sich danach sehnte, einfach sie selbst sein zu dürfen. Etwas zu tun, das ihr wirklich Freude machte. Sie war erst im zweiten Semester, aber der Druck, die Erwartungen, das ständige Funktionieren, all das nagte schon jetzt an ihr. Es wurde schwerer, sich zu konzentrieren. Schwerer, die Fassade aufrechtzuerhalten. Ein flüchtiger Gedanke huschte ihr durch den Kopf: Wusste Ariens Vater eigentlich, was sein Sohn hier tat? Und wenn ja, war ihm das egal? Oder war es ihm einfach nicht wichtig genug, um hinzusehen?
      "Scheint wohl so ein Ding zu sein", meinte Faith mit einem lockeren Schulterzucken, während sie ihr Glas auf der Theke abstellte. Ihre Stimme klang belustigt, aber auch ein wenig nachdenklich. "Ihr Freund war dann wohl kein Arzt oder Anwalt.. kommt mir bekannt vor.".
      Ihr Blick schweifte ab, wurde von dem Bikerpärchen eingefangen, das sich gerade angeregt mit Arien unterhielt. Die beiden sahen aus, als wären sie direkt aus einem Roadtrip-Film gestiegen. Lederjacken, lässige Haltung, ein vertrautes Lachen. Faith musterte sie neugierig, ihr Kopf leicht zur Seite geneigt. Wie hatten die sich wohl kennengelernt? Wahrscheinlich auf einem Biker-Treffen. Irgendwie cool. Ob Arien auch mal auf so einem Treffen war? Motorradfahren hatte definitiv Stil. Mit einem amüsierten Lächeln auf den Lippen beobachtete sie die kleine Szene vor sich, nahm dann den ersten Schluck ihres Drinks und war überrascht, wie gut er schmeckte. Ihre Augen weiteten sich leicht, und sie nickte anerkennend, als würde sie dem Cocktail still ein Kompliment aussprechen. Man, so gut die Drinks auch schmeckten, das durfte echt nicht zur Gewohnheit werden.
      Als Arien sich wieder zu ihr wandte und erwähnte, dass er bald Feierabend habe und sie auf ihn warten solle, machte sich ein neckisches Grinsen auf Faiths Gesicht breit. Sie sah ihn direkt an, ihre Stimme klang leicht verspielt: "Achso? Ich wusste ja, dass du mich nach gestern vermisst hast, aber gleich so sehr? Das überrascht mich, Herr Darkbloom.".
      Mit einem amüsierten Funkeln in den Augen griff sie nach ihrem Glas, drehte sich von der Bar weg und stieg elegant vom Hocker. Eigentlich wollte sie nur kurz frische Luft schnappen, ein bisschen Abstand vom Trubel. Doch als sie an einer kleinen Gruppe vorbeikam, blieb ihr Blick an einem bekannten Gesicht hängen. Matt.
      Er sprach sie nicht direkt an, aber eine Freundin, die neben ihm saß, lächelte sie offen an und bot ihr einen Platz an. Faith zögerte kurz, warf einen Blick zur Eingangstür, dann nickte sie und nahm das Angebot an.
      Die Gruppe war locker, herzlich und ein bisschen chaotisch. Sie lachten über peinliche Geschichten, erzählten von verrückten Urlaubserlebnissen und teilten kleine Anekdoten, die Faith zum Schmunzeln brachten.
      Und so verbrachte sie den restlichen Abend mit dieser kleinen Freundesgruppe – unerwartet, aber genau richtig.

      Hawke Li-Winslow
      Während Hawke und Ethan vorausgingen, bahnte sich zwischen den beiden eine hitzige, wenn auch nicht ganz ernst gemeinte, Diskussion über das bevorstehende Billardspiel. Mit verschmitzten Grinsen und spielerischem Ehrgeiz schmiedeten sie Schlachtpläne, wie sie den jeweils anderen besiegen würden. Jeder war natürlich felsenfest davon überzeugt, dass er als Sieger vom Tisch gehen würde. Die Sticheleien zogen sich über den gesamten Weg zur Bar, begleitet von gelegentlichem Schulterrempeln und übertriebenem Augenrollen. Hinter ihnen schlenderten Lina und Jade, in ein ganz anderes Gespräch vertieft. "Oh mein Gott, ja! Warte kurz..", rief Lina begeistert, als Jade nach einem Foto von ihrem Hund fragte. Sie kramte eifrig in ihrer Tasche, zog ihr Handy hervor und scrollte durch ihre Galerie, bis sie schließlich triumphierend das Display drehte und es Jade hinhielt. "Das ist sie, unsere kleine alte Dame. Sie tut so, als wär sie noch ein Welpe, aber wehe, man weckt sie vor neun Uhr.". Lina lachte leise, ihre Augen wurden weich, während sie das Bild betrachtete. "Sie ist mein Herz. Und ich glaub, sie würde dich sofort mögen. Du hast so eine ruhige, liebe Ausstrahlung.".
      Als sie schließlich die Bar betraten, steuerte die Gruppe wie selbstverständlich ihren Stammplatz an, eine gemütliche Ecke mit einem Billardtisch, ein paar Barhockern und einem kleinen Tisch, der schon viele Abende erlebt hatte. Lina und Ehtan machten sich daran, ihnen Getränke zu besorgen während Hawke sich dann dem Billardtisch widmete. Zum Glück konnte er aus dieser stickigen Vorzeigebar von vorhin fliehen.
      "Klar doch. In dem grauenvollen Schuppen hätte ich dich echt nicht zurücklassen können", antwortete Hawke, ohne darauf einzugehen, was er eigentlich gesehen hatte. Und das würde er auch den restlichen Abend dabei belassen.
      Mit geübten Handgriffen fischte er die Kugeln aus den Taschen, ließ sie klackend auf das grüne Filz rollen und begann, sie in die Startformation zu bringen. Normalerweise musste man in Bars wie dieser vorne die Kugeln abholen und einen Pfand hinterlegen, für den Fall, dass mal etwas zu Bruch ging. Aber hier lief vieles auf Vertrauensbasis. Die Stammgäste kannten sich, und auch die Neulinge wurden schnell durch aufmerksame Blicke eingeschätzt. Wer sich benahm, war willkommen. Wer nicht, na ja, der kam meist nicht wieder. Er und seine Freunde kamen schon seit Jahren hierher, die Bar war für sie mehr als nur ein Treffpunkt. Eigentlich konnte man sie ihr zweites Wohnzimmer nennen. Alles war vertraut: die Musik, die Leute, sogar die kleinen Macken im Holz des Billardtisches. "Lina ist ein echter Sonnenschein", begann Hawke mit einem warmen Lächeln, während er sich das Dreieck vom Rand des Tisches griff. "Man kann sich auf die beiden immer verlassen. Auch wenn Ethan einfach nicht verstehen will, dass er beim Billard keine Chance gegen mich hat.". Er grinste breit, während er die Kugeln einsortierte und sorgfältig in Position brachte. Seine Bewegungen waren routiniert, man merkte, dass er das hier oft machte. "Er ist ein ziemlich schlechter Verlierer", fügte er mit einem amüsierten Funkeln in den Augen hinzu. Nachdem die Kugeln perfekt aufgestellt waren, ging er zur Wand, nahm zwei Queues, einen längeren, einen kürzeren, und hielt Jade den kürzeren entgegen. "Siehst du dann, wenn wir zwei gegen die gewinnen. Enttäusch mich nicht", sagte er mit einem schiefen Grinsen und zwinkerte ihr lässig zu.
      In dem Moment hörte man Ethans Stimme, der sich wieder zu ihnen gesellte, mit zwei Bierflaschen in der Hand. "Höre ich hier Verschwörungstheorien? Und von einem angeblichen Sieg, obwohl du sowas von verlieren wirst?", er drückte Hawke das Bier in die Hand, während dieser nur grinsend den Kopf schüttelte.
      Lina kam ebenfalls zurück, ihre Augen blitzten belustigt, als sie die kleine Szene beobachtete. Sie rollte spielerisch mit den Augen und hielt Jade ein Cocktailglas entgegen. "Ich hoffe, du magst Sex on the Beach. Auch wenn man's der Bar hier nicht sofort zutraut, Milan kann echt gute Cocktails mixen. Ein echtes vergeudetes Talent, denn die meisten trinken hier bloß Bier.".
    • Arien Darkbloom

      Einen Moment blickte er Faith mit einer perfekt hochgezogenen Brauen an. Etwas das er heimlich geübt und inzwischen perfektioniert hatte! Skeptische Blicke waren nun voll sein Ding, gefolgt von genervten Gesichtsausdrücken und dem Eindruck vollkommener Desinteresse. "Ich bin zwar alles andere als freundlich, aber nicht einmal ich lasse eine Frau um die Uhrzeit allein im Dunkeln herumlaufen. Außerdem würde mir der alte Mann den Kopf abreißen, wenn dir etwas passiert.", antwortete Arien auf die belustigte Aussage von Faith, darüber das sie auf ihn warten sollte, bis er Dienstschluss hatte. Ernsthaft, glaubte sie er war ein Barbar? Klar, er war ein Arsch, aber so viel Anstand besaß selbst er. Natürlich könnte sich Faith ähnlich wie ihre Freundin einfach einen Typen anlachen, aber es widerstrebte Arien Faith in der Rolle eines ´einfachen Mädchens 'zu sehen. Er wusste nicht genau warum, aber die Vorstellung, wie sie einfach mit einem Kerl mitging gefiel ihm nicht. Damit er sich nun aber doch noch seine gewohnte sarkastische Coolness beibehielt, hielt er einen Moment in seiner Bewegung inne, ehe er sie frech angrinste. "Außerdem erinnere ich mich noch an eine gewisse Spinnerin, die unbedingt nochmal mit mir Motorrad fahren wollte, aber bitte dann nicht. Dann bringe ich dich eben nur zu einem Taxi.", neckte er sie und machte sich dann weiter an die Arbeit. Schließlich konnte er nicht den ganzen Abend darum verbringen sich nur mit Faith zu unterhalten. Er hatte auch noch andere Kundschaft, selbst wenn diese wusste, dass Arien in der Regel gar kein gesprächiger Typ war. Es war merkwürdig, dass es mit der Kleinen aber so einfach war. Es machte sogar Spaß mit ihr einfach so herumzualbern. Inzwischen glaubte er tatsächlich, dass sie es nicht irgendwann gegen ihn verwenden würde, dass sie sein Geheimnis kannte. Vorsichtig blieb er weiterhin, was aber eher seiner von Natur aus misstrauischen Natur zu schulden war und nicht einmal der Kleinen selbst.
      Arien machte sich also wieder daran das zu tun was er am liebsten tat: Drinks zu mischen und Faith? Diese hatte offenbar neue Freunde gefunden, darunter auch den Playboy, welcher aber nicht allein war und Glück hatte das Nicki nicht anwesend war...zumindest der betrunkene Nicki. Der Nüchterne hätte sich wahrscheinlich zig Mal entschuldigt.
      Arien beließ es dabei und verbrachte die restliche Stunde ohne seine überraschend angenehme weibliche Gesellschaft. Da er mal wieder die Zeit vergessen hatte, wurde ihm erst bewusst, dass er eigentlich seit 10 Minuten Feierabend hatte, als Vincent nach ihm rief und mit dem Daumen Richtung Hintertür, wo er seine Garderobe hatte deutete. Arien fischte sein Handy aus der Hosentasche und blickte erstaunt zu seinem Chef. Wie immer hatte er die Zeit vergessen. Vincent grinste nur und Arien trocknete sich die Hände an einem Geschirrtuch ab, ehe er die Bar verließ, damit sein Chef übernehmen konnte und nach hinten verschwand. Dort schnappte er sich seine Motorradjacke und Helm.
      "Bis nächsten Freitag alter Mann. Vergiss nicht, dass ich bei diesem Austauschprogramm mit mache und vermiss mich nicht allzu sehr."
      Daraufhin schnippte ihm der großgewachsene Mann gegen die Stirn.
      "Komm ja wieder nerviges Balg."
      Arien grinste nur, rieb sich die Stirn und versuchte sich nicht anmerken zu lassen, dass er sich über die Worte freute. Damit man seine Freude nicht sehen konnte, machte er sich schnell auf den Weg zum Tisch von Faith und der Gruppe.
      "Verschwinden wir." entgegnete er ihr und nickte nur kurz in die Runde zum Abschied.

      Jade Rhea Summer

      Als Lina das Bild ihrer zuckersüßen Hundedame präsentierte, leuchteten die Augen von Jade so strahlend wie die Abendsonne selbst, welche in Anbetracht ihrer Augenfarbe tatsächlich eine solche Beschreibung verdient hatten. Jade hatte in ihrem Leben wenig zum Glücklich sein, die einzigen Momente waren, wenn sie sich in ihrer Märchenwelt vergrub oder bei Tieren und diese süße Hundedame war so bezaubernd, dass Jade förmlich dahin schmolz. "Sie ist unglaublich süß." freudig lauschte sie der Erzählung von Lina über Honey und beschloss, dass Lina wohl einer der wundervollsten Menschen der Welt sein musste. Sie hatte die junge Frau in so kurzer Zeit lieb gewonnen, dass der pure Gedanke sie vielleicht nicht mehr wiedersehen zu können ihr einen richtigen Stich ins Herz versetzte. Hawke war wirklich gesegnet mit dieser Freundin, aber Hawke war ebenso wundervoll, also hatte er auch tolle Freunde verdient.
      "Man sieht ihr an, dass du dich wundervoll um sie kümmerst. Sie hatte einen gesunden Ausdruck in den Augen, ihr Fell glänzt und sie wirkt sehr entspannt und zufrieden." mit einem sanften Lächeln betrachtete sie das Foto. Als Lina meinte, dass Honey sie sicherlich mögen würde, ging ihr förmlich das Herz auf und man erkannte Jades Freude über das in ihren Augen wunderschönste Kompliment überhaupt.
      Ihr Gespräch wurde durch die Ankunft in der Bar unterbrochen und die Rothaarige konnte es nicht vermeiden sich neugierig umzusehen. Es war tatsächlich ein kompletter Kontrast zur Location, in welcher sie sich gefühlt hatte wie ein Vogel im Käfig. Auch wenn Jade solche Orte wie diesen nicht gewohnt war, fühlte sie sich deutlich wohler und weniger wie auf dem Präsentierteller. Dennoch blieb die Angst im Hinterkopf, dass sie hier mit ihrer absoluten Ahnungslosigkeit auffiel. Sie wollte die so herzliche Freundesgruppe unter keinen Umständen blamieren.
      Als Lina sie nach ihrem Getränkewunsch fragte, überließ Jade ihr ein wenig überfordert die Wahl. Hawke hatte sich daraufhin Jade wieder genähert und die Rothaarige konnte ein freudiges Hüpfen ihres Herzens nicht unterdrücken. Ein Glück hörte man es nicht.
      Als der Schwarzhaarige davon sprach, dass er sie nicht zurücklassen konnte, blickte sie ihn überrascht an. Sie hätte ihm Traum nicht erwartet, dass jemand wie Hawke jemand Unscheinbaren wie sie überhaupt wahrnimmt und nun hatte er sie wieder gerettet. "Danke...", flüsterte sie leise und blickte zu den Billardkugeln welche er positionierte. Als Hawke von Lina sprach, sah Jade direkt begeistert auf. "Das ist sie!" peinlich berührt, weil sie wie ein totales Fangirl klang, hoffte sie nicht knallrot geworden zu sein.
      Glücklicherweise wurde dies aber durch ein neues Gefühl wieder unterdrückt: Verwunderung. Hawke wollte mit ihr spielen und sie in seinem Team? Überrascht sah sie ihn an.
      "Ich....ich gebe mein Bestes dich nicht zu enttäuschen, versprochen!" Oh Gott, hoffentlich enttäuschte sie ihn nicht. Sie hatte doch von Billiard kaum Ahnung...
      Zwar war sie eine echte Sportskanone, aber würde das hier überhaupt etwas bringen? Manche Leute bezeichneten es zwar als Sport, aber es war doch etwas anderes als Saltos, Geräteturnen oder Volleyball.
      Lina und Ethan waren zurückgekehrt und Jade nahm dankend das Getränk entgegen. Vielleicht würde das ihr Mut geben.
      Das sie diesen Cocktail tatsächlich noch nie getrunken hatte war zwar ein wenig peinlich, aber so war es nun einmal. Sie ging seit sie mit ihrem Freund zusammen war kaum aus und wenn dann durfte sie dies nur in seiner Begleitung. Ihr Freund bestand dann allerdings darauf, dass sie nur Rotwein trank, weil dies ein besseres Bild einer Dame abgab.
      Jade hasste Rotwein wie die Pest.
      Sie nippte daher gespannt an dem farbigen Cocktail und blickte erstaunt auf. "Er ist wirklich lecker!"



      ღ For my lovely Warlock ღ
    • Charilynn Faith Ashenvale
      Zunächst blickte sie Arien einfach nur perplex an, ihre Stirn leicht gerunzelt, die Lippen einen Spalt geöffnet, als wollte sie etwas sagen, aber die Worte blieben aus. Hatte er ihren kleinen Scherz etwa persönlich genommen? Eigentlich war das doch nur ein Scherz gewesen, kein Vorwurf, nichts mit böser Absicht. Sie wollte ihm nichts unterstellen, im Gegenteil. Und wenn es wirklich mal sein sollte, könnte sie sich jederzeit ein Taxi rufen, sie war vorsichtig genug. Sobald sie in ein fremdes Auto stieg, teilte sie ihren Standort, machte ein Foto vom Kennzeichen und schickte es direkt an Lydia. Erst als er sich abwandte und dann doch noch etwas sagte, erhellte ihr Gesicht wieder auf. Ein Grinsen schlich sich auf ihre Lippen, sie schüttelte leicht den Kopf und meinte: "Also jetzt verdrehst du mir echt die Worte, so war das absolut nicht gemeint.". Gedanklich freute sie sich schon auf die nächste Fahrt mit ihm. Die gestrige Tour war zwar kurz und viel zu kalt gewesen, aber sie hatte ihr wahnsinnig Spaß gemacht. Der Fahrtwind, das Gefühl von Freiheit, das laute Brummen des Motors, all das hatte sich in ihr festgesetzt. Wenn der Frühling langsam in den Sommer überging und die Nächte wärmer wurden, konnte sie sich richtig gut vorstellen, wie schön das Motorradfahren dann sein würde. Ob Arien nur ein flüchtiger Kontakt bleiben würde oder ob sie wirklich Freunde wurden, wusste sie nicht. Aber sie hoffte, dass sie die Gelegenheit öfter bekam, mit ihm zu fahren, einfach, weil es sich gut anfühlte. Und ziemlich cool war.
      Mit diesen Gedanken im Kopf, fast schon spürbar den Fahrtwind im Gesicht, wollte sie sich gerade auf den Weg nach draußen machen, als sie plötzlich von einer jungen, hübschen Frau angesprochen wurde, die sie freundlich zu sich an den Tisch bat. Das sie nochmal mit Matt in ein Gespräch kommen würde, hatte sie nicht mehr erwartet. Er hatte den ganzen Abend über keine Anstalten gemacht, sie nochmal anzusprechen. Kein Spruch, kein Blick, nichts. Und soweit sie das mitbekommen hatte - nicht, dass sie ihn bewusst beobachtet hätte - hatte er auch bei keiner anderen Frau versucht, Eindruck zu schinden. Es war ihr einfach aufgefallen.
      Dass sie an diesem Abend noch an diesem Tisch sitzen würde und dann auch noch erfuhr, dass die kleine Gruppe tatsächlich eine Band war – hätte sie im Leben nicht erwartet. Doch genau das machte den Moment so besonders. "Abgefahren! Das ist nicht euer Ernst! Was spielt ihr denn so? Und wo tretet ihr auf?", hatte sie begeistert gerufen. Sie sprudelte förmlich über vor Fragen und konnte gar nicht genug erfahren. Matt spielte Gitarre und sang, Ava, die Frau mit den langen schwarzen Haaren und dem leicht gothigen Stil, war die Leadsängerin. Liam, der mit dem verschmitzten Grinsen, saß am Schlagzeug, und Noah war der Allrounder: Gitarre, Keyboard, wahrscheinlich auch noch Triangel, wenn man ihn fragte. Faith hing an ihren Lippen, stellte eine Frage nach der anderen, lachte, staunte, und war für einen Moment einfach nur sie selbst, neugierig, offen, begeistert. Am liebsten hätte sie sofort eine Show gesehen, live, hier, jetzt. Als das nicht möglich war, verzog sie kurz das Gesicht, fast wie ein beleidigtes Kind, das kein Eis bekommt.
      Irgendwann driftete das Gespräch zu den peinlichsten Bühnenmomenten ab. Ava hatte einmal mitten im Song den Text vergessen, Matt war über ein Kabel gestolpert und hätte beinahe das komplette Schlagzeug mit sich gerissen. Und Liam... nun ja, Liam hatte den ganzen Abend den Reißverschluss seiner Hose offen gehabt – samt Boxershorts mit quietschgelben Enten im Superman-Cape die in einer kleinen Badewanne saß. "Und meine Flamme stand in der ersten Reihe", hatte Liam erzählt, die Hände über dem Gesicht." Sie hat's gesehen. Aber sie ist geblieben und seitdem sind wir zusammen.". Alle am Tisch lachten, als wäre es erst gestern gewesen und Faith kam nicht umher als es sich bildlich vorzustellen. Seine Freundin erinnerte ihn auch immer gern an diesen peinlichen Abend zurück.
      Sie hatte so viel Spaß, dass sie die Zeit völlig aus den Augen verlor. Erst als Arien an den Tisch trat und ihr mit einem knappen 'Verschwinden wir' signalisierte, dass es langsam Zeit wurde, fiel ihr wieder ein, dass die Uni am nächsten Morgen nicht auf sie verzichten würde.
      Widerwillig verabschiedete sie sich von der Gruppe, wünschte ihnen viel Spaß für den morgigen Auftritt und versprach, sich mal eine Show anzusehen. Ihre Getränke hatte sie längst bezahlt und ein ordentliches Trinkgeld dagelassen, so wie es sich gehörte.
      Draußen zog sie sich die Lederjacke über, die sie den ganzen Abend lässig um die Hüften gebunden hatte. "Ich will gar nicht auf die Uhr schauen", meinte sie seufzend, während sie die Jacke zurechtrückte. "Sicher ist es wieder viel zu wenig Schlaf." Ihr Blick wanderte zu Arien, ein müdes, aber zufriedenes Lächeln auf den Lippen. Als sie das erste Mal vor dieser Bar stand, hatte sie nicht glauben wollen das sie jemals wieder hierher kommen und noch so viel Spaß haben würde.

      Hawke Li-Winslow
      Wie jeder gute Haustierbesitzer hatte Lina natürlich tausend Bilder von Honey auf ihrem Handy und vermutlich waren das nicht die letzten, die sie Jade unter die Nase halten würde. Mit einem strahlenden Lächeln erklärte sie ihr, dass sie ihre Hündin Honey genannt hatten, weil ihr Fell so hell wie Honig und Sand war. Lina hatte sie damals als kleinen Welpen gesehen, und der Name war ihr sofort eingefallen. "Ich zeig dir später noch Bilder, wo sie ganz klein war", sagte sie fröhlich, ihre Stimme voller Stolz und Zuneigung, während sie das Handy wieder in ihre Tasche steckte, gerade als sie die Bar betraten.
      Der Ablauf war wie immer: Sie gingen direkt zu ihrem Stammplatz, einer kümmerte sich um den Tisch, der Rest besorgte die Getränke. Sie waren hier schon so lange Stammgäste, dass Milan ihre Bestellungen eigentlich schon auswendig kannte. Sobald sie die Tür öffneten, konnte er fast blind die Drinks vorbereiten.
      Ein Lächeln schlich sich auf Hawkes Lippen, als er über Lina sprach und gleichzeitig Jades Reaktion beobachtete. Für einen Moment sah er sie einfach nur an. Bisher hatte er nicht viel mit Jade zu tun gehabt, aber sie wirkte eher schüchtern und zurückhaltend. Nicht auf eine unangenehme Weise, sondern eher so, als wäre sie es nicht gewohnt, neue Leute kennenzulernen. Als würde sie sich selbst noch nicht ganz trauen, sich fallen zu lassen.
      Hawke war jemand, der Menschen genau beobachtete. Nicht aus Misstrauen, sondern aus echtem Interesse. Er wollte verstehen, wie jemand tickt. Vielleicht machte er auf den ersten Blick nicht den freundlichsten Eindruck, aber er hatte ein gutes Gespür für die, die Hilfe brauchten und genau deshalb studierte er, was er studierte. "Ich hab sie selten mit schlechter Laune erlebt", meinte er mit einem schmunzelnden Blick zu Lina, während er die weiße Kugel auf dem Tisch platzierte. "Aber wenn das mal passieren sollte, dann empfehle ich dir, so weit weg zu laufen, wie du nur kannst". Er griff zwei Queues von der Wand, prüfte sie kurz und hielt Jade den kürzeren entgegen.
      "Also eigentlich wollte ich dich bloß alleine fertig machen", warf Ethan ein, der sich gerade wieder zu ihnen gesellte. Er nahm einen Schluck von seinem Bier, stellte es auf dem Tisch ab und schnappte sich ebenfalls zwei Queues "Aber wenn du Jade da jetzt noch mit reinziehst, dann bist du echt ein schlechter Mensch. Ihr habt absolut keine Chance gegen mich.". Er grinste breit, während er Lina ihren Queue reichte.
      Lina hingegen war mehr damit beschäftigt, sich darüber zu freuen, dass Jade der Cocktail schmeckte, den sie ihr gebracht hatte. "Keine Sorge, ich bin ziemlich schlecht", sagte sie amüsiert und zuckte die Schultern. "Aber trotzdem muss ich immer mitspielen. Aber falls die zwei wieder durchdrehen, dann lassen wir die einfach alleine weiter spielen und dann kannst du mir ein bisschen mehr von deinem Studium erzählen.".
    • Arien Darkbloom

      Natürlich würde niemals jemand arbeiten, wenn er dafür kein Geld erhalten würde, aber Geld war es nun wirklich nicht an was es der Familie Darkbloom mangelte. Allerdings war dies nun einmal nicht sein eigenes Geld, sondern das seines alten Herren und Arien, welcher versuchte auf Biegen und Brechen unabhängig von der Welt seines Vaters zu werden, wollte es so gut er konnte vermeiden auf das Geld der Kanzlei Darkbloom zurückzugreifen. Ihm war bewusst, dass er als Barkeeper niemals in dem Luxus leben konnte, in dem er jetzt lebte, aber war es so falsch, dass er etwas tun wollte, was er liebte? Es war nicht der Alkohol oder die Bar selbst, es war viel mehr das Gefühl von Freiheit, von Echtheit. Hinter dem Bartresen hatte das Gefühl das wahre Gesicht der Menschen zu sehen, seine Masken und keine Privilegierung. Hier waren sie alle gleich und Vincent war genau die Art Mensch, welche Arien immer werden wollte. Seinem Chef würde er das nie unter die Nase reiben, aber wahrscheinlich war sich der Kerl dessen auch bewusst. Mal ehrlich, welcher Chef würde einer Rotznase wie Arien so eine freche Klappe durchgehen lassen, ganz gleich wie talentiert er war, wenn er nicht merkte, das so viel mehr dahinter steckte. Das Vincent der einzige Mensch war den Arien jemals bewundert hatte und den er niemals enttäuschen wollte. Es war peinlich, dass er seine Vaterfigur in seinem Chef suchte. Eigentlich war es sogar extrem erbärmlich wie es Dunkelhaarige sich leider ziemlich oft eingestehen musste. Darum sprach er auch nie über seine wahren Gedanken, nicht einmal mit Niki oder Rob, mit niemanden. Von Klein auf war ihm beigegebracht worden, sich niemals verletzlich zu zeigen und ganz gleich wie sehr er sich dagegen sträubte, wie sein Vater zu sein, er war ihm in gewisser weise ähnlich. Der übertriebene Stolz und dieses beschissen große Ego. Er war seinem Vater furchtbar ähnlich und er hasste es.
      Als die Schicht rum war, rang er innerlich damit Feierabend zu machen. Feierabend bedeutete nicht, dass er sich ausruhen konnte, sondern das er in diese Welt voller Masken und Lügen zurückkehren musste. Die Reise nach England würde ihm wirklich gut tun, hoffte er zumindest.
      Er hatte sich von seinem Chef und ein paar der Stammgäste verabschiedet, ehe er an den Tisch von Faith und ihren neuen Freunden schritt, von denen er sich lediglich mit einem Nicken verabschiedete. Arien war im Studium ein Mann der dramatischen Worte, im wahren Leben versuchte er sich bei fremden Menschen so gut er konnte kurz zu fassen. Mit einem knappen "Verschwinden wir.", hatte er sich umgedreht, mit der stillen Aufforderung an Faith, dass sie mitkommen sollte. Nicht die feine Art, aber Faith nahm es glücklicherweise nicht persönlich. Wahrscheinlich hatte sie längst verstanden, wie Arien tickte und es meistens gar nicht so böse gemeint war, wie es herüberkam. Sie war ihm gefolgt und war direkt in ihre Lederjacke geschlüpft, kaum hatten sie einen Fuß vor die Tür gesetzt. Es war überraschend kühl. "Ich habe mir abgewöhnt nach Feierabend auf die Uhr zu sehen. Es ist egal wann ich schlafen gehe, ich werde morgen früh ohnehin schlecht gelaunt sein.", grinste der Hellhaarige amüsiert auf die Worte von Faith hin und steuerte mit ihr hinter die Bar zu den Privatparkplätzen, auf dem auch sein Motorrad stand. Vincent der natürlich mitbekommen hatte, das Arien seine neue Freundin, wie Vincent sie nannte, nach Hause brachte, hatte ihm direkt einen zweiten Helm in die Hand gedrückt mit den Worten "Fahr ja anständig. Du hast ein Mädchen auf dem Motorrad!"
      Alter Playboy.
      Arien drehte sich zu der Kleineren und setzte ihr also direkt den Helm auf den vollen Haarschopf. "Mh....etwas groß." er kam ihr daraufhin ein wenig näher, damit er sich den Verschluss genauer ansehen konnte. Nachdem Arien mit den Einstellung zufrieden war, realisierte er erst wie nah er dem Gesicht von Faith eigentlich war. Grinsend klappte er ihr frech das Visier hinunter.

      Jade Rhea Summer

      Mit Lina in der Nähe fühlte sich Jade deutlich ruhiger. Sie hatte ein so sonniges und freundliches Gemüt, dass man sie einfach gern haben musste und Jade beneidete Hawke ungemein, um solch eine beste Freundin. Sicherlich hatte die Gruppe oft geniale Abende. Es musste schön sein, wenn man so ausgelassen den Stress des Alltags hinter sich lassen konnte. Das Leben war schon genug voll mit Herausforderungen, da sollte man sich wenigstens bei seinen Freunden fallen lassen können. Jade hatte diesen Rückzugsort nicht mehr, sie war allein und vielleicht war auch das der Grund, weshalb sie nicht wollte, das dieser Abend endete. Sie fühlte sich wie in einem Märchen und ein wenig wie Cinderella, welche beim Glockenschlag um Mitternacht verschwinden musste.
      Mit Ethan wusste Jade noch nicht ganz wie sie umgehen sollte. Der Kerl war unglaublich nett, aber da Jade sich mit Männern etwas schwer tat, hatte sie große Angst ihn zu verärgern. Mit Hawke....an Hawkes Seite glaubte sie jede Minute daran, dass ihr das Herz aus der Brust sprang und gleichzeitig sehnte sie sich nach dieser Nähe.
      Als Lina und Ethan Getränke holen gegangen waren, war sie mit dem Schwarzhaarigen allein und dieser kurze Moment genügte schon, dass die Rothaarige betete, das ihr Gesicht nicht ihrem Haar Konkurrenz machte.
      Jade war dankbar, dass sie über Lina sprachen, das lenkte sie ein wenig davon ab, wie gut Hawke roch und wie verboten attraktiv diese Lederjacke an ihm aussah. Die Rothaarige fühlte sich wie der größte Abschaum, dass sie sich diese kleine Schwärmerei erlaubte, obwohl sie doch eigentlich einen Freund hatte, den sie liebte.
      ...
      Liebe,mh?
      Jade umfasste den Queue und sah mit großen Augen zu dem Schwarzhaarigen. Sie hoffte inständig, dass sie sich nicht blamierte. Allerdings war da etwas in ihr, etwas von dem sie geglaubt hatte, dass es nicht mehr existierte.
      Ihr Sportsgeist.
      Als Ethan davon sprach, dass Hawke sie da mit reinzog und er ein schlechter Mensch sei, drehte sie sich schnell zu ihm.
      "Nein! Ich...ich will mitmachen. Bitte....sag das nicht über ihn. Er ist der netteste Mensch, den ich kenne."
      Leider hatte Jade nach all den Jahren der Misshandlung und des Missbrauchs vergessen was Albernheiten unter Freunden waren und der pure Gedanke, jemand könnte über einen so wundervollen Menschen wie Hawke schlecht denken, brach ihr das Herz.
      Lina an ihrer Seite beruhigte sie etwas und als sie registrierte, dass das ein Scherz war und sie sich gerade absolut blamiert hatte, ließ ihr Gesicht knallrot werden.
      Sie war so peinlich...
      Schnell nahm sie einen großen Schluck ihres Getränks.


      ღ For my lovely Warlock ღ
    • Charilynn Faith Ashenvale
      "Wenig Schlaf macht alles nur noch weniger erträglich, als es eh schon ist", seufzte Faith und verzog das Gesicht. In Gedanken sah sie sich schon in der ersten Vorlesung sitzen, die Stirn auf die Hand gestützt, die Augen schwer wie Blei, während ihr die Paragraphen nur so um die Ohren flogen. Egal, wie sehr sie sich zusammenreißen würde, sie wusste jetzt schon, dass ihr Kopf spätestens nach zwanzig Minuten gegen den Tisch kippen wollte. Ein leiser Gähner schlich sich an, den sie mit einem Schulterzucken und einem müden Lächeln überspielte. Sie freute sich jetzt schon auf Freitagmittag. Zwei Vorlesungen am Vormittag, dann alles in die Ecke pfeffern und bis Montag ignorieren, dass sie überhaupt studiere. Aber dann war da noch dieses blöde Anwaltsevent. Der Gedanke daran ließ sie kurz die Augen verdrehen. Smalltalk mit Leuten, die sich gegenseitig mit Fachbegriffen bewerfen, als wären sie auf einem juristischen Jahrmarkt. Obwohl sie schon ein wenig gespannt war, wie es dann mit Arien ablaufen würde, jetzt, wo sie sich ein klein wenig besser kannten.
      Kaum waren sie auf dem Parkplatz angekommen, hatte Arien auch schon routiniert den Helm in der Hand und half ihr. Faith stand einfach da, ein bisschen unbeholfen und beobachtete ihn. Sein Blick war konzentriert, wanderte über den Verschluss, während seine Finger geschickt das Band festzogen. Es war nicht so, als würde sie ihn zum ersten Mal sehen. Sie wusste sehr wohl, warum die Mädels auf ihn abfuhren. Arien war attraktiv - keine Frage. Aber so? In diesen Klamotten, mit den zerzausten Haaren, den silbernen Ohrpiercings und dem Tattoo, das sich über seinen Unterarm zog? Er wirkte wie ein ganz anderer Mensch. Nicht glattgebügelt, nicht perfekt inszeniert. Sondern echt. Roh. Natürlich. Und genau das machte ihn noch viel anziehender. Seine freche Art war etwas, mit dem Faith deutlich mehr anfangen konnte als mit dem polierten Bild eines Anwaltssohnes, der immer wusste, was man sagen sollte. Sie wusste, wie schwer es war, einem Vater gerecht zu werden, der Erwartungen wie Maßanzüge trug - eng, teuer und unbequem.
      Ihr Blick blieb an seinem Gesicht hängen. Die leicht gerunzelte Stirn, die konzentrierten Augen, das kleine Grinsen, das sich langsam auf seine Lippen schlich.
      Und dann klappte er ihr Visier runter, ganz plötzlich, mit einem frechen Grinsen. Faith blinzelte überrascht, musste lachen und schüttelte leicht den Kopf. Sie stopfte ihre langen Haare in die Jacke, ein bisschen genervt von der Erinnerung an gestern – da hatte der Fahrtwind ihr die Mähne so zerzaust, dass sie gefühlt eine halbe Stunde mit der Bürste kämpfen musste.
      "Wenn ich das so seh, hätte ich auch wahnsinnig gern einen Motorradführerschein", meinte sie mit einem breiten Grinsen, während sie das Visier ihres Helms hochklappte. Ihre Augen funkelten dabei. Fasziniert beobachtete sie wie Arien sich auf sein Motorrad schwang.
      Sie dachte es sich jedes Mal, wenn sie einen Mann auf einem Motorrad sah und Arien war da keine Ausnahme:
      Verdammt. Das sah einfach hot aus.


      Hawke Li-Winslow
      Es war kaum zu übersehen, wie Jade ihn verteidigt hatte, als Ethan einen lockeren Spruch fallen ließ. Hawkes Blick wanderte zuerst zu ihr, ein wenig überrascht, fast irritiert, dann kurz zu Ethan, der zwar ebenfalls kurz gestutzt hatte, sich aber nichts anmerken ließ. Und schließlich wieder zurück zu Jade. Etwas daran war... anders. Nicht falsch, aber ungewöhnlich. Ihre Reaktion war nicht die eines Menschen, der einfach nur einen Freund in Schutz nahm. Da war mehr, eine innere Anspannung, ein fast reflexartiges Bedürfnis, sich einzumischen. Hawke wurde stutzig. Er konnte sie noch nicht richtig einschätzen. Jade war schrecklich zurückhaltend, oft schüchtern, und wirkte in vielen Momenten überfordert, als müsste sie ständig aufpassen was sie sagte oder sich erst daran erinnern, wie man sprach.
      Vielleicht war sie einfach so. Vielleicht war das ihre Art. Nicht jeder war laut, nicht jeder war locker. Und Hawke war keiner, der vorschnell urteilte. Aber er hatte gesehen, wie sie heute Morgen vor ihrem Freund geflüchtet war. Wie sie ihn angelogen hatte. Und er hatte auch mitbekommen, was in dieser überkandidelten Vorzeigebar passiert war. Er verstand das alles noch nicht ganz. Wenn sie das nächste Mal wieder unter sich waren, würde er Lina fragen. Sie hatte ein gutes Gespür für Menschen und vielleicht konnte sie ihm helfen, Jade besser zu verstehen. Bis dahin würde er einfach beobachten. Nicht aufdringlich, nicht misstrauisch. Nur aufmerksam. Denn Hawke war jemand, der Menschen wirklich sehen und verstehen wollte. Und bei Jade... da war etwas, das ihn nicht losließ.
      Jedenfalls hatte niemand Jades Reaktion groß kommentiert und das war gut so. Es hätte sie nur noch nervöser gemacht. Stattdessen übernahm Lina charmant die Rolle der Stimmungsmacherin und klärte die Fronten mit einem breiten Grinsen. Sie war selbst nicht unbedingt gut in Billard. Was so nicht ganz der Wahrheit entsprach. An guten Tagen räumte Lina den Tisch schneller ab, als man 'Billard' sagen konnte.
      Als sie sah, wie Jade einen Schluck von ihrem Cocktail nahm, leuchteten Linas Augen auf. "Und? Gut, oder?" fragte sie strahlend, den Kopf leicht zur Seite geneigt, ihre Stimme voller Vorfreude. Ihre Mimik war offen, herzlich, sie wirkte wie jemand, der sich ehrlich darüber freute, wenn andere sich wohlfühlten. "Milan kann echt was. Ich sag's dir, der Typ mixt, als hätte er einen Michelin-Stern.". Sie lachte, warf einen kurzen Blick zu Milan hinter der Bar, der gerade mit einem Gast scherzte, und wandte sich dann wieder Jade zu. "Wenn du magst, probieren wir später noch was anderes. Ich kenn da ein paar Geheimtipps.".

      Ethan war der Erste, der sich an den Tisch stellte, den Queue mit einer übertriebenen Showeinlage kreisend in der Hand drehte und dann mit einem schelmischen Grinsen die weiße Kugel neu platzierte. "Na dann, meine Damen und Herren, lehnt euch zurück und genießt, wie ich Geschichte schreibe", verkündete er großspurig, bevor er sich über den Tisch beugte. Mit einem dramatischen Stoß ließ er die Kugeln auseinanderprallen, das typische Klacken hallte durch die Bar, ein paar Kugeln verteilten sich über das grüne Filz, eine versenkte er sogar. "Na also! Läuft bei mir", rief er triumphierend, als hätte er gerade ein Weltmeisterschaftsspiel eröffnet.
      Das Spiel nahm seinen Lauf, mal mit mehr, mal mit weniger Eleganz. Es wurde gelacht, geneckt, gejubelt und gestöhnt, wenn ein Ball knapp am Loch vorbeikullerte. Lina kommentierte jeden ihrer Fehlschüsse mit einem übertriebenen "Ups!", während Hawke mit stoischer Ruhe seine Züge machte.
      Die Zeit verging wie im Flug, begleitet vom Klirren der Gläser, dem leisen Summen der Musik im Hintergrund und dem vertrauten Rhythmus eines Abends unter Freunden.
    • ~ Samstagabend ~

      Arien Darkbloom
      Woran erkannte man eine stinkreiche Familie? Richtig, sie war sich sogar zu fein selbst zu öden Veranstaltungen zu fahren. Die Familie Darkbloom besaß einen eigenen Chauffeur, Jeff hieß die arme Seele, welche sie in einer schicken pechschwarzen, auf Hochglanz polierten Limousine von Mercedes kutschierte. Arien hasste es nicht selbst zu fahren und als wäre seine Laune nicht ohnehin schon an einem offiziellen Tiefpunkt angelangt, wurde er kritisch während der kompletten Fahrt von seinem Vater beäugt.
      Heute war das berühmt berüchtigte Anwaltsvereintreffen, eine heuchlerische Gala der Topanwälte dieser Stadt oder wie Arien es gerne nannte: Piranhabecken. Er fühlte sich dort oft genug wie ein Stück durchgebratenes Steak, das man Löwinnen zum Fraß vorwarf. Möglichst der Alpha-Löwendame versteht sich, schließlich musste sie den perfekten Hintergrund haben, damit entweder ein Konkurrent aus dem Weg geräumt wurde oder man das Image der Darkbloom-Familie noch weiter aufpolieren konnte. Heute war Arien besonders schlecht gelaunt, da er es nicht geschafft hatte sich davor ein paar Gläser Ignoranz anzutrinken. Die einen tranken sich Mut an, der Darkbloom-Erbe trank sich Benehmen an oder besser gesagt die Fähigkeit die Klappe zu halten, wenn irgendein sarkastischer Spruch förmlich auf seiner Zunge explodierte.
      Den ganzen Tag war er von einem Schneider zum anderen geschleift worden, weil seinem alten Herrn offenbar nichts gut genug war. Es grenzte an ein Wunder und absolut begnadeter Überzeugungskraft von Arien selbst, dass er den Friseur umgangen war. Wenn ihm jemand seine Haarpracht abschnitt, würde er höchstwahrscheinlich zum Berseker mutieren und dann wäre der Darkbloom-Junge kein Barkeeper mehr sondern ein Schwerverbrecher. Das Argument hatte wenigstens weitestgehend funktioniert. Nichts war seinem Vater heiliger als sein guter Ruf.
      Arien wusste zwar nicht, wie man als Vollzeitarschloch einen guten Ruf genießen konnte, aber eines musste man Elijah Darkbloom lassen, er war der Beste in seiner Branche. Er wurde gehasst und gleichzeitig gefürchtet und genau das erwartete er auch von seinem Sohn.
      Nur hatte dieser daran ungefähr so viel Interesse wie an Bruchrechnen in der Grundstufe.
      "Krempel dir wenigstens die Ärmel runter, du siehst aus wie ein Gigolo.", brummte sein Vater nach einer langen Zeit des Schweigens, in der er damit beschäftigt war seinen Sohn in Grund und Boden zu starren.
      Elijah Darkbloom war ein beeindruckender Mann, mit strengen Gesichtszügen, einen perfekt gepflegten Bart, der Millimeter genau geschnitten war und perfekt sitzenden Haaren. Für sein Alter hatte er beeindruckt volles Haar. Arien hatte nicht nur das Haar seines Vaters, dieses aschblonde Haar, sondern auch die stechend Augen, welche an den Ozean erinnerten. Zugebenen war sein alter Heer sehr attraktiv und es war nicht verwunderlich, dass viele Frauen an ihm interessiert waren. Mit Ariens Mutter hatte er sich die perfekte Frau geangelt. Eine Dame mit reichem beeindruckenden Hintergrund, welche die Klappe hielt. Der Respekt gegenüber seiner Mutter hielt sich bei Arien stark in Grenzen.
      Natürlich trug sein Vater auch heute extra für diese Veranstaltung einen maßgeschnittenen Anzug, welcher teurer war als die Miete der meisten Normalsterblichen. Arien hatte die Vorliebe für Nadelstreifen nie verstanden ...
      Dennoch wirkte sein groß gewachsener Vater mit den breiten Schultern darin perfekt gekleidet. Sein Anzug passte zu ihm, denn so wie auch dieser Anzug perfekt sein musste, erwartete er auch von anderen stehts Perfektion. Würde nur ein einziger Schnitt nicht sitzen, wäre dieser ausrangiert worden und so hielt er es auch mit seinen Mitmenschen.
      Blöd nur, dass er Rebell im Gegenüber sein Sohn und einziger Erbe war, ihn zu enterben und auszurangieren war nicht ganz so einfach.
      "Und du siehst aus wie von der Mafia. Beschwere ich mich?"
      Die Wutfalte aufgrund dieser frechen Bemerkung zuckte merklich an der Stirn seines Vaters.
      "Arien."
      "Ist gut. Ich werde der perfekte Musterknabe sein, so wie immer."
      Gedanklich befand sich Arien schon bei seinem abendlichen Vollrausch.
      Die Veranstaltung wurde in einem ehemaligen Opernhaus arrangiert, welches nun nur noch für Aktivitäten der High-Society agierte. Das prachtvolle Gebäude mit der Glaskuppel als Dach, war beleuchtet wie der Eiffelturm in Paris und bereits die ersten Gäste in feinster Abendgarderobe tummelten sich am Eingang. Während die Darkblooms vorgefahren waren, hatte ihnen ein an Bediensteter der Veranstaltung die Tür geöffnet und dem Chauffeur die Richtung der Parkplätze gewiesen, welche extra für die besonderen Gäste gebucht war. Natürlich hatte sein Vater einen Stammparkplatz. Wäre dem nicht der Fall, hätte er die Veranstaltung in Grund und Boden geklagt. Als sie ausgestiegen waren, wurde sein Vater direkt umzingelt von zig Leuten die seine Gunst wollten und die nicht zögerten die erste Sekunde zu nutzen, um sich bei ihm einzuschleimen. Arien wusste nicht ob er von der Schnelligkeit beeindruckt war oder sich bereits jetzt an Ort und Stelle übergeben wollte.
      Da sein Vater sich aber mit dem einfachen wohlhabenden Fußvolk nicht abgab, ignorierte er diese und begrüßte stattdessen den Vorstand des Veranstaltungsortes. Arien machte gedanklich bereits 3 Kreuze, wenn der Abend vorbei war. Wie ein hübsches Anhängsel musste er stillschweigend neben dem alten Sack dastehen, hin und wieder für die Presse lächeln und sein perfektes Vorzeige-Ich vorführen.
      Arien machte es Angst wie gut er darin inzwischen war, gleichzeitig hasste er sich jede Sekunde.
      Es war vor dem Opernsaal ziemlich frisch, schließlich hatte es am Vortrag geregnet und trotzdem musste er wegen diesem beschissenen Gespräch vor diesem Höllenloch herumstehen.
      Eine gefühlte Ewigkeit später hatte sich sein Vater endlich entschlossen weiterzugehen und Arien konnte ihm stillschweigend in den festlichen Saal folgen. Ein wenig bekam der Hellhaarige ´Die Schöne und das Biest ´Vibes von dem Saal. Mal ehrlich musste all das Gold sein? Wenigstens war die Tafel mit dem Essen fast so lang wie der gesamte Raum und der Champagner-Turm würde sein nötigstes tun, dass sich Arien unbemerkt herdichten konnte.
      "Vater, möchtest du ein Glas Champagner?", kam es höflich von dem Hellhaarigen an seinen Vater gerichtet, der sich mit dem Dekan von weiß der Teufel was unterhielt.
      Ariens Vater blickte zu ihm. "Gerne mein Sohn."
      "Was für ein aufmerksamer junger Mann." lachte der Dekan höflich. "Wissen Sie, meine Tochter..."
      Schnell machte Arien einige Schritte zurück, mit dem Vorwand schnell die Getränke holen zu gehen und eilte fast fluchtartig zu dem Champagner-Turm. Lange konnte er sich nicht hier aufhalten, aber mal ehrlich er würde nicht lange brauchen um heimlich einige Gläser zu kippen.



      ღ For my lovely Warlock ღ

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    • Charilynn Faith Ashenvale
      Faith hatte schon keine Lust mehr, bevor sie überhaupt aus dem Auto gestiegen war. Die Fahrt zum Event war zäh gewesen. Und unangenehm. Ihr Vater hatte kaum ein Wort gesagt, was fast schon ein Geschenk war. Denn wenn er sprach, dann nur in diesen Sätzen, die sich wie kalter Beton anfühlten.
      "Ich hätte mir einen Sohn gewünscht. Jemanden, der meinen Namen mit Stolz trägt."
      "Du wirkst nicht wie jemand, der in einem Gerichtssaal ernst genommen wird.".
      Sie hatte nicht mal mehr versucht zu kontern. Stattdessen hatte sie aus dem Fenster gestarrt, die Stirn leicht gerunzelt, die Lippen zu einem schmalen Strich gepresst. "Ich weiß", hatte sie nur gesagt. Nicht trotzig oder unterwürfig. Einfach... neutral. Wie ein Automatismus, als wäre all das schon zur Normalität geworden. Ihre Hände hatten in ihrem Schoß geruht, die Finger nervös umeinander geschlungen. Noch im Auto hatte sie sich die kleinen Piercings aus den Ohren gezogen, fast vergessen, dass sie die überhaupt noch trug. Nur die langen, schlichten Ohrringe durften bleiben. Alles andere wäre 'asozial', hatte er gesagt.
      Er selbst trug wie immer einen seiner viel zu teuren, natürlich maßgeschneiderten Anzüge, dunkel, perfekt gebügelt, mit einem Innenfutter in sattem Violett, das bei jedem Schritt kurz aufblitzte. Die passende lila Krawatte saß makellos, als wäre sie Teil seiner Anatomie. Alles an ihm wirkte wie eine Inszenierung, als wäre er nicht Mensch, sondern ein Konzept: Erfolg, Disziplin, Kontrolle.
      Und mit der Kontrolle höchst persönlich stand Faith vor dem Eingang des Veranstaltungsorts, die Schultern leicht hochgezogen, als wollte sie sich vor dem Abend verstecken. Ihre Mutter war diesmal nicht dabei, sie musste die brave Hausdame spielen, während Faith die brave Tochter gab. Die, die ihr Jurastudium liebt. Die, die sich höflich entschuldigt, warum sie nicht Klassenbeste ist.
      Das Einzige, worauf sie sich an solchen Abenden überhaupt noch freute, waren die Kleider. Die wenigen Stunden, in denen sie ausgefallenere Klamotten tragen durfte und sich dem Modedesign ein wenig näher fühlen konnte. An diesem Abend trug sie ein schwarzes, ärmelloses Kleid mit goldenen floralen Stickereien, hochgeschlossen und elegant. Der Stoff schmiegte sich an ihre schmale Figur, betonte ihre perfekten Rundungen, ohne aufdringlich zu wirken. Es reichte bis zu ihren Knöcheln und öffnete den Blick auf ihre hohen, schwarzen Schuhe, die bei jedem Schritt leise klackten. Ihre silbernen Haare hatte sie zu einem kunstvollen Knoten gesteckt, einzelne Strähnen fielen sanft heraus, als wollten sie sich der Kontrolle entziehen. Sie trug kein auffälliges Make-up, nur einen dunkelroten Lippenstift.
      Sie atmete durch, schob sich eine widerspenstige Haarsträhne hinters Ohr und zwang sich zu einem Lächeln, das nicht bis in die Augen reichte. Mit jedem Schritt, den sie auf den Eingang zuging, spürte sie, wie sich etwas in ihr sträubte. Wie ein innerer Muskel, der sich verkrampfte. Und mit jedem weiteren Wort, das ihr Vater im Auto gesagt hatte, wuchs in ihr dieser Trotz.

      Faith stand neben ihm, das Lächeln wie festgetackert, die Schultern gerade, die Hände brav vor dem Körper gefaltet. Ihr Vater redete mit zwei anderen Anwälten, deren Namen sie längst wieder vergessen hatte. Wahrscheinlich irgendwas mit '-son' oder '-worth'. Alle klangen gleich. Alle sahen gleich aus. Dunkle Anzüge, teure Uhren, Stimmen, die sich gegenseitig übertönten, als ginge es darum, wer das trockenste Gesetz am lebendigsten vortragen konnte. Faith nickte an den richtigen Stellen, lachte einmal zu laut über einen Witz, den sie nicht gehört hatte, und spürte, wie ihr Gesicht langsam taub wurde vom Dauerlächeln. Ihre Wangenmuskeln protestierten leise. Neben ihr stand ein Sohn, glatt, geschniegelt, mit einem Haarschnitt, der wahrscheinlich mehr gekostet hatte als ihr gesamter Kleiderschrank. Er sprach über seine Noten, seine Ambitionen, seine 'Kanzleioptionen'. Sie hörte zu, nickte wieder, murmelte ein 'Klingt spannend', während sie innerlich kotzte. Ihr Blick wanderte durch den Raum, tastete nach einem Fluchtweg. Und da war sie – die Bar. Sie räusperte sich, murmelte ein "Bitte entschuldige mich, ich hol mir nur schnell was zu trinken.", und schob sich durch die Menge ohne sich anmerken zu lassen, wie gern sie einfach laufen würde. Davonlaufen von dem ganzen Theater hier.Kaum hatte Faith die Bar erreicht, noch bevor sie den Mund öffnen oder dem Barkeeper ein Getränk entlocken konnte, hörte sie eine Stimme direkt neben sich. "Wenn du was gesagt hättest, hätte ich dir gern was gebracht. Ich bin schließlich ein Gentleman." Sie blinzelte, drehte sich langsam zur Seite - und da stand er. Franklin. Natürlich, er war ihr nachgelaufen. Auch er trug diesen makellosen, maßgeschneiderten Anzug in tiefem Mitternachtsblau, das Hemd darunter so weiß, dass es fast blendete. Die Krawatte war akkurat gebunden, kein Fältchen, kein Ausreißer, vermutlich hatte er sie noch mit einem Lineal geprüft, ob auch wirklich alles genau da sitzt wo es sitzen soll. Und dieses Lächeln war wie aus einem Hochglanzprospekt: charmant, aber mit einem Hauch Selbstgefälligkeit, der Faith jedes Mal ein wenig die Luft abschnürte. Sie zwang sich zu einem höflichen Nicken, obwohl ihr erster Impuls gewesen war, sich einfach umzudrehen und zu gehen. 'Ich dachte, ich wäre dich los' dachte sie sich. Faith verschränkte die Arme vor der Brust, lehnte sich leicht gegen den Tresen und sah demonstrativ nach vorn, als würde sie überlegen, was sie bestellen wollte. In Wahrheit überlegte sie nur, wie viele Minuten Smalltalk sie durchhalten konnte, bevor sie sich entweder betrinken oder verschwinden musste. Franklin aber ließ sich nicht beirren. Er stellte sich direkt neben sie, mit dieser selbstverständlichen Haltung, als gehöre ihm der Raum. Seine Hände locker in den Taschen, das Kinn leicht angehoben, als würde er gerade überlegen, ob er den Barkeeper duzen oder feuern sollte. Faith atmete durch. Der Abend hatte gerade erst angefangen und sie brauchte dringend einen Drink. Oder zwei.
      "Weißt du, das mit der neuen Entscheidung zur Beweisverwertung, das wird richtig spannend", begann Franklin "Wenn das durchgeht, müssen wir die gesamte Argumentationslinie bei Mandanten mit Steuerhinterziehung neu denken. Ich hab gestern mit einem Kollegen aus der Kanzlei darüber gesprochen...". Faith nickte, die Lippen zu einem höflichen Halbmond geformt. Ihre Augen blieben auf dem Tresen, wo der Barkeeper gerade ein Glas polierte, als wäre es ein Kunstobjekt. "Klingt... komplex", sagte sie. "Komplex, aber elegant", erwiderte Franklin, sichtlich zufrieden mit sich selbst. Sie sagte nichts weiter. Stattdessen hob sie leicht die Hand, als der Barkeeper sich näherte. "Ein Glas Bordeaux, bitte.".
      "Gute Wahl.", kommentierte Franklin und Faith mit einem freundlichen 'Danke' antwortete. Sie nahm das Glas entgegen, bedankte sich freundlich beim Barkeeper, und ließ den ersten Schluck langsam über die Zunge gleiten. Das war gerade pures Gold.
      "Franklin Hale? Das gibt’s doch nicht!" eine Stimme aus dem Hintergrund ertönte. Franklin drehte sich sofort und sein falsches Lächeln wurde breiter. "Mr. Langford! Was für eine Freude.". Faith beobachtete, wie er sich abwandte, ein paar Schritte ging, Hände wurden geschüttelt, ein kurzes Gespräch, ein Lachen. Dann ein "Entschuldige mich, Charilynn, ich verspreche ich bin gleich wieder da." und dann war Franklin weg. Sie hasste ihren Namen, aber innerlich machte sie gerade Freudensprünge das er endlich weg war. Der Wein schmeckte auch gleich noch besser, jetzt musste sie nur noch ungestört ans Buffet. Und irgendwo Arien, um sich mit ihm betrinken und das alles besser ertragen zu können.