Burg Schwarzer Stern, Graumoor, Reich der Vampire
Nach einer Weile verließ auch Azareth das Bad und legte sich schlafen. Die Worte des Vampirs hatten ihm zugesetzt, doch das würde er nie zugeben. Was sollte er überhaupt zugeben? Es stimmte alles und dennoch war .. war er ... Was war er eigentlich? Er fühlte sich wie der elfische Held, der er einst war und dennoch fühlte er sich so fremd und anders. Impulsiv und von Emotionen und Lust getrieben. Sein Körper hörte nicht mehr auf ihn und sah auch anders aus als früher. Er ließ sich so erschlagen ins Bett fallen und verbrachte die halbe Nacht damit aus dem Fenster des Raums in den Graumoor zu starren. Ab und zu hörte er die Ghule im Mondlicht jaulen. Sie hatten ihren Platz ähnlich wie die Vampire und Gefäße wie dieser Fuchsmischling. Doch er? Wo war Azareths Platz? Er seufzte und schüttelte den Kopf ...
Mit einer großen Genugtuung legte sich auch Lucius zu Bett. Doch dies war eher eine antrainierte Angewohnheit als ein wirkliches Schlafenlegen. Vampire schliefen oft in Särgen oder Grüften, aber nicht auf Betten. Daneben war Schlaf für sie sehr unwichtig. Wenige Stunden im Monat reichten. Blut hielt sie am Leben und das Meiden der Sonne verzögerte ihren Schlafbedarf und doch spürte der Vampir die Anstrengungen des Tages. Er hatte gekämpft und gezaubert und nicht gerade wenig. Sylvas Blut stärkte ihn und bereits jetzt beim zweiten Mal, war es so voll ... voll mit Emotionen, dass es ihn beseelte und er zufrieden mit einem breiten Grinsen hinüber zu dem Fuchswesen sah. Erst jetzt fiel ihm sein Lächeln auf. Was soll das, Lucius?, fragte er sich selber und schürzte die Lippen. Er fand doch etwas nicht Gefallen an diesem Gefäß? Er hatte diesen Fehler einmal begangen und würde ihn doch kein zweites Mal machen. Doch er war eben nur ein Vampir und hatte auch Gefühle und so streckte sich seine Hand fast automatisch nach Sylva aus. Erst im letzten Moment stockte er und zog sie zurück. Es reicht, mahnte er sich selbst und rutschte auf dem großen, gemütlichen Bett tiefer. Er ließ den Kopf schwer im Kissen einfallen und starrte gegen die Decke. Er seufzte und schloss die Augen. Sein Körper würde ihm die paar Stunden Schlaf tanken, denn mit Azareth im Schlepptau würde er jede Stärke brauchen. Der Zauber kostete ihn Kraft, diesen aufrechtzuerhalten und Azareth würde nicht zögern zuzuschlagen, wenn der Zeitpunkt reif war.
Nach einigen weiten Gedanken, beschloss der Vampirprinz endlich zu schlafen und wurde dann doch nach einer gewissen Zeit wieder wach als er etwas auf seinen Lippen spürte. Er genoß die weichen Lippen und ließ die Augen geschlossen. Intuitiv griff er nach unten und spürte einen Körper. Es war kein Traum? Es fühlte sich doch so an. Die feinen Lippen auf seinen. Ein bekannter Geruch und diese sanfte Wärme. Aber es war kein Traum, keine Illsusion oder was auch immer. Er hatte ja auch noch nie geträumt! Es musste echt sein. Also öffnete der Vampir neugierig die Augen und erspähte Sylva, der ihn scheinbar küsste? Mit einem breiten Grinsen, legte er den Arm um den Vulthera und zog ihn zu sich. Sein Gefäß sah ihn mit großen Augen an. "Gefällt mir schon ziemlich gut", flüsterte er ihm auf die Lippen und gab ihm dann ebenfalls einen Kuss. Es kamen so viele Gedanken auf einmal in ihm auf und dennoch schob er sie zur Seite und genoss den Moment. Er spürte das Zittern seines Gegenübers und gleichzeitig, die Wärme und den Duft, den Sylva abgab. Vorsichtig löste Lucius sich von seinen Lippen und blickte in die violetten Augen, die ihn aus der Dunkelheit des Raumes heraus ansahen. "Du bist ...", er sah an sich hinunter. Beide trugen nur noch ihre Nachtkleidung und doch hatte sich der Vulthera an ihn herangekuschelt und ihn dann noch geküsst. "ziemlich mutig." Ergänzte er etwas zögernd und ließ seine Fingerkuppen sanft über den unbekleideten Rücken des Fuchswesens fahren.
