Reincarnated as Duchess of Althea [Shizuka x Yumia]

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    • Cerelia / Adelicia

      Cerelia hatte den Eindruck, dass sie und der Wächter ein Bild abgaben, das leicht missverstanden werden konnte. Es sah fast so aus, als sei sie dabei, den Wächter zu maßregeln und ihre Autorität zu demonstrieren – eine Anspielung auf Adelicias berüchtigte Art, sich gegenüber ihren Untergebenen aufzuspielen. Doch das war weit entfernt von Cerelias Absicht. Mit einer sanften Stimme sprach sie: „Bitte, richtet Euch auf. Ihr habt lediglich Eure Pflicht erfüllt."
      Der Wächter hob unsicher den Blick, als wolle er sicherstellen, dass ihre Worte keine versteckte Strafe bargen. Doch als er das schmale, aufrichtige Lächeln auf ihrem Gesicht bemerkte, atmete er hörbar auf. Mit einem leisen Rascheln richtete er sich auf und schob sein Schwert in die Scheide zurück, die am Gürtel befestigt war. Die Anspannung in seiner Haltung wich zusehends, auch wenn er immer noch bemüht war, die Etikette zu wahren.
      Da diese kleine Szene geklärt war, wandte sich Cerelia an Adelicias Sohn, Rean, der sichtlich verwirrt auf das Geschehen geblickt hatte. „Verzeiht, wenn meine Anwesenheit Euch erschreckt hat", sagte sie und lachte leise, wobei ihre Verlegenheit deutlich spürbar war. Ihre Augen wanderten kurz ziellos umher, als wüsste sie nicht, wohin sie sehen sollte. Sie fühlte sich unangenehm ertappt, denn diese Begegnung war keineswegs geplant gewesen. Cerelia hatte gehofft, ungesehen zu bleiben – immerhin hatte sie sich sicher geglaubt, bis der Wächter plötzlich vor ihr gestanden hatte. Während sie fieberhaft nach einer Erklärung suchte, fiel ihr Blick auf Xaden, der sich gerade näherte.
      Seine Ankunft brachte eine neue Welle von Unbehagen mit sich. Man musste Xaden nicht gut kennen, um zu erkennen, dass er weder erfreut noch entspannt war. Sein misstrauischer, beinahe grimmiger Ausdruck war nicht zu übersehen, und Cerelia spürte, wie ihr ein kalter Schauer den Rücken hinab lief. Sein harscher Tonfall bei der folgenden Frage ließ sie unwillkürlich zusammenzucken, und sie konnte spüren, wie ihr Puls schneller wurde. Sie wusste genau, dass Xaden keine Geduld für Lügen oder Ausflüchte hatte. Die Wahrheit schien ihr die einzige Möglichkeit, doch selbst diese ließ sie zögern.
      „Nun...“, begann sie leise, ihre Stimme ein Hauch von Unsicherheit, während ihre Finger sich unwillkürlich in den Stoff ihres Kleides krallten. „Ich wollte nur zuschauen, ohne zu stören, und…“ Ihre Worte wurden mit jedem Satzteil leiser, bis sie schließlich fast unverständlich murmelte. Ihr Blick wich zur Seite aus, und sie spürte, wie ihre Wangen unnatürlich heiß wurden. Die Scham und der Stress machten es ihr schwer, klare Gedanken zu fassen. „Es tut mir leid“, flüsterte sie schließlich und presste die Lippen fest aufeinander. Innerlich sehnte sie sich danach, den Moment zurückzudrehen – nur ein wenig Zeit für sich, um ihren Traum zu genießen, hatte sie sich gewünscht. Doch nun war sie in eine Situation geraten, die sie nicht kontrollieren konnte.
      Gerade, als Cerelia sich in ihren Gedanken verlor, bemerkte sie aus dem Augenwinkel eine kleine Bewegung. Eine kleine Hand griff nach dem Saum ihres Kleides, zog leicht daran. Verwundert blickte sie hinab und sah Rean, der zu ihr aufblickte, seine Augen vor Sorge weit geöffnet. „Ihr seid nicht verletzt, oder?“ fragte er mit einer Stimme, die für sein Alter fast zu ernst klang.
      Cerelia schüttelte hastig den Kopf und hob beschwichtigend die Hände. „Nein, nein, ich habe mich nur erschrocken“, versicherte sie, ihre Stimme wieder sanfter. Dabei wagte sie es jedoch nicht, Xaden direkt anzusehen. Die Präsenz des Mannes war zu überwältigend.
      Rean ließ ihre Antwort sichtlich erleichtert wirken, doch seine Aufmerksamkeit verlagerte sich rasch. „Sicherlich könnt Ihr Euch zu uns gesellen, richtig, Vater?“ fragte er mit einem hoffnungsvollen Blick zu Xaden. In seinen Worten schwang ein Hauch von Sehnsucht mit – eine Sehnsucht nach einem Moment, den er sich kaum zu wünschen wagte. Es war selten, dass er überhaupt Zeit mit einem seiner Elternteile verbrachte, und die Vorstellung, mit beiden zusammen zu sein, war nahezu undenkbar. Solche Gelegenheiten boten sich höchstens bei großen Festlichkeiten, und selbst dann nur flüchtig.
      Doch heute schien anders zu sein. Trotz seiner Unsicherheit wagte Rean zu hoffen, dass seine Mutter diesen Tag vielleicht als Ausnahme gelten ließ. Auch wenn Cerelia nach diesem Tag wieder in ihre alte, kühle Art zurückkehrte, würde er diesen Augenblick in seinem Herzen bewahren – ein kleiner Schatz, der ihm Trost spenden konnte, wenn die Einsamkeit wieder an ihm nagte.
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    • Xaden

      Adelicia war niemand die ihre Stimme senkte oder vor Scham errötete, daher hatte Xaden Schwierigkeiten sie zu hören und war sich nicht sicher, ob er richtig verstanden hatte was sie gesagt hatte. Hatte sie sich zum wiederholten Mal an diesem Tag entschuldigt? Obwohl ihm klar war, dass sie niemals seine Frau sein konnte, verblüffte ihn die Ähnlichkeit immer wieder.
      Sie wollte Rean und ihm zuschauen? Beim Rudern? Seine Augen verengten sich und seine Brauen zogen sich zusammen - er glaubte ihr sogar. Was sonst würde ein Spion hier machen wollen? War sie womöglich jemand den der König geschickt hatte, um Xaden zu beobachten? Es gab deutlich besser ausgebildete Spione des Königs um dieser Aufgabe gerecht zu werden. Wer würde jemanden so offensichtlich untalentiertes einstellen?
      Gerade wollte er den Mund auf machen, da fragte ihn sein unschuldiger Junge, ob Sie sich nicht zu ihm gesellen sollte. Ehe er antwortete, wog er seine Worte ab. "Rean, kannst du auf mich warten, während ich kurz mit deiner Mutter spreche?" Seine Augen verließen die seiner angeblichen Frau nicht. Es war an der Zeit, dass er mit ihr redete. "Natürlich Vater." Reans Stimme war etwas mutlos und leise, denn er spürte die Anspannung seines Vaters deutlich. Er ging nur unwillig in Richtung der Picknickdecke und als Xaden sich sicher war, dass sein Sohn außer Reichweite war, wandte er sich dem Leibwächter zu. "Stellt sicher, dass er nichts aus dem Korb anfässt, geschweige denn isst." befahl er nachdrücklich und wartete dessen Nicken noch ab, ehe er sich wieder mit der Frau vor ihm befasste.
      Er fasste sie kurzerhand am Ellenbogen und ging mit ihr ein Stück den Weg entlang, sodass Rean sie nicht mehr sehen konnte.
      "Ich werde nur ein mal Fragen. Antwortet daher wahrheitsgemäß." Er hatte ihren Arm losgelassen und sah sie eindringlich an. "Wer seid ihr?" Natürlich wollte er deutlich mehr Fragen stellen, doch eins nach dem anderen. Außerdem wartete Rean auf sie und er wollte die wichtigsten Fragen beantwortet wissen, ehe er sie wieder in die Nähe seines Sohnes lassen würde. Wartend musterte er die Frau, die ein Ebenbild seiner Frau zu schein schien. Er empfand kaum etwas für Adelicia, aber er musste herausfinden was passiert war und wo sie steckte.
    • Cerelia / Adelicia

      Cerelia wagte es nicht, den Kopf zu heben. Der unzufriedene Blick, den Xaden ihr kurz zuvor zugeworfen hatte, brannte sich in ihr Gedächtnis ein. Sie verharrte regungslos, während sich die Spannung um sie herum zu verdichten schien. Erst als Xaden seinen Sohn weggeschickt hatte, wagte sie einen vorsichtigen Blick auf ihn. Mit einer knappen Geste forderte er auch den Wächter auf, sich zu entfernen und ein Auge auf Rean zu haben – insbesondere darauf, dass er nicht das Essen aus dem Korb anrührte.
      Verwundert glitt Cerelias Blick zwischen Xaden und dem Wächter hin und her. Sie konnte nicht verstehen, warum Rean nichts essen durfte. Die seltsame Zurückhaltung ließ sie nervös werden, und sie hatte das Gefühl, dass Xaden absichtlich eine Distanz zwischen ihnen allen schuf. Als Xaden sie plötzlich am Arm fasste und sanft wegführte, fokussierte sie sich auf den Mann. Doch je mehr sich die Distanz zwischen ihr und Rean vergrößerte, desto unruhiger wurde sie. Ein Hauch von Panik kroch in ihr auf. Wollte Xaden sie tatsächlich zurück ins Anwesen schicken?
      Die bloße Vorstellung ließ einen Stich der Traurigkeit in ihrem Herzen aufkommen. Sie wollte ihre Zeit hier verbringen – an diesem Ort, mit diesen Menschen, inmitten dieser Welt, die sie so liebte. Dennoch überraschte es sie nicht wirklich, wenn dies Xadens Plan war. Er war schließlich nicht dafür bekannt, Kompromisse einzugehen. Umso neugieriger war sie darauf, was er ihr sagen wollte, dass er sogar Rean und den Wächter fortgeschickt hatte.
      Cerelias Herz schlug heftig gegen ihren Rippenkorb, als Xaden sich endlich an sie wandte. Sein ernster Blick – eine Mischung aus Nachdenklichkeit und Strenge – schien jede Bewegung in der Luft erstarren zu lassen. Die ersten Worte, die seine Lippen verließen, ließen Cerelia unwillkürlich die Schultern anspannen. Seine tiefe, kontrollierte Stimme war so unverkennbar, dass sie fast wie ein Befehl klang, selbst wenn er nur sprach. Es war unmöglich, in seiner Gegenwart entspannt zu bleiben.
      Dann stellte er die Frage – eine Frage, die sie unerwartet traf und sie kurz stocken ließ.
      „Wer seid Ihr?“
      Für einen Moment fühlte sich Cerelia, als hätte jemand die Zeit angehalten. Sie starrte ihn mit gerunzelter Stirn an, während Verwirrung ihren Geist überrollte. Wer sie war? Die Antwort schien ihr offensichtlich, und dennoch war sie sich plötzlich nicht mehr so sicher. Sie war Cerelia – das wusste sie. Doch in diesem Moment steckte sie im Körper von Adelicia. Was meinte er also? Verbarg sich hinter seiner Frage eine tiefere Absicht, ein unausgesprochenes Misstrauen?
      „Adelicia von Althea“, antwortete sie schließlich und bemühte sich, die Fassung zu bewahren. „Deine Ehefrau. Auch wenn unsere Heirat nicht aus Liebe geschah, sondern aus politischen Gründen.“ Sie zögerte kurz, bevor sie hinzufügte: „Rean ist unser gemeinsames Kind.“ Sie zog verwirrt ihre Augenbrauen zusammen.
      Doch während sie sprach, spürte sie, wie die Verwirrung an ihr nagte. Hatte sie etwas übersehen? Hatte sie einen Fehler gemacht? Ihr Blick suchte seinen, doch seine Miene blieb undurchdringlich. Und dann – wie ein Schlag – wurde ihr etwas klar.
      Natürlich war sie im Körper von Adelicia. Doch sie hatte nicht darauf geachtet, sich wie Adelicia zu verhalten. Seit ihrer Ankunft hatte sie sich wie sie selbst benommen – wie Cerelia. Es war ihr Traum, und in diesem Traum hatte sie es für unnötig gehalten, eine Maske aufzusetzen. Warum sollte sie gierig, arrogant oder herablassend sein? Diese Eigenschaften, die Adelicia auszeichneten, waren so weit entfernt von Cerelias Wesen, dass allein der Gedanke daran ihr Gewissen belastete.
      Trotzdem war Xadens Skepsis nicht unbegründet. Sein scharfer Verstand hatte die Veränderung in Adelicias Verhalten sicherlich bemerkt. Cerelia seufzte leise und murmelte schließlich: „Wer soll ich sonst sein?“
      Doch während sie sprach, spürte sie die Last der Situation. Traum hin oder her – sie musste eine Möglichkeit finden, Xaden von ihrer Rolle zu überzeugen, ohne die Wesenszüge von Adelicia zu übernehmen. Wenn sie ihn nicht beruhigen konnte, würde seine Wachsamkeit jede ihrer Bewegungen überwachen, und die Zeit, die sie sich so sehr erhofft hatte, würde zur Tortur werden. Cerelia wollte diesen Moment genießen, die Welt, die sie so sehr liebte, mit all ihren Lieblingscharakteren erleben – ohne die Kluft, die sich durch Xadens Misstrauen bildete.
      Sie atmete tief ein und sammelte sich. Was auch immer sie tun musste, sie würde es schaffen. Xadens Vertrauen zu gewinnen, war der Schlüssel zu allem. Zu einem gewissen Maßen zumindest.
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    • Die Antwort die er zu hören bekam waren Informationen, die jede X-beliebige Person ihm sagen konnte. Es war kein Geheimnis, dass Adelicia und er, rein aus politischen Gründen geheiratet hatten. Jeder wusste wie kalt ihre Ehe war und er erinnerte sich lebhaft an den Klatsch und Tratsch am Anfang ihrer Beziehung - wenn man das überhaupt als solche bezeichnen konnte. Adelicia ging offen mit der Beziehung um und konnte somit das Gemunkel schnell verstummen lassen. Insgeheim war er froh, dass sie sich in der Gesellschaft so gab und eine Illusion kreierte in dem es keinen offenen Punkt gab an denen sich die adeligen Damen und Herren sich das Maul zerreißen konnten. Er selbst schwieg und ignorierte alles - so wie er es immer getan hat und tun wird.

      Es irritierte ihn, dass in Adelicias Gesicht so viele Emotionen zu sehen waren, die nicht nur aus Wut und Missgunst bestanden. Da war Angst, Unsicherheit und Traurigkeit zu sehen, die er nicht gewohnt war. Sie tat ihm fast schon leid, so wie sie vor ihm stand und langsam erkannte warum er ihr diese Frage gestellt hatte. Er war sich auch nicht sicher, wem sie ihre Gegenfrage stellte. Sich selbst oder ihm? Er hatte seinen Kopf unwillkürlich geneigt um in ihr gesenktes Gesicht zu blicken. Ihr Verhalten war so widersprüchlich, dass er sich darauf keinen Reim machen konnte. Was sollte er mit ihr tun? War sie tatsächlich seine Frau, aber hatte aus unerfindlichen Gründen ihren Charakter um 180° geändert, oder sie war jemand anderes, der ihr bis aufs Haar glich, aber so unvorbereitet und so schlecht informiert war, dass sie überhaupt nicht als Spitzel geeignet war... ODER er verlor den Verstand. Frustriert fuhr er sich durchs kurze Haar und atmete hörbar ein und aus. "Und ihr seid euch sicher, dass das eure Antwort ist?" fragte er mehr rhetorisch, denn er erwartete keine Antwort darauf.
      Sie sah nicht gefährlich aus und doch ließ ihn der Gedanke daran, dass irgendjemand seinem Sohn und Erben Schaden wollte nicht los. Tatsächlich war seine Frau, in der Vergangenheit, Rean gegenüber an guten Tagen, viel feindseliger eingestellt als heute. Heute schien es sogar, als würde sie sich um ihn kümmern und ihn gern haben. Den Picknick-Korb hatte sie selbst zusammengestellt und genau dieser war nun Objekt seines Misstrauens. Könnte das Essen vergiftet worden sein?
      "Ihr werdet uns Gesellschaft leisten. Und bevor Rean auch nur einen Krümel anfasst, möchte ich, dass ihr diesen vorher kostet. Habt ihr verstanden?" So würde er sicherstellen, dass nichts passieren konnte. Hätte sie das Essen tatsächlich vergiftet, so würde er sie sowieso hinrichten lassen. Er würde sich so, die Unannehmlichkeit einer Hinrichtung umgehen. Rean konnte er durch einen Vorwand nach Hause schicken, sobald Anzeichen einer Vergiftung auftreten würden... immerhin wollte er den Jungen nicht traumatisieren.
    • Cerelia / Adelicia

      Cerelia war für einen Moment sprachlos. Xadens Frage hatte sie auf dem falschen Fuß erwischt, obwohl sie ihm lediglich das Offensichtliche präsentiert hatte. Wie sollte sie darauf reagieren? Sie wusste weder, was er wirklich hören wollte, noch wie sie hätte antworten sollen, ohne einen Fehler zu machen. Adelicias Hintergrund war zwar Teil der Geschichte, doch viele ihrer persönlichen Gewohnheiten und kleineren Details wurden nie näher beleuchtet. Wenn Xaden also beschlossen hätte, tiefere Nachfragen zu stellen, hätte sie möglicherweise falsche Antworten gegeben. Diese Möglichkeit fiel ihr erst später ein, und sie war erleichtert, als er das Thema fallen ließ.
      Mit angespannter Erwartung, was er als Nächstes sagen würde, senkte sie ihren Blick und konzentrierte sich auf ihre Finger. Sie versuchte, sich damit abzulenken und zu beruhigen, denn das ständige Gefühl, unter Druck zu stehen, begann sie auszulaugen. Doch dann, als Xaden wieder sprach, hob sie instinktiv den Kopf – und zuckte leicht zusammen, als sie seine Nähe bemerkte. Wann war er ihr so nahegekommen? Sein makelloses Gesicht, das sie im Krankenbett stets bewundert hatte, war jetzt direkt vor ihr. Er sah noch besser aus, als sie sich jemals hätte vorstellen können – eine gefährliche Mischung aus Charme und Stärke, genau nach ihrem Geschmack. Trotz der angespannten Situation spürte sie ein aufregendes Prickeln in ihrem Bauch.
      Sein Vorschlag – oder vielmehr seine Anweisung – ließ sie jedoch rasch in die Realität zurückkehren. Sie sollte sich zu ihnen setzen und das Essen vorzukosten. Der Unterton in seiner Stimme ließ keinen Zweifel daran, was er ihr vorwarf. Cerelia war nicht naiv; sie verstand, dass Xaden ihr zutraute, das Essen vergiftet zu haben. Diese Unterstellung weckte in ihr widersprüchliche Gefühle. Einerseits freute sie sich, Zeit mit Rean verbringen zu dürfen, andererseits war sie verärgert, dass er sie für so etwas fähig hielt. Sicher, aus Xadens Sicht war Vorsicht geboten – besonders, wenn es um den Schutz seines Sohnes ging – aber die Vorstellung, dass er sie mit Adelicias kaltem und berechnendem Verhalten gleichsetzte, verletzte sie trotzdem.
      Cerelia biss sich kurz auf die Lippen, dann presste sie sie zusammen, um ihre Verärgerung zu unterdrücken. Doch als sie an ihm vorbeiging, konnte sie sich ein leises, gemurmeltes „Man könnte es auch netter formulieren“ nicht verkneifen.
      Ohne einen weiteren Blick in Xadens Richtung eilte sie zu Rean, der sie bereits erwartungsvoll ansah. Sein kindlicher Enthusiasmus zauberte ein Lächeln auf ihr Gesicht. Mit schwungvollen Bewegungen setzte sie sich neben ihn auf die Decke und strahlte ihn an. „Wollen wir gemeinsam das Essen probieren?“ fragte sie und zwinkerte ihm spielerisch zu, während sie den Korb an sich zog.
      „Ja, gerne!“ Die Freude in Reans Stimme war nicht zu überhören.
      Cerelia lachte leise. „Aber bevor ich dich etwas essen lasse, muss ich erst probieren, ob es überhaupt schmeckt.“ Sie nahm sich ein Sandwich aus dem Korb und kostete vorsichtig von jedem Gericht, das darin lag.
      „Es schmeckt sicher köstlich,“ versicherte Rean eifrig, doch Cerelia zwinkerte ihm nur zu und nahm einen weiteren Bissen. Dabei ließ sie ihren Blick nicht von Xaden ab, der sich inzwischen zu ihnen gesellt hatte. Ihre Augen blieben fest auf ihm, während sie kaute und schlussendlich schluckte. Ohne den Blickkontakt zu unterbrechen, probierte sie Stück für Stück von allem.
      Schließlich lächelte sie ihn wortlos an, bevor sie ihren Blick zu Rean wandte und ihm ein warmes, freundliches Lächeln schenkte. „Lass es dir schmecken,“ sagte sie und schob den Korb sanft zu ihm.
      Doch Cerelia konnte ihre Verärgerung nicht vollständig verdrängen. Während sie sich weiter mit Rean beschäftigte, ließ sie ihren Blick kurz erneut zu Xaden gleiten. Sie nahm einen Bissen und sprach ruhig, aber mit einer gewissen Schärfe in ihrer Stimme: „Die Küche hat eine wunderbare Arbeit geleistet.“
      Ihre Augen blitzten herausfordernd auf, als sie hinzufügte: „Probiert.“
      Es war offensichtlich, dass sie nicht zusammenbrechen oder gar vergiftet sein würde – schließlich ging es ihr prächtig. Und Cerelia war sich sicher, dass Xaden keinen Grund hatte, vor Rean eine zu strenge Haltung gegenüber der Bemühungen der Bediensteten zu zeigen. Sie konnte nur hoffen, dass dieser Moment ihm zumindest einen kleinen Denkanstoß geben würde.
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    • Xaden

      Ihre gemurmelten Worte entgingen ihm nicht, als sie mit einem verärgerten Ausdruck im Gesicht an ihm vorbeigelaufen war. Unwillkürlich zuckte eine Braue in die Höhe und er wollte etwas darauf erwidern, beließ allerdings dabei und ertappte sich, wie ein Schmunzeln sich auf seine Lippen gelegt hatten. Unbewusste sah er Adelicia mit anderen Augen und konnte sie kaum mehr mit der Frau die er geheiratet hatte in Verbindung setzen. Diese hier war leicht einzuschüchtern, aber ihre Art mit Ärger umzugehen war für ihn äußerst amüsant. Er beobachtete, wie ihre Schritte immer leichter wurden, je näher sie Rean kam. Ohne sich zu beeilen lief er hinterher und setzte sich ihr gegenüber, auf die Seite seines Sohnes.
      Seine volle Aufmerksamkeit galt seiner Frau die mit flinken behandschuhten Fingern jedes einzelne Gericht öffnete und teste. Rean schien, in seiner kindlichen Naivität, zu glauben, dass seine Mutter zuerst probieren musste, bevor sie ihm etwas geben konnte. Vielleicht spielte der Junge auch einfach nur mit, verzaubert vom neuen Wesen seiner Mutter. Sicherlich wünschte er sich nichts anderes als mit ihr Zeit zu verbringen, egal wie seltsam sie sich verhielt - hauptsache sie kümmerte sich um ihn, statt ihn nicht zu beachten und ihm die kalte Schulter zu zeigen.
      Xaden registrierte jede noch so kleine Detail und jede Regung in Adelicias Gesicht. Selbstbewusst und unerschrocken nahm sie sich das nächste Sandwich und biss herzhaft hinein. Ihre Augen funkelten herausfordernd und leicht spöttisch als sie ihn aufforderte selbst zu probieren. Sein Mundwinkel zuckte leicht zu einem schiefen lächeln, dass schnell wieder verschwand. Sie forderte ihn heraus? Interessant... Statt das angebissene Sandwich anzunehmen, zog er an ihrem Handgelenk, sodass sie ihm viel näher war. So nahe, dass er zu ihr flüstern konnte, ohne dass es Rean mitbekommen würde. Er drehte das belegte Brot in ihren Händen auf die Seite, die von ihrem Handschuh berührt worden war und sagte leise: "Probiert selbst noch einmal." Seinen Griff um ihr Handgelenk hatte er gelockert, damit sie sich bewegen konnte, aber er hatte nicht losgelassen. Nun war es an ihm, sie herausfordern anzusehen.

      Erst vor kurzem hatte ihm Matthias erzählt - welcher Tratsch liebte - dass Lord Sowieso auf einer Familienfeier von seiner eigenen Frau vergiftet worden war. Lange war wusste man nicht, wer es gewesen war, bis man die Handschuhe der Ehefrau fand und darauf Rückstände eines Giftes entdeckte. Das Gift hatte ihre weißen Handschuhe nach einer Weile schwarz gefärbt, sodass man erst viel später darauf gestoßen war. Hätte sie die Handschuhe verbrannt, dann wüsste man noch immer nicht wer es gewesen sein könnte. Und genau deshalb, ließ er Adelicia noch einmal probieren.
    • Cerelia / Adelicia

      Hatte sie sich diesen Anblick nur eingebildet? Cerelia fragte sich, ob sie sich vom Moment so sehr hatte mitreißen lassen, dass sie nun Halluzinationen bekam. Ein flüchtiges Zucken in Xadens Mundwinkel – hatte sie das wirklich gesehen? Oder war es nur eine Wunschvorstellung? Sie war sich nicht sicher, doch so rasch, wie dieser Ausdruck erschienen war, war er auch wieder verschwunden.
      Während sie gedanklich noch bei diesem kurzen Anflug eines Schmunzelns verweilte, zog er sie plötzlich näher zu sich. Seine Berührung kam unerwartet, und Cerelia stolperte innerlich vor Schreck. Ihr Blick schnellte zu ihm hoch, und sie bemerkte, wie viel näher er jetzt war. Ihre Augen fanden sofort seines – ein faszinierender Kontrast: Ein Auge leuchtete in einem tiefen Blau, so unergründlich wie ein Ozean, in dem man sich verlieren konnte, voller Geheimnisse und Intensität.
      Xadens Gesicht war wie aus Stein gemeißelt, mit scharfen, markanten Konturen, die wie von einem Künstler gestaltet wirkten. Seine helle, makellose Haut kontrastierte perfekt zu seinen tiefschwarzen Haaren, die wie Schatten um ihn flossen. Es war ein Gesicht, das nicht nur auffällig, sondern fast überirdisch schön war. Cerelia konnte nicht anders, als sich in seinem Anblick zu verlieren. Sie hätte ihn stundenlang anstarren können – wie ein Fangirl, das von einem verbotenen Schwarm träumt.
      Doch jetzt war er nicht länger ein Traum. Jetzt war er so nah, dass sich ihre Nasen bei der geringsten Bewegung hätten berühren können. Cerelia spürte, wie ihr Herz mit jedem Schlag schneller wurde. Da, wo seine Hand ihr Handgelenk hielt, brannte ihre Haut, selbst durch den Stoff ihres Handschuhs hindurch. Es war keine schmerzhafte Hitze, sondern ein warmes, prickelndes Gefühl, das all ihre Sinne betäubte und sie dazu brachte, den Moment zu vergessen.
      Als er sie erneut aufforderte, vom Brot abzubeißen, riss sie ihren Blick endlich von ihm los und sah hinunter. Doch anstelle von Erleichterung kehrte der Ärger zurück. Es reichte ihm nicht, dass sie bereits einen Bissen genommen hatte. Nein, sie sollte jetzt auch die andere Seite probieren, um zu beweisen, dass es nicht vergiftet war. Cerelia war eine begeisterte Leserin dieser Geschichte, und in Momenten wie diesen, in denen Spannung zwischen Rean und der Protagonistin aufkeimte, hatte sie oft mitgefiebert. Wie oft hatte sie solche Szenen mit einem leisen Quieken gefeiert? Wie oft hatte sie in Kommentaren Gleichgesinnte gefunden, die nach mehr solcher prickelnden Augenblicke riefen?
      Jetzt jedoch war sie selbst Teil dieses Moments, nun jedoch mit Xaden. Es fühlte sich gleichzeitig aufregend und erschreckend an. Eine flüchtige Vorstellung flackerte vor ihrem inneren Auge – eine Version von ihr, die mutig war, entschlossen und bereit, ihre Fantasien auszuleben. Cerelia wusste, dass sie nie geglaubt hatte, den Mut zu besitzen, etwas Derartiges zu tun. Doch vielleicht war dies ihre einzige Chance.
      Noch bevor sie es bewusst entschieden hatte, neigte sie ihren Kopf weit nach unten, ohne ihr Handgelenk zu bewegen, und biss in das Brot. Eine zarte Soße erfüllte ihren Mund, und ein Tropfen rann an ihrem Mundwinkel entlang. Cerelias Blick wanderte langsam zu Xadens Hand, die ihr Handgelenk umschloss, und schließlich zu seinen Augen. Ihre Mundwinkel zuckten kurz, als sie beschloss, die Situation auf ihre Weise zu nutzen.
      Mit einer scheinbar beiläufigen Bewegung neigte sie ihren Kopf und strich mit dem Mundwinkel – dem kleinen Tropfen Soße folgend – über den Fingerknöchel seines Zeigefingers. Mit der Spitze ihrer Zunge wischte sie die restliche Soße von ihrem Mundwinkel ab, ehe sie ihre Lippen auf seinem Fingerknöchel platzierte. Für einen Augenblick fuhr ihre Zunge sanft über die Stelle, an der die Soße gewesen war, bevor sie sich langsam wieder zurückzog.
      Während all dem hatte sie ihren Blick nicht von ihm abgewandt.
      Die Zeit schien stillzustehen. Die leise Stimme von Rean, der vor sich hinsummte, holte sie schließlich in die Realität zurück. Der Moment war vorbei, und die Bedeutung dessen, was sie gerade getan hatte, traf sie wie ein Schlag. Sie setzte sich abrupt wieder aufrecht hin, spürte, wie ihre Wangen vor Hitze brannten. Sie war so peinlich berührt, dass sie sich nicht traute, ihn anzusehen.
      Oh Gott, dachte sie entsetzt, während sie sich verzweifelt umsah, um ihre Verlegenheit zu überspielen. Zu allem Überfluss bekam sie einen leichten Schluckauf.
      „Hier,“ sagte Rean und reichte ihr eilig etwas zu trinken.
      „Vielen Dank, Liebes,“ murmelte sie mit einem nervösen Lächeln und nahm einen großen Schluck. Doch der Schluckauf blieb.
      Cerelia wagte es nicht, Xaden noch einmal anzusehen. Stattdessen wanderte ihr Blick überall hin – auf Rean, die Decke, den Korb –, nur nicht zu ihm. Sie hatte diesen Moment immer gewollt. Sie hatte davon geträumt, solch einen aufregenden Augenblick mit einem gut aussehenden Charakter zu erleben. Doch jetzt, da sie ihn tatsächlich erlebt hatte, fühlte sie sich völlig überwältigt.
      Und auch wenn sie glaubte, vor Scham im Boden versinken zu müssen, spürte sie insgeheim ein winziges, triumphierendes Gefühl. Sie hatte es gewagt – und egal, wie peinlich es war, sie wusste, dass sie diesen Augenblick nie vergessen würde.
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    • Xaden

      Es faszinierte ihn wie ihre Emotionen so deutlich auf ihrem Gesicht zu erkennen waren. Ihr leicht verträumter (???) Blick, den er sich nicht erklären konnte, wich dem der Verärgerung. Ihre rosigen Wagen hatten sich vor Missgunst immer weiter gerötet und er konnte nicht anders als zu starren - was recht einfach war, denn sie hielt ihren Blickkontakt bewusst aufrecht. Ein Schauer durchfuhr ihn, als er ihren warmen Atem auf seiner Haut spürte. Xaden lehnte sich eine kaum merkliches Stück zurück um ihr Platz zu geben, als sie sich über das Sandwich zwischen Ihnen beugte. Ihre Augen bohrten sich verurteilend in die seinen. Sie wandte sich nicht einmal ab als sich ihre sinnlichen Lippen sich um das weiche, fluffige Brot legten. Wie erstarrt beobachtete er, wie sich ihre kleine rosane Zunge über eben jene Lippen fuhr. Wäre er noch Herr seiner Rationalität, würde er sicherlich erkennen wie un-Adelicia-haft - und unschicklich - diese kleine Bewegung war. Doch sein Kopf hatte sich in diesem Moment von allen rationalen Gedanken verabschiedet und er hatte nicht einmal gespürt wie ein Klecks cremige Soße auf seinem Fingern gelandet war. Daher war er umso überraschter als Ihre Lippen sich auf seine Haut gelegt hatten und noch mehr, als sie die Soße von seinen Knöcheln leckte. Statt wie vom Blitz getroffen, hatte er seine Hand nicht sofort zurückgezogen und er war sich nicht sicher ob er über ihr Verhalten oder eher über sein eigenes schockiert zu sein. Als sie zu realisieren schien was sie da getan hatte, stieg die Röte zurück auf ihre Wangen. Erst dann ließ er Adelicias Handgelenk los und rückte von ihr ab. Die Scham stand ihr regelrecht ins Gesicht geschrieben, ihre Augen huschten nervös von einem Punkt zum nächsten. Wenn er ehrlich war, fühlt er sich genauso. Doch das einzige das ihn verraten würden, wären wohl seine Ohrenspitzen, die sich unnatürlich heiß anfühlten.

      Was war da eben geschehen? Statt wie Adelicia, war sah er äußerlich unerschüttert aus und lehnte sich sogar etwas zurück. Ihm entging nicht, dass sie krampfhaft versuchte unter keinen Umständen in seine Richtung zu sehen. Möglicherweise hätte er es unter normalen Umständen amüsant gefunden, doch unbewusst war ihm das nicht recht - was er sich natürlich nicht eingestand.

      "Darf ich auch etwas davon haben?" fragte Rean mit großen Welpenaugen und deutete auf das Sandwich in Adelicis behandschuhten Händen. Richtig, er ließ sie probieren, damit er sicher stellen konnte, dass sie nicht versuchte alle zu vergiften. Das war ihm aus unerfindlichen Gründen komplett aus dem Gedächtnis gewischt worden. Xaden räusperte sich und setzte sich aufrechter hin. Ob sie ihn nun ansehen würde, wenn sie doch sein Einverständnis dafür benötigte? Als die Frau dennoch nicht zu ihm sehen wollte, schnappte er sich das Sandwich aus ihrer Hand, steckte es sich in den Mund, griff wieder nach ihrem Handgelenk und zupfte an dem drei längsten Fingern an dem Handschuh um es dann am Mittelfinger von Ihrer Hand zu ziehen. Was sich darunter verbarg war nicht das womit er eigentlich gerechnet hatte. Womit hatte er eigentlich gerechnet? Er hatte ihr den Handschuh lediglich abgezogen um diesen besser in Augenschein zu nehmen - oder war es, weil es ihn ärgerte, dass sie ihn nicht ansah? Ihre Finger waren von hauchdünnen Leinenstreifen umwickelt worden. Er zog eine Augenbraue in die Höhe und sah sie fragend an. "Was ist das?" fragte er sie, nachdem er das belegte Brot wieder aus dem Mund nahm. Waren es Schnitte, oder gab es einen anderen Grund weswegen sie ihre Hände so eingewickelt hatte? Waren es geheime Nachrichten an Ihren Auftraggeber? So sahen sie nicht aus, doch sein Misstrauen war noch nicht verflogen.
    • Cerelia wusste nicht, was sie von Xaden erwarten sollte. Ihre Gedanken kreisten unaufhörlich um die vorangegangenen Ereignisse. Die Nähe, ihre impulsive Aktion – alles wirbelte in ihrem Kopf durcheinander. Sie wagte nicht, ihn anzusehen. Was würde sie in seinem Gesicht erkennen? Ärger? Amüsement? Oder das undurchdringliche Pokerface, das ihn so oft zu umgeben schien? Schon beim Lesen der Geschichte war ihr aufgefallen, wie meisterhaft Xaden seine Emotionen verbarg. Sein Ausdruck war eine perfekte Maske, die niemand zu durchdringen vermochte – ein Talent, das Cerelia selbst vollkommen fehlte.
      Während sie tief durchatmete und versuchte, ihr wild pochendes Herz zu beruhigen, bemerkte sie nicht, wie Xaden sich ihr wieder näherte. Ohne Vorwarnung griff er nach dem Sandwich in ihrer Hand und entriss es ihr mit einer Bewegung, die ebenso überraschend wie fließend war.
      Für einen Moment war Cerelia wie erstarrt. Ihre Augen wanderten zu ihrer leeren Hand, und sie starrte verwirrt ihre Finger an, als würde sie begreifen wollen, was gerade passiert war. Ihre Stirn legte sich in Falten, die Augenbrauen zogen sich zusammen. Doch bevor sie eine Gelegenheit hatte, etwas zu sagen oder zu tun, spürte sie, wie er erneut nach ihrem Handgelenk griff.
      Diesmal war sein Griff zielgerichteter. Mit einer raschen Bewegung zog er ihren Handschuh herunter und entblößte ihre Hand. Bevor sie sich befreien konnte, waren ihre Finger ungeschützt, und das feine Netz aus Leinenstreifen, das sie sorgsam darum gewickelt hatte, lag nun offen vor ihm.
      Cerelia spürte, wie ihr die Röte ins Gesicht stieg, doch nicht nur aus Scham. Es war die Mischung aus Überraschung, Ärger und einem Hauch von Verletzlichkeit, die sie überwältigte. Die Leinenstreifen waren ein stilles Zeugnis ihrer Unerfahrenheit. Bei der Zubereitung der Köstlichkeiten hatte sie sich mehrmals in die Finger geschnitten, und obwohl sie sich Mühe gegeben hatte, diese kleinen Makel zu verbergen, waren sie jetzt unübersehbar.
      „Und das?“ Xadens Stimme war scharf, fast anklagend, und sein Blick haftete auf ihren Händen. Die schneidende Kälte in seiner Frage ließ ihr einen Schauer über den Rücken laufen.
      Für einen Moment wusste Cerelia nicht, was sie sagen sollte. Ihre Gedanken wirbelten durcheinander, während sie seinen Blick suchte. Sie wollte ihm widersprechen, wollte erklären, doch die Worte blieben in ihrer Kehle stecken. Schließlich entzog sie ihm ihr Handgelenk mit einem schnellen Ruck und öffnete den Mund, um sich zu verteidigen.
      Doch bevor sie dazu kam, spürte sie ein leichtes Zupfen an ihrem Kleid. Überrascht sah sie nach unten und fand Rean, der sie mit großen, besorgten Augen ansah.
      „Habt Ihr Euch verletzt?“ Seine kindliche Stimme war voller Sorge, und sein Blick wanderte zu ihren verbundenen Fingern.
      Cerelia spürte, wie ihr Herz bei diesem Anblick schmolz. Die kindliche Unschuld und Aufrichtigkeit, die Rean ausstrahlte, war ein wohltuender Kontrast zu Xadens scharfer Skepsis.
      „Mach dir keine Sorgen“, sagte sie sanft und schenkte Rean ein aufmunterndes Lächeln. „Ich war nur ein wenig ungeschickt beim Schneiden.“ Sie versuchte, den Moment zu entschärfen und richtete sich innerlich auf.
      Sie deutete auf den Korb mit Essen und sprach weiter: „Komm, iss etwas, bevor die Soße das Brot durchweicht. Es wäre doch schade, wenn alles umsonst gewesen wäre.“
      Doch Cerelia konnte es nicht lassen, ihren Blick kurz zu Xaden zu wenden, und fügte hinzu: „Es ist in Ordnung, oder?“ Ihre Stimme trug eine deutliche Betonung auf das letzte Wort, fast eine Herausforderung. Ihre Augenbrauen hoben sich leicht, während sie ihn abwartend ansah.
      Obwohl sie innerlich vor Wut und Enttäuschung brodelte, wusste sie, dass sie vor Rean keine Diskussion mit Xaden führen wollte. Sie wollte das friedliche Bild dieser vermeintlichen Familie nicht zerstören – nicht für den Jungen, der so unschuldig und vertrauensvoll war.
      Cerelia versuchte, ihre Finger unauffällig in ihrem Schoß zu verstecken, um die Leinenstreifen aus seinem Blickfeld zu ziehen. Doch sie wusste, dass Xaden sie längst gesehen hatte – und dass sein scharfer Blick sie weiterhin durchbohrte, während sie sich bemühte, unbeteiligt zu wirken.
      Um ihm weiter zu zeigen, dass auch die weiteren Zubereitungen keine Gefahr für den Jungen darstellten, nahm sie sich die Früchte heraus und kostete sie. Sie hoffte mit der Bewegung Xaden etwas abzulenken, fast ihm eine Möglichkeit zu geben das Geschehen zu überspielen.
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      ૮ ˶ᵔ ᵕ ᵔ˶ ა
    • Als Rean besorgt näher zu Adelicia rutschte und sie ihm ihre Hand entzog, lehnt er sich kaum merklich zurück. Ihm entging ihr sanfter Tonfall mit Rean und ihr härterer Tonfall mit ihm nicht. Gerade noch sah sie aus wie ein verängstigtes Häschen, doch sie hatte sich schnell wieder aufgerappelt und schien sogar Fangzähne zu entwickeln um ihn herauszufordern. Überrascht über diese Wendung hob auch er die Brauen, ehe er wortlos nickte. Ihre Erklärung, sie hätte sich während den Vorbereitungen geschnitten, schienen plausibel genug zu sein. Er kam sich nun selbst ein wenig übervorsichtig und paranoid vor, ließ das aber nicht durchscheinen. Sobald wie wieder auf dem Anwesen waren, würde er den Doktor zu Adelicia schicken um sicher zu stellen, dass sich die Wunden nicht entzündeten.

      Rean war mehr als nur glücklich die selbstgemachten Sandwiches seiner Mutter zu essen und sogar Zeit mit beiden Elternteilen zu verbringen. Es gab wahrscheinlich keinen glücklicheren Tag als heute, hatte er beschlossen. Der kleine Junge versuchte auch nicht großartig darüber nachzudenken wie es überhaupt dazu gekommen war, dass er beide um sich hatte. Das war noch nie vorgekommen, jedenfalls nicht so. Die sporadischen Abendessen im Anwesen zählte Rean nicht, denn sie saßen alle so weit auseinander und redeten kaum miteinander, dass es sich fast schon anfühlte als würde er alleine essen. Doch das heute fühlte sich einfach gut an, und so genoß Rean jede einzelne Minute. "mhm~ Lecker!" rief der kleine Junge glücklich und biss ein weiteren großen Biss von seinem Sandwich ab. Nach der Rudertour mit seinem Vater waren die Sandwiches seiner Mutter perfekt um neue Energie zu tanken. "Ich habe heute selbst gerudert, Mutter! Vater hat mir gezeigt wie das geht." Er grinste sie ganz ungeniert an. Seine Wangen waren vor Freude pink geworden und seine Augen funkelten stolz. Sogar ein leises kichern entschlüpfte ihm, so fröhlich war er. "Vater, können wir noch eine Runde Boot fahren? Ich würde Mutter gerne zeigen was ich schon kann!" Rean hatte sich hoffnungsvoll mit großen runden Augen an Xaden gewandt. Dieser hatte bereit das von Adelicia angebissene Brot aufgegessen und hatte sich einen Apfel aus dem Korb gefischt. "Das trifft sich gut." sagte er langsam und fragte sich, wie man es schaffen sollte Rean irgendeinen Wunsch ausschlagen konnte, wenn er so fragte. Ihm fiel nicht auf, dass er viel zu wenig Zeit mit ihm verbrachte, dass Rean kaum die Gelegenheit bekam sich überhaupt etwas zu wünschen. "Wenn du ruderst, kann ich mich ausruhen." sein Tonfall war nicht streng, doch er bedachte seinen Sohn mit einem ernsten Blick um den Jungen auf seine Verantwortung aufmerksam zu machen. Rean verstand sofort und setzte sich ein wenig aufrechter hin. "Natürlich Vater, ich werde für uns rudern!" erklärte er mit einer selbstsicheren Stimme und grinste bis über beide Ohren. Xaden konnte ein kleines Schmunzeln nicht unterdrücken, versteckte dieses allerdings, indem er herzhaft in den Apfel biss.

      Als die kleine Familie mit dem Picknicken fertig waren und sie alle gesättigt und ausgeruht waren, beschloss Rean, dass es an der Zeit war ins Boot zu steigen. Mit dem Hinweis, dass sie nicht länger warten sollten, denn die Sonnen würde im Herbst viel schneller untergehen als im Sommer. Es überraschte Xaden, dass sein Sohn in solch jungen Jahren schon solch eine Voraussicht entwickelte, dass er sich wunderte wie er wohl als junger Mann sein würde. Es erfüllte ihn mit heimlichen Stolz und er würde nicht vergessen, Reans Lehrern darauf aufmerksam zu machen, ihn weiter zu fördern. Er zog sogar eine Gehaltserhöhung in betracht.

      Xaden stieg zuerst ins Boot um dann Adelicia hinein zu helfen. Sein Sohn machte das Boot voller Elan und Vorfreude los. Er schaffte es sogar ohne Xadens Hilfe einzusteigen, was sein Selbstbewusstsein nur noch größer werden ließ. Um die Balance im Boot zu halten, saß Rean in der Mitte, seine Mutter vor ihm und sein Vater hinter ihm. Er hievte die Ruder hoch, machte sie an den Verankerungen fest und ließ sie ins Wasser gleiten, ehe er sie so justierte wie er es von seinem Vater gelernt hatte. "Es geht los!" sagte er und strahlte seine Mutter an.

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    • Cerelia spürte, wie sich eine unmerkliche Anspannung in ihr löste, als Xaden schwieg und keine spitze Bemerkung über ihre Bemühungen machte. Mit einem leichten Hauch von Erleichterung sah sie zu Rean, der erwartungsvoll in das Brot biss. Ihre Augen hielten den Moment fest, und als sich ein zufriedenes Lächeln auf seinen Lippen ausbreitete, atmete sie kaum merklich aus. Die Stunden der Unsicherheit und beinahe Verzweiflung, die sie während der Zubereitung der Speisen durchlebt hatte, erschienen ihr in diesem Moment nichtig. Reans Freude machte jede Mühe wertvoll.
      Doch inmitten dieses flüchtigen Glücks mischte sich ein Anflug von Traurigkeit. Cerelia dachte an Adelicia und daran, dass sie niemals die Gelegenheit gehabt hatte, eine solche Szene zu erleben – ihren Sohn sorglos und glücklich zu sehen. Trotz der leichten Schuldgefühle wusste Cerelia, dass Adelicia sich nie bemüht hatte, das Leben von Rean oder ihr eigenes zu verändern. Diese Erkenntnis nagte an ihr, auch wenn sie sich bemühte, den Moment nicht davon trüben zu lassen.
      Während Rean stolz von seinem Ruderausflug erzählte, konnte Cerelia nicht anders, als leise zu lachen. Doch das Lächeln auf ihren Lippen fühlte sich zerbrechlich an. Es war ein bittersüßer Moment – einerseits von der Freude erfüllt, ihn so glücklich zu sehen, andererseits von der Gewissheit überschattet, dass dies vielleicht das letzte Mal war, dass sie eine solche Szene erlebte. Das Wissen um die ungewisse Zukunft, die Rean erwartete, ließ einen Knoten in ihrer Brust entstehen.
      Trotzdem konnte Cerelia das Strahlen in seinen Augen nicht ignorieren, und so hielt sich ihr Lächeln aufrecht, während sie Xadens Vorschlag, nach dem Essen gemeinsam rudern zu gehen, zustimmte. Ihr Herz schlug einen Hauch schneller – nicht nur, weil sie den See mit eigenen Augen bewunderte, sondern auch, weil sie zum ersten Mal in ihrem Leben rudern würde. Selbst wenn dies nur ein Traum war, fühlte es sich erschreckend real an. Mehr als einmal schweifte ihr Blick zum kleinen Boot, das sanft am Steg schaukelte.

      Nachdem sie ihren Anteil am Essen beendet hatte, lehnte sie sich entspannt zurück. Das Brot war vielleicht keine Meisterleistung, doch es hatte ihr geschmeckt – und wichtiger noch, niemand hatte sich beschwert. Sie konnte sich ein leises Gefühl der Zufriedenheit nicht verwehren.
      Als sie schließlich ins Boot stiegen, ließ Cerelia den Blick über den See gleiten. Die Sonne spiegelte sich auf der glitzernden Wasseroberfläche, während sanfte Wellen gegen das Holz des Bootes plätscherten. Der Duft von feuchtem Holz und frischem Wasser lag in der Luft, gemischt mit dem süßen Aroma der umliegenden Wildblumen, die sich am Ufer wie ein bunter Teppich ausbreiteten. Die Bäume, deren Zweige sich im Wind neigten, wirkten wie stumme Wächter, die über die ruhige Idylle wachten. Cerelia atmete tief ein, die kühle Luft füllte ihre Lungen und ließ sie einen Moment lang vergessen, dass dieser Frieden nur eine Illusion sein könnte.

      Doch ihre Gedanken wurden bald von einer leisen Sorge durchbrochen, als sie beobachtete, wie Rean das Ruder fest umklammerte. Sein kleiner Körper spannte sich an, während er bemüht war, das Boot zu bewegen. Cerelia biss sich auf die Lippe, um ihre Besorgnis zu verbergen. Würde er die Anstrengung durchhalten? Hatte er nicht bereits zuvor viel Kraft verbraucht? Dennoch zwang sie sich zu einem ruhigen Ausdruck, um Rean nicht zu entmutigen.
      Als sie schließlich bemerkte, wie weit sie sich bereits vom Ufer entfernt hatten, legte sich ein Anflug von Nervosität auf ihr Herz. Überrascht sah sie zu Rean, der unbeirrt weiterruderte. „Möchtest du nicht eine kleine Pause einlegen? Sonst hast du für den Rückweg keine Energie mehr“, versuchte sie ihn sanft zu überreden, während sich leichte Sorgen in ihren Augen spiegelten. „Du hast toll gerudert, ich hätte nicht gedacht, dass es jetzt dein zweites Mal ist", lächelte sie ihn an. Reans Bäckchen, vor Anstrengung aber auch Stolz, wurden hell rot und auch wenn er für einen Moment versuchte es zu überspielen, sah Cerelia wie ihr Kompliment ihm gefallen hat. Ihr Lob brachte seine Wangen jedoch nur noch mehr zum Glühen. Stolz und Entschlossenheit funkelten in seinen Augen. „Natürlich nicht! Ich werde stark genug sein, um dich zu beschützen!“
      Cerelia musste lächeln, auch wenn ihr Herz dabei schmerzte. „Das wirst du sicherlich, aber das braucht Zeit. Bis dahin kann dein Vater das übernehmen“, sagte sie sanft und legte ihr Kinn auf ihre Handfläche, während sie Reans eifrige Entschlossenheit bewunderte.

      Die Minuten auf dem Wasser waren von einer friedlichen Stille durchzogen, als plötzlich ein leises Plätschern die Ruhe durchbrach. Cerelia hob überrascht den Kopf, ihre Augen suchten die Wasseroberfläche nach der Quelle des Geräuschs ab. Doch so sehr sie auch spähte, sie konnte nichts erkennen – keine Bewegung, kein Schatten. Ein sanfter Windhauch kräuselte die spiegelnde Oberfläche, doch er schien nicht die Ursache gewesen zu sein.
      Ein Blick zu Rean genügte, um zu sehen, dass auch er das Geräusch wahrgenommen hatte. Seine Augen waren geweitet, voller Neugier und einem Anflug von Aufregung. Noch bevor Cerelia etwas sagen konnte, neigte er sich bereits gefährlich weit über den Rand des Bootes. Seine kleinen Hände krallten sich am Holz fest, während sein Körper sich weiter nach vorne beugte, getrieben von kindlicher Entdeckungslust.
      Cerelia spürte, wie ihr Herz einen Schlag aussetzte. Ihr Blick heftete sich an ihn, und sie streckte instinktiv die Hand aus, während sie sich auf ihre Beine verlagerte, bereit, im Notfall einzugreifen. „Rean, sei vorsichtig! Nicht so weit nach vorne!“ Ihre Stimme war ruhig, doch ein Hauch von Sorge schwang mit.
      Doch Rean hörte sie kaum. Er war zu sehr auf die dunkle Tiefe unter dem Boot fixiert. Gerade als Cerelia einen Schritt nach vorne machen wollte, ertönte erneut ein Plätschern – diesmal viel näher. Rean zuckte zusammen, sein Gleichgewicht geriet ins Wanken. Ein erschrockener Laut entfuhr ihm, während das Boot unter seiner plötzlichen Bewegung bedenklich schwankte.
      Cerelia rief noch seinen Namen, doch es war zu spät. Rean verlor den Halt. In einem kurzen, panischen Moment taumelte er, griff ins Leere – und fiel. Das Wasser zerspritzte um ihn herum, als sein kleiner Körper eintauchte.
      Cerelia reagierte, ohne zu denken. Sie hatte kaum Zeit, das Geschehene zu begreifen, als ihr Körper bereits handelte. Noch bevor der Schrecken sie ganz ergreifen konnte, sprang sie hinterher. Das Boot kippte leicht, während sie ins Wasser stürzte.
      Der Aufprall war wie ein Schock. Das Wasser war eisig, ein stechender, unerwarteter Schlag gegen ihre Haut. Für einen Moment raubte es ihr den Atem, und die Kälte griff nach ihren Gliedern, lähmte sie. Doch was sie in diesem Moment noch stärker traf, war das Gewicht ihres Kleides.
      Erst als ihr Körper im Wasser versank, wurde ihr bewusst, dass sie nicht die Kleidung aus ihrer Realität trug. Stattdessen war es ein schweres, mehrlagiges Kleid, das sich augenblicklich mit Wasser vollsog. Der Stoff zog sie hinab, ließ ihre Bewegungen träge werden und ihre Muskeln schmerzen.
      Ein brennender Husten durchfuhr sie, als sie ungewollt Wasser schluckte. Panik flackerte in ihr auf – wild und unkontrollierbar. Die Kälte und die Angst vor dem Ertrinken schienen für einen Traum viel zu echt. Alles fühlte sich real an – zu real. Ihre Gedanken rasten.
      Der Gedanke an Rean ließ sie die Furcht beiseiteschieben. Mit aller Kraft kämpfte sie gegen das Kleid, trat mit den Beinen, während ihre Arme durch das Wasser fuhren. Ihre Augen suchten verzweifelt nach dem kleinen Jungen, dessen Sturz alles in ihr alarmiert hatte.
      Sie konnte nicht zulassen, dass er in diesen dunklen Wassern verschwand. Nicht jetzt. Nicht so.
      Ihre Brust brannte, und das Gewicht des Kleides drohte sie erneut nach unten zu ziehen. Sie hatte es vergesse. Vergessen, dass sie nicht schwimmen konnte.
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      ૮ ˶ᵔ ᵕ ᵔ˶ ა
    • Rean hatte sie ein gutesStück in den See hineingefahren als es passierte. Es war schon beängstigend wieschnell die Geräusche zweier ins Wasser fallender Körper von der Ruhe des Seesverschluckt wurden. Die Wasseroberfläche fing bereits an sich zu glätten, alssei nie etwas hineingefallen, als wäre seine Familie nicht gerade vor seinenAugen untergegangen. Er wollte gerade noch Rean eine Warnung zurufen, als erschon hineinfiel und seine Mutter keine Sekunde später mit ihm. Xaden fluchte,streifte sich die Schuhe von den Füßen während er gleichzeitig seinen Mantelablegte. Wieso Adelicia in voller Montur hineingesprungen war, entzog sichseiner Logik vollkommen. Er wusste nicht, ob Rean bereits schwimmen konnte undauch noch ob Adelicia es je gelernt hatte, doch ohne weiter darübernachzudenken stürzte auch er sich ins Wasser. Beide waren dick in herbstlicheKleidung eingepackt, was es für sie schwer machen würde, wieder an dieOberfläche zu kommen, doch Xaden war sich fast schon sicher, dass er zu erst Reanentdecken würde. Die schweren Röcke ihres Kleides hatten Adelicia sicherlichschneller sinken lassen als den kleinen Körper seines Sohnes. Er würde siedaher nicht gleichzeitig herausfischen können, es sei denn Adelicia hatte Reanbereits im Arm...
      Das Wasser war eisig, doch das war ihm vorher schon bewusst,weswegen der Schock nicht allzutief saß und ihm nicht direkt die Luft raubte.Seine Sicht war nicht gerade die Beste. Das noch verbleibende Sonnenlichtreichte gerade einmal für wenige Meter, alles andere versank in einem dunklengrün, sodass er sich weiter hineinwagen musste um seine Familie zu finden. Wieer es sich schon gedacht hatte, fand er Rean als erstes. Der Junge strampeltewie wild um sicher - ganz klar, war er kein Schwimmer. Seine Gesicht war bereitrot angelaufen, wenn er so weiter machte, würde ihm die Luft ausgehen. Inwenigen Schwimmzügen war Xaden bei ihm und obwohl sein Sohn zuerst noch wilderum sich schlug, entspannte er sich als ihm bewusst wurde, dass es sein Vaterwar, der einen Arm um seinen Brustkorb geschlungen hatte und ihn mit kräftigenaber langsamen Zügen an die Oberfläche zog. Xaden musste sich beeilen, wenn erauch Adelicia vor dem ertrinken retten wollte. Er verlor wertvolle Zeit, dennsie war nicht bei Rean gewesen und er musste erst den Jungen in Sicherheitbringen, ehe er weiter nach ihr suchen konnte.
      Das Boot war nicht weit von Ihnen, als sein Kopf dieWasseroberfläche durchbrach. Xaden hievte Rean hoch, der direkt das Hustenanfing. Husten war besser als gar kein Laut, denn so bekam sein Sohn wenigstensdas Wasser aus den Lungen. "Halt dich gut fest und zieh dich hoch."Es war schwerer als gedacht, Rean aus dem Wasser heraus wieder ins Boot zubekommen. Doch gemeinsam schafften sie es. "Ich hole deine Mutter, bewegdich nicht!" sagte er bestimmend und sehr ernst. Rean nickte und schluckteein Schluchzen herunter ehe sein Vater wieder im Wasser verschwand.
      Und nun machte sich auch ein Gefühl der Panik in ihm breit.Xaden hatte zu viel wertvolle Zeit damit verbracht Rean in Sicherheit zubringen, dass er hoffte, Adelicia würde wissen wie sie Ihre Atemlufteinzuteilen hatte... Sie würde mit all dem schweren Stoff niemals von selbstwieder hochkommen. Er tauchte und tauchte, zog sich immer weiter in die Tiefe.Je tiefer er kam desto dunkler, doch ehe er sich dem Frust und der Angst umAdelicia hingab fiel ihm ein leuchten auf. Etwas glimmerte im Wasser under schwamm näher heran. Adelicias Brosche glitzerte ihm entgegen. Adeliciasbewusstlose Gestalt sank langsam dem Boden des Sees hinab und auch wenn ererleichtert war sie gefunden zu haben, so blieb doch ein Funken Angst zurück.Angst er wäre zu spät. Doch er schob den Gedanken beiseite und zog ein kurzesMesser aus seinem Halfter am Bein. Er trug es seit dem Krieg immer bei sich undobwohl er oft daran dachte es abzulegen war er doch froh es nicht getan zuhaben.
      Er schlang einen Arm, wie bei Rean, um Adelicias Oberkörper,hielt mit der selben Hand einen Teil Ihrer Röcke an ihrer Hüfte auf. Er gingeinmal rund herum sodass der schwere Ballast in wenigen Momenten von IhrAbfiel. Es half ungemein und er konnte sie beide an die Oberfläche schwimmen.Er presste sie fest an sich und ließ das Messer fallen um mit den Armen undHänden besser durchs Wasser rudern zu können. Auch ihm ging so langsam die Luftaus und er nahm einen Tiefen Atemzug direkt nachdem er die Wasseroberflächedurchbrochen hatte. Er lehnte sich im Wasser zurück, sodass auch Adelicias Kopfan der Luft war und er sie so besser an Land schwimmen konnte. Er würde sieerst gar nicht versuchen aufs Boot zu bekommen. So hoch wie es war, würde er esnur zum kentern bringen. "REAN?!" Rief er nach seinem Sohn, der seinen Kopf vorsichtig an der Bootskante herauslugte, fast so als hätte er Angst sich wieder zu weit vorzulehnen und hineinzufallen - einmal reichte vollkommen. Der Anblick seiner bewusstlosen Mutter wurde er noch bleicher als ohnehin schon. "Mutter!" rief er mit zitternder Stimme und wagte sich etwas höher. "Rean ... alles ist gut. Ich möchte, dass du an den Steg ruderst." schnauffte Xaden unter Anstrengungen. Es war nicht einfach Adelicias Körper über den seinen zu halten, während er auf dem Rücken und nur mit einem Arm versuchte ans Ufer zu gelangen. Er hatte nicht alle Lagen ihres Kleides zerschneiden können, weshalb der vollgesogene Stoff wie ein Stein an ihr zu hängen schien. "Hast du mich verstanden?!" rief er Richtung Boot, als er nichts von Rean hörte. "Ja, Vater!" kam es zittrig aber entschlossen zurück. Er hörte wie Rean die Ruder wieder anlegte und langsam anfing zu paddeln. Gut, Rean konnte das alleine bewältigen und war nicht in einen Schockzustand verfallen, jetzt war es an ihm, das gleiche zu tun und Adelicia so schnell wie möglich aus dem Wasser und aus ihrem Korsett zu bringen. Er presste die Zähne zusammen und schwamm weg vom Boot, denn der Steg, den Rean anvisierte war weiter weg als das Ufer zu seiner linken.
      Die Kälte des Wassers spürte er schon nicht mehr als das Schilf seine Schultern berührte. Er atmete unwillkürlich aus, als er auch den Boden wenig später unter seinen Füßen spüren konnte. Mit letzten Kräften zog er sich und seine Frau auf festen Boden und hörte nur laute Rufe. Scheinbar hatte die Leibwache erst jetzt bemerkt, dass etwas nicht stimmte und eilte an den Steg zu Rean. Xaden jedoch war vollkommen auf Adelicia fixiert. Er hatte sie auf den Rücken gelegt und fluchte, als ihm einfiel, dass er das Messer im Wasser fallen gelassen hatte, daher zog er an den Schnüren ihres Korsetts und gab sich damit zufrieden den Druck auf ihren Brustkorb zu lockern, statt gänzlich frei zu bekommen. Er hatte es nie verstanden, warum Frauen sich so etwas selbst antun konnten... Als nächstes kontrollierte er, ob sie atmete - natürlich nicht - also begann er ihr Sauerstoff durch den Mund in die Lungen zu bekommen und eine Herzdruckmassage durchzuführen. Es dauerte nicht lange da krümmte sich ihr Körper und sie hustete krampfartig Wasser heraus. Schnell half er ihr in eine sitzende Position auf, damit das aushusten einfacher werden würde. Er klopfte er einige Male sachte auf den Rücken und rieb ihn dann mit kreisender Bewegung um sie zu beruhigen. "Es ist alles in Ordnung." Murmelte er und spürte wie das Adrenalin in seinem Körper langsam nachließ und Erleichterung als auch Erschöpfung sich einschlichen.
    • Egal, was sie versuchte – es fühlte sich nicht so an, als würde es ihr helfen, an die Oberfläche zu gelangen. Im Gegenteil, sie hatte das bedrückende Gefühl, dass ihre Situation dadurch nur schlimmer wurde. Panik durchströmte ihren Körper, und während das kalte Wasser in ihre Lungen drang, konnte sie nicht mehr klar denken. Ihre Gedanken wirbelten wie ein Sturm, während ihr Blickfeld an den Rändern bereits dunkler wurde.
      Wie lange würde sie die Luft noch anhalten können? Würde Xaden überhaupt versuchen, sie zu retten? Ein leiser Zweifel regte sich in ihr – und doch wusste sie, dass Xaden zu aufrichtig war, um sie ihrem Schicksal zu überlassen. Vor allem jetzt, wo Rean so positiv auf ihre Anwesenheit reagiert hatte.
      Aber wie lange würde es dauern, bis er sie finden konnte? Würde er sie überhaupt in dieser Dunkelheit finden?
      Adelicia würde diese Fragen niemals beantwortet bekommen, denn als Xaden sie endlich erreichte, hatte sie bereits das Bewusstsein verloren. Sie konnte später nicht mehr sagen, wie lange sie unter Wasser gewesen war. Doch auch wenn ihr Körper mittlerweile wieder an die Oberfläche zurückgekehrt war, blieben die Gefühle von Panik, Verzweiflung und Angst in ihr zurück – frisch und brennend, als wäre sie immer noch dort unten.
      Sie erwachte abrupt aus ihrer Ohnmacht, als ein brennender Schmerz durch ihre Brust fuhr und ein heftiger Husten ihren Körper erschütterte. Wasser drängte sich aus ihrer Kehle, während sie nach Luft rang. Ihr Rücken krümmte sich instinktiv, während ihr Körper mit aller Kraft darum kämpfte, das verschluckte Wasser loszuwerden. Ihre Hände klammerten sich an ihr zerrissenes Kleid, aber sie beachtete den Zustand ihrer Kleidung kaum. Alles, was zählte, war, endlich wieder atmen zu können. Nur am Rande nahm sie wahr, wie jemand sanft auf ihren Rücken klopfte. Dann hörte sie Xadens Stimme – ruhig und sicher. Er hatte sie also wirklich gerettet.
      „Danke“, brachte sie keuchend hervor und drehte sich schwach zu ihm. Gerade so, dass sie sein Gesicht erkennen konnte. Doch als ihr Blick auf ihn fiel, weiteten sich ihre Augen.
      „Rean!“ keuchte sie und riss ihren Kopf herum, um das Ufer zu suchen. Dort stand er – blass und mit großen Augen – und stieg gerade vom Boot. Ein erneuter Schwall Panik packte sie. Sie raffte sich auf, taumelte ein paar Schritte und stolperte, bevor sie sich noch rechtzeitig mit einer Hand abstützen konnte. Ohne zu zögern, kämpfte sie sich auf die Füße und rannte zu dem kleinen Jungen.
      Rean brach in Tränen aus, als er sie erblickte.
      „Rean“, flüsterte sie, fiel auf die Knie und zog ihn fest in ihre Arme. Seine Körperwärme war eine willkommene Erleichterung gegen die Kälte, die durch ihre durchnässten Kleider kroch.
      „Alles okay? Bist du verletzt?“ fragte sie hastig, während ihre Hände sanft seine Schultern packten und ihn nach Verletzungen absuchten. Doch Rean schüttelte den Kopf, seine nassen Haare klebten an seiner Stirn. Seine Nase und Augen waren rot – vom Weinen oder vom Wasser, sie wusste es nicht.
      „Es ist alles meine Schuld, es tut mir leid. Hätte ich nur ni–“
      „Schhh“, unterbrach Cerelia ihn und zog ihn wieder fest an sich. „Es ist alles in Ordnung. Alles gut.“ Sie versuchte, ihn mit ihrer Stimme zu beruhigen, doch ihr eigenes Herz schlug noch immer wild vor Angst.
      „Wollen wir nicht lieber zu deinem Vater gehen und uns bei ihm bedanken?“ schlug sie sanft vor und versuchte ein beruhigendes Lächeln.
      Rean schniefte, nickte aber schließlich. Cerelia nahm seine Hand fest in ihre eigene und führte ihn zurück zu Xaden. Als sie bei ihm ankamen, ging sie in die Hocke und legte ihre zweite Hand auf Reans kleine Finger.
      „Was wollen wir ihm sagen?“ flüsterte sie und stupste sanft mit ihrer Schulter gegen die seine.
      Rean sah beschämt zu Boden, presste die Lippen zusammen und brachte schließlich ein leises „Es tut mir leid. Danke, dass du uns gerettet hast“ hervor.
      Cerelia lächelte sanft und strich ihm über die Haare. „Du bist unser Sohn. Wir würden dich immer retten.“ Sie stupste spielerisch seine Nase, um ihn aufzumuntern. Doch ihr Blick wanderte besorgt zu Xaden.
      „Komm, lass uns dich einpacken, bevor du krank wirst“, sagte sie schließlich und schlang die Arme um Rean.
      Trotz ihrer Erschöpfung blieb sie wachsam, während sie beobachtete, wie die Leibwächter näher kamen. Sie bat sie, die Kutsche vorzufahren, und nahm eine Decke entgegen.
      „Komm her“, murmelte sie und wickelte Rean fest darin ein. „Zuhause gehen wir warm baden.“
      Ihre Stimme klang ruhig, aber bestimmt. Während sie auf die Kutsche warteten, ließ Cerelia sich gegen einen Baum sinken. Ihre Beine zitterten zu sehr, um sie länger zu tragen.
      „Komm her“, sagte sie leise, und Rean kletterte auf ihren Schoß. Er lehnte sich an sie, und sie schlang die Arme um ihn.
      „Ruh dich ein bisschen aus, bis wir zu Hause sind“, flüsterte sie und strich sanft über seinen Rücken. Hin und wieder fuhr ihre Hand durch seine Haare, während ihr Blick über den dunklen See glitt.
      Als die Kutsche endlich eintraf, bemerkte Cerelia, dass Rean auf ihrem Schoß eingeschlafen war. Sie zog die Decke fester um ihn und blickte dann zu Xaden.
      „Du solltest auch ein warmes Bad nehmen und den Tag ausklingen lassen“, sagte sie mit leiser Stimme.
      Sie wusste, dass der Vorfall auch ihm zugesetzt haben musste. Nach so einem Schock weiterzuarbeiten, wäre sicherlich keine gute Idee.
      „Es tut mir leid“, murmelte sie schließlich und sah ihm in die Augen. „Das alles muss für dich genauso erschreckend gewesen sein wie für uns.“
      Doch als sie auf Xaden wartete, blieb ein Gedanke in ihr haften: Es fühlte sich zu real für einen Traum an. Was wäre passiert, wenn sie dort ertrunken wäre? Es waren bereits zu viele Dinge geschehen, als dass sie nun einen klaren Gedanken fassen könnte, daher verschob sie es auf den morgigen Tag. "Ich weiß, dass du mit Rean sprechen wirst, aber bitte warte, bis er es selbst verarbeitet hat und gesund ist. Sollte er krank werden, was wir natürlich nicht hoffen", lenkte sie ein.
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      ૮ ˶ᵔ ᵕ ᵔ˶ ა
    • Nicht einmal einen Atemzug länger hatte sich Adelicia gegönnt bevor sie sich bereits aufraffte und zu Rean sprintete, als wäre sie nicht gerade dem Top von der Schippe gesprungen. Xaden hatte nicht einmal die Gelegenheit gehabt sie aufzuhalten und sie dazu zu bringen sitzen zu bleiben. Rean war nur einen kurzen Moment im Wasser gewesen, sie hingegen mehrere Minuten! Vollkommen perplex und sackte er zurück auf seine Knie und sah ihr hinterher. Er schüttelte ungläubig den Kopf, sodass einige Wassertropfen von seinen Haarspitzen flogen und atmete tief aus. Unglaublich diese Frau! Dachte er nur bei sich, führ sich durchs Haar und stand auf als die beiden sich ihm näherten. Reans leise Entschuldigung brachte ihn ein weiteres Mal aus dem Konzept, was sollte er darauf antworten? Er war lediglich froh, dass es den beiden gut ging, alles andere war nebensächlich gewesen. "Hör auf deine Mutter." sagte er schließlich und streckte für einen kurzen Moment die Hand nach ihm aus, um ihn zu tätscheln, entschied sich aber wieder um und ließ es bleiben. Rean bekam gerade genug Aufmerksamkeit von seiner Mutter, und er konnte ihren Worten nur beipflichten, auch wenn er es nicht verbalisierte.

      Es dauerte nicht lange, da war Rean vor Erschöpfung und Schock in Adelicias Schoß eingeschlafen. Seine Wangen waren gerötet und er befürchtete, dass er sich erkälten würde. Der Junge musste schnell aus den nassen Kleidern und in ein warmes Bad, so viel stand fest. Die Kutsche fuhr gerade vor, da hockte er sich vor Adelicia und beäugte das kleine Bündel in ihrem Schoß. Rean sah nicht aus, als würde er sich gleich wecken lassen, daher nah er ihn in seine Arme um ihn in die Kutsche zu tragen. Der Junge schlang seine Arme unterbewusst um Xadens Nacken, schlief aber ansonsten einfach weiter.
      Er schüttelte den Kopf. "Was passiert ist, ist passiert. Ich hätte besser auf ihn acht geben müssen." Damit stieg er in die Kutsche, legte den Jungen auf die Bank und zog die Decke fest um seinen kleinen Körper, ehe er wieder aus der Kutsche sah und bemerkte wie unsicher Adelicia noch auf den Beinen war. Mit wenigen Schritten war er bei ihr, legte einen Arm um ihre Schultern um mit dem anderen Arm hinter ihre Kniekehlen zu greifen um auch sie, kurzerhand in die Kutsche zu tragen. Die Bewegungen waren nicht schnell, denn er wollte nicht, dass sie auch noch einen Schwindelanfall erleiden würde. Wie kam sie überhaupt auf die Idee, sich Sorgen um ihn zu machen, wo doch sie diejenige war die um ein Haar ertrunken war? "Ich bin tatsächlich darüber erschrocken, wie schnell du mit all deinen Röcken ins Wasser gesprungen bist." Erwiderte er sarkastisch, als er seine Frau auf die Bank gegenüber Rean, sinken ließ. Dadurch musste er sich etwas hinknien und sah daher leicht verärgert zu ihr hoch. Die echte Adelicia hätte das nicht getan, sie wäre erst gar nicht in diesem Boot gewesen. "Das war leichtsinnig von dir." Er zog die Tür zu und setzte sich auf den freien Platz neben sie.
    • Kaum hatte Xaden Rean aus Cerelias Armen genommen, spürte sie ein kaltes Ziehen an ihrem Körper. Die nasse Kleidung war unangenehm genug, doch der Verlust von Reans Wärme machte es noch schlimmer. Am liebsten hätte sie ihn gleich wieder in ihre Arme geschlossen, einfach nur, um sich stückweise wieder aufzuwärmen. Dennoch war es eine Erleichterung zu hören, dass Xaden ihnen beiden keine Vorwürfe machte. Kein vorwurfsvoller Blick, kein sarkastischer Kommentar. Cerelia hatte sich auf eine Standpauke eingestellt, doch stattdessen gab es nur eine nüchterne Akzeptanz der Situation.
      Ihr Blick fiel auf Rean, der sich ohne Zögern an Xaden klammerte, die kleinen Arme fest um seinen Hals geschlungen. Ein schwaches Lächeln huschte über Cerelias Gesicht. Wenn man es nicht besser wusste, könnte man meinen, es handle sich um ein ganz normales Vater-Sohn-Paar. Doch sie kannte die Wahrheit. Sie wusste, wie kompliziert, wie zerbrechlich die Bindung zwischen ihnen unter der Oberfläche war. Sie wünschte sich, dass sich ihre Beziehung irgendwann zum Positiven entwickeln würde – doch gleichzeitig wusste sie, wie diese Geschichte endete.
      Als Xaden Rean vorsichtig in die Kutsche legte, nutzte Cerelia den Baum hinter sich als Stütze, um sich aufzurichten. Doch kaum versuchte sie, auf eigenen Beinen zu stehen, merkte sie, wie wackelig sie war. Die Ereignisse des Tages hatten ihr jegliche Kraft geraubt. Ihr Blick glitt nach unten, während ihr Kopf fieberhaft nach einer Möglichkeit suchte, ohne sich zu blamieren in die Kutsche zu steigen. Sie hatte schon genug durchgemacht – ein erneutes Stolpern oder Fallen wollte sie sich nicht antun.
      Doch weiter kam sie mit ihren Überlegungen nicht. Plötzlich hörte sie Schritte – schnell, zielgerichtet. Sie hob den Blick und sah Xaden direkt auf sich zukommen. Bevor sie überhaupt reagieren konnte, hatte er sie bereits in seine Arme gehoben. Cerelia keuchte überrascht auf, und wie reflexartig schlangen sich ihre Arme um seinen Hals – genau wie Rean zuvor.
      Die plötzliche Nähe ließ ihr Herz schneller schlagen. Hitze stieg in ihre Wangen, während sie gegen ihren eigenen Verstand ankämpfte. Vorhin, als sie bewusstlos gewesen war, hatte sie nicht mitbekommen, dass er sie bereits aus dem See getragen hatte. Doch jetzt, jetzt war sie vollkommen wach – und sie spürte alles. Die nasse Kleidung klebte an ihren Körpern, ließ keinen Raum zwischen ihnen. Jeder ihrer Sinne war sich plötzlich überdeutlich bewusst, wie fest Xadens Muskeln unter dem Stoff waren, wie mühelos er sie trug, als wäre sie federleicht.
      Gott, reiß dich zusammen!
      Cerelia zwang sich, nicht weiter in ihrer Fantasie abzudriften, als Xaden sie schließlich in die Kutsche setzte – direkt gegenüber von Rean. Die plötzliche Kühle, die sie ohne seinen Körperkontakt spürte, ließ sie leicht erschaudern. Sie wollte etwas sagen, doch dann fiel ihr Blick auf Xadens Gesicht – viel zu nahe.
      Ihr inneres Fangirl kreischte.
      Jetzt, aus dieser kurzen Distanz, hatte sie die seltene Gelegenheit, sein Gesicht in all seinen makellosen Details zu betrachten. Perfekt bis ins kleinste Detail. Das war einfach nicht fair. Wie konnte jemand so aussehen?
      Bevor sie sich in ihren Gedanken verlor, riss sie sich gedanklich zusammen und räusperte sich. Als Xaden die Tür der Kutsche zuzog und sich neben sie setzte, zog sie kurz die Nase hoch.
      „Du hast Recht. Ich habe nicht nachgedacht“, murmelte sie leise, aber laut genug, dass er es hören konnte.
      Und das hatte sie tatsächlich nicht. Ihr Körper hatte schneller reagiert, als ihr Verstand. Sie konnte sich selbst nicht erklären, warum sie sich so verhalten hatte – warum sie Rean instinktiv beschützt hatte, obwohl sie ihn in der Realität nicht einmal einen ganzen Tag kannte. Zumindest nicht außerhalb ihres Traumes. Vielleicht spielte genau das eine Rolle. Vielleicht war es die Tatsache, dass sie wusste, dass sie sich in einem Traum befand, die ihre Hemmschwelle gesenkt hatte.
      Doch jetzt war es egal. Es war vorbei.
      „Ende gut, alles gut“, sagte sie mit einem leichten Lächeln und suchte nach einer passenden Ausrede – irgendetwas, das Xaden zufriedenstellen würde. Doch sie fand nichts.
      Die Kutsche setzte sich in Bewegung. Das sanfte Rattern, die Erschöpfung nach den Ereignissen am See und die Müdigkeit, die sich über sie legte, wurden langsam zu einer gefährlichen Mischung. Sie versuchte, wach zu bleiben, doch ihre Augenlider wurden schwer.
      Ehe sie sich versah – und bevor sie etwas dagegen tun konnte – fiel sie in einen leichten Schlaf.
      Und mit einem leichten Ruck der Kutsche, als ein Stein auf der Straße sie kurz durchschüttelte, kippte ihr Kopf zur Seite.
      Direkt auf Xadens Schulter.
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    • Die Kutsche ruckelte leicht, während der kalte Wind durch die Ritzen der Tür zog. Das beständige Klappern der Räder auf dem unebenen Weg vermischte sich mit dem leisen Atmen der Insassen. Rean schlief zusammengerollt in einer Ecke, während Adelicia, eingehüllt in eine Decke, mit geschlossenem Kopf an Xadens Schulter lehnte.
      Xaden saß reglos da, seine Gedanken in einem Sturm gefangen. Noch immer war sein Hemd klamm vom Wasser, doch die Feuchtigkeit störte ihn weniger als die Unruhe in seinem Kopf. Adelicias Verhalten ließ ihm keine Ruhe. Ihre Schutzreaktion auf Rean, ihre fehlende Arroganz, die Art, wie sie ihn jetzt unbewusst berührte – all das passte nicht zu der Frau, die er geheiratet hatte. Er hatte sich darauf vorbereitet, ihr Verhalten als morbides Schauspiel zu entlarven oder als einen verzweifelten Versuch, ihre Fehler wiedergutzumachen. - Aber wieso überhaupt? Was war passiert, dass sie sich jetzt ändern wollte? Je länger er sie beobachtete, desto weniger fand er Anhaltspunkte für eine Täuschung - stattdessen verwirrte sie ihn nur noch mehr.

      Die Kutsche kam zum Halten und unterbrach seine Gedanken. Die Tür wurde von außen von einem der Butler geöffnet - der nicht über sein Aussehen überrascht zu sein schien. Wahrscheinlich war einer seiner Männer vorausgeeilt um im Haus Bäder vorzubereiten. Für einen Moment war sich Xaden nicht sicher, wie er Adelicia wecken sollte, doch bevor er eine Lösung finden konnte stand Alfons an der Kutschentür und überreichte ihm mit ernstem Gesichtsausdruck einen Brief. „Eure Gnaden, eine Botschaft aus der Hauptstadt. Sie wurde nach eurer Abreise überbracht, daher konnte ich sie euch erst jetzt zustellen.“ Xaden nahm das versiegelte Pergament entgegen und brach mit einem Ruck das königliche Siegel. Seine Augen glitten über die wenigen Zeilen und seine Miene verfinsterte sich. Er reichte Alfons den Brief zurück und erklärte mit kurzen Worten: "Der König wird in drei Tagen eintreffen. Bereitet alles für seine Hoheit vor. Die Bäder sind vorbereitet?" "Ja, Eure Gnaden." antwortete der Butler. "Ich erwarte Matthias in einer Stunde in meinem Büro." Wies er noch an, ehe er Adelicias Kopf schon seiner Schulter gleiten ließ und sie kurzerhand wieder in seine Arme hob um sie ins Haus zu tragen. Er ignorierte die geschockten Augen, die er regelrecht in seinem Rücken spürte.
    • Sanft wurde ich aus dem Schlaf geholt. Zunächst waren es nur leise, kaum wahrnehmbare Worte, die wie ein ferner Klang in meine Träume drangen. Mit der Zeit wurden sie deutlicher, doch mein Geist war noch zu träge, um den Sinn dahinter zu erfassen. Erst als ein sanfter Ruck durch meinen Körper ging, klärte sich mein Bewusstsein allmählich. Sekunde für Sekunde wurde ich wacher – bis mir mit einem Mal bewusst wurde, dass ich mich noch immer in seinen Armen befand.
      Die Decke war fest um mich geschlungen, spendete mir wohlige Wärme, doch die feuchten Kleidungsstücke klebten unangenehm an meiner Haut. Plötzlich wurde mir meine Position nur allzu bewusst – die Art, wie er mich hielt, die Nähe zwischen uns. Ein leises Prickeln breitete sich in mir aus, und ich wagte es nicht, meine Augen zu öffnen. Stattdessen spielte ich weiter die Schlafende, unfähig, mir auszumalen, was für ein Bild wir für die anderen abgaben. Starrten sie uns an? Flüsterten sie über uns?
      Ich spürte, wie Xaden die Treppen hinaufstieg, spürte jede Bewegung seines Körpers unter mir. Für einen Moment fürchtete ich, dass er meinen Herzschlag durch die Decke hindurch hören oder sogar spüren konnte. Ich wagte es nicht einmal, meine Lider auch nur einen Spalt zu öffnen, um zu sehen, wie nah wir meinem Gemach bereits waren. Erst als die Tür leise aufschwang, erlaubte ich mir, vorsichtig die Augen zu öffnen – und fand mich erneut in seinem Blick wieder.
      Sein Gesicht war wie gemeißelt, makellos und nah. Zu nah. Mein Herz setzte einen Schlag aus, bevor es in einem fieberhaften Rhythmus weiterraste. Hitze schoss mir ins Gesicht, brannte auf meinen Wangen.
      „Vielen Dank“, murmelte ich mit rauer Stimme, während er mich sanft absetzte. Ein warmes Bad klang jetzt verlockender denn je.
      Zum Glück blieben wir nicht lange allein – meine Gedanken waren noch zu wirr, um eine normale Unterhaltung zu führen. Eine Bedienstete trat ein, Handtücher auf dem Arm, und sah mich fragend an. Ich nahm an, dass das Bad bereits vorbereitet war.
      „Dann wärme ich mich mit einem Bad auf. Du solltest das auch tun“, schlug ich vor, bemühte mich jedoch, es beiläufig klingen zu lassen. Bevor er mir ansehen konnte, wie sehr mein Herz raste, wandte ich mich bereits ab und schritt zur Tür, die zum großzügigen Badezimmer führte. Die Bedienstete folgte mir, und mit einem leisen Klicken fiel die Tür hinter uns ins Schloss.
      Das warme Wasser umfing mich wie eine tröstende Umarmung. Ich ließ mich langsam in die Wanne sinken, ein leises Seufzen auf den Lippen, als die wohlige Hitze meine Haut umspielte. Die Bedienstete hatte sich, auf meinen Wunsch hin, diskret weggedreht, während ich mich ins Wasser gleiten ließ – eine kleine Geste, die mir dennoch etwas Erleichterung verschaffte.
      Sanfte Hände massierten meine Schultern, wusch mein Haar mit Bedacht, während der zarte Duft von ätherischen Ölen die Luft erfüllte. Die Wärme, das leise Plätschern des Wassers, die geschickten Berührungen – all das lullte mich beinahe in einen schläfrigen Zustand. Doch bevor mich die Müdigkeit ganz übermannte, informierte mich die Bedienstete, dass sie fertig sei.
      Ich nahm das weiche Handtuch entgegen, hüllte mich darin ein und trat aus der Wanne. Selbst jetzt, wo ich mich im Spiegel betrachtete, fühlte es sich fremd an – als würde ich einen Körper sehen, der nicht mein eigener war.
      Man half mir, meine Haare zu trocknen, legte mir frische, bequeme Nachtgewänder bereit. Doch anstatt mich schlafen zu legen, zog es mich in ein anderes Zimmer.
      Rean lag bereits im Bett, die Lider schwer, doch als ich mich zu ihm setzte, blitzte Freude in seinem Blick auf.
      „Na?“, flüsterte ich sanft.
      Er gähnte, kuschelte sich tiefer in die Decke. Ich konnte ihm ansehen, dass er müde war, doch eine Spur Unsicherheit lag in seinen Augen.
      „Geh schlafen, morgen ist ein neuer Tag“, sagte ich leise, während ich ihm eine verirrte Haarsträhne aus dem Gesicht strich.
      Seine Stirn legte sich in leichte Falten. „Tut mir leid… bist du sauer auf mich?“
      Seine verunsicherte Miene ließ mein Herz schmerzen. Ich legte ihm beruhigend eine Hand auf den Kopf. „Natürlich nicht. Es war ein Unfall. Das Wichtigste ist, dass du wohlauf bist.“
      Einen Moment lang sagte er nichts, dann fragte er leise: „Und Vater?“
      Ich zog die Bettdecke bis zu seinem Kinn hoch, besorgt, dass er sich eine Erkältung holen könnte.
      „Er ist nicht wütend. Er hat sich nur Sorgen gemacht.“
      Rean schien mir zu glauben, denn er nickte leicht und ließ schließlich die Augen zufallen.
      „Gute Nacht“, hauchte ich ihm zu, bevor ich sein Zimmer verließ.
      Doch ich hatte nicht vor, in mein eigenes Bett zu gehen. Nicht jetzt. Nicht, wenn ich den Moment noch ein wenig länger hinauszögern konnte. Denn tief in mir keimte die Angst, dass, sobald ich mich schlafen legte, dieser Traum – dieser seltsame, unwirkliche Traum – zu Ende sein könnte.
      Mit neuem Entschluss fing ich eine vorbeikommende Bedienstete ab. „Wo ist Xaden?“
      „In seinem Büro“, lautete die wenig überraschende Antwort.
      Natürlich. Wo auch sonst?
      Einen Moment lang überlegte ich, ob er sich überhaupt ein Bad gegönnt hatte, oder ob er wie immer seiner Arbeit den Vorrang gegeben hatte. Mit einem leichten Kopfschütteln lenkte ich meine Gedanken in eine andere Richtung. Ich würde mir einen Tee machen. Ja, das war eine gute Idee. Mit dieser neuen Entschlossenheit machte ich mich auf den Weg zur Küche.
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    • Man sagte dem Duke von Althea oft nach, dass er kalt und zuweilen auch herzlos sein sollte. Wahrscheinlich traf das sogar auf bestimmte Personen zu, darunter seine eigene Frau. Und doch. Der heutige Tag war ... mehr als nur verwirrend. Nicht nur, dass ihr Verhalten sich komplett gewandelte hatte, nein, etwas in ihm hatte sich verändert - oder drohte sich zu ändern. Er wollte es sich nicht selbst eingestehen doch ihre Nähe war wie ein zweischneidiges Schwert – gleichzeitig beunruhigend und… tröstlich? Er hasste es, dass seine Gedanken in dem Moment stecken geblieben zu sein schien, wie leicht sie in seinen Armen gelegen hatte, wie selbstverständlich ihre Finger sich um seinen Hals geschlungen hatten, als würde sie ihm vertrauen. Als würde es keinen Abgrund zwischen ihnen geben. Adelicia war früher grausam gewesen. Kalt. Gleichgültig. Sie hatte Rean gemieden, ihn behandelt wie einen lästigen Schatten. Und jetzt?
      Sie sprang in einen verdammten See, mit all ihren Röcken. Für Rean. Für ihren Sohn. Ein Fehler? Ein impulsiver Akt? Oder war es mehr als das? Etwas Echtes?
      All diese Gedanken kreisten durch Xadens Kopf als er darauf wartete, dass das Wasser seinen Körper wärmte. Er war nicht so leichtsinnig um sich mit nassen Kleidern an den Arbeitstisch zu setzten und Vorbereitungen für die Ankunft des Königs zu arbeiten - Drei Tage. Drei verdammte Tage. Es sollte ihn nicht wundern, so wie der König ihm gegenüber eingestellt war... Xaden ließ es sich niemals anmerken wie sehr ihn die spontanen exzentrischen Taten des Königs ihn mehr als nur ärgerten. Es war als müsse man mit einem trotzigen Kind arbeiten - mit einem sehr mächtigen Kind.
      Xaden nahm tief Luft und ließ sich weiter in die Wanne gleiten, sodass auch sein Kopf unter Wasser war. Manchmal half es so, seinen Kopf frei zu bekommen. Das Wasser umhüllte ihn in Ruhe und Wärme. Nicht so wie vor einigen Stunden noch, als alles um ihn kalt und sein rasendes Herz in den Ohren pochte. Er blieb nicht lange unter Wasser, immerhin hatte er noch einiges zu erledigen.

      Frisch gebadet und eingekleidet saß er in seinem Arbeitszimmer. Der Kamin war bereits angezündet worden, bevor er eingetreten war. Entgegen vieler Meinungen mochte er sein Arbeitszimmer und verbrachte nicht auch freiwillig gerne Zeit darin. Er empfing hier auch Handelspartner und ab und zu Freunde. Der Raum war entsprechend groß, besaß einen gemütliche Sitzgelegenheit für sechs Personen mit großen gemütlichen Couches, eine kleine Alkoholbar und einen extra Tisch für Matthias, seinem Assistenten. Auch dieser war bereits anwesend als er den Raum betrat. "Euer Gnaden." begrüßte ihn Matthias mit einer leichten verbeugen, als er vom Stuhl aufgesprungen war. Xaden nickte dem blonden Mann zu und schritt zu seinem Arbeitsplatz. Die Dokumente häuften sich bereits - was gut war. Es bedeutete, dass die Bediensteten bereits Bestellungen und Vorkehrungen trafen um für einen reibungslosen und absolut exquisiten Aufenthalt des Königs. Er machte sich gedanklich eine Notiz um den Angestellten nach dem Besuch des Königs einen Tag frei zu geben.
    • Die Küchengehilfen blickten überrascht zur Tür, als Cerelia den Raum betrat. Keine unerwartete Reaktion – schließlich hatte sich vermutlich bereits herumgesprochen, was geschehen war. Oder zumindest kursierten erste Gerüchte. Cerelia hatte in genug Manhwas gelesen, wie redselig Bedienstete sein konnten. Sie nahm es ihnen nicht übel – wer Tag für Tag im Anwesen dieselben monotonen Aufgaben verrichtete, für den waren Klatsch und Tratsch wohl eine willkommene Abwechslung, fast schon eine Art Flucht aus dem Alltag. Natürlich änderte sich ihre Toleranzgrenze, wenn die Gerüchte verletzend oder schädlich wurden.
      „Wie können wir Euch behilflich sein?“, eilte eine junge Frau auf sie zu und verneigte sich höflich.
      „Bereitet bitte Tee und warme Suppe zu. Ich bringe es selbst zu Xaden“, bat Cerelia, ohne auf ihre Wortwahl zu achten. Ihre Zeit in dieser Welt war begrenzt , sie verspürte wenig Drang, sich an übertriebene Etikette zu klammern.
      „Wir werden es Euch so schnell wie möglich zubereiten.“
      Cerelia hob die Hand und schüttelte den Kopf. „Keine Eile. Ich warte hier.“
      Ihr Blick schweifte durch die Küche, bis sie einen Hocker entdeckte, auf dem sie Platz nahm.
      Für einen Moment legte sich eine bedrückende Stille über den Raum. Zunächst verstand Cerelia nicht, warum – bis sie die fragenden Blicke bemerkte. Als sie diese erwiderte, schien es wie ein stummer Weckruf: Die Küchengehilfen sammelten sich und nahmen ihre Arbeit wieder auf.
      Mit prüfendem Blick verfolgte Cerelia das geschäftige Treiben, beobachtete, wie dampfender Tee und eine cremige Suppe zubereitet wurden. Schließlich wurde alles ordentlich auf einem Tablett angerichtet.
      Eine der jungen Frauen sah sie zögerlich an.
      „Keine Sorge. Ich möchte es wirklich selbst bringen“, sagte Cerelia sanft. Die Unsicherheit stand dem Mädchen förmlich ins Gesicht geschrieben. Mit einem kurzen Nicken wich sie zurück, und Cerelia machte sich auf den Weg.
      Da sie den Weg zum Raum noch nicht vollständig verinnerlicht hatte, fragte sie unterwegs einmal nach. Ehe sie sich versah, stand sie vor der Tür.
      Einen Moment lang verharrte sie. Wie sollte sie anklopfen, ohne das Tablett zu verrutschen? So weit hatte sie tatsächlich nicht gedacht.
      Mit konzentrierter Miene balancierte sie das Tablett in einer Hand, während die andere vorsichtig zur Unterseite wanderte, um Halt zu finden. Als ihre rechte Hand endlich frei war, klopfte sie leise.
      Ein Geräusch ertönte von innen – sie war sich nicht sicher, ob es ein „Herein“ war oder nur ein Gespräch. Also nahm sie an, dass sie eintreten durfte.
      Da ihre Hände wieder mit dem Tablett beschäftigt waren, öffnete sie die Tür mit dem Ellbogen, schob sie einen Spalt weit auf und streckte vorsichtig den Kopf hinein.
      Drinnen befand sich Xaden, zusammen mit seinem Assistenten. Er wirkte bereits wieder erstaunlich gefasst – oder zumindest so, als hätte er sich gezwungen, zur Normalität zurückzukehren.
      Mit einem kleinen, entschuldigenden Lächeln betrat Cerelia den Raum vollständig.
      „Tut mir leid, wenn ich störe – aber ich dachte, ich bringe dir das hier vorbei.“
      Ihr Blick fiel auf die zahlreichen Dokumente auf seinem Schreibtisch. Natürlich arbeitete er weiter. Ganz so, wie sie es aus dem Manhwa kannte. Er entsprach seinem Charakter erschreckend genau.
      Hätte sie es sich herausnehmen können, hätte sie ihm geraten, den Rest des Tages zu pausieren. Doch sie wusste, es hätte nichts gebracht. Statt sich also mit ihrem Lieblingscharakter anzulegen, wollte sie lieber die verbleibenden Momente genießen.
      Sie trat näher und stellte die Teetasse vorsichtig auf den Schreibtisch, weit entfernt von den Papieren. Daneben platzierte sie die dampfende Suppe.
      Einen Moment lang sah sie ihn einfach nur an – so viele Gedanken gingen ihr durch den Kopf.
      „Würde es dir etwas ausmachen, wenn ich dir ein wenig Gesellschaft leiste?“, fragte sie schließlich, ihre Stimme leise.
      „Keine Sorge, ich werde dich nicht stören. Ich würde mich nur ein bisschen dazusetzen.“
      Es war ein Wunsch, der ihr einfach entglitten war. Noch war der Tag nicht vorbei und Rean schlief inzwischen. Also blieb nur noch Xaden. Und sie wollte diesen letzten Teil des Tages nicht allein verbringen.
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      ૮ ˶ᵔ ᵕ ᵔ˶ ა
    • Anders als Xaden, war Matthias so schnell aus seinem Stuhl gesprungen, als er bemerkt hatte wer da die Tür hereinkam, dass sein Stuhl drohte nach hinten zu kippen. "Lady Adelicia!" begrüßte er sie und beeilte sich, sich zu verbeugen. Erschrockenheit stand ihm förmlich ins Gesicht geschrieben und er war hin und her gerissen zwischen - ihr das Tablet abnehmen um ihr zu helfen, denn es schien kein weiterer Bediensteter hereinzukommen und sich setzen und schweigend weiterzuarbeiten. Xaden dagegen hatte lediglich aufgeblickt, seine Brauen zusammengezogen und sie angeblickt. Natürlich hatte auch er bemerkt, dass ihr sonst niemand folgte und war entsprechend erstaunt - doch was sollte ihn eigentlich sonst noch erstaunen nach allem was heute passiert war? Der heutige Tag war mit Überraschungen gespickt und langsam hatte er genug davon.

      Ein Lächeln zierte ihr Gesicht, wenn auch nur zögerlich.

      „Tut mir leid, wenn ich störe – aber ich dachte, ich bringe dir das hier vorbei.“ sagte sie und sein Blick wanderte zu dem Tablett welches sie in Händen trug.

      Sicher war es nicht einfach gewesen die Tür aufzuziehen mit einem Tablett voll Suppe und Tee und er fragte sich nur ganz kurz wie sie das bewerkstelligt hatte und wie sie überhaupt auf die Idee gekommen war ihm persönlich etwas zu bringen, ohne einen Bediensteten der das Servierbrett hineintrug... Xaden erinnerte sich daran, diese Dinge die seine Frau tat, nicht mehr zu hinterfragen und sie an einem anderen Tag damit zu konfrontieren, wenn er dazu Zeit fand. Doch jetzt musste er sich für die Ankunft des Königs vorbereiten.

      Matthias stand noch immer unschlüssig an seinem Schreibtisch und erntete deswegen einen missbilligenden Blick von Xaden. Dies schien den jungen Mann aus seiner Misere zu wecken sodass er sich so leise wie möglich wieder hinsetzte. Er hatte den Kopf gesenkt und versuchte sich auf die Dokumente vor ihm zu konzentrieren und nicht hochzuschauen.

      Seine Augen folgten ihren Händen, als sie zuerst den Tee und dann die Suppe auf seinem Schreibtisch ablegte, darauf bedacht genügend Abstand zum Papier zu halten. Er hatte wieder zu ihr aufgeblickt als sie damit fertig war und obwohl sie für einen Moment nicht sprach, empfand er es nicht als unangenehm. Dennoch zogen sich seine Brauen zusammen als sie ihn fragte ob sie hier bleiben könnte - um ihm Gesellschaft zu leisten?! Er erinnerte sich daran keinen unnötigen Gedanken ans wieso, weshalb, warum diese Version seiner Frau das tat was sie gerade tat und nickte nur, bevor er sich räusperte um sicherzustellen, dass seine Stimme nicht allzu überrascht zu klingen.

      "Wenn ihr darauf besteht." sagte er stattdessen ausweichend und doch fehlte die Kühle in seinem Ton, was Matthias dazu veranlasste wieder von seinem Stuhl aufzuspringen und sich Unterlagen in die Arme zu hieven und zu sagen: "Ich sollte mit dem Personal über die Vorbereitungen sprechen... ehm.. und dann arbeite ich in der Bibliothek weiter! Ja genau, ich muss noch recherchieren!" Damit beeilte er sich aus dem Raum zu kommen und zog die Tür leise hinter sich zu. Xaden hatte ihm hinterhergesehen ohne etwas dagegen zu sagen - waren heute alle komplett verrückt geworden?! Er rieb sich leicht entnervt über die Braue und bedeutete Adelicia es sich auf der einladenden Sitzgruppe vor dem Kamin gemütlich zu machen.

      "Danke für -" er machte eine Handbewegung zu der noch dampfenden Suppe und dem Tee. Einen kurzen Moment schien er zu überlegen, ob er sie jetzt essen sollte, oder weiterarbeiten sollte. Doch jetzt wo sie schon da war, wollte sie sicher etwas. Da konnte er ihr auch gleich zuhören und etwas essen. "Möchtest du über etwas sprechen?" fragte er sie, während er den Teller zu sich zog und einen Löffel zu sich nahm - was ein Fehler war denn die Suppe war noch heiß. Er fluchte und hielt die Serviette vor den Mund. Heiß war untertrieben - sie kochte regelrecht noch, jedenfalls nach seinem empfinden und unwillkürlich schossen Tränen in seine Augen. Ein körperlicher Reflex den nicht einmal er unterdrücken konnte. Xaden schloss die Augen um den brennenden Schmerz auf der Zunge unter Kontrolle zu bringen.