Cerelia / Adelicia
Cerelia hatte den Eindruck, dass sie und der Wächter ein Bild abgaben, das leicht missverstanden werden konnte. Es sah fast so aus, als sei sie dabei, den Wächter zu maßregeln und ihre Autorität zu demonstrieren – eine Anspielung auf Adelicias berüchtigte Art, sich gegenüber ihren Untergebenen aufzuspielen. Doch das war weit entfernt von Cerelias Absicht. Mit einer sanften Stimme sprach sie: „Bitte, richtet Euch auf. Ihr habt lediglich Eure Pflicht erfüllt."
Der Wächter hob unsicher den Blick, als wolle er sicherstellen, dass ihre Worte keine versteckte Strafe bargen. Doch als er das schmale, aufrichtige Lächeln auf ihrem Gesicht bemerkte, atmete er hörbar auf. Mit einem leisen Rascheln richtete er sich auf und schob sein Schwert in die Scheide zurück, die am Gürtel befestigt war. Die Anspannung in seiner Haltung wich zusehends, auch wenn er immer noch bemüht war, die Etikette zu wahren.
Da diese kleine Szene geklärt war, wandte sich Cerelia an Adelicias Sohn, Rean, der sichtlich verwirrt auf das Geschehen geblickt hatte. „Verzeiht, wenn meine Anwesenheit Euch erschreckt hat", sagte sie und lachte leise, wobei ihre Verlegenheit deutlich spürbar war. Ihre Augen wanderten kurz ziellos umher, als wüsste sie nicht, wohin sie sehen sollte. Sie fühlte sich unangenehm ertappt, denn diese Begegnung war keineswegs geplant gewesen. Cerelia hatte gehofft, ungesehen zu bleiben – immerhin hatte sie sich sicher geglaubt, bis der Wächter plötzlich vor ihr gestanden hatte. Während sie fieberhaft nach einer Erklärung suchte, fiel ihr Blick auf Xaden, der sich gerade näherte.
Seine Ankunft brachte eine neue Welle von Unbehagen mit sich. Man musste Xaden nicht gut kennen, um zu erkennen, dass er weder erfreut noch entspannt war. Sein misstrauischer, beinahe grimmiger Ausdruck war nicht zu übersehen, und Cerelia spürte, wie ihr ein kalter Schauer den Rücken hinab lief. Sein harscher Tonfall bei der folgenden Frage ließ sie unwillkürlich zusammenzucken, und sie konnte spüren, wie ihr Puls schneller wurde. Sie wusste genau, dass Xaden keine Geduld für Lügen oder Ausflüchte hatte. Die Wahrheit schien ihr die einzige Möglichkeit, doch selbst diese ließ sie zögern.
„Nun...“, begann sie leise, ihre Stimme ein Hauch von Unsicherheit, während ihre Finger sich unwillkürlich in den Stoff ihres Kleides krallten. „Ich wollte nur zuschauen, ohne zu stören, und…“ Ihre Worte wurden mit jedem Satzteil leiser, bis sie schließlich fast unverständlich murmelte. Ihr Blick wich zur Seite aus, und sie spürte, wie ihre Wangen unnatürlich heiß wurden. Die Scham und der Stress machten es ihr schwer, klare Gedanken zu fassen. „Es tut mir leid“, flüsterte sie schließlich und presste die Lippen fest aufeinander. Innerlich sehnte sie sich danach, den Moment zurückzudrehen – nur ein wenig Zeit für sich, um ihren Traum zu genießen, hatte sie sich gewünscht. Doch nun war sie in eine Situation geraten, die sie nicht kontrollieren konnte.
Gerade, als Cerelia sich in ihren Gedanken verlor, bemerkte sie aus dem Augenwinkel eine kleine Bewegung. Eine kleine Hand griff nach dem Saum ihres Kleides, zog leicht daran. Verwundert blickte sie hinab und sah Rean, der zu ihr aufblickte, seine Augen vor Sorge weit geöffnet. „Ihr seid nicht verletzt, oder?“ fragte er mit einer Stimme, die für sein Alter fast zu ernst klang.
Cerelia schüttelte hastig den Kopf und hob beschwichtigend die Hände. „Nein, nein, ich habe mich nur erschrocken“, versicherte sie, ihre Stimme wieder sanfter. Dabei wagte sie es jedoch nicht, Xaden direkt anzusehen. Die Präsenz des Mannes war zu überwältigend.
Rean ließ ihre Antwort sichtlich erleichtert wirken, doch seine Aufmerksamkeit verlagerte sich rasch. „Sicherlich könnt Ihr Euch zu uns gesellen, richtig, Vater?“ fragte er mit einem hoffnungsvollen Blick zu Xaden. In seinen Worten schwang ein Hauch von Sehnsucht mit – eine Sehnsucht nach einem Moment, den er sich kaum zu wünschen wagte. Es war selten, dass er überhaupt Zeit mit einem seiner Elternteile verbrachte, und die Vorstellung, mit beiden zusammen zu sein, war nahezu undenkbar. Solche Gelegenheiten boten sich höchstens bei großen Festlichkeiten, und selbst dann nur flüchtig.
Doch heute schien anders zu sein. Trotz seiner Unsicherheit wagte Rean zu hoffen, dass seine Mutter diesen Tag vielleicht als Ausnahme gelten ließ. Auch wenn Cerelia nach diesem Tag wieder in ihre alte, kühle Art zurückkehrte, würde er diesen Augenblick in seinem Herzen bewahren – ein kleiner Schatz, der ihm Trost spenden konnte, wenn die Einsamkeit wieder an ihm nagte.
Cerelia hatte den Eindruck, dass sie und der Wächter ein Bild abgaben, das leicht missverstanden werden konnte. Es sah fast so aus, als sei sie dabei, den Wächter zu maßregeln und ihre Autorität zu demonstrieren – eine Anspielung auf Adelicias berüchtigte Art, sich gegenüber ihren Untergebenen aufzuspielen. Doch das war weit entfernt von Cerelias Absicht. Mit einer sanften Stimme sprach sie: „Bitte, richtet Euch auf. Ihr habt lediglich Eure Pflicht erfüllt."
Der Wächter hob unsicher den Blick, als wolle er sicherstellen, dass ihre Worte keine versteckte Strafe bargen. Doch als er das schmale, aufrichtige Lächeln auf ihrem Gesicht bemerkte, atmete er hörbar auf. Mit einem leisen Rascheln richtete er sich auf und schob sein Schwert in die Scheide zurück, die am Gürtel befestigt war. Die Anspannung in seiner Haltung wich zusehends, auch wenn er immer noch bemüht war, die Etikette zu wahren.
Da diese kleine Szene geklärt war, wandte sich Cerelia an Adelicias Sohn, Rean, der sichtlich verwirrt auf das Geschehen geblickt hatte. „Verzeiht, wenn meine Anwesenheit Euch erschreckt hat", sagte sie und lachte leise, wobei ihre Verlegenheit deutlich spürbar war. Ihre Augen wanderten kurz ziellos umher, als wüsste sie nicht, wohin sie sehen sollte. Sie fühlte sich unangenehm ertappt, denn diese Begegnung war keineswegs geplant gewesen. Cerelia hatte gehofft, ungesehen zu bleiben – immerhin hatte sie sich sicher geglaubt, bis der Wächter plötzlich vor ihr gestanden hatte. Während sie fieberhaft nach einer Erklärung suchte, fiel ihr Blick auf Xaden, der sich gerade näherte.
Seine Ankunft brachte eine neue Welle von Unbehagen mit sich. Man musste Xaden nicht gut kennen, um zu erkennen, dass er weder erfreut noch entspannt war. Sein misstrauischer, beinahe grimmiger Ausdruck war nicht zu übersehen, und Cerelia spürte, wie ihr ein kalter Schauer den Rücken hinab lief. Sein harscher Tonfall bei der folgenden Frage ließ sie unwillkürlich zusammenzucken, und sie konnte spüren, wie ihr Puls schneller wurde. Sie wusste genau, dass Xaden keine Geduld für Lügen oder Ausflüchte hatte. Die Wahrheit schien ihr die einzige Möglichkeit, doch selbst diese ließ sie zögern.
„Nun...“, begann sie leise, ihre Stimme ein Hauch von Unsicherheit, während ihre Finger sich unwillkürlich in den Stoff ihres Kleides krallten. „Ich wollte nur zuschauen, ohne zu stören, und…“ Ihre Worte wurden mit jedem Satzteil leiser, bis sie schließlich fast unverständlich murmelte. Ihr Blick wich zur Seite aus, und sie spürte, wie ihre Wangen unnatürlich heiß wurden. Die Scham und der Stress machten es ihr schwer, klare Gedanken zu fassen. „Es tut mir leid“, flüsterte sie schließlich und presste die Lippen fest aufeinander. Innerlich sehnte sie sich danach, den Moment zurückzudrehen – nur ein wenig Zeit für sich, um ihren Traum zu genießen, hatte sie sich gewünscht. Doch nun war sie in eine Situation geraten, die sie nicht kontrollieren konnte.
Gerade, als Cerelia sich in ihren Gedanken verlor, bemerkte sie aus dem Augenwinkel eine kleine Bewegung. Eine kleine Hand griff nach dem Saum ihres Kleides, zog leicht daran. Verwundert blickte sie hinab und sah Rean, der zu ihr aufblickte, seine Augen vor Sorge weit geöffnet. „Ihr seid nicht verletzt, oder?“ fragte er mit einer Stimme, die für sein Alter fast zu ernst klang.
Cerelia schüttelte hastig den Kopf und hob beschwichtigend die Hände. „Nein, nein, ich habe mich nur erschrocken“, versicherte sie, ihre Stimme wieder sanfter. Dabei wagte sie es jedoch nicht, Xaden direkt anzusehen. Die Präsenz des Mannes war zu überwältigend.
Rean ließ ihre Antwort sichtlich erleichtert wirken, doch seine Aufmerksamkeit verlagerte sich rasch. „Sicherlich könnt Ihr Euch zu uns gesellen, richtig, Vater?“ fragte er mit einem hoffnungsvollen Blick zu Xaden. In seinen Worten schwang ein Hauch von Sehnsucht mit – eine Sehnsucht nach einem Moment, den er sich kaum zu wünschen wagte. Es war selten, dass er überhaupt Zeit mit einem seiner Elternteile verbrachte, und die Vorstellung, mit beiden zusammen zu sein, war nahezu undenkbar. Solche Gelegenheiten boten sich höchstens bei großen Festlichkeiten, und selbst dann nur flüchtig.
Doch heute schien anders zu sein. Trotz seiner Unsicherheit wagte Rean zu hoffen, dass seine Mutter diesen Tag vielleicht als Ausnahme gelten ließ. Auch wenn Cerelia nach diesem Tag wieder in ihre alte, kühle Art zurückkehrte, würde er diesen Augenblick in seinem Herzen bewahren – ein kleiner Schatz, der ihm Trost spenden konnte, wenn die Einsamkeit wieder an ihm nagte.
