Our music will never die! [Dark.wing & Alea]

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    • Our music will never die! [Dark.wing & Alea]

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      Music / Rock Band | a bit Slice of life | Romance | Drama | mature content | Drug abuse? | Depression? | and everything else that goes with it

      @Dark.wing
      @Alea CroniX

      Vorstellung

      jason-ano-garage-05-01.jpg

      "Musik ist das Leben selbst. Was wäre diese Welt ohne gute Musik? Egal, um welche Art es sich handelt."
      Louis Armstrong

      ♩♫♪♬♩♫♪♬♩♫♪♪♬♩♫෴

      "Psst! Hey Belle." wurde die Aufmerksamkeit der Blonden gesucht, ehe diese langsam zu ihrem Sitznachbarn blickte. Der hielt ihr auch gleich einen Flyer direkt vor die Nase, sodass sie zunächst nichts erkennen konnte. "Huh?" gab sie nur irritiert von sich und nahm das bunte Papier entgegen und legte es vor sich, ehe der Dozent noch etwas bemerkte. "Dieses Wochenende, Studentenparty. Alle sind willkommen. Einlass ab 19 Uhr, Eintritt: 5 $ inklusive Freigetränk." las sie sich im Stillen durch und zückte sofort ihr Smartphone, um sich das in ihrem Kalender zu merken. Sonst würde Belle das bestimmt wieder vergessen, so verplant wie sie manchmal sein konnte. Der Rest der Vorlesung verlief dann wieder ruhig und als dann auch endlich Schluss war, sprang die Blonde gleich auf und packte rasch alles in ihren Rucksack. Sofort bahnte sie sich zielstrebig einen Weg aus dem Vorlesungssaal und aus dem Unigebäude. Kommilitonen, die ihr entgegenkamen und fragten, ob sie noch etwas gemeinsam unternehmen wollten oder was trinken, sagte sie freundlich aber bestimmt ab. "Heute ist Jam-Session!" kam die übereifrige Antwort von ihr, als sie die fragenden Gesichter sah, die darauf verstehend nickten.
      Belles Weg führte sie zu den Fahrradunterständern, wo sie gleich ihren Drahtesel ausmachte und das Schloss rasch öffnete. In den Sattel geschwungen, radelte sie die 15 Minutenstrecke nach Hause, wobei sie heut kaum 10 Minuten dafür brauchte und kaum die Straße zu ihrem Haus eingebogen, konnte sie schon die Trommeln des Schlagzeugs hören. In der Einfahrt angekommen, sah sie schon das Garagentor sperrangelweit offen stehen und das rhythmische Trommeln drang fast schon wie ein Schlachtruf ihre Ohren. Belle sprang von ihrem Fahrrad herunter und ließ es einfach in der Auffahrt liegen, ehe sie in die Garage eilte und dort hinter dem Drumset ihren Stiefbruder erblickte, der sie nur frech angrinste. "Das hat ja lange gedauert." begrüßte Jesse sie und hörte kurz auf, um stattdessen die Drumsticks in seinen Händen herumwirbeln zu lassen. "Im Gegensatz zu dir, studiere ich ja auch und liege nicht nur auf der faulen Haut herum." kam sofort der Konter von Belle und schnappte sich ihre E-Gitarre, die quasi schon für sie bereitstand. Der Rucksack wurde fast schon achtlos auf den Boden geworfen und das edle, blaue Musikinstrument umgehangen. "He! Ich bin nicht faul! Ich konzentriere mich einfach nur auf meine Karriere." erwiderte Jesse sofort und streckte wie ein kleiner Junge Belle die Zunge entgegen, die darauf dramatisch mit den Augen rollte.
      Nun gut, Jesse lag wirklich nicht auf der faulen Haut, sondern arbeitete frühmorgens in einem Backwerk. Bäcker ist er nicht, er hilft dort nur aus und schleppt vor allem die schweren Säcke mit der Backmischung von den Transportern ins Werk. Dafür hatte er am Nachmittag schon immer frei und ging seiner Leidenschaft als Drummer nach. Dank Belle machte er inzwischen selber YouTube-Videos, wie er Songs covert und er durfte schon hier und da als Aushilfsschlagzeuger einspringen. Studieren oder einen richtigen Job lernen will er nicht. Jesses Traum ist und bleibt es, ein Profischlagzeuger zu werden und mit einer Band groß durchzustarten.
      Das anfängliche Geplänkel zwischen den Geschwistern war auch schnell vorbei, sobald Belle ihren Verstärker anmacht und sich ein bisschen ein spielte. Ihre Finger griffen in die Seiten und spielten eine Melodie, die ihr gerade so in den Sinn kam. Nur wenige Takte später stieg Jesse dazu ein und begleitete die noch eher ruhigen Töne mit dem Hi-Hat. Die beiden sind eingespieltes Duo, wenn es um ihre Musik ging und so passten sie sich automatisch aneinander an, sobald jemand ein neues Element einfügte. So wurde das Stück mal schneller und mal wieder langsamer und irgendwann fing Belle an einen Riff eines Liedes zu spielen, den Jesse natürlich sofort erkannte. Sie lief dann auch gleich zum Mikrofon und zusammen spielten die den Song Misery Business von der Band Paramore.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


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    • Er war ausgelaugt und fertig.
      Charles kam gerade von der Probe und ging die kurze Strecke vom Konzertgebäude zurück zu seiner Wohnung. Wenn das Wetter gut war, so wie heute, ging er die Strecke gerne zu Fuß. Man brauchte ja nicht für jede Kurzstrecke den Motor starten.

      Er freut sich schon. In wenigsten Minuten würde er die Violine durch eine Gitarre ersetzten und dann die nächste Probe für heute ansetzten. Er würde erst ein wenig Gitarre üben, bevor er das Stück, welches sie heute bei der Orchesterprobe gespielt hatten, nochmal durch gehen würde, um dann heute Abend den Tag entspannt ausklingen zu lassen und sich nochmal an das Gitarrenriff setzten, welches er gerade übte.

      Er wurde mal gefragt, ob es ihm nicht irgendwann zu langweilig wurde den ganzen Tag nur Musik zumachen. Und er würde, so wie er damals geantwortet hatte, heute immer noch mit nein antworten. Musik wurde nie langweilig. Vielleicht wurde irgendwann mal ein Lied, eine Komposition langweilig. Immer die gleiche Abfolge zu spielen, das konnte langweilig werden, aber Musik konnte nicht langweilig werden. Musik war vielschichtig, wie ein kleines Abenteuer. Er liebte es auf diese Reise von Noten und Tönen zu gehen. Er sollte es wohl auch lieben, immerhin verdiente er mit der Musik sein Geld und das nicht etwa als ein kleiner Straßenmusiker.

      So in Gedanken vertieft nahm er die Töne erst etwas zu spät wahr. Obwohl das war falsch, er hatte sie schon von Anfang an wahrgenommen. Sie waren in seinen Verstand vor gedrungen und hatten dort ein Bild erzeugt. Er nahm jedoch erst wirklich war, welche Töne es waren, als er schon vor der geöffneten Garage stand. Charles kannte den Song nicht der gespielt wurde. Trotzdem hatte er das Gefühl es fehlte etwas. Eine Art tiefe in den Klängen, die erst durch die Kombination verschiedener Instrumente erreicht werden konnte. Das was ihm aber sofort bewusst wurde, war, dass wer auch immer dort spielte, sie hatten unverkennbares Talent.

      Die Erschöpfung war wie weggeblasen. Das Bedürfnis zu den beiden Musikern in die Garage zu kommen und den Song, den er nicht kannte, mitzuspielen war groß, seine fehlenden Sozialkompetenz war jedoch definitiv größer und so stand er schräg vor dem geöffneten Garagentor und hörte den Klängen einfach nur zu. Sein Finger fing wie von alleine an im Takt der Musik gegen den Violinenkoffer in seiner Hand zu klopfen.
    • Von dem zufälligen Zuschauer bekamen werde Belle noch Jesse etwas mit. Wenn die beiden gerade am Spielen waren, versinken sie sprichwörtlich in der Musik und nahmen ihre Umgebung eher vage wahr. Ihr Zusammenspiel funktionierte dennoch, da sie sich einfach schon so lange kannten und auch schon sehr oft und viel gemeinsam musizierten. Das Lied würde mit einem unnötig langem Gitarren und Schlagzeugsolo beendet, ehe die Instrumente verstummten und die Stiefgeschwister sich grinsend ansehen. Jesse, der hinter seinem Schlagzeug eh nicht immer alles mitbekam, sah den jungen Mann daher immer noch nicht und schnappte sich lieber eine kühle Dose Bier, die sich im Minikühlschrank gleich neben ihm befand. Dafür streckte er sich ordentlich und balancierte gefährlich auf seinem Hocker herum. Er war einfach zu faul, um aufzustehen und so war es schon oft passiert, dass er einfach von Sitz fiel. Heute schien er aber erfolgreich zu sein und so hörte man das zufrieden stellende Zischen der Dose, ehe er den Inhalt trank.
      Belle wiederum, sah den Brünetten, der sich fast schon etwas versteckte. Es kam immer wieder vor, dass die Nachbarn, egal ob alt oder jung, vor ihrer Garage stehen blieben, wenn sie mal wieder am Proben waren, doch diesen jungen Mann hatte sie noch nie gesehen. Zumindest konnte sie sich nicht an ihn erinnern. Was ihr aber sofort auffiel, war der Geigenkoffer, den er in der Hand hielt. Das weckte sofort Belles Aufmerksamkeit, sodass sie den jungen Erwachsenen einfach ansprach. "Hey, cool. Du spielst Geige, oder?" fragte sie ihn ungeniert und deutete auf den Koffer. Jetzt bemerkte Jesse auch ihren Zuhörer und lehnte sich etwas zurück, um diesen in Augenschein zu nehmen. So extrovertiert wie er Belle kannte, sprach sie den Kerl auch einfach an. "Hat es dir denn gefallen?" fragte er ihn, wovon er ein bisschen ausging, da der Typ sonst bestimmt nicht hier stehen geblieben wäre. Dabei meinte seine Schwester immer, dass sie keine Sängerin ist, doch Jesse fand schon, dass sie gut singen konnte. Er wiederum bezeichnete seinen Gesang gerne als Katzenmusik, ihm lag einfach mehr am Rhythmus und diesen verlor er nie. Belle selber bezeichnete sich als eher durchschnittlich, wenn es ums Singen ging. Sie war nicht schlecht und vielen bezeichnete sie gar als toll, doch sie selber fand, ihr fehlte einfach das gewisse Etwas, dass sie aus der Masse herausstach. Sie fand, man brauchte als Sänger eine Stimme mit Wiedererkennungswert, die Charakter ausstrahlt. Und solch ein Organ besaß sie ihrer Meinung nun mal nicht. Aber um in der Garage ein paar Lieder zu schmettern, reichte es alle Mal.
      "Ich bin übrigens Annabelle und das ist mein Bruder Jesse." stellte sie sich den Fremden so gleich vor und kam mit ihrer E-Gitarre auf ihn zu. Das Kabel war dafür zum Glück lang genug, lief sie gerne während des Spielens einfach mal so hin und her. So etwas Bewegung durfte sie ja nicht aus dem Konzept bringen.
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    • Charles zuckte kurz zusammen als er so ungalant von der jungen Frau angesprochen wurde und kam dann etwas zögerlich aus seinem kleinen Versteck raus. Sein Blick glitt kurz zu dem schwarzen Koffer in seiner Hand bevor er die Frau wieder anschaute, sie müsste in seinem Alter sein, vielleicht ein paar, wenig Jahre jünger. Annabelle hieß sie, so hatte sie sich jedenfalls vorgestellt.

      Auf die Frage nickte er leicht. „Ja, Violine.“ korrigierte er sie etwas zurückhaltend und hob zur Veranschaulichung den Koffer minimal an. Es war nicht so, dass es immer noch die Streiterin zwischen Violinisten und Geigern gab, aber trotzdem reagierten die meisten Violinisten etwas defensiv wenn man ihre Violine für eine Geige hielt, auch wenn es im Grunde eigentlich das selbe Instrument war.

      Auf die nächste Frage nickte er wieder. Die Augen starr auf den jungen Mann am Schlagzeug gerichtet. Er war attraktiv, ganz objektiv betrachtet natürlich. Nicht so wie er selbst. Obwohl, wenn er sich ein wenig mehr Mühe geben würde, würde er sicher auch nicht schlecht aussehen.

      „Ihr spielt gut, aber euch fehlt die Tiefe in der Melodie.“ meinte er neutral. Die Worte klangen nicht anklagend, auch wenn sie so vielleicht gewirkt hatten. Jetzt, wo er mehr als zwei Worte gesagt hatte, merkte man erst wie tief und melodisch seine Stimme eigentlich war. Als wäre sie ein ganz eigenes Instrument welches er spielte. Und man merkte, dass die Melodie gar nicht zu seinem Äußeres passte. Sein Körper war zu schmächtig um zu der Tiefe der Oktaven zu passen. Er wirkte in dem Hemd und dem Pullover den er darüber trug fehl am Platz. Seine Haltung war stolz aber er wirkte verunsichert, nicht ungepflegt aber so als wüsste er nichts mit sich abzufangen. Nicht so als würde er in seinem Körper leben, sondern eher so, als wäre dieser nur eine Hülle die er brauchte um mit seiner Stimme Töne zu erzeugen. In den braunen Haaren lag weder Schnitt noch waren sie in irgendeiner Art und Weise gestylt. Das war wahrscheinlich auch der Grund, warum die anderen Musiker im Orchester über ihn tuschelten. Er war ein Genie an der Violine, spielte sie als hatte er nie was anderes getan, aber er wirkte in seinem Aufzug eher wie Mitte Sechszig und nicht wie Mitte Zwanzig.

      „Die meisten Instrumente sind fantastisch wenn sie alleine spielten, aber nur wenige können als Duo atemberaubend sein. Als Gruppe sieht das schon wieder anders aus. Ein Schlagzeug ist alleine nur ein Schlagzeug, in einer Gruppe von anderen Instrumenten ist es jedoch der Taktgeber. Einer der dominantesten Töne in der Gruppe. Gitarren sind fanatische Solo-Spieler aber erst in der Kombination mit anderen Tönen kommt das wahre Potential erst richtig zur Geltung. Was euch fehlt ist eine Begleitung. Ein Klavier…oder ein Keyboard, ich hab mal gehört das wird bei Bands bevorzugt. Vielleicht eine zweite Gitarre oder ein Bass. Ein wenig mehr Tiefe und Gegenspieler für die dominanten Töne.“ überlegte er laut, so als ob er schon in tausends Band davor gespielt hatte und genau wusste was man brauchte um vernünftig Musik machen zu können.
    • "Oh wow." lachte Belle erstaunt und etwas verlegen auf, als der Fremde anfing zu erklären, was denn hier noch so an Instrumenten fehlte, damit sich alles noch etwas voller und runder anhörte. Aber danach hatte sie eigentlich gar nicht gefragt und sie und auch Jesse wussten, dass es sich ohne einen Bass doch etwas unvollständig anhörte. "Nach einer musikalischen Analyse habe ich gar nicht verlangt. Ich wollte nur wissen, ob es denn dir gefallen hat. Wir wissen, dass uns noch ein paar Leute fehlen, um uns eine Band schimpfen zu können." erklärte sie dem Brünetten und musste sich doch ein Lachen verkneifen. So etwas ist noch nie passiert, dass jemand sich vor sie stellte und erklärte, was noch nicht gut war.
      Jesse nahm diese Kritik nicht so locker, wie seine Schwester und stand von seinem Drumset auf und kam auf die beiden mit langen Schritten zu. Die Sticks hatte er dabei noch in der Hand und erst jetzt konnte man erkennen, wie große er eigentlich. Belle überragte der Blonde fast einen ganzen Kopf und vom nahen konnte man nun unweigerlich seine muskulösen Arme und Schultern erkennen. "Ganz schön große Töne von jemanden, dessen Namen wir gar nicht kennen." kam es doch etwas grimmig von ihm, da Jesse sich mit Kritik zu seinen Schlagzeugkünsten doch sehr schwertat, auch wenn diese ja gar nicht wirklich gemeint waren. "Pff. Bevor wir jemanden als Keyboarder dazu holen, brauchen wir eher einen Bassisten. Das weiß doch jeder, dass für eine Rockband die drei Instrumente reichen." gab er jetzt seinen Senf dazu und verschränkte dabei seine Arme vor seiner Brust, so als müsse er hier einen Standpunkt klarmachen.
      "Ganz ruhig, Jesse. Er hat es doch nicht böse gemeint, sondern hat einfach nur Tatsachen aufgezählt. Nicht wahr?" versuchte Belle ihren Bruder etwas zu beruhigen, der manchmal etwas impulsiv sein konnte und sah dabei zu dem fremden Violinisten, der das schnell bestätigen sollte. "Wie heißt du eigentlich?" folgte darauf ihre nächste Frage.
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    • Er verstand nicht warum der junge Mann - Jesse - plötzlich so sauer wurde. Er hatte den beiden nur seine musikalische Expertise kund getan. Immerhin war das sein Spezialgebiet. Er wusste wie Musik harmonierte, er arbeitete schließlich täglich mit den verschiedensten Musikern zusammen und trotzdem passierte ihm das erschreckend oft. Er sagte etwas und sein Gegenüber nahm es plötzlich ganz anders auf. Er war einfach den Kontakt zu gleichaltrigen nicht gewohnt. Er war eigentlich generell keinen zwischenmenschlichen Kontakt gewohnt und tat sich schrecklich schwer damit.

      „Ich habe nie gesagt, dass ihr schlecht spielt. Ich wollte nur damit sagen, dass eure musikalischen Leistungen ausbaufähig sind und eine vielschichtigere Melodie durch weitere Instrumente erreicht werden könnte.“ erklärte er nochmal in einem Fachchinesisch der für einen jungen Mann in seinen Zwanzigern viel zu doktorisch klang und hoffte damit den jungen Mann vor sich wieder ein wenig zu beruhigen. So wie er sich vor ihm aufbaute kam Charles sein Fluchtinstinkt plötzlich sehr präsent vor und er war sich nicht so ganz sicher, ob er mit seinen Worten eine Schadensbegrenzung vornehmen konnte.

      Er war groß, auch ohne das er sich vor Charles aufbauen musste. Auch wenn Jesse ihn nicht so überragte wie er es bei der jungen Frau tat. Nun wo Jesse so vor ihm stand konnte er die einzelnen Muskelpartien seiner Arme und Schultern sehen. Wenn sein medizinischen Wissen höher wäre, hätte er sie sicher benennen können, so gut stachen die Muskulatur unter der Haut hervor. Er selbst war eher schlank. Nicht wirklich dürr aber schmächtig und in dem Pullover ging er vielleicht ein klein wenig unter. Nicht so sehr, dass es unelegant aussah aber genug um ihn fehl am Platz wirken zu lassen.

      Als Jesse ihn ungalant und irgendwie indirekt nach seinem Namen fragte schaute Charles seinen gegenüber etwas verwirrt an. Was hatte denn bitte sein Namen mit seiner Fachexpertise zu tun? Gehörte es zu einer gesellschaftliche Norm, dass man nur Leuten dessen Namen man kannte, einen Rat geben konnte? Er kannte sich da wirklich nicht aus. Und dann schien der Drumer ihm auch noch grundlegend widersprechen zu wollen. Er hatte wohl wirklich irgendwas falsches gesagt, so viel hatte er mittlerweile verstanden. „Einen Bassist wäre auch nicht schlecht.“ stimmet er Jesse zu. „Es kommt im Grunde drauf an, was ihr im Endeffekt bewirken wollt. Allgemein braucht man für besonders harmonische Melodien eine Ansammlung an verschiedensten Instrumenten und somit Leute, die diese Instrumente spielen können.“ führte er seinen Gedanken nochmals ein wenig aus.

      Als sich Annabelle dann einmischte nickte er. „In der Tat, ich hab nur Tatsachen aufgezählt.“ bestätigte er und nahm sein Blick dann von dem Drumer. Schon wieder die Frage nach seinem Namen, dieses Mal jedoch deutlich direkter als noch vor wenigen Minuten. „Charles.“ antwortete er knapp auf die Frage. „…Coldweather.“

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    • Auch wenn der Kerl meinte, sie würden nicht schlecht spielen, hörte sich alles, was er danach sagte, wieder wie eine schlechte Kritik an. So empfand Jesse das jedenfalls und blickte den Fremden weiter mürrisch an. Der sah auch eher komisch aus. Vom Aussehen her, hätte der Drummer vermutet, dass er so in seinem Alter war, doch er kleidete sich wie Boomer und sprach auch wie einer. "Komischer Kauz …" dachte sich daher nur der Blonde und starrte ihn weiter in Grund und Boden, während sich endlich mal vorstellte.
      "Hi Charles, freut mich dich kennenzulernen. Du scheinst ja sehr viel über Musik und Instrumentenarrangement zu wissen. Studierst du vielleicht Musikwissenschaften oder so?" ging Belle auch gleich wieder dazwischen, da sie den finsteren Blick ihres Bruders bemerkte.
      "Was wir bewirken wollen?" wiederholte sie dann Charles Worte, die ihrem Kopf widerhallten. "Also, na ja, wir, äh, wollen nichts bewirken. Ich meine, wir machen Musik, weil es uns Spaß macht und klar wäre es cool, wenn noch ein paar mitmachen würden. So als richtige Band zu spielen ist bestimmt spannend und noch mal ganz anders." versuchte sie zu erklären, dass es bis jetzt nur ein Hobby ist. Wobei, jeder träumt doch davon, seine Leidenschaft als Beruf ausüben zu können. Doch da sprach sie nur für sich, denn Jesse wiederum verfolgte um einiges hartnäckiger seinen Traum als Profischlagzeuger in einer Band zuspielen. Es war schon mal ein Anfang, dass er von anderen Bands schon ein paar Mal angefragt wurde, bei ihnen auszuhelfen, doch ein Angebot in die jeweilige Band zu kommen, hatte er noch nie erhalten. Daher lag er Belle auch immer wieder in den Ohren, mit ihr eine eigene Band zu gründen. "The White Stripes sind auch nur zu zweit." ist dann immer sein Argument, wenn sie meint, ihnen fehle mindestens noch ein dritter Mann oder eine Frau.
      Aber jetzt stand da jemand vor ihnen, der wohl auch Ahnung von Musik hatte und ohne weiter darüber nachzudenken, sprach Belle die Frage auch schon aus. "Hey, Charles, willst du vielleicht ein bisschen mit uns spielen? Mit deiner Violine. Es gibt doch auch E-Violinen, das hört sich bestimmt toll an." schlug sie dem Brünetten einfach mal vor. Mehr als nein sagen konnte er ja nicht.
      Als Jesse das hörte, sah er seine Schwester überrascht an. In seinem Gesicht konnte man eine komische Mischung aus Verwunderung, Wut, Ablehnung aber auch Neugierde ablesen, was sehr merkwürdig aussah und sein linkes Auge zucken ließ. Sein erster Impuls war, dies sofort lautstark abzulehnen, doch Jesse hielt kurz inne und starrte Belle lange an, die einfach nur zurückstarrte, mit ihrem sehr entschlossenen Blick. "Von mir aus." gab er seufzend nach und sah dann zu Charles, ob der sich auf so etwas überhaupt einlassen würde. Er vermutete ja, dass dieser ablehnen würde.
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    • „Die Freude ist ganz meinerseits.“ meinte er in einem Ton der seinen Worten nicht ganz gerecht wurde. „Ich bin Konzertmeister im Orchester.“ meinte er auf die Frage ob er denn studieren würde. Hatte er zwar auch, aber Musikwissenschaften gehörte nicht dazu. Eher hatte er im speziellen Violine studiert.

      Bei der Antwort nickte er leicht. „Wenn ihr das nur hobbymäßig machen wollt, braucht ihr wohl nicht unbedingt mehr Leute, immerhin ist es bei einem Hobby nicht zwangsläufig das Ziel sich weiter zu entwickelt. Man macht es nur so weit wie es für einen bequem ist. Eine Band zu haben ist anstrengend und geht definitiv über ein Hobby hinaus. Man braucht deutlich mehr Leidenschaft dafür als nur die Liebe zur Musik.“ erklärte er. „Queen hat nicht angefangen zu spielen weil es ‚sicher Cool wäre, wenn noch ein paar mitmachen würde‘.“ um den Worten das rhetorische Mittel zu verleihen machte er mit einen Fingern Anführungszeichen in der Luft.

      Als Belle ihn dann fragte ob es nicht bei ihrer Band mitmachen wollen würde, schüttelte er den Kopf. „Die Violine ist nichts was ich in einer Band spielen würde.“ meinte er ernst und schaute kurz auf den schwarzen Koffer in seiner Hand. „Die Gitarre aber schon eher.“ hing er hinten dran und deutete mit einem Kopfnicken auf Belles Gitarre. „Nicht die im speziellen. Eine Gitarre, meine eigenen. Obwohl im Endeffekt kommt es auf das Genre an. Je nach dem was für ein Genre ihr spielt braucht man so weit ich weiß andere Instrumente. Ich besitze eine Akustikgitarre, aber E-Gitarren sollen auch nicht das Problem sein, immerhin spielen sich Instrumente die der selben Familie angehören meistens ähnlich.“ meinte er nachdenklich. „Dann sollten wir aber definitiv für ein wenig mehr Tiefe sorgen. Mit zwei Gitarren und einem Schlagzeug klingen die Töne zwar gut aber trotzdem ziemlich hohl.“
    • "Oha! Konzertmeister." war Belle von diesem Titel doch sehr beeindruckt. Seine nächsten Worte ließen Charles erneut doch etwas arrogant und herablassend wirken. So empfand es die Blonde jedenfalls und wenn sie sich schon so fühlte, wie würde es dann erst ihr Bruder aufnehmen. Nicht so gut, das konnte sie direkt an seinem Gesicht ablesen. In der Hinsicht war Jesse ein offenes Buch. Geräuschvoll knirschte er mit den Zähnen und man hörte in seinen Händen die Sticks sogar etwas knacken. "Weißt du was, bleib doch weg. Meine Schwester hat dich bestimmt nicht gefragt, nur weil es cool ist, eine E-Violine in der Band zu haben. Es gibt ein paar tolle Bands, die das Konzept gut verfolgen. Siamese wäre da ein Beispiel, aber so einer wie du, hört doch eh nur Bach, Mozart und Beethoven!" blaffte Jesse, dem das überhebliche Getue ziemlich auf die Nerven ging. Dieser Charles hielt sich wohl für etwas Besseres. So jemand konnte ihm gestohlen bleiben und mit so einem würde es in einer Band auch nur Ärger geben.
      "Jesse." versuchte Belle mit ruhiger Stimme ihren Bruder zu besänftigen, wobei ihr Zuschauer das nicht einfacher machte.
      "Aber hat nicht jede Passion mit einem Hobby angefangen?" warf sie noch ein, ehe es dann um die Gitarre spielen geht. Sie sah ihr Instrument an und dabei verfestigte sich automatisch ihr Griff am Hals der E-Gitarre. "Also, es ist schon ein Unterschied zwischen den beiden Gitarren da, die eine ist schwerer und besitzt Stahlsaiten. Die andere hat einen Korpus, mit dem auch rhythmisch arbeiten kann." zählte sie die offensichtlichen Unterschiede auf. "Sag mal, wenn du alleine Violine spielst, findest du das dann auch hohl?" stellte die Blonde nun auch mal eine Gegenfrage. Belle gehörte zu den wirklich geduldigen, aber selbst ihr wurde das langsam zu bunt, wie offen und oft dieser Charles so negativ über ihre Musik sprach.
      "Klar. Du kannst Gitarre spielen." kam es doch sehr höhnisch und sarkastisch von Jesse. "Wir? Was denkt er denn? Dass er schon zu uns gehört? So wie er mit uns spricht, sollte er aufpassen, dass ich ihm nicht doch gleich meine Sticks um die Ohren schlage!" grummelte der Blonde innerlich, dessen Geduld am seidenen Faden hing. "Na dann zeig doch mal, was du kannst." forderte er Charles auch direkt auf, da er ihm nicht wirklich glaubte und deutete auf eine weitere E-Gitarre, die in der Ecke stand.
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    • Charles verstand wirklich nicht so ganz was Jesse von ihm wollte. Er hatte also doch irgendwas falsch gemacht, das passierte ihm öfters. Er verstand die meisten Menschen nicht. Sie gingen im allgemein viel zu emotional an die Dinge ran, an die er eher rational ging. Alles was er gesagt hatte, waren schlicht und erreichend Tatsachenfeststellungen. Er hatte nie vor die Geschwister zu beleidigen, hatte es aber ganz offensichtlich mit seinen Worten getan.

      „Ich bevorzuge Dancla und Jean-Baptiste Quentin wenn es um klassische Musik geht.“ meinte er ein wenig leiser, jedoch immerhin mit der fast schon gefühltsneutralen Stimmlage mit der er die ganze Zeit sprach. Er war gerade noch dabei herauszufinden was genau er getan hatte um so ein misstrauen zu erwecken. Irgendwie sollte er wohl versuchen das Missverständnis wieder aus der Welt zu schaffen. Er bewunderte die beiden Geschwister für ihr Talent, Musik zu spielen war eine Leidenschaft und sich von dieser Leidenschaft so sehr mitreißen zu lassen, dass man sie zu einem Beruf machen wollte, war beeindruckend. „Aber ‚nur‘ ist da wohl das falsche Adverb. Außerhalb der klassischen Musik würde ich wohl eher Artisten bevorzugen die in die Richtung Rock oder Metal gehen.“ versuchte er seinen Musikgeschmack ein wenig zu präzisieren.

      Als Belle plötzlich wieder anfing zu sprechen nickte er leicht. „Ich weiß. Ich habe mich vor dem Kauf meiner ersten Gitarre umfangreich mit den Unterschieden verschiedener Bauarten von Gitarren auseinander gesetzt. Ich wollte damit auch nicht ausdrücken, dass ich der Meinung bin das sich alle Gitarren gleich spielen lassen. Offenkundig gibt es Unterschiede. Ich wollte damit nur ausdrücken, dass sich die Instrumente einer Familie in gewissen Verhaltensweise ähneln und dass sich die Spielart einer Akustikgitarre in der grundlegenden Technik auf eine E-Gitarre übertragen lässt. Natürlich müsste ich mich erst in die Haptik einer solchen Gitarre einarbeiten und lernen wie sie auf das Spiel mit Tönen reagiert, aber ich würde behaupten, dass es jemanden der Vorkenntnisse partout einfacher fallen sollte, als einer Person die zum ersten Mal eine Gitarre in den Händen hält.“ führte Charles seinen Gedanken aus und hoffte dieses Mal inständig nicht schon wieder in ein Fettnäpfchen getreten zu sein. Da hatte er heute anscheinend ein Talent für. Bei der Frage schaute er Belle etwas verwirrt an. War das, das Problem? Hatte er sich da nicht präzise genug ausgedrückt?

      „Ich hatte nie vorgehabt euch zu beleidigen. Wenn das der fall war, tut es mir sehr leid.“ entschuldigte er sich bei den beiden. Obwohl seine Stimme nicht so klang, lag in seinen Augen ein Ausdruck wahrhaftiger Reue. „Ich wollte mit meinen Worten nicht ausdrücken, dass ich eure Musik an sich für hohl halte. Ihr spielt wirklich gut. Ich meine nur, im Zusammenhang mit einer Band fehlt die Tiefe. Es gibt Instrumente die können eine gewisse Musiktiefe selbst produzieren…“ fing er an, wurde jedoch zum Ende hin immer leiser. Er würde sich wohl bei den beiden kein besseren Stand mehr erkämpfen können. Als er dann auch noch aufgefordert wurde zu spielen zog er leicht seine Schultern hoch. Vielleicht wäre es besser wenn er einfach gehen würde, auf der andere Seite waren die beiden Geschwister die ersten Menschen mit denen er - außerhalb des Orchesters - eine richtige Konversation geführt hatte, und selbst seine Arbeitskollegen mieden den Kontakt zu ihm.

      Kurz wartete Charles ob da noch was kam. Er verstand häufig die Benutzung von Sarkasmus und Ironie nicht so ganz und war aus diesem Grund gelegentlich etwas vorsichtig. Jesse schien das jedoch ernst gemeint zu haben. Charles stellte den schwarzen Violinenkoffer vorsichtig auf dem Boden der Garage ab und ging dann zu der besagten Gitarre rüber. Sie war tatsächlich schwerer als seine eigene, fühlte sich aber gut an. Sie war noch nicht mit einem Verstärker verbunden, aber er hatte sich Belles Gitarre angeschaut und einige Videos über die Handhabung gesehen, also wusste er in der Theorie wie man das Instrument zu spielen hatte. Nach Jesses so deutlichen Aufforderung durfte er sich hier echt nicht durch seine Unwissenheit zum Affen machen.

      Nachdem er den Verbindungskabel in die Gitarre gesteckt hatte, legte er sich den Gitarrengurt um und fuhr einmal, fast schon ein wenig liebevoll über die Saiten. Er würde diese wohl kaum mit seinen bloßen Fingern spielen können, dafür waren sie viel zu hart. Obwohl…spielen können, würde er es wohl schon, aber dann würde er seine Fingerkuppen sicher für die nächsten Tage nicht mehr spüren können, die Lösung für sein Problem hatte Belle aber anscheind in Form eines Plektrums in der Hand. „Darf ich?“ fragte er demnach die Gitarristin. Nun sollte alles soweit funktionieren, auch wenn der höhnische Blick von Jesse ihn ein wenig Druck machte.

      Die ersten Töne, die die Gitarre von sich gab klangen vorsichtig. Als ob Charles erst einmal herausfinden musste wie sich die Saiten unter den Schwingungen die er mit dem Plektrum erzeugte bewegten. Er brauchte jedoch nicht lange um sich einzuspielen. Wie er vermutet hatte, ließ sich die Gitarre, bis auf die äußerlichen Unterscheide, ähnlich spielen wie seine eigene. Nachdem er etwas sicherer wurde, flogen seine Finger schon fast über die Stahlsaiten. Er hatte die ganze Zeit überlegte, was er den beiden denn vorspielen könnte. Dann war ihm wieder eingefallen, was er gerade am üben war. Ein Gitarrensolo einer berühmten Metalband die er gerne hörte. Master of puppets, hieß der Song und er wäre sicher ein Grund um von seinen Eltern enterbt zu werden. Seine Eltern waren aber nicht hier und aus diesem Grund konnte er den Song wohl getrost spielen. Und er war gut. Charles hatte bis jetzt immer ein wenig Schwierigkeiten bei einem Part gehabt, der schien ihm heute jedoch von den Fingern zu gehen, als ob er noch nie in seinem Leben einen anderen Song gespielt hatte. Es fühlte sich toll an. Bis dato hatte er nur in der Sicherheit einer eignen vier Wänden Gitarre gespielt, aber jetzt, hier war es ein ganz neues Gefühl. Er spürte die Vibration unter sich, die durch den Verstärker in den Boden floss und dann über den Boden in seinen Körper. Es war wie eine Droge die ihn von jetzt auf gleich süchtig machte.
    • Jesse hatte einfach nur die ihm bekanntesten Komponisten der klassischen Musik erwähnt, die ihm gerade einfielen. Er hatte keine Ahnung, wer die Personen waren, die Charles erwähnte. Um ehrlich zu sein, hatte er noch nie ein Theater oder so besucht, um sich dort ein Orchester anzuhören. Er musste sich dann auf die Zunge beißen, um nicht laut loszulachen, als der Violinist meinte, er höre auch gerne Rock und Metal. Das konnte er sich im Leben nie vorstellen. Sein Äußeres passte einfach nicht dazu. Der Blonde musste noch lernen, dass man ein Buch nach seinem Einband nicht zu beurteilen hatte.
      Belle wiederum, ist noch so voreingenommen, auch wenn Charles nicht den Eindruck machte, solch harte Musik zu hören. Aber wenn man sie in süßes Kleidchen steckte, würde auch niemand vermuten, dass sie gerne Hardrock Musik hörte und auch spielte.
      Der junge Mann schien sich auch mit den verschiedenen Gitarren auseinandergesetzt zu haben, was schon mal eine gute Grundlage war. Sie selber liebäugelte schon mit Multieffektgeräte für ihre E-Gitarre. Es reichte ihr nicht mehr, nur über den Verstärker und an der Gitarre selber den Sound zu verzerren. Doch Belle wollte sich erst richtig damit auseinandersetzen, gibt es so viel unterschiedliche Modelle, mit noch mehr Möglichkeiten, was damit anstellen könnte. Und gerade billig waren die Dinger auch nicht, da sollte ein Kauf gut überlegt sein.
      Die Blonde nahm Charles Entschuldigung an, auch wenn er sich wieder in seinen Worten verlor. Das war irgendwie schon fast ulkig. "Ist schon gut. Wir sind dir nicht böser oder so. Stimmts Jesse?!" meinte sie ruhig zu ihrem Gast und sah dann ihren Bruder ermahnend an. Von dem kam nur ein geschnaubtes "Pfft!", blieb aber ansonsten ruhig und sagte einfach gar nichts dazu.
      Belle beobachtete dann neugierige den Violinisten, als sich dieser zu ihrer Ersatzgitarre bewegte. An seinen Bewegungen konnte sie genau erkennen, dass er das Instrument wertschätze, so wie dieses an sich nahm und seine Finger über Holz und Saiten strichen. Er musste die E-Gitarre nur noch an dem Verstärker einstecke und dann hörte man auch das leise Summen.
      Charles kam dann zu ihr, um sie nach ihrem Plektrum zu fragen, was sie ihm gerne zur Verfügung stellte. Sie hatte noch einige andere Pleks. Nicht nur in verschiedenen Farben, sondern natürlich auch in verschiedenen Stärken. Alleine das kann schon viel ausmachen, wie sich ein Ton anhört. Sie zog auch schon ein weiteres aus ihrer Hosentasche. Man hatte diese immer griffbereit, denn beim schnellen Spielen kann es durchaus mal passieren, dass einem das Plektrum aus der Hand fällt. Da ist ein Ersatz, gleich in Griff nähe sehr wichtig.
      Er spielte sich ein, das konnte man erkennen, wobei das bisschen Gezupfe Jesse noch nicht beeindruckte. Seine Augen wurden dann ein bisschen größer, als er das bekannte Solo er kannte. "Anscheinend hat er ja doch etwas Geschmack." dachte sich der Blonde, als er quasi die Hymne von Metallica erkannte, natürlich neben dem Opening von Nothing Else Matters.
      Der Drummer sah zu seiner Schwester, die wohl auch etwas überrascht schien und je weiter das Solo voranschritt, desto weniger konnten die beiden still bleiben.
      Zu einem passenden Zeitpunkt stieg dann Jesse mit dem Schlagzug ein und setzte kraftvolle Akzente mit den Becken. Nur ein paar Takte später ertönte auch Belles E-Gitarre, die Charles Spiel wunderbar komplementierte. Sie spielten gemeinsam das ganze Lied zu Ende, machten daraus quasi ein Instrumental und gen Schluss inszenierte Jesse mit den Drums ein kleines Trommelsolo, was das Zeichen für den letzten gemeinsamen Akkord war.
      Auf den Becken schlug er noch leise einen Wirbel ein und Belle ließ ihren Ton einfach liegen und musste dabei Charles einfach nur angrinsen. "Das war ja super!" lobte sie ihn und sah sogleich zu ihrem Bruder, um zusehen, ob er ihr zustimme. "War nicht schlecht." spielte er es zwar herunter, aber auch sein breites Grinsen sagte etwas anderes. "Da hab ich dich wohl falsch eingeschätzt. Du scheinst ja doch einen guten Musikgeschmack zu haben." sprach er den Violinisten direkt an, mit einem gar leicht versöhnlichen Ton. Zumindest hatte der Drummer ihn jetzt nicht ganz gefressen.
      "Kannst du eigentlich auch singen?" fragte Belle auch gleich weiter. Viele, die eine musikalische Ausbildung machen, oder eigentlich so gut wie alle, können auch singen.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


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    • Er fühlte sich großartig. Er genoss jede einzelne Sekunde auf dieser improvisierten Bühne. Als die beiden Geschwister dann auch noch mit einstimmten, hatte er das Gefühl er würde schweben. Das hier war so viel anders als im Orchester. So viel freier, mit so viel mehr Gefühl. De Song neigte sich zum Ende, das letzte Solo von Jesse war ein fantastischer Abschluss und als er von den beiden dann auch noch Lob bekam, hatte er das Gefühl noch nie glücklicher in seinem Leben gewesen zu sein.

      „Ihr wart gut.“ er wollte all seine Gefühle in seine Worte legen, schaffte es aber nicht. Seine Tonlage war genauso undurchsichtig wie sonst, dabei empfand er gerade so viel mehr als er jemals gefühlt hatte. Charles wollte noch mehr sagen, er wusste nur einfach nicht wie oder was, als Belle ihn dann jedoch fragte ob er singen könne, schien die Frage all seine Probleme fürs erste zu lösen.

      Langsam fing er an die ersten Noten von Nothing Else Matters zu spielen. Die anderen würden sicher wieder mit einstimmen. Dieses mal spielte er den Song jedoch nicht nur, er sang auch mit. Der sanfte Bass in seiner Stimme passte sich perfekt dem Lied an, gab ihm die richtige Tiefe und harmonierte perfekt mit den Instrumenten. In seiner Stimme lagen all die Gefühle die er nicht schaffte auszusprechen, die er aber loswerden musste.

      Charles hatte noch nie in der Gegenwart von anderen gesungen, aber er war Textsicher und er hatte das Gefühl sich nicht vor Belle oder Jesse lächerlich machen zu können. Sie waren jetzt ja sowas wie Freunde, oder? Immerhin spielen sie zusammen. Schloß man so Freundschaften? Charles war sich nicht ganz sicher. Womit er sich jedoch sicher war, war dass dieser Moment, hier in der alten Garage, ihn einfach unendlich glücklich machte. Er hatte sich noch nie freier in seinem Leben gefühlt und er wollte mehr davon, noch viel mehr. Er war wie ein Süchtiger nach dem ersten Shot. Er hatte Blut geleckt und nun gab es für ihn kein zurück mehr.
    • Nach dieser spontanen Jamsession, kamen auch mal lobende Worte über die Lippen des Brünetten, auch wenn dessen Stimmlage dies nicht ganz so eindeutig machte. Doch Belle dachte sich schon, dass Charles einfach so ist und es nicht böse meint. Er erinnerte sie an einen Kommilitonen, der sehr introvertiert ist und eine sehr monotone Stimme besitzt. Bei ihm war man sich auch nie sicher, wie er etwas meinte, doch nach dem sie nun schon ein paar Monate mit ihm im selben Kurs saß, konnte sie die feinen Nuancen in seiner Stimme langsam besser deuten.
      Vielleicht ist das ja bei Charles dasselbe und sie musste ihn nur besser kennenlernen. Ihr kam auch gleich eine gute Idee dazu, doch die musste warten, stimmte der Violinist schon das nächste Lied an, womit sie nicht gerechnet hätte.
      Auch Jesse hat nicht erwartet, dass der Kerl so gleich den nächsten Song anspielte und kaum sind die ersten Noten erklungen, war den Geschwistern schon klar, welche Hymne hier jetzt gleich performt wurde. Belle spielte sofort mit, kennt sie einfach beide Gitarrenläufe und als dann Charles anging zu singen, sah sie überrascht zu Jesse. Der hatte natürlich perfekt mit dem Schlagzeug eingesetzt, warf aber auch der Blonden auch einen erstaunten Blick zu. Mit seinen Lippen formte er laut los "Wow!", worauf sie nur nicken konnte.
      Belle stieg dann bei der nächsten Strophe mit einer zweiten Stimme ein, die hell über der tiefen von Charles lag und wunderbar mit ihm harmonierte. Auch dieses Lied wurde komplett durchgespielt, so als hätten die drei noch nie etwas anderes getan und als die Instrumente verstummten, hörte man die Blonde auch schon vor Aufregung quietschen.
      "Das war ja mega! Krass! Deine Stimme, Charles, so was hab ich noch nie gehört." schwärmte sie schon etwas von ihm. "Joa, war schon ganz gut." hielt Jesse den Ball eher flach, wobei er im Stillen seiner Schwester schon zustimmte. Aber es würde reichen, wenn sie hier die Lobpreisungen aussprach. "Wie wäre es, wenn du öfters mit uns spielst? Zu dritt macht das doch viel mehr Spaß!" schlug sie auch direkt vor, worauf der Schlagzeuger nur resigniert mit den Schultern zuckte. Ja, sie hatten einen holprigen Start, sehr holprig. Doch Jesse erkannte auch Talent, wenn es vor ihm stand und Charles ist mehr als ein Talent, er ist ein Vollblutmusiker! Jemand, der die Musik spürt und lebt. "Von mir aus." gab er der Blonde dann auch verbal seine Zustimmung und stand dann vom Schlagzeug auf. Die Sticks schob er einfach in seinen Gesäßtasche und lief zu einem kleinen Kühlschrank, aus dem er drei Bier herausholte. Mit diesen kam er zu den beiden Gitarristen und öffnete gekonnt, mit der Hilfe der anderen.
      "Was sagst du?" wollte er Charles von wissen und reichte beiden je eine Flasche. Enthusiastisch nahm Belle ihm gleich das Bier ab und sah mit einem Lächeln zu dem Brünetten. "Da fällt mir ein, wir können auch so mal was unternehmen. Lust dort mit mir hinzugehen?" fragte sie den Violinisten und zog aus ihrer Hosentasche ein buntes Papier. Es war der Flyer für die Studentenparty, den sie nun Charles vor die Nase hielt. Vielleicht kam das etwas aufdringlich herüber, doch so ist Belle einfach, sie versucht, mit jedem, den sie mag, Freundschaft zu schließen.
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    • Charles wirkte ein wenig überfordert von den lobenden Worte der Geschwister, auch wenn sich Jesses Worte in Grenzen hielten, war das das ehrlichste Lob was er wohl je bekommen hatten. Generell wusste niemand, außer die beiden, über seine Liebe zu Rock und dafür nun Lob zu bekommen, war ihm fast schon zu viel.

      Als Belle dann auch noch vorschlug, dass sie ja in Zukunft öfters zusammen spielen könnten, nickte er nur ein wenig perplex. „Gerne.“ Hatte er gerade sowas wie Freunde gefunden? Charles wohnte nun schon fast zwei Jahre in der Stadt und hatte bis jetzt noch nie wirklich Kontakte schließen können. „Wenn das für dich okay ist.“ wandt er sich an den Drummer, als dieser auch seinen Zuspruch gab nickte der junge Violinist.

      Als Jesse ihn dann wiederholt nach seiner Meinung fragte nickte er wieder. Ob man ihm dieses mal ansah wie sehr er sich über das Angebot freute? Charles konnte es beim besten Wissen nicht sagen. Wahrscheinlich aber nicht. „Ich würde mich freuen.“

      Das Bier, welches ihm daraufhin hingehalten wurde, nahm er leicht zögerlich an. Er hatte in seinen vierundzwanzig Jahren noch nie Bier getrunken. Bier war einfach nicht das Getränk, welches sonderlich beliebt in den Kreisen war in denen er sich bis jetzt bewegt hatte, das schien jetzt nun jedoch zu ändern. Etwas zaghaft nippte er an der Flasche. Es schmeckte anders als Wein, herber aber nicht schlecht, trotzdem würde Charles sich wohl nie selbstständig ein Bier kaufen, aber hier war es okay.

      „Eine Party?“ fragte er etwas verwirrt. „…Okay.“ er durfte den neu aufgebauten Stand bei den beiden jetzt echt nicht mehr kaputt machen, nicht nachdem er das was er am Anfang zerstört hatte wieder so gut retten konnte. Dafür würde er sich selbst auf irgendeine Studentenparty quälen, wenn das hieß weiterhin Musik mit den beiden machen zu dürfen.
    • "Wenn meine Schwester sich etwas in den Kopf gesetzt hat, kann man sie so gut wie gar nicht davon mehr los bekommen. Also sei einfach pünktlich." gab Jesse damit indirekt seinen Segen, dass der junge Mann öfters mit ihnen spielen konnte. Er musste ja auch insgeheim zugeben, dass das irgendwie Spaß gemacht hatte.
      Als dann Charles auch noch für die Party zusagen, sah man Belle an, wie sehr sie sich darüber freute. "Das wird sicher total cool! Da wird es einen DJ geben und ganz viele meiner Kommilitonen werden wir dort auch treffen. Die sind echt nett." erzählte sie ihm, was sie erwarten würde. "Du musst auch nichts besonders Schickes anziehen. Komm einfach so, wie du dich wohlfühlst." meinte sie weiter und sah dann zu Jesse. "Du kommst doch auch, oder?" fragte sie den Drummer und setzte ihren Hundeblick auf. "Ja. Ich komme auch." sagte er lieber gleich zu, denn er wusste, dass Belle ihn sonst so lange nerven würde, bis er ja sagte. Damit kürzeste er das ab und er behielt seine Nerven.
      "Oh, lass uns noch die Handynummern austauschen!" fiel es der Blonden noch gleich ein und holte ihr Smartphone heraus. Sie reichte es dann Charles und nach dem sie diese hatte, schrieb ihm sie auch gleich eine kurze Textnachricht, die lautet "Freitagabend, 19:30 Uhr, bei der Uni-Bib." Damit hatte sie ihm die Uhrzeit und den Treffpunkt bekannt gegeben.
      "Wenn mir das aber zu langweilig wird, gehe ich wieder." merkte Jesse sogleich an, dass er die Party auch wieder verlassen würde, wenn diese nicht nach seinem Geschmack war. "Ach Quatsch. Da gibt es ganz süße Mädchen." zwinkerte sie ihrem Bruder zu, der in der Hinsicht ein richtiger Casanova sein konnte. "Ja, mal schauen. Aber wehe, du versuchst mich wieder mit einer deiner Freundinnen zu verkuppeln!" warnte er seine Schwester, die bei dem Kommentar ganz unschuldig drein guckte. Das ist zwar nur einmal passiert, doch es war eine Katastrophe!
      "Lass dir eins gesagt sein, Charles, gehe nie darauf ein, wenn Belle meint, sie wüssten, jemanden tollte für dich." warnte er damit auch den Brünetten, vor der Belle und ihren Kupplungsversuchen. "Das war doch gar nicht so schlimm." meinte Belle dazu und zog eine beleidigte Schnute. Jesse wiederum hat mindestens einen Monat Liebesbriefe von dem Mädel bekommen, obwohl er ihr mehrfach gesagt hatte, dass er nichts für sie empfindet. Ach ja, die guten alten Teenager-Zeiten.
      "Keine Sorge, Charles. Ich verkuppel’ dich schon nicht. Außer du möchtest es." versprach sie ihm so gleich, damit er sich keine Sorgen machen musste.
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    • „Einen DJ.“ wiederholte Charles leise. Er hatte davon keine Ahnung. Elektronische Musik war nicht sein Ding, aber jetzt konnte er auch nicht mehr absagen, immerhin hatte er gerade erst zugesagt. „Klingt gut.“ sagte er deswegen nur und hoffte, dass man ihm sein leichtes Unverständnis nicht ansah.

      Als ihm dann auch schon ein Handy in die Hand gedrückt wurde gab er einfach seine Nummer ein. Speicherte sich selbst mit Vor- und Nachname ein und reif sich dann selbst an. Sein eigenes Handy war ein neueres Modell. Er wusste nicht welches, seine Eltern hatten es ihm geschenkt. Charles selbst hatte keine Ahnung von Handys oder generell technischen Geräten. Er hatte auch die Theorie, dass seine Eltern das Gerät von irgendwem bekommen hatten und nicht ganz wussten was sie damit anfangen sollten. Er hatte nicht viele Apps auf dem Handy. Gerade mal das Nötigste und die Klassiker die mittlerweile auf jedem Smartphone vorinstallierte waren, die er aber noch nicht geöffnet hatte. Er hatte einen sehr inaktiven Social Media Account, weil er mal gehört hatte, dass man sowas ‚in seinem Alter nun mal hatte‘.

      Als Belle ihm dann vorschlug, dass sie ihn ja verkuppeln könnte, schüttelte er mit dem Kopf. „Danke, das ist aber nicht nötig.“ Nicht das er eine Freundin hätte, er wollte ganz einfach keine. Menschen waren nicht so sein Ding. Er interagierte nicht so gerne mit ihnen und besonders gut war er darin wohl auch nicht. Und trotzdem hatte er es wohl irgendwie geschafft zwei neue Freunde gefunden zu haben.
    • Nein, keiner der beiden Geschwister konnte an der Mimik von Charles ablesen, dass er anscheinend nicht der größte Fan von elektronischer Musik ist.
      Die Nummern wurden getauscht und auch wenn er Belle Talent als Kupplerin ablehnte, war sie doch sehr glücklich. Sie hatte einen neuen Freund gefunden und noch dazu, vielleicht ihr erstes Bandmitglied. "Ganz ruhig, Belle. Sonst verschreckt du ihn noch, mit deiner Aufgeregtheit." maßregeln sie sich selbst, da die Blonde gerade vor Freunde schreien und herumhüpfen könnte.
      Jesse sah das alle nicht so ernst. Er redete seiner Schwester da nicht rein, doch er vermutete, dass dieser Charles vielleicht noch ein paar Mal hier auftauchen würde und sich dann wieder auf sein Orchester, oder wo auch immer spielte, konzentrierte.
      "Wir müssen dann.", sprach der Drummer die beiden Gitarristen an und sammelte die Flaschen ein. Was nicht leer war, wurde in den Gully vor der Garage gekippt.
      "Stimmt!" fiel es auch Belle ein und packte die Gitarren in ihre Koffer oder anderen Cases. "Sorry Charles, aber unsere Mutter mag es nicht, wenn nicht zum Abendessen erscheinen." erklärte sie ihm, während sie alles verräumte. "Bitte fühl dich also nicht so, als würden wir dich hinausschmeißen oder loswerden." entschuldigte sie sich sofort bei ihm.
      "Belle will damit sagen, das war’s für heute." schaltete sich Jesse ein, der schon ungeduldig am Garagentor stand, damit er es schließen konnte. Ihren Bruder nicht unnötig lange warten lassend, führte sie Charles aus der Garage, dabei nicht seinen Violinkoffer vergessend und löschte noch schnell das Licht, ehe das dort sich quietschend schloss. "Wir sehen uns dann am Wochenende!" winkte sie dem Brünetten zu, während die beiden zu ihrer Haustüre liefen. "Bis dann." gab es von Jesse auch ein paar kurze Worte des Abschieds und dann verschwanden die Geschwister hinter der Haustüre.
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      Monkey D. Ruffy


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    • Charles nickte langsam. Ja, seine Mutter mochte auch nie wenn er sie warten ließ.
      Er nahm Belle seine Violine ab und ging aus der Garage, kurz schaute er dem Tor zu wie es sich schloss, als würde sich hinter seiner neu erworbenen Freundschaft wieder ein Tür schließen…er sollte nicht zu voreilig handeln, vielleicht wurde das zwischen ihm und den Geschwistern ja wirklich eine Freundschaft…
      Charles nickte nochmal als Bestätigung für das Treffen am Wochenende und machte sich dann auf dem Weg nachhause. Es war erschreckend spät, eigentlich wäre er schon längs zurück in seiner Wohnung gewesen…

      Die Tage zogen sich wie zäher Kaugummi. Dem jungen Violinisten kam seinem Alltag plötzlich noch trostloser und ereignisloser vor als sonst. Er hatte sein Leben nie so gesehen, aber seit der spontanen Jam-Session in der Garage der Geschwister kam ihm sein Leben trotzdem erschreckend langweilig und trist vor, so als ob er mehr Potential hätte aber nie weiter als nötig ging. Er hing in seinen Routinen fest, in seinem Leben.

      Der Freitag kam schneller als Charles gehofft hatte. Kurz hatte er überlegt abzusagen und trotzdem stand er nun vor der Bibliothek der städtischen Universität. Ein kurzer Blick auf seinem Uhr verriet ihm, dass er viel zu früh dran war. Er fühlte sich komisch in dem Hemd und der Hose die er trug, an sich war es nichts besonderes, er trug oft Hemden, aber irgendwie fühlte er sich heute komisch in seinen Klamotten. Er hatte die ersten beiden Knöpfe des Hemdes offen gelassen, weil er mal in einem Film gesehen hatte, dass das wohl ‚lässiger‘ aussah. Dazu trug er eine dunkle Stoffhose, seine Mutter hätte ihn wohl gefragt ob er sein Jackett vergessen hätte, normalerweise lief er wohl ein wenig formaler rum. War das, das richtige Outfit für eine Party? Er konnte es beim besten Wissen nicht sagen, vielleicht hätte er sich doch was anderes anziehen sollen…
    • Die Halbgeschwister aßen mit ihren Eltern zu Abend und Belle erzählte natürlich sofort von Charles. Und auch sonst ging es vor allem um Musik und das Thema Band. Natürlich wären die Eltern Gardner glücklicher darüber, wenn die beiden einen eher sicheren Job ausüben würden. Doch sie stellten sich ihren Kindern auch nicht in den Weg und unterstützen sie dort, wo sie es konnten und es auch für richtig hielten. "Sie müssen ihre eigene Erfahrung machen." hatten sie die beiden darauf geeinigt, Jesse und Belle einfach ihr Ding machen zu lassen. Sie sind ja noch jung und so lange die beiden auch noch einen Plan B hatten, ging das für die Eltern in Ordnung.

      Für Jesse und Belle ging die Woche recht schnell vorbei, wobei es eher die Blonde war, die immer mal wieder bei ihrem Bruder Charles erwähnte. Er machte sich ja nicht so große Hoffnungen, dass der Typ wirklich auftauchen würde, so war der Blonde dann doch überrascht, als sie Charles vor der Unibib antrafen. Er selber trug eine Jeanshose im typischen Destroyed Look, dazu ein schwarzes, eher körperbetontes T-Shirt und eine rot-weiße Collegejacke, mit dem Chicago Bulls Logo auf dem Rücken. Passend dazu hatte der Drummer rote Chucks an, die auch schon sehr abgetragen aussahen. Sein Haar hatte etwas wild gestylt und er strahlte diese typische Bad-Boy-Attitüde aus.
      Im Gegensatz dazu trug Belle eine schwarze, enge Jeanshose und ein dunkelblau glitzerndes und trägerloses Oberteil. Ihr Haar war leicht gelockt und sie hatte ein hübsches Make-up aufgetragen, das nicht zu aufgedonnert wirkte. Eine lange silberne Kette mit einem großen Yin und Yang Anhänger war ihr auffälligstes Accessoire und auch ihre blauen Highheels, in einem ähnlichen glitzerndem Blau, sind ein wahrer Hingucker. Darüber trug sie eine leichte schwarze Stoffjacke und an ihrer Schulter hing eine kleine Handtasche.
      "Huhu! Charles!" rief sie ihm freudig entgegen, als sie ihren neuen Freund schon vom Weiten entdeckte. "Siehst du! Er ist doch gekommen! Damit habe ich die Wette gewonnen!" grinste sie Jesse frech an, der etwas genervt die Augen verdrehte und seiner Schwester einen Dollarschein zusteckte. Wettschulden, sind ehren Schuleden und er sollt mal langsam daraus lernen, dass er gegen Belle nicht mehr wetten sollte, da sie irgendwie immer gewann.
      "Gut siehst du aus!" begrüßte Belle Charles direkt und setzt auch gleich zu einer Umarmung an. "Hey." kam es recht kurz angebunden von Jesse, der ihm nur zu nickte und einfach weiter lief. Die Party fand in der Sporthalle der Uni statt und je näher sie dieser kamen, desto deutlicher hörte man auch schon die Musik und auch die Gäste. Vor dem Eingang gab es auch eine kleine Schlange, da man Eintritt zahlen musste und dann einen Stempel auf den Handrücken aufgedrückt bekam. Der Preis war nicht sehr hoch, lag er bei zwei Dollar und hier und da standen ein paar Grübchen herum, die rauchten.
      "Vergessen ist wie eine Wunde. Es mag zwar verheilen, aber dabei wird es eine Narbe hinterlassen."
      Monkey D. Ruffy


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    • Nun konnte sich Charles wohl keine Gedanken mehr über sein Outfit machen oder gar abhauen. Als er Belles Stimme hörte setzte er ein leicht gezwungenes Lächeln auf, das hoffentlich sympathisch genug wirkte, damit die Geschwister ihm abkauften, dass er gerne hier war. Die Umarmung kam so plötzlich, dass der junge Mann nicht mal mehr nach hinten ausweichen konnte und so ließ er diese über sich ergehen. „Hey. Du…Ehm…funkelst.“ stellte er etwas überfordert fest. Charles war noch nie die Person gewesen die sich viel mit Mode beschäftigte, wahrscheinlich weil er von Klein auf immer sehr formell angezogen war und sich das mit dem Alter auch irgendwie nie geändert hatte. „Steht dir aber.“ setzte er noch schnell hinter her, immerhin wollte er seine neu erworbene Freundin nicht schon bei dem ersten Treffen vergraulen. Jesse begrüßte er ebenfalls recht kurz gebunden und war insgeheim froh, dass dieser ihn nicht auch noch umarmte. Das was ihm jedoch sofort auffiel war, dass Jesse in seinem Outfit gut aussah. Dieser leichte verwegene Bad-Boy-Style stand ihm extrem gut und erinnerte Charles an den Gitarristen und Violinisten in den er sich vor Jahren ein wenig verguck hatte.

      Er folgte den beiden Geschwistern brav wie ein Hündchen zu der Sporthalle. Die Musik die er schon von außerhalb schon hören konnte hinterließ ein komisches Gefühl in seinem Inneren. Die zwei Dollar bezahlte er kommentarlos, zuckte jedoch leicht zusammen als der Mann beim Einlass plötzlich nach seiner Hand griff und grob einen Stempel auf seine Haut drückte. So schien das hier aber wohl zu laufen, stellte er fest.

      So weit so gut, schien alles gar nicht so schlimm zu sein wie er gedacht hatte. Dieser Gedanke änderte sich jedoch schlagartig als er die Massen an Menschen sah die sich in der Sporthalle befanden. An sich waren es nicht viele, gerade mal einige hundert Menschen, aber das waren schon zu viele für ihn. Es war nicht so, dass die Halle nicht groß genug war, damit man nicht Schulter an Schulter stand, aber frei bewegen konnte man sich trotzdem nur mit Mühe. Zu dem war die Musik im inneren viel zu laut um sich gemütlich Unterhalten zu können und irgendwer drückte sich unangenehm nah an ihm vorbei. Zu seinem Glück schien die Musik zu stoppen, das Gedudel irgendeines Chart-Hits hätte er definitiv nicht noch länger ertragen können. Stattdessen knisterte ein Mikrophone durch die großen Boxen und eine junge Studentin - welche eben auf die DJ-Bühne kam - meldete sich zu Wort. „Seit ihr zu drauf?!“ fragte sie mit einem breiten Grinsen - das fast schon der Sonne hätte Konkurrenz machen können - in das Mikrophone. Die Meute an Studenten antworte in einem wirren Chor an Geschrei und Ja-Rufe. Das schein wohl die DJ zu sein. Charles hatte davon was auf den Plakat gelesen, welches Belle ihm gezeigt hatte, auch wenn er JB als Name für einen DJ etwas seltsam fand. Sie schien aber immerhin Ahnung von ihren Handwerk zu haben, auf jeden fall gefiel ihm die Musikzusammensetzung die sie machte besser als die Musik die noch gespielt wurde als er mit den anderen Beiden die Halle betrat und dazu schien sie mit ihrer Art die Stimmung gut einzuheizen. Auch wenn es so schien, als hätte sie am DJ-Pult mehr Spaß als jeder andere der Studenten auf der Tanzfläche.
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