My Girlfriend is a Boy [Nao & Dark.Wing]

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    • Als Jayden sich an Noel schmiegte, hatte der Franzose ihm irgendwann sein Hand sanft in den Nacken gelegt und strich ihm dort liebevoll über die Haut, während er mit seiner Mutter telefonierte. Im Gegensatz zu Jaden war er immer noch, nicht nur recht wenig bekleidet, sondern komplett unbekleidet, die hellen Laken verdeckten zwar alles unterhalb seines Beckens, was die Tatsache jedoch nicht weniger nicht-jugendfrei machte, den Älteren schien das jedoch nicht weniger interessieren zu können, immerhin war es nicht so, als ob Jayden ihn noch nie ohne Klamotten gesehen hätte.

      „Ich glaube nicht, dass dir das sonderlich schwer fallen wird.“ meinte Noel mit einem Schmunzeln auf Jaydens Worte. Allein das zeigte schon wieder wie viel Noel eigentlich von den Jüngeren hielt. Er hätte wahrscheinlich für keinen anderen Menschen seine Mutter um diese Uhrzeit (oder zu jeder anderen) angerufen, um zu fragen, ob sie noch Kontakt zu dem Mann hatte, bei dem er vor knapp zehn Jahren gejobbt hatte um neben der Schule und seinen Ausbildungen ein wenig Geld zu verdienen.

      „Ich hab mit meiner Mutter telefoniert und dann Adrien, einen alten Freund meiner Eltern, gefragt ob er noch einen Kellner sucht.“ Erklärte er ohne seinen Blick von Jayden zu nehmen. „Er hat ein recht gutes klassisch-französisches Restaurant…ich hab vor einigen Jahren selbst mal dort gearbeitet.“ Die Arbeit war damals schon recht gut bezahlt, was definitiv nicht nur daran lag, dass Adrien mit Noels Eltern befreundet war, sondern auch, dass er als Besitzer stets darauf achtete, seine Arbeitnehmer fair zu bezahlen, was im Gastronomiebereich wohl definitiv nicht ganz so üblich war…und vielleicht hatte Noel mit seinem „recht gut“ ein wenig untertreiben…

      „Und nein, ich stehe nicht jetzt nicht wegen dir bei irgendwem in der Schuld…außer dass ich gegebenenfalls nie wieder bei Adrien zum Wein trinken vorbei schauen kann, wenn du einen schlechten Eindruck hinterlässt und er meinen Eltern dann wahrscheinlich auch erzählen würde, dass für einen „Vollidioten“ ich ihm vorgeschlagen haben…aber sonst müsste das eigentlich keine Probleme hinter sich ziehen.“ das leichte Grinsen auf seinen Lippen und der schon fast triefend sarkastische Unterton zeigte ziemlich deutlich, dass Noel seine Worte nicht im geringsten ernst meinte…auch wenn er sich sicher war, dass er, wenn Jayden sich wirklich daneben benehmen würde, nie wieder einen Fuß in Adriens Restaurant setzten würde. Noel hatte jedoch nicht zum ersten Mal ziemlich deutlich unter Beweis gestellt, dass er nicht davon ausging, dass sich Jayden so sehr daneben benehmen würde, dass Noel vor Fremdscham das Land verlassen musste.

      Als Jayden sich aufgesetzt hatte, war Noels Hand von dessen Nacken über Jaydens Schulter gerutscht und spielte nun sanft mit dem Kragen von Jaydens Oberteil rum.
    • „Ein Restaurant?“ Jayden blinzelte. Die Frage hatte er eigentlich nur in seinem Kopf aussprechen wollen, nicht tatsächlich, aber er war so überrascht, dass es ihm herausgerutscht war. Er hatte ganz offensichtlich mehr mit etwas gerechnet, das seinem alten Job näher kam. Ein Café beispielsweise. Weil er schließlich bisher hauptsächlich hinter einer Theke gestanden und Getränke gemixt hatte. Aber, das war neu. Ein Restaurant… Als Kellner? Okay, so unterschiedlich würde das schon nicht sein. Bestellungen aufnehmen, Servieren, Abräumen, Kassieren… Das bekam er vermutlich hin. Aber was hieß hier klassisch-französisch?

      Jay lächelte unsicher. „Das ist aber keine… high-end Küche, oder?“, fragte er sicherheitshalber nach. Bei Noels allgemeinem Vibe wäre Jay nicht überrascht, wenn er irgendwelche Sterneköche im Freundeskreis hätte. Aber das würde er Jay nicht antun, oder? Er hatte keine Ausbildung und die bisherige Erfahrung im Servicebereich war… eine Karaokebar. Er konnte vielleicht charmant sein und sich so Trinkgeld sichern, aber ein gehobenes Restaurant lag dann doch über seinen Skills.

      Er war sich zu 80% sicher, dass Noel mit seiner nächsten Aussage bloß scherzte, und trotzdem musste Jay schlucken. Urgh, er traf sich mit seinen Freunden zum ‚Wein trinken‘? Noel war ein unglaublicher Snob, oder? Überschätzte er Jay nicht gerade total? Wenn er das vermasselte, und die Chancen standen gut, wenn es sich tatsächlich um ein gehobenes Restaurant handelte, dann würde er Noel seiner Wein-Abende berauben. Das war zu viel Druck. Und irgendwie lächerlich. Oh Mann, wieso hatte er eigentlich gefragt?

      „Ähh… ich will nur auf Nummer Sicher gehen, aber… du weißt noch, wer ich bin, ja?“, fragte Jay um ein wenig Humor in seine eigene Verzweiflung zu bringen. „Jay? Der in einer Karaoke Bar arbeitet? Und absolut keinen Schimmer von Wein oder von reichen Gästen oder korrektem ähm… Kellner-Verhalten hat?“ Er blinzelte Noel an. „Du erinnerst dich, oder?“
      Jay war sehr selbstsicher in seinem eigenen, bekannten Umfeld, aber das war etwas, wo er noch nie einen Fuß reingesetzt hatte. Er konnte sich nichtmal erinnern, ob er mit seiner Familie jemals woanders als in einer Fastfood Kette essen gegangen war.
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    • „Nein…also falls du mit high-end Küche ein Sterne-Restaurant meinst.“ versuchte Noel den Jüngeren zu beruhigen. Seine Finger strichen sanft über Jaydens Schlüsselbein, fuhren den Knochen nach, der unter der Haut lag. “Du weißt schon, so was wie Ratatouille oder Cassoulet. Typisch französische Küche eben…viel Butter, viel Wein…nichts was oberhalb deines Könnens liegt, glaube mir.“ Versicherte Noel dem Jüngeren zuversichtlich. Wenn er und vor allem seine ältere Schwester - welche in dem Alter als sie in dem Restaurant gearbeitet hatte, nur Chaos im Kopf hatte - das geschafft hatten, würde Jayden die Arbeit definitiv ohne weiteren meistern können, da war sich Noel sicher…nur schien Jayden noch nicht so ganz davon überzeugt zu sein.

      „Und wenn du dir nach dem Probearbeiten immer noch unsicher bist, können wir uns gemeinsam ein wenig umschauen, wenn du das möchtest.“ bot er dem Jüngeren an, um nochmal ein klein wenig Druck rauszunehmen…jedenfalls war das Noels Intention.

      Bei Jaydens nächsten Worten musste Noel jedoch leise auflachen. „Ich erinnere mich tatsächlich sehr gut daran wer du bist.“ grinste Noel. „Du wirst das schon hinbekommen.“ Garantierte Noel ihm ein weiteres mal ehe er Jay einen Kuss auf die Wange gab und dann auch - endlich mal - aus dem Bett aufstand. Im Gegensatz zu Jayden, hatte Noel immer noch genau so viel an, wie als sie das zweite Mal wiedereingeschlafen waren…was nicht sonderlich viel war.

      „Mach dir nicht so viele Gedanken.“ mit einer sanften Handbewegung strich Noel Jayden einige Strähnen aus der Stirn, hauchte ihm dann einen sanften Kuss auf die Stirn und lächelte ihm mit diesem einem ganz bestimmten Lächeln an, welches er sich, wie es schien, nur für Jayden aufhob. „Ich geh schnell duschen, magst du schon mal Kaffee kochen?“
      Noel sah immer noch ein wenig verschlafen aus, die Haare ganz weit weg von ansatzweise auch nur gestylt, aber das würde er in den nächsten Minuten ändern. Ehe der Franzose dann aber das Zimmer schlussendlich verließ, konnte er es sich nicht nehmen lassen Jayden ein weiteres Mal zu küssen.

      Eine schnelle Dusche später und mit immer noch feuchten Haaren trat Noel in die offenen Küche.
    • "Ah…", machte Jay und versuchte nicht allzu sehr durchklingen zu lassen, wie leer sein Gehirn gerade war. Ratatouille kannte er, also, den Film. Sadie war ein Fan davon. Und das andere… Naja. Okay. Vielleicht musste Jay den Namen des Restaurants mal googeln. Und ein paar andere Dinge. Jedenfalls wollte er Noel nicht unbedingt auf die Nase binden, wie sehr Jay eigentlich unter seinem Level war. Für Noel schien es ganz normal zu sein, zu wissen, wozu man roten und weißen Wein trank, und Jay wollte es zwar nicht zugeben, aber er hatte das Verlangen, so auszusehen, als wüsste er es auch. Egal wie unwahrscheinlich es war. Er wollte Noel nicht immer und immer wieder wissen lassen, wie unterschiedlich ihre Welten eigentlich waren. Also hielt er lieber mal kurz den Mund.

      "Schon gut, ich hab nur gefragt, weil du eine Stelle erwähnt hast, aber… du musst nicht zu meinem Job-Hunter werden", meinte Jay und versteckte mit einem Lächeln ein bisschen, wie peinlich ihm das wäre. Er mochte es zwar, viel mehr als überhaupt zugeben wollte, wenn Noel sich um ihn kümmerte, aber er wollte auch nicht, dass der Ältere dachte, er würde selbst nichts auf die Reihe kriegen. Noel konnte… ihre Date-Treffpunkte aussuchen, weil er schönere Orte kannte als Jay, und er konnte Croissants backen und seine Wohnung zu Verfügung stellen und Jay Rücken kraulen und damit war er vollkommen zufrieden. Eigentlich nahm Jay ohnehin schon zu viel von dem Franzosen an. Er musste sich dringend mal eine Taktik überlegen, um dieses Gefälle wieder in ein Gleichgewicht zu bringen. Es konnte doch nicht sein… dass er außer Sex nichts zu bieten hatte. Wie armselig wäre das denn?! Er hatte nicht vor, am Start seines Lebens direkt seine Ambitionen zu verlieren und zu jemandes jüngerem Boytoy zu werden. Noels Ablehnung des Beziehungs-Labels machte die Sache wirklich nicht besser.

      Jay tat, weil ihm das entsprechend seines Gedankenkarussels sowieso gerade sehr gelegen kam, wie ihm befohlen und stand auf um in die Küche zu gehen. Er würde Kaffee kochen. Super Kaffee. Und nebenbei würde er…
      Jay öffnete den Kühlschrank und warf einen ernsten Blick hinein, scannte jedes Regal und musste feststellen, dass er garnichts 'tun' konnte, weil er nicht wusste, was er aus dem Kühlschrank nehmen durfte. Verdammt. Das war's mit dem Frühstück. Wenigstens wusste er mittlerweile auswendig, wie Noel seinen Kaffee trank, also konnte er ihm zumindest die Tasse schön präsentieren.

      Als Noel zurückkam, saß Jay bereits wartend am kleinen Tisch und schlürfte seinen eigenen Kaffee. Außerdem hielt er eine Banane in der Hand. Bei der war er noch recht zuversichtlich gewesen, dass Noel sie nicht vermissen würde.
      "Ich dachte, ich mache Frühstück, aber ich wusste nicht, was", sagte er entschuldigend nachdem er den letzten Bissen seiner Banane geschluckt hatte.
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    • Noel brauchte nicht lange bis er frisch geduscht und mehr oder weniger alltagstauglich angezogen, in die Küche kam. Seine Haare waren noch leicht feucht, mehr schlecht als recht nach hinten gestrichen. Die Stoffhose sah tief auf seiner Hüfte und der Wollpullover saß viel zu gut, dafür das er sich nur „schnell“ was übergezogen hatte und dahinter keiner lei Überlegung steckte, was aber wohl bei seinem Kleiderschrank kein Wunder war. Irgendwie hatte Noel ein Talent dafür, Kleidungsstücke zu besitzt die sich wunderbar miteinander kombinieren ließen, so das er, wenn er es nicht wollte, nicht viel Zeit in seinem Schlafzimmer verbringen musste um zu überlegen was er heute anzog.

      Mit einem dankenden Lächeln nahm der Franzose einen Schluck aus seiner Kaffee Tasse, ehe er diese wieder auf die Küchenzeile abstellte und zum Kühlschrank ging. „Alles gut.“ Versicherte er Jayden. „Hast du Lust auf Pancakes?“ Eigentlich wartete Noel gar keine Antwort ab, ehe er auch schon die Zutaten für das vorgeschlagene Frühstück aus dem Kühlschrank nahm.



      Einige Tage später hatte Noel mit Adrien, dem Besitzer des französischen Restaurants, einen Termin für Jaydens Probearbeiten ausgemacht. Es war ein ruhiger Donnerstag Nachmittag. Der Himmel war, wie in den letzten Tagen üblich, eher gräulich und ließ kaum Sonne durch, aber immerhin gab es heute keine Minusgrade. Noel hatte Jayden nach der Uni abgeholt, nicht weil er dem Jüngeren nicht auch selbst zutraute das Restaurant anhand der Adresse zu finden, sondern einfach weil Noel eben Noel war und Jayden viel zu oft anbot ihn zu fahren.

      Das Restaurant wirkte trotz der Deckenornamente modern. Nicht überfüllt und durch die farbigen Wände nicht so steril wie man sich ein klassisch-französisches Restaurant vielleicht vorgestellt hätte. Der Laden hatte weniger was von einem großen Restaurant und eher was von einem kleineren Familienbetriebenen Laden, in welchem das Personal ihre Stammgäste mit Namen ansprachen und wo jeder jeden irgendwie kannte. Vielleicht war das auch der Grund warum es keinen überraschte als der Besitzer nach vorne in den Eingangsbereich kam und Noel fast schon überschwänglich begrüßte. Adrien Michel war ein etwas kleinerer Mann in seinen Fünfzigern dem man definitiv ansah, dass er eine große Liebe für Wein und Käse pflegte.
      Noel versuchte sich drei mal höflich aus der, doch sehr fesselnden, Umarmung zu lösen, bis Adrien ihn endlich losließ und sich an Jayden wandte. Als ob sie sich schon ewig kennen würden, umarmte der Restaurantbesitzer Jay ebenfalls. „Du musst Jayden sein.“ das war keine Frage, Adrien wusste genau wer der junge Mann vor ihm war.
      Adrien redete schnell, mit einem hörbaren französischen Akzent der zwar melodisch, schon fast charmant klang aber eben so nasal und deutlich verwaschener als es bei Noel der Fall war. Wenn man nicht wüsste, dass Noel die gleichen Wurzeln hatte, wie der ältere Mann vor ihnen, würde man das wohl kaum glauben. Noels Akzent klang deutlich kalkulierter, weicher, war deutlich besser zu verstehen und klang definitiv nicht so als ob er die Hälfte der Vokale verschluckte und das „R“ tief aus seinem Rachen hervor kam.

      Nachdem Adrien, Jayden einige Dinge erklärt hatte, winkte er eine junge Frau in weißem Hemd und schwarzer Taillenschürze zu sich. „Maja, würdest du Jayden zeigen wo er sich umziehen kann.“ Sie nickte lächelnd und nach den Studenten daraufhin mit in den Personalbereich des Restaurants.
    • Ihr Date verlief genau so, wie Jay es sich erhofft hatte. Er liebte es, Noel bei alltäglichen Dingen zuzusehen, wie, als sie an der Bar Cola tranken, und dann nebeneinander auf den Motorrädern saßen. Dinge, die Jay sonst mit seinen Freunden machte, eben. Nur, dass er vollkommen vernarrt in jede von Noels Bewegungen und Worten war und bei zu vielen der Spiele verlierte, egal wie gut er darin war, einfach, weil er mehr Spaß daran hatte, Noel zuzusehen. Er wusste nicht, ob er jemals den ganzen Tag so sehr gegrinst hatte, aber er bekam beinahe einen Krampf im Gesicht. Wenn sie so gemeinsam Zeit verbrachten, hatte Jay das Gefühl, als wären sie ein völlig normales Pärchen. Als hätte er irgendeine Mitstudentin gefunden, oder so. Es machte ihn glücklich, wenn sie Dinge machten, die Noel alltäglich fand, aber es war unbeschreiblich, wenn Noel in Jays Alltag eintauchte. Wie zuletzt als sie in seinem Wohnheim gewesen waren. Es war einfach… schön, Noel in sein Leben einzubinden, und ein Tag wie dieser erinnerte ihn daran, dass alles so viel einfacher sein könnte. Aber… das war okay, es würde zwar Überwindung kosten, aber er würde alles daran setzen, dass sie weiterhin solche Tage haben konnten, ohne, dass er nervös wurde. Sich sicher genug zu fühlen, Noel einfach neben den Greifarm-Automaten zu küssen, nachdem Jay dreißig Pfund ausgegeben hatte, ohne etwas für ihn zu gewinnen (schließlich musste es realitätsnah bleiben).

      Die nächsten Tage kamen Jay anstrengender vor, als sonst. Vielleicht war es die Aussicht auf einen neuen Job, die seinen jetzigen beinahe unerträglich machte. Seit seiner Schicht, die ihn jedes Fünkchen Lebensenergie gekostet hatte, bekam er ein unangenehmes Gefühl, wenn er die Karaokebar betrat. Er fühlte sich nicht mehr wohl und sah er keinen Grund darin, es länger auszuhalten, wie es bisher der Fall gewesen war. Er wollte etwas in seinem Leben ändern und das war ein guter Anfang, nicht?

      Jay hatte eigentlich ablehnen wollen, als Noel ihm am darauffolgenden Donnerstag anbot, ihn zu seinem Probearbeitstag zu fahren, aber er hatte darauf bestanden, und Jay war zu schwach, um Noel etwas auszuschlagen. Hätte er ein Auto, würde er für Noel wahrscheinlich dasselbe tun, und er würde genauso darauf bestehen, also…
      Jay war sich relativ sicher, dass er eine Arbeitsuniform bekommen wurde, trug aber dennoch seinen schickeren, dunkelgrauen gestrickten Pullover und ein paar blaue Jeans, die ihm tatsächlich passten. Er wollte einen guten Eindruck machen, besonders wenn Noel anscheinend mit reinkommen würde. Was… Jay definitiv nicht todesnervös machte, nope.
      Er schluckte, bevor er sich vorstellte, verschluckte sich fast. Noel hätte wirklich sofort nachhause fahren sollen. Das war grausam, auch wenn er Jay bloß unterstützen wollte.
      „J-ja, hallo. Freut mich sehr und danke nochmal, für die Chance…“, begrüßte Jay den Restaurantbesitzer, nachdem er ihn endlich losgelassen hatte. Er ließ sich die kleine erste Einführung geben, nickte aufmerksam, stellte einfache Rückfragen wie er es gelernt hatte und folgte schließlich lächelnd seiner (hoffentlich) neuen Arbeitskollegin, Maja.
      „Hi, ich bin Jay“, begrüßte er sie am Weg, weil er die Hoffnung hatte, dass er sich mit ihr genauso gut verstehen würde, wie mit seinen Kollegen in der Bar. Er machte sich normalerweise schnell beliebt, also machte er sich keine Sorgen. Was ihm eher Sorgen machte, war die Frage, wie lange Noel bleiben würde.
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    • Noel schaute dem Jüngeren kurz nach, ehe er Adrien in sein Büro folgte, in welchem bereits zwei Gläser standen.

      Maja

      „Hey, Jay. Maja.“ Stellte sich Maja selbst nochmal lächelnd vor und hielt ihm die Personaltür auf. „Zu besonderen Anlässen möchte Adrien das wir Krawatten und Westen tragen, das kommt aber nicht häufig vor.“ fing die junge Frau direkt an, während sie Jaydens neue Arbeitskleidung zusammen sammelte und ihm dann überreichte. „Das müsste dir eigentlich passen.“
      Obwohl Jayden ihr seine Größe nicht genannt hatte, hatte sie wie ins Schwarze getroffen, was möglicherweise daran lag, dass sie Modedesign studierte und Größenanpassen einer ihrer Spezialitäten war. „Wenn du hier anfangen solltest, würdest du von allem mehr Sätze bekommen…die Wäsche kannst du hier waschen lassen…nur Schuhe müsstest du dir selbst kaufen, da gibt Adrien aber was dazu.“ sie stoppte kurz ehe sie sich leicht verschwörerisch ein wenig näher zu ihm beugte. „Er ist sehr großzügig was das angeht…hinter dem Vorhang kannst du dich umziehen und deine Sachen kannst du in einen der leeren Spinde ablegen.“ Maja zeigte auf Spinde die wohl eher in einer alten Schulturnhalle oder einem Freibad platz gefunden hätten. Der weiße Lack war an einigen stellen leicht abgeblättert, vor allem dort, wo es den Eindruckt machte, das dort mal Namensschilder geklebt hatten.
      Drei der Spinde waren leer, unteranderem direkt der neben Majas.
      Allgemein sah der Personalraum jedoch eher so aus, als wäre er mehr oder weniger improvisiert gewesen. Die „Umkleide“ war durch einen schweren Vorhang von dem Rest getrennt und ließ gerade so wie Privatsphäre zu, dass es nicht seltsam wurde. Angrenzend lag, neben der Tür durch welche Jayden und Maja gekommen waren, zwei weitere Türen.

      „Links kommst du in die Küche.“ erklärte Maja als Jay umgezogen wieder hervor kam. „Und rechts sind die Personaltoiletten…du kannst hier auch duschen, aber das machen wir meistens nicht.“ Mit „wir“ meinte sie, sich selbst und den Rest des Personals, welches sie Jayden jedoch noch nicht vorstellte. „Ich stelle dich später vor, wenn dir das recht ist.“ meinte sie lächelnd bevor sie Jayden wieder in den Hauptraum führte.

      „Wir arbeiten hier mittlerweile rein digital…was deutlich entspannter ist, wenn du mich fragst.“ Sie holte ein Handy aus ihrer Schürzentasche und hielt es ihm hin. „Zu Beginn jeder Schicht wirst du für bestimmte Tische eingeteilt. Diese Tische sind dann bei dir freigeschaltet, wenn du Tische von anderen übernimmst, musst du erst warten bis die dafür zuständige Person die Tische im System abgibt damit du sie bei dir freischalten kannst…so kann Adrien zum Beispiel nachvollziehen die das Trinkgeld vergeben wurde.“ Erklärte Maja. „Wenn du den passenden Tisch ausgewählt hast, wird dir die gesamte Karte angezeigt und du kannst die Getränke und die Speisen auswählen. Ich sortiere mir alles meistens Alphabetisch, aber du kannst dir die Gerichte auch nach den Nummern sortieren…oder du wechselst das, je nach dem wie die Gäste bestellen, schau am besten, was für dich einfacher ist.“ Sie zeigte Jayden parallel auf dem Display was sie meinte mit „sortieren“. Das System, mit welchem das Restaurant arbeitet war recht simpel aufgebaut. Mit einfachen Klicks konnte man sich die gesamte digitale Speisekarte nach bestimmten Kategorien sortieren, was das Leben vor allem für die erleichterte, welche die französischen Namen der Gerichte nicht kannten oder die - meistens recht schlechte - Aussprache der Gäste nicht ganz verstanden.

      „Jetzt kommt meinte Lieblingsfunktion.“ meinte sie grinsend. „Uns wird unteranderem angezeigt, welche Weine am besten zu den Gerichten passt…nicht das jeder Gast Wein zu Essen trinken möchte, aber wenn ist das echt Mega hilfreich. Vor allem, wenn dann irgendwelche Spezialisten kommen und einen Fragen „Welchen Wein können Sie denn empfehlen, junge Dame?“.“ Maja hatte sich wieder ein wenig zu Jayden gebeugt und verstellte ihre Stimme gespielt vornehmen. „So wirkst du, als ob du tatsächlich Ahnung hättest was du hier tust…jedenfalls hab ich die Hälfte der Zeit keine Ahnung was ich hier tue und mir hilft das echt.“ grinste sie schon fast ein wenig spitzbübisch.

      Obwohl Maja schon seit einiger Zeit bei Adrien im Restaurant arbeitete, hatte sie sich nie sonderlich viel mit den Kombinationsmöglichkeiten der Gerichte und Getränke beschäftigt. Klar hatte sie irgendwann gelernt, zu welchen Gerichten roter und weißer Wein besser passte, aber sie selbst trank kein Wein und würde wohl auch kaum einen Unterschied merken, wenn sie zu dem falschen Gericht den falschen Wein trank.
    • Jay nahm die schwarze Hose und das weiße Hemd entgegen, bevor er hinter den Vorhang trat und sich dort schnell umzog. Es gab einen kleinen Spiegel, in dem er nicht seinen ganzen Körper sehen, aber zumindest nochmal schnell seine vom Wind verwehten Haare richten konnte. Die Uniform kam der aus der Bar sehr nahe, bloß, dass Jay Hemd & Hose selbst hatte besorgen müssen und somit auch nicht jeder exakt dasselbe getragen hatte. Trotzdem passte ihm das, was Maja ihm spontan gereicht hatte, seltsamerweise wie angegossen.

      Er kam zurück und folgte der Kellnerin in jede Ecke des Restaurants, die sie ihm zeigen wollte. Sie wirkte nett. Nicht so steif oder humorlos wie Jay es beinahe erwartet hatte. Sie war etwa in seinem Alter, oder? Und es war beruhigend zu hören, dass sie wohl auch ungefähr gleich viel Ahnung von dem ganzen Kram hatte. Jay versuchte, sich alles zu merken, aber er würde wahrscheinlich noch eine Weile brauchen, bis er das System ganz verstanden hatte. Irgendwie ziemlich hightech hier. Aber das war wohl angenehmer, als sich tausende Dinge merken zu müssen.

      „Das klingt gut. Ich hab keine Ahnung von Wein, also…“, stimmte er zu. Gott sei Dank gab es diese Funktion. Dann hatte Jay vielleicht doch bessere Chancen hier als gedacht. „Ich mixe momentan Cocktails in einer Bar, aber das bringt mir hier wahrscheinlich wenig“, schmunzelte er.
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    • Maja

      Maja lachte leise…oder eher sie versuchte es. Wenn man eins merkte, wenn man sich länger mit ihr unterhielt war, dass sie definitiv nicht ganz so „vornehmen“ war, wie man es von einer Kellnerin in diesem Etablissement erwarten würde, aber sie gab sich höchste Mühe wenigstens vor den - im Moment noch recht wenigen - Gästen professionell zu wirken. „Ich hab ganz lange Nachhilfe gegeben, aber nachdem mich der dritte Vater von einem der Kinder gefragt hatte, ob ich ihm denn auch was beibringen könnte, hab ich mir was anderes gesucht.“ meinte sie, als würde sie Jayden gerade das Wetter draußen erläutern.

      „Ich würde vorschlagen, du läufst erstmal mit, ich zeig dir das System eins,zwei mal und dann schau ich dir über die Schulter.“ schlug sie vor. Maja war generell eher eine Verfechterin von „learning-by-doing“ und genau so würde sie Jayden auch einarbeiten…oder ihm fürs erste zeigen wie die Arbeit in dem Restaurant funktionierte.

      Als ob es wie gerufen kam, winkte eine ältere Dame Maja zu sich. „Miss Jonsson, schön das Sie wieder hier sind.“ Begrüßte Maja die Dame höflich. Die Frau saß alleine an einem kleinen Tisch. „Hallo Maja, Liebes. Ich würde die Trüffelpasta nehmen und dazu den roten Hauswein.“ Miss Jonsson hatte die Karte nicht Mals angerührt, aber alleine schon an Majas Worten ließ sich ableiten, dass die Frau wohl nicht das erste mal in dem Restaurant zu Gast war. Dann fiel ihr Blick auf Jayden. „Neues Personal?“ fragte sie interessiert worauf hin Maja nickte. „Ich zeige ihm gerade alles.“ erklärte sie lächelnd und drehte den Bildschirm so zu Jayden, dass er sehen konnte was sie tippte.

      „…Tisch vierundzwanzig … dann gehst du auf die Speisen…dann auf die Weine…buchst alles ein und schickst das nur noch ab…“ erklärte sie etwas leiser an Jayden gewandt. „Ist Camille heute in der Küche?“ - „Sie hat die Kinder heute…aber nächste Woche müsste sie wieder da sein.“ Miss Jonsson nickte verstehend. „Eine Tragödie was ihr Mann da gemacht hat…“ seufzte die ältere Dame schon fast ein wenig verächtlich. Maja nickte und versuchte ihren Gesichtsausdruck an Miss Jonssons Verächtlichkeit anzupassen, was ihr jedoch nicht ganz so gut gelang wie sie gerne gehabt hätte, für die ältere Dame schien das jedoch zu reichen.

      Mit einer vagen Entschuldigung, dass sie nun zu einem anderen Gast müssten zog Maja, Jay sanft von Miss Jonsson weg. „Camille arbeitet in der Küche…sie ist lesbisch und seit ein einhalb Jahren von ihrer Ex-Frau getrennt, aber das weiß Miss Jonsson nicht…am besten du ignorierst einfach was sie sagt, sie lebt im Grunde für Gossip…und erzähle ihr niemals zu viel aus deinem Privatleben, ich bin mir zu hundert Prozent sicher, dass sie über uns alle Buch führt.“ Maja hatte den Studenten ein klein wenig zu sich runter gezogen und flüsterte ihm die Woche so leise ins Ohr, dass Jay zwar alles verstehen konnte, alle anderen jedoch nicht und dass sie dabei aussahen als würden sie gerade einen Komplott planen ignorierte sie gekonnt.
    • Jay verzog irritiert und leicht angeekelt das Gesicht, irritiert vor allem darüber, dass Maja über das Thema so drüberschweifte ohne im geringsten die Miene zu verziehen. Er sagte garnichts weiter dazu, immerhin kannte er die Frau seit fünf Minuten. Er stimmte stattdessen ganz einfach dem Vorschlag zu, schnell ins Tun zu kommen, statt lange zuzusehen. Jays Aufmerksamkeitsspanne war sowieso bald ausgelastet. Neue Dinge zu lernen machte ihn schneller müde als es sollte. Er akzeptierte sein Schicksal, der Kellnerin wie ein Kleinkind am Rockzipfel hinterher zu laufen, ohne ihr auch nur ansatzweise behilflich zu sein, und redete sich ein, dass er sich bald nützlich fühlen würde und der erste Tag immer scheiße war. Auch, wenn Maja ihm alles deutlich einfacher machte, indem sie ihn sofort in die Insider einweihte. Die alte Frau eben war also Stammkundin. Urgh, ein wenig überfordernd war der Gedanke ja schon, dass immer dieselben Leute hierher kamen. Obwohl Jay in der Karaokebar das ein oder andere Gesicht auch schon kannte, aber da war alles mal grundsätzlich viel lockerer.

      Maja zog Jay so freundschaftlich an sie heran und erzählte ihr plötzlich von dem hauseigenen Drama, als würde sie ihm schon voll und ganz vertrauen. Er blinzelte überrascht, verstand aber sofort, und würde das alles für sich behalten. Und vor allem würde er sich für diese Frau am besten eine Fake Identität ausdenken, damit sein Privatleben nicht genau so wie Camille‘s bei den Gästen landete. Er war bisher vielleicht ein wenig Smalltalk gewohnt, oder musste Handynummern ablehnen, aber das ging in eine völlig andere Richtung. Alte Leute halt.

      „Klar…“, murmelte er also und schielte ein wenig zur Seite, um zu sehen, ob jemand sie beim Flüstern beobachtete, weil Maja sich nicht wirklich um Unaufälligkeit bemühte. Jay räusperte sich leicht.
      „Sag mal… redest du mit allen Gästen über solche Sachen? Wer was in welcher Beziehung durchgemacht hat?“, fragte er vorsichtshalber. „Weiß bei euch einfach jeder alles über den anderen?“ Er schmunzelte leicht aber er konnte nicht ganz verstecken, dass ihn das enorm an die Stimmung an seiner Uni — besonderes im Wohnheim — erinnerte, und er sich fast davor ekelte, in noch so eine Umgebung hineinzugeraten, wo alle furchtbar neugierig waren. Jay lebte sowieso schon aus einem Berg aus Lügen. Er konnte darauf verzichten, persönliche Fragen gestellt zu bekommen.
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    • „Oh Gott nein.“ meinte Maja direkt. „Unser Privatleben versuchen wir vorzugsweise privat zu halten. Also klar, wir als Personal wissen schon recht viel übereinander, wir machen gelegentlich aber auch was…was nicht heißen soll, dass du dich gezwungen fühlen musst das auch zu tun. Wir sind hier wie eine kleine Familie…“ Maja dachte kurz über ihre Worte nach und verzog dann schon fast ein wenig angewidert das Gesicht. „…vergiss was ich gesagt habe. Das klingt wie in diesen ganzen Stellenanzeigen für Firmen die sagen, sie hätten eine „familiäre Firmenpolitik“ was im Grunde nur heißt, dass man dauernd unbezahlte Überstunden machen muss und Arbeit macht die man garnicht machen müsste… Adrien achtet schon sehr darauf, dass alles vernünftig bezahlt wird und keiner Schichten übernehmen muss, die nicht sein müssen.“ erklärte Maja lächelnd.
      Maja war mit drei - vor ein paar Wochen waren die noch zu viert - anderen Kellnern, zwei Köchen und eine Person für die Bar, das einzige Personal. Das Restaurant war zwar nicht gerade super klein, aber groß war der Laden auch nicht, so dass, die Anzahl der Mitarbeiter - meistens - ausreichte ohne dass es super stressig wurde.

      „Miss Jonsson ist einfach nur verflucht neugierig…Ich glaube die Tochter von einer Freundin von ihr arbeitet irgendwo beim Gericht und hat das mitbekommen…mich würde es aber auch nicht wundern wenn sie einfach überall in der Stadt Kameras hat und uns alle wie so eine Psycho beobachtet.“ meinte die junge Kellnerin leise lachend zu Jayden ehe sie ihn zu dem nächsten Tisch führte und ihm dann einfach wie selbstverständlich ihr Handy in die Hand drückte.
    • Jay lachte, weil das Gerede von Familien am Arbeitsort ja wohl jeder kannte, und er war froh, dass Maja sich korrigierte. „Ha, ich halte besser mal Ausschau nach Kameras, wenn du das sagst“, erwiderte er und warf einen kurzen Blick über die Schulter zu Miss Jonsson. Manche Menschen waren schon echt gruselig. Und diese Obsession mit Gerüchten verstand Jay am allerwenigsten.
      Er ließ sich von Maja weiterziehen, probierte das erste, zweite, dritte Mal selbst das Bestellprogramm aus und merkte doch recht schnell, dass das garnicht so kompliziert war, wenn man sich merkte, wo man draufdrücken musste. Er bemühte sich, Majas locker freundliches Auftreten zu kopieren und hatte im Laufe des Vormittags das Gefühl, sich vorstellen zu können, längerfristig hier zu arbeiten. So spießig war die Atmosphäre hier garnicht, die Kellnerinnen waren nett und Jay verstand, wieso Majas erster Instinkt gewesen war, es familiär zu nennen.

      Jay sah sich ab und zu noch um, ob er Noel irgendwo sehen konnte, war sich nach zwei, drei Stunden aber dann doch recht sicher, dass er nachhause gefahren sein musste. Und dann wurde er lockerer. Wenn Noel um ihn herum war, war Jay automatisch immer etwas sozial inkompetent. Er dachte mehr darüber nach, was er sagte und wie, und welchen Eindruck er dabei machte, weil er nicht wollte, dass Noel plötzlich merkte, wie unterschiedlich sie waren. Obwohl ihm das ziemlich sicher sehr bewusst war… Jay konnte sich dennoch nicht helfen. Glücklicherweise hatte er das Problem nur, wenn andere Menschen um sie herum waren. Jay hatte das Gefühl, dass er in den Momenten einfach besonders verwirrt war, wie er sich verhalten sollte.

      „Wann machst du Pause? Kann ich gleichzeitig mit dir Pause machen oder müsst ihr euch da richtig abwechseln, weil ihr so wenige seid?“, fragte Jay irgendwann gegen Mittag. Er war Maja die ganze Zeit hinterher gelaufen und hatte ihr geholfen, ihre eigenen Tische zu bedienen. Er kannte es von der Bar, dass sie sich mit den Pausen immer abwechseln mussten, da sie meistens nur zu zweit oder zu dritt waren. Das resultierte daher meistens in einer traurigen Raucherpause vor oder hinter der Bar auf der Straße, und gegessen Jay bei seinen Abendschichten sowieso nie mehr als ein paar geklaute Bretzeln oder Erdnüsse. Das ganze Setting hier war im also neu und langsam bekam er Hunger.
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    • Noel saß die ganze Zeit bei Adrien im Büro. Er hatte den Wein, welchen der Franzose in bereits zum vierten Mal geboten hatte, wiederholt abgelehnt…nicht weil er keine wollte, sondern einfach weil sich Alkohol um diese Uhrzeit noch nicht schickte und weil Noel im generellen sehr penibel darauf achtete keine Tropfen Alkohol zu trinken wenn er noch fahren musste, selbst wenn die Fahrt nur wenige Minuten lag war.

      Die Gespräche zwischen ihm und Adrien waren entspannt. Nicht mehr als lockerer Small-Talk. Adrians letzter Urlaub in Frankreich, Noel’s kommender. Das triste Wetter in England, die aktuelle Weltpolitik…

      Maja

      „Solang ich dich einarbeite, können wir zusammen Mittag machen. Danach überschlagen wir uns immer mit den Kollegen so das es mindestens eine, besser zwei Kellner gibt die hier die Stellung halten. Nia müsste gleich hier sein, dann können wir in die Pause gehen.“ schlug Maja lächelnd vor. Das kleine Team war grundsätzlich recht entspannt was das anging. Vieles wird in der Regel unter einander direkt geklärt und Streitpunkte gab es eigentlich kam.

      Wie gerufen trat eine junge Frau - einige Jahre älter als Maja und Jay - durch die Tür und winkte Maja lächelnd zu. „Hey Em! Ich geh mich umziehen, dann kannst du Pause machen.“ kündigte Nia sind schon fast so an, als ob sie bereits gerochen hätte, dass die beiden Studenten auf sie warten würden. An dem Nachmittag waren sie nur zu zweit - beziehungsweise mit Jayden zu dritt, was jedoch bei dem Ansturm den sie gerade hatten - der faktisch kaum vorhanden war - kein Problem war.

      Nia brauchte nur wenige Minuten bis sie umgezogen wieder kam. Ihr Blick fiel recht schnell auf Jayden, welchen sie zwar schon gesehen hatte, als sie in den Laden getreten war, aber nicht als neuen Mitarbeiten identifiziert hatte. „Hey, ich bin Nia.“ stellte sie sich direkt mit einem sympathischen Lächeln vor. „Jayden - Nia, Nia - Jayden…so jetzt gehen wir Mittag machen, ich hab Kohldampf!“ grinste Maja nachdem sie die beiden schnell - mehr schlecht als recht - vorgestellt hatte woraufhin Nia anfing zu lachen und den Kopf schüttelte. „Immer das selbst bei dir.“ grinste sie und entließ Maja und Jayden dann in die wohlverdiente Mittagspause.

      Maja zog Jay direkt Richtung Küche. „Hey Liam. Ich hab kein Essen dabei, gibt es etwas, was wir dir klauen können?“ Wenn man Maja etwas besser kannte, kristallisierte sich recht schnell raus, dass sie teilweise ein wenig frech war. Nicht unhöflich-frech, einfach nur ein klein wenig frech und ungehobelt aber trotz dessen sympathisch. Als ob sie stets das sagen würde, was ihr in den Kopf kam ohne sich Gedanken zu machen, was andere von ihr dachten.