Das Biest in dir... [Shio & Nimue]

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    • Ian

      Es war wunderschön fast wie in einem Traum. Nur wir beide zusammen und nichts und niemand der uns diesen Augenblick kaputt machen konnte. Ich konnte meine Augen nicht von ihr nehmen. Wie sie sich an mich kuschelte, bedeutete mir so viel. "Du hast Recht, aber wir können gerne zusammen spielen." Der Gedanke daran ließ mich lächeln. Ich war gespannt wie wir uns beim Spielen ergänzen.
      Doch jetzt wollte ich sie noch solange festhalten wie ich nur konnte.
      Aber anscheinend hatte jemand etwas dagegen. Ich horchte genau wie Ann auf und blickte in Richtung Flur. Dann sah ich diese kleinen schwarzen Knopfaugen und dieses witzige Geräusch was das kleine Wiesel von sich gab. Ich seufzte auf und war dann überrascht wie flink das kleine Wesen auf das Sofa sprang. Ich beobachte es, wie es sich aufplusterte und es klang so als würde es sich aufregen. Ich musste kichern, doch als es an der Decke zog wusste ich das es ihm ernst war. "Besser ist es, nicht das dein Wiesel noch auf andere dumme Gedanken kommt." Ich lächelte ihr aufmunternd zu, auch wenn ich es schade fand das unsere Zeit schon vorbei war. Ich genoss jede Minute mit ihr. Als sie sich von mir löste blieb ein wenig von ihrer Wärme noch auf mir. Ich richtete mich auf dem Sofa auf und begleitete sie zur Tür. "Wenn du dir sicher bist, dann gerne. Ich warte dann an der Brücke auf dich und glaub ja nicht das dein Wiesel mir die Show stehlen kann." Meine Mundwinkel zuckten. Ich sah zu wie sie in ihre Schuhe und Jacke schlüpfte und ihre Tasche nahm, wo das kleine Wiesel wieder hineingesprungen ist. Mein Blick war sanft auf sie gerichtet. Ich fühlte so viel Liebe für dieses Mädchen, das ich sie gerne hier behalten würde. Leider ging es nicht und ich wollte nicht das sie wieder wegen mir Ärger bekommt und die Strafe wohl im schlimmsten Fall noch härter ausfiel als die letzte.
      Meine Hand griff nach ihrer und ich zog sie nah an mich ran. Meine Augen suchte ihre. "Danke für diesen tollen Abend." Ich beugte mich zu ihr runter und küsste ihre Lippen. "Ich bringe dich noch nach Hause", murmelte ich gegen ihre Lippen.
      Ich löste mich von ihr, ging zurück ins Wohnzimmer um die Kerzen auszupusten und zog mir Schuhe und eine Jacke drüber. Ich griff nach dem Schlüssel und öffnete Ann die Tür. Ich trat nach draußen in die kühle Nachtluft und wartete einen kurzen Moment, bis sie neben mir stand. Die Stille draußen fühlte sich ganz anders an als die Wärme im Wohnzimmer. Ich schloss die Tür hinter uns ab und steckte den Schlüssel ein, während mein Blick sofort wieder zu ihr wanderte. Ich nahm ihre Hand wieder in meiner. "Bereit?"
      Wir gingen den Weg bis zur Brücke so langsam es eben ging, nur um die Zeit, die wir noch miteinander hatte zu genießen. Doch dann wackelte ihre Tasche wieder. Das Wiesel fand es nicht so toll das wir uns so langsam bewegten. "Da will uns jemand die letzten paar Minuten in Zweisamkeit nicht gönnen." Ich schüttelte lachend den Kopf, während wir den Weg weiter liefen und uns der Brücke näherten.
      Wenige Minuten später standen wir dort und ich zog Ann in eine Umarmung. "Da wären wir also. Zeit sich für heute zu verabschieden."
      Wir lösten uns, aber hielten uns noch fest. Meine Lippen berührten ihre und ich ließ den Kuss so lange es ging, geschehen.
      Das Band zwischen uns war stärker geworden, das spürte ich. Atemlos lösten wir uns voneinander. Ich steckte meine Hände in meine Jacke und sah Ann noch einmal an. "Wir sehen uns morgen früh genau hier wieder. Schlaf schön und träum was schönes." Ein letzter Kuss und ich machte mich auf den Weg zurück zu meinem Haus. Der kühle Wind von Forks wirbelte mir durch die Haare. Zu Hause angekommen räumte ich die restlichen Sachen von unserem Abend auf. Sie hat ein Stück von sich hier gelassen und dieses Mal fühlte sich das Haus nicht so einsam an. Mit einem Lächeln im Gesicht machte ich mich bereit fürs Bett. Auf dem Bett liegend nahm ich mein Handy in die Hand und sah unser Bild noch eine ganze Weile an, bis ich eingeschlafen war.


      Am nächsten Morgen wachte ich wie immer früh auf, doch heute war es anders als sonst. Nun beeilte ich mich regelrecht mich fertig zu machen. Meine Sportklamotten waren schnell übergeworfen und ich schlüpfte in meine Laufschuhe. Mit einer Trinkflasche machte ich mich schnell aus dem Haus. Schließlich war ich zum Joggen mit Ann verabredet. Mein Herz schlug bei jedem Schritt schneller und ich wartete auf der Brücke auf sie, genau da wo ich sie gestern Abend verabschiedet hatte. Hoffentlich kommt sie ohne große Probleme aus dem Haus, nicht das ihr Onkel wieder misstrauisch wird. Schließlich war heute Samstag. Ich dehnte mich schon ein wenig vor, als ich auf sie wartete.
    • Annalena

      Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen, während ich meine Jacke überzog und Ink, der immer noch leise vor sich hin meckerte, zurück in seine Tasche bugsierte. "Glaub mir, Ian, gegen dich hat selbst ein Frechdachs- ähm... Frechhermelin keine Chance", entgegnete ich neckisch und warf ihm über die Schulter einen Blick zu, der hoffentlich alles ausdrückte, was ich gerade fühlte.
      Die Kühle im Flur bildete einen krassen Gegensatz zu der wohligen Wärme, die noch immer in meinem Inneren nachhallte. Als wir schließlich an der Tür standen, zögerte ich einen Moment. Es fühlte sich fast falsch an, dieses kleine Stück gemeinsame Welt zu verlassen und zurück in die Realität von Forks zu treten.
      "Danke für alles", flüsterte ich, während ich den Kopf leicht neigte und seine Hand noch einmal fest drückte. "Der Abend war... er war genau das, was ich gebraucht habe."
      Draußen empfing uns die frische, feuchte Nachtluft, die so typisch für diese Gegend war. Wir schlenderten den Weg zur Brücke entlang, so langsam, dass man es kaum Laufen nennen konnte. Ink schien sich in der Tasche mittlerweile beruhigt zu haben, wahrscheinlich war er einfach wieder eingeschlafen, was mir nur recht war.
      Als wir schließlich an der Brücke ankamen, blieb ich stehen und sah zu ihm auf. Das Mondlicht spiegelte sich schwach im Wasser des Flusses unter uns. "Morgen früh also", sagte ich leise und trat noch einmal ganz nah an ihn heran. "Sechs Uhr. Und ich warne dich: Wenn ich beim Joggen über meine eigenen Füße stolpere, ist das allein deine Schuld, weil du mich heute Abend so sehr verwöhnt hast." Ich stellte mich auf die Zehenspitzen und hauchte ihm einen letzten, sanften Kuss auf die Lippen, der nach Schokolade und Abschied schmeckte. "Schlaf gut, Ian. Und träum von etwas Schönem. Vielleicht von uunserem nächsten 6-Sterne-Menü."Mit einem letzten Winken machte ich mich auf den Weg, wobei ich mich erst nach ein paar Metern zwang, nicht mehr zurückzublicken, um nicht sofort wieder umzukehren.

      Die kühle Morgenluft brannte leicht in meinen Lungen, als ich mich im Halbdunkel zur Brücke joggend näherte. Mein Pferdeschwanz wippte im Takt meiner Schritte, und ich war überrascht, wie munter ich mich trotz der frühen Stunde fühlte. Vielleicht lag es an der Vorfreude.
      Als ich die Brücke erreichte und Ian dort stehen sah, wie er sich dehnte, musste ich unwillkürlich strahlen. Er wirkte so fokussiert und gleichzeitig so entspannt.
      "Na, schon fleißig?", rief ich ihm entgegen und verlangsamte mein Tempo, bis ich direkt vor ihm zum Stehen kam. Ich atmete tief die klare Waldluft ein. "Guten Morgen, Champion. Ich hoffe, du hast ein gnädiges Tempo für unseren ersten gemeinsamen Lauf geplant. Ink hat sich übrigens entschieden, lieber weiterzuschlafen, also haben wir den Wald ganz für uns." Ich sah ihn herausfordernd an und tippte ihm spielerisch gegen die Schulter. "Also, wo führt uns dein Revier heute hin?"
    • Ian

      Ich sah auf als ich Schritte hörte, die über die Brücke gingen. Ann sah zuckersüß aus in ihrem Laufoutfit und mit ihrem Pferdeschwanz. "Guten Morgen. Ja ich bin bereit." Als sie erwähnte das das kleine Wiesel nicht mit gekommen ist, lächelte ich sie an. "Dann habe ich ja Glück und meine Fersen bleiben heile." Meine Hände umschlossen ihre und ich zog sie an mich. Ich legte meine Lippen auf ihre und wir verblieben einen Augenblick so. Der kühle Morgenwind wehte uns durch die Haare. Es war schön weil niemand uns stören würde. Wir lösten uns wieder und ich sah sie an. "Wollen wir los legen?"
      Der Weg führte uns von der Brücke in Richtung Wald. Vorbei an den ganzen kleinen Häuschen von Forks. Forks wirkte noch sehr verschlafen, aber das ist am Wochenende meistens so. Wir folgten einer Abzweigung die in den Wald führte.
      Die Luft wurde sofort kühler, feuchter, und der Duft von Moos und nasser Erde legte sich schwer in meine Lungen. Unter unseren Schuhen knackten kleine Äste, während das Licht der aufgehenden Sonne nur in schmalen, goldenen Streifen durch das dichte Blätterdach fiel.
      Ich lief ein paar Schritte voran, warf aber immer wieder einen Blick nach hinten zu Ann. "Alles in Ordnung?"
      Ich war es gewohnt jeden Tag Joggen zu gehen und kannte meine Grenzen. Bei Ann wusste ich nicht wie sportlich und fit sie war. Deshalb ließ ich sie nicht aus den Augen. Hier und da wichen wir ein paar Pfützen oder Matsch aus. Schließlich wollte ich nicht das wir nasse und dreckige Schuhe bekommen. "Komm hier entlang." Ich zeigte mit einen Finger in eine Richtung und wir liefen da hin. Wir kamen auf einer kleinen Lichtung an, wo eine Wiese mit verschiedenen Blumen war. Die Farben wirkten fast unwirklich in dem gedämpften Morgenlicht – kleine violette Blüten, gelbe Tupfer dazwischen und vereinzelte weiße Blumen, die sich im leichten Wind wiegten. Für einen Moment blieb ich stehen und atmete tief durch. Ich drehte mich zu Ann um und sah wie ihre Augen leuchteten. "Nicht schlecht oder?" Wir gingen ein paar Schritte weiter auf die Lichtung hinaus. Das Gras war noch feucht vom Tau und glänzte im Licht. Für einen Moment schien alles vollkommen ruhig und ich liebte es. "Schließ deine Augen und hör genau hin." Es war das Gezwitscher von Vögeln zu hören, ein paar kleinere Tiere raschelten in den Büschen und der Wind ließ die Blätter in den Bäumen tanzen. Ich ging hinter sie und legte meine Arme um sie und zog sie an mich heran. Mit meinen Lippen berührte ich ihr Ohr, ich fuhr dann weiter an ihrem Hals hinunter und hinterließ dort auch einen Kuss. Ich stützte meinen Kopf auf ihrer Schulter ab. "Ich bin froh das ich das hier mit dir erleben darf."
      Die Zeit schien wieder still zu stehen und ich genoss jeden Augenblick, den ich mit ihr erleben durfte.
    • Annalena

      Seit meinen Hausarrest war ich nicht mehr wirklich allein gewesen. Ständig waren Lake, Logan, ein magisches Wiesel oder ein viel zu gehässiges Buch um mich rum. Mein ganzes Leben hatte sich nur noch um mein magisches Erbe oder... um Ian gedreht.
      Vor meiner Strafe war ich jedes Wochenende laufen. Ich hoffte also inständig dass ich durch die Zwangspause nicht aus der Übung war. Ian am frühen Morgen, im dämmernden Schein so lächeln zu sehen war schon mal ein guter Anspron. "Naja-", begann ich lachend. "Es ist mein Wiesel. Und... ich hätte doch natürlich ganz vorbildlich und liebevoll verarztet." Ich hoffte noch immer inständig dass Ink weder Ink noch seine Sachen ernsthaft schadete. Immerhin konnte er seine Sachen nicht einfach wieder heil zaubern oder ersetzen. Ein süßer Kuss war der Startschuss und während wir so den Augenblick genossen merkte ich wie meine Vorfreude immer größer wurde.
      Der Lauf selber war jedoch etwas... naja. Ich hatte mir das gemeinsame Lauftraining einfach anders vorsgtellt, obwohl es nur wegen einer Nitlüge zustande gekommen war. Ich spürte ständig Ians prüfenden Blick und musste unwillkürlich schmunzeln. Er dachte wohl wirklich, er müsste mich wie ein zerbrechliches Glasei behandeln. Dabei war das Laufen vor meinem Hausarrest mein einziger Anker gewesen der Moment in der Woche, in dem ich einfach nur Annalena war, ohne Lake, der mir über die Schulter sah, meiner Grandma mit all ihren Erwartungen oder Logan, der mich mit sarkastischen Sprüchen zur Weißglut trieb. "Alles bestens, Ian!", rief ich ihm zu und fing seinen Blick mit einem herausfordernden Funkeln ein. "Mach dir keine Sorgen um mich. Nur weil ich die letzten zwei Wochen zwischen verstaubten Büchern und einem beleidigten Wiesel eingesperrt war, habe ich das Laufen nicht verlernt." Ich beschleunigte mein Tempo ein wenig, spürte, wie meine Lungen die kühle, waldige Luft gierig aufsaugten. Es war befreiend. Die schwere Energie der letzten Tage, das ständige Gefühl, unter Beobachtung zu stehen hier draußen schien es mit jedem Schritt von mir abzufallen. Unter meinen Laufschuhen federte der weiche Waldboden, und das regelmäßige Knacken der Äste war wie ein vertrauter Rhythmus, der mich zurück in meinen eigenen Körper holte.
      Ich schloss kurz die Augen, während ich direkt hinter ihm lief. Kein Grimoire, das gehässige Kommentare flüsterte, keine Magie, die unkontrolliert aus meinen Fingerspitzen zuckte. Nur die Bewegung, der Wald und der Junge vor mir, dessen breite Schultern mir den Weg wiesen. "Du hältst dich zurück, oder?", neckte ich ihn leise, als ich fast zu ihm aufgeschlossen hatte. Ich spürte, wie das Adrenalin langsam durch meine Adern pumpte und die Müdigkeit vertrieb. Ich setzte zu einem kleinen Zwischensprint an, zog grinsend an ihm vorbei und warf ihm einen frechen Blick über die Schulter zu. "Komm schon, Ian! Wer zuletzt an der großen Farn-Gruppe da vorne ist, muss den nächsten Kaffee spendieren!" Natürlich hatte ich nicht vor den Lauf so schnell zu beenden. Ich reizte die Dinge einfach gern aus wenn ich dadurch mehr Zeit und vor allem Zweisamkeit mit meinen Freund zu bekommen und Ian schien es wohl ähnlich zu gehen. Oder warum hatte er sonst entschieden mich abseits der üblichen Laufwege zu führen doch.... bei diesen Anblick... hielt ich kurz den Atem an. Schlussendlich ließ ich mich bereitwillig in seine Arme ziehen, als wir auf der Lichtung zum Stehen kamen. Die kühle Waldluft brannte noch ein wenig in meinen Lungen, ein belebendes Gefühl, das mich endgültig wach rüttelte. Als er mich von hinten umschlang und seine Lippen erst mein Ohr und dann meinen Hals berührten, entwich mir ein leises, wohliges Seufzen. Ich schloss die Augen, genau wie er es gesagt hatte, und konzentrierte mich nur auf das Hier und Jetzt. "Es ist wunderschön, Ian", flüsterte ich und lehnte meinen Hinterkopf gegen seine Schulter. "Ich fand immer, der Wald in Forks sei nur düster und nass, aber hier oben... mit dir... fühlt es sich an wie ein gut gehütetes Geheimnis." Das Konzert der Natur war berauschend. Das ferne Klopfen eines Spechts, das sanfte Rauschen der Tannenwipfel und das rhythmische Pochen von Ians Herz in meinem Rücken verschmolzen zu einer perfekten Einheit. In diesem Moment fühlte ich mich nicht wie die unbeholfene Hexe, die ständig Angst hatte, etwas in Brand zu stecken. Ich fühlte mich einfach nur lebendig.
      Ich drehte mich in seinem Griff langsam um, sodass ich ihn ansehen konnte. Seine Wangen waren von der kühlen Luft und der Anstrengung leicht gerötet, seine Augen wirkten in diesem gedämpften Licht fast noch intensiver. Ich hob die Hand und strich ihm eine verirrte Haarsträhne aus der Stirn, bevor ich meine Handfläche an seine warme Wange legte. "Ich bin auch froh", erwiderte ich leise und schenkte ihm ein ehrliches Lächeln. "Dass du mich hierher geführt hast. Nicht nur in den Wald, sondern... zu diesem Gefühl."
    • Ian

      Diesen Moment mit ihr zu teilen machte mich sehr glücklich. "Alles nur für dich Ann." Dieses Mädchen bedeutete mir so viel und würde am Liebsten alles mit ihr teilen. Doch das ging nicht.. Die schönsten Sachen darf ich ihr zeigen.. die Schlechten nicht..
      Es zerriss mich weiterhin das ich ihr nichts von meinem Geheimnis erzählen dufte.. Deshalb versuchte ich ihr die schönen Seiten vom Leben zu zeigen und sie positiv zu überraschen, bis es mir nicht mehr möglich war.
      Bis dahin war noch Zeit und solange ich den Dämon im Griff hatte, blieb das auch so.
      Ich zog sie noch enger an mich und wollte sie am Liebsten nicht mehr los lassen. Unsere Lippen berührten sich und wir hielten ihn solange wie wir konnten. Meine Wangen waren gerötet als wir uns lösten und ich lächelte sie verlegen an. "Lass uns weiter gehen." Gerne würde ich noch länger mit ihr hier verweilen, aber ich musste mich auf diesen Spendenlauf und auf das Fußballtunier vorbereiten. Wir gingen zurück auf den befestigten Waldweg und führten unsere Runde weiter fort. Wir lieferten uns immer wieder ein paar Wettrennen aus Spaß und dabei lachten wir viel. Ungefähr eine Stunde später kamen wir wieder an der Brücke an. "Danke hat echt Spaß gemacht. Auch wenn du beim letzten Rennen geschummelt hast." Ich zwinkerte ihr zu und verzog mein Gesicht zu einer Grimasse.
      "Wir sehen uns dann morgen in der Schule wieder. Ich werde nachher mit meiner Mum telefonieren und dann mit den Jungs abhängen." Ich strich ihr mit meiner Hand über die Wange. "Was hast du heute noch vor?"
      Nachdem sie mir ihre Pläne verraten hatte, gaben wir uns noch einen intensiven Abschiedskuss und ich winkte ihr abschließend noch zu.
      Daheim angekommen sprang ich unter die Dusche und machte mir etwas zum Frühstück. Ich räumte noch ein wenig auf und dann klingelte auch schon mein Handy. Eilig griff ich danach und nahm ab. "Hey Mum." Wir telefonierten bestimmt fast zwei Stunden und ich erzählte ihr von dem Date mit Ann. Meine Mum war hell auf begeistert und bat mich darum sie ihr so schnell wie möglich vorzustellen. Ich versicherte ihr das und sie erzählte mir im Anschluss noch ein paar Neuigkeiten aus meiner Heimat. Es war also alles wie immer. Zu Hause lief es gut und meine Mum konnte sich vor Aufträgen nicht retten. Mein Lächeln wurde immer breiter und ich war glücklich das es ihr so gut ging.
      Nachdem Telefonat ruhte ich mich noch ein wenig auf und wartete die Zeit bis zum Treffen mit den Jungs ab.
    • Annalena

      Ich beobachtete Ian noch einen Moment, wie er mit diesem unverschämt gutaussehenden Grinsen dort stand, und in mir zog sich alles wohlig zusammen. "Ich und schummeln? Niemals, Ian! Das war reine, taktische Überlegenheit!", rief ich ihm lachend entgegen und zwinkerte ihm frech zu. "Vielleicht solltest du einfach mehr mit mir trainieren, wenn du mithalten willst." Doch als er nach meinen Plänen fragte, sackte meine Schulter ein kleines Stück nach unten, denn die Realität klopfte bereits ungeduldig an die Tür. Warum hatte ich ihn nicht einfach überredet, sich für immer mit mir auf dieser Lichtung zu verstecken? Ich bin mir sicher, wenn ich nur süß genug ausgeschaut hätte, hätte er bestimmt niemals nein gesagt. "Ich muss heute arbeiten, weil ich mir gestern den Abend frei genommen habe", erklärte ich und verdrehte die Augen. "Den ganzen Vormittag muss ich allerdings für diese verdammte Prüfung büffeln." Beinah hätte ich erwähnt, dass es sich um die magische Grundlagenprüfung handelt. Verdammt! Ich war halt auch machtlos, wenn mich mein Freund so süß ansah. "D-du weißt schon... die Prüfung für den Erste-Hilfe- sowie Ernstfall- und Katastrophenschutz-Kurs, die ist Pflichtkram für den Schülerrat. Und danach geht's direkt ab in den Laden zur Schicht. Drück mir die Daumen, dass es heute ruhig bleibt." Nachdem ich mich schweren Herzens von Ian verabschiedet hatte, fühlten sich meine Beine auf dem Heimweg schwerer an als beim Joggen selbst.
      Kaum hatte ich die Haustür hinter mir geschlossen, war die romantische Ruhe des Waldes auch schon endgültig verflogen. Lake erwartete mich bereits im Flur und starrte mich mit diesem 'Zeit-ist-Geld-und-Magie-ist-Disziplin'-Blick an. Er hatte mir bereits einen Stapel uralter Pergamente auf den Schreibtisch geknallt, die offiziell als "Leitfaden für Brandschutz" deklariert waren, in Wahrheit aber komplexe Siegel, Sprüche und Übungen der magischen Grundlagen von Licht- und Feuerzaubern enthielten. "Mit besten Grüßen von deiner Großmutter." Ich seufzte schwer. Seitdem ich wusste, dass ich eine Hexe war verstanden sich Lake und die alte Dame auf einmal so gut. Das war fast gruselig. "Du bist spät", krächzte das Grimoire von der Fensterbank aus, ohne dass ich es überhaupt aufgeschlagen hatte. "Willst du die Prüfung bestehen oder willst du, dass beim nächsten Nieser die gesamte Turnhalle in Flammen steht?" Am liebsten wünschte ich dass dieses Buch augenblicklich in Flammen stand. "Halt den Rand", murmelte ich und versuchte, eine komplizierte Handbewegung zu koordinieren, um die Dufkerzen in meinen Zimmer mit meiner Magie an und aus zu machen. Ink fand das Ganze wahnsinnig amüsant. Jedes Mal, wenn ich meine Finger konzentriert krümmte, sprang er dazwischen und versuchte, nach meinen Fingerspitzen zu haschen. "Ink, das ist kein Spiel! Wenn ich das in der Prüfung vermassel, verdonnern mich Grandma und Lake zu drei Monaten Keller-Inventur!", schimpfte ich halbherzig, während das Wisel mit einem hämischen Schnattern meine Textmarker vom Tisch fegte.
      Irgendwann gab ich es auf, gegen das Chaos in meinem Zimmer und die wirren Siegel in meinem Kopf anzukämpfen, und tauschte das Pergament gegen meine Kellnerinnenschürze. Völlig kopfgesteuert und mit rauchendem Hirn kam ich schließlich im Café an, wo mich glücklicherweise nur der Duft von gerösteten Bohnen statt alter Magie empfing. Judy war bereits dabei, die Tortenvitrine mit frischem Apfelkuchen und Blaubeer-Muffins zu bestücken, während Louis im hinteren Bereich mit ein paar störrischen Kisten Kaffeebohnen kämpfte. "Ah, Annalena! Pünktlich wie die Maurer", begrüßte mich Judy und drückte mir einen Stapel frisch gedruckter Speisekarten in die Hand. "Louis hat heute Morgen schon zwei Gläser mit Sirup fallen lassen. Der ganze Boden hinter der Theke klebte furchtbar, aber jetzt ist alles wieder sauber. Wir müssen nur noch die Tische draußen abwischen, bevor die ersten Gäste kommen." Ich lachte leise und fing an, Louis beim Verrücken der schweren Milchkartons zu helfen. "Kein Problem, Judy. Ich brauche sowieso Ablenkung von meinen Lernunterlagen." Während ich die Zuckerdosen auffüllte und die Servietten ordnete, wanderte mein Blick immer wieder zum Fenster. In diesem völlig normalen, gemütlichen Café fühlte sich die Welt der Siegel und Zaubersprüche fast wie ein Traum an. Ich hoffte inständig, dass der Tag so friedlich bleiben würde wie der Morgen im Wald. Dass ich einfach nur Kaffee servieren konnte, ohne dass meine Finger kribbelten oder ich versehentlich den Milchschaum zum Schweben brachte. In einer kurzen Verschnaufpause schnappte ich mir mein Handy und tippte Ian eine Nachricht: Das Lernen war die Hölle, Ink hat fast alle meine Marker angeknabbert. Bin gerade im Old Oak Roast angekommen, bisher ist noch nichts explodiert! ;) Viel Spaß mit den Jungs, Sunnyboy <3
    • Ian

      Beinahe hatte ich den Handywecker nicht gehört. Ich war so tief eingeschlafen auf dem Sofa, das ich vor Schreck aufsprang und auf die Uhr schaute. Ich stöhnte auf und musste mich erst einmal sammeln. Eine Nachricht von Ann erschien sogleich auf meinem Bildschirm und ich musste darüber lächeln. Sofort tippte ich ihr eine Antwort:
      ´Das klingt ja gar nicht so gut. Tut mir ehrlich leid. Dieses kleine Wiesel hat nur Flausen im Kopf. :D Ich soll dich unbekannterweise lieb von meiner Mum grüßen und ich wünsche dir eine ruhige Schicht. Danke schön. Das werden wir haben. <3 ´

      Ich schickte die Nachricht ab und erhob mich vom Sofa. Im Badezimmer machte ich mich fertig, kämmte meine Haare wieder ordentlich und zog mir was anderes an. Ich packte ein Korb mit ein paar leckeren Sachen und Getränken und machte mich auf dem Weg zum Park, wo ich die Jungs auf einer Wiese in der Nähe von einem kleinen Teich sitzen sehe. Ich ging lächelnd auf sie zu und sie begrüßten mich. Eine große Picknickdecke war schon ausgebreitet und der kleine Einweggrill wurde auch schon aufgebaut und angezündet. Max packte das Grillgut aus. Er hatte Steaks, Bratwürste und Grillfackeln mitgebracht, Tommy hatte einen gemischten Salat und Kartoffelsalat dabei und Kyle hatte in einer Kühlbox Eis dabei. Das Wetter war heute gnädig mit uns, denn es schien zur Abwechslung die Sonne. Ich holte noch Brot, Brötchen, diverse Soßen, Gewürzgurken und Getränke aus dem Korb und stellte sie auf einen kleinen Klapptisch.
      Max erklärte sich dafür bereit zu Grillen, während ich mit den anderen beiden Jungs auf der Decke chillte und eine Cola genoss. "Was gibt es neues bei euch beiden?" Tommy schob sich seine Brille auf der Nase zurecht und nippte an seiner Cola. "Nicht viel. Bin nur ein wenig aufgeregt wegen dem Spiel nächste Woche." Ich tätschelte ihn sanft auf die Schulter. "Das wird schon. Ich denke wir sind alle nervös, was das angeht." Tommy sah mich an. "Das Problem ist, das ich kein Stipendium haben möchte.. aber mein Vater besteht darauf.. Ich würde lieber etwas anderes machen, als Fußballer zu werden.. ich möchte mein Kopf anstrengen und nicht nur meine Beine arbeiten lassen..." Er seufzte auf. "Mathematik, Chemie, Physik sogar Astronomie.. das sind die Sachen die mich interessieren.. Aber das will mein Vater nicht hören. Deshalb bin ich euch dankbar das ich immer wieder aus diesem Haus verschwinden darf." Er lächelte uns sanft an.
      Es tat mir unendlich leid das zu hören, aber ich konnte nicht viel dagegen machen, außer ihn so gut es geht zu unterstützen. "Aber!" Sein Lächeln wurde größer. "Ich hatte ein Date mit dem Mädchen, welches ich im Café angesprochen hatte und sie ist echt süß. Wir wollen nächste Woche ins Kino." Sein Lächeln war ansteckend und ich freute mich für ihn.
      Mein Blick ging zu Kyle der sich mit den Rücken auf die Decke gelegt hatte und nach oben schaute. "Bei mir gibt es nicht viel Neues." Er zuckte mit den Schultern. Kyle wirkte immer so geheimnisvoll und unnahbar. "Fußballspiel wird machbar und der Spendenlauf auch."
      Ich nickte ihn zustimmend zu. Max wendete gerade das Grillgut mit einer Zange und sah über seine Schulter zu uns. "Also ich sehe das Ganze locker auf mich zu kommen. Schließlich gibt es nichts zu verlieren." Max hatte Recht, wir würden noch viele weitere Möglichkeiten erhalten Stipendien zu bekommen. Das Schuljahr war schließlich noch lang. "Und bei dir Ian? Mhm lass mich Mal überlegen, bei dir scheint alles rosarot zu sein." Max lachte mich an und meine Wangen erröteten leicht. Augenblicklich schoss mir
      Ann´s Gesicht vor mein Augen. "Ich konnte nicht glücklicher sein." Ein Lächeln glitt über meine Lippen und die Jungs sahen mich zufrieden an. "Und die Sache neulich mit Tristan?" Tommy setzte sich in den Schneidersitz und sah mich nachdenklich an. "Ach ihr kennt ihn doch. Er wollte mir nur drohen, mehr nicht. Ich habe keine Angst vor ihm." "Er ist nur neidisch das er nicht in so einer tollen Jungsgruppe ist wie wir", gab Max von sich. "Seine Clique besteht aus seinem kleinen Bruder und zwei Würsten, die ohne ihn nie den Mund aufbekommen würden. Er gibt den Ton an und sie folgen. Mehr ist es nicht. Deshalb hat er dich wohl im Fokus weil du ihm die Stirn bieten kannst und nicht auf den Mund gefallen bist, wenn es darauf ankommt." Ich nickte ihm zustimmend zu. Doch mir ging immer noch nicht aus dem Kopf das er Ann da mit rein gezogen hatte. Schließlich konnte sie nichts dafür. Ich hoffte nur das er sie in Ruhe lässt und ihr nichts tut.. Denn sonst kann ich für nichts garantieren.
    • Annalena

      Ich spürte die leichte Vibration meines Handys in der Schürzentasche und stahl mir einen kurzen Moment hinter der hohen Espressomaschine, um Ians Nachricht zu lesen. Das 'Wiesel mit Flausen im Kopf' brachte mich zum Kichern, und die lieben Grüße von seiner Mum ließen ein angenehmes Wärmegefühl in meinem Bauch entstehen. Gerade als ich ansetzen wollte zu tippen, verschwamm die Umgebung vor meinen Augen. Das Zischen der Kaffeemaschine wurde zu einem aggressiven Knistern, und das gemütliche Licht des Cafés wich einem grellen, tanzenden Orange. Ich sah Funken... winzige, bösartige Lichter, die von einem kleinen Grill auf trockenes Gras sprangen und sich binnen Sekunden zu einem gierigen Feuer ausbreiteten. Ein stechender Brandgeruch stieg mir in die Nase, und die Hitze fühlte sich so real an, dass ich instinktiv die Hand vor das Gesicht hob. W-was? Ein heftiges Blinzeln riss mich zurück in die Realität. Ich stand immer noch hinter der Theke, die Kaffeemaschine fauchte harmlos und von Feuer war weit und breit keine Spur. Mein Herz raste. Diese Visionen waren immer so verdammt ungelegen, besonders wenn man gerade versuchte, ein normales Leben zu führen. Dieses Mal wisste ich wenigsten was es war und das ich nicht wahnsinnig wegen meiner vermeintlichen Tagträume wurde. Ich atmete tief durch und griff nach meinem Handy. Ich konnte ihn nicht direkt warnen... wie sollte ich das erklären? Also verpackte ich es so, dass es wie ein typischer 'Ann-Scherz' klang, der gut zu meinem vermeintlichen Katastrophen-Kurs passte.
      Vielleicht... so in etwa 'Wie süß von deiner Mutter, danke! Aber Ian, pass auf nachdem Büffeln heute Morgen habe ich das Gefühl, ich könnte eine mittlere Katastrophe schon drei Meilen gegen den Wind riechen :P Ich habe heute so viel über Brandprävention gelernt, dass ich förmlich die Funken fliegen sehe... und das Gras im Park sieht verdächtig trocken aus x.x Also: Würstchen grillen, nicht die Landschaft! ;) xoxo <3 '
      Hoffentlich hinterfragt er das nicht weiter oder ich konnte ihn überreden mir von den Grill und Chill im Park erzählt zu haben.
      Kaum hatte ich die Nachricht abgeschickt, hörte ich das vertraute Klingeln der Türglocke. Logan und Tessa schlenderten herein, sahen sich kurz um und steuerten direkt auf einen der gemütlichen Fenstertische zu. "Na, sieh mal einer an", rief Logan grinsend, während er seinen Rucksack auf die Bank feuerte und mich mit einem vielsagenden Blick bedachte. "Die Barista-Königin von Forks höchstpersönlich. Wie läuft's, Ann? Schon jemanden mit Milchschaum-Kunst beeindruckt?" Tessa verdrehte lachend die Augen und setzte sich gegenüber von ihm. "Lass sie in Ruhe, Logan. Sie arbeitet wenigstens, während wir nur versuchen, den Berg an Hausaufgaben zu ignorieren. Hey Ann! Wir brauchen dringend eine ordentliche Portion Zucker, sonst überlebe ich die nächsten Stundem Arthousfilme nicht." Ich schnappte mir meinen Block und trat an ihren Tisch, froh über die bekannte Gesellschaft. "Guten Tag, die Herrschaften", entgegnete ich mit gespielter Förmlichkeit und einem Augenzwinkern. "Was darf es denn sein? Eine Extraportion Nervennahrung oder der klassische Wachmacher?" Ich freute mich wirklich sie heute zu sehen. Seitdem ich wusste dass ich eine Hexe war, wusste ich nicht so recht mit meiner besten Freundin umzugehen. Ich hatte einfach zu viel Angst mich zu verraten. "Ich nehme einen großen Caramel Macchiato und einen von diesen riesigen Blaubeer-Muffins", bestellte Tessa sofort. Logan trommelte mit den Fingern auf den Tisch und sah mich prüfend an. Er wusste genau, dass ich den ganzen Vormittag über den alten Pergamenten gehangen hatte, hütete sich aber davor, vor Tessa auch nur ein Wort über 'Feuerzauber' zu verlieren. "Für mich einen doppelten Espresso. Schwarz wie meine Chancen, beim Spieleabend zu gewinnen. Sag mal, hast du die Übungen von heute Morgen eigentlich schon komplett durch?" Ich schluckte schwer. "Größtenteils", antwortete ich und notierte die Bestellung. "Es war trocken, aber ich glaube, ich hab die wichtigsten Grundlagen jetzt im Kopf." Logan lehnte sich entspannt zurück. "Ach, und grüß deinen Romeo, falls er sich meldet." Ich lachte gespielt, sammelte die Karten ein und machte mich auf den Weg hinter die Theke. "Kommt sofort! Und benehmt euch ich hab heute schon genug Stoff gepaukt." Während ich die Siebträgermaschine bediente und den Milchschaum für Tessas Macchiato aufschäumte, versuchte ich, das beklemmende Gefühl der Vision abzuschütteln. In diesem Moment gab es keine Hexenprüfungen und keine gefährlichen Funken nur den Duft von frischem Kaffee und das leise Hoffen, dass Ian vorsichtig sein würde.
    • Ian

      Ich spürt das Vibrieren meines Handys in meiner Hosentasche und öffnete sie. Sofort schnellte mein Blick zu Max der mit den Würsten beschäftigt war und fing dann an zu tippen. ´Keine Sorge Max wird höchsten die Würsten anbrennen lassen, aber wir passen schon auf. Klingt ja echt spannend was du heute gelernt hast. Lass dich nicht ärgern und behalte immer dein wunderschönes Lächeln im Gesicht. Love you <3 ´

      Ich steckte das Handy wieder weg und widmete mich wieder den Jungs. Nachdem Max all das Grillgut fertig hatte, konnten wir endlich etwas essen. Mein Magen knurrte schon eine Weile lang laut vor sich herum und ich hatte Müh und Not nicht über die Salate herzufallen.
      Es schmeckte alles sehr lecker und wir hielten Smalltalk über alles Mögliche. Einige Zeit später waren wir alle satt und räumten unseren Müll ordnungsgemäß weg und chillten auf der großen Decke. Dann bekam ich einen Ball an den Kopf und schrie laut auf. "AUA!" Ich hörte nur Gelächter, welcher auf uns zu kam. Ich hielt mir den Hinterkopf. Als ich mich umdrehte sah ich in das grinsende Gesicht von Tristan, seinem kleinen Bruder und den Rest der Hampelmänner. "Na ihr Mädchen habt ihr euer kleines Picknick genossen?" Tommy, Kyle und Max richteten sich sofort auf und sahen die anderen Jungs ernst an. "Musste das mit dem Ball sein?" "Ist mir nur aus versehen aus der Hand gerutscht." Er zuckte lachend mit den Schultern. "Mach nicht so eine große Sache draus Ian." Ich richtete mich langsam auf und versuchte mein Gleichgewicht zu halten. Es war nicht einfach nur Ausversehen.. nein das war pure Absicht. Er wollte mich außer Gefecht setzten, provozieren.. Aber das er den Kürzeren dabei zog, war ihm wohl nicht bewusst. Ich war drauf und dran einen Mord zu begehen.. So sehr machte mich dieser Typ wahnsinnig. Doch ich konnte es nicht tun.. Ich muss stark bleiben für mich und für Ann. "Heb dir deine Spielchen für jemand anderes auf Tristan..", sprach Kyle zu ihm. "Nein er soll sich seine Energie für das Spiel nächste Woche aufsparen. Dann werden wir ja sehen wer der Bessere von uns beiden ist." Tristans Grinsen wurde breiter. "Mit dem größten Vergnügen." Er ging ein paar Schritte auf mich zu und sah mir in die Augen. "Ich mache dich fertig Ian Black und deine kleine auch." Dann konnte ich nicht mehr an mich halten und meine Faust landete in seinem Gesicht, immer und immer wieder. Ich riss ihn zu Boden und schlug immer wieder auf ihn ein. Ich war in Rage und ich konnte nur leise Stimmen um mich herum hören. Dann wurde ich von ihm runtergezogen. Mein Atem ging schneller und ich keuchte fast. Meine Augen waren tief schwarz. "Ian! Ian! Hörst du mich?" Max rüttelte an mir "Ich mach den Mistkerl fertig!" Tristan wischte sich das Blut von seinem Gesicht und versuchte aufzustehen, doch es gelang ihm nicht. "Bleib unten!", sprach sein Bruder zu ihm. "Ich geh in Café und frage nach Eis und Verbandszeug?" Kyle und Max nickten Tommy zu. Dieser stolperte beinahe über den Grase in Richtung Old Oak Roast. Ich konnte mich immer noch nicht beruhigen und die beiden Jungs hatten Mühe und Not mich am Boden zu behalten, ohne das ich mich wieder auf Tristan stürzen würde.
      Währenddessen kam Tommy im Café an und riss die Tür vollkommen aus der Pust auf. Sein Blick ging durch den Raum und blieb an Ann hängen. Er ging zur Theke. "Annalena ich brauche Hilfe! Es geht um Ian.. Er hat sich mit Tristan geprügelt und lässt sich nicht mehr beruhigen. Wir brauchen auch noch Eis und Verbandsmittel. Habt ihr das hier?"
    • Annalena

      Das Klappern der Kaffeetassen und das vertraute Zischen der Milchdüse bildeten gerade noch eine beruhigende Geräuschkulisse, als die Tür mit einem Knall aufgeschlagen wurde. Ich fuhr herum. Tommy stand keuchend im Eingang, seine Brille verrutscht, mit Panik in den Augen. Oh nein! Brannte etwas doch die Wiese? Hatte meine Intuition etwa doch recht behalten?
      Als er meinen Namen rief und von Ian und der Schlägerei berichtete, fühlte es sich an, als würde mir jemand den Boden unter den Füßen wegziehen. "...Er ... Er lässt sich nicht mehr beruhigen?", wiederholte ich tonlos, während mein Gehirn sofort das Bild der bösartigen Funken aus meiner Vision mit Ians dunklem Blick verknüpfte. Es war kein Feuer im Park ... es war das Feuer in ihm, das gerade alles zu verschlingen drohte. Oh man, ich war so blöd gewesen! Hätte ich nur- ahhh, reiß dich zusammen Annalena! So hilfst du hier niemanden!
      "Ann? Alles okay?", fragte Judy besorgt, die sofort hinter der Theke hervorkam. "Hm? Ähm... Ich... ja, ich hole das Zeug!", stammelte ich.Ich rannte in den Personalraum, riss den Erste-Hilfe-Kasten aus der Halterung und schnappte mir aus der Küche einen Beutel mit Crushed Ice, den ich in ein sauberes Geschirrtuch wickelte. Meine Hände zitterten, aber nicht vor Angst um die Verletzungen, sondern wegen dem, was Tommy gesagt hatte. Er lässt sich nicht beruhigen. Ich wusste, dass Ian ein Geheimnis hatte, ich wusste das dieses Besondere was er hatte bedeutete dass er kein normaler Teenager wie seine Freunde war, genau wie ich. Und ich wusste, dass "außer Kontrolle" bei Leuten wie uns weit mehr bedeuten könnte als nur ein paar blaue Flecken. "Hier, nimm das!", sagte ich und drückte Tommy den Verbandskasten in die Hand, während ich das Eis fest umklammerte. "Judy, es tut mir leid, ich muss... es ist ein Notfall!" Ich wartete nicht auf eine Antwort. Ich stürmte hinter Tommy aus dem Café, die kühle Nachmittagsluft peitschte mir ins Gesicht. Während wir über den Rasen in Richtung der Weiden am Teich rannten, betete ich innerlich, dass ich nicht zu spät kam.
      Schon von Weitem sah ich die Traube aus Menschen. Ich sah Max und Kyle, die sich mit ihrem ganzen Gewicht auf jemanden stemmten, der am Boden hockte wie ein gefangenes Raubtier. Als ich näher kam, sah ich Ians Augen. Sie waren nicht mehr das warme Braun, das mich heute Morgen so liebevoll angesehen hatte. Sie waren teifschwarz, bodenlos und voller Zorn. Was hatte ihn nur so in Rage versetzt?
      "Ian!", rief ich, während ich mich durch die gaffenden Jungs aus Tristans Clique drängte. Ich ignorierte Tristan, der blutend im Gras lag, vollkommen. Mein Fokus lag nur auf Ian. "Lass ihn los, Max! Kyle, geht zur Seite!" Irgendeiner der Jungen wollte mich warnen aber ich bekam ihre Stimmen nur noch am Rande mit, wenn überhaupt. Ich kniete mich direkt vor Ian in den Schlamm, legte meine Handflächen an seine erhitzten Wangen und zwang ihn, mich anzusehen. "Ian, schau mich an", flüsterte ich, wobei ich versuchte, all meine eigene Unruhe zu unterdrücken, um ihm ein Anker zu sein. "Atme. Ich bin hier. Nur du und ich, okay? Das hier ist es nicht wert... Bitte... Komm zurück zu mir." Ich spürte die enorme Spannung in seinen Muskeln, ein Zittern, das fast unnatürlich wirkte. In diesem Moment war mir völlig egal, wer zusah. Ich musste dieses Feuer löschen, bevor es ihn von innen heraus verbrannte. Irgendwie.
      Seine Muskeln waren so extrem gespannt, dass sie unter seiner Haut zitterten, und das tiefe, fast tierische Grollen, das aus seiner Kehle drang, ließ eine Gänsehaut über meinen Rücken laufen. "Ian, bitte", flüsterte ich, während ich meine Hände vorsichtig an seine Schläfen legte. Es war gefährlich. Er war in diesem Zustand wie ein verwundetes, rasendes Raubtier, das blind um sich schlug. Ein falscher Reflex seinerseits, und er hätte mich unabsichtlich schwer verletzen können. Doch ich wich nicht zurück. Ich musste sein Anker sein, bevor er sich in dieser Dunkelheit völlig verlor.
      Ich begann, überdeutlich und tief ein- und auszuatmen. Mein Brustkorb hob und senkte sich in einem langsamen, schweren Rhythmus. Ein... und aus... Ich fixierte seine schwarzen Augen, die so fremd wirkten, und suchte nach dem Jungen, mit dem ich heute Morgen noch auf der Lichtung gestanden hatte. Ganz leise, kaum hörbar über dem aufgeregten Gemurmel der Umstehenden und dem harten Atmen der Jungs, fing ich an zu singen. Es war "Coffee", das Lied, das ich für ihn aufgenommen hatte. Meine Stimme zitterte anfangs, fing sich dann aber. "I'll make a cup of coffee with the right amount of sugar. How you like it...[i]How you like it...How you like it...""[/i], hauchte ich gegen den kalten Wind. "And I promise that one day you feel fine. And I promise that one day you feel alright." Ich wiederholte die Zeilen immer wieder, wie ein Mantra. Mein Atem strich warm über sein Gesicht, während ich stur den langsamen Rhythmus meiner Lungen beibehielt. Für einen Moment schien er mich gar nicht zu registrieren, seine Finger gruben sich tief in den Boden, und sein Blick flackerte wild. Es war ein Kampf gegen das was auch immer in ihm tobte. "I like it when you hold me tight. You make me feel nice. The brown in your eyes. Makes me feel warm inside", sang ich weiter, leiser jetzt, fast nur noch ein Flüstern. Ich legte meine Stirn ganz vorsichtig gegen seine, ein enormes Risiko, doch ich vertraute ihm ...oder zumindest dem Teil von ihm, der noch irgendwo da drinnen war. "Komm zurück, Ian", flüsterte ich zwischen zwei Liedzeilen. "Atme mit mir. Ganz langsam. Komm schon... ich weiß du kannst das. Komm zu dir."
    • Ian

      Innerlich fühlte ich mich gerade so als würde etwas aus mir herausbrechen wollen. Da war wieder dieses Gefühl der Unbändigkeit und die Stimme die ich in letzter Zeit so gut verdrängt hatte, war wieder lauter. Sie lachte mich aus, verspottete mich und ich konnte nichts dagegen tun. Ich hatte keine Kontrolle über meinem Körper. Ich spürte die Kraft die durch mich durch dring. Meine Pupillen gingen hin und her, mein Puls war so hoch wie nie und meine Atmung war unkontrolliert schnell. Ich bekam nichts um mich herum mit, fühlte nur eine Schwere die auf meinem Körper drückte.

      "Schnell aus dem Weg!" Tommy bannte sich mit Ann den Weg zu mir frei und Max und Kyle ließen mich nur widerwillig los. "Pass auf bitte.. Er ist nicht er selbst."

      Die Schwere war plötzlich weg. Doch mein Körper gehorchte nicht. Ich grub meine Finger immer tiefer in den Boden und mir kam es fast so vor als würden meine Hände zu Klauen werden.
      ´So ist es gut. Lass es raus. Du bist ein Monster. Du wirst sie alle verlieren. Jeden einzelnen Menschen der dich liebt und dir etwas bedeutet. Du bist schwach Ian. Du kannst nichts und wirst am Ende alleine da stehen. Verabschiede dich von deinem jämmerlichen Menschsein. Du wirst nie wieder dahin zurückkehren. Nie wieder!´
      Die Stimme meines Dämons war so laut das mir der Kopf dröhnte. Ich versuchte mich gegen ihn zu wehren. Versuchte mich an die Worte meiner Mutter zu erinnern, doch es gelang mir nicht. Zu sehr war alles schwarz um mich herum. Doch hinter dem Schwarz verbarg sich ein kleiner Lichtpunkt und ich gab all meine Kraft um diesen Lichtpunkt größer werden zu lassen.
      Ich spürte vertraute Wärme und eine Stimme die klang wie ein Engel. Mein Mund öffnete sich, aber ich sagt kein Wort.
      Ich versuchte meine Augen zu schließen doch es war zwecklos, der Druck in meinem Kopf wurde nicht besser. ´Du kannst nicht mehr gegen mich ankommen Ian. Es ist vorbei. Ich habe gewonnen. Du wirst zu diesem Monster und wirst alle verletzen. Es ist lustig anzusehen wie das kleine rothaarige Mädchen versucht dich zu retten.´ Ann? Sie ist hier? Diese Wärme, diese Stimme.. es war sie. Sie versucht mich zurück zu holen. Ich darf nicht zu lassen das dieser Dämon die volle Kontrolle über mich gewinnt. Ich versuchte mich zu konzentrieren und aus dem dumpfen Geräuschen um mich herum etwas herauszuhören. Ihre Stimme klang wie ein Singen... sie singt für mich. ´Tu ihr weh Ian. Los nimm deine Hand nach oben und bohr ihr deine Krallen in den Bauch. Sie ist so nah. Das wäre die perfekte Gelegenheit. Los!`
      Ich spürte wie meine rechte Hand anfing sich aus dem Boden zu erheben. Sie zitterte leicht, doch ich versuchte den Willen des Dämons zu widerstehen. Ich könnte Ann nie verletzen. Niemals. Ich kämpfte dagegen an. Atme Ian, Atme mein Kind. Langsam ein und aus
      Die Worte meiner Mutter drangen in meinen Kopf und ich versuchte genau das zu tun. Einfach atmen. Doch dann kam die Stimme von Ann durch. Atme mit mir... Komm zu dir Ian! Ihre Stimme war stark und katapultierte mich in das hier und jetzt zurück. Die Stimme in meinem Kopf wurde plötzlich leiser ´Du Versager.. Eines Tages wirst du mir gehorchen!´
      Ich atmete langsam ein und aus und mein Atem wurde ruhiger. Ich konnte um mich herum Stimmen vernehmen. Meine Pupillen wurden ruhiger und mein Blick wieder klarer. "Er kommt wieder zu sich." Max Stimme drang zu mir durch. Die Wärme die von Ann ausging fühlte sich wie zu Hause an. Ich blinzelte ein paar Mal und sah dann in ihre Augen, die voller Sorge waren. Mein Körper und meine Gedanken gehörten wieder vorerst mir. "Ann..." Ich zog sie in eine Umarmung und konnte ihren Herzschlag spüren. Plötzlich liefen mir die Tränen über meine Wangen. Ich konnte sie nicht aufhalten. "Es tut mir leid..." Meine Stimme war heißer und ich fühlte mich wie ausgelaugt. Tommy, Max und Kyle setzten sich zu uns und legten ihre Hände auf meinen Rücken. "Wir sind froh das du wieder bei uns bist Ian." "Jaja er bekommt die volle Aufmerksamkeit und was ist mit mir? Ich wurde schließlich zu Boden gerissen und nicht er." Tristans Stimme drang in meine Ohren. Wegen ihm hatte ich die Kontrolle verloren. Ich löse mich von Ann und sah ihn an. Er war übel zugerichtet. Bevor ich etwas sagen konnte sprang Max auf und warf ihm den erste Hilfe Koffer vor die Füße. "Hier kümmere dich selbst um dich und halt den Rand! Du hast schon genug angerichtet." Die Jungs räumten die restlichen Sachen zusammen und halfen mir auf die Beine. Ich konnte fühlen wie schwach mein Körper plötzlich nach diesem Ausraster war. Kyle stützte mich und auch Ann half mir. "Bringen wir ihn weg von hier."
    • Annalena

      Es war ein Anblick, der mir das Herz zerriss. Ian, der normalerweise so starke, lebensfrohe Junge, wirkte in meinen Armen plötzlich so zerbrechlich. Als er meinen Namen flüsterte und mich so fest umklammerte, als wäre ich sein einziger Anker in einer tosenden Brandung, spürte ich seine Tränen an meinem Hals. Sie waren heiß und echt, ein krasser Gegensatz zu der unnatürlichen Hitze, die eben noch von ihm ausgegangen war. "Ganz ruhig, Ian. Ich hab dich. Wir haben dich", flüsterte ich und strich ihm sanft über das zerzauste Haar, während ich seinen bebenden Körper hielt.
      Der Moment der Ruhe wurde jedoch jäh durch Tristans hämische Stimme zerschnitten. Ich spürte, wie Ian unter meinen Händen sofort wieder anspannte, doch Max war schneller. Das harte Aufschlagen des Erste-Hilfe-Koffers auf dem Boden klang wie ein Schlussstrich.
      "Komm", sagte ich leise, aber bestimmt zu Ian und ignorierte Tristan und seine Clique, die immer noch gaffend danebenstanden. "Wir verschwinden von hier."
      Mit vereinten Kräften halfen wir Ian auf. Er stützte sich schwer auf Kyle und mich, seine Beine zitterten bei jedem Schritt, als hätte er gerade einen Marathon hinter sich. Wir ließen den Teich und das Chaos hinter uns. "Oh nein.. Deine Hände, Ian", murmelte ich und nahm seine rechte Hand in meine. Die Knöchel waren aufgeschlagen, blutig und bereits dunkel verfärbt. Es tat mir in der Seele weh zu sehen, was er sich selbst und Tristan angetan hatte. Ganz vorsichtig fing ich an, die Schwellung mit dem Eisbeutel zu kühlen den ich Tommy in die Hand gedrückt hatte bevor ich aus den Cafe gestürmt bin. Ian starrte noch immer schweigend auf seine Hände, sein Blick war immer noch ein wenig leer, als müsste er erst begreifen, dass er wieder die Kontrolle über seine Gliedmaßen hatte. "Hey... ich bin hier. Glaubst du wirklich, ich lasse dich allein, wenn es brenzlig wird? Wir stehen das zusammen durch, Ian. Vergiss das nicht." Max und Kyle tauschten einen kurzen, vielsagenden Blick. Sie wussten vielleicht nichts von der Welt des Übernatürlichen und deren Regeln, aber sie spürten, dass zwischen uns eine Verbindung bestand, die über eine normale Highschool-Romanze hinausging.
      "Wir sollten ihn nach Hause bringen", schlug ich vor und sah besorgt zum Himmel, wo die Sonne langsam tiefer sank. "Oder zumindest weg von hier, bevor noch jemand auf die Idee kommt, die Polizei zu rufen." Allein lassen konnten wir ihn aber auch nicht einfach. Das wäre viel zu fahrlässig und ich würde mir das niemals verzeihen können. Also... auch wenn es mir nicht gefiel. Ich schluckte schwer. Logan hatte mal gesagt ich sollte nicht den Fehler machen und glauben Lake wäre ein normaler Sterblicher. "Ich bringe ihn zu mir", entschied ich. "In das Café kann er so nicht zurück, und bei mir zu Hause haben wir Ruhe. Lake ist da... er kann vielleicht helfen." Ich biss mir auf die Lippe. Vor den Jungs konnte ich nicht sagen, dass Lake mehr als der Bürgemeister dieser verschlafenen Kleinstadt war. Und sich wohlmöglich mit "inneren Bränden" bestens auskannte. "Er kennt sich mit... Kräutermedizin und solchen Abstürzen aus."

      Das schwere Eichentor des Herrenhauses schwang mit einem leisen Quietschen auf, als ich Ian, der sich schwer auf meine Schulter stützte, über die Schwelle half. Die kühle, nach Bohnerwachs und Geschichte duftende Luft der Eingangshalle schlug uns entgegen. Sofort kam die Haushälterin, mit besorgtem Gesicht herbeigeeilt. Ihr Blick huschte von Ians blutigen Knöcheln zu seinem aschfahlen Gesicht. "Um Himmels willen, was ist denn passiert?", hauchte sie und schlug die Hände vor dem Mund zusammen. "Nur ein Sturz beim Sport, halb so wild", log ich hastig und versuchte, so souverän wie möglich zu klingen. "Könnten Sie uns bitte etwas Eis in ein Tuch wickeln und den Verbandskasten bringen? Wir gehen schon mal vor in den Salon."
      Bevor sie weitere Fragen stellen konnte, manövrierte ich Ian hastig den Flur entlang. Wir schlichen fast schon in den Salon, in der Hoffnung, unbemerkt zu bleiben, doch die Hoffnung starb in dem Moment, als wir die Tür aufstießen.
      In dem ausladenden Ohrensessel am Kamin saß Lake. Er hielt eine Zeitung vor sein Gesicht, die Arme angewinkelt, die Beine überschlagen. Nur das leise Rascheln des Papiers verriet, dass er überhaupt atmete.
      "Was vorgefallen?", fragte er mit einer Stimme, die so kalt und schneidend war wie der Winterwind heute Morgen. Er setzte die Zeitung nicht einmal ab.
      Ich schluckte schwer. Das ungute Gefühl in meiner Magengegend sagte mir, dass er gar keine Antwort brauchte. Er wusste es längst. Er spürte die Nachbeben von Ians Ausbruch wahrscheinlich deutlicher als ich die Kälte des Eises in meiner Hand.
      "Es gab Streit im Park. Mit Tristan", sagte ich knapp und mied es tunlichst, Begriffe wie Energie, Schatten oder gar Magie zu verwenden. Ian saß direkt neben mir und ich durfte unter keinen Umständen riskieren, dass er begriff, wer ich wirklich war – oder wer Lake war. Das Gesetz der Geheimhaltung war unerbittlich, und die Folgen einer Enthüllung wären katastrophal.
      Ich sah zu Lake auf, dessen Zeitung immer noch wie eine unüberwindbare Mauer zwischen uns stand. Unser Verhältnis war zwar besser aber immernoch angespannt, ein Drahtseilakt aus Pflichtgefühl und unterdrückten Vorwürfen. Dennoch war er der Einzige, an den ich mich wenden konnte. "Lake, bitte", flüsterte ich, meine Stimme zitterte nun doch ein wenig. "Ich brauche deine Hilfe. Er... er ist völlig am Ende. Ich fleh dich an, tu es mir zu Liebe." Endlich senkte Lake die Zeitung ein Stück. Seine Augen fixierten nicht mich, sondern Ian, mit einem Blick, der so analytisch und distanziert war, dass es mich fröstelte. Er faltete die Zeitung langsam zusammen und legte sie auf den Beistelltisch. "Wieder einmal spielst du die rettende Hand, Annalena", sagte er leise, und der Unterton von Sarkasmus war nicht zu überhören. "Und wieder einmal bin ich derjenige, der die Scherben deines... Mitgefühls zusammenkehren darf."
      Er erhob sich langsam und kam auf uns zu, jeder Schritt hallte auf dem Parkett wider. Obwohl ich wütend über seine Kälte war, spürte ich gleichzeitig eine Welle der Erleichterung. Lake würde helfen, so wie er es immer tat, auch wenn er mich den Preis dafür spüren lassen würde.
    • Ian

      Meine Beine fühlten sich so an als würden sie jeden Moment zusammenbrechen. Ich war ein Wrack und dieses Mal war das Gefühl heftiger als sonst. Das sie mich vom Park wegführten war wohl die bessere Idee, denn sonst würde es doch so enden wie mein Dämon es wollte.
      Kyle und Ann hatten es nicht leicht mich hier wegzubringen und sie überlegten hin und her wo sie mich hinbringen sollten. Die Idee nach Hause zu Ann zu gehen fand ich fürs erste nicht schlimm, da der Weg bis dorthin nicht allzu weit weg war, wie zu meinem Haus und ich wusste das ich es nicht bis dahin schaffen würde. Also trugen sie mich bis zu ihrer Tür. "Meldet euch bitte bei uns ja?" Max, Tommy und Kyle verabschiedeten sich von uns und kehrten um. Ich blieb mit Ann im Herrenhaus stehen. Es wirkte nicht so wie ich es erwartet hatte.. Es hatte etwas mystisches an sich. Die schwere Tür fiel hinter uns ins Schloss und Ann tauschte ein paar Worte mit der Haushälterin, ehe wir in Richtung Salon steuerten. Sie setzte mich behutsam auf dem Sofa ab und dann spürte ich eine Präsenz in dem Raum, die mächtiger war als alles was ich je in meinem Leben gespürt hatte. Ihr Onkel sahs neben dem Kamin und las eine Zeitung. Nachdem Ann ihm um Hilfe gebeten hatte, traf mich sein Blick mit so einer Intensität, das mir das Blut in den Adern gefrierte. Wer war er? Oder besser gesagt was war er? Doch bevor ich mir ein Urteil bilden konnte, kam die Haushälterin und reichte uns das Tuch mit dem Eis, welches sogleich behutsam auf meine Knöchel gelegt wurde. Ich verzog das Gesicht ein wenig. Denn der Schmerz kam jetzt mit voller Wucht. Wie schlimm hatte ich auf Tristan eingeprügelt das meine Knöchel so sehr schmerzten, das ich das Gefühl hatte das die obere Hautschicht nicht mehr vorhanden war.
      Spätestens morgen in der Schule würde ich es herausfinden, sofern er auftauchen würde. Was war nur sein Problem das er mich ständig im Visier hatte und jetzt auch noch Ann mit hinein zog. War er wirklich so unzufrieden mit seinem Leben? Dieser Typ war ein Rätsel.. Vielleicht hatte er Angst oder er sieht in mir eine Bedrohung.. Keine Ahnung. Ich war es satt ständig mit ihm aneinander zu geraten.
      Die Kühle des Eises tat gut und ich lehnte mich auf dem Sofa richtig zurück. Mein Blick hielt dem von ihrem Onkel weiterhin stand. Ich war gespannt was er jetzt tun würde.
    • Annalena

      Ich biss mir auf die Lippe und sah unsicher zu Ian, der völlig erschöpft in den Polstern des schweren Sessels lehnte. Er wirkte, als würde er kaum mitbekommen, was um ihn herum geschah. Dann wandte ich mich wieder Lake zu, dessen Schweigen mich fast wahnsinnig machte. "Lake, es war... es war nicht normal", flüsterte ich, meine Stimme kaum mehr als ein Hauch. "Seine Augen waren so dunkel, fast schwarz, und er war glühend heiß, als hätte er Fieber. Ich... ich glaube hat einen inneren Kampf geführt jedenfalls war er nicht er selbst. Und diese Kraft... diese rohe, unbändige Energie in seinen Muskeln, als Tristan ihn provoziert hat... das war keine normale Wut." Mit jedem Wort, das ich aussprach, schien die Luft im Salon ein Stück weiter abzukühlen. Lakes Ausstrahlung wurde eisig, sein Blick so bohrend, dass ich am liebsten weggesehen hätte. Ich bemerkte, wie sich sein Kiefer leicht bewegte, ein winziges Zucken, als würde er mit aller Macht seinen Unmut oder eine dunkle Vorahnung zurückhalten. Die Stille zwischen uns wurde unerträglich.
      "Lake, bitte!", fuhr ich ihn flehend an, den Tränen nahe. Er starrte mich noch einen Moment lang an, dann löste sich die Starre in seinem Gesicht, nur um einer tiefen, bitteren Ernsthaftigkeit zu weichen. "Ich habe dir doch schon einmal die Geschichte von den zwei Wölfen erzählt...", begann er mit einer Stimme, die seltsam hohl klang. "Sie beschreibt den Kampf, den jeder in seinem Inneren austrägt. Ein alter Cherokee lehrt seinen Enkel, dass in jedem Menschen zwei Wölfe kämpfen: Einer steht für Angst, Zorn und Neid, der andere für Liebe, Freude und Hoffnung. Und wenn der Junge fragt, welcher Wolf gewinnt, ist die Antwort immer dieselbe: Der, den du fütterst." Er brach abrupt ab, als hätte er schon zu viel gesagt. Sein Blick glitt kurz zu Ian, dann wandte er sich mit einer fast schon angewiderten Geste ab. "Ich muss telefonieren. Kümmere dich solange um seine Verletzungen." Verwirrt und mit klopfendem Herzen sah ich ihm nach, wie er mit wehendem Rock den Salon verließ. Was war das gerade? Warum wirkte er so alarmiert?
      In diesem Moment klopfte es leise und die Haushälterin trat ein. Sie stellte ein Glas Wasser auf den Beistelltisch und legte den Verbandskasten bereit. "Der arme Junge", murmelte sie und sah Ian mitleidig an. "Soll ich seine Eltern verständigen, Annalena? Sie machen sich sicher schreckliche Sorgen."
      Ich schüttelte den Kopf, während ich vorsichtig ein Desinfektionstuch aus der Packung zog. "Nein, danke. Er... er hat keine Eltern hier in Forks. Er ist allein hier." Die Haushälterin sah mich fassungslos an, schien etwas sagen zu wollen, entschied sich aber dagegen und verließe kopfschüttelnd den Raum. Ich wandte mich wieder Ian zu und begann ganz vorsichtig, das getrocknete Blut von seinen Knöcheln zu tupfen. "Ian?", fragte ich leise. "Wie geht es dir? Kannst du mich hören?" Ein leises Scharren lenkte mich ab. Ink, mein Hermelin, schlich vorsichtig unter einem Schrank hervor. Er huschte flink über den Teppich und sprang mit einem Satz auf die Lehne von den Sofa auf den wir sahsen. Er gab ein leises, trillerndes Geräusch von sich und stupste Ians gesunden Arm mit seiner feuchten Nase an, als wollte er sagen: "Kopf hoch, wird schon wieder." Ein winziges Lächeln stahl sich auf mein Gesicht. Doch die Aufheiterung währte nur kurz. Sobald Lakes schwere Schritte auf dem Flur zu hören waren, verschwand Ink mit einem blitzschnellen Satz wieder im Schatten unter dem Sofa. Lake trat in den Salon, sein Gesichtsausdruck war nun vollkommen unleserlich, eine Maske aus professioneller Distanz und eisiger emotionaler Festung. Er sah uns beide an und sagte mit einer Endgültigkeit, die keinen Widerspruch duldete: "Es ist wohl besser, wenn dieser junge Mann die Nacht hier bleibt. In seinem Zustand sollte er nicht allein sein." Da waren wir uns wenigstens einig.
    • Ian

      Ich fühlte mich das erste Mal in meinem Leben an einem Ort überhaupt nicht wohl. Ob es an diesem ziemlich düsteren Herrenhaus lag oder an der Präsenz die von Ann´s Onkel ausging, war mir nicht klar. Vielleicht war es die Mischung aus beidem. Mein Körper war schwach und ich fühlte mich ausgelaugt. Ich war froh als ihr Onkel den Blick von mir abwandte und sich mit Ann unterhielt. Ich schloss die Augen für den Moment und versuchte im hier und jetzt zu bleiben. Atmen, einfach nur ruhig und langsam ein und aus atmen
      Diese Worte sprach ich immer wieder in meinen Gedanken und setzte sie auch um. Alles um mich herum blendete ich aus und ich nahm kaum war als Ann sich neben mich setzte und ihr Onkel den Raum verließ. Ich konnte hören das sie etwas zu mir sagte und meine Knöchel vorsichtig versorgte. "Es geht...", hauchte ich.
      Als das kleine Wiesel meinen Arm mit seiner feuchten Nase berührte zuckte ich zusammen und öffnete meine Augen wieder. Ich sah wie Ann das Wesen anlächelte und von jetzt auf gleich erstarb ich Lächeln wieder. Ein eiskalter Hauch umgab den Raum, als ihr Onkel wieder in den Salon kam. Er sprach davon das ich hier bleiben sollte. Zu mindestens für diese Nacht. Mir war nicht Wohl bei diesem Gedanken. Aber anscheinend hatte ich keine Wahl.. zu Hause würde ich nur durchdrehen.. Hier war ich doch halbwegs gut aufgehoben. So hoffte ich jedenfalls.. Ich nahm mit zitternden Händen das Glas Wasser von dem kleinen Tisch und trank es komplett leer. Mein Körper fühlte sich an als würde er jeden Moment verbrennen, so warm war es mir und der Kamin hier in dem Zimmer machte die ganze Sache nicht besser. Schweißperlen liefen über meinen Körper. Ich sah Ann stöhnend an. "Können wir woanders hin.. Hier ist es viel zu warm.." Am liebsten würde ich mir die Haut vom Körper schälen.. den es war unerträglich hier drinnen.

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    • Annalena

      Ich sah Ian an und mein Herz zog sich schmerzhaft zusammen. Er wirkte so verloren in diesem massiven Ohrensessel. Das Zittern seiner Hände, während er sich an das Wasserglas klammerte, sprach Bände. Dieser Ausbruch hatte ihn nicht nur Kraft gekostet ...er hatte ihn regelrecht ausgehöhlt. Es war fast so wie bei mir vor einigen Wochen als meine magischen Kräfte vollends erwacht und zu Tage getreten waren. Nur hatte ich während dieses Crashouts zum Glück Logan an meiner Seite. Als er schließlich mit krächzender Stimme nach einem anderen Ort fragte und über die Hitze klagte, starrte ich ihn erst einmal fassungslos an. Meine Kehle war wie zugeschnürt, als ich nur stumm nicken konnte.
      Eigentlich wollte ich ihn nach oben bringen. Weg von Lakes sezierendem Blick, der sich anfühlte wie ein Skalpell auf meiner Haut. Doch bevor ich Ian aufhelfen konnte, suchte ich noch einmal den Augenkontakt zu meinem Patenonkel. Ich schluckte schwer. Mein Blick war erst eine stumme Warnung, dann kippte er ins Flehende. Eine wortlose Bitte, diesen Jungen tiefer in unser Heiligtum lassen zu dürfen, auch wenn jede Faser meines Verstandes schrie, dass das eine fatale Idee war.
      Während wir auf die Treppe zusteuerten, nagte die Sorge an mir. Ian in mein Zimmer zu bringen, war ein Spiel mit dem Feuer und ich sprach hier leider nicht nur von Metaphern. Ich teilte mir diesen Raum nicht nur mit Ink, der gerade versuchte, Ians Schnürsenkel zu jagen, sondern auch mit dem Grimoire. Diesem gehässigen "alten Schinken", der Gäste etwa so sehr schätzte wie eine Motte das Licht. Ich betete inständig, dass das Buch der Schatten einfach mal die Klappe hielt. Vielleicht bot sich ein unbewachter Moment, in dem ich nach einem Zauber suchen konnte. Irgendetwas, das dieses lodernde Etwas in Ian bändigte. Sicher, Magie an Sterblichen war meistens streng verboten, aber seien wir ehrlich: Wer Ink nicht nur sehen, sondern auch kraulen konnte, war etwa so "normalsterblich" wie ich eine begnadete Wissenschaftlerin war. Was da im Park passiert war, entsprang keiner einzigen logischen Regel.
      Doch Lake war uns bereits gefolgt. Er hatte Mrs. Baker für heute freigestellt, was bedeutete, dass nur noch wir drei in diesem riesigen, plötzlich viel zu stillen Kasten von einem Haus waren. Lake hielt inne und beobachtete uns mit einer Miene, die irgendwo zwischen klinischem Interesse und tiefer Missbilligung schwankte.
      "Die Hitze kommt nicht vom Kamin, Annalena", stellte er trocken fest. "Sein System versucht, den Rest der überschüssigen Energie zu verbrennen. Wenn du ihn abkühlen willst, bring ihn in den Wintergarten. Die Steinböden dort ziehen die Wärme aus den Knochen besser als jedes offene Fenster." Ich nickte, dankbar für diesen winzigen Funken Kooperation. "Gute Idee." Es klang schlüssig doch irgendwie wurde ich den Gedanken nicht los, dass er es lieber mochte wenn ich mit Ian irgendwo hier unten blieb statt allein in mein Zimmer zu verschwinden.
      Der Wintergarten war ein Anbau aus Glas und schwerem Eisen, der direkt an den dunklen Garten grenzte. Hier war die Luft dünner, kühler und duftete nach feuchter Erde. Ich half Ian auf eine Rattan-Liege und öffnete ein Fenster einen Spalt breit. Die Nachtluft von Forks strömte herein, ein Segen gegen das Fieber, das Ian auszustrahlen schien.
      Ich kniete mich neben ihn und tupfte ihm mit dem feuchten Tuch den Schweiß von der Stirn. "Besser?", flüsterte ich. "Ich weiß, es fühlt sich an, als hättest du einen Düsenjet verschluckt, aber du bist hier sicher. Ich verspreche es dir."
      Während ich ihn beobachtete, kämpfte ich mit meinen eigenen Kräften. Meine Fingerspitzen kribbelten unangenehm ,ein Zeichen dass meine Magie auf meine Sorge reagierte wie ein nervöser Hund. Atmen, Ann. Klaren Willen fassen. Nicht jetzt ausrasten und die Glasfront sprengen. Ich zwang mich zur Ruhe, auch wenn ich mich innerlich fühlte, als würde ich auf einem Drahtseil über einem Vulkan balancieren.
      Ink flitzte zwischen den Farnen umher, schlug Purzelbäume und versuchte Ian mit kleinen Sprüngen zum Lächeln zu bringen. Es war ein bizarrer Anblick: Die unschuldige Freude meines Vertrauten direkt neben dem Abgrund, der immer noch in Ians Augen lauerte. Sein Atem wurde flacher, während sein Körper gegen die aufgestaute Hitze ankämpfte. Als er seine Hand auf die kühlen Steinplatten sinken ließ, schien das Zittern endlich nachzulassen.
      Plötzlich hörte ich Schritte. Lake trat in den Türrahmen, das fahle Licht ließ ihn wie eine Statue aus Stein wirken. Er beobachtete uns eine Weile schweigend. Mein warnender Blick traf seinen. Hilf ihm einfach, anstatt nur eine düstere Kulisse abzugeben, dachte ich verbissen. Lake trat einen Schritt näher. "Er sollte versuchen zu schlafen, Annalena. Sein Körper fordert den Tribut für die Verschwendung von Energie, die er gar nicht besitzen dürfte." Ich hatte seitdem Zeitpunkt an dem ich wusste, das Lake und ich mehr waren als eine zerrüttete Familie niemals weiter nachgefragt aber gerade wurde mir schmerzlich bewusst dass dieser Mann mehr wusste... viel mehr als ich. "Er besitzt sie aber nun mal", gab ich leise zurück. "Falsch", entgegnete Lake kühl. "Sie besitzt ihn. Und wenn du glaubst, dass ein nasser Lappen das heilt, was da in ihm gärt, dann war dein Unterricht wohl völlig umsonst." Ich hatte ihn weder danach gefragt woher oder was genau er war aber... auch er schien sich davor zu hüten die Karten auf den Tisch zu legen. Stattdessen schien er sich auch noch darüber lustig zu machen?! Nun gut, ich konnte mit meinen trockenen Humor und den leichten Spitzen ja auch nicht hinter den Berg halten wenn mich innerlich etwas quälte.
      Ich schluckte den Kloß in meinem Hals hinunter. Ink sprang gerade über Ians Beine und vollführte einen Purzelbaum, was Ian ein kaum merkliches Zucken der Mundwinkel entlockte. Ein winziger Sieg der Normalität gegen das Chaos.
      Lake zögerte. Für den Bruchteil eines Augenblicks schien die kühle Maske zu bröckeln, und ich sah, wie er mit seinen eigenen Dämonen rang. "Bleib bei ihm", wies er mich schließlich an und wandte sich ab. "Jetzt, wo Mrs. Baker weg ist, kann ich weitaus mehr für euch tun." Sein Tonfall wurde eine Nuance weicher, und da war eine Wehmut in seiner Stimme, die mir das Herz schwer werden ließ.
      "Ähm... d-danke?", stammelte ich ihm hinterher, doch er seufzte nur schwer und verschwand in Richtung Keller.
      Zurück blieb ich mit einer ziemlich miesen Mischung aus Gefühlen. Ich sorgte mich um Ian, war völlig überfordert mit der Situation und versuchte krampfhaft, meinen Fokus zu schärfen, um nicht auch noch die Kontrolle über meine instabile Magie zu verlieren. Und zu allem Überfluss empfand ich jetzt auch noch Mitleid für Lake. Großartig. Als hätte ich heute nicht schon genug auf der Liste.
    • Ian

      Ann zog mich behutsam auf die Beine, ich wackelte ein wenig, denn meine gesamte Energie schien plötzlich von jetzt auf gleich auf Null zu fallen. Ich versuchte einen Schritt vor den Anderen zu setzen, bis wir an der großen Treppe zum Stehen kamen. Ein Zögern von Ann´s Seite war zu spüren. Ihr hilfloser Blick ging zu ihren Onkel und er gab ihr einen entschiedenen Tipp wo sie mich unterbringen konnte. Vorsichtig gingen wir zum Wintergarten. Sofort strömte die kühle Luft des Raumes über meinen Körper und ich wurde auf eine der Liegen abgesetzt. Ich atmete langsam aus. Meine Lungen brannten, doch die kühle Luft fühlte sich wesentlich besser an, als im Salon.
      Ich nickte bei ihrer Frage mit den Kopf. War nicht fähig gerade ein Wort zu sprechen. Ich lehnte mich an der Lehne an und ließ meine Hand auf den kalten Marmorboden gleiten. Allmählich verebbte das Zittern in meinem Körper. Mein Herzschlag beruhigte sich und mein Puls auch. Das feuchte Tuch, welches Ann zum Tupfen auf meiner Stirn benutzte, war plötzlich wieder staubtrocken. Mein Körper zog jegliche Feuchtigkeit aus diesen heraus. Die Stimme von ihrem Onkel durchschnitt die Ruhe in dem Raum. Ich zögerte nicht und sah ihn wieder an. Sein Gesichtsausdruck war jetzt ein wenig anders als noch im Salon. Ob das ein gutes Zeichen war wusste ich nicht. Ich kam mir vor wie ein Eindringling.. auch wenn ich nichts für meine Situation konnte. Dieses doofe Wolfsgen.. wieso musste es ausgerechnet heute wieder so stark aus mir herausbrechen, das ich die völlige Kontrolle über mich verlor und fast drauf und dran war Ann zu verletzten? Wenigstens behielt ich noch einen Funken Menschlichkeit in mir um den Dämon in meinem Kopf zum Schweigen zu bringen, ehe die ganze Sache vollkommen eskaliert wäre. Dann hätte mich ihr Onkel sicherlich niemals in dieses Haus gelassen. Sondern zum Teufel gejagt.
      Das ich schlafen sollte klang nach einer guten Ideen. Sofort fielen mir die Augen zu und ich atmete kontrolliert weiter, während ich immer tiefer in der Liege versank. In meinem Kopf tobte weiterhin ein Hurrikan aus Gefühlen, Ereignissen und Bildern. Zwischen den schönen Momenten mit Ann, mischten sich auch Bilder vollkommener Zerstörung dazwischen. In einem Moment genossen wir die Ruhe auf der Lichtung, Arm in Arm, während sich im nächsten Augenblick meine Krallen in ihr Herz bohrten. Das Fieber lies mich diese Träume durchleben. Heftiger als das letzte Mal.. Ich versuchte weiterhin ruhig zu atmen.. Ich wollte nicht das Ann sich noch mehr Sorgen um mich machte als so schon. Innerlich ohrfeigte ich mich dafür, das ich sie in die Sache mit hineingezogen hatte. Ohne mich wäre sie besser dran.. Hör auf sowas zu denken, ohne sie wärst du schon längst zerbrochen
      Meine Vernunft sprach zu mir und ja.. Wenn Ann nicht in mein Leben gestolpert wäre, wäre ich schon längst meinem Dämon verfallen. Aber konnte ich ihr dennoch diese Last weiterhin aufbürden?
    • Annalena

      Ich saß auf dem harten Boden direkt neben seiner Liege und beobachtete, wie seine Lider flatterten. Ian war in einen unruhigen Schlaf gefallen, aber von Entspannung konnte keine Rede sein. Sein Körper war ein Schlachtfeld. Jedes Mal, wenn ich das Tuch erneut befeuchtete und auf seine Stirn legte, zischte es fast schon, die Feuchtigkeit verdampfte in Sekunden. "Du machst Sachen, Ian Black", flüsterte ich und strich ihm eine verschwitzte Locke aus der Stirn. Ink war mittlerweile müde geworden. Er hatte sich zusammengerollt und lag wie ein lebendiger, weißer Pelzkragen auf Ians Brust, als wollte er das Pochen seines Herzens mit seinem eigenen kleinen Körper beruhigen. Es war ein rührender Anblick, doch er konnte mich nicht über die nackte Angst hinwegtäuschen, die in mir aufstieg.
      Lakes Worte hallten in meinem Kopf wider: "Sie besitzt ihn." Ich spürte, wie meine eigene Magie unter meiner Haut pulsierte, unruhig und fordernd. Emotionaler Anker, Ann. Denk an das Café. Denk an den Duft von frisch gemahlenem Kaffee. Atme. Ich zwang mich, das Kribbeln in meinen Fingerspitzen zu ignorieren, das am liebsten als helles Licht aus mir herausgebrochen wäre, nur um die Schatten zu vertreiben, die über Ians Gesicht huschten.
      Als Lake schlussendlich wieder den Raum betrat, spürte ich eine Veränderung in der Luft nicht mehr nur diese eisige Distanz, sondern etwas Schwereres, Bedeutungsvolleres. Er hielt mir einen silbernen Ring hin, dessen Oberfläche im fahlen Licht matt glänzte. "Das ist ein geweihter Talisman von einem Cherokee-Schamanen", sagte er mit dieser tiefen, kontrollierten Stimme. "Sein Segen zögert das Unvermeidliche allerdings nur heraus. Doch für den Moment... sollte er ihn etwas entlasten." Das Wort unvermeidlich traf mich wie ein Schlag in die Magengrube, aber ich zwang mich, ruhig zu bleiben. Meine eigene Magie kribbelte gefährlich unter meinen Fingerspitzen, genährt von der Angst um den Jungen auf der Liege. Ich nahm den Ring entgegen. Das Metall fühlte sich seltsam lebendig an, fast so, als würde es einen eigenen Herzschlag besitzen.
      Ohne groß darüber nachzudenken, stand ich auf und umarmte Lake. Er erstarrte augenblicklich, als hätte ich eine Statue aus Marmor umschlungen. Er war so steif, dass ich für eine Sekunde befürchtete, er würde mich wegschieben. "Ich weiß... dass es nicht einfach für dich ist", murmelte ich gegen seine Schulter, während mir die Tränen der Erleichterung fast die Sicht nahmen. "Aber... mir bedeutet er nun einmal wirklich viel und ich... ich... danke sehr, Lake." Es vergingen Sekunden, in denen ich nur das Ticken der Standuhr im fernen Flur hörte. Dann spürte ich, wie Lake schwer schluckte. Die unnachgiebige Spannung in seinen Schultern wich einer fast schon schmerzhaften Müdigkeit. Ganz langsam, als müsste er sich erst wieder daran erinnern, wie man es macht, legte er seine Arme um mich und erwiderte die Umarmung fest. "...ich weiß. Schon gut", klang seine Stimme in meinem Ohr, tief und belegt. Es war kein langer Moment, aber er reichte aus, um das Eis zwischen uns für einen Augenblick zu schmelzen. Als er mich schließlich sanft wieder losließ, rückte er sich sofort die Weste zurecht, als müsse er seine Rüstung wieder schließen.
      Ich drehte mich sofort zu Ian um. Ganz vorsichtig nahm ich seine heiße Hand und schob den Ring auf seinen Finger. In dem Moment, als das Silber seine Haut berührte, geschah etwas Seltsames. Ein leises, fast unhörbares Summen ging durch den Raum. Der Talisman wirkte wohl wie eine Art Blitzableiter. Ich setzte mich wieder auf den Boden, lehnte meinen Kopf gegen die Liege und schloss für einen Moment die Augen. "Danke, Lake", flüsterte ich in die Stille hinein. Ich wusste, dass wir die Gefahr nur eingesperrt hatten, aber dieser Käfig gab uns Zeit. Und Zeit war im Moment alles, was ich brauchte. Mein Patenonkel verschwand wieder für eine Zeit, kam aber mit zwei dicke Wolldecken und eine Thermoskanne mit dampfendem Tee wieder zurück. Er bewegte sich so lautlos wie eh und je, doch als er sich schließlich neben mich auf den harten Steinboden sinken ließ, wirkte er weniger wie ein strenger Mentor und mehr wie... ein Onkel. "Dann halten wir halt zusammen Nachtwache", brummte er und reichte mir einen Becher, aus dem der würzige Duft von Eisenkraut und Baldrian stieg. "Magisch begabt oder nicht... so unerfahren, wie du noch bist, kannst du ohnehin nichts tun, falls der Junge im Schlaf die Kontrolle verliert. Ich werde also auf euch Beide aufpassen müssen." Ich nahm den Tee mit beiden Händen entgegen und genoss die Wärme, die in meine klammen Finger zog. "Danke, Lake", murmelte ich. Normalerweise hätte ich auf seinen Kommentar über meine Unerfahrenheit mit einem trockenen Spruch reagiert, aber heute Nacht fehlte mir die Kraft für Sarkasmus. Mein Blick glitt zu Ian, der dank des Rings nun ruhig atmete. Ink hatte es sich in der Zwischenzeit in einer Falte der Decke gemütlich gemacht, die Lake über Ians Beine geworfen hatte.
      Nach einer Weile, in der nur das ferne Ticken der Uhr und Ians regelmäßiger Atem zu hören waren, gab ich dem Drang nach und lehnte mich ein Stück enger an Lake. Zu meiner Überraschung versteifte er sich dieses Mal nicht.
      In diesem Moment bemerkte ich es zum zweiten Mal: Seine Nähe fühlte sich nicht mehr eiskalt an. Die frostige Aura, die ihn sonst immer wie ein Schutzpanzer umgab, war weicher geworden. Es war eine seltsame, fast vergessene Wärme, die von ihm ausging... eine, die mich an meine frühe Kindheit erinnerte, bevor die Magie und die Geheimnisse alles kompliziert gemacht hatten. Ich lehnte meinen Kopf ganz gegen seine Schulter und starrte hinaus in den dunklen Garten, wo der Regen von Forks leise gegen die Glasscheiben des Wintergartens trommelte. "Du solltest versuchen, ein wenig zu schlafen, Annalena", sagte er leise, ohne den Blick von der Tür zu wenden. "Ich bin hier. Ich passe auf euch beide auf." Ich schloss die Augen und ließ mich von der ungewohnten Geborgenheit einhüllen. Das Kribbeln unter meiner Haut, das Zeichen meiner instabilen Kräfte, beruhigte sich zusehends. "Nur ein paar Minuten...", flüsterte ich, während die Erschöpfung des Tages mich schließlich einholte. Hier im Wintergarten, zwischen den exotischen Pflanzen, meinem schweigenden Patenonkel und meinen schlafenden Freund, fühlte sich die Welt für einen winzigen Augenblick wieder so an, als könnte man sie irgendwie zusammenhalten.
    • Elené

      Ich war gerade dabei den Garten zu gießen, als plötzlich das Haustelefon klingelte. Ich wischte mir den Schweiß von der Stirn und drehte den Wasserschlauch zu. Mit schnellen Schritten ging ich über die Terrasse ins Haus und legte meine Handschuhe auf die Kommode ab. "Ja hier Black?" Die Stimme am anderen Ende der Leitung ließ mein Herz schneller schlagen. Es war Lake und er klang mehr als alarmiert. "Was ist passiert geht es um Ian?" Die Sorge stand mir ins Gesicht geschrieben und er schilderte mir was passiert ist. Ich hatte selbst den ganzen Tag schon so ein ungutes Gefühl in meinen Inneren und er bestätigte das nun auch noch.
      "Wie geht es ihm?" Ich hielt den Hörer fest an meinem Ohr und stützte mich mit der anderen Hand an der Kommode ab. Es war wieder schlimmer geworden und Lake erklärte mir wie es Ian gerade ging. "Danke das du ihn über Nacht bei dir lässt. Ich weiß das es sicherlich keine leichte Entscheidung war.. aber ich vertraue dir." Lake war die einzige Person aus Forks der ich mehr vertraute, als mir selbst. Er war mein Anker und meine engste Bezugsperson. "Lake hör zu. Tu bitte alles was in deiner Macht steht um meinen einzigen Sohn zu retten ja? Versprich es mir." Er wusste was zu tun war, doch nachdem er aufgelegt hatte, fühlte sich meine Welt gerade so an als würde sie auseinander brechen. Ich konnte nicht hier in L.A sein, während mein Sohn mit seinem inneren Dämon kämpfte.
      Es war eine überschnelle Entscheidung gewesen, doch ich buchte einen Flug um im Laufe der Woche bei Ian zu sein. Hier konnte ich ihm nicht helfen, dort in Forks wäre ich nützlicher. Ich öffnete meinen Laptop und sagte alle Termine bis auf Weiteres ab. Meine Kunden würden es verstehen und wenn nicht würde ich auch woanders einen Job als Fotografin finden. Ich lief aus dem Haus, rüber zu meiner Nachbarin. Ich schilderte ihr das Ian erkrankt ist und ich für eine Weile nach Forks gehe. Sie sah mich besorgt an, gab mir aber ihr Versprechen sich um mein Haus und Garten zu kümmern, bis ich wieder zurück komme. Ich war ihr sehr dankbar und ging zurück um meine Sachen zu packen. Übermorgen ging der Flieger und ich hoffte das Ian bis dahin durchhielt.



      Der nächste Morgen

      Ian

      Vorsichtig öffnete ich meine Augen und ich konnte mich kaum an die Geschehnisse der letzten Nacht erinnern. Wo bin ich?
      Ich sah auf meinen Schoß wo das kleine Wiesel von Ann friedlich eingerollt vor sich hin schnarchte. Neben der Liege konnte ich Ann ausmachen, die mit dem Kopf an der Liege lag. Stück für Stück kamen ein paar Fetzen zurück und ich wusste zu mindestens das ich nicht im meinem Haus war. An meinem Finger machte ich einen Silberring aus. Seit wann trug ich den? Doch ich konnte nicht groß darüber nachdenken. Neben mir regte sich etwas und ich sah in die verschlafenen Augen von Ann. "Guten Morgen", sprach ich leise zu ihr. Ihr Gesichtsausdruck war eine Mischung aus Traurigkeit und Erleichterung. Ihre Umarmung traf mich hart. "Wow langsam. Nicht das du mich noch zerdrückst." Ich strich ihr behutsam über ihre zerzausten roten Haare. "Alles ist gut ich bin hier." Das Wiesel fing an zu zwitschern, wohl aus Protest, das wir es geweckt hatten. Ich konnte mir ein Kichern nicht verkneifen. Mein Körper fühlte sich so an als hätte er die Nacht einen harten Kampf ausgetragen. Ich blickte in die Augen von Ann. "Was ist passiert? Warum bin ich hier?"
    • Annalena

      Das fahle Licht des Morgens sickerte durch die hohen Glasfronten des Wintergartens und tauchte alles in ein unnatürliches Grau. Mein Nacken fühlte sich steif an, und meine Glieder waren schwer wie Blei, doch als ich spürte, wie sich Ian auf der Liege regte, war jede Müdigkeit schlagartig verflogen. Ich hob den Kopf von der harten Kante der Rattan-Liege und blinzelte. Mein Herz setzte für einen Schlag aus, als ich sah, dass Ian die Augen geöffnet hatte. Er wirkte orientierungslos, sein Blick wanderte fahrig durch den Raum, bis er an mir hängen blieb. Ink, der auf seiner Brust zusammengerollt war, stieß ein leises Schnattern aus und reckte sich, bevor er mit einem flinken Satz im Gebüsch der Farne verschwand. "Ian!" Ich war so froh, ich war so unendlich froh darüber ihn wieder deutlich lebendiger und normaler zu sehen. Ich konnte diese Freude kaum verbergen und obwohl ich wirklich todmüde war fiel ich ihn direkt um den Hals. Einen Moment lang schloss ich die Augen, drückte Ian etwas fester an mich und atmete seinen Geruch ein. Dieser Hauch von Normalität kam mir fast himmlisch vor. Schlussendlich ließ ich etwas locker und lehnte mich etwas zurück um ihn in die Augen zu schauen, welche zu meiner Erleichterung wieder in warmen Bernstein getränkt waren. Gott sein Dank! "Guten Morgen", flüsterte ich, meine Stimme war vom Schlaf noch ganz rau. Ich beobachtete genau, wie er auf den silbernen Ring an seinem Finger starrte. Das Metall war nicht mehr strahlend, sondern matt und dunkel, als hätte es die ganze Nacht über Schwerstarbeit geleistet. "Du bist bei mir zu Hause. Alles ist gut. Du hast ... du hast sehr tief geschlafen." Ich biss mir auf die Lippe. Wie viel sollte ich ihm sagen? Wie erklärt man jemandem, dass er im Schlaf fast den Verstand verloren hätte, während ein uralter Talisman und ein wortkarger Pate über ihn gewacht hatten?
      Ich spürte eine Präsenz hinter mir, noch bevor ich die Schritte hörte. Lake stand im Schatten der Türschwelle, die Weste tadellos glatt gestrichen, als hätte er nicht die halbe Nacht auf dem harten Boden gesessen. Seine Maske war wieder perfekt an ihrem Platz, doch seine Augen wirkten müde.

      Lake

      Ich beobachtete den Jungen aus der Distanz, die Hände hinter dem Rücken verschränkt. Er war wach, und was noch wichtiger war: Die unnatürliche Hitze, die gestern noch von ihm ausgegangen war, schien sich in ein glimmendes Feuer zurückgezogen zu haben. Aber das der Wolf war noch da. Ich spürte es, ein tiefes, dunkles Grollen unter der Oberfläche seiner menschlichen Fassade.
      Annalena sah mich bittend an, ihre Augen groß und voller stummer Fragen. Sie wollte, dass ich ihn beruhigte, dass ich log, dass ich die Welt wieder heil machte. Doch die Wahrheit war ein hässliches Ding, und sie würde sich nicht länger verbergen lassen.
      "Du solltest den Ring lieber erst einmal eine Weile bei dir behalten", sagte ich, meine Stimme schnitt durch die morgendliche Stille wie ein Skalpell. Ich trat einen Schritt vor, gerade weit genug, um den Jungen direkt in die Augen zu sehen. "Er ist kein Schmuckstück. Er ist eine Sicherung. Wenn du ihn abnimmst, bevor dein Organismus sich stabilisiert hat, legst du das Haus in Schutt und Asche..." Mein Blick suchte unwillkürlich Annalena ehe sich mich sofort wieder auf unseren... Gast konzentrierte. "...und dich gleich mit."
      Ich sah, wie er schluckte, wie die Verwirrung in seinem Blick langsam in Misstrauen umschlug. Er hatte Fragen, Hunderte davon, und ich konnte spüren, wie Annalena innerlich zusammenzuckte, bereit, ihn zu verteidigen. "Annalena, vielleicht ist es besser und du bringst ihm etwas zu essen und Tee.", wies ich sie an, ohne den Blick von Ian abzuwenden. "Er braucht Substanz. Und du auch." Als sie zögernd den Raum verließ, blieb ich allein mit ihm zurück. Ich spürte das Pochen in meinen eigenen Schläfen... Nicht doch... Elené war unterwegs das hatte sie mir am Telefon mehr als deutlich gemacht. Und wenn sie erst einmal hier war, würde die Zeit der Halbwahrheiten endgültig vorbei sein. Ich musste den Jungen vorbereiten, ob er wollte oder nicht. "Du glaubst vermutlich, dass du krank bist. Oder kaputt. Oder wahnsinnig, ein Fehler oder.., ein Monster.", begann ich leise, während ich zum Fenster hinaus in den Nebel von Forks starrte. "Aber die Wahrheit ist weitaus komplizierter. Du bist kein Opfer eines Gens oder eines Virus oder irgendeines Fluchs. Du bist das Ergebnis einer sehr alten und mächtigen Erblinie, die unter Anderen hier in dieser Stadt ihre Wurzeln hat."