Statt mit einem Handy, kam der Apothekar zunächst mit einer Gabel an, die er Georgia wortlos präsentierte. Die starrte das Besteck verständnislos an, weil sie nicht wusste, was sie damit anfangen sollte. Ehrlicherweise hatte sie gar nicht so weit gedacht, dass es hier sauberes Besteck geben könnte.
„Ich könnte dir ein Handy geben. Aber dann wirst du keinen Anruf tätigen, sondern nur eine SMS schreiben können."
Georgia wurde gleich ein bisschen lebendiger.
"Aber -"
"Ich bin mir sicher, dass die die Leitung bei der Familie abhören und nur darauf warten, dass du sie anrufst. Ich hab entsprechend wenig Lust darauf, dass die uns hier orten können.“
Georgias Protest erstarb ihr noch im Hals, denn eigentlich hätte sie das selbst wissen können. Eigentlich hätte sie das ahnen müssen. Wenn sie nur ein bisschen nachgedacht hätte, wäre ihr bewusst geworden, dass sie selbst es genau so handhaben würde.
Für einen Augenblick war sie froh darum, dass sie den Apothekar deswegen hatte fragen müssen. Es war kaum vorstellbar, was für einen fatalen Fehler sie begangen hätte, wenn sie selbst ein Telefon zur Verfügung gehabt hätte.
Während sie nach den Pilzen nun anfing, mit der Gabel den geschmolzenen Käse von der Pizza zu kratzen und zu essen, verschwand der Mann in einem Nebenzimmer und kam mit einem klapprigen Einmal-Handy wieder. Wäre Georgia nicht plötzlich so versessen darauf, ihre Familie zu kontaktieren, hätte sie sich darüber Gedanken gemacht, dass dieser Mann natürlich ein derartiges Handy besaß. Etwas anderes hätte gar nicht zu ihm gepasst.
„Du gibst es mir zurück, sobald du eine Antwort von deiner Familie bekommen hast. Keine Anrufe. Selbst dann nicht, wenn sie dich anrufen, klar? So viel Diskretion müssen wir wahren.“
"Aber - nur ganz kurz. Wirklich nur ganz kurz. 30 Sekunden?"
„Du weißt doch, wie das läuft, Georgia. Die setzen darauf, dass du die Nachrichten siehst und weich wirst. Sobald die wissen, wo du bist, rücken die Cops aus und holen dich. So gut es deine Familie mit dir auch meint, die werden nur einen Blick auf dich erhaschen können, bevor man dich einbuchtet. Das will doch keiner von euch, oder?“
Georgia war versucht, sich noch mehr dagegen zu wehren, aber je länger sie hier saß und das Handy unbenutzt in ihrem Schoß liegen hatte, desto mehr musste sie an ihre Mutter denken, die verweint vor der Kamera gestanden und sie gebeten hatte, nachhause zu kommen. Desto mehr verspürte sie den Drang, ihr zu sagen, dass es ihr gut ging.
Also ließ sie den weiteren Protest doch bleiben, schnappte sich ihr Handy und tippte die Nummer ein. Dann starrte sie für einige Sekunden lang auf den Bildschirm, während sie sich die einzelnen Worte zurechtlegen versuchte.
Schließlich tippte sie langsam, zögerlich, nachdenklich. Der Apothekar hatte ihr eine einzige Chance gegeben und aus der wollte sie alles herausholen, was möglich war.
Sie drückte auf Senden.
- Hi Mom. Es geht mir gut, ich bin in Sicherheit. Alles ist gut, ich werde mich melden. Georgi
Dann starrte sie mit großen Augen auf das kleine Display.
Es dauerte etwa fünf Sekunden, dann leuchtete das Display auf und die Nummer rief an - Georgias Mutter. Für einen Augenblick spürte sie ihr Herz höher schlagen, dann sah sie mit fast furchtvollem Blick zu der Maske auf, die sie unbewegt anstarrte. In ihrem Kopf folgte bereits die Diskussion, die sich unweigerlich anschließen würde, sollte sie das Wort erheben, und sie musste selbst erkennen, dass sie diese Diskussion verlieren würde. Da legte sie das Handy vor sich auf die Couch, um es aus den Fingern zu haben. Um nicht doch ausversehen auf den grünen Knopf zu drücken. Oder absichtlich.
Ihre Mutter ließ es klingeln, bis die Mailbox anschaltete, dann dauerte es eine Sekunde und sie rief gleich noch einmal an. Und noch einmal. Und noch einmal. Das Handy leuchtete im Dauereinsatz, während ihre Mutter immer und immer wieder anrief, kaum ohne eine Pause dazwischen. Mit jedem Mal, als der eine Anruf beendet wurde und der nächste startete, wuchs in Georgia die Enttäuschung darüber, dass diese Nachricht gar nichts gebracht hatte, dass sie nichts von ihrer Mutter hören würde, rein gar nichts. Immerhin mochte Georgia zwar wissen, dass sie nicht telefonieren durfte, aber ihre Mutter hatte wohl eine andere Vorstellung davon. Sie versuchte es wieder und wieder und hörte einfach nicht auf.
Fünf Minuten lang rief sie an, dann war es für einen Moment länger still. Und schließlich poppte doch eine SMS auf, bei der sich Georgia in zittriger Erwartung sogleich auf das Handy warf und sie öffnete.
Nur um zu lesen:
- Ruf mich an
Ruf mich an. Ruf mich an. Das war das einzige, was sie von ihrer Mutter bekommen hatte, als der Apothekar sich schon in Bewegung setzte und ihr das Handy entriss. Georgia versuchte, es aufzuhalten.
"Nein! Nein! Das zählt nicht! Das hat nicht gezählt! Lass mich nochmal - nur eine Nachricht! Eine einzige! Bitte!"
Sie griff wüst nach ihm.
„Ich könnte dir ein Handy geben. Aber dann wirst du keinen Anruf tätigen, sondern nur eine SMS schreiben können."
Georgia wurde gleich ein bisschen lebendiger.
"Aber -"
"Ich bin mir sicher, dass die die Leitung bei der Familie abhören und nur darauf warten, dass du sie anrufst. Ich hab entsprechend wenig Lust darauf, dass die uns hier orten können.“
Georgias Protest erstarb ihr noch im Hals, denn eigentlich hätte sie das selbst wissen können. Eigentlich hätte sie das ahnen müssen. Wenn sie nur ein bisschen nachgedacht hätte, wäre ihr bewusst geworden, dass sie selbst es genau so handhaben würde.
Für einen Augenblick war sie froh darum, dass sie den Apothekar deswegen hatte fragen müssen. Es war kaum vorstellbar, was für einen fatalen Fehler sie begangen hätte, wenn sie selbst ein Telefon zur Verfügung gehabt hätte.
Während sie nach den Pilzen nun anfing, mit der Gabel den geschmolzenen Käse von der Pizza zu kratzen und zu essen, verschwand der Mann in einem Nebenzimmer und kam mit einem klapprigen Einmal-Handy wieder. Wäre Georgia nicht plötzlich so versessen darauf, ihre Familie zu kontaktieren, hätte sie sich darüber Gedanken gemacht, dass dieser Mann natürlich ein derartiges Handy besaß. Etwas anderes hätte gar nicht zu ihm gepasst.
„Du gibst es mir zurück, sobald du eine Antwort von deiner Familie bekommen hast. Keine Anrufe. Selbst dann nicht, wenn sie dich anrufen, klar? So viel Diskretion müssen wir wahren.“
"Aber - nur ganz kurz. Wirklich nur ganz kurz. 30 Sekunden?"
„Du weißt doch, wie das läuft, Georgia. Die setzen darauf, dass du die Nachrichten siehst und weich wirst. Sobald die wissen, wo du bist, rücken die Cops aus und holen dich. So gut es deine Familie mit dir auch meint, die werden nur einen Blick auf dich erhaschen können, bevor man dich einbuchtet. Das will doch keiner von euch, oder?“
Georgia war versucht, sich noch mehr dagegen zu wehren, aber je länger sie hier saß und das Handy unbenutzt in ihrem Schoß liegen hatte, desto mehr musste sie an ihre Mutter denken, die verweint vor der Kamera gestanden und sie gebeten hatte, nachhause zu kommen. Desto mehr verspürte sie den Drang, ihr zu sagen, dass es ihr gut ging.
Also ließ sie den weiteren Protest doch bleiben, schnappte sich ihr Handy und tippte die Nummer ein. Dann starrte sie für einige Sekunden lang auf den Bildschirm, während sie sich die einzelnen Worte zurechtlegen versuchte.
Schließlich tippte sie langsam, zögerlich, nachdenklich. Der Apothekar hatte ihr eine einzige Chance gegeben und aus der wollte sie alles herausholen, was möglich war.
Sie drückte auf Senden.
- Hi Mom. Es geht mir gut, ich bin in Sicherheit. Alles ist gut, ich werde mich melden. Georgi
Dann starrte sie mit großen Augen auf das kleine Display.
Es dauerte etwa fünf Sekunden, dann leuchtete das Display auf und die Nummer rief an - Georgias Mutter. Für einen Augenblick spürte sie ihr Herz höher schlagen, dann sah sie mit fast furchtvollem Blick zu der Maske auf, die sie unbewegt anstarrte. In ihrem Kopf folgte bereits die Diskussion, die sich unweigerlich anschließen würde, sollte sie das Wort erheben, und sie musste selbst erkennen, dass sie diese Diskussion verlieren würde. Da legte sie das Handy vor sich auf die Couch, um es aus den Fingern zu haben. Um nicht doch ausversehen auf den grünen Knopf zu drücken. Oder absichtlich.
Ihre Mutter ließ es klingeln, bis die Mailbox anschaltete, dann dauerte es eine Sekunde und sie rief gleich noch einmal an. Und noch einmal. Und noch einmal. Das Handy leuchtete im Dauereinsatz, während ihre Mutter immer und immer wieder anrief, kaum ohne eine Pause dazwischen. Mit jedem Mal, als der eine Anruf beendet wurde und der nächste startete, wuchs in Georgia die Enttäuschung darüber, dass diese Nachricht gar nichts gebracht hatte, dass sie nichts von ihrer Mutter hören würde, rein gar nichts. Immerhin mochte Georgia zwar wissen, dass sie nicht telefonieren durfte, aber ihre Mutter hatte wohl eine andere Vorstellung davon. Sie versuchte es wieder und wieder und hörte einfach nicht auf.
Fünf Minuten lang rief sie an, dann war es für einen Moment länger still. Und schließlich poppte doch eine SMS auf, bei der sich Georgia in zittriger Erwartung sogleich auf das Handy warf und sie öffnete.
Nur um zu lesen:
- Ruf mich an
Ruf mich an. Ruf mich an. Das war das einzige, was sie von ihrer Mutter bekommen hatte, als der Apothekar sich schon in Bewegung setzte und ihr das Handy entriss. Georgia versuchte, es aufzuhalten.
"Nein! Nein! Das zählt nicht! Das hat nicht gezählt! Lass mich nochmal - nur eine Nachricht! Eine einzige! Bitte!"
Sie griff wüst nach ihm.
