Bound by Eternity [Stiftchen & Nao]

    • Aries lachte und lehnte sich wieder in den Campingsessel zurück, dann griff er nach seiner Coladose. "Du kannst auch mal mit dem T-Shirt anfangen, auf das unser Album Cover gedruckt ist, aber wenn du deine Bestimmung darin siehst, ein verrückter Groupie zu sein, halte ich dich nicht auf", grinste er. Ari war trotzdem irgendwie froh, dass das nur ein Witz war, weil er nicht wüsste, wie er mit solchen Fans umgehen sollte. Zum Glück lag das hoffentlich sehr, sehr weit in der Zukunft, wenn überhaupt. Jemand, der so verrückt nach ihm war, würde ihm wohl Angst einjagen. Obwohl er bei Kit wohl wieder anders reagieren würde… Seltsam wäre es dennoch ein wenig aber er konnte sich gerade rein garnichts vorstellen, das Kit tun könnte, um Aries zu verstören. Eher war er gerade zu beschäftigt damit, herauszufinden, ob Kit mit ihm flirtete, um sich über seltsame Tattoos Gedanken zu machen.
      "Wenn du willst, können wir uns nach dem Auftritt nochmal… irgendwo hinsetzen und äh… die Sterne genießen", schlug er vor, auch wenn es sich ein bisschen awkward anfühlte. Aber Ari fand den Nachthimmel immer sehr beruhigend, wenn er nicht schlafen konnte, und vor allem der Mond gefiel ihm, der ihn ein bisschen vor der Dunkelheit rettete. Wenn Kit ebenfalls gerne über diese Weite und die Möglichkeiten nachdachte, müsste es perfekt sein, wenn sie sich Abends nochmal zusammen auf ihre Campingsessel setzten und… Ari seine Freunde wieder vernachlässigte.
      "Und ähm… vielleicht kommt dann ja doch noch der richtige Moment für ein Bier. Wenn wir über die Mondlandung reden", lächelte er. Klang das sehr nach einem Date? Seltsamerweise wollte er fast, dass Kit es so aufnahm. Hoffentlich hatte Kit nicht längst für sich festgestellt, dass er Ari loswerden und das Wochenende mit seinen eigenen Freunden verbringen wollte. Aber er bildete sich nicht ein, dass sie beide Spaß hatten, oder? Ari hoffte sehr, dass sie mehr von dem Wochenende gemeinsam verbringen konnten.
      "Nur, wenn deine Freunde dich nicht zu sehr vermissen werden" Ari nahm einen Schluck von der Cola, wandte den Blick aber nicht von Kit ab.
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    • "Oh. Ja! Gerne!" Kit lächelte leicht, als Aries ihn zögernd dazu einlud, sich am Abend die Sterne bei einem Bier anzuschauen. Was irgendwie ein wenig überraschend kam. Irgendwie war er einfach davon ausgegangen, dass er seinen Backstage-Pass zurückgeben würde, wenn er ging und Ari danach nie mehr wieder sehen würde. Jetzt hatte er offenbar zumindest noch eine Nacht mehr Zeit. Wie in seinem Traum. Ein Tag und ein Abend. Mehr hatte sein Traum-selbst nicht gebraucht, um sich komplett in diesen wundervollen Musiker zu verlieben. Nicht, dass Kit jetzt verliebt wäre, oder mit Ari schlafen wollen würde. Es war nur irgendwie...seltsam, dass es sich so ergab. Zumal die Antwort wieder irgendwie nichts halbes und nichts ganzes war, so wie die Frage nach einem ExFreund vorhin. War die Einladung etwas platonisches, oder flirtete Ari mit ihm?
      "Ich glaube nicht, dass meine Freunde mich vermissen werden." Er lächelte leicht. "Außer du bist ein verrückter Serienmörder und das ist deine Masche, dann vermissen sie mich natürlich sofort, wenn ich mich nicht mindestens jede halbe Stunde einmal bei ihnen melde." Er stieß ein kleines Lachen aus, während er kurz an seinem Shirt zupfte, dass mittlerweile ein bisschen an ihm klebte. Obwohl Aries wahrscheinlich einen guten Punkt angebracht hatte. Er sollte wohl wirklich versuchen, seine Freunde gleich zu finden und ihnen zumindest kurz mitteilen, wo er war, bevor sie sich wunderten, wo er blieb. Außerdem hatte er keine Ahnung ob sie wussten, wie man ein Zelt aufbaute. Er zwar auch nicht, aber wenigstens könnten sie ihm nicht vorwerfen, dass er nicht dagewesen war, als sie es versucht hatten. Oh und wahrscheinlich wäre es ganz gut, George zu sagen, dass er vor hatte, in dem Zelt zu schlafen, bevor sein Freund/Mitbewohner irgendjemanden abschleppte und Kit Sachen sah, die er lieber nicht sehen wollte.
      "Denkst du, es ist zu spät, um doch noch einen Sonnenschirm aufzustellen? Ich glaube, ich bin langsam über den Punkt hinaus, an dem ich einen Hauch von einem Teint entwickel und schon an dem Punkt, wo der Sonnenbrand einsetzt." Vielleicht hätte er das früher anmerken sollen, aber eigentlich wollte er nicht, dass Ari ging, wenn auch nur kurz. Aber sie hatten jetzt sowieso noch den ganzen Abend, also war es vielleicht doch nicht ganz verkehrt, seine Haut zu retten.
    • Ari schmunzelte. "Musst du wohl selbst herausfinden", scherzte er auf Kits Serienmörder-Anschuldigung hin. Zugegeben, es war ein bisschen plötzlich, oder? Fand Kit das seltsam? Dass Ari ihn auch nach dem Konzert sehen wollte? Vielleicht hatte Kit das Gerede über Urlaube und Besuche garnicht wirklich ernst gemeint. Ari wurde gerade fast ein bisschen unsicher. Es war absolut nicht seine Art, sich darüber Sorgen zu machen, aufdringlich oder anhänglich zu sein. Er wusste, dass er manchmal ein bisschen aufgedreht war, aber er hatte eigentlich ein gutes Menschengespür und erfuhr so gut wie nie Ablehnung, weil er sich ganz gut anpassen konnte. Nicht, dass es ihn extrem stören würde, wenn irgendjemand ihn nicht mochte, das konnte ja passieren, aber er wollte definitiv unbedingt, dass Kit ihn mochte.
      Er riss den Kopf herum und schob seine Gedanken zur Seite, als Kit nach dem Sonnenschirm fragte. "Oh, Gott, ja, Sorry!", sagte er schnell und stellte seine Dose ab um aufzustehen. "Ich bekomme auch viel zu schnell Sonnenbrände, also hätte ich selbst drauf kommen können", sagte er und lächelte entschuldigend während er um den Bus herum und ins Zelt lief, wo mittlerweile haufenweise Zeug übereinander lag und langsam aber sicher aufgebaut wurde.
      "Hey, Ari", grüßte Anthony ihn, als er ihn sah, stand auf und ließ das Schlagzeug liegen während er sich den Schweiß von der Stirn wischte. "Hilfst du uns?"
      "Wie zur Hölle soll ich dir dabei helfen?", fragte Ari und schmunzelte während er das Chaos ansah, das sich vor ihm erstreckte. "Ich hab noch nie ein Schlagzeug aufgebaut. Wo ist Sam? Sollte der das nicht können, wenn es sein Schlagzeug ist?"
      "Ugh, frag mich nicht. Ich glaube, dem ist die Hitze zu viel und er sucht das nächste Restaurant mit Klimaanlage"
      Ari nickte. "Hier drin hat es nochmal fünf Grad mehr, kein Wunder. Äh- wo ist der Sonnenschirm? Irgendwo unter dem Gerümpel hier?", fragte er. Es war nicht sehr heiß, aber die direkte Sonneneinstrahlung und das beinahe luftdichte Vorzelt machten den Unterschied. Ari sah Anthony noch mit den Schultern zucken und den Boden scannen, als er selbst schon in den Bus hineinlief, um in seinem Gepäck nach der Sonnencreme zu suchen, die er in seine Hosentasche steckte, bevor er draußen den zugebundenen Schirm erspähte und mithilfe von zwei anderen Crewmitgliedern unter den Kabeln und Instrument-Teilen befreite. "Oh, ich sehe den Camping-Tisch", sagte Anthony währenddessen. Klasse, dann mussten sie später wenigstens nicht am Boden essen.
      "Super, danke, aufstellen kann ich ihn schon selbst", sagte Ari und nahm den Schirm an sich. Er hatte irgendwie ein schlechtes Gewissen, dass er beim Aufbau nicht mithalf, aber andererseits würde er wahrscheinlich mehr zerstören, als aufbauen, und sie hatte ihre Freunde aus einem guten Grund mit: um genau dieses Zeug zu machen. Dafür konnten sie sich gratis alle Konzerte ansehen und mussten das ganze Wochenende lang für nichts zahlen, und damit beruhigte Ari sein Gewissen. Hätte er Kit nicht als Beschäftigung würde er ohnehin nur hilflos daneben stehen und höchsten Mal Dinge von A nach B tragen.
      Er trug den Schirm hinter den Bus und fragte sich bereits, wie er ihn aufstellen sollte, als James mit dem runden Stein-Ding angelaufen kam, in das der Schirm gesteckt werden sollte. "Ohh, danke, ich dachte schon, ich muss ihn jetzt in die Erde rammen", lachte Ari.
      James schüttelte teils belustigt, teils enttäuscht den Kopf und half Ari beim Aufstellen, bevor er sich kurz zu Kit drehte. "Ähm, sorry, James", sagte er knapp und reichte Kit seine Hand bevor er sich relativ eilig wieder zurück ins Zelt verabschiedete. James war einer von Samuels Uni-Freunden, der sich hauptsächlich als Hilfe angeboten hatte um das Festival Ticket nicht bezahlen zu müssen. Aries setzte sich wieder auf seinen Sessel, nun im Schatten, und stellte seine Sonnencreme zwischen ihnen auf den Boden. "Falls der Schirm nicht ausreicht", sagte er lächelnd. "Bist du eher ein Sommer oder ein Wintermensch? Oder Herbst oder Frühling? Ich mag für meinen Teil alles. Sommer gefällt mir, aber ich bin nicht so ein Fan von Wärme, was… irgendwie widersprüchlich ist, ich weiß" Er lachte. "Übergangszeiten gefallen mir am besten, die sind nicht so extrem"
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    • Vielleicht war es doch keine gute Idee gewesen, Ari gehen zu lassen. Je länger Kit auf dem Stuhl saß, das Geschehen um sich herum beobachtete und nachdenken konnte, desto seltsamer kam ihm die Situation vor. Er saß hier mitten auf einem Festival mit einem Mann, den er zufällig getroffen hatte und der ihn absolut faszinierte, weil er regelmäßig von ihm geträumt hatte. Okay, Aries war auch abseits von seinem Traum eine wirklich faszinierende Person und die Konversation zwischen ihnen fühlte sich überraschend leicht an, aber das änderte auch nichts mehr an der Ausgangssituation - hätte er nicht von Aries geträumt, würde er jetzt wahrscheinlich nicht hier sitzen. Ari wäre nur ein weiteres hübsches Gesicht in der Masse gewesen und irgendwie ließ diese Erkenntnis das alles hier fast ein bisschen psychopathisch wirken, oder?
      Kit seufzte ein wenig in sich hinein, während er tiefer in den Klappstuhl hinein sank. Der Platz um sie herum hatte sich langsam gefüllt. Er bildete sich sogar ein, ein paar der Künstler zu kennen, die nach und nach ihre Zelte aufgeschlagen hatten, auch, wenn Kit sich für Künstler allgemein eher selten interessiert hatte. Meistens mochte er die Songs, könne sich aber nicht weniger darum kümmern, wer hinter ihnen stand. Ari war hier wohl die einzige Ausnahme. Kit hoffte irgendwie, dass das hier der Durchbruch für den gutaussehenden Sänger werden würde. Ja, sie hatten über Urlaub und Besuche gescherzt, aber er ging nicht davon aus, Ari nach dem Festival je wieder zu sehen. Wenn er berühmt wäre, könnte Kit wenigstens ab und an in Magazinen lesen, was sein fleischgewordener Traum so trieb.
      Er wurde aus seiner kleinen Welt gerissen, als Ari mit Sonnenschirm und Unterstützung wieder zurückkam und stand reflexartig auf, um zu helfen, nur um zu realisieren, dass das wohl vollkommen unnötig war. Ari und sein Freund, der sich als James vorstellte, waren wohl durchaus in der Lage, den Schirm zu zweit aufzustellen.
      “Kit”, antwortete selbiger, während er kurz James Hand schüttelte. “Danke für die Hilfe”, schob er nach, bevor Ari und er auch schon wieder alleine waren. Oder halt so alleine, wie man es mitten auf einem Festival sein konnte.
      “Oh. Ich mag den Herbst am liebsten. Wenn es noch ein bisschen warm ist, aber nicht mehr so warm, dass man schmilzt”, antwortete Kit mit einem kleinen Lächeln, als Ari das Gespräch auf die Jahreszeiten lenkte. So richtig hatte er da eigentlich noch nie nachgedacht und irgendwie konnte er an jeder Jahreszeit etwas finden, aber das war irgendwie das erste, was ihm in den Kopf gekommen war. “Obwohl ich den Wechsel eigentlich am meisten mag. Wenn ich genug vom Herbst und dem nassen Laub habe, freue ich mich auf den Winter und wenn mir zu kalt wird, freue ich mich wieder auf den Frühling und Sommer und so.” Er zuckte kurz mit den Schultern.
      “Was machst du, wenn du nicht gerade auf Festivals auftrittst? Bist du eher auf Feiern unterwegs, oder zuhause?”
    • "Hmm, Herbst. Das passt. Du kannst dich zwischen den Blättern verstecken", spielte Ari wieder belustigt auf Kits roten Schopf an. "Ich versteh das mit dem Wechsel, ich glaube mir wird eine Jahreszeit auch schnell langweilig. Ein bisschen Abwechslung braucht es halt" Oder viel Abwechslung. Ari hatte nicht nur einmal darüber nachgedacht, irgendwohin zu reisen, wo das Klima anders war, um ein wenig aus dem Trott herauszukommen. Und er war schon wieder bereit, umzuziehen. Vielleicht ja in Kits Nähe, auch wenn er das nun wirklich nicht laut aussprechen musste.
      "Hm, ich kellnere", antwortete er und musste schmunzeln, weil das eine bescheuerte Antwort war, aber es war die Wahrheit. "Ich bekomme ab und zu Geld von meinen Eltern geschickt, aber das reicht nichtmal für meine Miete, also… Ja, ich arbeite die meiste Zeit, und wenn es geht, dann besuche ich Freunde bei Auftritten in Klubs oder Bars, also gehe ich eher auf Musikveranstaltungen, als auf Feiern. Und manchmal Babysitte ich das Kind von meinen Nachbarn am Wochenende und Abends versuche ich Songs zu schreiben, damit meine Band nicht eingeht" Ari hatte ein ziemlich aktives Leben, was es einfacher machte, sich kreativ auszuleben, aber es konnte immer noch ein Stück abwechslungsreicher sein. Zugegeben, seine besten Lieder waren wohl zustande gekommen, wenn er jemanden gedatet hatte, aber er war noch nie so inspiriert gewesen, wie in diesem Moment. Was… vielleicht hieß, dass er Kit um jeden Preis nach dem Konzert entführen musste.
      "Was ist mit dir? Verbringst du viel Zeit mit deinen Mitbewohnern?", fragte Ari. Es musste ziemlich unberechenbar sein, mit so vielen Menschen zusammen zu wohnen. Das klang schön. Solange man Nachts noch in Ruhe schlafen konnte, jedenfalls.
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    • Oh. Ari schien tatsächlich eine vielbeschäftigte Person zu sein. Irgendwie hatte Kit ihm mehr Party und weniger Arbeit zugetraut, auch, wenn es eigentlich logisch war, dass das nicht funktionieren würde. Man würde immer ein paar Nebenjobs brauchen, solange die Band noch nicht weltweit berühmt war. Aber wenn Aries auf andere genau so anziehend wirkte, wie auf Kit, würde das nicht mehr lange auf sich warten lassen.
      “Die meisten meiner Mitbewohner sind super nett, also verbringe ich wirklich relativ viel Zeit mit ihnen. Meistens hängen wir zusammen im Wohnzimmer und schauen Filme, oder spielen was zusammen, oder so.” Obwohl der Begriff ‘Wohnzimmer’ eigentlich nicht immer so ganz passte. Ein Großteil der Zeit lebte mindestens eine Person auf der Couch, weshalb der Raum immer eine Mischung aus Wohn- und Schlafzimmer war. Zum Glück hatte das bisher noch nie jemanden gestört. Im Gegenteil, Schlafzimmer wurden sowieso regelmäßig hin und her getauscht, wie man es gerade brauchen konnte. Kit hatte Monate gebraucht, um sich daran zu gewöhnen und ab und an ging es ihm immer noch ziemlich auf die Nerven, aber irgendwie war es besser, als in seiner eigenen Wohnung zu vereinsamen.
      “Ich arbeite in einer Änderungsschneiderei, also hab ich sowieso nur an den Abenden Zeit und wenn ich heim komme, weiß ich nie so genau, was mich erwartet.” Die Hälfte der WG arbeitete regulär, die anderen waren etwas kreativer unterwegs. Solange am Ende des Monats die Miete bezahlt werden konnte, schien sich niemand daran zu stören. Kits eigener Job war ebenfalls ein Produkt seiner Träume gewesen. Das Leben als reisender Händler war ihm - vor allen in heutigen Zeiten - nicht sonderlich schön vorgekommen, aber die Stoffe, mit denen sein Traum-Selbst gehandelt hatte, hatten sich irgendwie in seinem Hirn festgesetzt. Die Farbe floss aus seinen Träumen hinein in seinen Alltag. Er konnte den Leinen-Stoff fühlen, wenn er seine Augen schloss. Schon als Kind hatte er neben seiner Mutter an der Nähmaschine gesessen und sich jeden Stich eingeprägt. Zum Designen war er nie kreativ genug gewesen, aber einem Schnittmuster zu folgen war nicht schwer und nähen war praktisch - solange er sich um die Hosen und Shirts seiner Mitbewohner kümmerte, beschwerten die sich nicht darüber, wenn ihm ein paar Dollar für die Miete fehlten.
      “Lässt sich dein Babysitten wenigstens aushalten, oder ist das Kind von deinen Nachbarn schwierig?”, fragte er zurück und realisierte, dass er Aries wahrscheinlich wieder viel zu lange angestarrt hatte. Langsam setzte doch irgendwie die Realisation ein, dass er ein echter Mensch war und keine Einbildung, oder Traumgestalt. “Obwohl du es ja bestimmt super in den Schlaf singen kannst, oder so.”
    • Ari grinste, während Kit ihm von der Chaos-WG erzählte. Dass ihm das nicht zu viel wurde… Also, Kit schien nicht sonderlich introvertiert, immerhin hatte er Ari vorhin auch aus dem Nichts angesprochen, und er traf diese Lebensentscheidung ja auch selbst, aber er kam Ari bodenständiger vor, als seine Umstände einen glauben lassen würden.
      „Eine Schneiderei also. Hm. Ich weiß nicht, was ich erwartet habe, aber das passt zu dir“, sagte Ari. Auch wenn er nicht erklären konnte, wieso. Es schien nur irgendwie… ins Bild zu passen. Was auch immer das für ein Bild war. Vielleicht war es auch die Tatsache, dass er, nach allem was Ari bisher erfahren hatte, definitiv ein Hippie war, oder zumindest den Lifestyle lebte, und da war es sicher nützlich, wenn man Kleidung reparieren oder sogar selbst nähen konnte. So… weil… Hippies ja auf Recycling standen. Oder?
      „Äh, ja, er ist 5 und eigentlich ziemlich umgänglich“, erklärte Ari und kam mit seinen abschweifenden Gedanken zurück ins Jetzt. „Ich glaube, der benutzt mich aber nur als Gitarrenlehrer und alles andere ist ihm egal“ Ari zuckte lächelnd mit den Schultern. Obwohl Ari ihm nicht wirklich viel beigebracht hatte, bisher. Der Junge zupfte einfach gerne an den Saiten, und Ari ließ ihn, und manchmal erklärte er was, und es gab absolut keinen Fortschritt. Aber solange er Spaß hatte? Vielleicht war Ari auch einfach nur ein grauenvoller Lehrer.
      „In den Schlaf singen wäre auch mal eine Idee“, lachte Ari. „Aber ich mag ihn wach, dann ist mir auch nicht so langweilig. Ich hab keine Geschwister, und ich fand das immer enorm langweilig“ Ari musterte Kit. „Du hast bestimmt Geschwister, oder? Sonst wäre das WG-Leben doch voll der Kulturschock“ Er fragte sich, ob Kit Kinder mochte. Er schien gerne Menschen um sich zu haben, da musste ihm so ein bisschen Chaos von Kindern doch auch gefallen, oder? Obwohl Ari im Endeffekt… lieber alleine Zeit mit der Person verbrachte, die er liebte, um ihr seine ganze Aufmerksamkeit zu schenken. Woher auch immer der Gedanke jetzt kam. Vielleicht wurde die Hitze langsam wirklich etwas zu viel für ihn. Aber es sollte demnächst wieder kühler werden, nicht? Hoffentlich war es nicht sengend heiß, wenn sie später performten. Auch, wenn die Fans immer darauf zu stehen schienen, wenn sie sich auf der Bühne die Wasserflaschen über den Kopf leerten.
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    • Kit konnte sich praktisch bildlich vorstellen, wie Ari mit seiner Gitarre neben einem Kind saß und versuchte, ihm beizubringen, wie man spielte. In seinem Kopf war Ari überaus erfolgreich damit, aber wahrscheinlich war Kit einfach nur etwas voreingenommen. Ganz davon abgesehen, dass das wieder eine der gruseligen Parallelen zu seinen Träumen war. Sein Ari war Lehrer gewesen, nicht? Kit unterdrückte das Verlangen, seine Hand auszustrecken und zu testen, ob Aries wirklich vor ihm saß, oder ob das hier einfach nur eine sehr realistische Einbildung war. Vielleicht hatte er zwischendurch eine der Joints angenommen, die ihm von den anderen Festivalbesuchern abgeboten worden waren und hatte zu tief eingeatmet. Das war eine Möglichkeit, oder? Das einzige, was ihn davon abhielt zu testen, ob Ari eine Einbildung war, war pure Logik - entweder, Ari war echt und würde ihn verwundert fragen, warum er ihn angestupst hatte, was Kit nicht erklären könnte, ohne dabei vollkommen irre zu klingen, oder er würde sich auflösen und Kit würde das Gefühl haben, ihn nochmal verloren zu haben. Er war sich ziemlich sicher, dass er nicht damit leben könnte, Ari nochmal zu verlieren, also behielt er seine Hände bei sich.
      "Ich bin Einzelkind, also ja, es war ein ziemlicher Kulturschock." Er lachte ein wenig. "Eigentlich war ich auch kein Fan von der Idee, in eine WG zu ziehen, aber ich wollte mich selbst etwas herausfordern. Ich war kein sonderlich soziales Kind und hatte gehofft, dass ich mich so selbst dazu zwinge, etwas mehr mit anderen Menschen zu reden. Hat überraschend gut funktioniert." Er zuckte kurz mit den Schultern. Es war nicht sonderlich schwer, zum Außenseiter zu werden, wenn man mit seinen eigenen Träumen zu kämpfen hatte. Kit hatte schnell gelernt, das Thema nicht anzusprechen, wenn er nicht schräg angeschaut werden wollte. Aber er war gerade wieder kurz davor.
      "Glaubst du eigentlich an Übernatürliches?", fragte er, während er sich ein wenig aufsetzte. Es war ein ziemlicher Themenwechsel, aber vielleicht würde er so wenigstens ein kleines Gefühl dafür bekommen, wie viel er Ari erzählen konnte. "Also nicht zwingend Geister und Aliens und so, aber Visionen und Schicksal und so weiter halt." Er würde Ari nicht auf die Träume ansprechen. Nicht sofort. Aber irgendwann vielleicht, falls das Gespräch über gemeinsame Urlaube vielleicht ein wenig ernster werden würde und der Kontakt hielt. Gott, Kit hatte noch nie etwas so sehr gewollt wie einfach mit Ari in Kontakt zu bleiben.
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      „Wenn du regelmäßig auf Fremde zugehst und sie anquatscht, hat das echt sehr gut funktioniert“, meinte Ari belustigt. Kit hatte sich also zum Extrovertierten gezwungen. Ari ließ das durch den Kopf gehen und fragte sich, ob Kit als Kind so einsam gewesen war, dass er sich dazu zwingen hatte müssen, und griff schließlich nach der Sonnencreme, die neben dem Bein seines Campingstuhls lag, um sich endlich einzucremen. Teilweise, zumindest. Er tupfte sich die Sonnencreme ins Gesicht und ließ die weißen Flecken erstmal wie sie waren, während er sich Arme und Hals eincremte. Er war in seiner Familie als einziger seltsam sonnenempfindlich. Seltsam, weil er immer viel Zeit draußen und in der Sonne vebracht hatte, schon als Kind, und das Ganze nicht genetisch sein konnte. Nervig war es auch.
      Ari stoppte kurz im Eincremen und blinzelte Kit bei seiner Frage an, nicht sicher, woher das Thema jetzt kam. Was für interessante Gedankengänge der Rothaarige den ganzen Nachmittag schon hatte.
      „Äh… ich meine, ich bin nicht religiös“, sagte er skeptisch und wischte sich über die Sonnecreme in seinem Gesicht, in der Hoffnung ohne einen Spiegel auch alles zu verschmieren. „Falls du das meinst. Ich mag die Vorstellung nicht, dass man ständig von irgendwem oder irgendetwas beobachtet wird oder dass jemand Kontrolle über dein Leben hat. Also, Schicksal und so… Das finde ich irgendwie beängstigend. Stell dir vor, egal was du tust, du kannst dem nicht entkommen. Warum tut man dann überhaupt noch irgendwas? Wenn sowieso alles vorherbestimmt ist. Ugh“ Er schüttelte sich etwas, weil die Vorstellung ihm tatsächlich Gänsehaut verpasste. Abgesehen davon, dass Ari sich mit Autoritäten schon immer schwer getan hatte, war der Gedanke an Götter und Schicksal verdammt unheimlich.
      „Wieso, glaubst du daran? Ich meine, irgendwie hat‘s vielleicht eine romatische Seite“, lächelte er, immernoch sichtbar skeptisch. „Visionen dagegen wären irgendwie cool, wie eine Superkraft“ Er lehnte sich wieder zurück. Auch, wenn es das Leben wahrscheinlich langweilig machte, wenn man immer wusste, was passieren würde. Mann… Kit würde sich davon jetzt nicht angegriffen fühlen, oder? Vielleicht war er ja total gläubig und spirituell… Ari warf ihm einen kontrollierenden Blick zu. Er hätte das vielleicht vorsichtiger beantworten sollen. Obwohl er immer bereit für eine tiefgründige Diskussion war, aber nicht jeder tickte so, und normalerweise war Ari das vollkommen egal, aber er wollte Kit ausnahmsweise wirklich, wirklich nicht vergraulen.
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      Oh. Das war nicht wirklich die Antwort gewesen, die Kit sich gewünscht hatte. Auch, wenn ihm das alles eigentlich vollkommen egal sein konnte, oder? Seine Träume waren...Zufall. Ein sehr, sehr großer, absolut unwahrscheinlicher Zufall. Er würde Ari nie davon erzählen. Vielleicht höchstens als witzige Geschichte- okay, nein, selbst das nicht. Wenn er Ari erzählte, dass er regelmäßig von ihm träumte, würde er rüberkommen, wie ein absoluter Psychopath. Das konnte er nicht zulassen. Aber es wäre ein bisschen einfacher gewesen, wenn Ari irgendwie an das alles glauben würde. Irgendwie hätte das Kit beruhigt. Er bemühte sich trotzdem um ein kleines Lächeln und ein Achselzucken.
      "Einer meiner Mitbewohner hat mal behauptet, dass er eine Vision gehabt hatte, aber ich denke, er hatte einfach nur einen ziemlich guten Tripp." Kit zog kurz die Nase kraus, während er Ari dabei beobachtete, wie er die Sonnencreme relativ schlampig verteilte. Beinahe ein bisschen niedlich. "Aber ich glaube Schicksal ist gar nicht so schlecht. Ist es nicht auch irgendwie beruhigend zu wissen, dass etwas vorherbestimmt ist? Ich- vielleicht ist das die romantische Seite, die du angesprochen hattest, aber ich denke, dass es irgendwie schön ist zu wissen, dass jeder falsche Schritt irgendwie Schicksal war, damit man am Ende zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist." Er lächelte leicht, während er sich von dem Stuhl hochdrückte und mit seinem Daumen die Sonnencreme auf Aris Wange wegstrich, die er selbst nicht richtig erwischt hatte. Es dauerte eine Sekunde, bis ihm selbst auffiel, wie nah sie sich dadurch waren und wie falsch die ganze Situation war.
      Kit stieß ein kleines "Oh" aus, während sich seine Augen etwas panisch weiteten. "Sorry. Du...du hattest da einen Fleck übersehen." Er schluckte. Das war deutlich intimer gewesen, als er gewollt hatte. Es hatte sich nur so seltsam natürlich angefühlt. Fuck. Wahrscheinlich sollte er wirklich gehen, bevor die Grenze zwischen Traum und Realität noch weiter verschwamm. Ari war Ari. Nicht der Mann, der ihn in seinen Träumen begleitete.
      "Ich, ähm, ich denke, ich sollte langsam gehen. Ich will dich nicht unnötig aufhalten und vielleicht ist meinen Freunden mittlerweile doch aufgefallen, dass ich schon relativ lange weg bin. Ich würde gerne einen Polizeieinsatz vermeiden, wenn sie irgendwann auf die Idee kommen, mich zu suchen." Er stieß ein kleines, nervöses Lachen aus. "Ich sehe dich ja dann auf der Bühne. Und vielleicht danach?" Sie hatten darüber gesprochen, sich danach nochmal zu sehen, aber gerade war Kit sich nicht sicher, ob das Angebot noch stand. "Falls nicht können wir ja direkt testen, ob Schicksal uns wieder zusammenführt, oder nicht."
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      „Wenn du es so sagst…“, murmelte Ari und dachte darüber nach, ob sich das für ihn auch beruhigend anhörte. Er hatte bisher nie wirklich etwas bereut. Das Leben ging immer weiter und, ja, jeder Schritt führte zum nächsten, aber hatte das etwas mit Schicksal zu tun? Das war doch vollkommen natürlich. Und es war nicht so, als würde er auf etwas anderes hinarbeiten, als zufrieden zu sein. Selbst wenn das mit der Musikkarriere nichts wurde, machte ihm Reisen Spaß, und er war gut darin zu arbeiten und beschäftigt zu bleiben. Er würde schon etwas finden, das ihm gefiel, egal ob zwischendurch mal etwas nicht klappte. Davon war er überzeugt. Gleichzeitig hing er nämlich auch an nichts besonders. Dinge zurückzulassen und immer etwas neues anzustreben war für ihn… irgendwie der Sinn der ganzen Sache, weil er nie das Gefühl hatte angekommen zu sein. Aber das hieß nicht, dass er unglücklich war. Nur getrieben.
      Ari schmunzelte. „Also gibt es ein Ende? Was ist das? Der Tod?“, fragte er neckend, weil er nicht damit übereinstimmte, dass es im Leben jemals ein „angekommen sein“ gab. Aber er stockte mitten in seinem Grinsen als Kit ihm mit seinem Daumen aus heiterem Himmel völlig konzentriert und deutlich zu intim über seine Wange streichte. Huh?
      Er blinzelte den Rothaarigen irritiert an, ohne irgendetwas zu sagen. Er war ihm ziemlich nah, oder? Was wurde das? Der Joint wirkte sicher noch ein wenig nach, aber Ari konnte garnicht anders, als jetzt tatsächlich absolut alles, das Kit heute zu ihm gesagt hatte, als Flirt zu sehen. Oder gab es sowas wie platonisches Wangenstreicheln?!
      Er erschrak fast ein bisschen, als Kit die Augen aufriss und seine Hand ruckartig zurückzog, nur um sich von einer Sekunde auf die andere zum Gehen zu wenden.
      „Huh? Was?“, Ari riss sich selbst aus seiner Überforderung. Sonnencreme?! Na klar, okay, da hätte er selbst drauf kommen können, aber stattdessen redete er sich direkt ein, dass der einzige Schwule, den er kannte, nach einer Stunde auf ihn stand. Kit‘s offensichtlich nervöses Lachen half dabei auch nicht unbedingt. Ari wusste nicht, was er denken sollte.
      Immernoch etwas verwirrt, stand Ari mit Kit auf. „Äh, klar, du findest mich definitiv. Ich bin der Typ mit dem Mikrofon“, scherzte er. Zumindest rollten ihm die Witze auch in seiner Verwirrung noch von der Zunge. „Hey, ich bin beleidigt, wenn du den Backstage Pass nicht nutzt. Du kannst das Konzert seitlich von der Bühne ansehen, wenn du willst… Oder wir sehen uns dann wieder hier“, meinte er. Und wenn Kit nicht zu ihm kam, würde Ari ihn halt selbst aufspüren müssen. Selbst wenn er sich die Anspannung nur einbildete, wollte er Kit für ein paar spontane Trips im Freundeskreis haben. Und wenn er es sich nicht einbildete… Dann hatte er einen noch besseren Grund, um Kit heimzusuchen.
      „Du kriegst ja auch noch… ein T-Shirt mit Autogramm“ Er lächelte schief.
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      "Ich denke, wir sehen uns eher hier wieder", stimmte Kit mit ein wenig Erleichterung zu. Offenbar hatte er Ari zum Glück nicht vollkommen vergrault. Er atmete einmal durch. "Viel Erfolg bei dem Auftritt. Du machst das bestimmt großartig!" Er lächelte Ari nochmal kurz entgegen, bevor er sich endgültig zum Gehen wandte, auch, wenn es sich furchtbar falsch anfühlte.
      Der magnetische Zug in Aris Richtung setzte wieder ein, sobald er den Backstagebereich verlassen hatte. Diesmal wahrscheinlich eher psychologisch bedingt. Immer noch schrie alles in ihm danach, zurück zu ihm zu gehen und zu sehen, wie ähnlich er seinem Traum-Klon noch werden würde, aber das war irgendwie das Problem, oder? Es war kein einfaches Beobachten mehr. Kit hatte seine Traumvision immer und immer deutlicher in Ari gesehen, bis er zu weit gegangen war. Je weiter er ging, desto sicherer war er sich, dass er nicht zurück zu Ari gehen sollte. Es war sicherlich besser, die restliche Zeit mit seinen Freunden zu verbringen und ihn zu vergessen. Das alles konnte nur in einer Katastrophe enden. Entweder würde Kit für den Rest seines Lebens daran erinnert werden, dass er über Ari träumte, den er regelmäßig sah, aber der davon nichts wusste, oder er würde ihm von den Träumen erzählen und ihn vollkommen verlieren. Es gab keine gute Lösung. Ihn zu vergessen wäre am einfachsten. Nein. Am angenehmsten. Einfach wäre es auf keinen Fall.

      "Kitty!" Juniper winkte ihm begeistert von einer Decke aus zu, die definitiv nicht ihnen gehörte. Sie saß neben Craig - einem ihrer Mitbewohner - und zwei Leuten zusammen, die Kit nicht kannte, die sich aber relativ schnell als Daniel und Cindy vorstellten. "Ich dachte schon, wir hätten dich jetzt auf ewig verloren. Ist das Gelände so groß?" Juniper hatte Lippenstift am Hals. Kit wusste besser, als sie darauf anzusprechen.
      "Nein", lachte er. "Also ja, das Gelände ist groß, aber nein, das ist nicht der Grund, warum ich so lange weg war. Ich habe mich einfach etwas verquatscht." Er setzte sich neben Juniper, die ihm sofort einen Becher in die Hand drückte, ohne zu erklären, was das Getränk darin war. Es roch ziemlich alkoholisch. "Wo ist Joey?", erkundigte er sich nach Joanne, dem letzten Puzzleteil ihrer kleinen Clique.
      "Die lässt sich gerade von diversen Typen Drinks ausgeben." Juniper grinste, während sie an ihrem Joint zog. "Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie weder Geld, noch Unterwäsche dabei hat. Womit wir beim Thema wären. Wer hat dich aufgehalten?" Sie versuchte zu zwinkern, drückte dabei allerdings beide Augen auf und zu, was sie mit einem ausgelassenen Lachen unterlegte.
      "Niemand besonderes", erklärte Kit, auch, wenn sich diese Lüge unfassbar falsch anfühlte. "Ich dachte, ich hätte jemanden wiedererkannt, dem war aber wohl nicht so. Er, ähm, singt in einer der Bands, die heute auftreten."
      "Das nennst du 'niemand besonderes'?", mischte sich Craig in die Unterhaltung ein, während Cindy neben ihm begeistert nach Luft schnappte. Daniel verdrehte amüsiert die Augen. Kit entschied sich dazu, Daniel auf jeden Fall zu mögen.
      "Am Ende war er nicht der, von dem ich dachte, dass er es wäre, also..." Kit zuckte kurz mit den Schultern. "Er hat mich in den Backstage Bereich eingeladen."
      "Sah er gut aus?", fragte Cindy.
      "Der Backstage Bereich?" Kit hob lachend die Hände, als Cindy ihm spielerisch genervt in die Seite stieß.
      "Dein bekannter Unbekannter. Kannst du uns vorstellen?" Cindys Augen leuchteten praktisch.
      "Ich, äh, ich denke, das würde nicht ganz so gut ankommen", antwortete Kit. Eine weitere Lüge. Ari hatte ihm schließlich direkt mehr Backstagepässe angeboten. Ihm missfiel nur der Gedanke, dass Cindy Ari anflirten könnte. Dass Ari zurückflirten würde. Neid. Er war neidisch. Was definitiv ein Zeichen dafür war, Ari nach dem Auftritt aus dem Weg zu gehen und ihn nie wieder zu sehen. Das war nicht normal. "Vielleicht ergibt sich ja was", lenkte er ein wenig unsicher ein.
      "Wenn Joey gleich auch mit einem Backstagepass zurück kommt, gehe ich auch mal verloren", merkte Juniper an, während sie sich ein wenig nach hinten fallen ließ, bis sie auf ihrem Rücken lag. "Gott, langsam zieht es sich echt zu. Vielleicht hat der Wetterbericht doch recht und es regnet gleich noch."
      Kit folgte ihrem Blick nach oben in die grauen Wolken, die sich langsam über den Himmel schoben, während sich auf der Bühne die erste Band warm spielte. Vielleicht war auch das irgendwie Schicksal. Es würde regnen, Ari wäre nach dem Auftritt froh, schnellstmöglich ins Trockene zu kommen und sie würden den Regenschauer wahrscheinlich in ihrem Auto aussitzen. Sie würden sich auf ganz natürliche Art und Weise verpassen.