Behind the Screens [Michiyo & Kiimesca]

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    • Als er fragte, ob ich sicher war und sich aufrichtete, konnte ich wieder in seine Augen sehen und nickte mit einem schüchternen Lächeln. Die Stimme der Vernunft drang nicht mehr zu mir durch, wobei ich einen Haufen Argumente finden würde, um meine Unvernunft zu widerlegen. Ich kannte Sam und das er nicht ganz so aussah wie auf dem Bild änderte nichts an meinen Gefühlen für ihn. Ob es ein Fehler war, wollte ich mich nicht fragen, aber ich glaubte auch nicht daran. Natürlich war ich nervös, aber nicht weil ich Angst hatte. Viel mehr konnte ich es ähnlich wie er kaum glauben, dass wir endlich zusammen waren. Hätten wir uns früher getraut uns zu treffen, hätte sich vielleicht auch noch nicht so viel angestaut wie jetzt. Aber ich verschwendete meine Zeit nicht mit 'was wäre wenn' Fragen. Wir waren hier. Jetzt. Das war alles was zählte.

      Nachdem ich genickt hatte, standen wir auf und er führte mich in sein Zimmer. Meine Aufregung wuchs, aber ebenso meine Vorfreude und dieses unglaubliche Glücksgefühl, das ich in seiner Nähe verspürte.
      Ich hörte, wie die Tür ins Schloss fiel und sah zu ihm auf, als er sich zu mir umdrehte. Lächelnd betrachtete ich ihn und fühlte mich hier drinnen schon deutlich wohler. Er nahm meine Hand, welche ich sanft drückte, als er mir etwas zuflüsterte. "Ich weiß...", antwortete ich ebenso flüsternd und lächelte. Dann kam er mir näher und legte seine Hände auf meinen Rücken, woraufhin ich meine Hände auf seine Brust legte und ihm weiterhin in die Augen sah. Meine Hände glitten in seinen Nacken, damit ich meine Arme um seinen Hals legen konnte, um ihn näher an mich heranzulassen. Niemals könnte ich glauben, dass Sam mir nur etwas vormachte. Das hatte nichts mit Naivität zutun. Ich vertraute ihm wirklich.
      Doch dann senkte er seinen Blick, als würde ihm etwas immer noch Sorgen bereiten. Hoffend, dass ich ihm diese Sorgen nehmen könnte, sah ich ihn weiterhin sanft an und gab ihm die Zeit, die er brauchte. Etwas, das ich wissen sollte.. Seine Narben machten ihm also Sorgen. Das konnte ich verstehen, auch wenn ich selbst nicht in so einer Situation war. Sam war eine liebenswerte, zarte Seele, die Gott weiß wieviel Leid schon ertragen musste. Vielleicht konnte ich ihm dabei helfen dieses Leid zu lindern.
      Wir küssten uns erneut, wobei ich ihm zeigen wollte, dass ich ihn begehren würde, egal wie viele Narben sein Körper auch trug. Dabei näherten wir uns dem Bett, auf dem ich dann wieder unter ihm lag, während ich durch sein Haar kraulte. Sein Kompliment kam tief aus seinem Herzen, das konnte ich hören, aber ich konnte nicht antworten, als ich seine Hände auf meiner Haut spürte, die unter meinem Pullover verschwanden. Oft hatte ich mich beim Lesen gefragt, ob die Autoren nicht etwas übertrieben, aber dieses Gefühl war wirklich überwältigend. Noch mehr, als ich seine Hand in meiner Hose spürte. Spätestens jetzt wusste Sam, dass ich wahnsinnige Lust hatte, weshalb ich auf seine Worte lediglich mit einem Keuchen antworten konnte. Der Fähigkeit zu sprechen geraubt, biss ich mir lächelnd auf die Unterlippe, bevor sich unsere Lippen erneut zu einem Kuss vereinten. Mir gefiel jede Sekunde hiervon, um was sollte ich also noch bitten? Außer darum, dass er nicht aufhören sollte, aber das tat er nicht.
      Er zog seinen Hoodie aus, sodass ich eine Hand sanft über seinen Arm gleiten ließ, als seine Stirn meine berührte und ich meine Augen schloss. Mir war egal, dass sein Körper vielleicht ein paar Makel hatte, denn seine Seele war frei davon. Für mich war es nicht nur ein Spruch, dass die inneren Werte zählten. Innerlich war Sam der schönste Mensch auf der ganzen Welt für mich.
      Sein Blick, als er mir meinen Pullover auszog, raubte mir beinahe den Atem. Keine wilde Begierde, sondern Lust gepaart mit tiefer Zuneigung war was ich darin sah. Dasselbe, das ich auch gerade empfand. Ich.. liebte ihn.. und deshalb konnte ich nicht aufhören ihn anzusehen und weiter zu gehen.

      Etliche Szenarien hatte ich von diesem Moment im Kopf, aber die Realität übertraf alles. Die Zärtlichkeit für die wir uns trotz der wenigen Stunden, die wir nicht hinter dem Handy miteinander verbrachten, Zeit nahmen, nahm uns alle Zweifel und stärkte das Band zwischen uns nur umso mehr. Während seine Lippen meinen Körper erkundeten, hatte ich große Mühe meine Atmung zu kontrollieren. Irgendwann entglitt er meiner Reichweite, sodass meine Hand auf die Bettdecke sank und sich kurz darauf darin festkrallte, als ein kleines Beben durch meinen Körper fuhr. Ob er sowas wohl schon mal gemacht hat, fragte ich mich, doch das spielte keine Rolle, solange ich die letzte sein würde, der er diese Aufmerksamkeit schenkte.
      "Hast du.. Kondome..?", schaffte ich es zu fragen, auch wenn ich dabei versehentlich leise stöhnte, weshalb ich mir auf die Lippe biss. Mein Gesicht glühte, aber ich wollte, dass auch er seinen Spaß hatte. Also.. nicht, dass es ihm so nicht auch Spaß machen könnte, aber.. ich wollte nicht auf diese Weise kommen. Auch wenn ich nicht erwartete, dass ich bei meinem ersten Mal einen garantierten Höhepunkt hätte, wollte ich es doch zumindest versuchen. Und so wie ich mich gerade fühlte, zusammen mit seiner Vorarbeit, würde es vermutlich gar nicht mal so lange dauern, wobei ich nicht wusste, ob und wie sehr es wehtun würde. Vielleicht sollte ich Sam deshalb lieber einweihen, nur damit er vorsichtig sein würde.
      Also nutzte ich die Gelegenheit, als ich ihm wieder in die Augen sehen konnte. "Das.. ist mein erstes Mal..", sagte ich leise und legte meine Hand an seine Wange. Hoffentlich schreckte es ihn nicht ab, weil er durch unseren Chat einen anderen Eindruck hatte.
      ~ ♦ ~ Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung. ~ ♦ ~
      - Eugene Ionesco

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    • Ihre Stimme war heiser, fast ein Flüstern, begleitet von einem leisen Stöhnen, das meine ohnehin schon schwindende Selbstbeherrschung auf die Probe stellte. Ich sah ihr Gesicht, das vor Hitze glühte, und bemerkte, wie mein eigener Herzschlag sich beschleunigte. Aber bevor ich reagieren konnte, bevor ich die Antwort auf ihre Frage aussprechen konnte, sah sie mir erneut in die Augen. Mit ihrer sanften Hand an meiner Wange erwischten mich ihre Worte ziemlich unerwartet. “Es ist auch mein erstes Mal.” gestand ich mit einer Stimme, die kaum mehr als ein Hauch war. Ich wollte sie wissen lassen, wie viel es mir bedeutete. So sanft ich konnte, zog ich sie noch näher an mich heran, ließ meine Lippen ihre Stirn streifen, bevor ich weitersprach. Ich versprach ihr vorsichtig zu sein, wenn sie diesen Schritt wirklich gehen wollte. Meine Stimme war ruhiger als mein Nervenkostüm. Innehaltend trafen sich unsere Blicke, während ich behutsam eine Haarsträhne aus ihrem Gesicht strich. Jeder Moment mit ihr war ein Geschenk. Mit einem Griff in die Schublade meines Nachttischs, holte ich das Kondom heraus und legte es neben uns. Dann zog ich sie zärtlich zu mir, ließ meine Lippen wieder auf ihren Ruhen, aber diesmal langsamer, liebevoller. „Wir machen das nach deinem Tempo, okay?“ flüsterte ich, ehe die Nacht ihren Zauber um uns legte. Die Welt um mich herum fühlte sich an, als hätte jemand den Lautstärkeregler runtergedreht. Alles, was ich wahrnahm, war Abby. Ihre Nähe, ihre Wärme, die Art, wie ihre Haut auf meiner lag – so weich und zart, dass ich fast das Gefühl hatte, sie nicht wirklich berühren zu dürfen. Mein Herz raste im Versuch, jeden Moment aufzusaugen - ihn festzuhalten, als könnte er mir entgleiten. Ich wollte meine Nervosität verbergen. Die Angst, etwas falsch zu machen, den Augenblick zu zerstören, war ständig da, irgendwo am Rande meiner Gedanken. Doch jedes Mal, wenn ich sie ansah, wurde diese Angst leiser. Ich hatte oft darüber nachgedacht, wie sich dieser Moment wohl anfühlen würde. Ich hatte es mir ausgemalt. Es war nicht so, wie die Filme oder die Geschichten, die man hörte. Es war langsamer. Ruhiger. Zärtlicher. Aber meine Unsicherheiten lauerten verborgen im Dunkeln und ließen mich nie gänzlich los. Die Narben, die meinen Körper zierten, fühlten sich präsenter an als je zuvor. Jedes Mal, wenn ihre Finger sanft über meine Haut fuhren, fragte ich mich, was sie wirklich dachte. Konnte sie die Linien und Unebenheiten fühlen, die mein Leben für immer verändert hatten? Sah sie sie überhaupt? Oder waren sie nur in meinem Kopf? Als wir schließlich eins waren, überrollten mich meine Gefühle. Meine Sorgen verblassten im Hintergrund, und alles, was übrig blieb, war sie. Sie war das einzige, was zählte. Zu viele Gedanken schwirrten in meinem Kopf. Zum Glück schien mein Körper instinktiv zu wissen, was zu tun war. Ich konzentrierte mich auf jeden ihrer Atemzüge, auf die kleinsten Veränderungen in ihrer Bewegung, auf die leisen Laute. Alles schien sich in die Ewigkeit zu ziehen, und gleichzeitig verging alles viel zu schnell. Es war... unbeschreiblich. Ein Gefühl, das man nicht in Worte fassen konnte.

      ___________
      Am nächsten Morgen wachte ich auf und spürte sofort die Wärme neben mir. Abby lag noch ruhig schlafend unter der Decke, und allein ihr Anblick löste ein Glücksgefühl in mir aus. Der gestrige Abend – der ganze Tag – hatte alles übertroffen, was ich mir hätte vorstellen können. Ich hatte nie gedacht, dass es so weit kommen würde, und schon gar nicht, dass ich mich jemals so verbunden mit jemandem fühlen könnte. Da ich Abby nicht wecken wollte, stand ich leise auf und zog mir eine Jogginghose an. Ein kurzer Blick auf die Uhr verriet, dass es bereits später Morgen war. Vermutlich waren Max und Elliot schon längst wach. Leise die Tür öffnend, um Abby noch etwas Schlaf zu gönnen, schlich ich mich in den Flur. Als ich in Richtung Küche ging, hörte ich bereits Stimmen und Gelächter. Nichts Ungewöhnliches – Max hatte wahrscheinlich wieder einen seiner Witze auf Lager. Doch als ich näher kam, vernahm ich eine weibliche Stimme, die mir seltsam bekannt vorkam. Eine Stimme, die ich hier nicht erwartet hatte. Ich blieb im Türrahmen stehen und sah, wie Tristan breit grinsend auf einem der Stühle saß, neben ihm eine junge Frau, die sich gerade einen Kaffee nahm. Als sie mich ansah, erkannte ich sie. Jenny. Abbys Cousine. Was zum Teufel? Meine Gedanken überschlugen sich, da die Situation außer Kontrolle geriet. Warum zur Hölle war sie hier? Und vor allem – was hatte sie mit Tristan zu tun?

      „Morgen, Sam!“ rief Max gut gelaunt von der Küchentheke aus. „Gut geschlafen? Oder... wenig geschlafen?“ Sein Grinsen war vielsagend, was mir das Blut in den Kopf steigen ließ. Das letzte, was ich wollte, war, dass die Jungs sich einen Reim darauf machten, was gestern Nacht passiert war. Im Versuch meinen Ausdruck so neutral wie möglich zu halten, drehte sich alles in meinem Kopf. Abby schlief noch, während ihre Cousine, die offenbar ebenfalls die Nacht hier verbracht hatte, in meiner Küche stand. Ausgerechnet mit dem Typen, mit dem ich mich am wenigsten verstand. „Jenny,“ begrüßte ich sie knapp, bevor mein Blick zu Tristan wandte. „Welch Überraschung.“ Der Schwarzhaarige sah mich nur mit einem herausfordernden Grinsen an, als ob er genau wusste, was für ein Chaos er damit anrichten könnte. Er erklärte beiläufig, dass Jenny seine Begleitung des gestrigen Abends war. Ganz entspannt. Als wäre nichts verkehrt daran. „Wie es aussieht, haben wir beide Glück gehabt, was?“ Mit einem Nicken deutete er auf Abbys Schuhe, die noch im Flur standen, was ich gekonnt ignorierte. Tristan und Jenny? Es war kaum zu glauben. Ich konnte es nicht fassen. Das konnte nicht wahr sein. Während ich versuchte, die Situation zu verstehen, betrat Abby immer noch leicht verschlafen die Küche. Sie sah mich und dann Jenny an, und ich konnte sehen, wie sich ihr Gesicht veränderte, als sie die Szene vor sich erfasste. Tristan lehnte sich noch weiter zurück und verschränkte selbstzufrieden die Arme hinter dem Kopf. Ich verdrehte innerlich die Augen, konnte aber nichts dagegen tun. Die Situation war ziemlich absurd. Erst Abby und ich, die sich näher gekommen waren als jemals zuvor, und nun tauchte ausgerechnet ihre Cousine mit meinem verhassten Mitbewohner auf. Max stieß ein lautes Lachen aus und schüttelte den Kopf. „Das ist zu gut! Die Cousinen haben sich wohl gedacht, sie machen mal einen WG-Besuch der besonderen Art.“ Er schnappte sich eine Müslischale und setzte sich neben Elliot, der den Kopf schüttelte, aber ebenfalls grinsen musste.
      A heart's a heavy burden.

    • Als ich aufwachte, ließ ich meine Hand über das Laken gleiten, doch da war niemand. Hatte ich das alles nur geträumt? Diese wundervolle Nacht, in der Sam und ich gemeinsam unsere ersten Erfahrungen gemacht hatten? Er war so zärtlich und einfühlsam. Es war.. einfach wunderschön.. Außer uns hatte einfach nichts mehr eine Bedeutung. Auch seine Narben schreckten mich nicht ab, die ich unter meinen Fingern spüren konnte. Sie waren ein Teil von ihm und ich würde sie akzeptieren. Ich liebte ihn so, wie er war.
      Schon bei dem Gedanken daran, flammten all die Gefühle in mir wieder auf. Das konnte kein Traum gewesen sein. Nein. Sonst hätte ich nicht so ein großes Shirt an.
      Ich griff nach meiner Brille und sah mich dennoch schnell um. Das hier war Sam's Zimmer. Sam war wohl schon aufgestanden und wollte mich schlafen lassen, weshalb ich etwas lächelte, bevor ich mich anzog. Meine Haare wuschelte ich mit meinen Händen etwas zurecht, ehe ich das Zimmer verließ und mich von den Stimmen ablenken ließ. Eigentlich wollte ich ins Bad, aber ich war neugierig. Ich bildete mir ein, dass ich gerade Jenny gehört hatte. Diese unterhielt sich fröhlich mit den Jungs und machte auch keine große Sache daraus, dass sie was mit Tristan hatte. Jenny war in der Hinsicht schon immer locker gewesen. Für mich war das okay und eigentlich mischten wir uns auch nicht beim anderen ein. Eigentlich. Jenny tat es schon hin und wieder und dafür müsste ich mich bei ihr unbedingt bedanken. Dank ihr hatte ich Sam gefunden.

      Nun, als ich sie in der Küche sitzen sah, blinzelte ich etwas verwirrt. Es war wirklich Jenny. Sam's Mitbewohner, der uns gestern in die Wohnung gelockt hatte, lachte und amüsierte sich darüber. Auch die anderen beiden, die ich noch nicht kannte, grinsten, weshalb ich etwas rot wurde. Unsicher was ich sagen oder machen sollte, blieb ich unbeholfen stehen und legte meine Hände ineinander auf meine Brust.
      "Wenn ich geahnt hätte, dass ich hier lande...", begann Jenny mit einer theatralischen Pause, "hätte das auch nichts geändert", grinste sie. Als sie mich sah, kam sie auf mich zu und legte ihre Arme um mich. "Da überlass ich dir die Wohnung, damit du deine Ruhe hast und finde dich in dieser Männerhöhle hier", schmunzelte sie und strahlte mir ins Gesicht. Sie war immer so gut drauf und so unbesorgt, dass es auch mir ein wenig meine Sorgen nahm. "J-ja.. Das.. haben wir Max zu verdanken...", sagte ich und sah zu ihm rüber. Meine Wangen glühten vor Scham, aber ich war ihm keinesfalls böse.
      "Okay! Eigentlich wollte ich nur einen Kaffee schnorren, aber ihr habt doch nichts dagegen, wenn ich zum Frühstück bleibe, oder?", fragte sie und wandte sich wieder den anderen zu. Unglaublich wie sie mit den anderen so frei sprechen konnte.

      "Also ich weiß ja nicht, ob es so etwas wie Schicksal gibt, aber manchmal gibt es schon echt unglaubliche Zufälle", hörte ich Jenny sagen, als ich mich entschuldigte, um das Bad aufzusuchen. "Unsere Väter sind Brüder.. und unsere Mütter Schwestern. Wir sind also 200% Cousinen", meinte sie und nahm sich ebenfalls etwas Müsli. Deswegen sahen wir uns vermutlich auch so ähnlich als wären wir Schwestern. "Hab gehört, dass du einen Bruder hast, Sam." Dabei sah sie schmunzelnd zu ihm. Sie wollte nicht auf das Fake Bild anspielen, sondern nur darauf, dass sie ihn daten müsste, um unsere Familiengeschichte sozusagen zu wiederholen. Da sie wusste, dass ich Sam aufrichtig liebte, würde sie keinen Witz darüber machen, dass Tristan und Elliot ja ebenfalls Brüder waren.

      Ich kehrte zurück und setzte mich neben Sam, dem ich ein sanftes Lächeln schenkte, ehe ich mich leicht an ihn lehnte und zu Jenny sah, die so wirkte, als hätte sie bereits mit jedem hier Freundschaft geschlossen. Ich hatte mich hingegen nicht einmal wirklich vorgestellt, aber es wussten wohl sowieso alle wer ich war. Manchmal hatte ich mir gewünscht mehr wie sie zu sein. Aber jetzt wo ich bei Sam war, war alles genau so wie es sein sollte. Schließlich war Sam mit mir zusammen und nicht mit Jenny.
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    • Sam

      Max – übermütig und laut wie immer – und Tristan mit seinem selbst zufriedenen Grinsen, das mich in den falschen Momenten regelmäßig zur Weißglut trieb. Ein Morgen wie jeder andere in unserer WG. Doch für mich war nichts mehr wie zuvor. Der gestrige Abend, die Nacht mit Abby – sie hatte meine Welt aus den Angeln gehoben. Nicht nur wegen der Nähe, die wir geteilt hatten, sondern weil ich zum ersten Mal seit Jahren eine Verbindung spürte, die über die Oberflächlichkeit unserer Gesellschaft hinausging. Eine, die tiefer reichte als alles, was ich bisher gekannt hatte.

      Ich hatte ihr meine Narben gezeigt. Die sichtbaren, die unter der Haut liegenden. Und sie hatte mich akzeptiert – bedingungslos. Obwohl meine Nerven zum Zerreißen gespannt gewesen waren, hatte es sich richtig angefühlt. Sie hatte mich erkennen lassen, dass ich mehr war als die Spuren, die meinen Körper zierten. Ich wusste, dass ich mich nach dieser Nacht nie wieder so fühlen würde wie zuvor. Ich hatte ihr vertraut, mich ihr hingegeben – und sie hatte mich genauso geliebt, wie ich war.

      Doch dann, ungebeten, schob sich ein anderer Gedanke dazwischen. Mein Bruder. Allein der Gedanke an ihn ließ die Scham heiß in meine Wangen steigen. Ich wollte ihn am liebsten aus meinem Kopf verbannen – besonders jetzt. Schließlich war er der eigentliche Grund, weshalb ich Abby überhaupt kennengelernt hatte. Wer konnte schon sagen, ob sie mich je bemerkt hätte, wenn sie von Anfang an die Wahrheit gewusst hätte? Vielleicht hätte sie nie nach rechts gewischt. Ein absurder, unfairer Gedanke, der mich dennoch einen Moment lang gefangen nahm. Sie hatte mir keinen Grund gegeben zu zweifeln, und doch, für einen bitteren Herzschlag, verblendete meine eigene Unsicherheit meine Sicht. Nicholas. Der ältere, makellose Bruder, dessen Gesicht ich genutzt hatte, um ihr Interesse zu wecken. Der Grundstein für die Lüge, die ich aufgebaut hatte. Wer konnte schon sagen, ob sie sich jemals auf mich eingelassen hätte, wenn sie meine Narben gleich zu Beginn gesehen hätte? Diese Narben, die meinen Körper überzogen und mich innerlich mehr gezeichnet hatten, als ich je zugeben wollte. Abby hatte mir nie Anlass gegeben, ihre Gefühle infrage zu stellen – und doch nagte die altbekannten Ängste an mir, wie ein Schatten, der sich zwischen uns drängen wollte.

      „Nic, du solltest ihn mal kennenlernen. Er ist definitiv die bessere Partie der beiden. Aber so sind große Brüder eben. Ne, Scarface?“ Tristans Stimme war ein einziges, selbstgefälliges Schulterklopfen, das in Spott getränkt war. Ich kannte diesen Tonfall und den Spitznamen, den er mir entgegenwarf, nur zu gut. Er war nicht nur eine Stichelei, sondern ein Dolch, der an den richtigen Stellen angesetzt wurde, um zu schneiden. Ich öffnete bereits den Mund, um etwas zu erwidern, doch bevor ich dazu kam, riss Elliot mich aus meiner Starre.

      „Hey, Sam.“ Seine Stimme war leise, fast unauffällig – und doch lag eine Bedeutung in seinen Worten, die mich sofort aufhorchen ließ. „Es hing wieder ein Schwarzer Zettel vor der Tür.“ Ein Schwarzer Zettel. Die Einladung zu einem der illegalen Straßenrennen, an denen ich seit einer Weile teilnahm – seit dem Unfall, seit den Narben. Niemand in der WG wusste davon. Niemand außer Elliot. Und ich wollte, dass es so blieb. Besonders vor Abby.

      Ich zwang mich, ruhig zu bleiben, nickte kaum merklich. „Danke, El.“, murmelte ich, darauf bedacht, das Thema so schnell wie möglich abzutöten, bevor Abby es aufschnappte. Sie durfte nichts davon erfahren. Nicht von den Rennen. Nicht von dem anderen Leben, das ich in der Dunkelheit führte, wenn die Wut und der Schmerz über das, was aus mir geworden war, mich in die Nacht trieben. Sie hatte bereits genug gesehen, genug von mir erfahren. Mehr Verständnis und Akzeptanz konnte ich von ihr nicht verlangen. Der Rest war ein Kapitel, das ich für mich behalten musste. Eines wusste ich mit absoluter Gewissheit: Ich würde alles tun, um sie zu beschützen. Auch wenn es bedeutete, manche Dinge in der Dunkelheit zu lassen. Dort, wo sie hingehörten.

      „Alles klar bei euch?“ Max fröhliche Stimme durchschnitt die Spannung, die sich um mich gelegt hatte, und als ich aufsah, bemerkte ich, wie sein Blick von mir zu Abby wanderte. Er machte eine beiläufige Bemerkung über Schicksal und Zufälle, ehe er in lautes Lachen verfiel und ich mich zum Mitlachen zwang.

      „Hey“, flüsterte ich leise, als sie sich an mich lehnte, ihre warmen Augen suchend auf mir. „Bist du okay? Wir können das Frühstück auch in mein Zimmer oder in ein Café verlegen.”
      A heart's a heavy burden.

    • Jenny

      Meine liebe Cousine war ein zartes Blümchen, welches ich immer versuchte zu hegen und pflegen. Ich beschützte sie, das war doch selbstverständlich. Immerhin wuchsen wir wie Schwestern auf. Ich wusste was sie dachte und ich wusste was sie brauchte. Zumindest glaubte ich es zu wissen. Ja, manchmal übertrieb ich es vielleicht, aber hey. Ohne mich wäre sie nicht hier. Und die beiden kamen mir ziemlich glücklich darüber vor, dass sie nun hier war. Also war ich auch glücklich.
      Zu witzig, dass ich ausgerechnet in dieser Wohnung gelandet war, weil ich mir eine Übernachtungsmöglichkeit mit gewissen Vorzügen gesucht hatte, um ihr ihren Freiraum zu geben. Tristan? So im Beisein seiner Mitbewohner erschien er mir ein wenig arschig, vor allem Sam gegenüber, aber das wusste ich ja gestern noch nicht. Okay ja. Er machte auch schon vorher nicht den Eindruck eines strahlenden Ritters oder eines treudoofen Retrivers, der mir bis ans Ende der Welt folgen würde. Doch darum war es mir nie gegangen. Er war attraktiv und er wusste eindeutig, was er da tat. Ich würde ihm eine 9/10 geben, denk ich.
      Sein Bruder war aber auch ein Leckerbissen. Naja. Hier ging es nicht um mich, sondern um Abby.

      "Meinst du?", fragte ich Tristan und sah ihn schmunzelnd an. Hatte mir mein gestriges Date gerade wirklich vorgeschlagen einen anderen Kerl zu treffen? Gut, ich kannte diesen Nic nicht und vielleicht wusste Tristan, dass da nichts laufen würde oder so. Aber sowas erlebte man wohl doch eher selten. Wobei wohl auch wenige Typen mit ihrem ONS am Tisch mit den Mitbewohnern sitzen würden und dabei so lässig blieben. Nicht, dass es ihm peinlich sein müsste. Aber manche bevorzugten es, wenn man sich schnell verdrückte. Was ich meistens auch tat, nur hatte ich eben gedacht, dass ich Abby und Sam zuhause ihre Ruhe lassen würde. Und nun saßen wir doch zusammen.
      In der Hinsicht schien mir Tristan recht ähnlich zu sein. Wir machten kein Geheimnis aus letzter Nacht, aber machten auch keine Schlagzeile daraus. Wir saßen hier, als wären wir einfach nur Freunde. Normalerweise würde ich ihn und seine Mitbewohner wohl nie wieder sehen, aber da der Freund meiner Cousine einer davon war, würde ich wohl doch mal öfter auf Tristan stoßen. Gegen eine Wiederholung hätte ich dabei nichts einzuwenden und ich glaubte, dass es Tristan ähnlich sehen könnte. Er würde doch wohl keiner von den Typen sein, die sich nach einer Nacht unsterblich in mich verliebt haben. Nein, dafür wirkte er gerade viel zu cool und behandelte mich viel zu nebensächlich, was für mich vollkommen fein war.

      "Also ihr seid alle... Nerds, ja?", fragte ich - ohne sie zu verurteilen - und spielte auf die Inneneinrichtung an, wobei mein Blick fragend an Tristan hängen blieb, da ich ihn von allen hier am wenigsten für so einen Zocker gehalten hatte. Ich fragte mich, warum er Teil dieser WG war. Doch wohl kaum, weil er nicht anders konnte, oder?




      Abby

      Ich war in Liebensangelegenheiten schüchtern und auch sonst war ich nicht so locker wie Jenny. Aber ich war nicht so introvertiert, dass ich mich ganz und gar unwohl fühlte, wenn ich von all diesen unbekannten Männern - Freunden und Mitbewohnern von Sam - umgeben war. Ich hatte kein Problem damit; ganz im Gegenteil. Mir war wichtig, dass ich mich auch mit seinen Freunden verstand, wenn ich eine perfekte Beziehung mit ihm führen wollte. Ebenso wie mir wichtig war, dass er Jenny mochte. Und ich kannte eigentlich niemanden - abgesehen von einigen Konkurrentinnen - die sie nicht mochten. Sie konnte ein unglaublich toller Kumpeltyp sein, aber auch eine emotionale Stütze und.. ein heißes Date.
      Sam und ich waren leise und doch malte sich vermutlich jeder aus, dass wir es getan hätten. Ich schämte mich nicht dafür und ich bereute es natürlich nicht, aber ein wenig peinlich war mir das schon. Jenny hingegen schrie es metaphorisch durch das ganze Gebäude - die ganze Nachbarschaft - und würde vermutlich, sofern sich die Gelegenheit ergab, auch noch ganz ungeniert mit einem der anderen Männer hier flirten. Abgesehen von Sam natürlich.

      "Alles gut..", antwortete ich ihm mit einem Lächeln und sah dann kurz zu Jenny rüber. Ob ich mich zu sehr auf sie verließ? Ich hatte mich nicht mal alleine zum Treffen getraut, aber man wusste ja schließlich nie, was einen erwartete. Sam hätte auch ein 50jähriger Serienkiller sein können oder so... Auch wenn ich das nicht geglaubt hatte. Irgendwann müsste ich die Stützräder allerdings abbauen, auch wenn mir der Gedanke nicht gefiel..
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