Devon stutzte kurz. Es war das erste Mal, dass er so lapidar davon sprach, wie alt er eigentlich war und was er bis dato erlebt hatte. Jetzt ohne Ablenkung stürzte sich der Kultist selbstverständlich auf dieses Wissen, das wohl zu den weniger gefährlichen zählt. „Wir haben eine höhere Lebenserwartung als ihr Menschen. Dreißig Jahre sind in unserer Rechnung schon eine geraume Weile, aber kein halbes Leben wie bei euch. Stimmt aber; in der Zeit kann viel passieren und ich war wirklich lange nicht mehr da.“ Devon blinzelte, selbst verwundert darüber, wie locker seine Zunge jetzt gerade war. „Ich bin 74 Jahre alt.“
Devon beobachtete Malleus dabei, wie er seinen Handschuh wusch. Was eigentlich sehr beiläufig und unauffällig wirkte, wurde plötzlich zum roten Tuch für den Lacerta. Er hatte nur einen winzigen Blick erhaschen können, aber das hatte ausgereicht, um zu verstehen, dass Malleus das Leder nicht nur wegen Tava reinigte. Da verfiel er in bodenloses Schweigen, sein Gesicht in Fassungslosigkeit verzogen.
Hatte der Mann etwa während Devon und Tava zugange waren…?
Irgendwas an Devons Starren musste Malleus getriggert haben. Seine Hand wanderte von selbst zu einem der Abdrücke, ehe sich der Kultist umdrehte und sich dem Jäger nun direkt zuwandte. „Es tat weh… aber Schmerz ist kein Fremder für mich.“
Das sorgte dafür, dass sich in Devons Mund eine Bitterkeit niederlegte. Sie rührte einzig und allein von dem Wissen, was dieser Mann wohl schon alles erlebt hatte. Dass er nicht nur die Zeichen auf seiner Haut mit einem einschneidenden Erlebnis verband, sondern auch der Schmerz damit unwiderruflich verbunden war. Es gab keinen Weg, wie Devon den Schmerz in etwas hätte umwandeln können, was nicht an diesen Erinnerungen gerüttelt hätte. Das war es gewesen, was er unter all den Pheromonen bei Malleus gerochen hat. Das Echo der Angst aus vergangener Zeit.
„Ein Bekannter ist nicht zwangsläufig ein guter Bekannter“, wand der Jäger schließlich rau ein. „Du hast nicht bewusst mit Instinkten gespielt. Sie haben dich übermannt. Überrascht. Wie kannst du mit etwas spielen, was du nicht kennst?“
Gar nicht, lautete die Antwort. Die ersten Menschen spielten mit dem Feuer ehe sie sich daran verbrannten und für Zerstörung sorgten. Trotz dieses Wissens blieb es eine unberechenbare Macht, die schnell außer Kontrolle geraten konnte. Instinkte, die so tief in Devon verankert waren, waren nicht viel anders. Sicher, Malleus konnte es nicht besser wissen, aber der Lacerta war es am Ende gewesen, der sich nicht am Riemen gerissen hatte.
„Es ist schwer dich einzuschätzen, Devon. Das ist neu für mich.“
Devon hob den Blick von Malleus‘ Hals. Da war schon wieder kein Vorwurf in der Stimme und auch keine Scheu. Wüsste er es nicht besser, hätte er es als Faszination eingestuft.
„Nichts hiervon war geplant, weil ich offen gestanden, nicht mit Tava gerechnet habe und danach konnte ich einfach nicht widerstehen.“
„Mit dem Feuerteufel hat keiner gerechnet“, murrte Devon zustimmend. Nur in dem Punkt des Widerstehens stimmte er dem Mann nicht zu. Hätte Malleus wahrlich nicht widerstehen können, hätte er sich selbst an Tava vergangen oder anderweitig den Kontakt gesucht. So hatte er sich nur aus der Szene gezogen und… selbst Hand angelegt? Machte man sowas überhaupt? Wo war da der Sinn?
Dann seufzte Malleus plötzlich und gab ein bisschen mehr von seiner Gedankenwelt preis, die Devon alles andere als kalt ließ. Ein Teil von Devon war nicht abgeneigt… Ja, das musste er wohl oder übel zugeben. Nur empfand es Devon als erstaunlich, dass Malleus ausgerechnet jetzt Schwierigkeiten hatte, zu bestimmen, auf welcher Natur dieses Interesse beruhte. Dabei war die Antwort doch so schmerzhaft offensichtlich.
Devon zuckte mit den Schultern und trat den Rückzug an. Er löste sich von der Wand und öffnete die Tür, durch die sein Blick direkt auf das Bett mit der schlafenden Tava fiel. Dass sie da seelig zu ruhen schien, war ihm völlig entfallen und stellte nun ein neues Problem dar.
Er würde ganz sicher nicht im Bett schlafen und riskieren, dass sie ihn am nächsten Morgen direkt erdrosselte. „Ich kann da nicht schlafen.“
Devon machte auf dem Absatz kehrt und zog die Tür doch wieder zu. Lieber mit Malleus über Dinge sinnieren, über die er nicht nachdenken wollte. Das dachte er zumindest, als er sich den fragend hochgezogenen Augenbrauen stellte und seine Wahl tunlichst wieder überdachte.
„Doch. Geht doch.“
Er drehte wieder um und verließ dieses Mal wirklich das angrenzende Zimmer. Nein, es wäre definitiv leichter, sich einfach neben das Bett auf den Boden zu setzen und sich in eine Decke einzuwickeln. Dann war er weit genug von Tava weg, damit sie nicht drangsalieren konnte, aber nah genug, damit sie nicht dachte, er wäre getürmt. So konnte sich Tava auch nicht an ihn kuscheln. Das war ein Plan. Ein guter Plan. Also ließ sich Devon neben dem Bettgestell auf den Boden und wickelte die Decke um sich, die er zu sich hatte ziehen können. Ein behelfsmäßiges Lager, aber besser als keines.
Ein besserer Plan, als Malleus erklären zu müssen, worauf dieses Interesse ihm gegenüber wirklich gefußt hatte. Devon kannte die Antwort, weiter darüber nachdenken wollte er nicht. Das war eine einmalige Sache. Sie würde sich nicht wiederholen.
Das hier war nur ein Ausrutscher wegen der alkoholisierten Tava gewesen. Mehr nicht.
Devon beobachtete Malleus dabei, wie er seinen Handschuh wusch. Was eigentlich sehr beiläufig und unauffällig wirkte, wurde plötzlich zum roten Tuch für den Lacerta. Er hatte nur einen winzigen Blick erhaschen können, aber das hatte ausgereicht, um zu verstehen, dass Malleus das Leder nicht nur wegen Tava reinigte. Da verfiel er in bodenloses Schweigen, sein Gesicht in Fassungslosigkeit verzogen.
Hatte der Mann etwa während Devon und Tava zugange waren…?
Irgendwas an Devons Starren musste Malleus getriggert haben. Seine Hand wanderte von selbst zu einem der Abdrücke, ehe sich der Kultist umdrehte und sich dem Jäger nun direkt zuwandte. „Es tat weh… aber Schmerz ist kein Fremder für mich.“
Das sorgte dafür, dass sich in Devons Mund eine Bitterkeit niederlegte. Sie rührte einzig und allein von dem Wissen, was dieser Mann wohl schon alles erlebt hatte. Dass er nicht nur die Zeichen auf seiner Haut mit einem einschneidenden Erlebnis verband, sondern auch der Schmerz damit unwiderruflich verbunden war. Es gab keinen Weg, wie Devon den Schmerz in etwas hätte umwandeln können, was nicht an diesen Erinnerungen gerüttelt hätte. Das war es gewesen, was er unter all den Pheromonen bei Malleus gerochen hat. Das Echo der Angst aus vergangener Zeit.
„Ein Bekannter ist nicht zwangsläufig ein guter Bekannter“, wand der Jäger schließlich rau ein. „Du hast nicht bewusst mit Instinkten gespielt. Sie haben dich übermannt. Überrascht. Wie kannst du mit etwas spielen, was du nicht kennst?“
Gar nicht, lautete die Antwort. Die ersten Menschen spielten mit dem Feuer ehe sie sich daran verbrannten und für Zerstörung sorgten. Trotz dieses Wissens blieb es eine unberechenbare Macht, die schnell außer Kontrolle geraten konnte. Instinkte, die so tief in Devon verankert waren, waren nicht viel anders. Sicher, Malleus konnte es nicht besser wissen, aber der Lacerta war es am Ende gewesen, der sich nicht am Riemen gerissen hatte.
„Es ist schwer dich einzuschätzen, Devon. Das ist neu für mich.“
Devon hob den Blick von Malleus‘ Hals. Da war schon wieder kein Vorwurf in der Stimme und auch keine Scheu. Wüsste er es nicht besser, hätte er es als Faszination eingestuft.
„Nichts hiervon war geplant, weil ich offen gestanden, nicht mit Tava gerechnet habe und danach konnte ich einfach nicht widerstehen.“
„Mit dem Feuerteufel hat keiner gerechnet“, murrte Devon zustimmend. Nur in dem Punkt des Widerstehens stimmte er dem Mann nicht zu. Hätte Malleus wahrlich nicht widerstehen können, hätte er sich selbst an Tava vergangen oder anderweitig den Kontakt gesucht. So hatte er sich nur aus der Szene gezogen und… selbst Hand angelegt? Machte man sowas überhaupt? Wo war da der Sinn?
Dann seufzte Malleus plötzlich und gab ein bisschen mehr von seiner Gedankenwelt preis, die Devon alles andere als kalt ließ. Ein Teil von Devon war nicht abgeneigt… Ja, das musste er wohl oder übel zugeben. Nur empfand es Devon als erstaunlich, dass Malleus ausgerechnet jetzt Schwierigkeiten hatte, zu bestimmen, auf welcher Natur dieses Interesse beruhte. Dabei war die Antwort doch so schmerzhaft offensichtlich.
Devon zuckte mit den Schultern und trat den Rückzug an. Er löste sich von der Wand und öffnete die Tür, durch die sein Blick direkt auf das Bett mit der schlafenden Tava fiel. Dass sie da seelig zu ruhen schien, war ihm völlig entfallen und stellte nun ein neues Problem dar.
Er würde ganz sicher nicht im Bett schlafen und riskieren, dass sie ihn am nächsten Morgen direkt erdrosselte. „Ich kann da nicht schlafen.“
Devon machte auf dem Absatz kehrt und zog die Tür doch wieder zu. Lieber mit Malleus über Dinge sinnieren, über die er nicht nachdenken wollte. Das dachte er zumindest, als er sich den fragend hochgezogenen Augenbrauen stellte und seine Wahl tunlichst wieder überdachte.
„Doch. Geht doch.“
Er drehte wieder um und verließ dieses Mal wirklich das angrenzende Zimmer. Nein, es wäre definitiv leichter, sich einfach neben das Bett auf den Boden zu setzen und sich in eine Decke einzuwickeln. Dann war er weit genug von Tava weg, damit sie nicht drangsalieren konnte, aber nah genug, damit sie nicht dachte, er wäre getürmt. So konnte sich Tava auch nicht an ihn kuscheln. Das war ein Plan. Ein guter Plan. Also ließ sich Devon neben dem Bettgestell auf den Boden und wickelte die Decke um sich, die er zu sich hatte ziehen können. Ein behelfsmäßiges Lager, aber besser als keines.
Ein besserer Plan, als Malleus erklären zu müssen, worauf dieses Interesse ihm gegenüber wirklich gefußt hatte. Devon kannte die Antwort, weiter darüber nachdenken wollte er nicht. Das war eine einmalige Sache. Sie würde sich nicht wiederholen.
Das hier war nur ein Ausrutscher wegen der alkoholisierten Tava gewesen. Mehr nicht.
