Regungslos folgten Malleus' Augen den Schwertarm, der träge in die Höhe gehoben wurde als hänge eine tonnenschwere Last an ihm, als wäre die schimmernde Klinge in der Hand des Jägers plötzlich unendlich schwer geworden. Die Malachitklinge glühte im Licht der sich senkenden Sonne am Horizont. Vielleicht wäre ein weniger willensstarker Mensch bei dem bedrohlichen Anblick zurückgezuckt, doch Malleus Haltung blieb unverändert. Tatsächlich schenkte er dem Schwert einen flüchtigen beinahe desinteressierten Blick bevor seine Aufmerksamkeit zurück zu Devons Gesicht glitt, das weiterhin für seine Augen verborgen hinter der Maske und zähem Blut lag. Malleus wich nicht zurück, sondern sah dem Jäger unbewegt entgegen. Er strahlte weder Furcht noch Misstrauen im Angesicht der tödlichen Klinge aus.
Devon riss sein Schwert mit einer ruckartigen Bewegung empor und Malleus blinzelte gegen die Reflektion des Lichts, das durch den unglücklichen Winkel seine Sicht blendete. Für einen Augenblick sah er nichts, sondern hörte lediglich wie geschliffener Stahl durch die Luft zischte. Der Klang des unmittelbar bevorstehenden Todes und das letzte Geräusch, das man hörten, bevor die Dunkelheit die Arme ausbreitete. Blutige Visionen schob sich vor Malleus' geistiges Auge. Er stellte sich vor wie das Schwert Haut durchstieß, Sehnen durchtrennte und Knochen zerschmetterte. Seine silberne Zunge nützte ihm nichts mehr, sobald Devon das Haupt mit einem wuchtigen Hieb von seinen Schultern trennte. All seine Gaben wären nutzlos, wenn von seiner Kehle nicht mehr übrig war als eine klaffende Wunde, aus der das Leben floss.
Die Gewissheit, dass sein Schicksal im ein gänzlich anderes Ende prophezeite, ließ Malleus zu keinem Zeitpunkt wanken. Sein Leben gehörte den Flammen. Als er die Augen öffnete und zusah, wie Devon sich gewaltsam durch den verkohlten Kadaver kämpfte, blieb nichts zurück außer der ungebrochenen Zuversicht. Daran hielt er fest. Er musste. All die Dinge, die er getan und erduldet hatte, durften nicht umsonst gewesen sein. Es würde ihn das letzte bisschen seiner Menschlichkeit kosten.
Der Lacerta löste sich von dem Leichnam der Kreatur, die augenblich zu zischen begann, als hätte Malleus sie persönlich mit einer großen Menge von Alcidorum überschüttet. Nach und nach viel der Körper in sich zusammen, wie es der Felsendrachen in Celestia getan hatte. Dieses Mal blieb kein Mahnmal aus verwaisten Felsen zurück, der Drache aus dem See löste sich buchstäblich in Luft auf. Malleus blieb nicht lang genug, um das Schauspiel genauer in Augenschein zu nehmen. Seine Aufmerksamkeit galt weiter dem Mann, der nicht der Stolz über eine erfolgreiche Jagd ausstrahlte. Die versteinerte Miene ließ wenig vermuten, doch die Hand, die er fest um den Kristall schloss.
Malleus bedeutete Tava zu warten ehe er Devon mit etwas Abstand folgte. Er bezweifelte, dass der Lacerta gerade in der richtigen Stimmung für eine überschwängliche Fragestunde war. Also passte er sich der allgegenwärtigen Stille an. Wo Malleus sich noch mit raschelndem Laub und brechenden Zweigen durch das Unterholz bewegt hatte, waren seine Schritte nun nicht mehr zu hören. Er blieb auf Distanz und wurde zum Schatten des Jägers, der sich von dem zischenden und dampfenden Kadaver entfernte.
Er beobachtete, wie Devon sich hastig aus dem Schutzanzug schälte und tat es ihm gleich. Während der Lacerta ruppig vorging bis Malleus den Protest der Nähte vernahm, blieben seine eigenen Handgriffe ruhig und präzise. Systematisch streifte er zunächst den Anzug von seinen Armen, rollte ihn bis zu den Hüften hinab und stieg schließlich aus den Beinen heraus. Er stoppte bei den zu großen, unförmigen Schutzhandschuhen.
Ein prüfender Blick glitt herüber zu Devon, der bereits am Ufer saß und den Kristall umklammerte, als hinge sein Leben davon ab. Als der Jäger keinerlei Anstalten machte ihn wegzuschicken oder von seiner Anwesenheit überhaupt Notiz zu nehmen, näherte sich Malleus. Ein Stein knirschte unter seinem Stiefel als er nah in Devons Rücken stand, diesen halb umrundete und neben ihm am Ufer stehen blieb. Er setzte sich nicht.
„Ich habe dich noch nie zögern sehen, Devon“, raunte Malleus, den Blick auf den See gerichtet und seine Stimme frei von jeder Wertung. Der Ton war vollkommen neutral. Kein Spott. Kein Vorwurf. „Nicht, dass ich bisher oft die Gelegenheit dazu hatte, aber das hier war anders als der Vorfall in Celestia.“
Malleus zupfte an den verhüllten Fingerspitzen seiner rechten Hand. Die weichen, maßgeschneiderten Lederhandschuhe befanden sich im Karren und der stand noch immer außer Reichweite am nicht verbrannten Teil des Waldrandes. Seine Möglichkeiten abwägend schielte Malleus aus dem Augenwinkel zu Devon hinab, dessen Knöchel sich in dem unnachgiebigen Klammergriff um den Kristall weiß unter der Haut abhoben. Dann ging der hochgewachsene Mann in die Hocke.
„Wir alle haben etwas, für das wir alles riskieren.“
Er sah wieder über die spiegelglatte Oberfläche des Sees, in dem nun kein Leben mehr existierte. In ihren Bestrebungen hatten sie ein ganzes Gebiet zerstört und teils unbewohnbar gemacht.
„Glaube.“
Malleus zog an dem kratzigen Handschuh bis die pechschwarzen Linien auf seinem Handrücken sichtbar wurden.
„Wissen.“
Der rechte Handschuh fiel Boden und Malleus gehockte Körperhaltung nahm an Anspannung zu. Wenige Augenblicke später folgte auch der linke Handschuh. Träge beugte und streckte die entblößten Finger, die gemeinsam mit der Hand eine winzige Nuance blasser waren, als Rest seines dunklen und warmen Teints.
„Was ist es, dass du bereit bist dein Leben dafür aufs Spiel zusetzen?“
Mit geschickten Fingern löste Malleus die Trinkflasche von seinem Gürtel. Angesichts von Devons Reaktion bevor er den tödlichen Schlag ausgeführt hatte, hätte der Kultist ihm lieber etwas Stärkeres als Wasser angeboten. So musste klares, sauberes Wasser gegen den Geschmack von Blut, Tod und Asche helfen. Er reichte dem Lacerta die Flasche mit entblößten, nackten Fingern. Es war ein Risiko und Devon würde nicht entgehen, dass sein Arm zitterte und die Muskeln unter der Haut angespannt zuckten. Der Lacerta hatte bereits in Celestia aufgeschnappt, dass Malleus etwas verheimlichte und Berührungen vermied, wenn es die Situation erlaubte.
Die Weichheit in seiner Stimme war anders als bei Tava. Er versuchte nicht den Lacerta mit gezielten Worten zu umschmeicheln. Malleus sah ihn an und suchte dieses Mal den direkten Blickkontakt. Er konnte nicht verhindern, dass sich seine Gesichtszüge anspannten. Diese kleine, unscheinbare Geste unter dem Deckmantel der Höflichkeit wog schwerer, als jedes Wort, das sich sein Verstand ausdenken konnte.
„Wer war es?“, raunte er. ‚Wer schimpfte dich ein Monster und gab diesem Wort Macht über dich?‘
Devon riss sein Schwert mit einer ruckartigen Bewegung empor und Malleus blinzelte gegen die Reflektion des Lichts, das durch den unglücklichen Winkel seine Sicht blendete. Für einen Augenblick sah er nichts, sondern hörte lediglich wie geschliffener Stahl durch die Luft zischte. Der Klang des unmittelbar bevorstehenden Todes und das letzte Geräusch, das man hörten, bevor die Dunkelheit die Arme ausbreitete. Blutige Visionen schob sich vor Malleus' geistiges Auge. Er stellte sich vor wie das Schwert Haut durchstieß, Sehnen durchtrennte und Knochen zerschmetterte. Seine silberne Zunge nützte ihm nichts mehr, sobald Devon das Haupt mit einem wuchtigen Hieb von seinen Schultern trennte. All seine Gaben wären nutzlos, wenn von seiner Kehle nicht mehr übrig war als eine klaffende Wunde, aus der das Leben floss.
Die Gewissheit, dass sein Schicksal im ein gänzlich anderes Ende prophezeite, ließ Malleus zu keinem Zeitpunkt wanken. Sein Leben gehörte den Flammen. Als er die Augen öffnete und zusah, wie Devon sich gewaltsam durch den verkohlten Kadaver kämpfte, blieb nichts zurück außer der ungebrochenen Zuversicht. Daran hielt er fest. Er musste. All die Dinge, die er getan und erduldet hatte, durften nicht umsonst gewesen sein. Es würde ihn das letzte bisschen seiner Menschlichkeit kosten.
Der Lacerta löste sich von dem Leichnam der Kreatur, die augenblich zu zischen begann, als hätte Malleus sie persönlich mit einer großen Menge von Alcidorum überschüttet. Nach und nach viel der Körper in sich zusammen, wie es der Felsendrachen in Celestia getan hatte. Dieses Mal blieb kein Mahnmal aus verwaisten Felsen zurück, der Drache aus dem See löste sich buchstäblich in Luft auf. Malleus blieb nicht lang genug, um das Schauspiel genauer in Augenschein zu nehmen. Seine Aufmerksamkeit galt weiter dem Mann, der nicht der Stolz über eine erfolgreiche Jagd ausstrahlte. Die versteinerte Miene ließ wenig vermuten, doch die Hand, die er fest um den Kristall schloss.
Malleus bedeutete Tava zu warten ehe er Devon mit etwas Abstand folgte. Er bezweifelte, dass der Lacerta gerade in der richtigen Stimmung für eine überschwängliche Fragestunde war. Also passte er sich der allgegenwärtigen Stille an. Wo Malleus sich noch mit raschelndem Laub und brechenden Zweigen durch das Unterholz bewegt hatte, waren seine Schritte nun nicht mehr zu hören. Er blieb auf Distanz und wurde zum Schatten des Jägers, der sich von dem zischenden und dampfenden Kadaver entfernte.
Er beobachtete, wie Devon sich hastig aus dem Schutzanzug schälte und tat es ihm gleich. Während der Lacerta ruppig vorging bis Malleus den Protest der Nähte vernahm, blieben seine eigenen Handgriffe ruhig und präzise. Systematisch streifte er zunächst den Anzug von seinen Armen, rollte ihn bis zu den Hüften hinab und stieg schließlich aus den Beinen heraus. Er stoppte bei den zu großen, unförmigen Schutzhandschuhen.
Ein prüfender Blick glitt herüber zu Devon, der bereits am Ufer saß und den Kristall umklammerte, als hinge sein Leben davon ab. Als der Jäger keinerlei Anstalten machte ihn wegzuschicken oder von seiner Anwesenheit überhaupt Notiz zu nehmen, näherte sich Malleus. Ein Stein knirschte unter seinem Stiefel als er nah in Devons Rücken stand, diesen halb umrundete und neben ihm am Ufer stehen blieb. Er setzte sich nicht.
„Ich habe dich noch nie zögern sehen, Devon“, raunte Malleus, den Blick auf den See gerichtet und seine Stimme frei von jeder Wertung. Der Ton war vollkommen neutral. Kein Spott. Kein Vorwurf. „Nicht, dass ich bisher oft die Gelegenheit dazu hatte, aber das hier war anders als der Vorfall in Celestia.“
Malleus zupfte an den verhüllten Fingerspitzen seiner rechten Hand. Die weichen, maßgeschneiderten Lederhandschuhe befanden sich im Karren und der stand noch immer außer Reichweite am nicht verbrannten Teil des Waldrandes. Seine Möglichkeiten abwägend schielte Malleus aus dem Augenwinkel zu Devon hinab, dessen Knöchel sich in dem unnachgiebigen Klammergriff um den Kristall weiß unter der Haut abhoben. Dann ging der hochgewachsene Mann in die Hocke.
„Wir alle haben etwas, für das wir alles riskieren.“
Er sah wieder über die spiegelglatte Oberfläche des Sees, in dem nun kein Leben mehr existierte. In ihren Bestrebungen hatten sie ein ganzes Gebiet zerstört und teils unbewohnbar gemacht.
„Glaube.“
Malleus zog an dem kratzigen Handschuh bis die pechschwarzen Linien auf seinem Handrücken sichtbar wurden.
„Wissen.“
Der rechte Handschuh fiel Boden und Malleus gehockte Körperhaltung nahm an Anspannung zu. Wenige Augenblicke später folgte auch der linke Handschuh. Träge beugte und streckte die entblößten Finger, die gemeinsam mit der Hand eine winzige Nuance blasser waren, als Rest seines dunklen und warmen Teints.
„Was ist es, dass du bereit bist dein Leben dafür aufs Spiel zusetzen?“
Mit geschickten Fingern löste Malleus die Trinkflasche von seinem Gürtel. Angesichts von Devons Reaktion bevor er den tödlichen Schlag ausgeführt hatte, hätte der Kultist ihm lieber etwas Stärkeres als Wasser angeboten. So musste klares, sauberes Wasser gegen den Geschmack von Blut, Tod und Asche helfen. Er reichte dem Lacerta die Flasche mit entblößten, nackten Fingern. Es war ein Risiko und Devon würde nicht entgehen, dass sein Arm zitterte und die Muskeln unter der Haut angespannt zuckten. Der Lacerta hatte bereits in Celestia aufgeschnappt, dass Malleus etwas verheimlichte und Berührungen vermied, wenn es die Situation erlaubte.
Die Weichheit in seiner Stimme war anders als bei Tava. Er versuchte nicht den Lacerta mit gezielten Worten zu umschmeicheln. Malleus sah ihn an und suchte dieses Mal den direkten Blickkontakt. Er konnte nicht verhindern, dass sich seine Gesichtszüge anspannten. Diese kleine, unscheinbare Geste unter dem Deckmantel der Höflichkeit wog schwerer, als jedes Wort, das sich sein Verstand ausdenken konnte.
„Wer war es?“, raunte er. ‚Wer schimpfte dich ein Monster und gab diesem Wort Macht über dich?‘
“We all change, when you think about it.
We’re all different people all through our lives.
And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
so long as you remember all the people that you used to be.”
We’re all different people all through our lives.
And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
so long as you remember all the people that you used to be.”
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