Ich musste mit ein Grinsen unterdrücken, als Edward versuchte ihm wei zu machen, dass er nicht geschlafen habe. Ich wusste genau, dass das nicht stimmte, doch ich ließ ihn es behaupten und korrigierte ihn nicht. Edward verschwendete keine Zeit und erfragt nach meinen Wohlergehen. Ich schüttelte nur den Kopf, als er mir die vielen Fragen stellte. Es war ungewohnt und etwas eigenartig ihn so bekümmernd und versorgend zu beobachten. Edward gan oftmals einen strikten, distanzierten und unnahbaren Eindruck, doch in diesen Moment war er sehr greifbar, abders als was alle von ihm hielten. Und es war erfrischend. Erfrischend und verboten, dass nur ich das gerade zu Gesicht bekam. Was anfere wohl davon halten würden. Womöglich würden sie ihren Augen kaum trauen. Es erklärte mir jedoch nicht, wieso er sich die Mühe für mich machte. So beobachtete ich nur wie er das Zimmer wieder verließ. Doch hier zu sitzen und sich bedienen lassen, fühlte sich für mich falsch an. So stand ich nach paar Minuten auf, duschen mich kurz ab und zog mich um. Daraufhin folgte ich ihm in die Küche. Dort sah ich ihn bereits fleißig am Kochen. Leise setzte ich mich hin und sah ihn dabei zu. Auch wenn ich die Antwort wusste, fragte ich ihn trotzdem: "Kann ich helfen?" Denn den Wunsch niemanden zur Last zur fallen, konnte ich nicht von heute auf morgen ablegen. Und ich lag nicht im Sterbebett, weshalb ich dazu in der Lage war zumindest eine Kleinigkeit machen zu können. Ich verschränkt meine Arme auf die Oberfläche des Tisches und stützte meine rechte wabge auf mein Oberarm ab. So viel Luxus von einem Arbeitsgeber zu bekommen, erhielt wohl nicht jeder.
In your debt [Kiba x Yumia]
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Ich stand an meiner Kochinsel und starrte die Arbeitsfläche vor mir an. Ich machte immernoch das Frühstück für uns. Ich hörte die Dusche oben nicht, da das Essen hier unten zu laut war. Irgendwie fragte ich mich, was ich hier eigentlich machte. Es kannten nicht viele diese Seite von mir. Eigentlich nur meine Schwester und meine Großmutter. Und nun auch Castiel. Er schien etwas an sich zu haben, dass er mein Vertrauen gewann und ich ihm diese Seite unbewusst und unweigerlich zeigte. Dabei hatte ich eigentlich nicht vorgehabt, sie Außenstehenden zu zeigen. Trotzdem ist sie einfach so hervor gekommen. Ich musste zusehen, dass ich sie wieder versteckte. Denn diese Seite war mir mehr als unangenehm.
Aus den Augenwinkeln sah ich jemanden in die Küche kommen und sofort machte ich mich wieder konzentriert an die Arbeit. Ja, ich sollte darauf achten, dass das Essen fertig wird. Er setzte sich und fing an, mich zu beobachten. Ohne hinzusehen spürte ich seinen Blick auf mir. Als fragte, ob er helfen könne, räusperte ich mich leise.
"Du solltest lieber zusehen, dass du dich ausruhst. Du hast immer noch Fieber und man kann nicht gesund werden, wenn du deinen Körper zu sehr beanspruchst.", erklärte ich streng, machte aber einfach weiter. Ich konnte ihm nur sagen, was am Besten war. Ich würde ihn nicht zwingen und wenn er lieber da sitzen wollte, dann sollte er es tun. Auch wenn ich es nicht für gut heiße, dass er nicht das Bett hütete.
Noch immer fühlte ich mich von ihm beobachtet und ich sah zu ihm. Wie er da auf dem Stuhl saß und zu mir rüber schielte. Ein Gefühl machte sich in mir breit, welches ich nicht zuordnen konnte. Es streckte sich durch meinen gesamten Körper. Ich beschloss, es nicht weiter durchdringen zu lassen und kümmerte mich wieder ums Essen. Wenige Minuten später war es dann auch schon fertig.
"Willst du hier essen?", fragte ich ihn und stellte zwei Teller auf den Tisch, "Ich hoffe, es schmeckt dir." -
Ich musste mir beinahe ein Lachen verkneifen, als ich den leicht strengen Ton in seiner Stimme hörte. Doch ich wusste genau, dass er aus Fürsorge sprach, nicht aus Verärgerung. Statt zu lachen oder zu lächeln, nickte ich nur stumm und fügte mich seinem Wunsch. Diese Strenge hatte also durchaus ihre positiven Seiten, auch wenn meine Arbeitskollegen das vermutlich niemals erkennen würden. Für sie war Edward vermutlich nur der kühle, unnahbare Chef. Doch ich bekam gerade eine ganz andere Seite zu sehen.
Da ich seine Fürsorge zu schätzen wusste und ihn nicht weiter verärgern wollte, blieb ich brav auf dem Stuhl sitzen und beobachtete ihn, während er sich in der Küche bewegte. Die Wärme, die meinen Körper durchflutete, war immer noch spürbar, wenn auch nicht mehr ganz so unangenehm wie noch gestern auf der Gala. Ich war zwar weit entfernt von voller Energie, aber es fühlte sich zumindest nach Besserung an. Am Montag sollte ich wieder arbeiten gehen und mich dann in die neue Aufgabe stürzen, die bereits auf mich wartete. Eigentlich hätte ich das Wochenende gerne genutzt, um mich gründlich einzulesen, doch das wäre wohl keine besonders kluge Idee. Meine Genesung sollte Vorrang haben.
Als das Essen fertig war, nickte ich und zog mir den Teller heran. „Danke“, sagte ich ehrlich und sah ihn dabei an. Es fühlte sich immer noch seltsam an, dass jemand etwas für mich tat. Eine solche Geste war mir fremd geworden. Das letzte Mal, dass mir jemand ohne Hintergedanken eine warme Mahlzeit zubereitet hatte, lag weit zurück, damals, als meine Eltern noch lebten und ich noch zur Schule ging. Und nun tat es Edward. Ausgerechnet er. Es war ungewohnt, ja, fast befremdlich, aber auf eine rührende Weise auch schön.
Ich nahm den Löffel zur Hand und begann zu essen. Edward schien tatsächlich einige Gerichte zu kennen, die er gut zubereiten konnte. Ich dagegen beherrschte kaum mehr als Reis, Sandwiches und einfache Nudeln. Viel mehr hatte ich mir nie angeeignet.
„Es ist wirklich lecker“, lobte ich ihn aufrichtig, schenkte ihm ein kleines Lächeln und aß weiter. Ich wusste nicht genau, worüber wir sprechen sollten. Es herrschte eine angenehme, fast friedliche Stille zwischen uns, die mich nicht störte. Im Gegenteil, sie war wohltuend.
Nach einer Weile räusperte ich mich leicht. „Ach so…“, begann ich zögernd. „Es tut mir leid wegen gestern. Dass wir die Gala so früh verlassen haben.“ Ich senkte den Blick für einen Moment. Dort waren sicher wichtige Personen gewesen, mit denen er hätte sprechen wollen. Insbesondere einer von ihnen hatte offensichtlich das Gespräch mit ihm gesucht. Diese Möglichkeit hatte ich ungewollt ruiniert. Ich konnte mir vorstellen, was er gleich sagen würde, vermutlich würde er es herunterspielen oder abtun. Dennoch war es mir wichtig, mich aufrichtig zu entschuldigen. Es war nicht geplant gewesen, aber hätte ich die Anzeichen früher bemerkt und ernst genommen, hätten wir den Abend vielleicht retten können. Ich hätte dann einfach zu Hause bleiben und ihn zur Gala schicken können. So hätte er neue Kontakte knüpfen und wichtige Gespräche führen können. Aber nun war es, wie es war. Und das mindeste, was ich tun konnte, war, Verantwortung dafür zu übernehmen. -
Natürlich blieb Castiel da sitzen. Auch wenn mir wirklich lieber gewesen wäre, wenn er sich wieder ins Bett legen würde. Aber wem sagte ich das? Ich war selbst ein Workaholic und konnte es nicht lassen, zu arbeiten. Aber vielleicht würde ihm ja langweilig werden, wenn ich mich wieder ins Büro verkroch. Ein weiterer Grund war, dass ich mich mehr als merkwürdig fühlte, dass er mich beim Kochen beobachtete. Ich wohnte lange Zeit allein. Da war da niemand, der einfach bei mir war. Schon gar nicht freiwillig oder ohne Absichten. Er hätte also die Möglichkeit gehabt, sich von mir zu entziehen. Aber er tat es nicht. Er saß einfach nur da und sah mir zu.
Als das Essen dann fertig war und er sich scheinbar dazu entschloss, hier zu essen, setzte ich mich ebenfalls an den Tisch und und wir fingen an. Es war sehr ruhig, aber nicht peinlich. Keiner hatte das Bedürfnis etwas zu sagen und so konnte jeder seinen Gedanken nachgehen. Castiel war wirklich ein angenehmer Mitbewohner. Machte keinen Ärger, half wo er konnte und machte das Leben allgemein angenehmer. Doch dann sagte er etwas, was mich aufblicken ließ. Ich sah ihn an und überlegte, wie ich am Besten antworten könnte. Entschied mich dann für die einfache Wahrheit.
"Ich wüsste nicht, wofür du dich entschuldigen musst. Ich müsste es bei dir, denn ich habe dich krank dahin geschleppt. Ich bitte um Verzeihung, ich wollte dich nicht überfordern. Es ist meine Verantwortung, dass meine Mitarbeiter fit bleiben. Selbst wenn ich es vorher gemerkt hätte, wäre ich nicht hingefahren. Vielleicht entgehen mir nun einige Geschäfte, aber vielleicht sollte es auch so sein. Wer weiß, was mir da passiert wäre? Mach dir also keine Sorgen. Ich werde mich übrigens nachher ins Büro setzen. Meinetwegen kannst du das Haus nutzen, wir dir lieb ist. So kann ich noch ein bisschen was aufholen.", antwortete ich ihm und hoffte einfach nur, dass er sich dazu entschied, sich noch etwas auszuruhen. -
Wie erwartet antwortete Edward mir genauso, wie ich es mir bereits vorgestellt hatte. Ein leichtes Lächeln huschte über meine Lippen. Beinahe hatte ich den Dreh raus, wie Edward dachte, zumindest ein wenig. Und allein das hatte für mich schon einen großen Wert.
Ein wenig störte mich jedoch seine Entschuldigung, denn ich sah die Schuld keineswegs bei ihm. Er hätte nicht wissen können, dass ich mit Fieber zur Gala ging, ich selbst hatte es ja nicht einmal bemerkt. Die Verantwortung lag also eindeutig bei mir. Doch ich vermutete stark, dass er darüber mit mir diskutieren würde, wenn ich es ansprach. Deshalb nahm ich seine Worte einfach freundlich auf. Ich wusste schließlich, dass er nichts Böses im Sinn hatte und nur das Beste für mich wollte. Er hatte eben seine eigene Art, wie er Fürsorge zeigte.
Als Edward mir mitteilte, dass er sich in sein Büro setzen würde, hob ich den Blick von meinem Teller und sah ihn fragend an. „Sicher?“, rutschte es mir heraus. Ich räusperte mich. „Es ist Wochenende, willst du nicht lieber die Zeit nutzen, um dich ein wenig zu erholen? Die Woche war ziemlich stressig“, warf ich ein.
Wahrscheinlich würde er trotzdem arbeiten. Vielleicht betrachtete er es als Ausgleich dafür, dass er die Gala früh verlassen hatte. Bei dem Gedanken fühlte ich mich noch schlechter, als ohnehin schon. Nicht nur war ihm durch meine plötzliche Erkrankung womöglich ein wichtiger geschäftlicher Kontakt entgangen, er hatte sich die ganze Nacht um mich gekümmert und wollte nun auch noch am Wochenende arbeiten.
Ich hatte bereits gesehen, wie eng getaktet sein Arbeitsalltag war. Wo sollte da noch Zeit bleiben, um sich auszuruhen oder abzuschalten? Auf Dauer würde das nicht gutgehen. Früher oder später würde er in ein Burn-out rutschen.
Aber am Ende konnte ich ihn nicht zwingen, sich auszuruhen. Ich selbst wollte so schnell wie möglich wieder gesund werden, damit ich keine Belastung auf der Arbeit war. Deshalb würde ich mich nun wieder ins Bett legen und versuchen, etwas zu schlafen. Falls das nicht klappte, würde ich mich wenigstens auf das Sofa legen und mich mit dem Fernseher ablenken. -
Nach Castiels Reaktion richtete ich mich abrupt auf. Er schien über meine Bereitschaft, auch am Wochenende zu arbeiten, überrascht zu sein. Für mich war dies selbstverständlich, zumal ich keine alternative Beschäftigung sah. James übernahm die Haushaltsführung. Abgesehen von Castiel verweilte niemand lange in meiner Nähe. Daher zog ich mich in mein Büro zurück.
"Es gibt stets Aufgaben zu erledigen, und bisher konnte mich nichts davon abhalten. Da ich keine anderen Verpflichtungen habe, widme ich mich zumindest nützlichen Tätigkeiten. Da du dich jedoch ausruhen musst, möchte ich dich nicht weiter belästigen", erwiderte ich ruhig. Es wäre unangebracht, ihn auch in seiner Freizeit zu beanspruchen. Niemand schätzt die Anwesenheit seines Vorgesetzten am Wochenende, wenn er endlich einmal frei hat. Dies kann ich gut nachvollziehen. So kann er das Haus in vollen Zügen genießen.
"Wie bereits erwähnt, kannst du tun, was du willst. Das Haus steht dir zur freien Verfügung. Bei Fragen kannst du dich jederzeit an mich wenden", erklärte ich und beendete meine Mahlzeit.
"Ich kümmere mich ums Geschirr. Willst du noch einen Tee? Ich kann dir auch Medikamente geben, um das Fieber weiter zu senken." -
Ich musste gestehen, dass mich seine Antwort etwas irritierte. Nicht wegen ihm persönlich, sondern vielmehr deshalb, weil er nicht einmal im Ansatz darüber nachgedacht hatte, sich auszuruhen. Als wäre es selbstverständlich, Tag für Tag zu arbeiten, auch am Wochenende. Ich hatte mich selbst schon für fleißig gehalten, doch Edward sprengte diesen Rahmen.
Während ich seinen Worten zuhörte, hatte ich unbewusst die Augenbrauen zusammengezogen. Aus einem unerklärlichen Grund verspürte ich den Drang, ihn dazu zu bringen, das Wochenende zur Erholung zu nutzen. Deshalb ignorierte ich seine Frage nach dem Tee fürs Erste.
„Auch wenn es Aufgaben gibt, die man erledigen kann, sollte man sich die Zeit nehmen, um sich auszuruhen. Schließlich gibt es das Wochenende“, warf ich ein und legte meine Gabel zur Seite. „So wie du mir sagst, dass ich mich ausruhen soll, weil ich krank bin, ist es genauso wichtig, dass du dich erholst. Was, wenn du wegen Überarbeitung krank wirst?“
Während ich sprach, spürte ich, wie mein Herz einen Takt schneller schlug. Diese Art von Ernsthaftigkeit war ich nicht gewohnt, vor allem nicht gegenüber meinem Vorgesetzten. Doch ich stand aufrecht und versuchte, meinen Standpunkt klarzumachen. Mir war es sonst viel angenehmer, anderen einfach zuzustimmen, um mögliche Konflikte zu vermeiden.
Auf einen Tee hatte ich in diesem Moment zwar keine Lust, aber ich senkte den Blick auf meinen Teller und fügte leise hinzu: „Medikamente würde ich annehmen.“ -
Verwirrt blinzelte ich und ich musste gestehen, dass ich es alles andere als gewohnt bin, dass man mir sagte, was ich zu tun und zu lassen habe. Das machte in meinem Leben bisher nur ein einziger Mensch. Trotzig verschränkte ich die Arme und lehnte mich nach hinten an die Stuhllehne.
"Du redest wie meine Schwester. Ich hab es schon immer so gemacht. Wenn ich krank werde, ist das was anderes, aber bei meinen Mitarbeitern hab ich die Verantwortung, dass sie sich nicht überarbeiten. Ihre Gesundheit liegt also auch in meinen Händen. Somit auch deine.", sagte ich brummend und seufzte dann ergebend. Ich befürchtete, dass er nicht locker lassen würde, also gab ich nach.
"Also gut. Ich geh nicht ins Büro. Und was, deiner Meinung nach, sollte ich stattdessen tun?", fragte ich ihn also, denn er war ja derjenige, der meinte, man könnte was anderes machen. Ich gab ja zu, dass ich ein Workaholic bin. Deshalb fiel es mir schwer, außer Arbeit und Sport noch andere Beschäftigungen zu finden.
Als Castiel dann auf die Medikamente ansprach, zog ich meine Brauen in die Höhe.
"Einen Moment, ich hole dir was. Warte hier, ich bin gleich zurück." -
Wie erwartet stimmte Edward nicht einfach so zu, sondern musste mir erst seine Sichtweise erklären. Genau die, die er mir vorhin bereits an den Kopf geworfen hatte. Er schien nicht wirklich zu verstehen, worin meine eigentliche Befürchtung lag. Er war viel zu sehr in seiner Arbeit verstrickt, um andere Perspektiven nachvollziehen zu können.
Doch zu meiner Überraschung gab er schließlich nach. Innerlich atmete ich erleichtert aus, denn während ich seiner Antwort gelauscht hatte, war in mir bereits ein gewisser Trotz entstanden. Ich wollte mir gar nicht vorstellen, wie lange wir noch hätten diskutieren können. Es wäre für alle Beteiligten einfacher gewesen, wenn ich seine Entscheidung einfach hingenommen und ihm alles überlassen hätte. Doch irgendetwas an seiner Haltung hatte mich gestört, und genau deshalb hatte ich den Mut gefasst, eine gegensätzliche Meinung zu äußern.
Auf seine Frage, was er stattdessen tun solle, begann ich zu überlegen. Was waren seine Hobbys? Vermutlich hatte er keine, in die er sich vertiefen konnte, um seine Zeit damit zu verbringen. Er kannte scheinbar nur die Arbeit. Welche Aktivitäten könnten ihm gefallen? Während Edward nach Medikamenten suchte, durchforstete ich gedanklich alle möglichen Ideen, doch was machte einem Firmenbesitzer eigentlich Spaß? Ich kam an meine Grenzen. Etwas mit Stil? Etwas Elegantes wie Reiten vielleicht? Oder ließ ich mich da zu sehr von Filmen beeinflussen?
„Gibt es eine Sportart, die du gerne machst? Oder irgendwelche Hobbys?“ fragte ich schließlich, weil mir keine konkreten Vorschläge einfielen. „Ich würde später ein paar Filme schauen oder so. Du kannst gerne mitschauen, wenn du willst“, murmelte ich noch zum Schluss, ohne zu wissen, wie er auf diesen Vorschlag reagieren würde.
War das zu seltsam? Allein mit dem eigenen Vorgesetzten in einem Haus zu leben, war ohnehin schon ungewöhnlich. Was machte es da für einen Unterschied, wenn wir gemeinsam einen Film anschauten? Und auch wenn ich es mir logisch erklärte, fühlte sich der Gedanke doch irgendwie seltsam an. Ich konnte noch nicht einordnen, ob es ein positives oder negatives Gefühl war. -
Wenig später kam ich mit den Medikamenten gegen Fieber wieder zurück, als mir Castiel schon mit Vorschlägen für eine Freizeitbeschäftigung entgegen kam. Eine Sportart? Ich legte den Kopf schief, denn speziell eine Sportart gab es nicht. Mein Vater spielte immer gern Golf. Doch das hatte mich nie interessiert. Ich war tatsächlich immer mit der Firma beschäftigt.
"Ich habe unten im Keller ein Sportstudio mit sämtlichen Geräten. Damit halte ich meinen Körper fit und nutze ihn als Ausgleich für das ständige Sitzen. Würde ich das ich das nicht tun, wäre meine Rente schon ziemlich nah.", antwortete ich leise und setzte mich ihm wieder gegenüber.
Er würde sich Filme ansehen... ich war mir nicht sicher, ob das etwas für mich ist. Ich bin kein Mensch, der groß Filme sieht. Schließlich fiel es mir sowieso schon schwer genug, nicht nachzusehen, ob gestern abend noch Mails reinkamen oder andere Dinge, die zu tun waren. Meine Kunden waren es immer gewohnt, zeitnah und pünktlich ihre Ergebnisse zu bekommen. Das war immer mein Anreiz, sich doch wieder an den Computer zu setzen. Und dann gab es da eine Sache, die ich nicht ganz verstand.
"Du willst also mit deinem Chef einen Film gucken? Ist es nicht eher so, dass die Mitarbeiter ihren Chef in ihrer Freizeit gar nicht sehen wollen? Das wäre also die perfekte Möglichkeit, mir aus dem Weg zu gehen. Trotzdem zerrst du mich von der Arbeit weg und willst, dass ich Zeit mit dir verbringe", fragte ich. -
Nun, man konnte auch nur eine begrenzte Anzahl an Stunden im Fitnessstudio verbringen. Aber als vollkommene Entspannung konnte man das nicht unbedingt bezeichnen, zumindest nicht meiner Meinung nach.
Dann sprach Edward etwas an, worauf ich nicht sofort eine Antwort fand. Er hatte nicht ganz Unrecht. Meistens wollte man dem Vorgesetzten am Wochenende lieber aus dem Weg gehen, um nicht an die Arbeit erinnert zu werden. Je nach Art der Interaktion konnte sich das sogar negativ auf das Arbeitsverhältnis auswirken. Doch unser Verhältnis war kein typisches. Wir lebten schließlich zusammen.
„Wollen“ war vielleicht das falsche Wort. Oder wollte ich es unbewusst und wollte es mir nur nicht eingestehen? Ich schob diesen Gedanken schnell beiseite, denn er hatte keinen Platz in meinem Leben. Vor allem nicht bei jemandem wie Edward.
„Naja, ich denke, unsere Situation kann man nicht vergleichen“, sagte ich leise und griff nach dem Glas. Kurz räusperte ich mich, während ich nach den nächsten Worten suchte. „Wir leben praktisch zusammen und verbringen ohnehin die meiste Zeit miteinander. Da macht es eigentlich keinen Unterschied.“ Nun sprach ich in einem etwas leiseren Ton, bei dem man genauer hinhören musste. „Außerdem sehe ich dich nicht als jemanden, mit dem ich ungern Zeit verbringe.“
Um die aufkommende Verlegenheit zu überspielen, während mir langsam wieder warm wurde im Gesicht, räusperte ich mich erneut, nahm die Tablette an mich und schluckte sie mit Wasser hinunter. Dabei mied ich den Augenkontakt. Auch wenn es eigentlich nichts allzu Peinliches gewesen war, kam es mir doch peinlich genug vor, dass ich mich nicht traute, ihn direkt anzusehen. Ein Teil von mir fürchtete, die Situation auf irgendeine Weise unangenehm gemacht zu haben. -
Noch immer war ich Arme verschränkend an meinem Stuhl gelehnt und sah ihn an. Irgendwas an diesem Mann war anders, als die Menschen, die Normalerweise in meiner Nähe waren. Ich wusste nur nicht was. Ich wusste nur, dass die Menschen und vorallem die Frauen, die mein Vater für mich raus suchte, anders an mir interessiert waren. Castiel war es wichtig gewesen, dass es mir gut ging. Glaubte ich zumindest. Und auch wenn wir zusammen leben, konnte man immer noch nebeneinander her leben. Wie das geht, habe ich selbst schon erlebt.
Und als wäre das alles nicht schon genug, um darüber nachzudenken, kam von Castiel nich ein Denkanstoß. Ich war niemand, mit dem er ungern Zeit verbrachte. Ich hob meine Augenbrauen und schluckte. Auch wenn es leise gesprochen war, habe ich es mehr als deutlich gehört. Schon wieder hatte ich dieses eigenartige Gefühl in meinem Körper, welches ich nicht beschreiben konnte. Er war wirklich ein merkwürdiger Mensch.
"Du bist ein eigenartiger Mensch. Viele Menschen, die mir begegnen, sagen aus Respekt oder vielleicht auch Angst nichts, was mich verägern könnte. Sie wagen es gar nicht, mir zu sagen, was ich tun soll. Ich habe es immer erfolgreich geschafft, Menschen, die meine Nähe suchten, wieder von mir wegzustoßen. Mein Vater hat ziemlich früh damit angefangen, Ehen für mich zu arrangieren. Das wäre gut für das Image der Firma, wenn man Partner an der Seite hatte, die selbst in der Branche tätig war. Doch jedesmal waren sie nach kurzer Zeit wieder verschwunden, weil sie es nicht mehr ausgehalten haben, mit mir zusammen zu leben. Ich weiß, dass ich dich mehrmals als Recht dazu zwinge, hier zu bleiben und arbeitest für mich, aber trotzdem willst du in deiner Freizeit Zeit mit mir verbringen. Ich weiß nicht mal, warum ich dir das erzähle. Also gut. Geh ins Wohnzimmer und such dir einen Film aus. Ich räum die Küche noch auf, gehe fix duschen und komme dann nach. -
Ich ließ meinen Blick langsam zu Edward wandern, als er auf meine Aussage reagierte. Still hörte ich mir seine Worte an, als würde er mir eine Moralpredigt halten. Doch er gewährte mir einen kleinen Einblick in seine Welt, die mir bislang mehr oder weniger verborgen geblieben war.
Er hatte mir bereits erzählt, dass sein Vater die Frauen für ihn ausgesucht hatte. Da konnte ich mir gut vorstellen, wie ungewohnt und vielleicht sogar befremdlich sich das für Edward angefühlt haben musste. Vor allem, wenn man bedachte, aus welchem Grund die eine oder andere Frau überhaupt länger geblieben war. Wäre auch nur eine von ihnen aus Liebe an seiner Seite gewesen, würde ich wohl kaum jetzt mit ihm zusammenleben.
Ich vermutete vielmehr, dass die meisten Frauen nur wegen der Position und des Geldes versucht hatten, eine Beziehung mit Edward einzugehen. Oder vielleicht taten sie es, weil ihre Familien sie dazu gedrängt hatten, und konnten es am Ende nicht mehr ertragen, in einer lieblosen Beziehung zu leben. Es wurde mir wieder einmal deutlich, in welch unterschiedlichen Welten wir lebten.
Ich konnte mir nicht vorstellen, eine Ehe ohne Liebe einzugehen. Fühlte man sich dann nicht einsam? Womöglich gingen beide Parteien früher oder später Affären ein, um diese Einsamkeit erträglicher zu machen. Aber was wäre dann der Sinn einer Heirat? Mir fiel es wieder ein: zugunsten der Firma. Ich konnte gerade noch einen Seufzer unterdrücken. In dieser Hinsicht hatte ich das Glück, frei entscheiden zu dürfen, wen ich aus Liebe heirate. Da tat mir Edward leid, denn er schien sich nicht einmal wirklich an dem Gedanken zu stören, potenziell eine arrangierte, lieblos verlaufende Ehe einzugehen.
Zu meiner kleinen Freude ließ er sich auf meine Idee ein, zusammen einen Film anzuschauen. Nickend stand ich auf, nahm mein Glas mit und setzte mich ins Wohnzimmer. Vielleicht sollte ich einen Film mit mehreren Teilen auswählen. Wenn ihm der erste gefallen würde, würde er sich vielleicht auch die Fortsetzungen ansehen. Das bedeutete: mehr Zeit hier und weniger Zeit vor seinem Computer.
Ich griff nach der Fernbedienung und suchte nach einem Film, der mir selbst noch unbekannt war. Währenddessen fiel mir eine Filmreihe ein, deren neuester Teil erst vor Kurzem erschienen war, allerdings hatte ich die Vorgänger noch nicht gesehen. Aus diesem Grund hatte ich mich bisher nicht überwinden können, den neuen Teil anzuschauen. Gesucht und gefunden, hoffte ich nun, dass der Film auch Edward gefallen würde. Es war ein Actionfilm, denn ich bezweifelte stark, dass er Komödien oder romantische Filme besonders unterhaltsam finden würde.
Ich legte die Fernbedienung zur Seite und machte es mir gemütlich, ließ dabei jedoch meine Füße auf dem Boden. -
Nachdem ich die Küche aufgeräumt habe, ging ich schnell unter die Dusche. Denn ich hatte ja immernoch die Kleidung von gestern an, in der ich ja auch geschlafen hatte. Etwas ekelerregend. Ich beeilte mich, denn ich hasste es, wenn man auf mich warten musste, sowie ich es auch hasste, auf andere warten zu müssen. Ich hielt viel von Pünktlichkeit, denn dann würde man mehr am Tag schaffen und andere können sich auf einen verlassen. Nach dem Duschen rubbelte ich meine Haare trocken und ging im Bademantel in mein Ankleidezimmer, um ein neues Hemd und eine neue Hose rauszusuchen und anzuziehen.
Kurze Zeit später ging ich dann wieder ins Wohnzimmer und setzte mich neben Castiel.
"Ich wäre dann soweit.", sagte ich ihm, hatte aber Schwierigkeiten mich zu entspannen. Wenn ich allein war, war es für mich immer einfacher gewesen. Nun saß einer meiner Mitarbeiter neben mir, auch wenn es nur Castiel war, der eh bei mir lebte. Außerdem juckte es mich in den Fingern, im Computer nachzusehen, ob nicht doch noch was neues reinkam, woran ich arbeiten konnte. Aber ich hatte es ihm versprochen. Ich musste mich also zwingen, hier zu bleiben. Noch nie sah ein Mensch so fröhlich aus, weil er unbedingt mit mir einen Film sehen wollte. Meistens wies ich sie ja auch wieder ab.
"Was für ein Film ist es denn?", fragte ich, um Interesse zu zeigen. Und vielleicht auch mein Gewissen zu beruhigen, in der Hoffnung, dass es nichts albernes ist. Ich bin ein ziemlich ernster Mensch. Da gab es doch bestimmt auch Filme, mit denen ich zurecht kam. -
Es dauerte nicht lange, bis Edward zurückkehrte. Auf seine Frage hin, um was für einen Film es sich handelte, richtete ich meinen Blick erneut auf den Bildschirm. Innerlich hoffte ich, dass meine Auswahl für uns beide akzeptabel war.
„Es ist ein Actionfilm, mehr weiß ich ehrlich gesagt nicht. Wir können jederzeit etwas anderes schauen, wenn er dir nicht gefällt.“
Ich war froh, dass ich ihn überhaupt dazu bringen konnte, sich mit mir einen Film anzusehen. Deshalb wollte ich daraus ein positives Erlebnis für ihn machen, vielleicht würde er es künftig sogar als kleine Anregung oder Möglichkeit sehen, hin und wieder eine Pause einzulegen. Natürlich bestand auch die Möglichkeit, dass ich mit meiner Auswahl völlig danebenlag und er eher Krimis bevorzugte.
Soweit ich mich erinnern konnte, ging es um einen Agenten, der nach dem Massaker an seiner Familie auf Rache sinnte, zumindest stand das so in der Beschreibung. Abwartend warf ich einen Seitenblick zu Edward. Vielleicht konnte er ja auf Anhieb sagen, ob ihn der Film anspricht oder nicht. Ich war offen für Vorschläge und bereit, auf andere Genres umzuschwenken.
„Welches Genre würde dich denn sonst interessieren?“, fragte ich vorsichtig. -
Ein Actionfilm? Ich denke, dass sind die Filme, die Männer jüngeren Alters wohl anspricht. Ich denke, auf das Genre kann ich mich einlassen und wenn er da Interesse für hatte, dann konnte man ja zumindest mal reinschauen. Trotzdem konnte ich mich noch nicht so richtig entspannen und so halb im Hinterkopf war immer noch die Arbeit. Es fiel mir wirklich sehr schwer, meine Haltung zu bewahren und gleichzeitig entspannt zu wirken.
"Ähm nein, keine Sorge. Es ist schon ok. Ich halte den Film für in Ordnung und wenn du ihn gern sehen möchtest, dann tun wir das.", antwortete ich und lehnte mich stockend nach hinten. Wie saß man denn auf der Couch, wenn man zu zweit einen Film ansah? Unzufrieden probierte ich verschiedene Posen und Haltungen meiner Arme aus. Mal lagen sie auf dem Schoß, dann neben mir, dann eine Hand auf einem Bein, dann beide Hände auf beiden Beinen. Letztenendes entschloss ich mich dann dazu, die Arme locker zu verschränken. Meine Füße berührten den Boden und mein Gesicht war zum Bildschrim gerichtet. Dann jedoch drang eine Frage an mein Ohr, über die ich erst nachdenken müsste.
"Ich kann sie dir in dem Sinne nicht beantworten. Ich schaue Nachrichten, um zu sehen was die anderen Firmen machen, was ihnen widerfährt und vorallem, ob wir ihnen ein Geschäft anbieten können. Deshalb müsste ich mich über die verschiedenen Genre informieren. Welche interessiert dich denn?", antwortete ich und stellte eine Gegenfrage. Ich war mir bei ihm nicht sicher. Aber ich konnte mir vorstellen, dass er Filme mit Tieren sehr gut finden könnte.
Doch dann fiel mir auch noch was anderes ein.
"Brauchst du noch eine Decke?", neugierig sah ich ihn an. Er war krank. Vielleicht sollte er sich trotzdem noch weiterhin gut zudecken, um seinen Körper nicht noch mehr Energie zu nehmen. -
Ich wusste nicht so recht, was ich von seiner Antwort halten sollte. Auch wenn er mir versicherte, dass ich mir keine Sorgen machen müsse und dass der Film für ihn in Ordnung sei, blieb die Unsicherheit. Ich machte mir weiterhin Gedanken, ob es wirklich eine gute Wahl gewesen war. Aber wir würden es nur herausfinden, wenn wir den Film tatsächlich anschauten.
Aus dem Augenwinkel beobachtete ich, wie Edward versuchte, sich zu entspannen. Es war beinahe amüsant, wie steif er wirkte, dabei ging es nur um etwas so Einfaches wie einen Filmabend. Ich musste mir ein leises Lachen verkneifen. Man konnte ihm regelrecht ansehen, wie es ihn innerlich drängte, lieber zu arbeiten, als sich zu entspannen. Er war das offenbar nicht gewohnt.
Seine Antwort auf meine Frage hatte ich schon erwartet. Sie passte genau zu ihm, also überraschte es mich nicht. Es hätte mich eher gewundert, wenn er etwas anderes gesagt hätte. Trotzdem, selbst beim Fernsehen ging es nicht unbedingt darum, Spaß zu haben. Vielleicht bedeutete es für ihn einfach, Zeit mit jemandem zu verbringen. Und vielleicht war das in Ordnung.
Auf seine Frage, ob ich eine Decke brauchte, schüttelte ich den Kopf. „Nein danke, alles gut.“
Mir war ohnehin warm genug, und ich hatte das Gefühl, dass ich sie nicht brauchen würde. Sollte mir später doch kalt werden, konnte ich mir selbst eine holen. Es tat mir ohnehin schon leid, dass er so viel für mich getan hatte. Da wollte ich nicht noch mehr verlangen. Ich konnte wieder auf meinen eigenen Füßen stehen, also sollte ich auch in der Lage sein, mich um solche Kleinigkeiten selbst zu kümmern. Trotzdem bedeutete es mir viel, dass er sich überhaupt die Mühe machte. Das war für mich alles andere als selbstverständlich, zumindest nicht in meiner Welt.
Ich nahm die Fernbedienung in die Hand und startete den Film. Leise seufzend rutschte ich etwas nach unten, um eine bequemere Sitzposition einzunehmen, und versuchte, mich auf den Film zu konzentrieren. Doch ich erwischte mich immer wieder dabei, wie meine Gedanken zu Edward abschweiften. Ich fragte mich, ob ihm der Film wirklich gefiel. Immer wieder versuchte ich, aus dem Augenwinkel seinen Gesichtsausdruck zu deuten, ob er gelangweilt wirkte oder angespannt oder vielleicht sogar interessiert. Ich wollte wissen, ob der Film für ihn in Ordnung war oder ob ich lieber einen anderen vorschlagen sollte. -
Irgendwie hatte ich das Gefühl, ich würde hier zu einer Nummer des Amüsements werden und innerlich musste ich mich zwingen, runterzukommen. Ich atmete also tief durch und sah zum Bildschirm. Mich sträubte es zwar, dass er mein Angebot eine Decke zu holen nicht annahm, aber wenn er wirklich keine wollte, konnte ich ihn nicht zwingen.
Ich sah zum Bildschirm und ließ neugierig den Film auf mich einprasseln, so dass mein Körper nach und nach doch entspannte. Der Film war gut gemacht, auch wenn vieles wirklich unrealistisch war, aber das waren Märchen früher ja auch. Ich rutschte noch tiefer ins Sofa, legte irgendwann ein Bein angewinkelt aufs Sofa , so dass mein Fuß unter dem zweiten Bein verschwand und auch meine Arme lockerten sich. Meinen Kopf lehnte ich hinten an, um weiter entspannt der Geschichte zu folgen, die sich vor mir abspielte.
Nach knappen zwei Stunden kam der Film dann zum Ende und ich sah verdutzt auf die Uhr. Castiel hatte es tatsächlich geschafft, mich von der Arbeit abzuhalten und mich aufs Sofa zu legen. Naja so einigermaßen legen.
"Der... Film ist schon zuende?", fragte ich daher und richtete mich auf. Ich räusperte mich, weil es mir doch etwas unangenehm war, dass nun doch faullenzte, obwohl es noch einiges zu tun gab. Und außerdem war ich immer noch eine führende Person für Castiel. Es musste komisch sein, seinen Chef so zu sehen. -
Der Film verging schneller, als ich es erwartet hatte. Anfangs hatte ich immer wieder an Edward gedacht und darauf geachtet, wie er auf den Film reagierte. Doch irgendwann vergaß ich es, und mein Fokus lag vollständig auf dem, was auf dem Bildschirm passierte. Die Handlung fesselte mich, und ich merkte, wie sehr mir der Film gefiel. Es gab viele actionreiche Szenen, intensive Kämpfe und die typischen Bösewichte.
Erst als der Film endete, wandte ich meinen Blick wieder Edward zu. Er hatte sich inzwischen aus seiner entspannten Sitzposition leicht aufgerichtet. Es sah ganz danach aus, als hätte er während des Films tatsächlich ein wenig abschalten können. Diese Erkenntnis ließ eine kleine Erleichterung in mir aufkommen. Da er während des Films nichts gesagt oder angemerkt hatte, ging ich davon aus, dass der Film für ihn in Ordnung gewesen war. Auch seine Frage am Ende des Films ließ mich kurz lächeln.
„Die Zeit ist ziemlich schnell vergangen. Aber das war nur der erste Teil. Es gibt insgesamt drei. Der dritte ist sogar der neueste.“
Ich hatte keine Uhr zur Hand, aber meinem Gefühl nach war es inzwischen Mittag. Auch mein Magen machte sich allmählich bemerkbar. Ich richtete mich ebenfalls auf und sah zu Edward. „Hast du Hunger?“ Ich traute mich nicht, gleich vorzuschlagen, den zweiten Teil ebenfalls zu sehen. Das wäre vielleicht zu viel gewesen, immerhin war es das erste Mal, dass er sich einen Film in seiner Freizeit angeschaut hatte. Ein ganzer Filmmarathon wäre wahrscheinlich eine Nummer zu groß. Schon allein, dass er sich auf diesen Film eingelassen hatte, war ein kleiner Erfolg. Und den wollte ich nicht durch zu viel auf einmal überfordern. -
So wie Castiel anfing, schien er Spaß gehabt zu haben. Ich glaubte es zumindest. Und ein kleiner Funken in mir hoffte es auch. Die Zeit mit ihm war so anders als die Zeit mit anderen Menschen. Er erwartete nichts von mir. Im Gegenteil, er achtete stets darauf, dass es mir gut ging und stellte sich zur Not noch selbst hinten an. Waren es die Umstände, die ihn zu so einem Verhalten brachten? Nein, das konnte ich mir eigentlich nicht bei ihm vorstellen. Nur weil er für mich arbeitete, hatte er solche Manieren. Das musste schon vorher gewesen sein.
Ich sah auf meine Armbanduhr und stellte fest, dass wir tatsächlich schon Mittag hatten.
"Hast du denn Hunger? Bei mir geht es. Ich würde nur eine Kleinigkeit essen. Ich kann für dich was machen.", ich sah zu ihm. Ich konnte ihm ansehen, dass er wohl lieber noch einen Film gesehen hätte. Aber ich wusste nicht, ob ich es aushielt. Zwar hatte ich für einen kurzen Moment die Arbeit vergessen. Aber genau deswegen kam dieser Gedanke auch wieder zurück. Die Arbeit.
"Du....möchtest gern den zweiten Teil sehen, nicht wahr? Ich muss gestehen, dass er ganz interessant war. An meinen freien Tagen bin ich entweder in mein Büro oder zu meiner Familie gefahren. Ich hoffe, du nimmst mir das nicht übel. Also ich.... wenn du unbedingt willst, dann.... gerne, nur lass mich bitte die Emails abchecken.", erklärte ich ihm mehr als unbeholfen. Ich würde mich nicht mal selbst verstehen, wenn ich mir gegenüber sitzen würde. Und das war mir mehr als unangenehm.