"...Das bleibt nicht. Ich bin betrunken, gehe schlafen und bin es dann nicht mehr. Keine bösen Nebeneffekte."
"Ist nicht wahr!?", platzte es Tessa am Ende des Satzes heraus.Allerding...wenn sie ganz genau darüber nachdachte, was sie eigentlich gerade nicht wollte und es trotzdem tat, machte es sogar ziemlich viel Sinn. Wenn Chesters Körper sich von den schrecklichsten Erfrierungen erholte, als wäre nichts gewesen, war eine beginnende Alkoholvergiftung sicherlich ein Kinderspiel. Ein bisschen zu viel Whisky im Blut war doch nichts im Vergleich zu...
Tessa griff nach ihrem Krug und nahm einen gefährlich großen Schluck um den Gedanken rigoros zu unterbrechen - ihn quasi wegzuspülen. Mit einem dumpfen 'Klong' stellte sie das Gefäß wieder ab und atmete langsam und konzentriert durch die Nase ein, damit das Teufelszeug auch unten blieb. Den brennenden Alkohol nicht geradewegs wieder in den Krug zu spucken, war schon eine Meisterleistung. Aber je länger Tessa wartete umso schöner wurde die Wärme in ihrer Magengrube. Alles fühlte sich ein wenig weicher an, sah ein wenig weicher aus, als hätte jemand einen Filter über Augen gelegt.
"Hmm... Ich glaube... Ah - da fällt mir etwas ein."Tessa griff nach ihrem Krug und nahm einen gefährlich großen Schluck um den Gedanken rigoros zu unterbrechen - ihn quasi wegzuspülen. Mit einem dumpfen 'Klong' stellte sie das Gefäß wieder ab und atmete langsam und konzentriert durch die Nase ein, damit das Teufelszeug auch unten blieb. Den brennenden Alkohol nicht geradewegs wieder in den Krug zu spucken, war schon eine Meisterleistung. Aber je länger Tessa wartete umso schöner wurde die Wärme in ihrer Magengrube. Alles fühlte sich ein wenig weicher an, sah ein wenig weicher aus, als hätte jemand einen Filter über Augen gelegt.
Sofort schnappte ihr Blick zurück zu Chester, als die Stuhlbeine hörber wieder festen Boden berührten. Tessa blinzelte, sie hatte nicht ganz zugehört. Hatte sie viel verpasst? Nein, das hörte sich nach dem Anfang der Geschichte an. Gut. Das war gut. Sobald Chester anfing zu erzählen, ließ sich das Grinsen nicht mehr von ihrem Gesicht vertreiben. Eigentlich hatte sie heute Abend schon so viel gelacht und gegrinst, dass ihr schon die Wangen wehtaten.
"Wir hatten in unserer Show mal eine langsame Nummer, das Mondpaar. Das war eine Spezialnummer, die nur an Vollmond durchzuführen war und das auch nur, wenn der Mond wirklich exakt über dem Zelt steht, damit das Licht reinkommt. Da gehen dann nämlich alle anderen Lichter aus und zwei Tänzer haben die ganze Manege für sich, mit Mondrequisiten und ausfallenden Kostümen und allem."
"Klingt unnötig kompliziert und theatralisch - Die Nummer hast Du geschrieben, oder?", triezte Tessa, doch Chester ließ sich nicht beirren, und stützte ihr Kinn in einer Hand ab.
"Als die Nummer aber noch gelaufen ist, weiß ich noch ganz genau, dass ich betrunken war und mir gedacht habe: Ich zeig's ihnen jetzt! Denn ich hatte zwei Tänzer und sie haben das Stück auch schon getanzt, aber sie haben es einfach nicht richtig... wie soll ich sagen... der Funke ist nicht übergesprungen, verstehst du?"
"Nicht ein Bisschen", kicherte Tessa.
"Es war alles noch ein bisschen zu zaghaft und da bin ich ins Kostümzelt marschiert, habe mir ihre Kostüme genommen - beide, ja sicher, es wird noch besser - und habe sie mir angezogen."
Tessa neigte das Kinn tiefer in ihre Handfläche um das immer breiter werdende Grinsen zu verstecken. Dass ihr Schultern dabei verräterisch zuckten und ihre laienhafte Maskerade sabotierten, daran dachte sie nicht.
"Was auch sonst", versuchte sie es mit etwas Ernst.
Wenige Augenblicke lachte Tessa so hart, dass keine Luft mehr bekam. Allein sich das Bild von Chester mit beiden Kostümen, der versuchte zwei Parts gleichzeitig zu spielen und sich dabei geradezu Arme und Beine verknotete...das hielt die Diebin nicht aus. Sie drückte sich eine Hand gegen den Bauch, der bereits schmerzte und wischte sich immer wieder über das Gesicht um die Lachtränen fortzuwischen.
"Das hast du doch nur gefragt, um dich über mich lustig zu machen! Siehst du? Siehst du? Du lachst mich ja aus! Als ob du noch keinen Unsinn angestellt hast, wenn du betrunken warst!"
"Ich kann nicht mehr...", murmelte Tessa brüchig und schnappte nach Luft.
Sie nahm ein paar wohlverdiente Atemzüge, wischte sich ein letztes Mal mit dem Zeigefinger unter den vom Lachen verheulten Augen entlang und ruinierte damit das letzte Bisschen Wimperntusche, die sie extra für Ellas Geburtstag benutzt hatte. Sonst machte sie sowas nicht.
"Oh, das gibts jeder Menge", kicherte Tessa. "Ich bin vielleicht nicht der geborene Bühnenstar, aber fürs Mist bauen, hats immer gereicht. Also, hör zu. Jake, Rosie und ich haben einmal ganz fiesen, billigen Fusel bei einem Bruch mitgehen lassen. Das Zeug war grauenhaft und roch wie Putzmittel. Irgendein ein selbstgebrannter Schnaps. Ich dachte nach dem ersten Schluck, ich werd' blind. Wir saßen da auf diesem Dach und ich kann mich nicht mehr genau erinnern, aber plötzlich haben Jake und ich diese bescheuerte Wette vom Zaun gebrochen."
Tessa gluckste und nahm noch einen Schluck.
"Zwischen zwei Dächern war dieser Holzbalken. Wackelig, morsch, rutschig, super gefährlich...Und Jake meinte, dass ich mich nicht traue, darüber zu gehen. Tja, was soll ich sagen. Ich bin aufgestanden und über dieses dämliche Brett balanciert."
Mit einem Ruck schob Tessa ihren Stuhl zurück, stellte sich in die Mitte des Wagens uns streckte die Arme lang zu beiden Seiten aus. Der Wagen war so schmal, dass sie mit ein wenig mehr Mühe bestimmt die Schränke an den Seiten mit den Fingerspitzen berühren konnte. Dann setzte sie einen Fuß exakt vor den anderen, was selbst ohne wackeligen Balken keine leichte Angelegenheit mehr war.
"Immer schön einen Fuß vor den anderen während ich mich mit Jake stritt. Rosie hat sich fast vor Angst in die Hose gemacht."
Konzentriert streckte Tessa die Zunge heraus und als sie noch einen Schritt nach vorn machte, musste Chester sich unter ihrem ausgestreckten Arm wegducken um nicht getroffen zu werden.
"Ich hatte das Ziel vor Augen und dachte mir: Dem Idioten zeig ich's. Und dann...ist das Brett unter mir durchgebrochen.""Wir hatten in unserer Show mal eine langsame Nummer, das Mondpaar. Das war eine Spezialnummer, die nur an Vollmond durchzuführen war und das auch nur, wenn der Mond wirklich exakt über dem Zelt steht, damit das Licht reinkommt. Da gehen dann nämlich alle anderen Lichter aus und zwei Tänzer haben die ganze Manege für sich, mit Mondrequisiten und ausfallenden Kostümen und allem."
"Klingt unnötig kompliziert und theatralisch - Die Nummer hast Du geschrieben, oder?", triezte Tessa, doch Chester ließ sich nicht beirren, und stützte ihr Kinn in einer Hand ab.
"Als die Nummer aber noch gelaufen ist, weiß ich noch ganz genau, dass ich betrunken war und mir gedacht habe: Ich zeig's ihnen jetzt! Denn ich hatte zwei Tänzer und sie haben das Stück auch schon getanzt, aber sie haben es einfach nicht richtig... wie soll ich sagen... der Funke ist nicht übergesprungen, verstehst du?"
"Nicht ein Bisschen", kicherte Tessa.
"Es war alles noch ein bisschen zu zaghaft und da bin ich ins Kostümzelt marschiert, habe mir ihre Kostüme genommen - beide, ja sicher, es wird noch besser - und habe sie mir angezogen."
Tessa neigte das Kinn tiefer in ihre Handfläche um das immer breiter werdende Grinsen zu verstecken. Dass ihr Schultern dabei verräterisch zuckten und ihre laienhafte Maskerade sabotierten, daran dachte sie nicht.
"Was auch sonst", versuchte sie es mit etwas Ernst.
Wenige Augenblicke lachte Tessa so hart, dass keine Luft mehr bekam. Allein sich das Bild von Chester mit beiden Kostümen, der versuchte zwei Parts gleichzeitig zu spielen und sich dabei geradezu Arme und Beine verknotete...das hielt die Diebin nicht aus. Sie drückte sich eine Hand gegen den Bauch, der bereits schmerzte und wischte sich immer wieder über das Gesicht um die Lachtränen fortzuwischen.
"Das hast du doch nur gefragt, um dich über mich lustig zu machen! Siehst du? Siehst du? Du lachst mich ja aus! Als ob du noch keinen Unsinn angestellt hast, wenn du betrunken warst!"
"Ich kann nicht mehr...", murmelte Tessa brüchig und schnappte nach Luft.
Sie nahm ein paar wohlverdiente Atemzüge, wischte sich ein letztes Mal mit dem Zeigefinger unter den vom Lachen verheulten Augen entlang und ruinierte damit das letzte Bisschen Wimperntusche, die sie extra für Ellas Geburtstag benutzt hatte. Sonst machte sie sowas nicht.
"Oh, das gibts jeder Menge", kicherte Tessa. "Ich bin vielleicht nicht der geborene Bühnenstar, aber fürs Mist bauen, hats immer gereicht. Also, hör zu. Jake, Rosie und ich haben einmal ganz fiesen, billigen Fusel bei einem Bruch mitgehen lassen. Das Zeug war grauenhaft und roch wie Putzmittel. Irgendein ein selbstgebrannter Schnaps. Ich dachte nach dem ersten Schluck, ich werd' blind. Wir saßen da auf diesem Dach und ich kann mich nicht mehr genau erinnern, aber plötzlich haben Jake und ich diese bescheuerte Wette vom Zaun gebrochen."
Tessa gluckste und nahm noch einen Schluck.
"Zwischen zwei Dächern war dieser Holzbalken. Wackelig, morsch, rutschig, super gefährlich...Und Jake meinte, dass ich mich nicht traue, darüber zu gehen. Tja, was soll ich sagen. Ich bin aufgestanden und über dieses dämliche Brett balanciert."
Mit einem Ruck schob Tessa ihren Stuhl zurück, stellte sich in die Mitte des Wagens uns streckte die Arme lang zu beiden Seiten aus. Der Wagen war so schmal, dass sie mit ein wenig mehr Mühe bestimmt die Schränke an den Seiten mit den Fingerspitzen berühren konnte. Dann setzte sie einen Fuß exakt vor den anderen, was selbst ohne wackeligen Balken keine leichte Angelegenheit mehr war.
"Immer schön einen Fuß vor den anderen während ich mich mit Jake stritt. Rosie hat sich fast vor Angst in die Hose gemacht."
Konzentriert streckte Tessa die Zunge heraus und als sie noch einen Schritt nach vorn machte, musste Chester sich unter ihrem ausgestreckten Arm wegducken um nicht getroffen zu werden.
Mit ausgstreckten Armen drehte sich Tessa herum und Chester musste noch einmal den Kopf einziehen.
Erst dann ließ sie die Arme wieder sinken. Sie sah Chester mit einem schiefen Grinsen an und ihre Augenwinkel zuckten amüsiert, weil sie bereits wusste, was als nächstes passierte.
"Jake hat später behauptet, ich hätte mir die Seele aus dem Leib geschrien. Eine unverschämte Lüge, natürlich", kicherte Tessa. "Jedenfalls, als ich die Augen wieder aufgemachte und feststellte, dass noch alle Knochen heil waren, stieg mir dieser strenge Geruch in die Nase."
Tessa verzog leicht das Gesicht.
"Ich bin direkt in einem riesigen Misthaufen gelandet. Den Gestank habe ich wochenlang nicht aus meiner Kleidung bekommen. Wir Holzköpfe hatte uns das Dach der Ställe im Westviertel ausgesucht um uns zu betrinken. Ich hatte Mist in meinen Haaren und unter meinen Nägel. Unter den Nägeln! Hast du eine Vorstellung davon, wie schwer es ist, ohne vernünftige Nagelfeile da dran zukommen? Welcher Obdachlose hat eine Nagelfeile bei sich?"
Erst dann ließ sie die Arme wieder sinken. Sie sah Chester mit einem schiefen Grinsen an und ihre Augenwinkel zuckten amüsiert, weil sie bereits wusste, was als nächstes passierte.
"Jake hat später behauptet, ich hätte mir die Seele aus dem Leib geschrien. Eine unverschämte Lüge, natürlich", kicherte Tessa. "Jedenfalls, als ich die Augen wieder aufgemachte und feststellte, dass noch alle Knochen heil waren, stieg mir dieser strenge Geruch in die Nase."
Tessa verzog leicht das Gesicht.
"Ich bin direkt in einem riesigen Misthaufen gelandet. Den Gestank habe ich wochenlang nicht aus meiner Kleidung bekommen. Wir Holzköpfe hatte uns das Dach der Ställe im Westviertel ausgesucht um uns zu betrinken. Ich hatte Mist in meinen Haaren und unter meinen Nägel. Unter den Nägeln! Hast du eine Vorstellung davon, wie schwer es ist, ohne vernünftige Nagelfeile da dran zukommen? Welcher Obdachlose hat eine Nagelfeile bei sich?"
“We all change, when you think about it.
We’re all different people all through our lives.
And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
so long as you remember all the people that you used to be.”
We’re all different people all through our lives.
And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
so long as you remember all the people that you used to be.”
