Der Winterschlaf, wie Chester es genannt hatte, endete schneller als Tessa sich vorgestellt hatte. Bald schon waren alle Spuren des kalten Winters beseitigt und der Zirkus erwachte zu neuem Leben. Mit den von Eis und Schnee befreiten Straßen kehrten die ersten neugierigen Schaulustigen zurück, die versuchten einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Kinder in dicker Winterkleidung und gestrickten Wollmützen auf ihren kleinen Köpfen tummelten sich vor dem verschlossenen Eisentor. Hin und wieder konnte Tessa beobachten, wie sich ein paar der Schausteller und Artisten dazu hinreißen ließen, den lachenden Kindern eine kleine Vorstellung zu liefern. Sie jonglierten mit bunten Bällen, vollführten kleinere Kunststückchen und steckten hier und da süße Leckereien durch die Gitterstäbe. Große, leuchtende Kinderaugen konnten gar nicht genug davon bekommen. Tuschelnd und kichernd trollten die kleinen Besucher davon und würden garantiert mit überschwänglicher Begeisterung davon zu Hause berichten. Eine bessere Werbung konnte es nicht geben.
Tessa verfolgte die Verwandlung des Zirkus mit ähnlich großen Augen und die frühlingshaften Dekoration ließ die dunklen Stunden der letzten Monate fast in Vergessenheit geraten. Fast. Das mulmige Gefühl blieb wann immer sie das große Zelt betrat und einen verstohlenen Blick zum Zelthimmel warf. Anderen ging es ähnlich. Tessa konnte es in den zögerlichen Schritten sehen, hörte es daran wie Stimmen sich senkten. Erleichterung machte sich auf allen Gesichtern breit sobald Chester zu den Proben das Zelt betrat und die ungeteilte Aufmerksamkeit aller Anwesenden einforderte. Etwas, für das er nicht einmal große Anstrengung aufbringen musste. Sobald seine Stimme von den Zeltwänden widerhallte, gehörten alle Blicke nur ihm. Auch Tessa konnte sich dem nicht entziehen. Selbst von ihrem unscheinbaren Platz in den Zuschauerrängen folgten ihre Augen jeder seiner Bewegungen. Sie ertappte sich häufiger dabei, dass sie eigentlich gar nicht richtig zuhörte. Das änderte sich erst, als sie das erste Mal selbst einen Fuß ins Herz der Manege setzte.
Zu ihrer Überraschung brachten alle sehr viel Geduld mit dem Neuling auf. Zum Teil lag das wohl an Owl, der mit Argusaugen und der Inbrunst eines Löwenvaters stets in greifbarer Nähe war. Das Privileg die zurückhaltende Tessa aufzuziehen, behielt er sich ganz allein vor. Und Roy. Und Malia. Unter den Artisten gab es noch immer genug missbilligende Blicke, die diejenigen verfolgten, die Chester augenscheinlich näher standen. Owl und Brandon würden in diesem Leben keine besten Freunde mehr werden.
Heute war ein ganz besonderer Tag für Tessa.
Sie durfte das erste Mal an einer vollständigen Generalprobe teilnehmen. Die Konzentration in den den Gesichtern aller Anwesenden machte ihr deutlich bewusst, dass es mit den Albernheiten für den Moment vorbei war. Alle begaben sich eilig auf ihre festgelegten Plätze. Tessa betrachtete von ihrer Warteposition aus wie alle Abläufe perfekt miteinander harmonierten. Sie verwandelten sich in ein Uhrwerk, dessen Zahnräder perfekt ineinander griffen. Kulissen, Musik und Artisten bewegten sich in einem einstudierten Takt, den allein Mann im Zelt vorgab. Chester. Und dieser verlangte nicht weniger als Perfektion von seinen Leuten. Auch Tessa fügte sich nun als kleines, emsiges Zahnrädchen in diese bunte und glitzernde Maschinerie ein. Die Proben waren hart und fordernd, trotzdem konnte Tessa sehen, das alle mit ganzem Herzen dabei waren. Da war es wieder...ein Gefühl von Familie.
Mit einem Seitenblick nickte Owl seiner frischgebackenen Assistentin zu, denn gleich wurde es ernst. Tessa zupfte ein letztes Mal an ihrem neuen Kostüm. Sie schillerte und funkelte nicht wie ein Diamant, so wie es die Hochseilartisten und Trapezkünstler taten. Nein, Owl und Tessa waren in dunklere Töne gekleidet. Die schwarzen, ärmellosen Hemden schimmerten dezent im Licht der Scheinwerfer und langen eng an ihren Körpern. Owl hatte ihr geflochtene Lederbänder um die Oberarme gewickelt, wie er sie selbst auch trug. Auf Owls Zeichen hin hob Tessa ihr Kinn an.
Nicht auf die Füße sehen, hatte der Messerwerfer gesagt. Halt den Kopf hoben. Vergiss das Lächeln nicht.
Tessa spürte, wie ihre Haare sie im Nacken kitzelten. Die Kostümbildner hatten darauf bestanden ihr Haar, dass bereits ein kleines Stückchen nachgewachsen war, nach hinten zu binden. Damit sich das Mädchen nicht mehr dahinter verstecken konnte, hatten sie gesagt. Das figurbetonte Kostüm und die ungewohnte Frisur waren recht...gewöhnungsbedürftig.
Dann war es soweit.
Owl tippte in einem abgezählten Takt mit dem Zeigefinger gegen seinen Oberschenkel, dann straffte er die Schultern und schritt mit vollkommener Selbstsicherheit nach vorn und Tessa war bemüht es ihm gleich zu tun. Sie hielt die Luft an und blinzelte das erste Mal in die strahlenden Lichter der Manege. Die Musik, obwohl nicht auf voller Lautstärke, dröhnte förmlich in ihren Ohren. Sie hatte die Abläufe minutiös mit Owl einstudiert. Sie wiederholt, immer und immer wieder.
Arme ausbreiten. Lächeln. Verbeugen. Mit großen, sicheren Schritten zu dem aufgebauten Tisch schreiten.
Den Koffer öffnen und dem Publikum zu allen Seiten die Messer präsentieren. Zurück mit dem Koffer, zwei Messer heraus nehmen und im richtigen Winkel ins Licht halten, damit sich das Licht in den silbrigen Klingen brach. Owl die Messer geben und den nächsten Schritt vorbereiten, während Owl seine Nummer damit begann blitzschnell auf die von der Decke herunterfallenden Zielscheiben zu zielen.
Es war ein Takt, mit dem sie langsam vertraut war.
Messer herausnehmen, präsentieren und Owl reichen, der mit geschickten Würfen brennende Ringe aus der Luft holte und zum Höhepunkt sogar mit verbundenen Augen sein Ziel ohne Fehltritt traft.
Zum Ende hin klopfte Tessas Herz ganz wild.
Sie wusste, was als nächste kam, aber der Rest nicht.
Owl zwinkerte ihr dezent zu, dann holte sie das das letzte Messer aus dem Koffer.
Ein Atemzug verging ehe sie die Klinge durch ihre Finger gleiten ließ, das Messer auf der geöffneten Handfläche liegend um die eigene Achse rotieren ließ und es Owl zuwarf während es um die eigene Achse wirbelte. Der Messerwerfer klaubte das Wurfmesser geschickt aus der Luft und ließ es sich nicht nehmen seine Assistentin stolz anzulächeln ehe er seine Nummer wie gewohnt beendete.
Mit einer dramatischen Geste klemmte er sich die Schneide zwischen die Zähne und die Musik fiel ab begleitet von einem dumpfen Rhythmus der Trommeln. Owl streckte den Arm über den Kopf und deutete auf die Kerze, die nun über ihren Köpfen schwebte. Der Faden, der sie hielt, war so dünn, dass es den Eindruck erweckte, die Kerze würde von Zauberhand schweben. Flink nahm er das Wurfmesser aus dem Mund lehnet sich zurück und schleuderte das Messer senkrecht in die Höhe, das Messer zischte an der Flamme vorbei und im selben Moment, in dem die Kerze erlosch, wurde auch das Zelt für ein paar Sekunden in Dunkelheit gehüllt.
Als das Licht wieder anging und sich die Scheinwerfer ins Zentrum der Manege richteten, standen Tessa und Owl nebeneinander. Sie hielten sich an den Händen und verbeugten sich mit weiter ausgesteckten Armen. Das geworfene Messer war längst wieder an seinem Platz in Owls Hand. Tessa amtete schnell und aufgeregt.
Es blieb kaum Zeit um einen Blick auf Chester zu erhaschen, da führte Owl sie bereits zurück hinter die Kulissen und drückte sie in einer halben Umarmung an seine Seite. Tessa bemerkte erst jetzt, dass sie am ganzen Leib zitterte, aber das breite Grinsen auf ihren Lippen sprach Bände.
"Ich bin sehr stolz auf dich, Kitty."
Tessa verfolgte die Verwandlung des Zirkus mit ähnlich großen Augen und die frühlingshaften Dekoration ließ die dunklen Stunden der letzten Monate fast in Vergessenheit geraten. Fast. Das mulmige Gefühl blieb wann immer sie das große Zelt betrat und einen verstohlenen Blick zum Zelthimmel warf. Anderen ging es ähnlich. Tessa konnte es in den zögerlichen Schritten sehen, hörte es daran wie Stimmen sich senkten. Erleichterung machte sich auf allen Gesichtern breit sobald Chester zu den Proben das Zelt betrat und die ungeteilte Aufmerksamkeit aller Anwesenden einforderte. Etwas, für das er nicht einmal große Anstrengung aufbringen musste. Sobald seine Stimme von den Zeltwänden widerhallte, gehörten alle Blicke nur ihm. Auch Tessa konnte sich dem nicht entziehen. Selbst von ihrem unscheinbaren Platz in den Zuschauerrängen folgten ihre Augen jeder seiner Bewegungen. Sie ertappte sich häufiger dabei, dass sie eigentlich gar nicht richtig zuhörte. Das änderte sich erst, als sie das erste Mal selbst einen Fuß ins Herz der Manege setzte.
Zu ihrer Überraschung brachten alle sehr viel Geduld mit dem Neuling auf. Zum Teil lag das wohl an Owl, der mit Argusaugen und der Inbrunst eines Löwenvaters stets in greifbarer Nähe war. Das Privileg die zurückhaltende Tessa aufzuziehen, behielt er sich ganz allein vor. Und Roy. Und Malia. Unter den Artisten gab es noch immer genug missbilligende Blicke, die diejenigen verfolgten, die Chester augenscheinlich näher standen. Owl und Brandon würden in diesem Leben keine besten Freunde mehr werden.
Heute war ein ganz besonderer Tag für Tessa.
Sie durfte das erste Mal an einer vollständigen Generalprobe teilnehmen. Die Konzentration in den den Gesichtern aller Anwesenden machte ihr deutlich bewusst, dass es mit den Albernheiten für den Moment vorbei war. Alle begaben sich eilig auf ihre festgelegten Plätze. Tessa betrachtete von ihrer Warteposition aus wie alle Abläufe perfekt miteinander harmonierten. Sie verwandelten sich in ein Uhrwerk, dessen Zahnräder perfekt ineinander griffen. Kulissen, Musik und Artisten bewegten sich in einem einstudierten Takt, den allein Mann im Zelt vorgab. Chester. Und dieser verlangte nicht weniger als Perfektion von seinen Leuten. Auch Tessa fügte sich nun als kleines, emsiges Zahnrädchen in diese bunte und glitzernde Maschinerie ein. Die Proben waren hart und fordernd, trotzdem konnte Tessa sehen, das alle mit ganzem Herzen dabei waren. Da war es wieder...ein Gefühl von Familie.
Mit einem Seitenblick nickte Owl seiner frischgebackenen Assistentin zu, denn gleich wurde es ernst. Tessa zupfte ein letztes Mal an ihrem neuen Kostüm. Sie schillerte und funkelte nicht wie ein Diamant, so wie es die Hochseilartisten und Trapezkünstler taten. Nein, Owl und Tessa waren in dunklere Töne gekleidet. Die schwarzen, ärmellosen Hemden schimmerten dezent im Licht der Scheinwerfer und langen eng an ihren Körpern. Owl hatte ihr geflochtene Lederbänder um die Oberarme gewickelt, wie er sie selbst auch trug. Auf Owls Zeichen hin hob Tessa ihr Kinn an.
Nicht auf die Füße sehen, hatte der Messerwerfer gesagt. Halt den Kopf hoben. Vergiss das Lächeln nicht.
Tessa spürte, wie ihre Haare sie im Nacken kitzelten. Die Kostümbildner hatten darauf bestanden ihr Haar, dass bereits ein kleines Stückchen nachgewachsen war, nach hinten zu binden. Damit sich das Mädchen nicht mehr dahinter verstecken konnte, hatten sie gesagt. Das figurbetonte Kostüm und die ungewohnte Frisur waren recht...gewöhnungsbedürftig.
Dann war es soweit.
Owl tippte in einem abgezählten Takt mit dem Zeigefinger gegen seinen Oberschenkel, dann straffte er die Schultern und schritt mit vollkommener Selbstsicherheit nach vorn und Tessa war bemüht es ihm gleich zu tun. Sie hielt die Luft an und blinzelte das erste Mal in die strahlenden Lichter der Manege. Die Musik, obwohl nicht auf voller Lautstärke, dröhnte förmlich in ihren Ohren. Sie hatte die Abläufe minutiös mit Owl einstudiert. Sie wiederholt, immer und immer wieder.
Arme ausbreiten. Lächeln. Verbeugen. Mit großen, sicheren Schritten zu dem aufgebauten Tisch schreiten.
Den Koffer öffnen und dem Publikum zu allen Seiten die Messer präsentieren. Zurück mit dem Koffer, zwei Messer heraus nehmen und im richtigen Winkel ins Licht halten, damit sich das Licht in den silbrigen Klingen brach. Owl die Messer geben und den nächsten Schritt vorbereiten, während Owl seine Nummer damit begann blitzschnell auf die von der Decke herunterfallenden Zielscheiben zu zielen.
Es war ein Takt, mit dem sie langsam vertraut war.
Messer herausnehmen, präsentieren und Owl reichen, der mit geschickten Würfen brennende Ringe aus der Luft holte und zum Höhepunkt sogar mit verbundenen Augen sein Ziel ohne Fehltritt traft.
Zum Ende hin klopfte Tessas Herz ganz wild.
Sie wusste, was als nächste kam, aber der Rest nicht.
Owl zwinkerte ihr dezent zu, dann holte sie das das letzte Messer aus dem Koffer.
Ein Atemzug verging ehe sie die Klinge durch ihre Finger gleiten ließ, das Messer auf der geöffneten Handfläche liegend um die eigene Achse rotieren ließ und es Owl zuwarf während es um die eigene Achse wirbelte. Der Messerwerfer klaubte das Wurfmesser geschickt aus der Luft und ließ es sich nicht nehmen seine Assistentin stolz anzulächeln ehe er seine Nummer wie gewohnt beendete.
Mit einer dramatischen Geste klemmte er sich die Schneide zwischen die Zähne und die Musik fiel ab begleitet von einem dumpfen Rhythmus der Trommeln. Owl streckte den Arm über den Kopf und deutete auf die Kerze, die nun über ihren Köpfen schwebte. Der Faden, der sie hielt, war so dünn, dass es den Eindruck erweckte, die Kerze würde von Zauberhand schweben. Flink nahm er das Wurfmesser aus dem Mund lehnet sich zurück und schleuderte das Messer senkrecht in die Höhe, das Messer zischte an der Flamme vorbei und im selben Moment, in dem die Kerze erlosch, wurde auch das Zelt für ein paar Sekunden in Dunkelheit gehüllt.
Als das Licht wieder anging und sich die Scheinwerfer ins Zentrum der Manege richteten, standen Tessa und Owl nebeneinander. Sie hielten sich an den Händen und verbeugten sich mit weiter ausgesteckten Armen. Das geworfene Messer war längst wieder an seinem Platz in Owls Hand. Tessa amtete schnell und aufgeregt.
Es blieb kaum Zeit um einen Blick auf Chester zu erhaschen, da führte Owl sie bereits zurück hinter die Kulissen und drückte sie in einer halben Umarmung an seine Seite. Tessa bemerkte erst jetzt, dass sie am ganzen Leib zitterte, aber das breite Grinsen auf ihren Lippen sprach Bände.
"Ich bin sehr stolz auf dich, Kitty."
“We all change, when you think about it.
We’re all different people all through our lives.
And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
so long as you remember all the people that you used to be.”
We’re all different people all through our lives.
And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
so long as you remember all the people that you used to be.”
