Ein leises Rascheln am Zelteingang kündigte einen unerwarteten Besucher an. Tessa musste nicht hinsehen um ganz genau zu wissen, wer sich mit bedächtigen Schritten näherte. Es gab nur eine einzige Person im ganzen Zirkus Magica, die sie an diesem Ort vermuten würde. Die Spitzen von Arbeitsstiefeln schoben sich in ihre gesenktes Blickfeld, doch weiter als bis zu den peinlich akkurat gebundenen Schnürsenkeln sah sie nicht hoch. Beharrlich verweigerte Chester die Möglichkeit ihr Gesicht genauer unter die Lupe zu nehmen. Einst war sie bei seinem Anblick mit einem freudestrahlenden, warmen Lächeln aufgesprungen und hatte ihn erwartungsvoll angesehen. Jetzt, da der Ärger verraucht war, hatte sie nicht einmal einen müden Blick für ihn übrig. Das änderte sich, als sich der vertraute Anblick eines kleinen, braunen Teddybären in ihrem Augenwinkel zeigte. Der Zylinder saß genauso ordentlich wie in ihrer Erinnerung, er war weder zerknittert noch geknickt. Das Fell, etwas dunkler durch die fehlenden Lichtquellen, war sauber und frei von Staub.
Er sah aus wie am ersten Tag.
Ein bisschen hob sie das Kinn an und wagte einen vorsichtigen Blick auf den pelzigen Schlüsselanhänger. Sie erinnerte sich haargenau daran, wie Chester die Zielscheiben ein winziges Stückchen korrigiert hatte, damit nichts sie um ihr Erfolgserlebnis betrog. Tessa hatte die liebenswerte Geste gerührt und es hatte ihr gefallen, dass er sich so darum bemühte sie glücklich und fröhlich zu sehen. Er hatte es nicht um ihretwillen getan. Es hatte alles zu der einzig für Tessa kreierten Privatshow gehört.
"Den hast du bei mir vergessen."
Obwohl Chester nicht länger wütend die Stimme erhob, zuckte Tessa unwillkürlich. Diese Ruhe war fast schlimmer als das Gebrüll.
Es dauerte einen Moment bis Tessa zögerlich die Finger ausstreckte und das kleine Friedensangebot aus seiner Hand nahm. Vielleicht appellierte Chester mit der Geste an ihre Sentimentalität, um sich damit irgendeinen Vorteil zu erkaufen. Zumindest trübte dieser Gedanke das dünne Lächeln, das um ihre Mundwinkel zuckte. Locker lag der Teddy in ihrer Hand während Tessa sich weiterhin weigerte ihm ins Gesicht zu sehen.
Das wartende Mädchen schwieg den Mann an, der sie hatte warten lassen. Und sie hatte gewartet. Gehofft.
"Tut es weh? Der Schnitt?"
Die Besorgnis in seiner Stimme glich einen Schlag ins Gesicht. Aus einem Reflex heraus berührte sie den feinen Schnitt über ihre Kehle und verzog leicht das Gesicht. Es schien ganz so, als wollte Tessa ihre Drohung wahr machen, denn sie presste die Lippen zu einer dünnen Linie zusammen, als müsste sie sich selbst unbedingt von einer Antwort abhalten.
Tick, tick, tick, tick...
"Nein", hauchte sie fast. "Es brennt nur ein bisschen."
"Das war eine dumme Idee mit den Messern. Selbst für Owl."
"Es ist nicht seine Schuld", murmelte Tessa. "Ich hätte Nein sagen können."
Endlich hob die sitzende Frau den Blick und sah in das schmerzlich vertraute Gesicht. Sie hatten so viele Stunden damit verbracht, Chesters Gesicht zu betrachten, dass es ihr so vertraut war wie ihr eigenes Spiegelbild. Trotzdem wusste nicht nicht, welchen Chester sie gerade unter seinen vielen, vielen Masken präsentiert bekam.
"Warum hast du deine Meinung geändert?", fragte Tessa.
"Du musst nicht..." Aufpassen.
"Ich brauche keinen..." Babysitter.
"Ich werde nichts..." Dummes mehr tun.
Sie stieß einen langen, frustrierten Seufzer aus.
"Ich laufe heute Abend ganz bestimmt nicht mehr vor irgendwelche Zielscheiben."
Er sah aus wie am ersten Tag.
Ein bisschen hob sie das Kinn an und wagte einen vorsichtigen Blick auf den pelzigen Schlüsselanhänger. Sie erinnerte sich haargenau daran, wie Chester die Zielscheiben ein winziges Stückchen korrigiert hatte, damit nichts sie um ihr Erfolgserlebnis betrog. Tessa hatte die liebenswerte Geste gerührt und es hatte ihr gefallen, dass er sich so darum bemühte sie glücklich und fröhlich zu sehen. Er hatte es nicht um ihretwillen getan. Es hatte alles zu der einzig für Tessa kreierten Privatshow gehört.
"Den hast du bei mir vergessen."
Obwohl Chester nicht länger wütend die Stimme erhob, zuckte Tessa unwillkürlich. Diese Ruhe war fast schlimmer als das Gebrüll.
Es dauerte einen Moment bis Tessa zögerlich die Finger ausstreckte und das kleine Friedensangebot aus seiner Hand nahm. Vielleicht appellierte Chester mit der Geste an ihre Sentimentalität, um sich damit irgendeinen Vorteil zu erkaufen. Zumindest trübte dieser Gedanke das dünne Lächeln, das um ihre Mundwinkel zuckte. Locker lag der Teddy in ihrer Hand während Tessa sich weiterhin weigerte ihm ins Gesicht zu sehen.
Das wartende Mädchen schwieg den Mann an, der sie hatte warten lassen. Und sie hatte gewartet. Gehofft.
"Tut es weh? Der Schnitt?"
Die Besorgnis in seiner Stimme glich einen Schlag ins Gesicht. Aus einem Reflex heraus berührte sie den feinen Schnitt über ihre Kehle und verzog leicht das Gesicht. Es schien ganz so, als wollte Tessa ihre Drohung wahr machen, denn sie presste die Lippen zu einer dünnen Linie zusammen, als müsste sie sich selbst unbedingt von einer Antwort abhalten.
Tick, tick, tick, tick...
"Nein", hauchte sie fast. "Es brennt nur ein bisschen."
"Das war eine dumme Idee mit den Messern. Selbst für Owl."
"Es ist nicht seine Schuld", murmelte Tessa. "Ich hätte Nein sagen können."
Endlich hob die sitzende Frau den Blick und sah in das schmerzlich vertraute Gesicht. Sie hatten so viele Stunden damit verbracht, Chesters Gesicht zu betrachten, dass es ihr so vertraut war wie ihr eigenes Spiegelbild. Trotzdem wusste nicht nicht, welchen Chester sie gerade unter seinen vielen, vielen Masken präsentiert bekam.
"Warum hast du deine Meinung geändert?", fragte Tessa.
"Du musst nicht..." Aufpassen.
"Ich brauche keinen..." Babysitter.
"Ich werde nichts..." Dummes mehr tun.
Sie stieß einen langen, frustrierten Seufzer aus.
"Ich laufe heute Abend ganz bestimmt nicht mehr vor irgendwelche Zielscheiben."
“We all change, when you think about it.
We’re all different people all through our lives.
And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
so long as you remember all the people that you used to be.”
We’re all different people all through our lives.
And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
so long as you remember all the people that you used to be.”
