The Hero and the Thief [Nao & Stiftchen]

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    • April

      "Also ist es schon irgendwo eine Leidenschaft", schlussfolgerte April mit einem kleinen Lächeln. Wenn May sogar schon wusste, welche deutlich ruhigere Alternative sie hatte und sich trotzdem für das stressigere Leben entschied, musste sie ja Leidenschaft für ihren Job haben, sonst würde sie sich das sicher nicht antun. April selbst würde sich automatisch ohne zu zögern immer für die einfachere Alternative entscheiden, was vermutlich aber auch daran liegen könnte, dass sie im Grunde einfach insgesamt kein Bedürfnis verspürte, zu arbeiten. Die kleineren Aushilfsarbeiten, die sie gemacht hatte, waren nett gewesen, aber ein Leben, in dem sie immer zur selbe Uhrzeit aufstehen musste, um immer die selben Gesichter zu sehen und immer das selbe zu tun, war einfach nichts für sie.
      "Ich werde mich wahrscheinlich langsam wieder zurück nach Irland vorarbeiten", bestätigte April mit einem kleinen Nicken. Auch, wenn sie das immer noch nicht wollte, ohne es vorher mit May versucht zu haben, aber offenbar hatte sie ja noch ein bisschen Zeit, um ihr klar zu machen, dass sie mit ihr flirtete und selbst wenn sie es nicht schaffen sollte, verlor sie am Ende nicht mehr, als ein bisschen Stolz. Vielleicht würde sie ja irgendwann nochmal nach London kommen und wenn sie bis dahin Kontakt hielten, könnte May wenigstens eine gute Freundin sein. Vielleicht brauchte April langsam jemanden in ihrem Leben, der das komplette Gegenteil von ihr war.
      "Ich weiß noch nicht, ob ich fliege, oder einen Roadtrip draus mache. Eigentlich liegt es mir eher, mich in den nächsten Bus zu setzen und einfach zu sehen, wo ich lande, bis ich irgendwann an meinem Ziel ankomme." Außer sie wurde an einer bestimmten Stelle für einen Job benötigt, natürlich. Aber so sah man eben am meisten von der Welt. Sie war schon in etlichen Dörfern und Städten gelandet, die sie nie gesehen hätte, wenn sie geflogen wäre. Ganz davon abgesehen, dass es einfacher war, im Bus schwarz zu fahren, als ohne Ticket zu fliegen.
      "Und du? Hast du schon den nächsten Fall in den Startlöchern, oder bin ich das einzige, was dich noch von einem Urlaub abhält?", fragte sie grinsend, während sie langsam vor dem Raum stehen blieben, in dem die Gerichtsverhandlung stattfinden würde. Nicht mehr lange und sie hätte das alles hinter sich.
    • May

      May lachte leicht. „Ich will dich ungern enttäuschen, aber ich habe parallel noch drei Fälle laufen. Die Arbeit ruht nie. Aber vielleicht sollte ich wirklich langsam wiedermal Urlaub machen“ Sie lächelte und zuckte etwas mit den Schultern. Urlaub klang gut. Und Therapie, um mal wieder einen Halt zu haben, nach den ganzen belastenden Fällen. Das und zehn Shots. Vielleicht ergab sich das alles ja irgendwie am Freitag.
      „Gehen wir rein“, meinte May entschlossen und drückte die Türe zum Gerichtssaal auf.

      Sie hatte recht behalten, nichts Neues war auf sie zugekommen. Die Beweislage sah genau so aus, wie sie erwartet hatte, und die ein, zwei Stunden waren äußerst unspektakulär. April musste nichtmal eine einzige Wortmeldung abgeben abseits der Bestätigung ihrer Person. May hatte zwischendurch genügend Zeit, um ihren Kaffee zu leeren und zu überlegen, wo sie Mittagessen gehen könnte, und ob sie April vielleicht fragen sollte, ob sie mitgehen wollte, wenn ihr langweilig war. Sobald May aus dem Gerichtssaal draußen war, schmiss sie den Pappbecher in den nächsten Mülleimer und drehte sich zu April.
      „Nichts überraschendes, also gehe ich davon aus, dass deine Anklage bald fallen gelassen wird“, wiederholte sie für die Dunkelhaarige, damit sie auch wusste, wo May gedanklich stand. Nämlich genau am selben Fleck, wie vor zwei Stunden. Trotzdem war sie ein wenig befreiter, weil ja doch immer die Möglichkeit bestand, dass ein Fall schwieriger wurde als gedacht. Und jetzt konnte sie getrost etwas essen und das Grummeln in ihrem Magen wieder ersticken und sich am Nachmittag ihren anderen Fällen zuwenden.
      „Oh, April, bevor du gehst“, fing sie deshalb an. „Ich hatte vor, Mittagessen zu gehen. Vielleicht zum Japaner die Straße runter. Willst du mich begleiten? Außer, du hast etwas vor oder bist nach dem ganzen Sitzen zu müde“ Sie lächelte. Ein wenig hoffte sie ja, dass April nichts vorhatte. Dank der Partyeinladung war May sich immer sicherer, dass es nett wäre, befreundet zu bleiben. Auch, wenn April aus einem anderen Land kam und offenbar eher unvorhersehbar war, weil sie viel herumreiste. Sie würden sich wohl nicht oft sehen, aber das machte nichts. Wenn die Gelegenheit sich bot, konnten sie sich wieder treffen. May würde das strahlende Lächeln jedenfalls ein wenig vermissen. So gut wie jede andere Person in ihrem Leben war immerzu den Tränen oder einem Wutausbruch näher, als so aufrichtig herzlich zu lächeln. Vielleicht war es die allgemeine Stimmung in London. So oder so hatte April — neben der anfänglichen Überforderung, die sie bei einem auslöste — etwas ansteckendes an sich, und May hatte auch das Gefühl, besser drauf zu sein, wenn sie sich sahen.
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    • April

      “Gerne”, antwortete April ohne zu zögern und wahrscheinlich viel zu schnell, weil sie Angst hatte, dass May es sich sonst nochmal anders überlegen könnte. So musste sie sich wenigstens keinen Vorwand ausdenken, um mehr Zeit mit May zu verbringen. Langsam wäre ihr eh kein guter mehr eingefallen und sie hätte ungerne eine Absage kassiert. Nicht, wenn gerade alles so gut lief. Da reizte sie ihr Glück lieber noch so lange aus, bis es ihr auf die Füße fiel.
      "Sind deine anderen drei Fälle auch so simpel wie meiner, oder musst du dir da etwas mehr Sorgen machen?", fragte sie, während sie ihren Becher Mays hinterherschmiss. "Ohne jetzt nach Details fragen zu wollen. Außer du willst unbedingt Details loswerden, dann habe ich natürlich immer ein offenes Ohr." Sie lächelte geübt unschuldig, während sie neben May den Flur entlang und schließlich nach draußen ging. Es war überraschend freundlich. Sonnig, hell, beinahe windstill, so, dass man über den Blazer keine Jacke mehr brauchte. Aprils namensgleicher Lieblingsmonat schien wirklich alles auch sich raus holen zu wollen.
      "Und wenn du dich über die anderen Fälle aufregen musst, bin ich auch für dich da. Ich verrate auch niemandem, dass ich dein Lieblingsfall bin." Sie grinste. Gut, wahrscheinlich würde sie May am Ende nur im Gedächtnis bleiben, weil sie sie durchgehend zutextete, aber besser so, als dass die hübsche junge Frau sie direkt vergessen würde, sobald April weg war. "Außer jemand anderes behauptet, dein Lieblingsfall zu sein, dann musst du mich vielleicht nochmal wegen einer Schlägerei vertreten. ABER! Dann wäre ich zweimal dein Lieblingsfall!" April nickte kurz triumphierend, auch, wenn das alles irgendwie ziemlich wenig Sinn machte, aber sie hatte heute definitiv zu viel Kaffee getrunken und viel zu gute Laune. Da musste May halt irgendwie durch.
    • May

      May schmunzelte und ging zufrieden mit April aus dem Gerichtsgebäude. „Es geht. Ein paar Schwierigkeiten gibt es immer. Oder… fast immer. Wahrscheinlich bist du wirklich mein Lieblingsfall“ Sie lächelte zur Seite. Zumindest hatte sie bisher noch nie so eine fröhliche Mandantin gehabt. Die ganze Sache schien April wirklich kaum zu belasten, was eigentlich nur gut für alle war, denn dann war auch May weniger gestresst und arbeitete besser. Vor allem, wenn sie sich keine Sorgen machen musste, dass ihre Mandanten plötzlich die Anklage zurückzogen.
      „Ich fände es nur gut, wenn du meine anderen Klienten nicht verprügelst“, sagte sie schließlich in einem sanften Ton, der immernoch bei Aprils Scherz mitspielte. „Wenn du mich vermisst, kannst du mich auch einfach anrufen, ohne mir Arbeit zu machen“ Sie lachte leicht. War das zu direkt? Sie hätte nichts dagegen, April ab und zu unabhängig von ihrer Arbeit zu sehen, und vor allem unabhängig von diversen Schlägereien. Sie könnten öfters mal Essen gehen. Oder, falls die Party am Freitag den Erwartungen entsprach, sich auch mal zum Feiern treffen. Oder ganz einfach irgendwo einen Kaffee trinken und die Dessertkarte durchprobieren. May hatte das Gefühl, dass April nicht Nein sagen würde, wenn sie schon dem Mittagessen so übereifrig zugesagt hatte. Es war leicht, Gespräche mit ihr zu führen und Mays Laune wurde immer besser. Das musste irgendwie ein Zeichen sein, befreundet zu bleiben.
      „Auch, wenn du London wegen dem Zwischenfalls vielleicht hinter dir lassen willst, würde es mich freuen, wenn wir uns sehen, wenn du mal in der Nähe bist. Ohne… Falschanzeige“ Sie räusperte sich kurz, weil sie es nicht mehr gewohnt war, quasi zu fragen: ‚Hey, willst du meine Freundin sein?‘ Aber das ließ man wohl nie hinter sich.
      „Da unten an der Ecke ist das Restaurant“, sagte sie dann schnell, um im Gespräch weiterzukommen.
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    • April

      Das Grinsen auf Aprils Lippen könnte wahrscheinlich eine Kleinstadt erhellen. Aber wie sollte sie auch anders reagieren, wenn May sie praktisch dazu aufforderte, sie ab und an mal anzurufen? Gut, das war nicht ganz so gut wie ein 'Hey, ich hab mich über die letzten Tage unsterblich in dich verliebt und würde gerne mit dir ausgehen', aber es ging in die selbe Richtung und das reichte für den Anfang.
      "Das mache ich! Vielleicht update ich dich ab und an mal, wo ich bin und man läuft sich nochmal über den Weg. Du kannst nicht immer Arbeiten, irgendwann brauchst du Urlaub und dann erwische ich dich schon!" April lachte, auch, wenn das vielleicht nicht ganz so scherzhaft gemeint gewesen war, wie es klang. "Dann auch ohne Prügelei." Auch wenn sie sich fast schon ein bisschen auf die Vorstellung gefreut hatte.

      Freitag kam angenehm schnell und überraschenderweise ohne Langeweile. Sicher, April hatte immer noch nicht mehr zu tun, als im Zimmer zu sitzen und an die Wand zu starren, aber wenigstens hatte sie jetzt etwas, auf das sie sich tatsächlich freuen konnte. So sehr, dass sie zur Abwechslung viel zu früh da war, was - zum Glück - nicht weiter schlimm war. Mit Caleb hatte sie zumindest einen weiteren notorischen zu-früh-kommer in der Gruppe, der mit ihr vor dem Eingang des Clubs frieren konnte. Frieren könnte. Er trug Hemd und Jacke und sah damit kein wenig so aus, als ob ihm kalt war, während April in ihrem silbernen Paillettenkleidchen zitterte. Was den Blonden nicht weiter zu stören schien. Es brauchte ganze zehn Minuten Überzeugungsarbeit, bis er ihr die Jacke mit einem Augenrollen überließ.
      "Hättest du nicht wenigstens eine Jacke tragen können, die zum Kleid passt?", beschwerte April sich, während sie kurz unzufrieden an sich hinab sah. Nur um mit einem überaus kritischen Blick begrüßt zu werden, als sie wieder zu ihm noch schaute.
      "April, der Tag an dem ich meine Jacke auf dein Kleid abstimme, ist der Tag, an dem ich mich von der nächstbesten Klippe werfe."
      "Ich meine ja nur. Freunde sollten so was im Hinterkopf haben." April setzte ein kleines Schmollen auf, während Caleb seufzend in eine der Jackentaschen griff, um eine Packung Zigaretten und ein Feuerzeug raus zu ziehen. Was April genug Zeit gab um zu checken, was er in der anderen Tasche hatte. Nicht, dass sie dumm genug wäre, ihren Arbeitgeber zu bestehlen, aber kleine Einblicke in ein fremdes Leben waren manchmal genau so reizend, wie ein Diebstahl.
      "Woher hätte ich überhaupt wissen sollen, was du anziehst?", Calebs Blick lag irgendwo zwischen 'kritisch' und 'amüsiert', während er seine Zigarette anzündete. Zumindest war April sich einigermaßen sicher, dass er ein wenig amüsiert aussah - sie hatte ihre Brille zum feiern in ihrer Tasche gelassen und hatte kein Geld für Kontaktlinsen übrig gehabt, was ihre Sicht ein wenig verschwimmen ließ.
      "Gute Freunde spüren so was einfach", schmollte sie weiter.
      "Promotest du mich noch zum besten Freund, wenn ich noch eine Frage stelle?"
      "Nein. Beste Freunde würden keine so blöden Fragen stellen." April grinste, während sie einen Blick auf ihr Handy warf. Diesmal klang Calebs Seufzen tatsächlich ein bisschen humorvoller. "Denkst du, das Kleid war ein bisschen too-much? Ich wollte irgendwas, was ein wenig auffällig ist, aber nicht zu sehr. Außerdem ist May echt heiß und in dem Kleid kommt mein Dekolleté so gut zur Geltung. Ich meine, jetzt ist es eh zu spät, aber je nachdem würde ich dir die Jacke einfach nicht mehr zurückgeben."
      "Du siehst ein wenig so aus, als ob du einen Zweitjob als Diskokugel angefangen hättest." Dieses mal brauchte April keine Brille, um den kritischen Blick zu deuten. "Etwas Taylor Swift-isch."
      "Und das ist...gut?" April sah ihm etwas verunsichert entgegen. Die Musik aus dem Club dröhnte bereits nach draußen, während sich vor dem Eingang eine kleine Traube gebildet hatten. Leute die rein wollten, Raucher, Leute die wie sie auf andere Leute warteten. April freute sich jetzt schon auf die Stimmung drinnen.
      "Kommt drauf an, was für Musik May hört", antwortete Caleb schlicht und war damit ungefähr so hilfreich wie ein Glückskeks-Spruch. April presste unzufrieden die Lippen zusammen. Sie brauchte wirklich eine hilfreichere zweite Meinung.
    • May

      „Das ist seltsam“
      May drehte ihren Kopf zur Seite, zu Richard hinter dem Lenkrad seines Wagens. Sie hatte die letzten fünf Minuten aus dem Fenster gesehen und sich genau das selbe gedacht.
      „Tut mir leid“, sagte May, weil sie irgendwie das Gefühl hatte, das Ganze war ihre Schuld, weil sie der Party in dem Wissen zugesagt hatte, dass Richard dabei sein würde.
      „Gut so. Wer zieht sowas in einen Club an?“, erwiderte er und sah sie kurz skeptisch an, oder eher, sah ihre weiße Bluse und die schwarze Anzughose skeptisch an. Oh. Er sah es wohl garnicht als so seltsam an, dass sie zusammen in einen Club gingen mit irgendeinem von Richards Freunden, der mit Mays Mandantin befreundet war. Oder er sprach es einfach nicht aus. Die Konstellation war definitiv ein wenig seltsam, je länger May darüber nachdachte, obwohl es ihr Montag Mittag noch garnicht so vorgekommen war. Spätestens, als sie nach einem passenden Club Outfit gesucht und festgestellt hatte, dass sie sich nicht unprofessionell in einem schwarzen Kleidchen vor April zeigen wollte, war es ihr seltsam vorgekommen. Genauso, wie sich Richard unprofessionell in einem schwarzen Kleidchen zu zeigen. Alles sehr, sehr seltsam.
      „Oh, ich dachte mir, es ist wird am Heimweg wahrscheinlich noch deutlich kälter und ich wollte nicht frieren“, gab May deshalb trocken zurück. Genau, das war… der Grund. Außerdem war ihr Outfit vielleicht schlicht, aber sie mochte es so eigentlich gerne. Dafür trug sie eine schmale Perlenkette und hängende Silberohrringe, was sonst nicht auf der Morgenroutine stand.
      „Außerdem ist es ein bisschen sexistisch zu erwarten, dass ich mir einen Rock oder ein Kleid anziehen muss, nur weil ich eine Frau bin“, fügte May hinzu, weil die Aussage sie immernoch ein bisschen störte. Hoffentlich dachte April nicht auch, dass sie ‚seltsam‘ war, nur weil sie eine Hose trug. Und eine Bluse. Und einen Blazer hatte sie auch dabei… Aber auch eine kleine schwarze Handtasche!
      „Hey, sogar eine Jeans hätte ich normaler gefunden. Oder… alles, das keine Arbeitskleidung ist. Mach mich nicht zum Sexisten. Solange dein Arsch gut aussieht, ist alles okay“ Er warf May ein Grinsen zu und sie konnte nicht anders, als empört den Mund aufzureißen, was aus ihm sofort ein „Sorry“ rauspresste. „War ein Witz“
      Ein abartiger Witz. May hatte sich noch Gedanken gemacht, dass Richard sie vielleicht nicht mehr ernst nahm, wenn sie nicht aussah, wie immer. Urgh.
      „Noch so eine Aussage und ich zeige dich wegen Belästigung an“, sie blinzelte und wartete auf Richards irritierten Blick, bis sie sagte: „War ein Witz“ Gern geschehen. „Wann sind wir da?“, fragte sie und sah auf ihr Handy, weil sie noch fünf Minuten hatten, bis sie sich vor dem Club treffen sollten. Dass Richard sie abgeholt hatte, ergab sich eigentlich nur deshalb, weil sie sich heute Mittag noch arbeitsbedingt gesehen und er es angeboten hatte. May hatte zwar ein Auto, aber Carpooling war deutlich umweltfreundlicher und sie hatte vor, zu trinken. Ob Richard sein Auto morgen früh hier abholen musste, konnte ihr ja egal sein.
      „Ich suche schon nach einem Parkplatz“ Und als er endlich einen gefunden hatte, blieb er sitzen und drehte sich zu May, die daraufhin von der Autotüre abließ.
      „Ja?“, fragte sie.
      „Wie kommt deine Mandantin darauf, dich zum Feiern einzuladen und wie kommst du darauf, zuzusagen? Versteh mich nicht falsch, wenigstens seid ihr dann beschäftigt und lasst mein Date in Frieden, aber ich hab dich nicht für eine Clubgängerin gehalten“, sagte er.
      „Oh“ May überlegte. „Ich versteh mich gut mit ihr. Also wieso nicht? Ich probier gern Neues aus“ Dann hielt sie inne. „Sagtest du gerade Date? Ich dachte, ihr seid Freunde“
      Richard sah sie einen Moment an, dann griff er nach der Türschnalle und stieg aus. May tat es ihm gleich, auch wenn sie die Pause seltsam fand. Erst, als sie am Gehsteig entlang liefen, antwortete Richard auf ihre Frage.
      „Falsch gedacht. Ich meine es tatsächlich ziemlich ernst, also wärs nett, wenn du mitspielst und dich mit April fernhältst. Ich hänge hier an einem seidenen Faden und das Date muss gut laufen“
      May nickte langsam. Sie hatte nicht gewusst und schon garnicht damit gerechnet, dass Richard mit Männern ausging. Und viel wichtiger, dass er es mit irgendjemandem je ernst meinen könnte, denn soweit sie mitbekommen hatte, war er eher für sehr kurzweilige Beziehung und fürs Single-sein berüchtigt. Sie hatte sogar ein, zwei Anwältinnen in der Kanzlei, die auf ihn abfuhren. Was sie irgendwie nachvollziehen konnte, aber sie hatte historisch auch einen unglaublich schrecklichen Männergeschmack und Richard passte perfekt ins Muster. Aber sie würde nie Kollegen daten. Trotzdem war sie nun neugierig, wer der Typ war, der genauso farbenblind war wie May, wenn es um Red Flags ging.
      „Keine Sorge, ich bin sowieso wegen April hier“ Sie lächelte leicht, als sie daran dachte, gleich wieder das riesige Grinsen zu sehen.
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    • April

      "Das ist nicht 'egal'. Du kannst mich nicht Taylor-Swift-isch nennen und mir dann einfach nicht sagen, welches Album du meinst! 'Reputation' hat einen vollkommen anderen Vibe als 'Lovers'!" April verschränkte genervt die Arme vor der Brust, was wahrscheinlich ernster aussehen würde, wenn ihr die Ärmel dabei nicht über die Hände rutschen würden. "Ist es eher heiß, oder cottage-core?"
      Caleb sah ein wenig so aus, als ob er sie erwürgen wollen würde. Also eigentlich so, wie immer. "Ich habe keine Ahnung. Ich höre Taylor Swift nicht mal. Das Kleid sieht gut aus und wir werden dich garantiert nicht in der Masse verlieren."
      "Wie kann man Taylor Swift nicht- Oh, da ist May!" April grinste, als sie ihre neugefundene Freundin erblickte. May sah im Grunde auch aus, wie immer. Ein bisschen zu förmlich für eine Party, aber irgendwie machte sie das ein wenig charmant, nicht? April würde sie schon dazu kriegen, sich ein wenig zu entspannen und so hübsch, wie sie war, würde den meisten wahrscheinlich nicht mal auffallen, was sie anhatte.
      Und Calebs Freund war offensichtlich auch da. Ein großer Typ, der nicht halb so interessant aussah, wie das kleine Lächeln, das auf Calebs Lippen erschien. April konnte sich nicht daran erinnern, ihn je lächeln gesehen zu haben. Sie kannte ihn immer nur als stumme, leicht genervte Person. Sie hatte nicht gewusst, dass er überhaupt lächeln konnte. Fast ein bisschen gruselig. Vielleicht bildete sie sich das auch nur ein, weil sie keine Brille trug.
      "Hey!", grüßte sie enthusiastisch, als sie sich endlich von dem bizarren Bild vor ihr losreißen konnte und die anderen beiden in Hörweite kamen. "Gut siehst du aus!", fuhr sie fort, während sie May in eine kleine Umarmung zog, bemüht zu ignorieren, dass Cal sich auf die Zehenspitzen stellte, um seinem Freund einen Kuss auf die Wange zu drücken. Offensichtlich würde es heute nur noch seltsamer werden. Sie hatte sich noch nie so viele Fragen zu Calebs Privatleben gestellt, wie in den letzten fünf Minuten. Gut...seine Schwester war deutlich heißer und damit wesentlich interessanter. Leider nur auch vergeben.
      "Hi. Ich bin April", wandte sie sich schließlich an Calebs Freund, dessen Namen sie sich nicht gemerkt hatte, bevor sie sich wieder zu May drehte. "May, Caleb, jetzt müssten alle vorgestellt sein."
    • May

      Huh. Irgendwie passten die beiden optisch absolut nicht zusammen. May blieb etwas abseits bei April stehen, die genauso verwirrt von dem Bild aussah, das sich ihnen ergab. Richard lächelte den Kleineren an, nahm seine Hände aus den Jackentaschen und legte eine Hand an Calebs Rücken, als er sich wieder zu ihnen drehte, und May kurz ablinzelte, was dann wohl die Erinnerung sein sollte, sich nicht zu lange in einem Vierergespann aufzuhalten.
      May riss sich los und reichte dem Blonden kurz mit einem Lächeln die Hand. „Hey. Interessant, dass wir jetzt alle hier sind, weil irgendjemand April ein paar Steine zugeschoben hat“, sagte sie amüsiert, auch wenn das vielleicht garnicht so witzig war, wie sie dachte. „Wie wär‘s mit etwas zu trinken?“, fragte sie in die Runde, hielt sich aber jetzt schon eher an April. Sie wollte dem Date ungern zwischenfunken.
      „Klingt gut. Drinks zuerst“, stimmte Richard mit einem Nicken zu. Vielleicht hätte May das Kleid doch anziehen sollen, denn sie würden heute beide nicht nachhause fahren, ohne den jeweils anderen gezwungenermaßen in einem neuen Licht zu sehen. Richard klebte so sehr an Caleb, dass May ohnehin spätestens beim Reingehen in den Club gemerkt hätte, dass sie sicherlich nicht nur Freunde waren. Solche nebensächlichen Berührungen passierten wirklich nur, wenn man zusammen im Bett war.
      Sie schüttelte kurz den Kopf um alle Gedanken diesbezüglich loszuwerden und folgte den beiden Männer mit April an ihrer Seite die Treppen hinunter in den Club. Es wurde immer lauter und heißer, je näher sie dem Eingang kamen, und May fragte sich, ob sie heute noch herausfinden würde, ob sie klaustrophobisch war. Zumindest war der Eingangsbereich bereits unglaublich voll und am Weg zur Getränkebar wurde es nicht wirklich besser. Drinnen entdeckte May abseits der Tanzfläche zum Glück ein paar Ecken, in denen noch etwas Platz war, ab und an sogar Sessel und leere Plätze auf den Sofas, aber an einem Freitag Abend sollte man mit Überfüllung wohl rechnen. Die Musik war nicht unbedingt nach Mays Geschmack, aber scheinbar ging es hier auch eher um die Lautstärke und nicht um die einzelnen Songs.
      Sie bestellten, ganz am Ende der Bar, um der Musik etwas zu entkommen, ihre Getränke, und May entschied sich ganz simpel für ein Vodka-Redbull, weil sie eigentlich einfach nur etwas betrunken sein wollte, um diverse… andere Wochenendpläne zu vergessen und stattdessen Spaß zu haben.
      „Du siehst gut aus, das Kleid gefällt mir“, sagte sie letztlich laut und lehnte sich extra zu April, damit sie sie auch wirklich hören konnte. „Wie eine… Diskokugel“ Sie lachte leicht. „Ich hätte mir auch etwas gewagteres aussuchen sollen, ich bereue die Wahl ein bisschen“ May hatte jetzt schon das Gefühl, sich die Seele aus dem Leib zu schreien. Und sie verstand jetzt irgendwie auch die ganzen kurzen Kleidchen der Frauen hier. Das hatte wahrscheinlich weniger mit Sexualisierung und mehr mit der erdrückenden Temparatur zu tun. Zumindest war die Bluse, die sie ausgesucht hatte, sehr leicht.
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    • April

      April gab Caleb die Jacke zurück, sobald sie den Club betraten und die Luft um sie herum wärmer und stickiger wurde. Sie ignorierte es, dass er diskret seine Taschen durchging, um zu prüfen, ob sie irgendetwas rausgenommen hatte - sie selbst hätte es nicht anders gemacht. Aber er hatte außer seinem Portmonee sowieso nichts interessantes dabei gehabt, also hätte sich das eh nicht gelohnt. Ganz davon abgesehen, dass April zu abgelenkt war, um irgendwas zu stehlen. Sie musste May irgendwie um ihren Finger wickeln und Caleb und sein Freund waren offenbar die interessantesten Personen im Raum, wenn man jemanden beobachten wollte.
      "Danke", antwortet April mit einem strahlenden Lächeln auf den Lippen, als May ihr ein Kompliment für ihr Kleid machte. Ihre ganz persönliche Mission schien zumindest schon mal gut anzufangen! "Ich finde dein Outfit super. Das bist halt du!" Ein bisschen nerdig vielleicht, aber irgendwie war das süß. "Hauptsache, du kannst darin tanzen! Da wirst du nämlich nicht drum herum kommen!" Immerhin gab es keine einfachere Methode, um jemanden nahe zu kommen, als ihn auf die Tanzfläche zu ziehen. April nippte an dem bunten Cocktail, den sie sich bestellt hatte und sah zu den Leuten, die bereits tanzten. Die Stimmung schien wie schon beim letzten mal recht gelöst zu sein. Sie nickte kurz dezent in die Richtung von Caleb und Richard, die ein wenig abseits von ihnen standen. Zum Glück war die Musik laut genug, um frei reden zu können.
      "Wusstest du, dass die beiden zusammen sind?" Sie selbst hatte nicht mal gewusst, dass Caleb Freunde hatte, von einer Beziehung ganz abgesehen.


      Caleb

      Es war laut, ausgelassen und voll. Eigentlich alles Zustände, denen Caleb aus dem Weg ging, aber für einen Abend konnte man das aushalten. Vor allem, wenn es als Vorwand diente, um das dritte Date mit Richard hinter sich zu bringen. Caleb musste immer noch an das Ende ihres zweiten Dates denken. Er hatte realisiert, dass Richard ihn wahrscheinlich zurecht rausgeworfen hatte, als er am nächsten Morgen wirklich froh gewesen war, in seinem eigenen Bett wach geworden zu sein.
      "Wie war deine Woche?", fragte er. Wenigstens gab die hohe Lautstärke ihm einen Grund, viel zu nah an Richard zu stehen. Vielleicht war das irgendwie auch das beste, was ihnen passieren konnte. Drei vollkommen verschiedene Dates. Wenigstens erlebten sie sich in verschiedenen Situationen, oder so. Irgendwie konnte man sich das immer schönquatschen, hauptsache, er konnte sich an Richard herandrücken und sich auf die Zehenspitzen stellen, um ihm direkt ins Ohr zu sprechen.
      Richard sah gut aus, wie immer. May hatte neben ihm ein bisschen bieder gewirkt, unscheinbar. Caleb hatte sie vorher nur einmal kurz in der Bar gesehen, in der Richard ihn zum ersten mal angesprochen hatte - oder war es andersherum gewesen? - und hätte sie nicht mehr beschreiben können, aber die Tatsache, dass sie selbst beim Feiern so aussah, als ob sie gleich noch ins Büro müsste, würde wahrscheinlich hängenbleiben. Auch, wenn ihm das ein wenig besser gefiel, als Aprils Diskokugel. Wenigstens musste man bei May weniger oft blinzeln.
    • May

      May strich sich fast ein wenig verlegen eine ihrer gestylten dunkelbraunen Locken hinters Ohr, als April ihr ein Kompliment machte. Die Reaktion war schon deutlich besser, als Richards. Nicht, dass sie versessen auf Komplimente war. Nur wollte sie auch nicht unbedingt ‚seltsam‘ genannt werden, wenn sie sich eigentlich Mühe gegeben hatte, gut auszusehen. Nur, weil sie weniger freizügig unterwegs war, war das ja nicht gleich schlecht, oder? Die Zeit hatte sie eh irgendwie hinter sich gelassen. Die paar Klamotten, die sie früher zu Parties angezogen hatte, verstaubten mehr oder weniger in einer Ecke ihres Kleiderschranks.
      „Danke“, sagte sie. „Ich kann zwar nicht sehr gut tanzen, aber das Outfit wird mich nicht zurück halten“ Sie grinste. Die Hose war stretch. Und sie konnte wirklich nicht besonders gut tanzen. Die Körperspannung und Koordination hatte sie vielleicht, aber das Rhythmusgefühl fehlte ihr vollkommen. Sie war alles andere als musikalisch und dazu zählte anscheinend die Fähigkeit, zu Musik zu tanzen. Abgesehen davon tat sie es auch kaum, also war auch der rettende Übungsfaktor nicht in Sichtweite. Aber ein bisschen Alkohol könnte das vermutlich noch korrigieren.
      Als April Richard und Caleb ansprach, schüttelte May sofort hastig den Kopf. Sie hatten es also beide nicht gewusst? „Ich bin zwar nicht so überrascht, dass Richard datet, aber… ich hätte nie damit gerechnet, dass er mit einem Mann ausgeht. Und vor allem nicht damit, dass er es anscheinend echt ernst meint. Zumindest meinte er das vorhin“, erwiderte sie zu April herunter gelehnt. Dann stockte sie kurz. Hätte sie das erste vielleicht nicht sagen sollen? Man konnte Leuten ja nicht ansehen, ob sie schwul waren, oder so. Oder bisexuell vermutlich. So eine Aussage war wahrscheinlich ziemlich oldschool. Seit sie April kannte, die mehrmals nebensächlich erwähnt hatte, mit Frauen auszugehen, fiel May irgendwie fiel mehr auf, was sie diesbezüglich sagte. Aber es war okay, überrascht zu sein, oder? Sie hätte sich Richard nie im Leben mit einem Mann vorstellen können, bis zu dem Moment, in dem sie es gesehen hatte. War das schlimm? Stereotyp, oder so? Weil Richard männlich und irgendwie rau und ernsthaft rüberkam? Wahrscheinlich war das der Grund, wieso sie es sich nicht vorstellen hatte können. Wahrscheinlich war sie homophob ohne es zu merken, aber April würde es definitiv merken. Sie konnte April nicht denken lassen, dass sie homophob war.
      „A-aber irgendwie sehen sie süß zusammen aus“, fügte sie hinzu. Auch wenn sie das nichtmal wirklich dachte. Süß? Richard sah in keinem Szenario der Welt ‚süß‘ bei irgendetwas oder mit irgendwem aus. Es war nur bizarr, ihn die ganze Zeit grinsen zu sehen. Caleb sah dafür irgendwie nett aus. Vielleicht etwas zurückhaltend, aber harmlos. Wieder etwas, was May von Richard nicht erwartet hätte. Er stand auf die schüchterne Art?

      Richard

      Okay, wenigstens hatte May schnell geschnallt, was ihre Aufgabe war. Fernbleiben. Richard wollte bestenfalls vergessen, dass sie zu viert hier waren. April hatte sowieso wie ein viel zu energiegeladener Gummiball gewirkt und damit wollte Richard sich absolut nicht auseinandersetzen. Genauso wenig, wie mit Mays verklemmter Art.
      „War in Ordnung, ein paar Überstunden im Dezernat, weil mein Kollege ausgefallen ist“, antwortete er. Wenn er ehrlich war, war es scheiße gewesen. Nicht, weil Ted ständig krank war, das war ihm absolut egal. Aber die Tatsache, dass er Caleb rausgeworfen hatte, hing immernoch nach. Sich nach einem perfekten Date selbst einen in der Dusche runterzuholen, weil man so dämlich war, jemanden vor die Tür zu setzen, der sich wortwörtlich an einen geschmissen hatte. Eigentlich wollte Richard Caleb auch dafür verarschen. Es hatte nicht viel gebraucht, um seine Ideale aus dem Fenster zu schmeißen. Ein paar Schlückchen Wein und etwas zu viel Sex-Talk, das war alles. Und Caleb rieb sich jetzt schon wieder an ihm, als gäbe es kein Morgen. Richard konnte sich nicht beschweren, nur wusste er nicht genau, wo jetzt eigentlich die 3 Dates Grenze genau lag. Mussten sie das Date jugendfrei durchstehen? Knutschen war jedenfalls drin, das hatte er im Voraus schon abgeklärt. Und wahrscheinlich wäre es eh besser, ihr Glück nicht auszureizen und sich die Clubtoilette näher anzusehen. Dennoch, er war froh, dass er die Woche hinter sich und Caleb wieder vor sich hatte. Auf sich, beinahe. War es unmoralisch, dass er sich absichtlich nicht zu Caleb herunter neigte, damit dieser sich mehr strecken und ihm näher kommen musste? Gut, der Blonde könnte einfach schreien, statt ihm direkt ins Ohr zu reden, aber die Gesamtsituation gefiel Richard.
      „Der Gedanke, dass du unheimlich auf mich stehst, hat mich durch die Woche gebracht“, sagte er schließlich. Ein bisschen Triezen war wohl noch erlaubt. „Du weißt schon, weil du quasi um Sex gebettelt hast, nachdem du eigentlich so dagegen warst. Als ich, der Heilige der ich halt bin, ein Grenze zum Wohle unserer Beziehung gezogen hab“ Viel Triezen. Richard grinste leicht. Wie weit konnte er das eigentlich treiben, bis Caleb wütend wurde?
      „Ich fühle mich fast ein bisschen ausgenutzt, aber du kannst es heute ja wieder gut machen“
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    • April

      “Also tanzen muss drin sein! Ich bin auch nicht unbedingt gut, aber sich zu bewegen macht immer Spaß!” Außerdem war es irgendwie die Hauptsache, wenn man in einen Club ging, oder? Wenn man sich über laute Geräusche hinweg anschreien wollte, konnte man sich auch an einem Bahnhof treffen, oder auf einer Baustelle.
      April musste automatisch ein wenig lächeln, als May sich offenbar selbst korrigierte, auch, wenn sie das wahrscheinlich nicht gemusst hätte. Es konnte immer etwas irritierend sein, wenn jemand im Bekanntenkreis sich plötzlich outete, sie wusste auch so, was May meinte und ‘süß’ fand sie die beiden eigentlich eher weniger. Vielmehr…seltsam.
      “Ich wusste gar nicht, dass Cal überhaupt zu Gefühlen fähig ist. Ich dachte immer, er würde irgendwann genervt mit drei Katzen versterben, oder so.” Sie zuckte kurz mit den Schultern. Man konnte den Leuten halt nur vor den Kopf schauen. Obwohl sie sich zu seiner Beziehungssituation sowieso nie Fragen gestellt hatte - zum einen, weil ihr Verhältnis eigentlich weitaus weniger freundschaftlich war, als sie tat, zum anderen, weil sie eh auf Frauen stand und sein Privatleben ihr damit egal war. Anders, als bei May. Sie wusste nicht mal, ob Caleb überhaupt ein Katzen-Typ war. War May einer?
      “Vielleicht finden wir für dich ja auch noch ein Date heute abend.” April grinste gerade so, als ob sie sich dabei nicht selbst im Sinn hatte. Aber wer passte schon besser zu der hübschen Anwältin, als ihre hübsche Klientin? May musste das nur irgendwie auch noch verstehen. Hoffentlich würde sie sich damit nur nicht zu viel Zeit lassen. Außer der Klage gab es nichts, was April in London hielt und die schien sich ja bald erledigt zu haben. Also musste sie sich heute Abend wirklich Mühe geben, sonst war dieser Flirt verloren.
      “Du hast dir offensichtlich zu viel Mühe mit dem Outfit gegeben, um nicht angeflirtet zu werden.” Und Dank Aprils Absätzen war May gerade auch nicht so groß, wie sonst immer. Nette Abwechslung.


      Caleb

      “Ich dachte, du stehst auf Betteln.” Caleb raunte die Worte wieder direkt in Richards Ohr, bevor er ihm einen Kuss auf die Wange drückte und sich wieder gerade hinstellte. “Aber wenn dir das so schwer gefallen ist, sollte ich dich wohl besser nicht nochmal in Versuchung führen. Sorry.” Er lächelte möglichst unschuldig und ging einen Schritt zurück. “Ich bin dir eigentlich ziemlich dankbar, dass du mich rausgeworfen hast. Ruinier dir das nicht”, rief er ihm über den Lärm hinweg zu, während er nach seinem Bier griff und an Richard vorbei zu April sah, die ihn unfassbar irritiert zurück anstarrte. Vielleicht sollte er wirklich an seinem Image arbeiten, wenn es offenbar so viele Leute überraschte, dass er tatsächlich in einer Beziehung steckte. Steckte er in einer Beziehung? Welchen Beziehungsstatus hatte man, wenn man mit einem Typen auf dem dritten Date war? Wenn man vorher schon mit ihm geschlafen hatte? Das war wahrscheinlich keine Konversation für heute Nacht. Oder für generell irgendwann.
      Mit Blick auf April formte er ein stummes "Sitzen?" während er in die Richtung einer der Sitzgruppen am Rand der Tanzfläche nickte. Sie folgte seinem Blick kurz, bevor sie nickte. Vielleicht würde er sich nach dem ersten Bier auch trauen, zu tanzen, aber bis dahin wollte er sich zumindest ein bisschen an die sichere Seite retten. "Na komm", forderte er Richard auf und ließ sich kurz darauf in einen der Sessel sinken.
      "Was machst du so beruflich? Türsteher?", stürzte sich April sofort auf Richard, was...ein Kampf war, in den Caleb sich nicht unbedingt einmischen wollte. Er warf Richard ein kleines Lächeln zu, bevor er sich an May wandte, die immer noch ein wenig so aussah, als ob sie nicht ganz ins Bild passen würde. Zu förmlich. Etwas zu steif.
      "Du wirkst auch nicht so, als ob du oft feiern gehen würdest", startete er mit einem über die Jahre hinweg geübten neutralen Lächeln. "Wie läuft der Fall?" Am Ende war es besser, eine Konversation mit ihr anzufangen, als irgendwie in die mit April hineingezogen zu werden.
    • Richard

      Ah, toll. Er war dankbar. Richard wollte mit dem Kopf gegen die Wand laufen. Man hörte ja gerne, wie dankbar jemand war, nicht mit einem geschlafen zu haben. Manchmal fragte er sich, ob Caleb sich selbst zuhörte. Erst raunte er ihm verführerisch ins Ohr und dann sagte er so etwas. Noch dazu hatte er recht. Richard stand auf das Betteln. Alleine sich vorzustellen, wie Caleb darum bettelte, machte ihn an. Der Blonde musste sich mal entscheiden, ob er keusch sein oder Richard anturnen wollte.
      Er ließ sich mit zur nächsten Sitzecke ziehen, was ja ganz nett werden hätte können, mit Caleb auf seinem Schoß oder so, aber als er May und April erblickte war es mit seiner Laune wieder gelaufen. Hatte die Dunkelhaarige eigentlich irgendetwas davon mitbekommen, was Richard zu ihr gesagt hatte? Ugh, wenn sie jetzt den ganzen Abend zu vier aneinander kleben mussten…
      Natürlich musste die überdrehte graue Maus ihn gleich anlabern. „Genau. Türsteher“, antwortete er uninteressiert. Er musste sich nicht wirklich mit Calebs komischer Freundin anfreunden, oder? Obwohl er bei seiner Familie ja schon ziemlich unten durch war. Vielleicht musste er sich tatsächlich etwas bemühen. Caleb hing ja bekanntlich unheimlich an den Meinungen anderer Leute.
      Richard seufzte leise und versuchte weniger genervt auszusehen. „Ich arbeite als Held“, sagte er. „Aber Türsteher wäre wahrscheinlich entspannter“

      May

      Ein Date? Mit Dating hatte sie irgendwie abgeschlossen, nachdem alles immer so seltsam schief gelaufen war. Auch, wenn sie manchmal schon gerne… jemanden hätte. Sie kam zwar gut alleine zurecht, wusste sich immer zu beschäftigen und war nicht unglücklich aber ab und zu, wenn sie alleine zuhause war, wäre sie auch gerne mal nicht alleine. Aber vielleicht lag das auch einfach an der abartig großen, leeren Wohnung. Was fing man damit alleine schon an? Es würde sich immer ein bisschen einsam anfühlen. Aber ob Dating es wert war, wenn sie am Ende wieder nur an einen Kerl geriet, der eigentlich nebenbei schon eine Freundin hatte, oder einen, der so tat, als wären sie Teenager und brauchten keine Label für irgendetwas? Dafür hatte sie keine Energie. Aber sie wollte April die Freude auch nicht nehmen, die sie gerade hatte, als sie das ausgesprochen hatte, und außerdem wickelte May sie mit den Komplimenten langsam um den Finger. Und der Vodka half wahrscheinlich auch. Vielleicht war es sogar sinnvoll, April ein Date für sie festlegen zu lassen. Vielleicht angelte sie sich dann keinen Loser, so wie sonst.
      „Okay, aber du musst die Wahl für mich treffen, ich hab nämlich einen furchtbaren Männergeschmack“, lachte sie also zustimmend und folgte April zu der freien Sitzecke.
      Sie hatte nicht damit gerechnet, dass die beiden Männer sich noch zu ihnen setzen würden, so wie sie aneinander gehangen hatten, aber sie wollte trotzdem versuchen, April mehr Aufmerksamkeit zu schenken, um Richards Bitte irgendwie zu würdigen. Das funktionierte nur nicht, wenn Caleb sie anredete.
      May drehte sich zu dem Blonden herum. „Oh, ich bin eher ein Workaholic als eine Partymaus“, lächelte sie und trank einen kleinen Schluck. „Der Fall läuft dafür hervorragend, ich glaube wir haben es fast hinter uns. Das muss zwar immernoch die Richterin entscheiden, aber ich bin zuversichtlich, dass April bald wieder nachhause kann“ Stimmte ja, Caleb war derjenige, der May für ihre Arbeit bezahlte. Ihm musste viel an April liegen. „Und… woher kennst du Richard eigentlich?“, fragte sie neugierig. Die Frage, auf die sie ewig gewartet hatte. Wie zur Hölle hatten die beiden einander gefunden?
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    • Caleb

      Gut. Wenigstens musste er sich dann keine Gedanken mehr um April machen und konnte sie getrost ignorieren, bis sie sie wieder für irgendeinen kleinen Auftrag brauchen würden, was hoffentlich noch sehr, sehr lange dauern würde. Vielleicht hatte er dann sogar Glück und Niamh würde ihm die Aufgabe abnehmen, sie anrufen zu müssen. April schaffte es, einfache Ja/Nein Fragen zehn Minuten zu strecken und das waren zehn Minuten, die Caleb wirklich lieber mit irgendetwas anderem verbringen würde.
      "Wir hatten uns zufällig in einer Bar getroffen und es hat einfach gefunkt, fürchte ich", beantwortete er ihre Frage. Was wahrscheinlich genug Information war, oder? Er war sich nicht sicher, ob Richard es gutheißen würde, wenn er May erzählte, dass sie faktisch dabeigewesen war, immerhin hatte er keine Ahnung, ob er öfter mal einfach auf Verabredungen verschwand, oder ob er ihr irgendeine andere Ausrede erzählt hatte um zu begründen, warum er plötzlich gegangen war. Wahrscheinlich sollte er sich da sowieso erstmal zurückhalten, nachdem Steve und Thomas schon unfreiwillig von ihrer Beziehung erfahren hatte. Zwar war Richard an dem Punkt überraschend nachsichtig gewesen, aber er musste ja nichts provozieren.
      "Ich nehme an, dass April dich überredet hat zu kommen, wenn du eigentlich nicht so gerne feierst?", fragte er weiter. Wenn April an sich schon furchtbar nervig werden konnte, wollte er nicht wissen, wie schlimm sie war, wenn sie auf jemanden stand. Auch, wenn er die Beziehung zwischen den beiden nicht richtig einschätzen konnte. May wirkte im Vergleich überraschend normal. Anders, als April, die neben ihm im Staccato auf Richard einredete. Zum Glück.
      Nachdem Caleb beim letzten Date wirklich erschreckend schnell bereit gewesen war, seine eigenen Prinzipien über Bord zu werfen, wollte er Richard das dritte Date nicht ganz so einfach machen. Etwas kindisch vielleicht, zumal er - auch, wenn er das nicht zugeben würde - sowieso nicht damit rechnete, heute alleine nach Hause zu gehen. Aber bis dahin konnte er wenigstens etwas Spaß mit der Situation haben, oder?


      April

      Oh...okay? April blinzelte kurz, bevor sie aus dem Augenwinkel zu Caleb sah, der sie offenbar ignorierte. Das war...schräg. Entweder gehörte Richard zu den Helden, die auf der Gehaltsliste von Calebs Familie standen und erhoffte sich dadurch einen kleinen Bonus, oder er hatte keine Ahnung, in was der Blonde alles verstrickt war. So oder so - was war Calebs Ziel bei der ganzen Sache? War das wirklich eine Beziehung, oder irgendeine seltsame Taktik? Aber konnte Caleb wirklich so lange so ein überzeugendes Lächeln spielen? Gott, April war wirklich froh, dass sie sich nur um sich selbst kümmern musste.
      "Das ist zu einfach", beschloss sie, während sie ihre Beine übereinander schlug. Zum Glück war das alles nicht ihr Problem. "Groß, sportlich und attraktiv, das schreit doch geradezu nach Held. So bleibt man doch niemandem in Erinnerung!" Sie stützte einen Arm auf die Armlehne des Sessels in dem sie saß und sah Richard kurz nachdenklich entgegen. "Vielleicht solltest du über einen Karrierewechsel nachdenken. Bibliothekar, oder so. Wenn du das sagst, gibst du den Leuten die du triffst wahrscheinlich noch tagelang was zu denken." Obwohl die Wahl seiner Beziehung da wahrscheinlich auch gut mitarbeiten würde. Rein visuell hätte sie Richard und Caleb nie zueinander gesteckt. Sie waren praktisch das perfekte Gegenteil des jeweils anderen.
      "May hat das auch super gut hinbekommen. Sie ist eindeutig zu hübsch für eine Anwältin, also hab ich die nächsten Tage nach unserem ersten Treffen damit verbracht mich zu fragen, ob mich jemand verarschen will." Sie zuckte kurz mit den Schultern. Zugegeben, sie hatte May aus reiner Langeweile heraus vielleicht auch einfach etwas zu intensiv gegoogelt, aber...wirklich viel fand man über sie leider nicht.
    • Richard

      Richard lachte, als April erklärte, warum er kein Held sein sollte. Vielleicht war sie doch ganz in Ordnung. Zumindest, wenn sie mal kurz vom Gas gehen würde.
      „Ich hoffe, ich bleibe genau deshalb in Erinnerung“, widersprach Richard kurzerhand. Wenn Caleb ab und zu mal etwas ehrlicher und direkter mit den Komplimenten wäre, würde er Richard genauso schnell um den Finger wickeln können, aber er war ja lieber stur und leugnete alles. Er sollte sich mal eine Scheibe an seine Freundin hier abschneiden.
      Er wollte gerade scherzhaft sagen, dass April sich nicht an ihn ranmachen musste, weil er mit Caleb glücklich war, aber dann sprach sie über May. Und er schnallte binnen einer Sekunde, warum die Anwältin hier war. April stand auf sie. Nur hatte May das definitiv nicht durchblickt, weil sie nicht nur verklemmt sondern anscheinend auch taub und blind war. Das erinnerte Richard gerade ein wenig an Andrew und er warf der Anwältin einen irritierten Seitenblick zu, die in ein Gespräch mit Caleb verwickelt war, das anscheinend… mit Arbeit zu tun hatte. Wer hätte es vermutet.
      „Sie ist heiß“, stimmte Richard zu, weil er für seinen Teil zumindest nicht blind war. „Und hetero, soweit ich weiß, also viel Glück. Selbst, wenn sie es nicht ist, wird sie niemals schnallen, wenn du mit ihr flirtest“ So, das war das netteste, das er April hätte sagen können. Ein kleiner Hinweis der ihr vermutlich viel Arbeit sparen würde. Sie sollte es wahrscheinlich aufgeben, wenn sie nicht gewillt war, all-in zu gehen und May direkt zu sagen, was sie von ihr hielt.

      May

      Das war erstaunlich langweilig. Bei Richard hätte May eher eine Kennenlernstory à la ‚Er hat mich vorm Ertrinken gerettet‘ erwartet. Sie nickt mit einem kleinen Lächeln.
      „Tja, manchmal passiert das wohl“, sagte sie. Nur, dass es normalerweise langweiligen Menschen passierte, oder? So wie ihr selbst.
      „Sie musste mich nicht überreden, ich mag sie“, sagte sie dann schnell, als Caleb fragte, wieso May hier war. „Es gibt kein Gesetz, dass besagt, dass Anwälte nicht mit ihren Mandanten feiern gehen dürfen“ Sie zuckte leicht mit den Schultern. „Ich dachte mir, ich brauche sowieso mal ein bisschen Abwechslung und da hat sich das gut ergeben. Bis jetzt bereue ich nichts“ Sie lachte leicht. „Wie ist es bei dir? Musstest du überredet werden? Ich hatte auch nicht erwartet, dass Richard gerne in Clubs geht, aber man weiß wohl immer nur so viel über seine Kollegen“ Vielleicht musste Caleb ja von April überredet werden und er hatte Richard als Unterstützung mitgebracht, damit es nicht langweilig wurde. Das war trotzdem eine eigenartige Date-Idee. Ein Restaurant war doch viel klassischer und netter, wenn man es mit der Person ernst meinte, oder? Clubs hatten eher diese ‚Unverbindliches Rumknutschen‘ Stimmung an sich, soweit sie das beurteilen konnte, und das sprach auch irgendwie viel mehr für das, was sie bislang von Richard erwartet hätte. Hoffentlich meinte er es wirklich ernst und verarschte Caleb nicht nur, weil er Spaß haben wollte. Vielleicht war May durch ihre Ex-Beziehungen ein bisschen gebrandmarkt, aber sie hatte irgendwie fast das Verlangen, Caleb zu warnen. Aber man mischte sich in sowas nicht ohne grundlegende Beweise ein. Vielleicht musste sie auch einfach daran glauben, dass sie keine Ahnung hatte, wie Richard wirklich drauf war.
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    • Caleb

      "Richard macht das wohl gerne. Ich hatte April nachgegeben, bevor ich ihr direkt die nächste Klage wegen Belästigung zukommen lassen muss. Richard ist als Puffer dabei, aber ich glaube, das weiß er nicht." Caleb grinste leicht. Eigentlich stimmte das nicht ganz. Ja, April war verdammt nervig gewesen und ja, es war eindeutig angenehmer ihr nachzugeben, wenn er sich jederzeit an Richard hängen konnte, aber eigentlich hatte er das ganze ja nur so zum Scherz in den Raum geworfen und...in den letzten Tagen dann realisiert, dass es eigentlich auch einfach angenehm wäre, das dritte Date so schnell wie möglich hinter sich zu bringen. Wahrscheinlich sollte man eine Nacht mit zwei weiteren Freundin in einem Club strenggenommen nicht mal als 'Date' zählen lassen, aber Richard würde ihm wohl den Hals umdrehen, wenn er das anmerken würde. Manchmal war es dann vielleicht doch besser, den Mund zu halten.
      Außerdem hatte er das alles sowieso nur gewollt, um sich selbst zu überzeugen, dass es hier um mehr ging, als Sex und davon hatte Richard ihn beim letzten Date überzeugt, so bescheuert das auch klang. Eigentlich sollte es wahrscheinlich keine sonderlich große Meisterleistung sein, nicht mit jemanden zu schlafen, aber nachdem sie beide gut angetrunken waren und sowieso schon viel zu sehr über Sex geredet hatten, war es irgendwie seltsam fürsorglich gewesen, dass Richard ihn rausgeworfen hatte, bevor sie doch im Bett gelandet waren. Wahrscheinlich hatte Caleb einfach nur viel zu niedrige Ansprüche. Er wusste nur, dass seine schlimmste Angst bestätigt worden wäre, wenn er am nächsten Morgen in Richards Armen wachgeworden wäre. Heute fühlte sich das dadurch irgendwie lockerer an. Er würde heute definitiv austesten, wie weit er gehen musste, damit Richard ihn sofort nach Hause zerren würde, aber er hatte dabei keine Eile. Er war überraschend entspannt und irritierend positiv gestimmt. Irgendwie passte einfach alles.
      "April war ziemlich begeistert von dir. Was machst du, wenn sie dich nicht gerade in Clubs zerrt? Nur arbeiten?"


      April

      "Ich brauche kein Glück. Ich habe eine Taktik, einen Drei-Stufen-Plan und ein ungesundes Maß an Selbstbewusstsein, das mir sagt, dass das was wird. Okay, könnte auch einfach ein mentales Problem sein, wenn ich so drüber nachdenke. Ich hab das noch nie laut ausgesprochen." April blinzelte kurz. Vielleicht war sie im Hinblick auf May ein bisschen zu optimistisch und verblendet, aber am Ende ging es im Grunde um nichts. Es würde nicht weh tun, mit ihr zu flirten und eine Abfuhr zu kassieren. Mit May befreundet zu sein wäre genauso schön, wie sie zu daten, hauptsache, sie blockierte sie nicht sobald ihr Fall beendet war.
      "Und den Plan muss ich eventuell auch noch ein bisschen ausarbeiten", fuhr sie fort. "Stufe 1 ist 'Ich flirte mit ihr', Stufe 3 'Wir gehen auf ein Date'. Stufe 2 dazwischen fehlt noch, aber ich bin wirklich gut im Improvisieren. Ich finde schon raus, wie hetero sie ist." Hoffentlich nicht zu sehr. Sie wollte sich der Illusion zumindest noch ein kleines bisschen hingeben, bevor sie sich wieder der harschen Realität stellen musste. Und flirten machte Spaß, egal, ob die Person einem gegenüber es verstand, oder nicht.
      "Das Schlimmste, was passieren kann ist, dass sie 'Nein' sagt und davon geht die Welt nicht unter." Sie kannten sich ja nicht mal sonderlich lange. May war süß, heiß und wirklich nett, aber es würde andere Frauen geben. "Was war dein Trick bei Cal? Ich bin immer davon ausgegangen, dass er ewig single bleibt. Ich glaube, ich hab ihn noch nie mit irgendjemanden zusammen gesehen."
    • May

      „Achja?“, May lächelte leicht und versuchte damit ihre Skepsis zu überdecken, was wie immer so gut funktionieren musste, wie eine defekte Glühbirne. Caleb klang nicht so, als würde er das hier als Date wahrnehmen. Mays Schlussfolgerung war, dass Richard ernsthaft dachte, dass das hier ein guter Weg war, um romantisch zu sein, und Caleb das zum Glück noch nichtmal bemerkt hatte. Sobald er das tat, war es mit der Beziehung wahrscheinlich auch vorbei. Oder sie redete sich irgendetwas ein, aber… das war trotzdem etwas alarmierend. Sollte sie wirklich nicht versuchen, Calebs Augen zu öffnen? Aber in sowas mischte man sich nich ein! Ihr moralischer Kompass machte gerade wilde Umdrehungen.
      „Oh, wirklich?“, fragte sie überrascht, als Caleb April ansprach und die Fragen nach der Moral verschwanden spontan aus ihrem Kopf. Was April wohl erzählt hatte? May war vermutlich nicht der interessanteste Mensch auf dem Planeten. Sie war davon ausgegangen, dass April zu jedem so übertrieben nett und großzügig war und hatte nicht wirklich erwartet, dass die Dunkelhaarige sehr angetan von May als Person war.
      „Das… also… Ich mache wirklich nicht viel, außer arbeiten“ Sie zuckte leicht mit den Schultern. Die Frage nach Hobbies war immer eine peinliche. „Ich treffe manchmal meine Freunde, die weiter weg wohnen, übers Wochenende oder gehe nach Feierabend mit Kollegen was trinken, aber das war‘s“ Sie lächelte schwach. Das musste eine enttäuschende Antwort sein, wenn April ihrem Freund begeistert von ihr erzählt hatte. „Aber deshalb war ich froh über die Einladung, um mal… aus dem Alltag rauszukommen, nehme ich an. Und weil April einem gute Laune macht, finde ich“ May sah kurz zur Seite. April war seltsam vertieft in ein Gespräch mit Richard. Sie selbst hatte nie sonderlich viel Anschluss mit ihm gefunden, aber das sprach wohl wieder für April.
      Sie sah Caleb wieder an. „Sie ist immer so gut drauf, das ist eine schöne Abwechslung“, lächelte sie.

      Richard

      Richard nickte. Okay, die Zuversicht war beeindruckend. Oft war der Glaube daran, dass etwas klappen würde, eh alles, das man brauchte. Richard hatte auch keine andere Taktik bei Caleb.
      „Kein mentales Problem. Selbstbewusstsein reicht für Schritt eins bis drei oft schon aus“, stimmte er ihr zu und trank einen Schluck von seinem Bier. Bei solchen Angelegenheiten reichte es zumindest. „Mach weiter, vielleicht knackst du sie ja. Bei Caleb hat es funktioniert“ Richard grinste leicht. „Selbstbewusstsein. Du musst ihr direkt sagen, was du von ihr willst, und so überzeugend sein, dass sie garnicht ablehnen kann. Und Sex hilft. Wirklich, bei allem. Du musst nur mal an dem Punkt ankommen und da bringt dich das Selbstbewusstsein hin. Wie gesagt, das ist alles“
      Es war ein unglaublicher Ego Boost, zu hören, dass das vor ihm anscheinend kaum einer je geschafft hatte. Caleb hatte selbst erwähnt, wie wenig Erfahrung er mit allem hatte aber er verkaufte sich selbst definitiv weit unter seinem Wert. Richard fühlte sich fast ein bisschen Stolz. Er hatte Caleb irgendwie erobert. Oder nicht? Der Blonde hatte mittlerweile zwar zu viel Einfluss auf ihn, aber was zählte, war ja immernoch die erste Eroberung.
      „Es gibt kein besseres Gefühl, als das Wissen, dass man es geschafft hat“, sagte er mit einem abwesenden Lächeln auf den Lippen. Dann riss er sich wieder kurz zusammen. „Oh, und man sollte sich nicht zu gut fürs Betteln sein, das ist auch ein Game Changer“, gab er April noch als Tipp mit. „Wenn das mit dem Selbstbewusstsein zwischendurch nicht klappt, jedenfalls“
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    • April

      April konnte nicht anders, als enthusiastisch zu grinsen. Richard hatte absolut recht. Mit allem. Oder, naja, fast allem. Sex war auf Aprils Liste jetzt nicht ganz so weit oben, erstens, weil sie Sex meistens mit 'Oh fuck, ich habe keine Ahnung, wo ich heute Nacht schlafen soll, also gehe ich in den nächsten Club und lasse mich abschleppen' verband und das definitiv nicht das Feeling war, das sie bei May hatte und zweitens, weil sie nicht mal wusste, ob May überhaupt auf Frauen stand und sie nicht diese komische 'du hast einfach noch nicht die Richtige gefunden' Energie channeln wollte, mit der hetero-Männer immer versuchten, sie ins Bett zu bekommen. Alleine deshalb bevorzugte sie ihren Freundeskreis queer.
      "Ich glaube am Selbstbewusstsein wird es zumindest nicht scheitern", stimmte sie mit einem kleinen Nicken zu. Auch, wenn es ein bisschen seltsam war, dass das offenbar der Trick war, mit dem Richard Cal rumbekommen hatte. Irgendwie hatte April eher den Eindruck, dass der Blonde genervt wäre, wenn jemand zu selbstbewusst auftrat. Oder ohne Selbsbewusstsein. Oder...überhaupt, wenn man einfach nur existierte. Wann war Caleb eigentlich mal nicht genervt? Lag das vielleicht vollkommen an ihr? Obwohl sie sich das nicht vorstellen konnte. Sie war gut darin, sich mit anderen Menschen anzufreunden!
      "Ins Bett muss ich sie jetzt nicht unbedingt bekommen, aber ich schaue einfach, wo mich der Abend hinbringt." Mit diesen Worten stellte sie ihr leeres Glas auf den nächstbesten Couchtisch und stand auf, um sich zu May zu lehnen.


      Caleb

      "Nach so einem anstrengenden Job kann ich mir gut vorstellen, dass man nur noch seine Ruhe haben will", kommentierte Caleb mit einem kleinen Lächeln. Er selbst war ja auch nicht unbedingt jemand, der gerne raus ging. Eigentlich hatte Richard da mit seinem letzten Date irgendwie den Nagel auf den Kopf getroffen, auch, wenn das wahrscheinlich nicht seine Absicht gewesen war. Oder vielleicht schon? Ugh, seit letzter Woche konnte Caleb sich nicht mehr ganz sicher sein, was er denken sollte.
      "Da ist April ganz bestimmt eine gute Abwechslung. Die hat mehr Energie, als ein Atomkraftwerk." Und wahrscheinlich ähnlich verheerende Folgen, wenn man zu lange ihrer Strahlung ausgesetzt war. Aber wenn sie May schon weg von ihrer Arbeit und ihrem ruhigen Abend und in einen Club gebracht hatte, hatte Caleb plötzlich doch irgendwie das Gefühl, dass sie einigermaßen erfolgreich mit ihren Flirts sein könnte. Falls May bereit war, ihr ruhiges Leben vollkommen über den Haufen zu werfen, zumindest. Irgendwie erinnerte sie ihn fast schon ein wenig an Andrew. Diese vollkommen normale Art, so durchschnittlich, dass es fast ein bisschen langweilig war, auf angenehme Art und Weise. Und wenn Andrew es schaffte, Ezra auszuhalten, der ab und an zugegebenermaßen auch etwas drüber sein konnte, könnte April mit May eventuell auch Glück haben, nicht?
      Wie aufs Stichwort nutzte April diesen Moment, um sich zu May herüber zu lehnen. "Tanzt du mit mir?", fragte sie mit leuchtenden Augen, während sie May eine Hand entgegen hielt und sie praktisch mit sich zog, bevor Caleb überhaupt ihre Antwort hören konnte. Er sah ihnen kurz hinterher, bevor er sich zu Richard drehte.
      "Ich wette nen 10er, dass das zwischen den beiden nichts wird." May war zu nett, zu normal. Spätestens nach diesem Abend würde ihr wahrscheinlich auffallen, dass April zu viel für sie war und nach dem Fall Abstand zu ihr brauchen. Zumindest wenn sie wusste, was gut für sie war und Caleb schätzte sie durchaus intelligent genug dafür ein.
      "Nein, weißt du was? Ich bin mir so sicher, dass das nichts gibt, dass du einen Wunsch frei hast, wenn die beiden heute Abend zusammen nach Hause gehen sollten. Vorausgesetzt, du wettest mit, natürlich." Er lächelte leicht, während er Richard eine Hand entgegen streckte, um auf die Wette einzuschlagen.
    • Richard

      Tja, Anfängerin. Richards Meinung nach war Sex immernoch die beste Möglichkeit, um jemanden für sich zu gewinnen, selbst wenn es nur der erste Schritt war. Aber das lag vielleicht auch daran, dass er überdurchschnittlich gut im Bett war und das konnte nicht jeder von sich behaupten. April musste wohl einfach auf andere Skills zurückgreifen. Wahrscheinlich war das eh besser, wenn ihr Ziel May war. Die verbrachte ihre Zeit wahrscheinlich sowieso lieber damit, in langweiligen Büchern zu versinken.
      Er sah den beiden nach, als April ihrem Plan weiter nach ging und May quasi mit sich auf die Tanzfläche zwang. Es war schon ein wenig überraschend, was May alles mitmachte. Richard nahm einen Schluck von seinem Bier und hörte Caleb zu, der auf einmal mit einer Wette um die Ecke kam, und stellte das Bier wieder auf den Tisch vor sich, um sich zu nem Blonden zu drehen. Er schlug ein. Einfach, weil er diesen Wunsch wollte.
      „Deal. April hat was überzeugendes an sich und May lässt sich leicht überreden. Die Wette hab ich in der Tasche“ Er grinste. Gut, April hatte eben offenbart, dass ihr Ziel vermutlich nicht war, mit May nachhause zu gehen, aber sie mussten ja nicht miteinander schlafen, um zusammen den Club zu verlassen. Richard konzentrierte sich lieber darauf, was er sich wünschen könnte.
      „Ich hoffe, du machst dann keinen Rückzieher“, sagte er schmunzelnd und legte seine Hand auf Calebs Oberschenkel. „Dafür hast du auch einen Wunsch offen, falls May sich nicht darauf einlässt. Überleg‘s dir gut“, fügte er hinzu und lehnte sich zu Caleb, um ihm einen Kuss an den Nacken zu hauchen. Vielleicht war es das Gespräch mit April gewesen, dass ihn gerade daran erinnert hatte, dass er eigentlich gewonnen hatte, und er wollte es genießen. Keine schlechte Laune wegen Kleinigkeiten haben, sondern mal die Lorbeeren ernten. Schließlich hatte er Caleb beim ersten Mal schon um den Finger gewickelt, dann seine 2. Chance bekommen und die Dates waren bisher perfekt gelaufen, was er ausschließlich daran miss, dass Caleb glücklich gewirkt hatte. Gut, dann hatte er Richard eben dafür gedankt, nicht mit ihm geschlafen zu haben — wichtig war, dass er ihm gedankt hatte.
      Richard küsste erneut Calebs Nacken, bevor er seinen Kopf mit einer Hand zu sich drehte, und ihn auf den Mund küsste. „Hm, ich hab mich von den ganzen Ideen für meinen Wunsch hinreißen lassen“, sagte er mit einem Grinsen.

      May

      April hatte sie so spontan zur Tanzfläche gezogen, dass May garkeine Chance gehabt hätte, ihre Bitte abzulehnen, aber ehrlicherweise hatten ihre Augen so erwartungsvoll gefunkelt, dass May sich sowieso nicht getraut hätte. Und Tanzen war schließlich ein Muss, wenn man schonmal in einem Club war, oder? Sie hatte von Anfang an damit gerechnet. Auch, wenn sie ein bisschen nervös gemacht hatte. Sie war nicht wirklich ein Mensch, der sich sonderlich gerne in den Mittelpunkt stellte. Aber April war glücklicherweise mitreißend genug, dass May sich über ihre Bewegungen garnicht mehr den Kopf zerbrechen war.
      May hielt noch immer ihre Hand, weshalb sie einfach mal nach der zweiten griff, um aus den arrhythmischen, wackeligen Bewegungen auf ihren Absätzen gleich eine Doppelgefährdung zu machen, aber es ließ sie zumindest die Menschen rundherum ausblenden, Aprils Grinsen zu sehen. Ihre Bewegungen wurden spätestens beim zweiten Song viel ausgelassener. Als würde sie den ganzen steifen Arbeitsalltag aus ihrem Körper tanzen, und es war unmöglich, keinen Spaß dabei zu haben.
      „Danke, dass du mich eingeladen hast! Ich hatte lange nicht mehr so viel Spaß“, rief sie April entgegen, in der Hoffnung dass zumindest die Hälfte ihrer Worte über den Lärm getragen wurden, der inmitten des Raumes und direkt unter den Lautsprechern noch um ein zehnfaches schlimmer war.
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    • Caleb

      "Es zählt alles, was nicht illegal ist. Rückzieher gibt es nicht", spezifizierte Caleb, auch, wenn das offensichtlich gar nicht nötig war. Vielleicht hätte er sich mittlerweile auch denken können, in welche Richtung Richards Wunsch ging. Schade eigentlich - Caleb würde auch so mit ihm schlafen. Richard könnte seinen Wunsch weitaus kreativer nutzen. Aber das würde er ihm wohl besser nicht sagen. Eigentlich war es sowieso vollkommen irrelevant, er war sich ziemlich sicher, dass April ihm morgen frustriert darüber schreiben würde, dass sie bei May nicht weitergekommen war, als der Tanz.
      Wenigstens schienen sie dieses Problem nicht zu haben. Die Küsse taten gut, auch, wenn es sich ein wenig seltsam anfühlte, Richard in der Öffentlichkeit zu küssen. Irgendwie war das nie ihr Ding gewesen, oder? Nähe zwischen ihnen war immer auf das Schlafzimmer beschränkt gewesen. Oder die Dusche. Das hier fühlte sich irgendwie fast besser an. Sollte doch jeder wissen, dass Richard zu ihm gehörte!
      "Lass dich nicht zu sehr hinreißen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es mein Wunsch wird." Caleb erwiderte das Grinsen und lehnte sich ihm für einen weiteren Kuss entgegen. "Ich glaube, wenn ich gewinne, lasse ich dich einen Aufsatz über die Sache mit den Waschbären schreiben, einfach um zu gucken, wie gut du überhaupt aufgepasst hast. Jenachdem, wie sich der Abend noch entwickelt, vielleicht sogar in Gedichtform." Damit hätte er Richard zumindest für eine gute Weile beschäftigt und alleine die Vorstellung davon, ihn fanatisch nach Waschbären googelnd und reimend zu sehen, hob seine Stimmung schon gewaltig.
      "May erinnert mich ein bisschen an Andrew", merkte er schließlich an, während er zurück zu dem Punkt sah, an dem die beiden Frauen in der Masse der tanzenden Leute verschwunden waren. Es waren zu viele Personen auf der Tanzfläche, um die jetzt noch irgendwie ausfindig zu machen. "Dieses vollkommen Normale, fast schon etwas Spießige. Ich glaube April wird irgendwann doch zu viel für sie." Er nippte an seinem Bier, bevor er wieder zu Richard sah, der, naja, auf Andrew stand und May schon länger kannte. "Warum hast du sie nie gedatet? Oder hattet ihr mal was? Scheint doch irgendwie dein Typ gewesen zu sein." Irgendwie bereute er die Frage, sobald er sie ausgesprochen hatte. Im Gegensatz zu dem Gedicht über Waschbären machte ihn dieser Gedanke fast schon ein wenig...neidisch.


      April

      Es brauchte ein wenig, bis May aufgetaut war, aber April hatte fast das Gefühl, den Punkt festmachen zu können, an dem sie einfach losgelassen hatte. Sie hielt Mays Hände fest, während sie den engen Raum, den sie in der tanzenden Menge hatte, voll ausnutzte und sah ihrer Freundin dabei zu, wie sie langsam aus sich heraus kam. Ein wirklich phantastischer Anblick. May war wundervoll und sie glücklich zu sehen stellte irgendwie seltsame Sachen mit ihrem Magen an. Vielleicht wäre ihr eine Abfuhr doch nicht ganz so egal, wie sie bis gerade gedacht hatte.
      Sie lehnte sich May leicht entgegen, als diese zu Sprechen begann und trat einfach einen Schritt näher an sie heran, um zu antworten. Was für ein wundervoll einfacher Vorwand, um etwas enger mit ihr zu tanzen. Wie Richard eben schon gesagt hatte - Selbstbewusstsein war alles, was zählte. Wenn sie zu lange zögern würde, oder zu unsicher an May herantreten würde, würde sie das alles nur awkward für sie beide machen.
      "Immer wieder gerne", schrie sie über den Lärm hinweg, bevor sie eine Hand von Mays löste und sie einmal um sich selbst drehte, um sich die Hand am Ende wieder zu schnappen. "Ich dachte, du kannst nicht tanzen?" Sie grinste. Das sah doch überhaupt nicht schlecht aus! Sicher, sie würden beide keinen Tanzwettbewerb gewinnen, aber im Vergleich zu den Pärchen und Einzeltänzer*innen um sie herum mussten sie sich zumindest nicht verstecken. April nutzte die nächste Drehung, um May noch etwas enger an sich zu ziehen, womit das Limit für das, was sie sich traute, erstmal erreicht war, bis die nächste Runde Drinks die Grenzen etwas verschwimmen lassen würde.
      "Vielleicht solltest du öfters Feiern gehen. Tanzen steht dir." Sie grinste fröhlich, während sie wieder eine Hand löste, um kurz Mays Frisur zu richten. Fast ein wenig so, wie sie letztens ihren Kragen gerichtet hatte, was unfassbar süß gewesen war. "Vielleicht sollten wir nochmal feiern gehen, wenn die Anklage endlich offiziell fallen gelassen wird, oder so."
    • Richard

      "Du musst bei einem Deal mit einem Helden nicht wirklich spezifizieren, dass nichts Illegales erlaubt ist", grinste Richard. Obwohl es alleine schon illegal war, dass Richard Caleb nicht auslieferte. Aber da konnte er sich wenigstens noch dumm stellen und hatte Magia Lapides auf seiner Seite, die Caleb kurzzeitig angestellt hatten. Jedenfalls würde er seinen eigenen Wunsch definitiv für irgendetwas sexuelles nutzen, das sonst mehr Überredung brauchen würde. Er hatte irgendwie erwartet, dass Caleb wieder mehr jugendfreie Dates vorschlug, weshalb Richard das Gesicht kurzerhand einschlief, als er von dem Waschbären Aufsatz erzählte.
      "Dein Ernst? Vielleicht ist das der richtige Moment, um dir mitzuteilen, dass ich tatsächlich zuhöre, wenn du redest, auch wenn es unglaublich schmerzhaft ist und ich unnötiges Wissen über Waschbären sammle. Jetzt hoffe ich noch mehr, dass ich gewinne, einfach nur damit du deinen Wunsch nicht so extrem verschwenden kannst" Er grinste. Und es war eine Verschwendung, was Hatte Caleb denn davon, ihn einen Aufsatz schreiben zu lassen? Gut, ohne Wette würde er das wahrscheinlich nie machen, aber- Moment, war sein Wunsch wieder nur, Richard zu nerven?! Caleb könnte sich ruhig mal eine neue Lebensaufgabe suchen, jetzt, wo sie auf eine Beziehung zusteuerten. Oder in einer waren. Vollkommen irrelevant.
      Oder vielleicht doch nicht so irrelevant, wenn Caleb immer und immer und immer wieder auf Andrew zurückkam. Richard konnte nicht anders als sich seufzend zurückzulehnen. Woher kam das nur immer? War das seine Strafe für den einen Ausrutscher? Würde Caleb genauso reagieren, wenn er irgendeine seiner anderen Exbeziehungen kennen würde? War es völlig egal, wie gut es zwischen lief - Andrew würde immer auftauchen?
      "Sie sind sich absolut nicht ähnlich und nein, ich hatte nie etwas mit ihr", schnitt er das Thema ab. Okay, Richard hatte sich selbst ab und an ähnliches gedacht, aber das lag vor allem auch daran, dass er mit beiden arbeitete. Caleb reagierte wahrscheinlich einfach nur allergisch auf alles, das ihn auch nur minimal an Andrew erinnern könnte. Ein Hemd? Andrew. Eine Uhr? Andrew. Ein Stock im Arsch? Andrew.
      "Aber falls ich dich erinnern darf: Dein Bruder ist mindestens genauso überdreht und anstrengend und Andrew scheint ihn perfekt auszuhalten", fügte er hinzu. "Du musst jedenfalls damit aufhören. Mein 'Typ' ist nicht 'Spießer' und ich gehe sicher nicht weiter darauf ein. Komm damit klar, dass ich dich tatsächlich absolut freiwillig date und keine seltsamen versteckten Absichten habe" Und für das Gespräch hatten sie das Knutschen abgebrochen.

      May

      Bildete May es sich ein, oder tanzte sie langsam sehr eng mit April? Gut, es war wenig Platz hier… Und sie hatte immerschon einen etwas größeren personal space gehabt, als andere Leute, vor allem Frauen, die oft drauf standen, miteinander zu kuscheln. Das war ihr immer etwas unangenehm gewesen aus irgendeinem Grund. Es war ihr zwar nicht unangenehm, mit April zu tanzen, sodass es ihre Bewegungsfreiheit schon etwas einschränkte, aber es war ihr… bewusst. Nicht, dass es ihren Spaß dimmen würde. Es war witzig von dieser kleinen Maus um ihre eigene Achse gewirbelt zu werden. April scheute sich definitiv vor nichts und wahrscheinlich musste May sich das mal von ihr abschauen.
      "Kann ich auch nicht, das ist alles Improvisation", lachte sie und machte mit ihren wirren Bewegungen einfach unbeirrt weiter. So lange, bis April noch näher an sie heran rückte und mit ihrer Hand durch Mays Haare strich. Dann war sie nicht mehr so unbeirrt, sie stoppte beinahe, aber sie hatte sich im Griff. Ihre Gedanken rasten, als sie ihr Herz etwas lauter klopfen spürte, aber sie… doch, sie ließ es sich vermutlich anmerken, sie hatte kein Poker Face. May hatte das Gefühl, sich in eine kleine Panikwelle hineinzudenken. War sie doch klaustrophobisch? Zumindest kam es ihr hier gerade deutlich zu eng vor. Deutlich zu heiß, und viel zu stickig. Ihr Herz klopfte immer weiter gegen ihre Brust und löste ein unangenehm beklemmendes Gefühl aus. Das war gerade… zu viel.
      "Ich brauche einen Schluck Wasser", sagte sie kurzerhand eilig, ließ Aprils Hände los und drängte sich durch die tanzenden Leute, bis sie am Rand des Raums ankam und es ein kleines bisschen kühler wurde, auch wenn sie immernoch das Gefühl hatte, zu hyperventilieren. Sie konzentrierte sich auf ihren Atem, bis sie bei der Bar ankam und sich tatsächlich ein Glas Wasser bestellen konnte.

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