The Hero and the Thief [Nao & Stiftchen]

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • Wyatt

      "Natürlich wird es ein zweites Date geben", behauptete Wyatt mit all dem Selbstbewusstsein, das er eigentlich nicht hatte. Er hatte keine Ahnung, ob er das erste Date überstehen würde. Wahrscheinlich wäre er so nervös, dass er es sich irgendwie selbst ruinieren würde, aber er wollte positiv denken. Kaia war cool. Sie würde nichts dahermachen, wenn er irgendwas richtig dämliches sagte. Es würde schon funktionieren. Wenn er es schaffte, dass Jia eine Tasse Tee von ihm annahm, konnte er wahrscheinlich alles schaffen.
      "Und ein drittes und ein viertes. Und wenn wir es so weit schaffen, lasse ich dich sogar eine Rede auf unserer Hochzeit halten. Mit Scheinwerfer, Mikrofon und Konfetti", scherzte er mit breitem Grinsen, während er nach den Keksen griff. Gut, ganz so weit dachte er tatsächlich noch nicht. Kaia war wundervoll, aber sie waren Teenager und realistisch betrachtet würde das alles wahrscheinlich nicht zu lange halten, auch wenn das nicht bedeutete, dass er es nicht unglaublich ernst nahm, aber er konnte Jia ja trotzdem noch ein kleines bisschen damit nerven, oder?


      Milo

      Milo musste erneut lachen, als Aaron sich über die zerstörten Phantasien beschwerte. Irgendwie war es süß. Alles an Aaron war süß. Wahrscheinlich wären sie damals sogar in der selben Freundesgruppe unterwegs gewesen, wenn sie zur selben Schule gegangen wären. Durch Teamsport lernte man zumindest mehr als genug Leute kennen, die jemanden kannten, der jemanden kannte. Zwischendurch war das ziemlich irritierend gewesen.
      "Wenn ich mir anhöre, was du so alles gemacht hast, sind meine Beine im Vergleich wahrscheinlich gar nicht mehr so eindrucksvoll." Milo lächelte leicht, während er seine Hand Aarons Rippen hochwandern ließ. Zumindest schien Aarons kleine Sport-Rundreise irgendwie sämtliche Muskeln anzusprechen, die der menschliche Körper zu bieten hatte. Irgendwie hatte er ihm das bei seiner sonst eher niedlich-fluffigen Art und Ästhetik gar nicht zugetraut. War es schräg, dass er ihn jetzt irgendwie ohne Kleidung sehen wollte, aber nicht im sexuellen Sinne? Einfach nur um dieses komische Bild von Muskeln und Flausch-Pullovern zusammen zu bringen? Obwohl er nichts dagegen hätte, wenn sie danach im Bett landen würden, auch wenn das furchtbar früh in ihrer Beziehung wäre. Zum Glück saßen zwei gute Gründe, Aaron nicht offensichtlich anzuflirten auf der Terasse.
      "Stürze sind im Fußball eine Kunstform", antwortete er auf Aarons Frage, froh, sich auf etwas anderes konzentrieren zu können. "Zum einen muss man so fallen, dass man sich nicht ernsthaft verletzt, zum anderen muss man es trotzdem so aussehen lassen, als ob man gerade nur knapp dem Tod entkommen wäre, damit der Schiri einem eher einen Elfmeter oder sowas gewährt. Fußball ist immer auch ein bisschen Theater." Er grinste, während er Aaron wieder an sich zog und beide Arme um ihn legte. "Aber vielleicht fange ich doch wieder damit an, wenn ich weiß, dass du mit einem Erste Hilfe Koffer am Rand stehst. Du musst nur damit leben, dass ich deine Medizinkünste judgen werde."
    • Jia

      Jia konnte nicht anders, als Wyatt ungläubig anzustarren. Was war denn in ihn gefahren? Drittes, viertes Date und Hochzeit? War er echt in Kaia verknallt? Das klang jedenfalls danach. Jia wusste, dass das keine Notwendigkeit war, um schnell mal jemanden zu küssen und der Person Hoffnungen zu machen. Zumindest hatte Kaia von ihren Freundinnen erzählt, denen solche Sachen passiert waren. Und sie hätte alles darauf verwettet, dass Wyatt nur langweilig war und er Jia nerven wollte und ihm das alles völlig egal war, aber… Das machte ihn fast ein bisschen mögenswerter.
      „Sorry, ich wusste nicht, dass du so verknallt bist, dass du eure Hochzeit planst“, murmelte Jia um ihn zu nerven. „Denkst du, Kaia freut sich darüber oder findet es gruselig, wenn ich ihr davon erzähle? Weißt du schon, welche Farbe die Servietten haben sollen?“ Sie griff nach einem Keks.

      Aaron

      Mutig. Die Hand, die sich gerade unter Aarons Pullover schummelte war mutig. Er war sich ziemlich sicher, dass Milo und er auf einer Wellenlänge waren, was Sex anging, und dass es Dinge gab, mit denen man den richtigen Zeitpunkt und die richtige Umgebung abwarten sollte, aber Aaron war sich nicht sicher, ob sie auch gleich stark gegen sich selbst ankämpften, weil das schon wieder sehr, naja, mutig war. Auch wenn sie sich noch in der Phase befanden, in der es irgendwie lustig war. Spielerisch vielleicht. Und wenn sie schon von Fantasien sprachen, die kurbelte es auch an. Aber irgendwann würden sie an dem Punkt ankommen, an dem es kein Spiel mehr war.
      Aaron fuhr über dem Stoff seines eigenen Pullovers über Milos Hand, die darunter wanderte. „Super, dann können wir uns gegenseitig unterhalten. Ich guck mir deinen theatralischen Fall an und küsse die Wunden heil und wenn du einen Haken an der Zimmerdecke montierst, kann ich dir auch was vorspielen“, sagte er amüsiert. Die ganze Sache mit den Stangen, Reifen und Tüchern war unumgänglich ebenso Theater. Oder vielleicht eher Zirkus? Es machte Aaron unheimlich viel Spaß, aber eben vor allem auch, weil es nett aussah. Man fühlte sich gut dabei. Und es war schön, wenn man andere mit etwas beeindrucken konnte, während man selbst auch einen guten Energieausgleich hatte. Körperlich fit zu sein war sowieso ein Anker, den er in seinem Job brauchte, weil er die Psyche auch ein wenig mitnehmen konnte. Auch wenn es wahrscheinlich reichen würde, ab und zu laufen zu gehen, aber Aaron hatte viel Energie, die normalerweise nirgendwo hin konnte, wenn er nicht gerade neben der Arbeit studierte und sich geistig so auslaugte, dass er tatsächlich deutlich weniger Energie hatte. Warum war lernen eigentlich so viel anstrengender als Sport? Er hatte es jedensfalls immer viel anstrengender gefunden. Hoffentlich fand Milo ihn nicht plötzlich nervig, wenn er wieder mehr Zeit und Energie hatte.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • Wyatt

      "Wenn man nicht langfristig denkt, kann man es auch gleich sein lassen." Wyatt grinste Jia über seinen Tee hinweg an. Wenigstens sah sie nicht mehr depressiv aus. Das war gut, oder? Ihm war es lieber, dass sie Kaia erzählte, dass er über ihre zukünftige Hochzeit gescherzt hatte, als dass sie ihr sagte, wie furchtbar er war. Ziel erreicht. Und vielleicht war es auch gar nicht so anstrengend mit Jia zu reden, wenn sie halbwegs gute Laune hatte. Sie war immer noch furchtbar und es würde garantiert keine Freundschaft zwischen ihnen entstehen, aber vielleicht war das mit dem Netter-sein doch gar kein so großes Problem, wie er gedacht hatte, solange sie bestimmte Themen mieden.
      "Die Servietten werden natürlich schwarz. Damit es dramatisch aussiehst, wenn du gerührt anfängst zu heulen."


      Milo

      "Das klingt nach einem wirklich guten Deal. Ist das der richtige Zeitpunkt um dir zu sagen, dass ich handwerklich unbegabt bin und der Haken in der Zimmerdecke nicht lange halten würde?" Milo warf Aaron einen kleinen, gespielt fragenden Blick zu. "Aber ich kann dir wenigstens tatsächlich Erste Hilfe anbieten, wenn er dann irgendwann mitten in einer Performance runterfällt." Er zwinkerte ihm kurz zu, bevor er Aaron küsste und sein Blick beinahe automatisch zu der Küchentür wanderte.
      Jia und Wy waren jetzt schon echt lange auf der Terasse. Dadurch, dass keiner von beiden wieder reingekommen war und er noch keinen Todesschrei gehört hatte, ging er davon aus, dass sie sich irgendwie wieder beruhigt hatten. Trotzdem machte ihn das alles irgendwie ein bisschen nervös, vor allem, weil Jia und Aaron einander nah standen und er immer noch nicht verstand, was Wy an den beiden auszusetzen hatte. Gut, was Wy an Aaron störte hatte er ihm ziemlich klar gesagt, aber Jia? Jia schien ihm recht unproblematisch zu sein.
      Er konnte ein wenig aufatmen, als die beiden eine kleine Weile später zusammen zurück in die Küche kamen, um zwei Tassen Tee in die Spüle zu stellen und eine leere Kekspackung wegzuwerfen. Sie sahen nicht unbedingt wie die dicksten Freunde aus, aber wenigstens schien keiner von ihnen zu heulen, was...das Minimum war. Deutlich schlimmer war, dass ihm langsam die Ausreden ausgingen, Aaron hier zu halten, weshalb der Blonde wenig später mit Jia im Schlepptau aufbrach.
      Drei Monate. Nur drei Monate durchhalten, dann hätten sie endlich mehr Zeit füreinander. Das war es, woran Milo sich festklammerte, als er die Tür hinter den beiden schloss und sich zu Wyatt drehte, der nochmal einen verstohlenen Blick auf die kleine Geschenketüte von Aaron warf, die immer noch im Flur stand. Lego und Star Wars war die absolut richtige Kombination gewesen, offensichtlich, auch, wenn Wy wirklich versuchte so zu tun, als ob es ihn nicht interessieren würde.
      "Hattest du Spaß?" Milo lächelte leicht, als Wyatt ein wenig ertappt zusammenzuckte und den Blick von der Tüte hob.
      "Es war ganz cool", stimmte er zu. "Alle sind gekommen, keiner ist verhungert, wir haben ein paar Spiele gespielt..." Er zuckte kurz mit den Schultern. "Und du?"
      "Ich bin auch ziemlich froh, dass niemand verhungert ist", stimmte Milo zu, während er an Wyatt vorbei ins Wohnzimmer ging.
      "Du weißt, dass ich das nicht meine." Er konnte das Schmollen in Wyatts Stimme raushören.
      "Es war wirklich schön. Aaron ist toll und ich bin mir sicher, dass du ihn auch mögen würdest, wenn du ihm eine Chance geben würdest."
      "Sicher", antwortete Wyatt flach mit einem furchtbar unbeeindruckten Gesichtsausdruck.
      Milo seufzte leicht. Wenigstens hatte er für dieses Problem wohl auch noch drei Monate Zeit.
    • Richard

      Seit dem letzten Date war über eine Woche vergangen. Oder eben seit dem ersten Date, wenn Caleb da wirklich so einen Unterschied machen wollte. Richard hatte sich seitdem ab und zu per Text bei ihm gemeldet, so wie sie es vor dem ganzen Drama auch gehandhabt hatten, und sie hatten telefonisch bestimmt, wann ihr zweites Date sein würde. Für mehr war kaum Zeit gewesen, denn sie hatten schließlich auch beide einen Job. Was aber den Großteil von Richards Woche ausgemacht hatte, war, sich ein gutes zweites Date zu überlegen, nachdem Caleb ihm den Ball zugeworfen hatte. Er kostete das definitiv aus. Entschieden hatte er sich dann für ein Abendessen bei sich zuhause, das er selbst kochen würde. Der Grund war simpel… Erstens ging Liebe durch den Magen, oder so. Richard stand vielleicht nicht hundertprozentig hinter dem Motto, aber es konnte nicht schaden, der Reihe nach sein Skillset vor Caleb zu präsentieren. Zweitens hatte er zuhause mehr Freiheit. Stimmungslicht, Kerzen, Musik. Das war alles ziemlich kitschig, in Moderation konnte es den Abend aber auch sexy machen. So sexy, dass Caleb nicht einfiel, aus drei sexlosen Dates fünf oder zehn zu machen. Richard hatte nicht vor, seine komischen Regeln zu brechen, aber man durfte sie ja vielleicht noch etwas biegen. Außerdem hatte er eine Flasche Wein im Vorrat, die sie bestenfalls am Sofa trinken würden und dann war vielleicht ein bisschen ungezwungenes Betatschen drin. Nur um das vierte Date anzuteasern eben. Und Richard konnte nicht leugnen, dass diese komischen Date-Regeln ihn dazu brachten, sich etwas mehr Mühe zu geben und auch etwas mehr darüber zu freuen, Caleb zu sehen. Wahrscheinlich hatte er ja genau das erreichen wollen und Richard ließ sich gerade trainieren oder so. Aber daran wollte er garnicht zu sehr denken.
      Viel mehr Aufmerksamkeit verdiente die Frage, ob er zwei oder drei Hemdknöpfe öffnen sollte und wo die Schwelle zwischen ‚heiß‘ und ‚zu viel‘ war. Ja, er trug ein Hemd, obwohl er nicht arbeitete. Genau das machte ihm langsam ein wenig Sorgen. Aber für die… Gesamtstimmung war es eben irgendwie notwendig. Im besten Fall fand Caleb das Ganze beeindruckend und anziehend und im schlimmsten Fall erinnerte es an ein billiges Porno-Set. Was konnte schon schief gehen? Er war zumindest froh, am Heimweg gestern nicht bei dem Blumenladen stehen geblieben zu sein, der ihm ins Auge gefallen war. Das wäre dann wirklich zu viel.
      Wichtig war, dass die Pasta-Sauce vorbereitet im Kühlschrank stand, die Nudeln gekocht, die Wohnung durchgelüftet und das Baguette für die Bruschetta im Ofen fast fertig war. Big Lights waren aus, Lampen waren an, zwei verlorene Kerzen standen am kleinen Esstisch im Wohnzimmer und die Jalousien waren offen, damit der Blick auf die Stadt nochmal demonstrierte, dass Richard ganz gut verdiente. In dem Bild fehlte eigentlich nurnoch Caleb ohne Klamotten, aber er würde wahrscheinlich mit Klamotten auftauchen.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • Caleb

      Ständig zwischen Dublin und London hin- und hergerissen zu sein, hatte seine Nachteile. Caleb mochte seine Londoner Wohnung. Sie war groß, hatte eine gute Lage und bisher hatte er hier immer deutlich mehr Ruhe gehabt als in Dublin. London war für ihn immer schon eine Art Rückzugsort gewesen, wenn er selbst Abstand von seiner Familie gebraucht hatte, aber der Hauptteil seines Lebens war trotzdem immer Dublin gewesen. Seine Wohnung dort war etwas abgelegener, etwas vollgestellter mit seinen Hobbys und Besitztümern und dank eines Reinigungsdienstes etwas ordentlicher als die in London. Meistens störte ihn der Unterschied nicht. Warum auch? Beide Wohnungen waren er - Dublin war die aufpolierte Version seiner selbst, die er seinen Eltern präsentieren konnte, um zu versichern, dass er sein Leben im Griff hatte, während er in London einfach existieren konnte und genau das Gegenteil bewies. Blöd wurde es nur, wenn er vor seinem Kleiderschrank stand und feststellte, dass er sämtliche Kleidung, die irgendwie zu einem Date passte, in Dublin gelassen hatte.
      Caleb stieß ein genervtes Seufzen aus, als er den nächsten Pullover auf den stetig wachsenden Berg an Kleidung auf seinem Bett warf und nach einem Hemd griff. Beim letzten Mal hatte Richard ihm gesagt, dass ihm Rot gut stand, aber deshalb nur noch Rot zu tragen, war fast ein bisschen armselig, oder? Er presste die Lippen aufeinander, während er das nächste Hemd auf den Stapel warf. Vielleicht war die ganze Idee mit den Dates doch vollkommen blödsinnig gewesen. Wenn er jetzt nur zu Richard fahren würde, um mit ihm zu schlafen, hätte er wenigstens nicht überlegen müssen, was er anzog.
      Am Ende entschied er sich für ein dunkelviolettes Hemd, das ihn nicht ganz so kränklich blass aussehen ließ, wie der Rest. Gepaart mit einer Jeans und Sneakern sah das ganze auch nicht so furchtbar steif aus. Es war immerhin nur ein Date und keine Abendveranstaltung, nicht? Er zog sich seinen schwarzen Parker über und griff im Vorbeigehen nach der Weinflasche, die er für heute rausgesucht hatte, weil es ihm irgendwie zu seltsam vorgekommen war, ohne irgendwas aufzutauchen, während Richard sich um alles andere kümmerte.
      Seine Nervosität setzte ein, als er ins Auto stieg. Caleb wischte seine Hände an seiner Jeans ab, bevor er den Motor startete. EIgentlich war das genau das, was er sich gewünscht hatte - normale Dates, mehr Zeit mit Richard verbringen, ohne, dass es dabei nur um Sex ging - und trotzdem… Das erste Date hatte überraschend gut funktioniert, aber was, wenn Richard doch auffallen würde, dass Caleb zu langweilig war? Zu anstrengend? Zu vorbelastet? Caleb wusste, dass der Knall irgendwann kommen würde, aber nicht wann und wenn er zu lange darüber nachdachte, wurde ihm übel. Er drehte die Musik auf, um seine eigenen Gedanken irgendwie zu übertönen und fuhr los.

      Die Fahrt war zeitgleich zu lang und zu kurz. Zu lang, weil er sich zu viele Gedanken machte, zu kurz, weil er diesen Gedanken irgendwie gerne länger nachgegangen wäre. Als er die Klingel zu Richards Wohnung drückte, klopfte sein Herz wie wild aus einer unschönen Mischung aus Nervosität, Vorfreude und Panik. Alles war gut. Er würde das irgendwie überleben. Immerhin freute er sich aufrichtig darüber, Richard zu sehen. Jeder kleine Text in den letzten Tagen hatte ein kleines Lächeln auf seine Lippen gezaubert. Es würde schon alles schief gehen.
    • Richard

      Es war fast abartig, dass er in der Sekunde in der die Klingel läutete, einen kleinen Schreck bekam. Was stimmte eigentlich nicht mit ihm? Er schob das Backrohr wieder zu, um dem Baguette noch fünf Minuten zu geben und ging zur Tür. Als er sie öffnete, sah Caleb etwas blass aus, aber das war irgendwie die Normalität. Viel wichtiger war, dass er schick aussah. Hemd, Mantel, Weinflasche. Süß, irgendwie.
      Richard lächelte etwas und trat zur Seite. „Komm rein. Ich bin fast enttäuscht, dass du nicht nur einen Mantel ohne Kleidung darunter trägst, aber du siehst trotzdem gut aus“, kommentierte er. „Ich hoffe, du hast Hunger. Ich bin gerade noch dabei, die Vorspeise zu machen, also beschäftige dich für fünf oder zehn Minuten selbst, ja?“ Er nahm Caleb den Mantel ab und hing ihn auf einen Haken neben der Tür und nahm die Flasche Wein an, die… zugegebenermaßen etwas besser war, als was er selbst zuhause hatte. Dann ging er wieder in die Küche, um sich um seine Brötchen zu kümmern. Das Baguette war langsam fertig zum Aufschneiden, also tat er das, ließ es etwas kühlen und stellte in der Zwischenzeit einen Krug Wasser und Gläser auf den Esstisch, dann wurde das Baguette mit den Tomaten angehäuft und landete auf einem Tablett ebenfalls im Wohnzimmer.
      Es war alles gedeckt, die Pasta würde später noch in einem Topf warm werden und dann verstand Caleb hoffentlich, dass kochen genauso gut sein konnte, wie in einem Restaurant zu bestellen, und tausend Mal besser war, als Lieferservice zu bestellen, der halb ausgekühltes Essen in Plastikboxen servierte.
      „Falls du irgendwelche Lebensmittel Allergien hattest, ist es jetzt übrigens zu spät. Zu viel Aufwand, also iss und stirb“, lächelte er Caleb an während er sich setzte und auf den Stuhl an der Ecke neben sich deutete.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • Caleb

      “Gib mir keine Ideen.” Caleb bemühte sich, ein kleines Lächeln zu unterdrücken. Es gab durchaus Dinge, die er sich mit etwas Zeit vielleicht irgendwann mal trauen würde, aber mit einem Mantel, ohne anderer Kleidung an Richards Tür aufzutauchen gehörte definitiv nicht dazu.
      Er gab Jacke und Wein ab und ging ein paar Schritte tiefer in die Wohnung hinein, als Richard anmerkte, dass er sich noch ein paar Minuten selbst beschäftigen musste. Irgendwie war es schräg, einfach nichts zu tun. Er war eigentlich nie bei anderen Leuten zuhause, abgesehen von seiner Familie und bei der wurde er meistens direkt irgendwie eingespannt, selbst wenn es nur darum ging, sich um Sean und Emmett zu kümmern, damit Niamh den Tisch zuende decken konnte.
      Richards Wohnung war kühl. Nicht temperaturtechnisch, sondern stilistisch. Die letzten Male, als Caleb hier gewesen war, hatte er nicht unbedingt Zeit gehabt, sich richtig umzuschauen, aber jetzt fielen ihm all die Ecken auf, in denen er in seiner eigenen Wohnung definitiv irgendetwas stehen gehabt hätte. Obwohl alles andere irgendwie auch nicht zu Richard gepasst hätte. Wenigstens glichen der Ausblick und die gedimmten Lichter das ein wenig aus. Caleb belächelte gerade die zwei Kerzen, die etwas verloren auf dem Tisch standen und trotzdem irgendwie ein richtiges Date-Gefühl vermittelten, als Richard zurückkam und ihn aufforderte, sich zu setzen.
      “Du hast dir wirklich Mühe gegeben, mhm?”, kommentierte er lächelnd, während er sich dazu hinreißen ließ, Richard einen Kuss auf die Wange zu hauchen, bevor er sich setzte. Es war süß. Fast schon ein bisschen kitschig.
      “Keine Allergien”, bestätigte er. Sonst hätte er das wahrscheinlich auch angemerkt, als Richard vorgeschlagen hatte zu kochen. “Aber ich bin irgendwie davon ausgegangen, dass du etwas länger damit warten würdest, mich umbringen zu wollen. Du stehst ja nicht mal in meinem Testament. Aktuell hättest du nichts davon, außer etwas Ruhe.”
    • Richard

      Wenn Richard gewusst hätte, dass Caleb Ideen annahm, hätte er mit der Mantel-Sache schon letzte Woche rausgerückt. Aber dann musste er sich nachher bestimmt Calebs Selbsthass geben, weil er sich nicht an seine eigenen Regeln hielt. Aber so war es auf Zeit ja auch ganz okay, nicht? Zumindest schien der Blonde mit der Situation ganz zufrieden. Richard wunderte es fast, dass er bei der Sache nicht deutlich skeptischer war. Das zweite Date bei ihm zuhause? Sie wussten beide, dass sie es bisher noch nie geschafft hatten, zu zweit in der Nähe eines Bettes zu sein ohne dass es zur Sache ging.
      „Das klingt, als hättest du Take-Out erwartet“, erwiderte Richard und griff nach einem der Brötchen. Den Kuss auf die Wange nahm er mal ans Teil-Sieg hin. Der Aufwand schien zumindest gut anzukommen.
      „Und, ja, natürlich spiele ich das lange Spiel. Was ist schon ein bisschen selbstgekochtes Essen gegen das Erbe von jemandem mit Mafia-Eltern“, grinste er. Der Vergleich war wahrscheinlich nichtmal so weit hergeholt. „Ich glaube, solange du nicht glutenintolerant bist, kann ich dich heute sowieso nicht vergiften“
      Richard hatte eine Weile überlegt, was er kochen könnte, dass eine gute Erfolgsrate hatte, vielen schmeckte und gleichzeitig nicht zu anstrengend zu kochen war ohne langweilig zu sein. Pasta al Limone war es dann geworden, einfach, weil man das sonst selten im Restaurant im bekam und er es schon ziemlich oft gekocht hatte, dank der wenigen Zutaten. Und schön anrichten konnte man es auch. Und aus offensichtlichen Gründen konnte man auch auf Zwiebeln und Knoblauch verzichten, was… einfach nur ein netter Zusatz war. Nur zur Sicherheit. Auch wenn Richard sich an die Regeln halten wollte.
      „Wie war deine Woche? Erdrückend? Grauenvoll? Ich persönlich überlege jetzt schon, wohin mein Sommer-Urlaub gehen soll“, fragte er. „Wie fändest du Sizilien? Dann kannst du mein Essen vergleichen“ Vorausgesetzt sie machten den Urlaub zusammen aber Richard sah nichts, das dagegen sprechen würde. Sie wollten sicher beide ab und zu mal weg und vielleicht würde es ihnen auch im Beziehungskontext gut tun so weit weg wie möglich von gewissen Menschen zu sein, die gerne Konflikte schafften. Und, naja, nachdem er sich wirklich auf diesen Probe-Zeitraum einließ, den Caleb für sie erschaffen hatte, sollte es keine Hindernisse mehr geben, sowas zusammen zu machen. Aber wenn Caleb dann eine ‚kein Sex im Urlaub‘ Regel aufstellte, war es vorbei. Irgendwo gab es Grenzen.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • Caleb

      Eigentlich hatte Caleb keine Ahnung, was genau er erwartet hatte. Richard hatte schon erwähnt, dass er kochen konnte - mehrfach, wenn er sich nicht irrte - und das Date an sich war definitiv nervenaufreibend genug gewesen, um sich nicht noch den Kopf darüber zu zerbrechen, was genau Richard kochen würde. Obwohl er das Ambiente nicht erwartet hatte, aber er wusste nicht ganz, ob das besser, oder schlechter war. Wollte Richard ihm demonstrieren, wie viel Mühe er sich geben konnte, etwas halbwegs romantisches zu organisieren, oder tat er das nur in der Hoffnung, ihn so möglichst schnell ins Bett zu bekommen?
      "Meine Woche war überraschend ruhig, eigentlich." Was vor Allem daran gelegen hatte, dass er sämtliche Anrufe ignoriert und es vor sich hergeschoben hatte Ezra und Andrew zu beichten, dass er Richard noch eine Chance gegeben hatte. Er hatte das Date hier erst abwarten wollen, bevor er Ezra anrief. Zumindest redete er sich das ein. Es nochmal irgendwie geheim halten zu wollen war auf jeden Fall der falsche Weg, auch, wenn es in dieser Hinsicht irgendwie kein 'richtig' gab. Caleb griff nach einem Brötchen.
      "Sizilien?", echote er ein wenig überrascht. Es war seltsam schön, dass Richard ihn offenbar so selbstverständlich in seinen Urlaub einplante, auch wenn es ja irgendwie ihr Ding war, Urlaube zu planen und dann nicht durchzuziehen. Alles rein hypothetisch, eben. Es war trotzdem irgendwie beruhigend, dass Richard davon ausging, dass ihre Beziehung lange genug halten würde, um tatsächlich je einen Urlaub zu erleben.
      "Das stand bisher noch nicht auf meiner Liste. Aber ich meine gehört zu haben, dass es wirklich schön sein soll. Warmes Wetter, Strände, haufenweise Ruinen." Er lächelte leicht. Gerade das Wetter könnte er gerade wirklich gut brauchen. Er sehnte sich jetzt schon viel zu sehr nach der Sommersonne, die wenigstens die Winterdepressionen ablösen würde. "Ich glaube, da kann man auch gut segeln, wenn das was für dich ist. Ich wäre dabei. Allerdings vor der Testamentsänderung. Ertrinken wäre jetzt nicht so mein Ding, da hoffe ich eher auf das Vergiften."
    • Richard

      "Ja, wieso nicht?", meinte er und biss in sein Brötchen. "Ich weiß du stehst mehr auf kühle Regionen, aber den Sommer sollte man auch mal ausnutzen, wenn er da ist" Er zuckte mit den Schultern. "Hab ich nicht letztens erst versucht dir die Sache mit den Badehosen, Stränden und Hotelbetten schmackhaft zu machen? Glaub nicht, das war nicht ernst gemeint" Er zwinkerte Caleb zu. Der Plan war ihm sehr ernst. Er brauchte Urlaub, Sonne und Zeit mit Caleb alleine weit, weit weg von der Hölle hier. Richard war sich ziemlich sicher, dass sie Spaß hätten. Sie konnten Abends die ganzen Cocktail Bars am Strand abklappern, untertags in der Sonne schlafen und sich im Meer abkühlen, gutes Essen genießen und er würde alles daran setzen, dass das Hotel ein Ort war, an dem man sich auch gerne aufhielt. Schlimmstenfalls würde er Steve wieder auf seinen persönlichen Urlaub ansetzen, aber der Kerl machte einfach immer gute Reservierungen.
      Er lachte leicht. "Sprichst du aus Erfahrung? Bringt man Leute oft auf Segelschiffen um? Scheint mir jedenfalls ganz praktisch zu sein, man kann es sicher als Unfall durchgehen lassen. Auf einem Segelschiff war ich jedenfalls noch nie, aber auf einem Kreuzfahrtschiff und das können wir auch gerne mal machen. Da gibt's immer ein Pärchen-Programm, das ich bisher nicht machen konnte, aber im großen und Ganzen ist es billiger, als die Einzel-Events zu buchen" Auf die komischen Tanz-Kurse konnten sie zwar verzichten, aber die Massagen waren ein guter Deal.
      Richard schenkte in beide Gläser etwas von dem Wasser ein, in dem ein paar Zitronenscheiben schwammen. "Ich weiß nicht, ob Vergiften so viel angenehmer ist. Vielleicht kriegen wir einen Orgasmus-induzierten Herzinfarkt hin. Aber nicht während dem Urlaub. Bei sowas muss man jeden Cent zum bitteren Ende auskosten. Willst du eine Zitronenscheibe haben?" Er sah Caleb fragend an, während er den Krug noch festhielt.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • Caleb

      Eigentlich war es eine absolut dämliche Idee gewesen, sich auf ein Essen mit Richard einzulassen. Caleb hatte gerade ins Brot gebissen, als er seine alternative für einen frühzeitigen Tod ansprach und ihn damit dazu brachte, sich zu verschlucken. Wenn man mit ihm redete sollte man wahrscheinlich wirklich gerade besser nichts essen, oder trinken. Caleb hustete, bemüht, Richard zeitgleich einen vorwurfsvollen Blick zuzuwerfen.
      "Du bist wirklich die einzige Person die ich kenne, die es schafft, so schnell von Sex auf Alltag zu springen", merkte er an, als er wieder Luft bekam. Was wahrscheinlich nicht mal das Schlechteste an ihm war. Ihre Beziehung hatte schließlich nicht ohne Grund im Bett angefangen. "Mit Zitronenscheibe", schob er hinterher. "Und ich bleibe beim Vergiften. Erstens fänd ich es ein bisschen peinlich, nackt zu sterben und zweitens kann man da wenigstens noch ein bisschen Drama rausholen."
      Es war immer noch etwas schräg, hier zu sitzen und tatsächlich über einen gemeinsamen Urlaub zu reden, während er Ezra nicht mal gebeichtet hatte, dass er wieder mit Richard ausging. Caleb versuchte das schlechte Gewissen irgendwie runterzuschlucken. Er musste die Beichte wirklich schnell hinter sich bringen, bevor das alles irgendwie ein Selbstläufer werden würde und er sich ewig mit einem schlechten Gewissen rumschlagen müsste. Es war nur ein Anruf. Vielleicht ein Treffen, wenn er mutig war. Ezra würde explodieren, aber das war...okay. Wahrscheinlich. Mit etwas Glück würde er sich mit der Zeit einfach abreagieren und Caleb nicht ganz aus seinem Leben streichen. Selbst im Worst-Case hatte er immer noch Richard, was - auch, wenn er es nur ungerne zugab - irgendwie die Hauptsache war. Wenigstens könnte er sich dann komplett in die Planung reinwerfen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Obwohl das an diesem Punkt wahrscheinlich auch vollkommen egal war. Er wollte das hier. Er konnte fühlen, wie seine Nervosität mit jeder Minute abnahm, weil es einfach passte. Weil sie so natürlich in ihre Unterhaltung fielen, als ob sie sich schon ewig kennen würden.
      "Wenn du dich jetzt ganz spontan für etwas entscheiden müsstest, was wäre es dann? Ein Ferienhaus auf Sizilien, oder die Kreuzfahrt?" Caleb trank einen Schluck, während er Richard ansah. Er selbst war flexibel, sowohl mit der Urlaubszeit, als auch mit dem Ort und so bescheuert es auch war, mit einer vollkommen neuen Beziehung direkt in den Urlaub zu fahren - irgendwie war Caleb sich sicher, dass beide Ziele wirklich gut werden könnten, solange sie einfach Zeit zu zweit hatten.
    • Richard

      Richard leerte mehr Wasser in Calebs Glas, bis eine der Zitronenscheiben mit einem leisen Platschen hineinfiel, dann schob er den Krug zurück hinter die Kerzen.
      Er stieß belustigt Luft aus. „Das ist, weil Sex und Alltag für mich keine Trennung brauchen“, erwiderte er. „Ich springe nicht, ich rede ganz normal über alltägliche Sachen und kein Mensch weiß, wieso du deshalb gleich erstickst, statt aufs Vergiften zu warten“ Gut, Sex hatte in Richards Leben bisher auch nicht oft viel mit Alltag zu tun gehabt, aber er war eben auch ein vielbeschäftigter Mann und es lag sicherlich nicht daran, dass er es nicht wollte. Obwohl der richtige Wunsch danach wahrscheinlich auch erst mit Caleb gekommen war. Wie oft fand man schon jemanden, der absolut alles mitmachte und so kompatibel war?
      „Stirb mir nicht weg, bevor du die Pasta probiert hast“, murmelte er und trank einen Schluck. „Außerdem wirst du von den Bestattern sowieso nochmal aus- und wieder angezogen, da kann man ihnen auch etwas Arbeit abnehmen“ Zugegeben die Gesprächskurve von Sex zu Essen zu Tod war fast etwas zu… Instinkt-geladen. Aber es waren halt auch die präsentesten Themen im Leben, oder nicht?
      „Hmm… ich denke, das Ferienhaus wäre mir trotzdem lieber, weil wir mehr Ruhe hätten. Kreuzfahrten sind immer vollgestopft mit anstrengenden Menschen“ Logisch. „Und ich bin mir sicher, in Sizilien gibt es Masseure“ Er zuckte leicht mit den Schultern und lehnte sich mit einem Lächeln zurück an seinen Stuhl.
      „Kreuzfahrten sind aber sicher lustiger, wenn man dort nicht einem Verrückten mit einem mächtigen Stein nachläuft. Wir hätten schon Spaß, trotz der Leute“, fügte Richard hinzu.
      Er könnte stundenlang mit Caleb über mögliche Szenarien fantasieren, wo sie sich komplett dem Luxus hingaben. Genau so etwas wollte er in einer Beziehung. Kein kitschiges Familienleben, wie Andrew es sich geangelt hatte. Er wollte 18+ Kontent, keinen Familienfilm. Reisen, Alkohol, Sex und keine Verantwortung außer sich selbst gegenüber. Vielleicht noch Caleb gegenüber, der manchmal dezent verloren aussah. Aber da hörte es auf. Wieso wollte sich irgendjemand das Leben unnötig schwer machen, anstatt einfach zu genießen, alles machen zu können, was man wollte? Wenn es im finanziellen Rahmen lag. Aber da schien sich ja gerade auch ein Tor zu öffnen. Mit Calebs Geld hatte ihre Fantasie ja echt keine Grenzen mehr. An irgendeinem Punkt musste man einfach selbstsüchtig sein und ignorieren, woher dieses Geld kam. Richard würde alleine vermutlich nicht diese ganze Familie aushebeln können, also konnte er mal kurz genießen, was sie sich aufgebaut hatte, nicht? Und Caleb tat es bestimmt auch gut, mal Urlaub zu machen.
      „Gibt es was, das du sofort machen würdest, wenn du könntest?“, fragte er, immer zufriedener mit der Gesamtsituation. Seinetwegen konnten sie noch fünf Dates damit verbringen, eine Traumreise zu planen, solange sie sie am Ende auch durchzogen.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • Caleb

      Das war definitiv ein Unterschied zwischen ihnen. Sex war für Caleb nie Alltag gewesen. Generell war vor Richard alles romantisch-sexuelle für ihn deutlich mehr Stress und Nervosität als irgendetwas Schönes gewesen. Wahrscheinlich klammerte er sich deshalb so an ihn - Richard nahm alles an ihm irgendwie so selbstverständlich hin, dass Caleb immer wieder feststellen musste, dass der Großteil seines Stresses einfach nur in seinem eigenen Kopf existierte.
      "Ich wäre auch für das Ferienhaus", stimmte er dem deutlich leichteren Thema zu. Freien waren für ihn in letzter Zeit sowieso viel zu selten geworden. Eigentlich war es vielleicht auch doch gar nicht so seltsam, direkt mit einer neuen Beziehung wegzufahren. Wie konnte man schon schneller feststellen, ob eine Beziehung sinnvoll war, als direkt ein paar Tage komplett zusammen zu verbringen? Richard mochte mit seinen Depressionen klar kommen, aber das bedeutete ja nicht, dass Caleb ihn nicht mit seiner generellen Unordnung verschrecken könnte. Oder seinem vollkommen chaotischen Schlafrythmus, wenn er sich mitten in der Nacht so wach dachte, dass er nicht mehr schlafen konnte und stattdessen aufstand, um sich irgendwie zu beschäftigen, nur, um dann irgendwann auf dem Sofa einzuschlafen. Vielleicht hatte Richard auch noch irgendwas an sich, womit Caleb nicht leben könnte, auch, wenn das ziemlich unwahrscheinlich war. Es gab schon genug Gründe gegen Richard, da würde irgendein blöder Tick nicht mehr ins Gewicht fallen.
      "Ich nehme an, du meinst das immer noch urlaubstechnisch?", fragte er zurück, als Richard ihm die abschließende Frage stellte. Es gab sonst ziemlich viele Dinge, die er sofort machen würde, wenn er könnte. "Ich glaube, immer noch die Nordlichter sehen und sonst..." Er überlegte kurz, bevor er mit den Schultern zuckte. "Eine Weltreise vielleicht. Einfach von heute auf morgen irgendwo hin fliegen und dann spontan entscheiden, wo es als nächstes hingeht, bis man irgendwann mal alles gesehen hat. Wenn du mir sagst, wann dein Sommerurlaub geplant ist, könnten wir mit Sizilien anfangen. Wenn du willst." Wahrscheinlich würde er es fast überall aushalten, solange er abschalten konnte und dank Richard nicht ganz alleine war. "Gegenfrage - wo würdest du nicht gerne hin?"
    • Richard

      „Unter anderem“, grinste er, als Caleb fragte, ob seine Frage noch auf den Urlaub bezogen war. Wenn er andere spontane Wünsche hatte, konnte er die auch gerne äußern. Wie eng gefasst war die Kein-Sex-Regel eigentlich? Gab es irgendwas spezifisches, das Caleb unter Sex verstand? Vielleicht gab es ja eine Lücke in der Regel, mit der sie arbeiten konnten. Oder Caleb entschied sich einfach um und verbannte die Regel. Oder… vielleicht wollte er auch einfach ein bisschen mehr Basilikum aufs Brötchen. Jedenfalls war die Frage nicht nur auf ihren Urlaub beschränkt. Auch, wenn Richard mochte, dass sie das beide ernst zu meinem schienen. Er hatte ja schon gedacht, dass das wie alles andere auch erstmal ein Betten auf Knien erfordern würde.
      „Mitte August. Sorry, ich hätte dich ja miteinbezogen, wenn du mich circa zur Zeit der Urlaubseinteilung nicht bestohlen hättest. Fast bestohlen“ Er lächelte knapp.
      Den Urlaub hatte er wie jedes Jahr um seinen Geburtstag herum gelegt, weil er da ganz einfach nichts machen wollte. Klar, die Aufmerksamkeit war ganz nett, die Geschenke meistens Schrott, weil sich niemand wirklich drum kümmerte, aber die Glückwünsche konnte er immernoch über Facebook kassieren, am besten unter einem Selfie an einem Sandstrand, damit alle wussten, dass er grade an einem deutlich besseren Ort war. Bei Caleb würde er natürlich früh genug anmerken, wann er Geburtstag hatte, aber nicht, bevor die Flugtickets gebucht waren. Immerhin gab es kaum was besseres und Caleb sollte keinen Rückzieher machen, weil es ihm zu viel Druck war. Außerdem war seine Position die einzigartig beste, wenn es darum ging, Richard ein Geschenk zu machen. Das war nicht schwer. Cal würde schon draufkommen, was er wollte.
      „Hm, Brighton“, antwortete nach kurzem Überlegen. „Das ist mein persönliches Dublin. Also, wo meine Eltern wohnen. Sonst kannst du mich überhin hinschleppen, solange es halbwegs gutes Wetter hat. Heißt… nicht in die Antarktis“ Allgemein war er mit so ziemlich jedem Urlaubsort einverstanden, auch wenn er mehr in Richtung Süden, Sonne und Strand lehnte, aber über ein paar Tage Freiheit würde er sich nie beschweren.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • Caleb

      "Interessant. Der Diebstahl hat dich also davon gebracht, mich nicht in deinen Urlaub einzuplanen, aber dich nicht davon abgehalten, nochmal mit mir zu schlafen?" Caleb lächelte leicht amüsiert. Zugegeben, sie hätten beide gute Gründe gehabt, sich auf der kleinen Mission, die sie wieder zusammengebracht hatte, aus dem Weg zu gehen. Leider schienen sie nur irgendwie zu sehr aneinander zu hängen, um Platz für Logik und gesunden Menschenverstand zu lassen.
      "Vielleicht sollte ich dir öfter mal was stehlen und sehen, wo es hinführt." Offenbar nicht nach England oder große Teile von Irland, wenn Richard nur an Orte mit schönem Wetter reisen wollte. Regen und trübe Tage waren hier immerhin so populär, dass es schon zum Klischee geworden war. Aber zum Glück gab es ja noch genug andere Orte auf der Welt, die sie zusammen bereisen konnten. Sizilien schien ein ziemlich gutes erstes Ziel zu sein. Warme Sonne, Strand, klang nach einem perfekten Bilderbuchurlaub auch wenn Caleb gelegentlichem Gewitter und Schneestürmen auch etwas abgewinnen konnte. Solange er dabei zuhause war und sie durch das Fenster beobachten konnte zumindest.
      "Dann halte ich mir den August frei, so gut ich kann", beschloss er, während er seinen Kopf auf seinen Arm stützte und immer noch nicht so ganz glauben konnte, dass sie gerade vollkommen unkompliziert einen Urlaub planten. "Was steht bei dir bis August noch an? Verplanst du deine Freizeit oft mit Konzerten oder Kino oder so, oder reicht dir das Kochen und die Arbeit?" Bis jetzt war es zumindest immer relativ einfach gewesen, Zeit für einander zu finden. Entweder hatten sie in den letzten Monaten verdammt viel Glück dabei gehabt, oder sie hatten beide ziemlich flexible Wochenpläne. Er hoffte, dass es so bleiben würde. Es war angenehm, sich relativ spontan und einigermaßen oft treffen zu können und einfach so Zeit miteinander zu verbringen, zusammen zu essen und zu reden, war wirklich etwas, was er öfter machen wollte.
    • Richard

      “So wie du dich an mich geschmissen hast, hatte ich kaum eine andere Wahl“, antwortete er scherzhaft. Caleb war aber tatsächlich derjenige gewesen, der im Hotel damals den ersten Schritt gemacht hatte, oder? Ihn in der Sauna angestarrt und dann aufgehalten hatte, als er gehen wollte. So in etwa hatte Richard es in Erinnerung. Das machte die Regelungen nun fast noch unfairer. Im Endeffekt war vermutlich Cal derjenige, der das alles immer einleitete.
      „Du musst mir aber nicht erst etwas stehlen dafür“, grinste er anschließend. „Du musst nur drei Dates mit mir aussitzen, die du dir selbst auferlegt hast. Also, Hauptspeise?“, fragte er und setzte sich auf.
      “Ich muss alles in einem Topf wärmen, dauert nicht lang. Komm einfach mit“ Er nickte mit dem Kopf in Richtung Küche während er aufstand. Caleb alleine sitzen zu lassen war ohnehin seltsam, wenn man wusste, dass er schon wieder übers Klauen nachdachte. Auch wenn Richard wirklich nicht allzu viel Kleinzeug besaß, das man unauffällig mitgehen lassen konnte, abgesehen von den Steinen, und die hatte er normalerweise in einem kleinen Safe im Schlafzimmer eingeschlossen.
      Richard öffnete in der Küche den Kühlschrank und machte sich daran, alles aufzuwärmen und mit ein paar Zusätzen dafür zu sorgen, dass es wie frisch gekocht schmeckte. Was es ja war. Nur schon vor zwei Stunden.
      „Ich gehe manchmal mit Kollegen was trinken, oder treffe mich mit Freunden“, antwortete er nebenbei auf die Frage. „Kino war immer eher eine Date-Angelegenheit. Konzerte sind in Ordnung, kommt auf die Musik an, aber nein, mache ich nicht sonderlich oft“ Er drehte sich herum, lehnte sich an die Küchenschränke und verschränkte nachdenklich die Arme. „Hm, ich glaube hauptsächlich bin ich mit Arbeit beschäftigt, weil ich auch oft übers Wochenende wegfliege, oder ich bin im Fitnessstudio. Mein Kollege Ted lädt mich in letzter Zeit abartig oft in Bars ein, weil er es wahrscheinlich zu traurig findet, sich alleine zu betrinken“
      Besonders spannend war Richards privater Alltag nicht. Er musste ja auch immernoch Zeit für den Haushalt finden. Bei zwei Jobs, die beide massiv zu Überstunden und Notfalleinsätzen neigten, war es nicht wirklich möglich, sehr aufwändige Hobbies zu haben. Dafür hatte Richard auch keinen Kopf. Kochen zählte einerseits als Hobby, andererseits einfach als Notwendigkeit, genauso wie Sport. Letztlich war alles wieder darauf ausgelegt, gesund und fit zu bleiben und einen ordentlichen Job machen zu können. So richtig gedated hatte er auch nie, weil es nur eine Person gegeben hatte, die er wollte, und alles dazwischen waren sehr kurzweilige, lockere Beziehungen oder One-Night-Stands gewesen, wie alles, was er bisher mit Caleb erlebt hatte.
      „Wie läufts mit deiner Violine?“, fragte er knapp, weil er sich erinnerte, dass Caleb tatsächlich ein merkwürdiges Hobby hatte.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • Caleb

      "Stimmt. Ich erinnere mich daran, wie überfordert und unwillig du ausgesehen hast, als du mich sofort hochgehoben und an die Wand gedrückt hast", antwortete Caleb mit einem gespielt mitfühlenden Lächeln. Ob er damals anders gehandelt hätte, wenn er gewusst hätte, dass die Beziehung etwas Langfristiges werden könnte? Er hatte damals irgendwie nicht das Gefühl gehabt, ein sonderlich großes Risiko einzugehen, weil es relativ egal gewesen war, wie Richard reagierte und es war nur etwas körperliches gewesen. Das hier war anders.
      "Bis jetzt ist es gar nicht so schwer, die Dates auszusitzen", merkte er noch an, während er Richard in die Küche folgte. Die Dates hatte er sich irgendwie auch anders vorgestellt. Mehr Drama, mehr aushalten, weniger leichte Konversation und überraschende Entspannung. Er mochte das.
      Caleb kam sich in der Küche wieder ein wenig nutzlos vor, aber wenigstens mussten sie so ihre Konversation nicht unterbrechen und Richard konnte ihm von seinem wundervoll unaufregenden Alltag erzählen. Er schob seine Hände in seine Hosentaschen und sah Richard dabei zu, wie er arbeitete, als ihm die Frage nach seiner Violine ein kleines Lachen entlockte. "Ich bin in den letzten Tagen dazu gekommen, wieder öfter zu spielen, die Saiten sind noch dran und meine Nachbarn haben sich noch nicht beschwert, also kann ich mich nicht beschweren, denke ich." Er lächelte leicht. Musik hatte ihm immer schon geholfen, den Kopf frei zu bekommen.
      "Kannst du irgendein Instrument spielen, oder gehörst du auch zum absolut unmusikalischen Teil der Weltbevölkerung?", fragte er zurück. Irgendwie konnte er sich Richard nicht mit irgendeinem Instrument in den Händen vorstellen. Er konnte generell nicht abschätzen, ob Richard jemand war, der sich in irgendwas lange eindenken konnte, oder ob er alles aufgab, was er beim ersten mal nicht sofort professionell beherrschte.
    • Richard

      „Vielleicht spielst du ja nicht so übel, wenn sich keiner beschwert. Spiel mir mal was vor“ Er drehte sich wieder herum zu seinem Topf, um zu rühren. Es war ein wenig kontraintuitiv, jemandem darum zu bitten, ihm ein Instrument vorzuspielen, weil es an Highschool Geflirte erinnerte, aber Richard war ironischerweise langsam alles recht, um Caleb einfach wiederzusehen. Zumindest hatte er das Gefühl, dass dieser langsam auch wieder auftaute und nicht mehr das Bedürfnis hatte, ihm eine reinzuhauen. Es wurde lockerer. Im Vergleich zu ihrem letzten Date nahm Cal auch nicht mehr alles so schrecklich ernst, was Richard sagte. Es kehrte ein bisschen Normalität ein, oder zumindest das, was für sie beide normal gewesen war.
      „Ich spiele kein Instrument. Ich habe die Option in meiner Jugend nicht bekommen und später habe ich mich auch nicht mehr dafür interessiert“, antwortete er. „Aber unmusikalisch würde ich mich nicht nennen. Zumindest hab ich beim Karaoke immer die Töne getroffen. Wieso, willst du lieber einen Rockstar daten?“ Er sah zur Seite und grinste Caleb an. Damit konnte er nicht dienen. Mit vielem, aber nicht damit, weil er sich mit dem Lifestyle nicht identifizieren konnte.
      „Ich glaube, wir können dann Essen. Willst den Wein aufmachen?“, fragte er schließlich während er nochmal durchrührte und dann die Induktionsplatte ausschaltete. Er öffnete eine der oberen Schranktüren und stellte zwei Weingläser heraus. „Du kannst gerne öfter Gastgeschenke mitbringen, weißt du?“, schmunzelte er. Gegen einen guten Wein hatte Richard nichts, aber Snacks oder… eine tatsächliche Weltreise, die sich nur einer von ihnen leisten könnte, waren genauso willkommen. „Pass nur auf, dass du dich nicht ansäufst und mir schon wieder um den Hals fällst“ Er stellte zwei Teller auf die Theke und schöpfte die Nudeln aus dem Topf, angerichtet mit ein paar Basilikum Blättern und Parmesan.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • Caleb

      “Oh. Nein. Rockstars haben immer zu viele Skandale. Probleme mit Drogen und Fremdgehen und so…das wäre nichts für mich.” Caleb verzog kurz leicht abschätzig das Gesicht, während er nach der Weinflasche griff, die unweit von ihm auf der Küchentheke stand, um sie schon mal zu öffnen. "Korkenzieher?", fragte er knapp, bevor er selbigen entgegen nahm und bei Richards 'Bitte' kurz genervt Luft ausstieß.
      "Erstens habe ich mich auch betrunken ziemlich gut im Griff und zweitens...bräuchte ich dafür keinen Alkohol." Er zwinkerte Richard kurz zu, bevor er nach den Gläsern griff und sie mit sich zurück zum Tisch nahm. "Du überschätzt deinen Sexappeal", ließ er ihn noch grinsend über die Schulter hinweg wissen, während er ihnen je ein Glas hinstellte und ihnen Wein einschenkte. Sicher, der Sex war ein Plus, aber bisher vermisste er ihn wirklich nicht und Richard schien ihn tatsächlich auch so auszuhalten, was wirklich nett war. Caleb wartete, bis Richard die Teller hinstellte und sich selbst setzte, bevor er kurz sein Glas zum anstoßen anhob.
      "Ich war ehrlich gesagt selbst nicht ganz überzeugt von der Sache mit den Dates, aber so schlimm ist es nicht, oder?" Oder war das eine Fehleinschätzung seinerseits? Sicher, Richard hatte sich noch nicht beschwert und es war mittlerweile normal, dass ihre Unterhaltungen immer wieder zum Sex abdrifteten, aber es lag immer noch ein Unterschied darin, ob Richard ihn nur aushielt, oder das hier auch irgendwie genoss. Außerdem hatte Caleb diese Wohnung noch nie verlassen, ohne zwischendurch im Schlafzimmer zu landen. Ugh, er konnte jetzt schon fühlen, wie seine Gedanken wieder in Richtungen abdrifteten, die er eigentlich nicht wollte. Nicht, wenn er sich gerade seltsam wohl fühlte.
      "Sind die Kollegen, mit den du was trinken gehst die, die dabei waren, als wir uns das erste mal getroffen hatten?", wechselte er das Thema, um selbst irgendwie auf andere Gedanken zu kommen. Richard hatte ja schon mal was über sie erzählt und über andere zu reden kam ihm gerade irgendwie sicherer vor.
    • Richard

      Richard musste grinsen und schüttelte den Kopf, während Cal mit dem Wein aus der Küche ging. Dass er dazu keinen Alkohol brauchte, wusste Richard, aber dass er sein Sexappeal überschätzte, war geradeheraus eine Lüge. Er wusste, dass das einer der Hauptgrunde sein musste, weshalb Caleb überhaupt noch mit ihm ausging. Wieso das zwischen ihnen begonnen und sich selbst aufrecht erhalten, hatte über Wochen hinweg. Es war der Sexappeal. Was sonst? Er kochte zum ersten Mal für Cal, das konnte es also nicht sein; sein Job war eher kontraproduktiv und die Gespräche die sie führten hatten nichts allzu besonderes an sich. Nach dem letzten Date war Richard sogar überzeugt, dass Caleb die ein oder andere Sache an seinem Humor auszusetzen hätte. Trotzdem flossen die Konversationen gut dahin und Richard fühlte sich mittlerweile auch wieder deutlich lockerer und freier mit den Dingen, die er laut aussprechen konnte. Dass er sich mit Caleb urteilsfrei unterhalten und zusammen Dinge machen konnte, die sie beiden mochten, das war sein Hauptgrund für die Beziehung. Caleb‘s war definitiv der Sexappeal. Vielleicht noch die Tatsache, dass er sich von seinen Macken nicht abbringen ließ, denn das hatte er zuletzt erwähnt. Das machten sie aber beide. Sie waren einfach beide gut darin, Warnsignale zu ignorieren.
      Richard folgte mit den Tellern und setzte sich wieder zu Cal an den Tisch. Er schmunzelte, etwas überrascht und irgendwie fast enttäuscht aber belustigt über die Aussage. Nicht überzeugt von den Dates? „Nein, so schlimm ist es nicht“, stimmte Richard ihm einfach zu. Kein Grund, defensiv zu werden. Sie hatten wohl beide ihre Zweifel gehabt, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen, wie es aussah. Während Richard die Kein-Sex-Regel nicht mochte, hatte Caleb vermutlich einfach nicht gedacht, dass sie einander in einem normalen Setting aushalten würden. Das war… okay. Die Zweifel waren berechtigt gewesen.
      „Unter anderem. May sehe ich nicht oft, sie ist Anwältin. Kommt auf die Fälle an. Übrigens die Anwältin, deren Nummer du deiner Freundin weitergeleitet hast. Ted arbeitet mit mir im Dezernat“, erklärte er. „Der, der eine Scheidung hinter sich hat und mir und anderen jetzt mit den Barbesuchen auf die Nerven geht. Der Typ muss sich mal raffen. Ich hab ihm gesagt, dass er seinen Arzt wegen Melatonintabletten oder so anrufen soll. Schlafentzug macht Leute völlig irre. Ich hoffe, du schläfst genug“ Richard seufzte kurz und nahm seine Gabel in die Hand. „Gehst du ab und zu mit Freunden was trinken? Das links ist übrigen Salz, rechts Pfeffer“, meinte er und deutete auf die zwei Spender in der Mitte des Tisches, falls Caleb nachwürzen musste, aber Richard hielt sich mit Gewürzen eigentlich nicht zurück. Er hatte aber ausnahmsweise auf die Chilis verzichtet, weil er nicht wusste, ob Caleb scharfes Essen mochte.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦