The Hero and the Thief [Nao & Stiftchen]

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • Wyatt

      Die erste Runde verlief tatsächlich relativ durchschnittlich. Wyatt brauchte ein paar Würfe, bevor er mit der Bewegung klar kam, aber das schien keiner so richtig zu bemerken. Wie auch, wenn Jude es - wenig überraschend - schaffte, einen Strike nach dem anderen zu landen? Es war fast ein bisschen abartig und irgendwie zeitgleich immer noch faszinierend. Bowling war also nicht Judes geheime Schwäche, aber irgendwann würde er noch irgendwas finden, was Jude nicht konnte.
      Die zweite Getränkerunde fiel für Wyatt nicht deutlich spannender aus, als die erste. Er hatte sich fest vorgenommen, Jude zur dritten Runde zu bitten, ihm irgendwas Hochprozentiges mitzubestellen, auch, wenn er mit den ganzen Cocktails ein bisschen überfordert war und vielleicht hatte ihn das ein bisschen gerettet. Judes eigener Drink sah zumindest ziemlich fragwürdig aus und offensichtlich schmeckte er auch so.
      "Man kann dir die Freude über den Drink richtig ansehen", kommentierte Wyatt flach. Die Zutaten-Kombination kam ihm allerdings auch ziemlich wild zusammengesetzt vor. Gab es rund um die Bloody Mary nicht auch irgendeine Horrorgeschichte? Emma wüsste wahrscheinlich, was er meinte.
      “Wolltet ihr nicht darum wetten, wer gewinnt? Der Verlierer kann ja den Rest exen”, schlug er vor, während er einen Blick auf die restlichen Cocktails warf. Er hatte keine Ahnung, welchen er beim nächsten mal wähle sollte. Irgendwie gab es bei jeder Kombination mindestens eine Zutat, die er nicht sonderlich mochte - meistens den Alkohol an sich. Aber irgendwie musste an doch was trinken, um dazu zu gehören, oder? Außerdem musste er Jude sowieso noch ansprechen, um ihn irgendwie auf seinen eigenen Geburtstag einzuladen.
      "Außer der Drink schmeckt dir so gut, dass du ihn nicht abgeben willst, natürlich", schob er mit einem amüsierten Lächeln hinterher. Vielleicht war das ja Judes tatsächliche Schwäche - Drinks bestellen.
    • Jude

      „Weißt du, Wyatt, ich finde ihn tatsächlich nicht so schlecht“, sagte Jude und trank demonstrativ noch einen Schluck, wobei er Wy anstarrte und trotzdem unabsichtlich das Gesicht verzog. Er war noch nicht bereit, seine Niederlage zu akzeptieren.
      „Wir wetten“, sagte Charlie schnell, die wohl auch alles andere als bereit war, ihre Niederlage zu akzeptieren. Jude sollte also verlieren, ja?
      „Alles klar. Auch wenn Tomatensaft mit ein bisschen Vodka keine krasse Wette ist“, erwiderte Jude schulterzuckend und stand auf um sich die nächste Bowlingkugel zu holen, während Emery die nächste Runde startete. „Das heißt, die Verlierer teilen sich den Rest von allen Getränken am Tisch?“
      „Nein. Du oder ich. Einer von uns trinkt den Rest“, korrigierte Charlie.
      Jude zog die Augenbrauenhoch, dann warf er die Hand in die Luft als wäre es ihm völlig egal. „Ookay, wie du meinst. Aber du bist ne halbe Portion und fällst wahrscheinlich um, wenn du das alles trinkst“
      „Werden wir sehen“, grinste Charlie. Sie schien etwas zu selbstbewusst, wahrscheinlich dachte sie wirklich, diesmal gewinnen zu können. Aber sie kannte Jude auch erst seit diesem Jahr und hatte noch nicht oft etwas gegen ihn gespielt, also… Vielleicht müsste sie jemand aufhalten. Aber es war irgendwie witzig.
      Jude tauschte Noah gegen Nataly ein, damit seine Freundin, die in letzter Zeit etwas empfindlich gewirkt hatte, nicht nochmal
      im Verlierteam spielen musste, und dann fing die Runde an. Strike nach Strike nach Strike, sogar Nataly landete zwei und Wyatt war wenigstens nicht so furchtbar wie Noah, dessen Kugeln in jeder Runde auf der Seitenbahn landeten. Er konnte echt nicht zielen. Judes Kugeln dagegen konnte er mittlerweile werfen, ohne richtig hinzusehen, und es wurde ein Strike. Tja! Er war halt ein Profi.
      Dass ihr Team gewann, war also leicht vorherzusehen gewesen. Charlie empfand das nicht so. Ihr Blick war unbeschreiblich. „Bist du verflucht? Beim Bowling kann man doch nicht schummeln, oder?!“, rief sie verwirrt aus.
      „Hey, hast du den Spitznamen gesehen? ‚King‘. Hättest ja auch einfach lesen können“, grinste Jude und Charlie äffte sein Grinsen sarkastisch nach, bevor sie zum Tisch ging und nach der Bloody Mary griff. Es war kaum anzusehen, wie sie das trank. Ihre Gesichtsausdrücke waren schlimmer als Judes.
      „Gibt‘s nicht irgendeine Ersatzstrafe, damit sie nicht kotzt?“, murmelte Emery neben ihm während sie alle etwas schockiert dabei zusahen, wie Charlie sich mit dem Tomatensaft quälte.
      „Oh… keine Ahnung“, sagte Jude. „Aber so schlimm ist es nicht, das kriegt sie schon runter“
      „Ich meinte eher wegen dem ganzen Alkohol“, sagte Emery skeptisch. Hm. Es war tatsächlich ziemlich viel. Trotzdem hielten sie Charlie nicht auf. Es war ja keine tödliche Menge, oder so. Gut, sie war etwas kleiner und so, aber solang sie was gegessen hatte-
      „Hey, Charlie, hast du vorher was gegessen?“, fragt Jude schmunzelnd und ging zu ihr, um ihr Natalys Vodka-Orange aus der Hand zu nehmen.
      „Huh? Klar“, sagte sie und Jude warf Emery ein Lächeln zu. Sie würde das doch wohl verkraften, es waren nur vier Drinks. Sie selbst hatte nichts bestellt. Nur sollte sie dann vielleicht keine Wetten mehr abschließen, weil sie taumelnd nicht besonders gut spielen würde.
      Dass Charlie den Cocktail tatsächlich runterbekam, schien sie selbst zu überraschen, aber sie musste sich dann erstmal für ein paar Minuten setzen, bevor es in die nächste Runde ging. Und… sie schlug sich wirklich nicht außerordentlich gut. Jude begann sich etwas schuldig zu fühlen, obwohl sie ihm das mit der Wette ja selbst hatte antun wollen. Trotzdem versuchte er sich darum zu kümmern, dass sie wenigstens nicht ausrutschte. Wenigstens schien Charlie selbst den Spaß ihres Lebens zu haben und hemmte definitiv nicht die Stimmung. Von jedem außer Nataly jedenfalls, wie es schien.
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    • Wyatt

      Jude hatte schon ziemlich erbärmlich beim Trinken ausgesehen, aber Charlie toppte das alles irgendwie noch. Es war fast ein bisschen erschreckend, wie sehr Jude sich eben zusammengerissen haben musste, um nicht genauso auszusehen, wie sie. Konnte man eigentlich in Schwierigkeiten kommen, wenn man eine Idee gehabt hatte, die einer anderen Person am Ende schadete? Wäre Wy verantwortlich, wenn Charlie innerhalb der nächsten halben Stunde einfach zur Seite kippen und liegen bleiben würde, weil sie zu viel getrunken hatte? Der Wetteinsatz war immerhin irgendwie seine Idee gewesen, auch, wenn er mit der Wette an sich nicht sonderlich viel zu tun gehabt hatte.
      Aber Charlie überlebte. Sie mischten die Teams neu, Wyatt schloss sich bei der nächsten Runde mit einem Drink an, der relativ sicher klang und - zum Glück - mehr fruchtig schmeckte, als nach reinem Alkohol. Und hey - Wy schaffte sogar seinen ersten Strike des Abends! Was deutlich mehr war, als er gedacht hätte. Er grinste leicht, als er sich wieder zurück zu den anderen auf das Ledersofa setzte, das ein bisschen so aussah, als ob es schon hier gestanden hätte, bevor die Bowlingbahn überhaupt gebaut worden war. Aber Zeit und Raum schienen bei Bowlingbahnen irgendwie immer anders zu funktionieren, weshalb er regelmäßig auf seine eigene Uhr schielte, um seine Ausgangssperre nicht zu verpassen. Normalerweise hätte er es drauf ankommen gelassen, aber bei seinem Geburtstag wollte er irgendwie nichts riskieren.
      Wyatt hatte bisher immer gefeiert. Nie sonderlich groß, oder ausgefallen, aber es hatte sich immer etwas gefunden, was er machen wollte und selbst wenn es nichts so aufregendes gewesen war, hatte er sich wenigstens gut mit seinen Freunden unterhalten. Sein Freundeskreis war nie riesig gewesen, aber bis Ende letzten Jahres war er davon ausgegangen, dass sie wenigstens gut zusammenhielten. Eine ziemlich schmerzhafte Fehleinschätzung. Aber dafür hatte er dieses Jahr die Chance seinen Geburtstag zum ersten mal in einem komplett neuen Freundeskreis zu feiern, was nur ein kleines bisschen stressig war. Haha. Wenigstens konnte er jetzt schon mal einen Schritt hinter sich bringen.
      "Hey", setzte er an, während er zu Jude sah. "Ich hab übrigens in zwei Wochen Geburtstag. Ich wollte eine kleine Feier schmeißen. Nichts großes, nur ein paar Freunde, die bei mir übernachten. Wenn du Lust hast, kannst du auch kommen. Du kannst auch Nataly mitbringen, oder Emery, wenn du willst."
    • Jude

      „Jude“, lallte Charlie neben ihm auf einmal. Sie hing so schief auf der Sitzbank, dass sie einen Arm über die Rückenlehne geworfen hatte um sich festzuhalten und dennoch fast auf Judes Schulter kippte. „Du benutz eeinen Stein, hab isch recht? Hassu zum Geburtstag einen Stein bekommen?“
      Jude runzelte belustigt die Stirn. Er kam aber garnicht dazu, die Frage zu beantworten — nicht, dass Charlie sich morgen noch erinnern könnte — weil Wyatt ihn ansprach. „Oh! Klar komm ich“, sagte er. „Wir haben fast gleichzeitig Geburtstag, krass. Dann hätten wir fast zusammen feiern können“ Jude machte sich nichts aus Regeln, wie, war man gut genug befreundet für etwas? Wann war der Punkt gekommen, an dem man dieses oder jenes zusammen machen konnte? Er tat einfach gerne, worauf er Lust hatte. Dass er Wyatt also noch kaum kannte war für ihn kein Ausschlusskriterium, um ihre Geburtstage zusammenzulegen. Und dass Wyatt ihn zu seinem Geburtstag ebenfalls einlud, sah Jude als eine Art Unterschrift. Sie waren jetzt einfach Freunde und Jude würde das so schnell nicht mehr gehen lassen.
      „Was willst du machen?“, fragte er interessiert. Sein zugeknöpfter großer Bruder würde wahrscheinlich nicht allzu viel erlauben. Jude sah sich kurz um, weil er Nataly fragen wollte, ob sie auch kommen wollte, aber er sah sie nicht. Nicht auf der Sitzbank und nicht in der Nähe der Bahn. „Hey, hast du Nat gesehen?“, fragte er Emery also spontan, der gerade für einen Schluck Cola zurück zum Tisch kam. Der Strohhalm sprang wieder aus seinem Mund, als er „Huh?“ machte. „Ist sie aufs Klo?“, fragte er und sah in Richtung der Toiletten, dann zuckte er mit den Schultern. „Du musst doch wissen, wo deine Freundin abbleibt“
      Jude nahm sich das nicht zu Herzen. Sie war eben zu schnell verschwunden. Wahrscheinlich war sie in einer Minute wieder da.
      „Boahhh Jude, Nataly ist soo hübsch, wie hast du sie rumgekriegt?!“, lallte Charlie neben ihm.
      „Indem ich auch hübsch bin. Trink das verdammte Wasser“, sagte er nüchtern und hielt ihr das Wasserglas an den Mund. Wahrscheinlich sollten sie den Abend langsam beenden, bevor sie ein Vermögen für die Bowlingbahn zahlten. Und bevor Charlie auf besagte Bowlingbahn kotzte oder so. Ob Noah wusste, wo Charlie wohnte? Alleine konnte man sie kaum nachhause schicken. Hm. Vielleicht sollten sie sie einfach mitnehmen und ihren Eltern eine Nachricht schicken, Helen würde schon nichts dagegen sagen, solange Jude Geburtstag hatte.
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    • Wyatt

      "Nächstes Jahr ja vielleicht", antwortete Wy mit einem kleinen Lachen, als Jude anmerkte, dass sie zusammen feiern könnten. Er hatte Lucas, der nur eine Woche nach ihm Geburtstag hatte, genau das selbe vorgeschlagen, aber Lucas hatte freudestrahlend angemerkt, dass er sich lieber aus dem Fenster stürzen würde, als seinen Geburtstag zu feiern, weshalb er diese Idee relativ schnell verworfen hatte. Lucas stand nie gerne im Rampenlicht, aber dafür sogar seinen Geburtstag ausfallen zu lassen kam Wyatt etwas extrem vor. Aber es lag ja nicht an ihm, das zu entscheiden. Sein eigener Geburtstag war auf jeden Fall gerade ein Stück besser geworden, weil Jude direkt zusagte.
      "Ich habe noch nichts Festes geplant." Im Grunde hing es auch noch davon ab, was Milo ihm erlauben würde und wie viel Budget er hatte. Seine Eltern hatten ihm nie Taschengeld gegeben - er hatte entweder einfach bekommen, was er wollte, oder nicht - und deshalb befand er sich aktuell irgendwie in einer furchtbar schrägen Situation, in der Milo ab und an Sachen für ihn zahlte, während er langsam seinen Kontostand aufbaute, aber eben auch nicht alles und irgendwie ohne erkennbare Logik und...kompliziert. Obwohl er wirklich nichts Ausgefallenes wollte. Spiele hatte er ja schon genug, also würde er wahrscheinlich nur Snacks und vielleicht irgendeinen guten Film brauchen. Würde schon schiefgehen. Irgendwie.
      Wyatt sah kurz auf, als Jude sich nach Nataly erkundigte, die tatsächlich weg war. Er selbst hatte nicht sonderlich auf die anderen geachtet, vor allem, weil Charlie momentan irgendwie ihre größte Sorge war. Half bei Trunkenheit nicht Kaffee, oder so? Sollten sie ihr einen Espresso bestellen? Oder war das wieder so ein Hollywood Ding, das sich irgendwann mal jemand für einen Film ausgedacht hatte und seit dem ungefragt übernommen wurde?
      "Möchtest du nachschauen gehen, wo Nataly hin ist? Ich passe so lange auf, dass Charlie nicht vom Sofa kippt", bot Wy an, während er an Jude vorbei zu dessen betrunkener Freundin sah.
    • Jude

      „Nö, schon okay, die ist sicher gleich zurück“, winkte Jude ab. Und außerdem konnte er ihr kaum auf die Mädchentoilette nachlaufen, alleine sie jetzt schon zu suchen wäre seltsam. Man musste sich ja nicht jedes Mal abmelden, wenn man aufs Klo ging.
      „Aber wir sollten die Getränke austrinken. Wenn die Runde vorbei ist, sollten wir gehen, sonst wird die Bahn nochmal für eine volle Stunde gemietet“, sagte er und schlürfte an dem Gintonic, den er vorhin bei Emery probiert und dann nachbestellt hatte. Zumindest wusste er, dass er Cocktails nicht mehr nach ihren Namen bestellen sollte. Und Charlie wusste, dass sie besser keine riskanten Wetten mit ihm abschloss.
      Nachdem alles ausgetrunken war — und Jude machte allen in den letzten fünf Minuten etwas Stress, damit die neue Stunde bei der Bahn nicht wieder begann — war Nataly noch immer nicht zurück. Ehrlicherweise war es Jude bis zum Ende garnicht so richtig aufgefallen und dann waren es wohl… ups, zwanzig Minuten gewesen. So lang war sie dann wohl doch nicht am Klo gewesen, wenn sie noch lebte.
      Jude tippte schnell eine Nachricht an sie, dass sie rauskommen sollte, weil sie vor der Arcade im Einkaufszentrum auf sie warten würden. Das war anstrengend genug, weil Charlie sich nun weigerte, von selbst zu stehen, und sich dermaßen an Judes Schulter hing, dass Emery sie von der anderen Seite ebenfalls stützte. Nach zwei Minuten bekam Jude endlich eine Antwort von Nataly, sie wäre schon nachhause gegangen.
      „What the fuck?“, fragte Jude leise in seinen Bildschirm hinein bevor er sein Handy umständlich wieder in seine Hosentasche steckte. „Sie ist nachhause gegangen. Sag mal, findest du das normal? Ist es nicht irgendwie normal sich zu verabschieden? Ich check diese Frau nicht“, beschwerte Jude sich und führte die Gruppe im wortwörtlichen Schlepptau zur nächsten Busstation.
      „Macht sie das nicht dauernd?“, murmelte Emery.
      „Aber wieso? Was war heute schon wieder falsch? Hab ich irgendwas komisches gesagt?“, fragte Jude irritiert.
      „Vielleicht ist sie eifersüchtig“, warf Noah ein.
      „Hä? Auf wen?“, rief Jude aus. Noah nickte in Charlies Richtung. „Nicht im Ernst“, murmelte Jude. Was sollte er denn tun, Charlie einfach sich selbst überlassen? Wäre das nicht schlimmer? Wer wollte mit jemandem zusammen sein, der Leute sich selbst überließ, huh?!
      „Mach dir nichts draus, mir ist heute ausnahmsweise nichts aufgefallen, was du falsch gemacht hast. Ich meine, alleine der Fakt, dass das super selten vorkommt rechtfertigt ihr Verschwinden irgendwie, aber naja, heute war es unnötig“, meinte Emery nebensächlich, während er im Gehen die Fahrpläne auf seinem Handy checkte.
      „Du bist klasse darin, andere aufzumuntern, danke Emery“ Jude grinste den Dunkelhaarigen übertrieben an. Dann fiel sein Lächeln wieder zusammen und er sah Charlie an, die sich zwischen ihm und Emery mitschleifen ließ. Die Spitzen ihrer Schuhe schliffen bei jedem Schritt über den Asphalt, nicht dass das noch was an am Aussehen ihrer ehemals weißen Sneaker ändern würde. „Was machen wir mit der? Mitnehmen?“, fragte Jude und Emery sah auf.
      „Hat sie ein Passwort am Handy?“
      Jude schielte nach unten und scannte Charlie nach ihrem Handy. „Alter, ich weiß nichtmal, wo es sein könnte“ Er seufzte frustriert und griff dann zu härteren Maßnamen. „Hey. HEY! Charlie! Charlotte!“
      „Ewwwww nenn misch nich sooo“
      „Sind deine Eltern zuhause?“, fragte Jude und klopfte ihr sanft an die Wange.
      „Nope“
      „Echt?“, fragte er überrascht. Das wäre ja ein super Zufall.
      „Meine… Schwester…“
      „Oh, klasse. Die wird dich schon nicht verpetzen, huh? Wenn du nicht nachhause kommst mein ich. HEY!“ Er klopfte ihr erneut an die Wange weil es irgendwie aussah, als wollte sie schlafen gehen, während sie noch laufen sollte.
      „Huh? Nö, die ist neun“
      Jude runzelte die Stirn. Okay… das war irgendwie… Naja. Aber eine Neunjährige konnte schonmal eine Nacht alleine verbringen, nicht? „Okay. Du kommst mit zu uns, ja?“, sagte er, dann murmelte er noch: „Ist vielleicht eh besser, wenn wir dich so nicht nem Kind überlassen“ Tja, das wäre nicht das erste Mal, dass sie irgendjemanden mit nachhause brachten, der alleine sonst nicht den Heimweg überlebt hätte.
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    • Wyatt

      Es war beinahe ein bisschen beeindruckend, wie ruhig Jude damit umging, dass niemand so genau wusste, wo seine Freundin war und sie offenbar nicht vorhatte, so schnell zurück zu kommen. Wyatt war ein kleines bisschen erleichtert, dass Nataly und er nicht genug miteinander zu tun hatten, als dass er sich einmischen müsste, während er seinen Drink austrank, damit sie die Bahn rechtzeitig verlassen konnten.
      Insgesamt waren sie relativ gut weggekommen. Charlie schien mehr tot als lebendig zu sein und von Nataly fehlte immer noch jede Spur, aber der Rest von ihnen war okay. Das war kein allzu schlechtes Ergebnis. Oder? Wenigstens war er immer noch im Zeitplan und er hatte - abgesehen von dem Wetteinsatz - nichts angestellt. Außerdem-
      Wyatt warf Jude einen irritierten Blick zu, als dieser anmerkte, dass Nataly bereits nach Hause gegangen war. Absolut schräg. Wenigstens war sie nicht irgendwo verloren gegangen, auch, wenn er die Sache mit der angeblichen Eifersucht nicht ganz nachvollziehen konnte. Aber was wusste er schon? Es war Judes Beziehung und er würde schon wissen, was er tat, oder eben nicht. Und selbst wenn - irgendwie hatte er doch eh immer Glück, oder? Wahrscheinlich ging es Nataly einfach nicht gut und sie hatte keine Zeit, sich zu verabschieden, oder so.
      “Denkt ihr, dass ihr Charlie so überhaupt irgendwo hinbekommt?”, fragte er kritisch. “Sie sieht ein wenig so aus, als ob sie einschlafen würde, sobald ihr Hintern den Sitzplatz im Bus berührt.” Obwohl es irgendwie auch keine passende Alternative gab, oder? Ein Taxi wäre definitiv zu teuer und sie würden sie auf keinen Fall einfach hier liegen lassen.
      "Sollen wir ihr irgendwo noch eine Flasche Wasser organisieren, oder so? Vielleicht hilft das wenigstens, sie wach zu halten." Die nächst beste Idee wäre ein Energy Drink, aber er hatte keine Lust alles irgendwie noch anstrengender zu machen, also kam Wasser ihn definitiv sicherer vor.
    • Jude

      „Ich glaub in dem Zustand wird ihr Wasser auch nicht mehr helfen, außer wir geben ihr ein, zwei Stunden“, murmelte Emery. Jude ließ sich Wyatts anfängliche Bemerkung noch durch den Kopf gehen während er Charlie ansah. Vermutlich hatte er recht, sie würde sofort einschlafen.
      „Ah, schlimmstenfalls trage ich sie“, sagte er und klang dabei vielleicht etwas unsicherer als er beabsichtigt hatte. Sie war immerhin relativ groß, aber… auch echt dünn, wie ein Stock. Immer nur am nach oben wachsen anscheinend. Jude akzeptierte sein Schicksal kurzerhand. Zu zweit bekämen sie sie schon bis nachhause getragen.
      „Die Wette war zu brutal, aber sie wollte es ja selbst“, fügte Jude belustigt hinzu. Charlie sah neben ihm aus, als würde sie gleich auf den Boden sabbern. In ihrem Kopf war jedenfalls gerade keiner mehr zuhause. „Hey, wenn ich verloren hätte, würde ich jetzt wahrscheinlich so hier hängen und dann hättet ihr ein deutlich größeres Transportproblem“ Schade, dass sich nicht Nataly ansaufen hatte können, die war nämlich deutlich leichter zu transportieren. Aber das klänge wahrscheinlich zweischneidiger als Jude es gewollt hätte und im Endeffekt wäre sie erst Recht abgehaut.
      Die vier warteten auf den Bus, der erst nach zehn langen Minuten angetuckert kam und bis auf sie völlig leer war. Charlie war tatsächlich völlig weg, sobald sie sich hingesetzt hatten, und lehnte mit ihrem vollen Körpergewicht an Jude, der nun doch mehr zu bezweifeln begann, dass er sie alleine den ganzen Weg nachhause tragen könnte. Außerdem hoffte er, dass ihr vom Schaukeln im Bus nicht plötzlich schlecht wurde, weil sie alle, aber vor allem Jude, völlig in Schusslinie waren.
      „Hey, denkt ihr, sie hat draus gelernt, oder dass sie mich nochmal herausfordern wird, weil sies mir heimzahlen will?“, fragte er.
      „Option 3: Sie wird sich wahrscheinlich nichtmal an die Wette erinnern“, beantwortete Emery die Frage und lachte leise.
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    • Wyatt

      "Naja, wir könnten wieder drum wetten. Emery sagt, sie wird sich nicht an die Wette erinnern können, ich bin mir ziemlich sicher, dass sie dich nicht mehr herausfordern wird. Wenn du denkst, dass sie dich nochmal rausfordert wären wir für die Wette gut aufgeteilt. Eine Wette in einer Wette praktisch. Wetten-ception und so." Wyatt lachte kurz auf, bevor er seinen Arm ausstreckte, um Jude zu helfen, Charlie in einer Kurve davor zu bewahren, einfach seitlich aus dem Sitz zu kippen. Sie sah nicht sonderlich gut aus, aber wenigstens hatte sie - bis jetzt - noch nicht gekotzt. Wenn sie das noch drei Stopps durchziehen würde, bis Wyatt eh aussteigen musste, wäre er mit dem Abend zufrieden.
      "Wir müssten uns nur überlegen, was der Gewinner dann...gewinnt." Er sah für einen Moment nachdenklich aus, bevor er sich schlicht zu Emery drehte. "Da Jude eh gewinnt, wäre ich für irgendwas, was ihm eigentlich nichts bringt, oder was er nicht mag. 'Der Gewinner darf 10£ unter den Verlierern verteilen' oder so." Vielleicht war das ja zukünftig die ideale Weise, um mit Judes abartigem Glück, immer alles zu gewinnen, umzugehen. "Oh, oder der Gewinner bekommt ein Weihnachtsgeschenk von den Verlierern und dann hoffen wir einfach, dass er sich im Dezember nicht mehr daran erinnert", fuhr er munter fort, als wäre Jude gerade nicht anwesend und in Hörweite.
      "Ich muss übrigens in zwei Stopps raus", merkte er an, als der Bus zum ersten Stopp hielt, auch, wenn niemand dazu stieg. Sein Blick fiel erneut auf Charlie, die vollkommen weggetreten war. "Seid ihr euch sicher, dass ihr sie getragen bekommt? Ich kann auch noch mitkommen und euch helfen, wenn ihr wollt", bot er etwas unsicher an. Dann würde es zwar knapp werden, pünktlich zurück nach Hause zu kommen, aber...wenn sie alle wohlbehalten nach Hause kamen, könnte er mit Milos enttäuschtem Blick leben. Und damit, dass sein Geburtstag wohl etwas kleiner ausfallen würde. Vielleicht hätte er ja sogar zur Abwechslung Glück und sein Bruder hätte Verständnis dafür, warum er so lange weg war und würde nicht davon ausgehen, dass er ihm nur irgendeine Ausrede erzählte! Es gab für alles ein erstes mal, nicht?
    • Jude

      „Hey, ich bin noch hier“, sagte Jude etwas beleidigt. „Ihr seid einfach schlechte Verlierer. Ich gewinne auch garnicht immer. Aber irgendwie läuft am Ende alles gut für mich, weißt du?“ Er grinste. „Also meinetwegen wetten wir um das Geld, da verliere ich lieber die Wette und lasse mich von euch auszahlen“ Glück im Leben hatte schließlich nicht immer etwas mit gewinnen oder verlieren zu tun! Auch wenn Jude sehr, sehr gerne Dinge gewann. Aber wieso selte er etwas gewinnen wollen, wo er im Endeffekt verlor? Nope, da würde er lieber nochmal versuchen, Charlie einzureden, dass sie sich die ganze Wette eingebildet und unabsichtlich mit ihren eigenen Drinks abgeschossen hatte. In den Wettregeln stand ja nicht, dass man sie nicht manipulieren durfte.
      Als sie bei Wyatt Stopp ankamen, schmunzelte er: „Schon okay, fahr nachhause bevor du Hausarrest bekommst“ Er wusste nicht, ob Wyatt eine Ausgangssperre hatte, aber irgendwie hatte sein Bruder nicht wie die lockerste Person gewirkt. Allein sein Kleidungsstil schrie ‚Sei zuhause um acht!‘. „Wir sehen uns in zwei Wochen bei deiner Party, schick mir noch die Details. Ich glaube, Nataly bringe ich nicht mit. Und Emery…“ Jude warf seinem Freund einen Blick zu.
      „Oh… oh, danke für die Einladung, ich äh… seh mal, ob ich da Zeit hab“, sprang Emery sofort für sich selbst ein.
      Jude lächelte schief. „Er mag keine Parties mit vielen Menschen. Heute war einfach Pflicht“
      „Das stimmt nicht, es kommt einfach nur auf die Leute an“, verteidigte Emery sich.
      Sie verabschiedeten sich von Wyatt und Emery blieb mit einem düsteren Blick gegenüber von Jude zurück.
      „Was ist?“, lachte der Rothaarige.
      „Du kannst sowas nicht einfach sagen. Dann denkt er, ich hab was gegen ihn“
      „Tut er überhaupt nicht, du hast halt was gegen viele Menschen, ist das ne Lüge?
      „Ich hab was gegen spezifische Menschen. Wyatt war ganz nett. Aber wer weiß, wen er einlädt. Das ist mir zu viel Risiko“
      Jude grinste. „Okay. Weiß ich. Darum hab ich gesagt, du magst es nicht. Ist doch scheiße bei sowas unklar zu sein“
      Emery seufzte. „Du schnallst das nicht“ Und damit hatten sie mit dem Thema abgeschlossen.

      Charlie nachhause zu bringen war zu zweit noch immer eine Herausforderung, weil sie sich einfach wie ein nasser Sack hängen ließ und getragen werden musste, aber zumindest schliefen Chris und Helen wohl bereits und sie bemühten sich, Charlie so leise wie möglich auf die Matratze zu verfrachten, die unter Judes Bett zur Reserve lag. Er legte eine Sofadecke drüber weil sie Charlie nicht absetzen konnten, ohne dass sie sofort einschlief, dann ließen sie sie unbeabsichtigt etwas unsanft auf ihr neues Bett fallen. Jude machte sich noch die Mühe, ihr die Schuhe von den Füßen und die Jacke auszuziehen und dann wartete er auf seinem Bett, bis Emery fertig geduscht hatte, um ins Badezimmer zu gehen. In der Zwischenzeit… scrollte er durch sein Handy, bis er auf einmal eine Nachricht bekam.
      ‚Tut mir leid, dass ich heute plötzlich verschwunden bin. Ich weiß, es ist noch dein Geburtstag aber ich kann hiermit nicht warten. Ich finde, wir sollten Schluss machen. Ich hab das Gefühl, ich bin dir nicht wichtig genug, sondern eher ein… Accessoire, oder so. Wir können uns nochmal als Freunde treffen und darüber reden, wenn du willst. Gute Nacht‘
      Jude setzte sich ruckartig auf und starrte auf die Nachricht, dann las er sie nochmal. Er ließ mit einem frustrierten Seufzen sein Handy neben sich auf die Matratze fallen. Echt jetzt? Ein Accessoire? Was sollte das denn heißen? Sie hatte doch selbst Spaß dran gehabt, Jude dauernd ihren komischen Freundinnen vorzuführen. Ugh.
      Er ließ den Blick durch den Raum gleiten, bis er bei Charlie ankam, die völlig ausgeknockt auf der Seite lag und sabberte. Er schüttelte langsam den Kopf. Darauf war sie eifersüchtig gewesen, huh? Oh, was für eine Schande, dass Nataly nicht selbst sabbernd auf seiner Reservematratze pennen konnte. Das mit dem Accessoire verstand er nicht. Das konnte nicht der Grund sein. Er hatte sie ganz normal behandelt, hatte bei all ihren blöden Date Ideen mitgemacht und nie eine Diskussion wegen etwas begonnen und auf den Rat seiner Freunde hin einfach akzeptiert, wenn sie seltsame Meinungen zu etwas hatte. Sie hätte sich total respektiert und… geliebt fühlen sollen, oder was auch immer. Sie hatten nichtmal Sex. Was war das denn überhaupt für eine Beziehung? Gehörte das nicht irgendwann mal dazu? Und Jude hatte nichtmal was versucht, damit sie nicht dachte, dass er genau das dachte. Mann, er hatte sich echt Mühe mit der ganzen Sache gegeben. Mit Geschenken und dem ganzen Zeug. Hatte immer ihr Essen bezahlt.
      Irgendwann hatte Jude sich zur Seite fallen lassen und begonnen, den Lattenrost über sich anzustarren. Störte ihn das Ende von dieser Beziehung echt so sehr? Eigentlich nervte es ihn bloß, dass er sich Mühe gegeben hatte, und Nataly es trotzdem beendet hatte. Da war so viel Energie reingeflossen. Gut, nicht so viel Energie. Vielleicht hätte es ja noch mehr Aufwand gebraucht. Aber allein beim Gedanken daran war er schon fast froh, dass er keine Freundin mehr hatte. Es war echt anstrengend, es jemandem dauernd recht machen zu wollen. Bei seinen Freunden war das nicht so anstrengend. Er müsste einfach mal seine Freunde daten. Judes Blick schweifte wieder zu Charlie auf dem Boden, schoss jedoch gleich wieder nach oben zum Lattenrost. Sicher nicht. Irgendwie konnte er sich echt nicht vorstellen, mit Charlie was anzufangen. Sie war super, es war immer lustig mit ihr, aber sie war so… aufgedreht. Das wäre sicher total irre, wenn sie zusammen wären. Wahrscheinlich würden sie bescheuerte Sachen machen und sterben. Obwohl das wenigstens ein ereignisereicher Tod wäre, besser als irgendwann an Altersschwäche neben Nataly im Bett abzukratzen. Vielleicht wäre eine Mischung gut. Irgendjemand, mit dem man Spaß haben konnte, der aber genug Hirn für sie beide hatte, damit sie überlebten. So wie Emery, aber Emery war sein Bruder und ein Kerl und er roch so krass nach Zigaretten, dass selbst eine Dusche das nicht mehr korrigieren konnte. Kaia war deutlich zu interessiert an Zeug, das Jude absolut nicht interessierte. Oh Mann, vielleicht sollte er einfach mal neue Mädchen kennenlernen anstatt über seine existenten Freunde nachzudenken.
      Jude rollte sich genervt zur Seite. Wie lange konnte ein Mensch eigentlich duschen, verdammt? Zu viel Raum für dämliche Gedanken.
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    • Wyatt

      Wy warf Jude, Emery und Charlie einen etwas kritischen Blick zu, zuckte aber schlussendlich mit den Schultern. Sie würden schon wissen, was sie tun. Jude und Emery waren immerhin zu zweit und Charlie sah nicht allzu schwer aus, also würden sie es wohl schon irgendwie schaffen, sie vom Bus ins Haus zu schleppen. Die kleine Erklärung, warum Emery wahrscheinlich nicht zu seinem Geburtstag kommen würde, war nicht weniger bedenklich, wurde aber trotzdem ebenfalls mit einem Schulterzucken und einem kleinen “Musst ja nicht kommen” beantwortet.
      Wenigstens schafften sie den Weg bis zu Wyatts Haltestelle, ohne, dass Charlie kotzte, was er schon mal als Gewinn verbuchte. Er zog seine Kapuze über seinen Kopf, während er die letzten Meter zu Fuß zurücklegte. Er beeilte sich ein wenig, um auch ganz bestimmt in seiner Zeitfrist zu bleiben und atmete erleichtert aus, als er endlich vor seiner Haustüre stand und den Schlüssel im Schloss drehte. Die Haustür knarrte so laut, dass es vollkommen unnötig war zu versuchen, sich irgendwie reinzuschleichen, ohne viel Lärm zu machen. Wy kickte seine Schuhe zur Seite, zog seine Jacke aus und steuerte das Wohnzimmer an, in dem noch Licht brannte.
      Milo lag auf dem Sofa und war voll und ganz in seinem Handy versunken. Er sah nur kurz auf, als Wyatt rein kam, bevor er sich wieder seinem Spiel, oder seiner Nachricht, oder was auch immer er tippte, zuwandte. “Du bist überraschend überpünktlich”, kommentierte er mit einem Lächeln. “Wie wars?”
      “Chaotisch, glaube ich”, antwortete Wyatt. Er würde ihm garantiert nicht von Charlie erzählen. “Ich glaube, Jude ist jetzt single.”
      “Schön für dich.”
      “Weißt du, deshalb erzähle ich dir nie was.” Wyatt griff nach dem Kissen auf dem Sessel, der ihm am nächsten war und warf es auf Milo, der angefangen hatte zu lachen.
      “Sorry. War es schlimm? Streit?” Milo legte das Handy zur Seite und setzte sich etwas auf, während Wyatt sich auf den Sessel fallen ließ und mit dem Kopf schüttelte.
      “Nope. War irgendwie ziemlich…seltsam. Ich bin auf jeden Fall froh, dass ich mich an meinem Geburtstag nicht auch noch um eine Freundin kümmern muss.” Er hatte sowieso schon genug, um das er sich kümmern musste.
      Milo warf ihm ein kleines Lächeln zu. “Hast du wenigstens etwas Inspiration für deinen Geburtstag sammeln können?”


      Ezra

      Er brauchte einen Moment um sich zu orientieren, als er wach wurde. Es war stockdunkel, ruhig, Andrew lag neben ihm und Max stand so nahe vor ihm, dass Ezra kurz erschrocken zusammenzuckte. Zum Glück hing er nicht mehr an einer dieser Maschinen, die seinen Herzschlag aufzeichneten. Er versuchte, den Schreck irgendwie zu überspielen, während er zu Max sah. Niko hing an dem Arm seines Bruders, als würde sein Leben davon abhängen.
      “Hey”, sagte er leise. “Alles okay?”
      “Albtraum”, nuschelte Max verschlafen mit einem kurzen Deut in Nikos Richtung.
      Ezra stieß ein mitfühlendes “Oh” aus, während er seinen Arm nach Niko ausstreckte, um ihm über den Kopf zu streichen. “Dir kann hier nichts passieren, Niko”, versprach er, auch, wenn Niko wahrscheinlich kein Wort verstand. Ein Gähnen unterdrückend, setzte sich Ezra ein wenig auf und schlug die Bettdecke zurück. “Willst du bei uns schlafen?” Er deutete aufs Bett und half Niko, der mit dem Kopf nickte, hoch. Niko lächelte ihm kurz entgegen, bevor er geradewegs durch zu Andrew krabbelte, um sich neben ihm zusammenzurollen.
      “Willst du auch hierbleiben?” Ezra sah wieder rüber zu Max, der unschlüssig neben dem Bett stehen geblieben war und wohl nicht so richtig wusste, wohin mit sich. Gott, er würde bares Geld zahlen um zu wissen, was in dem Kopf des Jungen vor sich ging. Max zögerte noch einen Moment, bevor er an Ezra vorbei krabbelte und sich zwischen ihn und Niko legte. Was das Bett ziemlich voll machte, aber was sollte man machen, wenn man ein verschrecktes Kleinkind und ein Kind mit übersteigerten Verlustängsten hatte?
      Trotzdem musste Ezra lächeln, als er sich das Gesamtbild nochmal ansah - Niko, der seine kleinen Finger in Andrews Shirt vergraben hatte, während Max versuchte, die Augen offen zu halten - und rutschte in seine Position zurück. Wenigstens würde ihm morgen wahrscheinlich mit den beiden nicht langweilig werden, wenn Andrew zurück zur Arbeit ging.
    • Andrew

      Als Andrew am nächsten Morgen aufwachte, war ihm seltsam heiß. Er schlug realtiv schnell die Augen auf, um sich von den ganzen Decken zu befreien, realisierte aber zum Glück sehr schnell, dass eine der ‚Decken‘ Niko war, der sich auf ihn gelegt hatte. Im ersten Moment blinzelte er den Jungen nur verschlafen an, dann bekam er einen Schock und riss den Kopf herum. Ah, okay. Okay. Alles gut. Elli lag neben ihm, immernoch auf der Matratze, nicht auf den Deckenberg daneben. Er musste sich also wirklich wieder keinen Millimeter im Schlaf bewegt haben. Eigenartig und doch… beeindruckend. Seine Panik, irgendein Kind zu erdrücken, blieb auch im schlafenden Zustand noch aktiv.
      Andrew strich Niko ein paar Mal über den Rücken, bevor er ihn sanft zur Seite rollen wollte, als er Max sah und die Situation etwas schwieriger wurde. Wann hatten die zwei sich denn in ihr Bett geschlichen? Sie waren jedenfalls noch nicht da gewesen, als Andrew Elli irgendwann in der Nacht noch gefüttert hatte. Sogar Max? Das war irgendwie… irgendwie echt süß und… er konnte jetzt nicht um sechs Uhr morgens zu heulen anfangen.
      Andrew setzte sich zwangsweise mit Niko auf, um hinter sich auf der Matratze Platz zu machen und sich unfähig aus dem Bett zu robben, ohne die anderen vier Leute darin rauszuwerfen. Nach dem Manöver war er schonmal kurz außer Atem. Sein Versuch, niemanden zu wecken, war völlig misslungen, aber zumindest kuschelte Niko sich sofort an Ezra und Elli starrte Andrew nur aus großen, hungrigen Augen an und er musste schmunzeln. Sie setzte sich auf und zwang ihn, sie gleich mit aus dem Bett zu heben und in die Küche zu tragen, wo er sie in Liz alten Hochstuhl setzte und sich um ihrer beider Frühstück kümmerte. Er schaltete leise sein altes Radio zur Geräuschberieselung ein und beschloss, auf eine Dusche verzichten zu müssen, auch wenn er sich ein wenig verschwitzt vorkam. Zu fünft in einem Bett zu schlafen war nicht okay, wenn das Fenster geschlossen war. Allerdings konnte er Elli jetzt auch nicht einfach alleine hier sitzen lassen.
      Er machte sich fertig, etwas umständlich, weil er alles gleichzeitig auf die Reihe bekommen wollte, und machte, bevor er das Haus mit Elli in einer Babyschale verließ, noch ein paar Sandwiches für Ezra und die Jungs, die er im Kühlschrank verstaute. Dann ging er los, mit Elli eingepackt und mit Sonnencreme beschmiert in der Babyschale und eine gigantische Wickeltasche um die Schulter geworfen. Er hatte sein Auto unheimlich vermisst. Später würde er aber wohl tanken müssen.

      Als er bei MLO ankam, packte ihn der Alltagsstress auf einen Schlag. An manchen Tag war bei MLO unheimlich viel Getummel, besonders wenn gerade eine wichtige Mission anstand oder schon im Laufen war. Er fühlte sich mit Elli etwas fehl am Platz und schlängelte sich so schnell wie möglich zu seinem Bürotisch vor. Dann atmete er kurz durch, wickelte Elli in eine Rucksackartige Babytrage, die er im Internet bestellt hatte. Er hoffte inständig, dass das Teil robust genug war, bevor er damit in Haralds Büro ging. Elli hatte jedenfalls Spaß und schlug ihre baumelnden Beine ab und zu mal in Andrews Magen. Sixpack-Training, redete er sich ein.
      „Guten Morgen, ich-“, fing er hastig an, während er die Tür hinter sich schloss.
      „Ah, Mr. Morgan. Sehr gut. Oh, Andrew, wir können uns doch mittlerweile beim Vornamen nennen, oder?“, begann Harald sofort und stand von seinem Sessel auf.
      Andrew war etwas überfordert, nickte und wollte antworten, aber Harald kam ihm wieder zuvor.
      „Sehr gut. Ich hab eine wichtige Info. Weißt du, ich hab nächsten Monat, am 8. Mai genauer gesagt, meinen 73. Geburtstag. Sei ruhig ehrlich, das ist viel zu alt für diesen Job, was?“ Harald lachte in seiner typischen, warmen Opa-Lache und Andrew lächelte etwas, unsicher ob da jetzt einstimmen sollte. „Jedenfalls gehe ich an dem Tag in Pension“ Moment, was? „Es ist längst Zeit, Andrew. Ich will mich mal um meinen Garten kümmern, statt immer hier zu sitzen“
      Den Garten? Und was war mit ihm?! Andrew konnte seinen Schock nicht verbergen. „In einem Monat? Aber Sir, äh, Harald, ich hatte gehofft, eine Einführung zu bekommen…“ Andrew versuchte sein bestes, nicht panisch zu klingen. Vielleicht hatte der alte Mann es sich ja auch spontan anders überlegt und jemanden ausgesucht, der schon vertrauter mit der Organisation war.
      „Natürlich, natürlich. Die bekommst du auch. Bis 8. Mai“ Harald lächelte.
      „Das… okay“ Was sollte er schon tun, widersprechen? Ihn von der deutlich überfälligen Pension abhalten? „Uh, ich hätte aber eine… Bitte an Sie- dich“
      Harald setzte sich gerade wieder, sah aber erneut lächelnd auf. „Was gibt es? Oh- lass mich raten, das Baby? Wie kommen Sie mit den Kindern zurecht? Ist schon ein Waisenhausplatz frei geworden?“
      „Oh… Nein, ich hab noch keine Information bekommen, ich nehme an, das könnte noch ein paar Tage dauern. Genau deshalb wollte ich darum bitten, vielleicht nur Halbtags hier zu sein, oder von zuhause zu arbeiten. Ich bin… ja alleine mit den Kindern und gerade passt Mr. Fitzsimmons auf die beiden Jungen auf, aber sein Arm ist gebrochen und er ist generell nicht ganz fit, also wär es mir lieber, das selbst zu übernehmen“
      Harald nickte ernst. „Hm, hm. Ja, das ist verständlich. Mr. Fitzsimmons sollte sich von seinem Unfall erholen. Dann nimm die Materialien einfach mit nachhause und wir beginnen mit dem Training, sobald die Kinder abgegeben sind“
      Andrew fiel ein Stein vom Herzen. Das machte diese Sache deutlich unkomplizierter. Nur… diese minimale Zeitspanne fürs Training machte ihm dezente Sorgen. Er hatte schließlich keine Erfahrung in Führungspositionen. Konnte man alles, das man dafür wissen musste, in gerade mal vier Wochen unterbringen?
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    • Ezra

      Nachdem Ezra kurz wach geworden und sofort wieder eingeschlafen war, als Andrew aufgestanden war, war es Max, der ihn endgültig weckte. Schon wieder. Der Junge zog an seiner Schulter, bis Ezra die Augen öffnete und ihn ansah. Seine dunklen Haare standen in alle Richtungen ab, was niedlich gewesen wäre, wenn er nicht so panisch aussehen würde.
      “Elli?”, fragte Max knapp und deutete auf den Platz, auf dem das Baby heute morgen noch gelegen hatte.
      “Bei Andrew”, antwortete Ezra in der Hoffnung, dass seine Stimmlage irgendwie rüberbringen würde, dass Andrew der sicherste Ort der Welt war und Elli nichts passieren konnte. Max’ Gesichtsausdruck nach zu urteilen, versagte er dabei auf voller Linie. Der Junge sah aus, als ob er alle fünf Phasen der Trauer auf einen Schlag durchleben würde, als er an Ezra vorbei an die Wand starrte, was sämtliche Alarmsignale in ihm auslöste.
      “Max”, begann er sanft, während er sich aufsetzte und dabei seinen Arm um Niko legte, der wohl irgendwann im Verlauf des Morgens von Andrew zu ihm gewandert sein musste. Der kleine Junge stieß einen Laut der Beschwerde aus, als Ezra ihn vorsichtig auf die Matratze neben ihm rutschen ließ, um den Arm für Max frei zu haben. “Elli geht es gut. Sie ist nur mit Andrew unterwegs. Heute Nachmittag kommt sie wieder und hat bestimmt ganz viel zu erzählen. Mhm?” Er warf ihm ein aufmunterndes Lächeln entgegen, streckte seinen Arm nach ihm aus und strich ihm die Haare glatt. Niko murmelte irgendwas auf russisch, Max antwortete knapp und sah aus, als ob er den Tränen nahestehen würde.
      “Maxi. Alles wird gut. Es sind nur ein paar Stunden.” Ezra wischte dem Jungen die erste Träne von der Wange und wünschte sich, ihm die Lage irgendwie besser erklären zu können. Was…was er sogar konnte! Einer kleinen Blitzidee folgend, schnappte sich Ezra sein Handy und hantierte kurz damit herum, bis er eine App fand, die Spracheingaben übersetzen konnte. Er hatte keine Ahnung, wie gut sie war, als er sich räusperte, auf Aufnahme drückte und kurzerhand zu einer Erklärung ansetzte.
      “Ich kann mich im Moment nicht um euch drei zusammen kümmern, deshalb hat Elli jetzt einen ganz tollen Tag mit Andrew und ist heute Nachmittag wieder zurück. Du brauchst dir wirklich keinen Stress zu machen. Wir können sie heute Mittag ja mal anrufen! Und bis dahin finden wir irgendwas, damit die Zeit ganz schnell rumgeht, okay?” Er ließ die Übersetzung abspielen, die nichts von dem vorsichtigen Enthusiasmus beinhaltete, den er in seine Stimme gelegt hatte, aber das war okay. Wenigstens schien Max es irgendwie zu verstehen. Er schniefte kurz, bevor er nickte, was die erste - und hoffentlich einzige - Krise des Tages beendete.

      Der Vormittag ging tatsächlich überraschend schnell rum. Zum einen hatten sie sowieso relativ lange geschlafen, zum anderen gab es einfach immer etwas zu tun. Max war weitestgehend selbstständig und sah beinahe pikiert aus, wenn Ezra Hilfe anbot, weshalb er ihn generell eher in Ruhe ließ. Niko war ihm gegenüber deutlich weniger abgeneigt. Er ließ sich beim Zähneputzen und Anziehen helfen und war mit Begeisterung bei jedem Spiel dabei, das Ezra sich ausdachte, um Kinder und Hausarbeit irgendwie unter einen Hut zu bekommen.
      Der einzige Vorteil war, dass er so wenigstens nicht laufend an gestern dachte, an Caleb und Richard und Andrew und… ugh. Eine Nacht drüber zu schlafen hatte definitiv nicht geholfen. Ezra wusste immer noch nicht, wie er darüber denken sollte, während er Andrew einen kurzen Dankes-Text zu den Sandwiches tippte, nur, um ihm eine Sekunde danach ein Foto von Max zu schicken, den er vor einer Dinosaurier-Doku geparkt hatte. Russisch mit englischen Untertiteln, damit er eventuell ab und an ein bisschen mitlesen konnte. Max sah zwar nicht unbedingt glücklicher aus, als sonst, aber er folgte den Bildern mit großen Augen, was Ezra als kleinen Gewinn verbuchte. ‘Merk dir Dinos als Schultaschen-Thema’, tippte er Andrew mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen, während Niko fröhlich auf dem Teppich mit ein paar Bauklötzen spielte und auf einer unfassbar niedlichen Mischung aus russisch und englisch auf Ezra einredete. Ezra hatte keine Ahnung, worum es ging, aber er nickte ab und an, was Niko auszureichen schien.
      ‘Bei dir alles okay?’, tippte er abschließend an Andrew und setzte sich vorsichtig neben Max auf das Sofa, auch wenn der Junge zu gefesselt von der Doku war, um ihn überhaupt noch wahrzunehmen, was nach dem holprigen Start heute morgen wahrscheinlich das Beste war. Er musste dringend mit Andrew überlegen, was sie morgen machen sollten.
    • Andrew

      Andrew verbrachte den gesamten Vormittag damit, eine Gehirnhälfte fürs Arbeiten zu nutzen und sich die andere für Sorgen freizuhalten. So unkonzentriert war er in seinem Leben noch nicht bei der Sache gewesen. Er arbeitete ein paar Dinge ab, die Harald ihm spontan zugeschoben hatte, was ihm einen guten Crashkurs in den Job gab, aber er fragte sich langsam, ob seine Beförderung schon die Runde machte, oder sie das bis zur letzten Sekunde geheimhalten würde. Beides hatte seine Nachteile. Aber jetzt gerade brauchte Andrew wohl tatsächlich nicht noch mehr Stress. Er musste alle paar Minuten Ellis Spielsachen auswechseln, damit ihr nicht langweilig wurde, und das Mittagessen in der Küche war eine Katastrophe, weil er sie vor sich auf den Tisch hatte setzen müssen und selbst nicht zum essen kam. Prinzipiell war das kein Problem, er war es durchaus gewohnt, seltene Mahlzeiten zu sich zu nehmen, aber der Stress schlug ihm ein wenig auf den Magen und etwas zu essen hätte vielleicht geholfen. Dafür nahm er sich kurz nach seiner Mittagspause stur Zeit, Ezras Nachrichten zu checken, die er die ganze Zeit im Augenwinkel gesehen hatte. Und vermutlich würde er in einer halben Stunde nachhause fahren. Es war zwar noch unheimlich viel zu tun und zuhause würde die Konzentration sicher nicht besser werden, aber wenigstens wäre er beruhigter, wenn er nicht dauernd die Blicke von Mitarbeitern im Nacken spüren würde. Was sich nämlich herumgesprochen hatte, war, dass dieses Baby nicht seines war, sondern eins der besagten Kinder aus dem russischen Heim, die ihm 'aufgedrückt' worden waren. Die Neugierde war kaum auszuhalten, selbst wenn ihn niemand darauf ansprach.
      Nach der vorgenommenen halben Stunde machte er bei Steve einen Abstecher und kündigte sein Home Office für die nächsten zwei oder drei Tage an, und dann ging es zurück ins Auto. Das war vielleicht der erste Arbeitstag in seinem Leben, den er frühzeitig beendete. Oder, naja, zumindest nachhause verlegte. Was ebenso neu war. Früher hätte er bei zu viel Arbeit ganz einfach auf der Bürocouch geschlafen.

      Andrew schloss zuhause die Türe auf und schleppte sich mit seinem ganzen Gepäck wieder hinein. "Bin wieder da", rief er rein und stellte die Babyschale kurz im Vorraum ab. Bevor er noch dazu kam, sich die Schuhe auszuziehen, klebte Niko ihm am Bein. Das wurde langsam zur Gewohnheit. Andrew lachte und wuschelte dem Kleinen durch die Haare. Langsam war Zeit für einen Mittagsschlaf, oder? Andrew wollte sich am liebsten anschließen.
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    • Ezra

      Es hatte beinahe was therapeutisches an sich dabei zuzusehen, wie Max' Lippen stumm die Namen der Dinosaurier formten, während der Sprecher in unfassbar nasalen russisch Fakten zu ihnen runterbetete. Ezra war versucht, einfach irgendeine Playlist mit Dokus durchlaufen zu lassen, bis er irgendeine fand, die Max tatsächlich begeistern würde und wurde bei dem Vorhaben nur von Ada gestoppt, die sich erbarmt hatte, mit dem Mittagessen zu helfen. Wenig später halfen Liz und Max dabei Kartoffeln zu schneiden, während Ezra Niko ablenkte, der auch irgendwie helfen wollte, aber schlicht nicht helfen konnte, womit sie eine unfreiwillige Gemeinsamkeit gefunden zu haben schienen.
      Das Essen verlief weitestgehend unproblematisch. Liz, Max und Niko schienen irgendwie ihre ganz eigene Sprache gefunden zu haben - oder taten nur so, als ob sie einander verstehen würden - während Ada sich mit der Geduld eines Engels anhörte, was Ezra doch noch alles zu gestern durch den Kopf ging, auch, wenn sie ihm nicht wirklich weiterhelfen konnte. Wenigstens tat es gut, mit irgendjemandem zu reden, der weder direkt betroffen, noch leicht traumatisiert war. Als sie schlussendlich die Reste aufteilten und die Teller in die Spülmaschine räumten, riet Ada ihm schlicht, Caleb und sich selbst noch etwas Zeit zu geben, was unbefriedigend war, aber wahrscheinlich alles, was er wirklich tun konnte.
      Als sie wieder unter sich waren, zog Max kurz an seinem Pulloverärmel. "Elli?"
      Ezra kniete sich zu dem Jungen runter und nickte. "Sollen wir Andrew mal anrufen und kurz fragen, wie es ihr geht?", fragte er. Er ließ zur Vorsicht direkt die kleine Übersetzungsapp mitlaufen, nur um sicher zu gehen, dass Max wusste, dass er seine Bedenken ernst nahm, auch wenn er hoffte, dass sich die Verlustängste des Jungen irgendwie einpendeln würden. Es war niedlich, dass er auf seine Geschwister aufpassen wollte, aber es sollte definitiv nicht darin enden, dass er jedes mal vor Stress zu weinen begann, wenn die beiden nicht bei ihm waren.
      Max nickte ernst. Ezras Finger schwebte bereits über dem kleinen 'Anrufen' Icon, bevor er die Tür und einen Moment später Andrews Stimme hörte. Niko zischte an ihnen vorbei, als ob Luftwiderstand für ihn nur eine Theorie wäre und auch Max sah sofort ein wenig begeisterter aus, als er sich umdrehte und Ezra alleine sitzen ließ. Ezra sah ihm kurz lächelnd hinterher, bevor er sich selbst aufrappelte und zu seinem Freund ging.
      "Hey", grüßte er und drückte Andrew einen Kuss auf die Lippen. Max ignorierte sie beide, und ging sofort zu Elli, um sicher zu gehen, dass ihr nichts fehlte. "Du bist früh. Nicht, dass ich mich beschweren würde. Alles in Ordnung?" Ezra stahl sich noch einen zweiten Kuss, bevor er Andrew ein bisschen Raum gab, seine Jacke auszuziehen, wenn Niko schon seine Schuhe blockierte. "Wir wollten gerade einmal anrufen, um zu hören, wie es dir geht", schob er lächelnd hinterher.
    • Andrew

      Dem Anblick nach zu urteilen war es Max aufgefallen, dass Elli nicht da gewesen war. Das war kein Wunder. Andrew hatte sich schon gefragt, wie er das verkraften würde, aber scheinbar hatten ihn die Dino Dokus bis eben ganz gut abgelenkt. Die Sorge um seine Schwester war ihm trotzdem im Gesicht abzulesen. Ob ihm bewusst war, dass er selbst jemanden brauchte, der sich um ihn kümmerte? Ein Sechsjähriger konnte kaum die Verantwortung für sich und ein Baby übernehmen, aber so weit dachten Kinder vermutlich nicht.
      Andrew fühlte sich von den begrüßen positiv überrumpelt. Jetzt wollte er direkt noch weniger weiterarbeiten. Er hing seine Jacke auf und nahm Niko hoch um sich die Schuhe von den Füßen zu treten, und mit der anderen Hand schnappte er sich Max Missfallen die Babyschale wieder, aber Elli wollte vermutlich irgendwann mal wieder da raus.
      „Home Office“, erklärte Andrew erstmal knapp. Er musste selbst seine Gedanken ordnen, bevor er Ezra mit den Infos schockte, die ihm selbst noch Sorgen machten. „Ich bleibe die nächsten zwei, drei Tage mal hier und mache alles, was Harald mir zuschiebt, von zuhause. Ich bin gespannt wie… das laufen wird. Ähm… er meinte, er geht in ziemlich genau einem Monat in Pension und überlässt mir die Organisation mehr oder weniger… unvorbereitet. Oder, naja, er scheint sich sehr sicher zu sein, dass er mich bis dahin in alles einweihen kann, das ich wissen muss, aber irgendwie bezweifle ich das. Also, Zeig zu googlen, wie man eine Organisation leitet“ Das war lockerer ausgedrückt, als er sich innerlich fühlte. Er betete, dass er fürs erste keine zu komplizierten Aufgaben bekam, aber sein alter Job hatte mit seiner zukünftigen Position weniger als nichts gemeinsam, darum fehlte ihm jegliche Erfahrung.
      „Und wie war es hier? Geht‘s dir gut?“, fragte er während er Niko wieder abstellte und Elli aus der Schale hob und sie kurzerhand auf die Decke am Boden setzte, die sie dort ausgebreitet hatten. Er legte den restlichen Spielsachen dazu, die er in der Wickeltasche gehabt hatte. Dann stand er wieder auf und konnte sich keine Sekunde länger verkneifen, die Arme um Ezras Taille zu schlingen und ihm ein paar Küsse ins ganze Gesicht zu drücken. „Alles okay mit deinem Arm? Und energiemäßig? Willst du nachher mitkommen, damit wir Max Schulsachen einkaufen gehen?“ Noch ein letzter Kuss und er wurde wieder von der kleinen Zecke an seinem Bein unterbrochen, die wohl einen guten Tag gehabt hatte, auch wenn sie langsam etwas müde aussah. Andrew hatte das Gefühl, er müsste Niko zukünftig in jeder Umarmung mit Ezra sandwichen, weil er es nicht aushielt, kein Teil davon zu sein. Also hob er ihn wieder hoch.
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    • Ezra

      Die Neuigkeiten über das Homeoffice in den nächsten Tagen entlockten Ezra ein freudiges "Oh!", bevor die nachfolgende Information zu seiner Beförderung ein deutlich irritierteres "Oh?" nach sich zog. Das war...eine Art, in den Ruhestand zu gehen, schätzte er? Nicht, dass er sich irgendwie mit Strukturen in einer Organisation oder einem Unternehmen auskennen würde. Seine Chefs waren sein Leben lang entweder seine Eltern, oder er selbst gewesen und für ihn war diese Position irgendwie immer auf einem Niveau mit dem Papst gewesen - man hatte sie halt inne, bis man starb. Über solche Sachen wie Training, oder eine saubere Übergabe hatte er sich nie den Kopf zerbrechen müssen. Es half nicht, dass sich das alles generell immer noch vollkommen irreal anfühlte.
      Deutlich schöner waren die Küsse und die Umarmung. Ezra hatte die Nähe zwischen ihnen in den letzten Tagen wirklich schmerzlich vermisst. Es war eine Sache, Andrew als Beistand in der Nähe zu haben und eine vollkommen andere, ihn jederzeit an sich ziehen und küssen zu können und er freute sich wirklich, dass sein Freund schon früher zurück war, als gedacht. Vielleicht hatte er selbst auch ein wenig mit Verlustängsten zu kämpfen.
      "Ellis Bett ist eben angekommen", begann er seine Tageszusammenfassung mit einem kleinen Nicken zu einem ziemlich großen Paket im Wohnzimmer, das Ada und er eben noch die Treppen hochgeschleppt hatten. Ada mehr, als er. Eigentlich hatte er ihr gesagt, das Paket einfach stehen zu lassen, bis Andrew wieder da war, aber sie hatte irgendwas von den 'Kräften einer Frau, die nicht auf die Hilfe eines Mannes warten will' erzählt und ihren ganzen Körper gegen das Paket gelehnt, bis es tatsächlich irgendwie die Treppen hinauf gekommen war. Was definitiv nicht ein kleines bisschen gruselig gewesen war.
      "Max hat Elli vermisst, aber ich glaube, das haben wir ganz gut in den Griff bekommen. Oh und Niko", fuhr er fort, während er die Hand hob und den kleinen Jungen in Andrews Armen leicht kitzelte, "hat beim Wäsche sortieren ein paar Farben gelernt. Glaube ich. Ich bin mir nicht ganz sicher, wie viel er behalten hat." Aber Kinder lernten unglaublich schnell. Wenigstens machte sich Ezra langsam weniger Sorgen um die Sprachbarriere in irgendeinem Waisenhaus. Max und Niko würden das wahrscheinlich spielend einfach rocken.
      "Mir geht es gut. Der Arm...juckt und ich bin echt froh, wenn das Ding ab kommt, aber...er ist noch dran. Immerhin. Bis jetzt war es relativ ruhig, also würde ich vorschlagen, dass Niko sich ein bisschen hinlegt, wir uns Kaffee und Tee machen und dann heute Nachmittag für Max einkaufen gehen?" Für eine Sekunde hatte er die Schnapsidee, Ada zu bitten, auf Niko und Elli aufzupassen, damit sie sich voll und ganz auf den Ältesten konzentrieren können, aber so, wie Max heute morgen darauf reagiert hatte, dass seine Schwester weg war, wäre das alles wahrscheinlich ziemlich kontraproduktiv. Sie würden da einfach zu fünft durch müssen.
      "Und? Wie viele Frauen haben dir direkt ihre Nummer zugesteckt, als du alleine mit dem Baby aufgetaucht bist?", zog er ihn schließlich mit einem breiten Grinsen auf den Lippen auf. Jemand so attraktives wie Andrew mit einem Kind zu sehen musste doch gut angekommen sein. Was anderes konnte er sich gar nicht vorstellen.
    • Andrew

      „Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob er dabei bleiben wird“, antwortete Andrew auf Ezras kleines ‚Oh‘ zu Haralds Ruhestand. „Er ist alt und ganz offensichtlich dement und ich weiß nicht, was ich ihm alles glauben kann“ Und damit hatte es auch keinen Sinn, weiter darüber zu sprechen. Andrew musste sich in jeder Hinsicht einfach mal aufs Schlimmste einstellen, damit ihn nichts überrumpeln konnte. Auch wenn die ganze Sache an sich schon etwas überrumpelnd war.
      Er warf dem Bett einen irritierten Blick zu, weil er keine Ahnung hatte, wie es im Wohnzimmer gelandet war, aber er traute sich auch nicht nachzufragen. Hoffentlich gönnte Ezra sich wirklich genug Ruhe. Aufbauen würde Andrew es dann jedenfalls selbst, nur vielleicht später, weil er bezweifelte, dass das Still und Heimlich während des Mittagsschläfchens ging.
      „Ohh, wirklich? Hoffentlich flüstert er Max noch alles zu, was er gelernt hat, damit sie beide gut Englisch lernen“, sagte er lächelnd. Es war dennoch immernoch ein wenig traurig, dass die Kinder nun diese Hürde hatten.
      Andrew zeigte auf sein weißes Arbeitshemd und sah Niko auffordernd an. „Na? Farbe?“ Niko grinste aber er bekam keine Antwort. Andrew bezweifelte irgendwie, dass es daran lag, dass Niko Weiß und Schwarz nicht als echte Farben betrachtete, aber vielleicht hatte der Wäschekorb es auch nicht hergegeben. „Okay, ihr müsst das vielleicht nochmal widerholen“, scherzte Andrew. Dann wandte er sich wieder Elli zu und hob sie hoch um sie mit Niko gemeinsam ins Schlafzimmer zu verfrachten.
      „Das klingt gut. Ich muss gleich noch den Laptop einschalten und ein paar Sachen fertig machen, aber ich würde am liebsten auch ne Runde schlafen. Übrigens: Hast du mitbekommen, wann Max und Niko ins Bett gekommen sind? Denkst du, wir sollten irgendwas an der äh… Aufteilung hier ändern? Ich kann mit Elli im Wohnzimmer schlafen und du mit den beiden im Bett, oder so“, schlug er vor. Er wusste ja nicht, ob die zwei einfach irgendwelche komischen Geräusche im Wohnzimmer gehört hatten. Konnte ja sein. Zumindest schienen sie keine Hemmungen zu haben, sich zu Ezra ins Bett zu kuscheln. Vielleicht wurden sie Max ja doch schon etwas vertrauenswürdiger.
      „Und glücklicherweise keine“, antwortete er nüchtern auf die Frage nach den Frauen. „Ich glaube, die meisten bei MLO fragen sich, ob es eine gute Idee war, mir ein Baby zu überlassen, so den Blicken nach zu urteilen. Außer ich hab das falsch interpretiert. In jedem Fall hab ich glaub ich alle erforgreich mit meinem Blick verscheucht. Noch mehr Ablenkung bei der Arbeit und ich hätte garnicht erst hinfahren müssen“
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    • Ezra

      Genau genommen redete Niko die ganze Zeit mit Max oder ihm. Ezra war sich nur nicht ganz sicher, ob irgendjemand aus diesen Konversationen irgendwelche Vokabeln mitnahm. Zumal Niko die Sache mit den Farben noch nicht so ganz verstanden zu haben schien. Vielleicht dachte er auch, dass das Wort für 'Pullover' 'Blau' war und war sich gar nicht bewusst, dass sie über Farben geredet hatten.
      "Meine Nummer hättest du bekommen. Und gemessen daran, dass es", er räusperte sich kurz, um die Theatralik in seiner Stimme zu untermauern, "Neun Jahre gedauert hat, bis du realisiert hast, dass ich tatsächlich mit dir flirte, tendiere ich eindeutig dazu, dass du die Blicke falsch interpretiert hast." Wenn Andrew heute Abend nicht wenigstens für einen Ehestreit verantwortlich wäre, würde Ezra einen Besen fressen. Und wenn es nur eine Mutter war, die ihren Ehemann fragte, warum er nicht auch einfach mal das Kind mit zur Arbeit nehmen konnte, damit sie einen entspannten Tag hatte.
      "Ich glaube nicht, dass eine neue Schlafaufteilung nötig ist", kehrte er schlussendlich nahtlos zum eigentlichen Thema zurück. "Niko hatte wohl einen Albtraum und ist ziemlich offensichtlich direkt zu dir durch gekrabbelt. Ich fürchte, ich bin nur zweite Wahl bei ihm. Wenn du auf dem Sofa schlafen würdest, würde er dir wahrscheinlich auch dahin folgen und Max klebt ja sowieso an ihm. Wir müssen wohl einfach darauf hoffen, dass er heute etwas ruhiger schläft, oder uns darauf einstellen, das Bett weiter zu teilen, bis Niko sich eingelebt hat." Was eine unfassbar dämliche Aussage war, immerhin würde er wahrscheinlich gar nicht lange genug hier sein, um sich einzuleben. "Weißt du", fuhr er sofort mit gesenkter Stimme fort, um die Aussage irgendwie zu überspielen, "manchmal habe ich das Gefühl, dass Max viel mehr versteht, als wir denken. Ich meine, er hat gestern 'Albtraum' gesagt und ich habe keine Ahnung, wo er das Wort aufgeschnappt haben könnte. Und er wusste gestern Nachmittag auch, dass er mit Liz spielen sollte, als die Situation so...eskaliert ist. Entweder ist er wirklich gut darin, sich Dinge aus dem Kontext zu erschließen, oder schlauer, als er es sich anmerken lässt."
    • Andrew

      „Falsch“, sagte Andrew. „Ich wusste, dass du flirtest, ich dachte nur, du meinst es nicht ernst“ Da gab es immernoch einen Unterschied. Natürlich konnte er Ezras ganze Anmachssprüche herausfiltern, die waren ja auch schwer zu überhören.
      Andrew deckte Niko mit einer dünnen Decke zu und bevor Ezra und er das Zimmer noch verließen, war Elli beinahe eingenickt. Andrew schloss die Tür zu dem abgedunkelten Zimmer und ging mit Ezra zurück ins Wohnzimmer zu Max, obwohl das für ihr jetziges Thema wohl die falsche Raumwahl war. Andrew runzelte die Stirn. Max hatte seit dem Unfall tatsächlich kaum ein Wort gesagt, wenn es nicht zu Niko war, und er weigerte sich auch ganz gut, auf Englisch zu sprechen, wenn es nicht unbedingt dringend notwendig war, wie etwa um Hunger zu signalisieren. Und selbst da verließ Andrew sich mehr auf Niko. Das einzig beruhigende war, dass Max und Niko miteinander auf Russisch redeten und er nicht stumm war. Andrew war trotzdem davon ausgegangen, dass er mithörte und mitlernte. Natürlich tat er das. Aber Alptraum? War ihm das mal rausgerutscht? Selbst hatte er ja genügend davon. Aber selbst wenn, Max hätte den Kontext nicht so schnell verstanden, oder?
      „Das ist… interessant“, sagte Andrew also und schielte zu dem Jungen. Und Ezra hatte recht, er reagierte manchmal tatsächlich etwas zu schnell, als dass er kein Englisch könnte. Hatten ihm seine Eltern vielleicht mal etwas beigebracht?
      „Denkst du, er will einfach nur nicht mit uns reden?“, fragte Andrew leise. Es war zwar recht eindeutig, dass er eher introvertiert und höchstens seinen Geschwistern zugewandt war. Aber dass ein Sechsjähriger so tat, als könnte er einen nicht verstehen? War das… normal? Vielleicht sollten sie später beim Einkaufen mal mehr mit ihm reden und ihn motivieren, ein paar Sachen zu sagen, anstatt nur darauf zu zeigen. Auch wenn sie ihn vermutlich nicht unter Druck setzen sollten. Aber wenn er sich in der Schule dann absichtlich weigerte, zu reden… Das sollten sie vielleicht versuchen, abzuwenden.
      „Ich hab übrigens heute Vormittag ein Babyphone bestellt“, sagte Andrew nebenbei. Er war sich selbst nicht ganz sicher, warum er für eine Übergangssituation solche Ausgaben machte, aber dann… konnten sie dem Waisenhaus ja alles spenden oder so… Aber die Tatsache, dass Elli hinter einer verschlossenen Tür war, machte Andrew etwas unruhig. Zumindest war Niko bei ihr, aber von einem Kleinkind konnte man kaum etwas erwarten.
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