The Hero and the Thief [Nao & Stiftchen]

    • Steve

      Steve hatte mit allem gerechnet, als sie beschlossen hatten, vorbei zu kommen. Er hatte damit gerechnet, dass sie nur kurz die Einkäufe abstellten und wieder gingen, damit sie Ezra und Andrew nicht auf die Nerven gingen. Er hatte damit gerechnet, dass sie vielleicht doch einen kurzen Moment blieben und einfach sicher gingen, dass es den beiden gut ging. Er hatte es sich erlaubt, die kleine Hoffnung zu haben, dass Thomas vielleicht sogar ein wenig aus sich herauskommen und den ersten Stein für eine Freundschaft legen würde. Womit er nicht gerechnet hatte, war die merkwürdige Stimmung und die noch seltsameren Gespräche.
      Sein erster Impuls war, sich irgendeine Notlüge auszudenken, um ganz dringend mit Thomas nach Hause gehen zu müssen. Blöd nur, dass Andrew ihn wohl als nächsten Gesprächspartner auserwählt hatte. Steve musste sich beherrschen, nicht allzu entsetzt auszusehen, als Andrew Silvester ansprach, jetzt, wo Thomas ihm erzählt hatte, worüber sie sich unterhalten hatten und er nur eins und eins zusammenzählen musste. Er war solche Fragen eher von Ezra gewöhnt und selbst da fragte Ezra wenigstens ihn und nicht Thomas, der neben ihm vollkommen überfordert zu sein schien. Nachvollziehbar. Steve wusste auch nicht richtig, was er antworten sollte. Eigentlich wusste er nicht mal wirklich, ob er Teil der Konversation war, immerhin starrte Andrew Thomas an und nicht ihn. Caleb sah auf seiner anderen Seite ähnlich verzweifelt aus. Ezra schien sich nicht entscheiden zu können, ob er seinem Bruder einen besorgten Blick zuwerfen, oder Andrews Gespräch lauschen sollte. Gab es in diesem Raum neben den Kindern auch nur eine einzige Person, die sich gerade wohl fühlte?
      "Hatte mit dem Flug nach Russland eigentlich alles gut geklappt?", fragte Steve Caleb, der ihm irgendwie...am sichersten vorkam. Er wollte definitiv keinen Part in Andrews seltsamer Konversation haben und Ezra war zu neugierig, um ihn irgendwie auf dumme Gedanken zu bringen.
      "Ja." Caleb rang sich zu einem kleinen Lächeln durch. "Danke für die Organisation."
      "Oh, kein Problem. Ich musste ja sowieso für Richard planen, da fällt eine Person mehr nicht ins Gewicht." Steve stockte, als Caleb ihn ansah, als ob er gerade etwas absolut falsches gesagt hatte.
      "Richard?", fragte Ezra zwischen ihnen irritiert. "Ich wusste gar nicht, dass er-" Ezras Blick huschte zu Caleb, der sein Bestes gab, dem Blick irgendwie auszuweichen. Steve hatte das ungute Gefühl, gerade etwas furchtbar dummes gemacht zu haben. Fuck. Hatte er auch. Immerhin durfte Thomas ja eigentlich nicht mal wissen, dass er organisatorisch involviert war! Obwohl er sich nicht vorstellen konnte, dass Caleb deshalb so gestresst aussah.
      "Ist es das, worüber du reden wolltest?", fragte Ezra, während er seinen Bruder anstarrte, als müsste er ihn gleich mit verbundenen Augen aufs kleinste Detail beschreiben. "Das ist es, oder? Du hast diesen Blick wieder drauf."
      "Nein, es- Schon, ich-" Calebs Finger gruben sich in die Lehne des Sessels, als wäre er sein Rettungsring.
      "Oh Gott, hat er dir auch irgendeine Scheiße erzählt?", fragte Ezra. "Der Typ ist furchtbar."
      "Nein, wir-"
      "Ich weiß wirklich nicht, was sein Problem ist."
      "Ezra-"
      "Wahrscheinlich ist das einfach sein Ding. Er hat wohl sonst keine Freude im Leben."
      "Ez-"
      "Du kannst dir sicher sein, dass nichts von dem, was er gesagt hat wahr ist und-"
      "Ezra!", unterbrach Caleb seinen Bruder dermaßen bestimmt, dass selbst die beiden Jungs erschrocken hoch sahen. "Wir hatten was miteinander."
      Für eine Sekunde herrschte absolute Stille. Steve wollte gerade zu einem Räuspern ansetzen und sich und Thomas entschuldigen, als Ezra wieder zu reden begann.
      "Was?" Der Schock war ihm aufs Gesicht geschrieben, während Caleb ein wenig so aussah, als ob er jede Sekunde in sich zusammenfallen würde.
      "Es war kurz, es war dämlich und es ist vorbei", verteidigte sich Caleb schwach.
      "Und du wusstest davon?" Das Lächeln, das Ezra Andrew zuwarf war so freundlich, dass es gruselig war.
      "Ich hatte Andrew darum gebeten, dir nichts zu sagen", mischte sich Caleb mit leichter Panik in der Stimme ein.
      Steve sah kurz vom einen zum anderen, bevor er vorsichtig nach Thomas' Hand griff. "Ähm...vielleicht sollten wir gehen?"
    • Andrew

      Sogar Andrew zuckte zusammen, als Caleb hinter ihm plötzlich laut wurde, und er musste sein Interview beenden um sich langsam zu den beiden herumzudrehen. Irgendwie hatte er das Gefühl einschreiten zu müssen. Vor allem, bevor Elli noch einen Schock bekam und zu weinen anfing.
      Oder… vielleicht mischte er sich besser nicht ein. Er öffnete bereits den Mund, um sich vor Ezra zu verteidigen und nickte dann schnell, als Caleb meinte, ihn um sein Schweigen zu dem Thema gebeten zu haben. „Ich wollte es dir wirklich sagen, glaub mir“, meinte er nachdrücklich. „Und ich glaube, ich hab Richards Nase gebrochen, oder zumindest verbogen, also hat der wenigstens schon ein bisschen gebüßt“ Vielleicht sollte er darauf auch nicht so stolz sein. Es fühlte sich nur so gut an, zu wissen, dass Richard Schmerzen hatte. Ezras Lächeln machte ihm jedoch gerade ein wenig Angst, darum hielt er sich wieder zurück.
      Hinter sich hörte er, wie Steve mit Thomas sprach. Andrew drehte sich schnell um. „Moment. Nicht gehen“, sagte er etwas verzweifelt. Jetzt vertrieben sie schon ihre Gäste, obwohl Ezra ihn immer dazu anhielt, sich mit Leuten zu unterhalten. Auch wenn gerade vielleicht nicht der richtige Moment war, weil er in seinem Ablenkungsmanöver versagt hatte, aber man sollte die beiden vielleicht nicht traumatisiert gehen lassen, sodass sie nie wieder zurückkommen wollten.
      „Richard?“, fragte Thomas plötzlich irritiert und ignorierte Andrews Worte. „Und… Ezras Bruder? Was…“
      „Ja, ich weiß. Irgendwie… hat jeder was mit jedem, es ist krank. Jedenfalls- wie läuft es bei euch?“, fragte er motiviert.
      „Nein, nicht das Thema wieder“ Thomas wirkte verstört. „Du hast mir irgendwie ein wenig geholfen, mach dir keine Sorgen und frag… bitte nicht nochmal nach“
      Andrew schwieg, dann nickte er schnell. Alles klar. Er hätte also doch nicht nachfragen sollen. Ezras Charme fehlte ihm bei der ganzen Sache wohl. „Okay, sorry“ Auf einmal fiel ihm etwas auf. „Aber… hey…“ Er drehte sich zu Steve herum. „Woher weiß… Thomas, dass du Flüge für Richard und Caleb nach Russland gebucht hast?“ War es nicht etwas untypisch, dass die beiden sich zufällig an Steves Reisebüro gewandt hatten? Was zur Hölle war die Erklärung für diese Bekanntschaft?
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    • Steve

      "Ähm." Steve war definitiv vollkommen überfordert. Er hatte immer noch den Drang, Thomas mit sich zu ziehen und zu gehen. Sie konnten die Situation bestimmt auch zuhause nochmal durchgehen und darüber reden, wie absolut seltsam alles war. Das würde ihm reichen. Er musste nicht mitbekommen, wie es endete. Nur schien Andrew das etwas anders zu sehen. Und leider schob er sofort noch eine unschöne Frage hinterher.
      Sein erster Impuls war es, zu lügen. Er konnte sich irgendwas blödes ausdenken. Es war immerhin eine besondere Situation, er hätte Thomas ja irgendwie alles erzählen können, nicht? Leider wollte ihm bei all dem Durcheinander - Caleb und Richard passten alleine rein optisch schon nicht zusammen, wie zur Hölle war irgendwas zwischen ihnen gelaufen? - nichts einfallen. Außerdem hatte er schon zu lange gezögert, um irgendwas anderes, als die Wahrheit zu sagen.
      "Es...es war eine Notsituation und wir wussten nicht mal, ob Ezra überhaupt-" Steve stoppte sich selbst, bemüht, zumindest diesen Zwischenfall in der Vergangenheit zu belassen. "Ich... ich hab Thomas eventuell ein bisschen eingeweiht? Aber nur das Nötigste." Das war es wahrscheinlich. Er war seinen Job los. Eigentlich hatte er ihn eh nicht sonderlich gemocht, aber gerade realisierte er nochmal, dass er doch irgendwie an ihm hing. Zumindest mehr, als er gedacht hatte. "Wir haben uns Sorgen um euch gemacht und ich wollte ihn nicht komplett im Dunkeln lassen."


      Caleb

      Das war ein absolutes Desaster. Caleb hatte sich die letzten Tage so viele Gedanken darum gemacht, wie er das Thema möglichst vorsichtig und behutsam ansprechen konnte und jetzt war er Hals über Kopf in das Worst Case Szenario gestolpert. Das kleine, leicht manische Lächeln auf Ezras Lippen erstarb, als er seinen Blick wieder auf ihn richtete. Caleb hatte keine Ahnung, wie er reagieren sollte. Irgendwie wünschte er sich fast, dass sein Bruder ihn anschreien würde. Dann könnte er gehen und in ein paar Tagen testen, ob sie normal miteinander reden konnten.
      Aber Ezra warf ihm nur einen langen, nachdenklich-verzweifelten Blick zu, bevor er schlicht "Warum?" fragte.
      "Es- Ich-" Caleb kannte die Antwort. Er hatte sich die Frage oft genug selbst gestellt. Er hatte die Aufmerksamkeit gemocht, das Gefühl, sich nicht verstellen zu müssen. Aber das laut auszusprechen wäre selbst für ihn zu pathetisch gewesen. "Ich...ich glaube, ich war einfach an einem furchtbar tiefen Punkt und...es hat sich so ergeben. Ich...ich denke, ich sollte besser gehen."
      Ezra starrte ihn für ein paar Sekunden an, bevor er nickte und dann mit dem Kopf schüttelte. "Nein. Ich... Gott, Cal." Er strich sich die blonden Haare aus dem Gesicht, während er etwas tiefer ins Sofa sank. "Es ist aus?"
      Caleb nickte kurz, unsicher, ob er weiter an dem Sessel stehen, oder tatsächlich gehen sollte. "Es tut mir wirklich leid. Ich hätte mich gar nicht darauf einlassen sollen."
      Ezra nickte kurz abwesend, während er offenbar vollkommen mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt war. Caleb presste die Lippen aufeinander, bevor er beschloss, tatsächlich zu gehen. Abstand wäre aktuell wahrscheinlich das Beste. Es war gesagt, was gesagt werden musste. Er konnte die Beziehung zu Ezra bestimmt irgendwie retten, sobald Ezra erstmal alles verdaut hatte.
      Es gab nur noch ein kleines Detail, das ihm nicht aus dem Kopf gehen wollte. Er zögerte kurz, bevor er zu Andrew sah. "Andrew? Ich- Im Krankenhaus hattest du etwas angedeutet. Dass er sich nicht an Grenzen hält. Was genau hattest du damit gemeint?" Das war der eine Satz, der ihm die ganzen letzten Tage nicht aus dem Kopf gegangen war. Eigentlich hatte er sich immer eingebildet, dass Richard und er ziemlich gut darin gewesen waren, Grenzen zu ziehen und einzuhalten. Hatte er einfach nur Glück gehabt, oder hatte er Andrew vollkommen falsch verstanden?
    • Thomas

      Oh. Jetzt war es vorbei. Die Gespräche wurden immer unangenehmer und nun zog Andrew sie noch tiefer in die Sache rein und nur wegen Thomas grauenvollem Selbstbewusstsein musste Steve jetzt seinen Job aufgeben, weil er ihn geradezu emotional gezwungen hatte, von seiner Geheimorganisation zu erzählen. Wenn er nur ein bisschen weniger armselig wäre, hätte Steve wahrscheinlich garnicht das Gefühl gehabt, ihn einweihen zu müssen und-
      „Ah“, machte Andrew. „Gut, ich hatte vor, Harald irgendwann mal vorzuschlagen, die IT auszubauen“, sagte er knapp ohne seinen Gedanken weiter auszuführen. Thomas blinzelte, dann sah er zu Steve. Er würde ihn nicht verpfeifen? Obwohl, naja, wäre das überhaupt so richtig im Raum gestanden? Andrew war üblicherweise gut darin, seine eigenen Regeln aufzustellen und Vorsitzende komplett zu übergehen. Thomas machte wieder ein paar Schritte zu seinem Freund, um sich nicht zu weit von ihm zu entfernen. Obwohl er sich kaum noch unwohler fühlen konnte. Glücklicherweise schlug Andrews Aufmerksamkeit schnell wieder um, als Caleb ihn ansprach. Der Blick war unbeschreiblich. Andrew schien ehrlich sprachlos zu sein, jedoch horchte auch Thomas auf. Er wusste, dass die beiden nicht den besten Umgang miteinander gehabt hatten, die wenigen Male, als er sie bei der Zusammenarbeit beobachtet hatte. Wenn sich das überhaupt so nennen ließ. Richard konnte normalerweise gut kooperieren, solange er das Sagen hatte, aber Andrew musste immer das Sagen haben, somit…
      Trotzdem hielt die Stille nun schon recht lange an. Hatte er nicht vor, die Frage zu beantworten?
      Thomas zupfte still und heimlich an Steve Ärmel und deutete mit dem Kopf zur Tür. Besser sie verschwanden solange alle mit sich selbst beschäftigten waren, bevor der Fokus wieder auf sie beide fiel.
      „Das war nicht… Ich meine…“
      War das Andrew, der gerade vor sich hin stammelte? Das hatte Thomas vorher noch nicht erlebt. In seinem Kopf schienen sich die Rädchen zu drehen, während er überlegte, wie er antworten sollte.
      „Da war… vielleicht… ein Zwischenfall damals auf der Einweihungsfeier“, erklärte er letztlich, wobei seine Stimme seltsam unsicher klang. Thomas überlegte, ob er gerade träumen könnte.
      Andrews Blick war auf Ezra fixiert, während er sprach, aber er hielt seinen Sicherheitsabstand ein. „Er war völlig betrunken und wir waren zufällig zur gleichen Zeit bei den Toiletten. Ich meine, ist es was Neues, dass er mit unserer Beziehung nicht klarkommt? Er war absolut eifersüchtig, weil wir beide bei der Feier waren, und ist dann zu weit gegangen. Ich wollte nicht… ich wollte dir keine Sorgen machen, als du mit ihm nach Oslo geflogen bist, und es hat sich dann irgendwie kein Zeitpunkt ergeben, an dem ich etwas sagen hätte können. Das war idiotisch, ich hatte die ganze Zeit Panik, dass er dich irgendwie… Aber du bist auch nicht wehrlos, also hatte ich gehofft… Ich meine, ich hätte es dir sagen müssen“ Andrew schien sich gedanklich im Kreis zu drehen. Es war offensichtlich, dass er keine sinnvolle Erklärung hatte.
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    • Ezra

      Ezra hatte keine Ahnung, was er fühlen sollte. Die Vorstellung, dass irgendjemand dumm genug war, sich auf Richard einzulassen war albern. Die Tatsache, dass dieser jemand offensichtlich sein eigener Bruder war, war erschreckend. Zumal Caleb der Letzte gewesen war, dem er sowas zugetraut hätte. Dafür war er immer schon auf seine ganz eigene Art und Weise zu anhänglich gewesen. Es fiel ihm fast unmöglich, seinen Blick von Caleb abzuwenden, immer noch in der Erwartung, dass er irgendeine vollkommen logische Erklärung zu seinem Handeln bekommen würde, wenn er ihn nur intensiv genug anschauen würde.
      Er war wütend. Natürlich. Wer fing schon was mit einem Typen an, der von einer nahestehenden Person gehasst wurde? Aber am Ende des Tages war Caleb immer noch sein Bruder und so miserabel, wie er aussah, war ihm wohl bewusst, wie beschissen diese Aktion gewesen war. Ezra brauchte Zeit. Er musste das alles irgendwie verarbeiten und neu einordnen. Er hatte keine Ahnung, was er sagen oder tun sollte und in seinem Kopf drehte sich alles. Es half nicht, dass die Schmerzmittel langsam nachzugeben schienen.
      Es half außerdem nicht, dass Andrew so stotternd auf Calebs letzte, entsetzliche Frage antwortete. Ezra sah kurz zu seinem Freund, bevor er sich zu Max hinunter lehnte. Er und Niko hatten ihr Spiel unterbrochen, als die zu reden begonnen hatten und sahen beide etwas unsicher aus. "Wollt ihr nicht mal nach Liz sehen? Die kann euch bestimmt den Garten zeigen", schlug er sanft vor. Hatte er nicht eben noch daran gedacht, den Kindern etwas Ruhe zu gönnen? Funktionierte absolut super.
      Max starrte kurz überfordert zu ihm hoch und griff dann nach Nikos Hand. Sein Blick blieb kurz mit deutlicher Verzweiflung an Elli hängen, bevor er offenbar realisierte, dass er nicht beide Geschwister retten konnte und er seinen Bruder mit sich ins Treppenhaus zog. Am liebsten hätte Ezra ihnen Elli mitgegeben, aber zum einen klammerte sich Andrew immer noch an das Kleinkind und zum anderen wollte er Max nicht mit einem Baby im Arm Treppen steigen lassen.
      "Wir-", setzte Steve erneut an.
      "Nein." Ezra deutete kurz in seine Richtung, ohne ihn anzusehen. Das hier betraf Steve und Thomas eigentlich kaum, aber irgendwie fühlte er sich mit Unbeteiligten im Raum fast ein bisschen wohler. Sein Blick lag immer noch auf Andrew, dessen Gestammel kaum einen Sinn zu ergeben schien.
      "Andrew", setzte er so ruhig an, wie er konnte. Was...nicht sonderlich ruhig war. "Was genau ist passiert?"
    • Andrew

      Andrew hatte das dringende Bedürfnis, den Kindern irgendwie zu signalisieren, dass alles in Ordnung war. Ezra machte ihn erst auf die beiden Jungen aufmerksam, woraufhin Andrews Blick schnell zu ihnen schwang und ihm Max erschrockener Blick auffiel. War es, weil die Stimmung in diesem Raum so sehr gekippt war? Kinder spürten sowas sicher.
      Andrew wartete, bis Max Niko aus der Wohnung rausgeführt hatte, bevor er Ezra wieder ansah. Ihm wäre es deutlich lieber, wenn er nicht drei Zuschauer bei diesem Gespräch hätte. Er schämte sich schon genug dafür, seinen Freund wissentlich mit einem absoluten Arschloch in ein fremdes Land fliegen gelassen zu haben. Er hatte Angst, dass Ezra ihm das verübelte. So sehr, dass er es ihm vielleicht nicht verzeihen wollte. Das machte wohl Sinn. Jeder normale Mensch würde wohl so etwas wissen wollen, bevor man mit jemandem zwei Tage im selben Hotel feststeckte. Und jetzt schuldete Andrew ihm wohl wirklich eine ausführliche Erklärung. Verdammt, warum hatte Caleb das ansprechen müssen? Warum hatte er selbst das Ganze im Krankenhaus ansprechen müssen? Er wollte wirklich nicht ins Detail gehen. Es war wohl besser, es schnell hinter sich zu bringen.
      „Er hat sich aufgedrängt“, sagte er und beobachtete Ezras Reaktion genau. „Er hat mich angefasst, festgehalten, geküsst. Das war‘s. Ich hab ihm… in den Magen geboxt. Eher reflexartig. Richard ist auch irgendwie der einzige Mensch, der bei mir gewalttätige Reflexe auslöst. Ezra, ich wollte es dir wirklich sagen, aber ich wusste nicht, dass Richard plötzlich am Flughafen stehen wird und da hatte ich in letzter Sekunde auch nicht wirklich den Kopf, um dich noch einzuweihen. Ich hätte dich wahrscheinlich… anrufen sollen“ Nicht nur das. Er hätte diese dämliche Reise irgendwie verhindern müssen. Natürlich war Ezra nicht wehrlos, aber was für ein Argument war das denn? Alleine, dass die Möglichkeit bestanden hätte… Und Richard war schließlich auch keine Fahne im Wind. Er war deutlich größer als sie beide, stärker sicher ebenfalls allemal. Wenn Andrew das gemerkt hatte, dann damals in der Toilette. Er hatte Kraft, die einen kurz überraschen konnte. Er selbst konnte sich in solchen Situationen schnell fassen, er hatte oft mit impulsiven, gefährlichen Menschen zu tun gehabt. Aber Ezra? Ezra hatte wahrscheinlich keine derartigen Reflexe.
      Andrew spürte, wie Panik in ihm aufwallte, je länger er darüber nachdachte. Wie hatte er das so sehr verdrängen können? Er wollte Richard nie wieder in seiner oder Ezras Nähe haben.
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    • Ezra

      Ezra klappte der Mund ein wenig auf, während er Andrew einfach nur anstarrte und versuchte, seine Gedanken zu sortieren.
      Ja. Er hätte es ihm sagen sollen. Dann hätte er Richard irgendwo in Oslo vergraben können und Caleb wäre gar nicht erst in sie Situation gekommen, irgendwas mit ihm anzufangen. Wahrscheinlich hätte er genauer nachfragen sollen, als Andrew auf der Feier so seltsam drauf gewesen war. Er hatte es viel zu leicht auf seine generelle Art geschoben.
      "Andrew, das ist furchtbar", hauchte er. Wie sehr konnte man einen Menschen eigentlich hassen? Richard stellte bei ihm gerade definitiv einen neuen Rekord auf und das war...beachtlich gemessen daran, dass Ezra seine komplette Identität gewechselt hatte, um seinen Eltern zu entgehen. "Du hättest es mir auf jeden Fall sagen sollen!" Irgendwie wollte er Andrew zeitgleich umarmen und an den Schultern fassen und gut durchschütteln. Tragischerweise hatte er nicht genug gesunde Arme für Letzteres, weshalb ihm nichts anderes übrig blieb, als zu Andrew rüber zu gehen und ihn in eine halbe Umarmung zu ziehen. "Das war unfassbar dämlich." Zischte er ihm ins Ohr, bevor er wieder ein bisschen Abstand zwischen sie brachte, ohne ihn los zu lassen.
      "Natürlich hättest du etwas sagen sollen", wiederholte er, immer noch ein bisschen überfordert. "Es gibt doch bestimmt irgendwelche Vorschriften dagegen bei MLO, oder?" Er sah kurz fragend zu Steve, der aussah, wie ein Reh im Scheinwerferlicht.
      "Ich...ich glaube schon? Ich weiß es nicht genau. So ein Fall ist mir bisher noch nicht untergekommen." Steve sah ungefähr so überfordert aus, wie Ezra sich fühlte. "Ich kann dem nachgehen? Wenn ihr wollt? Ich meine, wir haben keine klassische Personalabteilung, oder so, die sich damit befassen könnte, aber...irgendwer?"
    • Andrew

      Andrew wollte einen Schritt zurück machen, als Ezra auf ihn zukam, aber sein mitleidiger Blick hinderte ihn daran. Dann in eine Umarmung gezogen zu werden, verwirrt ihn etwas. Er hätte es Ezra sagen sollen, es war dämlich gewesen, und er war nicht sauer? Oder las Andrew irgendetwas falsch? Elli schien die Umarmung zumindest gefallen zu haben, weil sie die Arme umständlich nach Ezra ausstreckte. Andrew konnte sich darauf aber gerade nicht konzentrieren.
      „Nein, warte“, sagte er, als Steve von Personalabteilungen redete. „Ich weiß ja nicht, wie es bei euch so läuft, aber ich will nicht unbedingt am Beginn von meiner Führungsposition so ein Thema starten“, erklärte er schnell. „Harald kann sich das alles immernoch anders überlegen“ Wenn er jetzt schon einen Aufruhr auslöste, falls sich etwas herumsprach, hatte er einerseits Haralds Vertrauen und andererseits vermutlich den Respekt aller Angestellten verloren, wenn sie ihren zukünftigen Chef als den Kerl sahen, der von einem anderen Kerl sexuell belästigt wurde und seine Angelegenheiten dann nicht einmal selbst hatte regeln können. Andrew würde gerne sagen, dass niemand mit jemandem wie Richard zusammen arbeiten wollen würde, aber… wenn er ehrlich war, dann hatte Richard noch nie ein Übergriffigkeits-Problem gehabt, wenn es nicht um Andrew ging. Egal in welchem Ausmaß, ob es Prügel waren oder verbale Attacken oder… sowas. Zum anderen würde er nicht wissentlich das Gesetz brechen. Er war unglaublich betrunken gewesen. Die einzige Person, von der Andrew glaubte, sie könnte diese Dinge noch in Richard auslösen, war Ezra.
      Die Frage war natürlich immer, ob jemand, der Gewalt anwenden konnte, nicht noch mehr in sich hatte… Aber Andrew hatte nun auch schon mindestens einmal ungefragt zugeschlagen und für ihn persönlich war die Angelegenheit damit wohl… erledigt, sofern Richard sich zukünftig ganz, ganz weit von ihnen fernhielt. Und niemals wieder alleine mit Ezra war.
      „Ich will nicht, dass irgendjemand damit zu irgendjemanden geht. Richard ist kein gemeingefährlicher Mensch, also ist das eigentlich nur… unser Problem“ Andrews Blick schweifte für einen Moment zu Caleb. Er hätte nicht gefragt, wenn Richard jemals eine Grenze überschritten hätte, oder? Dann hätte er sich die Antwort schließlich selbst geben können.
      „A-aber du kannst nicht wissen, ob er sowas nicht wieder versucht, an anderen Leuten“, brachte Thomas sich ungebeten ein. Andrew seufzte etwas genervt, bevor er sich zu den beiden herumdrehte.
      „Kann man das bei irgendjemandem wissen? Außerdem weiß er sicher selbst, dass ihn sowas beide seiner Jobs kosten kann, wenn ich nur ein Wort sage. Er ist ein Arschloch, aber… kein Idiot. Und ich hab noch nie erlebt, dass er sich gegenüber irgendjemand anderem so verhält wie mir gegenüber“ Thomas nickte langsam. Der musste das ja bestätigen können. Auch wenn es vielleicht blödsinnig war, jemandem wie Richard noch Vertrauen zu schenken, vor allem wenn es womöglich auf die Kosten anderer ging. Andrew musste es einfach irgendwie hoffen. Schließlich…
      „Ich will einfach nicht, dass über mich Gerüchte in Umlauf kommen, die mir später den Job erschweren“, murmelte er.
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    • Ezra

      Das entwickelte sich alles deutlich komplizierter und unschöner, als gedacht. Ezra reichte Elli gedankenverloren eine Hand, als sie die Ärmchen nach ihm ausstreckte und seufzte leise, als sie prompt versuchte, seine Finger anzusabbern. Wenigstens hatte die Kleine offenbar keinen Schaden von dem Gespräch? Streit? der Diskussion? davongetragen. Vielleicht lag es daran, dass Andrew sie hielt. Das schien sie generell zu beruhigen, was er...ziemlich gut nachvollziehen konnte.
      Ezra seufzte leicht und drehte sich zu Steve und Thomas, die deutlich verlorener aussahen, als das Baby. Gott, was ein Chaos. "Okay. Schluss. Wie wäre es, wenn wir uns alle einfach etwas zu Essen bestellen und über was komplett anderes reden?" Immerhin waren die Leute in diesem Zimmer immer noch seine Familie, seine Freunde. Er wollte sie ungerne in eine längere Diskussion mit Andrew reinziehen, auch, wenn sie gerade alles andere als einer Meinung waren und er wollte sie genau so ungerne einfach gehen lassen, ohne zumindest einen kleinen positiven Punkt von diesem Abend mitgenommen zu haben. Mit Andrews seltsamen Ansichten konnte er sich immer noch auseinandersetzen, wenn sie zu zweit waren.
      "Cal? Schnapp dir den Block und den Stift auf dem Tisch und frag Ada und die Kinder schon mal, was sie wollen. Wir haben einen relativ guten Italiener ums Eck, sie müsste die Karte haben." Caleb sah ihm für einen Moment überrascht entgegen, bevor er kurz nickte sich den Stift und den Zettel nahm, den Andrew eben mitgebracht hatte und die Wohnung verließ. Ezra war sich immer noch nicht ganz sicher, was er über seine Beziehung denken sollte, aber gerade war viel zu viel in seinem Kopf los.
      "Ihr bleibt doch, oder?" Ezras Blick wanderte wieder zu Steve und Thomas. Steve hatte einen Arm um seinen Freund gelegt und ihn an sich gezogen. Ezra war sich seltsam sicher, in den nächsten Tagen keine Updates von ihm zu erhalten. "Ich brauche sowieso noch Serienempfehlungen von euch. In den nächsten Tagen kann ich wahrscheinlich sowieso nicht viel mehr machen, als nutzlos rumzusitzen."
    • Thomas

      Es war eigenartig, das alles mitanzuhören, aus verschiedenen Gründen. Einerseits arbeitete Thomas mit Richard zusammen und er war sich nach all dem, was er heute gehört hatte, nicht mehr sicher, ob er normal mit ihm arbeiten konnte. Thomas hatten einen völlig anderen Eindruck von Richard gehabt, bevor er hergekommen war. Auf der anderen Seite war es enorm beunruhigend, Andrew so aufgewühlt zu sehen. So viele Emotionen hatte er in jedem ihrer gesammelten gemeinsamen Gespräche noch nicht gezeigt, aber es machte ihn irgendwie menschlicher. Anscheinend durfte eben nur Ezra sehen, dass er ein Mensch war. Und genau deshalb fühlte es sich furchtbar unpassend an, noch hier zu sein. Dass Ezra sie irgendwie nicht gehen lassen wollte, machte es kaum besser. Thomas hatte das Gefühl, selbst erst mal ein paar Dinge verarbeiten zu müssen, aber er wollte Ezra auch nicht hängen lassen und Andrew rief gerade ein überwältigendes Mitleid in ihm hervor. Und trotzdem…
      „Ich denke, wir sollten gehen“, sagte Thomas leise und schielte zu Andrew, der sich auf die Couch sinken ließ und gedankenverloren seine Hand als Spielzeug für das Baby aufopferte.
      „Wir ähm… müssen morgen beide aufstehen, also… Aber vielleicht können wir nochmal vorbeikommen die Tage? I-ich hab deine Nummer nicht, Ezra, aber Steve kann sie mir geben und ich schick dir ein paar… Serien und Filme“, versuchte er zu erklären. Er wollte die beiden wirklich nicht enttäuschen, aber etwas sagte ihm, dass sie gerade absolut Fehl am Platz waren.
      Er ging einen Schritt zurück und zog Steve mit sich.

      Andrew

      Andrew war es ganz recht, dass sie das Gespräch hier beendeten. Er wollte nicht weiter darüber reden. Solange Ezra ihn nicht dafür hasste, dass er ihn nicht vorgewarnt hatte, war alles in Ordnung. Und… solange niemand etwas über die Sache sagte. Andrew wollte sich seine Chancen bei dem Job nicht vermiesen. Er hatte sich schon viel zu sehr auf die ganzen neuen Möglichkeiten eingestellt.
      Irgendwie war es tröstlich, Elli auf dem Schoß sitzen zu haben. Andrew ignorierte Thomas Gerede, lehnte sich kurzerhand zurück und zog Elli zu sich auf die Brust. Er legte fest die Arme um sie und schloss die Augen. Es war, wie ein kleines sabberndes Stofftier zu halten, das ihm warme, feuchte Luft in den Nacken atmete und langsam seine Kleidung durchweichte. Vor ein paar Tagen hätte er sich wahrscheinlich noch davor geekelt, aber jetzt war er einfach nur bei jedem Atemzug froh, dass er passierte.
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    • Caleb


      Caleb würde nicht zum Essen bleiben. So viel stand fest. Er hatte eben schon nach dem besten Weg gesucht, sich irgendwie verabschieden zu können und war gerade einfach nur froh, die Wohnung kurz verlassen zu können. Er hätte die letzte Frage wahrscheinlich besser gar nicht stellen sollen.Er wusste nicht mal genau, welche Antwort er erwartet hatte. Vielleicht eine Überschreitung von Grenzen im normalen Alltag, aber nicht eine sexuelle Übergriffigkeit, die so gar nicht zu dem Bild passen wollte, das Caleb von Richard im Kopf hatte. Aber konnte er wirklich darüber richten? Er selbst hatte bereitwillig bei allem mitgemacht, also konnte er absolut nicht abschätzen, was passiert wäre, wenn er zwischendurch Nein gesagt hätte. Trotzdem wurde ihm bei dem bloßen Gedanken an die letzten Wochen irgendwie furchtbar übel.
      "Alles okay? Du siehst ein bisschen so aus, als ob du dich die Treppe runterstürzen wollen würdest."
      Caleb zuckte leicht zusammen und sah zu Ada, die am unteren Ende der Treppe stand und beinahe ein wenig besorgt zu ihm herauf sah. Sie hatte Staub in den Haaren.
      "Alles gut. Wir hatten nur eine ziemlich...anstrengende Diskussion." Caleb zwang sich zu einem Lächeln, das Ada nicht sonderlich zu überzeugen schien, während er die Stufen zu ihr herunter stieg. "Ezra will etwas zu Essen bestellen. Ich sollte dich und die Kinder fragen, ob-"
      Ada umarmte ihn so plötzlich, dass Caleb kurz vergaß, was er überhaupt sagen wollte. Er erwiderte die Umarmung etwas ungelenk.
      "Du siehst furchtbar aus", merkte Ada leise an.
      "Ich weiß." Caleb blinzelte ein paar Tränen zurück.
      "Meine Couch ist noch frei, falls du nicht alleine bleiben willst."
      Caleb schüttelte leicht mit dem Kopf. "Alles gut. Ich mache mich gleich auf den Rückweg. Ich komme klar."
      Ada ließ ihn los, ohne wirklich überzeugt auszusehen. Sie schien kurz mit sich selbst zu hadern, bevor sie offenbar beschloss, das Thema fallen zu lassen. "Hatte Ezra gesagt, wo er bestellen will?"


      Ezra

      Nach dem ganzen Chaos von vorhin, war es seltsam still in der Wohnung, als alle gegangen waren. Thomas und Steve hatten sich sofort verabschiedet, Caleb war einen Moment später gegangen. Ada hatte den Hochstuhl schlussendlich im Keller gefunden und irgendwie war Ezra das alles zu normal vorgekommen dafür, dass sich innerhalb der letzten Stunde so vieles so sehr verändert hatte.
      Max und Niko wirkten unverändert. Offenbar hatte Liz die beiden zu sehr auf Trapp gehalten, als dass sie weiter über das Streitgespräch nachgedacht hatten. Am Ende hatten Andrew und er beschlossen, die Jungs auf dem Sofa übernachten zu lassen. Sie waren schmal genug, um kein Problem mit dem Platz zu haben und jung genug, um das ganze irgendwie als Abenteuer zu sehen, statt sich Gedanken darum zu machen, morgen mit Rückenschmerzen wach zu werden. Ezra hatte die Decke um die beiden zurechtgerückt, Niko einen Gute Nacht Kuss auf die Stirn gedrückt und saß schlussendlich immer noch ein wenig überfordert auf seinem eigenen Bett.
      Am liebsten hätte er das ganze Drama um Richard herum einfach ausgeblendet, eine Nacht drüber geschlafen und morgen Minute für Minute auseinandergenommen und analysiert. Aber das konnte er nicht.
      "Bist du dir sicher, dass du nichts gegen ihn unternehmen willst?", fragte er Andrew sanft, während er nach dem kleinen Döschen mit Tabletten griff, die er wohl vorerst nachts nehmen musste. "Andrew, das war er getan hat ist...nicht okay. Denkst du wirklich, dass Gerüchte die so viele Steine in den Weg legen könnten?"
    • Andrew

      Es war ein bisschen seltsam, die Jungs im Wohnzimmer schlafen zu lassen. Nicht, weil Andrew es seltsam fand, dass Kinder in seinem Wohnzimmer schliefen, sondern weil sie fast anderthalb Wochen immerzu genau neben ihm geschlafen hatten und er sich wohl irgendwie kurzfristig daran gewöhnt hatte, einen wundervollen Überblick über alle zu haben. Er sah Ezra dabei zu, wie er Andrews Abendroutine übernahm, deutlich liebevoller und gekonnter. Es sah immer richtig aus, wenn Ezra sich mit Kindern auseinandersetzte. Irgendwie gehörte das einfach zusammen in ein Bild. Andrew ignorierte diesen keinen, stechenden Gedanken, von dem er nicht wusste, was er davon halten sollte, und ging vor ins Schlafzimmer, wo Elli bereits eine Weile auf dem Bett geschlafen hatte. Andrew hatte Elli bisher immer neben sich an der Wandseite des Hotelbetts oder schlichtweg auf sich schlafen lassen und beide Optionen hatten ihn unheimlich gestresst. Er hatte Angst, sich unabsichtlich auf sie zu rollen, aber bisher war nichts passiert. Nun stand Ezra aber unter Beruhigungsmitteln, die seinen Schlaf sicher fester machten und ihr Bett hatte keine Wandseite. Andrews Lösung war, Decken und Polster auf den Boden an seiner Bettseite zu legen, bis sie beinahe dieselbe Höhe wie das Bett erreicht hatten. Elli schlief relativ weit vom Rand entfernt, was im Prinzip bedeutete, dass Andrew Ezra auf die Pelle rücken musste, bestenfalls ohne ihn am gebrochenen Arm zu stoßen. Das… würde ja eine wundervoll ruhige Nacht werden. Ob das wirklich die beste Lösung war? Aber zumindest sollte das Kinderbett morgen ankommen.
      Andrew rutschte vorsichtig ins Bett und war sich sicher, dass er Elli aufgeweckt hatte, auch wenn sie weiter mit geschlossenen Augen dalag und nur vor sich hin nuschelte. Er beobachtete sie, während er spürte, dass Ezra sich hinter ihm an den Bettrand gesetzt hatte und seine Medikamente nahm. Das Thema war wohl noch nicht gestorben… Und das würde es sicher für eine Weile nicht.
      "Denkst du, ich weiß das nicht?", murmelte er, vielleicht ein bisschen zu genervt. Er setzte sich auf und sah Ezra an. "Ich will keinen einzigen Stein im Weg, ehrlich gesagt. Wenn es nur um mich geht… dann ist es mir das Risiko wirklich nicht wert. Ich würde das nur tun, wenn ich denken würde, dass er… das in vollem Bewusstsein gemacht hat. Dass er das nochmal tun würde, vielleicht bei jemandem, dem es wirklich Angst einjagt. Ich glaube aber nicht, dass er das machen würde. Ich kenne ihn schon sehr, sehr lange. Leider. Und er hat seinen Job immer absolut ernst genommen und ist mit den Opfern gut umgegangen, er ist zu seinen Kollegen nicht unfreundlich, nur streng. Er hat sich nie geprügelt, nur mit mir. Und ich weiß nicht, welche Sicherung bei ihm durchbrennt, wenn wir aufeinander treffen, aber wenn man sich verbal und körperlich jahrelang bekriegt hat, ist es wohl keine große Überwindung mehr, sowas zu tun. Ich weiß nicht, ob ich es wiederhole, aber er war betrunken. Wenn ich denken würde, dass er ein gefährlicher Mensch ist, der Leuten, die mit mir nichts zu tun haben, etwas antun würde, dann würde ich es melden. Ich erinnere dich gerne, aber es war genauso mein Job, solche Menschen festzunehmen, wie dir hinterher zu laufen. Ich hab keinen Spaß daran, Richard zu verteidigen, aber er ist nicht so ein Mensch und ich würde mir nur selbst schaden, wenn ich daraus einen Prozess mache" Er sprach leise und ruhig, ließ mit seinen Worten aber keinen Raum für eine Diskussion. Er wollte, dass Ezra verstand, wie er darüber dachte.
      "Es war trotzdem überraschend", sagte er. "Ich hätte nicht mit so etwas gerechnet und ich ekle mich immernoch, und deshalb hatte ich Angst, dass er dir irgendetwas antut, was auch immer. Einfach, weil ich bis zu dem Moment dachte, ich kann ihn gut einschätzen. Und dann kam das. Ich wusste nicht, dass er… auf diese Art fixiert auf mich war. Ich dachte, er lässt seine Eifersucht vielleicht an dir aus, aber dann hat er genau das gemacht, was ich von Richard früher auch erwarten hätte können. Er versucht alles zu seinem Besten zu manipulieren. Er wollte dich auf die… typische Art loswerden, die ich ihm zutrauen konnte. Aber deshalb bin ich mir sicher, dass das alles bei der Feier ein Ausrutscher war. Ich will trotzdem, dass er sich von uns fern hält. Caleb hat nach den Neuigkeiten wahrscheinlich auch mit ihm abgeschlossen, wenn er das nicht vorher schon hatte"
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    • Ezra

      Die Verteidigung gefiel ihm kein Stück, aber Ezra hatte das Gefühl, dass es bei diesem Thema kein richtiges Vor und Zurück gab. Er wollte Richards einfach nur irgendwie so los werden, dass er ihm nie wieder über den Weg laufen musste, egal um welchen Preis, während Andrew vielleicht ein wenig...rationaler an die Sache heran ging. Aber Ezra wollte gerade nicht rational sein und das schien das Grundproblem zu sein.
      "Es ist deine Entscheidung." Ezra seufzte leicht frustriert, während er sich zu Andrew drehte und etwas umständlich nach seiner Hand griff. Er war wirklich froh, wenn er bald diesen verdammten Gips los war. "Aber wenn ich rausfinde, dass du nochmal sowas vor mir verheimlichst, setze ich dich an irgendeiner Autoraststätte aus." Zugegeben, er wusste nicht ganz, was genau er gemacht hätte, wenn Andrew ihm von alledem noch am selben Abend erzählt hätte. Er wäre auf jeden Fall nicht mit Richard nach Oslo geflogen. Eher hätte er noch auf der Stelle den Job geschmissen. Aber alleine die Tatsache, dass sich Andrew so lange alleine mit dem Vorfall herumgeplagt hatte, war schon schlimm genug.
      Er wollte auch irgendwie nicht wissen, was Cal jetzt gerade durch den Kopf gehen musste. Wie und warum Richard ausgerechnet bei ihm gelandet war, erschloss sich Ezra immer noch nicht ganz. Er hatte seine Theorien, aber keine davon war besonders schön und die meisten führten dazu, dass er nach seinem Handy greifen und sicher gehen wollte, dass es Caleb auch wirklich gut ging.
      Ezra streckte sich mit einem weiteren Seufzen auf dem Bett aus, soweit es ihm möglich war, bevor er wieder hoch zu Andrew sah. "Denkst du, Thomas und Steve reden gerade über uns? Ich glaube, die Einladung zur nächsten Silvesterparty können wir uns sparen, oder? Außer sie wollen jetzt auch wissen, wie das Drama weitergeht." Er zog kurz nachdenklich die Augenbrauen zusammen. "Obwohl ich mir das zumindest bei Steve nicht vorstellen kann. Der tut jetzt ja schon alles in seiner Macht stehende, um nicht mit mir lästern zu müssen."
    • Andrew

      "Ich wollte dich nicht zusätzlich stressen, du wolltest den Job ohnehin nicht annehmen und dann ist Richard aufgetaucht", murmelte Andrew und sah Ezra zu, wie er sich hinlegte. Vermutlich war das ebenfalls kein gutes Argument. Aber Andrew wollte den Job eben wirklich haben. Und jetzt setzte er schon wieder alles daran, sich seine Chancen nicht zu vermasseln, egal was er dafür opfern musste. Irgendwie… hatte seine Mentalität sich wohl nie geändert. Nur hatte er einen neuen Job.
      Andrew legte sich auf den Rücken. "Ich habs glaub ich auch nicht besser gemacht. Du hättest mir nicht sagen sollen, dass ich Thomas nochmal wegen Silvester selbst fragen soll. Irgendwas machst du anders, als ich. Bei dir kommt das alles fast normal rüber, aber nur fast" Er schmunzelte und schloss die Augen. Langsam holte ihn der Jetlag ein. Morgen würde er Elli wohl mit zur Arbeit nehmen müssen und mit Harald eine Lösung finden, wie er ein paar Tage zuhause bei den Kindern bleiben konnte. Schließlich war Ezra mehr oder weniger außer Gefecht und die Kinder… waren wohl dank MLO ebenfalls Andrews Job, so seltsam sich das auch anhörte.

      Jude

      12 hours earlier

      "Happy Birthday to youuu" Dumpf klangen zwei Stimmen hinter dir Tür zu Jude durch. Er wehrte sich einen Augenblick dagegen, aufzuwachen. "Happy Birthday tooo youu, Happy Birthday dear Juuude" Okay, vielleicht musste er doch aufwachen.
      Er blinzelte etwas und setzte sich langsam auf, um Helen zu sehen, wie sie mit einer Torte voller brennender Kerzen durchs Zimmer kam, und Chris, der das Lied mitsäuselte und ihr nachlief. Helen kniete sich mit der letzten Zeile ganz vorsichtig herunter zu Jude, der zu ihrem Glück die untere Hälfte des Stockbetts bewohnte, und wartete grinsend darauf, dass Jude die Kerzen ausblies. "Wünsch dir was", fügte sie schnell hinzu und Jude konnte sein Grinsen nicht unterdrücken, bevor er die Kerzen anpustete, auf einen Schlag alle Lichter ausgingen und Helen ein kleines Jubeln ausstieß, dass Chris mit Klatschen begleitete.
      Sie drückte ihrem Mann die Torte in die Hand und zog Jude in eine feste Umarmung, bevor sie aufstand. "So, und jetzt sprühen wir Emery ein bisschen Wasser ins Gesicht, damit er sich aufrafft und wir zu den Geschenken gehen können. Oh, entschuldige, dem Geschenke-Berg", sagte Helen laut und bekam ein Grummeln von ihrem Sohn zurück, der sich langsam auch aufsetzte und sich dann mit müden Augen über den Rand seines Bettes hängen ließ.
      "Alles Gute zum Überleben, wir dachten alle du schaffst es nicht", raunte er und zog sich wieder hoch.
      Helen rollte mit den Augen und wartete, bis sich beide Jungs aus dem Bett gekämpft hatten, was in Emerys Fall eine halbe Ewigkeit dauerte, und nahm sie mit zu dem tatsächlichen Geschenke-Berg, der Jude am Esstisch erwartete. Es war… irgendwie verrückt. Anfangs hatte er noch gedacht, dass er Mitleidgeschenke bekam, weil seine Eltern tot waren, aber die Menge nahm an jedem Feiertag zu, statt ab und Emery wurde ebenso überhäuft.
      Jude machte sich noch im Halbschlaf daran, eins nach dem anderen auszupacken. Ein paar Sachen waren… typisch Helen, die keine Ahnung hatte, was man jemandem schenkte, und darum bekamen Emery und er immer irgendwelche seltsamen Klamotten. Aber Chris hatte immer den schlauen Einfall, vorher heimlich zu fragen, was man sich wünschte, und so hatte tatsächlich eine Nintendo Switch mit ein paar Einstiegsspielen den Weg auf diesen Tisch gefunden.
      "Zum 18. kann man schonmal mehr bekommen", verteidigte Chris sich gerade nochmal und Jude grinste, weil er schon irgendwie geahnt hatte, dass er die heimlich bestellt hatte. Jude zog ihn in eine halbe Umarmung bevor er sich an die nächsten Geschenke machte, danach aßen sie zusammen Torte und ihr Osterfrühstück und Emery hatte die Evolution vom Zombie zum Menschen beinahe abgeschlossen, also bekamen sie beide auch noch einen Korb mit kleinen Gimmicks und Süßigkeiten.
      "Oh, was wollt ihr eigentlich heute machen? Ich hab bis heute keine Antwort von dir, Jude", fragte Helen und schob sich wieder eine Gabel Kuchen in den Mund.
      Ja, er hatte nicht geantwortet, weil er es nicht gewusst hatte. Er hatte noch nie eine Geburtstagsparty geschmissen, außer als kleines Kind, und jetzt damit anzufangen fühlte sich irgendwie komisch an, vor allem weil er nicht wusste, was man da beachten musste. Außer die offensichtliche Tatsache, dass es wo stattfinden müsste, wo keine Eltern waren, sonst würde er durchdrehen. Das konnte man dann ja kaum eine Party nennen. Aber… er hatte eine ungefähre Idee, was er stattdessen machen wollte. Dass Emery den Tag mit ihm verbringen würde, war sozusagen Pflicht.
      "Wir könnten ins Kino", überlegte Jude. Oder zumindest in die Nähe des Kinos, denn im Erdgeschoss hatten sie Billard, Bowling und Drinks und sie konnten beide ab heute ihren echten Ausweis herzeigen. Jude würde vielleicht auch spontan noch ein paar Leute finden, die sich ihnen anschließen wollten. Das war besser, als eine durchgeplante Party für die man irgendeine Location und eigene Drinks brauchte. Vielleicht hatte Wyatt ja Zeit. Und Nataly.
      "Sonst nichts?"
      "Ich überleg mir spontan was, ich will aber auch noch ein paar Spiele ausprobieren", sagte er und nickte zu seiner neuen Konsole. Damit war das Gespräch für die Tagesplanung abgeschlossen. Helen und Chris hatten schon lange damit abgeschlossen, dass sie meistens nur eine vage Idee davon hatten, was Emery und er den ganzen Tag trieben.
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    • Wyatt

      "Naja, auf jeden Fall hat man die beiden nie wieder gesehen und hat halt nur noch diese Kamera mit den komischen Bildern von ihrem Hinterkopf und niemand weiß so wirklich, was passiert ist. Angeblich steckt wohl eine Sekte dahinter, aber das kann man natürlich nicht beweisen", beendete Emma eine viel zu detaillierte, langgezogene Zusammenfassung der letzten Folge ihres Lieblingspodcasts. Wyatt hatte nicht alles davon mitbekommen, er war zu konzentriert auf das Spiel, dass Emma, Lucas und er sich für ihr spontanes online Treffen ausgesucht hatten, aber das, was er mitbekommen hatte, passte wie immer nicht zu Emmas sonstigem 'quirky princess' Auftreten.
      "Warum hörst du dir eigentlich immer so ein Zeug an?", fragte Lucas, die Stimme irgendwo zwischen angeekelt und besorgt.
      "Weil es interessant ist! Ich meine, da muss doch so viel in - Zombie - dem Kopf von solchen Leuten vorgehen, um so zu werden!"
      "Aber was geht in deinem Kopf vor, dass du dir das alles unironisch anhörst?", fragte Wyatt, während er den Zombie, den Emma gecalled hatte, mit einem Kopfschuss außer Gefecht setzte. Es war ein...dämliches Spiel. Ein kleiner Indie Titel mit ziemlich groben Bugs und einer ziemlich seichten Spielweise, aber es passte wunderbar in ihre Sammlung von schrulligen Indie Spielen, die die drei fleißig erweiterten und was bot sich zu Jesus' Auferstehung von den Toten schon eher an, als ein Zombie Spiel? Wyatts Eltern hätten ihn wahrscheinlich nie spielen lassen. Sie hatten Ostern unfassbar ernst genommen. Frühstück, Kirche, gemeinsames Mittagessen... heute war irgendwie der erste Feiertag, an dem er sie nicht furchtbar vermisste. Milo hatte sich die Mühe gemacht, ihm ein kleines Würfelset zu verstecken - jeden Würfel einzeln, natürlich - und das war alles gewesen, was sie irgendwie als 'feiern' verkaufen könnten.
      "In meinem wunderhübschen Kopf mit einem komplett funktionstüchtigen Hirn ist alles bei bester Ordnung", wehrte Emma sich. "Ihr seid einfach langweilig."
      "Ich glaube, ich bin unter die Map geclippt", warf Wyatt ein, bevor er nach einer kurzen Pause und dem verzweifelten Versuch, seinen Charakter irgendwie aus einem massiven Berg zu befreien, ein amüsiertes Lachen ausstieß. "Jepp. Ich stecke in der Landschaft fest. Vielleicht sollten wir doch das Spiel wechseln."
      "Ich suche uns was anderes", versprach Lucas, während sie das Spiel verließen.
      Wyatt nutzte die kleine Pause, um ein Blick auf sein Handy zu werfen. Es war nicht viel los, aber eine Nachricht von Jude stach ihm sofort ins Auge. Milo hatte ihn bisher tatsächlich nicht mehr auf das Jugendzentrum angesprochen und Wyatt hatte nicht viel Motivation gehabt, wieder hin zu gehen, aber er hatte den Kontakt zu Jude gehalten. Er tippte auf den Text und stockte irritiert. Oh. Offenbar hatte Jude heute Geburtstag. Irgendwie kam er sich schlecht vor, ihm nicht direkt gratuliert zu haben, obwohl er ihn nie gefragt hatte, wann genau er Geburtstag hatte. Hatte er überhaupt tatsächlich Geburtstag? Mit Blick auf den Kalender - 01. April - traute er Jude irgendwie auch einfach einen furchtbar seltsamen Aprilscherz zu.
      'Meinst du das jetzt ernst, oder ist das ein Aprilscherz?', tippte er zurück, bevor er ein 'Happy Birthday! (?)' hinterher schickte.
    • Jude

      Emery machte den ganzen Tag brav alle von Judes Wünschen mit. Die… bisher sowieso ausgesprochen niedrig angesetzt waren, weil sie bis in den Nachmittag hinein Videospiele gespielt hatten. Dann war Jude eingefallen, dass er vielleicht noch ein paar Leute wegen heute Abend anschreiben sollte. Er erwartete zwar nicht, dass viele so spontan an einem Feiertag Zeit hatten, aber selbst wenn es nur Emery und er wären, wäre er mit dem Tag zufrieden. Er schrieb seiner Freundin endlich auf die Geburtstagsglückwünsche zurück und fragte sie, ob sie Zeit hatte, und dann schrieb er Wyatt und ein paar seiner Klassenkollegen an. Er überlegte, Wyatt anzubieten, seine Freunde mitzubringen, aber die hatte er nur so kurz getroffen, also… Nein. Lieber nicht, bevor es irgendwie seltsam wurde.
      Bis Jude sich umzog und mit Emery fast bei der Tür raus war, hatten ihm etwa die Hälfte der Leute zugesagt und die anderen abgesagt. Wyatt antwortete er mit einem Schmunzeln: ‚Find es raus (Bitte komm, Sechs Leute sind perfekt für Teams)‘. Moment, hatte er erwähnt, dass sie Billiard und Bowling spielen wollten? Naja, er würde es schon rausfinden. Jude machte sich mit Emery auf den Weg zur nächsten U-Bahn Station.
      „Und wer kommt?“, fragte der Dunkelhaarige am Weg und machte einen letzten Zug von seiner Zigarette, bevor er sie am nächsten Mülleimer ausdrückte.
      „Noah, Charlie, Nataly und Wyatt hoffentlich“, antwortete er. Noah war sein Sitznachbar, mit dem er sich mittags immer Essen aus irgendeinem umliegenden Fastfood Laden holte und Charlie war… Charlie war ein einziges Rätsel, das er nicht lösen wollte, aber sie konnte verdammt gut Malen und hatte Jude bei seinem Abschlussprojekt beigestanden. Manchmal hatte sie Tage, an denen sie mit ‚er‘ angesprochen werden wollte, an manchen Tagen wollte sie mit garnichts oder erfundenen Wörtern angesprochen werden und wenn man sich daran mal gewöhnt hatte, war sie eigentlich ziemlich cool. Ihr Kleiderschrank musste auch so groß sein, wie ein ganzes Zimmer, so unterschiedliches verrücktes Zeug hatte sie manchmal an. Jude konnte sich aber darauf verlassen, dass sie gute Laune machte.
      „Ich mag Charlie“, murmelte Emery.
      „Huh? Hey, kennst du Wyatt eigentlich? Das war der Typ, mit dem ich bei der Ausstellung getrunken hab“ Jude lachte in sich hinein, als er sich erinnerte.
      „Oh, yup. Aber ist der nicht… irgendwie 15 oder so?“, fragte Emery irritiert.
      Jude runzelte die Stirn. Eigentlich hatte er ihn nicht gefragt. Im Jugendzentrum war er irgendwie immer altersblind. War es unethisch, ihn einzuladen? „Ach, keine Ahnung. Er muss ja nichts trinken“, meinte Jude schulterzuckend. Aber er war sich ziemlich sicher, dass Wyatt sein Alter nicht aufhielt.
      Sie kamen bei einem Einkaufszentrum an, in dem heute abgesehen von der Arcade, den Restaurants und dem Kino nichts offen hatte. Sie steuerten die Arcade an, durch die sie hindurch mussten, um zum Bowling zu kommen. Nataly lehnte dort bereits am Eingang und sah von ihrem Handy auf, als sie auf aie zukamen.
      „Hii Jude“, sagte sie und begrüßte ihn mit einem Kuss.
      „Hey“, machte er. Mann, es war toll, eine Freundin zu haben.
      „Auf wen warten wir noch?“, fragte sie lächelnd.
      „Charlie, Noah und Wyatt“, antwortete Emery.
      „Ah… Moment, ist Wyatt dieser Junge, den wir vor ein paar Wochen getroffen haben? Mit den Freunden? Im Bus?“, fragte Nataly.
      „Mhm“ Jude überlegte kurz angestrengt, wie die Namen besagter Freunde waren. Irgendwas mit Em… Aber ihm fiel gerade nur Emery ein und kein einziger anderer Name mit Em.
      „JUDE“ Der Schrei hinter ihm ließ ihn kurz zusammen zucken und das Nachdenken über die Namen wurde brutal beendet. Er drehte sich herum und Charlie schlang einen Arm für eine Umarmung um ihn, wobei er fast von ihrem riesigen flattrigen Hemd erstickt wurde. „Alles Gute! Fühlst du dich anders? Erwachsen? Okay, eigentlich weiß ich garnicht, warum ich dich das frage. Kommt noch wer? Oh! Noah!!“ Und schon hatte Charlie sich wieder umgedreht und riss Judes Klassenkollegen ebenfalls in eine stürmische Begrüßungsumarmung, der nicht wusste, was er mit seinen Händen machen sollte. Emery grüßte beide mit einem knappen Lächeln, er war einfach zu introvertiert für diese Leute. Aber Jude würde ihn niemals davon erlösen, ihn überall hin mitzunehmen.
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    • Wyatt

      "Ach komm schon. Es ist Jude! Du kennst Jude! Er ist voll okay."
      "Das einzige mal, als ich ihn getroffen habe, hat er sich mit dir betrunken." Milo stemmte seine Hände in seine Hüften und warf Wyatt den strengen Blick zu, den er nun schon zu genüge kannte. Warum konnte er sich nicht mal ein bisschen weniger wie ihre Eltern und ein bisschen mehr wie sein Bruder aufführen? Lucas hatte nie solche Probleme mit seinen älteren Geschwistern - im Gegenteil, meistens waren sie es, die ihnen die besten Tipps für das größte Chaos gaben!
      "Aber er hat Geburtstag. Und es ist nur Bowling und vielleicht Kino, oder so! Das ist unfair." Wyatt griff schon mal nach seiner Jacke. Eigentlich war ihm relativ egal, was Milo dachte. Er würde so oder so gehen, die Frage war nur, ob er die Tür, oder das Fenster nutzen würde. Sein Bruder schien das im selben Moment zu realisieren. Einen Augenblick lang fühlte sich Wyatt beinahe schlecht dabei, sämtlichen Widerstand in Milos Blick verschwinden zu sehen.
      "Schön. Aber wenn ihr irgendwas anstellt, brauchst du keine Hilfe von mir zu erwarten und wenn du bis Mitternacht nicht wieder hier bist, darfst du deinen Geburtstag selbst finanzieren." Milo schob seine Brille hoch, um sich kurz genervt über die Augen zu wischen.
      Wyatt zögerte. Weniger wegen der Drohung und mehr, weil Milo tatsächlich viel zu müde aussah. "Weißt du...ich hatte überlegt, Jude vielleicht einzuladen und Kaia. Ich denke, dass ich Jia dann wahrscheinlich auch einladen muss, bevor sie ne Szene macht, also...könnest du vielleicht einfach Aaron einladen?"
      Milos Gesichtsausdruck war weniger begeistert, als Wyatt gehofft hatte. Sehr viel weniger begeistert. Dafür sehr, sehr misstrauisch. "Warum sollte ich Aaron zu deinem Geburtstag einladen?"
      "Weil du ihn magst und dich hoffentlich weniger über mich beschwerst, wenn er da ist", antwortete Wyatt mit einem kleinen Schulterzucken und schlüpfte in seine Schuhe. "Du kannst ja einfach drüber nachdenken."

      Der Weg war relativ kurz. Trotzdem schaffte Wyatt es dank der Diskussion mit Milo offenbar der letzte zu sein, der an kam. Zumindest standen schon genug Leute um Jude herum, als er auf die kleine Gruppe traf. Seine Freundin und Emery kannte er ja bereits, wenn auch nur sehr flüchtig, aber die anderen beiden waren neu. Nicht, dass ihn das stören würde. In letzter Zeit hatte er so viele neue Leute kennen gelernt, dass zwei weitere kaum auffallen würden.
      "Hey!", grüßte er, bevor er kurz vor Jude stehen blieb. "Ich glaube dir immer noch nicht 100%, dass du heute Geburtstag hast, wünsche dir aber trotzdem alles Gute", erklärte er scherzhaft.
    • Jude

      Wyatt tauchte nur eine Minute später auf, als Charlie schon drauf und dran war, alle zu bequatschen und herauszufinden, wer gut im Bowling war, damit sie sich ihr Team zusammenstellen konnte. Jude grinste, als Wyatt auf sie zukam und ihm alles Gute wünschte.
      „Mein ganzes Leben ist ein Aprilscherz, aber ich hab trotzdem Geburtstag“, deklarierte er. „Das sind Noah und Charlie und keine Ahnung ob du dich an Emery und Nataly erinnerst“
      „Hi“, sagte Emery. „Wie alt bist du eigentlich?“, fragte er gerade heraus und Jude lachte und drückte ihn in Richtung der Kassa, um ihre Bahn zu mieten und die Bowling Schuhe zu holen.
      „Ist doch völlig egal, Charlie ist auch nicht 18“, verteidigte Jude seinen neuen kleinen Freund.
      „Hi, Wyatt“, grüßte Charlie den Jungen sogleich und führte ihr Auswahlverfahren weiter, während Jude und Emery für die Bahn zusammenlegten. „Hast du schonmal Bowling gespielt? Bist du gut? Also, wieviele Strikes würdest du dir zutrauen?“
      Sie liefen zusammen zur hintersten Bahn und das erste, was Jude tat, war sich die Getränkekarte anzusehen. Er konnte hier unmöglich rausgehen, ohne sich legal seinen ersten Drink selbst bestellt zu haben. Und außerdem wollte er Chips.
      „Uh-uh. Jude, wenn du jetzt was alkoholisches bestellst, kommst du nicht in mein Team. Ich brauche alle Sinne und vollste Konzentration“, erklärte Charlie, sobald sie ihn an der Karte erwischte. „Ich will auf jeden Fall Emery im Team, weil er mir gute Bowling Vibes gibt“
      „Woran machst du das fest?“, fragte Emery belustigt und doch ein wenig irritiert, bevor er seinen Namen auf dem Tablet einloggte.
      „Weiß nicht. Deine Aura. Jude hat eine Chaotic Evil Aura und ich glaube, er kann das gewinnen. Nüchtern“
      „Das sagst du nur, weil Jude grundsätzlich immer alles gewinnt“, warf Emery ein.
      „Das auch“ Charlie lachte. „Aber Bowling kann man unmöglich gewinnen, wenn man keine Koordination mehr hat. Will jemand wetten?“
      „Ich wette mit dir“, meinte Jude und lehnte sich cool in der Ledersitzbank zurück. „Aber dafür muss ich erstmal was bestellen, also wer will?“
      „Ich nehm eine Cola“, sagte Emery. „Charlie zählt auf meine Aura“
      „Ich auch“, warf Noah ein. Jude seufzte frustriert.
      „Dann muss Nataly in mein Team, ihre Selbsteinschätzung war vertrauenerweckend“, bestimmte Charlie und heftete sich sogleich an die Blonde. Soweit Jude wusste, kannten die beiden sich nicht, aber das ließ sich wenn dann nur Nataly anmerken. Sie blieb auch noch ein paar Sekunden höflich stehen, bevor sie sich doch knapp neben Jude auf die Bank setzte und die Nase in seine Karte steckte.
      „Warte. Was ist mit Noah?“, fragte Jude und sein Blick schoss zu dem Dunkelhaarigen.
      „Ich bin echt. echt schlecht in allem, wo man was treffen muss“, antwortete er. Jude verzog das Gesicht. Super. Bekam er das Loser Team?
      „Wyatt, bitte sag, du kannst bowlen“, flehte er.
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    • Wyatt

      "Fast 16", beantwortete Wyatt die Frage nach seinem Alter. Damit schien er wohl tatsächlich der Jüngste in der Runde zu sein, was ihn eigentlich nicht störte, aber in diesem Moment tatsächlich ein kleines bisschen nervös machte, auch wenn er sich größte Mühe gab, das irgendwie zu überspielen. Charlie und Noah. Wyatt versuchte, sich die Namen zu merken. Bei Charlie war das leicht - Milos Freunde hatten immerhin den exakt selben Spitznamen - und Noah würde er schon irgendwie hinbekommen.
      "Ich bin durchschnittlich gut, glaube ich? Kein Plan, das letzte mal, dass ich bowlen war ist etwas her." Außerdem war es ein Kindergeburtstag gewesen, aber den Fakt verschwieg er elegant, um Folgekommentare zu vermeiden. Er hatte schon mal einen Strike geschafft, vielleicht sogar zwei, aber wenn er ehrlich war hatte er keine Ahnung, ob er mit der Prothese, den leicht rutschenden Schuhen und dem abrupten Stopp vor dem Wurf der Kugel überhaupt irgendwie zu gebrauchen war. Wahrscheinlich würde er-
      "Warum fragst du das überhaupt?", fragte er plötzlich etwas irritiert. "Du kannst doch eh nicht verlieren. Ich könnte die Kugeln wahrscheinlich absichtlich in die falsche Richtung rollen und der Strom der Bahn würde zufällig genau dann ausfallen, wenn unser Team nach deinem fünften Strike gerade mit einem Punkt in Führung gegangen ist, damit du technisch gesehen gewonnen hast." Er hatte schließlich nicht umsonst in mehreren Spielen erfolgreich gegen Jude verloren. Jetzt herauszufinden, dass Bowling seine Schwäche war, wenn sie im selben Team gelandet waren, wäre mehr als nur unbefriedigend. Obwohl es irgendwie nett wäre zu wissen, dass es überhaupt etwas gab, was Jude nicht gewinnen konnte.
      "Ich fange trotzdem auch mit Cola an", beschloss er schließlich. Zum einen hatte er keinen Plan, wie streng die anderen mit seinem Alter umgehen würden, zum anderen wollte er sich nicht unbedingt direkt beim ersten Wurf schon aufs Parkett legen. Im Laufe des Abends, wenn der Pegel allgemein steigen würde, würde es wahrscheinlich nicht so auffallen, wenn einer von ihnen wegrutschen würde, aber er wollte nicht unbedingt mit diesem Trend anfangen. Außerdem hatte er ein wenig Sorge, dass Milo seine Drohung tatsächlich wahr machen würde.
    • Jude

      "Hey, ich will euch nicht ins Ziel tragen", sagte Jude laut. "Immerhin gewinnt ihr wegen mir, da könnt ihr auch ein bisschen was leisten"
      "Keine Sorge Wyatt, ihr verliert sowieso", meinte Charlie, als würde sie ihn aufrichtig trösten.
      Bis sie alle ihre Namen oder Spitznamen, weil Jude unter 'King' lief, eingetragen hatten, kam auch bereits die erste Runde Getränke an den Tisch und eine Aufreihung an Snacks. Emery und Jude sparten nicht mit dem Taschengeld, das sie für diesen kleinen Ausflug bekommen hatten. Abgeliefert wurden fünf Cola und ein Eistee für Nataly. Jude hatte nachgegeben, weil er nicht alleine trinken wollte. Das verübelte er Emery jetzt ein bisschen. Er würde auf jeden Fall gewinnen, auch wenn er Wyatt und Noah da durchtragen musste.
      Und er gewann. Natürlich gewann er. Wurde es deshalb langweilig? NOPE!
      "HA! Gesehen, wie viele Strikes das waren?! So viel zu Stromausfall! Ihr Loser kennt einfach nicht zielen" Jude lachte und drückte Nataly einen Kuss auf. "Du bist kein Loser, du warst einfach im falschen Team. Nächste Runde spielst du bei mir mit", grinste er. Und dann ging es endlich an die zweite Runde Getränke, bei der Emery sich doch noch rumkriegen ließ und einen Gintonic bestellte. Jude überlegte lange. Es musste irgendetwas cooles sein. Er hatte zwar schon oft genug getrunken, aber immerhin noch nie legal. Das musste man halt irgendwie besonders machen. "Ich nehme diesen Bloody Mary Cocktail", sagte er letztlich bestimmt und legte die Karte weg. Das war eine leichte Entscheidung gewesen, der Name klang am besten.
      "Bist du dir sicher?", fragte Noah skeptisch und hob die Karte wieder auf.
      "Yup", machte Jude.
      Die Getränke kamen an den Tisch und der Cocktail sah genauso hammermäßig aus wie er ihn sich vorgestellt hatte. Rot und mit einer Zitronenscheibe und… irgendetwas Grünem. Jude lehnte sich vor um sich das genauer anzusehen. Huh…? Er runzelte die Stirn.
      "Ist das… Salat?", fragte Charlie hörbar grinsend und kam Jude zuvor. Er nahm den grünen Stiel zwischen zwei Finger und zog ihn aus dem Glas heraus.
      "Das ist Petersilie", murmelte er. Dann zog er das zweite Ding heraus. "Und… Sellerie"
      Charlie begann so laut zu lachen, dass es die Bowlingbahn am ganz anderen Ende noch hören musste. "EW was hast du da bestellt?!"
      Jude nahm das Glas zögerlich hoch und roch daran. Er hielt sich zurück um nicht zu würgen. Das roch nach scharfem Tomatensaft.
      "Lass mich probieren, wenn du dich nicht traust", meinte Emery interessiert und rutschte an Natalys Seite, bereit sich den Cocktail zu schnappen.
      "Wer soll sich nicht trauen?", fragte Jude und schluckte seinen Ekel herunter. "Ich werd doch wohl meinen… Cocktail trinken dürfen" Er war sich nicht sicher, ob er beim ersten Schluck vorsichtshalber die Luft anhalten sollte, tat es dann aber fast reflexartig. Trotzdem… viellicht war es garnicht so schlimm. Er setzte zu seinem Schluck an, und gerade als die Suppe in seinen Mund lief, meine Noah von der Seite: "Tomatensaft, Wodka, Worcestershiresauce und… Tabasko?" Jude musste die Augen zusammenkneifen, um zu schlucken und Nataly machte fast automatisch eine Bewegung zur Seite, als hätte sie Angst, Jude würde ihr das Zeug gleich ins Gesicht spucken. Es musste direkt aus der Hölle kommen. Wer erfand sowas? Und schlimmer, wer packte es auf eine Karte? Das schmeckte wie die ekelhafteste Tomatensuppe, die Jude je gegessen hatte. Was… an sich zumindest nicht das schlimmste war, was er in seinem Leben probiert hatte, aber trotzdem grenzwertig.
      "Mhhmm… lecker", presste er rau hervor und trank noch einen Schluck, womit er sich von seiner Freundin und Noah zwei angewiderte Blicke und ein kleines 'eww' einfing.
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