The Hero and the Thief [Nao & Stiftchen]

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • Steve

      "Oh, ja, ich weiß noch, wie oft wir ein Spiel pausieren mussten, weil du wieder angerufen worden bist." Steve lächelte leicht. Das waren ihm wenigstens die lieberen Spielunterbrechungen gewesen - die Arbeit konnte manchmal halt nicht warten. Die Spielpausen, die Leona verursacht hatte, waren da weitaus trauriger gewesen.
      Er ließ Thomas weiter reden, während er seinen Joghurt aß und nickte kurz ein wenig, als Thomas vermutete, dass Andrew einfach etwas inkompetent war, wenn es um soziale Angelegenheiten ging. Es war für ihn auch etwas schwierig gewesen, seinen neuen Kollegen einzuschätzen. Anfangs hatte er gedacht, Andrew würde durch Ezra einfach keine Chance bekommen, was zu sagen, dann hatte er kurz überlegt, ob er einfach etwas schüchtern war und ungerne redete. Das hätte er sogar verstanden, Steve selbst legte es ja auch nicht auf unmengen an Freundschaften an. Aber Andrews Auftreten war zu bestimmt, um ihm irgendeine Schüchternheit zu unterstellen. Und außerdem-
      "Warte, was?!" Steve wusste nicht, ob er lachen sollte, als Thomas die Sache mit den Sex-Tipps erzählte. Insgesamt war er wahrscheinlich einfach etwas...fassungslos. Obwohl Thomas das ganze auch ein wenig unangenehm zu sein schien, so rot, wie er wurde. "Du unterhältst dich mit ihm über Sex und denkst nicht, dass ihr befreundet seid?" Jetzt musste Steve tatsächlich ein wenig lachen. Er selbst hätte das Thema wahrscheinlich nicht mal mit seinen besten Freunden angesprochen. Es war ihm einfach zu intim. Allerdings hatte er auch ziemlich früh herausgefunden, dass er schwul war und war nicht direkt in eine Beziehung geschlittert. Er hatte Zeit gehabt, sich langsam damit auseinander zu setzen, während Thomas sich immer selbst Druck zu machen schien.
      "Wenigstens scheinen die Tipps gewirkt zu haben", scherzte er. Immerhin machte es jetzt mehr Sinn, dass Ezra sich so für ihre Beziehung interessierte.
    • Thomas

      „Huh…“, stieß Thomas nachdenklich aus. Ja, wer würde denn über so etwas mit jemandem reden, mit dem er nicht befreundet war? Und wenn Andrew sich diese Woche nicht nur bei Thomas nicht, sondern bei keinem gemeldet hatte, dann… sollte er das wohl nicht persönlich nehmen. Vielleicht waren sie ja doch Freunde. Auf eine seltsame Art, weil Andrew nicht gut darin zu sein schien, Freunde zu haben. Wie Ezra mit ihm eine Beziehung führte, verstand Thomas immernoch nicht wirklich. Steve und er redet schließlich viel miteinander und hatten ähnliche Hobbies und Interessen, aber Andrew und Ezra? Was hatten die gemeinsam, außer ihre kriminellen Tendenzen? Oder reichte das schon?
      Wenigstens schien Steve die ganze Unterhaltung, die er mit Andrew geführt hatte, lustig zu finden, und nicht fragwürdig. Er hätte sich schon eine weitaus andere Reaktion vorstellen können, nachdem Thomas dafür bekannt war, von Andrew teilweise nur so zu schwärmen.
      „Yup“, meinte er zögerlich und wurde bei dem Gedanken nicht weniger rot. „Auch wenn es weniger Information sicher auch getan hätte. Ich frag mich, wo Andrews Grenze bei Dingen liegt, die er anderen erzählt. Ich hab zum Beispiel keine Ahnung, ob er Familie hat oder wo die ist, abgesehen von der Sache mit dem Unfall seiner Eltern, weil das in seiner Akte steht. Aber dafür erzählt er bereitwillig, was er mit Ezra treibt? Und den stört das auch nicht? Irgendwas stimmt mit den beiden nicht“ Thomas lächelte aber er fand es ernsthaft verwirrend.
      Er stellte seine Schüssel wieder auf den Tisch. Sie hatten sich vorhin noch garnicht für eine Serie oder einen Film entschieden, aber Thomas war gerade auch garnicht so sehr danach. Das erinnerte ihn daran, wenn er mit Steve zusammen online gezockt hatte und sie irgendwann nicht mehr gespielt, sondern nur noch über Discord geredet hatten. Er redete gerne mit Steve, egal worüber. Das war eins der besten Dinge daran, mit ihm zusammenzuwohnen.
      Er drehte sich zur Seite und hob ihm halben Schneidersitz ein Bein auf die Couch. „Was hat es eigentlich mit diesen Kindern auf sich? Andrew hat nie besonders gewirkt, als könnte er mit Kindern viel anfangen. Warum ist er derjenige, der auf sie aufpasst?“, fragte Thomas.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • Steve

      "Ich glaube, Ezra overshared sowieso gerne und Andrew interessiert sich wahrscheinlich zu wenig für andere Leute um sich Gedanken darum zu machen, was sie von ihm denken könnten." Steve zuckte kurz lächelnd mit den Schultern. Die beiden schienen wirklich eine seltsame Beziehung zu haben, aber solange es funktionierte, konnte sich wohl keiner beschweren. Außerdem war ihre eigene Beziehung ja auch keine wirkliche standardmäßige Romanze. Wie viele Pärchen verbrachten schon die meiste Zeit ihrer Beziehung damit, zuhause zu sitzen und zu zocken?
      "Oh, ich habe keine Ahnung, was es mit den Kindern auf sich hat. Ich habe noch nie von so einem Fall gehört." Er schüttelte kurz mit dem Kopf, erleichtert darüber, dass sie offenbar über das Thema reden konnten, ohne, dass Thomas sich komisch dabei fühlte. Also schien die Sache erledigt zu sein. Zum Glück. Er hätte es gehasst, wenn Thomas sich für den Rest seines Leben ausgestoßen gefühlt hätte, egal, ob berechtigt, oder nicht.
      "Die Kinder sollen wohl nach London kommen und ich nehme an, dass Andrew einfach der einzige vorort war, der bei Bewusstsein war und die Kinder mit nach London nehmen kann?" Obwohl Richard auch dort gewesen war. Auch, wenn er die einzige Person war, der Steve Kinder weniger zutrauen würde, als Andrew. "Ich nehme an, dass das Team einfach vollkommen überfordert war. Andrew schien ihnen wohl die beste Lösung gewesen zu sein. Wahrscheinlich zeigt das einfach nur ihre Verzweiflung - ich glaube, ich hätte ihm nie Kinder zugetraut. Und dann auch noch direkt drei Stück, während sein Freund im Koma liegt. Aber er schlägt sich offenbar ziemlich gut. Ezra war zumindest begeistert." Allerdings schien er von allem begeistert zu sein, was Andrew tat, also wollte sich Steve nicht zu sehr auf seine Einschätzung verlassen.
      "Ich glaube, die Kinder sollen dann hier weitervermittelt werden. Ezra war eben etwas kurz angebunden, also konnte ich nicht viele Fragen stellen." Außerdem war er selbst zu irritiert gewesen, um sich irgendwelche Fragen zu überlegen. Die ganze Situation war ihm einfach nur bizarr vorgekommen.
    • Thomas

      „In London?“, murmelte Thomas verwirrt. Wieso sollten diese Waisenkinder überhaupt aus Russland herausgebracht werden? Hatte das etwas mit dieser verrückten Frau zu tun, die in dutzenden Waisenhäusern gelebt hatte? Was zur Hölle war überhaupt der Sinn dieser ganzen… Mission gewesen? Gab es einen? Thomas wusste über das alles deutlich zu wenig, um sich eine Meinung zu bilden. Aber wenn sogar Steve sagte, dass ihm die Sache komisch vorkam, konnte das alles wohl nur einen Grund haben: Das Chaos, dass Andrew allgemein anzog. Seltsamerweise kam er immer in die seltsamsten Fälle und langsam war Thomas nicht mehr sicher ob man das seiner Kompetenz zuschreiben sollte, sie lösen zu können, oder ob er einfach nur ein heimlicher Adrenalinjunky war und sich gerne in Gefahr stürzte. Es musste wohl eine Mischung sein, weil er immernoch lebte. Bisher hatte er sich ja erfolgreich aus allem möglichen wieder herausgewunden. Sogar den Dieb, den er jahrelang verfolgt hatte, hatte er nun irgendwie unter Kontrolle. Nicht im Gefängnis, aber trotzdem… rehabilitiert. Offenbar genug, dass sie nun Kollegen bei einer Geheimorganisation waren. Was war nur los mit diesem Kerl? Sein Leben hatte noch nie viel normales an sich gehabt. Doch genau das war es, was Thomas immer so interessiert hatte. Wie konnte jemand, der so schrecklich normal und langweilig wirkte, so viel drauf haben? Und gut sah er auch aus. Manchmal war das Leben echt unfair.
      Thomas beschloss, sich nicht weiter darüber aufzuregen. Er hatte auch etwas Cooles in seinem Leben. Kurzerhand lehnte er sich wieder zur Seite, legte den Kopf nach einem Kuss auf Steves Wange, auf seine Schulter und streichelte ihm mit der Hand über die Brust. „Vielleicht sollte ich froh sein, dass wir nicht so viel miteinander zu tun haben. Andrew und ich. Wer will schon so viel Chaos? Ich mag mein langweiliges Leben“, murmelte er.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • Steve

      “Ich bin auch vollkommen zufrieden mit meinem Leben”, versicherte Steve schmunzelnd. Wahrscheinlich hatte sich das Thema ‘Andrew’ damit für heute erledigt. Sämtliche Anspannung der letzten paar Minuten schien nun vollkommen von ihm abgefallen zu sein. Nächstes mal - sollte es ein ‘nächstes mal’ geben - musste er einfach viel früher den Mund aufmachen und die Stimmung ansprechen. Gerade das war es doch, was er an seiner Beziehung mit Thomas so liebte: Man konnte mit ihm reden! Man konnte Probleme einfach mit ein bisschen Kommunikation aus der Welt schaffen, bevor sie die Beziehung irgendwie gefährdeten. Er hatte genug Freunde, romantisch und platonisch, gehabt, bei denen das nicht möglich gewesen war. Wenn Thomas sich auch endlich trauen würde, Probleme früher anzusprechen, wäre er durch und durch perfekt. Aber da würden sie schon noch irgendwie hinkommen.
      “Ich liebe unser langweiliges Leben.” Er strich mit einer Hand sanft durch Thomas’ Haar. “Ich hatte bei meinen vorherigen Beziehungen immer diesen Stress, ihnen irgendwas bieten zu müssen. Ausgefallene Dates, Partys, Wochenenden bei Freunden… Ich weiß, dass das absolut furchtbar klingt, aber ich bin froh, diesen Druck bei dir nicht zu haben. Ich mag das hier. Mit dir zuhause sitzen, reden, einen Film schauen, oder so.” So wohl hatte er sich bisher noch nie in einer Beziehung gefühlt. Hoffentlich war Thomas sich darüber im Klaren, dass Steve ihn alleine deshalb schon nie wieder gehen lassen konnte. Egal, was passierte, diese Beziehung musste halten.
      “Ich liebe dich. Ich liebe es, dass wir zusammen langweilig sein können.” Er musste selbst ein wenig lachen, während er Thomas einen Kuss aufs blonde Haar drückte und anschließend seinen Kopf gegen den seines Freundes lehnte. Es kam ihm immer noch vollkommen absurd vor, dass er so lange gebraucht hatte um zu begreifen, dass er mehr als nur eine Freundschaft mit Thomas haben wollte. Sie hatten irgendwie immer schon perfekt zusammengepasst.
    • Thomas

      "Das klingt nicht furchtbar, ich bin auch zufrieden damit, wie es ist", murmelte Thomas zustimmend. War es nicht ein gutes Zeichen, dass sie nichts aufwendiges zusammen unternehmen mussten, um Spaß haben zu können und einfach zu genießen, dass sie Zeit zu zweit verbrachten, womit auch immer? Außerdem konnten sie genauso gut Dinge unternehmen und dabei Spaß haben. Solange diese Dinge nicht vielleicht genau Parties waren, aber selbst da würde Thomas sich deutlich wohler fühlen, einfach, weil er nicht alleine leiden musste, solange Steve da war. Und mit Steve hatte er auch schon ein Team beisammen, um sich Ausreden fürs früher gehen zu überlegen.
      Thomas lächelte, als er Steves Hand in seinen Haaren spürte. Wie hatte er es die letzten Tage eigentlich ausgehalten, so viel Abstand zu seinem Freund zu halten? Früher oder später hätte er sich wohl von selbst wieder eingekriegt, einfach nur, weil er es vermisst hätte, mit Steve zu kuscheln. Eigentlich war es ihm absolut unmöglich, jemals stur an irgendetwas festzuhalten, solange er das im Hinterkopf hatte.
      "Ich liebe dich auch. Ohne dich wäre mein Leben noch tausend Mal langweiliger", sagte Thomas und hob den Kopf, um Steve anzusehen. Mit etwas weniger Unsicherheit seinerseits wäre ihre Beziehung wohl perfekt. Thomas streckte sich wieder etwas hoch und küsste Steve. "Ich finde wir sollten heute trotzdem keinen Film mehr anschauen sondern den Abend einfach nutzen, damit ich die Zeit aufholen kann, die ich verpasst hab, um an dir zu kleben", schlug er unschuldig vor und setzte sich auf, um seinen persönlichen Platz auf Steves Schoß einzunehmen und das mit dem 'Kleben' wörtlich zu meinen.
      "Morgen können wir nochmal auf ein Date gehen, oder?", fragte er lächelnd und küsste Steve erneut. "Morgen ist Sonntag" Noch ein Kuss. "Ausschlafen. Irgendwo Kaffee holen? Und was Essen gehen?" Die Küsse breiteten sich zu Steves Wange und Kiefer aus, bevor Thomas sich um seinen Hals hängte, kurz fallen ließ und tief seufzend atmete. "Mhhm du riechst so gut", murmelte er in seine Schulter. Vielleicht war ihm diese ganz einfache Nähe mehr abgegangen, als er mitbekommen hatte.

      Andrew

      Mit etwas Überredung hatte Andrew die ärztlichen Untersuchungen an Ezra doch noch beschleunigt. Oft war das alles nur ein organisatorisches Problem, und Andrew klemmte sich dahinter, dass alles so schnell wie möglich über die Bühne gebracht wurde und sie nachhause konnten. Ezra hatte übers Wochenende ein wenig gehen können, der Rollstuhl war bereit und Andrew hatte schon etwas voreilig gepackt, nur um regelmäßig alles wieder aus dem Koffer fischen zu müssen. Die Ärzte sahen ihn regelmäßig schief an, wenn er für Ezra sprach, damit dieser seine Ruhe hatte, aber das war ihm auch egal. Am liebsten würde er ja einfach mal demonstrieren, wie egal es ihm war, und Ezra während einer Untersuchung um den Hals fallen. Einfach nur, weil es ihn zu nerven begann.
      Dass sie tatsächlich am Montag in einem Flugzeug saßen, war zum großen Teil Caleb zu verdanken, der wiedermal tiefer in die Taschen gegriffen hatte. Es war tatsächlich nicht übel, in einen Privatjet zu steigen, wenn man nicht auf Drogen, gefesselt und entführt war. Es gab für alles ein erstes Mal. Und Niko war unglaublich begeistert von der Sache, in der Sekunde in der sie die Treppen raufgestiegen waren. Ezra hatte drin einen bequemen Sitz, der sich zurücklehnen ließ, und Andrew konnte genau neben ihm sitzen, ohne die Kinder alleine zu lassen. Max und Niko waren ihnen gegenüber, Elli hielt Andrew fest auf dem Arm und eine Hand hielt fest Ezras, während sie starteten. Irgendwie… war er gerade unglaublich glücklich. Endlich funktionierte mal was nach Plan. Gut, sie hatten ziemlich viele seltsame Abbiegungen in ihrem Leben gemacht über die letzte Woche, aber jetzt war alles perfekt. Die Kinder waren nicht mehr gestresst, immernoch ein wenig vorsichtig, aber alles in allem sahen sie okay aus und Andrew war einfach nur glücklich, dass es mittlerweile wie ein Zauber funktionierte, Elli einfach in seinen Armen schlafen zu lassen, damit er selbst auch wieder ein wenig Schlaf bekam. Bisher war er sogar immer in derselben Position wieder aufgewacht, in der er eingeschlafen war, und Elli war immernoch heil und wohlauf.
      Andrew hatte sich angewöhnt, ihre perfekte, duftende kleine Stirn tausend Mal zu küssen, wenn sie in Reichweite war, woraufhin Niko immer, wenn er es sah, dezent eifersüchtig wurde und Andrew plötzlich auch umarmte, wie um ebenfalls um ein paar Stirnküsse zu betteln. Der einzige, der immernoch Zeit zu brauchen schien, um aufzutauen, war Max. Aber Andrew sah es als gutes Zeichen, dass er nicht mehr so nervös war, wenn er mit Elli im Arm herumlief. Vielleicht war Max auch einfach ein ruhigeres Kind. Oder er brauchte etwas Therapie, so wie sie alle. In beiden Fällen hatte Andrew ihn irgendwie ins Herz geschlossen, weil er so rücksichtsvoll mit seinen Geschwistern umging und auch ziemlich süß aussah, wenn er sich alleine beschäftigte, zeichnete oder irgendein Kinderbuch durchblätterte. Mit jedem Tag missfiel der Gedanke, die drei einem Kinderheim zu überlassen, in dem sie nicht die individuelle Aufmerksamkeit bekamen, die sie verdient hatten, Andrew mehr. Aber was konnte er schon dagegen tun? Außer zu versuchen, ihnen jetzt noch so viel Aufmerksamkeit zu schenken, wie er konnte.
      Da sie gleich abhoben, ließ Andrew Ezras Hand nur für einen Augenblick los, um Elli die hauchdünnen Haare aus dem Gesicht zu streichen. Dann schnippte er kurz, weil das irgendwie die einzig sinnvolle Art geworden war, um Nikos Aufmerksamkeit zu bekommen, wenn er in Gedanken war, und zeigte auf das Fenster neben dem Jungen. "Wir heben gleich ab, dann fliegen wir durch die Wolken", sagte er.
      "Fliegen?", kam es begeistert zurück. Kinder lernten verdammt schnell.
      "Yup. Schau aus dem Fenster", sagte Andrew lächelnd und zeigte nochmal nach draußen, woraufhin der Vierjährige gleich an der Scheibe klebte und Andrew wieder nach Ezras Hand griff.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Nao.nline ()

    • Steve

      Steve legte beinahe automatisch seine Arme um Thomas, als dieser auf seinen Schoß kletterte und wohl tatsächlich versuchte, die Distanz der letzten Tage auf einen Schlag aufzuholen. Nicht, dass er sich beschweren würde. Er liebte seinen Koala-Freund. Außerdem waren die Küsse zu verführerisch, um überhaupt irgendwas zu sagen. Er gab sich selbst einen Moment, um mit der Sitz-Situation klar zu kommen, bevor er nickte. "Das mit dem Date klingt nach einer wundervollen Idee. Vor allem das mit dem Ausschlafen." An beiden Wochenendtagen ausschlafen zu können war sowieso das Beste, was passieren konnte und im Gegensatz zu heute sah es so aus, als ob sie morgen wieder länger im Bett liegen bleiben und kuscheln konnten. Ein Triumph auf ganzer Linie.
      Er drückte Thomas einen Kuss auf die Stirn, bevor er seine Lippen für einen richtigen Kuss erwischte. Wie hatte er eigentlich seine Abende verbracht, bevor sie gedatet hatten? Er konnte es sich gar nicht mehr vorstellen, alleine vor einem Fernseher zu sitzen und irgendeine Serie zu schauen. Thomas gehörte einfach dazu. "Diesmal bin ich dann aber wieder mit Zahlen dran. Ich glaube, ich weiß auch schon, wo ich dich hin einlade." Er lächelte und lehnte sich Thomas für den nächsten Kuss entgegen. Zum Glück würde sich jetzt wohl doch alles noch zu einem ruhigen Wochenende entwickeln. Was könnte er sich mehr wünschen?


      Ezra

      Es war nicht in Worten auszudrücken, wie unfassbar dankbar Ezra für Andrew war. Er war kein Fan von Krankenhäusern, noch weniger von welchen, in denen er nicht mit allen einfach auf der selben Sprache kommunizieren konnte und seit er wach und klar im Kopf war, hatte sich die Zeit einfach nur noch gezogen. Es war zu laut im Krankenhaus, um ordentlich zu schlafen, er hatte auf seinem Einzelzimmer niemanden, den er vollquatschen konnte, wenn Andrew oder seine Geschwister nicht da waren und außer Niko schien niemand um ihn herum so richtig gute Laune zu haben. Selbst die Krankenschwester, der er in einer schlaflosen Nacht aus Langeweile zu einem Tinder-Date verholfen hatte, hatte nur mäßig beeindruckt ausgesehen.
      Aber Andrew hatte es praktisch im Alleingang geschafft, ihn im Eiltempo durch sämtliche Untersuchungen durchzuzerren. Als die Rückreise am Montag feststand, hätte er seinen Freund am liebsten sofort für einen Kuss an sich gezogen - leider waren sie nur nie richtig alleine.
      Nur vor dem Rollstuhl hatte Andrew ihn nicht bewahren können. Ezra hasste das Ding, aber mehr als zu stehen und vielleicht zwei Schritte zu laufen, ohne sich abstützen zu müssen, bekam er noch nicht richtig hin, also musste er es wohl hinnehmen. Aber er würde alles tun, um endlich wieder zurück nach London zu können und wenigstens hatte Cal es geschafft, irgendwo ein Privatflugzeug aufzutreiben, was den Einstieg erleichterte und die Flugzeit drastisch verkürzte.
      Ezra war seltsam erleichtert, seine Geschwister bei sich zu haben. Niamh hatte sich gestern bereits von ihnen verabschiedet, den Kindern ein paar Kuscheltiere und Bücher in die Hand gedrückt und angedroht, in nächster Zeit vorbei zu kommen um zu sehen, wie es Ezra ging, bevor sie in ihren eigenen Flieger zurück nach Irland gestiegen war, aber Caleb hatte angeboten, sie bis nach London zu begleiten, damit Andrew nicht alleine mit Ezra und den drei Kindern klarkommen musste.
      Caleb saß in der kleinen Sitzgruppe neben ihnen, hatte Kopfhörer aufgesetzt und war in einem Buch vertieft. Ezra war sich nicht ganz sicher, ob das sein Versuch war, ihnen nach dem Krankenhaus irgendwie die Illusion von ein wenig Privatsphäre zu geben, oder ob er einfach generell nicht mit ihnen reden wollte, aber er fragte nicht weiter nach. Warum auch? Im Gegensatz zu Niko und Max' leuchtenden Kinderaugen war sein Bruder furchtbar langweilig.
      Niko klebte an dem Fenster, sobald das Flugzeug begann, über die Startbahn zu rollen und selbst Max sah interessiert nach draußen. Ezra lehnte sich kurz nach vorne, um den Älteren anzustubsen. "Du kannst dich noch an das andere Fenster setzen, wenn du besser sehen willst", erklärte er mit einem kurzen Deut auf Calebs Sitzgruppe. Max schien kurz darüber nachzudenken und schüttelte dann mit dem Kopf, während sein Blick von dem Fenster zu Niko glitt. Ezra zwang sich zu einem Lächeln, während er die Horrorvorstellung verdrängte, dass die Kinder im Waisenhaus irgendwie aufgeteilt werden könnten. Max schien sich ungerne weiter von seinen Geschwistern zu entfernen, als unbedingt nötig. Seine komplette Welt würde zusammenbrechen, wenn sie auf verschiedene Haushalte aufgeteilt werden würden.
      Ezra drückte Andrews Hand und lehnte sich in seinem Sitz zurück, bemüht sich so gut zu entspannen, wie es ging, während sie, begleitet von begeisterten Kindergeräuschen, abhoben. Das Flugzeug war...niedlich. Irgendwie. Mit dunkelrotem Teppich, acht normalen Flugzeugsitzen und zwei bequemen Sesseln, sowie einer Bar mit Kühlschrank und Mikrowelle, was fantastisch war, falls Elli zwischendurch hungrig wurde und sie Milch warm machen mussten. Außerdem- Ezra krallte sich an Andrews Hand fest, als das Flugzeug leicht nach unten sackte und verkniff sich den Kommentar, dass er beim nächsten mal wirklich lieber sterben würde, als nochmal in einen Flieger steigen zu müssen.

      Sie überlebten. Ezra war sich nicht ganz sicher, wie, weil der Flug wie ein Fiebertraum an ihm vorbeigezogen war, aber nach deutlich zu langer Zeit konnten sie endlich in ein Taxi steigen und den restlichen Weg nach Hause fahren. Er schaffte es sogar, die paar Treppenstufen zum Haus selbst hochzugehen und Ada zu beruhigen, die ihn vielleicht ein bisschen zu entsetzt anstarrte, während er versicherte, dass es ihm absolut gut ging und das schon alles wieder heilen würde.
      Liz kümmerte sich dankenswerterweise um die Kinderbetreuung, indem sie Max und Niko überschwänglich den Kater vorstellte, der wie immer auf der Treppe lag und so aussah, als ob ihn die Kinder nicht weniger interessieren könnten. Lange würden sie ja auch wahrscheinlich nicht bleiben, aber daran wollte Ezra nicht denken, als er die Treppenstufen zu seiner Wohnung hinauf sah. Gut. Das würde er schaffen. Es würde etwas dauern, aber das war kein Problem. Ganz bestimmt.
    • Andrew

      Andrew konnte es nicht erwarten, wieder eine Weile alleine mit Ezra zu sein. Und wenn das hieß, Ada mit tausend Dank eine Weile Elli in die Arme zu drücken und die Kinder auf der Treppe sitzen zu lassen — zumindest konnte ihnen hier wirklich kaum mehr etwas passieren — um Ezra die Stufen hochzuhelfen, war es eben so. Schon den Arm um seine Taille zu legen um ihn bei den langsamen Schritten zu stützen, kam ihm näher und intimer vor, als jede Umarmung im Krankenhaus, nur, weil sie endlich wieder zuhause waren. Andrew wollte eigentlich garnicht mehr loslassen. Dass sie sicher drei, vier Minuten brauchten um oben bei der Wohnungstüre anzukommen, machte ihm gerade absolut nichts aus.
      Er schloss die Tür auf und half Ezra zum Sofa, bevor er seine- die Kinder wieder einsammelte, die Liz und ihren Kater gleich mitnahmen, oder eher verfolgt wurden. Okay. Und jetzt? Andrew stand etwas überfordert inmitten ihres Wohnzimmers und ließ den Blick über die Kinder und ihr Gepäck schweifen. Da war zu viel, das erledigt werden musste. Und er war gerade völlig fertig.
      Mit einem Seufzen ließ er sich neben Ezra sinken. „Also… es ist völlig klar, dass du im Bett schläfst, du sollst nicht zusätzlich noch Rückenschmerzen bekommen“, begann er strikt. „Und ich ziehe das Sofa aus und schlafe mit den Kindern auf der Couch, oder je nachdem… vielleicht schlafe ich bei dir und nehme Elli mit. Für Elli hab ich äh… auch schon… ein kleines Kinderbett auf Amazon bestellt. Es war nicht teuer! Aber ich dachte, da wir nur ein Bett haben… Damit nichts passiert“, erklärte er zögerlich. Eigentlich hätte Andrew sie wirklich auch einfach nur halten können, aber irgendetwas hatte ihm dazu getrieben, ein bisschen mehr Komfort aus den paar Tagen herauszuholen, bis das Organisatorische abgeschlossen war und sie einen Heimplatz hatten. Jedes Mal, wenn er daran dachte, spürte er ein seltsames Stechen in der Brust, dass er nun wohl mit Einkäufen überbrücken wollte.
      „Und ich würde noch ein paar Klamotten bestellen, weil sie kaum was haben“, sprach er weiter. Die brauchten sie ja schließlich später auch noch. „Und ich glaube, ich muss heute noch einkaufen gehen, damit wir was zu Essen im Kühlschrank haben. Vielleicht kann Ada in der Zwischenzeit hier bleiben und dir helfen“ Was noch… „Oh, brauchen wir so einen Sessel für die Dusche? Oder haben wir irgendetwas, das du benutzen kannst? Sonst halte ich dich einfach fest, oder so, aber dann muss irgendjemand bei dem Baby bleiben. Wir hören sie sicher nicht, wenn das Wasser läuft“, meinte er etwas gestresst. „Vielleicht sollten wir einfach mal eine Liste machen mit allem das wir brauchen…“
      Normalerweise war Planung eine von Andrews Stärken. Das bezog sich aber offenbar nicht auf Situationen, mit denen er vorher weniger als nichts zu tun gehabt hatte. Als er damals Sarah für ein paar Stunden bei sich zuhause gehabt hatte, war er vorher extra in eine Drogerie gegangen, weil er nichts zuhause gehabt hatte, mit dem sich ein Kind beschäftigen konnte. Das hatten sie zum Glück schon abgehakt, aber jetzt kam der Kram, den man brauchte, wenn es eben nicht nur um ein paar Stunden ging. Eine dritte erwachsene Person wäre wohl gerade das notwendigste.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • Ezra

      Vielleicht hätte er Max und Niko vor Liz und ihrem Temperament vorwarnen sollen. Offenbar kümmerte sich der rothaarige Wirbelsturm absolut nicht um die Sprachbarriere und plapperte einfach munter vor sich hin, was sie alles spielen könnten, während sie den Kater in einem liebevollen Würgegriff hielt. Max sah vollkommen überfordert aus, aber wenigstens schien Niko seinen Spaß zu haben. Caleb war direkt zu Ada abgebogen, weshalb sie - abgesehen von den Kindern, die eh vollkommen abgelenkt waren - zum ersten mal irgendwie unter sich waren. Was eigentlich ziemlich entspannend klang, wenn Andrew nicht sofort wieder versuchen würde, möglichst überorganisiert zu sein.
      "Andy", begann er sanft, legte eine Hand an die Wange seines Freundes und sah ihm tief in die Augen. "Du machst dir zu viele Gedanken, Darling." Er lächelte leicht und küsste ihn. "Ich komme zurecht. Stehen geht mittlerweile ganz gut und in den nächsten Tagen wird es sicherlich schnell besser. Du musst mir nur helfen, die Narben zu überkleben und den Gips irgendwie trocken zu halten, den Rest schaffe ich schon." Auch, wenn er sicherlich nichts dagegen hätte, wenn Andrew mit ihm duschen würde. Den Kommentar verkniff er sich nur, weil er keine Ahnung hatte, wie abgelenkt die Kinder wirklich waren.
      "Das mit dem Kinderbett und der Kleidung ist eine gute Idee", fuhr er mit einem kleinen Blick in die Richtung der Kinder fort. Sie hatten bestimmt auch irgendwo noch alte Sachen von Liz rumliegen, die sie für Elli nutzen könnten. So Sperrmüll-faul, wie Ada und er gewesen sind, müsste der Speicher voll mit Spielzeug und vielleicht noch einem Hochstuhl oder sowas sein. "Vielleicht können wir noch ein Schulset für Max zusammenstellen, oder so", schlug er nach einer kurzen Pause vor. "Wenn er sich schon an eine komplett neue Schule in einem neuen Land gewöhnen muss, sollte er sich wenigstens seine Stifte selbst aussuchen können." Max, der gerade damit beschäftigt war zu versuchen Liz irgendwie sanft den Kater aus den Armen zu nehmen, sah bei der Erwähnung seines Namens kurz zu ihnen herüber, wich Ezras Blick aber sofort aus. Er war ungefähr gleich alt, wie Liz. Wenn er in ein Heim in der Nähe landen würde, kämen sie vielleicht sogar auf die selbe Schule. Irgendwie wünschte er sich das, damit er so wenigstens ein bisschen im Blick behalten könnte, was aus den dreien wurde.
    • Andrew

      Andrews Gedankenstrudel stoppte für einen Augenblick, als Ezra ihn ansah. Machte er sich wirklich zu viele Gedanken? Hatte es nicht bisher immer in absolutem Chaos geendet, wenn er sich zu wenige Gedanken gemacht hatte? Irgendwie hatte er das Gefühl, zwei Hände würden sein Herz festhalten und zudrücken und immer, wenn er zu viel oder zu wenig Kontrolle über eine Situation hatte, wurde es schlimmer. Was war überhaupt das Mittelmaß? Er wollte gerne zurück in die Zeit, in der er seine Missionen sorglos angegangen war. Jetzt hatte er zu viel zu verlieren.
      "Okay", sagte er letztlich, weil die Nähe zu Ezra ihn ein wenig auf den Boden zurückholte. Die Angst, dass er jede Sekunde plötzlich verschwinden und sterben könnte war immer noch sehr präsent. Andrew legte ohne Vorwarnung die Arme sanft um den Blonden. "Du sagst aber, wenn du etwas brauchst?", murmelte er und ließ nach einer Weile wieder los. "Ich will nicht, dass du zu viel machst und stürzt. Ich würde mich wohler fühlen, wenn du bei jeder Kleinigkeit nach Hilfe fragst" Er sah Ezra todernst an, bevor er sich wieder dem allgemeinen Thema widmete und sein Blick zu den Kindern schweifte. Irgendwie war es ein eigener Anblick, Max zuzusehen, wie er die Katze vor Liz retten wollte, während Niko nur versuchte, sich irgendwie dazwischen zu drängen um das arme Tier zu streicheln.
      "Okay… Schulsachen also. Das kommt mit auf die Liste, unter… Essen" Er hatte sich noch keine Gedanken gemacht, was genau er zu essen kaufen sollte. Sie konnten nicht weiter endlos beim Lieferdienst bestellen und Sandwiches essen. Kochen war wohl unumgänglich, vor allem weil Elli vermutlich irgendetwas abseits von Obstmus essen wollen würde. Zumindest hatte er bereits zur Genüge gegoogelt, was an Beikost für ein 8 Monate altes Baby in Ordnung war. Nur… zubereiten musste er den ganzen Quatsch ja auch. Und eigentlich sollte er morgen wohl auch wieder zur Arbeit… Er sollte sich lieber gleich melden und ankündigen, dass hier alles noch viel zu drunter und drüber war.
      Und sonst? Der Rest würde ihm beim Einkaufen hoffentlich im Vorbeigehen auffallen, wenn sie noch etwas brauchten. Kleidung sollte er lieber online bestellen, denn mit drei Kindern alleine einkaufen zu gehen stellte er sich gerade eher wie einen Alptraum vor.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • Ezra

      "Ich melde mich", versprach Ezra, auch wenn er das alles für reichlich übertrieben hielt. Soweit er sich erinnern konnte, waren sie bewusst in die Gefahr hinein gelaufen. Es war nicht so, als würde ihr eigenes Haus jeden Moment anfangen zu brennen und es ging ihm insgesamt den Umständen entsprechend gut. Sie würden sich einfach eine Weile zurücknehmen, dann würde Andrews Panik hoffentlich nachlassen. Das letzte, was er jetzt wollte war, dass sein Freund sich selbst genug Stress machte, um mit einem Herzinfarkt zu enden.
      "Sollen wir eine richtige Liste schreiben, was wir alles brauchen?", schlug er vor, während er sich an Andrew lehnte, teils, weil er die Nähe zu ihm vermisst hatte, teils, weil es ihm langsam doch wirklich schwer fiel, stehen zu bleiben. "Dann könnten wir alles nach Priorität auflisten und abhaken." Vielleicht würde die Sicherheit einer To-Do Liste Andrew die Panik ein wenig nehmen. Zumal sie wirklich etwas Übersicht gebrauchen könnten. Ezra würde wahrscheinlich sowieso keine große Hilfe sein - 'Kochen' beschränkte sich bei ihm darauf, Nudeln zu kochen und Soßen warm zu machen und er würde es definitiv nicht schaffen, durch einen Supermarkt oder ein Bekleidungsgeschäft zu laufen - aber vielleicht konnten sie Ada noch ein bisschen einbinden. Oder Cal, je nachdem, wie lange er bleiben würde. Beide hatten immerhin Erfahrung mit Kindern und konnten kochen. Er wollte sie nur nicht zu sehr ausnutzen, auch, wenn das alles nur temporär wäre, bis sie die Kinder wieder abgeben mussten. Er musste es nur schaffen, Andrew bis dahin gut genug zu entlasten und hey, vielleicht würde sein Freund seine eigene Einstellung zu Kindern nochmal überdenken. Oder er war nach den letzten Tagen vollends überzeugt, keine Kinder haben zu wollen.
      Es war sein Handy, das ihn aus seinen leicht panisch werdenden Gedanken riss. Ezra zupfte es aus seiner Hosentasche und ward einen kurzen Blick auf das Display, bevor er mit einem kleinen "Hey Steve" annahm.
      "Hi! Seid ihr schon wieder in London? Wir- also Thomas und ich hatten uns überlegt, vielleicht vorbei zu kommen? Wir wollten euch ein paar Einkäufe vorbeibringen, damit ihr euch darüber nicht den Kopf zerbrechen müsst. Natürlich nur, wenn das okay ist."
      "Wir sind gerade nach Hause gekommen", bestätigte Ezra.
      "Oh, wir wollen nicht-"
      "Alles gut. Das wäre wirklich unfassbar lieb von euch. Könnt ihr irgendwas Süßes für die Kinder mitbringen? Schokolade, oder so?" Womit hatte er so fantastische Freunde eigentlich verdient?
      "Sicher! Wir beeilen uns." Steve klang deutlich erleichtert.
      "Macht euch keinen Stress. Oh, ich lasse euch aber nur rein, wenn ich dafür endlich das Beziehungsupdate bekomme. Mir fehlen noch die letzten zwei- Steve?" Ezra blinzelte, sah erneut auf das Display und dann hoch zu Andrew. "Er hat wirklich mitten im Satz aufgelegt", erklärte er fassungslos. Sicher, ihm war vollkommen bewusst, wie sehr er Steve auf die Nerven ging, aber das war ja gerade der Reiz an ihrer Freundschaft, nicht? "Steve und Thomas wollen gleich mit ein paar Einkäufen vorbeikommen, also können wir das schon mal von der Liste streichen. Vielleicht lösen sich die anderen Probleme ja auch von ganz alleine."
    • Andrew

      Andrew nickte. Eine Liste. Ja, das war sicher die schlauere Herangehensweise. Zusammen fiel ihnen sicher einiges ein, das Andrew auch einfach vergessen hätte.
      Er half Ezra zum Sofa, da er ihn nicht in die Küche mitschleppen musste, und dann ging er los um sich einen Kugelschreiber und einen kleinen Block zu holen, der allgemein für Einkaufslisten gedacht war und kaum bis nie genutzt wurde. Dann kam er zurück und… anscheinend brauchte er den Block garnicht mehr.
      „Heute?“, fragte Andrew ungläubig. Es war doch schon Abend und Steve und Thomas hatten sicher gearbeitet. Und jetzt wollten sie noch extra für sie einkaufen? Andrew war perplex, akzeptierte es jedoch ohne Nachfragen. Das war… ausgesprochen praktisch. Zuvorkommend, sollte er vielleicht sagen. War es das, was immer alle damit meinten, dass Freunde einem unter die Arme greifen konnten? Andrew hatte das bisher bezweifelt. Nicht nur, dass alle Optionen für Freunde ihm immer ziemlich unfähig vorgekommen waren, aber er hatte auch einfach nicht gedacht, dass jemand so etwas wirklich ohne Nachfrage machte. Also, Andrew würde für Ezra auch alles stehen und liegen lassen, aber weiter dachte er selten.
      „Das ist nett“, sagte er und ging endlich zu den Kindern, um Niko von den beiden mit der Katze abzulenken, weil er langsam frustriert aussah, dass er garnicht richtig zum Streicheln kam. Andrew hob ihn hoch, als wäre er ein Stofftier, aber Niko akzeptierte die neue Situation sofort und klammerte sich an Andrews Hals.
      Er verkniff sich, seiner Aussage noch ein instinktives ‚Wieso?‘ nachzuwerfen und setzte sich mit Niko aufs Sofa.
      „Hast du Hunger?“, fragte er den Jungen von der Seite deutlich. Niko war von den Dreien das vielfräßigste Kind, nach dem man so ziemlich die Mahlzeiten richten musste.
      Niko schwieg, überlegte, dann schüttelte er den Kopf. Hoffentlich hatte er Hunger auch richtig verstanden, aber das war eigentlich die erste Karte die Andrew gebastelt hatte, weil er irgendwie am meisten gefürchtet hatte, die Kinder unabsichtlich abzumagern.
      „Okay, das heißt, wir haben sogar noch Zeit um zwei bis drei Gerichte zu kochen, weil die ersten paar hundertprozentig schiefgehen werden“, sagte er und lächelte Ezra schief an.

      Thomas

      Irgendwie war er nervös. Er hatte so eine Szene vor Steve gemacht, dass es ihm im Nachhinein noch peinlicher geworden war, dass Steve sich jetzt dafür einsetzte, dass er Andrew sehen konnte. Also, sie brachten ja nur Essen vorbei und sahen nach ihnen wie ganz normale Menschen, aber Thomas war es trotzdem peinlich. Ein leises Stimmchen in seinem Hinterkopf unterstellte ihm nämlich, dass er sich alleine nichtmal das getraut hätte, weil er immernoch ein wenig davon überzeugt war, Andrew komplett gleichgültig zu sein. Was… vermutlich okay war, er fand sich ganz langsam damit ab. Oder besser gesagt, er versuchte selbst, dem Ganzen nicht mehr so viel Gewicht zu geben. Freunde, Kollegen, keine Freunde, keine Kollegen, was auch immer. Alles dasselbe. Komplett egal. Ha. Ha.
      „Was essen Babies eigentlich“, murmelte Thomas im Supermarkt vor sich hin. „Wie alt sind diese Kinder überhaupt? Gabs keine Info, wie sehr Baby das Baby tatsächlich ist? So, neugeborenes Baby, gehendes Baby, irgendwas dazwischen?“ Thomas brabbelte. Das machte er, wenn er nervös war. Ohne Ausnahme. „Milch deckt wahrscheinlich ne relative weite Altersspanne ab“, murmelte er weiter. „Glaube ich“ Für Leos Zwillinge hatten sie an dem Tag des Babysittens wenigstens klare Anweisungen erhalten.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • Ezra

      "Ich glaube, Steve macht das in der Hoffnung, dass ich ihn dann nicht mehr über sein Privatleben ausfrage. Aber womit soll ich dann die Zeit rumbekommen?" Ezra grinste leicht, während er sich so weit in das Sofa sinken ließ, wie es ging, ohne, dass ihm irgendwas weh tat. Was an sich schon fast unmöglich war. Sein Blick folgte Andrew, als selbiger Niko hochhob, um den Kater wenigstens vor einem weiteren Paar Hände zu retten.
      Ob Andrew sich eigentlich darüber im Klaren war, wie sehr Kinder ihn immer anzuhimmeln schienen? Liz war immer schon Fan gewesen - zugegeben, vielleicht wegen Ezras Erzählungen - Elli wurde still, sobald er sie auf den Arm nahm und Niko schien an ihm zu kleben, sobald er die Chance dazu hatte. Alleine Max schien sich dem Charme entziehen zu können, aber Max schien...generell nicht viel mit anderen Menschen zu interagieren. Ezra hatte ihn in den letzten Tagen ausschließlich mit seinen Geschwistern reden gehört. Sobald Andrew oder er ihn ansprachen, beschränkte der Junge sich auf Nicken und Kopfschütteln als Antwort, vielleicht mal einen Fingerdeut, wenn er sich gesprächig fühlte. Hoffentlich würden er und Niko ordentliche psychologische Betreuung bekommen.
      "Ach, so schwer kann das nicht sein. Du musst nur den Anweisungen in dem Rezept folgen, während ich unproduktiv daneben stehe und absolut unhilfreiche Kommentare von mir gebe." Er lächelte und hob eine Hand, um Niko ein paar Haare aus dem Gesicht zu streichen. "Oder Niko? Andrew schafft das schon." Der kleine Junge blinzelte, bevor er kurz nickte, wahrscheinlich ohne auch nur ein Wort verstanden zu haben. "Wir glauben an dich, Darling." Ezra konnte ein kleines Lachen nicht unterdrücken, während er sich zu Andrew herüberlehnte und ihm einen Kuss auf die Wange drückte.


      Steve

      "Ich habe keine Ahnung." Steve zuckte kurz mit den Schultern, während er vollkommen ratlos neben Thomas stand und auf die Kleinkinderabteilung im Supermarkt starrte. Er würde Ezra definitiv nicht nochmal anrufen um zu fragen, wie alt das Baby war. Sie mussten das alles wohl irgendwie halb blind fertigbringen. Aber wie Thomas schon sagte - Milch war wahrscheinlich (hoffentlich) universell.
      "Wahrscheinlich müssen sie sich einfach mit dem abfinden, was wir mitbringen." Er stellte den Korb, den sie schon mit ein paar Grundnahrungsmitteln gefüllt hatten, zur Seite, um kurz einen genaueren Blick auf die Beikost zu werfen. War das Baby mindestens 5 Monate alt? Bestimmt, oder? Konnten sie die Beikost sonst irgendwie spenden, wenn es nicht alt genug wäre? "Wir können ein Gläschen mal mitnehmen, nur um auf Nummer sicher zu gehen?", fragte er unsicher, bevor er es einfach zu den anderen Sachen im Korb legte. Irgendwie war es anstrengender für andere einzukaufen, als er gedacht hätte. Sonst war er höchstens für seine Eltern unterwegs gewesen und immer mit einer vorgegebenen Einkaufsliste. Er selbst wusste, was er gerne aß, welche Zutaten er für welches Gericht brauchte und was er Thomas zumuten konnte, aber er hatte sich noch nie den Kopf darüber zerbrochen, was andere Leute aßen. Aber zur Not würden Andrew und Ezra auf jeden Fall ein paar Tage mit dem ganzen Zeug überleben können, bevor sie wieder einkaufen gehen müssten. Die Absicht zählte und so, oder?
      "Fällt dir noch irgendwas ein? Sonst denke ich, dass wir durch sind, oder?"
    • Andrew

      Andrew nickte langsam, dann kam ihm ein Gedanke. "Und was passiert in seinem Privatleben? Ich hab nach Silvester eigentlich kein Update mehr bekommen, aber… nach so etwas frage ich normalerweise auch nicht. Steve und ich sind sowieso nicht auf so einer… Gesprächsebene. Aber denkst du, meine Tipps haben Thomas geholfen? Sie sind ja noch zusammen, also… Wenn jemand solche Dinge fragt, dann du" Er schmunzelte. Nichts auf der Welt könnte ihn dazu bringen, Steve bei der Arbeit nach seiner Beziehung, oder schlimmer, nach seinem Sexleben zu fragen. Nichts. Aber Ezra musste man dafür nichtmal Geld anbieten oder so, er tat es einfach. Was wiederum von Vorteil für Andrew war, der so manchmal an Informationen kam, von denen er nicht gewusst hatte, dass er sie brauchte. Oder… weniger brauchte und mehr haben wollte. Immerhin hatte er Thomas selbst versucht zu helfen und wenn das nach hinten losgegangen war, wollte er es wissen. Das ging ihn dann ja doch irgendwie etwas an, oder?
      "Oder soll ich ihn selbst fragen?", murmelte er mehr zu sich.


      Thomas

      Thomas stimmte nickend zu und nahm sogar zwei verschiedene Gläser von dem Regal und legte sie in den Einkaufswagen. Ob ihm noch etwas einfiel? Er überlegte. "Oh, eigentlich will ich selbst irgendwas zu essen", sagte er plötzlich. Dann drehte er schnell um und lief davon, nur um mit einer Packung Gummischnüre wieder zurückzukommen. "Okay, das wars", sagte er bestimmt und begleitete Steve zu Kassa.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • Ezra

      "Sie sind glücklich und das scheint irgendwie die Hauptsache zu sein", antwortete Ezra mit einem kleinen Lächeln. Leider bekam er auch nicht zu jeder Frage an Steve eine Antwort - und zugegebenermaßen stellte er ab und an vielleicht auch einfach nur ein paar Fragen, um ihn ein bisschen zu ärgern. Steve schaffte es aber auch einfach zu leicht, furchtbar pikiert auszusehen, wenn die Fragen zu persönlich wurden.
      "Ich weiß allerdings auch nicht, ob Steve weiß, dass Thomas dich Silvester angesprochen hat. Vielleicht solltest du Thomas da wirklich selbst drauf ansprechen." Ezra lächelte weiter und verkniff es sich darum zu bitten, ihn vorzuwarnen, bevor Andrew dieses Thema anschneiden würde. Mit Andrews Taktgefühl und Thomas' genereller Art konnte es nur unterhaltsam werden.

      Ezra schaffte es einen Moment später, die Kinder zu ein paar Runden Memorie zu überreden, für das Liz eindeutig zu zerstreut und Max zu schlau war, was keinen von beiden zu stoppen schien. Sie waren in der dritten Runde, als Ada klopfte, um Elli und Caleb gegen Liz und den Kater zu tauschen, was der Siebenjährigen sichtlich missfiel. Es dauerte einen Moment, bis Ada sie mit dem Argument überzeugen konnte, dass die Kinder bestimmt etwas Ruhe brauchen könnten, um sich einzuleben und sicher morgen noch da wären, um zu spielen. Liz winkte widerwillig zum Abschied, bevor sie den Kater wieder hochhob und aus der Tür verschwand.
      Ada sah ihr mit einem kleinen Seufzen nach, bevor sie Elli an Andrew weiterreichte - Niko war eben zum Spielen auf den Boden gerutscht - und dann kurz zu Ezra sah. "Meldet euch, wenn ihr Hilfe braucht, okay? Liz kann auch bei mir schlafen, dann hätten wir in ihrem Zimmer noch Platz für die Jungs."
      "Das bekommen wir schon hin", versicherte Ezra zuversichtlich. "Weißt du, ob wir Liz' alten Hochstuhl noch irgendwo rumstehen haben? Ich kann mich nicht daran erinnern, ihn je weggeschmissen zu haben."
      Ada zog kurz nachdenklich die Augenbrauen zusammen. "Ich glaube schon. Ich gehe mal nachschauen."
      "Brauchst du Hilfe?", bot Caleb von der Seite an.
      "Nein, danke", winkte Ada ab, bevor sie die Wohnung verließ und die Tür hinter sich zuzog.
      "Ich wollte euch auch nicht mehr lange aufhalten", setzte Caleb an. Er hatte sich an die Rückenlehne des Wohnzimmersessels gelehnt und sah den beiden Jungs beim Spielen zu. Niko drehte zum dritten mal die selbe Karte um, ohne ein passendes Gegenstück zu finden, während Max ihn mit dem unverkennbaren Blick eines enttäuschten älteren Geschwisterkindes anstarrte, die selben zwei unpassenden Karten wie in der vorherigen Runde umdrehte und seinem Bruder damit noch eine weitere Chance gab, was Ezra unfreiwillig zum Lächeln brachte.
      "Du störst nicht", versicherte er. "Zumindest nicht sehr. Ein bisschen vielleicht. Aber auch nur auf der Ebene, auf der Geschwister halt immer irgendwie stören."
      "Danke." Cals Mundwinkel zuckten kurz ein wenig nach oben, bevor er den Blick von den Kindern löste und stattdessen zu Ezra sah. "Hast du gleich eine Minute für mich?"
      Ezra blinzelte ein wenig irritiert. "Sicher. Worum geht's?"
      "Oh. Ähm." Calebs sonst so neutral-genervter Gesichtsausdruck wich leichter Nervosität, was...Ezra alles andere als beruhigte. Es half nicht sonderlich, dass genau in diesem Moment die Türklingel schellte.
      "Ich denke, das müssen Thomas und Steve sein. Kannst du öffnen?", fragte Ezra an Andrew gewandt. Für einen Moment wollte er ihm reflexartig Elli abnehmen, damit seine Hände frei waren, bevor ihm wieder einfiel, dass es mit einem gebrochenen Arm schwer war, ein Baby zu halten. Gott, er konnte nur hoffen, dass der Heilungsprozess schneller laufen würde, als angenommen.
    • Andrew

      Da waren sie ja, die anderen Erwachsenen. Und Elli, wohlauf. Andrew nahm sie ein wenig zu glücklich entgegen, lächelte sie an und gab ihr einen Kuss auf die Wange, bevor er sie auf seinen Schoß setzte und sie mit ihren kleinen Hand seinen Zeigefinger umfasste. Ah… warum war sie so süß…?
      Andrew war so fokussiert auf Elli, dass ihm das restliche Gespräch nicht auffiel. Solange, bin Caleb etwas sagte und dann er und Ezra etwas gestresst klangen und Andrew wieder aufsah. Oh. War der Zeitpunkt gekommen? Das würde ja- Natürlich kamen Thomas und Steve genau im richtigen Moment an. Und Andrew hatte schon gedacht, er könnte endlich aufhören, diese ekelhafte Information für sich zu behalten, weil Caleb sich schuldig bekannte. Okay, vielleicht sollte Andrew das nicht so verurteilend denken, aber er… verurteilte nunmal.
      Er stand ohne Widerworte auf und lief mit Elli am Arm zur Tür, vollkommen sicher, dass Caleb das Thema Richard nie im Leben ansprechen würde, wenn sie noch mehr Zuschauer hatten. Er öffnete die Tür und Steve und Thomas begrüßten ihn mit einer großen Einkaufstasche. Andrew wippte konstant mit Elli auf dem Arm herum, damit sie ihren Spaß hatte und nicht nochmal einschlief, bevor es was zu essen gab, und auch sie lachte den beiden entgegen.
      „Oh, das ist viel“, meinte Andrew etwas überrascht und ließ die beiden herein. Oder war das eine normale Menge, wenn man richtig kochte?
      „Hi. Wir haben von Grundnahrungsmitteln bis Snacks einfach alles mitgenommen, weil wir nicht wussten, was ihr esst“, meinte Thomas und zog seine Schuhe aus. Er klebte so sehr an Steves Seite, dass Andrew geradr zu verstehen begann, was alle immer damit meinten, dass Ezra und er an der Hüfte zusammengewachsen waren. Er beobachtete interessiert, wie der Blonde sich dauerhaft etwas hinter Steve zu verstecken schien, auch wenn es das Ausziehen zu erschweren schien.
      „Danke, das hilft sehr“, erwiderte Andrew und wartete geduldig, dann ließ er den beiden Vortritt ins Wohnzimmer. Die Einkäufe ließ er einen Moment stehen.
      “Thomas“, sagte er, als alle wie bestellt und nicht abgeholt im Wohnzimmer herumstanden. Die Kombination an Besuchern war etwas gewöhnungsbedürftig. „Nimm mir kurz Elli ab, ich räume die Sachen in den Kühlschrank“, wies er an und hielt Thomas das Baby entgegen, der es etwas verzweifelt entgegen nahm. Aber von allen Anwesenden ohne gebrochenem Arm vertraute Andrew ihm noch am meisten.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦
    • Caleb

      Super. Wirklich. Publikum war das einzige, was Caleb gerade noch gefehlt hatte, um seinen Tag komplett abzurunden. Er biss sich leicht auf die Unterlippe, als Thomas und Steve mit den Einkaufstüten rein kamen, was...ein wenig überraschend war. Gut, er hatte keine Ahnung, wie gut befreundet die Vier waren, aber seines Wissens nach hatten sie alle nur miteinander gearbeitet. Wobei es Ezra irgendwie immer schon leicht gefallen war, andere Leute um seinen Finger zu wickeln. Wahrscheinlich hatte er auf die beiden auch einfach so lange eingeredet, bis sie sich ergeben und einer Freundschaft zugestimmt hatten. Was gerade nicht der Punkt war.
      Ezra warf ihm einen kleinen fragenden Blick zu, offenbar bereit, ihr Gespräch fortzuführen, aber Caleb schüttelte nur kurz den Kopf. Er hatte es sowieso die ganze Zeit vor sich hergeschoben, Ezra von Richard zu erzählen, da könnte er wohl auch noch ein paar Stunden warten. Bis er wieder irgendwas anderes fand, um das Gespräch aufzuschieben. Er hatte sich vorgenommen, es ihm in London zu erzählen, nur für den Fall, dass Ezra zu sauer auf ihn gewesen wäre, um seine Hilfe anzunehmen. Caleb konnte ihn in dieser Hinsicht furchtbar schwer einschätzen und er hatte nicht den Eindruck gehabt, sonderlich viel Rückendeckung von Andrew erwarten zu können. Zu recht. Ezra warf ihm einen untypisch besorgten Blick zu, bevor er aufstand und bereits wieder mit einem Grinsen im Gesicht Thomas und Steve begrüßte.
      "Hey! Vielen Dank für die Hilfe! Ich würde euch gerne um den Hals fallen, aber a) möchte ich euch nicht den Gipsarm in den Magen rammen und b) scheint Andrew der Ansicht zu sein, dass ich bei jeder kleinen Berührung spontan zu Staub zerfallen könnte, also spare ich mir das." Trotzdem deutete Ezra kurz auf eine der Einkaufstüten, als ob er auch nur ansatzweise in der Lage wäre, irgendwie zu helfen. Caleb war...auf Andrews Seite. Sicherlich wusste er mittlerweile, wie unkaputtbar Ezra war, aber er sah immer noch ziemlich mitgenommen aus. Der Gips am Arm war im Vergleich zu den mittlerweile gelb-grünen Flecken auf seiner Haut und den dunklen Ringen unter seinen Augen noch irgendwie das geringste Problem.
      "Ihr könnt euch ja einfach gegenseitig von mir umarmen, oder so", plapperte Ezra fröhlich weiter, während Caleb Steve einen mitleidvollen Blick zuwarf.
      "Ich glaube ein einfaches 'Danke' reicht", merkte Steve trocken an, während er nach Thomas' Hand griff. Caleb hatte Steves Freund das letzte mal auf der Silvesterparty gesehen und dort auch nur wahrgenommen, weil die beiden gegen Ende mit Kinderkritzeleien beschmiert gewesen waren. Er passte zu ihm. Irgendwie. Wenigstens hatten sie beide die Ausstrahlung zweier vollkommen normaler Menschen.
      "Was schulden wir euch?", fragte Ezra, während er Steves Einwand vollkommen ignorierte.
      "Oh. Ihr müsst nicht-"
      "Nein, das ist zu viel, Steve." Ezra stemmte seine Hand in seine Seite.
      Steve seufzte kurz. "Ich habe keine Ahnung, in welcher Tasche der Kassenbon gelandet ist."
      Caleb nahm die kleine Diskussion als Zeichen dafür, seine kleine Beichte zurück zu stellen. So wie er Ezra kannte, würde er das Thema sowieso nicht fallen lassen. Er stieß sich von dem Sessel ab, deutete mit einem Zwinkern auf die kleine Memoriekarte, die Niko den nächsten Punkt bringen würde und gesellte sich zu Andrew in die Küche.
      "Kann ich irgendwie aushelfen?"
    • Andrew

      Dass Caleb lieber zu ihm in die Küche floh, fand Andrew dann doch etwas überraschend. Anscheinend war er immernoch das kleinere Übel als diese Mischung an Leuten und das Unheil von Gespräch, das über all ihren Köpfen schwebte.
      "Ja", sagte Andrew, während er das Joghurt in den Kühlschrank räumte. Er hatte seit Jahren kein Joghurt mehr gegessen. "Du könntest Ezra heute noch von Richard erzählen?" Er versuchte das so optimistisch wie möglich rüberzubringen, schenkte Caleb sogar ein kleines Lächeln, aber so wirklich die erzielte Wirkung hatte es wohl nicht. Er gab auf. "Bitte. Ich hab langsam ein echt ungutes Gefühl dabei, ihm nichts zu sagen, wenn du hier bist und ihr miteinander redet und wir mit Richard zusammen arbeiten… Es ist seltsam. Nichts gegen deine… Entscheidungsfähigkeiten. Ich meine ja nur"
      Was sollten sie eigentlich mit rohen Zwiebeln anstellen? Andrew sah sie einen Moment lang verwirrt an und legte sie dann einfach auf den Tisch. Dann schloss er den Kühlschrank und wandte sich Caleb wieder zu. "Ich hab sowieso vor, Thomas gleich noch was zu fragen, also nutz die Chance, ja?" Wieder versuchte er den Satz mit einem gut gemeinten Grinsen abzurunden. Dann klopfte er Caleb kurz auf die Schulter und ging an ihm vorbei.

      Thomas

      Thomas kramte die Rechnung aus seiner Pullovertasche heraus, als Steve zu suchen begann. "Hab's eingesteckt", murmelte er und übergab sie Ezra, auch wenn es ihm etwas unpassend vorkam. Ezra sah wirklich mitgenommen aus. Er ließ es sich in seiner Art zu reden zwar nicht anmerken, aber… Ihm eine Rechnung in die Hand zu drücken brachte Thomas trotzdem kaum übers Herz. Er wollte sich die Schmerzen garnicht vorstellen, die Ezra hatte.
      "Geht's dir denn okay?", fragte er deshalb vorsichtig. Was sollte er tun, es ignorieren? Die zig blauen Flecken, den Gips und die Tatsache, dass er wohl nicht richtig aufstehen konnte? Thomas konnte seinen besorgten Ton absolut nicht verbergen. Er klammerte zwar weiterhin etwas an Steve, was vorrangig an Andrews Aura lag, die ihn grundsätzlich immer einschüchterte, aber das hemmte seine Aufmerksamkeit nicht. Irgendwie besserte es sie sogar. Steve war seine wandelnde Komfortzone.
      "Und wie lange passt ihr denn auf die Kinder auf?", fragte er anschließend mit einem Blick zu den zwei Jungs, die am Boden spielten. Thomas verstand kein Wort von dem, was sie zueinander sagten. Das musste es recht schwierig machen, auf sie aufzupassen.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Nao.nline ()

    • Caleb

      Das war eindeutig eine Fehlentscheidung gewesen. Es war ja nicht so, als ob er das alles nicht auch endlich hinter sich bringen wollen würde, es war nur...schwer einen Anfang zu finden. Außerdem schien es unmöglich zu sein, Ezra in den nächsten Minuten bis Stunden irgendwie alleine zu erwischen. Ezra war immer schon jemand gewesen, der gerne im Mittelpunkt der Unterhaltung stand. Ihn irgendwie von Andrew, Steve und Thomas loszueisen, ohne, dass es unfassbar seltsam rüber kommen würde, war praktisch unmöglich. Obwohl ihm das immer noch lieber wäre, als die beiden anderen noch zusätzlich mit in dieses Chaos zu ziehen.
      Aber er musste es Ezra heute sagen. Er wusste, dass sein Bruder das Thema nicht fallen lassen würde und er wollte es ihm wirklich lieber in Person erzählen, als am Telefon. Also...eigentlich nicht. Eigentlich wäre es ihm lieber, Distanz zu haben und Ezra nicht sehen zu müssen, wenn er realisierte, was Caleb getan hatte, aber es ihm persönlich, von Angesicht zu Angesicht zu sagen war irgendwie das Richtige und er wollte nicht alles noch schlimmer machen. Er hatte schon genug Glück, dass Andrew ihm so viel Zeit gegeben hatte.
      Er hätte einfach von Anfang an nachdenken sollen, dann wäre er nie in dieser Situation gelandet. Das einzig Positive daran war, dass der Schmerz über eine verlorene Beziehung langsam aber sicher von blanker Wut abgelöst wurde. Es war unfair. Richard war das Problem gewesen. Immer schon. Er war derjenige gewesen, den Andrew und Ezra nicht leiden konnten und jetzt musste Caleb sich mit den Konsequenzen seiner Affäre herumschlagen, während Richard wahrscheinlich vollkommen sorgenfrei die nächste Person in irgendeiner Bar aufriss, oder so.
      Cal versuchte, sich ein wenig auf diese Wut zu konzentrieren, als er Andrew wieder zurück ins Wohnzimmer folgte. Wut war okay. Wut war besser, als Trauer, oder dieses furchtbare nichts-fühlen, das er in den letzten Tagen gehabt hatte. Jetzt musste er es nur irgendwie schaffen, seine Beziehung zu Ezra nicht auch noch kaputt zu machen und dann würde schon alles gut werden. Irgendwie.


      Ezra

      "Mir geht es absolut okay", versicherte Ezra. Es tat irgendwie gut, Thomas nochmal live und in Farbe zu sehen, statt nur von ihm zu hören. So wie er an Steve klebte konnte er jetzt wenigstens davon ausgehen, dass sein zweitliebster Kollege (Nummer eins würde natürlich immer Andrew bleiben) ihn nicht anlog, wenn er über seine Beziehung redete. Auch, wenn Ezra gerade nicht abschätzen konnte, wer verlorener aussah - Thomas, oder Elli in seinen Armen.
      "Wissen wir noch nicht genau", erklärte er, als Thomas die Kinder ansprach. Er deutete den beiden kurz an, mit zum Sofa zu kommen, teils, damit sie nicht so blöd im Wohnzimmer rumstehen mussten, teils, weil er sich selbst setzen musste, und strich Niko im Vorbeigehen kurz über den Kopf. "Wir müssen die Kontaktpersonen hier noch ansprechen und ihnen sagen, dass wir wohlbehalten angekommen sind, dann schauen wir weiter. Aber ich denke, dass sie noch ein paar Tage hierbleiben werden. Ich will sie nicht einfach weiterreichen, wie ein Paket." Wahrscheinlich sollte er das mit Andrew besprechen. Er wollte ihm die Kinder nicht aufdrängen, aber Andrew würde bestimmt auch einsehen, dass sie sich ein paar Tage Ruhe verdient hatten, bevor sie sich die Aufmerksamkeit einer Heimleitung mit anderen Kindern teilen mussten, ohne englisch sprechen zu können. Alles andere wäre grausam.
      Andrew kam wie aufs Stichwort zurück ins Wohnzimmer, gefolgt von Caleb, der immer noch ein wenig so aussah, als ob er wieder viel zu tief in seinen eigenen Gedanken feststecken würde.
      "Was wolltest du eben sagen?", fragte Ezra seinen Bruder mit einem kleinen Lächeln. So, wie Caleb eben zu Reden angesetzt hatte, konnte es nichts Gutes sein, allerdings hatte Caleb immer schon die Angewohnheit gehabt, alles ein wenig dramatischer zu machen, als es tatsächlich war.
      "Das ist eher was...privates?" Calebs Blick huschte kurz zu Thomas und Steve. "Aber wir haben bestimmt gleich noch irgendwie Zeit."
      "Wir können gehen, falls wir stören", bot Steve an und bekam von beiden Brüdern ein dermaßen entschiedenes "Nein" zurück, dass er reflexartig die Hände nach oben hob. "Schon okay, war nur ein Angebot."
      "Es ist nichts...zeitgebundenes", versicherte Caleb mit einem kleinen Seitenblick zu Andrew unsicher. Was Ezra definitiv nicht noch mehr beunruhigte.
    • Andrew

      Oh, klasse. Konnte Caleb ihn da bitte nicht mitreinziehen? Andrew erwiderte den Blick irritiert, während er Elli wieder auf den Arm nahm um Thomas aus seiner Überforderung zu retten. Die sich nur auch ohne Baby nicht zu bessern schien. Andrews skeptischer Blick galt nun Thomas. War er nervös? Warum tänzelte er so dämlich um Steve herum?
      Andrew wandte sich erneut zu Caleb und meinte nachdrücklich: „Nicht zeitgebunden? Bleibst du bis morgen?“ Und damit drehte er den beiden aktiv den Rücken zu und versuchte wie versprochen, Thomas und Steves Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, auch wenn der Blonde ihm weiterhin verwirrt über die Schulter schaute.
      „Thomas, wie läuft es bei dir?“, fragte er zum Einstieg und starrte ihn an, sodass er seinem Blick kaum ausweichen konnte. Wie begann man solche Gespräche eigentlich möglichst… normal? Ach, solange Caleb im Hintergrund genug Privatsphäre hatte, um endlich die Bombe fallen zu lassen.
      „G-gut, wieso?“, fragte der Blonde und sah sogleich wieder Andrew an.
      „Nur so“ Andrew zuckte mit den Schultern während er immerzu mit Elli auf der Hüfte herumwippte.
      „Ah… wie läuft es denn bei di-“
      „Hat dir unser Gespräch an Silvester eigentlich irgendwie geholfen?“, fuhr Andrew sogleich fort. Dass Steve genau daneben stand versuchte er mal auszublenden. „Weil, wenn nicht, dann solltest du es mir sagen, bevor ich noch jemanden ins Unglück stürze“, sagte er und lächelte. Nicht, dass er vorhatte, nochmal jemandem Sex-Ed anzubieten. „Aber eigentlich seht ihr ganz glücklich aus. Oder zumindest wie zusammengeschweißt. Ich seh das einfach als gutes Zeichen“
      Thomas sah seltsam schockiert aus. Fragte Ezra nicht normalerweise alles und jeden über diese Dinge aus? Warum wurde es erst als eigenartig wahrgenommen, wenn Andrew es tat?
      „Das… du… ich… denke schon“, stammelte Thomas vollkommen überfordert. Andrew runzelte die Stirn. Sehr überzeugend klang das nicht.
      „Du denkst? Weiß man sowas… nicht normalerweise recht schnell? Oder habt ihr noch nicht-“
      „DIE KINDER“, rief Thomas plötzlich aus. „Die Kinder haben Namen, oder? Wie heißen sie? S-süße Kinder“
      „Geht‘s dir gut?“, fragte Andrew skeptisch. Vielleicht hätte er das Thema doch nicht ansprechen sollen. Hoffentlich lief es bei Caleb besser.
      ✦ . ⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦⁺   . ✦ .  ⁺   . ✦