The Hero and the Thief [Nao & Stiftchen]

    • Wyatt

      “Milo hat sich noch nicht entschieden, wie er damit umgehen soll, dass wir getrunken haben, also stimme ich den Rest der Woche allem zu, was er sagt, damit er es einfach vergisst und nicht das Internet aussteckt”, erklärte Wyatt. Gut. Vielleicht gab es den ein oder anderen ‘Ausrutscher’ in seiner Methodik, indem er beispielsweise vor Aaron so tat, als ob Milo nicht ganz überzeugt von dem Date gewesen wäre, aber…darüber würde er hoffentlich einfach hinwegsehen. “Außerdem, ja, ich wollte doch bei Jia verpetzen, um mein eigenes Gewissen zu retten und zu sehen, ob dein Glück hält, oder du eine Freundin weniger hast.” Er verdrehte kurz die Augen, um klar zu machen, dass er scherzte, bevor er aus dem Augenwinkel Lucas und Emma wahrnahm.
      Emma ging ungefähr anderthalb Schritte vor Lucas, der aussah, als ob seine soziale Batterie sich jetzt schon auf dem Tiefstand befinden würde. Die beiden waren bereits befreundet gewesen, bevor Wyatt sie kennen gelernt hatte und wenn er ganz ehrlich war, hatte er keine Ahnung, was genau sie zusammen hielt. Emma war immer zu energetisch gewesen, Lucas zu zurückhaltend, aber irgendwie schien es zu funktionieren.
      "Und deshalb ist die Kamelie absolut perfekt für mich", beendete Emma gerade ihren Satz, bevor sie vor der Gruppe zum stehen kam und sie mit einem fröhlichen "Hi!" begrüßte, offenbar positiv überrascht, dass mehr Leute als Wyatt auf sie warteten. Lucas hob hinter ihr einfach kurz die Hand zum Gruß, bevor er ein tonloses "Hilfe" mit seinen Lippen formte und zu Emma sah.
      "Hey", grüßte Wyatt zurück. "Das sind Kaia, Jude und Nataly. Sie wollten mit zum Einkaufszentrum. Jude und Nataly haben ein Date und Kaia hat...Hunger und nichts besseres zu tun, schätze ich."
      "Oh, das ist schön. Hi. Ich bin Emma, das ist Lucas", stellte Emma sie vor, bevor Wyatt überhaupt die Chance dazu bekam. "Du hättest mir sagen sollen, dass noch mehr Leute mitkommen, Wy, dann hättest du das Quiz weiterleiten können."
      "Bitte fragt nicht nach, welches Quiz sie meint", mischte sich Lucas ein, der etwas weniger enthusiastisch zu den anderen sah, als Emma. Sein Blick blieb kurz an Jude hängen, bevor er wieder zu Wyatt sah. "Sie spricht seit einer halben Stunde über nichts anderes mehr. Zehn Minuten noch und sie fängt beim Garten-Landschaftsbau an." Er verdrehte die Augen.
      "Es ist ein Quiz darüber, welche-", setzte Emma an, bevor Wyatt sie Lucas zuliebe unterbrach.
      "Wir sollten uns langsam in Bewegung setzen. Der Bus wird nicht auf uns warten."
      Emma warf ihm einen kritischen Blick zu. "Du machst das auch noch, sonst rede ich nicht mehr mit dir", kündigte sie an, bevor sie ihren Mantel zurechtzog und kurz zu Kaia sah. "Gibt es schon eine Entscheidung, wo wir essen gehen?"
    • Jude

      „Oh, ich weiß, wieso“, sagte Jude plötzlich, als Wyatt meinte, Milo wäre mit den Bestrafungen bisher milde geblieben. „Wegen mir“, erklärte er und sah Wyatts Freunde bereits im Augenwinkel, ließ sich aber nicht beirren. „Er kann dich nicht betrafen, weil ich dabei war“ Judes Augen glänzten begeistert. „Weil mich nie irgendjemand für irgendwas bestraft, weißt du? Und auch niemanden, der irgendwas mit mir zusammen macht. Emery zum Beispiel, er ist schon so oft bekifft nachhause gekommen, knallrote Augen und alles, und keiner hat was bemerkt! Mein Verdienst also. Und du dankst es mir, indem du Jia gegen mich aufhetzt“ Er schüttelte den Kopf. Erst als er seine Rede beendet und Wyatt hoffentlich ein für alle Mal klargemacht hatte, dass er wirklich nicht verlieren konnte, galt seine Aufmerksamkeit dem Rest der Runde. Er winkte den beiden Neuen kurz und merkte dann, dass er Nataly irgendwie hinter sich her gezerrt hatte, als er auf Wyatt eingeredet hatte, also machte er wieder einen Schritt zurück und warf ihr einen entschuldigenden Blick zu.
      „Huh? Was für ein Test?“, fragte Kaia sofort interessiert, obwohl Lucas eben darum gebeten hatte, es nicht zu tun. Persönlichkeitstest klangen aber nach etwas, das ganz in Kaias Interessensspate fiel.
      Sie setzten sich in Bewegung zur nächsten Bushaltestelle. „Ihr geht Sushi essen, soweit ich weiß“, beantwortete Jude noch die Frage, weil Kaia kurz zu abgelenkt war, aber sie kam gleich zurück in die Realität. „Oh, ja, ich hab meinen Bruder eingeladen, der uns alle einladen wird. Er ist Ingenieur. Irgendwas mit… Softwares, keine Ahnung, aber er verdient gut“ Kaia zuckte mit den Schultern. Verdammt, Jude wollte ihren Bruder auch ausnutzen, wenn er schon so viel Geld hatte!
      Dennoch fielen sie in eine Zweierreihe und er lief dementsprechend neben Nataly her, während er akzeptierte, dass er bald das restliche Geld seines letzten Sommerjobs ausgegeben haben würde.
      „Hey, willst du überhaupt ins Kino?“, murmelte plötzlich eine leise Stimme neben ihm. Jude sah zu Nataly herunter.
      „Klar, will ich. Was ist das für ne Frage?“
      „Weil ich das Gefühl hab, du würdest lieber mit denen essen gehen“
      Jude runzelte die Stirn. „Ich kenn zwei davon nichtmal. Und ich hab dich eingeladen, nicht du mich, also wieso würde ich meine Meinung jetzt ändern?“
      Nataly zuckte mit den Schultern und Jude seufzte leise auf. Mann, warum war sie nur so drauf? Als sie angefangen hatten, auszugehen, war sie jedesmal Feuer und Flamme für jede Idee gewesen, die er gehabt hatte, und jetzt schien sie andauernd nur eifersüchtig zu sein und zu hinterfragen, ob Jude überhaupt mit ihr Zeit verbringen wollte. Dabei hatte sich nie geändert, wieviel Zeit er sich für sie nahm, und er verhielt sich auch nicht anders. Er wusste langsam nicht mehr, was er noch tun sollte, außer ständig zu wiederholen, dass er gerne mit ihr zusammen war. Und sie mochte. Gab es mehr, das er tun sollte?
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    • Wyatt

      "Schön, dass du fragst", antwortete Emma sofort mit einem breiten Lächeln, als Kaia doch das Quiz ansprach. "Ein kurzes Quiz, bei dem du herausfindest, welche Blume du bist. Ich bin eine Kamelie, Lucas ist eine Tulpe und Wyatt wehrt sich, weil er Quizze doof findet. Zu schade, dass er sich doch spontan dazu entschieden hat, nicht mit zu kommen. Naja, sein Verlust."
      Wyatt verdrehte mit einem Seufzen die Augen. "Ich mach das blöde Quiz ja gleich."
      Emma warf ihm ein kleines Lächeln zu, bevor sie sich zu Kaia drehte. "Manchmal bilde ich mir ein, dass ich ihn immer noch hören würde." Damit hakte sie sich bei ihre offensichtlich neuen besten Freundin unter und zog sie in die Richtung der Bushaltestelle. Wy sah ihr blinzelnd hinterher, bevor er Lucas einen 'Hast du das gesehen?' Blick zuwarf, der mit einem Schulterzucken beantwortet wurde.
      "Ich würde sie ja aus der Freundesgruppe werfen, aber sie schuldet mir noch zehn Pfund", scherzte er, bevor er sich neben Wyatt in die kleine, perfekte Zweierreihe einreihte. Sie bildeten das Schlusslicht hinter Jude und Nataly, die sich zu leise unterhielten, als dass Wy irgendwas von dem Gespräch mitbekommen würde. Der Körpersprache nach zu urteilen wollte er das auch gar nicht.
      "Also, neue Freunde?", fragte Lucas, mit einem kurzen nicken nach vorne.
      Wyatt schüttelte kurz mit dem Kopf. "Nicht wirklich. Ich bin irgendwie einfach in die Gruppe reingeraten und es wäre ziemlich seltsam gewesen, sich zu verabschieden und dann in die selbe Richtung zu gehen." Immerhin kannte er keinen der drei wirklich gut genug, um sie als Freunde zu bezeichnen. Obwohl er irgendwie nicht mehr so gegen die Idee war, tatsächlich Freunde im Jugendzentrum zu finden. Was eine ziemlich schräge Erkenntnis war. Ugh, er wollte wirklich nicht, dass Milo am Ende Recht hatte und ihm das ganze irgendwie gut tat.
      "Oh. Ich hab gedacht, dass du kurz vor deinem Geburtstag einfach noch ein paar mehr Leute finden willst, die dir Geschenke kaufen", stichelte Lucas mit einem kleinen Lächeln.
      "Das ist Schritt zwei meines Plans", antwortete Wyatt amüsiert. "Aber ich denke, sie sind ganz in Ordnung."
      Lucas stieß ein kleines, nachdenklichen "Mhm" aus, bevor er wieder zurück in sein Schweigen verfiel. Wyatt warf ihm einen kleinen Seitenblick zu, nur um sicher zu gehen, dass sein Freund nicht vollkommen überfordert war, bevor sein Blick wieder zu Jude und Nataly huschte. Sie mochten ganz okay sein, aber als sie die Haltestelle erreichten hoffte er trotzdem ein wenig, dass die beiden sich direkt verabschieden und ihre Probleme alleine ausdiskutieren würden.
    • Kaia

      Oh… Oh, sie mochte Emma. Kaia warf Wyatt ein blitzendes Grinsen zu, als Emma scheinbar ihre Mobbing-Freude teilte, und spazierte fröhlich mit ihr voraus, während sie von dem Quiz erzählte.
      „Ich mache es auch, schick es mir weiter!“, rief sie Wyatt über die Schulter. Dann wandte sie sich wieder an Emma. „Und, was sind die Charaktereigenschaften von Kamelien und Tulpen? Und was gab es sonst noch zur Auswahl?“, fragte sie und zog bereits ihr Handy aus der Tasche, um das Quiz anzuklicken und es im Bus gleich zu machen. Sie wusste, dass ihre Geburtsblume die Rose war, oder so, aber für solche kleinen Tests war sie auch furchtbar anfällig. Vor allem von Kompatibilitätstests war sie ein Fan.

      Jude

      Als sie in den Bus stiegen, verteilten sie sich zu sechst über zwei Viererplätze und Nataly hatte wohl endlich beschlossen, sich den Tag nicht selbst zu ruinieren. Sie saßen gegenüber von Wyatt und Lucas und wurden gerade alle in das Quiz mit hineingezogen, von dem Emma so begeistert war.
      Jude und Nataly hielten bereits ihre Handys in der Hand und begannen Fragen zu beantworten.
      „Okay, bin ich eher humorvoll, ambitioniert, treu oder mysteriös?“, fragte er, als die Frage mit den Worten ‚Wie würden deine Freunde dich beschreiben‘ begann. Jude runzelte die Stirn. „Das ist bescheuert. Was, wenn ich alles bin?“
      „Mysteriös?“, fragte Nataly sarkastisch und zog eine Augenbraue hoch.
      „Okay, aber ich bin definitiv nicht treu oder lustig. Was ist das für ne Frage?“
      „Du solltest trotzdem humorvoll anklicken“ Nataly zuckte mit den Schultern. „Du kommst mit allen schnell zurecht und bringst mich zum Lachen, also wieso nicht?“
      Jude zögerte, weil er nicht sicher war, ob er etwas darin hineininterpretieren sollte, dass sie ihm direkt die Treue absprach, klickte dann aber trotzdem ‚humorvoll‘ an. Als er den Test beendet hatte, verzog er verwirrt das Gesicht.
      „Eine Nelke… Ich bin eine Nelke? Ist das gut?“, fragte er.
      „Lies den Text unten“, wies Nataly ihn an. „Ich bin eine Lotusblüte“
      „Äh… Irgendwas mit Unberechenbarkeit, Impulsivität… Mann, das klingt alles eher negativ. Romantisch?“
      Nataly stieß belustigt Luft aus und fing sich von Jude einen beleidigten Blick ein, weshalb sie ihm auf den Oberschenkel klopfte und in einem nicht gerade glaubwürdigen Ton sagte: „Doch, doch, sehr romantisch“
      „Was seid ihr?“, fragte Kaia von den anderen Sitzen herüber. „Ich bin eine Narzisse. Großzügig, fröhlich und liebevoll“ Sie grinste. „Gut, oder?“
      „Vielleicht musst du den Test nochmal machen“, verarschte er sie. „Ich bin eine Nelke, Nataly der Lotus“
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    • Wyatt

      Es war schlichtweg beängstigend, wie leicht es Emma immer wieder fiel, direkt zum Mittelpunkt der Party zu werden, wenn sie neue Leute kennen lernte. Keine zehn Sekunden und schon schienen alle vollkommen begeistert von einem Quiz zu sein, in dem man herausfinden konnte, welche Blume man war, was die wahrscheinlich nutzloseste Information war, die man je haben konnte. Er ignorierte Emma, die in den Sitzreihen neben ihnen erklärte, dass Kamelien für Schönheit und Eleganz standen und Tulpen Anpassungsfähigkeit und Romantik bedeuteten - sie erntete einen kleinen, angefressenen Seitenblick von Lucas hierfür - und starrte stattdessen auf die Fragen. Er hatte solche Quizze noch nie leiden können. Die Fragen waren immer unsinnig und die Antworten gingen manchmal in Richtungen, über die er nicht nachdenken wollte. Womit er nicht alleine damit zu sein schien. Jude griff sogar auf den Publikumsjoker zurück.
      Wy sah aus dem Augenwinkel, dass Lucas zu einer Antwort ansetzte, sich dann allerdings zurückhielt, als Nataly anfing zu reden. Was irgendwie logisch war. Sie kannte Jude von ihnen allen immerhin - hoffentlich? - am besten. Wyatt unterdrückte ein belustigtes Lächeln, als Jude seine Charaktereigenschaften vorlas, bevor er selbst zur letzten Frage kam.
      "Lilie", antwortete er, als Kaia fragte. "Starke Präsenz und Selbstbewusst." Er konnte sehen, wie Emmas Blick zu ihm huschte und sich ihre Augen kaum merklich verengten. Oh nein.
      "Du weißt aber schon, dass man die Fragen ehrlich beantworten muss, oder?", fragte sie kritisch.
      "Hab ich", log Wyatt.
      "Kann nicht sein." Emma stand auf und griff nach Wyatts Handy. Dass sie sich dafür halb über Lucas' Schoß warf, schien ihr vollkommen egal zu sein. Lucas schien es mit gelernter Gelassenheit hinzunehmen. Zumindest wehrte er sich angesehen von einem genervten Seufzen, nicht. Emma zog Wyatts Handy an sich und sah auf das Ergebnis, schüttelte den Kopf und klickte sich zurück.
      "Hey", Wy streckte seine Hand nach seinem Handy aus, aber Emma hielt es außer Reichweite. "Es ist nur ein Quiz, Em. Ist doch egal."
      "Vergissmeinnicht." Emma gab ihm das Handy zurück. "Du bist ein Vergissmeinnicht. "Erinnerung, Zuneigung und Sensibilität."
      Wyatt blinzelte kurz. "Spinnst du?" Er sah auf sein Handy und war froh, dass Emma den Punkt 'Sucht nach Bestätigung' in ihrer Aufzählung weggelassen hatte. "Was zur Hölle hast du eingetippt?"
      Emma lächelte, während sie von Lucas' Schoß zurück auf ihren eigenen Sitz rutschte. "Ich dachte, es ist nur ein Quiz und nicht so wichtig? Wir müssen übrigens am nächsten Stopp raus."
      Wyatt löste seinen Blick von seinem Bildschirm und lehnte sich ein wenig in Judes Richtung. "Wir können Blumen tauschen, wenn du willst."
    • Jude

      „Klar, aber ich glaube, Emma hätte was dazu zu sagen“, antwortete Jude und deutete zu dem Mädchen rüber. Außerdem würde auch Nataly sicher wieder einen Grund finden, um nicht zuzustimmen. Und, naja, ehrlicherweise war Judes Erinnerungsvermögen nicht das allerbeste, und er war vermutlich nicht allzu sensibel, zumindest schob er die Probleme mit seiner Freundin darauf. Irgendetwas machte er ja wohl falsch. Seltsam, sein Glück half ihm immer, aber nur nicht wirklich, wenn es um seine Beziehung ging. Vielleicht war Nataly einfach immun.
      „Außerdem will ich Leidenschaft und Romantik nicht hergeben“, grinste er. Er hatte zumindest noch nie einen Mangel an schwärmenden Mädchen gehabt, warum auch immer. Selbstbewusstsein war wohl das wichtigste. Nur hatte es bisher einfach irgendwie nie für eine Beziehung gereicht, und selbst was er jetzt hatte, hätte er sich ganz anders vorgestellt. Irgendwie… aufregender, und weniger genauso wie Treffen mit seinen anderen Freunden, nur mit etwas mehr Körperkontakt und Streitpotential.
      „Schon okay, Sensibel ist besser als Selbstbewusst“, zwinkerte Kaia auf einmal zu Wyatt herüber und Jude fragte sich plötzlich, ob Jia an irgendetwas dran gewesen war. Aber seines Wissens nach kannten die beiden sich kaum, also… Kaia scherzte sowieso gerne mit allem und jedem herum, da war bestimmt nichts dahinter.
      „Du kannst ja mit Lucas tauschen, Anpassungsfähigkeit klingt gut. Hey, gibt‘s einen Test, um herauszufinden, welches Pokemon man ist?“, fragte Jude interessiert in Emmas Richtung.
      Als der Bus das nächste Mal stehenblieb, standen sie alle gleichzeitig auf und kämpften sich in einer unordentlichen Reihe aus der Tür heraus. Es war nicht einfach, zu sechst unterwegs zu sein. Dann machten sie sich auf den Weg ins Einkaufszentrum, und Jude fiel endlich wieder ein, dass das wohl langsam ihr Abschied hieß, weil er ja eigentlich auf einem Date war. Seine Freundin war jedoch seltsam still und er hatte ein zunehmendes Fluchtverlangen.
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    • Lucas

      Sie waren eindeutig zu viele Leute, um ordentlich zusammen zu laufen. Was Lucas nicht sonderlich viel ausmachte. Emma hatte wie immer die Führung übernommen und es hatte noch niemand versucht, ihn krampfhaft in eine Konversation zu verwickeln, also konnte er sich nicht beschweren. Außerdem schienen Wyatts neue Bekanntschaften einigermaßen nett und relativ unkompliziert zu sein. Laut Emmas zertifizierten Blumen-Test schien Kaia wie gemacht für eine beste Freundin zu sein, Nataly wirkte wie ein normales Mädchen, das vielleicht gerade ein wenig frustriert war und Jude schien die selbe magische Aura wie Emma zu besitzen - irgendwas an ihm zog einen einfach in seinen Bann. Vielleicht waren es die roten Haare und die offene Art, vielleicht lag es auch einfach an den Narben, die man an seinen Handgelenken erkennen konnte und die für Lucas irgendwie das ausschlaggebende Element gewesen wäre, um Jude mehr als 'mysteriös', als 'witzig' zu bezeichnen. Aber das war nicht sein Freundeskreis und damit nicht sein Platz, um seine Meinung zu teilen.
      "Es gibt tatsächlich relativ viele 'Welches Pokemon bin ich' Tests", erklärte Emma, die im Laufen fleißig auf ihrem Handy tippte. "Allerdings kenne ich mich da zu wenig aus, um entscheiden zu können, welcher gut ist. Pokemon war mir immer zu nerdig. Ich habe weder die Karten gesammelt, noch die Spiele gespielt. Was bringt mir ein Spiel, wenn ich darin nicht wenigstens irgendeinen NPC daten kann?" Sie stieß ein kleines, frustrieres Geräusch aus und schob ihr Handy wieder zurück in die Jackentasche. "Aber wenn ich eines finden sollte, mit dem ich leben kann, lasse ich es an dich weiterleiten", versprach sie abschließend. "Oh, vielleicht kann Lucas mir dabei helfen." Sie drehte sich im Gehen zu ihm um. "Du hast doch wenigstens die Serie geschaut, oder?"
      Lucas nickte kurz. "Ist aber schon was her. Ich hab sogar ein paar von den Karten." Die meisten, weil seine älteren Geschwister sie doppelt hatten, oder nicht mehr wollten, aber das tat ja nicht zur Sache. Er selbst war zwar auch kein Kartenspiel-Freund und hätte sich über die Konsolenspiele deutlich mehr gefreut, aber man nahm, was man kriegen konnte, nicht?
      "Geht es nur mir so, oder gibst du uns gerade einen Auftrag, damit wir was zu tun haben, während ihr beide auf eurem Date entspannt?", mischte sich Wyatt amüsiert in die Diskussion ein.
      "Typisch Nelke halt", scherzte Lucas trocken. Vielleicht waren es auch die Augen, die Jude so seltsam sympathisch machten. Irgendwie wirkte er einfach...offen.
      "Jetzt fang du bitte nicht auch noch damit an", beschwerte sich Wyatt seufzend.
      "Oh, sorry. Ich hatte vergessen, dass du sensibel bist, Mr. Vergissmeinnicht." Lucas grinste. Ehrlich gesagt war er nicht ganz sicher, ob Emmas Einschätzung von Wyatt so viel besser gewesen war, als seine Selbsteinschätzung. Er mochte Wyatt. Er war spontan, immer für jeden Blödsinn zu haben und manchmal - unfreiwillig - witzig. Jetzt gerade verdrehte er genervt die Augen, auch, wenn Lucas der anschließende Seitenblick zu Kaia nicht entging. Er ließ ihn unkommentiert.
    • Jude

      Jude drehte sich zu Lucas und Wyatt herum, so gut er es konnte, ohne Nataly mit sich zu ziehen. „Echt? Ich hab früher Mal Fußballkarten gesammelt, Pokémonkarten wären auch was, aber dann ist mein Haus abgefackelt und ich hatte keine Lust mehr“, lachte Jude. „Aber die Spiele sind cool. Hey, willst du Nummern austauschen, Emma? Schick mir den Test einfach selbst, Wyatt würde es eh nur boykottieren, wetten?“ Er ließ Natalys Hand los, dann fing er an rückwärts zu laufen, während er seine Kontakte App öffnete und Emma, durch Wyatt und Lucas hindurch, sein Handy reichte. Dann drehte er sich wieder herum und legte den Arm um die Taille seiner genervten Freundin, die eben noch ein leises „Hör auf, rückwärts zu gehen“, von sich gegeben hatte. Irgendwie hatte Jude für heute schon ein wenig aufgegeben. Wenn sie mit anderen Leuten unterwegs waren, durfte er auch mit ihnen reden, punkt. Und Nataly würde sich schon wieder einkriegen.
      „Sicher, dass du nicht auch Sushi essen willst?“ Er riskierte mit der Frage vermutlich sein Leben, aber Nataly würde auch keinen Streit anfangen, wenn sie nicht alleine waren, so viel wusste er.
      „Ich dachte, du hast einen Tisch reserviert“, kam es etwas genervt zurück.
      „Stimmt. Na schön. Dann eben nächstes Mal“, sagte er und warf ein Lächeln über die Schulter.

      Kaia

      „Oh, ich lasse meinen Bruder nachher auch noch den Test machen. Ich wette er ist auch eine Nelke“, erklärte sie, während sie neben Emma herlief und das Schlusslicht bildete. Den Blick hatte sie auf Wyatt vor sich gerichtet, der sich wohl zu Herzen nahm, dass alle ihn für sensibel hielten. Kaia fand das irgendwie witzig. Was hatten Jungs nur gegen dieses Wort? Ganz so selbstbewusst wie er sich eben eingeschätzt hatte, war er dann ja wohl doch nicht, sonst würde ihn das kaum stören. Jude interessierte sowas deutlich weniger.
      „Vielleicht hast du ja bei den Pokemon mehr Glück“, lachte sie und stupste Wyatt von hinten an der Schulter an. „Oder, keine Ahnung, mit einer Brotsorte. Oder einer Farbe. Oder einem Tier. Emma, was für Tests gibt es noch so? Ich will auch wissen, welches Essen ich wäre“
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    • Emma

      "Wo warst du mein ganzes Leben lang?", jammerte Emma mit theatralischem Blick in Kaias Richtung. Sie war ursprünglich nicht sonderlich begeistert darüber gewesen, Wyatt unterwegs einsammeln zu müssen - ihr Bus wäre zum Einkaufszentrum durch gefahren - aber Kaia machte gerade im Alleingang alles wieder gut. Endlich wenigstens eine Person, die gerne den Kopf ausschaltete und darauf wartete, dass das Internet einem erzählte, was für eine Art Mensch man war!
      Sie tippte ihre Nummer in Judes Handy und reichte es mit einem knappen "Durchreichen" an Wyatt weiter, der es im Laufen schlicht direkt in Judes Jackentasche schob, als ob er befürchtete, dass Nataly sich beschweren würde, wenn er zu lange in ihrer Umlaufbahn bleiben würde. Sie müsste Kaia gleich fragen, was genau da los war. Aus dem Kontext heraus konnte sie sich nur erschließen, dass Nataly wegen irgendwas wütend war und was es auch war - sie ging davon aus, dass Jude definitiv Schuld war.
      "Im Buzzfeed Brot-Quiz aus 2023 war Wy ein Baguette. Offen für alles Neue und reisefreudig", erklärte sie. War es wild, dass sie den Brot-Test schon hinter sich hatten? Wenigstens hatte Kaia sie mit den Farben auf eine neue Idee gehabt.
      "...warum merkst du dir sowas?", fragte Wyatt mit einem irritierten Blick über die Schulter. Lucas sah neben ihm nicht minder panisch aus.
      "Weil ihr meine Freunde seid. Natürlich merke ich mir alles, womit ich euch später erpressen kann. Lucas war Weißbrot. Langweilig neutral mit einer gelegentlichen Vorliebe für Adrenalin. Ich warte nur darauf, dass einer von euch gut verdient und dann kommen die kleinen Erpresserbriefe." Sie hob demonstrativ die Hand, um einen imaginären Brief in die Luft zu schreiben. Obwohl sie bei den beiden Chaoten wahrscheinlich nicht auf Perönlichkeitstest angewiesen war, wenn es um Erpressermaterial ging. Da hatte sie weitaus interessantere Infos auf Lager.
      "Ich bin übrigens Ciabatta. Self-Care Girly." Sie grinste in Kaias Richtung, während sie ihr eigenes Handy zückte. "Der Test war super kurz. Ich schau mal, ob ich den nochmal- oh, direkt gefunden. Ich schick dir den Link gleich." Sie bemühte sich, nicht von den ganzen anderen Tests abgelenkt zu werden, die ihr parallel angezeigt wurden und schob ihr Handy stattdessen zurück in ihre Tasche und blieb stehen, als sie den Eingang des Einkaufszentrums erreichten. Also, Zeit sich von Jude und Nataly zu verabschieden. Es war schade, dass sie zwei Testteilnehmer verlor, aber wenigstens könnte sie Kaia um Informationen ausquetschen.
    • Kaia

      „Also dann, wir müssen in die andere Richtung“, durchbrach Jude ihr Gespräch schon gleich darauf, hob die Hand und verabschiedete sich mit einem Lächeln, bevor Nataly und er den nächsten Zebrastreifen überquerten und zum Italiener davonliefen.
      Kaia drehte sich wieder zu Emma herum. „Oh, den mach ich gleich. Und ich schicke ihn Jude weiter, damit er nächstes Mal auch up-to-date ist“ Irgendwie plante sie im Kopf wohl schon, öfter mal etwas mit dieser Gruppe zu unternehmen. Sie kannte Wyatt zwar kaum und auch seine Freunde sah sie zum ersten Mal, aber wenn sie nach Bauchgefühl gehen musste, würde sie sagen, dass sie eine Menge Spaß haben könnten. Also, naja, wenn Wyatt darüber hinwegkam, dass sie sich im Jugendzentrum kennengelernt hatten. Oder genauer gesagt, am Ort des Dates von seinem großen Bruder.
      Alles in allem waren die Umstände vielleicht etwas seltsam, aber Kaia war immer gut mit neuen Leuten gewesen. Es machte Spaß, Menschen kennenzulernen. Und Emma kam ihr vor, als hätten sie noch eine Menge zu reden. Vor allem hatte sie bestimmt haufenweise Informationen, über ihre Freunde, und dafür…
      „Hey, was würdest du sagen, wie oft es normal ist, sich zu verabreden, wenn man zusammen ist?“, startete sie das Gespräch, als Jude weg war. Sie würde mal Wyatts Theorie testen, dass seine beste Freundin nicht gerne über Beziehungskram quatschte. „So alle zwei, drei Wochen ist wenig, nicht? Würdest du ne Ausnahme machen, wenn ihr beide gerade euren Abschluss macht?“, fragte sie interessiert. Vielleicht fand Kaia ja heute sogar noch heraus, ob es zwischen Emma und Wyatt echt funkte, wie sie vermutet hatte!
      Während sie sich zum Running Sushi Lokal aufmachten, textete Kaia ihrem Bruder noch schnell im Gehen, dass sie sich gleich vor Ort treffen sollten. Er wusste zwar noch nicht, dass er Kaia nicht nur abholen, sondern mit ihnen essen und am Ende bezahlen sollte, aber er würde sich schon überreden lassen. Da hatte sie keine Zweifel.
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    • Emma

      Nachdem der kleine 'Bye!' 'Viel Spaß' Chor, der Judes Abschied begleitet hatte, verstummt war, war Emma schon drauf und dran, Kaia auf die Situation anzusprechen. Allerdings schien sie ihr zuvor gekommen zu sein. Offenbar hatten sie ganz ähnliche Gedankengänge. Zumindest bis zu einem gewissen Grad. Statt die Situation einfach sofort zu analysieren, startete Kaia das ganze mit einer Frage.
      "Oh. Äh." Ihr Blick huschte kurz von Lucas zu Wyatt, bevor sie wieder bei Kaia endete. "Das wäre mir absolut zu selten. Ich sehe Lucas und Wy schon mindestens einmal die Woche und wenn ich jemanden hätte, den ich tatsächlich mögen würde, würde ich ihn doch noch öfter sehen wollen." Sie zuckte kurz etwas unsicher mit den Schultern, bevor sie über ihre Schulter zu ihren beiden Freunden sah. "Alles gegen euch."
      "Meinst du 'Nichts gegen euch'?", fragte Wyatt zurück.
      "Nö." Emma wandte sich wieder an Kaia, während sie die kleinen Protestlaute aus den hinteren Reihen ignorierte. "Ich wüsste nicht, ob ich den Abschluss als Grund gelten lassen würde. Wenn er mich wirklich liebt, sollte er es schaffen, sich Zeit für mich zu nehmen."
      "Kommt es nicht auch ein wenig darauf an, wie weit man voneinander entfernt wohnt und wie die jeweiligen Zeitpläne aussehen?", mischte sich Lucas überraschend in die Diskussion ein. Emma zuckte erneut mit den Schultern. Natürlich hatte sie sich schon Gedanken um ihre eigenen Wunsch-Beziehungen gemacht - was...schwieriger war, als man annehmen wollte - aber bisher war irgendwie immer alles übertrieben fiktiv gewesen. Jemand, der sich 24/7 nur Zeit für sie nahm, mit dem sie zusammenziehen konnte, ohne befürchten zu müssen, das Zimmer innerhalb des nächsten Jahres wieder räumen zu müssen, weil sich irgendwelche Lebensumstände geändert hatten. Alles offensichtlich ziemlich rosa-rot und perfekt und fernab von der Realität, in welcher sie Nachts wach lag und überlegte, ob dieser jemand zwangsweise ein Er sein musste, oder auch eine Sie sein könnte, was deutlich verwirrender war, als dämliche Persönlichkeitstests.
      "Ist das der Grund für den Streit zwischen den beiden?", fragte sie zurück, während sie kurz in die Richtung deutete, in die Jude und Nataly verschwunden waren.
    • Kaia

      Ha, wusste sie es doch. Wyatt war wohl der einzige, der sich keine Gedanken um Beziehungen machte, oder sie einfach strikt für sich behielt. Das konnte noch spannend werden. "Finde ich auch" Sie kicherte, als Emma wieder auf den beiden Jungen herumhackte. "Ich meine, ich frage mich ja, ob Jude Nataly überhaupt liebt, wenn er sich nicht jede Sekunde irgendwie für sie freischaufelt. Ich würde das machen. Egal, was ich sonst noch so zu tun hab. Ich meine, die beiden könnten ja auch einfach zusammen lernen, und so mehr Zeit zusammen verbringen" Sie zuckte mit den Schultern.
      "Aber, ja. Nataly hat vorhin erwähnt, dass Jude sich kaum Zeit nimmt und, wenn sie sich sehen, dann liegt seine Aufmerksamkeit auch nicht wirklich auf ihr. Merkt man ja. Vermutlich würde mich das auch stören, wenn man am Ende fast nie nur zu zweit ist"
      Sie schwieg einen Augenblick und ließ sich Lucas Kommentar auf der Zunge zergehen, bevor sie hinzufügte: "Hm... aber... es ist auch irgendwie romantisch, wenn man so einen Romeo und Julia Moment hat, sich fast nie sehen kann, und sich trotzdem liebt, oder nicht? Auch, wenn das nicht wirklich Jude und Natalys Situation ist"
      Die beiden hatten viel eher das Problem, dass Nataly die Beziehung definitiv mehr bedeutete, als Jude. Das erkannte man ziemlich schnell. Schön, er mochte sie bestimmt, aber jemanden zu mögen, war nicht dasselbe, wie jemanden zu lieben. Und dann verbrachte man vielleicht gerne Zeit mit der Person, aber eben nicht gerne genug, um sie wirklich zu einer Priorität zu machen. Kaia verstand gut, wieso Nataly das störte. Sie fragte sich nur...
      "Meint ihr, ich soll Jude mal sagen, dass er sich mehr Mühe geben soll? Eigentlich geht es mich ja nichts an, aber Nataly ist normalerweise total nett und Jude wird wahrscheinlich eh nie wen besseren finden, weil er zu nervig ist. Aber... naja, irgendwie ist es auch nicht seine Schuld, wenn sie ihn mehr mag, als umgekehrt" Vermutlich sollte sie sich einfach nicht einmischen. Keiner konnte sich dazu zwingen, für jemanden Gefühle zu entwickeln, genauso wie man sie nicht einfach loswurde, wenn sie mal da waren.
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    • Wyatt

      Kaia einzuladen war vielleicht nicht unbedingt sein schlauster Schachzug gewesen. Definitiv zu viele Unterhaltungen über Persönlichkeitstest und Beziehungsfragen. Obwohl sie sich wenigstens noch in einem einigermaßen vernünftigen Rahmen bewegten. Er hoffte nur, dass es nicht noch schlimmer wurde und bis dahin würde er sich einfach raushalten. Seine beiden Freunde schienen da deutlich diskussionsbereiter zu sein.
      Emma antwortete mit einem entschiedenen "Ja", während Lucas mit einem "Nein" antwortete und sich damit irritierte Blicke einfing. Für eine Sekunde sah er ein wenig so aus, als ob er selbst gerade erst realisierte, dass man ihn tatsächlich hören konnte, wenn er sprach, dann öffnete er leicht den Mund, schloss ihn wieder, räusperte sich und setzte zu einer Erklärung an.
      "Im ersten Moment ist es logisch was zu sagen, aber ich fänd es irgendwie super enttäuschend, wenn ich später herausfinden würde, dass meine Partnerin sich nur geändert hat, weil ein*e Freund*in sie darauf hingewiesen hat und nicht, weil ihr selbst aufgefallen ist, dass was nicht stimmt. Es ist ja ein grundlegendes Problem...und...so", endete Lucas ein wenig unbeholfen.
      Emma schien kurz nachzudenken. "Aber das könnte ja auch dafür sorgen, dass er in Zukunft eben besser aufpasst. Was denkst du, Wy?"
      Wyatt seufzte kurz leicht genervt. "Ich würde es ihm auch sagen", entschied er schließlich. Nicht, weil er sich großartig in die Sache hineingedacht hatte, sondern weil es deutlich einfacher war, in Diskussionen auf Emmas Seite zu sein. Meistens verkürzte es die Diskussionen um einiges und es zauberte ihr immer ein kleines Lächeln auf die Lippen. So wie jetzt. Wenn er wirklich drüber nachdachte - was Zeitverschwändung war - würde er wahrscheinlich behaupten, dass Nataly selbst eigentlich diejenige war, die klar sagen musste, dass was nicht stimmt. War Kommunikation nicht mega wichtig in einer Beziehung? Man konnte ja nicht immer sauer auf einander sein und dann hoffen, dass irgendeine außenstehende Person sich einmischen und Tipps geben würde.
      "Geht das denn schon länger so zwischen den beiden?", fragte Emma schließlich wieder Kaia. Gott, sie mussten dringend das Thema wechseln.
    • Kaia

      „Uhm… keine Ahnung“, antwortete Kaia. „Die sind noch nicht lange zusammen, vielleicht zwei Monate? Vermutlich traut Nataly sich deshalb nicht, selbst etwas zu sagen“ Aber wenn sie es nur in sich hineinfraß, würde das die Beziehung erst recht frühzeitig enden lassen.
      Nach Lucas Erklärung stimmte Kaia ihm auch irgendwie zu. Einerseits war es sicher gut, Jude mal darauf aufmerksam zu machen, aber das sollte nicht Kaia tun, sondern Nataly. Nicht aus dem Grund, den Lucas genannt hatte, sondern weil es ganz einfach seltsam war, Jude etwas zu erzählen, für das Nataly nicht selbst bereit war und was sie mehr oder weniger im Vertrauen geäußert hatte. Hach… Kaia sollte ihr einfach beim nächsten Mal sagen, dass Jude ein Vollidiot war, der dreißig Hinweise für alles brauchte, bis er schnallte, was er falsch machte. Und dass er ihr sicher nicht böse sein würde. Wenn sie ihm den Aufwand nicht wert war, würde er es sowieso direkt sagen, und damit würde ihr eine unsinnige Beziehung erspart bleiben. Und wenn nicht, dann würde Jude sie auch bestimmt ernst nehmen und irgendwie sein bestes tun, was auch immer das war. Kaia kannte Jude seit einigen Jahren und konnte mittlerweile voller Zuversicht sagen, dass er alles andere, als hinterrücks war. Er nutzte Menschen nicht aus. Er war immer sehr ehrlich und direkt und da teilten sie wohl ihre moralische Einstellung, darum verstanden sie sich sehr gut. Weil sie eben nichts zurückhielten.
      „Ich werde nichts sagen“, beschloss Kaia kurzerhand entgegen Wyatts und Emmas Ratschlag. Im Endeffekt bezog sie bei solchen Entscheidungen sowieso immer nur ihre eigene Meinung ein. „Vielleicht ermutige ich Nataly mal, direkt mit Jude zu sein, aber das war‘s. Wenn die beiden nicht miteinander reden können, sind sie auch nicht füreinander bestimmt. Selbst, wenn Jude dann alleine sterben muss“ Sie nickte entschlossen. „Oh, aber ich muss schon sagen, ich wäre anderen dankbar, wenn sie meinen Freund zurechtweisen, wenn das im Endeffekt meiner Beziehung hilft. Ändern würde er sich dann ja sowieso für mich, nicht für diese Person. Also… das ist nicht der Grund. Ich weiß nämlich auch, dass Jude sowieso mehr als einen Hinweis bräuchte, eher so… fünf bis dreitausend. Und da bringt es eh nichts, wenn ich was dazu sage“
      Sie kamen gerade beim Sushi Lokal an, da sah Kaia auf einmal Jonah vorm Eingang stehen, der gerade überrascht aufsah, als er sie erkannte, und die weiteren drei Leute sah, mit denen er nicht gerechnet hatte.
      Sie grinste entschuldigend, als sie auf ihn zukamen. Dann stellte sie alle einander vor. „Hey, das ist mein Bruder, Jonah. Jonah, das sind Wyatt, äh… Emma und Lucas. Wyatt hab ich letztes Wochenende bei der Ausstellung kennengelernt und Emma und Lucas gerade eben. Wir wollen Sushi essen“
      Jonah schien kurz etwas überrumpelt. „Oh, äh, hi, ihr“ Er blinzelte Kaia an. „Und was willst du jetzt von mir?“
      „Dass du… mit uns isst und dein super krasses Gehalt, dass dir deine super coolen Nerd-Skills eingebracht haben, für uns verschwendest?“ Sie blinzelte ebenso unschuldig zurück.
      Jonahs Mund klappte kurz auf, dann sah er noch einmal die anderen Gesichter in der Runde an und gab nach. „Schön. Aber ihr müsst das Geld auch richtig reinholen, klar? Esst den Laden leer, damit sie nie wieder aufmachen können“, wies er sie an.
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    • Wyatt

      Warum fragte sie überhaupt, wenn sie am Ende doch das machte, was sie wollte? Dann konnten sie sich das ganze Philosophieren auch gleich sparen. Kaia war fast genauso schlimm wie Emma, die ein klein wenig angefressen darüber aussah, dass ihre Antwort nicht gewonnen hatte. Die erwartete Diskussion wurde allerdings vorerst verschoben, als Kaias Bruder sich zu ihrer Gruppe gesellte. Der offenbar nicht mit ihnen gerechnet hatte. Hatte Kaia ihm wirklich einfach verschwiegen, dass sie mit Bekannten unterwegs war? Er musste fast ein wenig lachen. Wenigstens schien Jonah es gelassen zu nehmen. Zumindest jetzt noch. Wahrscheinlich war er nur wenige Minuten davon entfernt herauszufinden, welche Brotsorte er war und hatte noch keine Ahnung von seinem Schicksal.
      "Wir können auch selbst zahlen", versicherte Lucas mit einem kleinen Seufzen, während Emma bereits mit einem fröhlichen "Danke, wir geben uns Mühe" an ihnen vorbei ins Lokal gezogen war. Wyatt fing die Tür auf, bevor sie hinter ihr zufallen konnte und hielt sie für die anderen auf. Es war mittlerweile Nachmittag, also hatten sie den Ansturm zur Mittagszeit wahrscheinlich verpasst. Das Lokal war relativ dunkel und ziemlich modern eingerichtet, eher gemütlich und aktuell relativ leer. Ein paar kleine Grüppchen saßen zusammen und unterhielten sich, während sie nebenbei aßen, oder auf ihre Handys schauten. Der Geräuschpegel hielt sich in einer angenehmen Grenze.
      "Was für Nerd-Skills brauchst du denn für deinen Job?", fragte Emma sofort, als sie sich setzten, während sie ihr eigenes Handy zückte, kurz auf das Display tippte und es dann Kaia zuschob, wahrscheinlich, damit sie sofort den Brot-Test machen konnte. Eigentlich hatte Wyatt sich seinen Nachmittag nicht so vorgestellt, aber es war...okay. Lieber so, als ein weiterer Streit mit Jia, die hoffentlich nicht noch motziger wurde, wenn sie realisierte, dass ihre Freunde ohne sie gegangen waren. Jetzt hoffte Wyatt wirklich, dass sie sich einfach nie mehr sehen mussten.
    • Jonah

      Klasse. Er hatte sich schon wieder eine Falle stellen lassen. Jonah ließ sich von den vier Kids an einen der Tische lotsen und setzte sich neben seine gerissene, kleine Schwester. Es war nicht das erste Mal, dass sie ihm nur die halbe Wahrheit erzählte und er am Ende für irgendwelche ihrer Freunde sein Geld ausgeben durfte. Was… schlimmer klang, als es war. Es gab etwas, das Jonah seinen Eltern voraus hatte, und das war die Option, seine Geschwister mit Geschenken zu ködern. Nur… ködern war vielleicht das falsche Wort, weil er doch hoffte, dass sie ihn so oder so mochten. Aber im Gegensatz zu seinen Eltern hatte er keine drei Kinder, keine Miete zu zahlen und verdiente ziemlich gut, und wenn er als Jugendlicher einen älteren Bruder mit diesen Eigenschaften gehabt hätte, dann wäre das der absolute Traum gewesen. Er hatte also kein Problem damit, Kaia und Amari ständig einzuladen. Es war nur ein wenig… naja… am Ziel vorbei, wenn Kaia ihn ständig dazu nutzte, sich bei ihren Freunden beliebt zu machen. Langsam arbeitete Jonah nur noch, um den Freundeskreis seiner Schwester zu finanzieren. Allerdings war es noch nicht oft genug vorgekommen, um ihn wirklich zu beeinflussen, also… Naja. Sie wusste wirklich, was sie tat. Auch, wenn Jonah nicht so heiß drauf war, andauernd mit Kindern herumzuhängen.
      „Ein Gehirn?“, antwortete er dem Mädchen, Ella, oder so. „Ich programmiere und entwickle Software“ Er sah dabei zu, wie das Mädchen seiner Schwester ihr Handy und damit irgendein Buzzfeed Quiz über Brotsorten zuschob und runzelte die Stirn.
      Kaia fügte zu seiner Erklärung hinzu: „Er macht das schon ewig, darum nenne ich ihn Nerd“
      „Wenn schon, dann wäre ich ein Geek. Ich bin nicht langweilig“, korrigierte er sie nebensächlich, woraufhin sie den Blick von dem Test hob.
      „Gibt‘s da echt nen Unterschied?“ Das war wohl eine rhetorische Frage, also zuckte Jonah nur mit den Schultern. Natürlich gab es einen Unterschied. Er hatte sich zwar immer fürs Programmieren interessiert und einiges an Zeit damit verbracht, weshalb er jetzt auch ganz gut darin war und entsprechend verdiente. Aber er war generell eher ein Film und Videospiele-Fan, der sich mit Computern auskannte, als einfach nur ein Mathe-Enthusiast ohne Freunde. Ihn würde wahrscheinlich auch niemand so schnell Nerd nennen, abgesehen von Kaia, die irgendwie als einzige in ihrer Familie das Technik-Interesse nicht geerbt hatte. Obwohl sie wirklich schlau war, es war schon irgendwie eine Verschwendung. Wahrscheinlich würde sie Kunst oder so einen Quatsch studieren und Jonah dann für den Rest ihres Lebens auf der Tasche liegen.
      „Was hat es mit dem Test auf sich?“, fragte er endlich, weil er den Blick nicht abwenden konnte. Er sah amüsiert dabei zu, wie Kaia sich selbst als ‚liebenswert‘ beschrieb. „Gibt‘s nichts interessanteres, als Brotsorten? Ich kann dir außerdem auch ohne Test sagen, dass du Toastbrot bist“ Kaia war zu konzentriert, um zu antworten.
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    • Wyatt

      Emma stieß ein kleines "Ah" aus, das zu höflich klang, als dass sie tatsächlich Interesse an Jonahs Jobs bekunden würde. Lucas sah deutlich interessierter aus, aber niemand hatte überhaupt den Hauch einer Chance, etwas zu sagen, wenn man Emma auf einen Persönlichkeitstest ansprach. Das Thema war ihr offensichtlich deutlich lieber, als programmieren.
      "Oh, so Tests machen einfach nur Spaß! Man stellt sich Fragen, die man sich sonst nie stellen würde und erhält Antworten, die man nie wieder braucht!" Emma strahlte, während Wy sich mit einem Seufzen auf die Tischplatte stützte. Offensichtlich würde sich ihr gemütlicher Nachmittag ab jetzt ein bisschen in die Länge ziehen.
      "Es gibt für fast alles einen Test. Wir haben eben auch schon nach einem über Pokemon gesucht, aber da kenne ich mich nicht genug für aus. Vielleicht gibt es ja auch einen für...Star Wars, oder so? Gehört Star Wars zu den Geeks, oder ist das noch Nerd-Bereich? Offensichtlich gibt es da ja einen Unterschied." Emma zuckte kurz mit den Schultern. "Da kenne ich mich allerdings auch nicht aus. Ich hab nur Mandalorian geschaut, weil ich Pedro Pascal mag und der Baby Yoda süß war."
      "Grogu", korrigierte Wyatt, bevor er nachdenken konnte. "Yoda ist ein Eigenname, nicht der Begriff für die Spezies."
      Emma warf ihm ein Lächeln zu, das definitiv nichts gutes heißen konnte. "Wenn du da so viel Ahnung von hast, kannst du ja ein Quiz suchen."
      "Mhm. Ja. Oder - Gegenvorschlag: Ich kann es auch einfach lassen." Wyatt lächelte ebenso geduldig zurück.
      "Denkt ihr eigentlich, es fällt auf, wenn denen gleich eine Tasse fehlt?", fragte Lucas von der Seite und stoppte Emma damit in ihrem Gegenargument. Wyatt war nicht nicht ganz sicher, ob sein Freund einfach nicht zugehört hatte, oder sie bewusst ablenken wollte, als er kurz zu der kleinen Gruppe nickte, die ihnen am nächsten saß und ein paar mintgrüne Teetassen mit schwarzem Muster vor sich stehen hatten. Hübsch, aber nicht besonders genug, als dass Wyatt sie einstecken würde. Lucas' Stil schien sich an dieser Stelle von seinem eigenen zu unterscheiden.
      Emma blinzelte kurz, bevor sie wieder zu Kaia sah. "Und? Welche Brotsorte hast du raus?"
    • Jonah

      „Klingt nach einer sinnvollen Nutzung von Lebenszeit“, schmunzelte er. Und nach etwas, auf das seine Schwester vollkommen abfahren würde. Natürlich.
      „Ich bin auch Ciabatta“, grinste Kaia letztlich und schob das Handy anschließend Jonah zu. Oh, klasse, er würde heute erfahren, welche Brotsorte er war. Das war es, was in seinem Leben noch gefehlt hatte.
      Jonah akzeptierte sein Schicksal einfach und begann die Testfragen zu beantworten. Nur einmal sah er auf, um sich mit skeptischem Blick umzusehen, ob er der einzige gewesen war, der gehört hatte, dass der stille Typ eine Tasse stehlen wollte. Aber den Blicken der anderen zufolge war das nichts Neues. Naja, solange er sich nicht erwischen ließ.
      „Starwars kann übrigens jeder mögen, aber es würde eher nem Geek entsprechen“, beantwortete Jonah die Frage doch noch, während er über die bizarren Fragen leicht den Kopf schüttelte. Was hatte seine Vorliebe mit Kaffee nochmal mit Brot und Persönlichkeiten zu tun?
      „Oh, Wyatt, bist du ein Starwars Fan?“, fragte Kaia mit einem hörbaren Lächeln und stützte ihren Kopf in eine Hand. „Bist du auch ein Ner- Geek?“ Sie lachte leise, aber vermutlich nicht über sich selbst.
      Jonah hatte eine böse Vorahnung. „Focaccia“, sagte er und schob das Handy wieder über den Tisch. „Und jetzt? Bekomm ich ein Focaccia geschenkt?“ Er nahm sich vom Fließband ein paar der kleinen Teller herunter, die vorbeizogen, und stellte davon zwei auch gleich ungefragt Kaia vor die Nase, die ihren Ellenbogen wieder vom Tisch nahm.
      „Mh, kannst du mir ein paar Frühlingsrollen runternehmen?“, fragte sie. Gut. Essen war noch interessanter, als der Typ da gegenüber.
      Jonah hielt diese naive Verliebtheitsphase nicht wieder aus. Seine Schwester war gut darin, einen in Grund und Boden zu quatschen, wenn sie irgendein neues Thema fand, das sie interessierte, und seit ein oder zwei Jahren waren nicht einmal Amari und Jonah davor sicher, sich irgendwelche uninteressanten Fakten über ihren Crush anzuhören. Wenn sie ihre Freunde nicht sehen konnte, musste sie wohl ihre Familie leiden lassen. Amari war in dem Alter nicht so unfassbar lästig gewesen. Aber Kaia wusste eben, wie man Grenzen sprengte. Egal, in welchem Kontext.
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    • Emma

      Emma nahm sich grinsend eines der kleinen Tellerchen vom Band, während Kaia das offiziell beste Ergebnis beim Brot-Test erreichte. Die Richtung, in die das sonstige Gespräch ging, interessierte sie weitaus weniger. Sie hatte noch nie was mit SiFi anfangen können. Teeny-Dramen und RomComs waren ihre Welt, oder, wenn sie sich mutig fühlte, ab und an mal ein Horrorfilm. Aber auch nur, wenn der Protagonist gut aussah.
      “Oh, bei Wy passt Geek und Nerd”, erklärte sie, während sie versuchte, einigermaßen mit den Stäbchen klar zu kommen. Lucas und sie hatten es sich vor ein paar Monaten mal zum Ziel gesetzt zu lernen, wie man richtig mit Stäbchen aß, bisher war ihr Freund allerdings deutlich besser darin, als sie. “Das will er nur nicht zugeben, weil er das uncool findet und Angst hat, dass wir ihn damit aufziehen, was ich furchtbar unfair finde”, fuhr sie fort, ohne den Blick von ihrem Teller zu heben. “Ich meine, er hat Recht, ich würde ihn damit aufziehen, aber ich finde es unfair, dass er direkt so schlecht von mir denkt.” Erst jetzt hob sie den Blick, um Wyatt, der so aussah, als ob er sie am liebsten erwürgen würde, ein kleines Lächeln zuzuwerfen. Es war witzig, irgendwie - eigentlich kannten sie sich noch gar nicht so lange, drei-vier Monate, höchstens, aber sie hatte fast das Gefühl, mit Wyatt so aufgewachsen zu sein, wie mit Lucas, den sie seit ihrer zweiten Pflegefamilie kannte. Sie schob es auf ihre überdurchschnittlich gute Menschenkenntnis.
      "Das stimmt überhaupt nicht", behauptete Wyatt, während sich seine Wangen ein wenig dunkler färbten. "Ich-"
      "Du musst dich nicht verteidigen. Ist okay", schnitt Emma ihm amüsiert das Wort ab. "Wir hören zu, wir richten und wir haben dich trotzdem noch lieb." Sie formte ein kleines Herzchen mit ihren Fingern, das Wyatt mit einem genervten Seufzen beantwortete.
      "Erstens ist Star Wars mittlerweile vollkommener Mainstream und zweitens bin ich überhaupt kein Fan", stellte er klar, was...wahrscheinlich nicht ganz der Wahrheit entsprach. Emma hatte keinen Plan, warum er immer cooler wirken wollte, als er war. Lucas sammelte Teetassen - sie hatte keine sonderlichen hohen Ansprüche an die Interessen ihrer Freunde.
      "Wo liegst du auf der Geek-Nerd Skala, Kaia?", fragte sie schließlich. "So von Ciabatta zu Ciabatta?"
    • Kaia

      Es stellte sich als immer leichter und leichter heraus, Wyatt aufzuziehen. Oh, sie musste sich das alles merken, damit sie gleichzeitig Jia und ihn nerven konnte.
      „Hmmm“, machte sie nachdenklich. Wo war sie auf der Skala? Sie hatte nicht sehr viele spezielle Interessen, wenn sie so darüber nachdachte. „Wahrscheinlich mehr im Nerd-Bereich, weil meine Noten gut sind? Oh, aber ich mag Videospiele!“ Sie grinste.
      „Sie mag sie nur solange sie gewinnt“, schob Jonah von der Seite ein und Kaia stieß ihn leicht mit dem Ellbogen in den Arm ohne ihr Grinsen fallen zu lassen.
      „Das stimmt nicht, ich schaffe mindestens zwei oder drei Runden, in denen ich verliere, bevor es mich ankotzt“, korrigierte sie.
      „Du bist trotzdem weder Geek noch Nerd“, meinte Jonah. „Nur, weil du schlau bist, heißt das auch nicht, dass du gerne lernst“ Er wandte den Blick an Emma. „Sie telefoniert deutlich lieber, als zu lernen-“ Kaia griff Jonah am Arm, um ihn zum schweigen zu bringen, aber er lehnte sich grinsend von ihr weg und machte es zu ihrer Aufgabe, halb an ihm hochzuklettern, um ihm eine Hand ins Gesicht zu klatschen. „Sie redet und redet und redet und dann kommt sie rüber und bettelt, dass wir Essen bestellen, und dann redet sie uns auch nieder, weil es noch nicht gereicht hat. Und sie ist eine Shopping Queen, oh mein Gott. Andauernd am Einkaufen. Wo hast du eigentlich das Geld her, Kaia? Ahja, von MIR-“ Jonah brach in Lachen aus, als Kaias Hand ihn beinahe im Auge traf und er schob sie endlich von sich weg und hörte auf zu reden. Dazu fehlte ihm sowieso die Luft.
      Kaia starrte ihn etwas beleidigt an, bevor sie sich wieder an ihre neuen Freunde wand. „Lügen. Alles Lügen“, hakte sie das Thema ab. Okay, sie telefonierte gern und sie ging wirklich gerne einkaufen und ja, sie bestellte gerne Essen und womöglich zapfte sie sich immer wieder ordentlich was von Jonahs Gehalt hab, aber nie ohne zu fragen. Von ihren Eltern bekamen sie ja kein Geld für Dinge, die sie ‚unnötig‘ fanden! Außerdem gab Kaia ja etwas zurück. Ihre Geschwisterliebe. Das sollte Jonah verdammt nochmal etwas wert sein. So ungefähr 50 Euro im Monat mindestens.
      Sie hob den Blick von ihren Frühlingsrollen. „Starwars finde ich nicht schlecht. Ist doch egal, ob es Mainstream ist“, erklärte sie ernst.
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