The Hero and the Thief [Nao & Stiftchen]

    • Wyatt


      Wer sein Herz höher schlagen ließ? "Sommerferien", antwortete Wy mit einem Grinsen, während er versuchte, sich irgendwie aus Kaias halber Umarmung zu befreien und dabei auf voller Linie versagte. Zum Glück ließ Kaia von selbst von ihm ab, bevor er sie von der Treppe schubsen musste. Das hätte seine Chancen auf eine friedliche Zusammenarbeit wahrscheinlich erheblich geschmälert.
      "Ich glaube, es liegt eher daran, dass nicht jeder 24/7 über seine Beziehungen reden möchte. Scheint eher so ein You-Problem von dir zu sein", antwortete Wyatt, als Kaia sich darüber beschwerte, dass Jia ihre Leidenschaft für Schauspieler nicht teilte, auch, wenn der Kommentar nicht ganz so bissig über seine Lippen kam, wie er es gewollt hatte. Natürlich hatte Kaia Recht. Jia war wahrscheinlich auf eine vollkommen andere Art mit sich selbst beschäftigt, als alle anderen. Deshalb wollte er sich in ihre Probleme auch gar nicht erst einmischen. Er hatte selbst oft genug damit zu kämpfen gehabt, nicht dazu zu gehören, ob nun wegen seiner Hautfarbe, oder jüngst wegen dem fehlenden Bein. Es war vollkommen albern, woran sich Menschen aufhielten. Vor allem Menschen, die es selbst besser wissen müssten, wie seine Eltern. Was ein Gedanke war, den er immer noch nicht ganz verarbeiten wollte. Seit Milo ihm praktisch bestätigt hatte, dass ihre Eltern homophob gewesen waren, hatte Wyatt keine Ahnung mehr, wie er über sie denken sollte. Irgendwie hatte er das Gefühl, dass er auf einer rationalen Ebene deshalb weniger um sie trauern sollte, aber...sie waren immer noch seine Eltern, die ihn jeden zweiten Freitag einen Film bestimmen ließen, die ihn zu Events und Treffen gefahren und mit ihm über seinen Tag geredet hatten. Es war irgendwie schwierig, beide Versionen von ihnen überein zu bekommen, deshalb versuchte er es gar nicht erst.
      "Ich fänd es trotzdem super, wenn du betonen würdest, dass ich dir nichts von ihrem Geheimnis erzählt habe. Sie hat irgendwie angedroht, mich umzubringen, wenn ich es herumerzähle und es ist mega peinlich, einen Anschlag zu überleben, nur, um dann von einer 14-Jährigen mit Aggressionsproblemen umgebracht zu werden." Zumal er in ihrem Kopf direkt zwei Sachen getan hätte, die sie ihm verboten hatte. Mit Kaia reden und jemandem erzählen, dass sie trans war. Er rechnete ihr zwar nicht viel zu, aber er wollte ihre Grenzen dann doch nicht unbedingt austesten.
      "Es interessiert mich nicht, nebenbei erwähnt. Jia war vorher nervig, nachher nervig und wird immer nervig bleiben. Außerdem-" Er stützte seine Arme auf seine Knie und sah Kaia direkt an, "-sollte man nicht schon im Kindergarten gelernt haben, wie man eine gerade Linie schneidet? Warst du zu dem Zeitpunkt auch betrunken, oder muss ich mir ernste Sorgen um deine Feinmotorik machen?"
    • Kaia

      "Ich sag es ihr nicht, ich hab es ja auch nur erraten, weil ich es weiß", meinte Kaia. Wyatt hatte ja nicht wissen können, dass Kaia auch davon wusste, und sie war auch diejenige, die es eben zur Sprache gebracht hatte. Nicht seine Schuld, also. "Aber ich fände es schon irgendwie ganz lustig, zu sehen, wie Jia auf dich losgeht", schmunzelte sie. Einfach weil sie sich nicht vorstellen konnte, dass Jia mal wirklich wütend war. Aggressionsprobleme würde ihr wohl nur Wyatt zuschreiben.
      "Und wenn man es genau nimmt, wird jeder Tod, den du irgendwann mal stirbst, peinlich sein, wenn er nicht auch einen Anschlag als Grund hatte", merkte sie schulterzuckend an. "Ich meine, von einer 14-Jährigen erschlagen werden, an Altersschwäche sterben, an Krebs sterben... Es müsste schon eine Messerattacke sein, damit es nicht peinlich ist. Nach deiner Logik zumindest" Sie grinste leicht. "Nach einem Anschlag würde man schon davon ausgehen, dass du mehr aushältst, als ein bisschen Krebs" Es war schon ein wenig auffallend, dass Wyatt seine Eltern und den Anschlag so beiläufig erwähnte, als würde er sich selbst beweisen wollen, dass es keine große Sache war. Kaia und er sprachen gerade zum ersten Mal richtig miteinander, und er hatte das Thema jetzt zum zweiten Mal eingebaut. Und es hinterließ irgendwie eine seltsam bedrückende Atmosphäre, selbst wenn er darüber scherzte. Alles, was sie tun konnte, war mitzulachen und zu hoffen, dass er sich nicht demnächst von einer Brücke stürzte.
      "Und es ist was anderes, glatte Haare zu schneiden als ein Blatt Papier. Überraschung. Ich dachte, es ist einfacher, also sei nicht so dumm und mach denselben Fehler. Deine Haare sind fluffig genug, dass man irgendwo ein Loch reinschneiden könnte, ohne dass es auffällt" Sie grinste.
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    • Wyatt

      “Wenn du gleich vorschlägst, an meinen Haaren zu üben, weil man da eh keine Fehler sieht, wirst du dir wünschen, dass dich eine 14 Jährige anfällt.” Wyatt rutschte demonstrativ ein kleines Stück von Kaia weg. Zugegeben, seine Haare waren ziemlich einfach zu stylen, weil…sie sich einfach nicht stylen ließen. Egal, was er machte, die sprangen scheinbar immer in den Ursprungszustand zurück, sobald ein wenig Wind ins Spiel kam. Von daher blieb ihm gar nichts anderes übrig, als nichts zu tun, den Föhn in die Locken zu halten und auf das Beste zu hoffen.
      “Ich hatte eigentlich wenigstens auf einen coolen Tod gehofft. So was heldenhaftes. Verstorben, während man ein Waisenhaus gerettet hat, oder während man mit einem Motorrad über eine Schlucht gesprungen ist, oder so.” Obwohl er für beides eigentlich nicht so der Typ war. Dafür müsste man öfter das Haus verlassen, als er es tatsächlich tat. Es war wahrscheinlicher, dass er irgendwann die Treppe runterfiel und an einem Genickbruch starb.
      Er warf einen kurzen Blick auf sein Handy. Jude müsste gleich irgendwann eintrudeln und dann war es nicht mehr lange, bis Emma und Lucas vorbeikommen würden und er hier raus war. Eigentlich hatten sie sich direkt im Einkaufszentrum treffen wollen, aber da das Jugendzentrum eh auf dem Weg lag, hatten die beiden beschlossen, ihn zwischendurch einzusammeln, damit er nicht alleine laufen musste. Wahrscheinlich würden Emma sie auf dem Hinweg schon wieder zu zutexten, dass er nach Hause wollte, bevor sie überhaupt die ersten Läden erreicht hatten. Er wollte sein Handy gerade wieder wegstecken, als ihm was ganz anderes einfiel.
      “Oh. kannst du mir eigentlich deine Handynummer geben? Es bringt ja nichts, wenn du Jia für mich ärgerst und ich das Ergebnis nicht mitbekomme.” Er tippte kurzerhand auf den Nummernblock und reichte sein Handy an Kaia weiter. Seit dem Anschlag hatte das Display einen langen Riss, aber er hatte es nicht über sich gebracht, ein neues Handy zu holen, obwohl Milo es angeboten hatte. Es war ihm widersinnig vorgekommen, es wegzuwerfen, obwohl es noch funktionierte. Nur, weil es nicht mehr ganz aussah. Psychologen hätten wahrscheinlich ganze Aufsätze über diesen Gedankengang schreiben können, weshalb Wy ihn für sich behalten und einfach behauptet hatte, dass er keine Lust hatte, seine ganzen Fotos und Videos vom alten aufs neue Handy zu überspielen. Milo hatte ihn angesehen, als ob es eine furchtbar schlechte Ausrede wäre, hatte seit dem aber nicht mehr danach gefragt. Wenigstens musste Wy sich jetzt keine Gedanken darum machen, dass jemand anderes das Handy fallen lassen würde, wenn er es aus der Hand gab.
    • Kaia

      „Hm, das ist keine schlechte Idee“, antwortete Kaia scherzhalber und zupfte an einer von Wyatts gekringelten Haarsträhnen, bevor er von ihr wegrutschte. Sie lachte.
      Dann fragte sie: „Und hält dich irgendetwas auf? Dein Bruder ist Arzt, oder? Vielleicht zahlt er deinen Motorradführerschein und erfüllt dir den Traum von einem heldenhaften Tod — oder einem vollkommen bescheuerten, je nachdem wie man es sieht“ Kaia lächelte.
      Insgeheim fragte sie sich, ob es normal war, sich so viele Gedanken über den eigenen Tod zu machen, aber vielleicht war das nach einer Nahtoderfahrung einfach gegebene Sache. Oder sie war selbst einfach zu unbekümmert. Lange leben wollte sie, der Rest war dann eh egal. Aber sie brauchte noch viel restliche Zeit, die sie mit ihrer Familie und ihren Freunden verbringen konnte, und vielleicht mit ihrer zukünftigen eigenen Familie, irgendwann. Und dann am besten einfach mal einschlafen und nicht mehr aufwachen, damit ihr niemand dabei zusehen musste, wie sie langsam in sich zusammenfiel. Als ihre Oma gestorben war, hatte man schon Wochen vorher mitansehen können, wie ihre Haut grau und glanzlos geworden war. Und ihr Gesicht war am Ende völlig eingefallen gewesen… Sie hatte wie ein ganz anderer Mensch ausgesehen. Das wollte Kaia ihrer Familie lieber nicht nochmal antun. Ein Motorradunfall auf der anderen Seite…
      „Aber willst du echt, dass Milo irgendwann deine Überreste in der Leichenhalle identifizieren muss?“, murmelte sie. Die Frage war vielleicht ein wenig heftig, vor allem weil sie nicht wusste, wie das mit Wyatts Eltern abgelaufen war, aber es war doch ein paar Gedanken wert, oder?
      Sie nahm Wyatts Handy entgegen und tippte, ohne es großartig zu hinterfragen, ihre Nummer in sein Handy, das aussah, als hätte es bereits einen Motorradunfall erlebt. Also, dann sollte sie ihn zukünftig updaten, wie genervt Jia gerade aussah, oder was? Sie schmunzelte in sich hinein. Das war ja mal mega die Ausrede. Er hätte auch einfach so nach ihrer Nummer fragen können.
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    • Wyatt

      Wenn er ehrlich war wusste er nicht mal, ob er mit seiner Prothese überhaupt Motorrad fahren durfte. Er hatte sich bisher einfach darauf beschränkt, das Ding so weit es ging zu ignorieren, was besser funktionierte, als er gedacht hatte. Wenn er nicht aktiv darüber nachdachte - und gelegentliche Phantomschmerzen ignorierte - vergaß er zwischenzeitlich komplett, dass ihm ein Bein fehlte. Es waren Momente wie diese, in denen ihm wieder auffiel, dass er demnächst viel mehr googeln musste.
      "Ich hoffe doch, dass er dann meine Leiche identifizieren muss. Wenn er dumm genug ist, mich mit einem Motorrad über einen Abgrund springen zu lassen, soll er auch die Konsequenzen tragen." Er warf Kaia einen kurzen, kritischen Blick zu, gerade so, als ob diese Antwort absolut offensichtlich wäre, während er sein Handy wieder an sich nahm. Wenn er ehrlich mit sich selbst war, wäre Milo am Ende wahrscheinlich einfach erleichtert, wenn Wy morgen tot umfallen würde. Sicher, es würde mehr Arbeit im Erbe-Bereich bedeuten, aber dafür hätte er wahrscheinlich auch mehr Freizeit und Ruhe. Und hey - immerhin hätte er Aaron, um ihn über alles hinweg zu trösten.
      Er schob den Gedanken bewusst von sich und schob das Handy in seine Hosentasche als ihm selbst auffiel, dass er angefangen hatte, mit seinem Daumen über den Riss zu streichen. "Hast du Geschwister?", fragte er schließlich. Er konnte nicht ganz einschätzen, ob Kaia jemand mit einer großen Familie war, oder ob ihre aufgeschlossene Art genau daher kam, dass sie eben nur eine kleine Familie hatte und auf Freunde angewiesen war. Vielleicht hatte sie auch beides - eine große Familie und den vollkommen irren Wunsch, noch mehr Kontakte in ihrem Leben zu haben. Seine eigene Freundesgruppe war immer gerade groß genug gewesen, um eine vernünftige DnD Campagne zu starten. Nach dem Anschlag hatte sich selbige nur vollkommen in Luft aufgelöst und Emma und Lucas hatten nie so gewirkt, als würden sie sich für sowas interessieren. Leider. Einer der größten Verluste seines alten Lebens.
    • Kaia

      „Mhhm, zwei Brüder“, antwortete sie ohne zu zögern. „Und ich würde wahrscheinlich auch zuerst an meinen Heizkörper gefesselt werden, wenn die mich bei so einer Idee erwischen“ Sie stieß belustigt Luft aus. Was aber viel relevanter war, war, dass sie denen auch nicht antun wollen würde, ihren abgetrennten Kopf in einem Gebüsch zu finden. War die Vorstellung zu dramatisch? Jedenfalls wusste sie, dass beide dann irgendwem die Schuld zuschieben würden und die Person müsste sich dann erstmal einen neuen Namen überlegen und auswandern.
      „Sind auch beide älter, als ich. Und meine Mum versucht Jonah auch seit über einem Jahr rauszuwerfen, aber ich bin ganz froh drüber, dass er zu faul zum ausziehen ist, sonst würde es langweilig werden. Er ist 21“, erklärte sie. „Mein anderer Bruder ist 18. Und wir wohnen in einem Haus mit meiner Tante, die hier früher gearbeitet hat, und meiner Cousine, die ist 16. Hey, wie alt bist du eigentlich? Darfst du überhaupt den Führerschein machen?“ Kaia war irgendwie davon ausgegangen, dass er etwas älter sein musste, als sie. Vermutlich wegen der Alkohol-Sache.
      „Wie ist es eigentlich, wenn dein Bruder so viel älter ist, als du? Ich meine, als du ein Kind warst, war er ja keins mehr. Irgendwie langweilig, oder? Jonah ist zwar auch circa 5 Jahre älter als ich, aber weil Amari zwischen uns ist, fällt das fast nicht auf. Er verhält sich außerdem nicht grade wie ein Erwachsener“ Es wäre ziemlich seltsam, wenn Jonah plötzlich nicht mehr zuhause wohnen würde. Schon klar, dass sie nicht ewig alle im selben Haus leben würden, aber je länger, desto besser. Egal wie anstrengend es ab und zu war, dass sie ihr Zimmer mit ihrer Cousine teilen musste und es generell irgendwie immer vollgestopft und keins der beiden Badezimmer jemals frei war. Ja, es trieb einen schon etwas in den Wahnsinn, zu siebt zu wohnen, aber alleine zu wohnen war definitiv schlimmer. Nicht, dass sie Amari oder Jonah tatsächlich sagen würde, dass sie nicht ausziehen sollten. Die würden sich noch in dreißig Jahren darüber ablachen.
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    • Wyatt

      Das klang nach sehr vielen Leuten. Wyatt wollte wirklich nicht mit ihr tauschen, auch wenn Kaia selbst absolut begeistert klang. “Ich werde nächsten Monat 16. Ich wollte aber bis 17 mit dem Führerschein warten, damit ich dann direkt fahren kann.” Wenigstens hatte er hier irgendwie Glück im Unglück - er würde direkt lernen, mit Prothese zu fahren und müsste sich nicht umgewöhnen. Obwohl es wahrscheinlich keine große Umgewöhnung war, oder? Abschätzen konnte er das ja eigentlich nicht so wirklich.
      “Eigentlich sollten zwischen uns noch mehr Geschwister liegen, aber das hat nicht so funktioniert, wie unsere Eltern es sich vorgestellt hatten”, erklärte Wyatt, während er überlegte, wie genau er beschreiben sollte, wie sein Verhältnis zu Milo war. Er kannte es ja nicht anders. “Wir hatten irgendwie nie wirklich viel miteinander zu tun. Er hat wohl ein paar mal auf mich aufgepasst, als ich noch ein Kleinkind war, aber daran erinnere ich mich kaum. Ich war sechs, oder sieben, als er ausgezogen ist und danach hatten wir sowieso kaum Kontakt zueinander.” Anfangs hatte Wyatt ihn wirklich vermisst, aber irgendwann waren seine Freunde einfach interessanter geworden, als sein Bruder.
      “Unsere Eltern waren wohl nicht so begeistert davon, dass er Bi ist, also war er ziemlich selten bei uns und es gab irgendwie wenig, was wir sonst so zusammen gemacht haben. Er hatte keine Lust auf Spielplätze, ich war zu jung für Partys also blieb größtenteils nur Kino übrig und da unterhält man sich eher weniger miteinander.” Bevor Milo seine Vormundschaft übernommen hatte, hatte er ihn über ein halbes Jahr nicht gesehen. Milo war immer schon ziemlich beschäftigt gewesen und Wyatt hatte seine Bemühungen vor Jahren schon aufgegeben. Zumal er nie davon ausgegangen war, dass Milo wegen ihren Eltern auf Distanz gegangen war.
      “Es ist also irgendwie so, als ob dein Babysitter einfach bei dir wohnt, schätze ich.” Es half nicht, dass ihre Interessen so weit auseinander lagen. “Der einzige Vorteil war, dass seine Geburtstagsgeschenke für mich immer super waren. Immerhin hatte er schon einen Job, als ich noch in der Grundschule war.” Er lächelte knapp, während er zu Kaia sah. “Bist du wegen deiner Tante hier, oder weil dir dein eigenes Haus noch zu still ist?”
    • Kaia

      Kaia verzog das Gesicht und demonstrierte richtig, wie furchtbar sie das alles fand. "Urgh, das klingt scheiße", kommentierte sie zuletzt, als Wyatt Milo als seinen Babysitter bezeichnete. "Du tust mir leid. Dann bist du eigentlich wie ein Einzelkind aufgewachsen, obwohl du keins warst, hm?" Sie überlegte. "Und, rest in peace und alles, aber deine Eltern hatten echt Probleme, wenn sie Milo vertrieben haben, nur weil er bisexuell ist. Ich glaube, meine Eltern würden sofort zu Aktivisten werden, wenn einer von uns nicht hetero wäre"
      Sie sah Wyatt an. "Hey, ich kann sie ja mit euch teilen" Sie schmunzelte leicht. "Falls du, naja, noch mehr Babysitter haben willst. Eigentlich ist es aber auch nur so, weil Milo für dich verantwortlich ist, nicht? Wenn Jonah für mich verantwortlich wäre... ew. Ich will garnicht drüber nachdenken, wie verdammt langweilig er werden würde. Mich zwingen, meine Hausaufgaben zu machen, oder sowas"
      Sie bekam fast eine Gänsehaut bei dem Gedanken, wie seltsam es wäre. Im Moment konnte es Jonah völlig egal sein, ob Amari und sie die Schule oder das Studium schafften, wenn im Endeffekt eh ihre Eltern die Aufgabe hatten, sie zu so etwas zu zwingen. Obwohl ihre Eltern auch sehr viel Wert auf Eigenverantwortung legten, zumindest mittlerweile. Jonahs Aufgabe war es eher, sie auf Pizza und Burger einzuladen, weil er als einziger ein Gehalt hatte. Und Kaia nutzte ihn gerne dafür aus, sie von überall abzuholen. Es war gemütlicher, nach dem Kino im Auto zu sitzen statt in einem Bus, und sie konnte immer die Karte ausspielen, dass sie Angst hatte, überfallen zu werden.
      "Oh, und, beides nicht. Meine Tante hat mich manchmal hierher mitgenommen, als ich noch kleiner war. Und dann irgendwann hab ich begonnen, sie von selbst hier zu besuchen, und obwohl sie nicht mehr hier arbeitet, komme ich her, um alle wiederzusehen. Jia, Jude. Emery, manchmal. Und Judes Freundin ist auch ganz cool, aber sie kommt nicht sehr oft mit. Die kommen wahrscheinlich übrigens auch bald, wolltest du nicht irgendwas von Jude? Die Sekte weiter planen, oder so?" Sie grinste.
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    • Wyatt

      “Meine Eltern waren ziemlich religiös. ich denke, es lag daran. Mir ist es ehrlich gesagt nie aufgefallen, bis Milo es mir vor ein paar Tagen erzählt hat.” Er hatte keine Ahnung, warum er das Bedürfnis hatte, seine Eltern zu verteidigen. Vielleicht, weil er sie so ganz anders kennen gelernt hatte, als sie offensichtlich waren. Sexualität war bei ihnen einfach nie Thema gewesen und Wyatt…hatte wahrscheinlich einfach zu wenig hinterfragt.
      Er wollte nicht lächeln, aber bei ihrem Vorschlag, ihre Eltern zu teilen, konnte er irgendwie nicht anders. Es war so eine alberne Vorstellung. “Ich glaube, ich brauche keine zusätzlichen Babysitter mehr. Aaron scheint sich ja auch um den Titel zu reißen.” Er zog seine Beine näher an sich und lehnte mit den Armen auf seine Knie auf. Er wusste selbst nicht mehr ganz, was er wollte. Irgendwie zeitgleich mehr Zeit mit Milo, ohne, dass er sich Sorgen um ihn oder ihr Erbe machten, während er genau so gerne einfach alleine gelassen werden wollte. “Ich hatte mir das Zusammenleben mit Milo anders vorgestellt. Mehr Spaß, weniger Ernst." Sicher wusste er, dass Milo einfach viel zu tun hatte, aber irgendwie war er naiv davon ausgegangen, dass sie eher ein freundschaftliches Verhältnis haben würden, als dass Milo einfach ihre Eltern ersetzen würde. Mehr Eiscreme und weniger Seufzen.
      "Ich wollte wissen, ob seine Eltern gecheckt haben, dass er getrunken hat. Aber Jia meinte schon, dass das nicht wahrscheinlich ist", erklärte Wyatt, als Kaia Jude erwähnte. "Die Sekte plane ich nicht mit ihm. Am Ende will er noch, dass wir den Profit 50/50 teilen, obwohl es meine Idee war. Du hattest die Chance, einzusteigen, aber du wolltest ja nicht." Er zuckte amüsiert mit den Schultern. "Dein Pech."
    • Kaia

      „Keine Chance, dass die Sekte überhaupt etwas wird, wenn du Jude nicht als Messias hinstellst. Und dann macht er die ganze Arbeit, oder? Wäre nur fair, wenn er 70% bekommt“, scherzte Kaia. Aber dann wurde sie schnell wieder ernst, weil sie das Thema nicht wirklich weglachen konnte.
      „Aber du weißt schon, dass Religion keine Ausrede für irgendetwas ist, oder?“, fragte sie leise. „Ich meine, wenn man seine Familie liebt, dann versucht man sie zu verstehen. Ich glaube du musst Milo mal ein bisschen vergeben, dass er selten bei euch war. Und hey, Aaron ist vielleicht ein bisschen nervig, aber eigentlich reicht es, wenn man ihm das einmal sagt, und dann geht er auf Abstand. Du hast nicht echt was gegen ihn, oder?“
      Es wäre wirklich ein wenig seltsam, wenn Wyatt einen persönlichen Hass auf Aaron hatte, nachdem er ihn kaum kannte. Noch dazu auf Aaron. Da musste man sich schon fragen, ob Wyatt allergisch auf Zuneigung war, oder so.
      „Glaubst du echt, er nimmt dir Milo weg?“, fragte sie schmunzelnd und stützte wieder den Kopf in die Hand, mit dem Blick konsequent auf Wyatt gerichtet. „Und was ist, wenn du jemanden datest? Soll Milo euch dann auch Fallen stellen? Ich meine, man kann schon mehr als eine Person gern haben, weißt du? Und auch Zeit für mehr als eine Person haben“ Kaia lehnte sich wiede zurück und stützte sich auf der Treppe ab.
      „Und sieh‘s mal so, jedes Mal wenn Milo ein Date hat, hast du theoretisch das Haus für dich alleine und kannst auch wen einladen. Ein eigenes Date“ Sie grinste. „Mann, ich bin neidisch, ich kann nie jemanden einladen, wenn ich alleine sein will. Ich muss mir sogar mein Zimmer teilen, und selbst wenn meine Cousine nicht da ist, finden meine Brüder es unheimlich lustig, andauernd reinzuplatzen. Es ist echt unmöglich, Besuch zu haben. Aber du! Du musst nur drauf warten, dass Milo etwas vor hat, und du kannst machen, was du willst“
      Gott, je länger sie darüber nachdachte, desto neidischer wurde sie. Sie konnte sich nicht erinnern, ob sie jemals alleine sturmfrei gehabt hatte. Irgendjemand war immer da. Was auch völlig in Ordnung war, außer man wollte echt mal mit jemandem alleine sein. Dann musste Kaia immer auswandern. Mann, wenn sie einen Freund hätte, müsste sie wahrscheinlich auch beten, dass seine Situation wie Wyatts war, ansonsten würden sie wie Romeo und Julia enden.
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    • Wyatt


      "Ich hoffe, dass sein Glück besser funktioniert, als sein Kopf und ihm das gar nicht auffällt", scherzte Wyatt zurück, bevor das Gespräch einen deutlich unschöneren Verlauf nahm. Natürlich wusste er irgendwie, dass er vollkommen irrational handelte. Aber sich damit auseinander zu setzen wäre etwas, was ihn deutlich überfordern würde. Das war genau der Grund gewesen, warum er sich nach den ersten paar Sitzungen geweigert hatte, zum Psychologen zu gehen. Was genau so kontraproduktiv war und so weiter und so weiter.
      "Alleine zuhause zu sein ist nicht so cool, wie es sich anhört", antwortete er knapp. Es war schön, ab und an ungestört zocken zu können, aber am Ende gab es einfach zu viele Geräusche in dem alten Haus, die er vorher immer seinen Eltern zugeschrieben hatte. Jetzt waren seine Eltern weg und die Geräusche noch da, was wie das Set-Up zu einem Horrorfilm klang, aber gar nicht so gemeint war. Es war viel mehr so, dass sein Unterbewusstsein immer noch sofort auf 'Ah, das ist nur Mom, die die Wäsche einsammelt' sprang, wenn irgendwo eine Tür knarzte, bevor er realisierte, dass es nie wieder 'Mom, die die Wäsche einsammelt' sein würde. Die ersten paar Nächte hatte er ohne Kopfhörer nicht schlafen können. Manchmal hatte er das Gefühl gehabt, dass er nur seine Tür öffnen musste, um seinen Dad dabei zu sehen, wie er sich nachts in die Küche stahl. Wenn Milo im Haus war, konnte er wenigstens alle Geräusche auf ihn schieben. Vollkommen davon abgesehen, dass Milo ihm sowieso nicht zutraute, alleine zuhause zu bleiben, ohne was in Brand zu setzen.
      "Sollen wir schauen, ob Jude mittlerweile da ist?", fragte er, sich vollkommen im klaren darüber, wie offensichtlich der Themenwechsel war. Aber er hatte keine Lust sich mit jemanden, den er nur so kurz kannte wie Kaia, über seine Psyche zu unterhalten.
    • Kaia

      „Okay“, sagte sie, nahm ihre Tasse wieder in die Hand und stand von der kalten Treppe auf, bevor sie ihre Pölster einsammelte. Sie würde lügen, wenn sie sagen würde, dass ihr das Gespräch nicht selbst gerade etwas zu tiefgründig wurde, egal wie offensichtlich Wyatts ausweichende Frage war. Er hatte ja auch seine Freunde, mit denen er über sowas reden konnte, die ihm sicher bessere Ratschläge geben konnten, weil sie ihn eben kannten. Kaia konnte nur zuhören. Und das machte sie verdammt gern, egal ob ihre beste Freundin oder ein Fremder am Straßenrand ihr das Ohr abquatschen wollten. Sie fand es immer schon spannend, was bei anderen so im Leben passierte. Und auch wenn es deprimierend oder schockierend war, hörte sie es sich gerne an, nur war es eben dann zu viel, wenn sie merkte, dass vielleicht mehr als ein oberflächliches „Oh, wow“ oder irgendwelche halbherzigen Tipps oder Witze angebracht waren. Sie konnte ja im Endeffekt auch nichts ändern.
      Aber sie konnte zumindest… „Dann lad eben mich ein, wenn keiner zuhause ist. Ich hab meine Brüder andauernd im Hinterkopf, diese nervige Stimmen. Ich glaube, ich muss irgendwann in die Klapse, wenn das so weitergeht“ Sie lachte und hielt hinter sich die Tür für Wyatt auf. „Aber Achtung, ich fange zu singen an, wenn mir zu langweilig ist“
      Gerade als sie zurück ins Foyer kam, stieß sie wie aufs Stichwort beinahe mit Jude und Nataly zusammen. Jude wirkte irgendwie etwas zappelig und Nataly redete ihm wohl ein, dass er sich mal zusammenreißen sollte. Dann sah Jude Wyatt.
      „Oh“, sagte er. Kaia konnte direkt an seinem Gesichtsausdruck erkennen, was ihm durch den Kopf raste. ‚Oh, fuck, ich hab dir was erzählt, das ich dir nicht erzählen hätte sollen- Und was machst du überhaupt hier?!‘
      Kaia versuchte Jude aus dem Gedankenkarussell zu retten. „Hi! Wir haben grade über Jia gesprochen und darüber, wie sie einem bescheuerterweise echt alles verzeiht“ Kaia lächelte.
      Jude schien nicht wirklich zu wissen, was er sagen sollte, und Nataly nahm ihm das Wort ab. „Okay! Jude wollte eigentlich nur zu Carol und dann gehen wir ins Kino. Darum beeilen wir uns jetzt. Ich glaube nämlich, Carol teilt Jias Gutmütigkeit, hm?“ Die Untertitel waren hier wohl, dass Nataly es vollkommen unnötig fand, dass Jude sich so dermaßen wegen der Ausstellungs-Sache stresste. Und… Kaia fand es auch dämlich. Als würde es irgendwen wirklich interessieren. Er hatte sie eben sitzen lassen, na und? Sie konnten sich alle auch ohne Jude gut selbst beschäftigen, sogar in einem Museum.
      „Äh, ja. Warte kurz. Wir haben keinen Stress, der Film fängt erst in zwei Stunden an“, stoppte Jude seine Freundin. „Wir fahren nur fünfzehn Minuten hin“
      Nataly blinzelte ihn an. „Ja, und? Wir wollten noch was essen, und hab mir ein Buch zurücklegen lassen, also beeil dich. Ich versteh nichtmal, was wir hier machen“, beschwerte sie sich. Kaia bemühte sich, nicht zu lachen.
      „Was- ein Buch? Oh Mann, müssen wir echt durchs halbe Einkaufszentrum laufen? Das Kino ist auf der komplett anderen Seite“
      „Jude, willst du diskutieren oder dich endlich bei Carol entschuldigen??“
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    • Wyatt

      Kaia einladen? Sicher. Damit sie noch mehr tiefgründige Gespräche führen könnten, die Wyatt nicht brauchen konnte. Dass sie zwischendurch singen würde, machte es nicht besser. "Warum drohst du mir? Ich hab dir gar nichts getan", scherzte er, während er ihr wieder zurück ins Gebäude folgte. Das kleine Lächeln auf seinen Lippen wurde ein kleines bisschen breiter, als er Jude sah, der ungefähr genau so schuldbewusst aussah, wie er es sich vorgestellt hatte. Mit ein bisschen Glück würde Jia ihn wenigstens genau so anfauchen, wie Wyatt. Unwahrscheinlich, weil Jude wohl mit allem durchkommen würde und Jia ihn zu lange kannte, aber er konnte ja trotzdem hoffen.
      "Hey", grüßte Wyatt kurz, bevor Kaia die unangenehme Stille dankenswerterweise direkt unterbrach. So unschön ihr Gespräch gerade auch geendet hatte, irgendwie war Wyatt froh, sie angesprochen zu haben. Im Endeffekt war es ihm vollkommen egal, ob sie Jia wirklich in seinem Auftrag nerven würde, oder nicht - auch wenn er hoffte, dass sie es tat - aber es war nett gewesen, zumindest für einen kleinen Moment den Kopf frei zu bekommen. Und wahrscheinlich versuchte Jude gerade genau das selbe. Den Kopf frei bekommen, in dem er sich bei Carol entschuldigte. Wofür auch immer. Ging es immer noch um die Ausstellung? War doch vollkommen egal, wann sie gegangen waren. Dass sie getrunken hatten, hatte ja niemand mitbekommen.
      "Ich wollte gleich auch noch mit Freunden ins Einkaufszentrum. Wir könnten zusammen fahren, wenn du es schaffst, deine Entschuldigung bei Carol innerhalb der nächsten-" Er warf einen kleinen Blick auf sein Handy "-zwanzig Minuten über die Bühne zu bekommen", bot Wyatt an, teilweise, weil es einfach war, Zeit mit Jude zu verbringen, teilweise, weil seine Freundin so genervt aussah, dass es vielleicht ganz gut war, Judes Zeitfenster von zwei Stunden ein wenig zu verkürzen. "Obwohl ich dir eventuell noch empfehlen würde, nochmal bei Jia vorbei zu schauen. Dann müsstest du dich nur noch mehr beeilen."
    • Jude

      „Zwanzig Minuten wird es hoffentlich nicht dauern“, murmelte Nataly und dachte vermutlich, dass ihre Stimme im Hintergrund unterging oder so, aber Jude hatte sie auf jeden Fall gehört. Er ignorierte sie einen Moment. Sicher, er würde sich beeilen, aber er musste eben einmal kurz mit Carol sprechen. Er dachte nicht, dass sie sauer auf ihn wäre, oder so, aber nachdem sie sich extra außerhalb ihres Jobs Zeit für ihn genommen hatte, sollte er sich wenigstens einmal kurz für sein Verschwinden entschuldigen, oder nicht? Zumindest um sein eigenes Gewissen zu bereinigen.
      Allerdings horchte Jude etwas nervös auf, als Wyatt Jia erwähnte. „Oh, okay“, sagte er und hatte schon ein mulmiges Gefühl. So wie es aussah, hatte Wyatt ihr gesagt, dass Jude ihm erzählt hatte, dass sie trans war. Was… naja, vermutlich die richtige Entscheidung gewesen war, aber Jude hatte heute zu viel schlechtes Gewissen als ein einzelner Mensch ertragen konnte. „Okay, ich gehe wohl zuerst zu Jia, also… Nataly, warte bitte auf mich. Ich muss alleine mit ihr reden“, erklärte er seiner Freundin, die etwas gelangweilt nickte. Er überwand sich und drückte ihr schnell einen Kuss auf die Wange, auch wenn er nicht sicher war, womit er ihren Ärger gerade verdiente, aber solange sie schnell ins Einkaufszentrum kamen, würde schon alles wieder gut sein.
      „Willst du zusammen mit denen ins Einkaufszentrum fahren?“, fragte er sicherheitshalber. Er kannte Wyatts Freunde auch nicht, aber Nataly hatte eigentlich nie was dagegen, neue Leute kennenzulernen.
      „Klar“, sagte sie und lächelte leicht, bevor sie Jude etwas zu sich zog und leiser anmerke: „aber wir essen alleine“.
      Jude nickte. Keine Einsprüche. Dann lief er voraus, um Jia zu suchen. Er fand sie in einem der Zimmer an einem Schreibtisch sitzen, über etwas gebeugt, das nach Mathe Hausaufgaben aussah. Jude bekam schon die Krise, wenn er nur darüber nachdachte. Sein Abschluss stand quasi vor der Tür und er zögerte das Lernen bis zuletzt heraus.
      „Hey“, kündigte er sich an und zog einen Sessel zu ihrem Tisch rüber, um sic zu setzen. „Was machst du? Winkel berechnen?“, fragte er und Jia sah zu ihm auf. Dem Blick nach zu urteilen nicht aufgelegt, eine Diskussion über Winkel zu führen.
      „Tut mir echt leid, Jia, es ist mir irgendwie rausgerutscht. Ich kann mich nicht einmal erinnern, in welchem Zusammenhang“, erklärte er, ohne es noch einen Moment herauszuzögern. Heute war sowieso seine Entschuldigungstour.
      Sie senkte ihren Blick wieder aufs Papier. „Schon okay“, murmelte sie.
      Jude verzog das Gesicht leicht. „Es ist nicht okay. Wyatt wird es aber sicher nicht weitererzählen“
      „Du meinst, wenn es ihm nicht rausrutscht?“
      „… ja“ Urgh. „Ich weiß, du willst das hier nicht zu einer großen Sache machen, und Wyatt hat hier auch mit niemandem wirklich was zu tun außer mit mir und… Kaia, wie es aussieht, also-“
      Jias Blick schoss wieder zu ihm hoch und Jude fragte sich, was er falsches gesagt hatte. „Was meinst du, mit Kaia? Dein Ernst? Ich hab ihm gerade erst gesagt, er soll sie in Ruhe lassen. Ich hab keine Lust darauf, dass Kaia schon wieder auf jemanden steht und dann auch noch genau auf Wyatt“ Sie klang verärgerter, als Jude gedacht hätte, aber er musste dennoch schmunzeln. Sie hatte ja echt ein Problem mit Wyatt entwickelt, was? Na, wenigstens nicht mit Jude.
      „Die beiden kennen sich doch eh kaum, ich glaube nicht, dass die was miteinander anfangen“, warf er belustigt ein.
      „Ich weiß nicht, ich seh es schon vor mir. Meinen größten Alptraum“, murmelte Jia düster.
      Jude lachte leise. „Du kannst Wyatt so wenig leiden?“
      „Er ist anstrengend. Ich meine, er hasst Aaron ohne Grund und seine Lebensaufgabe ist es, alle zu nerven. Er nennt mich langweilig, jedes Mal, wenn wir uns sehen. Langweilig!“
      „Du musst zugeben, dass du nicht grade auf Action stehst“, warf Jude ein, bereute es aber gleich wieder. „J-jedenfalls, Wyatt hat auch nur Probleme, wie jeder andere hier. Nimm‘s ihm nicht zu übel, du regst dich nur sinnlos auf. Und wenn er Aaron unbedingt hassen will, hat das auch nichts mit dir zu tun, also… ignorier ihn einfach“ Jude war jedenfalls ganz froh, dass Jia über etwas ganz anderes verärgert war, als er dachte.
      „Ich weiß“, seufzte sie.
      Jude lächelte. „Na dann. Ich kann dir leider nicht bei Mathe helfen, ich geh noch ins Kino“
      „Schon okay, Aaron hilft mir. Er ist sicher gleich zurück. Mann, ich will was von deinem Glück abhaben. Ich hasse dieses Fach, ich verstehs einfach nicht. Und Aaron versteht es auch nicht“ Sie ließ sich entnervt im Sessel zurückfallen.
      „Sorry, aber ich komm auch nicht am lernen vorbei. Guck dir Youtube Videos an, oder so, und hör nicht auf Aaron“ Er stand wieder auf und schob seinen Sessel zurück an den Fleck, an dem er gestanden hatte. Damit fehlte ja nur noch Carol, aber das Gespräch würde sicher sehr unaufwendig verlaufen. Sie hatte wahrscheinlich sowieso gerade zu viel zu tun. Manchmal war es etwas deprimierend, dass Carol nicht nur für ihn da war, auch wenn sie für ihn immer wieder Ausnahmen machte und außerhalb des Jobs zu ihm kam, aber… am Ende des Tages fühlte sie sich einfach nur für jeden verantwortlich, der hier ein und ausging. Der einzige Unterschied zwischen Jude und den anderen war, dass er schon ewig Stammgast war.
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    • Wyatt

      Wyatt sah Jude kurz hinterher, als er verschwand, um Jia zu suchen. Hoffentlich würde er sie nicht noch spontan einladen, auch mit zu kommen. Zwar würden sie nur zusammen zum Einkaufszentrum gehen und sich dort wahrscheinlich sofort aufteilen, aber Wyatt war froh um jede Sekunde, die Jia ihm nicht auf die Nerven gehen würde. Außerdem hoffte er, dass sie Jude ein wenig von seiner Nervosität nehmen würde. Er verstand wirklich nicht, warum das so ein großes Ding für ihn war - sie hatten was getrunken. Und? Jude hatte nichts illegales gemacht. Es war seine Ausstellung gewesen, er konnte gehen, wann er wollte. Wahrscheinlich war Carol eh nur gekommen, um seine Bilder zu sehen und das war relativ schnell getan, nicht? Und dass er sich danach verplappert hatte war halt passiert. Es war nicht so, als ob das irgendwas zwischen Wyatt und Jia ändern würde. Sicher, wie Kaia eben schon erwähnt hatte, hätte es etwas ändern können, aber am Ende war doch alles gut ausgegangen, oder? Wyatt war nicht mehr neugierig, was Jia verbrochen hatte, um zuhause raus zu fliegen und Jia...konnte unverändert weiterleben, schätzte er.
      "Möchtest du auch mitkommen?", fragte er schließlich, als er sich wieder an Kaia wandte. Sie war definitiv etwas zu tiefenpsychologisch aufgestellt, aber vielleicht würde sie sich wenigstens ein bisschen Mühe dabei geben, Jia auf die Nerven zu gehen, wenn sie ihn ein bisschen besser kannte. Außerdem würde Emma dann vielleicht endlich ein neues Opfer haben, um True Crime Podcasts zu diskutieren. "Wir haben nichts bestimmtes vor. Wir wollten uns Milchshakes holen und dann einfach sehen, was man so anstellen kann. Außer du hattest heute schon genug Zeit für dich und musst wieder nach Hause, damit deine Familie dir auf die Nerven gehen kann, natürlich."
    • Kaia

      Sie drehte sich leicht überrascht zu Wyatt, legte dann aber gleich wieder ein Grinsen auf ihre Lippen. „Soll ich? Aber dann kann ich Jia heute garnicht mehr erzählen, wie toll du bist“ Sie zog ihr Handy aus der Jackentasche.
      „Hm, Milchshakes? Wie wärs noch mit was zu essen? Wenn ich meinem Bruder schreibe, ob er mich abholt, kann ich ihn vielleicht noch dazu bringen, uns alle einzuladen. Ich hab Lust auf Sushi“ Sie klickte ihren Chat mit Jonah an.
      Dann sah sie zu Nataly auf. „Oh, falls ihr Sushi essen wolltet, können wir uns ja was anderes überlegen“, meinte sie, weil sie definitiv gehört hatte, was die Blonde vorhin gesagt hatte.
      Nataly lief leicht rot an. „Ich… denke, wir wollten zum Italiener“, murmelte sie, bevor sie sich durchrang und sagte: „Es ist nichts gegen euch, nur… Jude ist immer entweder in der Schule, hier oder mit Emery und wir sehen uns höchstens Mal in den Pausen. Es ist richtig nervig. Ich meine, ich bin selbst die ganze Zeit am Lernen, aber ist es nicht irgendwie wenig, nur alle zwei oder drei Wochen mal alleine auszugehen? Und dann nutzt er die Zeit auch noch, um erst wieder mit irgendjemand anderem zu reden“
      Nataly klang unglaublich frustriert und Kaia warf Wyatt erst einen kleinen Blick zu, bevor sie antwortete: „Das wird sicher wieder besser nach dem Abschluss, oder?“
      „Hm… keine Ahnung“, beendete Nataly das Thema, mit einem Blick in den Augen, der nicht sehr optimistisch wirkte. Eher… ziemlich abgeschlossen mit der Sache. Oh, mann. Naja, so endeten wohl die meisten Beziehungen, was? Aber Kaia würde das nun die ganze Zeit im Hinterkopf haben, wenn sie die beiden sah.
      „Ähh… zumindest geht ihr ins heute ins Kino“, versuchte sie noch aufmunternd zu sagen, aber es gab eh nichts, wobei sie hier helfen könnte. Und gerade musste sie nur daran denken, wie Wyatt gesagt hatte, dass Mädchen doch eh nur die ganze Zeit über Jungs redeten. Und es machte sie ein wenig wütend.
      „Oh, hey, ich glaube, ich weiß, welchen Italiener du meinst! Der ist doch im anderen Gebäude gegenüber, oder? Ich war da mal mit meiner Familie, die machen das Essen ja vor deinen Augen, richtig cool. Aber echt teuer“, änderte sie das Gesprächsthema schnell. „Running Sushi wird auch immer teurer, was?“ Sie lachte leicht, und war kurz erleichtert, als sie Jude wieder um die Ecke biegen sah, aber definitiv auch aus einem neuen Grund ein kleines bisschen beunruhigt. Wusste er überhaupt, dass es Nataly störte, wie wenig Zeit sie zusammen verbrachten? Sollte… Kaia ihm vielleicht mal den Tipp geben?
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    • Wyatt

      Oh. Das klang nicht nach einer besonders zufriedenen Beziehung und dem Blick, den Kaia ihm zuwarf nach zu urteilen, war er nicht der einzige, der so dachte. Er war nur froh, dass sie das Reden übernahm. Sie war eindeutig feinfühliger, als er. Vielleicht war es auch genau das, was ihn von einem Datingleben trennte - die Vorstellung, die ganze Zeit eine andere Person bei Laune zu halten.
      “Uns kann auch was dazwischen kommen und wir nehmen einen Bus später”, schlug er vor, als Kaia bereits bei der Essensmöglichkeit auswich. Weniger, um Judes Beziehung zu retten und mehr, um genervten Blicken und einem möglichen Pärchenstreit zu entgehen. Das konnte und wollte er sich wirklich nicht antun. Aber hey - wenigstens mal etwas, bei dem Jude nicht brillierte. Außer, seine Freundin würde in den nächsten fünf Minuten realisieren, dass Jude all die Frustration wert war und sie nie auf ihn sauer sein könnte.
      “Ich glaube, ich habe noch nie Sushi probiert”, gab Wyatt zu, während er seine Hände in seine Hosentaschen schob. Sie waren immer eher ein italienisch-amerikanischer Haushalt gewesen, wenn es darum ging, Essen zu gehen. Außerdem hatte sein Dad keinen Fisch gemocht und Wyatt selbst war selten mit Freunden essen gegangen.
      Die kleine Unterhaltung nahm ein jähes Ende, als Jude wieder um die Ecke gebogen kam. Er sah nicht so aus, als ob Jia ihn sonderlich aggressiv angegangen wäre, was ein wenig unfair war, aber vielleicht half es wenigstens dabei, dass er seine Nervosität ein wenig verlor. Generell hoffte Wyatt, dass das hier sich nicht in eine Lektion für seinen neugefundenen Freund entwickeln würde. Es wäre zu schade, wenn Jude nun auch langweilig brav werden würde.
      "Und? Mir hat sie mit Mord gedroht. Bist du besser davongekommen, oder stehen wir jetzt beide auf ihrer Hit-List?", scherzte er, als Jude wieder in Höhrweite war.
    • Jude

      „Was soll ich sagen? Sie liebt mich und würde mir nie böse sein“, er zuckte übertrieben mit den Schultern und grinste stolz. Dann wanderte sein Blick für eine Millisekunde zu Nataly und er hing möglichst natürlich an: „Wie eine Schwester“
      Okay, es war unmöglich, das natürlich zu sagen. Aber es war klar, dass Nataly langsam etwas gereizt darauf reagierte, wenn er Zeit mit jemand anderem verbrachte. Nur kümmerte er sich eben gerne ein bisschen um Jia. So lange kannten sie sich auch nicht, aber doch länger, als er mit Nataly zusammen war, und deshalb sollte sie sich einfach damit abfinden. Er würde nicht seine Freunde vernachlässigen, wenn er sowieso schon kaum hier war.
      „Also, ich hab nichtmal zehn Minuten gebraucht… Wo bleiben deine Freunde?“, fragte er Wyatt. Natalys Stress schwappte immer ein wenig auf Jude über.
      „Hey, ihr solltet auch mal zum Running Sushi gehen, ich guck mir grade die Speisekarte an und hab langsam echt hunger“, murmelte Kaia neben ihm in ihr Handy hinein. Er linste über ihre Schulter. Sie las echt das Menü.
      „Geht ihr Sushi essen, oder wie?“
      „Mhm… ich hab Jonah geschrieben, dass er mich später abholen soll, damit ich ihn überreden kann, mitzuessen und zu bezahlen“, erklärte Kaia und brachte Jude zum lachen.
      „Oh, dann sollten wir eigentlich mit euch essen, oder? Wenn er zahlt, dann-“ Wie mit einem sechsten Sinn spürte Jude Natalys Blick auf sich ruhen, wobei ruhen das falsche Wort war… Sie durchlöcherte ihn damit eher. „Aber mir fällt grade ein, dass ich einen Tisch reserviert hab und es wäre richtig unhöflich, so kurzfristig abzusagen“, verbesserte er sich. Schade, auf gratis Sushi hätte er deutlich mehr Lust als auf teure Pasta. Aber er hatte auch Lust, heute Abend nicht wieder single zu sein. Irgendwas sollte er sich heute noch überlegen, um seine Freundin wieder auf seine Seite zu ziehen.
      Er lief die paar Schritte nach vorne, um sich an ihre Seite zu stellen und ihr einen Arm um die Taille zu legen. Das war vielleicht ein Anfang. Wenn er auf süß machte, konnte sie hoffentlich nicht länger genervt von ihm sein.
      Er drückte ihr einen Kuss auf den Haaransatz. „Oh, wir könnten nach dem Film nochmal in dieses Buchgeschäft und dir das dreißigtausendste Buch besorgen, das keinen Platz in deinem Zimmer hat, was sagst du?“, sprach er seine neue Idee sogleich aus.
      Nataly schmunzelte. Schien zu funktionieren.
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    • Wyatt

      "Warst du schon bei Carol, oder drückst du dich gerade?", fragte Wyatt etwas irritiert. Er hatte damit gerechnet, dass Jude sich beeilen würde, so angesäuert, wie Nataly aussah, aber dass er nun doch so schnell aufbruchsbereit war, irritierte ihn dann doch. Er zückte erneut sein eigenes Handy, um Lucas eine kurze Nachricht zu tippen, wo sie gerade waren. Im Zweifelsfall antwortete er immer schneller als Emma, die zwar viel Zeit am Handy verbrachte, aber Nachrichten gerne mal ignorierte, oder 'später beantworten möchte und dann vergaß', wie sie selbst behauptete.
      Kaias Kommentar zur Speisekarte ließ ihn aufhorchen. Er sah zur Seite auf ihr Display, auf dem sie sich tatsächlich gerade durch das Angebot scrollte. Ein paar der Bilder sahen zumindest nicht schlecht aus. Der Ausflug schien damit fest zu stehen. Auch, wenn er es immer noch ein wenig seltsam fand, dass Kaia davon ausging, dass ihr Bruder nichts dagegen haben würde, mit ihren Bekannten abzuhängen und anschließend die Rechnung zu zahlen. Obwohl er sich wahrscheinlich nicht beschweren sollte.
      Das sanfte Summen seines eigenen Handys riss ihn aus der Speisekarte. Lucas hatte mit einem knappen 'Fünf Minuten' geantwortet. Emma hatte derweil einen Link in ihre kleine Chatgruppe gestellt, der wohl wieder zu einem ihrer Persönlichkeitstest führte.

      Emma: 'Sind nur 9 Fragen. Mach das bitte mal und schreib mir, welche Blume du bist. Ich bin eine Kamelie'
      Lucas: 'Tu das nicht. Sie redet gerade über nichts anderes mehr'
      Emma: 'Das klingt nach etwas, was eine Tulpe sagen würde'
      Lucas: 'Vergiss, was ich eben geschrieben habe. Emma kommt in fünf Minuten. Ich steige beim nächsten Stopp aus und gehe zu Fuß.'
      Emma: 'Der nächste Stopp ist unser Stopp.'
      Wyatt: 'Warum schreibt ihr, wenn ihr nebeneinander sitzt?'
      Lucas: 'Reden ist überbewertet'
      Emma: 'Tulpe.'

      Wyatt entschied, dass das der passende Punkt war, um sein Handy wieder in seiner Hosentasche verschwinden zu lassen. Ohne Quiz, versteht sich. "Emma und Lucas sind in fünf Minuten da. Wir könnten uns schon mal austragen und raus gehen, wenn ihr wollt."
    • Jude

      „Ich hab mit ihr geredet“, antwortete Jude knapp. Ja, hatte er, irgendwie jedenfalls. Sie war wirklich gerade damit beschäftigt gewesen, irgendwelche Finanzierungen zu sichern, und Jude hatte sie nicht stören wollen, weil das am Sinn seiner Entschuldigung vorbeiging. Also hatte er sie gefragt, wie sie die Ausstellung gefunden hatte. Und dann hatte er sich entschuldigt, gegangen zu sein, bevor er überhaupt etwas zu den Bildern hatte sagen können, obwohl sie ihm ja die Idee für das Abschlussprojekt gegeben hatte. Naja. Es war kein großer Deal für sie gewesen, wie Jude sich schon irgendwie gedacht hatte, aber er wollte das gerade trotzdem nicht allen mitteilen. Dann kam bestimmt ein ‚Ich hab‘s dir doch gesagt‘. Und das wollte man wirklich nicht hören, wenn man irgendwo in sich drin doch mehr erwartet hatte.
      Jude stimmte Wyatt zu und sie liefen zum Eingang, Nataly und Jude von der Sekunde an Hand in Hand, vermutlich für den Rest des Tages. Sie trugen sich alle von der Liste aus, wobei Jude erst, als Wyatt den Stift in die Hand nahm, auffiel, wie eigenartig er es eigentlich fand.
      „Seit wann interessiert dich überhaupt die Anmeldeliste?“, grinste er. „Streich das, was machst du eigentlich hier? Bist du nur gekommen, um mich bei Jia zu verpetzen?“ Soweit Jude sich erinnerte, hatte Wyatt seinen Hass auf Aaron und das Jugendzentrum zuletzt in Alkohol ertränkt. Jetzt wo Jude so drüber nachdachte, würde es ihn auch interessieren, ob Wyatts Plan funktioniert hatte und Milo und Aaron jetzt einfach aufgaben, zu daten.
      Jude packte Natalys Hand in seine Jackentasche, als sie vor die Tür kamen und auf Wyatts Freunde warteten. Bis der nächste Bus zum Einkaufszentrum kam, hatten sie kein allzu großes Zeitfenster, aber es war schon ziemlich kalt, wenn man nur herumstand und wartete.
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