The Hero and the Thief [Nao & Stiftchen]

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    • Steve

      Thomas' Stöhnen hörte sich unfassbar erotisch an. Steve ließ sich zu ihm hinabziehen und küsste ihn, während er das Tempo langsam anzog. Jedes Aufstöhnen war für ihn eine Bestätigung, ein kleines bisschen weiter zu gehen. Etwas tiefer, etwas schneller. Langsam erreichten sie den Punkt, an dem er selbst aufstöhnen musste und sämtliche Zurückhaltung verlor. Damit hatte er garantiert nicht gerechnet, als er eben die Tür zur Wohnung geöffnet hatte, aber er konnte sich nicht gerade beschweren.
      "Du fühlst dich fantastisch an, Tommy", brabbelte er vollkommen atemlos, bevor er mit seinen Lippen seinen Hals entlang fuhr, dann seinen Unterkiefer, bis hoch zu Thomas' Ohrläppchen. Ihm war immer noch nicht ganz klar, wie er es geschafft hatte, den heißesten Mann der Welt in sein Bett zu bekommen, aber sein Denkvermögen war gerade deutlich zu eingeschränkt, um sich darüber Gedanken zu machen.
      Er fuhr mit seiner freien Hand über Thomas' Brust und spielte mit seinen Brustwarzen, bevor er sie tiefer wandern ließ und Thomas' Hand sanft von seiner Körpermitte weg schob, um selbst Hand anzulegen. Eigentlich hatte er gerade tausende Dinge im Kopf, die er mit Thomas anstellen wollte, aber er wollte ihn nicht direkt überfordern. Sie hatten ihr ganzes Leben lang Zeit.
      "Ich liebe dich", stöhne er in Thomas' Ohr, während er das Tempo erneut ein wenig erhöhte und merkte, dass er es wahrscheinlich nicht mehr lange schaffen würde, überhaupt ein regelmäßiges Tempo beibehalten zu können. Thomas war unglaublich heiß. Das alles fühlte sich viel zu gut an.
    • Thomas

      Das alles war fast schon zu viel. Für ihn hatte sich gerade eine Tür geöffnet, oder so etwas. Abseits davon, dass er sich nicht sicher war, ob er auf diese Art von Sex je wieder verzichten konnte, weil es einfach so… anders war, als alles andere, konnte er sich vermutlich auch nie wieder zwei Meter von Steve entfernen. Wie er sich anfühlte, seinen Körper berührte, ihn überall küsste und ihm ins Ohr stöhnte, dass er ihn liebte, trieb Thomas komplett in den Wahnsinn. Er hatte keine Ahnung mehr, wie laut er selbst war, oder wie tief seine Finger sich abwechselnd in Steves Arme und Rücken krallten. Er war gnadenlos überfordert, auf die bestmögliche Art und Weise. Er konnte noch nicht einmal antworten, weil aus seinem Mund nur noch intuitive Laute kamen und etwas, das er heute zum ersten Mal ausgesprochen hatte, gehörte noch nicht dazu. Aber das würde er später massenweise nachholen.
      Vielleicht hatte er Glück, vielleicht war sein Körper einfach außerordentlich anpassungsfähig, aber die Erfahrung hatte keine Sekunde lang etwas negatives an sich gehabt. Sogar, als er Steve etwa drei Mal hintereinander vorwarnte und kam, weil er es einfach nicht mehr zurückhalten konnte, und Steve weiter in ihn stieß, wollte er nicht, dass irgendetwas hiervon aufhörte. Nur, sobald sein Adrenalinschub ein wenig nachließ, spürte er schnell, dass es auch die Energie tat. Er küsste Steve und ließ ihm kaum Raum zum Atmen, bis er erneut schneller wurde. Thomas Hände strichen sanft über die Hautstellen, in die er sich eben noch hinein gekrallt hatte. Er war immernoch angeturnt. „Ich liebe dich“, antwortete er minutenspäter endlich atemlos.
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    • Steve

      Er hatte Thomas natürlich schon öfter kommen sehen, aber dieser Anblick war trotzdem absolut fantastisch. Steve hatte das Gefühl, sich vollkommen selbst unter Thomas' Fingern zu verlieren, als er weiter in seinen Freund hinein stieß, bis er selbst kam. Ihr Sex war davor nie schlecht gewesen, aber das hier war wahrscheinlich der Beginn eines vollkommen neuen Kapitels in ihrer Beziehung.
      Seine Brust hob und senkte sich, während er versuchte, irgendwie Luft in seine Lungen zu bekommen. Er wartete, bis er nicht mehr das Gefühl hatte, gleich zu ersticken, bevor er sich wieder zu Thomas hinab lehnte und ihn küsste. "Ich liebe dich auch. Mehr, als jeden anderen Menschen auf der Welt." Er lachte atemlos, während er sich vorsichtig neben Thomas auf das Bett legte. Er hob eine Hand, um eine schweißverklebte Strähne aus Thomas' Gesicht zu streichen. "Unabhängig vom Sex, natürlich", fügte er nach einer kleinen Pause hinzu. Das war vielleicht der beste Tag seines Lebens gewesen. Bisher zumindest. Auch, wenn er sich nichts besseres vorstellen konnte, wenn er Thomas so unverschämt heiß neben sich liegen sah.
      Steve drehte sich nochmal zur Seite, um Thomas für die nächsten Küsse an sich zu ziehen. "Ich will dich nicht überfordern", murmelte er gegen Thomas' Lippen, während er über einen Flecken an seinem Hals stich, den er eben wohl dort hinterlassen haben musste. EIgentlich hatte er nie viel für Knutschflecken übrig gehabt, aber Thomas' standen sie unfassbar gut. Er blinzelte kurz, als er realisierte, dass er seinen Satz nicht beendet hatte. "-äh, aber...wir könnten eine zweite Runde probieren? Wenn du willst?" Er würde Thomas definitiv alle Valentinstage planen lassen, die sie zusammen verbringen würden.
    • Thomas

      Thomas ließ eine Weile die Augen geschlossen, sobald Steve sich neben ihn legte. Er musste zu Atem kommen und sein Gehirn mit Sauerstoff versorgen, damit er langsam aber sicher anfangen konnte, das Geschehene zu verarbeiten. Ein Grinsen legte sich auf seine Lippen, als Steve wieder deklarierte, dass er ihn auch unabhängig von Sex mochte, oder liebte. Aber sie mussten wahrscheinlich beide zugeben, dass das hier ein absoluter Bonus war. Auch wenn Thomas nicht damit gerechnet hatte, dass sich ihm eine neue Welt öffnen würde. Er hatte mehr… mit irgendeiner Enttäuschung beim ersten Mal gerechnet, vor allem nachdem er eine Warnung dieser Art bekommen hatte. Aber… offenbar ließen sich Erfahrungen schlecht vergleichen. Oder sein Freund war einfach ein Sexgott? Was wusste er schon. War ja auch egal, solange er ihn sich geangelt hatte. Loslassen würde er ihn keinesfalls mehr.
      Thomas blinzelte und drehte den Kopf zu Steve, als er mit einer seiner typischen Phrasen zu sprechen begann. Oder war‘s das schon? Er wollte ihn nicht überfordern, Punkt? Ah, nein, da war doch mehr. Thomas riss ein wenig die Augen auf. „Jetzt? Heute?“, fragte er unsinnigerweise, was die Frage vielleicht ohnehin schon beantwortete.
      Es war nicht so, als hätte er keine Lust, er war sich nur ganz sicher, dass sein Körper nicht mehr mitmachen würde. Nach dem schier nie endenden Arbeitstag und dem anschließenden mentalen Stress war er ja irgendwie begeistert, dass er gerade noch die Augen offen halten konnte. Seine Gliedmaßen fühlten sich an wie Gummi. Er hatte kaum Energie, um sich zu erklären. „Ich glaube nicht, dass ich das noch hinkriege“, murmelte er. „Ich würde gerne— aber ich glaube, anschließend müsstest du mich in einem Leichensack abtransportieren und du willst sicher noch länger… was von mir haben, oder?“ Thomas lächelte leicht.
      Er stützte sich mühevoll seitlich auf einen Arm und sah auf Steve hinunter. Er strich mit einer Hand über seine Brust. „Meine Hände funktionieren aber noch. Du musst mich nur irgendwie… wach halten…“ Seine letzten Worte wurden bereits von einem Gähnen verschlungen. „Sorry“ Er schmunzelte. Ja, die Mental Load hinter diesem ganzen Tag war echt nicht zu unterschätzen. „Vielleicht morgen?“
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    • Steve

      Steve musste kurz - immer noch atemlos - auflachen. "Das ist vollkommen okay. Ich will dich wirklich nicht in einem Leichensack sehen." Er sah schmunzelnd in Thomas' Richtung und griff nach seiner Hand, um ihre Finger miteinander zu verschränken. "Aber ich hätte dich in deinem Bademantel beerdigt, damit der nochmal richtig zum Einsatz gekommen wäre", fügte er mit der theatralischsten Stimme hinzu, die er gerade zustande bekam. Er fühlte sich fast ein bisschen ekstatisch, zu wach, um liegen zu bleiben, auch, wenn er ein leichtes Ziehen beim Bewegen fühlte.
      "Ich geh noch duschen", merkte er nach einer kurzen Pause an. Eigentlich würde er anbieten, Thomas mit sich zu ziehen, aber so fertig, wie sein Freund aussah, ließ er diese Bemerkung einfach fallen. Nicht, dass er es noch schaffte, im Stehen einzuschlafen und Steve ihn irgendwie ins Bett tragen musste. "Ich versuche, dich nicht aufzuwecken", versprach er stattdessen, während er sich wieder über ihn lehnte und ihm einen Kuss auf die Stirn gab.
      Das Aufstehen führte ihm vor Augen, wie kaputt er selbst war, aber das warme Wasser der zweiten Dusche des Tages half zumindest ein bisschen. Irgendwie kam ihm das alles furchtbar unwirklich vor, so, als wären die letzten Minuten nur ein ferner Fiebertraum gewesen. Etwas, was jemand anderem passiert war und nicht Steve. Wie konnte er so viel Glück im Leben haben? Er war fast erleichtert, als er ins Schlafzimmer zurück kam und Thomas immer noch im Bett lag. Er strich ihm kurz durch die blonden Haare und zog die Bettdecke über ihn, bevor er anfing, die Teelichter zu löschen, die noch brannten. Nach einem kurzen Moment des Zögerns steckte er sogar nochmal seinen Kopf ins Wohnzimmer um sicher zu gehen, dass dort ebenfalls nichts mehr brannte. Thomas hatte Recht - jetzt schon in einem Leichensack zu enden wäre ein furchtbar tragisches Ende für diesen fantastischen Abend.
      Thomas schlief, als er zurück ins Bett kam, was Steve nicht davon abhielt, ihn an sich zu ziehen und ihm einen Kuss hinters Ohr zu drücken. Eine kleine Routine, an die er sich viel zu schnell gewöhnt hatte.
    • Thomas

      „Gut, ich hab ihn ja nicht umsonst gekauft“, stimmte Thomas zu und griff im selben Moment nach dem Bademantel hinter sich, der zur Hälfte auf dem Bett lag, um hineinzuschlüpfen. Wenn er jetzt noch aufstehen müsste, würde er vermutlich einfach umfallen. Auch, wenn er Steve irgendwie begleiten wollte, weil er ihm nicht dabei zusehen wollte, wie er aus dem Raum ging und Thomas verließ. Vielleicht hatte er jetzt ein neues Level an Anhänglichkeit… oder Abhängigkeit erreicht.
      Trotzdem akzeptierte er sein Schicksal recht schnell — Müdigkeit machte das mit einem — und er legte sich wieder hin und schlug den Bademantel zu. Dann realisierte er, dass die Bettdecke irgendwo lag, wo er sie gerade definitiv nicht erreichen konnte. Auch das wurde akzeptiert. Seine Augen schlossen sich bereits von selbst.

      Morgens aus seinem ruhigen, traumlosen Schlaf aufzuwachen, war unheimlich bizarr. Einerseits hatte er das Gefühl, dass nicht von seinen gestrigen Erlebnissen real sein konnte, andererseits konnte er sehr deutlich spüren, wie real sie waren. Thomas schaltete seinen Wecker auf und merkte bereits bei der Bewegung zur Seite, dass etwas nicht ganz stimmte. Muskelkater? Was war das? Irgendwie zog sein Rücken seltsam und Sitzen war auch nicht das angenehmste. Was schlecht war, wenn man einen Job hatte, bei dem man nichts anderes tat als zu Sitzen.
      Er versuchte den dezenten Schmerz zu ignorieren und stand auf, weil er sich heute ein wenig beeilen und duschen musste. Trotzdem warf er einen kleinen Blick auf Steve, gab ihm noch einen schnellen Kuss auf sie Stirn und sagte: „Bleib liegen, ich hab meinen Wecker 15 Minuten früher gestellt“
      15 Minuten mehr, in denen er herausfinden musste, wie schnell sich sein Körper von etwas erholen konnte. Genau genommen waren sie es gestern anfangs sehr langsam angegangen, aber… vielleicht hatten sie sich beide nachher ein bisschen verloren. Thomas war sich sicher gewesen, dass er einfach Glück hatte, dass sein Körper anpassungsfähig war, aber vielleicht war er weniger das, als einfach von Adrenalin betäubt. Das musste er jetzt ausbaden. Aber, das würde ihn definitiv nicht abhalten, das zu wiederholen. Gestern Abend war ein Fiebertraum. Wer hätte gedacht, dass er als Mann mal in diese Position kommen würde? Das war irgendwie… deutlich besser, als alles was er bisher erlebt hatte. Eigentlich wollte er garnicht mehr tauschen.

      Nach der Dusche ging es Thomas ein wenig besser, auch wenn er sich immernoch vorstellen konnte, dass der Arbeitstag ein wenig unangenehm werden würde. Aber bis zum Wochenende würde er wieder so fit sein, dass sie es jeden Tag— Moment, war am Wochenende irgendetwas geplant?
      Er drehte sich im Vorraum herum, einen Schuh an- einen ausgezogen, und warf einen Blick in den Kalender, der da mehr als Dekoration hing, um die Tage ausfindig zu machen. Ah… in zwei Tagen war schon der 17. Februar. Am Samstag hatten sie das Treffen im Pub mit seinen Cousins geplant, das bereits einmal verschoben wurde. Gut, war ja nicht so, als könnten sie es nicht noch ein paar Mal verschieben…
      „Steve, hast du Lust auf den Pub am Samstag?“, fragte er mal so in den Raum hinein. Falls nicht, dann war es auch nicht unbedingt problematisch, wenn sie erst in einem Jahr dazu kamen, sich zu treffen.
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    • Steve

      Eigentlich hatte Steve nie große Probleme damit gehabt, aufzustehen. Sicher, er sprang nicht beim ersten Wecker vollkommen wach aus dem Bett, aber nach einer fünf- bis zehnminütigen Gewöhnungsphase war er durchaus ansprechbar und in der Lage, sich auf den Tag vorzubereiten. Heute war das irgendwie nicht der Fall.
      Am liebsten hätte er Thomas direkt wieder zurück ins Bett gezogen, als selbiger ihm irgendwas mit "15 Minuten" ins Ohr nuschelte und ins Bad ging. Es war warm unter der Decke, sie hatten gestern einen unglaublich guten Abend gehabt und es war eine absolute Frechheit, dass sie nach alle dem heute normal arbeiten mussten. Aber leider halfen Beschwerden bei sowas absolut nicht. Steve wartete darauf, dass Thomas im Bad fertig war, bevor er sich selbst aufraffte und fertig machte.
      Er war noch dabei, sein Hemd zuzuknöpfen, als er Thomas aus dem Flur heraus rufen hörte. Er antwortete mit einem kleinen "Mhm?", bevor er aus dem Schlafzimmer kam und an Thomas vorbei auf den Kalender sah. Dass sie überhaupt einen Kalender besaßen lag nur daran, dass Steve selbigen mal von einer Cousine geschenkt bekommen hatte, die wohl sonst nicht gewusst hatte, was man jemandem schenken sollte, der im Grunde nur zuhause saß und zockte. Eigentlich stand in dem Ding nie was anderes drin, als gelegentliche Geburtstagserinnerungen - obwohl er die meisten in seinem Handy gespeichert hatte - und hin und wieder mal ein Vermerk, wann Thomas und/oder Steve Urlaub hatten. Und sie hatten sich einen Termin am Samstag notiert. Super.
      "Oh." Steve sah ziemlich unenthusiastisch auf den Termin in Thomas' Handschrift. "Naja, 'Lust' kann man jetzt nicht unbedingt sagen, aber ich glaube nicht, dass wir ihn ewig vor uns herschieben können." Zumal der Termin schon einmal verschoben worden war. Es lag nicht an Thomas' Familie, im Gegenteil, seine Cousins und sein Bruder waren ziemlich nett gewesen, sondern vielmehr daran, dass Pubs meistens nicht Steves Fall waren und sie das Haus verlassen mussten.
      Steve schüttelte kurz den Kopf. "Ach. Das wird bestimmt gut." Er wusste selbst nicht ganz, ob er Thomas, oder sich selbst motivieren wollte.
    • Thomas

      Also, damit hatten sie das wohl geklärt. Auch wenn es nicht ideal war, zu einem Treffen mit dem Hintergedanken zu gehen, es einfach hinter sich bringen zu wollen. Es würde bestimmt lustig werden, für etwa eine Stunde. Und dann würde Thomas nachhause wollen, Steve vielleicht auch, aber man konnte nicht nach einer Stunde einen Pub verlassen. Thomas war sich auch garnicht sicher, zu wievielt sie dorthin gehen würden, und wie auffällig es wäre, einfach zu verschwinden. Und er war sich relativ sicher, beziehungsweise wusste er, dass mindestens James und vermutlich Leo keine Grenzen bei solchen Abenden hatten. Obwohl die Chance bestand, dass Leos Zwillinge ihn ausgepowert hatten. Und Aaron hatte nicht so gewirkt, als wäre er besonders erpicht darauf, sich einen Freund oder eine Freundin in einer Bar zu suchen, während sein Bruder und seine Cousins ihm Gesellschaft leisteten. Er wäre also entweder auf ihrer Seite und würde früh gehen wollen, oder… er war Aaron und verstörend gut gelaunt, ohne Absichten jemals nachhause zu gehen. Hoffentlich nicht letzteres, sonst konnten sie auch noch eine Home Party auf Sonntag einplanen.
      Thomas seufzte. „Okay. Aber wir brauchen irgendein Code Wort und… eine Reihe Ausreden, falls wir gehen wollen. Irgendwas mit deinen Eltern vielleicht“, schlug er etwas unmotiviert vor. Ohne Plan würden sie definitiv nicht ins Gefecht gehen.

      Der Arbeitstag war genauso unbequem, wie er vorhergesehen hatte, und langsam zweifelte er daran, ob es das alles wert gewesen war. Aber… wenn er dann wirklich darüber nachdachte, wusste er, dass er es jederzeit wieder riskieren würde. Bestimmte wurde das mit der Zeit besser, oder?
      Am Freitag spürte er von den leichten Schmerzen jedenfalls garnichts mehr. Vielleicht sollte er mal anfragen, ob Home Office hin und wieder im Rahmen des Möglichen war. Aber… vermutlich nicht. Seine Chefin wäre nicht sehr erfreut, wenn sie wüsste, dass er vertrauliche Informationen und Akten mit nachhause nahm. Was er… auch schon ein oder zweimal getan hatte.

      Samstag kam deutlich zu schnell und nachdem Thomas am Freitag bei der Arbeit vollkommen ausgebeutet worden war, er Überstunden machen musste und sein Start ins Wochenende mit einem sehr langen Nap begonnen hatte, waren Steve und er noch nicht in der Lage gewesen, den Fiebertraum zu wiederholen. Und… Thomas war langsam unglaublich genervt von seinem Leben. Auch am Samstag musste er sich zurückhalten, weil er im Pub ja vielleicht noch in der Lage sein sollte, zu gehen. Am liebsten würde er sofort kündigen und zu einem Hikikomori werden. Aber nur, wenn Steve mitmachte.
      Thomas zog sich einen grünen Hoodie und Jeans an, in der Hoffnung zumindest körperlich komfortabel genug zu sein, um geistig länger durchzuhalten. Sie waren gegen 20 Uhr verabredet, was in seinen Augen schon unnötig spät war. In ein paar Minuten sollten sie losfahren und Thomas vermisste jetzt schon seinen PC und die Couch und das Bett. Die drei Orte, zwischen denen er heute gependelt war.
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    • Steve

      Seine Wohnung war nicht abgebrannt und er hatte einen wundervollen Freund, mit einer Beziehung, die sich stetig weiterentwickelte. Was wollte Steve mehr?
      Okay, vielleicht einen Job, bei dem er nicht ständig das Bedürfnis verspürte, aus dem Fenster zu springen, aber das hatte er ja eigentlich selbst in der Hand. Leider fehlte ihm nur der letzte kleine Stoß, um zu kündigen und sich etwas zu suchen, was ihn nicht verzweifeln lassen würde und so sortierte er weiter Mails und beschäftigte sich nebenbei mit der Ablage zu abgeschlossenen Missionen, die ernüchternd schnell durch war. Sie hatten es geschafft, letztes Jahr relativ viel abzuarbeiten. Leider gab es allerdings trotzdem noch einen ziemlich großen Stapel mit alten Fällen - meist vermisste Steine, oder Hinweise auf neue - um die sich niemand kümmern wollte. Geschäftsreisen zum quatschen mit Kollegen aus anderen Zweigstellen waren halt deutlich beliebter, als richtige Dedektivarbeit. Steve konnte es niemandem verübeln. Er selbst wäre auch lieber auf einer aktiven Mission, als Archive durchzublättern.
      Der einzige Vorteil an dem trockenen Job war, dass er so zumindest nicht vollkommen ausgepowert ins Wochenende startete, anders, als es bei Thomas der Fall zu sein schien. Steve warf ihm ein kleines Lächeln zu, als er an ihm vorbei ging und stoppte kurz, um ihm einen Kuss auf die Wange zu geben. "Das wird schon. Wenn einer von uns gehen will, gehen wir", versicherte er nochmals. Er selbst hatte sich in den letzten Tagen zumindest ein kleines bisschen damit anfreunden können, heute Abend auszugehen. Es war nicht schön, aber wenigstens auch nichts, was sie regelmäßig taten. Er warf einen letzten prüfenden Blick in den Spiegel, zog sein Hemd zurecht und schob Thomas anschließend vor sich her in den Flur. Es half ja sowieso nichts.

      Sie nahmen die öffentlichen Verkehrsmittel. Steve hatte zwar nicht vorgehabt, heute zu trinken, allerdings wollte er auch nicht riskieren, dass Thomas angetrunken vom Motorrad fiel. Vielleicht sollte er wirklich mal über ein Auto nachdenken, jetzt, wo sie zu zweit waren. Es würde definitiv beim Einkaufen helfen. Aber darüber konnten sie sich später gemeinsam den Kopf zerbrechen.
      "Okay, wenn du gehen willst, klingelst du einfach kurz mein Handy an. Ich denke mir dann irgendwas aus, was meine Eltern ganz dringend brauchen und wir hauen ab", ging Steve den Plan nochmal durch, als sie die letzte Haltestelle erreichten. Es sprach wahrscheinlich nicht gerade für sie, dass sie eine Verabredung mit einem Fluchtplan begannen, oder?
    • Thomas

      Thomas segnete den Plan mit einem festen Nicken ab, dann stiegen sie aus dem Bus. Thomas wusste, dass Leo wohl einen Tisch reserviert hatte, aber er war überrascht, als sie den Pub betraten, und er die Gruppe sofort in einer Ecke erkannte, weil das Lachen von Leos Freundin bis zur Eingangstür schallte. Es war recht dunkel, vermutlich aus atmosphärischen Gründen, dafür standen auf den Tischen überall Kerzen. Der Pub war verhältnismäßig groß und anhand der anderen Gruppen und Pärchen, und irgendwie der Musikauswahl, ließ sich schnell erkennen, dass hier ein queerer Hotspot war.
      Außer Aaron schienen an ihrem Tisch alle da zu sein; und doch mehr Leute, als Thomas erwartet hatte. Sein Bruder hatte ebenfalls seine Freundin mitgenommen. Dann hatten sie also nicht gescherzt, als sie meinten, sie würden alle mit Partner kommen und Aaron hier direkt ein Date suchen. An seiner Stelle würde Thomas ja irgendeine Ausrede erfinden und nicht kommen.
      Er nahm Steve an der Hand und ging mit ihm zu dem großen Tisch rüber, wo sofort alle aufstanden und sie gemischt mit Umarmungen und Händedruck begrüßten, und anschließend zusammenrückten, um auf der Eckbank Platz zum Sitzen zu schaffen. Der Tisch war mit einer hohen Rückenlehne angenehm abgegrenzt von dem nächsten Tisch und auch wenn es nicht sehr geräumig wirkte, sah die Ecke ganz gemütlich aus. Thomas hing seine Jacke an einen Kleiderständer, bevor er sich zu den anderen setzte. Rhea, James College-Freundin, stellte sich bei Steve vor, bevor Leo sie beide schon niederzureden begann.
      "Aaron meinte, er kommt eine halbe Stunde später, wegen irgendeinem Notfall auf der Arbeit, oder so", erklärte der Blonde, sichtlich leicht frustriert. Vielleicht kam Aaron öfter Mal etwas dazwischen.
      "Er arbeitet am Samstag?", fragte Thomas interessiert. Viel wusste er über den Job seines Cousins tatsächlich nicht, sie sahen sich ja auch nicht sonderlich oft. Aber Thomas wusste, dass Aaron ewig lange im Büro eines Jugendzentrums angestellt war. "Macht er mittlerweile etwas andere?", hing er an.
      "Seit er mit dem Sozialarbeit Studium begonnen hat, haben Sie ihn als Betreuer angestellt und jetzt arbeitet er Samstags auch. Generell sind seine Arbeitszeiten total unübersichtlich, aber zumindest hat er manchmal Abends Zeit um auf Claire und Sophie aufzupassen", erklärte Leo nüchtern. Dafür kassierte er von seiner Freundin neben ihm einen sanften Schlag auf den Arm.
      "Schätz deinen Bruder mal mehr wert. Denkst du, er existiert nur, um auf deine Kinder aufzupassen?" Vanessa schüttelte den Kopf. Dann wandte sie sich an Thomas. "Meine Mutter ist übrigens heute Babysitterin. Gott sei Dank, ich hab dich ewig nicht gesehen! Bei der Hochzeit auch nur ganz kurz. Ihr seid früh gegangen, oder?" Sie lächelte Steve an.
      "Oh, ja, ich musste noch was erledigen", antwortete Thomas und bekam sofort leichte Schuldgefühle, dass sie heute vielleicht auch nicht allzu lange bleiben würden. Alle schienen sich immer deutlich mehr darüber zu freuen, ihn zu sehen, als andersherum... Vielleicht war er wirklich zu assozial geworden.
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    • Steve

      Notfallplan stand, also rein ins Gefecht.
      Steve atmete nochmal tief durch, bevor er Thomas in den Pub hinein folgte und ein wenig angenehm überrascht war. Es war nicht so voll oder so laut, wie er gefürchtet hatte. Immer noch voll und laut, aber halt nicht so extrem, dass es unangenehm war. Vielleicht würden sie es doch ein bisschen länger aushalten, als sie gedacht hätten. Oder auch nicht. Die Couch, ihr Fernseher oder ihr Bett waren dann doch sehr gute Argumente, die dafür sprachen, so schnell zu gehen, wie sie konnten, ohne übermäßig unhöflich zu sein.
      Zum Glück schien ihre kleine Gruppe auch schon ohne sie gut unterhalten zu sein. Steve ließ die chaotischen Begrüßungen über sich ergehen und hoffte darauf, heute keinen Namen zu vertauschen, während er neben Thomas auf die Eckbank rutschte. Wenigstens war Thomas offenbar nicht der Einzige, der sich die letzten Tage über abgehetzt hatte. Aaron schien ähnlich beschäftigt zu sein. Steve war ein wenig beeindruckt darüber, dass er überhaupt noch kommen wollte. Als einziger Single der Gruppe nach der Arbeit noch in einen Pub zu fahren wäre für ihn der reinste Albtraum gewesen. Am liebsten hätte er einfach irgendjemanden mitgenommen, damit Aaron nicht ganz so alleine war - allerdings hatte er momentan wirklich keinen Bekannten, der single war und auch nur annäherungsweise in diese Gruppe reinpassen würde.
      "Aber es war eine wirklich schöne Hochzeit", merkte Steve nochmal an, als Thomas ihre frühe Abreise erklärte. Wahrscheinlich sollten sie heute in den sauren Apfel beißen und länger bleiben, bevor es zu offensichtlich wurde, dass sie immer früher gehen würden. Nicht, dass Thomas' Familie noch Mitleid mit ihnen bekommen würde, weil sie das Haus nie verließen. Wie hatte Thomas das eigentlich mit Leona gemacht? Nein. Auch darüber wollte Steve nicht nachdenken.
      "Und wahrscheinlich wird man hier seltener von anderen Familienmitgliedern aus der Unterhaltung gerissen", fügte er hinzu, während sein Blick zur Bar wanderte. "Ich würde mir was zu trinken holen. Kann ich jemandem was mitbringen?"
    • Thomas

      "Urgh, fangen wir garnicht von denen an. Ich hab bei der Hochzeit wirklich hinterfragt, ob ich Teil dieser Familie werden will", raunte Vanessa, während sie anfing, ihre dichten braunen Haare in eine Spange zu knüllen. "Nichts gegen dich, Schatz", hing sie ein wenig lieblos in Leos Richtung an, und schien zu vergessen, dass James und Thomas auch zur besagten Familie gehörten. Sie ließ ihre Arme wieder auf den Tisch sinken.
      Thomas dann warf Steve bei seiner Frage einen leicht panischen 'Verlass-mich-nicht' Blick zu. "Äh... einen Gin Tonic vielleicht", meinte er, und hatte sich damit kurzerhand gegen seinen Plan entschieden, auf Alkohol zu verzichten.
      Vanessa hing sich an. "Oh, mir auch? Danke" Sie lächelte, dann sprach sie weiter: "Ihr tut mir ja leid. Mich nervt Leos Mutter schon seit ich schwanger war damit, dass wir zuerst hätten heiraten sollen, als wäre das alles irgendwie Teil meines geheimen Plans gewesen, Leos DNA in mich reinzubekommen und Gott zu hintergehen. Ich meine, what the fuck? Diese ganze christliche Scheinheiligkeit... Wie hat Christine eigentlich reagiert, als du Steve plötzlich dabei hattest?"
      Okay. Da hatte sich wohl was angestaut. Thomas schmunzelte. Er mochte Vanessa, sie sagte immer direkt, was sie dachte, also musste sich nie einer fragen, was in ihrem Kopf vorging. Auch wenn es manchmal ein bisschen viel wurde.
      "Sie hat kaum reagiert. Es irgendwie einfach akzeptiert", antwortete Thomas, überlegte nochmal, aber konnte wirklich nichts hinzufügen. Im Gegensatz zu seiner eigenen Mutter war sie wie ein Engel.
      "Oh, dafür hat sie später ein, zwei dämliche Sachen gesagt. Nichts bösartiges, aber wieder dieses typische... ihre Nase in fremde Angelegenheiten stecken", meinte Leo. Super, das mit dem Engel nahm Thomas direkt wieder zurück. Allerdings hatten seine eigenen Geschwister auch massenweise unangebrachte Fragen gestellt. Aber zumindest in sein Gesicht. Und er konnte darauf vertrauen, dass James nur ihn mit so etwas nerven würde, und nicht etwa seinen Freund oder sonst jemanden.
      "Hmm, gut zu wissen", murmelte Thomas.
      "Mehr als Mum kann ja sowieso kein Mensch übertreiben", fügte James hinzu und nahm einen Schluck von seinem Bier. Rhea, James Freundin, eine überraschend stille, kleine Frau, streckte interessiert den Kopf hervor und fragte Thomas: "Hat sie schlecht auf dein Outing reagiert? Mary kommt mir immer so überschwänglich liebevoll vor, wenn ich sie kurz treffe"
      "Oh, das ist sie. Und ein Control Freak. Und Christin", antwortete Thomas mit einem sarkastischen Lächeln auf den Lippen. Hatte James sich noch nie über ihre Eltern beschwert oder war Rhea einfach übermotiviert, sich ihre eigene Meinung zu bilden? Naja, zu Außenstehenden waren seine Eltern ja immer sehr nett, Leona hatte sie auch nicht ohne Grund geliebt.
      "Babe, ich sag dir jedes Mal, dass sie nur so tut. Wenn ihr irgendwas nicht passt, wird sie zu Godzilla" Danke, James. Nett ausgedrückt.
      "Hab ich mir den falschen Kerl ausgesucht?", fragte Vanessa stutzig. "Ich will auch, dass Christine überschwänglich liebevoll zu mir ist! Nicht nur zu meinen Kindern" Sie setzte einen übertriebenen Schmollblick auf und Leo legte lachend einen Arm um sie. "Sie mag dich. Und noch mehr wird sie dich mögen, wenn wir heiraten. Sorry", beschwichtigte er sie, aber der Satz half wahrscheinlich nicht.
      Sie schienen alle völlig bekloppte Eltern zu haben, zumindest war Thomas nicht allein damit. Vielleicht sollte er sich einfach ein bisschen mehr an Steves Familie anhängen...
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    • Steve

      Steve nickte kurz und warf Thomas einen abschließenden, 'Jeder Mann für sich selbst' Blick zu, bevor er wieder aufstand und die Theke ansteuerte. Eigentlich würde er seinen Freund nicht einfach so sitzen lassen, aber es war seine Familie und mit der würde Thomas schon zurechtkommen. Steve schob sich an den anderen Barbesuchern vorbei, bis er die angenehm kurze Schlange der Leute erreichte, die alle auf ein Getränk warteten. Die Stimmung schien insgesamt relativ gelöst zu sein, die Leute um ihn herum unterhielten sich und scherzten miteinander. So wie es aussah, schienen vereinzelt Pärchen den Valentinstag nachzuholen. Steve musste grinsen, als er beobachtete, wie eine, vielleicht etwas angetrunkene, Frau ihrer Freundin das kleine Deko-Schirmchen aus ihrem Drink in die Haare steckte.
      Der Barkeeper lächelte ihm fröhlich entgegen, als er endlich die Theke erreichte und fragte ihn, was er wollte. Steve gab die kurze Bestellung - zwei Gin Tonic und eine Cola - durch und realisierte zu spät, dass er überhaupt nicht gefragt hatte, was Aaron für gewöhnlich trank. Nicht nur würde er gleich alleine ankommen, er musste sich wohl auch direkt einen eigenen Drink holen. Vielleicht hatte er Glück und jemand anderes trank zwischenzeitlich aus und ging Nachschub besorgen.
      Wahrscheinlich hätte Steve es sowieso nicht geschafft, noch ein Glas zu tragen. Er klammerte sich an die drei Gläser, die der Barkeeper ihm über den Tresen hinweg zuschob und konzentrierte sich darauf, nichts fallen zu lassen oder zu verschütten, während er sich seinen Weg zurück suchte. Er war unfassbar erleichtert, als er den Tisch erreichte und die Gläser an Thomas und Vanessa weiterreichen konnte. "Hab ich schon was verpasst?", fragte er, während er wieder neben Thomas auf die Bank rutschte und unter dem Tisch kurz nach der Hand seines Freundes griff.
    • Thomas

      „Nur, dass du schnell weglaufen solltest. Unsere Familie raubt einem nach dem anderen den Lebenswillen“, antwortete James nüchtern auf Steves Frage. Thomas nahm sein Glas entgegen und hielt dankbar die Hand seines Freunds fest, vielleicht etwas zu fest, nach James Aussage.
      „Solange sie sich nicht zusammenreißen, komme ich auch nicht mehr nachhause“, stellte Thomas klar. Das hatte er bereits beschlossen, bisher aber noch nicht ausgesprochen.
      James blinzelte ihn von der Seite an. „Ach echt? Du hast vor zwei Monaten noch zuhause gewohnt und bist jetzt schon entschlossen, nie wieder zurückzukommen?“
      „Ich sagte nicht ‚nie wieder‘. Nur solange bis Mum sich bei uns beiden entschuldigt hat“, korrigierte er. Und sie musste sich ganz schön ins Zeug legen, wenn sie sich bei Steve entschuldigte, weil es für ihn bestimmt auch verdammt unangenehm gewesen war, vor der halben Familie so behandelt zu werden.
      „Na, viel Glück. Hat sie sich jemals für irgendetwas entschuldigt?“, fragte James.
      Rhea schien sich ein bisschen daran zu stören, wie ihr Freund mit Thomas sprach. „Das muss nichts heißen. Es ist was anderes, wenn das eigene Kind einen nicht mehr sehen will“
      Thomas nickte. Er hoffte zumindest, dass es so war. Aber er war recht zuversichtlich, nachdem sein Vater mit ihm gesprochen hatte. Thomas wandte sich an Steve. „Ich muss einfach öfter mitkommen, wenn du deine Eltern besuchst“, schmunzelte er.
      „Sind deine Eltern nett, Steve?“, fragte Vanessa interessiert. „Ich meine, meine Mutter ist Latina und sie war schon immer super offen. Anscheinend sind Menschen, die wissen wie es ist, diskriminiert zu werden, einfach offener. Aber ich verstehe nicht, wie sich eure Mütter dann so aufführen können. Sind weiße Frauen weniger von Sexismus betroffen, oder was?“ Straight to the point.
      Thomas blinzelte kurz. Er war es nicht gewohnt, politische Gespräche mit irgendjemandem aus seiner Familie zu führen. Das war verbotenes Territorium. „Steves Eltern sind super, ich war dort nach Weihnachten zum Essen eingeladen und hab mich gefühlt, als würden sie mich auf der Stelle adoptieren wollen“, erwiderte er und stupste Steve leicht an. „Also mir würde es nichts ausmachen, zukünftig alle Feiertage dort zu verbringen“, lachte er.
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    • Steve

      Oh, die Familie schien das aktuelle Thema geblieben zu sein. Thomas' Eltern hatten nicht den besten Eindruck auf Steve hinterlassen, aber nachdem sie sich nur ein einziges mal gesehen hatten, hatte er nicht das Gefühl, sich eine großartige Meinung bilden zu dürfen. Obwohl sie bei den restlichen Anwesenden wohl auch nicht sonderlich gut weg kamen. Sein Freund eingeschlossen. Es war wirklich süß, dass Thomas so felsenfest auf seiner Seite stand und offenbar hatte Vanessa ebenfalls ihren eigenen Kopf, was alles andere als schlecht war.
      Daher war Steve umso glücklicher, als Thomas seine Eltern lobend erwähnte. Er hatte sich wirklich zu viele Gedanken darüber gemacht, dass sie vielleicht etwas zu viel waren für jemanden, der eher introvertiert unterwegs war. Vor allem seine Mom konnte gerne mal etwas zu aufgedreht sein.
      "Meine Eltern sind so supportive, dass es fast ein wenig anstrengend ist", antwortete er mit einem kleinen Lächeln. "Ich hab mich irgendwie versehentlich geoutet, als ich zehn war, also hatten sie genug Zeit, sich auf alles einzustellen. Ich glaube, sie haben meine restliche Familie irgendwie direkt mit sensibilisiert." Er zuckte leicht mit den Schultern. Er hatte über die Jahre natürlich den ein oder anderen schrägen Blick von Tanten, Onkeln oder Cousins und Cousinen bekommen, aber Sexualität war bei ihnen in der Familie nie wirklich Thema gewesen. Vielleicht hatte ihm in die Karten gespielt, dass sie sich selten sahen und dann andere Themen im Vordergrund standen.
      "Also ja. Kann sein, dass sie dich adoptieren wollen, damit du in der Familie bleibst und ich nicht alleine sterben muss." Er lachte kurz, während er mit seiner Schulter leicht gegen Thomas' Schulter stieß. "Vielleicht brauchen eure Eltern auch einfach noch etwas Zeit und etwas mehr...Grund, sich mit der ganzen LGBTQ+ Thematik auseinander zu setzen." Immerhin war es nur so lange leicht, wegzugucken, bis der eigene Sohn mit einem Freund nach Hause kam. Obwohl Aarons Mutter wahrscheinlich weitaus mehr Zeit gehabt hatte, als Thomas', um sich mit dieser Idee anzufreunden.
    • Thomas

      „Adoptieren müssen sie ihn nicht, heiraten tut‘s auch“, grinste Leo. „Macht das ganze auch weniger seltsam, sonst müsstet ihr erklären, dass ihr eure Familie datet“ Er lachte.
      „Das findest auch nur du witzig“, verarschte Vanessa ihn und trank einen Schluck von ihrem Gin Tonic. „Ich glaube, deine Mutter würde auch lieber sterben als mich zu adoptieren“
      „Das- das stimmt nicht, sie würde dich sofort adoptieren“
      „Leo, trink weniger. Du schnallst jetzt schon nicht mehr, wenn ich mich über dich lustig mache“ Vanessa schüttelte den Kopf, lächelte dann aber amüsiert und küsste ihren Freund auf die Wange. „Kinder rauben einem nicht nur Zeit und Energie, sondern auch die Toleranz für Alkohol“, erklärte sie in die Runde und kassierte ein Lachen. Aber eigentlich kannte Thomas Leo so. Er war in der Hinsicht James sehr ähnlich. Ständig am Witze reißen aber kaum Sinn für Humor.
      „Ich finde, sie sollten einfach akzeptieren, dass nicht jeder hetero ist. Ist doch völlig egal. Groß mit der Thematik auseinandersetzen muss man sich auch nicht, um einfach Empathie zu besitzen“ Thomas war immernoch manchmal verwirrt davon, dass sein Bruder plötzlich ein erwachsener Mensch war, vor allem wenn er solche Sachen sagte. Hatte er nicht vorgestern noch das ganze Klopapier geklaut, um ihn zu pranken?
      Thomas nickte. „Ich weiß auch nicht, wieso man jemanden nach der Info plötzlich mit anderen Augen sieht“ Er hatte sich klarerweise immer nur als Außenstehender mit der Sache befassen können, wenn Unikollegen oder Arbeitskollegen queer gewesen waren, aber da wäre ihm nie in den Sinn gekommen, darüber so ernst und verurteilend nachzudenken. Und jetzt verstand er es noch weniger. Für seine Familie hatte sich schließlich nichts geändert, seit er mit Steve zusammen war. Bei ihm gewohnt hatte er vorher auch schon und bei seinem spärlichen Liebesleben hätte es auch niemanden mehr gewundert, wenn er seinen besten Freund zu jeder Familienfeier mitschleppte.
      „Apropos ‚Grund, sich damit zu befassen‘, da kommt Aaron“, kam es plötzlich von Vanessa und beinahe simultan drehten sich alle Köpfe auf Thomas Seite des Tisches. Er sah nur einen blonden Kopf, der sich auf sie zubewegte, und dann tauchte Aaron schon vor der gigantischen Rückenlehne auf, mit einem riesigen Grinsen im Gesicht. Hatte er nicht gerade Überstunden an einem Samstag hinter sich gebracht? Thomas musterte ihn, während er überschwänglich Vanessa begrüßte, und dann seine Familie, und sich bei Rhea vorstellte, bevor er zu Steve kam. Er sah irgendwie aus, als wäre er aus einem Modemagazin heraus gesprungen.
      „Steve! Ohh, freut mich, dass du mitgekommen bist“, begrüßte Aaron den Dunkelhaarigen strahlen und zog ihn in eine halbe Umarmung, bevor er ihn motivierte, noch etwas weiter an Thomas zu rücken, um einen Sitzplatz für ihn zu schaffen. Aaron lehnte sich vor und grinste Thomas an. „Bring deinen heißen Freund ab jetzt überall hin mit, ja?“
      Thomas fiel der Mund kurz auf. „Hey, such dir selbst einen. Wir haben gerade darüber geredet, dass seine Eltern mich adoptieren wollen“
      Aaron zog eine Augenbraue hoch. „Adoptieren?“
      „Du bist zu spät dazugestoßen“, klärte Vanessa ihn auf.
      „Deutlich zu spät! Was war denn bitte dieser Notfall?!“, regte Leo sich auf.
      Aaron zog sich in gemächlichem Tempo seinen Wintermantel aus. „Hmm es war ein Outfit Notfall. Ich hab ein paar Mädels beim Einkaufen begleitet — ein angefragter Ausflug — und dann ist eine der Kleinen drauf gekommen, dass sie keinen Pyjama für die Pyjamaparty ihrer Freundin hat. Und man kann nicht ohne Pyjama zu einer Pyjamaparty gehen, das ist wohl klar. Also musste sie noch einen Pyjama kaufen und ich lasse sie nicht Samstag Abend alleine im Dunkeln nachhause laufen“
      „Sag noch einmal Pyjama“, drohte Leo ihm. Aaron lachte freudestrahlend. Die beiden sahen sich relativ ähnlich, aber das war‘s auch mit den Gemeinsamkeiten.
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    • Steve

      "Ich sehe, Adoption ist ein heikles Thema", scherzte Steve, bevor das Gespräch sich wieder in eine etwas ernstere Richtung entwickelte, was irgendwie furchtbar bizarr war. Er hatte noch nie mit Freunden oder Familie zusammengesessen und darüber diskutiert, dass man Menschen so akzeptieren sollte, wie sie waren. Abgesehen von vereinzelten Videos auf YouTube, oder neuerdings TikTok, hatte er relativ selten Diskussionen über queere Themen miterlebt. Was wahrscheinlich ausschließlich daran lag, dass er zu wenige Freunde hatte, um zu diskutieren und er seine eigene Sexualität nie angesprochen hatte. Vielleicht hätte er es tun sollen. Vielleicht wäre er dann deutlich früher mit Thomas zusammengekommen. Obwohl das jetzt auch nichts mehr ändern würde.
      Im Vergleich dazu schien Aaron sich absolut wohl in seiner Haut zu fühlen, als er endlich auftauchte. Er sah aus, als ob er direkt aus einer Modezeitschrift gefallen wäre und begann sofort zu flirten, während er seine Überstunden mit einer Selbstverständlichkeit erklärte, die Steve fast ein bisschen beeindruckte. Er musste kurz auflachen, als er näher an Thomas heranrutschte, um Platz für Aaron zu machen. Bei der Gelegenheit ließ er Thomas' Hand los und legte seinen Arm stattdessen um die Hüften seines Freundes. Wenigstens mussten sie sich bei Aarons offensichtlichem Modebewusstsein keine Gedanken darum machen, ob die Pyjama-Party der Mädchen erfolgreich werden würde. Wenigstens klang es nach unterhaltsamen Überstunden.
      "Ich wusste leider nicht, was du trinkst, sonst hätte ich dir eben was mitgebracht", erklärte er Aaron, während er kurz auf die Getränke auf dem Tisch vor ihnen deutete. "Außer du triffst jetzt an der Theke auf die Liebe deines Lebens, dann war es natürlich vollkommen beabsichtigt, dass wir dir nichts mitgebracht haben." Er grinste Aaron kurz entgegen. Das war immerhin irgendwie das Ziel des Abend gewesen, nicht? Sonst hätte sich die kleine Gruppe wahrscheinlich nicht für eine queere Bar entschieden.
    • Aaron

      Es war süß, dass Leo sich immernoch über seine mangelnde Anwesenheit beschwerte, als wäre der einzige Grund, weshalb er existierte, sich um seinen kleinen Bruder zu kümmern. Süß und lästig. Und seine Töchter nahmen die Aufmüpfigkeit auch langsam an! Hoffentlich konnte Ness das alles stoppen, bevor sie mit drei Leos zusammenleben musste.
      Aaron quetschte seinen dicken Mantel hinter sich, bevor er sah, dass es tatsächlich einen Kleiderständer gab. Aber offensichtlich würde er nicht lange sitzen bleiben. „Schon okay, so ist es besser. Ich wette, Leo hätte dir gesagt, dass ich am liebsten Root Beer trinke, oder sowas“, lachte er. Thomas hatte sich einen richtigen Gentleman geangelt, hm. Wer hätte gedacht, dass sein kleiner, schüchterner, und eigentlich sehr heterosexueller Cousin ihm in dieser Hinsicht Konkurrenz machen würde?
      „Aber lassen wir das ganze Gerede davon, mir ein Date zu finden. Ihr jinxed mein Leben nur und dann bin ich für immer alleine“, sagte er und winkte ab. Generell war er von der Idee für diese Zusammenkunft nicht unbedingt begeistert gewesen. Er würde sich schon selbst darum kümmern, jemanden kennenzulernen, wenn er denn so weit war und wieder mehr Zeit für sich selbst hatte. Aber Leo hatte scheinbar alle sofort überzeugt und… was war das hier eigentlich für ein Ort? Hatte sein Bruder nach queeren Bars gegoogelt? Naja, zumindest war die Atmosphäre hier sowieso bestimmt besser, als in einem regulären Pub.
      „Sei nicht so undankbar, wir sind alle wegen dir hier“, gab Leo zurück und Aaron hätte ihm am liebsten eine geknallt. Er wurde ein wenig rot. Das spürte er ganz genau. Eine nervige Angewohnheit, wenn ihm etwas unangenehm war.
      „Dann brauchst du neue Hobbies. Beschäftigen deine Kinder dich zu wenig? Ist dir so langweilig? Dann sollte ich vielleicht mal seltener babysitten, hm?“, neckte er ihn mit einem breiten Lächeln, um sein Kommentar zu überspielen. Aber wirklich, konnte er sich mal um seine eigenen Angelegenheiten kümmern? Das klang so, als wäre Aaron ein hoffnungsloser Fall, der sich nicht um sich selbst kümmern konnte. Das konnte er sehr wohl, er hatte nur eben einiges um die Ohren. Es gab keinen denkbar schlechteren Zeitpunkt, um jemanden kennenzulernen. Auch, wenn er natürlich gerne mal wieder mit jemand anderem als seinen Nichten vor dem Fernseher einschlafen würde…
      „Aaron, ich liebe dich, ich brauche dich, lass mich nicht im Stich“, sagte Ness in einem derart ernsten Tonfall und mit einem Blick, in dem tausend Drohungen lagen, sodass Aaron nur lachen konnte. Gut, es war nicht so, als würden die beiden ihn bloß ausnutzen. Er verbrachte gern Zeit mit den Kleinen, sie waren verdammt süß, und jedes Mal, wenn er einen Abend in der Wohnung seines Bruders verbrachte, um den beiden eine Auszeit zu gönnen, dann bekam er irgendeine Kleinigkeit geschenkt. Manchmal bestellte er auf ihre Kosten etwas zu essen, oder er bekam eine Flasche Wein oder, wenn der unkreative Part ihrer Beziehung — Leo — beauftragt wurde, dann eben einen 20er.
      „Ich mache nur Spaß, ich könnte mich nie von meinen Lieblingsnichten trennen“, sagte er, dann stand er vorsichtig auf, um seinen Mantel nicht von der Bank zu schmeißen. Er suchte nach dem Etikett und machte sich daran, ihn aufzuhängen. „Ich hole mir mal was zu trinken“, kündigte er an.
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    • Milo

      "Hör auf, ständig auf dein Handy zu schauen. Dein Bruder wird den einen Abend auch alleine klar kommen."
      Milo seufzte, während er sein Handy mit dem Display nach unten auf den Tisch zwischen ihm, Lottie und Charlie, der ihm immer noch genervt entgegen sah, legte. Das war immer schon das größe Problem seines Kollegens gewesen. Charles war ein fantastischer Freund, aber ein viel zu sorgenfreier Mensch. Außerdem kannte er Wyatt nur von seiner besten Seite und konnte sich wahrscheinlich nicht vorstellen, dass das kleine Sorgenkind mittlerweile nur zum Spaß ein Haus in Brand setzen würde. Zugegeben, bis vor ein paar Monaten hatte Milo das auch nicht gedacht und jetzt musste er jeden Morgen froh sein, wenn sein Bruder noch im Bett lag und nicht über Nach aus dem Fenster gesprungen war, um bei irgendeinem seiner seltsamen Freunde zu hängen.
      "Das ist dein Abend, Milo. Keine Sorgen, keine Ängste, einfach nur Trinken." Charlie deutete kurz auf das fast leere Glas, das vor Milo stand und das eigentlich für den ganzen Abend hatte reichen sollen. Milo hatte nicht vorgehabt, sich zu betrinken. Sein Plan war es gewesen, sich von seinen Kollegen in einen Pub zerren zu lassen, damit die beiden sich endlich keine Sorgen mehr darüber machten, dass er zu viel arbeitete und dann möglichst schnell nach Hause zu kommen.
      "Ich habe das Gefühl, dass es nur 'mein' Abend ist, weil du einen Vorwand gebraucht hast, um feiern zu gehen", antwortete Milo, während er den Zwang unterdrückte, erneut nach seinem Handy zu greifen.
      "Wenn ich feiern gehen wollen würde, dann sicher nicht hier", schoss Charlie zurück. "Außerdem bin ich zu alt zum feiern. Wenn ich mich heute betrinke, musst du die Praxis am Montag alleine leiten."
      Milo verdrehte die Augen. "Ich bitte dich, du bist erst Mitte 30."
      "Man kann seine Knie durch die Tür hindurch knacken hören, wenn er aufsteht", kommentierte Lottie leise, während sie mit ihrem Bierdeckel spielte. "Und er macht diese Altherren-Geräusche, wenn er sich hinsetzt", fügte sie nach einer kurzen Pause hinzu.
      "Das mach ich nicht", verteidigte sich Charlie prompt, auch, wenn man ihm vom Gesicht ablesen konnte, dass er sich selbst nicht sicher war.
      Lottie schenkte ihm ein kleines, mitleidvolles Lächeln. Milo musste die Lippen aufeinander pressen, um nicht zu lachen. Lottie war noch nicht lange im Team, schien sich allerdings mit jedem Tag ein bisschen mehr einzuleben. Milo war sich eigentlich nicht ganz sicher, warum sie hier war. Entweder hatte sie sich als 'die Neue' nicht getraut, eine Einladung abzulehnen, oder sie war mittlerweile so sehr in Charlie verknallt, dass sie jede Möglichkeit ergriff, um mehr Zeit mit ihm zu verbringen. Eigentlich war es Milo auch vollkommen egal.
      Milo seufzte, bevor er sein Handy doch wieder umdrehte und kurz auf das Display tippte um zu sehen, ob er eine neue Nachricht bekommen hatte. Nichts, außer einen enttäuschten Ton seitens Charles. "Komm schon, Milo."
      "Ich kann nichts dafür", verteidigte sich Milo schwach, bevor er den Rest seines Drinks leerte. Es war ein Wunder gewesen, dass er überhaupt jemanden gefunden hatte, der auf Wyatt aufpassen konnte.
      "Du machst dir zu viele Sorgen. So kommst du nie runter. Wir wollen doch nur-"
      "Ich geh mir noch einen Drink holen", fiel Milo Charlie ins Wort. "Will noch jemand was?" Er sah von einem besorgten Gesicht ins nächste und deutete beide als 'nein'. "Ich bin sofort wieder da." Er lächelte knapp, bevor er aufstand und die Theke ansteuerte. Mit ein bisschen Glück war so viel los, dass er weiteren Unterhaltungen aus dem Weg gehen und den Abend sofort beenden konnte, wenn er wieder zurück zu seinen Kollegen kommen würde.
    • Aaron

      „Bringst du mir einen Cider mit?“, kam es von Leo, als Aaron sich bereits umdrehte.
      Er drehte ungläubig den Kopf herum. „Wieso gehst du nicht statt mir?“, fragte Aaron.
      „Weil… ich…“
      „Vergiss es, bin gleich wieder da“, unterbrach er ihn mit einem breiten Lächeln und unterdrückte seine dezente Mordlust. Wann hatte er sich nur so von seinem Babybruder kleinkriegen lassen…
      Aaron steuerte auf die Bar zu und warf einen Blick auf die große Karte über den Köpfen der Bartender. Er hatte Glück, dass das hier kaum ein echter Pub war. Als der Bartender ihn ansteuerte und freundlich nach seinem Wunsch fragte, öffnete Aaron bereits den Mund, als sein Blick auf einmal ein Stück weiter nach hinten fiel. Die Bar war ein Halbkreis und mehr oder weniger genau gegenüber fiel ihm ein ernstes, aber unglaublich gutaussehendes Gesicht auf. Er starrte kurz, dann schüttelte er es ab und bestellte, leise: „Einen Cosmopoli-“
      „Wie bitte?“
      „Einen Cosmopolitan und einen Cider, bitte“, wiederholte er laut. Gut, dass er sich so schwer ablenken ließ. Nicht.
      Er lehnte sich wieder zurück, nachdem er dem Bartender beinahe ins Ohr geschrien hatte, und warf dem Mann gegenüber erneut einen Blick zu. Hm. Er war nicht hier, um jemanden kennzulernen, egal was seine Familie sich einredete. Aber das hieß nicht, dass man sich Chancen entgehen lassen musste…
      Langsam setzte er einen Schritt an, dann noch einen, bis er sich stetig auf die andere Seite der Bar zubewegte, ungläubig, dass er tatsächlich so wenig Selbstkontrolle zu haben schien. Er hoffte nur, dass der Bartender ihn wiederfand. Er schluckte jegliche Zweifel herunter und versuchte zu ignorieren, dass er seit Jahren niemanden mehr angesprochen hatte und eine Abfuhr ihn wahrscheinlich, definitiv, zum weinen bringen würde, dann lehnte er sich, mit etwas Abstand, neben dem attraktiven Dunkelhäutigen an die Bar. Und jetzt?
      Er lächelte. Sein Blick hing fest an dem Mann. Er lächelte weiter. „Hey, bist du hier, um dir die Sorgen wegzutrinken, oder so?“, fragte er, vermutlich einen ordentlichen Tick zu gut gelaunt, also räusperte er sich leise und schraubte das Lächeln einen Grad herunter. „Nur weil du so… ernst auf dein Handy schaust“ Er blinzelte. Super, Aaron. Man merkte garnicht, dass er noch nie jemanden an einer Bar angeflirtet hatte.
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