The Hero and the Thief [Nao & Stiftchen]

    • Ezra

      "Du wirst überrascht sein, was ich für heute Abend eingeplant habe", antwortete Ezra mit einem vielsagendem Grinsen, während Andrews Hand ihm einen wohligen Schauer über den Rücken jagte. Es war verdammt schwer, sich zurück zu halten und seinem Freund nicht hier und jetzt die Kleidung vom Leib zu reißen. Ein anderer Aspekt ihrer Beziehung, der einfach nicht an Reiz verlieren wollte. Leider würde nur seine Reservierung in einem ganz besonderen Café verfallen, wenn er seiner inneren Stimme nachgeben würde und das wollte er an ihrem ersten Valentinstag nicht zulassen. Also stand er auf, bevor er sich doch zu sehr ablenken lassen konnte und machte sich daran, das Frühstück wegzuspülen, was zum Glück ziemlich unsexy war und ihn direkt auf andere Gedanken brachte.
      "Ja, mittlerweile wäre eine Spülmaschine gar nicht so schlecht. Alleine hat sich das nie gelohnt." Er zuckte kurz mit den Schultern. "Wir können ja beizeiten mal nach einer schauen." Vielleicht würde das auch einen neuen Anreiz schaffen, endlich mehr selbst zu kochen, um das Ding schnell genug voll zu bekommen. Wenigstens musste er durch Andrew keine halbvollen Wäschen mehr laufen lassen, oder sie logistisch mit Ada zusammenlegen. Wenn er nicht eh vollkommen verknallt in seinen Freund wäre, hätte er ihn wahrscheinlich einfach schon aus praktischen Gründen nicht mehr missen wollen.

      Sie waren nicht das einzige Pärchen, das durch den Park lief, aber es war nicht voll genug, als dass man sich gegenseitig in die Quere kommen würde. Ezra hatte sich mit einem Arm bei Andrew untergehakt, während er in seiner freien Hand einen Regenschirm hielt, von dem er hoffte, dass sie ihn nicht brauchen würden. Mit etwas Glück würde der angekündigte Regen irgendwo anders runterkommen und sie würden verschont bleiben. Es war frisch und Ezra war froh, sich entschieden zu haben, die Winterjacke nochmal anzuziehen.
      "Ich hatte bei der Planung auf etwas mehr Sonne und wärmere Temperaturen gehofft", merkte Ezra mit einem Seufzen an. Der Wetterbericht hatte ihm die letzten Tage immer schlechte Laune gemacht. Dafür sorgte der Frühling dafür, dass die ersten Pflanzen um sie herum Knospen bekamen. "Danke, dass du das alles mit mir mit machst." Er stoppte kurz, um Andrew einen Kuss auf die Lippen zu hauchen. "Ich kann mir keinen besseren Freund vorstellen."
    • Andrew

      „Wenn wir ehrlich sind, lohnt es sich auch jetzt nur etwa einmal pro Woche“, murmelte Andrew belustigt. So war das eben, wenn man Essen bestellte und dann höchstens mal eine Gabel abzuwaschen hatte. Sie konnten ja mal in einen Kochkurs investieren, aber… wie sehr lohnte es sich wirklich, extra aufwendig kochen zu lernen, wenn man sowieso nur zu zweit war, die Hälfte der Zeit bei der Arbeit in einer Kantine aß und die andere Hälfte ganz einfach keine Motivation übrig hatte, um noch zu kochen? Zumindest etwas, das nicht gerade Nudeln mit Sugo war. Da ernährten sie sich deutlich gesünder, wenn sie einfach Essen bestellten. Trotzdem würde Andrew die Schuldgefühle vermutlich nie ganz ablegen können. Vor allem, weil er gerne in der Lage wäre, ab und zu mal für Ezra zu kochen, ohne das das höchste Kompliment wie beim Frühstück eben ‚Schmeckt nicht verbrannt!‘ war.
      Die Spülmaschine war abseits davon trotzdem sehr willkommen, immerhin war das dann auch ihr erstes gemeinsam angeschafftes Haushaltsgerät. Andrew klammerte sich wirklich an jede Kleinigkeit, die ihre Beziehung ernster macht. Dabei war er selbst Schuld, dass er ewig dafür brauchte, den Antrag zu planen, zu dem Ezra irgendwie eh schon Ja gesagt hatte.

      Dass bei den Temperaturen überhaupt noch jemand außer ihnen spazieren ging, war überraschend. Andrew war die Kälte und den übermäßigen Regen zwar sowieso gewöhnt, aber er würde Ezra wohl auch an den Nordpol folgen. Trotzdem war es ein bisschen… grenzwertig eisig. Wenn es heute noch regnete, würde der vermutlich in Form von Schnee herunterfallen. Was widerrum garnicht so unwillkommen wäre. Ezra würde wahrscheinlich Freudensprünge machen.
      Der plötzliche ernste Ton ließ Andrew in den Kuss grinsen. „Ich meine, abgesehen davon dass du mir realistisch betrachtet definitiv keine Wahl gelassen hättest, mache ich alles gern mit dir“, antwortete er amüsiert. „Sogar mit gefälschten Papieren reisen und Museen ausrauben“ Er zog Ezra näher zu sich. „Spazieren gehen ist dagegen ein absoluter Segen. Und im Sommer werde ich dich schon ein oder zweimal zwingen, mit mir laufen zu gehen“ Er lächelte und gab ihm einen kleinen Kuss aufs Haar.
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    • Ezra

      Ezra blinzelte kurz. "Natürlich hätte ich dir die Wahl gelassen. Entweder du machst mit, oder ich mache Schluss." Er grinste amüsiert und stahl sich den nächsten Kuss von Andrews Lippen, bevor er ihn weiter mit sich zog. Es fühlte sich unglaublich gut an, nach ihrem holprigen Start sicher genug in ihrer Beziehung zu sein, um solche Witze überhaupt machen zu können. Ezra hatte sich in seinem ganzen Leben noch nie so entspannt gefühlt, wie in den letzten Monaten mit Andrew. Gut, er hatte sich in seinem Leben auch noch nie so panisch gefühlt, wie in den wenigen Wochen vor diesen Monaten, aber das war ja zum Glück schnell vergessen und diente nur noch als Pointe.
      "Naja, falls wir noch mal in die Lage kommen sollten, mit gefälschten Papieren zu reisen und Museen auszurauben, dann machen wir es wenigstens offiziell. Obwohl ich auf das Kidnapping dazwischen verzichten könnte." Ezra führte Andrew bei der nächsten Abzweigung nach links, was - hoffentlich - die ungefähre Richtung des Cafés war. Er würde einfach spontan schauen, ob sie bis dorthin laufen, oder sich zwischendurch ein Taxi rufen würden. "Und ich glaube, Russland muss ich auch ein paar Jahre lang nicht mehr sehen." Er zog ein kurzes, unglückliches Gesicht, als er kurz wieder an Nadia denken musste, bevor das gewohnte Lächeln wieder auf seinen Lippen erschien. "Aber Paris war schön. Also nicht das Museum und die Nahtoderfahrung, aber der Moment vor dem Eiffelturm und die Blumen."
      Fast drei Monate und er kam immer noch nicht über die Blumen hinweg. Irgendwie hatte Andrew es geschafft, ihn in seinem eigenen Spiel zu schlagen, ohne es überhaupt zu bemerken. Wahrscheinlich hätte ihm damals schon bewusst sein sollen, wie wundervoll anders ihre Beziehung von dem sein würde, was er sich immer vorgestellt hatte. Paris hatte zumindest nie auf einer seiner tausend Pläne gestanden. Aber jetzt, wo er darüber nachdachte, sollte er den Ordner vielleicht doch nochmal aus dem Schrank ziehen und die Rubrik für Jahrestage überarbeiten. Wenn Andrew irgendwann mal nicht in der Nähe war. Zum Glück musste man ja nicht alles mit seinem Partner teilen.
    • Andrew

      „Kein Kidnapping, keine Nadia, keine unnötigen illegalen Aktivitäten und Nahtoderfahrungen in diesem Jahr. Es reicht“ Er lachte. Optimistisch. Er war zuversichtlich, dass er damit recht hatte. Wieviel Unglück konnte man in einem Leben schon haben? So ausgeglichen und glücklich wie in den letzten Monaten war er zum ersten Mal und er war ziemlich festgefahren darin, dass das so bleiben sollte. Zumindest würde er alles tun, um sich diesen Frieden irgendwie zu bewahren. Klar, da hatten sie vielleicht die falschen Jobs, weil immer etwas passieren konnte, aber es gab immernoch einen Unterschied zwischen gefährlichen Situationen, in denen man die Kontrolle hatte, und jene, die völlig überrumpelnd kamen und tiefliegende Existenzängste hervorriefen. Solange sie das alles offiziell und mit Backup machten, sollten sie sich keine Sorgen machen müssen. Und von Nadia würden sie sich sowieso fernhalten, so gut es ging, denn sie waren ihr definitiv immernoch ein Dorn im Auge.
      „Wenn es nach mir geht, könnten wir einfach jeden Jahrestag in Paris verbringen, das wäre doch was“, fantasierte er vor sich hin. Es war wirklich unglaublich romantisch gewesen, trotz der ungünstigen Umstände. „Aber ich weiß nicht, ob wir da mit anderen Transportmitteln als dem Flugzeug hinkommen“ Ezras Flugangst schien ihn zwar nie wirklich am Fliegen zu hindern, immerhin sammelte er die Flüge mittlerweile wie Pokemonkarten. Aber Andrew wollte ihn dennoch nicht zwingen, ständig in Panik zu verfallen. Sie würden es dank ihrer Missionen sicher noch oft genug tun müssen, also wäre es wohl besser, Feiertage und Urlaube entspannt im näheren Umfeld zu halten.
      „Feiert man eigentlich auch den Tag, an dem man sich kennengelernt hat? Da müssten wir nämlich garnicht weit fahren, um den Ort zu sehen. Die Frage ist nur, ob uns die Hausbesitzer auch reinlassen“ Er schmunzelte. Und dann fiel ihm plötzlich was auf. „Hey, hier in der Nähe ist sogar das Café, in dem wir unseren Deal abgeschlossen haben. Was ist das heute? Ezra und Andrews Memory-Lane?“ Andrew lachte auf.
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    • Ezra

      "Wir könnten mit dem Schiff nach Frankreich und dann mit dem Auto nach Paris", schlug Ezra etwas unoptimistisch vor. Es würde wahrscheinlich sehr viel länger dauern, als mit einem Flugzeug und einer von ihnen müsste sich mit dem Rechtsverkehr des europäischen Festlands auseinandersetzen, aber vielleicht wäre es einfach ein Abenteuer, oder sowas. Irgendwas aufregendes, aber nicht gefährliches. Zu zweit bestimmt wunderbar machbar. Sonst würde er wohl in den sauren Apfel beißen und sich wieder in einen Flieger setzen müssen. Andrew konnte ja schließlich nicht der einzige sein, der Opfer für Ezras romantische Standards bringen musste.
      Obwohl sie sich da gar nicht so uneinig zu sein schienen. Die Frage, ob sie den Tag feiern sollten, an dem sie sich kennen gelernt hatten, ließ Ezras Herz für eine Sekunde fröhlich höher schlagen - zum einen, weil es wahrscheinlich furchtbar romantisch werden würde, zum anderen, weil Andrew sich offensichtlich noch genausogut an ihr erstes Treffen zu erinnern schien, wie er selbst - bevor der nächste Satz die kurze Euphorie im Keim erstickte.
      "Ähm, wäre es sehr schlimm, wenn das irgendwie Teil des Plans gewesen wäre? So rein hypothetisch? Also nicht das Haus, aber, also, ähm-" Er stockte kurz, während er nach einer geeigneten Formulierung suchte, um Andrew möglichst schonend klar zu machen, dass er genau das Level an romantischem Kitsch geplant hatte, über das er gerade lachte. "Stell dir vor, es läge im Rahmen der Möglichkeiten, dass ich eventuell einen Tisch in dem Café reserviert hätte..."
      Er bemühte sich um ein möglichst unschuldiges Lächeln. Andrew würde so oder so mitkommen müssen. Ezra zu daten war eine aktive Entscheidung gewesen und er hatte genug Informationen über ihn gehabt, um ungefähr einschätzen zu können, worauf er sich einließ. Da musste er durch, und wenn Ezra ihn physisch mit sich zerren musste. Was sowieso nicht der Fall sein würde, wenn er ehrlich war. "...würdest du trotzdem mitkommen, oder müsste ich erst damit drohen, dir sämtliche Hemdärmel zuzunähen, falls du nicht mitkommst?"
    • Andrew

      Andrew verzog kurz verwirrt das Gesicht, bevor Ezra den Satzteil „Nicht das Haus“ anhängte. Wäre auch irgendwie verrückt, wenn sie ihren Valentinstag in einem fremden Haus verbringen würden, Kennenlern-Ort hin oder her. Der andere, ganz ‚hypothetische‘ Plan, den Ezra ihm gerade offenbarte, war auch ein wenig verrückt, aber unglaublich süß. Fast so süß, wie Ezras kleiner Anflug an Scham, dass er sich tatsächlich sowas ausgedacht hatte.
      Andrew verschlug es kurz die Sprache, also blieb er stehen, um Ezra irgendwie von seinem Gebrabbel abzuhalten. „Was redest du da?“, fragte er endlich. Sein Grinsen bekam er endgültig nicht mehr unter Kontrolle. „Das ist perfekt. Ich liebe den Kaffee dort und auch, wenn das letzte Treffen dort nichtmal halb so romantisch war, war es irgendwie ein Meilenstein. Davor hatten wir uns noch nie irgendwo geplant getroffen, oder? Ich bin ein Fan von Ezra und Andrews Memory-Lane, keine Sorge“ Er lehnte sich vor und küsste Ezra sanft. Es hatte sich definitiv noch nie jemand so viel Mühe für ihn gemacht. Ezra hatte nicht nur den ganzen Tag mit Aktivitäten gefüllt, sondern auch mit Sachen, die Andrew mochte, und die ihnen unglaublich kitschige Rückblicke ermöglichten. Was nur unterstrich, dass sie es wohl beide kaum fassen konnten, dass sie es bis hierher geschafft hatten. Sie waren beide glücklich über diese Beziehung. Mehr, als das zu wissen, brauchte Andrew heute eigentlich garnicht. Aber Ezra zeigte es auf seine eigene, süße Art.
      „Gehen wir rein, es ist kalt“, sagte er und überquerte mit Ezra die Straße. Selbst wenn sie das Café damals nicht für ihren Deal genutzt hätten, war es eine super Wahl für heute. Es gab einen der besten schwarzen Kaffees in London, sofern Andrew das beurteilen konnte, Snacks und eine gemütliche Atmosphäre. Wenn Andrew für die Planung zuständig gewesen wäre, hätte er sich vielleicht auch das Café ausgesucht. Auch, wenn seine Planung sich realistisch betrachtet eher auf innerhalb ihres Hauses beschränkt hätte.
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    • Ezra

      Trotz des Wissens, dass Andrew so oder so mitgemacht hätte, erleichterte es Ezra ungemein, als Andrew sogar ziemlich begeistert von der Idee wirkte. Er hatte gar nicht gemerkt, dass er sich angespannt hatte, bis Andrew ihn küsste und er das Gefühl hatte, neben ihm einfach schmelzen zu können. Er hatte wirklich unverschämtes Glück gehabt, dass er in dieser Beziehung gelandet war.
      "Ich hab noch im Ohr, dass es dort deinen Lieblingskaffee gibt und es war irgendwie der nächst greifbare Ort, der irgendwie mit unserer Beziehung zusammenhängt. Ich wollte deine Tolleranzgrenze nicht direkt am ersten Valentinstag testen und dich einfach spontan nach Paris zerren. Das spare ich mir eventuell für eines der nächsten Jahre auf." Erzra lächelte, während er sich wieder bei Andrew unterhakte und seinen Arm drückte. Wenigstens hatte er in dieser Hinsicht eine ziemlich einfache Planung gehabt. Es wäre deutlich schwerer geworden, wenn Andrew ein anderes Lieblingscafé gehabt hätte.

      Die Luft im Café war deutlich wärmer, als die draußen. Es war auch mehr los, als im Park, aber der Tisch, an dem sie gesessen hatten, war noch frei. Ezra steuerte Andrew darauf zu und ließ sich ihm gegenüber auf den Sessel fallen. "Irgendwie schräg darüber nachzudenken, wie weit wir seit der kleinen Zusammenarbeit gekommen sind, oder?", er grinste, während er seine Jacke öffnete und seinen Schal auszog. Die Menschen um sie herum heizten den Raum nur noch mehr auf, während die Gespräche ein angenehmes Hintergrundrauschen formten. Man hatte sich auf den Valentinstag vorbereitet und ein wenig dezente Deko aufgehangen. Eine schmale, rot-rosa Girlande zog sich unter der Decke durch den Raum und auf jedem Tisch stand eine Rose in einer Vase.
      "Ich bin unglaublich froh, dass mein restliches Leben nicht mehr daraus besteht, dir hinterher zu träumen. Ich meine, das tu ich immer noch irgendwie, aber jetzt liegst du dabei wenigstens neben...und auf und unter mir zeitgleich. Wie auch immer du das immer hinbekommst."
    • Andrew

      "Mein Lieblingskaffee, unter denen, die sich käuflich erwerben lassen", stellte er klar, denn auch wenn er sich sehr über die Wahl des Cafés freute, wollte er Ezra nicht in einem Missverständnis zurücklassen. "Der beste ist mit Abstand der aus der kleinen Maschine im 28. Dezernat und irgendwann werde ich dich noch dafür bezahlen, dass du dort einbrichst und mir die nachhause bringst. Das Modell ist nämlich Vintage oder so, jedenfalls gibt es sie nicht mehr zu kaufen, sonst hätte ich das vor Jahren getan" Aber so viel dazu. Der neue Kaffee, den Ezra ihm heute Morgen geschenkt hatte, war auch hervorragend, aber irgendetwas hatte sein alter Arbeitskaffee einfach an sich. Vielleicht war es auch bloß Gewöhnungssache gewesen, immerhin hatte er ihn für knapp neun Jahre tagtäglich mehrmals getrunken. Das Zeug hatte ihn mit alleiniger Kraft am Leben gehalten. Zumindest das war schon einiges wert.

      Andrew zog seinen Wintermantel aus und ließ sich gegenüber von Ezra auf einem der Sessel nieder. Der etwas düstere Retro-Stil der Inneneinrichtung gab ihm immer ein heimeliges Gefühl, bei dem er sich sofort wohl fühlte. Dazu war es warm, es duftete nach irgendetwas Gebäck-artigem und Kaffee und die Liebe seines Lebens saß ihm gegenüber. Nur konnte er sich dieses Mal jederzeit über den Tisch lehnen und ihm einen Kuss aufdrücken. Heute war nur deutlich mehr los, klarerweise. Sie waren ja nicht spät abends hier und das Ambiente bot sich für ein Date irgendwie an. Das fiel ihm jetzt auch erst richtig auf. Vielleicht waren es auch die Rosen?
      Andrew bestellte sich einen schwarzen Kaffee und ein Croissant, einfach um Paris doch noch irgendwie einzubauen.
      "Ich bin froh, dass du damit leben kannst", meinte er ernst. "Ich war eine Weile fest davon überzeugt, dass das irgendwann der Grund sein wird, wieso ich alleine sterbe. Nicht jeder nimmt die Möglichkeit so locker hin, im Schlaf erstickt zu werden" Nachdem Ezra aber unglaublich anhänglich war, so sehr, dass er sogar Andrew damit angesteckt hatte, freute er sich über den übermäßigen Körperkontakt vermutlich noch.
      "War das hier eigentlich die große Überraschung?" Er lächelte. "Oder hast du noch etwas geplant, von dem ich nichts wissen darf?"
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    • Ezra

      "Lieber im Schlaf ersticken, als niemanden zu haben, der einen im Schlaf ersticken könnte", antwortete Ezra mit einem Grinsen und einem Schulterzucken, nachdem er sich einen Tee und ein Stück Kuchen bestellt hatte. Wenn Andrew eh damit drohte, ihn zum Joggen zu bekommen, musste er sich wohl auch keine Gedanken um Kalorien machen. Das war eine wundervolle Ausrede. Wahrscheinlich würde er sie die nächsten Wochen über etwas öfter nutzen.
      "Die größte Überraschung", stimmte er auf Andrews Nachfrage hin zu. "Ich hatte überlegt, das Autokino aus unserem ersten richtigen Date auch noch einzubauen, aber das hat vom Timing her nicht gepasst. Ich hab heute abend allerdings noch einen Tisch in einem französischen Restaurant reserviert. Wenigstens müssen wir uns heute nicht schlecht dabei vorkommen, außerhalb zu essen." Vielleicht wäre ein gemeinsamer Kochkurs auch eine nette Idee für einen der nächsten Valentinstage. Ezra musste nur überlegen, ob er ihn vor oder nach dem Einbruch im Dezernat und Diebstahl der Kaffeemaschine einbauen sollte. Andrew hatte zwar nur gescherzt - und Ezra dachte natürlich nicht ernsthaft darüber nach, eine Kaffeemaschine zu klauen - aber es wäre verdammt einfach. Er hatte mit Thomas sogar einen Kontakt nach innen. Wenn Thomas mitmachen würde, könnte er wahrscheinlich jederzeit einfach reinmarschieren und so tun, als ob er die Kaffeemaschine einfach reparieren sollte, oder so. Oh Gott, wahrscheinlich sollte er nicht zu lange darüber nachdenken. Ein guter Plan wäre gerade wahrscheinlich der erste Schritt ins Chaos.
      "Ich hatte noch ein paar andere Ideen", erklärte Ezra weiter, um sich selbst von der Diebstahlplanung abzulenken, "aber ich wollte den ersten Valentinstag irgendwie einfach halten. Ich wollte nicht direkt übertreiben und ich musste was finden, was uns auf jeden Fall beiden gefallen würde." Er lächelte Andrew zu, lehnte sich auf dem Tisch nach vorne und griff nach seiner Hand. "Es war verdammt schwer, die Klappe zu halten und ich hoffe, es ist dir bewusst, dass ich dich nie wieder überraschen werde."
    • Andrew

      „Und du denkst, dass wir nach dem ganzen Essen nicht einfach nachhause rollen müssen?“, fragte er amüsiert. Der letzte Plan des Tages hatte für Andrew eigentlich einen recht hohen Stellenwert. Aber Essen war auch gut. Das eine schloss das andere zwar nicht aus, aber französisches Essen könnte ihn provozieren, die ganze Restaurantküche aufzuessen und dann lag es sehr im Rahmen der Möglichkeiten, dass er einschlief, sobald sein Körper mit einer Matratze in Berührung kam. „Ich freue mich drauf“, schloss er seinen Gedanken ab. Auch wenn er sich heute Abend vielleicht auf ein oder zwei Gerichte beschränken musste.
      „Weißt du, ich hab nie so viel Wert auf Essen gelegt, aber seit ich meinen alten Job verloren habe, habe ich so viel Zeit, um darüber nachzudenken“ Und das war vermutlich ein universelles Problem und der Hauptgrund, wieso Menschen plötzlich zunahmen. Aber er genoss es, nicht mehr von schnellen Kohlenhydraten zu leben, sondern sich Zeit fürs Essen zu nehmen. Was machten drei, vier Kilo mehr schon für einen Unterschied, wenn er gerade weitaus glücklicher war, als je zuvor?
      „Und, es macht vermutlich auch einen Unterschied, ob man alleine isst oder mit jemandem zusammen am Tisch sitzte“ Er lächelte und stützte den Kopf in eine Hand. „Am Ende motiviert mich das sicher noch genug, um kochen zu lernen“
      Andrew schmunzelte auf Ezras Erklärung hin. „Der erste Valentinstag wird also einfach gehalten, und was passiert am zweiten?“, lachte er. Das Lachen nahm nur zu, als Ezra aussprach, was er sich schon die ganze Zeit dachte. Es war ein Wunder, dass sie den ganzen Tag über so viel redeten, vor allem Ezra, und er nichtmal unabsichtlich ein Wort über das Café verloren hatte. „Ich hab fast Mitleid mit dir“, schmunzelte er. Auf der anderen Seite stand er gerade erst am Anfang seiner heimlichen Planung des Antrags, und das Geheimhalten würde sich irgendwann bestimmt noch deutlich erschweren. Spätestens, wenn er alleine irgendwo hin musste, Ezra aber eigentlich immer auf die Sekunde genau wusste, wo er wann war und weshalb. Er würde definitiv Mühe haben, sich Ausreden auszudenken.
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    • Ezra

      Seine Planung schien wunderbar aufzugehen, was Ezra unglaublich erleichterte. Andrew war seinem Plan nicht abgeneigt und wie sie den Abend rumbekommen würden, würde sich ja zeigen, wenn es so weit war. Vielleicht sollte er sich die nächsten Jahre einfach auf ein Mittagessen beschränken und mehr Zeit für Zweisamkeit einplanen. Aber sonst lief alles fast ein bisschen zu gut.
      "Vermisst du ihn? Deinen alten Job?", fragte Ezra, während er sich auf den Tisch stützte. Das war zumindest das zweite Mal heute, dass er irgendwie zur Sprache kam und wenn er ganz ehrlich war, fühlte er sich immer noch ein wenig mitschuldig an Andrews abrupten Karrierewechsel. Es half, dass ihr aktueller Job - seiner Meinung nach - deutlich besser war, aber mit den ausbleibenden Missionen und der folglich recht niedrigen Action wuchs sein Mitleid mit Andrew, der sich das Ganze bestimmt vollkommen anders vorgestellt hatte.
      "Oh, ab dem zweiten Valentinstag kommen die ganzen Kinks dazu", antwortete er schließlich mit einem Zwinkern und einem Lachen auf Andrews Nachfrage. "Okay, nein, also, vielleicht, aber ich glaube, ich muss die ganzen anderen Ideen erst mal irgendwann ordentlich sortieren, damit die Valentinstage ausgeglichen bleiben. Dafür darfst du gerne jeden anderen Feiertag haben. Ostern, Geburtstage und so weiter." Nicht, dass er beides je wirklich gefeiert hätte, aber vielleicht waren Andrews Standards da etwas höher. Obwohl Ezra Weihnachten und Valentinstag auch nie sonderlich groß gefeiert hatte, bis er in dieser Beziehung gelandet war, also vielleicht...
      "Ich hatte zuerst überlegt, das Autokino aus unserem ersten Date noch einzubinden, aber das hat nicht gepasst", fuhr Ezra fort, während ihre Bestellung zwischen ihnen auf den kleinen Tisch gestellt wurde. "Also erwartet dich das eventuell nächstes Jahr. Sonst hab ich vor ein paar Jahren mal eine Bustour gesehen, bei der man mit Kaffee und Kuchen durch London fährt, aber das war mir für das erste Jahr zu unpersönlich, obwohl es gut klingt." Ezra fuchtelte gedankenverloren mit seiner Kuchengabel durch die Luft, während er redete. Die Planung hatte eigentlich wirklich Spaß gemacht. Er hatte fast den selben Rausch gehabt, den er immer gefühlt hatte, wenn er irgendeinen Einbruch geplant hatte. Nur romantischer und legaler. Wenn es nicht so verdammt schwer wäre, nicht sofort mit jeder Idee zu Andrew zu laufen, um seine Meinung darüber zu hören, würde er wahrscheinlich einfach öfter solche Tage planen.
    • Andrew

      Die Frage traf Andrew aus dem Nichts. Er hatte das Gefühl, er verbrachte viel Zeit damit, Ezra zu bestärken, dass er seinen alten Job nie gegen das Leben eintauschen würde, das sie jetzt zusammen hatten. Oder fand diese Unterhaltung immer nur in seinem Kopf statt? Aber er musste es bestimmt ein, zwei Mal erwähnt haben. Ob er seinen Job vermisste, war dann aber nochmal eine andere Frage, oder nicht? Nur, weil er jetzt glücklich war, hieß das nicht, dass sein jetziger Job ihm auch besser gefiel.
      „Also, ähm“, setzte er an, aber er wollte nichts falsches sagen und Ezra beunruhigen. „Natürlich vermisse ich ihn ein bisschen. Ich hab ihn einige Jahre gemacht und extra eine Ausbildung dafür bezahlt… Und es war immerhin auch der Job meines Vaters“, erklärte er ehrlich. „Aber das ändert nichts an den Umständen. Ich hab genug Zeit in Arbeit investiert, und nichts anderes. Jetzt… hab ich dich und da hat auch MLO so seine Vorteile“ Er überlegte. „Zum Beispiel sehen wir uns öfter, und zwar ohne dass wir uns gegenseitig verprügeln müssen. Und ich will dich auch nicht im Gefängnis besuchen müssen“ Andrew grinste leicht.
      „Und ein Vorteil ist ja auch, dass ich nicht so das Verlangen hab, Überstunden zu machen, also können wir mehr zusammen machen“ Ihre Bestellung kam an den Tisch, weshalb er Ezras Hand loslassen musste und kurz den Faden verlor, also nahm er einen Schluck Kaffee. „Obwohl unsere Mitarbeiter jetzt deutlich unfähiger sind, als meine vorigen“, murmelte er, als er sich wieder an seinen Punkt erinnerte. „Also, es liegt wohl einfach an dir, dass ich mit der Situation klarkomme. Und der Job ist auch nicht schlecht, er ist nur… anders. Besser bezahlt vor allem. Was wieder ein Bonus für uns ist, weil wir mehr Essen bestellen können“ Er lächelte. „Besser, du verlässt mich nicht, sonst hab ich mehr als nur ein Problem“, witzelte er. Aber sie waren vermutlich tatsächlich sehr abhängig voneinander und jeder Therapeut würde ihnen raten, üben, voneinander getrennt zu sein. Man konnte ja nie vorhersehen, was im Leben passierte, aber irgendwie ging Andrew das Risiko lieber ein, dann völlig zusammenzubrechen und keinen Lebensgrund mehr haben, als sich jetzt auch nur einen Millimeter von Ezra zu distanzieren. Das klang doch… gesund. Keine Frage, sie hatte beide sicher einiges aufzuarbeiten.
      Aber wie könnte Andrew sich von Ezra fernhalten? Alleine, wie er ihre zukünftigen gemeinsamen Jahre durchplante, löste in ihm nichts anderes als Freude aus. Andere würden sich vielleicht Sorgen um Anhänglichkeit machen, oder dass sie es zu schnell angingen. Aber sie hatten genug Jahre verschwendet, wenn sie ehrlich waren. Das musste man ja irgendwie wieder wettmachen.
      „Ich würde nichts lieber machen, als eine unpersönliche Kaffee-Bustour mit dir durch London“, sagte er mit einem breiten Lächeln und legte seine Hand wieder auf Ezras. „Und alle anderen kitschigen Dinge, die du planst. Glaub mir. So sehr kann ich meinen Job garnicht vermissen, dass ich das eintauschen würde“ Auch wenn er vielleicht hier und da mal bei einem Film einschlief oder die Papierarbeit bei MLO ihn beinahe dazu brachte, Thomas anzurufen. Klar, es war nicht alles perfekt, aber das war völlig egal, solange er einfach Ezra hatte. Wenn er so darüber nachdachte, war er völlig fasziniert von ihm, seit er ihn zum ersten Mal getroffen hatte, auch wenn er damals unheimlich genervt von ihm gewesen war.
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    • Ezra

      "Keine Sorge, ich hab nicht vor, dich je zu verlassen. Du musst mich schon umbringen, um mich los zu werden", versicherte Ezra mit einem kleinen Lachen. Er hatte nicht neun Jahre darauf gewartet, Andrew küssen, um die Beziehung dann irgendwann doch zu beenden. Er hing viel zu sehr an ihm. Wie sollte er denn ohne die angenehme Wärme in seiner Brust leben, die jedes mal wieder aufflammte, wenn Andrew so unglaublich liebevolle Sachen sagte, wie die Versicherung, dass er bei jeder seiner kitschigen Fantasien dabei wäre? Wahrscheinlich machte er viel zu viel seiner eigenen Lebensfreude an Andrew fest, aber wie sollte er das auch nicht tun?
      "Vielleicht sollte ich den nächsten Valentinstag doch in einem Escape-Room planen, oder so, damit wir nicht aus der Übung kommen und ich im Jahr danach zum Ausgleich doppelt romantisch werden kann", überlegte er mit einem Grinsen auf den Lippen. "Vielleicht nach der unpersönlichen Bustour." Er drückte Andrews Hand kurz, bevor er an seinem Tee nippte, immer noch froh darüber, dass der Tag so gut lief. Nach allem, was passiert war, als sie das letzte mal hier zusammen gesessen hatten, war ein relativ ruhiger, romantischer Valentinstag genau das, was er brauchte. Generell hatte er das Gefühl, die gemütliche Langeweile der letzten zwei Monate immer mehr zu schätzen. Ihre Beziehung war eindeutig aufregend genug - er brauchte keine Verfolgungsjagden, Kidnapping und den ganzen anderen Stress. Den einzigen Stress, den er brauchte, war die Frage, wo sie als nächstes was zu Essen bestellen sollten. Von den, naja, etwas größeren offenen Fragen in ihrer Beziehung mal vollkommen abgesehen.
      "Ich bin übrigens unglaublich froh, dass du mich damals hierher gezogen hast. Stell dir vor, wir müssten den ersten Valentinstag bei Starbucks verbringen, oder so. Ich glaube, dann hätte ich einen Nervenzusammenbruch bekommen." Er seufzte theatralisch in seinen Tee, bevor er wieder zu Andrew hoch sah. "Zum Glück warst du immer schon ein Kaffee-Snob." Etwas, was ihm jetzt so vollkommen natürlich vorkam und worüber er die letzten neun Jahre keinen einzigen Gedanken verloren hatte. Andrew richtig kennen zu lernen, war wahrscheinlich das Schönste an ihrer Partnerschaft gewesen. Er hatte eine deutlich sanftere Seite an sich, als Ezra ihm je zugetraut hätte und das war wundervoll. Alles an ihm war wundervoll.
    • Andrew

      „Ich glaube, wir müssen unser Glück nicht provozieren. Früher oder später kommen wir sicher noch in eine Real-Life Escape-Room Situation“ Er lächelte schief. Bei ihrem Job war das wirklich nicht unwahrscheinlich, auch wenn es im Moment so ruhig zuging. Aber die Sache mit den Riesensteinen hing Andrew immer im Hinterkopf. Das war alles erst vorbei, wenn nicht nur Nadia, sondern auch ihre Komplizin und wer sonst noch hinter der Sache stecken konnte, für immer im Gefängnis landeten. Und zwar nicht in einem Land, in dem sie so viele Kontakte hatten, dass ein Gefängnisaufenthalt wie ein Kurzurlaub war.
      „Danke für das… Kompliment?“, erwiderte Andrew belustigt. Kaffeesnob hatte man ihn zuvor noch nie genannt, aber die Sucht hatte definitiv auch ein intensives Interesse ausgelöst. „Ich kenne nicht viele Cafés, weil ich irgendwie immer in dieselben gegangen bin, aber nächstes Mal plane ich ein Date und bringe dich in ein anderes, das mir gefällt. Gemütlich sind sie alle. Und ich bin mir sicher, es gibt überall Tee“ Er lächelte. „Dann haben wir zukünftig auch mehr Auswahl. Wenn wir es genau nehmen, sind wir noch immer in der Anfangsphase unserer Beziehung, also können wir jetzt unsere Lieblingsorte etablieren und in 10 Jahren sind sie alle nostalgisch und typisch ‚wir‘. Also ist es gut, wenn wir jetzt so viel wie möglich ausprobieren und du Dinge planst“ Wenn sie alt waren, würden sie dann hoffentlich einiges haben, auf das sie zurückblicken konnten.

      Nach dem Café hatten sie eine recht lange Pause, in der sie zurück nachhause fahren und ein wenig die Zeit bis zum Abend totschlagen konnten. Andrew hielt sein Versprechen und checkte seine Mails nicht, dafür hing er an Ezra als wäre er angeklebt. Quasi in der Sekunde, in der sie Schuhe und Jacken loswurden, zog er ihn auf die Couch unter eine Decke und legte den Nachmittag fürs Fernsehen fest, nur dass es ihn nicht weniger interessieren konnte, was es wirklich im Fernsehen spielte. Er hatte einen Arm um Ezra gelegt, strich ihm durch die Haare und verteilte hier und da Küsse in seinem Gesicht, weil es ihn völlig fertig machte, wie perfekt sein Freund war.
      „Ich liebe dich“, murmelte er ihm ab und zu ins Ohr. Am Ende des Tages war er vermutlich kitschiger, als jeder von Ezras Plänen, aber er hatte sich einfach ein wenig mitreißen lassen. Sie hatten heute viel zu viel über die Vergangenheit und die Zukunft gesprochen, um nicht unglaublich dankbar zu sein.
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    • Ezra

      War es seltsam, dass es sich absolut fantastisch anhörte, Cafés mit Andrew durchzuprobieren? Es war furchtbar langweilig, aber Ezra konnte sich schon wunderbar vorstellen, wie sie eine ganze Reihe an Cafés durcharbeiteten, um das eine zu finden, das ihnen beiden am besten gefiel. Obwohl es schwer werden würde, diesem kleinen Fleck hier Konkurrenz zu machen - alleine der emotionale Wert war schon ein viel zu starker Punkt.

      Der restliche Nachmittag verlief absolut traumhaft. Der zweite Puffer des Tages wurde nur leicht angekratzt, weil sie sich in dem kleinen Café länger unterhalten hatten, als Ezra gedacht hätte, aber es war kein großes Problem. Ezra hatte mit deutlich mehr Chaos gerechnet, aber vielleicht waren das nur die Nachwirkungen aus ihrer Zeit in Polen, Russland und Frankreich. Wahrscheinlich sollten sie sich wirklich um psychologische Hilfe bemühen, aber da wollte er am Valentinstag nicht drüber nachdenken.
      Er kuschelte sich also auf dem Sofa an Andrew, stahl Küsse, wenn er die Chance dazu hatte und erwiderte jedes kleine ‘Ich liebe dich’ mit einem aufrichtigen ‘Ich liebe dich auch’. Es war seltsam sich vor Augen zu führen, wie jung ihre Beziehung eigentlich war. Sie kam Ezra sehr viel länger vor.
      Eigentlich könnte es einfach so bleiben, er an Andrew gekuschelt vor einem Film, den keiner von ihnen beiden wirklich verfolgte. Das einzige, was ihn gerade noch auf Spannung hielt, war der Termin zum Abendessen. Alle paar Minuten fiel sein Blick auf die Uhr schräg neben dem Fernseher, bis der Punkt erreicht war, an dem sie sich langsam fertig machen mussten. Er hatte sich für heute sogar nochmal dazu überwunden, sich ein Hemd rauszusuchen, statt seiner gewöhnlichen Pullover. Das perfekte Ende für einen perfekten Tag.

      Zumindest war es das, bis Ezra vor der vollkommen überforderten Kellnerin stand, die ihm etwas hilflos erklärte, dass sie keinen freien Tisch mehr hatten.
      Ezra hatte für eine Sekunde das Gefühl, dass ihm der Boden unter den Füßen weggezogen wurde, während er fühlte, wie ihm das Blut aus dem Gesicht wich. "Ich hatte extra angerufen und reserviert", erklärte er selbst etwas hilflos, während die junge Kellnerin das kleine Buch mit den Reservierungen nochmal durchblätterte.
      "Ich fürchte, meine Kollegin hat Sie versehentlich eine Woche später eingetragen", erklärte sie kleinlaut, ebenso blass, wie Ezra. "Das tut mir unendlich leid."
      "Oh, ist okay. Kann passieren", antwortete Ezra in einer Stimmlage, die vielleicht ein wenig zu hoch war, um glaubhaft zu klingen. Er konnte fühlen, wie sich seine Kehle zuschnürte, während er versuchte, nicht zu heulen. Seine Planung war so gut gewesen. Er hatte mit allem gerechnet, aber nicht damit. "Wir finden bestimmt irgendwas anderes", fügte er in Andrews Richtung hinzu. Er klammerte sich viel zu sehr an die Hand seines Freundes, während er panisch versuchte, sich irgendetwas anderes zu überlegen. Ein ganzer Ordner voller Pläne und er fand gerade keine einzige Alternative, die irgendwie Sinn machen würde. Er biss sich auf die Unterlippe. War es hier drin unglaublich warm, oder war das einsetzende Panik? Er hatte Andrew so viel mehr bieten wollen, als das.
    • Andrew

      Ezra heute noch so formell zu sehen, hatte auf jeden Fall nicht auf Andrews Liste gestanden. Es war ein wenig verwirrend, und ziemlich heiß. Irgendwie freute er sich jetzt schon darauf, wieder nachhause zu kommen. Was… wohl schneller passieren würde, als gedacht. Andrew spürte, wie Ezras Hand sich verkrampfte, als er sich mit der Kellnerin zu messen schien, wer verzweifelter über diese Situation aussehen könnte. Er musste die Lage irgendwie entschärfen, bevor alle zu weinen anfingen.
      „Dann kommen wir nächste Woche. Vielleicht springt ja ein Rabatt für uns raus?“, fragte er mit einem freundlichen Lächeln, aber doch genügend Nachdruck, um klarzustellen, dass er durchaus eine Entschädigung für den Fehler erwartete. Nicht, weil er so enttäuscht war, sondern weil Ezra es war. Und damit musste er sich jetzt schließlich auseinandersetzen, anstatt sein süßes Lachen den restlichen Abend zu genießen.
      Andrew zog Ezra sanft vom Fleck und aus dem Restaurant heraus. Er bezweifelte, dass sie am Valentinstag ohne eine Reservierung noch einen freien Tisch in einem halbwegs netten Restaurant bekommen würden.
      „Hey, wir haben noch genug zu Essen zuhause und den letzten Film in der Mitte beendet“, versuchte er ihn vorsichtig aufzumuntern. Es schmeichelte ihm irgendwie, dass es Ezra so mitnahm, wenn ihr Date nicht verlief, wie geplant, aber es wäre ihm lieber, wenn er das alles etwas entspannter sehen würde. „Wir hatten einen wirklich schönen Tag, das ändert jetzt auch nichts daran. Fahren wir nachhause?“, fragte er sanft und lehnte sich etwas nach vorne, um Ezras Gesicht von der Seite besser erfassen und seine Stimmung einschätzen zu können. Er hasste es, wenn Ezra traurig aussah. Am liebsten würde er besagter Kollegin der armen Kellnerin mal kurz einbläuen, dass sie solche Fehler gerne bei anderen Gästen machen konnte, aber nicht bei seinem Freund.
      „Nächste Woche können wir das Restaurant außerdem sogar mit Rabatt ausprobieren“, versuchte er es weiter, zunehmend unsicher, ob es überhaupt irgendetwas brachte, wenn er bloß vor sich hin redete. Besonders gut war er ja noch nie darin gewesen, andere aufzumuntern.
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    • Ezra

      Ezra stieß ein kleines, zustimmendes "Mhm" aus, als Andrew versuchte, ihn aufzumuntern und vorschlug, nach Hause zu fahren. Eine wirkliche Alternative hatten sie ja offensichtlich eh nicht und diese Erkenntnis...war verdammt deprimierend. Es war der erste Valentinstag. Ezra hatte sich das alles so viel besser vorgestellt. Er atmete einmal tief durch, bevor er stehen blieb und sich zu Andrew drehte, um nach beiden seiner Hände zu greifen.
      "Das alles tut mir so unendlich leid. Ich wollte dir wirklich mehr bieten, als...das." Er lächelte schwach, bevor er Andrew an sich zog, seinen Kopf gegen seine Schulter presste und irgendwie versuchte, seine eigene Verzweiflung zu unterdrücken. Eigentlich wusste er selbst, dass das alles vollkommen albern war. Es war im Grunde nur ein Tag wie jeder andere und sie konnten so oft essen gehen, wie sie wollten, aber...die ganze Planung. Die ganze Anspannung. Alles umsonst. Nicht mal ein einziger Tag konnte bei ihm bis zum Ende ansatzweise gut ablaufen. Er konnte fühlen, wie ihm die Tränen in die Augen schossen, während er sich an Andrews Hemd klammerte. Wenigstens war er ein konstant guter Punkt in seinem Leben.
      "Können wir auf dem Rückweg was vom Italiener mitnehmen, oder so?", fragte er mit leicht zittriger Stimme, während er sich zwang, einigermaßen ruhig zu atmen. Sicher hatten sie noch Reste zuhause, aber wenn der schöne, romantische Abend schon im Eimer war, wollte er sich nicht mit Fertigessen, oder mikrowellen-warmen Essen zufrieden geben. Vielleicht...vielleicht würden sie es ja auch irgendwie anders schaffen, sich einen schönen Abend zu machen. Mit einem halben Film und Fastfood, was nicht ansatzweise an ein Restaurant herankam, aber...irgendwie...würde es schon werden. Zumindest versuchte Ezra gerade, sich das selbst einzureden.
      "Und ich bin für Kerzenscheinatmosphäre im Wohnzimmer", fügte er - mit etwas festerer Stimme - hinzu.
    • Andrew

      „Das muss dir nicht leidtun“, erwiderte er, kurz überfordert, als er spürte, dass Ezras Atmung etwas aus dem Gleichgewicht geriet und er sich an ihn klammerte wie ein Kind. „Ich hatte einen tollen Tag, wirklich. Mir ist auch völlig egal, wo wir Abendessen, auch wenn es im Restaurant vielleicht schön gewesen wäre, aber das wichtigste ist doch, dass wir den Tag zusammen verbringen, oder?“ Hoffentlich dachte Ezra nicht wirklich, dass er irgendwie weniger von ihm hielt, wegen eines kleinen Fehlers, für den er nichts konnte. Abgesehen davon hatte er schon deutlich größer Fehler gemacht, die tatsächlich seine Schuld waren, und sie fast ihr Leben gekostet hätten, und Andrew war trotzdem hier. Auch wenn er jetzt vielleicht nicht erwähnen sollte, dass Ezra bei der Steinwache in Warschau eingeschlafen war, wenn er ihm gerade in die Schulter weinte. Andrew wünschte sich wirklich, so etwas würde Ezra nicht so sehr frustrieren. Dass es dabei mehr um Andrew ging, als um ihn selbst, machte es sogar irgendwie schlimmer. Die Energie sollte er mal in sich selbst stecken. Und wie machte man er so jemandem klar, dass er so ziemlich alles versauen konnte, und Andrew ihn trotzdem liebte? Nach dem ganzen Schwachsinn, den er bisher schon miterlebt hatte, konnte ihn kaum mehr irgendetwas erschüttern. Außerdem war es noch etwas bizarr, dass Ezra so verzweifelt über ein versäumtes Date sein konnte, und er ihm heute vor einem Jahr vielleicht noch absichtlich die Rippen gebrochen hätte.
      Andrew zog eine seiner Hände aus Ezras Griff und strich dem Blonden bekräftigend über den Rücken. „Ich weiß, dass du frustriert bist, aber wir können nichts an der Situation ändern“, murmelte er. Dann lächelte er, als Ezra sich für einen Plan B entschied. Auch wenn er dabei
      klang, als wäre gerade jemand gestorben. „Okay“, schmunzelte Andrew. „Italienisch klingt gut“ Fast schlug er eine Familienpizza vor, als Ezra Kerzenlicht erwähnte und er noch rechtzeitig erahnte, welche allgemeine Stimmung er für den Abend wollte. Weniger Pizza, mehr Ravioli.
      „Ein Candlelight Dinner zuhause, das ist doch perfekt“ Er wartete, bis Ezra seinen Kopf wieder hob, dann wischte er ihm über die Wangen, hielt sein Gesicht fest und drückte ihm einen Kuss auf. „Alles okay“, beschwichtigte er ihn nochmal lächelnd. „Alles ist gut. Wir holen unser Essen, zünden ein paar Kerzen an und lassen den Tag ausklingen“
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    • Ezra

      Andrew hatte Recht. Natürlich hatte er Recht. Es ging darum, dass sie zusammen waren und den Tag irgendwie genießen können, auch wenn eben nicht alles nach Plan lief. Vielleicht hätte er nach dem reibungslosen Weihnachten und Neujahr fast damit rechnen müssen, dass irgendwas schief gehen musste.
      Der Kuss schaffte es sogar, wieder ein kleines Lächeln auf Ezras Lippen zu zaubern. Er atmete nochmals tief durch und schaffte es fast, sich selbst davon zu überzeugen, dass er sich wieder beruhigt hatte. Die Sache mit der Reservierung nagte an ihm - und würde ihn wahrscheinlich noch den restlichen Abend ärgern - aber es wäre blöd, sich davon den Valentinstag ruinieren zu lassen. Er hatte Andrew, der selbst dann versuchte, ihn aufzumuntern, wenn er über etwas so dämliches wie eine vertauschte Reservierung heulte und das war das Wichtigste.
      "Hör auf so einfühlsam zu sein. Ich bekomme langsam Komplexe", merkte er mit einem kleinen Lachen an, bevor er Andrew erneut küsste. "Ich liebe dich."

      Der Italiener war ebenfalls ziemlich gut besucht, weshalb es noch eine kleine Weile dauerte, bis sie wieder auf ihrem Sofa angekommen waren. Wenigstens hatte Ezra sich tatsächlich wieder beruhigt, als er den Deckel seiner kleinen Alu-Schale abzog und nebenbei den Fernseher wieder anschaltete. Das Licht war gedimmt und sämtliche Kerzen, die im Wohnzimmer standen, waren angezündet. Es war nicht perfekt, aber gemütlich und vielleicht sogar ein kleines bisschen romantisch. Nächstes Jahr würde er vielleicht einfach über all das lachen. Oder sie hatten gerade eine neue - deutlich kostengünstigere - Tradition für ihren Valentinstag gefunden und konnten sich das Restaurant in Zukunft direkt sparen.
      "Wenigstens können wir uns jetzt den späten Heimweg sparen und den Abend anders füllen", kommentierte Ezra mit einem kleinen Lächeln, während er sein letztes Strickprojekt vom Sofa auf den Sessel warf, um sich etwas bequemer setzen zu können. In Anbetracht dessen, dass sie morgen wieder arbeiten mussten, war es vielleicht gar nicht so schlecht, dass sie das Bett - auf welche Art auch immer - etwas schneller erreichen konnten.
    • Andrew

      Seine Bemühungen Ezra wieder zu stabilisieren, schienen sich ausgezahlt zu haben. Als sie zurück zuhause waren, war die Sache mit dem Restaurant beinahe vergessen und die Stimmung war entspannt. Andrew setzte sich zu Ezra, öffnete die ersten zwei Knöpfe seines Hemds und zog sich eine Decke über die Beine. Seine Finger waren ein wenig eingefroren, weshalb er seine Hände energisch aneinander rieb, bevor er zu essen anfing. „Zumindest ist es hier gemütlich und warm. Ich will garnicht dran denken, jemals wieder rauszugehen. Wann hört diese Kälte endlich auf?“, beschwerte er sich leise, während er sein Essen inspizierte und endlich die Gabel in die Hand nahm.
      „Oh, hey. Bevor ich es vergesse. Ich weiß, du planst gerne Feiertage, und mir fällt in letzter Zeit öfters ein, dass niemand davor gefeit ist, alt zu werden und zu sterben“ Den letzten Teil seines Satzes grummelte er nur noch, weil er seine Laune bei dem Thema nie gut unter Kontrolle hatte, aber er bemühte sich, sobald es ihm auffiel. „Jedenfalls“, setzte er fort. „Ich hab in einem Monat Geburtstag und den hab ich zum letzten Mal als Teenager gefeiert. Ich sage nicht, dass wir… ganz darauf verzichten müssen, weil du definitiv gern Geburtstage feierst, hab ich recht?“ Er lächelte leicht. „Aber meine Stimmung wird völlig im Keller sein, also… sieh das als Vorwarnung. Vielleicht wird es ja besser, wenn du da bist, aber ich ignoriere gern, dass Jahre vergehen wenn man einmal kurz blinzelt und wir bald alle zu Staub zerfallen“ Andrew lächelte erneut, um seine Worte abzufedern, küsste Ezra kurz auf die Wange und widmete sich wieder seinem Teller. „Aber genug davon. Fehlt deinem Essen auch irgendwie Salz? Soll ich was holen?“ Damit war das Thema für ihn abgeschlossen. Geburtstage waren grauenvoll und jeder einzelne, den er jemals gefeiert hatte, hatte furchtbare geendet. Abgesehen davon verstand Andrew auch nicht, wieso man feiern sollte, dass man älter wurde. Das war nur zum Heulen. Früher oder später hatte er Ezra einfach vorwarnen müssen, bevor ihn noch eine Torte oder sowas erwartete, und er seinem Freund nicht mit der Dankbarkeit entgegen kommen konnte, die er verdiente. Gerade heute war ihm jedenfalls aufgefallen, dass Ezra wirklich viel Mühe in solche Dinge steckte, und da wollte er sich wenigstens von seiner besten Seite zeigen und dankbar sein können.
      „Er ist übrigens am… 22. März“, murmelte Andrew anschließend etwas widerwillig, als ihm auffiel, dass Ezra seinen Geburtstag vermutlich nicht einmal kannte, weil er ja auch nie darüber sprach und diesen Tag immer wie einen stinknormalen Arbeitstag behandelt hatte.
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