The Hero and the Thief [Nao & Stiftchen]

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    • Steve

      Wenigstens konnte er Thomas kulinarisch ein wenig beruhigen. Sein Dad hatte dieses Jahr einen kulinarischen Abstecher nach Dänemark gemacht und Braten mit Rotkohl vorbereitet, während seine Mom Milchreis mit Kirschsoße beigesteuert hatte. Es war weitaus besser gelaufen, als das französische Rezept, das seine Eltern sich letztes Jahr vorgenommen hatten. Aber das war gerade vollkommen egal in Anbetracht der Information, die Thomas in den Kühlschrank nuschelte. Steve versuchte, nicht allzu besorgt auszusehen, als Thomas Blick auf ihn fiel.
      Er stieß ein sanftes "Oh" aus, während er etwas nervös auf seine Unterlippe biss. Er hatte nicht damit gerechnet, dass Thomas sein Outing so schnell hinter sich bringen wollte, obwohl...es ihn irgendwie auch beruhigte. Wenigstens hieß das doch irgendwie, dass Thomas sich bei ihrer Beziehung relativ sicher war, oder? Wenn er noch immer unsicher wäre, ob er überhaupt bisexuell war, hätte er ihre Beziehung doch sicher erst mal für sich behalten, nicht? Vor allem, wenn seine Familie damit offenbar nicht allzu locker umgegangen war.
      Steve fühlte einen kleinen Stich, als Leonas Name fiel, auch, wenn sein Freund ein kleines Kompliment hinterherschob, das ihn zum Lächeln brachte. Irgendwie war es schräg, dass Thomas' Familie so an ihr zu hängen schien. Steve hatte sie nie gemocht und ihre Beziehung zu Thomas war ihm immer recht toxisch vorgekommen. Er war froh gewesen, dass sie Schluss gemacht hatten, vollkommen unabhängig von ihrer eigenen Beziehung. Auch, wenn er die letzten Tage damit verbracht hatte sich zu wundern, ob er vielleicht irgendwie immer schon Gefühle für Thomas gehabt hatte. Musste er doch irgendwie, oder? Der kleine One Night Stand hatte sich doch unmöglich aus dem Nichts ergeben, auch, wenn er sich nicht daran erinnern konnte, je aktiv romantisch über seinen besten Freund gedacht zu haben.
      Er schüttelte kurz den Kopf, als Thomas anmerkte, dass er besser gar nichts hätte sagen sollen und davon redete, ihn nicht unter Druck setzen zu wollen. "Ich hab meinen Eltern auch erzählt, dass wir zusammen sind. Ich wollte die ganze Fragerei schon mal hinter mich bringen", erklärte er mit einem kleinen, nervösen Lachen. "Ich denke, dass es für sowas nie den richtigen Zeitpunkt gibt. Irgendwann muss man es einfach hinter sich bringen, oder so." Das war wahrscheinlich der schlechteste Rat, den er je gegeben hatte.
      "Und es setzt mich nicht unter Druck. Es ist irgendwie eine seltsame Situation, ich glaube, wir müssen uns da beide noch irgendwie dran gewöhnen. Ich meine, ich-" Er stockte kurz mit einem weiteren, nervösen Lachen. Kommunikation war wichtig, oder? Thomas schien das alles genau so seltsam zu finden, wie er. "Ich, ähm, ich hab gestern meinen Kleiderschrank ein wenig aufgeräumt, damit du ein paar deiner Kisten einräumen kannst, wenn du willst und ich hab den kompletten Tag darüber nachgedacht, wie ich dir das erkläre, ohne, dass es zu romantisch rüber kommt, weil ich dich nicht überfordern wollte. Ich glaube, ich hab mir noch nie so viele Gedanken um eine Beziehung gemacht." Er stieß ein weiteres Lachen aus, in der panischen Hoffnung, gerade eher das Eis gebrochen, als seine Beziehung ruiniert zu haben.
    • Thomas

      Thomas war äußerst dankbar, dass Steve ihn so gut wie nie misszuverstehen schien. Und gerade war es auch ganz praktisch, dass er seine Unsicherheit nicht durchschaute. Die Tatsache, dass er diesen Einzug noch mehr fixieren wollte, als er es schon war, sprach für das komplette Gegenteil. Und auch wenn Thomas sich die ganze Zeit selbst Panik machte, konnte er gerade nur seufzen und lächeln. Die Anspannung fiel ihm ein wenig von den Schultern.
      „Das trifft sich eigentlich echt gut, weil ich gezwungenermaßen ein paar Sachen mitgebracht hab, die das Wohnzimmer nur weiter zuräumen würden. Also, ich packe später aus. Danke“ Nach einem Moment der Stille ging er einen Schritt auf Steve zu und griff langsam und sanft nach seiner Hand. Das Timing war vielleicht nicht perfekt aber er konnte ja mittlerweile eigentlich ganz ungehemmt seine Zuneigung ausdrücken, wie er wollte. Er musste nur lernen, davor nicht ewig zu zögern, damit es nicht aus dem Nichts kam, wie jetzt. Er hatte Steve auch nur drei Tage lang nicht gesehen, aber das war lange genug, um sich ein bisschen mehr Nähe zu wünschen. Irgendwie war es trotzdem eigenartig, dass Steve überhaupt davon wusste, dass Thomas ihn mochte. Er hatte immernoch das Verlangen, es irgendwie zu verstecken.
      „Ähm… man merkt wahrscheinlich, dass ich auch nicht komplett locker damit umgehe“, scherzte er über seine eigene verlangsamte Reaktion. Er lehnte sich an der Küchentheke an und zog Steve ein Stück zu sich, den Blick fest auf seinen Handrücken gerichtet, über den er abgelenkt mit dem Daumen strich. Dass sie das hier sofort als Beziehung betitelt hatten, war eigentlich Thomas Schuld, und vermutlich weitaus zu früh gewesen. Aber von einem Label sollte er sich wohl wirklich nicht stressen lassen. Wie es klang hatte auch Steve noch ein bisschen mit sich zu kämpfen.
      „Ich fände auch die romantische Version vom Kasten-teilen ganz gut“, murmelte Thomas leise, um Steve zumindest seine Angst diesbezüglich zu nehmen. „Also, ich wohne gern hier. Nicht nur als Notfall-plan. Auch, wenn ich sofort abhauen werde, wenn es dir zu viel ist“ Er schmunzelte leicht und hob den Blick. Er konnte eigentlich nur hoffen, dass Steve es sich nicht anders überlegte, denn Thomas war sich relativ sicher, dass das hier mit etwas Zeit zu einer der besten Entscheidungen werden könnte, die er treffen konnte.
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    • Steve

      "Es ist kein Problem", versicherte Steve vielleicht eine Spur zu schnell, um irgendwie ansatzweise locker und selbstbewusst zu wirken, obwohl ihm die kleine Berührung an der Hand zumindest etwas beruhigte. Seinen besten Freund zu daten war offensichtlich Fluch und Segen zugleich. Einerseits kannte er Thomas gut genug, um ihn einzuschätzen, andererseits wollte er viel zu sehr, dass diese Beziehung funktionierte und steckte zu tief in seinen eigenen Gedanken. Bei seinen früheren Beziehungen war das nie ein Problem gewesen. Wenn man merkte, dass es nicht funktionierte, ging man getrennte Wege. Sicher war es nicht immer schön gewesen und er hatte so manchen Liebeskummer überstanden, aber am Ende hatte er nie das Gefühl gehabt, jemanden zu verlieren, ohne den er nicht leben konnte. Bei seiner Beziehung mit Thomas stand weitaus mehr auf dem Spiel. Aber jetzt gab es sowieso kein Zurück mehr.
      "Ich wohne gerne mit dir zusammen", erklärte er mit einem kleinen Lächeln. Er gab sich einen kurzen Ruck, legte seine freie Hand an Thomas' Wange und drückte ihm einen Kuss auf die Stirn. "Ich weiß, dass das blöd klingt, aber...ich merke im Grunde gar nicht, dass du eingezogen bist. Im guten Sinne. Ich hab während meines Studiums mal mit einem Freund zusammengewohnt und musste mich komplett umstellen. Bei dir ist das vollkommen anders. Mit dir zusammen zu wohnen ist irgendwie einfach." Eigentlich hatte er nur Vorteile, seit Thomas eingezogen war. Ihre Gaming-Abende waren weitaus unterhaltsamer und, naja, irgendwie hätte es ohne den Einzug wahrscheinlich auch keine Beziehung gegeben, oder?
      "Ich hoffe wirklich, dass deine Familie sich schnell an all das gewöhnt. Ich würde dich nur äußerst ungerne wieder her geben." Steve lächelte leicht und wollte sich gerade nach vorne lehnen, um Thomas zu küssen, als die Mikrowelle zu piepsen begann. Er stockte und lehnte sich an Thomas vorbei, um das Ding auszuschalten. Romantik schien bei ihnen absolut verflucht zu sein. Wenn sie sich selbst nicht vollkommen unsicher anstellten, schien das Universum ihnen eben anders einen Strich durch die Rechnung zu machen.
      "Mein Dad hat es bei dem Rotkohl ein bisschen zu gut mit dem Essig gemeint", merkte er mit einem kleinen Räuspern an, während er einen Schritt zurück trat, um Thomas etwas mehr Freiraum zu geben. Vielleicht hätte er das mit dem einfachen Zusammenwohnen nicht zu früh sagen sollen.
    • Thomas

      Wenn er sich nicht viel zu viele Gedanken machte, hatte Steves Gegenwart sogar eher eine beruhigende Wirkung auf ihn. Fast brachte er es zustande, Thomas Gedankenkarussel verstummen zu lassen. Er lehnte sich dem Dunkelhaarigen sogar leicht entgegen, als er ihm näher kam, und musste dann kurz frustriert den Kopf fallen lassen, als er sich an ihm vorbeibeugte, um die Mikrowelle abzustellen. Toll, ihr erster Kuss seit einer Ewigkeit und ein Küchengerät schaffte es, ihn zu manipulieren. Thomas biss sich auf die Lippe, als er sich umdrehte, um den Teller rauszunehmen. Er konnte sich kaum bei der Mikrowelle darüber beschweren, dass er 90 Prozent der Zeit zu feige war, seinen Freund zu küssen.
      „Ist okay, ich mag Essig“, antwortete er und hatte damit äußerst schnell aufgegeben, den Moment wiederzubeleben. Naja, vielleicht konnten sie sich heute Abend einen Film ansehen und die Küche, oder piepsende Geräte im Allgemeinen, einfach meiden?
      Thomas hielt den Teller in einer Hand und nahm sich mit der anderen Besteck aus einer Lade. „Hast du schon gegessen?“, fragte er Steve. Es war Nachmittag, also konnte er davon wohl ausgehen, aber er hatte immer ein schlechtes Gewissen, wenn er alleine etwas aß. „Du kannst auch was von mir haben“, hing er dran, bevor er sich wie immer zum Essen an den Sofatisch setzte. Er nahm ein paar Bissen, probierte alles, und musste vor Glück fast weinen. „Gott, das ist richtig gut. Ich weiß nicht, ob ich einfach traumatisiert von Truthahn bin, aber das ist echt verdammt gut“ Er musste sich bemühen, nicht allzu ausgehungert zu wirken. Eigentlich sollte man an Weihnachten doch sowieso das Gegenteil sein, aber immer nur dasselbe zu essen hatte er gemeinsam mit Leona definitiv hinter sich gelassen.
      „Oh, übrigens, wir könnten doch heut Abend einen Film ansehen… wenn du sonst nichts vorhast…“, schlug er vor. Klar, sie könnten auch mal wieder richtig ausgehen, das war ja auch toll, aber… nur, weil Thomas sich noch nicht richtig damit anfreunden konnte, dass mehr zwischen ihnen lief, hieß das nicht, dass er nicht ausnutzen wollte, wie sie jetzt zueinander standen. Er musste nur hoffen, dass Steve mit Kuscheln genauso zufrieden war, wie er selbst. „Oder wie wär‘s mit der neuen Star Wars Serie auf Disney?“
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    • Steve

      "Ich hab mir eben was anderes gekocht. Ich leg über Weihnachten eh immer an Gewicht zu und wollte es nicht noch provozieren." Steve verdrehte kurz die Augen, bevor er Thomas mit einem Lächeln ins Wohnzimmer folgte. Seine Eltern waren fantastische Köche, aber irgendwann war es einfach zu viel des Guten. Am Ende würde er noch in den kritischen Bereich kommen, in dem er wieder mit dem Sport anfangen müsste und das wollte er auf jeden Fall vermeiden.
      "Mein Dad freut sich bestimmt, dass es dir schmeckt. Er hat sich dieses Jahr extra Mühe gegeben, nachdem letztes Jahr etwas, äh, unglücklich gelaufen ist." Wenn man einen beinahe-Brand als 'unglücklich' bezeichnen konnte. Dafür war das letzte Weihnachten wenigstens ausgesprochen interessant gewesen.
      "Star Wars klingt gut." Vielleicht würde irgendeine Serie sie auch endlich ein bisschen auf andere Gedanken bringen und die ganze Nervosität etwas lindern. Oder es würde sich eine neue Gelegenheit für einen Kuss ergeben. Es konnte doch wirklich nicht sein, dass Steve sich nach zwei Wochen Beziehung immer noch so einen Kopf darum machte, Thomas zu küssen! Er hatte Beziehungen gehabt, die in kürzerer Zeit deutlich intimer gewesen waren und da hatte er sich auch nie gefragt, ob er zu weit gegangen war. Er war fast ein wenig mit sich selbst frustriert.
      "Ich hab ein paar neue Spiele zu Weihnachten bekommen, die wir in den nächsten Tagen anspielen können, wenn du willst. Ich hab extra auf dich gewartet. Ich hab mich endlich an Bloodborne getraut. Ich hab gedacht, dass wir uns abwechseln könnten - immer, wenn man stirbt, ist der andere mit spielen dran, oder so." Was wahrscheinlich relativ kurze, aber dafür sehr unterhaltsame Spielabschnitte werden würden. Steve spielte viel, aber als Profi würde er sich definitiv nicht bezeichnen. Aber wenigstens würde ihnen das ein bisschen Normalität zurückgeben. Es war schwer, sich Gedanken über ihre Beziehung zu machen, wenn man damit beschäftigt war, im Spiel nicht zu sterben, oder?
      "War dein Weihnachten abgesehen von dem Coming-Out schön?", fragte er schließlich. "Oder hat das deine Eltern zu sehr beschäftigt?" Zugegeben, Weihnachten war ein ziemlich mutiger Zeitpunkt für ein Coming-Out. Obwohl Steve sich da wahrscheinlich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen durfte. Er selbst war bei seinem Coming-Out schließlich auch mit der Tür ins Haus gefallen. Er hoffte nur, dass Thomas' Familie ihn nicht irgendwie verunsicherte, oder sich jetzt von ihm distanzierte.
    • Thomas

      Aus irgendeinem Grund fand Thomas die Vorstellung, zusammen mit Steve fett zu werden, überhaupt nicht problematisch. Wenn sie immer nur drin hockten, Videospiele spielten und sich von Pizza - und Thomas von haufenweise selbstgemachtem Curry - ernährten, dann durfte es sie beide nicht wundern, wenn sie in einem Jahr weit von ihren jetzigen Figuren entfernt waren. Da würde Weihnachten auch nicht mehr groß etwas ändern. Irgendwie war Thomas weitaus fauler geworden, seit er hier wohnte. Vermutlich, weil es sich produktiver anfühlte, wenn man seinen Zock-Partner im selben Raum sitzen hatte.
      Er schmunzelte. "Vielleicht sollten wir beide mehr spazieren gehen" Ja, das würde wohl nicht passieren. Aber man konnte es ja mal aussprechen.
      "Klingt super, ich könnte mir nichts besseres für meinen Urlaub vorstellen", antwortete er. Er hatte bisher auch nie besonders viel Interesse daran gehabt, wegzufahren oder irgendetwas zu tun, dass er an einem simplen Wochenende nicht auch tun würden. Die restliche Woche mit Videospielen zu verbringen, klang eigentlich ideal.
      Und ja, diese Freude brauchte er nach seinen Weihnachtstagen auf jeden Fall. "Es… war schwierig. Meine Geschwister waren ziemlich aufdringlich. Keine Ahnung, warum sie mein Leben plötzlich so sehr interessiert. Und meine Eltern hatten anscheinend die ganze Zeit Angst, dass ich irgendetwas sage, das sie nicht hören wollen, also… Schwierig. Aber hey, meine Oma ist anscheinend… ein Ally, oder so. Ich hab außerdem einen Playstation Gutschein von ihr bekommen. Ich war in meinem Leben noch nie so überrascht wie dieses Weihnachten" Dass die Frau überhaupt wusste, wo man so einen Gutschein herbekam… Thomas konnte sich auch nicht erinnern, ihr wahnsinnig viel über Videospiele erzählt zu haben, aber vermutlich sprach er auch im Schlaf darüber, also sollte es ihn nicht wundern. Zumindest nicht mehr, als die Tatsache, dass seine Oma aufgeschlossener war, als seine eigenen Eltern. Konnte man es sich bei vier Kindern wirklich leisten, irgendwem seine Vorstellungen aufdrängen zu wollen? Offensichtlich hatten ihre Kinder sie bisher zu wenig enttäuscht. Schön, dass Thomas der erste mit schlechten Nachrichten sein durfte.
      "Aber ich hab schon mit Chaos gerechnet, also ist das okay. Alleine, weil ich mir den Schwachsinn über Leona immer noch anhören darf. Vielleicht sollte ich dich allein deshalb mal mitbringen. Dann glauben sie mir endlich, dass es vorbei ist" Thomas ließ sich in seiner Aufregung über diese Sache kurz ein bisschen zu sehr gehen, warf Steve also sofort einen entschuldigenden Blick zu, als er es merkte. "Sorry, das mache ich natürlich nicht", murmelte er. "Ich behalte dich lieber so lange für mich, wie ich kann" Seine Familie würde sonst nur einen Weg finden, um ihre Klauen in seine Beziehung zu bohren.
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    • Steve

      Steve ließ den Vorschlag mit den gemeinsamen Spaziergängen unkommentiert, warf Thomas allerdings einen kritischen Seitenblick zu. Sicher. Nichts war wahrscheinlicher, als dass sie ihre Gaming-Leidenschaft für regelmäßige Spaziergänge in der Natur unterbrechen würden. Die einzigen Spaziergänge, die sie realistisch hinter sich bringen würden, waren wohl in irgendwelchen Open-World-Spielen zu finden. Was super war, weil man so bei Spaziergängen kuscheln konnte.
      Der Gedanke, dass Thomas' Oma offensichtlich seine größte Unterstützerin war, brachte Steve unfreiwillig zum Lachen. Das war überraschend, aber wenigstens etwas Positives. Außerdem hatte seine Schwester auch nicht sonderlich überrascht gewirkt, als sie sie in der Bahn getroffen hatten. Das war doch schon ein solider Anfang! Und irgendwie war es wirklich süß, dass Thomas ihn noch nicht mit dem Rest seiner Familie teilen wollte. Was wahrscheinlich sowieso ein bisschen zu viel gewesen wäre. Wahrscheinlich wäre es besser, wenn seine Eltern sich erst man irgendwie an den Gedanken gewöhnten, dass Thomas nicht hetero war. Und nicht mehr mit Leona zusammen war. Steve konnte nur hoffen, dass sie sie nicht ihre komplette Beziehung über verfolgen würde.
      "Ich wünschte, ich könnte das Selbe über meine Eltern sagen, aber ich fürchte, du wirst nicht lange um sie herum kommen. Meine Mom wollte dich eh immer mal kennen lernen, weil ich dich früher so oft erwähnt habe und mein Dad war schon enttäuscht, dass ich dich Weihnachten nicht mitgebracht habe." Er verdrehte kurz die Augen. Zur Not würden seine Eltern ihnen wahrscheinlich irgendwann einfach 'zufällig' über den Weg laufen. Seine Mom war furchtbar neugierig und - auch, wenn er so tat, als ob ihn das alles nicht interessierte - sein Dad war keinen Funken besser. "Aber ich bin mir absolut sicher, dass du bei den beiden nicht viel falsch machen kannst." Bisher war die einzige Grundvoraussetzung seiner Eltern gewesen, dass Steve glücklich in seiner Beziehung war und das war hier auf jeden Fall erfüllt, so seltsam das alles auch sein mochte. Außerdem konnte man Thomas einfach nicht nicht mögen. Er war niedlich. Wahrscheinlich würde er bei seinen Eltern sofort einen Hundewelpen-Effekt auslösen.
      Wenigstens fühlte sich das hier gerade einigermaßen normal an. Auch, wenn Steve sich bei kleinen Gesten und Berührungen noch unsicher war, einfach mit Thomas zu reden, egal, worüber, war einfach. "Hast du sonst Pläne für die nächsten Tage? Irgendwas, was wir abarbeiten müssen, bevor ich dich wieder an deine Überstunden verliere?" Steve grinste Thomas entgegen und lehnte sich auf dem Sofa etwas zurück, während langsam eine Art Entspannung einsetzte. Vielleicht fiel ihnen ja noch eine nette Date-Idee ein, damit diese ungelenke Spannung zwischen ihnen langsam etwas weniger anstrengend wurde, oder so.
    • Thomas

      Hatte Steves Lachen sich früher auch schon wie ein Pfeil in Thomas Herz gebohrt? Ansteckend war es jedenfalls immer gewesen. Er lächelte mit, bemüht sein Essen runterzuschlucken. "Ich weiß. Ich glaube, meine Mum war am meisten überrascht, als meine Oma meinte, dass sie sich zusammenreißen soll. Dass alles gut ist, solange ich glücklich bin. Und das bin ich" Er blinzelte ihn an, überrascht über seine eigene Ehrlichkeit, da sich dieser Satz absolut nicht zweifelbehaftet angehört hatte.
      "Ich verbringe gern jedes Weihnachten bei euch, wenn es auch nur minimal besser ist, als bei meiner Familie", erwiderte er dann und lachte leicht darüber, dass Steve ihn von seinen Eltern fernhalten wollte. Von dem was Thomas wusste, war das Schlimmste, das passieren konnte, dass man von ihnen mit Liebe überhäuft wurde. Theoretisch war das bei seinen eigenen Eltern auch so gewesen, solange er mit Leona zusammen war. Danach hatten sie ihn wohl als dämlich abgestempelt und das war's dann mit dem Liebe-Überhäufen. Es wäre mal eine nette Abwechslung, bei den Patels zu Besuch zu sein. Und irgendwie machte es ihm wenig aus, dass sie ihn als Steves Freund kennenlernen würden, denn schließlich wussten sie schon ziemlich lange von ihm. Zumindest, dass er als Online Freund in Steves Leben existiert hatte. Und vermutlich wussten sie somit auch davon, wie plötzlich das alles gekommen war. Thomas war also nicht wirklich nervös, was das Treffen seiner Eltern betraf.
      "Ich überlege nur, was wir zu Silvester machen könnten. Bist du irgendwo eingeladen worden? Sollen wir überhaupt irgendetwas machen?", philosophierte er kurz. Für den Urlaub hatte er tatsächlich nichts weiter geplant, er wollte bloß mal ein bisschen Ruhe haben und nichts erledigen müssen. Aber kommenden Samstag war schon der Jahreswechsel und nachdem sie zusammen waren hatte Thomas sich irgendwie vorgestellt, dass sie ihn zusammen verbringen würden. Vielleicht auf einer Party oder so, nicht dass sie beide besonders angetan von Partys waren, besonders nach der letzten.
      "Wir könnten uns auch nur den Countdown im Fernsehen ansehen, keine Ahnung…", wich er von seinem Vorschlag zurück. Er wollte Steve nichts aufdrängen, nur weil er irgendeine romantische Fantasie entwickelt hatte.
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    • Steve

      Zu hören, dass Thomas glücklich war, ließ Steves Hirn irgendwie für eine Sekunde aussetzen. Es war unglaublich beruhigend und irgendwie süß. Wenigstens musste er sich offensichtlich keine Gedanken darum machen, dass Thomas in naher Zukunft realisieren würde, dass diese Beziehung für ihn doch nicht funktionierte, oder so. Trotzdem fühlte es sich immer noch vollkommen surreal an, dass Thomas ihm erzählte, wie glücklich ihn die Beziehung machte, einfach, weil sich ihre ganze Beziehung immer noch unwirklich anfühlte. Es war seltsam, dass jedes kleine Lächeln von Thomas plötzlich den Wunsch in Steve erweckte, ihn zu küssen.
      "Ich hab mir über Silvester noch gar keine richtigen Gedanken gemacht", gab Steve zu. Das einzige, was er gewusst hatte war, dass er unbedingt mit Thomas zusammen feiern wollte. Das hatte er schon gehofft, bevor ihre Beziehung angefangen hatte, jetzt war der Reiz nur irgendwie ein anderer. Gehörte es nicht irgendwie dazu, Silvester mit seinem Freund zu verbringen? Ihn nach Mitternacht zu küssen? Vollkommen übermüdet zusammen ins Bett zu fallen?
      "Falls du nirgendwo eingeladen bist, können wir vielleicht ein bisschen aus London raus fahren? Wir könnten uns irgendwo einen Hügel suchen und uns das Feuerwerk über der Stadt ansehen." Was zwar bedeuten würde, dass er keinen Alkohol trinken könnte, aber vielleicht war das die richtige Entscheidung. Nach dem letzten betrunkenen Abend wollte er zumindest nichts riskieren. "Je nachdem, wie es mit dem Wetter aussieht", schob er nach, "Ich hab keine Lust zu erfrieren, oder im Regen zu stehen." Dafür stellte er es sich irgendwie nett vor, Thomas den Abend über für sich zu haben und das Ganze etwas ruhiger anzugehen. Oder würde das alles nur irgendwie noch anstrengender machen? Wäre es vielleicht von Vorteil, wenn sie eben nicht alleine wären?
      "Oder wir laden Leute ein?", schlug er schließlich etwas unsicher vor. Das würde allerdings auch bedeuten, dass sie ihre Beziehung irgendwie noch offizieller machen würden, oder? Würde so ihre Zukunft aussehen? Sie würden sich beide unsichere Vorschläge hin und her spielen, bis einer von ihnen sich endlich ein Herz fasste und eine Entscheidung fällte? Oder war das nur ein Symptom der Anfangsphase ihrer Beziehung? Steve hoffte wirklich darauf, dass Letzteres der Fall war.
    • Thomas

      Thomas nickte. Das klang alles gut. Hauptsache sie verbrachten den Abend zusammen. "Kennst du jemanden, den du einladen würdest?", musste er die peinliche Frage stellen. Allerdings stünde dies wie ein Elefant im Raum, wenn sie tatsächlich eine kleine Feier hier machen wollten. Thomas Freundeskreis bestand so ziemlich aus seinen Arbeitskollegen und ein paar Leuten, die er online kennengelernt hatte und auch äußerst selten außerhalb von Discord Calls traf. Und irgendwie hatte er die Vermutung, dass es Steve nicht anders ging. Jedenfalls gingen sie beide selten mit 'Freunden' aus. War das eigentlich etwas, worüber man sich Sorgen machen sollte? Sollte Thomas sich vielleicht mehr Freunde suchen? Aber eigentlich hatte er eh keine Energie, nach der Arbeit noch jemand zu treffen.
      "Wir können auch noch abwarten, ob irgendjemand anderer… eine Feier macht. Oder es gibt irgendein Event, zu dem wir gehen können", schlug er noch vor. Wow, sie konnten beide wirklich keine Entscheidungen treffen. Hoffentlich entschied bald jemand anderer für sie. Aber Thomas wäre sowieso mit jeder Option zufrieden… Das war wohl des Teil des Problems.
      Er schob seinen Teller ein Stück weg und lehnte sich neben Steve zurück in die Couch. Das alles hier war wirklich gemütlich und Thomas konnte sich nichts besseres vorstellen, als mit seinem besten Freund zusammen zu sein und in alle Ewigkeit zu zocken, aber er hatte noch nicht ganz durchdacht, dass sie sich dadurch vielleicht komplett von der Außenwelt isolieren würden. Er war erst 24, vielleicht sollte er doch nochmal drüber nachdenken, Urlaub im Ausland zu machen… und definitiv auf mehr Dates mit Steve gehen, die nicht in ihrem Wohnzimmer stattfanden. In seinen Zwanzigern sollte er wohl noch irgendetwas erleben… Gott, war das jetzt endgültig seine Quarter Life Crisis?
      "Hey, wir sollten mal ins Kino gehen, oder so. Oder in ein Restaurant", murmelte er. Das war auch nicht gerade 'etwas erleben', aber irgendwo musste man ja anfangen. Aber nicht… heute. "Naja, überlegen wir uns spontan, was wir die Woche so machen", schloss er den Gedanken ab.
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    • Steve

      Steve stieß ein kleines, flaches "Oh" aus. Stimmt. Für eine Feier würden sie wohl mehr Teilnehmer brauchen, als sich selbst. Freunde schienen bei ihnen beiden kein großes Thema gewesen zu sein und Kollegen einzuladen wäre wohl irgendwie unangenehm. Zumal Steve zu keinem seiner Kollegen ein sonderlich gutes Verhältnis hatte. Für die meisten war er irgendwie einfach nur da. Vielleicht hing er deshalb so an Thomas.
      "Ja, jemand anderes klingt gut", stimmte er zu. Falls sich nichts finden würde, würden sie einfach spontan irgendwas machen. Sie waren ja beide nicht so feier-versessen. Irgendwas würde sich da sicherlich finden lassen. Und wenn sie am Ende einfach nur zocken und kurz vor Mitternacht auf irgendeine Countdown Show schalten würden, wäre das sicherlich auch vollkommen in Ordnung. Auch, wenn Thomas offenbar generell etwas aktivere Pläne im Sinn hatte.
      "Kino klingt gut", stimmte er zu, während er nach Thomas' Hand griff. Wenigstens fühlte sich das langsam irgendwie etwas weniger seltsam an. "Hast du schon einen Film im Sinn?"


      Ezra

      Das war mit Abstand das beste Weihnachten gewesen, das Ezra je erlebt hatte. Er war fast ein bisschen traurig, als sie wieder den Flieger zurück nach London betraten. Zum Glück brachte ihn seine Flugangst schnell und problemlos wieder auf andere Gedanken. Obwohl er das Gefühl hatte, sich langsam doch irgendwie daran zu gewöhnen. Er griff nach Andrews Hand und drückte seine Finger vielleicht eine Spur zu fest, während er seinen Blick fest auf den kleinen Bildschirm im Sitz vor ihm gerichtet hatte, der gerade die Sicherheitsanweisungen abspielte.
      "Du hättest viel früher sagen sollen, dass deine Cousine so locker drauf ist. Sie war wirklich nett", merkte er an, während er sich ein wenig in Andrews Richtung lehnte. "Ich freue mich jetzt schon aufs nächste Weihnachten", scherzte er, etwas nervös, weil das Flugzeug gerade anrollte. Das war immer das Schlimmste am Fliegen. Das Abheben und das Landen. Die Momente, bei denen ihm der Magen in die Kniekehlen zu rutschen schien.
      "Haben wir schon Pläne für Silvester?", fragte er weiter, um sich selbst einfach irgendwie abzulenken. "Ich wäre für eine Feier, oder so. Ein letztes mal betrinken, bevor es wieder zur Arbeit geht. Wir könnten einfach ein paar Leute einladen, etwas Musik spielen und so. Oh und wir könnten etwas Feuerwerk besorgen." Er hatte nie großartigen Wert auf Feuerwerk gelegt, aber ein bisschen Knallerei zu Silvester musste sein, oder? Vielleicht ein paar Wunderkerzen für Liz, etwas Buntes für draußen.
      "Oder hast du andere Pläne? Ich mach eigentlich alles mit, solange wir den Flug überleben." Ezra riss sich von dem Bildschirm vor sich los und sah zu Andrew herüber.
    • Andrew

      Langsam bekam Andrew ein schlechtes Gewissen, Ezra von einem Flugzeug zum nächsten zu schleppen. Er hätte sich auch kaum eine unpraktischere Phobie aussuchen können. Vermutlich würden sie beide nicht drum herum kommen, noch ein paar Mal ins Ausland zu fliegen und das dank ihrer Jobs potenziell öfter als der englische Durchschnittsbürger.
      Ezra schien sich wieder mit Konversation ablenken zu wollen, was Andrew definitiv lieber war, als seine Hand zu verlieren. „Ich hab sie nicht so locker in Erinnerung, wenn ich ehrlich bin“, erwiderte Andrew und runzelte leicht die Stirn. Nein, alles, das er sonst so mit Liverpool in Verbindung gebracht hatte, war Chaos und Lärm. Es war dieses Jahr erschreckend nett gewesen. Und Andrew konnte fast verstehen, dass Ezra sich direkt in die nächste Feier stürzen wollte. Aber nur fast. Wollte er echt… Leute einladen? Zu ihnen nachhause? Gastgeber spielen und so etwas? Das hatte Andrew in seinem Leben noch nie gemacht und er hatte ehrlich gesagt auch noch nie das Bedürfnis verspürt.
      „Ich hatte nichts anderes geplant“, musste Andrew zugeben. Irgendwie war er wohl davon ausgegangen, Silvester wie immer zu verbringen. Wie einen normalen Tag im Jahr… bloß, dass Ezra dabei war und sie vielleicht mit einem Glas Sekt hätten anstoßen können. Unspektakulär. Aber vielleicht hätte er damit rechnen sollen, dass Ezra Neujahr normalerweise etwas anders verbrachte.
      „Und… wenn willst du so einladen?“, fragte er interessehalber. Er hatte nämlich keinen Schimmer, wenn er selbst an Silvester bei sich haben wollte. Oder wer für Einladungen überhaupt zur Option stand. Er konnte doch nicht seine ehemaligen Kollegen einladen, oder? Aber wen sonst? Naja, Ezra hatte vermutlich etliche Freunde, die Andrew nicht kannte, so wie diese Frau, die sie in der Bar getroffen hatten. Und diese Freunde würden alle auf mysteriöse Art und Weise seine Lebensgeschichte kennen. Gott, Andrew würde seine Gesprächs-Batterien auftanken müssen, wenn sie diese Feier veranstalten wollten.

      Thomas

      „Nein“, musste er zurückgeben. Er hatte keine Ahnung, was er da überhaupt vorschlug. Eigentlich war alles in Ordnung, wie es war. Und er saß lieber hier auf dem Sofa und sah sich einen Film mit Steve an, wo sie keine Sessellehnen zwischen sich hatten, die eine riesige gedankliche Barriere herstellten, die es für ihn unmöglich machen würden, Steves Hand zu halten, wie jetzt. Aber… trotzdem konnten sie ja mal wieder zwanglos ausgehen, das hatten sie vorher immerhin auch hin und wieder getan. „Ich weiß garnicht, was es so spielt. Können wir uns ja mal angucken“ Er zückte sein Handy aus der Hosentasche und begann nach dem naheliegendsten Kino zu googlen.

      Als sie Abends wieder auf dem Sofa zusammenfanden, nachdem Thomas geduscht und sich noch eine Portion von Steves genialem Weihnachtsessen reingezogen hatte, war er bereits wieder ein wenig aufgeregt. Er wusste selbst nicht, wieso, aber mittlerweile hing dieser leichte Druck auch über den normalsten Tätigkeiten. Er hatte andauernd die Angst, Steve zu enttäuschen. Was absolut dämlich war und würde er diese Angst aussprechen, würde Steve ihm das sicherlich auch ins Gesicht sagen. Naja, zumindest würde er ihm sagen, dass er ihn enttäuschen konnte. Und Thomas wusste, dass er das wohl auch ernst meinen würde, aber im Endeffekt war Thomas überaus gut darin, Menschen zu enttäuschen und er würde schon einen Weg finden. Also brachte er es garnicht zur Sprache, das war irgendwie sinnlos.
      Er ließ sich in Jogginghose und T-Shirt auf das Sofa fallen und zog eine Decke über sich, bevor er nah zu Steve rutschte und versuchte, das nervige Stimmchen in seinem Kopf verstummen zu lassen. „Star Waaaars…“, murmelte er, während er in Disney+ auf dem Fernseher nach der Serie suchte. „Hey, vielleicht schaffen wir sie sogar ganz. Wir haben Urlaub“, sagte er und musste leicht grinsen. Eigentlich war er immer ziemlich gern zur Arbeit gegangen, aber er hatte zuhause auch nicht allzu viel gehabt, auf das er sich gefreut hatte und mittlerweile war nicht einmal mehr Andrew im Büro, also schien Urlaub plötzlich viel attraktiver als die letzen Jahre. Die Möglichkeiten schienen unendlich. Sie konnten jede Serie ansehen, die sie auf ihren Listen stehen hatten und musste eigentlich keine einzige Pause einlegen. Serien bingen für 7 Tage durchgehend, gab es dafür einen Eintrag im Buch der Rekorde?
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    • Steve

      Wie viel anders würde sich Kino jetzt anfühlen, wo sie zusammen waren? Würde er den halben Film damit verbringen, darüber nachzudenken, ob er Thomas' Hand greifen sollte? Steve konnte sich ja jetzt schon auf nichts anderes mehr konzentrieren und dabei saßen sie aktuell zusammengekuschelt auf dem Sofa und waren drauf und dran, sich durch eine Serie zu suchten.
      Steve legte zögernd einen Arm um Thomas, als selbiger näher an ihn heranrutschte und versuchte das Gefühl zu ignorieren, das sein Herz ein wenig schneller schlagen ließ, ihm zeitgleich aber auch verdeutlichte, wie seltsam die Situation war. Er wollte nicht, dass sich das alles seltsam anfühlte. "Ich denke, das bekommen wir hin. Vielleicht schaffen wir sogar noch eine zweite Serie. Je nachdem, wie viel du in den nächsten Tagen vor hast." Obwohl es nicht viel sein dürfte. Thomas schien - ähnlich wie Steve - nicht der aktivste Mensch zu sein. Drinnen sitzen und zocken, oder Serien schauen wirkte einfach angenehmer, als draußen mit anderen Menschen agieren zu müssen. Wie hatte Thomas das überhaupt mit Leona ausgehalten? Steve hatte sie immer eher wie jemanden eingeschätzt, der gerne raus ging, um sich bewundern zu lassen und im Mittelpunkt stehen zu können. Gut, vielleicht lag das auch einfach an seiner generellen Abneigung ihr gegenüber.
      "Ich glaube, mir fehlen auch noch ein paar von den Marvel-Serien, wenn wir schon dabei sind", redete Steve weiter, halb scherzend. Bei dem Serienangebot, das Disney in letzter Zeit raushaute, hatte er eh schon die Übersicht verloren. Bevor Thomas bei ihm eingezogen war, hatte er meist einfach auf die "Für dich" Kategorie vertraut und geschaut, worauf er gerade Lust hatte.
      Aber Star Wars war definitiv keine schlechte Wahl gewesen. Zumindest schaffte die Serie es, Steve so weit abzulenken, dass er sich gar keine großartigen Gedanken mehr darum machte, wie eng er mit Thomas zusammen saß. Er merkte nicht mal richtig, dass seine Hand irgendwann von Thomas' Taille zu seiner Hüfte hinab wanderte. Am Ende der Folge kam es ihm tatsächlich fast irgendwie normal vor.
      "So beginnt unser Serien-Marathon, schätze ich", kommentierte er, als die erste Folge sie mit einem Cliffhanger in die Credits entließ und der kleine Timer für die nächste Folge runtertickte. "Ich glaube, ich würde mir für die nächste Folge noch einen Tee aufsetzen. Kann ich dir was mitbringen?", fragte er und pausierte die nächste Folge kurz, bevor er sich zu Thomas lehnte und ihm einen Kuss auf die Schläfe drückte.


      Ezra

      "Ach, es finden sich bestimmt schon genug Leute, die noch nichts für Silvester geplant haben", versicherte Ezra. "Ada hat eh keine andere Wahl. Ich würde Hope einladen, damit sie sich nicht mehr darüber beschweren kann, dass sie ewig nicht mehr bei mir war und dann gibt es noch ein paar Leute aus dem Club, oder aus der Nachbarschaft, die sicher auch vorbeischauen würden." Auswahl hatte Ezra auf jeden Fall genug. Das war wohl der Vorteil daran, viel zu reden.
      "Ich denke nicht, dass Amy es in so kurzer Zeit schaffen würde, noch dazu zu kommen, oder?", schob er fragend hinterher. Wenigstens wäre es ihm lieber, Andrews Verwandtschaft einzuladen, als seine eigene. Sollte er seinen Geschwistern eine Einladung schicken? Er konnte nie einschätzen, wie die beiden drauf waren und eigentlich hatte er sich auch noch keinen richtigen Kopf darum gemacht, ob er überhaupt irgendeine Art von Beziehung zu ihnen wollte. Falls er da überhaupt mitsprechen durfte und sie das nicht einfach für ihn entschieden.
      Aber das würde die Party sicher nicht ruinieren können. Er sah vor seinem geistigen Auge schon die Deko und die Snacks, die Getränke und die Partygäste, die sich miteinander unterhielten. Und offensichtlich größtenteils seine Bekannten sein würden, wenn er so genau darüber nachdachte. Wen könnte Andrew schon einladen? Seine Begeisterung über die Party geriet ein kleines bisschen ins Wanken.
      "Und du könntest...äh...Thomas einladen?", schlug er schließlich etwas stockend vor, als er abermals realisierte, dass Andrew das komplette Gegenteil zu ihm war, was Kontakte anging. Er war sich nicht mal sicher, ob sein Freund je irgendeinen anderen netten Kollegen außer Thomas erwähnt hatte. Ansonsten sah es bei ihm eher sparsam aus, was die Gästeliste anbelangte. Ob das der Grund war, weshalb Andrew nicht so begeistert ausgesehen hatte? "Wir, ähm, wir können aber auch gerne einfach zu zweit feiern, wenn dir das lieber ist", merkte Ezra vorsichtig an. Er teilte seinen Freundeskreis zwar gerne - Andrew hatte eh keine andere Wahl, als mit hinein gezogen zu werden - aber er wollte seinen Freund auch nicht vollkommen überfordern.
    • Andrew

      Leute aus dem Club und der Nachbarschaft; mit so etwas hatte Andrew schon gerechnet. "Ich glaube nicht", antwortete auf Ezras Frage. "Außerdem müssten sie definitiv nach einem Hotel suchen. Im Gegensatz zu ihnen müssen wir auf die Villa noch hinarbeiten" Bei ihrem jetzigen Gehalt war es zumindest etwas weniger unrealistisch als vorher. Dennoch hatten sie keinen Platz, um 6 Leute einfliegen zu lassen und ihnen die Ausgaben für eine Unterkunft zu ersparen. "Ich kann sie trotzdem fragen, damit es nachher nicht heißt, ich hätte sie nicht eingeladen", fügte er noch hinzu. Besser er rief sie zuhause einmal kurz an.
      Ezras zögerlicher Vorschlag, Thomas einzuladen, unterschrieb nur Andrews Sorge, dass er einfach niemanden auf seiner Gästeliste stehen hatte. Nicht, dass das für ihn ein Problem war, aber er hatte auch nie geplant irgendwann jemand zu werden, der Partys schmiss. Klar brauchte man da erstmal einen größeren Bekanntenkreis, um nicht allein dazustehen. Aber Ezra hatte den ja, also sollte er das ganze machen, wie er wollte. "Wenn du ihn dabei haben willst, lade ich ihn ein", schmunzelte er. Andrew würde sich ganz bestimmt keine Gästeliste zusammen puzzeln, weil Ezra Mitleid mit ihm hatte. Am Ende musste er noch Richard einladen, weil es ihm an Leuten fehlte. Allerdings hatte Thomas vermutlich nicht anderes vor, als seinen Urlaub mit Videospielen zu verbringen. Andrew merkte, wie er ihn beinahe aus Mitleid mit ihm einladen wollte. Jetzt hatte er ja diesen Freund, den er offenbar auch durch Videospiele kennengelernt hatte. Vielleicht sollte er ihn plus 1 einladen und den beiden die Möglichkeit geben, mal einen Abend lang die viereckigen Augen loszuwerden.
      Andrew lächelte und schüttelte langsam den Kopf, im Unglauben darüber, wie süß Ezra manchmal sein konnte. "Wir können gerne Leute einladen, ich hab dich ja sonst eh immer für mich allein", erwiderte er und konnte nicht anders, als ihm einen Kuss auf die Stirn zu geben.
      "Und du musst irgendwann echt aufhören, dir Sorgen zu machen, dass ich vereinsame. Ich hab die letzten 30 Jahre überlebt und ich bin mehr als glücklich, wenn ich ein paar nette Kollegen und dich hab. Und… Amy, weil wir sie jetzt offenbar öfter besuchen müssen"
      Vermutlich konnte er das Ezra noch tausend Mal sagen und er würde sich trotzdem Sorgen machen. So war das wohl, wenn der eine mit einer großen Familie aufgewachsen war und sich dem Taxifahrer nach zwei Minuten anfreunden konnte, und der andere eben… nicht.

      Thomas

      Steve und er schienen ja auf einer Wellenlänge zu sein, was die Urlaubsplanung betraf. Das war nicht weiter überraschend. Thomas notierte sich gedanklich die Marvel Serien und fühlte sich nun zum ersten Mal seit drei Tagen wirklich entspannt. Er sackte beinahe in die Couch hinein und machte sich keine Gedanken mehr darum, wie nah er bei Steve saß. Irgendwann war er in eine ziemlich gemütliche Position gesunken und völlig benebelt von Steves Geruch, der in seiner Nase hing. Steves Hand an seiner Taille hatte er einfach akzeptiert, gerade schien alles irgendwie viel entspannter und einfacher zu sein. Und dann endete die Folge, Steve küsste ihn auf den Kopf und brachte ihn ein Stück weit zurück in die Realität, als er von Tee sprach.
      "Oh, ja… Vielleicht einen Pfefferminztee?" er konnte noch immer keine Entscheidungen aussprechen, ohne ein Fragezeichen ans Ende seiner Sätze zu hängen. Aber gerade kam die Unsicherheit eher davon, dass ihm völlig egal war, was Steve ihm mitbrachte. Durch seinen Kopf flog nur der Gedanke, dass er ihm gerade noch etwas näher sein wollte, als nur neben ihm zu sitzen. Musste er jetzt aufstehen und Tee machen?
      Thomas brachte es nicht mehr zustande, von ihm wegzusehen. Für ein 'Kannst du mir auch einen Tee mitbringen?' haftete sein Blick vielleicht ein wenig zu intensiv auf seinem Freund.
      "Und vielleicht… Chips oder so…", murmelte er mit dem Ziel, sich selbst loszureißen, aber auch das half nicht. Es war doch gerade so gemütlich… warm und kuschelig und leicht und perfekt. Wann war er das letzte Mal eigentlich so entspannt gewesen?
      Thomas griff sanft nach Steves Arm, bevor er ihn verlassen konnte. Er musste garnicht viel überlegen, bevor er sich langsam aufsetzte und ihn küsste. Das war das einzige, das den Moment noch besser machen konnte. Nicht Tee oder Chips. Nur das hier. Er legte eine Hand an Steves Wange und wagte einen Versuch, ihn wieder etwas zurück aufs Sofa zu ziehen. Er konnte sich den dämlichen Tee auch in fünf Minuten aufsetzen.
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    • Steve

      Thomas war ein wirklich guter Küsser und es war fast schade, dass Steve diesen Fakt jetzt erst herausfand.
      Er war ein wenig überrascht, als Thomas ihn zurückzog und küsste, nachdem sie den Tag eher damit verbracht hatten, etwas awkward mit Berührungen umzugehen, aber er konnte sich absolut nicht beschweren. Er ließ sich von Thomas zurück aufs Sofa ziehen, während er den Kuss erwiderte, stützte sich mit einer Hand ab, während die andere wieder an Thomas' Hüfte wanderte. Sein Herz klopfte wie wild, während er vergas, was er eigentlich hatte machen wollen. Das einzige, was gerade wichtig war, war sein Freund.
      Er löste sich erst von ihm, als der Sauerstoff langsam knapp wurde, gönnte sich eine Sekunde, um nach Luft zu schnappen und küsste ihn sofort wieder, diesmal ein wenig stürmischer, als zuvor. Thomas' Finger fühlten sich warm auf seiner Wange an. Er konnte das Shampoo in seinen Haaren riechen. Für einen Moment kam ihm ihre Beziehung fast ein wenig normaler vor. Fast. Er blinzelte Thomas kurz ein wenig atemlos entgegen, als er wieder nach Luft schnappen musste. Jeden anderen Typen hätte er jetzt wohl gefragt, ob sie den Abend nicht im Schlafzimmer fortsetzen wollten, aber er wollte es absolut vermeiden, Thomas irgendwie zu überfordern.
      Stattdessen lächelte er also nur, während er Thomas ansah. "Ich bin wirklich, wirklich froh, dass Leona Schluss gemacht hat. Ich glaube, mir hätte was im Leben gefehlt, wenn ich das hier alles verpasst hätte." Das war wahrscheinlich nicht sehr viel charmanter, als die Sache mit dem Schlafzimmer, aber Steve hatte es irgendwie einfach aufgegeben, flirten zu wollen.
      Der nächste Kuss war sanfter und kürzer, dafür gab Steve sich einen kleinen Ruck und küsste zögernd Thomas' Hals entlang, mit einer kleinen Pause zwischen jedem Kuss um ihm eine Chance zu geben, ihn zu stoppen, falls es zu viel wurde.


      Ezra

      Ezra konnte nicht anders, als automatisch zu lächeln, als Andrew ihn auf die Stirn küsste. Andrew in seiner Nähe zu haben machte ihn automatisch immer glücklicher. Trotzdem half die Nähe ihm nicht komplett über seine Sorgen hinweg. Er konnte einfach nicht verstehen, was man ohne Freunde oder andere Bezugspersonen machen sollte. Was hätte er selbst ohne Ada gemacht? Ohne Henry? Und irgendwie auch ohne Andrew, auch, wenn sie nie wirklich 'Freunde' gewesen waren und diesen Punkt jetzt wohl mehr als überschritten hatten.
      "Darling, du hast 30 Jahre ohne Freunde gelebt und hieltst es für ratsam, mich zu daten. Ich will nicht rausfinden, was für weitere furchtbare Entscheidungen du triffst, wenn das die nächsten dreißig Jahre so weitergeht." E grinste Andrew leicht entgegen, hob ihre verschränkten Hände hoch und drückte einen Kuss auf seine Knöchel. Gut, vielleicht sollte er mit den Freunden als positiven Einfluss in Andrews Leben warten, bis selbiger wirklich verrückt genug war, ihn zu heiraten, aber darüber könnte er später noch nachdenken. Wenigstens war es schon mal ein guter Anfang, dass Andrew Amy gegenüber aufzuwärmen schien.
      "Wir können ja einfach mal schauen, wie weit wir mit Planung und Vorbereitung kommen und entscheiden dann, wen wir einladen", schlug er vor, während er ihre Hände wieder sinken ließ. Man könnte dann ja etwas spontaner entscheiden, wie groß die Party genau werden sollte. "Bis dahin haben wir uns ja zum Glück noch ein wenig alleine." So schön es bei Amy auch gewesen war, Ezra konnte es irgendwie gar nicht abwarten, wieder zuhause zu sein und einfach an Andrew zu kleben, ohne auf jemand anderen Rücksicht nehmen zu müssen. Falls sie den Flug überlebten.
      Ezras Magen machte einen kleinen Salto, als das Flugzeug kurz ein wenig absackte. Das war das Schlimmste am Fliegen - die Turbulenzen, die einen immer wieder daran erinnerten, dass Menschen nicht zum Fliegen bestimmt waren. "Weißt du was? Vergiss das mit der Party. Hast du Papier und Stift dabei? Ich würde dann schon mal an meinem Testament arbeiten." Nächstes mal würde er einfach darauf bestehen, weniger Gepäck mitzunehmen und den Zug zu nutzen.
    • Thomas

      Wieder und wieder und wieder hatte er daran gezweifelt, ob diese Gefühle echt waren und jetzt konnte er sich nur noch fragen, warum er sie nicht früher bemerkt hatte. Wie konnte man leben, ohne das zu bemerken? Thomas hatte das Gefühl, mit Steve zu verschmelzen und ausnahmsweise wehrte er sich kein Stück gegen irgendetwas. Es war, als hätten alle Zweifel irgendwie mit einem Mal seinen Körper verlassen und Platz gemacht für etwas, das sich realer anfühlte, als seine vorherigen Beziehungen. Und das lag mit größter Sicherheit nur daran, dass in diesem Moment seine Beziehung zu Steve in ihren Platz zu fallen schien, ohne die Freundschaft zu ignorieren oder das, was aus ihr geworden war, weil beides gleichzeitig existieren konnte. Wie lange auch immer das anhalten würde, bis die Zweifel wieder hochkamen… Thomas hoffte auf für immer. Darum hatte er überhaupt keine Worte, als Steve aussprach, was er dachte. Er wollte das hier auch auf keinen Fall verpasst haben. Er nickte nur leicht, etwas zu atemlos und vernebelt, um überhaupt etwas rauszubekommen, bevor Steve ihm ohnehin wieder jegliche Reaktionsfähigkeit nahm, indem er über seinen Hals küsste. Thomas wollte seine Lippen überall auf seiner Haut spüren. Und er bemerkte das Zögern in seinen Bewegungen.
      Dieses Zögern musste ihn garnicht erinnern, was in Steves Kopf passierte, denn Thomas hatte denselben Gedanken. Und er wollte wirklich nicht, dass das hier endete. Einerseits, weil er wissen wollte, was alles passieren konnte, und andererseits, weil ihm für den Moment mal egal war, was in den nächsten drei Minuten passierte, solang es jetzt gerade gut war.
      Trotzdem musste er Steves Gesicht wieder sanft zu sich nach oben lenken, bevor er sich noch mehr als seinen Hals vornahm. Da war einfach diese winzig kleine Angst, die so sehr an ihm nagte, dass er kein Risiko eingehen wollte. Vermutlich genau deshalb, weil er diesen Moment der Zufriedenheit, wenn alles okay, eigentlich perfekt war, etwas länger bewahren wollte. Nicht zu wissen, was passieren würde, war ihm noch ein bisschen zu unheimlich. Auch wenn es ihn heute selbst frustrierte. Bei keiner Frau der Welt hätte er auch nur zwei Sekunden lang gezögert. Aber was konnte er schon tun? Logisch betrachtet würden die Sorgen erst verschwinden, wenn ihm das Unbekannte nicht mehr unbekannt war.
      Aber nur heute wollte er noch alles andere ignorieren und einfach den Moment genießen. Und… den Moment dann bestenfalls auch wieder beenden, bevor sie wie beim letzten Mal etwas zu enthusiastisch wurden. Thomas schaffte es aber ohnehin, das Tempo ein wenig zu zügeln, bis sie sich wie von selbst voneinander lösten. Dann brach wieder ein bisschen die Schüchternheit über ihn ein, die vor ein paar Minuten völlig weggeblasen gewesen war. "Willst du immer noch Tee? Wir haben noch ein paar Episoden vor uns", murmelte er leise.

      Andrew

      "Du hast die letzten 28 Jahre über genug Kontakte gehabt und bist auch nicht besser dran, als ich. Ich nehm keine Kritik von dir an", gab Andrew zurück und zog die Augenbrauen skeptisch zusammen. Irgendwie waren sie durch einen Haufen schlechter Entscheidungen beide hier gelandet. Aber drüber konnte Andrew sich nicht beschweren. Manchmal war es wohl gut, impulsive und dämliche Dinge zu tun. Es konnte ja immer noch etwas Gutes dabei rauskommen.
      Aber gerade wegen einiger der dämlichen Entscheidungen reagierte Andrew immer noch ziemlich allergisch auf den Gedanken, dass Ezra irgendetwas passieren könnte und er konnte sich über den Witz mit dem Testament nur zwingen zu lachen. Er wusste, wie unwahrscheinlich es war, dass ihnen auf einem Flug irgendetwas passierte. Die Chancen auf einen Autounfall standen, wie sie wussten, weitaus höher. Aber Ezras Angst setzte ihn auch immer ein wenig in Alarmbereitschaft. Nur, dass er rein garnichts tun könnte, um ihn zu retten, wenn sie irgendwie in einen Flugzeugabsturz gerieten. Ihm höchstens die Sauerstoffmaske zuerst aufsetzen, das konnte er noch tun.
      Auf der anderen Seite leuchtete dank Ezras Aussage eine Glühbirne in Andrews Kopf auf. "Du hast doch ein Testament, oder? Du meintest, dein Haus geht an Liz, wenn etwas passiert", fragte er.
      Er selbst sollte sein eigenes vielleicht mal überarbeiten, auch wenn es nicht gerade viel im Bereich 'Erbe' zu schreiben gab. Aber bisher hatte er kaum darüber nachgedacht, wer wie entscheiden sollte, was mit ihm passierte, wenn er etwa im Koma lag. Allerdings war Ezra erst seit ein paar Monaten sein Freund und sie waren nicht verheiratet oder als Lebenspartner eingetragen also war es vielleicht sinnlos, jetzt schon darüber nachzudenken, und ihm irgendwelche Erlaubnisse zu erteilen. Aber bei ihren Jobs… und ihrem generellen Lebensstil, wäre es gut, irgendeine Absicherung zu haben, oder nicht? Zumindest saß Andrew auf der Straße, wenn Ezra etwas passierte, was wohl sein kleinstes Problem sein würde, aber trotzdem. Und wenn bei ihm keiner entschied, irgendwann den Stecker zu ziehen, konnte er sich auf die Verwesung im Krankenhaus freuen. Urgh.
      "Ach, vergiss die Frage", setzte er nach. Irgendwie wollte er mit Ezra dieses Gespräch wirklich noch nicht führen. Die meisten Leute dachten darüber doch sowieso erst in ihren Fünfzigern nach, oder? Vielleicht nicht unbedingt, wenn sie bei einer Geheimorganisation arbeiteten… Andrew war geradezu genötigt wurden, früh ein Testament aufzustellen, aber er hatte weder irgendetwas, das er jemand anderem geben konnte, noch kannte er jemanden, der irgendeine Vollmacht bekommen könnte. Wie lief das, ging die Verantwortung automatisch an die nächsten Verwandten über? Amy? Naja, gut, dass er sie doch mal wieder gesehen hat. Vielleicht hätte er beiläufig erwähnen sollen, in welchen Fällen mal ihm den letzten Stoß geben durfte.
      Eigentlich war Heiraten ja eine ziemlich günstige Sache, versicherungstechnisch. Das sollte er dem Romantiker neben sich vielleicht eher nicht aufs Auge drücken.
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    • Ezra

      Natürlich hatte er ein Testament. Er war ein Dieb, der den Kontakt mit seiner kriminellen Familie abgebrochen hatte und mit einer alleinerziehenden Mutter zusammen wohnte - die Wahrscheinlichkeit eines vorzeitigen Ablebens war ihm immer schon ziemlich hoch vorgekommen. Vor seiner Beziehung mit Andrew hatte er sich nie wirklich sicher gefühlt. Vielleicht hing er auch deshalb so an ihm. Das kleine bisschen Sicherheit in seinem chaotischen Leben. Wie hätte er sich da nicht vollkommen in ihn verlieben können?
      Er lächelte Andrew sanft entgegen, drückte seine Hand und gab ihm einen Kuss auf die Wange. “Ich denke nicht, dass du mein Testament so schnell zu Gesicht bekommst, Darling”, versicherte er, während ein kurzer versehentlicher Blick aus dem Fenster wieder dazu führte, dass sein Magen einen Looping machte. Er musste einfach nur einen Weg finden, Flugzeuge in nächster Zeit zu vermeiden. Aber das sollte sich einrichten lassen, nicht?

      Gott sei Dank überstanden sie den restlichen Flug ohne Komplikationen.
      Ezra war dermaßen dankbar, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben, dass es ihn nicht mal störte, dass die Gepäckausgabe etwas länger dauerte, oder Liz wegen dem langsamen Schlafmangel immer quengeliger wurde. Als sie zuhause ankamen, fühlte Ezra sich fast wieder, wie ein funktionierender Mensch.
      “Nächstes Jahr sparen wir uns die Weihnachtsgeschenke. Wir sparen jetzt einfach, bis wir Amy und Familie zu uns einladen können”, verkündete er, während er die Wohnungstür hinter ihnen ins Schloss zog. “Oder wir fahren Zug.” Er stieß ein dramatisches Seufzen aus und zog Andrew enger an sich. Weihnachten war schön gewesen, aber es tat auch verdammt gut, seinen Freund wieder komplett für sich zu haben, in ihren eigenen vier Wänden, wo er so sehr an ihm kleben konnte, wie er wollte.
      “Was machen wir mit dem restlichen Tag?”, nuschelte Ezra gegen Andrews Schulter, während er seine Hände zu Andrews Hintern wandern ließ. “Außer den Koffer auspacken und die Wäsche anzuschmeißen, natürlich. Partyplanung?” Eigentlich hatte Ezra nach dem Flug nicht das Gefühl, noch genügend Hirnkapazität zusammenkratzen zu können, um eine halbwegs vernünftige Party zu planen, aber irgendwie mussten sie die Zeit ja rumbekommen, nicht?



      Steve

      Für einen Moment hatte sich ihre Beziehung so einfach, so selbstverständlich angefühlt, dass er nicht wusste, wie weit er gegangen wäre. Obwohl er auch absolut zufrieden damit wäre, den restlichen Abend einfach damit zu füllen, Thomas zu küssen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Leider stoppte selbiger ihn, bevor er sich vollkommen in dem Kuss verlieren konnte.
      Steve blinzelte Thomas ein wenig irritiert entgegen, während er immer noch das wilde Pochen seines Herzens spüren konnte. Er fühlte sich ein bisschen wie berauscht. Diese Beziehung war eindeutig anders, als seine vorherigen. Ruhiger, intensiver, die Art von Beziehung, die Liebeslieder weniger kitschig erscheinen ließ. Es war ein unbeschreiblich seltsames Gefühl, sich in seinen besten Freund zu verlieben. Wenn er Thomas nicht daten würde, wäre das wahrscheinlich die Beziehung gewesen, die ihn dazu verleitet hätte, sich vor ihm zu outen, einfach, um auf einen Ratschlag von seinem besten Freund zu hoffen, der ihm irgendwie helfen würde, seine Gefühle zu sortieren. Leider steckte er in dieser Hinsicht offenbar in der süßesten Zwickmühle der Welt.
      “Und Chips”, antwortete Steve immer noch überfordert von seiner eigenen Gefühlswelt, während er sich aufrappelte. “Ich, äh, ich bin…ich bin sofort wieder da”, stotterte er, während er ein bisschen hilflos in die Richtung der Küche deutete, als wolle er verdeutlichen, dass man zum Teekochen in eine Küche musste. Vorbei war der kurze Moment der Leichtigkeit.
      Steve setzte das Wasser auf, als er realisierte, dass er Thomas gar nicht gefragt hatte, welchen Tee er wollte. Er seufzte kurz, bevor er einfach nach dem Tee griff, den Thomas normalerweise am liebsten mochte und darauf hoffte, dass sein Freund heute nicht experimentierfreudig unterwegs war. Zumindest nicht experimentierfreudiger, als er gerade schon gewesen war. Er starrte gedankenverloren auf den Wasserkocher, bis er das Wasser in zwei Tassen kippen konnte und zurück ins Wohnzimmer ging.
      “Ich hoffe, ich hab den richtigen Tee für dich erwischt”, merkte er an, als er die zwei Tassen auf den Wohnzimmertisch abstellte und danach eine Tüte Chips aus dem Wohnzimmerschrank zog, in dem er sein Stressessen aufbewahrte. Er hätte auch einfach zurück ins Wohnzimmer gehen und Thomas fragen können, welchen Tee er wollte, aber nach der seltsamen Stimmung hatte er einen kleinen Moment gebraucht, um sich irgendwie zu sortieren. Und wahrscheinlich hatte Thomas das auch gebraucht.
      Steve setzte sich wieder neben ihn aufs Sofa, bemüht, die Leichtigkeit von eben irgendwie wieder zurückzuholen. Es war albern. Sie kannten sich schon ewig und er hatte absolutes Vertrauen in ihn. Warum das ganze Zögern? Er lehnte sich zu Thomas herüber, stahl ihm einen kleinen Kuss von den Lippen und griff anschließend nach der Fernbedienung. Ihre Beziehung würde sich nie normal anfühlen, wenn sie nicht langsam anfangen würden, sich normal zu verhalten. “Also. Nächste Folge?”
    • Andrew

      Andrew lachte leicht. "Wenn wir rechtzeitig Bescheid geben, ist ein Hotel wahrscheinlich nichtmal ein Problem. Dann könnten sie hier ein paar Tage Urlaub machen", schlug er vor. Jedenfalls wollte er Ezra selbst nicht öfter in ein Flugzeug schleppen, als es notwendig war. Am Ende bekam er noch einen Herzanfall wegen irgendwelchen Turbulenzen. Und eigentlich wollte Andrew Ezras Arme noch ein paar Jahre länger um seinen Körper geschlungen spüren. Um die letzten neun Jahre wettzumachen, in denen er sie höchstens in einem Würgegriff um sein Genick hatte spüren dürfen.
      Andrew strich dem Blonden über den Rücken und schloss die Augen. Es war schön, nicht darauf achten zu müssen, ob irgendjemand in der Nähe war. Am liebsten würde er sich mit Ezra einrollen und erstmal stundenlang auf der Couch verrotten. Gott, er färbte echt ab.
      Aber Ezra hatte anscheinend sowieso einen anderen Plan. Andrew schlug die Augen auf. Da hatte er einmal einfach nur liebevolle Gedanken und sein Freund grabschte ihm den Hintern ab. "Partyplanung…", murmelte Andrew. "Tu doch nicht so" Er schob den Kleineren ein Stück von sich weg und sah ihm in die Augen, mit einem leicht ungläubigen Lächeln im Gesicht.
      "Okay, lass mich zusammenfassen. Die Einladungen für Silvester sind so spontan, dass es auch schon egal ist, ob wir uns heute oder morgen darum kümmern. Und wenn wir schon Wäsche waschen, können wir die Bettwäsche gleich inkludieren" Andrew brauchte wirklich keine Überredungen. "Also gibt es eigentlich nur eine sinnvolle Option, wie wir den restlichen Tag verschwenden können" Er blinzelte Ezra ein paar Mal an, bevor er seine Jacke hinter sich fallen ließ, ihn küsste und dann langsam Richtung Schlafzimmer schob. "Außer du hast ein extremes Verlangen danach, diese Party zu planen", murmelte er zwischen Küssen. Das wurde echt nie langweilig.

      Thomas

      Steve schien irgendwie weitaus umentspannter als Thomas. Das war neu. Er blinzelte ihm hinterher, als er in die Küche stolperte. War das seine Schuld? Hatte er ihm schon wieder Hoffnungen gemacht und ihn dann fallen gelassen? Thomas schmiss leicht frustriert den Kopf in den Nacken. Verdammt, er hatte eigentlich das Gefühl gehabt, dass gerade alles völlig in Ordnung gewesen war. Aber er hätte wohl damit rechnen sollen, dass er Steves Geduld nicht ewig verlangen konnte.
      Als er zurückkam und ihm einen kleinen Kuss schenkte, schien alles wieder okay zu sein. Dass Steve ihm nichts übel nehmen würde, wusste er ja, aber es gab eben Unterschiede, was man in einer Freundschaft oder in einer Beziehung erwarten konnte. Und Thomas hatte es in letzter Zeit nicht so damit, irgendwelche Erwartungen zu erfüllen.
      "Danke", sagte er und griff nach der Tasse. "Pfefferminz", nickte er anerkennend und lächelte Steve kurz zu. Er stellte den Tee wieder ab und rutschte ein Stück enger an seinen Freund heran, in der Hoffnung, dass er damit irgendwie die Situation von eben etwas wett machen konnte. "Nächste Folge", antwortete er. Sie standen noch ganz am Anfang des Abends. Wie dämlich konnte Thomas nur sein, so etwas gleich am Anfang abzuziehen? Vor allem, wenn sich alles gerade so wundervoll normal angefühlt hatte. Gott, hoffentlich kam dieses Gefühl gleich wieder zurück. Jetzt, wo Thomas es einmal gehabt hatte, wollte er es nicht gleich wieder verlieren.
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    • Steve

      "Mein Pfefferminz-Tee-Vorrat hat bedrohliche Tiefen erreicht, seit du eingezogen bist", informierte Steve seinen Freund amüsiert, bemüht, jedes bisschen Leichtigkeit zu beschwören, das er besaß. Er nippte an seinem eigenen, deutlich fruchtigeren, Tee und versuchte, sich selbst davon zu überzeugen, die Beziehung deutlich lockerer anzugehen.
      Alles war vollkommen normal. Er saß mit seinem Freund auf dem Sofa und sah sich eine Serie an, wie er es schon hunderte male zuvor mit anderen Beziehungen getan hatte. Es war nichts Neues. Zumindest nichts komplett Neues. Gut, vielleicht hatte er bisher nie so oft Serien mit seinen Beziehungen geschaut, weil er zu selten Nerds gedatet hatte und zu oft Typen, die während der Serie gelangweilt auf ihre Handys sahen, aber es war vorgekommen! Er hatte zwei Beziehungen benötigt, um Lost zuende zu schauen, aber er hatte es geschafft! Dass Thomas jetzt neben ihm saß änderte nichts an der Grundsituation. Er hatte nur endlich jemanden, der die selben Serien sah, wie er und zwischendurch nicht auf Instagram abhing um zu sehen, welche Partyfotos seine Freunde geschickt hatten.
      Steve startete die nächste Folge und zog Thomas ein bisschen näher an sich. Verrückt darüber nachzudenken, dass das hier alles als lockere Internetfreundschaft begonnen hatte. Steve hatte das Gefühl, dass er den Verstand verlieren würde, wenn er zu sehr darüber nachdenken würde, wie zufallsgeschuldet ihre komplette Freundschaft gewesen war. Er lehnte sich gegen Thomas und versuchte stattdessen, sich auf die Serie zu konzentrieren, was einfacher war, als gedacht. Auch wenn die Story gewohnt Star Wars-mäßig zeitgleich sehr einfach und unnötig kompliziert war. Aber wenigstens hatte er mit Thomas jemanden, bei dem man kleine Plotholes oder alberne Handlungen kommentieren konnte.
      "Und?", fragte er zwischendurch interessiert, während er nach der Chipstüte griff, "Siehst du die Schauspieler jetzt mit anderen Augen, wo du weißt, dass du bi bist?" Für ihn selbst war diese Erkenntnis früher zumindest eine Art Schlüsselerlebnis gewesen. Der Moment, in dem alle anderen Jungs der coole Protagonist sein wollten, während er immer lieber jemand gewesen wäre, der bei dem Protagonisten war. Allerdings war er selbst deutlich jünger als Thomas gewesen, als er realisiert hatte, dass er schwul war, also war das wahrscheinlich nicht vergleichbar.


      Ezra

      Ezra bemühte sich, möglichst pikiert auszusehen, als Andrew ihm andere Absichten unterstellte, konnte das Gesicht allerdings nicht lange halten, bevor ein Grinsen auf seinen Lippen erschien. "Verschwendung würde ich das ja nicht nennen", merkte er an, bevor Andrews Jacke auf dem Boden ihn ein kleines Geräusch des Protestes entlockte. Andrew hatte verdammt großes Glück, dass er ihn schnell genug küsste, bevor er in eine Rede darüber ausbrechen konnte, dass er extra Platz an der Garderobe gemacht hatte und die Jacke so nur knitterte. Er hatte Glück, dass die Küsse so ablenkend waren, dass Ezra die Jacke vergaß, sobald sie die Schwelle zum Schlafzimmer überschritten hatten.
      "Du weißt wirklich, wie du mich um den kleinen Finger wickeln kannst. Der Gedanke Wäsche zu waschen war noch nie so sexy." Ezra musste kurz auflachen, während er mit seinen Händen über Andrews Brust strich und an den Knöpfen seines Hemdes hängen blieb. Er begann damit, langsam die obersten Knöpfe zu öffnen, während er Andrews Kiefer entlang küsste, bis hinab zu seinem Hals. Er hatte das Gefühl, dass er Andrew nie nah genug sein könnte. Er könnte für den Rest seines Lebens mit Sekundenkleber an ihm hängen und doch wäre es nicht genug.
      "Was wäre dein Vorschlag, um die Bettwäsche möglichst effektiv zu ruinieren?", fragte er zwischen den Küssen, als seine Finger ungefähr bei den Knöpfen auf Bauchnabelhöhe angekommen waren. Sein Freund war unglaublich heiß, aber seine Kleidung bestand eindeutig aus viel zu viel Stoff, vor allem, wenn sich Ezra in dem abgekühlten Schlafzimmer nichts schöneres als seine Körperwärme vorstellen konnte.
      "Der Dirtytalk hat so vielversprechend angefangen, enttäusch mich jetzt nicht." Er zwinkerte Andrew grinsend entgegen. Ezra konnte schon die Vorfreude in sich aufsteigen fühlen. Die selbe Vorfreude, die er immer spürte, wenn er Andrew auszog. Der perfekteste Mensch der Welt, der sich aus irgendeinem Grund dafür entschieden hatte, mit ihm zusammen zu sein. Ezra streckte sich leicht nach oben, um einen Kuss auf Andrews blasse Sommersprossen zu drücken, bevor er ein kurzes, dramatisches Seufzen ausstieß. "Irgendwann muss ich mir markieren, welche Sommersprossen ich schon geküsst habe und welche noch auf meiner Liste stehen."
    • Thomas

      Thomas vergaß seine Sorgen ziemlich schnell wieder, sobald Steve ihn näher an sich zog. Er hatte sich bei seinem besten Freund schon immer am wohlsten gefühlt und es war ein tolles Gefühl, endlich mit Berührungen klarzukommen. Als wäre sein zweites Zuhause endlich wieder sein zweites Zuhause und nicht… irgendetwas, das ihn schrecklich stresste.
      Steves Frage kam trotzdem völlig aus dem Nichts. „Äh… ich weiß nicht“, begann Thomas und musste kurz überlegen. Er hatte sich darüber echt noch keine Gedanken gemacht. Wenn ihm männliche Schauspieler vorher schon automatisch ins Auge gesprungen wären, hätte er kaum so spät bemerkt, was in ihm vorging. Aber er hatte noch keine Sekunde überlegt, ob er abgesehen von Steve noch jemanden attraktiv fand. Das alleine hatte ihn schon genug Schwierigkeiten bereitet, da wollte er sich nicht direkt in eine weitere Existenzkrise stürzen. Er hatte noch garnicht überlegt, ob er vielleicht schon mal jemanden gemocht hatte, ohne es richtig zu merken. Ob er Steve vorher gemocht hatte, ohne es zu merken. Wobei das… ja irgendwie so sein musste, nicht? Ein One Night Stand passierte nicht komplett aus dem Nichts. Aber Thomas hatte keine Ahnung, was Zeichen gewesen wären. Er hatte das Gefühl, Steve ganz anders zu mögen als die Freundinnen, die er vor ihm hatte. Es war nicht so richtig vergleichbar. Und was Schauspieler anging… Tja, ihm fiel vielleicht tatsächlich zum ersten Mal im Leben auf, dass er sie nicht einfach nur objektiv attraktiv fand. Aber es war unfassbar schwer zu differenzieren.
      „Ich hab nicht wirklich darüber nachgedacht. Ich hab keine Ahnung, wie man den Unterschied erkennt, ob man jemanden einfach gutaussehend findet oder… attraktiv. Weißt du, was ich meine? Ich bin ja nicht blind, aber ich dachte auch nie, dass ich dich… auf eine andere Art… attraktiv finde als… die Menschheit sich allgemein darauf geeignet hat, dass Ryan Gosling heiß ist“ Thomas musste sich fast Face-palmen bei dem Vergleich.
      „Nicht, dass ich Ryan Gosling heiß finde. Aber ich finde ihn nicht hässlich. Ich war mir jedenfalls immer sicher, dass es für dich eine Herausforderung sein muss, mal single zu sein, weil die Frauen… oder, anscheinend die Männer, Schlange stehen müssen. Ich hab halt nicht gedacht, dass ich in der Schlange stehe“ Oh Mann, er sollte mal einen Sprachkurs für seine Muttersprache besuchen.

      Andrew

      Andrew legte den Kopf etwas zur Seite, um Ezra Platz zu machen, und strich ihm über die Oberarme. „Warst du nicht derjenige, der sich immer tausende dreckige Sachen überlegt hat?“, murmelte Andrew belustigt und spielte im Kopf die letzten Jahre durch. Oh, doch, da waren die ein oder anderen Dinge gefallen, die ihre Bettwäsche in einen unwaschbaren Zustand versetzen könnten. Aber sie konnten ja mal etwas ausprobieren, das nicht allzu extrem war und trotzdem Ezras Fantasie gerecht wurde.
      „Was hältst du von Massage Öl?“, fragte er leise. Andrew hatte schon eine Weile vor Weihnachten den Einfall gehabt, Ezra mal mit einer Massage zu überraschen. Okay, zum Teil wollte er selbst auch einfach mal ausprobieren, wie man sowas machte. Und vielleicht selbst eine Massage ergattern. Aber auf dem Teil stand ja nicht drauf, ob man sich auf irgendwelche Körperregionen beschränken musste.
      „Warte kurz hier“, sagte er und löste sich unfreiwillig von Ezras Küssen. Er beeilte sich auf dem Weg ins Badezimmer und knöpfte sein Hemd dabei selbst vollständig auf. Aus einem der oberen Regale im Badezimmerschrank nahm er die Schachtel, die er von Amazon geliefert bekommen hatte und nahm das kleine, durchsichtige, golden verzierte Ölfläschchen heraus. Die Menge… würde wahrscheinlich nicht für ein zweites Mal ausreichen, wenn er ehrlich war. Aber das Zeug sollte ziemlich gut riechen und eigentlich keine Flecken hinterlassen, das war wichtig gewesen. Sollte ja ein entspannender Abend oder so etwas werden und nicht noch mehr Arbeit machen. Naja, was auch immer. Man musste nicht immer alles nach Anleitung machen.
      Andrew kam zurück und stellte die kleine Flasche auf das Nachtkästchen. „Du darfst mich nicht verurteilen, falls ich dir die Rippen breche, oder so, aber ich werde mich bemühen“, schmunzelte er und küsste den Blonden erneut, bevor er ihm sein Oberteil auszog.
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