Stanis setzte sie mit einer Leichtigkeit zurück auf den Wagen, die Ranea sonst so beeindruckt hätte, die sie jetzt aber kaum bemerkte. Zu sehr musste sie an den riesigen Vogel denken und je mehr sie ihn sich zurück ins Gedächtnis holte, desto mehr furchtbare Dinge fielen ihr ein, wie scharf die Krallen zugelaufen waren und wie boshaft die Augen gewesen waren und wie gewaltig der Schnabel. Es gefiel ihr ganz und gar nicht. Sie erschauderte dabei und wünschte sich, dass der Ochse auf dem Heimweg sehr schnell sein würde.
Zuhause war alles wieder ein bisschen besser, aber Ranea war trotzdem nicht mehr in der Stimmung für die aufreizenden Gedanken von vorhin. Sie ließ sich von Stanis herab helfen und zupfte ihr Kleid zurecht.
„Hey, Ranea…“, sagte er und dem Klang seiner Stimme folgend sah sie zu ihm auf. Er legte seine großen, starken Hände auf ihre Schulter und bei diesem erdenden Gefühl wurde ihr doch wieder ein bisschen wärmer.
„Wir haben den Vogel nur gesehen. Es ist nicht geschehen. Es geht uns allen gut und nichts hat sich verändert. Wir sind eh zu weit draußen, als dass sich so ein Ungetüm für uns interessieren würde.“
Ranea nickte langsam; wenn Stanis das glaubte, dann musste das doch sicher richtig sein. Oder? In dem Versuch, sich seiner Meinung anzuschließen, sagte sie:
"Und er ist nicht zu uns zurückgekommen. Er fliegt weiter und kommt nicht wieder. Nicht wahr?"
Stanis nickte und lächelte ein bisschen. Es war nicht ganz so strahlend wie vorhin noch, aber es reichte, dass Ranea sich auch wieder ein bisschen besser fühlte. Bestimmt war der Vogel nur auf irgendeiner... Reise und Xaltis hatte nunmal auf seinem Weg gelegen. Nichts, worum man sich lange Sorgen machen müsste.
Stanis hob seine Hände weiter zu ihrem Gesicht und Ranea fühlte, wie ihr langsam wieder die gewohnte Hitze durch den Körper kroch. Sie fühlte sich Rot im Gesicht werden, wofür Roshia sie sicher ein Leben lang aufziehen würde, doch Stanis blieb ernst und sah sie voller Aufrichtigkeit an.
„Es ist alles okay, Ranea. Alles ist gut. Es ist nichts passiert. Ich bin da, wenn etwas sein sollte.“
Er war da, wenn etwas sein sollte. Das hörte sich an wie aus einer Märchengeschichte und Ranea musste jetzt doch unwillkürlich lächeln. Wenn Stanis für sie da war, dann war sicher alles in Ordnung. Niemand konnte dem Jungen mit den starken Händen und den muskulösen Schultern etwas anhaben. Und er würde für sie da sein.
"Okay. Ich glaube dir", sagte sie und brachte es dann doch noch zu einem erleichterten Lächeln. Alles war okay. Sie hatten zwar den größten Vogel der Menschheit gesehen, aber alles war in Ordnung.
Wie es sich herausstellte waren die Erwachsenen mindestens genauso beunruhigt, doch sie versuchten es zumindest vor den Kindern zu verheimlichen - zu denen Ranea sicher nicht mehr gehörte, aber in ihrer Gegenwart wurden die Gespräche trotzdem geheim gehalten. Alles konnten sie aber nicht verbergen, zum einen nicht das Geflüster und zum anderen nicht die ganzen sorgenvollen Mienen, die Ranea überall sah. Mit ziemlicher Klarheit kristallisierte sich nach diesem Tag der Begriff Phönix heraus. Das sollte ein Phönix gewesen sein, dessen waren sich die Erwachsenen sicher. Nur schien niemand zu verstehen, wieso der Phönix schwarz war.
Das Erntefest wurde trotzdem abgehalten. Phönix hin oder her, sie hatten dennoch eine beachtliche Ernte dieses Jahr gemacht und außerdem standen Phönixe sowieso für die Wiedergeburt und für Reinheit, was viele als Zeichen dafür sehen wollten, dass sie genau deswegen das Fest abhalten sollten. Niemand beschwerte sich, doch Ranea fand, dass niemand genauso wenig die Sache mit dem guten Zeichen des Phönixes zu glauben schien. Phönixe waren immerhin Rot und außerdem sollten sie keinen solchen Schrecken verbreiten. Das war sicher nicht als gutes Zeichen zu sehen; fand zumindest Ranea.
Nichtsdestotrotz half sie einige Tage später beim Aufbauen des Festes und ging Roshia aus dem Weg, die mit ihren Freundinnen zusammenstand, die Jungen anhimmelte und über die Mädchen lästerte. Auch Raneas Freundinnen hatten sich unlängst zusammengerottet, aber sie hatte ihnen schon gesagt, dass sie diesmal keine Zeit für sie haben würde. Sie wollte Stanis finden und ihr Herz raste dabei so sehr, dass sie es schon in ihren Ohren hören konnte. Aufgeregt sah sie sich ständig nach ihm um.
Es war später Nachmittag und die Sonne neigte sich langsam dem Horizont entgegen. Ranea trug ihr bestes Sommerkleid und hatte sich aus bunten Blumen einen Kranz gebastelt, den sie sich dann in ihre Haare geflochten hatte. Sie fühlte sich hübsch genug, einem Jungen wie Stanis gegenüberzutreten, und außerdem hatte sie in der Nacht noch fleißig tanzen geübt. Sie konnte das. Sie musste ihn nur noch richtig... fragen, weil er ihr genauso ausgewichen war wie sie, aber sie hatte schon fast keine Bedenken, dass er mit ihr tanzen würde. Fast.
Mit der Nachbarin hängte sie noch die letzten Girlanden auf, dann sprang sie von der Leiter hinab. Jetzt schnell Stanis finden, bevor ein anderes Mädchen ihn auffordern konnte. Bevor Roshia ihn noch erwischte.
Zuhause war alles wieder ein bisschen besser, aber Ranea war trotzdem nicht mehr in der Stimmung für die aufreizenden Gedanken von vorhin. Sie ließ sich von Stanis herab helfen und zupfte ihr Kleid zurecht.
„Hey, Ranea…“, sagte er und dem Klang seiner Stimme folgend sah sie zu ihm auf. Er legte seine großen, starken Hände auf ihre Schulter und bei diesem erdenden Gefühl wurde ihr doch wieder ein bisschen wärmer.
„Wir haben den Vogel nur gesehen. Es ist nicht geschehen. Es geht uns allen gut und nichts hat sich verändert. Wir sind eh zu weit draußen, als dass sich so ein Ungetüm für uns interessieren würde.“
Ranea nickte langsam; wenn Stanis das glaubte, dann musste das doch sicher richtig sein. Oder? In dem Versuch, sich seiner Meinung anzuschließen, sagte sie:
"Und er ist nicht zu uns zurückgekommen. Er fliegt weiter und kommt nicht wieder. Nicht wahr?"
Stanis nickte und lächelte ein bisschen. Es war nicht ganz so strahlend wie vorhin noch, aber es reichte, dass Ranea sich auch wieder ein bisschen besser fühlte. Bestimmt war der Vogel nur auf irgendeiner... Reise und Xaltis hatte nunmal auf seinem Weg gelegen. Nichts, worum man sich lange Sorgen machen müsste.
Stanis hob seine Hände weiter zu ihrem Gesicht und Ranea fühlte, wie ihr langsam wieder die gewohnte Hitze durch den Körper kroch. Sie fühlte sich Rot im Gesicht werden, wofür Roshia sie sicher ein Leben lang aufziehen würde, doch Stanis blieb ernst und sah sie voller Aufrichtigkeit an.
„Es ist alles okay, Ranea. Alles ist gut. Es ist nichts passiert. Ich bin da, wenn etwas sein sollte.“
Er war da, wenn etwas sein sollte. Das hörte sich an wie aus einer Märchengeschichte und Ranea musste jetzt doch unwillkürlich lächeln. Wenn Stanis für sie da war, dann war sicher alles in Ordnung. Niemand konnte dem Jungen mit den starken Händen und den muskulösen Schultern etwas anhaben. Und er würde für sie da sein.
"Okay. Ich glaube dir", sagte sie und brachte es dann doch noch zu einem erleichterten Lächeln. Alles war okay. Sie hatten zwar den größten Vogel der Menschheit gesehen, aber alles war in Ordnung.
Wie es sich herausstellte waren die Erwachsenen mindestens genauso beunruhigt, doch sie versuchten es zumindest vor den Kindern zu verheimlichen - zu denen Ranea sicher nicht mehr gehörte, aber in ihrer Gegenwart wurden die Gespräche trotzdem geheim gehalten. Alles konnten sie aber nicht verbergen, zum einen nicht das Geflüster und zum anderen nicht die ganzen sorgenvollen Mienen, die Ranea überall sah. Mit ziemlicher Klarheit kristallisierte sich nach diesem Tag der Begriff Phönix heraus. Das sollte ein Phönix gewesen sein, dessen waren sich die Erwachsenen sicher. Nur schien niemand zu verstehen, wieso der Phönix schwarz war.
Das Erntefest wurde trotzdem abgehalten. Phönix hin oder her, sie hatten dennoch eine beachtliche Ernte dieses Jahr gemacht und außerdem standen Phönixe sowieso für die Wiedergeburt und für Reinheit, was viele als Zeichen dafür sehen wollten, dass sie genau deswegen das Fest abhalten sollten. Niemand beschwerte sich, doch Ranea fand, dass niemand genauso wenig die Sache mit dem guten Zeichen des Phönixes zu glauben schien. Phönixe waren immerhin Rot und außerdem sollten sie keinen solchen Schrecken verbreiten. Das war sicher nicht als gutes Zeichen zu sehen; fand zumindest Ranea.
Nichtsdestotrotz half sie einige Tage später beim Aufbauen des Festes und ging Roshia aus dem Weg, die mit ihren Freundinnen zusammenstand, die Jungen anhimmelte und über die Mädchen lästerte. Auch Raneas Freundinnen hatten sich unlängst zusammengerottet, aber sie hatte ihnen schon gesagt, dass sie diesmal keine Zeit für sie haben würde. Sie wollte Stanis finden und ihr Herz raste dabei so sehr, dass sie es schon in ihren Ohren hören konnte. Aufgeregt sah sie sich ständig nach ihm um.
Es war später Nachmittag und die Sonne neigte sich langsam dem Horizont entgegen. Ranea trug ihr bestes Sommerkleid und hatte sich aus bunten Blumen einen Kranz gebastelt, den sie sich dann in ihre Haare geflochten hatte. Sie fühlte sich hübsch genug, einem Jungen wie Stanis gegenüberzutreten, und außerdem hatte sie in der Nacht noch fleißig tanzen geübt. Sie konnte das. Sie musste ihn nur noch richtig... fragen, weil er ihr genauso ausgewichen war wie sie, aber sie hatte schon fast keine Bedenken, dass er mit ihr tanzen würde. Fast.
Mit der Nachbarin hängte sie noch die letzten Girlanden auf, dann sprang sie von der Leiter hinab. Jetzt schnell Stanis finden, bevor ein anderes Mädchen ihn auffordern konnte. Bevor Roshia ihn noch erwischte.
