Zoras verabschiedete Kassandra mit einem Lächeln.
"Natürlich. Werde ich immer."
Es war zwar nicht so, dass er sie gerne gehen ließ, aber er war gerade auch zufrieden damit, einfach nur zu sitzen und zu trinken. Dafür konnte sie sicherstellen, dass sich kein zweites Attentat anberaumen würde und das war ihm nur allzu recht. Er lächelte ihr nach. Dann schloss sich die Tür hinter den beiden Göttinnen.
Zoras sank ein bisschen tiefer in seinen Sessel. Er war müde von dem langen Tag, erschöpft von der Anstrengung der Gesellschaft und der Wein tat sein übriges. Er war gerade an der Grenze, seinen Verstand zu vernebeln, und damit war es eigentlich perfekt. Zoras schloss die Augen für einen Moment.
Der Raum war jetzt wesentlich ruhiger und er glaubte, dass es ihm noch durch die Lautstärke von draußen so sehr auffiel. Hier drin schien alles gedämpft und unterdrückt zu sein, nicht so offen und frei wie draußen. Zoras fiel es vermutlich nur deswegen auf, weil er jetzt die Augen geschlossen hatte.
“Versucht der große Eviad etwa zu schlafen? Wie unhöflich, tsk tsk tsk.”
Da öffnete er wieder die Augen, auch wenn er Dionysus’ grinsendes Gesicht schon sehen konnte, bevor er es erst erblickte. Der Weingott fläzte in seinem Sessel, als wäre es ein ganzes Sofa. Neben ihm betrachtete Feyra Zoras mit einem neugierigen Blick. Wilben hatte sich abgewandt und Oronia redete ganz leise mit ihm.
“Ein Gott, der nicht schlafen muss, sollte nicht über etwas urteilen, was seinen Horizont übersteigt.”
“Ah, ein Philosoph unter uns. Zum Glück weißt du jetzt die nötigen Begriffe für einen solchen Tiefsinn.”
Zoras hätte es wissen müssen, aber er versuchte es eben trotzdem hin und wieder mal. Vielleicht würden Dionysus irgendwann doch die neuen Sprüche ausgehen.
Er nahm noch einen Schluck von seinem Wein und verzog gleich das Gesicht. Mit einem Mal hatte er eine herbe Note und war furchtbar trocken, nichts, was Zoras sonderlich zusagte.
“Kannst du dich heute nicht entscheiden, was es sein soll?”
Oronia und Wilben stoppten ihre Unterhaltung. Mit einem Mal wurde es ruhig im Raum, so als hätte Zoras gerade etwas sehr interessantes gesagt.
Dionysus lächelte nur.
“Ich dachte, ein bisschen Abwechslung kann nicht schaden. Schmeckt er dir nicht?”
“Nein.”
Was komisch war, wenn er so darüber nachdachte. Göttlicher Wein schmeckte doch immer - immerhin war er göttlich, oder etwa nicht?
Dionysus Blick flackte zu seinem Kelch hinab, dann wieder zu Zoras’ Gesicht empor.
“Versuch noch einmal.”
Er trank noch einmal, auch wenn er es gar nicht so schnell tun wollte. Für den Rest des Abends sollte er dem Getränk vermutlich ganz absagen.
Er schmeckte genauso herb. Irgendwie bitter. Zoras zeigte seinen Unmut offen auf seinem Gesicht.
“Er ist genauso fürchterlich. Haben dich etwa deine Kräfte -”
Doch mit einem Mal traf ihn etwas wie auf einen Schlag. Zoras stutzte als er spürte - spürte - wie sich etwas in seinem Inneren loslöste und damit scheins einen ganzen Damm zum Einsturz brachte. Es war so, als hätte sich der ganze Alkohol, den er am Abend zu sich genommen hatte, hinter einer Mauer versteckt, durch die er jetzt hervorbrach. Es war so, als wäre er mit einem Schlag sturzbesoffen.
Sein Blickfeld verschwamm, dann war ihm für einen Augenblick unglaublich kalt und dann unglaublich heiß. Sein Verstand setzte aus; im einen Augenblick hatte er noch alles klar vor Augen, im nächsten kam ihm alles gedämpft und wie weit weg vor. Irgendjemand sagte etwas und er wusste nicht wer oder was. Er keuchte auf und der Kelch glitt ihm aus gefühllosen Fingern. Sein Herz raste in seiner Brust, sodass es schmerzte. Er beugte sich nach vorne, weil er das Gefühl hatte, sich gleich übergeben zu müssen.
Aber seine Aura blieb in dem betrunkenen Zustand, in dem sie war. Sie veränderte sich nicht, spiegelte nicht das wieder, was eigentlich in ihm vorging.
Es war genau derselbe Vorgang wie mit den Attentätern all die Wochen zuvor.
Mirdole ging in aufrechter Haltung den Gang entlang, nicht allzu schnell, aber auch nicht trödelnd. Sie machte ein paar Abstecher in Nebengänge, die nicht direkt nach draußen führten, was einem gewöhnlichen Rundgang entsprach. Dann ging sie mit Kassandra nach draußen.
Ein paar Gäste waren noch übrig geblieben, genug um eine kleine Menge zu bilden, nicht genug, um den Platz unübersichtlich zu gestalten. Die Musik spielte noch und die Bediensteten trugen auch immernoch Essen auf, so wie es sich für die kuluarische Sitte gehörte. Mirdole blieb stehen und überblickte die letzten Zusammenkünfte.
Sie war jetzt schweigsam und schien nicht mehr unbedingt in derselben Redestimmung wie zuvor zu sein. Die Schlange auf ihrem Arm hatte sich jetzt um ihr Handgelenk gewunden und zischelte ganz leise vor sich hin. Die übrigen Schlangen waren still und ignorierten die Phönixin neben ihr.
"Seit dem letzten Anschlag bin ich nervös", sagte sie dann, ganz ohne Regung. "Es ist so unberechenbar, all die letzten Monate seit der Eviad da ist. Davor war alles ruhig. Jetzt muss ich schon wieder um meinen nächsten Träger fürchten, weil meine jetzige sterben könnte."
Sie schnalzte missbilligend dabei mit der Zunge. Ihre Schlangen wandten sich und zischten dabei ein wenig.
"Was würde ich nur für einen Schwur geben, wenn ich schon gebunden sein muss."
"Natürlich. Werde ich immer."
Es war zwar nicht so, dass er sie gerne gehen ließ, aber er war gerade auch zufrieden damit, einfach nur zu sitzen und zu trinken. Dafür konnte sie sicherstellen, dass sich kein zweites Attentat anberaumen würde und das war ihm nur allzu recht. Er lächelte ihr nach. Dann schloss sich die Tür hinter den beiden Göttinnen.
Zoras sank ein bisschen tiefer in seinen Sessel. Er war müde von dem langen Tag, erschöpft von der Anstrengung der Gesellschaft und der Wein tat sein übriges. Er war gerade an der Grenze, seinen Verstand zu vernebeln, und damit war es eigentlich perfekt. Zoras schloss die Augen für einen Moment.
Der Raum war jetzt wesentlich ruhiger und er glaubte, dass es ihm noch durch die Lautstärke von draußen so sehr auffiel. Hier drin schien alles gedämpft und unterdrückt zu sein, nicht so offen und frei wie draußen. Zoras fiel es vermutlich nur deswegen auf, weil er jetzt die Augen geschlossen hatte.
“Versucht der große Eviad etwa zu schlafen? Wie unhöflich, tsk tsk tsk.”
Da öffnete er wieder die Augen, auch wenn er Dionysus’ grinsendes Gesicht schon sehen konnte, bevor er es erst erblickte. Der Weingott fläzte in seinem Sessel, als wäre es ein ganzes Sofa. Neben ihm betrachtete Feyra Zoras mit einem neugierigen Blick. Wilben hatte sich abgewandt und Oronia redete ganz leise mit ihm.
“Ein Gott, der nicht schlafen muss, sollte nicht über etwas urteilen, was seinen Horizont übersteigt.”
“Ah, ein Philosoph unter uns. Zum Glück weißt du jetzt die nötigen Begriffe für einen solchen Tiefsinn.”
Zoras hätte es wissen müssen, aber er versuchte es eben trotzdem hin und wieder mal. Vielleicht würden Dionysus irgendwann doch die neuen Sprüche ausgehen.
Er nahm noch einen Schluck von seinem Wein und verzog gleich das Gesicht. Mit einem Mal hatte er eine herbe Note und war furchtbar trocken, nichts, was Zoras sonderlich zusagte.
“Kannst du dich heute nicht entscheiden, was es sein soll?”
Oronia und Wilben stoppten ihre Unterhaltung. Mit einem Mal wurde es ruhig im Raum, so als hätte Zoras gerade etwas sehr interessantes gesagt.
Dionysus lächelte nur.
“Ich dachte, ein bisschen Abwechslung kann nicht schaden. Schmeckt er dir nicht?”
“Nein.”
Was komisch war, wenn er so darüber nachdachte. Göttlicher Wein schmeckte doch immer - immerhin war er göttlich, oder etwa nicht?
Dionysus Blick flackte zu seinem Kelch hinab, dann wieder zu Zoras’ Gesicht empor.
“Versuch noch einmal.”
Er trank noch einmal, auch wenn er es gar nicht so schnell tun wollte. Für den Rest des Abends sollte er dem Getränk vermutlich ganz absagen.
Er schmeckte genauso herb. Irgendwie bitter. Zoras zeigte seinen Unmut offen auf seinem Gesicht.
“Er ist genauso fürchterlich. Haben dich etwa deine Kräfte -”
Doch mit einem Mal traf ihn etwas wie auf einen Schlag. Zoras stutzte als er spürte - spürte - wie sich etwas in seinem Inneren loslöste und damit scheins einen ganzen Damm zum Einsturz brachte. Es war so, als hätte sich der ganze Alkohol, den er am Abend zu sich genommen hatte, hinter einer Mauer versteckt, durch die er jetzt hervorbrach. Es war so, als wäre er mit einem Schlag sturzbesoffen.
Sein Blickfeld verschwamm, dann war ihm für einen Augenblick unglaublich kalt und dann unglaublich heiß. Sein Verstand setzte aus; im einen Augenblick hatte er noch alles klar vor Augen, im nächsten kam ihm alles gedämpft und wie weit weg vor. Irgendjemand sagte etwas und er wusste nicht wer oder was. Er keuchte auf und der Kelch glitt ihm aus gefühllosen Fingern. Sein Herz raste in seiner Brust, sodass es schmerzte. Er beugte sich nach vorne, weil er das Gefühl hatte, sich gleich übergeben zu müssen.
Aber seine Aura blieb in dem betrunkenen Zustand, in dem sie war. Sie veränderte sich nicht, spiegelte nicht das wieder, was eigentlich in ihm vorging.
Es war genau derselbe Vorgang wie mit den Attentätern all die Wochen zuvor.
Mirdole ging in aufrechter Haltung den Gang entlang, nicht allzu schnell, aber auch nicht trödelnd. Sie machte ein paar Abstecher in Nebengänge, die nicht direkt nach draußen führten, was einem gewöhnlichen Rundgang entsprach. Dann ging sie mit Kassandra nach draußen.
Ein paar Gäste waren noch übrig geblieben, genug um eine kleine Menge zu bilden, nicht genug, um den Platz unübersichtlich zu gestalten. Die Musik spielte noch und die Bediensteten trugen auch immernoch Essen auf, so wie es sich für die kuluarische Sitte gehörte. Mirdole blieb stehen und überblickte die letzten Zusammenkünfte.
Sie war jetzt schweigsam und schien nicht mehr unbedingt in derselben Redestimmung wie zuvor zu sein. Die Schlange auf ihrem Arm hatte sich jetzt um ihr Handgelenk gewunden und zischelte ganz leise vor sich hin. Die übrigen Schlangen waren still und ignorierten die Phönixin neben ihr.
"Seit dem letzten Anschlag bin ich nervös", sagte sie dann, ganz ohne Regung. "Es ist so unberechenbar, all die letzten Monate seit der Eviad da ist. Davor war alles ruhig. Jetzt muss ich schon wieder um meinen nächsten Träger fürchten, weil meine jetzige sterben könnte."
Sie schnalzte missbilligend dabei mit der Zunge. Ihre Schlangen wandten sich und zischten dabei ein wenig.
"Was würde ich nur für einen Schwur geben, wenn ich schon gebunden sein muss."
