Zoras zuckte zusammen, als es plötzlich scharf durch den Raum klirrte. Wenige Sekunden lang war es still gewesen, jetzt war Kassandras Weinkelch in lauter Einzelteile zerplatzt.
"Deinen Sohn?"
Es gefiel ihm nicht, wie sie es aussprach, so abwertend, so hinterfragend. Ein kaltes Prickeln fuhr dabei durch Zoras' Körper, eine Anbahnung von Zorn, die er bei dem Tonfall verspürte. Sohn. Ja, Sohn.
"Was man dir entwendet hat, ist eine Waffe und ein Relikt von deinem Sohn", fuhr Kassandra fort und in ihren Augen lag jetzt nichts von der Weichheit, die sie ihm sonst zuschrieb. Ihre Augen waren in ein kaltes Feuer gehüllt, dass nicht Zoras' Fleisch, aber seine Seele verbrannte.
"Dein Sohn ist an dem Tag gestorben, als er dich geschützt hat. Mein Erstgeborener hat sich für dich geopfert und er wurde dir nicht einfach entwendet, sondern als Druckmittel gegen mich eingesetzt."
Zoras richtete sich ein wenig auf. Das Prickeln wandelte sich wirklich in Zorn um, als er ihre Worte hörte.
"Mein Sohn ist eine Waffe. Unser Sohn ist eine Waffe, denn das ist das einzige, was von ihm auf dieser Welt übrig geblieben ist. Aber er ist immernoch unser Sohn, Kassandra! Und ob er nun keine Ohren hat, um zu hören, wie du über ihn sprichst, oder keinen Mund, um sich selbst zu verteidigen, macht für mich keinen Unterschied. Er ist immernoch unser Sohn, ob man ihn nun an der Hand hinaus geführt oder in einer Waffenhülle hinaus getragen hat."
Kassandra lehnte sich nach vorne. Da war wieder dieses raubtierartige in ihrer Haltung, das Zoras schon mehrfach bei ihr beobachtet hatte, aber nie im Zusammenhang mit sich selbst. Niemals. Als Gegenzug spürte er, wie er sich für einen Angriff widmen wollte, der niemals kommen würde. Hoffentlich.
"Du sagst, du kannst das nicht mehr? Weil sie dir deinen verdammten Kerkermeister vorgesetzt haben? Bei den Pforten zum Himmel, Zoras, hast du dir überhaupt einmal zugehört, was du gerade alles aufgezählt hast? Was du alles bis jetzt ertragen hast und dann reicht der jämmerliche Schatten deiner Vergangenheit aus, um alles zunichte zu machen?"
Der jämmerliche Schatten seiner Vergangenheit? Kassandras Worte trafen ihn wie Messerschnitte und er konnte spüren, wie der Schmerz unter die Oberfläche abtauchte, um sich zu all dem anderen zu gesellen. Wie sich eine neue, verhärtete Schicht Haut darüber bildete, denn wirklich, was hatte er schon für eine Wahl bei all den Schnitten, die er bereits abbekommen hatte?
Aber von Kassandra - von Kassandra tat es anders weh. Daher reagierte er auch anders.
"Sechs Monate lang, Kassandra. Das hier ist ein Belagerungskrieg, den wir seit sechs Monaten führen und zu den schwindenden Vorräten kommt jetzt auch noch eine Seuche. Ich mag es vielleicht länger aushalten, mich zum Hofnarren zu machen, aber selbst ich habe Grenzen und eine davon ist heute Nachmittag über unsere Türschwelle getreten. Soll ich mich etwa dafür vor dir rechtfertigen? Soll ich mich dafür rechtfertigen, dass ich nicht noch einmal meinen Sohn entführt sehen will? Dass ich nicht noch einen Anschlag erleben will? Dass ich nicht noch eine Beerdigung veranlassen muss?"
Über alledem hinweg wurde er noch immer wütend - wütend auf Kassandra. Wütend auf seine Hilflosigkeit.
Da sprang sie endlich auf, schnell, gefährlich. Es provozierte Zoras, selbst wieder aufzuspringen, als würde es etwas ändern, wenn sie beide auf den Beinen standen. Als wäre er ihr dann mehr ebenbürtig.
"Ob er mir also meine Fragen beantwortet hat? Das hat er nicht, weil ich ihn in den Kerker habe bringen lassen. Obwohl es mir widerstrebte. Du hast mich vor den Wachen angeschrien, Zoras. Nicht irgendeine Frau oder deine Königin, nein, eine Göttin hast du angeschrien. Und weshalb? Ich weiß es nicht einmal!"
"Du hast dich mir widersetzt!", rief er aufgebracht zurück, sprang doch auf. "Du hast genau gesehen, was es mit mir gemacht hat, ihn hier zu sehen - hier! So weit weg von Theriss, wie ich es selbst nur geschafft habe! Ich sehe ihn, sehe dieses... Gesicht, das mich in all meine Träume verfolgt, und du musstest ihn einfach ausfragen! Du musstest einfach weiterfragen! Du konntest es nicht dabei belassen, dass ich ihn in den Kerker werfen wollte! Es war dir ganz egal, was ich gesagt habe, du wolltest nur eine Antwort von ihm haben! Ja, er war es, den ich jeden Tag, vier ganze Monate lang gesehen habe, wenn er mir seine Instrumente durch die Haut gebohrt hat! Ja, er war es! Macht es dich jetzt glücklich, das zu wissen? Hat jetzt wenigstens einer von uns seinen Seelenfrieden erhalten? Das hoffe ich doch, denn dann war mein Anschreien wenigstens völlig grundlos!"
"Deinen Sohn?"
Es gefiel ihm nicht, wie sie es aussprach, so abwertend, so hinterfragend. Ein kaltes Prickeln fuhr dabei durch Zoras' Körper, eine Anbahnung von Zorn, die er bei dem Tonfall verspürte. Sohn. Ja, Sohn.
"Was man dir entwendet hat, ist eine Waffe und ein Relikt von deinem Sohn", fuhr Kassandra fort und in ihren Augen lag jetzt nichts von der Weichheit, die sie ihm sonst zuschrieb. Ihre Augen waren in ein kaltes Feuer gehüllt, dass nicht Zoras' Fleisch, aber seine Seele verbrannte.
"Dein Sohn ist an dem Tag gestorben, als er dich geschützt hat. Mein Erstgeborener hat sich für dich geopfert und er wurde dir nicht einfach entwendet, sondern als Druckmittel gegen mich eingesetzt."
Zoras richtete sich ein wenig auf. Das Prickeln wandelte sich wirklich in Zorn um, als er ihre Worte hörte.
"Mein Sohn ist eine Waffe. Unser Sohn ist eine Waffe, denn das ist das einzige, was von ihm auf dieser Welt übrig geblieben ist. Aber er ist immernoch unser Sohn, Kassandra! Und ob er nun keine Ohren hat, um zu hören, wie du über ihn sprichst, oder keinen Mund, um sich selbst zu verteidigen, macht für mich keinen Unterschied. Er ist immernoch unser Sohn, ob man ihn nun an der Hand hinaus geführt oder in einer Waffenhülle hinaus getragen hat."
Kassandra lehnte sich nach vorne. Da war wieder dieses raubtierartige in ihrer Haltung, das Zoras schon mehrfach bei ihr beobachtet hatte, aber nie im Zusammenhang mit sich selbst. Niemals. Als Gegenzug spürte er, wie er sich für einen Angriff widmen wollte, der niemals kommen würde. Hoffentlich.
"Du sagst, du kannst das nicht mehr? Weil sie dir deinen verdammten Kerkermeister vorgesetzt haben? Bei den Pforten zum Himmel, Zoras, hast du dir überhaupt einmal zugehört, was du gerade alles aufgezählt hast? Was du alles bis jetzt ertragen hast und dann reicht der jämmerliche Schatten deiner Vergangenheit aus, um alles zunichte zu machen?"
Der jämmerliche Schatten seiner Vergangenheit? Kassandras Worte trafen ihn wie Messerschnitte und er konnte spüren, wie der Schmerz unter die Oberfläche abtauchte, um sich zu all dem anderen zu gesellen. Wie sich eine neue, verhärtete Schicht Haut darüber bildete, denn wirklich, was hatte er schon für eine Wahl bei all den Schnitten, die er bereits abbekommen hatte?
Aber von Kassandra - von Kassandra tat es anders weh. Daher reagierte er auch anders.
"Sechs Monate lang, Kassandra. Das hier ist ein Belagerungskrieg, den wir seit sechs Monaten führen und zu den schwindenden Vorräten kommt jetzt auch noch eine Seuche. Ich mag es vielleicht länger aushalten, mich zum Hofnarren zu machen, aber selbst ich habe Grenzen und eine davon ist heute Nachmittag über unsere Türschwelle getreten. Soll ich mich etwa dafür vor dir rechtfertigen? Soll ich mich dafür rechtfertigen, dass ich nicht noch einmal meinen Sohn entführt sehen will? Dass ich nicht noch einen Anschlag erleben will? Dass ich nicht noch eine Beerdigung veranlassen muss?"
Über alledem hinweg wurde er noch immer wütend - wütend auf Kassandra. Wütend auf seine Hilflosigkeit.
Da sprang sie endlich auf, schnell, gefährlich. Es provozierte Zoras, selbst wieder aufzuspringen, als würde es etwas ändern, wenn sie beide auf den Beinen standen. Als wäre er ihr dann mehr ebenbürtig.
"Ob er mir also meine Fragen beantwortet hat? Das hat er nicht, weil ich ihn in den Kerker habe bringen lassen. Obwohl es mir widerstrebte. Du hast mich vor den Wachen angeschrien, Zoras. Nicht irgendeine Frau oder deine Königin, nein, eine Göttin hast du angeschrien. Und weshalb? Ich weiß es nicht einmal!"
"Du hast dich mir widersetzt!", rief er aufgebracht zurück, sprang doch auf. "Du hast genau gesehen, was es mit mir gemacht hat, ihn hier zu sehen - hier! So weit weg von Theriss, wie ich es selbst nur geschafft habe! Ich sehe ihn, sehe dieses... Gesicht, das mich in all meine Träume verfolgt, und du musstest ihn einfach ausfragen! Du musstest einfach weiterfragen! Du konntest es nicht dabei belassen, dass ich ihn in den Kerker werfen wollte! Es war dir ganz egal, was ich gesagt habe, du wolltest nur eine Antwort von ihm haben! Ja, er war es, den ich jeden Tag, vier ganze Monate lang gesehen habe, wenn er mir seine Instrumente durch die Haut gebohrt hat! Ja, er war es! Macht es dich jetzt glücklich, das zu wissen? Hat jetzt wenigstens einer von uns seinen Seelenfrieden erhalten? Das hoffe ich doch, denn dann war mein Anschreien wenigstens völlig grundlos!"
