Kassandra hatte den Mann bewusstlos zum Palast zurückgebracht, aber sehr lange blieb er so nicht. Bald wachte er auf und sah sich einer thronenden Phönixin gegenüber, neben ihr ein sehr gesunder, quietschlebender Eviad. Beide Lebewesen verkörperten das Schicksal, das ihn ereilen würde.
Der Mann war unscheinbar, zumindest wenn man ihn als seinesgleichen betrachtete. Unter der Bevölkerung wäre er mit seinen breiten Schultern und der kräftigen Brust sicherlich aufgefallen, aber unter Gardisten wie er selbst, war er nur einer von vielen. Er hatte dünne, blonde Haare, die lang genug waren, ihm in die Stirn zu fallen. Er hatte außerdem einen Ausdruck im Gesicht, den man als versteinertes Entsetzen betrachten konnte. Je weiter der Mann aufwachte, desto mehr verwandelte sich dieser Ausdruck aber in eine eiserne Mauer, mit der er die offensichtlichen Gedanken zu verschleiern versuchte. Zoras war das aber egal; er hatte genug gesehen. Er schrieb dem ertappten Blick des Mannes sofort seine Schuld zu.
So kam der Eviad, eine mindestens genauso breite und kräftige Persönlichkeit wie der Gefangene, in langen, aber langsamen Schritten auf ihn zu. Er trug seine Gewänder, die einem Heiligen zugeschrieben wären und nicht dafür gedacht waren, in dem staubigen Saal zu marschieren, in dem noch gearbeitet wurde und die ihn jetzt wirken ließen, als würde er eine Zeremonie vollziehen. Genauso gemächlich ging er vor dem Gefangenen aber auch in die Hocke.
"Ich weiß, wer du bist und was du getan hast. Ich weiß auch, dass es noch mehr von euch gibt. Diesen Teil können wir also überspringen, ja?"
Seine Stimme war ganz monoton, denn sonst fürchtete Zoras, könnte das Feuer in ihm herausbrechen, das sich in seinem Magen festgesetzt hatte, kaum als den Mann erblickt hatte. Er musste nur an Tysions zerquetschten, zerrissenen Körper denken, an den Mann, der unverhofft von seinem Söldner-Dasein befreit worden war, nur um es keine zwei Monate später durch einen Anschlag zu verlieren, damit das Feuer in ihm aufbrodelte. Kurzzeitig fragte er sich da auch, ob das Feuer, sollte es aus ihm herausbrechen, genauso schwarz wie Kassandras sein würde.
Aber das würde er nicht an diesem Tag herausfinden, denn hinter der Enttarnung des Attentäters steckte nicht nur Tysions Rache, sondern auch die Beruhigung der Bevölkerung, die in wilden Aufruhr versetzt worden war. Das waren nunmal die offenen Nachteile eines Herrschers: Er musste stets das Volk an erste Stelle setzen. Egal, was war.
"Siehst du, wo wir hier sind? Du wirst den Raum vielleicht wiedererkennen, oder? Er ist ein bisschen dreckig, aber das sollte in ein paar Wochen alles erledigt sein. Dann sollte auch das viele Blut weggeputzt sein, das deine Aktion hier hinterlassen hat. Nicht mein Blut - ich bin höchst lebendig, wie du siehst. Aber das Blut von ehrlichen Soldaten. Das Blut von ehrlichen Bürgern Kuluars. Das Blut von Vätern und Müttern, von Söhnen und Töchtern. Mich wolltest du treffen und stattdessen hast du alle anderen getroffen. Deswegen wirst du dich bei den Göttern wieder gut stellen müssen."
Der Mann sah ihn nur aus bemüht gelassenen Augen an. Er trug einen Knebel, machte aber weder anstalten, sich befreien zu wollen, noch den Knebel zu entfernen. Er starrte Zoras nur an.
"Du wirst mir also einen Namen verraten", fuhr Zoras daher genauso tonlos fort. "Einen einzigen Namen. Das ist alles, was du zu mir sagen wirst. Solltest du das nicht schaffen, dann wird dein größtes Problem sein, dass du noch lebendig bist. Verstanden?"
Der Mann gab keine Antwort von sich und Zoras wartete auch nicht darauf. Er war nicht dumm genug, den Kerl selbst anzufassen, selbst mit Kassandra in seinem Rücken; er trat einen Schritt zurück und eine der Wachen kam vor, um Lyadir den Knebel runterzuziehen.
Der blondhaarige starrte Zoras ein paar Sekunden lang schweigend an. Dann krächzte er:
"Lang lebe der Eviad."
Zoras hätte lügen müssen, hätte er behauptet, dass die Antwort ihn nicht mit ein bisschen Genugtuung erfüllt hätte. So konnte er zwar noch dem Willen des Volkes entsprechen, aber auch seine Rache sättigen.
Er drehte sich seitlich um, wie um den Weg zu Kassandra freizugeben. Oder eher den Weg von Kassandra.
"Kassandra, würdest du dem Mann zeigen, was Tysion zu seinen letzten Atemzügen dort unten gespürt haben musste? Aber seine Erlösung soll er nicht erhalten. Dafür fehlt uns noch ein Name."
Der Mann war unscheinbar, zumindest wenn man ihn als seinesgleichen betrachtete. Unter der Bevölkerung wäre er mit seinen breiten Schultern und der kräftigen Brust sicherlich aufgefallen, aber unter Gardisten wie er selbst, war er nur einer von vielen. Er hatte dünne, blonde Haare, die lang genug waren, ihm in die Stirn zu fallen. Er hatte außerdem einen Ausdruck im Gesicht, den man als versteinertes Entsetzen betrachten konnte. Je weiter der Mann aufwachte, desto mehr verwandelte sich dieser Ausdruck aber in eine eiserne Mauer, mit der er die offensichtlichen Gedanken zu verschleiern versuchte. Zoras war das aber egal; er hatte genug gesehen. Er schrieb dem ertappten Blick des Mannes sofort seine Schuld zu.
So kam der Eviad, eine mindestens genauso breite und kräftige Persönlichkeit wie der Gefangene, in langen, aber langsamen Schritten auf ihn zu. Er trug seine Gewänder, die einem Heiligen zugeschrieben wären und nicht dafür gedacht waren, in dem staubigen Saal zu marschieren, in dem noch gearbeitet wurde und die ihn jetzt wirken ließen, als würde er eine Zeremonie vollziehen. Genauso gemächlich ging er vor dem Gefangenen aber auch in die Hocke.
"Ich weiß, wer du bist und was du getan hast. Ich weiß auch, dass es noch mehr von euch gibt. Diesen Teil können wir also überspringen, ja?"
Seine Stimme war ganz monoton, denn sonst fürchtete Zoras, könnte das Feuer in ihm herausbrechen, das sich in seinem Magen festgesetzt hatte, kaum als den Mann erblickt hatte. Er musste nur an Tysions zerquetschten, zerrissenen Körper denken, an den Mann, der unverhofft von seinem Söldner-Dasein befreit worden war, nur um es keine zwei Monate später durch einen Anschlag zu verlieren, damit das Feuer in ihm aufbrodelte. Kurzzeitig fragte er sich da auch, ob das Feuer, sollte es aus ihm herausbrechen, genauso schwarz wie Kassandras sein würde.
Aber das würde er nicht an diesem Tag herausfinden, denn hinter der Enttarnung des Attentäters steckte nicht nur Tysions Rache, sondern auch die Beruhigung der Bevölkerung, die in wilden Aufruhr versetzt worden war. Das waren nunmal die offenen Nachteile eines Herrschers: Er musste stets das Volk an erste Stelle setzen. Egal, was war.
"Siehst du, wo wir hier sind? Du wirst den Raum vielleicht wiedererkennen, oder? Er ist ein bisschen dreckig, aber das sollte in ein paar Wochen alles erledigt sein. Dann sollte auch das viele Blut weggeputzt sein, das deine Aktion hier hinterlassen hat. Nicht mein Blut - ich bin höchst lebendig, wie du siehst. Aber das Blut von ehrlichen Soldaten. Das Blut von ehrlichen Bürgern Kuluars. Das Blut von Vätern und Müttern, von Söhnen und Töchtern. Mich wolltest du treffen und stattdessen hast du alle anderen getroffen. Deswegen wirst du dich bei den Göttern wieder gut stellen müssen."
Der Mann sah ihn nur aus bemüht gelassenen Augen an. Er trug einen Knebel, machte aber weder anstalten, sich befreien zu wollen, noch den Knebel zu entfernen. Er starrte Zoras nur an.
"Du wirst mir also einen Namen verraten", fuhr Zoras daher genauso tonlos fort. "Einen einzigen Namen. Das ist alles, was du zu mir sagen wirst. Solltest du das nicht schaffen, dann wird dein größtes Problem sein, dass du noch lebendig bist. Verstanden?"
Der Mann gab keine Antwort von sich und Zoras wartete auch nicht darauf. Er war nicht dumm genug, den Kerl selbst anzufassen, selbst mit Kassandra in seinem Rücken; er trat einen Schritt zurück und eine der Wachen kam vor, um Lyadir den Knebel runterzuziehen.
Der blondhaarige starrte Zoras ein paar Sekunden lang schweigend an. Dann krächzte er:
"Lang lebe der Eviad."
Zoras hätte lügen müssen, hätte er behauptet, dass die Antwort ihn nicht mit ein bisschen Genugtuung erfüllt hätte. So konnte er zwar noch dem Willen des Volkes entsprechen, aber auch seine Rache sättigen.
Er drehte sich seitlich um, wie um den Weg zu Kassandra freizugeben. Oder eher den Weg von Kassandra.
"Kassandra, würdest du dem Mann zeigen, was Tysion zu seinen letzten Atemzügen dort unten gespürt haben musste? Aber seine Erlösung soll er nicht erhalten. Dafür fehlt uns noch ein Name."
