Salvation's Sacrifice [Asuna & Codren]

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    • "Ich gehe nicht weg", flüsterte Zoras zurück, eine Antwort auf Kassandras Bitte, aber gleichzeitig ein Mantra an sich selbst. Er würde nicht weggehen, würde die Ängste seines Körpers seinem Geist unterordnen, denn andernfalls würde er dieses Gasthaus türmen, würde fliehen und so weit laufen, bis er einen Ort gefunden hätte, den er als sicher betrachtete.
      Nur, dass es so einen Ort nicht gab. Es hätte womöglich sein Zuhause sein können, aber selbst unbewusst wusste er, dass er nicht dorthin zurückkehren sollte, unter keinen Umständen.
      Nein, er würde bei Kassandra bleiben. Er würde seine Sicherheit in ihrer Anwesenheit suchen, denn das war es, wonach er sich in all den Jahren gesehnt hatte. Kassandra war ein sicherer Ort.
      Er ertrug den Klammergriff, etwas anderes blieb ihm nicht übrig. Starr wie ein Brett lauschte er auf das Wüten seiner Narben und beobachtete, wie Kassandras Muskeln sich dafür entkrampften und wie sich ihre Brust nicht mehr abgehackt hob und senkte, sondern sich dem Rhythmus seiner eigenen Atemzüge anpasste. Damit fielen auch ihre Arme ab und Zoras hasste die Erleichterung, die sich unmittelbar damit einstellte, viel mehr als alles andere. Er mochte seinen Körper gewaltsam seinem Verstand unterworfen haben, aber das hieß noch lange nicht, dass sie einer Meinung wurden.
      Aber trotz all der Hindernisse, die sich ihnen von dem Moment an in den Weg gestellt hatten, als sie die Türschwelle zu diesem Raum überquert hatten, wollte Kassandra trotzdem nicht aufhören. Sie hatten einen holprigen Anfang hingelegt, fernab jeglicher Perfektion oder gar Gewohnheit, die sie vor vier Jahren vermutlich noch an den Tag gelegt hätten, aber sie wollte dennoch nicht aufhören. Sie hatte Vertrauen genug darin, dass all diese Kleinigkeiten nebensächlich waren, weil Zoras sie noch immer so liebte wie damals. Und das könnte er ihr beweisen, dessen waren sich Kopf und Körper wieder einig.
      "Okay..."
      Ihre Finger zogen ihn zu sich herab für den Kuss, der schon vor einigen Minuten einer hatte werden sollen und der jetzt zu etwas ganz anderem wurde. Er gab Zoras selbst etwas zurück, von dem er gar nicht gewusst hatte, dass er es gebraucht hatte. Kassandra liebte ihn mindestens genauso stark - genug, um über all diese Makel hinwegzusehen, die sich mit den letzten Jahren in ihn eingebrannt hatten und das zu sehen, was unter all diesen Schichten noch verborgen lag.
      Er seufzte in den Kuss hinein. Er konzentrierte sich auf das Gefühl von Kassandras weichen Lippen auf seinen und versuchte damit das Brennen zu ignorieren, das seinen Körper in die Flucht zu schlagen versuchte. Er küsste sie, als wäre sie das einzige, was er wirklich zum Leben brauchte und dann zeigte er ihr, dass er sie begehrte, mit seinem ganzen Sein und nicht nur mit einem Teil von ihm. Sie winkelte das Becken an und ganz von alleine ließ er sich in sie sinken, in die Glut, die ihn vorhin schon aufgeheitzt hatte und in der Zwischenzeit nur etwas an ihrer Wirkung verloren hatte. Aber Zoras ließ sich davon nicht beeindrucken; er fand Platz in Kassandras Mitte und schob sich etwas zurecht, um sich wieder nur mit einem Arm abstützen zu müssen. Aber diesmal kamen keine fleischlichen Fesseln, um ihn aufzuhalten, als er sich ein Stück aufrichtete, um mit der freien Hand Kassandras Haut zu streicheln, ihren Hals, ihre Schulter, ihre Brust, ihr Taille, ihre langen Beine, die sich neben ihm anwinkelten. Er konzentrierte sich ganz auf das Gefühl ihrer erhitzten Haut unter seiner Hand, die ihn zu sich lockte, eine kaum vergessene Erinnerung, die er all die Jahre mit sich geführt hatte. Seinen Blick ließ er ausschließlich auf Kassandras Augen ruhen, auf diesen tiefroten, allwissenden Augen, auf der Weichheit ihres Blickes, den sie ihm schenkte. Ganz vorsichtig zog er sich ein bisschen zurück und drückte wieder nach vorne, eine Bewegung, die sie beide wieder miteinander vereinte. Ein zusätzlicher Atem entfloh beiden, da neigte er sich wieder zu ihr herab.
      "Ich liebe dich, Kassandra."
      Er küsste sie, die Hand auf ihrer Hüfte, für den Moment bewegungslos. Körper und Geist konnten sich auf diese eine Sache einigen: Kassandra.
      "Meine wunderschöne, atemberaubende Kassandra..."
      Ganz langsam wiederholte er die Bewegung von eben, schien sie beide mit jedem Mal, wenn er sich wieder in ihr versenkte, ein Stück näher zu bringen, ein Stück unzertrennbarer zu machen. Wieder küsste er sie, die Augen zu jeder Zeit auf sie gerichtet, auf seine Göttin, auf die Frau, für die er im Alleingang eine ganze Festung vernichtet hätte. Und als ihn die Wärme seiner Liebe erfüllte, die so mächtig war, dass sie auch vier Jahre der Abstinenz überstanden hatte, ohne einen Kratzer davonzutragen, brannte es zu einem Teil sogar die Schmerzen seiner Narben aus. Sie waren nicht verschwunden, aber sie rückten in den Hintergrund, je mehr er sich auf Kassandra konzentrierte.
      "Meine herrliche, bezaubernde Phönixin. Ich liebe dich so sehr, sämtliche Facetten an dir. Ich vergöttere dich."
      Er hob die Hand wieder nach oben und strich ihr über die Wange, zeichnete gedanklich die Kontur ihrer Gesichtszüge nach.
      "Deine Intelligenz. Deine Gerissenheit. Deine schlauen Augen. Dein prächtiges Haar. Du bist das schönste, was ich mir erträumen kann."
      Und er redete weiter, so leise, dass nur Kassandra es hören konnte, dass nur sie wusste, wie sehr er ihre Anwesenheit genoss, wie sehr er in ihrer Präsenz badete, wie glücklich sie ihn machte. Er erzählte ihr Belanglosigkeiten von seiner Liebe, von seiner starken Zuneigung zu ihr, dass er sie niemals verlassen würde, dass er sie hoffentlich auch glücklich machen würde, dass er sie nicht im Stich lassen würde, niemals, dass er jede einzelne Sekunde genießen würde, die er an ihrer Seite verbringen würde.
      Und während er Kassandra so zuflüsterte, ihr Gesicht streichelte, ihren Körper verehrte und sie küsste, setzte er einen langsamen Rhythmus seiner Hüfte an, nicht etwa darauf ausgelegt, dass das Gefühl sie übermannen würde, sondern dass er seine Worte unterstrich, dass alles, was er tat und sagte nichts als kleine Liebesbezeugungen waren, die gemeinsam ein Ausmaß annahmen, das wohl seinen tiefsten Gefühlen entsprach.
      Sie hatten keinen Sex, er liebte sie stattdessen wahrhaftig mit allem, was sein Sein ausmachte.
    • Kassandras Lider schlossen sich, als Zoras seine Hand über ihre Haut streichen ließ. Angefangen vom Hals, über ihren Brustkorb hinweg bis zu ihrer Hüfte. Jedes Fleckchen Haut, das er berührte, war nicht nur ein Auslöser für eine wohlige Wärme in ihrem Inneren, sondern der Beweis dafür, dass er sie verehrte. Dass es nicht nur um fleischliche Gelüste ging, die dieser Mann nach fast vier Jahren wieder befriedigen konnte. Das realisierte die Phönixin mittlerweile. Er konnte sich gar keine andere Frau genommen haben, nicht, wenn er dermaßen auf Berührungen reagierte, die selbst sie ihm zuteil werden ließ.
      Langsam zog er sich aus ihr zurück und ihre Augen öffneten sich wieder. Es lag keine Frage, keine Sorge in ihrem Blick. Er kam wieder zu ihr zurück, vereinte sie beide bis zum Äußersten und sie beide atmeten bei dem Gefühl tief aus. Ihre Mundwinkel zuckten leicht bei seinen leisen Worten, ein angedeutetes Lächeln, das mit dem folgenden Kuss verschluckt wurde.
      „Ich liebe dich auch. Mit jeder Faser meiner Existenz“, hauchte sie an seine Lippen ehe er seine Bewegung wiederholte und sich süßes Feuer in ihre Adern ergoss. Er tat es so unglaublich langsam, dass sie für einen Moment bereits dachte, er würde sie damit triezen wollen. Doch es war nur Vorsicht, reine Fürsorge für die Frau, die er liebte. Konstant war sie unter Beobachtung, seine dunklen Augen registrierten jede Veränderung in ihrem Gesicht während er sich zärtlich weiter bewegte.
      Ja, Zoras vergötterte Kassandra. Das hatte er ihr schon damals bewiesen und tat es immer noch, indem er seine Gelüste im Zaum hielt, obzwar sie genau spürte, dass jede kleinste Regung ihn weiter anstachelte. Er hatte vorhin im Waschraum jeden Zentimeter ihres Körpers gepriesen. Er war mehr als nur erzürnt gewesen als er erfahren hatte, dass sie ihm die Taten aus Veren verschwiegen hatte. Dass er enttäuscht darüber war, nicht mehr wortlos ihre Gefühle oder manche Gedanken erahnen zu können. Sie hatte gesehen, wie seine Augen gefunkelt hatten, als sie sich als riesiger Feuervogel in der Nacht erhoben hatte oder wie der schwarze Tod durch Soldaten gepflügt war. Und wie er ihre Stimme liebte, wenn sie für ihn sang. Die ruhigen, stillen Momente im Geiste bewahrte, wenn die Welt um sie herum für einen Augenblick ganz leise wurde. Die Gewissheit untermalte er mit den flüsternden Worten, die er ihr stetig ins Ohr säuselte.
      Über Minuten hielt es an. Minuten, die Kassandra ehrlicherweise überraschten, denn eigentlich hatte sie erwartet, dass Zoras innerhalb kürzester Zeit seine Grenze erreicht hätte. Vielleicht war die Unterbrechung vorhin doch zu viel gewesen. Aber diese Minuten reichten aus, damit sich die Phönixin endlich angekommen fühlte. Sie auch noch die letzten kalten Fesseln abschüttelte, die Asvoß an ihre Glieder gelegt hatte. Vermutlich hätte Zoras noch ewig weitergemacht, wenn Kassandra ihm nicht eine Hand an sein Schlüsselbein gelegt und ihm bedeutet hätte, zu warten. Sie war nicht der Typus, der immer nur empfing. Nicht, wenn der Mann in ihr Zoras hieß.
      „Kannst du mich freigeben?“, fragte sie ihn und er gehorchte sofort.
      Zoras rückte von ihr ab, die plötzliche Leere in ihr ließ Kassandra leise seufzen. Er kniete noch immer vor ihr während sie seine Haltung spiegelte und ihren Blick über seinen Körper zog. „Es ist mir vollkommen egal, wie dein Körper aussieht oder wie die vier Jahre dich verändert haben. Deine Aura ist immer noch die gleiche und ich bin dankbar dafür, dass man dich wieder zu mir geführt hat.“ Sie legte ihm die Hände leicht auf die Schultern, studierte seinen Gesichtsausdruck bevor sie die Berührung als sicher einstufte und ihre Hände über seine Brust und seine Seiten abwärts gleiten ließ. Sie beugte sich vor küsste zart seinen Hals. Dann wanderte sie tiefer, fand eine größere Narbe oberhalb seines Schlüsselbeines und platzierte auch da einen Kuss. Sie wollte das Brennen der Narben mit einem anderen Feuer ausbrennen. Er sollte es mit ihr verbinden, mit ihren Berührungen, mit ihren Lippen. Immerhin war sie das Sinnbild der Wiedergeburt, und sie würde dafür sorgen, dass das Brennen eine neue Bedeutung bekommen würde. Immer tiefer wanderte sie, doch die breite Brandnarbe von Telandir ließ sie aus. Als sie an seinem Bauch angekommen war, legte sie ihm die Hand auf und bat ihn stumm, sich nach hinten sinken zu lassen. Früher hätte sie ihn mit einer Selbstverständlichkeit bestiegen, die das Sinnbild ihrer wilden Beziehung gewesen war. Nun wagte sie es noch nicht aus Sorge, dass er ihr Gewicht auf ihm mit etwas anderem in Verbindung brachte. Folglich blieb sie zwischen seinen Beinen sitzen und ließ nur ihre Hände über seine Beckenknochen wandern. Bis sie sicher war, dass auch das in Ordnung war.
      „Ich werde dafür sorgen, dass du nur noch an mich denkst, wenn deine Narben versuchen, alte Erinnerungen zu wecken. Dann wirst du nur noch mich sehen, wie ich deinen Körper küsse. Dich berühre, dich an den Rand deines Verstandes führe“, versprach sie ihm und endlich tauchten die Facetten wieder in ihrer Haltung auf, die sie auch vor den vier Jahren der Trennung gezeichnet hatten. Lust und Hingabe färbten ihre Stimme dunkel als sich ihre Finger um seine Erektion schlossen und sie sich sachte hinabbeugte, um einen Kuss auf die Spitze zu setzen.
    • Endlich. Zoras hatte nicht gewusst, dass er es gebraucht hatte oder dass es eine solche Wirkung auf ihn hatte, aber als Kassandra ihm erwiderte, dass auch sie ihn liebte, war es so, als begreife sein Herz jetzt erst, wie es richtig zu schlagen hatte. Der Schauer, der ihm durch den Körper fuhr, eine Welle aus purer Wärme, ausgelöst von vier einfachen Worten, war mit keinen Worten zu fassen. Zoras schwebte im Himmel, so einfach und so schnell, von Kassandra alleine.
      Er zerfloss an ihr. Er küsste sie, so lange, bis ihm die Luft zum Atmen weg blieb. Er berührte sie an jeder Stelle, die er nur erreichen konnte. Er liebte sie mit allem, was ihm zur Verfügung stand.
      Mit der Zeit wurde seine Lust größer, sein Begehren staute sich an, die Schmerzen seiner Narben rückten in den Hintergrund. Sie waren nie ganz verschwunden, würden es vermutlich auch nie sein, außer er verzichtete darauf, Kassandra auch nur an einer anderen Stelle zu berühren, aber er konnte sie in den Hintergrund drängen. Er konnte darauf vertrauen, dass Kassandra ihn nicht wieder einfing, weil sie ihm vertraute. Weil er vorsichtig genug war, um selbst zu handeln, bevor es wieder zu spät sein könnte.
      Er wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, hätte es auch sicherlich zustande gebracht, die restliche Nacht und die nächsten Tage damit zu verbringen, Kassandra Nichtigkeiten ins Ohr zu flüstern und sich langsam in ihr zu bewegen, gerade so weit, dass er ihre Verbindung aufrecht erhalten könnte, aber nicht weit genug, dass alles ein Ende finden würde. Er hätte auch nichts dagegen gehabt, wenn Wochen vorübergegangen wären, ohne dass sie dieses Bett verlassen hätten. Er hatte vier Jahre auf diesen Moment gewartet, er konnte ihn auch genauso gut so lange ausschöpfen wie nur möglich.
      Aber irgendwann legte sich ihre Hand auf sein Schlüsselbein und sie sah zu ihm auf. Reflexartig versteifte er sich, aber genauso schnell gehorchte er auch, ohne überhaupt daran zu denken, es zu hinterfragen.
      "Natürlich."
      Er richtete sich auf und mit einem Zucken glitt er aus ihr heraus, als auch Kassandra sich zu ihm aufsetzte. Die Decke rutschte von seinen Schultern, aber erstaunlicherweise spürte er keinen Unterschied in der Temperatur selbst. Entweder, er hatte sich mittlerweile selbst genug aufgeheizt, um die Wärme der Decke selbst herzustellen, oder Kassandras Hitze pulsierte mit einer Kraft durch das Zimmer, die auch durch keine Decke hätte übertroffen werden können.
      Oder auch beides zusammen.
      Ihre Augen wanderten von seinem Gesicht hinab zu seinen Schultern und über seine Brust zu seinem restlichen Körper. Fast hätte der Blick auch einer Berührung gleichkommen können, vorsichtige Finger, die die künstlich geschaffenen Linien seiner Haut nachverfolgten. Zoras fühlte sich unter dem Blick ganz und gar nicht unwohl.
      Sie sprach die Sorge, die ihm sogar jetzt noch anbehaftet blieb, ganz direkt an. Selbst mit all seinen Narben, selbst mit seinem Behaben, das einem Wahnsinnigen hätte gleichgestellt werden können, wollte sie ihn noch immer bei sich wissen. Nichts hatte sich über die vier Jahre lang in ihrer Beziehung geändert - wenn überhaupt waren sie durch ihre Wiedervereinigung noch enger miteinander verwachsen. Wenn sich schon kein Gott und keine Zeit zwischen sie stellen konnte, was konnte es dann überhaupt geben, was sie jemals trennen könnte?
      "So geht es mir auch."
      Er lächelte ganz fein. Wesentlich aufmerksamer beobachtete er, wie sie ihre Hände zu seinen Schultern hob und vorsichtig ansetzte, den Blick wieder auf sein Gesicht gerichtet, so, wie er es vorher bei ihr getan hatte. Sein Verstand blieb unbeeindruckt, aber seine Haut zuckte unter ihren Fingern, bevor er sich Kontrolle erkämpfen konnte. Es war nicht sonderlich angenehm, nicht, wenn ihre Finger weiter nach unten fuhren und dabei Narben streiften, die er nicht gerne aufgeweckt hätte. Aber dann neigte sie sich zu ihm vor, die Hände immernoch an seinen Seiten, ganz vorsichtig, und küsste seinen Hals. Ihre Lippen streiften leicht seine Haut, sehr viel fester war es nicht, und doch war es anders als ihre Hände an ihm. Das war kein Gefühl, das in den letzten vier Jahren irgendwie hätte ersetzt werden können; das hier war Kassandra ganz alleine und ihre Hitze, die sich mit seiner Haut verband. Niemand anderes hätte es sein können, der Zoras mit seinen Lippen berührte und dabei so zarte, weiche Liebkosungen verteilte.
      Bevor er darüber hätte nachdenken können, neigte er den Kopf nach hinten, um ihr all den Platz zu bieten, den sie nur haben wollte. Es blieb nicht nur bei dem einen Kuss, vielleicht, weil sie bemerkt haben könnte, dass es ihm gefiel. Sie wanderte tiefer, fand eine Narbe, die aussah wie ein Fleck, und küsste sie. Diese Berührung spürte er wie durch einen Schleier hindurch; die Haut an der Stelle war abgehärtet genug, dass kaum genug Druck zu seinen Nerven hindurchkam. Aber es ging auch gar nicht um das Gefühl selbst, es ging darum, dass es ihre Lippen waren, die sich dort einen Weg durch seinen Narbenwald suchten, ganz vorsichtig, rücksichtsvoll und so voller Liebe, dass er sie selbst durch seine Narben hindurch spürte. Es war mehr wie die Berührung von Kleidung, die er durchaus aushalten konnte, etwas bekanntes und ungefährliches, daran hatte sein Körper keine Zweifel. Nicht ein Mal in seinem Leben hätte er durch Lippen auf seinem Körper Schmerzen erfahren.
      Vermutlich ließ er sich daher so leichtfertig nach hinten sinken, als sie ihm die wortlose Aufforderung vermittelte. Telandirs Narbe hatte sie ausgelassen, aber das war nicht relevant. Zoras fand es überhaupt nicht schlimm, den Zorn von Telandir nicht mit der Liebe von Kassandra vermischen zu müssen.
      Sie fand ganz wie selbstverständlich zwischen seinen Beinen Platz, so als wäre es nie anders gewesen. Die Hitze, die sie ausstrahlte, untergrub sämtliche Bedenken, dass sie sich seiner Reichweite entziehen könnte oder ihm sogar verwehren könnte, sich selbst zu entfernen. Aber noch immer waren ihre Berührungen vorsichtig und liebevoll und in ihrer Stimme schwang etwas mit, das ihn viel eher an die Kassandra vor vier Jahren erinnerte, die sich von ihm durchs halbe Zimmer jagen ließ, nur um ihn dann selbst zu erobern. Ungewollt stieß er dabei einen hörbaren Atem aus.
      Dann schlossen sich ihre Finger um sein Glied und dieselben weichen Lippen wie schon zuvor drückten sich auf seine Spitze. Es war anders als noch zuvor, das Brennen der Narben jetzt auf die wenigen Stellen beschränkt, wo Kassandras Hand auflag oder ihr Körper ihn streifte. Es gab keine Vorsicht mehr in der Art und Weise, wie ihre Körper sich zu bewegen hatten, um den Kontakt möglichst minimal zu halten. Es war deswegen auch nicht kälter oder einsamer - es war sicherer. Sein Körper war in Sicherheit und wenn er wollte, könnte er sich ihr ganz entziehen; das bewies sie ihm, wann auch immer er zuckte und sie keine Anstalten machte, ihn an seine ursprüngliche Position zurück zu holen. Stattdessen liebkoste sie ihn so, wie sie auch seine Narben liebkost hatte.
      "Kassandra..."
      Er zwang sich zu gleichmäßigen Atemzügen, denn wirklich, das hier war anders. Auf diese Weise merkte er erst deutlich, was vier Jahre ohne Sex für Auswirkungen auf seine Ausdauer gehabt hatten. Jetzt gab es keine Narben mehr, die ihn von der aufbauenden Begierde heruntergeholt hätten, die Kassandras kundige Finger zu entlocken wussten. Eine heiße Glut sammelte sich in seinem Unterleib, die sich mit jeder Bewegung nur noch steigerte.
      "Kassandra, ich kann nicht lang..."
      Seine Hüfte begegnete ihr. Er ließ sich den letzten Rest nach hinten fallen, um sich darauf zu konzentrieren, sich zurückzuhalten. Ihre Haare streiften seine Beine, aber auch das war in Ordnung - alles war in Ordnung. Er schloss die Augen und alles, was er in der Dunkelheit sehen konnte, war Kassandra.
    • Es war eine einzige, federleichte Berührung ihrer Lippen, die Zoras mehr als überdeutlich zucken ließ. Kassandra hätte ihn am liebsten an Ort und Stelle gehalten, doch sie ließ ihn soweit flüchten, wie er es wollte. Er würde sowieso nicht mehr aus diesem Zimmer entkommen bis sie ihn ließ. Das hatte sich in ihrem Willen festgebrannt genauso wie das Machtgefühl, das er ihr unabsichtlich zukommen ließ. Wortwörtlich hatte sie ihn in der Hand und das war nicht eine Sekunde lang der Fall gewesen, als sie Telandirs Spielzeug gewesen war. Zoras konnte sich von ihr wegschieben, wenn er das wollte. Er könnte sie mit Worten davor warnen, wenn es ihm zu viel würde. Aber komplett aus der Situation erlösen, das konnte Kassandra nicht. Nicht jetzt, nachdem sie langsam das Gefühl zurück erlangte, in Kontrolle zu sein. Nicht nur von der Kraft her frei zu sein, sondern auch mental.
      „Kassandra...“
      Die Phönixin blickte mit halb gesenkten Kopf auf. Durch ihre dichten, dunklen Wimpern schenkte sie Zoras ein wissendes Schmunzeln, doch irgendetwas blitzte da in den roten Augen auf. Dann senkte sie wieder ihren Blick und machte weiter, wo sie aufgehört hatte.
      „Kassandra, ich kann nicht lang...“
      Auch das war ihr klar. Spätestens ab der Sekunde, in der sie realisiert hatte, dass er mit seinem Trauma keine andere Frau gehabt haben konnte. Er musste abstinent gewesen sein oder sich selbst befriedigt haben, aber nichts davon gewahr ihn vor dem, was ihre Hände mit ihm anstellten. Wie zum Beweis zuckte er ihr mit seiner Hüfte entgegen und ließ sich vollends nach hinten fallen. Und noch weiter. Anhand seiner Aura spürte die Phönixin, dass die Panik auf ein Mindestmaß gesunken war. Sie war so klein, dass man regelrecht nach ihr suchen musste und das war in seinem Falle der größte Vertrauensbeweis. Ihre Hände störten ihn nicht. Ihr Atem lockte ihn. Ihre Haare kitzelten ihn. Nur, dass er sich ernsthaft zurückhalten wollte, ging ihr doch ein wenig gegen den Strich. Er sollte sich gänzlich fallen lassen und wenn er es nicht tat, dann fühlte sie sich gezwungen, ihm dafür Konsequenzen aufzulegen.
      Also erhöhte Kassandra den Druck und das Tempo ihrer Finger. So lange bis er immer deutlicher zuckte und seine Stimme nicht mehr komplett unter Kontrolle hatte. Zwischen ihren Fingern spürte sie sein Verlangen aufwallen, wie sich der Druck steigerte und er nach Erlösung suchte, obwohl er behauptete, sie nicht zu suchen. Dann kam schließlich der Moment, in dem er sie warnte – und zu seinem Erstaunen nahm Kassandra blitzschnell ihre Hände von seinem besten Stück. Sie hatte sich kerzengerade aufgesetzt und musterte Zoras mit einem unschuldigen Blick. Für etliche Sekunden blickten sie sich einfach wortlos an, dann fühlte sie, wie seine unruhige Aura wieder etwas entspannter wurde. Und schon war ihre eine Hand wieder am Schaft, während sie dieses Mal ihren Mund einsetzte. Zwar konnte sie Zoras nun nicht mehr sehen, dafür hörte und fühlte sie ihn wesentlich intensiver. Sie war sich sicher, dass sie zwischendurch seine Hände irgendwo in der Nähe ihres Hauptes gespürt hatte, doch sie ließ sich nicht irritieren und wiederholte ihr Spiel. Wieder trieb sie ihn bis zur Grenze, und dann hörte sie ganz plötzlich auf. So kurz vor dem Ziel und doch so weit weg.
      „Du kannst also nicht lange? Ich finde, bisher schlägst du dich ganz gut.“ Sie lächelte ihn spöttisch an und zog mit ihrem Zeigefinger kleine Kreise auf seinem harten Fleisch. Offensichtlich hatte man ihn hier wirklich nicht gefoltert, sonst wäre diese Reaktion hier auch anders ausgefallen.
      Wie sehr Kassandra diese Art der Unterhaltung und Zweisamkeit mit Zoras vermisst hatte, wurde ihr erst jetzt wirklich bewusst. Es war, als würde sie ein Teil ihrer Persönlichkeit wiederfinden, die ihr auf dem Weg abhanden gekommen war. Wie ein Teil, der abgesplittert war und dessen Einzelteile aufzuklauben beinahe unmöglich erschien. Mit schier übermenschlicher Leichtigkeit hatte Zoras alle Bruchstücke aufgesammelt und sie Kassandra präsentiert, sodass sie sie nur noch fügen musste.
    • Kassandra musste es als Stichwort aufgefasst haben, denn sie schien mit einem Mal entschlossen, ihre zärtlichen Zuneigungen sein zu lassen und stattdessen Zoras auf den Höhepunkt zuzutreiben. Und das tat sie mit einer Perfektion, die er selbst nicht hätte erreichen können. Der Druck ihrer Finger war genau richtig, ihr Tempo schnell und fordernd, gerade so, dass es ihn auch unbeabsichtigt weiter in die Höhe trieb. Er konnte es bereits von weitem spüren, dass die Welle sich nicht aufhalten ließ, dass die Hitze in seinem Körper zu seinen Lenden schoss, ein Funke, der unlängst zu einem Feuer entbrandet war. Denken fiel ihm schwierig, wenn alles, was ihm durch den Kopf schoss, Kassandra und ihre kundigen Finger war. Sein Atem beschleunigte sich, während er unaufhaltsam auf das Ende zuschoss.
      "Kassandra... ich werde -"
      Er hatte den Gedanken kaum zu Ende gedacht, da war die Berührung plötzlich verschwunden, Kassandra vollkommen weg von ihm. Zoras riss so schnell die Augen auf, dass sie ihm schmerzten, bevor er schwer atmend den Kopf hob. Die Phönixin saß zwischen seinen Beinen, die Hände in ihrem eigenen Schoß, und starrte ihn mit einem Ausdruck an, den er nur mit Unschuld vergleichen konnte. Als wäre sie nicht soeben noch eifrig an ihm tätig gewesen, nur um im entscheidenden Moment von ihm abzulassen. Seine Erektion stand zwischen ihnen, zuckend und alleine gelassen, eine recht angemessene Darstellung des Hochgefühls, das ihn mit jeder weiteren Sekunde wieder mehr verließ. Der Raum war mit einem Mal wieder kälter und obwohl er doch nicht gekommen war, spürte er zumindest die Erschöpfung davon.
      Verständnislos starrte er sie einen Moment an, bis sich erst eine und dann noch eine Falte auf seiner Stirn bildete. Sie war doch wohl nicht hier, um solche Spiele zu spielen, oder? Diese Rechnung hätte sie ohne ihn gemacht.
      "Kassandra...", warnte er dunkel, sein Atem wieder einigermaßen ruhiger. Es hatte eine Weile gedauert, aber langsam verzog sich die Aussicht seines Höhepunkts wieder.
      Sie musste ihm nachgeben, denn jetzt legte sie die Hand doch wieder um ihn, senkte aber auch gleichzeitig den Kopf zu ihm herab. Ihre Lippen umschlossen ihn, heiß und feucht, und Zoras seufzte, halb erleichtert, halb, weil das Gefühl jetzt wesentlich intensiver war. Diesmal blieb er aufgerichtet und stützte sich mit einem Ellbogen ab, während er mit der anderen Hand Kassandras Haarpracht ein wenig zur Seite schob. Schneller als geplant war seine Begierde wieder vollkommen hergestellt, das Feuer unter seiner Haut heiß lodernd, während Kassandra genau die richtigen Bewegungen vollführte. Diesmal zwang er sich dazu nicht wegzuzucken oder sich sonstig zu bewegen, sondern schloss nach einem Moment wieder die Augen, ließ sich ganz auf Kassandra ein, auf ihren Mund, ihre Hand, auf die aufsteigende Hitze, die sein Blut in Wallung und seinen Atem stocken ließ. Und als er dieses Mal kurz davor war, als er seine Warnung aussprach und bereits spürte, wie sich der Höhepunkt zusammenbraute, wie es ihn weiter und weiter trieb und es nur noch ein, vielleicht zwei Bewegungen benötigt hätte, um ihn über die Klippe zu bringen - war sie wieder verschwunden. Ihr Mund verließ ihn und stattdessen traf ihn jetzt die Kälte des Zimmers, die den Atem aus seiner Lunge presste. Er stöhnte, aber nicht aus Lust; seine Hüfte bewegte sich ganz von alleine, zuckte dem nach was sie verlassen hatte, auf der Suche nach dem winzigsten Bisschen Reibung, das ihn erlöst hätte. Aber da war nichts. Keuchend riss er die Augen auf und setzte sich ganz auf.
      Auf Kassandras Lippen lag ein kleines, feines Lächeln, das nur noch von dem Vergnügen in ihren Augen unterstrichen wurde, das sie ganz eindeutig bei dieser ganzen Angelegenheit empfand. Sie betrachtete ihn damit, vermutlich wohlwissend, was darauf folgen würde.
      Er ergriff sie beim Nacken und zog sie zu einem harten Kuss heran, der wenn überhaupt dem im Waschraum geähnelt hätte. Er drückte seine Lippen gegen ihre, ungeachtet sämtlicher Verluste, vereinnahmte ihren Mund, ließ sie die Frustration auf seiner Zunge schmeckten, mit der er sich Einlass erkämpfte. Der Kuss war unnachgiebig und leidenschaftlich, vermutlich der erste richtige, den sie seit vier Jahren ausgetauscht hatten. Als er sich wieder von ihr löste, keuchte er immernoch. Sein rasendes Herz hatte sich in der Zwischenzeit kaum beruhigt.
      "Kassandra... keine... Spielchen..."
      Er starrte ihr so tief in die Augen, dass er glaubte, sich jeden Moment darin verlieren zu können.
      "Götter, ich will dich. Alles von dir, irgendwas von dir. Was auch immer du möchest, nur... keine Spielchen."
    • Das Stöhnen, das sich aus Zoras' Kehle zwängte, war wie Musik in Kassandras Ohren. Sie hatte vergessen, wie er sich anhörte, wenn er bis aufs Blut gereizt wurde und ihm dann doch verwehrt wurde, was er so sehr begehrte. Damals war es noch beeindruckender gewesen, wenn der Herzog mit einer hörigen Armee, im Bett ihr ebenso hörig gewesen war. Das hier war eine Ablenkung, mehr nicht. Durch ihr Triezen vergaß er das Brennen seiner Narben, warf die dunklen Erinnerungen in die hinterste Ecke seines Verstandes, da seine Gedanke und sein Körper in Flammen standen. Sie hatte ihn schließlich dazu aufgefordert, für sie zu brennen. Dieses Feuer hatte seine dunklen Augen lichterloh in Brand gesteckt.
      Folglich überraschte es Kassandra nicht, dass Zoras' Reaktion entsprechend fahrig darauf war. Trotzdem stieß sie einen scharfen Atemzug aus, als er seine Hand in ihren Nacken legte und sie hart zu sich zog. Doch sie wurde nicht butterweich unter seinem Kuss sondern begegnete ihm mit dem gleichen Nachdruck. Sie sperrte sich vor seiner Zunge, gewährte ihm nicht so leicht den Einlass. Doch er fand seinen Weg, manipulierte ihre Lippen und bekam, was er wollte. Mühsam behielt sie ihre Hände bei sich, allerdings begehrte sie nicht viel weiter gegen ihn auf. Dafür schmeckte sie zu viel Leidenschaft, so viel davon, dass ihr schwindelig wurde. Vielleicht lag es aber auch daran, dass keiner von ihnen wirklich die Zeit bekam, um Luft zu holen.
      Zoras gab ihr nur ein winziges Bisschen Raum. So viel, dass sie beide endlich nach Atem ringen konnten und ihre Herzschläge versuchten, sich gegenseitig auszustechen. Bei seinen Worten konnte sie jedoch nur heiser kichern. „Keine Spielchen also?“ Das würde bedeuten, dass sie dann keinerlei Rücksicht mehr nehmen sollte, und dafür war es ihrer Meinung nach definitiv noch zu früh. Dafür band sie seinen Blick mit ihren Augen ehe sie die Lider schloss und es so aussah, als würde sie nachgeben.
      „Wie du willst“, sagte sie nur kryptisch und zwang ihn mit ihrer flachen Hand wieder auf den Rücken. Sie spürte deutlich die Gegenwehr, die irgendwie zwiegespalten wirkte. Doch Kassandra sah so aus, als würde es sie nicht kümmern. Dass sie allerdings ständig ganz genau darauf achtete, wie sich seine Aura verhielt, konnte Zoras nicht ahnen. Würde auch nur eine Spitze zurückkehren, wäre ihre Hand die längste Zeit an seiner heißen Brust gewesen.
      Als er auf dem Rücken lag, begab sich die Phönixin über sein Becken. Ihre Hände lagen noch immer an seiner Brust, die Fingerspitzen berührten leicht die größte Narbe auf seinem Brustkorb. Ihre Beine waren außen an seiner Hüfte während sie sich mit genüsslicher Sinnlichkeit auf seine Erektion setzte. Dabei achtete sie tunlichst darauf, dass er nicht in sie eindrang, sondern lediglich von ihrer Hitze umfangen wurde. Dann begann sie damit, ihr Becken zu bewegen und legte den Kopf in den Nacken, als die Reibung ihre Dienste tat.
      „Und was, wenn ich... das hier möchte?...“, hauchte sie mit von Lust verzerrter Stimme. Mal sehen, wie lange er noch an sich halten konnte. Er sollte sich vergessen, sein Traumata über Bord werfen und sich nach ihr Verzehren. In dem Meer an Verlangen und Begehren ertrinken, damit die Schatten ihn nicht mehr holen konnten.
    • "Keine Spielchen", bestätigte Zoras ohne zu zögern, wobei ihm gleichzeitig nicht gefiel, dass Kassandra dabei so unverhalten kicherte. Irgendwie fürchtete er, dass es doch nicht so einfach mit ihr werden würde. Es war niemals so einfach - wobei er sich auch nie darüber beschwert hätte.
      Ganz so, als hätte sie sich ergeben, zwang sie ihn auf seinen Rücken zurück, wozu er sich schließlich zwingen ließ. Er dachte nicht an die Hand an seiner Brust, auch wenn ihm das Brennen seiner Narbe durchaus bewusst war; dafür war sein Verlangen viel zu hoch, seine Frustration noch höher. Mehr als alles andere spürte er den Druck in seinen Lenden, den Zwang Erlösung zu finden, und das im besten Fall noch mit Kassandra, durch Kassandra. Die längste Zeit hatte er sie ohne sie gefunden und entgegen seiner vorherigen Überzeugungen, konnte es mehr und mehr nicht schnell genug gehen, bis er sie gefunden hätte. Er konnte nicht warten, keinen ganzen Tag, keine Nacht. Er fühlte sich, als müsse er bald implodieren.
      Sie erklomm ihn, eine ganz klare Aussicht darauf, was passieren würde. Zoras zögerte nicht davor, die Hände auf ihre Hüften zu legen, ihre Kurven zu erfühlen, sie unbewusst zur Eile zu drängen. Kassandra beobachtete ihn, während sie sich langsam auf ihn sinken ließ, genüsslich und triezend - aber ihn nicht hinein gleiten ließ. Er versuchte es, begegnete ihr bereits auf halbem Weg, wollte den Weg bereits ebnen, den richtigen Winkel anschlagen, aber kaum als Kassandra sich ganz niedergelassen hatte, ohne ihm Eintritt zu gewähren, wusste er, was sie geplant hatte. Ein Geräusch entfuhr ihm, das halb ein Stöhnen und halb ein Seufzen sein konnte, aber zur Gänze ein Laut seiner Frustration und Verzweiflung war. Er konnte sie spüren, ihre Hitze die von ihrer Mitte ausging, während sie sich an ihm rieb. Aber es war nicht genug, es war kaum etwas; wenn sie damit weitermachte, könnte es womöglich wirklich die ganze Nacht dauern, bis er seinen Höhepunkt erreicht hatte. Und so lange konnte er nicht waren, nicht mit dem schmerzhaften Pulsieren seines Glieds, das sich nur nach einer Sache sehnte, die so nah und gleichzeitig so fern davon war.
      "Möchtest du das?"
      Ihm gefiel nicht, wie flehend seine Stimme klang, aber das ließ sich nun auch nicht ändern. Vielleicht hatte Kassandra ja selbst keine sehr große Geduld. Sie mochte eine Göttin sein, aber auch sie hatte diesen Moment herbeigesehnt und auch sie musste eine Art von Erlösung finden wollen.
      Aber mit ihrer Vorbereitung an ihm war seine Geduld wesentlich kürzer als die ihre.
      Er versuchte, sie mit eigenen Mitteln einlenken zu lassen. Er drückte ihr seine Hüfte entgegen, er veränderte den Winkel, er versuchte, sich nach unten zurückzuziehen, damit seine Erektion genug Platz fände. Er versuchte, Kassandra an ihren Hüften zu bewegen, in welche Richtung auch immer, aber menschliche Muskeln unterlagen göttlicher Kraft bei weitem. Das einzige, was er davon hatte, war noch größere Frustration, weil er genau spüren konnte, wie sich ihr Körper über ihm und unter seinen Händen bewegte.
      "Kassandra."
      Es war vielleicht eine Warnung, vielleicht war es auch ein gescheitertes Bitten. Was auch immer es letzten Endes war, es ließ seine eigene brüchige Kontrolle zu Boden fallen.
      Er setzte sich ruckartig auf, umfasste ihre Hüfte mit beiden Armen, ignorierte sämtliche rationalen und irrationalen Bedenken und brachte Kassandra nach hinten aus dem Gleichgewicht. Sie fiel, zusammen mit Zoras, der ihr gleich nachzog und ihren Kopf mit seiner Hand abfederte, bevor sie am Kopfende landete. Da schob er sie noch ein Stück, bis sie sich gegen das Holz anlehnen konnte.
      Sämtliche Zurückhaltung hatte er abgelegt. Er wollte Kassandra, was nicht bedeutete, dass er sich nicht zurücknehmen würde, wenn sie nicht mehr wollte. Aber er ließ seine Bedenken, seine Sorgen und seine Narben irgendwo hinter sich.
      Mit einer Hand winkelte er ihr Bein an. Mit der anderen stützte er sich ab und dann war er in einer geschmeidigen, schnellen Bewegung in ihr.
      Erleichterung durchspülte ihn und Zoras stöhnte auf. Er ließ sich fast gleichzeitig nach vorne sinken, bis seine Stirn platz auf Kassandras Schulter gefunden hatte. Nur für einen Moment harrte er so aus, im vollen Genuss ihrer Hitze, alleserfüllend um ihn herum.
      "Götter, Kassandra."
      Er zog sich wieder ein Stück heraus, stieß mit einer kraftvollen, lustgetriebenen Bewegung wieder hinein und verlor den letzten Rest an jeglicher Kontrolle, als die Begierde ihn in sämtlichen Facetten ausfüllte. Es hatte sich weit genug aufgestaut, dass er es jetzt nicht mehr zurückhalten konnte.
      Sein Tempo war schnell und strafend, für sie beide vermutlich, denn während er versuchte gleichmäßig zu bleiben, wollte er Kassandra selbst zum Höhepunkt bringen und sie in ihrer Gänze genießen. Er neigte den Kopf zu Kassandras Hals, öffnete den Mund und grub seine Zähne in ihre Haut.
      Es dauerte wahrlich nicht lang, bis selbst seine rhythmischen Stöße zu stottern begannen, während er blind dem aufsteigenden Gefühl hinterher jagte. Für mehrere atemberaubende, himmlische Sekunden schien er alles viel deutlicher wahrzunehmen: Kassandras Stimme in seinem Ohr, der Atem auf seiner Haut, die feinen Schweißperlen, die sich entweder auf ihm oder ihr gebildet hatten, der alles ergreifende Geruch nach Kassandra und Sex, ihre sengende Glut, in die er immer wieder hineinstieß. Alles schien ein Teil seines Höhepunkts zu sein, eine Erfüllung, die er gerade durchlebte. Dann kam er, stockend und mit Kassandras Namen auf seinen Lippen und konnte für viele Sekunden nichts anderes tun als in ihr zu schmelzen.
    • Kassandras Lächeln wuchs in die Breite als sie Zoras' Frustration nur anhand eines einzigen Geräusches hören konnte. Anstelle einer gesprochenen Antwort schenkte sie ihm lediglich ein bestätigendes Summen während sie ihre eigene Lust weiter an ihm steigerte. Unter ihr begann sich Zoras zu winden, versuchte auch den kleinstmöglichen Raum zu seinem Vorteil zu nutzen und scheiterte jedes Mal. Seine Finger gruben sich in ihre Hüften, tief und regelrecht verzweifelt. Doch Kassandra ließ sich nicht beirren noch manipulieren. Sie spürte, wie es sie anheizte, wie das flüssige Feuer, das sie in seine Adern goss, langsam zu ihr herüber schwappte.
      Und dann lag er nicht mehr gequält unter der Phönixin. Sie hatte ihr breites Lächeln nicht eine Sekunde lang unterbrochen, als er endlich genug von ihrem Getrieze hatte und sie nach hinten auf den Rücken beförderte. Hätte sie es nicht gewollt, wäre er dazu niemals in der Lage gewesen, doch daran verschwendeten sie beide keinen Gedanken. Erst darauf fiel ihr auf, warum sie den Eindruck hatte, dass sich Feuer auch auf sie erstrecken würde; Zoras' Aura dehnte sich dermaßen aus, dass sie teilweise Kassandras eigene Aura überspülte. Das, was sie verspürte, war seine ungefilterte Begierde. Immerhin hatte sie ihm aufgetragen, für sie zu brennen, und das tat er auch. Seine Hand suchte nach ihrem Bein, sie zog es kaum merklich heran bis er ihre Kniekehle zu fassen bekam und es anwinkelte. Dann verschwendete er keine weitere Sekunde und hatte sie beide so schnell vereint, dass sich in sein Stöhnen ein Aufkeuchen von ihr mischte. Ihr Körper versuchte in Überraschung vor ihm zu weichen, doch viel Platz gab es nicht. Seine Stirn lag heiß an ihrer Schulter, sie wusste nicht, wer von ihnen weiter unten gerade stärker zuckte. Seine Worte hätten eine Warnung sein können, doch die kam bei ihr nicht mehr wirklich an, als er sich kurz darauf in Bewegung setzte.
      Es wirkte, wie in einem Fiebertraum. Niemals hatte sie sich so in Telandir Fängen gefühlt. Ohne Rücksicht hatte Kassandra ihre Finger in Zoras' Arme geschlagen, die Beine um seine Hüfte geschlungen, nicht im Klaren darüber, ob sie ihn noch tiefer haben oder einfach nicht mehr gehen lassen wollte. Das Bett gab sich größte Mühe standzuhalten und beschwerte sich knarzend über ihr Liebesspiel. Dass sie zwischenzeitlich wieder die Augen geschlossen hatte, fiel ihr erst auf, als sie überrascht aufstöhnte, kaum hatte er ihr seine Zähne in den weichen Hals getrieben. Ab da hielt sie nicht mehr an sich und scherte sich nicht darum, ob man sie durch die ganze Etage hören können würde. Mit einem Schlag machte Zoras ihr wieder klar, wie gut sich Sex anfühlen konnte. Wie es sich anfühlte, wenn man nicht nur das Ziel der eigenen Begierde war und man sich gemeinsam in etwas verlor, das so urtypisch wie das Wesen selbst war. Mit jeder Sekunde, jedem Atemzug, jeder Bewegung und jeder Berührung erinnerte sich Kassandra ein wenig mehr, doch dann wurden Zoras' Stöße unregelmäßig. Sie spürte seinen Körper sich anspannen, wie sein Atem zu stocken begann. Fast verzweifelt versuchte sie, seine Bewegungen aufzugreifen, die Phase aufrecht zu erhalten, die sie geradewegs auf den Höhepunkt zu trieb. Ihr Name kam über seine Lippen, ihre Hände klammerten sich an seinen Rücken während sie das bisschen Reibung suchte, was sie brauchte. Nicht nur fühlte sie, wie er seinen Höhepunkt fand, sie sah es auch. Seine Aura war das reinste Feuerwerk mit all seinen Mustern und Farben, die wild und augenscheinlich planlos durcheinander wirbelten. Unter ihm wand sich Kassandra, die noch nicht die Erlösung gefunden hatte, aber immer noch unter dem Hoch litt, in das sie und er sie getrieben hatten.
      Mühsam löste sie eine Hand von seinem Rücken und legte sie sanft auf seinem Haupt ab, um ihn dort zu streicheln. Ihre Brustkörbe kämpften gegeneinander um den notwendigen Platz zum Luftholen und Kassandra musste ihre trockenen Lippen befeuchten, bevor sie Worte sprechen konnte.
      „Ich fürchte, wir können direkt wieder den Waschraum aufsuchen“, hauchte sie, die Stimme kratzig von den vergangenen Minuten.
    • Zoras' Höhepunkt hätte noch ewig so anhalten können. Getrieben von Kassandra unter sich und der allesergreifenden Erfüllung ihrer Präsenz, die ihn fest im Griff hatte, kam er einfach nicht herunter. Es war wie ein Traum, dem er mit sämtlichen Sinnen unterworfen war.
      Allein seine voranschreitende Erschöpfung ließ das Hoch irgendwann verfliegen. Er sackte noch mehr gegen Kassandra, als er eh schon war, und schlang den freien Arm um sie, um sie noch enger zu drücken. Sein Körper prickelte vom Orgasmus, in seinem Kopf war ein angenehmer, dichter Schleier, der alles mit sich eindämmte. Er wollte diesen Moment noch ausnutzen, in dem es nichts gab, was sie wieder auseinandergetrieben hätte. Wirklich gar nichts.
      "Hmmmm."
      Er drehte den Kopf und küsste ihren Hals, jede Stelle, die er von dort aus erreichen konnte.
      "Müssen wir das?"
      Zoras hatte kein Problem mit ein bisschen Schweiß und Körperflüssigkeiten. Er hatte schon Blut und Schlamm und Ausdünstungen ertragen ohne sich zu waschen, eine Lage wie diese erschien ihm definitiv sauber genug.
      Stattdessen erfreute er sich lieber noch ein bisschen an Kassandras Wärme, an ihren herrlichen Schenkeln, die sich noch immer an ihn drückten, an ihren Brüsten, die er an seiner eigenen spüren konnte. Alles, bis die Realität zu ihnen aufholen würde.
      Und es dauerte auch gar nicht lang, da erhob sich das bekannte Unwohlsein, die Anbahnung dessen, dass der Körperkontakt jetzt zuviel wurde. Lediglich die Hand, die ihm zärtlich durch die Haare strich, war noch willkommen, aber der Rest überschritt eine Grenze. Da drückte er Kassandra einen letzten Kuss auf die glühende Haut, richtete sich stöhnend auf und ließ sich neben ihr ins Bett fallen. Schon jetzt wusste er, dass er auch das hassen würde. Er hatte sich noch nicht einmal Gedanken darüber gemacht, wie sie die Nacht zusammen verbringen würden.
      Es benötigte ihn tatsächlich eine beschämend lange Zeit, bevor der Schleier in seinem Kopf sich soweit gelichtet hatte, dass er einige klare Gedanken fassen konnte - wie zum Beispiel, dass es ihm zwar nichts ausmachte, in seinem und Kassandras Schweiß zu schlafen, aber dass das nicht für Kassandra gelten musste. Dass sie die Bemerkung vermutlich auch kaum zu seinem Wohl gemacht hatte. Dass er die letzten Minuten noch nicht einmal darüber nachgedacht hatte, ob ihr der Sex gefallen hatte. Er hatte auf gar nichts geachtet.
      Beherzt fluchte er auf kuluarisch und stand dann in einer Bewegung auf.
      "Bleib hier, ja?"
      Er ging in den Waschraum, holte eines der Handtücher, das noch feucht genug war, und kam damit zurück, um Kassandra fast zeremoniell von seinen eigenen Körperflüssigkeiten zu reinigen. Dann bot er ihr die Hand an.
      "Möchtest du den Waschraum aufsuchen? Ich stehe dir zu Diensten. War es denn... in Ordnung? Alles in Ordnung?"
    • Kassandra war eine Ansammlung von Wohligkeit und Wäre. Dass Zoras noch mehr seines Gewichtes auf sie ablegte, fiel ihr gar nicht wirklich auf. Stattdessen schmiegte sie sich noch inniger an jedes Fitzelchens seines Körpers, das sie nur berühren konnte. Sein Brummen war mitunter das schönste Geräusch, was sie zur Zeit hätte hören können. Ein absolut seeliges Geräusch. Eines, das verdeutlichte, dass er endlich das gefunden hatte, dem er jahrelang wie einem Hirngespinst nachgejagt war. Auch Kassandra hatte hier in ihren Armen das, was sie sich über die Jahre gewünscht hatte. Ohne die Aussichten eines baldigen Todes, ohne Krieg und ohne diese unsichtbare Fessel zwischen ihnen. Erst hier tröpfelte langsam das Gefühl von wahrer Freiheit zu ihr durch.
      „Wir müssen nichts, außer morgen zu deinen beiden Anhängern zu stoßen, damit wir weiterziehen können“, wandte Kassandra ein, wobei man ihr das Lächeln anhören konnte. Allerdings schätzte sie es noch immer, wenn sie sich nach Eskapaden wie diesen einfach nur frischmachen konnte. Selbstverständlich wäre es nur ein Fingerschnippen und schon wäre ihre Hülle von sämtlichen Schandtaten befreit, aber das war nicht dasselbe. Vielleicht war sie auch einfach zu lange einem Menschen zu ähnlich gewesen, als dass ihr ihre Macht nicht mehr genügte.
      Noch etwas länger streichelte sie sanft Zoras' Haupt. Er war noch lange nicht geheilt, aber das hier war ein guter erster Schritt gewesen. Folglich war es nur eine Frage der Zeit, bis die Unruhe seine Seele wieder ergreifen würde. Mit aller Macht würde sie ihn von sie treiben, dafür sorgen, dass er diese Nähe nicht mehr genießen können würde. Genau diesem Gefühl sagte Kassandra den Kampf an und nun gab es kaum etwas, das ihr den Sieg kosten könnte.
      Schließlich kam der Moment – sie sah es schon dank seiner Aura voraus – in dem er sich von ihr löste und von ihr ab rollte. Ihr enttäuschtes Seufzen ging in seinem Stöhnen unter und sie setzte sich auf, ordnete das wild gewordene Haar hinter ihr. Dann strich sie über ihre Beine hinweg, die immer noch von einem leichten Nachbeben heimgesucht wurden. Zoras hatte seinen Höhepunkt gefunden, sie jedoch nicht. Das spielte nun auch keine wahrliche Rolle, immerhin war dies hier eine Nacht von vielen. Sie war ein wenig abgelenkt, als Zoras plötzlich so derb fluchte, dass sie ihm einen tadelnden Blick schoss.
      „Keine Sorge, ich werde bestimmt nicht verschwinden“, versprach sie ihm, da kam er bereits aus dem Waschraum zurück, bewaffnet mit einem der Handtücher. Gespielt pikiert rollte sie mit den Augen, ließ den Mann allerdings gewähren. Sie präsentierte ihm alle wichtigen Stellen und summte dabei leise eine ihm fremde Melodie.
      Auf seine Frage hin schüttelte die Phönixin sachte den Kopf, ergriff aber seine Hand und holte ihn zu sich. Sie dirigierte ihn kniend vor sich und spiegelte dann seine Haltung ihm genau gegenüber. Beide saßen sie nun auf ihren Unterschenkeln, wohingegen Kassandra ihre flachen Hände auf je einen ihrer Oberschenkel gelegt hatte. Ruhig und warm lag ihr Blick auf ihrem Gegenüber.
      „Alles in Ordnung. Wenn nicht, hätte ich schon etwas gesagt. Wobei ich ehrlich gesagt mehr Angst darum hatte, dass du von einem Augenblick auf den nächsten die Flucht ergreifen würdest.“ Noch immer lächelte sie leicht als sie nach einer seiner Hände griff und sie zwischen ihnen hielt. „Wusstest du, dass wir Phönixe erst unser volles Potenzial einsetzen, wenn wir singen? Das was ich dir des Nachts gesungen habe, war nur ein Spiegelbild dessen, wie es eigentlich klingt. Und ich glaube, ich habe dir nie gestattet, mir ins Gesicht zu sehen, wenn ich singe.“
      Natürlich glaubte Kassandra nicht, sie wusste es. Damals hatte es ihr missfallen, weil man ständig nur ihre Schönheit und Stimme bewundert hatte. Mehr als ein schönes Ding war sie in den Augen einiger Menschen nicht gewesen und auch wenn sie wusste, dass es für Zoras anders war, war sie dennoch befangen gewesen. Das hatte sich nun gelegt, insbesondere nachdem sie ihren Schwur geleistet hatte. Also wurden ihre Züge noch weicher, als sie sich auf seine Hand in ihrer konzentrierte und die Melodie von vorhin nun mit dem Text versah, der dazu gehörte.
      Bist du aufgewacht und hast dich gefühlt
      Als wären wir an diesem Punkt schon mal gewesen?
      Denn den Rausch, den ich gefühlt hab', als du mich gehalten hast
      Kann ich nicht ignorieren
      Und wie deine Hände
      Ihren Weg zu meinen gefunden haben
      Es fühlt sich an wie eine Reise, die sie
      Schon tausendmal gemacht haben.
      Dieses Lied war keine Kopie eines Stückes einer längst untergegangenen Epoche. Das hier war Magie, die höchst persönliche Kunst eines Phönixes. Es waren Kassandras Gedanken, die die Worte füllten und ihre Emotionen, die die Melodie bestimmte. Ihre Magie quoll unsichtbar für Zoras aus ihrem zierlichen Körper hervor, schwappte hinüber zu seiner Hand und folgte dem Körper, bis sie ihn vollständig eingehüllt hatte. Das Zeigen auf seinem Rücken leuchtete sanft auf und auch das Mal von Amartius zeichnete sich deutlicher ab. Fadenscheinige Zeichen wurden gerade so sichtbar auf seiner Haut und verschwanden passend zu Kassandras Gesang wieder. Seine ganze Haut flackerte nach und nach in Runen auf, ein seidiges Gewand, das gar keines war.
      Ich denke die ganze Zeit zurück an letzte Nacht
      Wir haben zusammen getanzt bis zum Tageslicht
      Es hat sich so vertraut angefühlt
      Ich schwör', wir haben uns in einem früheren Leben ineinander verliebt
      Ich denke die ganze Zeit zurück an letzte Nacht
      Wir haben uns im Rampenlicht gefunden
      Und auf keinen Fall war das das erste Mal
      Ich schwör', wir haben uns in einem früheren Leben ineinander verliebt.
      Während sie sang und ihre Magie über ihn hinweg spülte, war Zoras ihr auf einer gänzlich anderen Ebene so nah wie noch nie. Bewusst besang Kassandra das Band des Schwures zwischen ihnen, als Resultat zeigten sich Runen und Wirbel auf seiner Haut. Vorsichtig und gelassen ließ sie ihre Magie fließen und stärkte das Band. Bis sie wusste, dass es genug war. Dass er ganz leicht, eher transparent, den regenbogenfarbenen Aurenschimmer um ihren Körper ausmachen können würde. Wie er fühlen konnte, dass sein Schwert Fragmente von Amartius' Aura an sich haften hatte. In ihren Fängen war dieser Mann wie ein leeres Gefäß, das sie nach ihren Wünschen füllen konnte. Das hier war lediglich der Anfang.
    • Es war eine beruhigende, langersehnte Routine aufzustehen, das Handtuch zu holen und Kassandra damit zu reinigen, während die Phönixin sich auf dem Bett räkelte. Es war fast wieder wie Zuhause mit einem Zoras, dessen einzige Probleme sein bevorstehender Verrat und der Abschied seiner Familie war. Dafür hatte selbst diese kleine Handlung eine beruhigende Wirkung, wenngleich sie nicht alle Probleme ungeschehen machen konnte.
      Kassandra nahm ihm darauf die Sorge ihrer ersten gemeinsamen Zeit, auch wenn ihm trotzdem noch bewusst war, dass seine Leistung eher mittelmäßig gewesen war. Er hatte schließlich vier lange Jahre darauf gewartet und wenn Kassandra es nicht noch herausgezögert hätte, wären sie nach fünf Minuten wahrscheinlich schon fertig gewesen.
      Aber er glaubte ihr. Er wusste, dass sie sich nicht davor zurückhalten würde, ihm ihre Meinung zu sagen, egal wie schlecht auch ausfallen mochte.
      Wie vorgegeben kniete er sich vor ihr hin und betrachtete seine Göttin.
      "Nein, hast du nicht", bestätigte er, den plötzlich eine unerwartete, intensive Vorfreude beschlich. Würde er sie wirklich in ihrer entfesselten Gestalt singen hören? Nach all den Jahren, in denen ihr Gesang als Geist in seinen Erinnerungen gelebt hatte?
      Aber dann begann Kassandra tatsächlich und alles weitere, was Zoras denken konnte, war wie ausgelöscht.
      Es war mit keinster Weise mit dem zu vergleichen, was sie ihm als Champion geschenkt hatte. Das hier war auf einer ganz anderen Ebene, die er niemals für möglich gehalten hätte; ihre Töne waren gespickt mit einer Vollkommenheit, die über das reine Gehör hinausgingen. Sie waren aufs äußerste rein, wohlklingend, perfekt in sämtlichen Facetten. Es waren nicht nur Töne, sondern gar eine ganze Welt, die sich für ihn offenbarte.
      Er konnte auch verstehen, was sie ihm sang, ob es nun war, weil sie therissisch gewählt hatte, oder er sie durch ihre Verbindung verstehen konnte. Der Text war mitreißend und auf eine Weise schön, die sich auch nicht auf die reinen Wörter beschränkte. Etwas anderes schwang darin mit, etwas beständiges, das den Worten die eigentliche Kraft verlieh. Es war dasselbe, was auch die Töne so lebendig machte.
      Der Gesang erfüllte ihn bis tief in die Knochen hinein. Er beflügelte ihn, koppelte ihn ab von der Realität und versuchte ihn dorthin zu erheben, wo die Töne sich entfalteten. Keine Illusion der Welt hätte diese Art von Gefühl hervorrufen können, die ihn mit Kassandras Gesang ergriff. Er war ganz und gar offen für was auch immer mit dieser Art Zauber einherging.
      Reglos verharrte er, in Kassandras Augen starrend so wie sie in seine blickte, nicht weit voneinander entfernt, gleichzeitig niemals näher als jetzt. Nach und nach glaubte er, von der Melodie in eine Art Trance geführt zu werden; er sah Kassandra vor sich, aber um sie herum lag eine Art Licht oder auch ein Schimmer. Es schien sich an ihre Gestalt anzuschmiegen, ein schillerndes, aber fast durchsichtiges Etwas, das sich mit jeder ihrer Bewegung selbst anpasste, wobei Zoras auch hier das Gefühl hatte, nicht ganz alles ergreifen zu können. Als wären seine Augen nicht dafür gemacht, solche Dinge zu erspähen. Als müsste sein Gehirn Extrarunden drehen, um diese völlig andersartigen Informationen erst zu verarbeiten.
      Dann war das Lied vorbei, aber das gewisse Etwas lag noch immer im Raum und schien darauf zu warten, mit neuen Tönen und neuem Text gefüllt zu werden. Zum ersten Mal war die Stille wohl keine Abwesenheit von Geräuschen, sie war eine Erwartung auf etwas anderes, wie ein Grundgerüst, das zu füllen gedacht war. Von Kassandra zu füllen gedacht war.
      Zoras blinzelte ein paar Mal und wurde sich wieder Kassandras Hand bewusst, die seine noch immer festhielt. Er drückte sie leicht. Er wartete noch immer darauf, dass sein menschlicher Verstand aufholte.
      "Das... das war fantastisch. Überirdisch. Ich habe noch nie etwas so schönes gehört."
      Wieder ging eine Bewegung durch diesen leichten Farbschimmer, den Kassandra umgab und er deutete darauf.
      "Was ist das?"
      Sie verriet ihm, dass es ihre Aura war. Sie verriet ihm auch, dass er einen Teil ihrer Aura sehen konnte, so wie sie seine gänzlich sehen konnte. Da blickte er an sich selbst hinab und tatsächlich, auch ihn umgab ein gewisser Schimmer, der aber so gänzlich anders wirkte, dass auch das ihn irritierte. Er hatte längst nicht so viele Farben wie Kassandra und seine Bewegungen waren anders - irgendwie zackiger. Als hätte er eine Schicht von Stacheln, die ihn fast dauerhaft umgab.
      Da war auch etwas anderes im Raum, so etwas wie eine Präsenz, was Zoras ebenso wenig begreifen konnte. Als er den Kopf wandte, fiel sein Blick ganz von alleine auf Amartius, den er bei seiner Ausrüstung abgestellt hatte. Er runzelte die Stirn und sah dann wieder zu Kassandra zurück.
      "Ist es das, was ich glaube, das es ist?"
      Sie bestätigte es ihm. Er sah wieder hinüber und dieses Mal wusste er, dass er Amartius' Aura sehen konnte. Sie war genauso anwesend wie Kassandras - wie seine eigene. Immerzu präsent.
      Seine Augen brannten. Er drehte sich wieder zu Kassandra zurück, neigte sich zu ihr vor und ersuchte einen Kuss. Er hätte gerne mehr gesehen, viel mehr als das, gleichzeitig wusste er aber auch, dass er nicht dazu in der Lage war. Noch nicht.
      "Danke, für dieses Geschenk. Für dich."
    • Es vergingen ein paar Herzschläge nach Beenden des Liedes ehe Kassandra ihre Augen aufschlug. Vor ihr saß Zoras, blinzelte ein paar Mal, als könne nicht gänzlich begreifen, ob seine Augen ihm gerade einen Streich spielten. Da wusste sie, dass ihre Magie genug Einfluss ausübte und ihre Aura für ihn sichtbar machte. Sie begann leicht zu lächeln, die Luft im Raum war erfüllt mit Wärme, die nicht nur physisch wahrnehmbar war. Sie verlagerte ihr Gewicht neu, zart geschmeichelt von seinen Worten.
      „Natürlich hast du so etwas noch nie zuvor gehört. Das war eine himmlische Stimme, die nicht für sterbliche Ohren gedacht ist“, lächelte sie. „Was wie ein Regenbogen um mich ausschaut ist meine Aura. Das, was einzigartig in seiner Farbe und Ausprägung für ein jedes Lebewesen ist. Die meisten Götter tragen einen Regenbogenschein mit sich, Menschen besitzen meist ein oder zwei dominante Farben. Aus ihnen können wir Gefühle ablesen. Das ist es, was ich die meiste Zeit sehe, wenn ich es nicht bewusst ausblende.“
      Ihr fiel auf, wie er an seinem eigenen Körper hinabsah und Teile seiner eigenen Aura bemerkte. Die Zacken, die seine Aura spickten, waren nachträglich als Schutzreaktion seines Körpers gebildet worden. Das teilte sie ihm allerdings nicht mit. Dafür ging ein Aufwallen durch seine Aura, als er etwas bemerkt, das er nicht sofort zuordnen konnte. Suchend wandte er den Kopf bis sein Blick auf das schwarze Schwert, angelehnt an einer Wand, fiel. Erkenntnis wallte durch seine Aura.
      „Ich bin mir sicher, dass Areti dir schon offenbart hat, dass er an deiner Seite bleiben wird.“ Kassandras Augen blühten voller Wärme auf, obwohl die nachhallende Trauer um ihren Sohn wie Dornen an den Stängeln wuchsen. „Er hat seine Seele in etwas verwandelt, das zurück und an deiner Seite bleibt. Er hat absichtlich den Zyklus der Wiedergeburt unterbrochen und ein Artefakt hinterlassen. Man kann nicht von Bewusstsein sprechen, jedoch... sind diese Fragmente seiner Aura unweigerlich Beweis dafür, dass er nicht vollkommen gegangen ist.“
      Langsam zwang die Phönixin ihren bedachten Blick selbst hinüber zu der Klinge. Wie hatte sich ihr Sohn dazu entschieden, dass er Zoras ein Schwert, ein Mordinstrument, als Artefakt hinterließ? Ihr Junge sollte friedfertig sein, und das war er gewesen. Sanft, großmütig und freundlich. Friedliebend.
      Bestärkend drückte Kassandra Zoras' Hand etwas fester, als er sich zu ihr lehnte und wortlos um einen Kuss bat. Zu gern hätte sie erlebt, wie Amartius mit seinem Vater interagierte. Wie Zoras als Vater war, selbst wenn es unerwartet ausgefallen war. In weiter Entfernung spielte sie sogar mit dem Gedanken, ihre Familie doch zu komplettieren, doch angesichts des Zustandes der Welten war dies nicht möglich. Ein weiterer Grund, warum sie das Gleichgewicht wieder herstellen und die Dichte an Göttern ausdünnen mussten. Damit sie selbst ihr eigenes Glück schmieden konnten, wie sie es wollten.
      „Ich wünschte, ich hätte die Kräfte von Mnemosine. Dann könnte ich deine Erinnerungen sehen. Zu gern hätte ich erlebt, wie ihr beide miteinander umgegangen wart. Wie du ihn in den Armen gehalten hast und wie er dich angesehen haben musste.“ Ihr Blick huschte wieder zu der mahnenden Klinge. „Ich habe ihn nicht so erzogen, als dass er sich für eine Waffe entschieden hätte. Das hat er wegen dir getan. Er wäre mit Sicherheit... ein wundervoller Mann geworden.“
      Die Leichtigkeit hatte sich aus ihrer Brust verabschiedet. War hinfort geflogen wie der Kolibri, den sie einst von Zoras geschenkt bekommen und wieder verloren hatte. So zerbrechlich wie seine Flügel war auch das Glück, das sie in Zoras' Anwesenheit empfand. Es bekam zunehmend Risse und sie beide waren mehr damit beschäftigt, diese Risse zu kitten als sich an dem Glück zu erfreuen. Das bezeugten die Stacheln in Zoras' Aura und das Loch, das noch immer in Kassandras Herz klaffte.
    • "Ich hätte es dir gern gezeigt. Ich dachte nicht... ich hatte bis zuletzt gehofft, dass wir zusammenfinden würden. Als Familie. Er hat mir nicht gesagt, was Telandir mit ihm gemacht hat, bis es zu spät war."
      Zoras' Sicht auf Kassandras Aura war noch nicht vollständig verschwunden, er konnte die Welle sehen, die dabei ganz fein durch sie hindurchging, kaum sichtbar. Er hätte mehr erkennen können, wenn die Farben dichter wären und die Ränder nicht im Nichts verlaufen würden, aber er konnte sich dennoch vorstellen, was in ihr vorgehen mochte. Es waren schließlich dieselben Gefühle, die ihn auch heimsuchten.
      Als sie wieder zu Amartius sah, wandte auch Zoras sich zu ihm um, denn auf ihren Kommentar war er nicht vorbereitet gewesen. Er hatte nicht näher darüber nachgedacht, weshalb Amartius ein Schwert gebildet hatte - schließlich hatte er bis dahin noch nie einen Gedanken daran verschwendet, wie Artefakte zustande kamen. Er hatte es im Moment auch nicht als abwegig empfunden, in Asvoß in der Mitte von Nirgendwo, nachdem sie einem Frostwyrm begegnet waren, ein Schwert zu erhalten. Jetzt aber darüber nachzudenken, in der Ruhe und dem Frieden und Kassandras Anwesenheit, warf ein ganz anderes Licht darauf. Amartius hatte ganz bewusst eine Waffe gewählt.
      Auf der anderen Seite hätte auch nichts anderes besser gepasst.
      "Er wäre wirklich ganz wundervoll geworden. Ein starker, fantastischer Halbphönix. Ganz nach seiner Mutter."
      Er lächelte wieder Kassandra an, mit der ganzen Liebe, die er sowohl für die Phönixin, als auch für die Mutter seines Sohnes empfinden konnte. In diesem einen, speziellen Moment wusste er nicht, was stärker war; beides vermischte sich zu einem Eindruck von Zuhause und von Familie. Sie mochten ihren Sohn verloren haben, aber sie hatten immernoch einander. Sie waren noch immer eine Familie.
      Er lehnte sich wieder zu ihr vor, küsste sie, war drauf und dran, sie ein weiteres Mal zurückzudrängen, um ihre Nähe zu suchen. Aber diesmal gab es keine verlangende Hitze unter seiner Haut, die seine sonstigen Beschwerden zurückgedrängt hätte. Berührungen taten wieder weh.
      "Warte."
      Er löste sich wieder von ihr, stand auf und ging sich anziehen - spärlich genug, damit es noch bequem war, dicht genug, dass sein Körper größtenteils wieder bedeckt war. Es war erbärmlich, sich solchen Nichtigkeiten beugen zu müssen, aber er nahm in Kauf, was auch immer ihm dabei helfen würde, Kassandra nahe zu sein.
      Wieder zurück im Bett kuschelten sie sich endlich wieder zusammen, Kassandra verschwunden in Zoras' besitzergreifender Umarmung, bei der er ihren ganzen Körper an sich drückte, bevor er die Bettdecke über sie beide zog. Kassandra war warm und weich und Götter, sie roch so gut, er hätte niemals gedacht, dass er süchtig nach einem Geruch werden könnte. Selbst nach ihrer gemeinsamen Zeit, selbst in diesem Gasthaus, in dem es sicher von Termiten und Flöhen nur so wimmelte, in einem Bett, das noch viel sicherer nicht so häufig gewaschen wurde, wie es vermutlich sollte, roch sie nach Freiheit, ungezähmten Winden, der weite des Himmels und etwas, das sich nach und nach für Zoras als Phönix etablierte, ein alter, brennender, dominanter Geruch, Asche und Rauch und Feuer, aber auch der Eindruck von Leben, Tod, Wiedergeburt. Er vergrub die Nase in ihrem Haarschopf, bis er nichts mehr anderes riechen konnte und er sich beim Schließen der Augen verlieren konnte, wohin auch immer ihr Geruch ihn tragen mochte. Eigentlich hatte er fragen wollen, ob sie überhaupt schlafen wollte. Eigentlich hatte er fragen wollen, ob es in Ordnung war, wenn er schlafen würde. Aber seine Lider schlossen sich, er streichelte ihr noch langsam über die Kurve ihrer Hüfte und dann war er unwiderruflich eingeschlafen.

      Sie trafen sich am Morgen mit Faia und Tysion, die beide auch durch die Nacht im Haus wesentlich besser aussahen. Faia hatte sogar Energie genug für ihren schwatzenden Mund, mit dem sie wohl Tysion auf Trab gehalten hatte.
      Hier trennten sich allerdings ihre Wege. Es brachte nichts, wenn die beiden Kuluarer dabei wären, wenn Zoras und Kassandra anfingen, sich im Land einen Namen zu machen. Sie hatten keine Kampfkraft, die sie zur Verfügung stellen könnten, die Kassandra auch nur ansatzweise nahe gekommen wäre, und sie konnten nicht mehr Wissen über Kuluar beitragen, als sie nicht eh schon getan hatten. Schneller würde es gehen, wenn sie zeitgleich an anderen Orten begannen, von einem neuen Eviad zu sprechen.
      Der Abschied fiel stockend aus. Faia redete viel und wollte Zoras umarmen, der sie davon abhielt, noch ehe sie die Hand an ihn gelegt hätte. Danach wurde sie fast emotional und wandte sich anderen Dingen zu, denn Faia war keine Frau, die ihren Emotionen unterlegen wäre.
      Im direkten Kontrast dazu verabschiedete Tysion sich mit keinem einzigen Wort. Die beiden Männer starrten sich an, wortlos wie schon am ersten Tag, vereint durch andere Dinge als durch ausgesprochene Worte. Sie hatten miteinander gekämpft, sie hatten miteinander trainiert, sie hatten miteinander getrunken und geraucht. Es gab wohl kaum etwas, was ihre Freundschaft noch weiter hätte vertiefen können.
      Tysion streckte ihm schließlich die Hand entgegen und Zoras schlug auf die Weise ein, bei der er wusste, dass kuluarische Soldaten es so taten. Es war ein Zeichen von Zusammenhalt, glaubte er sich zu erinnern. Als sie sich danach wieder lösten, ergriff er Tysions Hand, beugte sich hinab und als hätte er es schon eintausend Mal gemacht, als hätte er die Tradition schon längst nach Kuluar mitgenommen, küsste er seinen Handrücken. Der ältere Veteran hob die Augenbrauen ein wenig. Er betrachtete Zoras, als er sich wieder aufrichtete, und wandte sich nach einem Moment Kassandra zu, ohne eine weitere Regung von sich zu geben.
      "Viel Glück."
      Er wandte sich ab, schwang sich in den Sattel seines Pferdes und ritt gemeinsam mit Faia davon.
    • „Viel Glück.“

      Glück war etwas, das Kassandra und Zoras nicht bedurften. Dafür waren sie zu taktisch versiert, als dass sie sich auf so etwas Flüchtiges wie Glück verlassen würden. Aber ohne es zu wissen hatte Tysion vielleicht gar nicht von diesem Glück gesprochen. Vielleicht hatte er jenes Glück gemeint, das sich brüchig wie ein delikat geblasenes Glasteil in ihre Hände gelegt hatte. Das Glück zwischen ihr und Zoras als zwei Seelen, die einander wiedergefunden hatten. Nachdenklich darüber hatte die Phönixin den beiden Kuluarern auf ihren Pferden nachgesehen, wie sie in eine andere Richtung ritten als jene, die sie selbst einschlagen würden. Gemächlich entfernten sich die beiden Rücken von dem Gasthaus und als Kassandra genauer hinsah, war es ihr so, als würde dort noch ein dritter Reiter neben den Beiden ziehen. Doch als sie blinzelte war der Schemen schon wieder verschwunden.

      Zoras und Kassandra begannen ihre Reise via Pferd. Gerade zu Beginn war ihnen wichtig, nicht unbedingt zu viel Aufmerksamkeit mit Kassandras Phönixform zu erregen als nötig. Zögen sie mit einem brennenden Feuervogel über die Lande, wäre es nur eine Frage der Zeit, bis man ihnen Champions auf den Hals hetzen und sie aus dem Weg räumen würde. Demnach zogen sie unauffällig via Pferd von Dorf zu Dorf und starteten dabei mit den abgelegeneren, um sich erst im späteren Verlauf zu den größeren Städten vorzuwagen.
      In den ersten Dörfern gestaltete sich ihre Arbeit noch als relativ einfach und vor allem effektiv. Die Menschen in den entlegeneren Gebieten waren von den Städten und den ansässigen Bindungen teilweise befreit, sodass sie schnell den Glauben fassten, als Kassandra von dem Eviad zu berichten begann und an Zoras bedeutete, dass er es sein konnte. Sie verzichtete dabei bewusst auf ihre wahre Gestalt, ließ aber zweifellos bezeugen, dass sie ein ungebundener Gott war und an seiner Seite reiste. In diesem kleinen Dörfern reichte es, die Menschen mit Worten zu bekehren. In den größeren Siedlungen reichten Worte jedoch nicht mehr aus.
      In dem nächst größeren Dorf musste sich Zoras entkleiden. Nicht vollständig, aber das Zeichen von Amartius reichte den Menschen dort nicht aus. Sie mussten das ausgedehnte Mal Kassandras sehen, das sich über seinen vernarbten Körper erstreckte. Das bescherte ihm entsetzte Blicke, was primär daran lag, dass die Menschen scheinbar selten so viele Narben auf einem einzigen Körper gesehen hatten. Folterzeugen gab es hier eher selten.
      In den anderen Siedlungen wurden ähnliche Beweise gefordert und die Zeiten, die Kassandra und Zoras in den Siedlungen verbrachten, wuchs exponentiell mit der Größe eben jener an. Je mehr Menschen angesiedelt waren, desto mehr Beweise und Bekundungen waren von Nöten. Irgendwann reichten keine Worte mehr, es mussten Taten folgen. Und so wurden sie aufgefordert, verschiedene Dienste zu erfüllen, um zu unterstreichen, dass Zoras zwar im eigenen Namen, aber dennoch für das Volk handelte. Bei diesen Tätigkeiten hielt sich Kassandra meist bedeckt, da ihr auffiel, dass ihr immer öfter Argwohn entgegen gebracht wurde. Das deckte sich mit der Aussage, die sie damals von Faia bekommen hatte, und so ließ sie sich oftmals in den Hintergrund gleiten, da es um Zoras ging und nicht sie. Das sorgte für viele überraschte Blicke, insbesondere nachdem sie offenbart hatte, das sie im vollen Besitz ihrer Macht war und dennoch frei an Zoras' Seite reiste. Zu keinem Zeitpunkt ließ sie ihren ehemaligen herzog jedoch aus den Augen und wachte darüber, das ihm kein Unheil geschah. Je länger sie ihre Reise fortsetzten, desto eher eilte ihnen ihre Kunde voraus und erweckte schließlich die Aufmerksamkeit von jenen, die ihnen nicht glaubten, dass er der Eviad sein konnte. Meistens kümmerte sich Kassandra im Verborgenen um solche Leute, die ihr gemeinsames Unterfangen sabotieren wollten, sodass Zoras ungehindert seiner Arbeit nachgehen konnte.
      So verbreitete sich langsam aber stetig die Kunde im Lande, dass es einen Mann gab, der mit einer freien Phönixin die entlegeneren Gebiete Kuluars bereiste und sich dort einen Namen machte. Der ohne eine Gegenleistung zu fordern den Siedlungen half und sich immer weiter der Hauptstadt näherte, wo ein Rat aus fünf Trägern sie erwarten würde.

      Nach drei Monaten hatten Zoras und Kassandra die Außenbezirke des Landes umrundet und die Peripherie damit abgeschlossen. Noch immer reisten sie via Pferd, was die Reise deutlich verlangsamte, aber zwingend notwendig war. Bis jetzt waren sie auf keinerlei Hindernisse gestoßen, die unüberwindbar waren und auch die Gegenwehr hielt sich erstaunlicherweise in Grenzen. Das alles würde sich jedoch ändern, als sie in der ersten namenhaften Stadt im Osten des Landes, Paspatera, ankamen.
      Paspatera war eine Kleinstadt, die sich ihren Namen anhand ihrer günstigen Lage als Handelsposten gemacht hatte. Sie war angesiedelt an einer Bergkette, die man nur hier mittels eines Passes überwinden konnte. Ein breiter Fluss, der sich bis in den Norden zur Hafenstadt zog, diente als Anlaufstelle für den Binnenmarkt. Es herrschte reger Karrenverkehr und hier trafen Kassandra und Zoras das erste mal auf echte Stadtwachen, die am Tor postiert waren und gelegentlich die ankommenden Waren kontrollierten oder eben seltsame Reisende.
      So wie sie beide es waren.
      Erneut hielt sich Kassandra bedeckt und auch ihre Aura im Rahmen, um Zoras das Reden zu überlassen. Sie hielten an den Wachen, die zwar mit einfacher Rüstung ausgestattet waren, dafür aber dennoch genug Eindruck schindeten. Sie fragten sie nach ihrer Absicht in Paspatera, wobei Kassandra nicht entging, dass eine der Wachen am Tor sie beide scheinbar erkannte.
      „Ist das nicht der Kerl, der vor ein paar Wochen in Balbad die versiegte Quelle wieder geöffnet hatte?“, hörte sie ihn seinen Kollegen fragen, der sie daraufhin musterte und schließlich nickte.
      Die Wache, die Zoras gerade ausgefragt hatte, bemerkte das Getuschel und musterte Zoras erneut, dieses Mal mit etwas anderem Blick. Dann fiel sein Blick auf Kassandra, die ihn erwiderte und sachte lächelte.
      Die Wache lächelte nicht. „Dann seid Ihr die Phönixin?“
      Kassandra nickte. „Die bin ich.“
      „Beweist es.“
      Ohne Umschweife ließ Kassandra ihre Aura frei. Sofort brach leichtes Chaos aus, als Zugtiere wieherten und stiegen, Männer in dem Versuch schrien, die Tiere zu besänftigen und selbst die Wache einen Schritt zurückwich. Kassandra hingegen saß unverändert sanft lächelnd auf ihrem Pferd, das sich genauso wenig bewegte wie Kassadra mit Zoras auf dem Rücken. Nach erfolgtem Beweis zügelte Kassandra ihre Aura wieder und eine erschwerende Stille legte sich über den geschäftigen Vorplatz des Stadttores.
      Dann postierte sich die Wache neu. In seinem Blick lag weder Angst noch Überraschung. Eher eine Art der Bestimmtheit. So als hätte er einen Befehl bekommen, auf den er lange gewartet hatte und ihn endlich ausführen durfte.
      „Ich muss Euch im Namen des Stadtherren auffordern, weiterzuziehen“, sagte er und streckte einen Arm aus, der weg von dem Tor und in die Wildnis deutete. „In Paspatera sind Quacksalber und Champions nicht erwünscht.“
      Das Lächeln blieb auf Kassandras Gesicht bestehen. „Wie schön. Dann können wir ohne Zwischenfälle zu Eurem Herren ziehen.“
      Sein Gesicht und Haltung blieben unverändert. „Keine Champions.“
      „Wirke ich auf Euch wie ein Champion?“
      Noch immer keine Regung. Alle Augen waren mittlerweile auf sie beide gerichtet. Etliche dutzend Augenpaare, von Händlern weiter her und Söldnern, die ihren Trupp bewachten. Entfaltete sich hier eine Szene, dann würde das Wort sich in anderen Tönen verbreiten als jene, die sie beide beabsichtigten.
      „Wie heißt Euer Herr?“, fragte Kassandra, deren Lächeln nun doch entfallen war.
      „Santras Gibra. Ernannter des Rates.“
      Kassandra nickte. „Richtet Ihm unsere Grüße aus, wir bleiben in der Nähe.“
      Dann bedeutete Kassandra Zoras, dass sie ihre Pferde abwenden und erst mal vom Tor verschwinden sollten. Sie mussten sich etwas anderen einfallen lassen, um in die Stadt zu kommen und mit diesem Stadtherren zu reden. Ohne ihn würden sie die Bürger nicht erreichen können und mit Gewalt konnten sie sich keinen Einlass gewähren.
      Kassandra und Zoras ritten Abseits des Platzes, wo sich allmählich wieder die Stimmen erhoben und das geschäftige Treiben wieder aufgenommen wurde. Pferd an Pferd standen sie und beobachteten, wie die Händler ein- und wieder ausreisten.
      „Das ist das erste Mal, dass wir wirklich auf Feindseligkeiten stoßen“, bemerkte die Phönixin. „Wobei ich mich schon gefragt habe, wann es passiert. Du sagtest ja, dass Götter hier keinen sonderlich guten Ruf genießen und scheinbar teilt dieser Stadtherr diese Meinung. Normalerweise würde ich vorschlagen, dass wir das nächste Ziel ansteuern, aber Paspatera ist ein wichtiger Umschlagspunkt. Von hier würde sich das Wort von selbst weitertragen, wenn wir unseren Einfluss hier erstrecken. Oder was denkst du?“
    • Die Grenzbereiche des Landes im Norden waren durch das angrenzende Meer und die zu steinigen Buchten nicht gut ausgebaut. Weil Kuluar nicht wie Theriss zu jeder Grenze hin eine voll funktionsfähige Verteidigungslinie und eine zugehörige Versorgungsstadt benötigte, verlagerten sich hier entsprechend kleinere Dörfer und Siedlungen an den Rand. Je näher sie der Hauptstadt kommen würden, je dichter würde die Bevölkerung auf den gleichen Raum erst werden.
      Ihre ersten Besuche galten damit Bauernhöfe, abgeschiedene Familiensitze, kleinere Gemeinschaften. Orte, die einen einzelnen Lebensmittelstand hatten, der alle im Umkreis versorgte. Das einfachste Leben auf dem Land.
      Diese Menschen waren wenig von den Machenschaften der Champions ergriffen, denn in ihren Kreisen gab es nichts, was einen Champion zu ihnen gelockt hätte. Sie waren misstrauisch Fremden gegenüber, aber das hob Zoras schnell auf, wenn er ihnen seine Hilfe und seine Arbeit anbot, ohne eine Bezahlung dafür zu verlangen. Wenn dann Kassandra noch hinzustieß, um sie darüber zu informieren, dass Zoras sich als Eviad eignete, war es meistens eher wie ein Aha-Moment. Es gab keine Zweifel an dieser Aussage und wenn sie weiterzogen, wurden sie meist mit freundlichen Worten und Glückwünschungen verabschiedet.
      Als die Orte dichter besiedelt wurden, wuchs nicht nur das Misstrauen gegenüber Fremden, sondern auch gegenüber allem, was mit Champions zu tun hatte - potentielle Eviads eingeschlossen. Amartius' Mal reichte bald nicht mehr aus und Zoras fand sich immer häufiger in der Lage, auf einem öffentlichen Platz sein Hemd von seinem Körper zu ziehen und die Flügel mehreren dutzend Augen zu präsentieren. Das Staunen war groß, das Misstrauen verflog fast vollständig. Es war der Ersatz für Kassandras hochtreibende Worte, die nicht mehr ausreichten.
      Meistens bekam er für seinen Auftritt dennoch eine Art Bezahlung, auch wenn er nie eine verlangte. Manchmal war es Proviant für die Reise, ein bisschen Geld, einmal sogar ein Schmuckstück. Oft durfte er kostenlos übernachten, wenn auch nur für eine Nacht. Es war stets eine Frage, wie überzeugt die Menschen davon waren, damit sie ihm etwas gaben. Immerhin wollten sie es sich mit dem zukünftigen Eviad nicht doch verscherzen.
      Wenn er nichts bekam und auch seine eigenen Ersparnisse ausgegeben hatte, ging Kassandra für ihn jagen. Sie sorgte auch dafür, dass er abends vor Wind und Wetter geschützt war und dass er es warm hatte. Im Gegenzug litt Zoras unter einem schlechten Gewissen, weil er nichts für Kassandra tun konnte. Er nahm sich fest vor, sobald er einen festen Platz in Kuluar hätte, ihr alles zurückzuzahlen.

      Siedlungen wurden zu Dörfern. Es gab Wachen, es gab Bürgermeister, es gab Felder und Händler. Ihr Auftritt, der mittlerweile wie eine kleine Showeinlage ablaufen konnte, wurde mit Unglauben begegnet. Was hätte ein potentieller Eviad in einem so unwichtigen Dorf verloren, wieso wäre er nicht in der Hauptstadt und würde sich gleich dem Rat stellen. Aber auch darauf war Zoras vorbereitet, der jeden Abend mit Kassandra daran feilte, wie er sein Auftreten als Eviad verfeinern konnte. Immerhin war er hier kein Herzog mehr, der einen anerkannten Titel durch Erbe erhalten hatte. Hier war er ein Mysterium, eine Prophezeiung, die sich in der jetzigen Generation aller Kuluarer nicht erfüllt hatte. Er durfte kein eigenes Bild von Eviad schaffen, denn Eviad war niemand, den man mit einem Gesicht oder einer Geschichte in Erinnerung brachte. Eviad war ein Etwas, ein abstraktes Loch, das nur mit der abstrakten Vorgabe des Eviads gefüllt werden konnte. Aber diese Vorgabe war so vage gehalten, dass das ganze Land eine andere Vorstellung dessen hatte, was der wirkliche Eviad sein mochte.
      Entsprechend versuchte Zoras gar nicht erst, den Titel an sich anzupassen. Stattdessen verhielt er sich so, wie die meisten es von ihm erwarteten: Er hielt sich aufrecht und mit einem gewissen Stolz, wie jemand, der genau wusste, wo sein Platz war. Er sah niemanden direkt an, stattdessen versuchte er stets, die ganze Menge wahrzunehmen. Wenn er sprach, ließ er es - mit Kassandras vorheriger Hilfe - so prophetisch wie nur möglich klingen. Seine Schritte waren fest und seine Mimik war gerade soviel, dass es noch genügend Spielraum gab, um seine eigenen Vorstellungen hinein zu interpretieren. Es ging viel weniger darum, dass die Leute Zoras sahen, sondern dass sie ihn mit dem füllten, was sie sich von Eviad vorstellten.
      Diese Tatsache hatte er auch erst mit der unendlichen Weisheit von Kassandras langem Leben verstanden.
      Also zeigte er ihnen den Eviad und wenn sie ihm dann trotzdem nicht glaubten, durfte er seine einjährige Erfahrung als Söldner auspacken. Er half auf den Feldern, er reparierte Scheunen, er zog aus, um ein Rudel Wölfe zu schlachten oder eine Bande Plünderer zu vertreiben. Er grub Brunnenschächte, er räumte verschüttete Wege frei, er half bei einem Brückenbau und dabei, einen eingestürzten Turm wieder aufzurichten. Er suchte eine versiegte Quelle und öffnete sie wieder. Manchmal konnte Kassandra im helfen, manchmal war er auf sich alleine gestellt, schwitzend und hemdlos. Letzteres hatte Kassandra ihm ebenso empfohlen; wenn er die richtigen Bewegungen machte, konnte es von hinten so wirken, als ob die Flügel auf seinem Rücken sich aufrichten würden. Also übte er nachts neben seinen prophetischen Reden und dem Auftritt als Eviad ebenso mit Kassandra, wie er seinen Rücken richtig bewegte, um den Schwur zum Leben zu erwecken.
      Meistens war es ganz amüsant die vielen erstaunten und verblüfften Blicke zu sehen, wenn die Leute die Vorstellung akzeptierten, dass er wirklich als Eviad durchkommen könnte. Ihm fiel auf, dass das Starren auf seine Narben nicht so unangenehm war, wie er all die Jahre gedacht hatte. Eigentlich war es sogar die einfachste Methode, Kuluars Bevölkerung zu überzeugen, solange sie nur nicht nahe genug kam, um ihn auch berühren zu können. Aber Kassandra sorgte schon dafür. Kassandra sorgte auch dafür, dass er sich nach den nicht ganz so lockeren Begebenheiten warm und geliebt fühlte, wenn sie sich nachts das Lager teilten. Ohne Kassandra würde er nicht weiterkommen. Ohne Kassandra würde er irgendwo dort steckenbleiben, die kleineren Dörfer in Staunen zu versetzen, aber bei den größeren nur auf Ablehnung und Spott zu treffen.
      Die Wochen flogen damit ins Land und der Karte zufolge war es jetzt an der Zeit, sich einen Schritt weiter inlands zu wagen. Die nächste Stadt, Paspatera, war wichtig genug, um einen geregelten Zufluss von Besuchern zu haben, die die Stadt entweder nicht überfluten oder in Unordnung stürzen würden. Bisher waren sie nur selten in die Begutachtung von Wachen gelangt, aber in Paspatera war das gänzlich unvermeidbar.
      Eigentlich hatten sie erst warten wollen, bis sie innerhalb der Stadtgrenzen waren, um auf sich aufmerksam zu machen, aber zu ihrer äußerst angenehmen Überraschung, wurden sie von einer Stadtwache erkannt. Egal, ob dieser spezielle Soldat Bekannte oder gar Familie in Balbad haben mochte, Tatsache war, dass das Wort über den potentiellen Eviad sich schon von Balbad nach Paspatera verbreitet hatte. Das bedeutete, dass auch andere Dörfe im Umkreis schon etwas von Zoras gehört haben könnten, wenn auch vielleicht nur flüchtig und als Gerücht.
      Es zeigte aber, dass ihre Methoden wirkten.
      "Der bin ich", bestätigte Zoras die Frage und spielte ein ganz feines Lächeln auf sein Gesicht. Gerade genug, um Freundlichkeit darin zu erkennen, nicht genug, um die weitere Fantasie gänzlich zu überspielen. Mittlerweile glaubte er, langsam den Dreh rauszuhaben, wie er Eviad darstellen musste.
      Die wesentlich neugierigeren Blicke gingen zu Kassandra neben ihm, die in ihrer gänzlich menschlichen Gestalt vielmehr wie seine Frau als eine Göttin wirkte. Aber der Eindruck täuschte über Welten hinweg, so wie sie mit der Aufforderung bewies. Kaum, als Kassandra einen Stoß ihrer Göttlichkeit freigab, brach um sie herum das Chaos aus, die natürliche Ordnung der Gegend aus dem Gleichgewicht gebracht mit dem plötzlichen Eingriff eines Gottes.
      Nur Zoras und Kassandra blieben davon gänzlich unbeeindruckt, genauso wie ihre Tiere. Es war das perfekte Bild davon, wie Eviad zu sein hatte: Ungestört von sämtlicher göttlicher Einwirkung, die seine Umgebung in Chaos verwandelte. Er musste der Stützpunkt sein, an dem das Land sich festklammern sollte und Kassandra gab ihm genau die Gelegenheit, es zu beweisen.
      Nur leider reichte das nicht und jetzt wurde auch bewusst, dass die Gerüchte über Zoras ihnen auch zum Verhängnis werden konnten: Man wollte sich ihrer wohl verwehren. Weshalb auch immer war unklar, aber ganz anscheinend schien der Stadtherr etwas dagegen zu haben, mit einem potentiellen Eviad in Berührung zu kommen.
      Was auch immer der Grund dafür war, es würde sie nicht über die Grenze bringen. Sie mussten sich dem Gesetz fügen, etwas anderes blieb ihnen nicht übrig.
      Gehorsam wandten sie sich also vom Tor ab und ritten ein Stück beiseite, damit der Fluss an Reisenden wieder aufgenommen werden konnte. Liebevoll kraulte Zoras Kassadras Mähne, während er das Treiben beobachtete.
      "Es ist das erste Mal, es wird nicht das letzte Mal sein. Ich bezweifle überhaupt, dass wir in großen Städten ungehindert eintreten können. Wir werden von jetzt an anfangen, uns entweder zu vermummen oder uns einen Zugang zu erschleichen. Wenn wir erstmal drinnen sind, können wir die Leute auf unsere Seite bringen, bevor die höheren etwas merken. Und dann wird es sowieso zu spät sein."
      Aber das half ihnen beim jetzigen Problem nicht. Sicher könnten sie versuchen, sich eine Mitfahrgelegenheit auf einem Karren zu erkaufen, aber der Stadtherr - Santras Gibra - würde bald wissen, dass sie hier waren. Er würde extra vorsichtig sein.
      Zoras kramte die Karte heraus, um einen Blick darauf zu werfen.
      "Ich möchte Paspatera auch nicht umgehen. Wir können uns keine zu große Lücke erlauben, wenn wir so gut angefangen haben. Wir brauchen die Vorarbeit für die richtigen Städte. Paspatera ist unvermeidbar."
      Er faltete die Karte wieder zusammen und steckte sie weg. Wieder betrachtete er den Strom, bevor er Kassadras Zügel zurück in die Hand nahm.
      "Wir erledigen unsere Arbeit hier draußen. Hier gibt es genug Leute, die wir vollquatschen können. Vielleicht hat jemand einen kaputten Wagen oder sowas, damit kenn ich mich aus. Wenn die Wachen uns wegjagen wollen, weil wir helfen, werden sie sich keine Freunde machen."
      Damit lenkte er Kassadra zurück und trottete ganz gemächlich neben Kassandra zum Vorplatz zurück.
      Der Fluss an Zureisenden erwies sich als nicht so hilfsbedürftig wie ursprünglich erhofft, aber Zoras schaffte es, einem Händler, der auch von den Stadtwachen abgewimmelt wurde, einen Teil seiner Waren abzukaufen und sie dann unter den anderen zu verteilen. Er machte ein riesiges Verlustgeschäft damit, aber solange er Kassandra weiter an seiner Seite hätte, würde er sich schon durchschlagen können. Dafür konnte er jetzt schon sehen, dass es den Stadtwachen ganz und gar nicht gefiel, dass sie immernoch in der Nähe herumlungerten und Einreisende bequatschten.
      "Was meinst du, werden sie es wagen ihre Speere gegen eine Phönixin zu erheben?", raunte er Kassandra zu.
    • Paspatera war unvermeidbar.
      Eine einfache Feststellung, die sich als deutlich größeres Hindernis herausstellen würde, als Kassandra und Zoras zunächst annahmen. Dass man sie nicht einfach so in die Stadt ließ war ärgerlich, aber nichts, was sie in den meisten Fällen nicht aussitzen konnten. Dieses Mal saß ihnen kein Zeitdruck im Nacken und meistens arbeitete die Zeit für sie. Zumal es am Ende Kassandra sein konnte, die, eingehüllt in eine optische Täuschung, einfach das Tor passieren und von innen heraus arbeiten können würde.
      „Du willst nur hier die Reisenden abfangen?“, wiederholte sie nachdenklich und ließ den Blick über die Händler und Passanten schweifen. Sicher, es war schon ein Gewinn, wenn die Händler das Wort weitertrugen, aber dadurch hatten sie die Stadt noch nicht bekehrt. „Wie du möchtest.“
      Gemeinsam näherten sie sich wieder dem Platz. Es dauerte nicht lange, da zogen sie auch schon wieder die Augen der Wachen auf sich, von denen extra Männer zur Verstärkung eingetroffen waren, die nur dafür da zu sein schienen, den ominösen Eviad-Anwärter im Blick zu behalten. Sie alle waren schwerer gepanzert, mit Speeren ausgestattet und abseits der Kontrolle postiert worden. Unbeeindruckt dessen begann sich Zoras bei den Reisenden durchzufragen, Kassandra wie ein Schatten an seiner Seite. Irgendwann fand sich ein Händler, den Zoras um seine Waren erleichterte und sie unter den Anwesenden zu verteilen begann. Die meisten Beschenkten agierten aus purer Gier und nicht aus Not – das erkannte Kassandra spielend leicht innerhalb einer Sekunde. Doch sie schwieg und sah sich lieber im Allgemeinen um. Hier war von Armut oder Notstand nichts zu sehen. Fraglich war es also, ob es innerhalb der Stadtmauern anders aussah. Normalerweise müsste es Gesocks geben, das ungesehen der Wachen ein und wieder aus gehen konnten. Das wäre eine potenzielle Herangehensweise, würde aber genauso sehr ein Hindernis werden, wenn man sie innerhalb der Mauern plötzlich erkennen würde.
      Sie mussten also aus freien Stücken in Paspatera eingelassen werden.
      „Menschen sind töricht“, war Kassandras leise, aber bestimmte Antwort. „Wenn das der Befehl ihres Herren ist, werden sie ihn befolgen.“
      Andernfalls hätten sie nicht extra eine Infanterie aufgestellt. Nicht, dass diese Menschen ein Hindernis für eine entfesselte Gottheit darstellten. Aber wenn sie hier in eine Auseinandersetzung mit den Wachen geriet und ein Blutbad hinterließ, dann würde das eher die Kunde schlagen als jedes Geschenk es jemals hätte können. Dann wäre der Eindruck von friedensschaffenden Auserwählten dahin und ihre Arbeit war im Keime erstickt.
      „Sollen wir es testen?“
      In einer fließenden Bewegung schwang sich Kassandra von ihrem Pferd herab, das wie angewurzelt einfach nebst Kassadra stehen blieb. Mit wehendem Gewand und schwingendem Gang näherte sich Kassandra ein weiteres Mal dem Tor und der Wache, die sie vorhin abgewiesen hatte. Die Infanterie reagierte umgehend und zog den Kreis enger um das Tor, von einer Angriffshaltung war jedoch nichts zu sehen. Auch in ihren Auren fühlte Kassandra keine Angst oder Abscheu. Oder Aggression.
      Vor der Wache hielt sie an, führte die Hände vor ihrem Körper zusammen und wartete brav, bis die Kontrolle vor ihr passieren durfte. „Verratet Ihr mir Euren Namen?“
      Die Wache wirkte aufrichtig irritiert bei der Frage nach seinem Namen. Scheinbar geschah das kaum, immerhin waren sie eine Einheit, wo einer aussah wie der andere. Er zögerte einen Moment, so als wäge er ab, ob sein Name eine wertvolle Information sein konnte oder nicht. „.... Zavion.“
      Kassandra lächelte schmal. „Kein Nachname? Gut. Mein Name ist Kassandra, mein Partner heißt Zoras. Wir müssen die Stadt nicht unbedingt betreten, wenn dies nicht erwünscht ist. Es würde uns genügen, wenn wir mit Santras Gibra sprechen könnten.“
      Zavions Haltung änderte sich kein Stück. Genauso wie die Infanterie um sie herum. Scheinbar waren sie nicht darauf aus, eine Auseinandersetzung zu forcieren. „Ich wage zu bezweifeln, dass er für Euch extra seinen Sitz verlassen wird.“
      „Selbst, wenn das Anliegen wichtiger Natur ist?“
      „Selbst dann.“ Er schnaubte, was allerdings weniger abfälliger wirkte als eher bestätigend. „Selbst der Rat mit seinen Champions wird der Einlass verwehrt. Da bildet Ihr, mit Verlaub, keine Ausnahme. Unser Herr schätzt es, Konflikte direkt zu vermeiden oder sie gewaltlos zu lösen und das bedeutet, dass alles Göttliche hier nichts zu suchen hat. Wir sollen Euch vor den Toren gewähren lassen, zu tun, wonach es euch beliebt. Aber Ihr werdet keinen Fuß hinein setzen.“ Damit wandte sich Zavion ab und ordnete die nächste Kontrolle an.
      Kassandra akzeptierte das Ende der Konversation und kehrte zu Zoras zurück. Sie berichtete ihm von ihrer Unterhaltung und dass sie mit ihrer Annahme wohl doch nicht ganz richtig gelegen hatte.
      „Ich denke, sie werden erst zu ihren Waffen greifen, wenn wir sie dazu zwingen. Es ist mir schon lange nicht mehr untergekommen, dass eine Stadt pazifistisch geführt wird und scheinbar so floriert.“
      Sie blieb neben dem Pferd stehen und kraulte seine Schulter. Die Soldaten mit der verstärkten Ausrüstung hatten wieder ihre Warteposition bezogen und machten keine Anstalten, sich von dort wegzubewegen. Also würde man den Stadtherren auch nicht einfach heraus rufen. Ihnen musste ein anderer Weg einfallen, an Santras zu gelangen.
    • Zoras nickte und gab sich unbeteiligt, als Kassandra abstieg und erhobenen Hauptes auf das Tor zumarschierte. Wenn man genau aufpasste - und wenn man auch ein Auge dafür hatte - konnte man recht gut den Unterschied zwischen der Göttin und einer sehr stolzen, sehr würdevollen Menschenfrau erkennen. Auch Kassandra mochte stolz und hochaufragend sein, aber selbst in Menschenform sah sie nie gänzlich so aus, als würde sie ein Ziel anvisieren, sondern als würde sie nur darauf warten müssen, dass sich das Ziel wie selbstverständlich zu ihr bewegen würde.
      Für einen Moment sah es so aus, als wäre die Mannschaft tatsächlich gewillt, sich gegen die Phönixin zusammenzurotten, aber sie redeten nur miteinander. Ganz anscheinend ging es darum, dass nicht einmal kuluars höchsteigene Champions Paspatera betreten durften, aber dass Santras Gibra ebenfalls auf Gewalt verzichtete. Das ganze passte nicht ganz zusammen, wie Zoras mit einem Stirnrunzeln feststellte, als Kassandra wieder bei ihm war. Es sagte ihnen auch eine Menge darüber, wie Paspatera zu kuluars momentaner Regierung stand.
      "Nur mal angenommen, bisher wollte tatsächlich noch kein Champion Paspatera betreten, ist seine Methode trotzdem nicht vielversprechend, wenn man bedenkt, was sich über den Rat erzählt wird. Im schlimmsten Fall würden sie hier zu fünft auftreten und dann muss Santras Gibra sich fügen, wenn er das Problem anscheinend gewaltlos lösen will. Nicht, dass er eine andere Wahl hätte. Was tut er also in einem Fall wie diesem? Was soll das Gesetz?"
      Er starrte auf das Tor, auf die Wachen, die sich darum sammelten, auf die Reisenden, die hindurchgelassen wurden. Oder zurückgeschickt wurden.
      "Ich denke, es geht gar nicht so sehr darum, ob ein Champion zu ihm kommt oder nicht. Es geht um ein Sicherheitsgefühl. Eine unsichtbare Schranke ist besser als gar keine Schranke."
      Und Sicherheitsgefühle konnten sehr effektiv und vermutlich auch schnell gebrochen werden. Die einfachste Variante war es, wenn Kassandra einfach zeigte, dass sie rein gar nichts davon abhalten konnte, direkt bis zu Santras Gibra zu marschieren. Sie müsste dafür vermutlich nicht einmal Leben fordern, sie müsste nur ihre entfesselte Aura freilassen und jeden vor Ehrfurcht auf die Knie sinken lassen. Höchst einfach und effektiv.
      Weniger schnell wäre es, der Bevölkerung die Augen zu öffnen, sie dazu zu bringen, die Tore für Champions zu öffnen. Schließlich mussten all jene, die nicht innerhalb der "sicheren" Grenzen waren, darum fürchten, dem Zorn einer Göttin zu begegnen, die nicht eingelassen wurde.
      Aber sie wollten keinen Aufstand anzetteln, so sehr es Zoras im Blut liegen mochte. Er wollte es sogar tunlichst vermeiden, als noch-nicht-Eviad politische Schachzüge zu beginnen, die er später nicht mehr zurücknehmen können würde. Das fiel also auch weg.
      Wenn sie nicht drohen wollten, war alles, was ihnen übrig blieb, Unnachgiebigkeit. Alleine reinzugehen kam für Zoras schließlich genauso wenig in Frage.
      "Wir lassen Santras Gibra wissen, dass wir hier sind. Er muss es immerhin nicht von uns erfahren."
      Damit ließ Zoras Kassadras Zügel los und stieg auf den Sattel empor. Kassadra tänzelte unter ihm ein bisschen, bevor sie sich mit dem verlagerten Gewicht wieder beruhigte, als Zoras sich stehend auf ihr ausrichtete. So konnte er sogar einige Kutschen einigermaßen überschauen.
      "Hört her, hört her! Mein Name ist der des Göttervaters und ich bin des Eviads würdig! Meiner Göttin wird der Zutritt nach Paspatera verwehrt, Stadtherr Santras Gibra wird niemals erfahren, dass wir seinen Segen ersuchen! Lasst es ihn wissen, dass das Zeitalter des Eviads angebrochen ist! Lasst es ihn wissen, dass der Staat einen neuen Führer erhalten wissen! Lasst ihn wissen, dass ich hier bin!"
      Zoras' Stimme hallte kräftig über den Platz hinweg, laut genug, um selbst Gespräche zu übertönen. Vielleicht zu laut, schließlich war er hier nicht in der Armee. Aber er wurde unübersehbar von sämtlichen Anwesenden gehört und das war alles, was wichtig war. Sollten die Reisenden hindurchkommen, würde man sich entweder davon erzählen, dass ein Eviad - womöglich auch schon Zoras selbst, wenn man von ihm gehört hatte - nach Paspatera gekommen war, oder dass es ein neuer Irrer war, der sich einbildete, Eviad werden zu können. So oder so würde es die Runde machen, dass ein Champion hier war. Und sollten die Wachen sich dazu entscheiden, jeden, der Zoras lauschte, einfach nicht hereinzulassen, würden sie für den Tag das Tor schließen lassen müssen. Das wäre wohl genauso wenig in Santras Gibras Sinn wie das Gerede, einen Champion vor der Tür zu haben.
      Also trug Zoras seine kleinen Reden und seine kleinen Prophezeiungen direkt dort, vor dem geschlossenen Tor vor und konnte nur darauf hoffen, dass der gewaltlose Santras Gibra schließlich etwas dagegen unternehmen würde.
    • Nachdenklich blickte Kassandra zu dem großen Tor, wo sich geschäftig Karren und Menschen und Tiere durchchecken ließen, um die Stadt zu betreten. Das letzte Mal, dass sie eine pazifistische Siedlung oder Stadt betreten hatte, lag Jahrhunderte, wenn nicht gar Jahrtausende zurück. Wieso sollte ausgerechnet jetzt und hier in Kuluar eine einzige Stadt gelegen sein, die auf dieses Prinzip zurückgriff?
      Kassandras Augen verschmälerten sich als sie ihre Aura ausschickte. Wie ein Echolot breitete sich ihre Aura kreisförmig aus und gab ihr Auskunft über alles, das nicht auf Erden entstanden war. Es dauerte einen Moment ehe sie resigniert die Nase rümpfte. Nichts. Diese Stadt war vollkommen unauffällig.
      „Ich kann mir vorstellen, dass er in seiner Stadt diejenigen Menschen sammelt, die extrem gegen Champions gerichtet stehen und wirklich nichts mit ihnen zu tun haben wollen. Entweder aus Abneigung oder aus Furcht. Paspatera könnte für sie wie ein sicherer Hafen sein – der er nicht ist.“
      Denn Zoras hatte recht; diese Regelung war fadenscheinig. Immerhin hatte Santras Wachen stationiert, und davon nicht gerade wenig. Sie trugen das Wappen seiner Stadt, also waren sie auch hier höchstwahrscheinlich ausgebildet worden. Es war nicht so, dass er überhaupt keine Gewalt einzusetzen gedachte. Es war eher eine Art letztes Mittel, auf das er zurückgreifen wollte. Die Parallelen fielen ihr geradezu wie Schuppen von den Augen.
      Noch während sie darüber nachdachte, stieg Zoras auf Kassadras Rücken. Er postierte sich, richtete sich aus und hob dann die Stimme an, die regelrecht magisch verstärkt über den gesamten Platz schallte. Unterschwellig musste die Phönixin an seiner Seite lächeln. Da nutzte er seine Fähigkeiten dank des Schwures so selbstverständlich, dass es ihm vermutlich nicht einmal auffiel. Für einen weiteren Augenblick erstarb das rege Treiben auf dem Platz erneut, als Köpfe herum fuhren und Wagen angehalten wurden. Sie alle sahen zu dem Quell der Stimme, die wie eine Böe über ihnen hinweg gefegt war.
      Damit hatte er nun die Aufmerksamkeit der Händler, der Passanten und der Wachen. Es würde getratscht werden, Klatsch verbreitete sich in der Regel wie ein Lauffeuer. Am Ende würde vermutlich auch die Hauptstadt Kunde davon tragen, dass jemand vor den Toren Paspateras stand, der in Begleitung eines Gottes war. Da die meisten Menschen von selbst darauf schlossen, dass es keinen ungebundenen Gott auf Erden gab, musste es also ein Champion sein.
      Eine Bedrohung.
      Das Treiben setzte wieder ein, als wäre nichts gewesen. Nur die Wachen hatten etwas an ihrer Aufstellung geändert, was dem üblichen Bürger vielleicht nicht aufgefallen wäre. Doch Kassandra bemerkte binnen eines Wimpernschlages, dass eine ganz bestimmte Aura verschwunden war.

      Über die weiteren Stunden geschah nichts. Die Infanterie stand noch immer an Ort und Stelle, wenn auch zwischenzeitlich abgelöst durch frische Soldaten, und auch die Stadtwache stand noch am Tor. Der Verkehr war ruhiger geworden mit zunehmenden Verschwinden der Sonne, die sich hinter den Baumkronen des Waldes in ihrem Rücken zurückzog. Die nächste Siedlung war ein ganzes Stück entfernt und so beschlossen Kassandra und Zoras, an der Waldgrenze ein provisorisches Lager aufzuschlagen. Nachdem man ihnen immer noch keinen Einlass gewährt hatte. Wie in den Nächten ohne Dach über dem Kopf zuvor spannte Kassandra mit ihrer Magie ein unsichtbare Kuppel um, die jeglichen Regen sofort verdampfen ließ. Ihre Pferde hatten sie an einem Baum festgebunden und zwischen sie beide ein kleinen Steinkreis gelegt, wo mittlerweile ein niedriges Feuer prasselte.
      „Ich denke, es ist nur eine Frage der Zeit. Entweder, wir bekommen Schwierigkeiten weil der Rat jemand auf dich ansetzt oder persönlich erscheint. Oder Santras lässt uns ein, um zu verhindern, dass Zaungäste angelockt werden.“ Sie zuckte mit den Schultern. „Immerhin sind im Laufe des Nachmittags etliche Menschen zu dir gekommen und haben nachgefragt. Die Wenigsten nahmen an, du seist verrückt. Nicht, wenn du eine echte Gottheit an deiner Seite hast.“
      Kassandra streckte ihre langen Beine aus und holte sich ihr nachtschwarzes Haar nach vorn, um einzelne Strähnen auszulesen. Ihre Frisur war nicht durcheinander gebracht, aber so hatte sie ihre Finger zumindest etwas beschäftigt.
      „Es könnte übrigens auch ein Test sein. Um zu sehen, ob wir zu Gewalt neigen oder nicht. Ich habe zweifellos zur Schau gestellt, dass ich mit Leichtigkeit hinter die Mauern der Stadt gelangen kann. Vielleicht hätte uns hinter den Mauern ein perfide aufgestelltes Abwehrsystem erwartet? Wir haben generell noch keinerlei Informationen zu Santras einholen können. Jedenfalls wussten die Händler nicht mehr. Wir brauchen jemanden aus dem Inneren, dem Kern.“
    • Wenn der Stadtherr etwas von ihrer Anwesenheit erfuhr, ließ er sich über den Tag hinweg trotzdem nicht blicken. Zwar unternahmen die Stadtwachen auch nichts, um Zoras und Kassandra wegzuscheuchen, aber es passierte auch sonst nichts. Gegen Abend hin wurde der Fluss träger und schließlich verließen sie ihre Posten, um sich für die Nacht vorzubereiten.
      Die Berge ragten vor ihnen auf, als sie sich einen Ort gesucht hatten, wo sie die Straße gut im Blick hatten und wo das Tor sie noch gut im Blick hatte. Nicht etwa, dass sie ihnen im Schutz der Dunkelheit Probleme machen wollten, aber Zoras wollte, dass man genau wusste, wo sie waren. Würde Santras Gibra nachfragen, sollte er erfahren, dass Eviad draußen geschlafen hatte.
      Er bereitete ihnen ein Abendessen von ihrem Proviant vor, auch wenn er noch nicht dazu gekommen war, genug Geld für Gewürze zu sparen. Die letzten Mahlzeiten waren entsprechend fade ausgefallen, aber ein fades Abendessen war besser als keines. Kassandra bot er auch was an, aus reiner Höflichkeit.
      "Wir sollten es nicht darauf anlegen, den Rat herzulocken. Wenn er uns als ernsthafte Gefahr anerkennt, können wir uns nicht gegen ihn verteidigen. Wir haben noch lange nicht genug Anhänger um einen ganzen Aufstand heraufzubeschwören."
      Schließlich wollten sie mit der ganzen Aktion verhindern, dass der Rat seine Macht weiterhin durchsetzte. Das war die einzige Schwachstelle in ihrem Plan: Sollten sie schon früher den fünf Champions begegnen, würde die Sache in einem Blutbad enden, das sie nicht gewinnen konnten und das sich nicht aufhalten ließ.
      Zoras lehnte sich zurück und betrachtete Kassandra dabei, wie sie ihre unendlich langen Haare nach vorne holte und um ihre Finger wickelte. Er sah auch dabei zu, wie die langen Strähnen ihr über die Arme fielen.
      "Ich gebe uns eine Woche, dann gehen wir weiter. Wenn wir bis dahin nichts weiter haben und er uns immernoch nicht reingelassen hat, haben wir den Test nunmal aufgegeben. Paspatera ist nicht die einzige Stadt. Wir haben schon genug Arbeit in der Gegend geleistet."
      Er gähnte herzhaft und kratzte sich das juckende Kinn. Sich unterwegs zu rasieren war immer schwierig, aber jetzt musste er sich dabei auch noch besondere Mühe geben, weil er schließlich nicht wie ein Bettler aussehen wollte sondern wie jemand, der der Gunst einer Phönixin würdig war.
      Zu besagter Phönixin kroch er jetzt hinüber, tastete den Boden neben ihr ab um eine Stelle zu finden, die weniger Steine und Wurzeln und dafür mehr Erde hatte und breitete sich dann dort aus. Er vermisste es, ein Zelt und wenigstens eine Decke zu haben. Er vermisste auch die Trainingsstunden mit Tysion seit einigen Wochen. Er würde wieder mit dem Training anfangen müssen, aber momentan war er zu erschöpft dafür. Für vieles, was nicht unbedingt den Namen Kassandra mit oder ohne n trug, war er zu erschöpft.
      Er streckte die Hand nach ihr aus, streichelte über ihren Oberschenkel und rollte sich dann auf den Bauch, um eine einigermaßen bequeme Schlafposition zu finden. Es war nicht unbedingt gemütlich, aber er fand seinen Schlaf.

      Am Morgen waren sie früh zurück am Tor, das keine Lücken in der Wachmannschaft aufwies. Wenn überhaupt hatte man jetzt wohl ganz besonders darauf geachtet, keine Lücken entstehen zu lassen, falls die ach so böse Phönixin sich entscheiden sollte, die Schwäche der Sterblichen schamlos auszunutzen.
      Ganz diplomatisch erfragte Zoras, ob sie heute eintreten dürften und ob sich etwas geändert hätte.
      "Zavion, nicht wahr?"
      Der Angesprochene sah aus, als hätte er einen Geist gesehen. Leider half diese Bekanntschaft nun auch nicht weiter, denn ganz diplomatisch wurde trotzdem Eintritt verwehrt. Er bot den Männern auch etwas von seinem Frühstück an, ein erbärmlicher Bestechungsversuch, der auf dieselbe Abweisung stieß.
      Dann aß Zoras es halt selbst und verließ mit Kassandra wieder den Platz.
      Sie ritten an der Grenze von Paspatera entlang, einmal in die eine Richtung bis es nicht mehr weiterging und dann in die andere. Meistens hatten die Städte ab einer bestimmten Größe auch kleinere Siedlungen außerhalb, aber im Fall von Paspatera war die Stadt wohl noch zu klein, als dass sich an den Rändern Arme und Bettler niedergelassen hätten. Das wäre wohl ihre beste Chance gewesen, einen anderen derartigen Kontakt zu knüpfen, aber dann mussten sie es wohl wieder am Tor versuchen.
      Es dauerte ein paar Stunden, bis es wieder ähnlich zuging wie gestern. Diese Leute hatten nun keine Ahnung von Zoras, da sie immerhin erst ankamen; das Paar bekam trotzdem Blicke zugeworfen, weil sie auf ihren Pferden in der Nähe saßen und beobachten, als würden sie nach etwas Ausschau halten. Das taten sie auch, aber ihr Vorhaben war wesentlich unschuldiger, als so mancher glauben mochte. Zoras wurde schließlich fündig und hielt auf einen Wagen zu.
      "Guter Mann - eine Bitte?"
      Der Händler war alt, sein Haar grau, sein Buckel krumm. Er hatte keinen sehr großen Wagen und auch keinen besonders modernen, das Holz war an manchen Stellen schon morsch und schien ähnlich lang im Geschäft zu sein wie sein Besitzer. Neben ihm saß ein Junge, der altersmäßig sein Enkel sein mochte.
      Der Händler ließ sich erst dazu ab, mit Zoras ein Gespräch zu führen, als der mit seinem Geldbeutel klimperte. Er verhandelte und bezahlte dem Mann schließlich drei Silbermünzen.
      "Schickt mir die wichtigste Person, die Ihr kennt oder entbehren könnt, nach draußen. Ich habe nur ein paar Fragen, aber uns wird der Zugang verwehrt. Wir werden direkt hier sein, unter den Augen aller Wachen. Ihr wärt eine große Hilfe."
      Der Mann brummte missmutig, gab dann aber ein Geräusch von sich, das Zustimmung sein mochte. Natürlich bestand das Risiko, dass er die Silbermünzen auch einstecken und nicht wiederkommen würde, aber ein Versuch war es wert. Ein Kontakt aus dem Inneren.
    • Während der gesamten Nacht über hatte Kassandra nicht ein Auge zugemacht. Sie saß völlig unbewegt am Baumstamm gelehnt und stellte das bestmöglichste Kissen für Zoras dar, das sie nur sein konnte. Unentwegt strich sie ihm mit ihrer Hand über den Rücken während sie nachdachte und weiterhin ihre Aura in Wellen von sich fort sandte. Es war unwahrscheinlich, dass der Rat mit seinem vollen fünf Mitgliedern auftauchen würde. Vielmehr würde er nur ein oder maximal zwei ihrer Art entsenden, und mit denen würde es die Phönixin im Notfall aufnehmen können.
      Irgendetwas an dieser Stadt war seltsam. Der Stadtherr wirkte wie ein Mysterium, doch sie war sich sicher, dass er im Inneren der Stadt allen Menschen bekannt war. Es gab einen Grund, warum er Götter außerhalb seiner Stadt wissen wollte, und das schien nicht unbedingt dem allgemeinen Glauben geschuldet zu sein. Wenn man eine Stadt als Herr regieren durfte, war man der nächst höheren Instanz direkt hörig, und das war in diesem Falle der Rat. Santras stand also in direktem Kontakt mit dem, was er außerhalb seiner Stadtmauern wissen wollte. Zusätzlich strebte er eine gänzlich andere Regentschaft an, als der Rat sie verfolgte. Es musste zu einem Disput kommen oder Santras würde abgesetzt. Die Frage war also, wie lange ging das schon so?

      Am nächsten Morgen versuchte Zoras sein Glück. Die Wachen standen geschlossen vor dem Tor und verweigerten ihnen erneut Einlass. Kassandra fiel auf, dass Zavion wieder als Vorstand der Wache agierte und nach seinem gestrigen Verschwinden wohl einfach nur seine Schicht abgesessen haben konnte. Auch nach einer missglückten Bestechung wurden sie abgewiesen und beschlossen, es auf einem anderen Wege zu versuchen.
      Stunden später hatte Zoras sein Ziel entdeckt und angegriffen. Der alte Händler auf seinem Karren zeigte sich widerwillig, weshalb sich Kassandra weiter weg und bedeckt wie immer hielt. Aus der Entfernung beobachtete sie allerdings die Unterhaltung oder eher den Akt der Käuflichkeit. Als Zoras langsam zu seiner Göttin zurück geritten kam, sah er nicht unbedingt glücklich aus, aber zumindest etwas zufriedener.
      „Ich wusste nicht, dass du heute auf Glücksspiel aus bist“, merkte Kassandra leichtfertig an und trieb ihr Pferd an Kassadras Seite. „Dann bin ich gespannt, ob der älteste Händler, den du hast finden können, sich für drei billige Silbermünzen bemüht.“

      In den folgenden Stunden tauchte der Händler nicht mehr auf. Also verbrachten Zoras und Kassandra ihre Zeit damit, die eintreffenden Händler und Reisenden nach ihren Zielen und Wegen zu fragen. Was sie von der Stadt Paspatera kannten oder ob sie von diesem ominösen Eviad gehört hatten, der wie aus dem Nichts aufgetaucht war. Nach den ganzen Stunden des Wartens rechneten weder Zoras noch seine Phönixin damit, dass ihre drei Silbermünzen sich überhaupt bezahlt machten. Vermutlich wäre es wirklich sinnvoller, hier die Segel zu streichen und die nächste Kleinstadt in Angriff zu nehmen, in die sie sich wenigstens schmuggeln konnten.
      Bis die Masse an Wachen plötzlich in Bewegung geriet.
      Zoras war gerade noch in ein Gespräch mit einem rustigen Söldner vertieft als sich ein kleines Knäuel am Tor bildete. Kassandra bemerkte es auf ihrem Pferd als erste und stellte fest, dass die Wachen sich um eine einzige Person zu scharren schienen. Erstaunt hob sie die Augenbrauen, dann richtete sie das Wort an Zoras: „Da kommt jemand mit Rang und Namen, schätze ich.“
      Zwischen all dem glänzenden Metall stach das kupferrote Haare sofort ins Auge. Noch bevor eine Person dazu zu erkennen war, setzte sich der wallende Haarschopf in Bewegung und pflügte beinahe durch die Wachen, die eilig Platz machten. Dann eröffnete sich der Blick auf eine Frau um Zoras' Alter. Sie trug ihre Haarpracht offen, die in satten Wellen über ihre Schultern fielen und vorn mit einer kunstvollen Spange aus Silber und Perlmutt aus ihrem Gesicht ferngehalten wurden. Ihre blauen Augen waren so satt, dass manch einer sich der Farbe wundern mochte. Ihre Figur war kräftiger Natur, keine zarte Damen, wie man es vielleicht von der Lady des Stadtherren erwartet hätte. Allgemein war sie dafür falsch gekleidet. Anstelle eines Kleides trug sie zwar ein Mieder, dies aber aus dunklem Leder, das sich von dem weißen Unterkleid stark abhob. Ihre Beine waren ebenfalls in Leder gekleidet und etliche Taschen und Gürtel rankten sich um ihre Oberschenkel herum. Auf den ersten Blick wirkte sie erstaunlich burschikos, wenn man von dem doch sehr weiblichen Gesicht absah, das leicht gesprenkelt von Sommersprossen war, was auffiel je näher sie kam.
      Und das tat sie ohne Umwege. Kaum hatte sie ihre Augen auf Zoras und Kassandra gerichtet, war sie schnurstracks auf sie zu marschiert. Kassandra konnte nicht anders als direkt Sympathie für diese Frau zu empfinden, egal, wer sie sein mochte.
      Drei der Wachen eilten hinter der Frau hinterher und versuchten sie offensichtlich von ihrem Vorhaben abzubringen. Doch sie schenkte den Männern nicht einmal einen Blick und stoppte erst, als sie nur noch zwei Pferdelängen von dem Götterpaar entfernt war. Das Treiben am Tor hatte indes nie aufgehört und nur die sichtlich unsteten Wachen deuteten daraufhin, dass ihnen die Entwicklung nicht passte. Allen voran Zavion.
      „Ich habe gedacht, Gren macht einen Witz als er meinte, dass vor den Toren eine Göttin steht“, sagte die Frau und verschränkte die Arme vor der opulenten Brust. „Eine Göttin, deren Begleiter ihn mit Silbermünzen zu kaufen gedachte. Seid froh, dass Gren dank seiner Erfahrung so viel Verbindungen hat.“
      „Wir sind keine Attraktion, die man sich nur ansieht und wieder weg schickt, wenn man genug von ihr hat“, gab Kassandra zurück und musterte die Frau von oben herab.
      „Eitel.“ Die Frau schnaubte. „Ihr Götterzeugs seid so unglaublich von Euch selbst überzeugt... Ihr seid?“
      Kassandra ließ Zoras den Vorzug bevor sie sich selbst vorstellte. Die Frau nickte, scheinbar alles andere als überrascht, und öffnete ihre Haltung ein kleines bisschen. „Ich bin Ghislaine, Meisterin der Münze. Was wollt ihr von Santras?“
      Da hätte Kassandra beinahe den Mund spöttisch verzogen. So viel Glück war ja schon unverschämt. Da mussten doch gewisse Hexen gerade etliche Fäden spinnen, damit sie ihren Weg ungehindert fortsetzen konnten. Ein Zufallstreffer mit drei lächerlichen Silbermünzen erkauft... und nun hatten sie durch Zufall jemanden aus Santras' engerem Kreis vor sich stehen.
      Das Lächeln der Phönixin war unübersehbar als sie Zoras eine auffordernde Geste zuteil werden ließ. Sein Einsatz, sein Gewinn.