[2er RPG] Dusk & Dawn [Asuna & Nico]

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • Innerlich musste August kichern, als er Embers verstörtes Gesicht betrachtete, während sie versuchte, der Zeit habhaft zu werden, um die sie sprachen. Selbst für ihn war das alles so weit weg. Einem Traume gleich beinahe, der einen vergessen ließ, dass dies keine Geschichte war, die ein Fremder erlebt hatte, sondern wahrhaftig und wahr.
      Ruhig fuhr seine Hand über ihre Schulterblätter und er lächelte.
      "1888", murmelte er und sah an die Decke. "Mein Geburtsjahr. Ich bin 1888 geboren in Northumberland. Aufgewachsen bin ich in Bamburgh Shores bis zum Verschwinden meiner Familie am 14. September 1904. Noch immer steht das alte Foremar Haus auf einem kleinen Hügel in den Shores. Zumindest die Überreste. Dann ist das Rechnen leichter."
      Er schloss damit und versuchte, das Bittere auf seinem Gesicht nicht Überhand nehmen zu lassen, während er an die alten Mauern und das Gelächter darin dachte. Es war schön und zugleich verfolgend grausam, wenn er sich gewahr wurde, dass seine Schwester und seiner Brüder nie wieder um ihn herum lachen würden. Nie wieder eine Berührung und nie wieder nur ein Wort des Lobes, der Anerkennung oder gar der Liebe. August Foremar war das, was er immer zu sein gefürchtet hatte. Von Liebe verlassen.
      "Ja, es war eine schöne Zeit", murmelte er, während er sich die Gesichter vorzustellen versuchte. Und es nicht schaffte. "Wir hatten ein gutes Verhältnis und eigentlich waren wir allesamt erpicht darauf, die Welt zu verändern. Die Welt zu sehen und ihrer habhaft zu werden. Wir hielten uns für die Könige und Königinnen der Welt. Wenn man an der Eingangstür genau schaut, wirst du sogar kleine Kronen dort entdecken, die wir hinein geritzt haben. Vier an der Zahl. Vier verborgene Könige. Arkane Könige..."
      Sachte schüttelte er den Kopf und schluckte Tränen hinunter, ehe er sich räusperte.
      "Warum hat es dir Shawn übel genommen? Du konntest nichts für den Tod der kleinen Emily", sagte er. Auf ihr Versprechen hin musste er grinsen.
      "In Ordnung, Ember Sallow", murmelte er mit tieferer, rauer Stimme. "Ich nehme dich beim Wort."
      Die Aussicht, dass sie das Rätsel lösen konnte, war verschwindend gering, aber es war schön zu hören, dass sie es versuchen würde. Selbst wenn er nicht mehr da war.
      "Das stimmt", nickte er. "Ich wäre vermutlich ein Schreiber geworden oder hätte auch in einer Bank gearbeitet. Vielleicht wäre ich mit einer Familie gesegnet gewesen und hätte mich an das Leben selbst verschwendet. Keine Ahnung. Wir sind hier und das ist wichtig. Ich danke dir, dass du mich nicht vergessen wirst. Das bedeutet mir viel. Sehr viel sogar."
      Ruhig lag er zurück im Kissen und fühlte eine beiernde Schwere in seine Knochen rauschen. Als würde ihm die Kraft verloren gehen merkete er erst jetzt wie erschöpft er eigentlich war.
      "Wir sollten schlafen", murmelte er müde. "Wir haben viel vor, morgen."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Es war mehr als ein Jahrhundert, das Ember und August von einander trennte. Wenn es das Tor und das damit verbundene Unglück nicht gegeben hätte, wären sie sich wahrlich niemals über die Wege gelaufen. Aber vielleicht hätte August dann ja ein schönes Leben haben können. Eines, wie er es sich gewünscht hatte. Nun gab es dort, wo die Überreste seines Familiensitzes lagen, nur noch Trümmer und alte Erinnerungen. Auch diesen Ort setzte Ember gedanklich auf ihre Liste der Plätze, die sie irgendwann einmal besuchen musste. Und so, wie er gerade von seinen Geschwistern und sich sprach, war sie sich doch sicher, dass er zumindest in diesem Aspekt eine normale Kindheit genossen hatte.
      „Shawn war noch deutlich jünger als ich. Er hat sich leicht Dinge von meinem Onkel und unserem Vater abgekupfert und da die es auch nicht besser wussten, haben sie es mir in die Schuhe geschoben. Und Shawn dann eben auch weil er nicht wusste, wie er sonst damit umgehen sollte. Er war zusammen mit Rupert und June am Unfallort aufgetaucht und hat ihre Leiche in meinen Armen gesehen. Im Endeffekt war das alles, was sie gesehen haben. Und eben die zersprengte Scheune im Hintergrund. Also hat sich da wohl irgendwas in seinem Hirn so verknüpft, dass er annahm, es war meine Schuld.“ Ember zuckte mit den Schultern, was durch die Nähe zu August etwas beschränkt ausfiel. „Ich nehm's ihm nicht übel. Er kann sich auch nicht mehr so recht daran erinnern.“
      Die Schuldgefühle und die Verurteilung waren sowieso längst erkaltet. Die Trauer war größtenteils in Stein gemeißelt und suchte sie nicht mehr an jeder Ecke ihres Verstandes heim. Die Blicke und die Anspannung, die sie in der Anwesenheit ihrer eigenen Eltern verspürt hatte, war mittlerweile verschwunden und wenn man es nicht wusste, würde man nicht meinen, dass dort einst eine tiefe Schlucht zwischen Eltern und Kind geklafft hatte.
      „Du hast viel vor“, murmelte Ember leise, kuschelte sich an den Rogue und ließ das Reden endlich bleiben.

      Die Nacht verlief erstaunlich ruhig. Ember wurde nicht zwischendurch wach und die Kälte war einer allumfassenden Wärme gewichen, die sich allerdings nur auf den Bereich unter der Decke beschränkte. Ganz der Morgenmensch, der sie war, rollte sie sich schon fünf Minuten später aus dem Bett, zog sich ein wenig missmutig die gleichen Klamotten wieder an und steckte ihre Füße in die matschigen Stiefel.
      Bei Tageslicht wirkten die Farben im Raum sogar noch abstruser. Das Dunkel hatte einiges an 'Charme' des Zimmers verschluckt und mit neuer Abscheu ließ Ember den Blick durch das Zimmer schweifen ehe sie den Kopf schüttelte und auch August die Decke vom Leibe riss. So gern sie sich einfach wieder dazu gelegt hätte – sie hatte besseres zu tun als in dem Haus ihrer verstorbenen Verwandten Sex zu haben. Jedenfalls jetzt und ungeduscht. Das Thema war auch noch eine weitere Baustelle.
      Zusammen kamen sie die Treppe hinunter in die Küche, aus der sie Geräusche hörten und das Zischen von Kochgeschirr vernahmen. Was anfänglich noch ganz gut roch musste jedoch nicht unbedingt gut schmecken und Ember ertappte sich dabei, wie sie wünschte, dass Liz statt James das Frühstück machte.
      Der Mann vor dem Campingkocher erstickte ihre Hoffnungen im Keim. Steif blieb Ember im Türrahmen stehen, während sich August an ihr vorbei zwängte. Sie presste ihre Lippen zusammen während sie nachdachte, was sie sagen sollte und entschied sich am Ende für das Erste: „Nach dem Desaster versuchen Sie es erneut mit Essen, James?“
      Von Liz war noch keine Spur zu sehen, also war sie vermutlich noch oben und würde wohl später zu ihnen stoßen. Oder sie hatte sich bereits verselbstständigt in dem Versuch, dem Haus seine Geheimnisse abzuluchsen.
    • "Wo sich die Pfade kreuzen liegt mein Herz in einer Eichentruhe
      Sieben Fuß begraben, könnt ich es nur wiederhaben? Bitte bitte!
      Lehmige Erde und der alte Muskel zuckt dort ohne Ruhe
      Sechsunddreißig Jahre wart' ich und ich habe so abartig stark gelitten"



      Ein Morgen wie ein Urgewitter.
      James Hawthorne hatte in einer besseren Hundehütte im ersten Stock genächtigt und sich unter dem Quietschen seines Bettes schließlich der Müdigkeit ergeben, die über ihn hereingebrochen war wie eine Welle von Schmerz. In aller Herrgottsfrühe, während alle selig schnarchten, hatte er sich aufgemacht und angezogen. Eine kurze SMS an Nance und die Familie, dann war er hinab gestiegen und hatte sich im Foyer des Hauses ein wenig umgesehen. Hier stimmte etwas nicht. Es war fast so merkwürdig wie das eine Mal, wo August ihm die Fotos des alten Foremar Hauses gezeigt hatte. Ob das Magie war?
      In Gedanken ergeben, hatte sich James in aller Ruhe an das Frühstück gemacht, während er seinen Magen beruhigte. Und doch, trotz der händischen Beschäftigung, kreisten seine Gedanken um dieses Haus, Ember Sallow und August Foremar. Sie alle hatten sich über die wenige Zeit ihres Beisammenseins so stark verändert, dass er sich kaum mehr an den grausamen August erinnern konnte. Und Sallow...Sie hatte sich auch verändert. Da war etwas in ihrem Blick, an ihrem Gehabe. Es stimmte etwas nicht.
      Als er Schritte auf der Treppe hörte blickte er eilig über die Schulter.
      Ember und August. Einträchtig wie ein Ehepaar, oder zumindest Geliebte. Vielleicht waren sie das auch insgeheim, es kümmerte James nicht sonderlich. Grunzend nickte er in ihrer beider Richtung und wies mit dem KInn auf das Wetter draußen.
      Staubiger Dunst lag über dem Moor und ein sanfter Regen hatte eingesetzt, der rhythmisch auf das Dach prasselte.
      "Scheißwetter", murmelte er. "Und ja, ich versuche es nochmal. Eier und Speck. Wird mir wohl gelingen."
      August nickte und sah in die Pfanne. Das Ei war trocken und der Speck verbrannt. Aber sein Leib schrie regelrecht nach Kalorien, sodass er bereit war, selbst diese Todesfalle von Frühstück zu verzehren.
      "Ich bin gewillt, das anzunehmen..."
      "Mir scheiß egal. Entweder du isst was, oder du lässt. Und SIe hören auf mich zu siezen. Ich habe mehr Scheiße hinter irgendwem weggeräumt, als mich noch siezen zu lassen."
      August grinste breit, während er sich neben Ember auf einen Stuhl fallen ließ.
      "Was beschäftigt dich, James", fragte er.
      "Komm mir jetzt nicht so!"; knurrte der Polizist. "Du weißt was. Das Haus. Was ist mit diesem Scheißding? Ich habe die halbe Nacht das Gefühl gehabt, beobachtet zu werden und selbst jetzt...Es ist gruselig hier drin..."
      Dass James Hawthorne einmal das Wort gruselig erwähnte, ließ August aufhorchen. Er fühlte sich mies ohne eine Dusche und würde es nur kaum aushalten. Sobald seine Kräfte wieder da waren, sollte er irgendetwas organisieren.
      "Wenn starke Magie gewirkt wird, hinterlässt sie Spuren...Das wisst ihr."
      "Ja, Spuren! Betonung liegt auf Spuren! Dass hier ist ein verdammter Dampfhammer!"
      August nickte.
      "Beruhig dich. Wir sind hier, um es heraus zu finden. Ich schlage vor, dass wir uns um das Haus kümmern, während Liz die Apparatur für meine Forschung aufbaut...Dazu werde ich noch etwas Hilfe brauchen..."
      James seufzte und verfrachtete Eier und Speck auf drei Stahlteller und schob sie den beiden hin. Sorgsam ließ er sich auf einen Stuhl fallen und begann, in dem knochigen Gemüse herum zu stochern.
      "Was für Hilfe?", fragte James kauend.
      "Ich möchte, dass du Perley anrufst und ihm gleich zwei bis drei Adressen durchgibst. Er soll Arkana anrufen und sie darum bitten, die Personen aufzulesen und sie für mindestens vier Tage packen zu lassen. Anschließend sollen die Arkana sie herbringen."
      JAmes sah kurz zu Ember und zog die Augenbrauen hoch.
      "Ist was passiert?"

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Entgegen eines besseren Wissens hatte sich Ember wieder auf dem angestammten Stuhl von gestern sinken lassen und damit begonnen, die Küche bei Tageslicht zu betrachten. Sicher, das Wetter draußen brachte nicht das beste Licht, aber alles war besser als der dürftige Kerzenschein von gestern Abend. An den Wänden waren Flecken, wo einst Bilder gehangen hatten und der Charme der ehemaligen Küche war nicht vollkommen verblasst. Nachdenklich ließ sie ihre Hände über das raue Holz der Tisches gleiten, fuhr hier und da tiefere Kerben ab und bildete sich ein, woher sie stammen mochten.
      Wirwissen, dass es Spuren hinterlässt, ja. Aber es ist nicht nur James aufgefallen, dass hier was komisch war.“ Jetzt, nachdem sie nicht ein bisschen angetrunken sondern vollkommen klar war, war es nicht mehr nur dieses Beobachtet sein, was ihr auffiel. „Ich hab dich gestern doch danach gefragt, ob du was außergewöhnliches spürst. Nur James und ich fühlen uns so seltsam beobachtet. Weder du noch Liz merkt davon etwas. Ich halte das nicht für einen Zufall.“
      Dann fluchte Ember leise. Sie hatte schon damit angefangen, das Haus zu untersuchen ohne es wirklich zu wollen. Hier in der Küche war sie am sinnieren, was mit dem Tisch geschehen war. Die Frage, was für Bilder dort gehangen haben stand im Raum. Im Schlafzimmer ein Stock höher war irgendetwas unter den Fenstersims gemalt worden, was ihr aufgefallen war. Wenn sie jetzt noch damit anfing, einzelne Bilder zusammenzusetzen, war das definitiv schon als Nachforschung zu bezeichnen.
      „Wir müssen...“, begann Ember und seufzte schließlich genervt weil sie es eigentlich nicht laut aussprechen wollte. Es klang wahnsinnig selbstsüchtig, was sie verlangte und dass August dafür sogar Arkana mobilisieren wollte. „Wir müssen einen Teil meiner Familie hierher bringen. Aus... Sicherheitsgründen. Und eine weitere Adresse im Herzen Londons wenigstens überwachen lassen. Das, was wir hier anstellen werden, wird sonst eine Gefahr für einen bestimmten Kreis Menschen darstellen.“
      Sie beschloss, dass verbrannter Bacon besser war als weiter mit James darüber zu sprechen, warum sie ihre Liebsten bei sich haben wollte. Vermutlich würde er sich sowieso schon das restliche Bild zusammensetzen können, wenn er sich noch an ihre Widerworte gestern Abend erinnerte.
      Folglich versuchte sie den zerbröselnden Bacon aufzuspießen. „August, ich beschreib dir mal aus der langweiligen, menschlichen Sicht, wie sich das Haus hier anfühlt. Ich habe das Gefühl, als wenn wir ständig beobachtet werden. Gestern hätte ich zum Beispiel geschworen, dass es versteckte Augen in den Wänden gibt oder Leute darin eingemauert worden sind.“ Energisch kratzte das Besteck auf dem Teller, während sie gegen den Speck kämpfte. „Trotzdem hab ich das Gefühl, willkommen zu sein. Wäre das hier nicht so eine Bruchbude, wäre es sogar ziemlich heimelig, und das ist seltsam. Aber heute ist es nochmal anders.“
      Womöglich weil sie einfach nicht mehr so unter Druck stand und sich wehrte. Seufzend gab sie den Kampf auf und legte den Kopf in den Nacken. An der Decke war ein dunkler Fleck, der ihr gestern noch gar nicht aufgefallen war. Er zerlief zu den Seiten hin. Öl vielleicht?
      „Wenn ich mich bewusst entspanne und mich nicht unbedingt feindselig dem Ganzen hier gegenüber verhalte, dann überkommt mich das Gefühl, als wenn ich an jeder Ecke nur ein bisschen den Blickwinkel verändern müsste und dann kämen alle möglichen Erinnerungen zurück. Mein Urgroßvater hatte mir als Kind vor seinem Tod viel von dem Haus erzählt, aber wir dachten, das seien einfach nur olle Geschichten. Mittlerweile bezweifle ich das.“
      Die Frage war, was sie hier finden würden. Warum um dieses Haus so ein Geheimnis gemacht wurde und warum ein verdammter Zarr sie davon abhalten wollte, nachzuforschen. Was sollte denn großartig passieren? Sie war keine göttliche Einheit und besaß keine Magie. Sie war eine der Ameisen auf der Erde, die allein nicht viel bewerkstelligen konnten.
    • Das Frühstück schmeckte grausig.
      August nahm einen Bissen und fühlte sich an die Zeit zurück erinnert, in welcher es kein Essen gab. Kriegsfutter wurde es damals genannt. Grässliches Zeugs. Der Bacon schmeckte nicht einmal mehr rauchig. Es schmeckte nach Bösem.
      Würgend versuchte er eine besonders krosse Stelle herunter zu würgen, während Ember in Erklärungen verfiel. Innerlich musste August lachen, auch wenn sein Äußeres mit dem Essen kämpfte, das ihm vorgelegt war. Ember untersuchte das Haus bereits ohne es zu wissen. Vielleicht würde sie sich besser fühlen, wenn sie ihre Lieben in Sicherheit wusste. James hingegen verfiel in nachdenkliches Starren, während Ember erklärte. Der Plan war aberwitzig und leider auch nicht ohne Tücke. Normale Menschen in eine Horde von Zauberern zu werfen, wenn einer davon ein halbirrer Wahnsinniger namens Foremar war, war keine gute Idee.
      "Seid ihr...", begann er und verschluckte sich an einem flüssigen Stück Ei. "Seid ihr sicher, dass das eine gute Idee ist?"
      August würgte eine ganze Portion hinab und seufzte, ehe er James ansah.
      "Es ist die einzige Idee, die ich habe. Ember darf offiziell nicht ohne Konsequenzen dieses Haus durchsuchen und erforschen. Wir müssen es aber tun, damit wir hinter diesen ganzen Irrsinn kommen. Also bringen wir das schützenswerte her und schützen es mit eigener Kraft."
      James grunzte.
      Begeistert war er nicht, das sah man ihm an. Auch viel eher auf die Aussicht, Zivilisten in ein Kriegsgebiet zu schleppen, sollte dieser dämliche Zar seine Drohung wahr machen.
      Embers Erklärung zu dem Gruseligen des Hauses fand er tatsächlich recht passend, weshalb er einträchtig nickte, während August Sallow ansah und förmlich an ihren Lippen klebte.
      Ab dem ersten Satz glitten Gedanken durch den Kopf des Zauberers, als er versuchte, die Beschreibungen zu verstehen und gleichzeitig nach einer Lösung für etwas zu suchen, für das es kaum Lösungen gab. Allerdings juckte dort etwas in seinem Unterbewusstsein, als sie die Beschreibung beendete.
      "Gut...", murmelte August und schob den Teller halb gegessen von sich. Mehr ging nicht, sonst würde er erbrechen. "Also diese BEschreibung klingt nicht nach normalen Spuren..."
      "Was du nicht sagst", schnaubte James und schüttelte den Kopf. Er sehnte sich nach einer Zigarette.
      "Sofern in einem Haus Magie gewirkt wurde hinterlassen sich automatisch Spuren. Aber diese wären mittlerweile verkommen. Was jedoch merkwürdig ist, dass ich rein gar nichts spüre. Als würde sich das Haus vor mir verstecken. Oder bewusst verbergen. Bedenkt man jedoch eure Empfindungen und die Tatsache, dass es euch nicht feindlich gesonnen scheint, gibt es noch die Möglichkeit eines Spionagezaubers aus alter Zeit..."
      James sah ihn fragend an und sah gott sei dank dieselbe Frage auf Embers Gesicht.
      "Im dunklen Krieg, damals vor der Jahrhundertwende, spionierte man sich mit Magie aus. Man hinterließ ein Objekt oder eine Art Aurareminiszenz und ließ diese durch eine Art externe Energiequelle aktiv. Dadurch konnte man quasi in den Ort des Geschehens "sehen" oder "hören". Die Zauber waren unheimlich kompliziert und energieintensiv, aber das wäre vielleicht die Lösung..."
      Zu Ember gewandt, wirkte er jedoch nachdenklich.
      "Was für Geschichten hat er erzählt? Welche genau?"

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Ember blickte schweigsam zu James herüber. Ob es eine gute Idee war oder nicht stand nicht mehr wirklich zur Debatte. Schließlich hatte sie schon ganz andere Einfälle verfolgt, die wesentlich prekärer gewesen waren als dieser hier. Die Gefahr, dass die Aktion die mühsam geflickte Brücke zwischen Ember und ihren Eltern wieder auseinanderriss, war nicht unerheblich und sie hatte noch nach ihrem Gespräch mit sich gehadert, ob sie es August auch so direkt sagen sollte oder nicht. Shawn würde kein Problem darstellen, immerhin hatten sie ihn damals wegen des Sharoks schon in ihre Kreise gerissen und er war nicht vollkommen wahnsinnig geworden. Aber Rupert und June waren eine ganz andere Hausnummer. Auch sie hatten die Berichte über den berüchtigten Foremar gelesen und bis heute hatte ihre eigene Tochter ihnen nie berichtet, dass sie diejenige gewesen war, die ihn aus Evenstar gelassen hatte. Ganz davon zu schweigen, dass sie eine Beziehung hatten.
      „Natürlich sind das keine normalen Spuren. James und ich würden uns nicht die ganze Zeit so paranoid umsehen, wenn uns das bekannt vorkäme“, meinte Ember, die den Kampf gegen den Speck verloren und sich dem gummiartigem Ei gewidmet hatte. „Ein Spionagezauber, den du nicht kennst? Ich bin entrüstet. Aber mal im Ernst, das ergibt keinen Sinn. Wenn die Sallows ihre Fähigkeiten abgaben oder sich...“
      Sie runzelte die Stirn und hielt kurz inne. Das hier war die Residenz der Sallows und was auch immer man mit dem Haus angestellt hatte, wirkte noch immer nach. Sie war davon ausgegangen, dass der Zauber aus der Zeit stammte, wo die Sallows keinerlei magische Begabung mehr hatten. Aber dann hätten sie diese seltsame Gefühl auch bemerkt. Oder wenn sie da schon Jäger gewesen waren und ihre Ziele hierher geladen haben, dann mussten sie sie nicht mehr überwachen... Die Möglichkeit, dass es nicht die Sallows selbst waren, die den Zauber ausgeführt hatten, kam ihr erst verzögert in den Sinn. Genauso wie die Tatsache, dass der Zauber sogar noch älter sein mochte als sie dachten.
      „Liz hat die Wand berührt bevor du kamst und auch direkt gemeint, dass es abnorm ist. Hat sie dir aber vermutlich gestern schon erzählt.“ Irgendwie schade, dass sie nicht wusste, was Liz ihm sonst noch so alles erzählt hat. Oder gegeben hat. Oder getanhatte. „Lass mich nachdenken, ich war da noch ganz klein und Shawn ein Baby. Er hat uns damals von einem Haus inmitten eines Waldes erzählt, was er als Junge wohl öfter besucht hatte. Seine Geschichten klangen immer ein bisschen verklärt, so wie man es Kindern eben erzählt. Er sprach von nischigen Ecken, Türen, die zu anderen Räumen manchmal führten und ein Flüstern, das aber nur Kindern hören konnten. Ich hab's für Märchen gehalten, so wie er das damals erzählt hat.“
      Mit einem Seufzen richtete sich Ember auf und schob auch ihren Teller etwas von sich. Was gäbe sie nicht für einen Lieferdienst, der ihnen allen einfach eine normale Speise wie Pizza oder dergleichen brachte.
      „In dem Zimmer, wo wir geschlafen haben, ist irgendwas unter den Fenstersims gekritzelt. Ich hab's gestern Nacht aber nicht mehr gut sehen können ohne Licht. Aber wenn du sagst, dass es eine externe Energiequelle geben muss, dann sollte man die doch finden können. Wobei es mich wundert, dass du auch da nichts spürst... Liz meinte, die Wände wären schon praktisch vollgepumpt. Vielleicht gibt es dann kein Objekt, sondern das ganze Haus steht auf besagter Quelle?“
    • Bist du nichts als Mauerwerk gewesen
      Und füllten Echos jeden kahlen Raum?
      War'n an Wänden Botschaften zu lesen
      Innen bloß, entziffert nur im Traum?

      Wie lange würde es dauern?
      Wie lange bräuchten der Regen und der Wind
      Bis alle steinernen Mauern
      Und alle Schuld endlich abgetragen sind?



      Embers Anmerkung hinsichtlich Liz nahm August beinahe amüsiert zur Kenntnis, während er sich erhob und unter dem Gespräch der beiden anderen zur Waschspüle wanderte. Sorgsam goss er sich Wasser in ein Glas und nahm einen Schluck, während alle seine Sinne das gesamte Haus abzusuchen schienen.
      Doch nichts. Nicht einmal ein Atmen, ein Wispern oder Jauchzen aus den Wänden oder Möbeln. Nichts verriet die Anwesenheit von irgendetwas in diesem Haus. Als verberge es sich vor seinem Sein oder seinen Sinnen. Schweigsam wandte er scih um und sah Ember mit einem schwachen Lächeln an, auch wenn der Ernst sich nicht aus seinem Gesicht verbannen ließ.
      "Es gibt durchaus Zauber, die ich nicht kenne", sagte er und nickte. "Ja, es ergibt wenig Sinn. Weshalb also sollte man eine Familie überwachen, die keinerlei magische Fähigkeiten mehr hat? Möglichkeit A wäre, dass die Sallows ihre Kräfte nicht wirklich verloren haben. Möglichkeit B, und leider auch wesentlich wahrscheinlicher, ist die Tatsache, dass diese Zauber nicht von Sallows gesprochen wurde."
      "Also Freunden der Familie?", fragte James und lehnte sich zurück.
      August schüttelte den Kopf.
      "Ich vermute eher Feinde. Warum sollten sich Freunde überwachen? Ich vermute eher, dass es Feinde waren, die dieses Haus verzaubert haben."
      Oder es war schlimmer. Viel schlimmer. Und der Zauber war uralt. Und es gab Zaubersprüche, die mit den Jahren mächtiger und mächtiger wurden.
      "Dann sollten wir Liz damit vielleicht zuerst betrauen", murmelte August, während James sich die Hand vor die Stirn haute. DIeser Junge hatte wirklich kein Taktgefühl. "Liz ist eine bessere Detektorin als ich und wenn sie sagt, dass es abnorm ist, sollten wir dem nachgehen, denke ich."
      Erst danach wurde August bewusst, dass er erneut sprach, ohne nachzudenken. Warum auch denken, wenn man ein magisches Rätsel hatte? Eines das Jahrhundert alt war. Auch wenn es unpassend war, begannen die Augen des Zauberers bei der Aussicht, ein Rätsel zu lösen, zu leuchten. Brennend vor Neugierde hielt es ihn beinahe nicht an Ort und Stelle, während er Ember lauschte, die von den Geschichten ihres Verwandten berichtete. Nichts daran wirkte in einer Art und Weise wunderlich. Nur das Flüstern...
      "Was war das für ein Flüstern? Hat er es mal genauer beschrieben? Und welche Türen, die in andere Räume führten? Ich meine...Vielleicht sollten wir mit unserem Zimmer anfangen, wenn dort etwas gemalt war."
      Die Aufregung hatte mittlerweile seine Stimme erreicht und klang wie ein aufgeregtes Zittern, während er mit leuchtenden Augen in Richtung der Treppe lugte. Ein Rätsel. Ein gigantisches Rätsel. August war im Himmel!
      "Wenn das Haus auf einer Quelle stehen würde, würden wir sie alle bemerken. Nein, es muss graziler sein, versteckter. Wer auch immer den Zauber gesprochen hat, war durchaus bewandert in seiner Kunst. Vermutlich ist es ein Artefakt oder ein komplizierter Bann..."
      "Du weißt schon, dass du klingst wie ein Junkie?", fragte James und sah ihn mit heraufgezogener Augenbraue an.
      "Was?! Verleumdung und Rufmord, James."
      "Ich bitte dich, du sabberst."
      "DU sabberst!", konterte August eloquent und seufzte.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Ember senkte den Blick. Wenn es eine andere Fraktion gegeben hat, die diesen Zauber gesprochen hatte, dann konnte sie nur feindlich sein. Wer würde die Sallows, die ja wohl ihre Verbindung zur Magie aufgegeben haben, noch als Gefahr und Feind betrachten?
      Natürlich diejenigen, die die Sallows als Jäger kannten. Es wäre hilfreich zu wissen, welches Ziel das nächste gewesen wäre oder wie die Familie strukturiert war. Das alles gelang aber nur, wenn die Machenschaften als Jäger schon bekannt und gefürchtet waren und wer würde sich dann noch in die Nähe des Sitzes einer Jägerfamilie wagen? Das waren viel zu viele Unbekannte in einer Gleichung, die Ember nicht aufstellen konnte.
      Als August aber wieder diesen Namen erwähnte, konnte sie das Augenrollen nicht unterdrücken. Ja, womöglich machte sie ihren Job tadellos, aber das machte ihre Art mitnichten besser erträglich. Da müsste schon eine Menge passieren, damit Ember Liz bei der nächsten Gelegenheit nicht eine Faust ins Gesicht jagte. Ganz unabsichtlich natürlich.
      Während Ember ihre Augen endlich von der Decke löste und lieber aus August richtete, mit dem sie sich schließlich auch unterhielt, sah sie seit langem einen neuen Ausdruck in seinen Augen. Über die Monate hatte sie diverse Lichter in diesen Iren gesehen, und sie hatten vor zahllosen Emotionen geglüht. Aber dieser Ausdruck, dieses Glitzern, kannte Ember noch nicht. Ganz vage erinnerte sie sich an ihr erstes Treffen zurück, wo ein ähnlicher Ausdruck in seinen Augen gelegen hatte. Doch damals waren seine Augen noch getrübt worden von anderen Gewissheiten wie heute.
      „Du stellst sehr viele.... Fragen“, bemerkte Ember argwöhnisch und sah unverhohlen dabei zu, wie sich die Aufregung in jede Zelle des Rogues zu fressen schien. Und nicht nur das. Seine ganze Stimme war von einem Tremor geprägt, der Ember regelrecht überrumpelte. Sie wusste ja, dass er Forscher im Herz war, aber hatte er vergessen, wessenFamilie hier gehaust hatte?
      „Er hat das Flüstern natürlich nie weiter beschrieben, weil wir auch nie danach gefragt haben. Aber gut, wenn du sagst, dass ihr eine Quelle unterhalb des Hauses gespürt hättet, dann war die Vermutung wohl nicht richtig.“ Wäre ja auch zu schön gewesen anzunehmen, dass einfach Magie durch die Wände pulsierte und sie der Grund war, warum das Haus noch nicht vollkommen zerfallen war. „Okay. Das heißt, es müsste irgendwo eine Auffälligkeit geben, die wir entdecken können. Lass mich James die Adressen geben. Ich kann erst suchen, wenn ich weiß, dass diejenigen hier sind...“
      Daran wollte sie gar nicht erst denken. Nicht daran denken, was passieren könnte, wenn sie vorher schon Untersuchungen anstellte. Vielleicht sollte sie sich einfach die Ohren zuhalten und so tun, als wäre sie gar nicht hier. Draußen spazieren gehen und ein bisschen.... Nein, das wäre auch schon eine Art der Nachforschung. Sie war verdammt, tatenlos in einem Haus ihrer Ahnen zu sitzen.
      Genervt ließ sie sich nach hinten in die Lehne ihres Stuhls fallen, die bedrohlich knarzte. Wie verkorkst konnte das Alles denn noch werden? Das hier war ihre Familie gewesen, ihr Blut und ihre Geschichte. Und trotzdem wusste sie rein gar nichts davon. Weder, dass sie zu dem Kreis der Entdecker gezählt hatten noch dass dieses Anwesen überhaupt existiert hatte. Sie hätte zu diesem Ort irgendeine Form der Beziehung haben müssen, doch alles, was sie spürte, war diese fehlgeleitete Heimeligkeit und das Gefühl, beobachtet zu werden. Am liebsten hätte sie den Wänden einfach den Mittelfinger gezeigt in der Hoffnung, dass derjenige, der sie beobachtete, die Geste verstand und dass es überhaupt noch ankäme.
      „Ob man testen kann, ob etwas passiert? Kann man herausfinden, ob es am anderen Ende noch jemanden gibt, der die Bilder von hier empfängt?“, dachte sie laut nach, um den aufkeimenden Frust zu ersticken.
    • August brauchte einen Moment, um Embers erste Anmerkung zu verdauen.
      Selten sah er wirklichen Argwohn in letzter Zeit in Embers Augen, doch als er jetzt hinsah, sah er es deutlich hervor lugen. Und aus irgendeinem Grund schien er getroffen, denn er zog sich mit leicht hängenden Schultern ein wenig von der Begeisterung zurück. August kannte die Blicke von Menschen und Zauberern, die seiner Begeisterung nicht folgen konnten. Die sie auch nicht verstanden. Ein kleines Jucken in seinem Hinterkopf ließ ihn den Hals dehnen und sich beruhigen, während er wieder hinüber sah.
      "Du hast Recht", sagte er merklich kälter als noch zuvor, als er von dem Zauber geschwärmt hatte. "Entschuldige. Ich wollte nicht unhöflich sein. Es ist das Haus deiner Familie und das Schicksal der Deinen. Ich war unsensibel."
      "Geht doch", murmelte James und erhob sich nach Embers weiteren Erläuterungen.
      "Gib mir die Adressen", sagte der Polizist. "Ich rufe Perley an und lass ihn die Arkana schicken. Besondere Wünsche?"
      August zuckte die Achseln und überlegte eine Weile, in der er seine Brille an dem Shirt putzte, das ihm Liz mitgebracht hatte.
      "Ich denke, es wäre gut, wenn nicht der Richter oder andere radikale Arkana dort hingehen. Schick Emmett zu Embers Freundin mit ihrem Kind. Ich denke, Eva sollte ausreichend sein, um die Familie Sallow hierher zu bringen. Wenn Shawn nicht dort ist, senden wir Isabella dorthin. Sie sollte noch in London sein. Sie sollen sich bereit halten, hierher gebracht zu werden, wenn sie die Leute aufgegriffen haben. Sag perley, sie sollen sich melden."
      James nickte und sah Ember anschließend an.
      August jedoch überlegte weiter und versuchte, die Aussagen von Ember und die Empfindungen, die er selbst nicht empfinden konnte, in Einklang zu bringen. Derartige Banne konnten einfacher und komplizierter Natur sein. Wenn es einfach war, würde es ausreichen, kurzzeitig seine Aura in voller Stärke zu aktivieren. Dies würde vermutlich jedoch die Anwesenden in eine Ohnmacht schicken...
      "Es gibt Tests", murmelte August und verschränkte die Hände vor der Brust. "Wenn wir den Rezipienten, das Empfangsartefakt kennen, können wir auch sehen, wer zuhört. Sollte es so einfach sein, reicht es aus, eine ausreichend starke Aura zu aktivieren und dem Signal durch einen magischen Detektor zu folgen. Wenn es sich um einen komplizierten Bann handelt, wird es nicht ganz so einfach. Erstaunlich ist, dass der Zauber offenbar nur nichtmagische Menschen tangiert und beeinflusst."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Ember nannte James die notwendigen Adressen all jener, die sie sicher wissen wollte oder gar musste. „Emmet zu Tarah zu schicken halte ich auch für eine gute Idee. Die kennen ihn nicht und ehrlich gesagt können wir sie nicht aus London wegholen. Sie ist zu sehr in ihrem Restaurant eingespannt und würde uns aufs Dach steigen, wenn sie hier unterkommen müsste. Vielleicht kann er ja einfach einen Blick auf sie haben.“
      Ember ließ bedeutungsschwanger den Blick durch die heruntergekommene Küche wandern. Nicht, dass ihre Eltern unbedingt einen besseren Anblick nicht wertgeschätzt hätten, aber sie hatten kein kleines Kind mit dabei.
      „Shawn ist hier anzutreffen. Er hat eine kleine Wohnung in Birmingham, die er in einem Mehrparteienhaus zur Miete hat. Da wird nicht auffallen, wenn man ihn mehr oder weniger entführt. Hätte ich mein Handy, könnte ich ihn wenigstens vorwarnen. Dann käme er wohl freiwillig mit.“
      Ihr Handy hatte Ember ja vollkommen vergessen. Schuld flutete ihre Blutbahn während sie an Ruairi dachte. Er zählte eigentlich auch zu den Personen, denen nichts widerfahren durfte. Doch er war verschwunden und eigentlich auch stark genug, dass ihm nichts passieren dürfte. Außerdem waren da noch Dinge nicht geklärt und Fragen standen im Raum.
      „Meine Eltern werden das eigentliche Problem“, seufzte die Ermittlerin schließlich und rieb sich die Nasenwurzel. „Wenn da jemand steht wie der Richter bricht eine Massenpanik in der Ortschaft aus. Da wäre jemand unauffälliges.... nettes... vielleicht besser. Ich denke, die beiden werden sich mit Händen und Füßen wehren.“ Sie sah zu August. Er würde wohl am besten wissen, wen er dann schicken würde und wen nicht. Es war noch immer nicht für sie zu begreifen, dass er einfach andere Arkana mobilisieren konnte, um ihrProblem zu lösen. Am liebsten hätte sie sich einmal selbst gekniffen, dass das keine Wahnvorstellung war.
      Schließlich schob sich Ember vom Tisch weg und stand auf. „So schwer es mir fällt; dann sollten wir Liz mal an die Arbeit schicken. Willst du deine Assistentin holen? Keine Ahnung, was die da oben treibt.“
      Dass da ein gewisser säuerlicher Ton mitschwang war ihr selbst aufgefallen. Sie schnalzte mit der Zunge und schob sich an August vorbei hinaus in den Eingangsbereich. Er sah nur ein großes Rätsel, das nahm sie ihm nicht einmal übrig. Er hatte eine ASSISTENTIN extra hierher gebracht, um das alles zu untersuchen und setzte alles in Bewegung, damit die Konsequenzen, die ohne Zweifel eintreten würden, möglichst gering ausfielen. Das alles stieß ihr noch immer bitter auf, als sie durch die Gänge spazierte und sich Mühe gab, nicht mehr Blicke der Umgebung zu schenken als unbedingt nötig. Sie musste wirklich raus aus dem Haus, sonst würde sie anfangen zu untersuchen, obwohl noch nichts sicher war. Das war ein Unding.
      Also verließ Ember das Haus durch die Tür, mit der sie herein gekommen waren. Draußen schlug ihr die feuchte, kühle Luft entgegen und ließ sie frösteln, da sie ohne Mantel nach draußen gegangen war. Im Licht wirkte die Umgebung weniger abstoßen als in der Nacht. Der grünalgige Teich hatte nicht einmal Seerosen oder dergleichen und schien allgemein eher gekippt als belebt zu sein. Die Steine am Boden waren einst zu einem Trittpfad angelegt worden, der sich nur noch erahnen ließ und von nahegelegenen Baumwurzeln unterbrochen wurde. Die Treppenstufen schienen unter ihren Schritten zu ächzten als sie langsam herunterkam und die Arme um den Körper schlang. Es war absolut still und diesig, nicht einmal Vögel waren zu hören. Als wäre alles in der Umgebung ausgestorben. Hier draußen verließ sie das Gefühl des beobachtet werdens, doch ihre Schulter waren noch stärker hochgezogen als zu jeder Zeit im Haus zuvor.
      Sie suchten also eine Quelle. Wie gut, dass Ember in der Regel sehr gut im Auffinden von versteckten Dingen war.
    • James notierte eifrig die Adressen und Embers Anmerkungen dazu.
      "Ein Telefon werden wir organisiert kriegen", murmelte er nachdem er die Liste ansah. "Ich informiere Perley zuerst und dann erhältst du das Telefon. Dann kannst du zumindest ein wenig telefonieren, während wir hier festsitzen."
      James erhob sich ruckartig aus dem Stuhl, sodass dieser hundserbärmlich über den Boden kratzte, während August sich die Nasenwurzel massierte.
      "Ich denke auch, dass es besser weäre wenn du sie vorwarnst"; murmelte er und seufzte. "Je weniger Gegenwehr, desto besser."
      Embers Blick, den sie ihm zuwarf, war kaum zu deuten. War das eine Frage? Eine stumme, kaum messbare Frage hinter den Falten der Stirn? Oder war es vielmehr eine Erkenntnis?
      Der beinahe giftige Unterton gegenüber Liz erschreckte ihn ein wenig, auch wenn er sich noch immer nicht recht erklären konnte, weshalb es so war. Ja, natürlich empfanden sie etwas füreinander. August Foremar war vieles, aber kein Idiot. Und er würde ebenso idiotisch lügen, wenn er dieses seinerseits verneinen würde. Jedoch, und das blieb auch bewiesen, hatte Liz effektib nichts getan, um diesen Zorn zu verdienen.
      Noch ehe August etwas sagen konnte, war Ember bereits in den Eingangsbereich und nach draußen verschwunden. Die gerade noch erhobenen Arme sanken zu Boden und mit einem Mal fühlte er sich schwach und beinahe unzureichend. Seufzend schüttelte er den Kopf.
      "Warum verstehe ich diese Frau nicht, James?", fragte er beinahe traurig in den Raum, während er Embers leeren Schritten nachsah.
      James kam näher an den jungen Mann heran und legte ihm eine schwere Hand auf die Schulter.
      "Ganz ehrlich?", fragte er. "Weil du a) ein Idiot bist und b) sie auch. Ihr beide seid die größten Idioten, die ich kenne. Und doch passt ihr irgendwie ganz gut zusammen, meinst du nicht?"
      "Ich verstehe nicht, weshalb sie so...sauer ist?"
      "Nun, so wie ich das sehe, mein kongenialer Freund, liegt es eher an der Konkurrenz im Haus."
      "Welche Konkurrenz? Ember ist einzigartig, besonders! Sie ist wunderschön und gleichzeitig ein schlimmerer Teufel als ich wenn man sie reizt. Und sie hat einen Hang zu leichtfertigen Entscheidungen wenn man sie nicht bremst und das-"
      "Das ist genau das, was du magst, schon klar", grinste James und schob sich an August vorbei. "Gib ihr ein wenig Zeit. Und jetzt schwing deinen Hintern zu Liz und sieh zu, dass sie zu arbeiten beginnt. Und ich telefoniere."
      August sah James hinterher, während er sich von der Wand abstieß.
      Dubios. Alles äußerst dubios.

      James betrat den Garten und seufzte schwer, während er sich eine Zigarette anzündete.
      Das Gespräch mit Perley war recht problemlos verlaufen, jedoch erschien der Butler ein wenig gehetzt. Und wenn er gehetzt war, war er reizbar. Leider zu reizbar. Es endete damit, dass sie sich gegenseitig beschimpften und doch konnte Hawthorne sicher sein, dass die Arkana richtig zu den Leuten geschickt wurden. Der Himmel mochte wissen, was dann geschah.
      Ruhig atmete er die frostige Luft ein und sah sich in diesem Moor um. Tatsächlich wirkte es recht friedlich, ignorierte man die 80er-Jahre-Horror-Szenerie. Die Bäume schienen dichter zu wachsen und die Pfade dazwischen waren besser erkennbar. Generationen von Menschen waren hier gewesen, soviel stand fest.
      Seufzend machte er ein zwei Schritte in den Garten hinein, ehe er Ember erblickte.
      "Hey Ember!", rief er und zog an der Zigarette.
      Grinsend genoß er das sanfte Brennen in der Lunge, während er zu Ember aufschloss.
      "Alles in Ordnung?", fragte er grinsend und reichte ihr sein Telefon. "Hier. Für die Anrufe. Und wen du noch anrufen willst."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Sing mir ein Lied!
      Welches denn?
      Das Lied vom Säuselholz! Lass den Wald leben, die Bäume, die Gräser. Lass das Haus ächzen, mit Steinen und Fugen. Lass es zerfließen, die Stimmen, die Worte, hinein in den Boden, verstohlen, vergraben!
      Aber wieso soll ich es dir singen, wenn du es doch schöner kannst als ich?

      Eine Hand lag ausgestreckt auf einer vereinzelten Baumwurzel, die sich durch den Kies am Boden gegraben hatte. Davor hockte Ember, die Beine nah an den Körper gezogen, damit die Kälte weniger Angriffsfläche hatte. Das Holz fühlte sich ein wenig rutschig unter ihren Fingern an, aber egal wie oft sie die spärlichen Worte ihres Urgroßvaters rekapitulierte; nichts geschah.
      „Hey, Ember!“
      Ihr Kopf zuckte hoch und entdeckte James, der mit seiner Schwaden ziehenden Zigarette zu ihr herüber kam. Er war klüger als sie gewesen und sich mit einer ordentliche Jacke ausgestattet anstelle blindlings heraus zu rennen. Noch während er näher kam erhob sie sich leise ächzend aus ihrer Hocke, in der sie wohl einige Minuten zugebracht haben musste.
      „Bis auf den Punkt, dass es scheißkalt ist, sicher.“ Sie hatte sofort wieder die Arme um sich geschlungen, aber der Gedanke daran zu sehen, wie August mit Liz die Köpfe zusammen steckte in einer Materie, wo sie wirklich nichts beitragen konnte, ließ die Kälte doch besser wirken. „Danke.“
      Sie nahm das Handy entgegen und betrachtete den Bildschirm einen Augenblick lang. Viele der Nummern, die sie wählen würde, kannte sie ohne nachzudenken. Der kurze Blick auf die Uhrzeit besagte ihr jedoch, dass sie bereits jetzt einen immensen Teil ihres Zeitgefühls abgegeben hatte. Interessant....
      Ohne weiter zu zögern wählte sie die Nummer von Ruairi und hielt sich das Handy ans Ohr. Es wählte und begann schließlich zu tuten. Ember runzelte die Stirn, als schließlich die Mailbox ansprang und beendete den Anruf. „Irgendwie hatte ich gehofft, dass es nicht einmal ein Freizeichen gäbe. Aber ich dachte mir schon, dass er nicht ran gehen wird. Nicht, wenn er untergetaucht ist....“
      Was bedeutete, dass er höchstwahrscheinlich sein Handy irgendwo losgeworden sein musste. Vielleicht lag es ja herrenlos in irgendeiner Mülltonne... Wobei, nein. Dann hätte man es längst geortet und aufgefunden.
      ...Geortet.
      Ember sah James an. „Man kann uns orten, oder?“, fragte sie und hielt das Handy hoch. Wenn sie jemanden anrufen konnten, dann würde es auch andersherum gehen. Sie müssten sich in einen Mast einwählen, um eine Verbindung aufzubauen. „Wir haben sogar hier mitten im Nirgendwo Netz? Respekt... Ich werde später dann mal kurz die Auserwählten anrufen und informieren, was sie erwartet... Außer vielleicht meine Eltern. Die flippen sonst aus.“
    • James sah hinab zu Ember, die auf einem Baum kauerte und beschloss, nicht weiter nachzufragen.
      Die Ärgernisse der Jugend ließen ihn zwar nicht kalt, doch befand sich der Polizist in einem Alter, das er nicht wirklich gut zu nehmen wusste. Es war ersichtlich, dass Ember sich ein wenig quälte, jedoch selbst vermutlich nicht mal die Hälfte davon verstand, was gerade auf sie einpreschte.
      Sorgsam reichte er ihr das Handy und seufzte.
      "Man kann das Handy nicht orten", murmelte James und deutete auf die kleine schmale Anzeige. Sie zeigte kein Netz. "Das ist ein Satellitentelefon. Schwer zu orten, wenn man die ID nicht kennt. Nicht mal Zauberer können dieses Ding spüren. Ist ganz praktisch für Privatsphäre. Warte. Ich hole dir noch was."
      Eilig huschte er ins Haus zurück und stolperte einige Momente später mit Embers Jacke wieder hinaus, nachdem er sich kurz nach August erkundigt hatte.
      Folgsam wie der Zauberer erscheinbar war, hatte er Liz aufgeweckt und gemeinsam begannen sie, eine Apparatur im Foyer aufzubauen, dessen Sinn James nicht einmal verstehen wollte.
      Ruhig trat er wieder an Ember heran und reichte ihr die Jacke, während er seufzend an einem Baum lehnte und die Szenerie betrachtete.
      "Wer sollte eigentlich rangehen?", fragte er schließlich. "Dieser andere Typ? Hast du alle erreichen können?"
      Sorgsam versuchte er, sich ein schattiges Plätzchen zu suchen und sah in die Moorszenerie hinab. DIe Bäume wirkten nicht mehr dräuend wie des Nachts und erschienen weniger feindselig, wenn man es genau nahm. Dennoch war es nach wie vor eine Gegend, die er lieber meiden wollte als Urlaub darin zu verbringen.
      "Sieht gar nicht mehr so bedrohlich aus, was?", fragte er grinsend. "Was hast du da an dem Baum gemacht? Warst schwer in Gedanken..."
      Herrgott, James! Lass den Scheiß Smalltalk!
      Kopfschüttelnd fuhr er sich durch das unrasierte Gesicht und drückte die Zigarette an einem Baumstumpf aus, während er zu Ember sah.
      "Hör zu...", begann er und kratzte sich durch das Haar. "Es geht mich nicht wirklich was an und ich frage auch nur ungerne, aber mir scheint, unser brillanter Professor da drin ist ein wenig verwirrt. Was ich sagen will, ist: Hab etwas Nachsicht mit ihm, okay? Er ist ein Tölpel was Frauen angeht. Will nicht entschuldigen, dass er diese Liz ran geschleppt hat, aber was kümmerts dich? Ich meine, du machst geradezu den Eindruck als wärest du eifersüchtig..."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Ember hielt ihr dankbares Lächeln nicht zurück, als James mit ihrer Jacke aus dem Haus wieder zurück kam. Es hatte ein wenig länger gedauert, also wurde er vermutlich aufgehalten, aber das störte sie nicht unbedingt. Dafür war sie viel zu froh, die Arme in die Ärmel ihrer Jacke stecken zu können und direkt zu spüren, wie die Kälte nicht mehr ein so leichtes Spiel mit ihr hatte.
      „Wer da rangehen sollte? Ruairi MacAllister. Hab mir schon gedacht, dass ich ihn nicht kriegen werde, aber einen Versuch war es wert. Da sind so einige Dinge extrem schiefgelaufen bevor sich unsere Wege im PD getrennt haben. Und dass er eine seiner engsten Mitarbeiter angegriffen haben soll kann ich immer noch nicht glauben...“ Sie seufzte. „Aber alle anderen, die ich erreichen wollte, hab ich gekriegt, ja. Hab meine Eltern wenigstens vorgewarnt, dass jemand zu Besuch käme, der was von mir wollte. So in... etwa.“
      Natürlich waren ihre Eltern alles andere als erfreut über unbekannten Besuch. Aber sie schlugen es ihr nicht ab, nachdem sie sich hahnebüchende Erzählungen aus den Fingern gesaugt hatte. Sie hoffte nur inständig, dass das reichte, damit sich ihre Eltern nicht zu sehr auf die Barrikaden begaben. Shawn auf der anderen Seite hatte sich nur darüber beschwert, warum er schon wieder abgeholt werden würde, obwohl er übermorgen einen wichtigen Pitch gehabt hätte.
      Ein bisschen perplex blickte Ember zu James, der gerade seinen Zigerettenstummel an dem nächsten Baum ausdrückte. „Nein, es... sieht nicht mehr ganz so bedrohlich aus?“ Seit wann interessierte er sich denn dafür, wenn sie nachdenklich auf Baumwurzeln saß? Oder generell schwer in Gedanken versunken aussah? Das war noch nie sonderlich seine Stärke gewesen und jetzt machte er das schon zum zweiten Mal... Musste eindeutig an dem bedrückenden Sumpf liegen.
      Statt sofort auf 180 zu gehen, wie Ember gerne mal dazu neigte bei solchen Themen, stierte sie James nur wortlos etliche Sekunden an. Ja, es musste definitiv der Sumpf sein. James war noch nie derjenige gewesen, der ihr Ratschläge bezüglich Beziehungen gab. Bis auf das eine Mal mit der Bar und dem Abschleppen. Aber das war auch etwas anderes gewesen.
      „Nimmst du ihn gerade... in Schutz?“, fragte sie nun offenkundig misstrauisch. „Hätte nicht erwartet, dass du für ihn einspringst. In wie vielen Aspekten soll ich denn Nachsicht mit ihm haben? Ich versuch mich aktuell schon zurückzunehmen, was Lizangeht. Und nein, ich bin nichteifersüchtig. Immerhin hat er es selbst ja als sooo abfällig abgetan, als ich sie kurz erwähnte. Kann's ihm ja auch nicht verübeln, die teilt immerhin sein Hobby, hat Ahnung davon und bringt ihm sogar scheiß Ersatzklamotten.“
      Ein genervtes Stöhnen entkam Ember, als sie sich aufgerichtet hatte und sichtlich frustriert gegen die arme Baumwurzel trat. Ein Hoch auf diejenigen, die so naiv waren und sämtlichen Worten anderer ohne Probleme Glauben schenken konnten. Sie selbst war damit nicht gesegnet und jedes Mal, wenn sie sah, wie diese Assistentin ihn anfasste, fragte sie sich, wie das August nicht auffallen konnte. So gesehen war es mit Piper nicht anders gewesen. Wäre sie aufdringlicher gegenüber Ruairi geworden, dann hätte sie vermutlich auch Embers Missgunst abbekommen.
      „Du hast es schon richtig festgestellt, James. Er ist ein Tölpel in dieser Hinsicht. Was heißt das für mich? Er wird sich wahrscheinlich Eigentore leisten, weil er es nicht besser weiß oder erkennt. Also braucht er diese Erfahrungen wie jetzt, damiter es lernt.“ Was nicht unbedingt die feine englische Art war, aber dennoch. Allerdings lag da ein noch größerer Brocken im Raum und sie ahnte bereits, dass ihr Bruder derjenige sein würde, der sie darauf ansprechen würde, wenn nicht James es schon tun würde. „Ist ja nicht so, als wäre ich unverhältnismäßig fies oder so. Hast du dir Liz schon mal angesehen? Sag mir nicht, dass du August nicht unterstellen würdest, was mit ihr gehabt zu haben, sollte sie sich ihm anbiedern.“
    • Nun...
      James hatte mit einigem gerechnet, aber nicht mit einem derart leichten Spiel, wenn man es genau nahm. Schweigsam hatte er dem Sallow-log gelauscht und sich immer wieder gefragt, wann es Ember eigentlich selbst auffiel, dass sie gerade genau das bestätigte, was er vermutete. Noch während er an dem Baum gelehnt seine Zigarette neu entflammte und einen kräftigen Zug nahm, musste er lachen.
      "Okay, okay", lachte er und schüttelte den Kopf. "Also nicht eifersüchtig. Wie du meinst. Ich fürchte zwar, dass der Baum dort gerade ein anderes Lied singt, aber tun wir einmal so, als wäre das wahr was du sagst und du empfindest keine Spur von Eifersucht. Um deine Frage zu beatnworten: Nein, ich nehme ihn nicht in Schutz. Das brauche ich gar nicht. Ich habe auch kein Recht mich in das einzumischen was ihr da habt oder nicht habt."
      Seufzend sah er hinüber zu der jungen Frau, die offenbar gerne auf Bäume eintrat. Besser als sein Kopf, wie der Polizist befand und schüttelte eben jenen.
      "Ich finde einfach, ihr beide benehmt euch wie verdammte Teenies. Ja, er ist ein Idiot was Frauen und Liebe und Beziehung angeht. Und du bist ein Hornochse, weil du ständig und überall das Schlechteste vermutest. Er wird sich Eigentore leisten, ja. Aber ist es wirklich die beste Art, zu lernen, in dem du ihn in der Weise von dir stößt und bestrafst? Immer in der Hoffnung und beinahen Gewissheit, dass er angedackelt kommt wie ein Hund? Bisher tat er das, aber was wenn er es einmal nicht tut? Tust du es dann auch ab mit dem Satz "Dann war das hier alles nichts wert"?"
      James löste den Blick von der wütenden Gestalt der Polizistin und nahm einen neuen Zug. Er war in Fahrt, im Flow! Nancy wäre verflucht nochmal stolz auf ihn!
      "Es ist doch gleich, ob sie sich ihm anbiedert. Ja, Liz nervt! Gut, ich habs gesagt. Wirklich leiden kann ich diese Superhirne auch nicht, aber man muss mit ihnen leben. Ja, sie bringt ihm Ersatzklamotten. Und? Du bist diejenige, die ihn zu sich ins Zimmer und wer weiß wo hinkriegt. Er biegt für dich gefühlt die halbe Welt auseinander und schützt sogar deine antimagische Familie vor Gefahren, die er selbst nicht kennt. Glaubst du wirklich und allen Ernstes, er tut das auch für Super-Liz? Sie bringt ihm Klamotten, ja Herrgott! Klamotten! Sie zieht sie ihm nicht aus, Ember!"
      Grinsend zog er an seiner Zigarette und warf sie weg. Es musste eindeutig der Sumpf sein. Scheiß Sumpf!
      "Und jetzt zieh dir deinen Kopf aus dem Arsch", murmelte er grunzend. "Du bist deutlich besser als diese Schnepfe darin. Also Krone richten und schwing deinen Arsch da rein. Es reicht mir, wenn da zwei Superhirne sind. Es wäre schön, mal einen Menschen dort zu haben, der sich nicht verhält wie einer dieser Roboter. Ich schwöre dir, ich ersaufe sie beide mit Motoröl, wenn ich länger mit ihnen allein bin."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • James' Lachen war in Embers Ohren der reinste Hohn und Spott. Ihr Glück, dass sie ihr Gesicht zwischenzeitlich ihm wieder abgewandt hatte, sonst wäre die Grimasse, die sie gerade zog, vermutlich unbezahlbar für ihn. Sollte er doch gern bestätigen, dass sie gern den Pessimisten spielte. In dieser Hinsicht tat sie es ja auch allzu oft und oft hatte es sich auch bewahrheitet. Dass ein Teil eben jenem Pessimismus geschuldet war, war selbstverständlich auch ihr klar. Nur war das ihr Weg, den Schmerz von sich zu halten, der unweigerlich kommen würde.
      Es war allerdings ein klitzekleiner Beisatz, der Ember raus aus ihrer Frustration riss und hinein in eine ausgewachsene Wutattacke. Ganz langsam drehte sie sich zu James um, der sich derweilen schon die nächste Zigarette angesteckt hatte. Jetzt hatte sich ihr ehemaliger Vorgesetzter etwas herausgenommen, von dem er wirklichkeine Ahnung hatte. Er war nicht in die Umstände eingeweiht wie sie beiden. Er war nicht bei den etlichen Malen dabei gewesen, wo er sie vor den Kopf gestoßen hatte und alles beinahe zum kippen gebracht hatte. Die Wut ergriff jeden Muskel ihres Körpers und ließ ihn steinhart werden, so hart, dass sie die Zähne nur zusammenbeißen und kein Wort erwidern konnte. Es war gefühlt eine Ewigkeit her, dass sie wegen solchen Themen dermaßen aus der Haut fuhr und in diesem Moment vergaß sie genau diese Tatsache. Es würde später bei ihr dämmern, was das zu bedeuten hatte.
      „Ach so, du glaubst also, er kam bisher immer an, wenn es Schwierigkeiten gab?“, grollte Ember und die Kälte, die sich eben noch um sie herum befunden hatte, wirkte wie weg geblasen. „Woher willst du das wissen? Du hast noch nicht einmal eine Ahnung, was da genau bei uns im Raum steht oder was das sein soll. Du hast keine Ahnung davon, wie oft ich ihm hinterher gegangen bin und mich für Dinge entschuldigt habe, die er zu verschulden hatte. Ich versuche gerade, mich zwischen Entitäten zu quetschen, die mich mit einem Fingerschnipp umbringen können, nur damit ich die beschissene Zeit noch ausnutzen kann, die ihm womöglich bleibt. Denkst du, ich habe Lust darauf, mich diese Zeit lang noch mit Kinderkram wie übertriebener Eifersucht rumzuschlagen?“
      Das Grinsen, das James auf den Lippen trug, milderte ihren Ausbruch nicht unbedingt. Anstelle die arme Wurzel weiter zu treten ballte sie nun die Fäuste und wirkte wie eine Statue inmitten des Sumpfgebietes. Vielleicht war sie ja genauso vermodert im Inneren wie die Umgebung und war deshalb als Wohnsitz der Sallows angenommen worden.
      „Er biegt nicht nur gefühlt die halbe Welt, er macht es auch. Ich bin doch nicht blind, James! Trotzdem hat er nur ein einziges Mal, und zwar wo ich ihn sterbend aus seinem eigenen Moloch geholt hab, halbwegs ein Wort darüber verloren, dass er was für mich übrig hat. Ist das eine Männersache oder kann man nicht verstehen, dass ich es manchmal auch einfach nur hätte hören wollen? Damit ich nicht immer aus Taten Rückschlüsse ziehen muss? Ist das plakativste Mittel wirklich so schlecht?“
      Ihr Kopf begann zu Pochen angesichts des Wutausbruchs und der Tatsache, dass sie noch nicht einmal etwas getrunken hatte. Sie war pikiert aus dem Haus gelaufen, damit niemand diesen Ausbruch abbekam und nun hatte sich James einfach dazwischen gestellt. Angesäuert verzog Ember das Gesicht, ihre Hände entspannten sich als sie ihre Anspannung gelöst bekam, um Schritte vorwärts zu machen.
      „Du hattest ein leichtes Spiel als ich angetrunken war. Jetzt nicht mehr“, sagte Ember, drückte James das Handy beim Vorbeigehen in die freie Hand und stapfte zurück zum Haus. Er wollte sie wieder da drin haben, dann bekam er sie auch da drin.

      Ember stieß nicht wie üblich die Tür auf und ließ jeden Wissen, dass sie gerade einen Wutausbruch gehabt hatte, sondern tat es mit Anstand. Eigentlich hatte sie sich ein bisschen wappnen wollen für den Moment, wenn sie August mit Liz zusammen vorfand, aber das wurde ihr leider nicht gegönnt. Direkt nachdem sie die Tür aufgestoßen hatte, fiel ihr Blick auf August und Liz, die um irgendeine Apparatur herum tanzten und dokterten. August noch genauso, wie sie ihn verlassen hatte und Liz erneut in ihrem seltsamen Mantel. Fast wäre Ember aus der Rolle gefallen, sie fing sie allerdings gerade noch so.
      „Hi Liz“, sagte sie und endlich klang es nicht mehr so, als würde sie die Worte heraus würgen. „Was baut ihr da auf? Ein Messgerät für Auren oder so?“
    • Gut, das ganze war ein wenig aus dem Ruder gelaufen.
      James sah aufmerksam zu Ember hinüber, während diese in ihren Wutanfall verfiel. Einem Wutanfall, den sie brauchte und bitter nötig hatte. Und deshalb tat James genau das, was er bei Nancxy auch tat, wenn derlei Ausbrüche die Kontrolle über das Sein übernahmen: Rein gar nichts.
      Schweigsam lehnte er dort an dem Baum und spürte die Zigarette in seiner Hand verglühen, ehe er sie achtlos zwischen zwei Atempausen in den Sumpf warf. Wirklich erstaunlich, wie viel Wut und Frust sich scheinbar unter der Fassade der ruhigen Ember Sallow vergraben hatten.
      Als er das Handy beinahe gewalttätig in die Hand gedrückt bekam, wollte er aufatmen und zum Sprechen anheben, jedoch stapfte Ember Sallow bereits zielsicher wie ein Sommergewitter nach Hitzewelle in Richtung des vermoderten Hauses. Nachdenklich sah James ihr nach und begann erst wieder zu grinsen, als sie außer Hörweite war.
      Sachte zog er eine Zigarette aus der Packung und legte sie sich an die Lippen.
      "Kein leichtes Spiel mehr, hm?", murmelte er für sich und zog das Feuerzeug hervor. Manchmal brauchte es ein reinigendes Gewitter um das wesentliche zu sehen. Und mit Glück würde auch Ember "Steinschädel" Sallow erkennen, was das eigentliche Problem war. Wenn es aus seiner Warte betrachtet wurde, war sie eine Frau, die kurz davor stand, einen Menschen zu verlieren der ihr viel, wenn nicht gar alles bedeutete. Und die Wut war nur der Katalysator für die Angst.
      Gott, Nancy wäre stolz auf ihn, dachte er und schnappte das Feuerzeug auf.
      "Ich bin so gut", grunzte er und kicherte vor sich hin. Erst danach schnappte er mit der Hand zurück und knurrte unterdrückt.
      "Autsch, verdammte Scheiße!"
      Nancy wäre stolz auf ihn. Ganz sicher!

      August schlug sich den Kopf an, als die Tür geöffnet wurde.
      Mit einem gehörigen "KLONG" wurde der Kälte empfangen, die von dem Sumpf her wehte und das Konstrukt, dass sie errichteten, kam deutlich ins Wanken. Auf Stahlstreben errichtet, glich es einem gewaltigen Pendel, das an einem eisernen Dreibein gekettet worden war. der Pendelarm selbst bestand aus einem goldenen Arm und einem ebenso goldenen wie schimmernden anderen Metall bestehendem Pendelkopf, der bedrohlich zu schwanken begann, als Liz hervorstürzte und ihn in seiner Bewegung anhielt.
      "Geht's dir gut?", fragte sie August besorgt, während dieser sich den Kopf rieb.
      "Alles okay, ich-"
      Embers Stimme ließ ihn ertappt den Kopf drehen. Beinahe war der Zauberer erstaunt über die Stimmfarbe, die keine Abneigung mehr zeigte. Auch wenn er nicht recht glauben konnte, dass der Streit beigelegt war.
      "Ms Sallow", nickte Liz und entließ das Pendel wieder um zu ihrem Laptop zurück zu kehren. "In etwa."
      "Es ist eine Art Energieverstärker", erklärte August mit leuchtenden Augen. "du und Liz hattet ja bereits bemerkt, dass die Wände sich regelrecht abnorm verhalten. Dieses Gerät dient zur Verstärkung des magischen Auraflusses. Gold ist ein guter Magieleiter und demnach besonders gut geeignet. Wenn das Pendel in eine Schwungbewegung gebracht wird, zieht es mittels einer infusierten Aura den Fluss an und verstärkt ihn tausendfach."
      Liz nickte kurz in Embers Richtung und tippte eifrig.
      "Genau", bestätigte sie. "Und durch den verstärkten Fluss fällt es mir leichter, Spuren der Magie zu orten. Ich bin ein Detektor-Typ. Sollten Sie von Ihrer Arbeit bei der Bullere- äh- Polizei kennen."
      August nickte erneut und wischte sich die öligen Hände an einem Tuch ab.
      "Wir werden nicht umhin kommen, das Haus zu durchsuchen", sagte er ihr und sah sie besorgt an, während er näher kam. "Liz kommst du klar?"
      "Mach nur. ich kalibriere nur den Arm und dann kanns losgehen."
      Foremar nickte und trat an Ember heran.
      "Ist alles okay?", flüsterte er. "Hast du alle erreicht bekommen?"

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Jetzt lohnte es sich, dass die Eingangshalle des Anwesens so groß war. Hier gab es genug Platz, um das Instrument aufzubauen, dass die beiden Zauberer irgendwie hierher gekarrt bekommen hatten, denn Ember bezweifelte, dass die Einzelteile in Liz' Koffer gepasst hatten. Soweit sie wusste hatte August seinen Koffer auch nicht hier, um dort für einen Schnellzugang zu sorgen. Auf der anderen Seite war er womöglich auch einfach wieder soweit gesundet, dass ihn der Einsatz seiner eigenen Aura nicht mehr grillte.
      Auch wenn Embers Stimmfarbe nicht mehr so angesäuert klingen mochte, ihre Miene war noch nicht gänzlich so entspannt wie zuvor. Die angestrengten zarten Fältchen brauchten eine Weile ehe sie sich wieder geglättet hatten. Allerdings konnte sie nicht leugnen, dass sich irgendetwas Kleines in ihrem Inneren darüber freute, August mit solch einem Leuchten in den Augen zu sehen. Es war, als würde sie ihn nur ganz selten in Augenblicken erleben, wo er wieder aufrichtig Freude an etwas verspürte. Ein ähnliches Leuchten trug er manchmal in seinem Blick wenn er mit ihr allein war. Aber dann musste sie schon sehr genau hinsehen.
      „August hatte schon erwähnt, dass Sie wahnsinnig gut im Aufspüren sind. Ich überhör mal nonchalant, dass Sie gerade Bullerei sagen wollten, aber ja, die Jungs und Mädels aus der Abteilung sind echt wichtig für uns“, sagte Ember, die währenddessen die Tür wieder schloss und meinte, da hinten noch James gestrauchelt kommen zu sehen. Sollte er seine verdammte Tür selbst aufmachen. „Dann hoff ich einfach mal, dass dieses Anwesen Ihre Instrumente da nicht frittiert.“
      Sie dachte daran zurück, was Liz bereits nach einmal Handauflegen an der Wand gesagt hatte. Das ganze Gebäude müsste eigentlich nahezu summen vor Magie und es ließ sie immer noch nicht ganz kalt, dass sie trotz ihres Trainings nur Spuren davon wirklich wahrnahm. Wenn es so viel sein sollte, dann müsste sie das doch eigentlich auch feststellen können. Doch alles, was sie auch jetzt wieder spürte, war dieses Gefühl des beobachtet Werdens. Also vergrub Ember ihre Hände in die Taschen ihrer Jacke und kam schlendernd ein paar Schritte näher bevor sie innehielt und sich das Pendel beschaute. Gold also. Das durften findige Diebe nicht sehen. Wenn es Vollgold war wollte sie gar nicht wissen, welcher Wert gerade hier vor ihr aufgebaut stand. Zugegebenermaßen hatte sich Ember nie wirklich damit beschäftigt, welche Materialien Effekte begünstigten oder nicht.
      „Ich weiß“, erwiderte Ember knapp und verschränkte die Arme vor der Brust. Die Beiden konnten das Haus gerne auf den Kopf stellen – nur sie selbst konnte es nicht. Wozu brauchte man sie überhaupt, wenn sie kaum etwas beitragen konnte?
      Ihr Blick richtete sich auf August. Nicht ganz frontal, sondern eher leicht seitlich, so als wolle sie ihm nicht direkt begegnen. „Ich habe erfolgreich einer Baumwurzel eine Delle verpasst. Würde also behaupten, es war sehr erfolgreich. Shawn weiß Bescheid, meine Eltern habe ich mit einer... hm... kleinen Unwahrheit zumindest auf Besuch eingestimmt. Wenn ich ihnen gesagt hätte, dass sie einfach mitgenommen werden und dann auch noch von einem Rogue, dann hätte sich mein Dad bis an die Zähne bewaffnet.“
      Sie zuckte mit den Schultern. Ruckartig, nicht geschmeidig wie üblich. Scheiß Kälte. Dann warf sie einen schnellen Blick über Augusts Schulter zu Liz, die sehr engagiert an ihrem Laptop herum tippte.
      „Ich geb mir Mühe ein bisschen weniger scharf auf sie zu reagieren, okay? Sie hat mich einfach auf dem falschen Fuß erwischt. Keine Ahnung, irgendwie war ich davon ausgegangen, dass du dir jemanden wie.... wie... Ulysses ins Boot holst oder so.“ Ihre Worte waren sehr leise, weil sie nicht wollte, dass Liz das unbedingt mitbekam. „Also, meinst du, sie kann lokalisieren, wo der Ursprung versteckt sein könnte?“
    • August Foremar war sicherlich ein wenig unbedarft wenn es um die Gedanken und Gefühle junger Frauen ging.
      Nur ein Idiot hätte ihm vermutlich nicht die emotionale Intelligenz eines Vierzehnjährigen in diesem Zusammenhang attestiert und doch machte er sich nicht die Illusion, dass wirklich alles so einfach war wie Ember es ihm gerade beschrieb.
      Mühsam nur hielt er die Fassung, während er nickte und die Haare zurück strich. Einem Sturm gleich standen sie aller Seiten vom Kopf ab und die Brille war in einem Glas gerissen.
      "Eine Delle?", fragte er leicht grinsend. "Na, den Baum beneide ich nicht, so viel steht fest. Aber gut, dass sie alle Bescheid wissen. Perley wird die Arkana erreicht haben, sodass sie zumindest Shawn und deine Eltern hierher bringen werden. Bist du sicher, dass wir Tarah und ihr Kind nicht auch einpacken sollten? Ich finde es gefährlich, lediglich Emmett da zu lassen."
      Sorgte er sich da gerade um Menschen, die er nicht kannte?
      Nein, es war anders. August sorgte sich, weil Ember sich sorgte. Weil er die Angst und die Vorsicht in Embers Gesicht beinahe spüren konnte, auch wenn sie sie deutlich verleugnen würde.
      "Mach dir keine Sorgen", sagte er schließlich. "Wir beginnen erst, wenn alle hier und sicher sind. Liz braucht eine Weile, bis sie die Detektion abgeschlossen hat und-"
      "Testlauf!"
      Liz hatte sich lautstark bemerkbar gemacht und zwischenzeitlich den Standort gewechselt. Über ihren Kittel waren diverse Kabel gespannt, die in kleinen Synoden endeten. Zwei der durchsichtigen Klebevorrichtungen hielten an ihren Schläfen, wohingegen eine weitere über ihrem Herzen positioniert war. Hierzu hatte sie die Bluse ein wenig aufgeknöpft, jedoch ohne ihr Dekolleté vollständig zu entblößen.
      August griff beherzt nach Embers Arm und brachte sie ein wenig in Sicherheit während Liz das Pendel leicht in Bewegung setzte. Quietschend und knarrend, als die Eisenteile übereinander schrammten und leichte Funken warfen, setzte sich das Ungetüm in Bewegung. Der Schwung des Pendelarmes glich einem tiefen Gong, wenn man es genau betrachtete und warf einen ähnlichen Ton durch den Raum, als Liz ihre Aura in das Ding leitete.
      "Hör zu", begann August, während Liz die Augen schloss und Formeln vor sich hin murmelte. DIe Aura im Raum war beinahe erdrückend genau spürbar. Wie Hände die nach ihm griffen und ihn regelrecht abtasteten. "Ich weiß, dass Liz nicht das ist, was du erwartet hast. Und ich wünschte, ich könnte es dir leichter machen. Aber das geht nicht. Ich ändere nichts an Liz' Aussehen noch an ihrer Art. Bitte bedenke nur, dass egal wie schön oder hässlich meine Assistentin ist und wie sehr wie die Dinge teilen, die uns faszinieren, du es bist, zu der ich gehe, wenn ich es berichten will. Du bist diejenige, zu der ich jederzeit ins Bett steige und für die ich renne, wenn sie "Lauf" sagt."
      Das sollte genügen, dachte der Zauberer und räusperte sich.
      "Nicht nur die Quelle", grinste er. "Mit etwas Geduld vielleicht sogar Denjenigen, der zuhört."
      "Ich sehe zwei mächtige Energiequellen. Eine in 8 Kilometer Entfernung und eine in beinahe 12 Kilometern. Ich spüre 29 Rogues in diesem Feld."
      "Es scheint zu funktionieren", sagte August und sah zu Ember. "Ich sage Perley Bescheid, dass er-"
      Ein Knall zerriss das Tuch des schönen Morgens. Ein Knall und ein gewaltiges Stöhnen durchzog das Foyer und beinahe hätte August gedacht, sie haben die Macht im Haus aufgeschreckt. Erst nachdem James mit einem Urdonner von Tür den Raum betrat und aussah, als habe er den Leibhaftigen begutachtet, beruhigte er sich.
      "Scheiße, da draußen sind gerade zwei Menschen ins Moor geknallt!"
      "Wie meinst du..."
      "Naja so wie ich es sage. Über dem Moor riss ein Tor auf und zwei Menschen schossen in den Schlamm."
      "Das sind bestimmt Isabella und Shawn...", murmelte August. "Liz! Handtücher!"

      Spoiler anzeigen
      Es SIND Shawn und isabella

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • „Ja, ich bin mir sicher. Ich kann Tarah nicht einfach da raus reißen, zumal sie mit dem ganzen Kram eigentlich eh nichts zu tun haben will. Hoffen wir einfach mal, dass sich der Zar eher auf meine Familie anstelle auf Freunde einschießen würde“, meinte Ember und seufzte.
      Natürlich wäre es das Einfachste und Schönste gewesen, sie alle um sich zu scharen. Aber das ging nicht, immerhin verfolgten die meisten Anderen ihre ganz eigenen Abläufe und wenn sie es anhand von Schadensgraphen beschreiben müsste, dann wäre ein Verlust in ihrer Familie der größtmögliche Ausschlag. Aber während sie so darüber nachdachte, besah sie sich August mit versteckten Blicken. Er war schon öfter ihren Wünschen nachgekommen. Nur von sich selbst aus hatte er selten die weiteren Konsequenzen dessen berücksichtigt, nicht so wie jetzt. Er wandelte sich, langsam.
      „Testlauf!“
      So viel zum Thema das dauert noch ein wenig. Von August gepackt ließ sich Ember ein wenig weiter weg führen, doch ihre ungeteilte Aufmerksamkeit blieb bei Liz und dem Pendel hängen. Gerätschaften wie diese waren ihr nicht unbekannt, allerdings konnte sie sich nicht mehr so recht daran erinnern, ob die Kollegen im PD sich selbst ebenfalls so verkabelt hatten. Irgendwie empfand sie es als befremdlich, dass die Kontakte zu Schläfen und Herz führten, was sie ein wenig daran erinnerte, wie man sonst in Krankenhäusern verkabelt wurde. Sämtliche Härchen auf Embers Körper stellten sich auf als sie überrascht feststellte, dass sie noch nie so leicht andere Auren hatte spüren können. Noch immer stand sie nah an August und lauschte seinen Worten mit einem Ohr. Noch bevor er mit seiner Ausführung endete, hatte Ember ihren Blick von Liz gelöst und ihn ihm zugewandt.
      Das war es. Mehr brauchte es nicht, um auch die letzten angespannten Fältchen um ihre Augen zu glätten und dafür zu sorgen, dass sie sich nicht mehr so fühlte, als sei ihre Brust in Ketten gelegt worden. Ihre Mundwinkel zuckten in einem angedeuteten Lächeln und ihre Züge wurden weich ehe sich Liz erneut dazwischen schaltete.
      „29 Rogues? Dachte wir sind hier fernab von...“, murmelte Ember noch ehe es knallte.
      Instinkte übernahmen die Kontrolle und Ember warf sich blitzschnell auf den Boden, die Hand war schon an ihre Hüfte geschossen, wo einsame Leere herrschte. Leise fluchte sie als James das Foyer stürmte und sie sich wieder aufgerappelt hatte. Ihre Miene war gerunzelt, wandelte sich bei Augusts Worten aber in etwas anderes.
      In diesem Augenblick musste Ember so was wie Überschallgeschwindigkeit entwickelt haben. Ohne zu zögern war sie an James vorbei gestürzt nach draußen, wo sie bereits eine ihr sehr bekannte Stimme hörte. Sie folgte ihr durch die Bäume hindurch einen Weg entlang bis sie eine offene Fläche vorfand, die nur noch gesäumt von Bäumen war. Und tatsächlich: Inmitten des stinkenden Moores stand ein junger Mann, der gerade einem Mädchen die Hand anbot und sie aus dem Morast zog.
      „Ich weiß, Sie können nichts dafür, aber der Anzug war echt teuer.... Geht's oder stecken Sie fest?“, hörte Ember ihren Bruder sagen, der zusammen mit Isabella, die sie von der Versammlung her kannte, hin zu festem Boden führte. Unglaublich, sie hatte ihn doch erst vor wenigen Minuten angerufen und vorgewarnt. Das bezeugte auch der dürftig aussehende Rucksack, den er über seine Schulter geworfen hatte und mit Sicherheit nicht für einen längeren Aufenthalt gepackt worden war.
      „Ein Anzug? Wirklich? Hat sie dich direkt von der Arbeit eingesackt oder was?“, schmunzelte Ember, die nicht mehr kaschierte, wie froh sie darüber war, ihren Bruder zu sehen. Nach der Sache mit den Sharoks hatte sie ihn nur noch am Telefon gehört.
      „Ich war ungelogen auf dem Weg zur Arbeit und hab nur schon mal den Rucksack rausgeholt. Woher soll ich denn wissen, dass sie so schnell vor meiner Tür steht?“ Er achtete nur auf Isabella an seiner Seite, die etwas mehr mit dem Morast kämpfte als er selbst. Vermutlich würde er auch einen Schuh verlieren, aber das tangierte ihn nicht so sehr solange das Mädchen an seiner Seite unbescholten aus dem Dreck kam. „Muss auch gestehen, dass ich dachte, du bist in der Stadt und nicht irgendwo im.... Nirgendwo?“
      Embers Lächeln wurde breiter als Shawn und Isabella dem Moor entstiegen und die Schuhe ausschüttelten. Sie hätte ihn am liebsten direkt in die Arme geschlossen, tat es aber aus offensichtlichen Gründen nicht. Während er missbilligend den Schlamm von seiner Kleidung wischte, richtete Ember ihr Lächeln nun auch an Isabella.
      „Danke für die Hilfe. Wirklich.“
    • Benutzer online 2

      2 Besucher