[2er RPG] Dusk & Dawn [Asuna & Nico]

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    • Einen kurzen Moment lang geschah nichts.
      Ehe der Gesichtsausdruck der Intensität des Richters zu bröckeln begann. Etwas in seinem Gesicht zerfiel wie ein Glasgebilde und Risse gruben sich durch die steinerne Miene, ehe er er einen Schritt vorsetzte und sich schwer auf den Tisch stützte. Es erschien wie ein Traum, langsam und beinahe bedächtig, als er sein Gesicht senkte, während sich die Übrigen im Saal erhoben, und den Richter betrachteten, der sich mit einem Mal als beinahe kraftlos entpuppte. Konnte es wahr sein? Freilich hatte Jeder im Raum den Namen des Spiels gehört, das die Medien beherrschte wie nichts anders. Aber konnte es hier auch so sein? Konnte das wirklich alles sein? Der Grund, weshalb sie alle sterben mussten? Wegen eines Spiels?!
      "Sie war fünfundzwanzig", flüsterte der Richter und das erste Mal glitt etwas wie Trauer in die Bitternis seiner Stimme. "Fünfundzwanzig..."
      Schwer und stark fuhr seine Hand auf den Tisch hernieder und bereits beim ersten Hieb zeigte sich ein schwerer Riss im Holz. Als habe man einen Nagel in den Tisch getrieben.
      "Dices..."
      "Das ist doch Kokolores!", rief Siobhan und erhob sich. "Ein Würfelspiel?! Wirklich? Das soll Caster dazui gebracht haben, ausgerechnet die Familie eines Arkana anzugreifen?!"
      Der Tod aus Amerika nickte bedächtig und grinste höhnisch, als die Blicke zu ihm fielen. Ungeachtet des Tumults und des Murmelns hatte er sich erhoben.
      "Ich bin auf Siobhans Seite. Ich meine, mal ehrlich, Leute! Ein Würfelspiel, buh-huh", sagte er und lachte. "Ich meine, ein Würfel?!"
      "Das ist nicht der Moment für altkluge Unwahrheiten, Quinn", murmelte Hakim und sah den Amerikaner an. "Wir sollten zumindest hören, was Ms Sallow zu sagen hat, ehe wir-"
      "Warum sollten wir das?!", rief der Amerikaner und ein Glühen stahl sich in seine Augen. "Warum sollten wir dieser Frau ein einziges Wort glauben? Weil sie einen großen Namen hat? Weil sie ach so ehrlich ist? Wer sagt uns, dass dies nicht eine Operation der Behörden war? Wie in Frankreich!"
      Erneut erhob sich vereinzelt Gemurmel, ehe eine Frauenstimme sie unterbrach.
      "Wir sind keine Tiere", sagte Cassandra, das Fuchsfeuer, die Sonne. "Wir sollten nicht so barbarisch handeln und uns auf das konzentrieren, was uns die Fakten sagen. Offenbar sind diese Würfel oder dieses Dices mächtige Artefakte. Ihr habt es alle gesehen und gehört."
      August nickte ihr zu und stimmte ein.
      "Es ist wahr!", sagte er und erhob sich ebenfalls. Vier Gestalten, die einander fixierten. "Ich habe es genauso erfahren und einen dieser Würfel erhalten. Es sind wahrhaftige Artefakte und sie sind in der Lage den Geist eines Menschen zu manipulieren. Ob gewollt oder ungewollt, ich glaube nicht, dass die Behörden derartige Mittel anwenden, um Rogues zu töten!"
      Das wäre doch ein Irrsinn...
      Einen kurzen Moment tat sich gar nichts, ehe der Richter wieder den Kopf hob und in Embers Augen sah. Keine Feindseligkeit stand darin und ein schweres Atmen ging durch sein Gesicht. In seinem Blick stand Trauer und Widersinn, als er sich erhob und ihr dabei zuwisperte:
      "Du trägst einen großen Namen...Handle danach..."
      Schlurfend und mit hängendem Kopf begann er, zu seinem Platz zurück zu wanken.
      "Ist die Sache nun erledigt?!", rief August in die Runde und über das Murmeln hinweg.
      Erst das Nicken des Richters und eine wegwerfende Handbewegung zwangen ihn, Ember anzusehen und sachte zu lächeln. Das war ein Gewinn. Kein großer, aber ein Gewinn.
      "Gut. Wollen wir also fortfahren. Ich denke, wir könnten-"
      "Ich möchte eine Abstimmung", sagte Siobhan endlich und lächelte breit, ehe sie sich erhob.
      "Eine Abstimmung worüber, Schwester?"
      "Eine Abstimmung, ob wir die Mörder der Familie des Richters bestrafen oder nicht?", sagte sie bestimmt und sah zu den verbliebenen Castern. "Ich sehe keinen Grund, weshalb sie leben möchten, oder wie sehen es meine Geschwister?"

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    • Embers Finger schlossen sich immer fester um das runde Objekt in ihrer Hand. Bis zu der Sekunde, in der die Härte aus Prestegaards Gesicht abfiel. Eine Spur Erleichterung konnte sie nicht verbergen, als sich ihre Finger wieder entspannten und sie dabei zusah, wie sich alle anderen Arkana von ihren Plätzen erhoben.
      „Viel zu jung“, stimmte sie leise zu ehe Siobhan die entstandene Stille durchbrach. Träge ging Embers Blick zu Ruairis Schwester noch während sie das runde Objekt ungesehen wieder an seinem angestammten Platz verstaute. Auch sie hatte doch die Medien verfolgt. Bestimmt hatte sie mit ihrem Bruder darüber gesprochen oder.... scheinbar doch nicht. Oder sie reagierte deswegen so erzürnt weil etwas nicht nach Plan lief. Natürlich, ohne das Wissen, dass dieser eine Caster Kontakt zu einem der Zaren gehabt hatte, war die Begründung wirklich nur spärlich. Aber diese eine Info würde sie nur im Notfall offenbaren.
      Noch immer hatte der Richter seine Pranken auf dem Tisch ausgebreitet, unter denen sich tiefe Risse abzeichneten. Der Schmerz wog so schwer, dass kein Racheakt ihn je schmälern würde. Es brachte die Leute auch nicht wieder zurück. Mitleid regte sich wie ein sich windender Wurm in der Ermittlerin, die von der Stimme des Tods abgelenkt wurde. Immerhin galt sein glühender Blick nicht ihr, aber dennoch starrte sie den Amerikaner finster an. Großer Name also? Das kam beim ersten Treffen ganz sicher nicht zu Worte und jetzt auf einmal schon? Woher hatte der Kerl eigentlich das Wissen, dass sie selbst nicht einmal aus Ruairi beziehen konnte? Was brachte schon ein ehemals wichtiger Name, wenn sich meterdicke Staubschichten darauf gelegt hatten?
      An ihrem Blickfeld bewegte sich etwas. Regung ging durch den massigen Leib des Richters, als er den Kopf hob und Ember unwillkürlich seinem Blick begegnete. Von dem Entschluss, der Vergeltungswut und den Rachegelüsten war nichts mehr zu sehen. Was sie sah, war ein geplagter, noch immer trauernder Mann, der die Umstände nicht akzeptierte. Und sie konnte sich so, so gut in seine Lage versetzen, dass sie einfach die Lippen verziehen musste.
      „Du trägst einen großen Namen... Handle danach...“
      Und dann ging er einfach.
      Ember starrte ihm nach. Jetzt er auch noch. Scheinbar war die Geschichte der Entdeckung wohl doch nicht so verschollen wie man meinen mochte. Aber ein Name schrieb noch lange keine Geschichten. Mit überraschend starren Gliedern ließ sich Ember auf ihren Stuhl sinken und atmete tief durch. 2 von 3 Caster lebten noch. Eine bessere Quote als sie erwartet hatte. Die Freue währte nicht lange, als sich Siobhan noch unbeliebter machte. Erneut würdigte Ember diese Giftziege keines Blickes, aber ihre Hände ballten sich zu Fäusten.
      „Also weißt du, Welt, wer Kjetils Familie getötet hat?“, erklang leise eine eher träge anmutende Stimme. Ember musste sich konzentrieren, um die Stimme zu verstehen, die von weiter hinten von der Frau kam, die aussah, als müsse sie dringend mal eine Klinik besuchen. „Kjetil hat zu Beginn die Frage zu Beginn der Polizistin da gestellt und wenn ich mich recht entsinne, keine direkte Antwort darauf bekommen.“
      Die dunklen Augen richteten sich auf Ember mit einer gewissen Erwartung. Doch Ember hob nicht das Wort. Sie war kein Arkana und hatte Recht, dazwischen zu sprechen. Ein kaum merkliches Schulterzucken ging durch Helena, als sie sich wieder Siobhan widmete. „Ich finde, wenn Kjetils Gelüste vorerst befriedigt sind, sollen die beiden Caster da gehen. Immerhin wurden sie an ihn überstellt, nicht wahr? Steckt den Kopf da meinetwegen auf einen Spieß und lasst die Polizistin ihn ausstellen oder so.... mir gleich. Aber mir reicht der versaute Tisch so aus.“ Sie deutete auf die Stelle, wo das Blut dunkle Flecken in das Holz gefressen hatte.
    • August blickte dankbar zu Atroska herüber, obschon ihr Vorschlag nur unwesentlich besser als der von Siobhan war. Sicherlich würde nicht noch mehr Blutvergießen dadurch provoziert, jedoch war eine öffentliche Ausstellung einer Leiche mehr als kontraproduktiv.
      "Ich stimme Atroska zu", nickte August und sah sich im Raum um.
      Die Lager waren geteilt, so viel ließ sich sicher sagen. Hier und da herrschte Gemurmel und gleichsam erschienen die Worte der Welt wie ein Mahnmal im Raum. Selbst Prestegaards Gesicht wirkte beinahe versteinert als er den Vorschlag der Griechin hörte und sich gleichsam der Leiche besah, die er mit eigenen Händen getötet hatte. Ach, der Rache später Dorn. Zumeist wird er später gefühlt, doch Kjetil erreichte das säuerliche Gefühl der Leere schon allzu früh, sodass er den Kopf sinken ließ und zu Boden sah.
      "Ich finde, wir sollten die Caster gehen lassen"; bemerkte Mueller und wollte weiteres preisgeben, da unterbrach ihn Siegfried direkt.
      "Käse! Ich sage, wir töten die Geisteskranken UND stellen ihre Köpfe vor dem Police Department aus. Als Mahnmal für alle, die sich gegen uns stellen!"
      "Das wäre eine Kriegserklärung", offenbarte Cassandra, das Fuchsfeuer und schüttelte wie Hakim den Kopf.
      "Na und? Lasst uns den Krieg führen, den sie wollen. Ich sage euch ehrlich: Ich habe in den letzten Monaten mein Gebiet mehr gegen Behörden und Caster verteidigen müssen als gegen euresgleichen", empörte sich Siegfried und schnaubte. "Es wird Zeit für eine Vergeltung."
      "Ich halte den Weg der offenen Konfrontation für nicht gut"; bemerkte August und schüttelte den Kopf. "Wir begeben uns in ein Feuer, das wir nicht ermessen können. Wir haben keine Ahnung, wie die Caster aufgestellt sind und ehrlich gesagt, wundert mich dein Vorschlag, Siobhan. Gerade du müsstest die Kräfte deines Bruders kennen, der auf Seiten der Caster kämpfen wird."
      "So wie deine Mätresse, du silberzüngiger Heuchler", zischte Siobhan und wirkte das erste Mal wirklich erbost. "Überlasst meinen Bruder mir. Wenn ich gegen ihn kämpfe, wird er keine Gefahr sein. Und der Rest ist ein Haufen A- bis C-Klasse Haufen, den wir mit einem Fingerschnippen wegpusten!"
      Die Seitendiskussionen vertieften sich. Mehr und mehr glitten die Gespräche von dem eigentlichen Thema ab und mehr Köpfe wurden zusammengesteckt als aktiv am Gespräch teilnahmen. Das Murmeln im Hintergrund wurde zu einem grauen Rauschen, während Für und Wider einer Kriegserklärung abgewogen wurden.
      Was tun...
      "Ich bin dagegen!", donnerte August. "Als Sprecher dieser Vereinigung werde ich das tun, was bisher nie getan werden musste. Aufgrund der Obszönität des Vorschlages wird um Entfernung des Wunsches der Welt gebeten. Ihr habt es in der Hand, meine Brüder und Schwestern. Ein Krieg ist niemals die Lösung! Gewalt erzeugt immer Gegengewalt und das Morden und Hassen wird nicht aufhören. Wir erleben es seit vielen Jahren und einige unter uns noch länger..."
      Hakim zuckte zusammen und seufzte.
      "Wollen wir wirklich noch mehr Hass sähen? Wollen wir das sein, was die Caster in uns sehen wollen?", fragte August in die Runde, die erstaunlich ruhig geworden war. "Oder wollen wir besser sein? Wollen wir ein Zeichen setzen?"
      "Welches Zeichen schwebt dir vor?", fragte Cassandra und selbst Quinn lehnte sich interessiert über den Tisch.
      Dies war der Moment für eine merkwürdige Idee. Eine Idee, die ihn den Kopf kosten oder das Vertrauen retten konnte. August sah in die Menge und anschließend zu Ember. DAs Lächeln, was seine Lippen umspielte, sagte "Es tut mir Leid".
      "Lasst uns einen Caster auf einen Arkana-Posten heben!"
      Und dann wurde es ruhig...

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    • Aus dem hinteren Abteil kicherte Helena trocken. „Hat die Welt gerade die Polizistin geadelt? Ich glaube, sie sollte noch ein bisschen mehr über die Wörter lernen, mit denen sie um sich wirft.“ Ihr Begleiter legte ihr eine große Hand auf die Schulter, damit der Streitwagen nicht noch genau das provozierte, was in ihrem Titel mitschwang.
      Ember hingegen hatte kein Gehör mehr für Helena sondern starrte Siobhan finster an. Was sollte bedeute, er würde keine Gefahr darstellen? Wollte sie allen ernstes gegen ihren Zwilling kämpfen? Bildlich konnte sich Ember vorstellen, wie Ruairi mit sich rang sollte es bedeuten, dass er seine eigene Schwester bekämpfen musste. Egal wie viel Unrecht seine Schwester in die Welt brachte, er würde sie immer noch als ein Teil von ihm sehen. Glaubte Ember jedenfalls. Nur mit ihren Lippen formte sie die Worte: Wie kannst du nur? Und ließ sie unausgesprochen im Raume stehen.
      Dann hob August zu seiner Rede, seinem Appell an und fesselte die Meute an Monstern um sie alle herum. Ember war sich sicher, dass etliche hier Gewalt nicht mit Gewalt vergelten wollten, aber sie sahen sich allmählich in die Enge getrieben. Diesen Rat hielten die Menschen höchstwahrscheinlich nicht ab. Sondern eher einen Kriegsrat, wie die ach so schwache Menschheit sich gegen diese Über-Tiere verteidigen konnte. Dabei hatten sie genug Arsenal und die Masse, um sich abzusetzen und zu schützen.
      „Wollen wir ein Zeichen setzen?“
      Embers Blick bohrte sich in Augusts Rücken. Der Kerl hatte entweder sich einen grandiosen Plan im Vorfeld überlegt oder innerhalb kürzester Zeit einen auf die Beine gestellt. Jedenfalls war er so ausgereift, dass er ihn einer Horde Arkana präsentierte. Noch während sie sich darüber im Zwiespalt befand, eröffnet August ihnen allen seine Idee und eigentlich hätte das Lächeln Warnung genug sein sollen.
      „Lasst uns einen Caster auf einen Arkana-Posten heben!“
      Das letzte Wort war verklungen, da legte sich eine bleierne Schwere über sie alle. Kaum hatte August die Idee vorgetragen, brach eine Kaskade an Gedanken über seine Adjutantin hinein. Er würde Ruairi einsetzen wollen. Er sollte als Bindeglied fungieren und sich damit nicht mehr konkret nur auf eine Seite stellen. Die Position würde bedeuten, dass er nicht jederzeit gegen Arkana antreten musste und würde ihn vielleicht sogar vor seiner Schwester in gewissem Maße schützen. Er wäre hier im Kreise eine weitere Stimme für sie und August und damit sehr wertvoll. Ember verstand im vollen Umfang die Vorteile dieses Unterfanges, trotzdem gefiel es ihr überhaupt nicht. Sie wollte ihn nicht in solchen Kreisen wissen. Nicht, wo er ständig seine Schwester vorgeführt bekam und sich selbst doch schon manchmal als Monster bezeichnete. Ganz davon zu schweigen, dass man ihn dann vermutlich seinen Platz in der Justiz aberkennen würde. Seitens der Menschen. Und viel wichtiger: Hatte er ein Mitspracherecht? Er konnte den Platz auch einfach verweigern.
      „Du schlägst den Bruder der Welt vor, richtig?“, brach Helena als Erste die Stille und fuhr sich nachdenklich mit ihrem Zeigefinger über ihr Kinn. „Ich persönlich spreche mich eigentlich gegen Vetternwirtschaft hier aus, aber angesichts der Lage ist die Idee gar nicht so abwegig. Das würde die Menschen erst einmal in ihrem Handeln stocken lassen. Aber wer versichert, dass er sich ernennen lassen würde?“
    • Die Stille im Raum war greifbar und gleichsam beiernd schwer.
      Mit einem Male erschien es, als wären die Kerzen im Raum ein wenig dunkler geworden und das Entsetzen wurde greifbar, das um sich griff wie ein Virus. Selbst Hakim zog die Augenbrauen erstaunt hinauf, ehe er nachdenklich zu August, dann zu Ember sah. Auch seine Gedanken begaben sich auf eine Reise, aber es gab Niemand passenden. Es musste Jemand sein, der das Gleichgewicht der Kräfte wieder herstellt.
      Atroskas Einwurf kam plötzlich und war leider nicht sehr hilfreich, sorgte es nur dafür, dass sich Siobhan erhob und in Richtung von August giftete:
      "Wenn du es auch nur wagst, meinen Bruder auf diesen Posten zu heben, du Schwein!"
      Die Wut in ihrer Stimme war beinahe greifbar und was wesentlich bedrohlicher war, waren die Risse. Mit der Sekunde als sich Siobhan erhob, schien ihre Aura ein Flammenmeer zu werden. Dicht und hämmernd war sie beinahe sichtbar und drückte den Erdmagier aus Japan und auch Mueller selbst in eine Richtung. Die beiden Arkana nahmen eilig Abstand, als der Boden sowie die Empore vor ihr Risse bekam. Alleine nur von ihrem Wutausbruch.
      August sah sie beinahe träge und ruhig an, obschon sein Innerstes ihn zur Vorsicht gemahnte. Ja, er war bei voller Kraft. Ja, das erste Mal seit Jahren. Aber was entscheidend war, war die Tatsache, dass diese Frau die Realitäten zerfallen lassen konnte. Eine Macht, die keiner sonst im Raum besaß.
      Außer August...
      Und die Götter wussten, was geschah, wenn diese Magiearten aufeinander trafen.
      "Bitte...Brüder, Schwestern...", sagte er und hob die Hände deeskalierend. "Ja, ich gebe zu, ich habe Ruairi MacAllister in dieser Position gesehen. Durch seine Stärke und gleichsam seinen Charakter ist er der ideale Charakter in diesem Sinne..."
      "DAS KANN DOCH NICHT DEIN VERFLUCHTER ERNST SEIN!"
      Krachend ging das erste Redebrett einer Empore zu Bruch, als Quinn sich erhob. Flammenfinger griffen nach dem Holz und brachten es zum Explodieren, während der Amerikaner mit geballten Fäusten zu August sah.
      "Du willst uns wirklich derart verraten, Foremar?!", knurrte er und sah mit orangerot leuchtenden Augen zum Teufel hinab.
      Der immer noch lächelte! Zu aller Wut!
      "Quinn, mäßige dich!", murmelte Mueller und sah zu August hinab. "Aber er hat nicht Unrecht. Der Plan ist mehr als riskant. Bisher lebten wir durch die Geheimhaltung. Ein Caster in unseren Reihen, der die Magie versteht wie wir, ist eine Gefahr für unsere Geschäfte..."
      "Geschäfte hin oder her", keifte Siobhan, deren Aura sich noch nicht beruhigt hatte. Vielmehr griff sie um sich und alles, was dieses Gebilde berührte, schien einfach zu Staub zu zerfallen.
      "Siobhan MAcAllister!", donnerte August und das Lächeln verließ ihn. "Im Namen der Bruderschaft verwarne ich dich erneut und bitte dich um Mäßigung! Ansonsten wird dein Verhalten als offene Konfrontation gewertet!"
      Als ob das eine Wirkung hätte. Die Frau war wütend und angregriffen. So sehr das Mundwerk überheblich geklungen hatte, als sie ihre Ankündigung machte, so weniger wollte sie ihren Bruder unnötiger Gefahr aussetzen. Doch das war Irrsinn!
      "Ihr seht, was er tut, Brüder und Schwestern!", rief sie schließlich und wandte sich an die anderen. "Euer toller Sprecher hat entschieden, unsere Toten zu entehren, indem er die Plätze mit Castern füllt! Castern, die unsere Familien angreifen und die uns jagen wie Vieh! Wollt ihr das wirklich?!"
      Siegfried sah mit glühenden Augen zu August und seufzte.
      Ein paar Sekunden lang beherrschte das Murmeln den Raum, ehe der Deutsche sich erhob.
      "Ich beantrage, August Foremar von seinem Posten als Sprecher zu entheben und ihm seinen Platz als Arkana abzuerkennen", sagte er mit ruhiger, gefasster Stimme.
      Und dies, geneigter Leser, war eine Katastrophe. Denn jetzt entglitten auch August seine Gesichtszüge und kurz huschte sein Blick zu Ember, ehe er sich wieder der Meute zuwandten. Ein Summen in seiner Tasche lenkte ihn ab und beinahe unsichtbar schob er sein Smartphone aus der Jacke und warf es in Richtung Ember. Durch das aufkommende Gebrüll und die laute Diskussion würde man den Knall nicht hören. Aber sie konnte lesen. Etwas war geschehen. Und das war nicht gut.

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      Raus da. Sie kommen. Perley.

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    • Wie beiläufig begegnete Ember Hakims Blick. Dass selbst in seinen Augen Erstaunen stand, war nicht wirklich als positiv zu werten. Scheinbar hatte wirklich noch keiner auch nur einen Gedanken daran verschwendet, die Brücke zu den Castern zu schlagen. So sehr verabscheuten sich die Zauberer sogar untereinander. Es waren drei Fronten, keine zwei.
      Mit sichtbarem Erschrecken rückte Ember ein wenig weiter zur Seite, als Siobhan ihren Unmut kundtat und Risse erzeugte. Risse, die keinen natürlichen Ursprung besaßen. So wie sie es phrasierte, hatte Ruairi keine Wahl. Wenn August ihn nominierte, klang es so, als sei es fix, sofern die Mehrheit der Arkana dafür stimmten. Konnte man also gar nicht ablehnen? Dann knallte es und die Lautstärke ließ Ember zusammen fahren. Man hatte den Streitwagen taktisch neben dem Tod platziert, weil sie in der Regel immer kalten Gemütes blieb, aber selbst sie war ein gut sichtbares Stück von Quinn weggetaucht, kaum hatte er zu schreien angefangen. Allerdings war ihre Aufmerksamkeit vollkommen auf die Welt gerichtet, die damit begonnen hatte, alles in ihrem Umkreis wortwörtlich zu pulverisieren. Das Amulett an Helenas Brust glühte unter den Stoffschichten an ihrer Brust auf.
      Ember hingegen konnte nur fassungslos den Kopf schütteln. Was stimmte denn nicht mit ihr? Auf der einen Seite schien sie sich keinen Deut für ihren Bruder zu interessieren und schoss gegen die Caster, also auch ihn selbst. Auf der anderen Seite wollte sie ihn auf dem Posten sitzen sehen, weil... ja, warum eigentlich? Wenn Ember eines fehlte, wenn es um Ruairi ging, dann war es die Liebe. Sie würde alles für Shawn tun, was sie schweren Herzens an August auch demonstriert hatte. Was für eine schreckliche Schwester war Siobhan denn bitte??
      Zu allem Unglück stand nun auch Siegfried auf und trug seinen Antrag vor. Sie hatten sich im Kreis gedreht und waren wieder dort, wo sie letzte Woche mit Ach und Krach herausgekommen waren. Missmutig presste Ember die Lippen aufeinander, als sowohl am Tisch als auch auf den Rängen der Tumult ausbrach. Immer und immer wieder kam ihr ein einziger Gedanke: Sie hatten nur eine Stimme mehr gehabt. Eine Stimme, die ihnen nun fehlte.
      Manisch versuchte Ember einen Weg zu finden, um ihnen halbwegs mehr Zeit zu verschaffen. Sollte sie offenbaren, dass sie August umgebracht hatte? Dass seine Zeit eh ablief und es keinen Sinn mehr hatte? Dass es da doch diese Klausel gab, dass sie den Platz bekäme, wenn sie einen Arkana eigenmächtig tötete? Oder vielleicht...
      Vor ihr bewegte sich August. Er unterband ihre weiteren Gedanken, als er sein Handy nach hinten warf und niemand es mitbekam. Es war einfach zu laut und August war damit beschäftigt, den Kernpunkt der Tumulte darzustellen. Also bückte sich Ember nach seinem Handy, als würde sie ihre Schuhe binden und sah nur vier Worte.
      Vier Worte, die noch schlimmer waren als der Fakt, dass man August gerade absetzen wollte.
      Augenblicklich richtete sich Ember kerzengerade auf. Ihre Augen waren stark geweitet, als sie den Saal durchkämmte und die wenigen Eingänge registrierte, die dann wohl in die Schwarze Stadt führen mussten. Wie genau, das wusste sie nicht, aber es würden nicht alle Anwesenden über die Feuer gekommen sein. Apropos Feuer – war ihre Benutzung limitiert?
      Ember holte Luft, um August zu warnen. Eigentlich, um alle zu warnen. Ihre Hand war bereits unter ihre Jacke auf Brusthöhe verschwunden, wo sie das gläserne Ei aufbewahrte, für den Fall der Fälle. Ihre Fingerspitzen berührten es schon, da glitt ihr Blick über die Anwesenden im Saal. Es war nicht viel Zeit, die ihnen blieb. Wenn sie einfach floh, würde das Aufsehen erregen. Ihre Worte würden Aufsehen erregen und dann würde es hier ein Gemetzel geben, das seinesgleichen suchte. Die Arkana würden nicht abhauen, wenn man sie wie ein Tier in einer Höhle eingepfercht hatte. Die gesamte mächtigste Zaubererschaft würde vermutlich gesammelt agieren.
      Das wäre keine Unruhe. Das wäre ein Massaker.
      Mit einem Mal war Ember hinter August aufgesprungen, der sich trotz der Diskussion zu ihr umdrehte. Ihr war sämtliche Farbe aus dem Gesicht gewichen, ihr Blick wirkte gehetzt. Sie hatte nicht das Ei in der Hand, sondern ihre Waffe. Diese war mit dem Magazin bestückt, das August ihr geschenkt hatte, und jagte ihr in gleichmäßigen Abständen Schauer durch die Hand den Arm hinauf. Das brachte ihr lediglich ein paar Blicke ein, aber die Gemüter waren bereits zu erhitzt. Ihr fahriger Blick glitt an August vorbei zu Henry, der zu den wenigen gehörte, der ihr überhaupt Beachtung schenkte.
      „Henry“, presste Ember hervor in Ermangelung des Wissens über seinen Nachnamen, „Sie sind spezialisiert in Barrieren. Riegeln Sie den Saal gegen Eindringen von außen ab. Vertrauen Sie mir bitte!“
      Dann kickte sie August sein Handy wieder zu, dessen Bildschirm dunkel geworden war. Die Geste dahinter war aber klar. Lies selbst. Zusammen mit seinem Handy kam noch etwas anderes schlitternd bei Augusts Füße an. Das gläserne Ei. Daneben lag ein zweites Handy. Embers Gerät.
      Es gab nur zwei Wege, wie man die Aufmerksamkeit vom Antrag Siegfrieds abhalten konnte. Wie man den Arkana aufzwingen konnte zu vergessen, dass August gerade einen Caster vorgeschlagen hatte. Entweder, es drohte ein Angriff wie in diesem Fall, oder....
      „Ich erhebe Anspruch auf den Platz der Kaiserin!“, schrie Ember über den Tumult hinweg und erreichte damit alle Rogues, die sie hatte treffen wollen.
      Dann rannte sie plötzlich los. Sie hastete über die Treppen der Ränge nach oben und hörte, wie sich die Diskussion hinter ihr in etwas gänzlich Anderes verwandelte. Kurz vor der Tür blieb sie stehen und drehte sich nochmal um. Erneut hob sie die Stimme, nur für den Fall, dass August nicht schnell genug war. „Der Saal wurde lokalisiert! Evakuiert so viele, wie geht! Bitte richten Sie kein Massaker in den eigenen Reihen an!“
      Dann riss sie die Tür auf und stolperte nach draußen. Wobei draußen ein dehnbarer Begriff war, wenn es war verdammt dunkel. So als seien sie untertage und da Ember noch nie in der Schwarzen Stadt gewesen war, konnte sie es auch nicht anders beschreiben. Das musste sie auch gar nicht, denn es war, als liefe sie in eine Wand aus Aura, die ihr Haut und Haar zu verbrennen drohte. Sie hörte andere Stimmen und Gemurmel und erst da realisierte sie die Armada an Caster, die den Eingang umstellt hatten und deren Augen allesamt auf Ember fielen. Sie bekam keine Luft mehr als sie sah, wie viele Caster es waren. Und dass es nicht nur die kleinen Gossencaster aus dem PD waren. Das hier waren mitunter die höchstausgebildetsten Caster, die sie zur Verfügung hatten. Und noch mehr.
      Prompt riss Ember die Arme in die Luft, die Waffe zwar noch immer die der Hand, aber nicht weniger sprachlos. „Ich bin Ember Sallow, Leiterin der Antimagischen! Nicht schießen!“
      Ihre Stimme war selbstsicher. Sogar ihre Haltung war es. Nur in den Augen konnte man sehen, dass sie mehr als nur gehörigen Respekt hatte im Angesicht all der Caster zu stehen, die eigentlich mit einem Arkana gerechnet hatten und niemanden aus den eigenen Reihen. Ihre Atmung ging flach und setzte gänzlich aus, als sie in den Reihen Knight erkannte. Jetzt sackten ihr doch die Schultern sichtbar herunter.
      Zeit. Die musste sie jetzt um jeden Preis erkaufen und hoffen, dass das nicht das Dümmste war, was sie jemals getan hatte.

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    • Meine Schwingen, sie schmelzen die Federn verbrennen
      Zu sicher und stolz die Gefahr zu erkennen
      Und fall ich auch brennend dem Meere entgegen
      Ist Freiheit niemals ein vermessenes Streben!

      [Saltatio Mortis - Daedalus]


      Die Hölle brach in jener Sekunde herein, als der Tumult nicht zu beherrschen war.
      Just in dem Moment, in welchem sich die Arkana in hitzige Diskussion begeben hatten, spürte August zwei Dinge. Einerseits das Ei an seinem Fuß mitsamt zweierlei Handys und gleichzeitig das Sirren von magischer Energie, die nicht in diesen Raum gehörte. Noch ehe er eine Reaktion an die Meute richten konnte, hatte Ember ihrerseits bereits Schritte ergriffen. Die dümmsten aller Zeiten! Diese Frau war schlimmer zu hüten als ein Beutel Flöhe in der Walpurgisnacht!
      Mit dem Schreien über die Menge hinweg schaffte sie es zumindest, für einen Augenblick der Ruhe zu sorgen, in dem sie alle ansahen. Vielleicht lag ein Lachen in der Luft, ein höhnisches, doch dazu kam es nicht mehr.
      Der Saal wurde lokalisiert.
      Es brauchte ein paar Augenblicke, bis die anwesenden Zauberer verstanden, was die Menschenfrau ihnen zu sagen versuchte. Man hatte sie entdeckt. Man hatte die Schwarze Stadt infiltriert und die letzte Bastion der Arkana eingenommen. Und nun standen sie vor der Tür. Als Embers Schreie durch den Raum gellten, geschahen mehrere Dinge gleichzeitig.
      Während August entsetzt zu Ember, dann auf seine merkwürdige Taschenuhr sah, gab es zwei Personen, die in der Mitte des Tumults zu lächeln begannen. Der erste war Hakim. Der Arzt sah zu Ember und grinste schmallippig, ehe er ihrer Warnung Folge leistete und mit ein paar anderen zu den Feuern hastete. Das zweite Lächeln ließ sich auf Gallows' Gesicht finden, der zur Tür sah und nickte. Heute war nicht sein Todestag, daran würde er sich erinnern. Also stand er seelenruhig auf und begann, sich zu entfernen.
      Der Rest rannte wild durcheinander, als Ember eine zweite Entscheidung traf, die August und die Anderen in völliger Überraschung traf.
      Sie öffnete die Tür.
      Und blickte genau in Solomon Knights Auge, der sie wie besessen anstarrte und den Kopf schieflegte.
      "Sallow?", fragte er ungläubig.
      Erst danach krachte es hinter Ember und schleuderte sie leicht nach vorne. Henry hatte seine Barriere gespannt und sie damit ein Stück weit hinaus gedrückt, während in dem Raum die große Flucht begann.
      "Eilt euch!"; rief August und sah immer wieder zwischen Tür und Feuern hin und her, in welchen seine Brüder und Schwestern verschwanden. Konnte die Flucht wirklich gelingen?
      Dies zumindest war auch der Gedanke, der dem perplexen Knight durch den Kopf ging, ehe er Ember grobschlächtig beiseite zog und sie einem Officer in die Arme schubste.
      "Festnehmen und abführen! Keine Gespräche, keine Verhöre! Einzelhaft!", kommandierte er, ehe er sich umdrehte.
      Erst jetzt wurde das Ausmaß der Truppen sichtbar, die sich hier versammelt hatten. Fast die ganze Magische Einheit der Met war anwesend. Beinahe 100 Polizisten und Caster warteten auf ihren Einsatz, eingehüllt in Schutzrüstungen aus magischem Metall. In ihren Fäusten hatte die Einsatztruppe bereits Notzauber gezündet und wartete nur auf den Einsatz. In vorderster Front stand die Defensiveinheit mit aufgestellten Schildzaubern an ihren Armen und Knüppeln mit einer antimagischen Legierung. Sie würden Schmerzen verursachen. Selbst Arkanas.
      "Also dann Männer! Wie besprochen!", rief Knight und sah zur Tür. "Rein und raus! Und nehmt so viele mit, wie ihr könnt! Im Zweifel töte die Bastarde und tilgt diese Rogues endlich von der Erdoberfläche! Achtet auf euch und deckt euch gegenseitig! Bedenkt, es sind die mächtigsten Rogues der Erde, auch wenn sie wie Hühner fliehen wollen!"
      Die Hölle begann mit einem Schrei.

      Henrys Barrieren hielten dem Ansturm der Notzauber nicht lange stand. Brüllende Flammen und Windschüsse krachten auf die Barriere und schoben diese unter Krachen und Knirschen weiter zurück. Der alte Mann stemmte sich gegen die einfallende Wucht der Angriffe und an dieser Stelle muss gesagt werden, dass es beeindruckend für einen 85jährigen Mann war, sich gegen 100 Polizisten zu stellen und diese zumindest zurück zu halten.
      Doch die Lage wurde brenzliger.
      Durch die Wucht der Polizeiangriffe erhielt der Raum selbst einige Risse und die Strukturen begannen einzufallen und Putz von der Wand zu rieseln. Sie würden es nicht schaffen. Sie würden nicht alle fliehen können.
      "A-august!", keuchte Henry über die Schulter und der Angesprochene wirbelte herum, nachdem er einen Adjutanten durch das Feuer geschoben hatte.
      Es war zu spät. Die Barriere trug sichtbare Risse und sie beide wussten, dass wenn sie brach, Henry es nicht überleben würde. Die Notzauber waren auf S-Klasse gerichtet und würden vermutlich großen Schaden anrichten.
      "Brüder! Schwestern!", schrie August über die Schulter.
      Es waren nicht mehr viele da, aber genügend für eine gute Schlacht. Und sie würden eine Schlacht liefern, so viel stand fest.
      Verblieben waren Siobhan, Cassandra, Siegfried, der Richter und August, die sich jetzt zu den Flüchtenden gesellten und vor der Polizei aufbauten.
      Um die Finger der Brasilianerin tanzte bereits ein violettes Feuer, das sich wie eine Peitsche um ihre Hand wickelte. Ein Lächeln umgab die schönen Lippen, während sie zu August sah, der seine volle Teufelsgestalt einnahm. Weiße Panzerhaut glitt über seinen Körper hinweg und die Gliedmaßen verlängerten sich, während weiße Hörner mit blutroten Spitzen aus seiner Stirn schossen und das Gesicht mehr zu einer Fratze denn einer Visage wurde. Geifernd troff Speichel aus dem immerwährenden Grinsen während Siobhan sich neben ihm aufbaute und angeekelt zu dem Teufel herüber sah. Wenn die Auramasse nicht gewesen wäre, hätte sie ihn am liebsten auf der Stelle...
      Der Schrei erklang und die Barriere brach.
      Als die Notzauber wie Raketenschläge in den Raum schossen, feuerte Cassandra bereits zwei violette Flammenhülsen auf die Polizisten herab. Henrys Leib wurde von einer Explosion erfasst und nach hinten geschleudert, während die Flammen der Brasilianerin eine Fuchsform annahmen und mit einem kreischenden Brüllen auf die Caster hernieder fuhren. Brüllend und kreischend griffen die Polizisten um sich, unwissend, dass sich diese Flammen nicht löschen ließen.
      Im gleichen Moment glitten die Streitkräfte der Polizei in den Raum. Gefühlt hunderte von Polizisten fluteten den runden Saal und richteten sich taktisch aus, spannten Schildzauber, die sie aus Schriftrollen oder Kanülen zogen.
      "Ergebt euch!", rief Knight grinsend als er in den Raum trat. "Ergebt euch oder sterbt! Mir ist es wirklich gleich!"
      Für eine Sekunde lang sahen sich die verbliebenen Arkana an und grinsten. Ein Crescendo der Sonderklasse, dachte August und sah zu Knight. Für einen Moment wirkte es unwirklich, denn das Lachen des Teufels erklang in der Stille.
      Zu seiner Rechten leuchtete ein weißliches Licht auf und Siegfried hüllte sich in eine glänzende, altertümlich wirkende Rüstung. Zu seiner Linken versank der Richter vollständig in Diamant, das seinen Leib umhüllte.
      Und in seinem Rücken stand Siobhan, die ihre Aura bereits zu spannen begann.
      "Fick dich, Knight", zischte August.
      Und der Kampf begann.

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    • „Knight.“
      Zugegeben, Ember hatte nicht damit gerechnet, direkt in Knights Hände zu laufen. Beinahe manisch suchte sie die anwesenden Caster nach Ruairi ab, fand ihn jedoch nicht. Erleichterung traf sie, die noch gar nicht angebracht war. Denn es krachte hinter ihr und bugsierte sie etliche Schritte nach vorn, die die Caster, die ohne schon angespannt waren, noch weiter reizte und sie nervös zucken ließ. Ember stieß derweil ein Dankesgebet aus, dass Henry immerhin auf sie gehört hatte. Dann war Knight schon bei ihr, packte sie grob an der Jacke und riss sie zur Seite. Als Antwort bekam er ein Fauchen von ihr, doch das hielt ihn nicht weiter ab. Sie landete an der Brust eines Officers, der ihr die Waffe aus der Hand wand und sie verstauen wollte.
      „Finger weg!“, zischte sie auch ihn an und erkämpfte sich ihre Waffe zurück. Diesen Officer kannte sie nicht, aber er begann allen ernstes, sich mit ihr um ihre Waffe zu bekriegen. Knight war glücklicherweise schon weg, denn sonst hätte er eine fiese Kopfnuss seitens Embers mitbekommen, die nicht nur ihren Kopf ordentlich brummen ließ, sondern auch den des Officers. Sichtlich angesäuert steckte sie ihre Glock wieder weg, da wurde sie bereits von zwei anderen Männern ergriffen. Dieses Mal waren es Caster und dieses Mal rissen sie ihr die Hände direkt hinter den Rücken, damit sie nicht noch einmal so ein Theater veranstaltete.
      „Miss Sallow, wir wissen um Ihre Heißblütigkeit, aber Sie sollten die Schlinge nicht noch enger ziehen“, sagte der eine Caster zu ihr und formulierte es als gut gemeinten Rat, sodass Ember ihm wohl oder übel zustimmen musste. So ließ sie sich unter etlichen beobachtenden Augenpaaren abführen, weg von dem Eingang zum Zwielichtsaal, aus dem die schlimmsten Geräusche drangen, die sie seit langem gehört hatte. Wie viele Leben hatte diese Aktion jetzt gerettet und wie viele würden darin fallen? Sie wusste es nicht.

      Ember hatte nicht unbedingt die größte Aufmerksamkeit für die Umgebung. Ihre Arme taten ihr weh, an ihrer Stirn wuchs eine fette Beule und nach ihrem mentalen Zustand wollte sie erst gar nicht forschen. Sie stolperte mehr als dass sie ging, was den Unmut des Casters verdeutlichte, der sie irgendwo hin führte.
      „Komm auf die Idee mich in eine Zelle zu stecken und ich werde -“
      „Mund halten, Miss Sallow.“ Er schob sie einfach weiter um irgendwelche Hausecken herum, sodass sie irgendwann die Orientierung verlor. Immer wieder kamen ihr Beamte entgegen, Menschen und Caster zugleich. Aber von den Rogues, die hier leben sollten, war nichts mehr zu sehen. Als wenn sie allesamt... ausgerottet wären.
      Ember wurde um die nächste Ecke geschubst und sperrte sich dann erneut gegen das Weitergehen. Es tat sich ein Platz auf, wo ein Zelt aufgeschlagen worden war. Ein weißes, dreckiges Zelt inmitten einer schwarzen Stadt. Ein und aus kehrten Caster und Polizisten gleichermaßen und die Geräusche daraus kamen ihr nur zu bekannt vor.
      Ein Lazarett.
      „Wir müssen warten, bis jemand von dem Außendienst kommt, der Sie mitnimmt“, erklärte der Caster und schob Ember durch das Zelt ins Innere. Heiler saßen entweder an notdürftig errichteten Feldbetten oder eilten emsig hin und her. Nicht ein Rogue war hier. Nur Menschen und Caster. Ember verzog das Gesicht, als man sie auf einen Klappstuhl drängte, da sie offensichtlich keine schweren Verletzungen hatte.
      Der Caster stellte sich mit verschränkten Armen vor ihr hin und musterte sie. Er trug kein Namensschild als Ausweis, wie sie es sonst immer taten. Sie kannte seinen Namen nicht. „Ich weiß, dass Sie bewaffnet sind. Machen Sie keinen Scheiß, Sie können den Monstern da drin sowieso nicht mehr helfen. Veranstalten Sie also bitte keine Szene, das wäre nicht gut für Ihren Ruf. Der sowieso schon gelitten hat.“
      Ember bedachte den Mann mit einem höhnischen Blick. Er war vielleicht in ihrem Alter und erhob sich einfach so über sie. Weil er sich offensichtlich für etwas besseres hielt. Arroganz, die ihm irgendwann einmal zum Verhängnis werden würde.
      „Dann warten wir eben“, sagte Ember und bekam dafür einen Tritt gegen das Schienenbein.
    • Vor dem Runden Saal - 20:07 Uhr

      Blut und Schatten.
      Diese beiden Bestandteile schienen den Saal einzunehmen, nachdem August den Kampf eröffnet hatte. Kjetil und Siegfried waren hervor geprescht und hatten sich mit einem Schrei in die Caster geworfen. Die Schreie, welche folgten, fielen unter die Kategorie jener, die man niemals wirklich hören wollte. Schreie, mit Kraft ausgestoßen und doch ab der Mittel regelrecht von einem gurgelnden Geräusch übertüncht, erschollen selbst bis in die Lazarettzelte der Polizei, die mehr und mehr in den Raum flutete.
      Von Außen war ein Donnern und Kreischen zu hören, neben dem matschenden Geräuschen, welche Körper machten, wenn man sie auf harte Oberflächen schlug.
      "Stoppt den Richter!", schrie ein Mann aus weiter Ferne und doch wurde dessen Stimme beinahe abgerissen, als ein Schlag des Richters den Schildzauber eines Casters traf.
      Jegliche Gegenwehr des tapferen Beamten in Ehren, jedoch riss es ihn beinahe in der selben Sekunde von den Füßen, als der Schildzauber unter den diamantenen Fäusten des Richters brach.
      "Einsatzteam Delta", kommandierte Knight in sein Funkgerät, nachdem er sich etwas vom Eingang zurück gezogen hatte. "Zugriff!"
      Die Geräusche von Dutzenden von Schüssen erklangen durch den kalten Vorraum, in dem man Stellung bezogen hatte.
      "Team Alpha", sagte Knight und ging in Richtung des Lazarett Dorfs. "Status."
      "Hier Beta. Team Alpha ist vollständig dem Teufel zum Opfer gefallen", erklang die blasse Antwort.
      "Kacke!", knurrte Knight und nickte zu den Heilern, während er sich zu Sallow und ihren Bewachern kämpfte.
      "Nehmen Sie ihr alle Waffen ab und legen Sie ihr feste Schellen an", zischte er und sah zu der Ermittlerin. "Sie werden sich für all das hier verantworten müssen, Ms Sallow. Es ist ein verfluchtes Desaster. Team Gamma!"
      "Gamma nur noch zu 30 Prozent aktiv. Die Welt konnte fliehen, Sir. Hat aber vorher noch gut 30 Beamte mit einem Schlag mit sich genommen. Der Raum ist partiell zerstö-"
      Der Funk brach in der Sekunde ab.
      AUs der Ferne ertönte ein lautes Krachen, als die Front des Saals zu Staub und Einzelteilen zerfiel.
      "Rückzug!", rief Knight laustark und beorderte die Heiltruppen zu sich. Die Zelte mussten aufgegeben werden, es gab ohnehin keine Überlebenden, wie der Chief befand.
      "Hier Delta-Team", rief eine bekannte Stimme in das Funkgerät. "Konnten den Richter verwunden und haben auch den Teufel mit antimagischen Kugeln erwischen können. Hat wieder seine normale Form."
      "Seien Sie dennoch vorsichtig. Gerade Foremar ist für seine Grausamkeit bekannt. Wenn sie den Richter töten können, haben Sie Schussfreigabe."
      "Sir?"
      "Sie haben mich gehört Piper!"; schrie er ins Funkgerät. "Schussfreigabe."
      Brüllend stachen violette Flammen durch den Raum und züngelten nach den Flüchtenden, während eine in Flammen gehüllte Cassandra phönixgleich aus der Meute erstieg. Durch die fehlende Front ließ sich das Kampfgeschehen gut erkennen. August hielt sich mit seiner Rechten eine tiefe Wunde am rechten Bein zu, während er gleichsam immer wieder Speere beschwor, die er nach den Polizisten warf. Die Teufelsgestalt vermocht er nicht mehr aufzuhalten , aber es reichte, um die Caster in Schach zu halten. Im Raum verteilt lagen unzählige leblose Leiber von Polizisten, die sich türmten wie Leichenberge. Einige von ihnen waren wie von einem Dampfhammer in die Außenwände gerammt worden, wohingehend von weiteren Menschen nur Einzelteile verblieben.
      Es war ein Massaker. Mehr ließ sich dazu nicht sagen.
      Knight sah mit entsetztem Blick zu den Leichen und danach zu den Arkana. Noch immer prügelten Caster auf Siegfried ein, der einfach einen nach dem anderen mit einem magischen Schwert von sich warf. Der Richter, trotz schwerer Wunden, riss gerade eine Polizistin von den Beinen, die mit einem Gewehr auf August zielte.
      Cassandra hatte sich an die Decke geflüchtet und verschwand so eben im Schatten der Schwarzen Stadt, während August einen Blick zu Ember warf.
      In weiter Ferne versteckt, wie es schien. Doch der Blick war nicht erfreut. Vielmehr mischte sich blankes Entsetzen in diesen, als er zu Knight und EMber sah.
      Knight schüttelte den Kopf.
      "Ein Desaster, Ms Sallow", flüsterte er. "Ich hoffe, es freut Sie, dass Sie für sehr lange hinter Gitter marschieren, wenn es nach mir geht!"
      Anschließend drehte er sich zu den übrigen Castern um.
      "Team Eta. Vortreten."
      Aus dem Schatten der bisherigen Heiler trat ein Caster hervor, den man an diesem Ort nicht sehen wollte. Ruairi MacAllisters Gesicht war eine farblose Masse inmitten einer blutigen Schlacht. Keine Emotion zeigte sich auf dem Gesicht des Casters, als er vortrat und nicht einmal einen Seitenblick zu Ember warf, die ihm doch so nahe war. Beinahe konnte er den Duft ihrer Haare riechen. Obschon er es nicht wollte.
      "Eta angetreten", sagte er leise und sah zu dem Schlachtfeld, das einst ein einfacher Zugriff hätte sein sollen.
      So viele Tote..., dachte Ruairi und einen Moment lang stahl sich Trauer wie Wut in sein Gesicht. Knights Entscheidungen waren schon immer grenzwertig gewesen, doch dies hier?! Das war ein Massaker!
      "Lösen Sie diesen Konflikt, MacAllister! Sie haben Tötungsfreigabe", knurrte Knight und wischte sich den Schweiß von der Stirn.
      Kurz fixierten sich die beiden Polizisten und atmeten durch.
      "Vergessen Sie unseren Handel nicht", murmelte Ruairi, ehe er sich in Bewegung setzte und auf die brüllende Masse zuging.

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      The more you drag me to hell
    • Embers Lippen waren zu einem schmalen Strich zusammengepresst. Sie saß verspannt auf dem Schemel während sie versuchte, nicht allzu viel Aufmerksamkeit dem Geschehen zu schenken, dass sich dort abspielte wo sie vor Minuten selbst gesessen hatte. Aber das Beben und die Schreie kamen bis zum Lazarett, wo der dünne Zeltstoff keine wirkliche Barriere darstellte.
      Ember schloss die Augen.
      „Wir haben spätestens nach der Sache mit dem Teufel sowieso damit gerechnet, dass Sie zu den Rogues übergelaufen sind, aber dass Sie tatsächlich auch noch anwesend waren bei deren Versammlung ist schon beachtlich. Wie haben Sie es geschafft? Oder hat es gereicht, dass Sie mit dem Teufel gevögelt haben?“ Der Caster sah Ember nicht einmal an, als er mit scheinbarer absoluten Ruhe diese Fragen stellte.
      Dass er damit vermutlich das Pulverfass gefährlich nah an eine Zündquelle brachte, musste ihm mehr als bewusst sein. „Neidisch darauf, dass ich das geschafft hab, was euch niedrigen Mitarbeitern nicht gelungen ist?“
      Der Caster rümpfte die Nase. „Mich würde eher interessieren, wer Sie vorgewarnt hat.“
      Ember richtete sich auf und holte bereits zu einem bissigen Kommentar aus, da hörte sie eine bekannte Stimme und entdeckte denjenigen, wie er sich durch die umher hastenden Menschen quetschte. „Ich werde mich mit Sicherheit nicht für Ihren misslungen Terrorakt verantworten!“, fauchte Ember zurück und war aufgesprungen, damit sie die Griffel des Caster wegschlagen konnte. „Hände weg, ich kann meine Sachen auch selbst ablegen!“
      Ihre Warnung wurde nur halb beherzigt, als er ihr die Glock, die Magazine sowie die Blendgranate und zwei weitere Wurfmittel abnahm, die sie am Leibe trug. Sichtlich erzürnt ließ sie sich von ihm grob abtasten, hielt aber den Blick eisern auf Knight gerichtet. Bis es erneut krachte und ein heftiger Windstoß die Zelte erfasste. Die Heiler begannen zu kreischen als das Zelt an einigen Stellen riss und Teile wegflogen. Jetzt hatten sie nur noch ein Fetzenzelt, das eher als nacktes Gerüst mit ein bisschen Dekoration durchging. Fast alle Personen, einschließlich Ember, waren in Deckung gegangen bis sich der Wind gelegt hatte und sie das Ausmaß der Zerstörung begutachten konnten. Wenn man das richtig sah, fehlte ein Teil des Gebäudes.
      Das Funkgerät erwachte in Knights Händen wieder zum Leben. Die Stimme klang verzerrt, aber sie kam Ember bekannt vor. Nur zuordnen konnte sie sie nicht. Grob stieß sie beim Aufstehen den Caster von sich weg, der überrascht fluchte und sich beinahe wieder auf sie geworfen hätte. „Knight, haben Sie den Verstand verloren?! Brechen Sie dieses Massaker ab! Jetzt!“, brüllte Ember den Commissioner an, der sie nicht einmal eines Blickes würdigte.
      Violette Flammen brandeten aus dem zerstörten Teil des Gebäudes hervor und wirkten einem Mahnmal gleich. Sie erhellten das Geschehen genug, sodass man einzelne noch stehende Personen ausmachen konnte, die inmitten des Gefechts waren. Sofort suchte Ember nach Personen, die sie kannte. Sie entdeckte den Richter als Erstes wegen seinem Funkeln und wie er eine Polizistin einfach wegfegte. Irgendwo dahinter mähte sich Siegfried durch den Ansturm der Beamten. Und die Speere, die durch die Luft sausten, kannte Ember. Sie folgte ihrem Weg zurück und entdeckte endlich August, der nicht mehr in seiner Teufelsgestalt war und sich nicht mehr viel vom Fleck bewegte.
      Das waren nur eine handvoll der Arkana. War der Rest etwa vollständig geflohen? Selbst der so auf Gewalt versessene Amerikaner? Ember ballte die Hände zur Faust. Sicher, wenn die gesamten Arkana hier gewesen wären, hätten sich die Fronten wahrscheinlich anders geklärt, aber zeitgleich noch mehr Tote gefordert. Trotzdem....
      Mit absoluter Sicherheit konnte Ember es nicht sagen, aber es sah so aus, als würde August zwischenzeitlich in ihre Richtung sehen. Alles, was sie tun konnte, war entsetzt in seine Richtung sehen. Wieder war sie machtlos, ein kleines Würmchen in einem Berg aus Leichen. Ein Desaster war das wahrlich. Eines, das komplett auf Knights Kappe ging und sonst niemanden.
      „Das hier ist allein Ihr Wirken“, grollte Ember zurück, wohl wissend, dass es schlechter für Knights Trupp gelaufen wäre, wenn sie den Saal gestürmt und im Angesicht sämtlicher Arkana gestanden hätten. So gerne hätte sie das ihrem Vorgesetzten genau so ins Gesicht geschrien, aber er hatte sich bereits abgewandt und ein weiteres Team zur Unterstützung gerufen. Wobei Team für eine Einzelperson eine ganz schlechte Bezeichnung war. Aus der Meute der Heiler, die bereits die Lager abrissen, trat Ruairi.
      Embers Augen wurden groß. Er ging an Ember vorbei ohne sie auch nur einmal anzusehen. Sein Gesicht war bleich und für sie nicht abzulesen, was gerade in seinem Inneren vorging. Allerdings war ihr eines klar: Er hätte nicht hier sein sollen.
      „Tötungsfreigabe?“, wiederholte Ember, deren Stimme kaum über das Chaos drang. Knight wollte allen Ernstes Ruairi als Tötungsmaschine da rein schicken. Als etwas, das er nicht sein wollte und vor dem er sich scheute. Sie wusste so, so gut, dass er seine Kräfte so nicht einsetzen wollte und sie war sich sicher, dass er dem Befehl nicht Folge leisten würde. So dumm konnte er nicht sein, schließlich konnte er sich immer noch widersetzen. Er musste ja nicht jedem Befehl einfach so -
      „Vergessen Sie unseren Handel nicht.“ Und Ruairi setzte sich in Bewegung.
      Ember fiel aus sämtlichen Wolken. So sehr, dass sie den Caster, der ihr gerade Fesseln anlegen wollte, einen völlig unvorhersehbaren Kinnhaken verpasste. Taumelnd ging der Caster zu Boden während Ember den pochenden Schmerz in ihrer Faust als Ablenkung willkommen hieß.
      „Ruairi, stop!!“, schrie sie ihm hinterher, aber er hielt nicht ein. „Tu das nicht! Lass den Berg nicht noch weiter durch dein Handeln ansteigen! Lass dich nicht als Waffe missbrauchen, denn das bist du nicht!“ Ihr Blick schoss zu Knight. Er war für den Scheiß hier verantwortlich. Ihn sollte ihre Wut treffen und niemanden sonst.....
      Jemand prallte von hinten in Embers Rücken und riss sie auf den harten Boden. Es entstand ein wildes Gerangel, wo am Ende der Caster auf ihrem Rücken siegte und sitzen blieb, um ihr die Arme hinter den Rücken zu reißen. „Schluß jetzt, Sallow!“, fuhr er sie an und klang nasal, weil ihm Blut aus der Nase lief.
      Ember wand sich mit aller Macht unter ihm bis sie den Rücken von Ruairi ausmachen konnte. „SIE WOLLEN DIR DEN SITZ DES MAGIERS GEBEN!“ Ihre Stimme brach ab als der Caster mehr Gewicht auf ihren Brustkorb legte und ihr damit die Luft abschnürte.
      Das alles war noch kein Desaster gewesen. Denn das würde es, wenn Ruairi sich einmischte.
    • „Ruairi, stop!!“
      Für einen Moment, und war es auch nur eine Sekunde, hielt der Caster inne und blickte entsetzt auf das Schlachtfeld.
      Mehr und mehr Menschen litten unter den Zaubern, die gesprochen wurden. Schildzauber brachen unter Diamantfäusten, ehe die Zauberer wie Puppen durch die Luft geschleudert wurden. Siegfried indes räumte ein beinahe komplettes Einsatzteam von dannen, ehe er sich schnaubend umdrehte und den Caster ansah, der in einiger Entfernung stand.
      Selbst der Deutsche musste für sich anerkennen, dass er ein Monstrum war, dessen Kette man abgeworfen hatte.
      "Ich vergesse den Handel nicht, MacAllister", grinste Knight und sah zu der Ermittlerin, die erfolgreich zu Boden geworden wurde.
      Zurecht, wie er empfand. Selten hatte er ein Fehlverhalten dieses Ausmaßes erlebt. Einige Male wurde das PD bereits hintergangen und auch in seiner Zeit in Wales war es zu Verleumdungen und Verrat gekommen. Aber eine Ermittlerin, die inmitten einer Versammlung der am meisten gesuchten Verbrecher auftauchte war ein anderes Ausmaß. Knights Auge blitzte auf, als er Ember ansah. Sie würde büßen. Mehr und härter als jeder andere.
      Ruairi indes wandte sich kurz zu Ember um und sah sie an. Das erste Mal. Und auch dieses Mal stand keinerlei Emotion in seinem Gesicht. Nur Müdigkeit und Trauer, die seine Augen beinahe erfüllten, als er den Kopf schüttelte. Er hatte gewusst, dass es nicht gut enden würde. Er hatte gewusst, dass er wieder als Waffe eingesetzt würde. Und dass es nun mehr gegen die Arkana ging, war nur Schicksal, nicht wahr?
      "Es tut mir Leid", sagte er und reagierte nicht auf ihr letztes Schreien.
      Lediglich Knight sah zu ihr hinüber und zog die Augenbraue nach oben. Na das war eine interessante Information. Sehr interessant sogar.
      Schweigsam machte sich Ruairi auf den Weg zu den Kämpfenden.
      "Team Alpha, Delta und Gamma: Langsamer Rückzug. Geben Sie dem Eta-Team Raum und verpissen Sie sich."
      Knights Befehl hallte in den Funkgeräten der Polizisten wieder und schien näher zu kommen, als sie den Rückzug aus dem schrecklich zugerichteten Ort antraten.
      August und Kjetil indes hielten ihre Wunden und sahen zu dem Neuankömmling. Im Gesicht des Richters spiegelte sich Erschöpfung und ein Blutfaden rann sein Gesicht hinab. August taumelte leicht und richtete sich unter Stöhnen und Ächzen auf, ehe er keuchend zu Ruairi sah, der langsamen Schrittes auf sie zuging.
      "Wir verlieren", flüsterte der Richter und wies mit der Hand auf eine Wunde in seiner Brust, die vermutlich einen drittklassigen Zauberer direkt getötet hätte. Er blutete stark und selbst Siegfrieds schimmernde Rüstung wirkte nicht mehr ganz so glanzvoll als er sich neben August und Kjetil stellte.
      "Wir können ihn schlagen", sagte er und nickte. "Er ist fähig, aber nicht unschlagbar..."
      "Wir können einen Scheiß", grinste August. Erst jetzt sickerte Blut aus seinem Mund heraus, als er sich aufrichtete und den Nacken einrenkte. "Wir können ihn verwunden und wir können ihn bekämpfen. Aber in einem Krieg gibt es keine Sieger, Siegfried..."
      "Was sollen wir sonst tun?", fragte Kjetil. "Ich ergebe mich nicht. Eher nehme ich diese Bastarde alle mit..."
      "Nein", schüttelte August den Kopf. "Ich bringe euch fort. Dafür gibt es eine Bedingung: Sieg, ich möchte, dass du zu Hakim reist und einen Jungen auf tauglichkeit prüfst. Sein Name ist Einar Kalason. Wir brauchen seine Fähigkeiten, wenn er tauglich ist. Und Kjetil: Wenn die Tage vorüber und der Regen wieder gerade fällt, geh zu Sallow. Und hol sie raus."
      Beide Arkana sahen den Teufel an und waren eine Sekunde lang verwirrt. Schließlich jedoch nickten sie beide. SIe mochten Feinde im Geiste sein, doch die Gemeinschaft war alles, was zählte. Und jeder wusste, dass Augusts Zeit begrenzt war.
      "Gut. Dann nehmt."
      Noch ehe sie reagieren konnten, zog August das gläserne Ei hervor und zertrümmerte es an Siegfrieds Brust, nachdem er die Hände der beiden zusammengelegt hatte. Mit einem kurzen Sirren und einem süßen "Plopp" waren beide Zauberer im Nichts verschwunden. Zurück blieb nur ein Zauberer mit einer bitteren Gewissheit.
      Die Schwingen der Freiheit wurden immer unter hohen Preisen ausgebreitet. Und August war gewillt, den Höchsten zu zahlen. Sachte atmete der Zauberer durch und sah Ruairi an, der bereits die Arme hob.
      Die Aura des Casters war gewaltig und füllte den Raum, in dem sie sich befanden, beinahe mit einem Mal. Die Wände und der Boden zu beiden seiner Seite verflüssigte sich mit einem Mal und fiel in sich zusammen. Gab den Blick auf die schwarze Stadt frei, die in Schockstarre verweilte.
      Mit einem unmenschlichen Brüllen erhob sich der flüssige Stein zu beiden Seiten zu gewaltigen Wellen, die allesamt auf August zielten. Und als die Wände zusammenbrachen, löste August das Siegel auf seiner Brust.

      Knight sah, wie die Welt sich zu verändern begann. Dort, wo eben noch ein Raum gewesen war, stiegen die Bestandteile der Mauern wie eine herabfallende Gischt in die Höhe und bildeten Löwenköpfe aus. Gleich einer Armee von Raubtieren, die zu ihrer Beute hetzten, fielen die Wellen an Steinen und Holz in flüssiger Natur herab und auf den Arkana zu, der vor ihrer aller Augen die letzten Beiden hatte verschwinden lassen.
      "Das darf doch nicht...", knurrte Knight und wirbelte herum.
      Sallow lag noch immer auf dem Boden, mittlerweile begraben unter einem Knie. Nichts lieber als das! Eilig hastete er zu ihr und kniete sich neben sie. Mit findiger Hand packte er sie an den Haaren und riss ihren Kopf hinauf.
      "Nur damit das klar ist, Sallow", zischte er. "Sie werden in einer Zelle verro-"
      "Chief!"
      Knight konnte den Satz nicht mehr beenden.
      Entsetzt riss er den Blick hinauf und starrte auf das Desaster was sich dort abspielte. Aus der Welle an festen Materialien war mittlerweile eine Art Kaskade geworfen, die Augusts Leib in die Höhe geschleudert hatte. Zu aller Entsetzen war der Zauberer wieder in seiner Teufelsgestalt gefangen und grinste verhalten auf den Caster hinab.
      "Seit wann kann er das wieder?! Was ist hier los?!"
      "Hier Delta!", tönte das Funkgerät. "Die Aurenmesser spinnen. Foremars Aura hat sich scheinbar erholt. Er ist stärker als vorher."
      Mit einem Krachen landete August wenige Meter vor Ruairi und grinste ihn diabolisch an.
      Im Rücken des Arkana begann der Boden zu leuchten. Mit ausgebreiteten Armen richtete er sich auf und legte den Kopf schief.
      "Siebte Geheimtechnik", knurrte diese Teufelsgestalt. "Sieben Schwerter."
      Aus dem Nichts und dem nachtschwarzen Himmel fielen sieben Blitze herab, die sich in den Boden bohrten. Jedes einzelne dieser Schwerter galt als legendär und beinahe vergessen für die Menschen. Mit genüsslicher Ruhe griff er nach einem der Klingen und riss sie aus dem Boden.
      "Letzte Chance, Ruairi", wisperte August und wusste sogleich, dass seine Stimme in allen Köpfen widerhallte. "Zieh dich zurück. Bevor ich dir wehtun muss."
      Knight reagierte schneller als Ruairi, indem er sich zu den anderen umsah.
      "RÜCKZUG! Und nehmt diese VErräterin mit!"

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    • Es tat ihm leid? Was tat Ruairi leid? Dass er doch einen verfickten Handel mit Knight abgeschlossen hatte? Dass er Ember jetzt einfach ignorierte, als sei sie nur irgendeine dahergelaufene Beamtin? Es war ihr herzlich egal, dass sie vor sich auf den Boden spuckte, als sich ihr Frust in erstickten Schreien äußerte. Der Caster in ihrem Rücken hatte sichtlich Mühe, das zappelnde Bündel unter sich unter Kontrolle zu halten, aber sein Widerstand hatte schließlich Erfolg. Irgendwann konnte sie ihr Aufbäumen nicht mehr halten und erschlaffte schwer atmend. Auf ihrem Gesicht war Dreck, sie schmeckte Staub und Schutt auf ihrer Zunge. Schließlich konnte sie Ruairis Umrisse nicht mehr am Boden ausmachen und sah auch nicht mehr, was weiter hinten geschah. Frustriert kniff sie die Augen zusammen.
      Dann riss plötzlich jemand Embers Kopf an den Haaren hoch. Sie stöhnte gequält, doch als sie die Augen aufschlug und in Knights hässliche Visage blickte, trübte Zorn allen Schmerz. Was auch immer passiert war reichte, um ihm eine weitere Drohung an sie richten zu lassen. Selbst wenn sie nicht wusste, was es war, schenkte sie ihm lediglich ein spöttisches Grinsen. Noch während er das Grinsen realisierte, unterbrach ihn jemand.
      „Was ist los?!“, keuchte Ember, die das Drama nicht sah.
      Dafür hörte sie allerdings die Berichte der anderen. August war stärker als vorher? Dann war er tatsächlich in Konfrontation mit Ruairi gegangen und hatte was auch immer in Bewegung gesetzt, um gegen ihn bestehen zu können. Das würde ein ernsthafter Kampf werden und nicht nur das bloße Abgleichen von Kräften. „Rufen Sie.... Ruairi.... zurück!“, presste sie hervor, nachdem selbst der Caster auf ihrem Rücken nur noch mit Entsetzen dem Spektakel zusehen konnte. Aber niemand beachtete sie. Das musste auch keiner, denn die Stimme in ihren Köpfen sagte mehr als tausend Worte.
      Knights Befehl wurde gebellt und die Menschen erwachten aus ihren Schockstarren. Es wäre vermessen gewesen zu sagen, dass Panik unter den Anwesenden ausbrach, aber die Hektik sprach schon für sich. Blitzschnell löste sich das Gewicht auf Ember in Luft auf. Grob wurde sie an den Armen auf die Füße gerissen, aber noch immer wehrte sich sie verbissen dagegen, die Handschellen angelegt zu bekommen. Sie erhaschte gerade noch einen Blick auf den schlechten Abklatsch eines Picassos, nur in der Realität übertragen, da löste sich ein anderer vom anderen Ende des Lagers. Es war nur ein Wort, aber das reichte schon aus, damit die eilige Bewegung im Lager kurz stagnierte.
      „ARKANA!“
      Helena Atroska verschmolz dank ihrer Erscheinung beinahe mit den Mauern und Straßen der Schwarzen Stadt. Sie stand einfach nur da, einem Haufen an Polizisten und Castern gegenüber. Neben ihr stand ihr Begleiter, der eine unlesbare Maske aus Anspannung aufgesetzt hatte. Er sah kurz zu Helene ehe er seine Hand ausstreckte und Helena das Amulett an dem dünnen Band, das um ihren Hals lag, in seine geöffnete Hand legte. Sie tauschten ein paar Worte aus, dann trat er taktvoll zurück und eine Aurawelle rollte über den Platz hinweg.
      Ember und der Caster waren herumgewirbelt, als sie das Wort gehört hatten. Als die Welle sie traf, würgten sie kurzerhand einmal kurz auf und dann war das Gefühl schon wieder verschwunden. Offenbar ging es auch den angrenzenden Leuten so, aber dann änderte sich etwas in der Luft. Vor den Augen aller deformierte sich der dürre Körper des Streitwagens, wuchs und verlor seine Haare. Sie stöhnte, als sei es mit Schmerz und Qual verbunden, ihre Gestalt zu verlieren. Nach nur ein paar Sekunden war von dem Streitwagen nichts mehr zu sehen. Nun stand dort ein Mann, nur bedeckt mit einem weißen knielangen Stoffschutz und fast drei Meter groß. Er hatte feuerrotes Haar, das in Wellen weit über seinen Rücken hinab fiel und von einer Art Bandana davon abgehalten wurde, in sein Gesicht zu fallen. Seine Haut glänzte trotz der Dunkelheit und es wirkte, als sei er kontinuierlich von einem Sonnenschein umgeben. Seine bestechend gelben Augen blickten sich um, so als müsse er zunächst einmal verstehen, wo er war.
      Es war eine der Heilerinen, die nach Luft schnappte und der Figur den richtigen Namen gab: „Das ist doch Sol!“
      Sol war der Sonnengott aus einem von Helenas älteren Romanen. Folglich dauerte es nicht lange, bis die ersten Caster ihn angriffen und zu ihrem Leidwesen es mit Feuermagie versuchten. Sol bewegte sich kein Stück als die Flammen ihn trafen. Sie verbrannten seine Haut, versengten ihm Haar und Schurz. Doch nach nur Sekunden hatte er sich vollständig regeneriert. Sein Blick glitt zu den Männern, die ihn angegriffen hatte.
      Und dann schickte er seinen ganz eigenen Feuerball in ihre Richtung.
      Er schnippte lediglich eine kleine, rot glühende Kugel in die Richtung der Caster, die so schnell flog, dass ihnen kein Schutzschild der Welt mehr hätte helfen können. Die Kugel traf den Mann an der Brust und dann explodierte es um ihn herum. Binnen Sekunden stieg die Temperatur auf mehrere tausend Grad und ein gewaltiger Knall begleitete die Verpuffung der Luft. Sämtliche Menschen im Umkreis warfen sich zu Boden, als es Stein und Dreck vom Himmel regnete und nur ein pechschwarzer Brandfleck, noch schwärzer als die Stadt selbst, den ehemaligen Verbleib des Casters und seinen nahestehenden anzeigte. Sol hatte im Umkreis von fünf Metern von der Einschlagstelle einfach alles pulverisiert.
      „Wer von euch ist euer aktueller Anführer? Ich wünsche ihn, zu sehen“, verkündete Sol, der seinen Blick über die Masse an Menschen wandern ließ.
      Embers Blick schoss zu Knight. Wie war ihnen denn nicht aufgefallen, dass sich ein Arkana praktisch von hinten genähert hatte? War das überhaupt erwartet gewesen? Moment... Es gab praktisch keinen Zwischenfall, wo sich der Streitwagen eingemischt hatte. Erst jetzt trat sie in Erscheinung und war nicht wie die anderen geflohen. Sie hatte sich angeschlichen und war unbemerkt geblieben, weil niemand sie auf dem Schirm gehabt hatte. Die Blicke und Aufmerksamkeit war nach vorn gerichtet gewesen und nicht zurück.
      Wieder krachte es hinter ihnen. Jetzt befand sich der Trupp in die Zwickmühle. Hinter ihnen August und Ruairi, vor ihnen der nächste Arkana. Und sie alle mittendrin, mit Heilern und Verwundeten.
    • Konnte das ganze noch mehr ausarten?
      Knights Gedanken rasten, während vor sich die Hölle losbrach. Wie hätte man das Desaster auch übersehen können, was die beiden Kontrahenten dort entfachten? Aus dem Boden, der zwischenzeitlich wieder flüssig wurde, schossen dornenartige Gebilde hervor, die sich sekündlich später wieder verfestigten, sodass es August sichtlich Mühe kostete, sich durch alles hindurch zu finden. Es brauchte eine gute Zeit, bis die beiden endlich aufeinander trafen. August sprang über die heraufbeschworenen Dornen hinfort und mit einem glockenhellen Krachen prallte Schwert und steinerne Wand, die wassergleich aus dem Boden emporwuchs, aufeinander. Mit dem Klang jedoch riss es den Stein entzwei als habe er seinen Schöpfer gesprochen. Wie Staub zerfiel er in ein Sandspiel und Ruairi musste das erste Mal zurückweichen.
      "Du...", begann er und richtete sich auf. "Du beherrschst unsere Magie..."
      August kam zum Stehen und schulterte das Schwert, ehe er das diabolische Grinsen zu ihm richtete.
      "Ich beherrsche sie nicht", kicherte er abartig. "Aber sagen wir einfach, ich kenne Jemanden, der wen kennt."
      "Du...mieses Arschloch..."
      Ruairis Knurren wirkte bereits unmenschlich, ehe er in die Luft schlug und die Form der Luft selbst veränderte. Wütende Hände griffen nach dem Arkana und ließen ihn tanzen. Das Schwert prallte gegen unsichtbare Wände und Hände, die nach ihm griffen, während Ruairi versuchte, ihn mit komplizierten Fingerbewegungen zu fangen.
      "Wegen dir ist Ember...", begann Ruairi doch achtete nicht auf sich.
      Mit einem Mal stand der Teufel vor ihm und der Caster konnte nur den Kopf leicht schräg legen. Vielleicht rettete ihm diese Bewegung das Leben, denn krachend fuhr die Faust des Teufels in sein Gesicht.
      Mit einem hässlichen Geräusch schnappte der Kopf zurück und im Flug in eine harte Wand schaffte er es noch, zwei Finger zu bewegen, damit die Wände von den Seiten her Schlangen ausbildeteten, die aggressiv auf August zuschossen, der sich nur in einer Art Rolle schützen konnte, während er noch in der Luft stand.

      In einer anderen Zeit gefühlt sah sich Knight einem Problem gegenüber.
      Nicht nur, dass das Schicksal offenbar alles daran setzte, ihm seinen Erfolg streitig zu machen. Gleichsam stand hier ein fast drei Meter großer Sonnengott vor ihnen, wo ehemals noch eine schwächliche Frau gestanden hatte. Während die Heiler und Caster auseinander stoben um sich selbst und andere zu schützen, trat Knight furchtlos vor und sah zu der Gestalt hinauf.
      "Wenn du einen Anführer willst, hier bin ich", rief er und breitete die Arme aus.
      Wie konnte ihnen ein Arkana entgangen sein? War er ihnen überhaupt entgangen? Ruhig blickte er zu seinen Teams, die sich alle im Abstand zu dem Sonnengott befanden und die Schildzauber erneut zündeten. War es klug, noch einen Kampf zu suchen?
      "Wir ziehen ab, wenn es das ist, was du willst, Arkana", rief er dem Wesen zu und sah es an. "Ich habe kein Interesse zu einem weiteren Blutvergießen. Also was willst du?"

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    • In diesem Augenblick waren sich der Caster und Ember einig; mit geweiteten Augen starrten sie diesen übergroßen Übermensch an, da beide die Romane nicht kannten, aus denen Sol entsprungen war. Folglich wussten sie beide nicht ganz, wem oder was genau sie da gegenüber standen. Aber die Vorstellung und der Brandfleck waren durchaus beeindrucken. So beeindruckend, dass der Caster den Griff an Embers Handgelenken lockerte, sie selbst jedoch zur Statue erstarrt war.
      Sols Augen richteten sich auf Knight, der mit ausgebreiteten Armen vortrat. Mit großen, langsam Schritten begann sich der Riesenmann dem Commissioner zu nähern. Er musterte den kleinen Mann und seine Mimik hätte nicht ausdrucksloser sein können. „In meinen Zeiten waren die Anführer der Menschen üppiger gekleidet. Pompöser. Lächerlicher.“ Was bei Sol ein Schlendern war, wirkte auf die Umstehenden immer noch eher als würde er schreiten. „Du hingegen siehst erfrischend... unspektakulär aus.“
      Er hielt in ein paar Metern Abstand an, damit sich Knight den Kopf nicht verrenken musste, um zu ihm aufzusehen. Mit jedem Schritt, den die Kreatur näher gekommen war, wirkte es so, als näherte sich ihnen die Sonne höchstpersönlich. Immer wärmer wurde es und sein Schein wurde stetig deutlicher zu sehen.
      Auf Knights Worte hin legte Sol die Stirn in Falten. „Arkana?“, wiederholte er das Wort und dann sah es so aus, als glitt sein Blick durch Knight einfach hindurch. Als wäre sein Bewusstsein ganz weit weg und würde sich mit jemand anderem unterhalten. Das hielt ein paar Sekunden, dann lächelteder überaus ansehnliche Mann. „Ah~, ich verstehe. Nein, ich bin kein Arkana. Man nennt mich Sol, den Sonnengott, und wie du soeben sahst vergieße auch ich kein Blut. Meine Priesterin ersuchte mich soeben und ich bin gewillt zu sehen, was sie damit bezweckt.“
      Seine glühenden Augen, die die Sonne selbst waren, glitten von Knight weg zu den hinteren Parteien. Ember versteifte sich noch weiter und auch der Caster hinter ihr hielt hörbar die Luft an. Die gelben Augen blieben auf ihnen beiden kleben während Sol einmal träge blinzelte und dann nickte.
      In der nächsten Sekunde stand Sol nicht mehr vor Knight.
      Ember bemerkte zeitverzögert, wie es an ihrer Flanke zu brennen begann. So heißt, dass sie für eine Sekunde fürchtete, sie stünde in Flammen. Dann löste sich der Griff an ihren Armen und ein dumpfes Keuchen erklang. Aus dem Augenwinkel sah sie noch, wie der Caster durch die Luft flog und gegen ein Gemäuer prallte, dessen Steine leichte Risse zeigten. Er war so schnell geflogen, dass sie nicht einmal gesehen hatte, mit welchem Körperteil er zuerst aufgeprallt war. Und sie war sogar so langsam, dass sie gerade einmal einen Schritt nach vorn stolpern konnte, da hatte sich bereits der nächste unbändige Griff um ihren Unterarm gelegt.
      Mit einer unbändigen Kraft wurde Ember von den Füßen gerissen. Es geschah mit einer Geschwindigkeit und Kraft, gegen die ihre Muskeln und Gelenke keinen Widerstand leisten konnten. Sol kugelte ihr die Schulter aus als er sie hoch vor sich hielt, damit er in ihr Gesicht sehen konnte. Noch bevor sie seinem Blick begegnete, rollte die Schmerzwelle über sie hinweg und ließ sie aufschreien.
      Zeitgleich lösten sich die nächsten Angriffszauber der Caster im Umkreis. Sie hatten gelernt und kein Feuer mehr auf ihn geschossen, sondern wichen auf Wasser und Erde aus. Die Wassermagie ließ Sol mit einem Fingerschnipsen seiner freien Hand mit einer immensen Hitze verpuffen, den Stalagmiten aus der Erde wich er mit grazilen Schritten aus. Jeder Schritt ließ die Ermittlerin in seinem Griff umher schwanken, was ihr immer neue Schmerzensschreie entlockte.
      „Du hattest recht, sie schreit ja wunderbar!“, frohlockte Sol und sprach mit jemanden, der nicht sichtbar war, während er weiter den Angriffen auswich oder sie parierte. Dann sah er zu Knight. „Ich entlasse euch. Geht wieder an eure Arbeit. Ich lasse mich hier noch ein bisschen unterhalten.“ Das Lächeln auf seinem Gesicht war schön. Grausam schön.
    • Es gibt Dinge, geneigter Leser, die entziehen sich der Logik der allgemeinen Welt.
      Für Solomon Knight war dieser Abend ohnehin schon gelaufen, aber ein Sonnengott?! Gut, wie ein Gott sah er nicht gerade aus, sondern eher wie eine viel zu gut aussehende Fantasiegestalt einer Zehnjährigen, aber dennoch umgab dieses Wesen etwas, das er nich einschätzen mochte. Was jedoch erstaunlich war, war die simple Tatsache, dass die Aura dieses göttlichen Wesens so blass wirkte. Für einen Gott müsste er doch niedertrampelnd mächtig sein...
      Stattdessen war er durchaus mächtig, ja durchaus. Aber göttlich? Knight wagte es zu bezweifeln, während er dem Wesen in die Augen sah und nicht einen Zentimeter weit wich. Wohin hätte er auch gehen sollen? Noch ehe der Chief zu einer Entgegnung gegen den massigen Feind kommen konnte, war dieser vor seinen Augen verschwunden. Und hatte sich die verdammte Ermittlerin gekrallt, ehe Knight herum gewirbelt war.
      "Verdammte...", murmelte er und riss das Funkgerät aus seiner Tasche. "Delta und Alpha: Zugriff und schützen Sie Ember Sallow! Wenn mir einer von diesen Bastarden durch die Lappen geht, hagelt es Kündigungen!"
      Knight selbst begann Maßnahmen einzuleiten. Mit findigen Fingern zog er eine Pistole unter der Jacke hervor. Dieses wäre nichts Besonderes gewesen, wenn die Waffe selbst nicht pompöser Natur gewesen wäre. Der Revolver war ein altes Stück der Marke Peacemaker. Von grober Beschaffenheit und merkwürdig ornamentiert, wirkte sie in der Hand des Chiefs beinahe wie ein Kantholz, das zu einem Schwertkampf gebracht wurde. KnightWaffe.jpg
      Die wenigsten Menschen wussten, mit welchen Kugeln dieser Revolver geladen war. Doch während die Polizisten versuchten, die schreiende Ember aus dem Griff des Monsters zu befreien, der sich offenbar an ihren Schreien labte, richtete der Chief seelenruhig den Revolver auf das Monstrums.
      "Halte es für eine gute Idee, wenn Sie sich jetzt nicht an meiner Gefangenen vergreifen!", rief er dem Monstrum zu und drückte einmal ab.
      Anstatt einer bellenden Kugel, brüllte eine weißlich blaue Stichflamme durch die Luft und schoss nur Millimeter neben der heißen Haut des Ungetüms und an dessen rechter Schulter vorbei.
      "Das ist Drachenfeuer, Jungchen", rief der Chief zog die Nase geräuschvoll hoch. "Das schadet selbst einer S-Klasse-Aura. Also würde ich vorschlagen, Miss Sallow wird herab gelassen und wir alle gehen unserer Wege. Wie klingt das?!"

      An anderer Stelle balgten sich die beiden Zauberer noch immer. Der runde Saal war zwischenzeitlich nicht mehr erkennbar. Wieder und wieder war der Boden verflüssigt oder gar ganz zertrümmert und wieder zusammen gesetzt worden. Die beiden Kontrahenten standen sich keuchend in einigen Metern Entfernung gegenüber und fixierten sich noch immer.
      Wenn Ruairi ehrlich war, brachte ihn dieser kleine Arkana gewaltig an seine Grenze. Blut lief dem Caster aus der Nase und dem Mund. Die ordentliche Kleidung war einem kurz angerissenen T-Shirt und einer zerfledderten Lederjacke gewichen. Während August noch beinahe gut aussah. Die weiße Teufelsform hatte einen beträchtlichen Riss auf der Brust und Blut quoll aus seinem Bein und der Brust selbst. Auch der Arkana keuchte und hielt noch immer dieses merkwürdige Schwert in Händen, was die Magie seiner Schwester inne zu haben schien.
      "Noch nicht genug, tihihihi", kicherte August und richtete sich unter Stöhnen auf. "Kann den ganzen Tag so we-"
      "Ja, ja. Weitergehen, du mich auch", knurrte Ruairi und stemmte sich ebenfalls in die Gerade. "Wir haben beide nicht die Energie für einen stundenlagen Kampf. Was sagst du. Letzter Schlag?"
      "Worauf du einen lassen kannst..."
      Beide atmeteten durch und schossen wie Pfeile durch die Luft, als sie ihre letzten Schläge ausholten. August hüllte seine Faust und das zugehörige Schwert in die Zerfallsmagie seines Freundes, wärhend Ruairi die Spitze seiner Macht hervorbrachte und die Luft vor seiner Faust zu einer steinharten Masse verdichtete.
      Jedoch unterbrach den Kampf das Unscheinbarste, was man auf einem Schlachtfeld erwarten würde.
      Ein Schrei. Geschrien von einer Frau, die sie beide kannten. Deren Geräusche sie anderer Natur (unbewusst voneinander) zu deuten wussten. Doch ein gequälter Schrei?
      Just in der Sekunde stoppten beide nur Millimeter von des anderen Gesicht und sahen sich fragend an.
      "Du hörst das auch, oder?", fragte August und Ruairi nickte.
      "Du willst dahin?", fragte er und August nickte.
      "Gut, Waffenstillstand für fünf Minuten?"
      "Fünf Minuten!"
      Für einen Moment schien die Zeit stillzustehen, als die beiden Zauberer sich aus der angespannten Haltung befreiten und zu dem Ungetüm sahen, das Ember in seinen Griffeln hing.
      "Sol", bemerkte Ruairi. "Der Sonnengott."
      "Hab Götter schon immer gehasst", knurrte August und lockerte seine Schulter, deren Panzer gebrochen war.
      Gemeinsam wandten sich die Zauberer zu dem Monstrum und der schreienden Ember und begannen, in aller Seelenruhe auf die merkwürdige Szenerie zuzugehen. Die Auren beider Zauberer glichen Inferni, die sich mehr und mehr Bahn zu brechen schienen. Mit jedem Schritt, den Ruairi tat, schien die Welt um ihn zu verschwimmen, als greife die Aura und die Manipulation bereits ohne KOntrolle auf die Welt über.
      August indes schien die Zerstörung in Person zu sein, als bei seinen Schritten der Boden Risse bekam.
      Beiden Zauberern stand Wut im Gesicht, die einer Fratze gleich kam, als sie den Sonnengott ansahen. August zögerte keine Sekunde. Mit einer kurzen Handbewegung entstand einer seiner leuchtenden Speere, die sich aus roher, einfacher Magie zusammensetzten und schoss mit einer werfenden Bewegung auf den Sonnengott zu. Just in dem Moment, als die Drachenflamme seine Schulter verfehlte, verfehlte auch der Speer knapp das Ziel der Begierde: Den Kopf des Ungetüms.
      "Ist ein schlechter Zeitpunkt für eine Rebellion Atroska!", rief August herüber und grinste bestialisch. "Schlage vor, du lässt sie runter, bevor ich deinen Gott auf Gartengröße stutzen muss!"

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    • Das, was in dem Gesicht dieses Möchtegerngottes stand, war am ehesten mit Amusement zu beschreiben. Es bereitete ihm offensichtlich Freude, die Angriffe zu brechen, die man auf ihn warf, oder ihnen grazil auszuweichen. Trotz seiner schieren Größe schaffte es einfach niemand, ihn ernsthaft zu treffen. In der Zwischenzeit hatte sich die immer noch stöhnende und zwischendurch aufschreiende Ember mit ihrer anderen Hand an dem massigen Handgelenk ihres Gegners festgekrallt. Kaum hatte sie ihre Finger in seine Haut geschlagen, schrie sie erneut auf und zuckte fast weg. Aber dann würde sie wieder an ihrem ausgekugelten Arm allein hängen. Also riss sie sich zusammen und ertrug das gleißende Feuer, das ihre Finger zu verbrennen suchte.
      Sol lachte. Ein glockenhelles Lachen, das einem beinahe die Knie weich werden ließ. „Du begehst den Frevel und berührst einen Gott?“ Offenbar war es sein Tun, dass sie ihn eigentlich nicht berühren sollte. Allerdings wurde Sol von Knight abgelenkt, der gerade eine Waffe zog. Er hielt in seinem Getanze inne, um sichtlich interessiert den Peacemaker zu betrachten, während das Grauen in Ember neue Maßstäbe erreichte. War Knight völlig durchgedreht?! Das Monster konnte sie doch einfach vor sich halten wie ein dünnes Fleischschild! Offenbar scherte sich Sol nicht sonderlich darum, denn er trat gerade höchst erfreut einen weiteren Polizisten einfach von sich, der über Meter fort flog. Hätte Knight nicht vorher was gesagt, wäre sein Schuss vermutlich ein Treffer gewesen. Denn Sol kannte aus seinem Entstehungsroman keine Schusswaffen. Es war einzig den Worten geschuldet, dass er seine Aufmerksamkeit auf den mickrigen Menschen richtete, der abdrückte und eine grelle Flamme in seine Richtung schoss. Der Schrei, der sich jetzt von Ember löste, war Panik gemischt mit Schmerz, als Sol in letzter Sekunde weg zuckte und das Feuer an seiner Schulter ins Nichts verlief.
      „Drachenfeuer? Solange es nicht aus dem Schlund einer großen Bestie stammt, kann es keines sein!“, tadelte er Knight, doch er musste zugeben, dass das Feuer, möge es ihn auch nur hauchzart gestriffen haben, furchtbar brannte. Er war so fixiert auf den jämmerlichen Menschen vor ihm mit der Knallbüchse, dass er die eigentliche Gefahr gar nicht auf dem Schirm hatte. Jedenfalls bis zu dem Zeitpunkt, in dem ein gleißender Speer an seinem Ohr vorbei zischte. Selbst seine maßlose Arroganz ließ nicht zu, dass Sol dem Speer beeindruckt hinterher sah.
      Ember allerdings nicht. Sie hatte die Zähne so hart aufeinander gebissen, dass eigentlich schon Zahnschmelz hätte splittern müssen. Irgendwelche Laute drängten stetig aus ihr hervor, die aller Wahrscheinlichkeit nach Flüche und Beleidigungen waren. Sie versuchte alles in ihrer Machtstehende, um den Griff zu lockern, doch vergebens. Der Speer ließ sie jedoch verstummen, ihr Kopf ruckte herum bis sie August und Ruairi fixierte. Sie hatten.... aufgehört gegeneinander zu kämpfen. Trotzdem zeigte sich keinerlei Erleichterung auf ihrem Gesicht. Da standen zwei Zauberer, beide nicht mehr unbedingt dazu aufgelegt, viel um den heißen Brei herum zu reden. Beide waren mehr als lädiert und tatsächlich war der Teufel wieder zurückgekehrt.
      Das Lächeln kehrte allmählich in Sols Gesicht zurück als er August musterte. „Das kommt mir doch eher bekannt vor! Bist du einer von Kalos' Schergen?“
      „Loslassen, du dreckige Stück Ab-“, schrie Ember den Gott an bevor ein weitere Speer geschickt wurde und Sol sich seitlich wegdreht. So schnell, dass die Ermittlerin durch die Luft gerissen wurde und nur haarscharf den Speer verfehlte. Vermutlich eine Warnung seinerseits.
      Wie erwartet machte Sol keine Anstalten, Ember freizugeben. Stattdessen hielt er sie am langen Arm vor sich, zwischen August und sich selbst. „Sie hat ein entzückendes Stimmchen, das ich nur ungern teilen würde. Aber du kannst sie im Anschluss gern haben.“
    • Ich weiß nicht, ob du an mich dachtest,
      Ab und zu des Nachts erwachtest,
      Ob du immer einsam schliefst,
      Doch nicht alleine,
      Blieb ich danach doch stets zutiefst
      Der deine.
      [ASP - Zutiefst]


      Es brauchte nicht mehr, als diese paar Worte.
      Der getretene Polizist krachte in die Trümmer der schwarzen Stadt und regte sich nicht mehr. Knights Blick huschte in der Sekunde herüber, in welcher August und Ruairi ihren Angriff begangen.
      "Bitte nach dir", murmelte August und begann auf dem flüssig werdenden Boden auf den Sonnengott zuzustürmen. "Dreh ihn zu mir!"
      Ruairi indes blieb stehen und sah zu dem Ungetüm hinauf, das sich wie ein Hochhaus anfühlte. Diese Arkana musste er danach dringend sprechen. Eine derartige Macht galt es zu kontrollieren. Dabei hatte er August bereits für ein Monster gehalten. Ruairi streckte die Arme über sich aus und schien in die Luft zu greifen. Wo bei einem normalen Zauberer nichts als Luft zu sein schien, erfasste er mit seinen in Aura getränkten Händen die Realitätsschichten und griff danach. Von der Ferne sah es so aus, als griffe er in einen unsichtbaren Vorhang. Doch anstelle von Luft griffen seine Finger in scheinbar festes Gewebe und die Welt schien sich zu verschieben. Die Aura des Zauberers glitt in die Luftschicht und verfestigte sie mehr und mehr, je mehr Aura er hinein pumpte und sich sichtlich anstrengte. Er hatte schon oft ganze Flächen der Realität verändert. Aber noch nie so eine große.
      Als er spürte, dass es gut war, begann Ruairi zu schreien und mit seinem Schrei riss er die Hände nach unten, als wolle er den Vorhang vom Geländer reißen. Mit einem kreischenden Ächzen dehnte sich der Raum um sie alle herum und der festgewordene Himmel, unsichtbar und finster, krachte auf den Sonnengott herein. Dutzende aus verfestigter Luft geformte Fäuste brachen auf das Ungetüm nieder und nahmen die Faust ins Visier die Ember hielt.
      Es reichte offenbar, den Arm ein wenig abzusenken. Noch während das Ungetüm zu taumeln schien, drehte Ruairi seine Hände und verflüssigte den Boden zu seinen Füßen. Einerseits damit es einsank und andererseits um Ember zu fangen, sollte sie fallen.
      August hatte sich indes durch die Fäuste geschlängelt und war am Arm des Ungetüms hinaufgesprungen.
      Noch im Laufen griff er auf eine Magie zu und seufzte, als sie einen Großteil seiner Macht aufzehrte.
      Schmerzverzerrt schreiend brachen aus seinem Rücken und den Schultern zwei weitere Arme auf seiner rechten Seite hervor, die sich allesamt mit der Teufelsmagie umhüllten. Es war zumindest besser als mit nackter Faust zuzuschlagen.
      "Achte Geheimtechnik", murmelte er und sprang ab. "Daidalos!"
      Noch ehe der verfluchte Sonnengott seinen Kopf richtig wenden mochte, schlug August mit drei magieummantelten Fäusten nach seinem Gesicht. Sollte er sehen was er davon hatte.
      "Kalos am Arsch!", zischte August. "Keine Ahnung, wer das ist."

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    • Sol war ein Gott, eine mächtige Einheit, die die gesamte Schwarze Stadt in Trümmer legen konnte, wenn er denn so wollte. Aber dank der Geschichte, in den Helena ihn geschrieben hatte, war er alles andere als fehlerfrei. Er war nicht allmächtig und vor allem arrogant und überheblich. Aus seinem Roman war es es gewohnt, dass er eine Rebellion von tausenden Menschen mit einem einzigen Sonnenball beenden konnte. Aber das war gewöhnliche Sterbliche gewesen und keine Zauberer, die ähnliche Macht zur Verfügung hatten wie er selbst.
      Folglich unterschätzte Sol seine Gegner maßlos. Dabei traf es Ruairi sogar noch härter, denn der popelige zerrupfte Mann fuchtelte nur in der Luft herum, während sich ein Scherge Kalos' ihm direkt zuwandte und offenbar dieses Weib wiederhaben wollte. Viel zu spät bemerkte er, wie der sprichwörtliche Himmel ihm auf dem Kopf fiel. Ein Ruck ging durch den massigen Leib und Ember schrie erneut auf, teils aus Panik, teils aus Schmerz. Der ganze Arm, an dem sie hing, bebte und vibrierte, als Sol leicht in die Knie ging und seine volle Größe erst zurück erkämpfen musste. Er hatte so viel Gewicht auf seine Faust bekommen, dass sein Arm mit Ember noch weiter absackte, sie aber immer noch nicht loßließ. Weder Ember noch Sol hatten August laufen sehen, dafür aber durchaus schreien. Während Ember den Teufel im Sprung sah, wurden ihre Augen groß. So viele Arme hatte sie bei ihm ganz bestimmt noch nicht gesehen. Ihre Augen wurden sogar noch größer als sie realisierte, dass der Schlag sitzen würde. Ein erneuter Ruck ging durch den Sonnengott, als die Fäuste seinen Wangenknochen trafen. Augenblicklich begann es laut zu zischen und dann wurde Ember nicht mehr gehalten.
      Sie fiel.
      Das kam so überraschend, dass sie nicht einmal einen Laut hervor bekam. Sie war sogar perplex, dass sie nicht einmal zum Boden sah, wo sie garantiert gleich aufschlagen würde. Doch der erwartete Aufprall blieb aus; stattdessen tauchte sie in den Boden ein, der zäh wie Sirup war und ihr eine unrühmliche Landung vereitelte.
      Sol hingegen wirkte wie eingefroren, so wie auch August, dessen Fäuste noch immer an dem gewaltigen Gesicht hingen. Als hätte man sie dort festgeklebt. Es zischte immer lauter, langsam wandten sich die sonnengelben Iren dem Teufel an seiner Wange zu. Das Zischen entstand zwischen der Aura und Sols Haut, die rot zu glühen begonnen hatte und sich geradewegs durch die Magieummantelung fraß. Nun war seine rechte Hand frei, und mit der griff er mit einer wahnwitzigen Geschwindigkeit nach August, den er wie eine Spielfigur aus der Luft fing und mit vollem Schwung in die entgegen gesetzte Richtung warf. Genau auf eines der größeren Gebäude der Stadt zu. Dann nutzte Sol diesen Schwung und richtete seine Aufmerksamkeit auf den anderen Menschen. Der, der so unscheinbar wirkte. Noch während Sol seine Hand zurückholte, ballte er die Faust bis auf einen ausgestreckten Zeigefinger. Über der Spitze bildete sich ein kleiner, hellgelber Ball, der Funken schlug. Mit einer weiteren werfenden Bewegung schickte Sol dieses Geschoss, eine Minisonne, in Ruairis Richtung.
      Ember hatte sich derweil gerade einmal aus dem verflüssigten Boden empor gekämpft, da sah sie August noch fliegen und den Flammenball für Ruairi. Das war doch wahnwitzig....
    • Es brannte.
      Es brannte sich ein. Es war selten, dass Jemand seine Ummantelung aufbrechen konnte. Normalerweise war es nur unter großen Strapazen möglich?! August sah für den Bruchteil einer Sekunde zu dem Massaker, dass seine Hand versengte und riss diese in dem Moment zurück, als er von dem Ungetüm ergriffen wurde.
      Der Zug an seinem Leib war übermächtig und keiner Gegenwehr möglich, als es ihn Übelkeit erregend in eine andere Richtung schleuderte. Ungebremst und beinahe wenig schlagfertig krachte der Zauberer in eines der Gebäude der schwarzen Stadt, welches bedrohlich zu wanken begann. Ohne ein loch in die Fassade zu brechen verblieb der Leib des Teufels für kurze Zeit an dem schwarzen Stein, ehe er wie ein nasser Sack zu Boden fiel und sich den Rücken rieb. Ein dünnes Rinnsal Blut quoll aus seinem Mundwinkel, als er sich aufrichtete und die übrigen zwei Arme wie tot zu Boden fielen.
      Ächzend richtete er sich auf und drückte den Rücken gerade, während er innerlich über sein Alter schimpfte. Warum waren diese Pimpfe allesamt agiler als er? Auch wenn er zuvor noch gegen Ruairi und diverse Caster hatte kämpfen müssen, hatte er sich mehr Kondition zugetraut.
      Die Hitze der Minisonne brannte August auf seinem verhüllten Gesicht, ehe er zu Ruairi sah.
      Dieser wurde von diesem Mistding auch noch getroffen! Mit einem Krachen prallte die Minisonne vermeintlich gegen den Zauberer und hinterließ schönes Chaos. Erst als der Rauch sich verzog offenbarte sich eine gewaltige Steinhand, die den Zauberer umhüllt hatte. Ärgerlich dreinblickend trat Ruairi aus dieser heraus und sah zu August.
      "Schon fertig?", grinste er schief.
      "Kann den ganzen Tag so weitergehen", rief August. "Würde vorschlagen, wir verpassen ihm noch ein, zwei und dann können wir uns weiter verhauen."
      Ruairi konnte nicht anders und lachte auf. Als würde einer von ihnen beiden noch stehen können. Den Caster plagten seit dem Nutzen seiner Kraft rasende Kopfschmerzen, die langsam seine Finger und Beine tangierten.
      "Einen Vorschlag?", rief er August zu.
      "Eine Idee", nickte dieser. "Er darf nicht weg! Gib ihm Beschäftigung."
      Die Ablenkung war schnell geschaffen. Mit einer Art ausrollenden Bewegung spannte der Caster seine Aura in einem gewaltigen Kraftakt über den Boden aus und verflüssigte diesen. Mit dem Gedanken an einen Dornenteppich stachen gewaltige Steindornen hervor, die sich in der Sekunde, in welcher sie zur vollen Größe auswuchsen verfestigten.
      Mit einem Krachen schossen hunderte von Dornen aus dem Boden vor dem sogenannten Gott, während August sein Schwert wieder beschwor.
      Er konnte die Zerfallsmagie nicht kontrollieren aber wenn er sie mit seinem Schwert verschmolz...
      Die Klinge begann leicht zu zittern und sich schwarz zu färben. Mit einem Grinsen sah er zu dem Monstrum hinauf und atmete aus. Mit dem nächsten Schritt setzte er zu einem Sprint an. Drei, vier weitere lange Schritte und der Rogue war im Nichts verschwunden, aufgesogen von der Welt selbst wie es schien.
      Und das nur, um neben dem Gesicht des Ungetüms aus dem Nichts aufzutauchen und mit dem Schwert nach dem gewaltigen Hals zu schlagen.

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    • Ember versagte schlichtweg der Atem als sie tatenlos dabei zusehen musste, wie August wie ein Spielball einfach weggeworfen wurde und erst von einem schwarzen Mauerwerk gestoppt wurde. Als er hinunter fiel verlor sie den Blick auf den Rogue.
      Dafür war sie herum gewirbelt und sah gerade noch, wie der Sonnenball auf Ruairi niederging. Sie presste sich flach an den Boden und hielt schützend die Hände über ihren Hinterkopf, als es krachte und eine Rauchwolke explodierte. Die sengende Hitze verschwand und zaghaft hob sie den Kopf, um durch den Rauch zu sehen, das Ruairi unbescholten aus einer gigantischen Steinfaust trat. Verrückt. Das war nicht nur ein Monster am Werk, sondern drei, und sie steckte mittendrin.
      Sol hatte indes bemerkt, dass sich die Menschen um seinen Standort verstreut hatten. Er richtete den Blick zu Decke, die nicht wirklich eine Decke war, und seufzte, da er keinen Himmel ausmachen konnte. Er fühlte sich nicht besonders gefährdet oder gefordert, beides wäre ihm recht gewesen, und so fing er an, sich langsam eine andere Beschäftigung zu suchen. Diese entpuppte sich schnell als Dornen, oder eher überdimensionierte Stacheln, die vor ihm aus dem Boden brachen und ihn ernsthaft grinsen lassen. Ein Spiel. Als etwas anderes sah er es nicht an. Mit einer ausladenden Bewegung trat er gegen die Stacheln, die splitterten und brachen. Bruchstücke flogen in sämtliche Richtungen und entwickelten sich zu tödlichen Geschossen, die so manch entfernten Beamten unerwartet aufspießten.
      Dann hielt er jedoch plötzlich inne. Selbst mit seiner maßlosen Arroganz konnte Sol nicht nicht bemerken, dass sich da gerade Großes am Boden hinter ihm abspielte. Er warf einen Blick über die Schulter, wo er den Schergen Kalos' entdeckte, der wieder dazu ansetzte, ihm nach seinem hübschen Gesicht zu trachten. Gerade wollte er sich lachend abwenden, da verschwand der Teufel. Das löste etwas in dem Gott aus, was er sonst so selten kannte: Argwohn.
      Besagter Argwohn bestätigte sich, als er diese widerwärtige Macht plötzlich in unmittelbarer Nähe spürte. Er war schnell genug, als dass er den Angriff kommen sah und noch immer mit einem Lächeln, das überhaupt nicht angebracht war, seine Hand flach zwischen sich und den Teufel schob. Eine Barrikade, die so ein winziges Schwert niemals überwinden wird.
      Und dann schlug die Klinge in seine Hand ein und grub sich zwischen Daumen und Zeigefinger in seine Hand. Sols Augen weiteten sich, als die Klinge auf Widerstand traf und so viel Kraft aufbrachte, dass sie seine Hand tatsächlich wegschlug. Überraschung stand in den grellgelben Iren, als er dem ausladenden Schlag nicht mehr weichen konnte und das Schwert die nächste Stelle traf. Erneut trieb sie sich in das Fleisch, das gar keines sein sollte. Lila Flüssigkeit preschte aus dem Schnitt hervor, den das Schwert verursachte und trieb Sol zu einer Kurzschlussreaktion. Mit ungezähmter Gewalt schlug er seine geballte Faust frontal gegen den Schergen, direkt gen Boden. In einer geraden Linie wurde August in den Boden katapultiert während Sol zwei Schritte zurück taumelte. In seinen Augen stand Unglaube, als er seine lila befleckte Hand anstarrte, die er sich an seinen Hals legen musste. Doch sie stoppte den Fluss nicht. Was genau ihn am Ende ritt, würde wohl nur er selbst sagen können, denn da ging der Sonnengott in die Knie. Sein weißer Lendenschurz bauschte sich auf dem Boden als er das Gesicht verzog und tatsächlich Wut empfand. Wut darüber, dass irgendeine Witzfigur es geschafft hatte, ihn zu verwunden. Und Angst darüber, dass er überhaupt verwundbar war.
      „Beim nächsten Mal reiße ich dir deine dürren Ärmchen einzeln aus“, knurrte er und seine Umrisse wurden unscharf. Dann verlor sich seine Größe, er schrumpfte und verlor seine Haare. Die Verwandlung ging praktisch rückwärts vonstatten bis am Ende eine mickrig wirkende Helena zusammengesunken am Boden saß. Ihr Kopf war vorn über gebeugt und hätte sie nun noch weiße Sachen getragen, wäre sie eine verdammt gute Kopie aus 'The Ring' geworden. Auch sie hielt sich eine Hand an die Seite ihres Halses, wo es rot zwischen ihren Fingern hervor quoll. Im nächsten Augenblick riss sie den Kopf hoch, Zorn entstellte ihr eingefallenes Gesicht.
      „DU DEGENERIERTE PISSNELKE“, schrie Helena unvorhersehbar, Speichel rann an ihrem Kinn herab während sie August fokussierte, der inzwischen aus dem Boden auferstanden war. „DU HAST MIR FAST DEN KOPF ABGESCHLAGEN, DU ELENDE MISSGEBURT!“
      Ember starrte die zerbrechlich wirkende Frau völlig entsetzt an. Das war ja überhaupt kein Vergleich zu der Frau, die im DnD gesessen und mit ihnen Tee getrunken hatte. Waren das Nebenwirkungen ihrer Magie?
      Aus dem Hintergrund löste sich eine Figur. Der großgewachsene Mann, der Helena auf Schritt und Tritt begleitete, kam zu ihr gerannt. Er fiel an ihrer Seite regelrecht auf die Knie und hielt ihr grob den Mund zu, als sie zu einer weiteren Tirade ansetzte. Dass sie dabei immer mehr Blut aus ihrer Wunde presste schien sie scheinbar nicht zu stören.
      „Verdammt, Helena. Halt doch einmal deinen Mund...“, murmelte David leise und ignorierte ihre Finger, die sich wie Krallen in seine Hand schlugen. Mit seiner freien Hand kramte er ein Amulett hervor und streifte es ihr umständlich über den Kopf. Fast augenblicklich fiel eine Anspannung von ihren Schultern und sie wurde schlaff.
      Diese seltsame Szene beobachtete Ember ein paar Momente, bevor sie sich eines Besseren besann. Mit einem nicht minder grimmigen Gesicht kämpfte sie sich auf die Beine, nachdem sie endlich wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Dann musterte sie erst August finster, dann Ruairi.
      „Habt ihr den Verstand verloren?!“, fauchte sie die Beiden an während ihr ausgerenkter Arm noch immer an ihrer Seite baumelte. „Ihr sollt euch nicht gegenseitig bekriegen sondern hättet dieses völlig sinnlose Abschlachten unterbinden können! Warum sind denn wohl sonst die anderen Arkana alle abgehauen, hm? Ruairi, was für eine verfickte Abmachung sorgt dafür, dass du wie eine kopflose Tötungsmaschine da rein gehst?? Was stimmt denn nicht mit euch?!
      Da lag nicht nur bodenloser Zorn in ihrer Stimme, sondern auch Frust. Verzweiflung. Fassungslosigkeit. Zu viel, als das man jede Nuance hätte benennen können. Zur Hölle, sie wusste ja nicht einmal, was für ein Gesicht sie gerade machte.
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