[2er RPG] Dusk & Dawn [Asuna & Nico]

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • „Dinge kontrolliert zu überprüfen und völlig hirnloses Ausprobieren sind zwei verschiedene Paar Schuhe, August.“
      Und was passieren sollte? Alles. Wirklich alles. Wenn Ember eines mittlerweile hatte lernen dürfen, dann dass es in den meisten Fällen immer anders lief, als sie es sich ausgemalt hatte. Das war damals schon so gewesen, als sie August aus dem Evenstar geholt hatte und damit erst das ganze Chaos in Gang gesetzt hatte. Oder dass sie einem Sharokh gegenüber gestanden hatte. Allein.
      „Irgendwie ziemlich harmlos. Wenn man keine Sanktionen fürchten muss. Ungewöhnlich, wie ich finde“, bemerkte sie schließlich wieder ruhiger und musterte den Bildschirm des Handys, das gleich die Installation abgeschlossen haben würde. Ember musste August das Handy entwenden. Sonst würde er genauso unbedacht die App starten, obwohl er weniger Ahnung von Smartphones als ein Sechsjähriger hatte. „Selbstverständlich gibt es mehr Reime. Ich geh stark davon aus, dass man in dieser App sowas wie eine Anleitung bekommt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Anleitung genau das sein wird: Eine Ansammlung dieser Reime.“
      Wieder ging ihr Blick zu ihrem Würfel. Natürlich juckte es auch in ihren Fingern, ihren Würfel erneut zu werfen und zu schauen, ob sie ebenfalls Zugang zu der App bekam. Aber ihr Verstand hielt sie erfolgreich davon ab, es zu probieren.
      „Meinst du, wir haben dafür noch Zeit? Je nachdem wie morgen ausgeht werden wir wohl wenig Zeit dafür haben. Und jetzt spontan in die schwarze Stadt zu gehen trägt wahrscheinlich auch wenig Früchte. Wir wissen ja nicht, ob derjenige überhaupt da ist. Oder?“
      Ember warf einen Blick auf die Uhr auf dem Display. Mitternacht war schon durch. Und Ruairi hatte nicht auf ihre SMS reagiert. Vielleicht schlief er ja schon.
      „Rein vom Ablauf her wäre es sinnvoll, wenn wir uns auf morgen Abend vorbereiten. Heißt, ich muss im Laufe des Tages Ruairi dazu kriegen, dass er die Caster hier absetzt. Wir sollten uns Gedanken darüber machen, inwiefern die Versammlung aus den Angeln laufen könnte und wie wir am besten damit umgehen. Ich werde vermutlich versuchen, irgendwie vor dem Richter abzuhauen. Und du solltest zusehen, dass man dich nicht auch noch einen Kopf kürzer macht. Dann können wir unsere ganzen Pläne nämlich direkt streichen.“
    • Im Grunde genommen war es ein eiliger Plan. Der Zauberer bemerkte Embers neugierigen Blick in Richtung seines Handys und grinste schief. Erst danach steckte er es in seine Hosentasche und klopfte darauf. Ein Zeichen, dass sie es nicht versuchen sollte. Jeder hatte seinen Weg. Und wenn sie ihren nahmen würden sie nie voran kommen. Vorsicht war gut, aber führte zu Angst. Und Angst war der Todfeind.
      "Verstehe...", bemerkte er und nickte. "Das ergibt Sinn. Dann würden mit der App die Regeln und Spieler vielleicht offenbar. Vielleicht kommen wir auch an den Gamemaster heran..."
      Auf ihre übrigen Anmerkungen hin hatte er nur ein müdes Lächeln übrig.
      "Ja, das ist wahr. Ich denke auch, dass es besser wäre, sich erst auf Morgen vorzubereiten. Ich werde derweil versuchen, in der schwarzen Stadt nach der Person zu suchen. Ich werde ab Mittag wieder hier sein, also bliebe genug Zeit. Ich bereite den Kofferraum entsprechend vor. Es ist wichtig, dass ich die Herren sehe, bevor sie den Auto entsteigen, damit ich die Duplikate anfertigen kann. Erst danach sollten wir sie aussteigen lassen. Perley wird sie hierher bringen und wir können..."
      Können uns auf die Versammlung begeben, die meinen verfluchten Arsch kosten wird, wenn Prestegaard das Opfer nicht akzeptiert. August schloss kurz die Augen und rieb ich über die Stirn.
      "Es ist nicht ganz so einfach fürchte ich", bekannte er und lehnte sich zurück. "Bis morgen habe ich einen Fluchtplan. Es gibt da ein magisches Artefakt was uns helfen könnte. Eine Art Stein, der mit einem magischen Ort verbunden werden muss. Bei Zerbrechen des Steins wird der Kontakter sodann in das andere Sein gezerrt. Eine Art Teleporter sozusagen. Es ist die einfachste Methode. Und ich komme dort schon irgendwie raus. Es ist ja nicht so, als hätte ich Niemanden auf meiner Seite."
      Das Grinsen, das er in den Raum warf, war freudlos, wenngleich ehrlich gemeint.
      "Du solltest etwas schlafen", sagte er und wies mit dem Daumen nach oben. "Wenn du möchtest, kannst du hier schlafen. Dann müsstest du nicht zurück..."


      Spoiler anzeigen
      für morgens im Büro:
      Ruairi noch nicht da, Zettel an der Tür von Embers Büro: "Bitte sofort aufsuchen. Rücksprachebedarf. Knight."

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    • Mehr als theatralisch rollte Ember mit den Augen, kaum hatte August das Handy in seiner Hosentasche verschwinden lassen. Wie ein kleines Kind würde er sich sträuben, sein Spielzeug wieder herzugeben. Auf der einen Seite wollte sie es ihm auch gar nicht entwenden, sie gönnte es ihm ja. Auf der anderen Seite war da immer noch dieser bedrohliche Timer, der in ihrem Hinterkopf lauerte und nur darauf wartete, ihr wieder die Gedanken schwarz zu färben und sie in dunkle Gefilde zu stoßen.
      „Also bist du die restliche Nacht unterwegs, ja?“ Ember musterte August mit einem nicht wirklich zu deutendem Ausdruck. „Wenn du dich wieder irgendwo verrennst, dann finde ich dich vermutlich nicht nochmal so schnell. Du siehst also besser zu, dass du wirklich wieder gegen Mittag hier bist.“
      Schließlich seufzte sie beherzt auf, griff nach ihrem gelblichen Würfel und steckte ihn zurück in ihre Hosentasche. Dann stand sie auf und sammelte das Geschirr ein, das sie zur Spüle brachte. Perley würde sie ankeifen für ihre Undankbarkeit, nicht mal das Essen aufgegessen zu haben. Auch darauf war sie nicht wirklich erpicht. Dafür spürte sie bei praktisch jeder Bewegung Augusts Blicke im Rücken. Ein Lächeln stahl sich auf ihre Lippen, ungesehen und unbeantwortet.
      „Weißt du, ich hab mich ja bei der Arbeit morgen krank gemeldet. Eigentlich, weil ich dachte, dass du immer noch halbtot irgendwo liegst und nie wieder aufstehst. Also kann ich heute in der Tat zubringen, wo ich möchte.“ Wobei sie ein seltsam flaues Gefühl in der Magengegend überkam. Es waren die verschiedensten Umstände gewesen, in denen sie zusammen in einem Raum geschlafen hatten: In Embers Wohnung, als sie ihn auf ihrer Couch hatte nächtigen lassen. Im Twisted Mind... Selbst hier hatte sie bereits einmal geschlafen, aber nie mit ihm zusammen. Nie, nachdem sie sich so gegenseitig hingegeben hatten. Aber wenn sie es recht betrachtete, dann machte es keinen Unterschied. Er würde nicht hier sein. Er wäre unterwegs und sie wäre wie so oft allein in einem großen, kalten Bett. „Immerhin bin ich hier ja gut aufgehoben, oder nicht? Nur schade, dass ich wohl allein im Bett zubringen muss.“
      Ember zuckte mit den Schultern bevor sie sich umdrehte und zu August schlenderte. Sie beugte sich zu ihm hinunter, gab ihm einen leichten Kuss auf die Wange und steuerte dann die Treppe an.
      „Gute Nacht, August. Pass auf dich auf und verschwinde nicht bis morgen...“

      Ember hatte sich in keines der Gästezimmer zurückgezogen. Das eine war noch immer von Noland bezogen, das andere war vermutlich noch nicht wieder hergerichtet, nachdem Jasper so überraschend verschwunden war. Also nahm sie mit dem Zimmer von August vorlieb, wo sie sich eines seiner Hemden wie schon zuvor bediente und damit unter die Decke kletterte. Als sie angenehm lag, zückte sie ihr Handy und stellte missmutig fest, dass noch immer keine Antwort da war. Keine Antwort von Ruairi, der seit dem Vorfall mit dem Attentäter doch so sehr auf sein Handy achtete.
      Ember biss sich auf die Unterlippe. Dann tippte sie eine weitere Nachricht ein, bevor sie das Gerät zur Seite legte.
      Bist du sauer auf mich?
      Ich wollte nicht so überstürzt abhauen. Ich erzähl dir morgen alles, was du wissen willst. Wenn alles so bleibt. Und ich habe Fragen, aber das weißt du ja bestimmt.
      Bitte sei nicht böse. Ich freu mich, dich wiederzusehen.
    • Kapitel 3: Die Ballade des Schmetterlings

      "Wie kannst du wahrhaftig sein wenn die Zweifel dich zerfleischen
      Und wie hören und verstehn wenn ewig die Dämonen kreischen
      Wie willst du rein und gut sein, wenn der Teufel in dir wohnt
      Wie willst du aufrecht leben wenn du weißt, dass es nicht lohnt"



      Ruairis Wohnung - 1:07 Uhr

      Die Gestalt über Ruairis daliegendem Körper besaß rötliche Augen.
      Die Ruhe im Wohnzimmer der geräumigen Wohnung war beinahe gespenstig. Nur der rauschende Fernseher und die halb getrunkene Flasche dieses menschlichen Teufelszeugs, das schwärzlich in einer Glasflasche mit rotem Etikett schimmerte, wiesen auf ein Leben vor dem komatösen Zustand hin.
      Sanft beugte sich das Wesen, das mehr Ähnlichkeit mit der Ausgeburt einer Kleinkindphantasie besaß, zu dem Mann hinab und betrachtete sein Gesicht aus einer Entfernung von wenigen Zentimetern. Die Hörner, die sich ihm widderartig um den Kopf legten, umrahmten das edel geformte Gesicht des Wesens und lenkte beinahe davon ab, dass er beinahe auf Ruairi herum kletterte. Sacht winkelte er den Kopf an, um mit einem Auge in sein Gesicht sehen zu können.
      "Uärgh! Mach das nicht!", ertönte eine sanfte, weibliche Stimme von der Seite und das Wesen erhob sich langsam. "Was soll das?"
      Die junge Frau richtete ihre Brille und die kurzen Haare und vergrub die Hände in den Taschen.
      "Es...piept", sagte das Wesen mit der vermutlich dunkelsten Stimme seit Raumerschaffung und wies achtlos mit einem Zeigefinger auf den Körper.
      "Es piept?!"
      "Ja. Hör nur."
      Da! Da war es wieder. Ein sanftes Piep-Piep, gefolgt von einem Summen, das den Körper so angenehm vibrieren ließ. Die junge Frau seufzte und schüttelte den Kopf.
      "Das ist ein Handy, du Ochse!", monierte sie und glitt an den leblosen Körper des Zauberers heran. Mit geschickten schmalen Fingern förderte sie das Handy des Mannes aus seiner Hemdtasche zu Tage und sah darauf. Zwei Nachrichten. Ihr Zauber hatte wohl früher als gedacht gewirkt.
      "Han...dy...", grunzte das Wesen und entfernte sich von dem Zauberer.
      "Ja. Handy. Du weißt noch? Die App?"
      "App..."
      "Warum habe ich mir eigentlich dich als Partner ausgesucht? Es ist wirklich unglaublich. Ich werde ihr antworten und du wirst Dornröschen in einen normalen Schlaf schicken. Es soll nicht auffallen, dass wir hier waren."
      Das Wesen nickte und trat näher an ihn heran, ehe es sich das Gesicht des Zauberers genauer ansah.
      "Was schreiben wir nur? ich bin so schlecht in SMS....", überlegte die junge Frau und seufzte. "Ach, wir gehen hiermit: 'Hi Ember, entschuldige die späte Rückmeldung. Wurde von Knight aufgehalten. Beantworte deine Fragen morgen ok? Muss noch recherchieren. Ich freue mich auch. Achte auf dich."
      Mit einem leichten Klick sandte sie die SMS ab und ließ das Handy achtlos auf die Brust des Zauberers fallen.
      "Komm schon. Weck ihn in einen Schlaf. Er hat eine Aufgabe..."


      Dusk & Dawn - 07:33 Uhr

      August war mit dem Gongschlag des Morgens zurück gekehrt und hatte sich an dem Kaffee bedient der natürlich bereits bereit stand. Perley war ein Frühaufsteher und wenn er ehrlich war, freute er sich darüber.
      Ruhig hatte sich der Zauberer einen Moment in seinem Sessel gegönnt, ehe er eine zweite Tasse mit dem Gebräu gefüllt hatte und sich auf den Weg nach oben machte. Ember hatte sich krank gemeldet. Das hieß, sie hatten noch Zeit. Zwar nicht viel, aber ausreichend genug, um den Morgen zu genießen. Grinsend und eine Melodie summend (August summte??!) schritt er die Stufen hinauf und steuerte zielsicher seinen Raum an.
      Obschon er nicht wissen konnte, wo sie lag, war er dennoch überzeugt, dass er sie in seinem Zimmer vorfand. Und tatsächlich. Dort lag sie. Schlafend. Und wunderschön...
      Ruhig wanderte er durchs Zimmer, nachdem er die Tür geschlossen hatte und ließ sich auf der Bettkante nieder, ehe er die Tassen auf den Nachttisch stellte und sanft eine Hand auf ihr Bein legte.
      "Hey Dornröschen...", wisperte er. "Lust auf Kaffee?"

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    • Ember war zu einem Ball zusammengerollt, die Stille als schweres Tuch um ihre Schultern gehüllt. Vor ihr leuchtete ihr Handy in der Dunkelheit und zeigte keine neue Benachrichtigung, keinen Anruf, gar nichts. Über Minuten hinweg hatte sie schon den Bildschirm im Blick gehabt und langsam wurden ihre Augen trocken. Sie blinzelte immer häufiger, immer länger dauerte es bis ihre Lider sich wieder öffneten. Und dann – endlich – vibrierte ihr Handy und verkündete das Eintreffen einer Nachricht.
      Embers Lider flogen auf, schnelle Finger öffneten die Nachricht, die sie mehrmals las. Mit jedem Mal befand sie die Nachricht als seltsamer. Vorher hieß sie noch Em, jetzt wieder der volle Name? Und was sollten diese kurzen, abgehackten Sätze? In ihr wuchs das Gefühl, dass das dort.... seltsam fremd war.
      Kurzerhand wählte sie Ruairis Nummer und rief an. Das Freizeichen ertönte, aber niemand nahm ab. Auch beim zweiten Mal beantwortete niemand den Anruf, wodurch Embers Sorge nur noch weiter anwuchs.
      „Er schläft. Er schläft bestimmt“, versuchte sie sich selbst zu beruhigen als sie ihr Handy stumm stellte und zur Seite auf den Nachttisch legte.
      Aber wer schlief schon, wenn er behauptete, er würde noch recherchieren?


      Dusk & Dawn – 07:35

      Es war ein sehr unruhiger Schlaf, der Ember befallen hatte. So unruhig, dass sie schon halbwach im Bett lag und hörte, wie sich die Tür öffnete und Licht ins Zimmer fallen ließ. Vor einer Stunde hatte sie bereits einmal auf ihr Handy gesehen und festgestellt, dass es keine neue Nachricht und keine versuchten Anrufe gab. Irgendwann war sie wieder weggedöst, nur um jetzt von dem verlockenden Duft von Kaffee angezogen zu werden.
      Ember blinzelte, als sich die Matratze bewegte und eine Hand auf ihr Bein gelegt wurde. Unter leisem Stöhnen streckte sich die Detective, ehe sie sich schwerfällig aus der Decke heraus und in eine sitzende Position kämpfte. Danach schaute sie August an und blinzelte erneut. Ja, sie hatte sich in der Tat gestern nicht getäuscht. Der Rogue hier an diesem Bett wirkte so gänzlich anders wie den August, den sie aus dem Evenstar kennengelernt hatte, wie nur irgendwie möglich. Wenn sie jetzt noch das Summen gehört hätte, hätte sie ihn wohl der Täuschung bezichtigt.
      „Du bist ja tatsächlich da. Hatte irgendwie erwartet, dass du... doch verschwunden bist.“ Und deinen Kopf wieder in irgendeine Schlinge manövriert hast.„Stattdessen bringst du mir sogar Kaffee... Ich bin gerührt.“
      Ein Lächeln erschien auf ihren Lippen, als sie an die Seite zu den Tassen griff, um sich eine davon zu nehmen und auf der Decke über ihren Beinen abzustellen. Der warme Nebel stieg ihr bis in die Nase und machte sie langsam aber sicher richtig wach.
      „Wie ist deine Ermittlung gelaufen? Bist du fündig geworden?“, fragte sie und musterte August. Er war scheinbar noch nicht lange zurück, jedenfalls trug er sein Haar noch wirr und hatte die Brille noch mit etwaigen Flecken besprenkelt auf der Nase. „Vielleicht sollten wir uns ja abwechseln. Jetzt gehst du dir eine Runde Schlaf holen und ich übernehmen?“
    • August lächelte und saß aufrecht vor ihr, ehe er ihr die Tasse reichte und seine eigene zur Hand nahm,.
      "Natürlich bin ich hier", sagte er. "Habe ich doch versprochen. Und der Service steht an erster Stelle möchte ich sagen."
      Sanft prostete er ihr mit dem Kaffee zu, der überaus schrecklich für seinen Mund schmeckte. Er erinnerte sich ungerne daran, dass er dieses Gebräu eigentlich nicht wirklich mochte. Und doch, er fühlte sich fantastisch. Sein Sitzen war aufrecht, seine Schultern breit und kräftig aufgestellt. Selbst das Glühen seiner Augen wirkte beinahe übermäßig. Sanft fuhr er sich durch die Haare und grinste breit, als sie anfing zu sprechen.
      "Ich habe mich nicht in Gefahr gebracht, wie du siehst", lachte er. "Was die Ermittlung betrifft: Ich war in der Schwarzen Stadt für ein paar Stunden. Leider habe ich die besagte Person nicht auftreiben können. Vor ein oder zwei Tagen scheint es dort unten einen Eklat gegeben zu haben mit diversen Todesopfern. Ich habe keine AHnung was genau passiert ist, aber der Zerstörung nach muss es ein Arkana gewesen sein. Und wenn ich bedenke, dass ganze Mauerstücke um die Stadt herum herausgerissen wurde, würde ich fast auf Siobhan tippen. Dafür...Habe ich das hier!"
      Mit einer schnellen Bewegung griff er in die Tasche seiner Weste und förderte einen Gegenstand heraus. Dieser ähnelte einem Glas-Ei, das in allen Farben des Regenbogens schillerte. Wenn man genau hinsah - und er wusste, dass Ember das tun würde - würde man den feinen Schliff des Steins erkennen und eine Art brennenden Kern, der sich durch das Gehäuse zog.
      "Das", sagte er und reichte es Ember. Die Wärme des Steins flutete noch immer seine Hand und ließ sie kribbeln. Aber er war zu aufgeregt, um den Mund zu halten. "Das ist ein Zauber. Eingesperrt in einem Stein. Höchste und filigranste Verzauberungsfertigkeit von einem Meister, wenn man es so will. Und neben der Tatsache, dass er wunderschön ist, ist er zugelich höchstgradig zerbrechlich. Zerbrichst du ihn, wird der Zauber darin befreit und entfaltet seine Wirkung. In unserem Falle ist das ein Transportzauber. Er bringt dich an einen sicheren Ort, von wo aus du weiter fliehen kannst, wenn es schiefgehen sollte..."
      Ihre letzte Frage musste er mit einem Lächeln bejahen.
      "Das klingt nach einem guten Plan", sagte er und knöpfte bereits die Weste auf. "Wie sieht der weitere Plan aus?!

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    • „Ich muss gestehen, wenn ich mir Perley an deiner Stelle vorstelle, würde ich mir eher Gedanken machen, ob ich nicht doch noch träume.“
      Spätestens da wären sämtliche Alarmglöckchen in Embers Kopf losgegangen. Perley würde ihr niemals so den Kaffee ans Bett bringen. Vermutlich auch nur dann, wenn August ihn darum bat und mit anschließendem spöttischen Gelächter. Ungelenk suchte Ember nach dem Taster für den Lichtschalter nahe der Kommode, fand ihn und betätigte ihn. Sofort erhellte warmes Licht den Raum, wodurch sie den Rogue an ihrem Bett richtig begutachten konnte. Keine Hinweise auf zerrissene Kleidung oder Schmutz. Keine Verletzungen, die man augenscheinlich wahrnehmen konnte. Einen Tick zu lange blieb sie an seinen Augen hängen, bei denen ihr das erste Mal auffiel, dass sie wie die von Ruairi leuchteten, wenn er seine Magie nutzte.
      Ruairi.
      „Wir kommen hier in der Stadt schon nicht klar und dann hört man nicht einmal, dass die Stadt ebenfalls unter Beschuss geraten ist... Unglaublich...“, murrte sie und bewegte den Kaffee in ihrer Tasse leicht im Kreis. Was hatte sie denn erwartet? Die Schwarze Stadt war für ihresgleichen Tabuzone, praktisch nicht existent.
      Sie wurde jedoch abgelenkt von einem höchst aufgeregten August. Bevor er ihr noch die Tasse aus der Hand schlagen konnte, stellte sie sie zurück auf den Nachttisch. Gerade rechtzeitig, da reichte er ihr ein gläsernes Ei. Mit gerunzelter Stirn berührte sie das Eis und prompt wechselte die Nachdenklichkeit zu Erstaunen. Selbst in ihren untrainierten Händen war das Ei alles andere als.... nichtssagend. Das gläserne Ei, mit seinem extrem feinen Schliff und einem Kern in der Mitte, wog nicht schwer, war dafür aber richtig heiß in ihrer Hand. Noch während August ihr erklärte, was das war, bedachte sie ihn mit abschätzigen Blicken.
      „Heißt das, der Zauber darin funktioniert nur für eine Person? Kein Radius oder so?“
      Was bedeutete, dass er nur ihr ein Fluchtticket besorgt hatte. So wie er sich über diesen Stein freute, besaß er keinen zweiten. Und wenn der Zauber wirklich nur für eine Person galt, dann kalkulierte August bereits damit, dass später die Hölle ausbrechen würde. Eine Hölle, die sie dazu nötigen würde, das Ei zu werfen.
      Vorsichtig bettete Ember das Ei auf der anderen Seite des Bettes, damit es nicht wahllos umher rollte. Dann zog sie die Beine an und angelte sich erneut ihre Kaffeetasse, während sie August dabei zusah, wie er sich von seinen Klamotten befreite. „Der Plan sieht wie folgt aus: Ich muss zuerst Ruairi erreichen. Wir müssen uns absprechen, wann er mit den Castern rauskommt und wohin er überhaupt muss.“ Sollte sie August sagen, dass sie eine seltsame SMS von Ruairi erhalten hatte?... „In der Zwischenzeit fahre ich einmal kurz nach Hause und statte mich aus. Man weiß ja nie.“
    • August musste lachen, als sie Perley ansprach und nahm einen Schluck des Kaffees, der sich durch seine Kehle brannte. Auch wenn er sich besser denn je fühlte, war sein Hals dennoch nicht mit Asbest ausgekleidet. Ruhig nahm er ihre Blicke an und folgte ihren Augen. Beinahe, und nur beinahe, dachte August, er könnte ihre Gedanken lesen. Das Suchen nach Ungewöhnlichkeiten, das vorsichtige Abtasten ihrer Blicke. Als suchte sie Schwierigkeitenspuren, in die er sich manövriert hätte. Umso schöner, dass er ihr keine zeigen musste.
      "Es ist relativ normal da unten, dass es derartige Auseinandersetzungen gibt", bemerkte August und sah kurz von ihr weg. "Das einzige erstaunliche war, dass keiner dafür Verantwortung übernehmen wollte. Wenn es eine Auseinandersetzung mit Arkana war, wird das zumeist publik, da man dadurch seinen Stand festigen kann. Dass Niemand etwas sagt, wundert mich dann doch."
      Ruhig betrachtete er das Ei in ihren Händen und grinste über beide Ohren. Vielleicht lag es daran, dass es noch eine weitere Überraschung gab, die sie vielleicht freundlicher stimmen mochte. Und er hatte die halbe Nacht dafür gebraucht, einen Händler aufzutreiben.
      "Das ist wahr", sagte er schließlich. "Einmaliger Gebrauch für eine Person. One Way Ticket sozusagen. Aber da ich sicher bin, dass ich meinen wunderbaren Hintern aus der Gefahrenzone bugsieren kann, reicht das aus. Es muss nicht schief gehen, aber wenn es heute eskaliert, will ich dich in Sicherheit wissen. Du wirst hierher zurück gebracht, also lass dein Auto hier. Perley weiß Bescheid und wird dich mit allem versorgen."
      Er hatte bereits das Hemd ausgezogen und nestete an seiner Hose, als sie ihren Plan offenbarte und nickte.
      "Klingt gut", sagte er. "Ich hole mir eine Mütze Schlaf und bin hier, wenn ihr hier seid. Bringt sie her, auf die Rückseite des Gebäudes. Ich sehe sie an, erschaffe Illusionen und wir bugsieren sie in den Versammlungsraum. Ah eins noch!"
      Grinsend ließ er die Hose zu Boden fallen und trat sie beiseite, ehe er aus der Tasche seiner Weste etwas Weiteres fischte. Eines seiner sieben Tattoos, das linke an seinem Arm, begann zu leuchten als er seine Hand um einen länglichen Gegenstand schloss, den er Ember reichte.
      Ein Magazin, geladen mit sieben Schuss Munition und passend für ihre Waffe. DIe Kugeln, so wenige sie auch waren, glitzerten leicht und auch sie strahlten Hitze und Kälte zugleich ab. Hatte ich erwähnt, dass es ewig gedauert hat, derartige Kugeln aufzutreiben? Schweigsam reichte er ihr auch dieses Artefakt, was schwarz und schwer in ihrer Hand lag und grinste noch einmal breiter.-
      "Für den Notfall", sagte er. "Sieben Schuss. Sieben Zauber. Es sind magische Kugeln, in denen entsprechende Zauber enthalten sind. Die Kugeln sind leicht beschriftet können aber auch zufällig abgefeuert werden. Einer beinhaltet einen Feuerzauber, einen Windzauber, Eiszauber und so weiter in mindestens A-Stärke. Also du soltest damit tüchtig Wumms anrichten können:"

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    • „Mit anderen Worten hast du auch keine Ahnung, weshalb es dort eine Auseinandersetzung gegeben hatte.“
      Die Schlussfolgerung lag nahe. Andernfalls hätte August Ember mit Sicherheit zumindest einen Verdacht geäußert. Dass auch dieser ausblieb konnte nur bedeuten, dass die Informationslage wahrlich schlecht gewesen war. Oder er einfach... andere Schwerpunkte gehabt hatte.
      Ember blickte halb versunken in ihre Kaffeetasse zu August auf. „Na Gott sei Dank kann dir keiner mit Portalen hinterher springen.“ Vermutlich konnte das der eine oder andere, aber zeitgleich dasselbe Ziel auszuwählen sollte fast Null betragen.Trotzdem schienen ihre Augen über jeden Quadratzentimeter entblößte Haut des Zauberers zu gleiten, so als glaubte sie ihm seine Unversehrtheit nicht. Gerade rechtzeitig, um der fallenden Hose hinterher zu sehen und irgendwie... ernüchtert festzustellen, dass der Arkana tatsächlich konsequent auf Unterwäsche zurückgriff. Interessant.
      Gerade wollte sie eine Frage stellen, da fiel ihr das Glühen an seinem Arm auf. Stimmte ja, sie hatte ihn noch gar nicht darüber ausgequetscht, woher die anderen Tattoos stammten. „Sag mal, erzählst du mir irgendwann noch, woher die anderen Tattoos stammen? Daran hatte ich bei all dem Chaos noch gar nicht gedacht...“ Dabei blieben ihre Augen einen Moment an seinem Rücken kleben, wo das Wort geschrieben in groben Narbenwülsten prangte. Einen kurzen Augenblick, der jäh unterbrochen wurde, als er sich ihr zuwandte und ihr etwas reichte. Als sie erkannte, was er da in Händen hielt, kehrte ein breites Grinsen in ihr Gesicht ein. Das Spielchen kannte sie bereits.
      „Mhhhhh, du weißt ja doch, wie du mich kriegst“, schnurrte Ember regelrecht, als sie ihre nun leere Tasse beiseite stellte und mit langen Fingern das Magazin entgegen nahm. Sofort erschauderte sie – endlich mal eine sinnvolle Reaktion ihres Training – und das Grinsen wurde unmöglich. „Endlich mal ein Mann, der was Nützliches schenkt und nicht verdrängt, dass ich eigentlich ein recht gefährliches Leben lebe.“
      In der Tat war August in dieser Hinsicht der Einzige. Kein anderer ihrer Liebhaber oder gar Freunde war jemals auf die Idee gekommen, ihr so etwas potenziell Explosives zu schenken. Zugegeben, nur wenige hatten den Zugriff gehabt, aber diejenigen, die ihn hatten, spielten nicht eine Sekunde mit diesem Gedanken. Dass August daran dachte, lag wohl an zweierlei Gründen. Er wollte sie nicht wehrlos in die Höhle der Löwen schicken und er wusste, nach welchen Mitteln er suchen sollte. Zusammen mit dem, was Ruairi ihr von ihrem Techniker ihres Vertrauens holen sollte, war sie bis an die Zähne bewaffnet.
      „Danke“, sagte sie, schälte sich aus dem Bett und machte dem Arkana somit Platz. Dabei streifte sie ihn, eine zarte Berührung, wie ein Hinweis auf etwas, das sein könnte, aber jetzt noch nicht war. „Dann würde ich mal sagen, ich suche meine sieben Sachen, zieh mich an und dann fang ich an.“
      Und das tat Ember dann auch. Sie suchte ihre Klamotten, zog sich was an, richtete sich her und schritt dann zielstrebig durch das Dusk and Dawn, bis sie in ihrem geparkten Wagen vor dem Gebäude ankam und dort erstmals durchatmete. Dann riss sie ihr Handy regelrecht hervor und rekapitulierte die Nachrichten. Immer noch beschlich sie das Gefühl, dass hier etwas nicht stimmte. Also wählte sie erneut seine Nummer und rief an.
      Es klingelte.
      Es ertönte ein Freizeichen. Ein zweites Biepen. Ein drittes Biepen. Ein viertes....
      „Ruairi!“, platzte es aus ihr heraus, ihre Fingernägel hinterließen Abdrücke in ihrem Kunstlederlenkrad. „Ruairi, scheiße, alles okay bei dir? Was zur Hölle war das gestern Nacht für eine SMS von dir? Wo bist du? Geht's dir gut?!“
    • Auf ihr Schnurren hin musste er lachen und schüttelte den Kopf, nachdem das Magazin aus seiner Hand verschwunden war.
      Er wollte es nicht zugeben, aber August genoß das Gefühl, die Munition los zu sein. Die Tätowierung auf seinem Arm hörte schlagartig auf zu leuchten und das merkwürdige Brennen verschwand aus seiner Hand. Seufzend sah er ihr zu, als sie sich aus dem Bett erhob und nahm an der warmen Stelle Platz, ehe er sich sanft gegen die Kopflehne lehnte.
      "Wie ich dich kriege, soso", grinste er süffisant und fuhr sich durch die Haare. "Ich habe einfach gelernt, dass du mit deinen Fähigkeiten nicht hinter mir stehen solltest. Du solltest an meiner Seite stehen und diesen Idioten einheizen. Es macht keinen Sinn, dich für den Ernstfalle im Kampf zu trainieren, wenn du deine Fähigkeiten nicht nutzen kann. Es gibt noch einen weiteren Teil, der ist jedoch im Bau. Dazu gehört eine spezielle Waffe, die ein Jagdzeichen auf einen Zauberer wirken kann. Dafür brauchst du jedoch Kontrolle über deine eigene Aura. Du könntest ihn damit markieren und diverse Patronen zu Zielsuchern machen. Doch mein Artificer baut das ganze noch. Könnte auch noch ein paar Tage dauern..."
      Für den Fall, dass ich nicht mehr bin, wenn du mich brauchst, dachte er im Stillen bei sich und genoß noch den Nachhall der zarten Berührung, die sie ihm hatte zuteil werden lassen. In einer anderen Zeit hätte er sie nicht gehen lassen. Hätte sie wieder zu sich gezogen und auf den Anderen geschissen. Doch heute war dem nicht so. Es stand eine große Versammlung bevor, die ihm schon früher zum Tod verhelfen konnte als er wollte. Erneut seufzte August und sah ihr zu, wie sie sich anzog. Währenddessen überlegte er, was er ihr sagen wollte.
      "Hm, werde ich irgendwann", sagte er. "Irgednwann erzähle ich dir von allen Tätowierungen. Eines nur solltest du wohl wissen, damit du mir nicht in die Quere läufst:
      Das hier!"
      Er wies auf ein Tattoo auf seiner linken Brust (Embers Rechte). Es zeigte ein merkwürdiges Auge hinter einer stilisierten Sonne und diverse Auswüchse mit merkwürdigen Schriftzeichen.
      "Das ist ein Bannsiegel. Es hält meine Kräfte zurück und bindet mich an irdische Regeln. Wenn es unterbrochen wird, bricht auch das Siegel und ich kann meine volle Stärke nutzen. Und das hier..."
      Er wies auf seinen rechten Arm, der eben schon geleuchtet hatte, als er Ember das Magazin reichte.
      "Das ist ein Detektorzauber. Es leuchtet, wenn starke Magie im Raum ist, die ich nicht mit den Augen erfassen kann. Eine Art Warnsensor. Und jetzt ab mir dir..."
      Grinsend legte er sich auf den Rücken und schlief in der Sekunde ein, in welcher Ember die Tür schloss.

      Das Klingeln seines Handys riss Ruairi aus den Überlegungen, denen er nachgehangen hatte.
      Das Büro war merkwürdig leer an diesem Morgen und ohne Ember wirkte es zudem noch farblos und trist. Bei seiner Ankunft heute Morgen hatte ihn Knight direkt hinsichtlich eines Vorfalles in der Südstadt interviewt, über den er jedoch nichts wusste. Außer der Tatsache, dass man einen Brückentroll tot in der Themse gefunden hatte, die sodann erst einmal gesperrt werden musste. Schweigsam hatte er anschließend am Tisch gesessen und versucht, Embers Recherchewünsche zu erfüllen und selbst wenn er sich alle Mühe gab, gab es einige Dinge, die nicht recht zusammen passten...
      Ruhig nahm er das Telefon auf und nahm ab, ehe er es beinahe gleichzeitig vons einem Ohr wegriss.
      Embers Stimme drang mit einer Urgewalt an Lautstärke aus dem Hörer und beinahe hätte der Zauberer seine Kontrolle vergessen, während sie ihn mit Fragen zuschüttete.
      "G-Guten Morgen", murmelte er schließlich. "Hi, Ember. Ja, es ist alles gut. Warum fragst du? Und was für eine SMS meinst du? Ich hab dir eine geschrieben, bevor ich mich hingelegt habe, glaube ich. Sorry, mir war gestern nicht wirklich gut und ich habe versucht, mich mit MEdikamenten ein wenig zu betäuben. Hat leider nur semi funktioniert. Habe nicht mal die Tür zugesperrt. Ich bin im Büro. Wie geht es dir? Hab kaum was gehört von dir diese Nacht. Was gibts neues?"

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    • Noch während Ember das Telefon am Ohr hatte beschäftigte sich ein kleiner Teil ihres Verstandes mit den sobene gewonnenen Informationen. August trug ein Bannsiegel auf seiner Brust. Warum zur Hölle sollte er das brauchen, geschweige denn freiwillig setzen lassen? War es überhaupt freiwillig passiert oder hatte man es ihm aufgezwungen? Außerdem behauptete er ja noch, dass sie ihn nun das erste Mal im Besitz seiner vollen Ausstrahlung sehen konnte... Wie viel steckte dann tatsächlich noch da unter der Oberfläche und wieso hatte er es nicht beispielsweise benutzt, als die Sharokhs aus dem Himmel brachen?
      Schließlich stutzte Ember vollständig im Auto. Ihre Finger lagen flach am Lenkrad während ihre Augen eine entfernt stehende Laterne fixierten. "Hah?... Warte mal, okay, stopp. Ja, du hast mir gestern spät noch eine Nachricht geschickt, auf die ich geantwortet habe. Da kam von dir dann aber nichts mehr. Hast du die überhaupt gelesen?"
      Also hatte er sich nicht mit Medikamenten weggeschossen weil sie ihm geschrieben hatte, sie sei bei August. Für einen erschreckend langen Moment hatte sie gefürchtet, dass Ruairi sich deswegen vielleicht schlecht gefühlt hatte. Vergessen wollte, was Ember gerade dort bei August trieb, erst recht, nachdem sie so überstürzt abgerauscht war. Aber dann war es... etwas anderes gewesen.
      "Ja... Ja, mir gehts super. Bin nur ein bisschen angespannt und definitiv verwirrt. Du hast dir deine Verläufe nicht angesehen, oder? Schau sie dir bitte an und sag mir, dass du die letzte Nachricht verfasst hast. Denn wenn nicht, dann hatte jemand Fremdes dein Handy in der Hand und hat mir geantwortet. Das hörte sich so gar nicht nach dir an. Ich hab mir... Sorgen gemacht."
      Ernsthafte Sorgen. So sehr, dass sie schnellstmöglich aus dem Dusk and Dawn hatte verschwinden wollen, um Ruairi anzurufen. Mit einem Seufzen steckte sie ihr Handy in die Halterung und startete den Wagen, um sich durch den Londoner Verkehr Richtung Zuhause zu schlängeln.
      "Was es Neues gibt... Also, wenn du es schaffst, die Caster heute Nachmittag zu der Adresse zu fahren, die ich dir schicke, wäre das super. Du müsstest von hinten heran fahren, damit Jemand die drei sieht und weiß, was zu tun ist." Kryptisch reden für den Fall, sie hätten Zuhörer. "Dann lass ich sie rein und hoffe, dass alles funktioniert. Ich versprech dir, dass ich mich morgen putzmunter bei dir melde, ja? Könntest du mir dann noch einen Gefallen tun und unten bei meinem Techniker meines Vertrauens vorbeischauen? Der hat da noch eine Kleinigkeit für mich."
      Den Notnagel, dachte Ember und hoffte inständig, dass sie ihn einfach nicht einsetzen werden müsste. Tatsächlich würde sie jetzt gerade allerdings am liebsten einfach ins PD fahren und sich vergewissern, dass Ruairi wirklich in Ordnung war. Ihn berühren, über seine Arme streichen, in sein Gesicht sehen.
      Ihre Finger packten das Lenkrad fester als sie nicht die Abzweigung nahm, die sie zur Arbeit führte. "Wir haben festgestellt, dass die App auf deinem Handy erscheint, wenn du mit dem Würfel eine 3 oder 9 wirfst. Ich hab's nicht getan, aber Jemand hat ebenfalls einen Würfel. Die sind gebunden und er meint, es seien Artefakte. Passend zu deiner Reaktion darauf. Aber... ich weiß nicht, warum man mir so einen vermacht. Hast du irgendwas dazu finden können, was ich dir geschrieben habe? Mit den Entdeckungsfamilien und so?"
    • "Moment, moment, immer langsam!", sagte Ruairi und rieb sich die Stelle zwischen Nasenwurzel und Stirn.
      Das waren zu viele Fragen für den nicht mehr ganz so frühen Morgen, aber immer noch genug, um ihm leichte Kopfschmerzen zu verpassen. Wenn er nur nicht immer glauben würde, Knights Schatten an der Tür zu sehen. Das würde ihm schon reichen.
      "Ember, ich bin ehrlich", begann er schließlich erneut während er versuchte, sein Handy aus der Tasche zu ziehen. "Ich habe letzte Nacht nicht mehr viel mitgekriegt, weil ich ziemlich platt war. Ich erinnere mich wie ich mir eine Cola geholt hgabe und fern sehen wollte. Und dann war es morgen und ich bin bei laufendem Fernseher auf der Couch erwacht. Also ich habe deine Nachricht wohl nicht-"
      Ruairi hielt stockend inne und starrte auf den Handybildschirm, der ihm einen Verlauf zeigte, den er nicht kannte. Die Nachrichten dort stammten nicht von ihm und selbst diese eine Nachricht dort...Er starrte auf den Inhalt, den er angeblich Ember gestern Nacht geschickt haben wollte, doch sein Kopf ließ keinerlei Erinnerung an dieses Ereignis zu.
      Jedes Mal wenn er sich daran zu erinnern versuchte, schmerzte sein Kopf mehr und er legte das Telefon stöhnend zur Seite.
      "Gut, wir haben ein Problem", schloss er schließlich. "Ich habe die Nachrichten nicht geschrieben. Also war Jemand bei mir den ich nicht bemerkt habe..."
      Was erstaunlich war, bedachte man seine sonstige Stärke.
      Ruhig versuchte er durchzuatmen und räusperte sich.
      "Gut, ich bringe sie heute Nachmittag runter zu der Adresse. Ich schnappe sie mir um 13 Uhr aus dem Trakt, da ist Wachablösung und fülle bis dahin alles für eine nochmalige Besichtigung des Tatortes aus. Ich hoffe wirklich, das dein Freund hält was er verspricht. Wenn wir erwischt werden..."
      Er wollte nicht weiter denken. Würde man sie erwischen, war das Gefängnis das kleinste ihrer Probleme. Dort gab es auch noch wütende Arkana, die es zu besänftigten galt, wenn man es so nahm.
      "Ich gehe bei deinem Techniker vorbei", sagte Ruauri und seufzte leise,. als sie zu ihrer letzten Frage kamen. "Es ist alles recht merkwürdig, ehrlich gesagt. Also es stimmt, dass die Familien Foremar, Delacroix und Newgate die Entdecker der britischen Magie waren. In den gängigen Schriften habe ich nichts gefunden aber in den alten Schinken aus Canterbury habe ich noch Fetzen gefunden, die anderes behaupteten. Da waren es vier Familien. Und der Name Sallow tauchte dort auf. Jedoch: Auch in diesen Schmökern war der Name bereits durchgestrichen, was auf eine Art gemeinschaftliche Aktion hinweist. Ich habe zu dem Namen Sallow bislang nicht viel gefunden, außer diese wenigen Quellen. Ich weiß nicht...Aber vielleicht gibt es ja eine Bibliothek oder Jemanden, den wir fragen können. Er oder sie müsste nur alt sein."

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    • Ember hielt gerade an einer Ampel an, als sie das Gerausche aus dem Telefon hörte. Ruairi schien nach seinem Handy zu kramen, was ihr nervöse Blick zur roten Ampel abverlangte. Er konnte sich nicht daran erinnern... Er war einfach so eingeschlafen, nachdem er irgendwelche Medikamente genommen hatte. Waren das noch Nachwirkungen von dem Angriff? Oder war es vielleicht sogar wieder was Neues? War er in den Fokus von irgendjemanden geraten? Musste so sein, denn sonst würde sich wohl kaum jemand des Nachts in seine Wohnung stehlen und nichts anstellen, außer...
      Ember blinzelte. Unmöglich. Völlig ausgeschlossen.
      Sachte trat sie auf das Gaspedal als Ruairi am anderen Ende plötzlich stockte. Unbewusst hatte sie angefangen, auf ihrer Unterlippe herumzukauen, während sie sich mit aller Macht auf den Verkehr zu konzentrieren versuchte. Es waren nicht seine Nachrichten gewesen, das hatte er ihr nun bestätigt. Jemand war eingedrungen. Jemand, der trotz seiner Fähigkeiten kaum eine Spur hinterließ. Ein mehr als nur flaues Gefühl machte sich in ihrer Magengegend breit.
      "Das war niemals im Leben ein normaler Mensch, der da bei dir eingestiegen ist. Du wurdest nicht verletzt, zumindest augenscheinlich?.... Gut. Dir ist nicht gestohlen worden und minder talentierte Zauberer hättest du bemerkt. Es war also jemand, der ganz genau wusste, wie er sich in deiner Gegenwart zu bewegen hat. Jemand, der es für nötig hielt, meine Nachrichten zu beantworten und scheinbar auch wusste, wer ich bin. Sonst würde man sich da erst recht keine Gedanken drüber machen." Was wollte derjenige da? "Was, wenn das auch meine Stalkerin gewesen war? Diese... Clara oder wie auch immer. Du hast das letzte Mal Spuren von ihr bemerkt und wärst fast aus den Latschen gekippt. Was wenn... sie es gewesen war?"
      Es gab kaum eine andere Möglichkeit. Kein bei Sinnen bleibender Zauberer würde Ruairi in der Nacht heimsuchen, ihm nichts antun UND dann noch auf läppische SMS antworten. Das war seltsam. Viel zu seltsam.
      "Keine Sorge, das wird schon alles funktionieren." Ich werde lediglich Kollegen wie Opfertiere präsentieren, um meinen eigenen Nacken zu retten. "Im Notfall münz es alles auf mich. Es ist wichtig, dass du hier die Stellung hältst und so gut agierst, wie du bist", schloss sie und bog in die nächste Seitengasse ein.
      "Ich meine, ich habe ja jemanden mit 150 Jahren Expertise", lachte sie ein wenig bitterlich auf. "Da hieß es ebenfalls, dass dort gemeintschaftlich unser Familienname ausradiert worden war und das passt ja auch dazu, dass ich absolut keinen einzigen Zauberer in meinem Stammbaum habe. Anderseits scheinen etliche meiner Vetter wohl in den Jägerzweig abgestiegen zu sein. Frag mich nicht, ob das so stimmt. Aber was ich dich eigentlich sonst noch fragen wollte: Fühlst du dich irgendwie.... besser, wenn ich bei dir bin?"
      Gemächlich parkte Ember ihren Wagen am Bürgersteig nahe ihrer Wohnung. Anstatt sofort auszusteigen, stellte sie nur den Motor ab und lehnte sich dann nach hinten in den Sitz hinein. Ihr Blick ging zum verhangenen Himmel, der ungefähr ihre Stimmung widerspiegelte. "Jemand sagte er mir, er fühle sich deutlich besser, wenn ich in Nähe bin. Nicht nur im übertragenen Sinne. Ich habe gesehen, wie er von einem Wrack zu einem Mann geworden ist. Innerhalb kürzester Zeit und ich war einfach nur ein paar Stunden in seiner Gegenwart. Ich hab das Gefühl, dass bei dir nur der... gegenteilige Effekt eintritt.... Stimmt das?"
    • 150 Jahre.
      Selbst jetzt, mit dem Wissen was Ruairi in sich verbarg, klang es merkwürdig unwirklich, über August Foremar zu reden als sei dieser ein guter Freund oder dergleichen. Zumeist war es doch das Gegenteil was sie verband. Ruhig und gelassen versuchte er zuzuhören, während er weiter seine Unterlagen durchwühlte und anch dem Namen suchte.
      "Ember, ja vielleicht war es kein normaler Mensch und ja, vielleicht war es auch diese Clara. Aber mir geht es gut, glaub mir. ICh habe nichts, mir fehlt nichts, es wurde nichts gestohlen", murmelte er obgleich ihm ein wenig komisch wurde bei dem Gedanken hilflos dieser Zauberin ausgeliefert zu sein. "Wenn sie es gewesen wäre, hätte ich sie gespürt. Ich war nur eingeschlafen..."
      Vielleicht war es auich nur ein Arkana, der sich einen Spaß erlaubte? Einen makaberen zwar, aber durchaus einen Scherz.
      Ruhig lehnte er sich nach einem kurzen Raster zurück in den Stuhl und sah zum Flur hinaus, wo er noch immer den Schatten von Knight zu sehen glaubte. Aber das konnte nicht sein, oder? Er war doch gar nicht im Büro?!
      "Ich münze nichts auf dich", sagte er lächelnd. "Wir stecken da beide drin, ob du willst oder nicht. Und ich hoffe, du hast Recht. Mir wäre es wirklich lieber, wenn du mich mitkommen lassen würdest...."
      Auf ihre letzten Fragen hin musste er stocken und starrte auf das Smartohone hinab. Was meinte sie damit? Besser fühlen? Nein, im Grunde war dem nicht so. Nicht besser oder schlechter. Aber es konnte ein guter Hinweis auf etwas sein, das sich in seinem Oberstübchen regte.
      "Hm...Nein , ich denke nicht wirklich. Es macht gefühlstechnisch nicht viel aus. Ich spüre dich, ja. Aber es hat nicht viel Einfluss auf mich", gab er zu und überlegte. "Aber mir fällt da etwas ein, das ich nachforschen könnte zu diesem Verschwinden der Sallows. Wenn sie Jäger geworden sind, sind sie sicherlich historisch aufgefallen und in Erscheinung getreten. Und die Wirkung die du beschreibst, beschreibt einen UMstand, den ich schon einmal in alten Schriften gesehen habe. In mittelalterlichen Schriften sozusagen. Ich recherchiere es gleich und melde mich bei dir. Und Ember: Mach dir nicht so viele Sorgen, okay? Wir sehen uns heute Nachmittag bei ihm."

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    • "Danke", presste Ember mehr hervor als dass es ihr einfach über die Lippen kam. "Ich mach mir eben Sorgen um dich. Das kommt davon, wenn du mir ans Herz wächst. Ruf an, wenn du dich auf den Weg machst."
      Damit legte sie auf und schrieb ihm eine Nachricht mit der Anschrift des Dusk and Dawn. Noch eine ganze Minute harrte sie in ihrem Wagen aus und studierte das Display des Handys, das unlängst schwarz und nichtssagend geworden war. Er reagierte so... locker. Unbeeindruckt, wie es ihr schien. Sicher, er konnte viele Dinge spüren, aber das bedeutete doch noch lange nicht, dass wirklich jeder Zauberer für ihn spürbar sein musste. Vielleicht war es ja wirklich nicht Clara gewesen. Vielleicht war es ja jemand anders, nicht magisch begabtes gewesen. Nur die Frage nach dem Warum blieb diesselbe. Und warum jemand sich die Mühe machen sollte, auf eine lästige SMS zu antworten. Derjenige war auf Ruairis Handy aufmerksam geworden, weil es höchstwahrscheinlich ein Signal von sich gegeben hatte. Das hatte denjenigen dazu verleitet, nach der Nachricht zu sehen und zu antworten. Und noch besser: derjenige wusste, wie man Ruairis Handy entsperrte. Das bedeutete, Ember hatte ein Zeitfenster, in dem der Eindringling da gewesen war. Ein Zeitfenster, und mehr Fragen als wirkliche Antworten.

      Nur knapp drei Stunden später kam Ember bereits wieder am Dusk and Dawn vorgefahren. Sie musste mehrere Runden drehen ehe sie einen Stellplatz am Bürgersteig für ihren Wagen gefunden hatte. Die Zeit zuhause hatte sie genutzt, um sich wieder frisch zu machen und sich vorzubereiten; praktikablere Kleidung als das schicke Kleid vom letzten Treffen im Zwielichtsaal. Die Haare streng nach hinten gebunden, doch die zwei rebellischen Strähnen links und rechts hatten sich wie immer daraus gelöst. Sie trug ihre Glock dieses Mal gut sichtbar in ihrem Brustholster, das sich über die helle Bluse legte wie eine Selbstverständlichkeit. Ihre Jeans wurde ausgetauscht gegen eine schwarze Cargohose, deren Taschen mit durchaus explosiven Inhalt gefüllt werden würde sobald sie sich auf den Weg machen würden. Am Ende wäre die Frau so schwer bewaffnet, dass es aussah, als wäre sie für einen Krieg gerüstet. Innerlich tobte er in ihr auch schon.
      Entschlossenen Schrittes betrat sie die Detektei, wo ihr Blick prompt auf Perley fiel, der sich scheinbar gerade noch am Kamin zu schaffen gemacht hatte. "Hi Perley. Schläft er noch?", erkundigte sie sich wobei sie ihre Jacke an den Haken hing und mit einem kurzen Zeig nach oben deutete.
      Einzig den tollen magischen Würfel hatte sie nicht eine Sekunde lang von sich ablegen können. Man wusste ja nie.
      "Wir kriegen frühzeitig Bescheid, wenn sich Ruairi auf den Weg macht und die Caster bringt. Bis dahin haben wir noch ein wenig Zeit.... Ich würde August solange es geht noch schlafen lassen." Sie schlenderte durch den Raum und ließ den Blick schweifen. An einem der Sessel angekommen legte sie ihre Hände auf das Rückenteil und betrachtete den Hauswirtschaftler. "Kaum zu glauben, dass wir entfernt verwandt sein sollen, aber wenn August das sagt, muss es wohl so sein. Wusstest du, dass die Sallows Jäger waren? Nicht mal ich wusste das."
    • Ein Morgen begann immer gleich für Perley Caulson.
      Zumeist erhob er sich als erster aus dem Schlummer und bereitete das Frühstück. Anschließend galt es, mit Ulysses die tierischen Gäste im Koffer zu versorgen, ehe sich der Hauswirtschafter um die alltäglichen Belange seines Körpers kümmerte. Dem spleenigen Butler war der morgendliche Toilettengang mit seiner Lieblingszeitschrift ("London Weekly") geradezu heilig und bedurfte eifriger Vorbereitung. Es musste Raum und Zeit geschaffen und schließlich noch die Zeitschrift gefu-
      Maria Mutter Gottes!
      Erschüttert und beinahe kalten Herzens blickte Perley in den Kamin und entdeckte neben dem verdorrten Holz auch Teile seiner Zeitschrift im Kamin, die als Zunder gedient hatten. Gerade noch zeichnete sich ein Bild einer Schauspielerin ab, deren Filme er durchaus regelmäßig frequentierte! Welches Tier...Welcher Mensch tat so etwas?!
      Beinahe panisch stieß er beinahe den Sessel um und versuchte mit dem Schürhaken die kostbaren Papierreste aus der dahinschwelenden Glut zu fischen. Wissend, dass diese nicht zu retten waren.
      "NEin, nein, nein, nein, nein!", flüsterte er und riss regelrecht ein Stück Kohle heraus und verteilte den Schmutz im ganzen Wohnzimmer. Mehr und mehr Reste der Zeitschrift (eher Fetzen) flogen durch den Raum und gaben ein makaberes Bild, als sich Perley zurücklehnte und schwitzend und schnaufend in den Kamin sah. Die Wut war unendlich in ihm gewachsen und bahnte sich in einer Fratze sein Gesicht.
      Er hatte die Tür nicht mal gehört, so sehr war er in dem pochenden Fiasko von Hirn versunken, das einem Zauberer den Tod wünschte. Er hatte die Ausgabe noch nicht gelesen! Und Marya Forth war auf dem Titel! Die Meinung der talentierten jungen Schauspielerin zu aktuellen Themen interessierte ihn! DIeser Barbar von einem Arkana und seinem verteufelten Stricken!
      Noch während er innerlich einen Racheplan schmiedete, riss er den Kopf herum und sah mit wütender, verschwitzter Fratze in Embers Gesicht.
      "Was?!", knurrte er und entspannte sich zusehends, als er erkannte wer den Raum betreten hatte. "Ja, es schläft noch. Ist gleich nach Ihrem Stelldichein ins Koma gefallen und schläft den Schlaf der Gerechten."
      Er spie die Worte beinahe aus als er sich erhob und zu Ember sah, während er sich mit einem von Augusts Strickdecken die rußigen Hände trocknete.
      "Verstanden", sagte er und nickte. "Ja, es ist wirklich erstaunlich, nicht wahr?"
      Der Spott in seiner Stimme war nicht wirklich verkennbar und er gab sich auch keine Mühe, sein Unbehagen zu verbergen.
      "Ich wusste, dass einige der Sallows Jäger waren. Sogar recht talentierte. Sie hatten, soweit ich weiß, einen Stützpunkt im Westen. Eine Art Festung oder Herrenhaus. Als würde man einen Familiensitz hüten."

      Spoiler anzeigen
      SMS von Ruairi: Fahre los. Haben nicht viel Zeit. Knight spioniert.

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    • Am liebsten hätte Ember ihre lockere Begrüßung direkt wieder zurückgerufen. Denn das, was sie vor dem Kamin vorfand, war mehr als nur schockierend. In vergangener Zeit hatte sie Perley ja schon extrem wütend und auch aufbrausend erlebt, aber das hier vor ihr setzte dem die Krone auf. Der sonst so sorgsam gepflegte Boden war über und über mit Ruß und Papierfetzen bedeckt und verwandelte das Zimmer in einen makaraberen Abklatsch einer Basaltinsel. Mit hochgezogenen Augenbrauen musterte Ember den Mann am Boden, der ganz offensichtlich etwas aus der Glut zu retten versuchte, das unwiederbringlich verloren war. Erst auf den zweiten Blick erkannte sie die traurigen Überreste eines Klatschblatts.
      "Ich kann gerne später eine neue Ausgabe besorgen. London Weekly?", schlug Ember vorsichtig vor während sie dabei zusah, wie Perley eine angefangene Strickdecke als Handtuch missbrauchte. Aha. Daher rührte also der Wind. "Na, wenn sogar du von dem Zweig gehört hast, dann kann er ja gar nicht so schlecht gewesen sein. Einen Sitz im Westen? Hast du da irgendwas genaueres für mich?"
      Auch davon hatte sie noch nichts gehört. Vielleicht wurde es langsam an der Zeit, doch ein wenig mehr Ahnenforschung zu betreiben. Denn das hatte sie vorher noch nie gemacht. Warum auch? Bis jetzt war ihr ihr Familienzweig nur als langweilige, unspektakuläre Dorfmenschen bekannt. Langsam drehte sich das Ganze jedoch. Ein Jägerzweig mit einem ominösen Herrenhaus. Wenn das nicht danach schrie, erforscht zu werden, wusste sie auch nicht. Aber alles nacheinander.
      Das Handy in ihrer Hosentasche vibrierte. Mit einem schnellen Blick war klar, dass sie ihren Plan anziehen müsste. "Okay, wir müssen anfangen. Ruairi ist auf dem Weg, ich geh August wecken. Tu mir den Gefallen und sei nett zu MacAllister, ja?"
      Sie wartete gar nicht Perleys Aussage ab, sondern machte sich direkt auf den Weg zur Treppe. Auf die Wortgefechte wie üblich hatte sie nun keinen Nerv mehr übrig. Lieber atmete sie noch bei jedem Schritt die Treppe hinauf durch solange sie noch Zeit dafür hatte. Oben angekommen wollte sie schnurrstracks auf Augusts Zimmer zulaufen, doch jemand im Flur fing sie ab.
      "Kann ich was für dich tun?" Embers Tonfall war unterkühlt, als sie Noland vor seiner Zimmertür gelehnt stehen sah.
      Sein Gesicht war schwierig zu deuten. Seine Augen waren unentwegt auf Ember gerichtet, aber es lag keine wirklich Emotion dahinter. So als wüsste er nicht recht, wie er sich ihr gegenüber verhalten soll. "Wenn du möchtest, kann ich einen Blick auf die drei Caster werfen. Bevor ihr sie opfert."
      "Versuchst du gerade, dich ein bisschen besser mit mir zu stellen?"
      "Was ich tat bedarf keiner Entschuldigung. Ich bereue es nicht und du wirst eine Entschuldigung von mir sowieso nicht als ausreichend betrachten. Du fühlst dich in deinem Vertrauen missbraucht und-"
      "Hör auf, weiter zu deuten. Ja, wäre schön, wenn du dir die drei anschauen könntest. Wir sagen dir Bescheid", schloss Ember und ging an Noland vorbei, um ohne ein Klopfen in Augusts Zimmer zu verschwinden.
      Sie stieß einen gedehnten Atemzug aus, kaum war die Tür ins Schloss gefallen. Die Dunkelheit im Zimmer schien auch die Anspannung ein wenig zu dämpfen. Ihre Augen sahen ebenfalls nur schwarz, aber wenn sie ganz genau hinhörte, dann konnte sie jemanden atmen hören. Doch Ember blieb an der Tür stehen und machte keine Anstalten, das Licht zu betätigen. Eine Weile verharrte sie so, bis sie Umrisse erkennen und ohne Zwischenfälle zum Bett gelangen konnte. Wie August am Morgen setzte sich Ember an die Bettkante und suchte mit ihrer Hand nach Widerstand. Sie stieß auf etwas, das sich als ein Oberarm entpuppte. Sanft strich sie auf und ab.
      "Hey, August. Aufstehen. Der Plan hat angefangen und die Caster sind unterwegs..."
    • Genüsslich und mit beinahe drakonischer Geduld beschmutzte der Butler das Strickdeckchen und schmiss es anschließend in die Reste des Feuers, das bis vor kurzem noch den Raum erhitzt hatte.
      "Nicht nötig", murmelte er grinsend und suchte bereits mit den Augen nach einem Besen. Auch wenn die Rache an August bitterlich und grausam sein würde, so musste er den Stall sauber halten. Ob er wollte oder nicht.
      Schweigsam lauschte er Ember und zuckte die Achseln.
      "Schlecht ist eine Frage der Perspektive. Jäger bewerten sich nach den Opfern ihrer Taten. Und die Familie Sallow war eine ganze Weile recht aktiv und auch gefürchtet. Es heißt, sie habe es auch mit A-Klasse Magiern mühelos aufnehmen können, wobei diese Klassifikation damals noch nicht war. Damals ging man mehr nach Gefahrenstufen. Eine Gefahrenstufe wurde mit Kronen auf den Steckbriefen ausgelesen. Bei drei Kronen brauchte es schon einen kleinen Trupp fähiger Jäger."
      Wie viele Kronen wohl Ruairi und August erhalten würden? Alleine aufgrund ihrer FÄhigkeiten zweifelte Perley an einer normalen Bewertung.
      Auf ihre letzte Frage hin sah er Ember an.
      "Lässt sich herausfinden. Soweit ich weiß, war es etwas in der Nähe von Wales. Ich werde Erkundigungen einholen und informieren. Jedoch warne ich davor, zu tief in Vergangenes einzutauchen. "
      Ihre letzte Anmerkung nahm er mit einem Nicken zur Kenntnis und sah zur Hintertür. Ein Caster. Noch dazu ein Mächtiger. Oh, das würde ein Spaß.

      Das dumpfe Atmen des Schlafes hatte August gerade verlassen und noch bevor Ember seinen Arm berührte, hatte er sie gehört.
      Ruhig und beinahe jungenhaft stöhnend drehte er sich auf den Rücken und fuhr sich durch das zerknitterte Gesicht, von dem die Haare in alle Richtungen abstanden. Erneut fühlte sich August Foremar stärker denn je, wenn man betrachtete, dass er vor kurzem noch halbtot erschienen war.
      Schweigend richtete er sich auf und lehnte sich gegen die Kopflehne.
      "Hey", sagte er mit schlaftrunkener Stimme. "Alles in Ordnung? Plan funktioniert? Nehme nicht an, dass ich dich für einen schnellen Spaß in diese Federn kriege oder?"
      Ohne auf eine Antwort zu warten schwang er die Beine aus dem Bett und marschierte in Richtung des Kleiderschranks. Mit zielsicherer Genauigkeit wählte er eine schwarze Weste, ein weißes Hemd und eine Jeanshose in Schwarz aus, die er sich zurecht legte. Eine Dusche war nicht nötig, aber zumindest für einen Moment wolte er die Kühle seiner Haut genießen.
      "Was gibt es neues?"

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    • Ein träges Schmunzeln war alles, was Ember zunächst vollbringen konnte. Selbst wenn August gerade erst erwacht war, so war er deutlich schlagfertiger als Ember es gewesen wäre. Und so erwiderte sie nicht schnell genug etwas auf seine Worte, da war er bereits aufgerichtet und hatte die Beine aus dem Bett geschwungen. Ein wenig gedankenverloren strich die Ermittlerin über die Stelle, die noch warm vom Körper des Zauberers war ehe sie sich lang ausstreckte und auf die Seite rollte, wohl darauf bedacht, dass die Schuhe außerhalb des Bettes schwebten.
      "Ich bin hin und wieder für einen schnellen Spaß zu haben, was aber nicht bedeutet, dass ich generell leicht zu kriegen bin", sagte sie und stützte ihren Kopf seitlich auf ihren Arm ab während sie August dabei zusah, wie er sich Kleidungsstücke aus dem Schrank sammelte. Er hatte indes ein kleines Lämpchen angezündet, damit sie nicht mehr im Volldunkel handtierten. "Außerdem bist du ohne eine Antwort direkt aus dem Bett geflüchtet."
      Ihre Stimme klang eine Spur beleidigt, aber wenn er sie ansehen sollte, würde er nur das spitzbübische Lächeln in ihrem Gesicht gesehen, was sie immer zeigte, sobald sie jemanden aufzog. Sie konnte nicht anders als ihn weiterhin mit den Augen zu sondieren; immerhin trug er aktuell immer noch nur seine labbrige Unterwäsche. Das reichte, um sich der restlichen Tattoos gewahr zu werden, die er nicht nur als Zierde mit sich trug.
      "Scheinbar hat Ruairi Knight an den Fersen. Jedenfalls ließ er mich wissen, dass er sich überwacht fühlt. Ich denke, der Austausch wird schnell von statten gehen müssen, damit die Fassade nicht fällt. Leider ist der Mann nicht ohne Grund Commissioner, fürchte ich. Im Übrigen hat Ruairi ein bisschen für mich recherchiert und alte Schriften aus Canterbury ausfindig gemacht. Dort stand mein Familienname niedergeschrieben, allerdings wurde er nachträglich geschwärzt. Der einzige Hinweis darauf, dass die neueren Schriften allesamt schon abgeändert worden sind", berichtete sie von dem, was sie in der Zwischenzeit noch hatte erfahren können. "Außerdem würde sich Noland die drei Caster besehen. Vielleicht kriegt er aus Fragmenten noch etwas mehr heraus bevor wir die drei.... opfern."
      Das letzte Wort kam ihr nur träge über die Lippen. Bis jetzt konnte sie den Gedanken immer wunderbar von sich weisen, dass sie wissentlich Menschen an den Galgen lieferte. Sie war schon immer dagegen gewesen, sinnlos Leben zu verschwenden und auch damals, als sie August erschossen hatte, war es das erste und schlimmste Mal in ihrem Leben gewesen. Aber in ein paar Stunden würde sie sich der Gewissheit stellen müssen.
    • August Foremar drehte sich nicht um , um das spitzbübische Lächeln auf ihrem Gesicht zu beobachten. Dennoch wusste er, dass es da war. Schwungvoll platzierte er die Kleidungsstücke auf dem Bett, auf dem Ember lasziv gerollt hatte und grinste sie ebenso schalkhaft an, ehe er seine Unterwäsche fallen ließ und sich neue Wäsche aus dem Schrank suchte.
      Noch während er sie anzog, überlegte er, was er zu dem Ganzen sagen konnte.
      "Ich habe nicht gedacht, dass du leicht zu kriegen bist", murmelte er grinsend. "Ich sagte nur, dass ich dich jederzeit und in jeder Facon wollen würde. Aber da leider die Zeit drängt und ich keine Lust habe, dem Anderen", er sagte dies mit einem undefinierbaren Unterton, jedoch empfand er bei der Vorstellung, dass Ember und er dasselbe taten wie sie und August ein gewisses Unbehagen. "...zu begegnen, während wir gerade zugange sind, sollten wir das verschieben. Aber es wird eine Nacht geben, an der du nicht mehr ans Laufen denken wirst."
      Und diese war hoffentlich nicht fern. Sorgsam verbannte der Zauberer seine Bedenken in den Hintergrund und begann, sich vor dem Bett anzukleiden, während er zuhörte.
      "Mach dir keine Sorgen. Ich werde einen Spiegelschild über dem Haus freisetzen, sodass es aussieht, als würde das Auto nur harmlos parken. Selbst Knight mit seinen Fähigkeiten dürfte das nicht ohne Hilfe durchschauen", sagte er und schloss die Jeans über seiner Hüfte. "DIese Schriften..."
      Kurz hielt er inne und sah zu Ember hinab, ehe er seufzte,.
      "Das macht das Ganze noch komplizierter. Aber nicht völlig unmöglich. Das heißt nur, dass wir Schriften finden müssen, die noch älter sind. Vielleicht sogar Schriften aus der Zeit der Entdeckung selbst. Und das heißt, wir müssen nach Canterbury. Oder aber nach Glastonbury. Dort sollte es noch Relikte aus dieser Zeit geben. Vielleicht finden wir dort etwas..."
      Er zuckte die Achseln und schmiss das Hemd über den Leib, ehe er erneut inne hielt und betreten zu ihr hinab sah.
      Ja, es würde ein Opfer. Sie warfen drei Caster diesem Monstrum von Mann zum Fraß vor. Und sie konnten es nicht verhindern. Und doch...Es musste doch irgendetwas geben...was er sagen konnte...
      Nein. Ember brauchte die Wahrheit. Verdiente die Wahrheit.
      "Ember...", begann er und setzte sich auf die Bettkante, ehe seine Hand nach ihrer griff. Sie wirkte beinahe klein und zerbrechlich in seiner, während er sie leicht drückte. "Ich...Ich könnte dich belügen und dir sagen, dass es nicht so ist. Aber du weißt es besser. Es ist unsere einzige Wahl, damit Prestegaard dich in Ruhe lässt. Wir können keinen Krieg an drei Fronten gewinnen. Ich wünschte, es gäbe einen anderen Weg..."
      Es gibt einen, dachte er grimmig, wärhend er zart ihre Hand küsste. Und August Foremar würde ihn gehen, wenn es notwendig ist. Auch wenn es vermutlich das Dümmste war, was er tun konnte.
      Ein Pochen an der Tür ließ ihn aufschrecken und horchen.
      "Ich bin es", sagte Perley dumpf und Foremar entspannte sich.
      "Was ist?"
      "Er ist da", sagte Caulson. "Es nähert sich ein Wagen. Drei Minuten."
      "Ich danke dir.."
      Schweigsam erhob er sich und schloss Hemd und Weste beinahe in einem Rutsch, ehe er zu Ember sah.
      "Also dann...Showtime. Geh schon hinunter und schließ bitte die Hintertür auf. Und achtet darauf, dass man dich und Perley nicht sieht. Ich spreche von hier aus den Schildzauber. Es wird alles wie immer sein, nur eine Leichte Wand um das Haus errichten. "

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