[2er RPG] Dusk & Dawn [Asuna & Nico]

    • Die Schwarze Stadt - Händlerviertel

      Das Geheimnis des Kuriositätenladens war neben seinem merkwürdigen Aufbau von gewundenen Gängen und hohen Regalen durchaus auch die Tiere, welche die Neuankömmlinge beobachteten. Während August sich an den Vitrinen gütlich tat (an der Vitrine mit den magieinfusierten Herzen blieb er lange stehen und beobachtete das rhythmische Schlagen mit neuem Interesse), warfen die ausgestopften Tiere Blicke durch die Gänge. Gerade ein ausgestopfter Otter sah Jasper beinahe hypnotisch nach als dieser sich nach vorne durch schlängelte.
      Aus den Regalen stachen diverse Antiquarien hervor und ein Buch versuchte nach Jasper zu schnappen, als dieser vorbei zog. Die Stimme des Jungen hallte durch den Laden und an der schmalen Theke wider, die sich vor ihm auftat. Auch dort lagen einige Kuriositäten verborgen, welhce jedoch einiges an Wert zu besitzen, wenn man bedachte, dass es sich fast ausschließlich um Amulette und dergleichen handelte.
      Schwere Schritte kündigten die Ankunft des Ladenbesitzers an. Aus dem Schatten des Separees, welches sich hinter der Theke befand, schälte sich ein großer Schatten. Vermutlich der Schatten des wohl größten Mannes, der selbst August bisher untergekommen war. Mit einem schmalen Seitenblick hatte sich der Arkana zwischen den Regalen näher an die Theke geschoben und blickte neugierig zu Abraxas Hill.
      Dieser war ein hochgewachsener und beinahe dürr zu beschreibener Mann unbekannten Alters. Man konnte lediglich sagen, dass er sehr alt war. Das Haar stand ihm schneeweiß und wirr nach allen Seiten des Kopfes ab und wirkte so unordentlich wie ordentlich zugleich. Selbst der Rauschebart, der ihm bis auf die Brust fiel, wirkte nach einem chaotischen Muster geordnet, sodass nur noch die hellblauen Augen aus dem Schädel starrten, die sich komplett von der hellen Haut abhoben.
      "Hallo Jasper", murmelte er mit heiserer Stimme. "Alsdann...Was schwebt dir vor? Du suchst doch sicherlich kein Geschenk für deinen Vater hier unten, nicht wahr?"
      Erst jetzt merkete August, wie mächtig ein Gedankenleser sein konnte, wenn er nur lange genug übte. Hoffentlich drehte der Junge nicht durch.




      Embers Wohnung

      Schweigsam betrachtete er die Frau auf seinem Schoß und wie sie sich langsam davon erhob. Alleine die Aufforderung jagte ihm einen gierigen Schauer über die Haut, derer er nur schwer Herr wurde. Folgsam presste Ruairi die Hände auf das Bett und krallte sich in die Decken ein, damit er ja nicht auf die Idee kam, dem Befehl nicht Folge zu leisten. Das einzige, das er sich herausnahm, war ein leichtes anheben seines Oberkörpers, damit er ihrem Gang vor das Bett folgen konnte. Und es gab einiges zu bewundern wenn er ehrlich war. Und Ruairi wäre nur ein unehrlicher Mann gewesen, wenn er nicht geradewegs auf ihre Kehrseite gesehen hätte, als sie sich die Beinkleider entfernte. Auch wenn diese entzückende Ansicht nur allzu bald durch ein Maxishirt wieder verdeckt wurde. Zu schade.
      Noch während sie seine Hose öffnete und die Spuren von Ruairis Begierde freilegte, seufzte er schwer und ließ den Obverkörper zurück fallen. Ein schwaches Grinsen zierte sein Gesicht und er musste die Augen schließen, da ihm sonst bereits der Anblick von Ember zwishen seinen Beinen alles an Selbstbeherrschung genommen hätte, was er hatte.
      Als sie dann auch noch das empfindliche Fleisch berührte, das sich unter ihren Fingern nur noch mehr zu erhitzen schien, zuckte er erneut zusammen und wand sich beinahe wimmernd unter ihr.
      "Alles ist alles", murmelte er und sah sie mit unverhohlener Begierde. "Ich weiß nicht, was ich dir anbieten soll. Was willst du? Sags mir!"
      Seine Stimme wurde dunkler wie ihre, zumal ihn der nahe Körperkontakt dazu anregte, bereits rhyhtmisch mit seiner Hüfte an ihr zu reiben. Doch die Bewegungen waren eher steif und ungelenk, wenn man an seine sonstigen Fertigkeiten dachte. Doch was sollte er tun? Ruairi hatte das Gefühl, ohnehin schon vor dem Platzen zu stehen und sie quälte ihn derartig. Zumal es ihr auch noch Spaß zu machen schien. Innerlich dankte er dem Herrn dass es nur ihr Zeigefinger war, den er gespürt hatte. Der Himmel wusste, was geschehen wäre, wenn sie andere Teile ihres Körpers genutzt hätte.

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    • Die Schwarze Stadt

      Jasper hatte sich mit seinen Erwartungen etwas verkalkuliert. Mit jedem Schritt wurde der Mann, der sich als Ladenbesitzer entpuppte, größer und größer. Und mit jedem Zentimeter größerer Gestalt wurden auch die Augen des Jungen immer größer. Bislang hatte der Junge seinen Onkel als unsortiert empfunden und auch August sah eher zerrupft aus als alles andere. Abraxas Hill jedoch toppte diese Wahrnehmung spielend leicht mit seinen wirr abstehenden weißen Haaren und dem krauseligen Bart. Seine Haut war so hell wie jene der anderen Bewohner hier unten und verrieten, dass auch er seit Ewigkeiten kein Tageslicht mehr gesehen haben musste. Noch brüstete sich Jasper mit der Hoffnung, es halbwegs gescheit hinzubekommen. Das änderte sich aber schon in den nächsten Sekunden.
      Jaspers Blick entglitt ihm, als der Inhaber seinen Namen nannte und dann die offensichtliche Lüge enttarnte. Fast hätte er sich scheu nach August umgeschaut, hielt sich jedoch im letzten Moment davon ab. Dass sein Körper allerdings steif wie ein Brett wurde konnte der Junge beim besten Willen nicht verhindern. Instinktiv wollte sich seine eigene Aura melden, seine innere Welt vor den neugierigen Blicken anderer schützen. Aber mehr als ein Flackern seiner Augen ließ der Junge nicht zu. August hatte ihm mehrfach angedeutet, dass seine Fähigkeit nichts alltägliches wäre und dann würde er sie nur nutzen, wenn es unbedingt sein musste.
      "Äh... ja, also, schön, dass Sie meinen Namen kennen?" Steifer ging es ja wohl kaum, aber anders bekam er keine Kurve gekratzt. "Können Sie Gedankenlesen oder sowas? Ich mein, ich hab ja kein Namensschild an mir dran oder so..."
      Jasper verfiel in ein Schweigen nach diesem Satz und starrte den Hünen an. Wie machte der Mann das? War es wirklich nur gedankenlesen oder machte er irgendetwas anderes? Wie viel hatte er bereits erfahren? Wusste er schon, wer Jasper war? Dass August mit von der Partie war? Dass er -
      Jasper schlug sich gedanklich. Wie auch immer Hill es anstellte, sich in Fragen in seinem Kopf zu flüchten half niemanden weiter. Er musste seinen kühlen Kopf behalten, sich schön auf die singende Stimme konzentrieren und die Balance halten. Die Ruhe behalten...
      "Okay, stimmt. Ich such nicht nach was für meinen Dad. Der Wichser kann gern versauern wo er ist. Aber ich such tatsächlich nach 'ner Kleinigkeit. Wie Sie sehen bin ich nicht unbedingt... kräftig." Er kratzte sich etwas unbeholfen am Kopf. "Und da oben bricht das Chaos aus. Man hat mir gesagt, ich kann hier vielleicht was finden, das mir ein bisschen mehr... hm.. Sicherheit? Gibt?"



      Embers Wohnung

      Ember spürte jede einzelne Bewegung von Ruairi unter sich. Er hielt sich eisern an ihren Befehl, hatte sogar die Hände in das Laken zu seinen Seiten gekrallt. Es schien ihn alles abzuverlangen, ihren Worten weiterhin Folge zu leisten, und Ember liebte es. Noch während der Kusses seufzte sie an seinen Lippen als er sich an sie drängte, sie spüren konnte, wie er sich hart an ihr rieb. Leicht hatte sie ihr Becken etwas anders gekippt, damit er mit seinen unbeholfenen Bewegungen an den wirklich wichtigen Stellen rieb und somit ihre Willenskraft auch ins Wanken brachte. Es war eine lächerlich dünne Stoffschicht, die sie beide dort trennten und keiner von ihnen machte auch nur Anstalten, sich ihrer zu entledigen.
      "Gefallen dir solche Spiele nicht?", hauchte sie an sein Ohr bevor sie sich wieder von ihm trennte und sich aufrichtete.
      Ihr Atem war nicht mehr ganz so gelassen wie zu Beginn und auch ihr Gesicht bekam langsam leichte Farbe. Überdeutlich spürte sie ihn zwischen ihren Schenkeln zucken und prompt fragte sie sich, wie lange sie eigentlich mit ihrer eigenen Grenzen spielen können würde. Sie hatte ihn schon so weit getrieben, dass er vermutlich nicht mehr lange aushalten würde. Zumindest nicht lang genug um auch ihr die Extase bescheren zu können. Also verging sie sich an dem Vorspiel und insbesondere an dem Blick, den der Zauberer ihr zuwarf.
      Ihre Hände wanderten über Kreuz an den Saum ihres Shirt, das sie in einer geschmeidigen Bewegung über ihren Kopf zog und ebenfalls zur Seite auf den Boden warf. Erst anschließend nahm sie seine Hände, löste die verkrampften Finger aus dem Stoff und legten sie an ihre Taille, um sie sachte abwärts zu schieben bis sie auf ihren Hüftknochen zum Halten kamen.
      "Ich möchte, dass du mir zeigst, was du möchtest. Oder willst du dich noch länger von mir triezen lassen? Du hast dich so lange an meine Regeln gehalten, jetzt darfst du mich ruhig anfassen...", schloss sie ihre Worte und vorfreudige Erwartung trat in ihre Augen.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Embers Wohnung

      Und wie sie ihm gefielen...
      Ruairi gab sich alle Mühe sich an den Befehl seiner behelfsmäßigen Herrin zu halten, während er sich gleichermaßen dafür schelten sollte. Und doch wirkte es nicht erzwungen was sie hier beide taten. Ember schien Spaß an diesem Spiel zu haben und auch wenn er das Gefühl hatte, gleich eher Ähnlichkeit mit einem Gartensprenkler zu haben, verlangte ihm dies Spiel alles ab, was er besaß.
      Sachte lehnte er sich in den Kuss, da es ihm den Fokus ein wenig von ihren Geschlechtsteilen fortnahm, die er nur allzu sehr begehrte. Es musste ein Fokuswechsel her, den sie Gott sei Dank vornahm. Schweigsam ließ er zu, dass sie seine Hände an ihre Taille legte. Diese weiche, wunderbare Haut, die er so liebte, war unter dem Shirt zu ertastbar, aber da. Und erfreulicherweise glitzerten seine Augen, als er bemerkte, dass sie dieselbe Hitze in sich trug wie er.
      "Mir gefallen diese Spiele", wisperte er mit rauer Stimme und verschob sich ein wenig unter ihr, damit sie nicht die ganze Zeit auf seiner Männlichkeit saß. Es würde ein Unglück geschehen, wenn sie zu lange der Reibung ausgesetzt waren.
      "Was ich möchte...", murmelte er und sah sie unverhohlen an. "Was ich möchte, ist das hier..."
      Ruairis Iren begannen golden zu leuchten und mit seiner rechten Hand fuhr er langsam über den seitlichen Bund ihres Slips. Die Linke wanderte an die andere Seite des Slips und zog daran. Als bestünde der dünne Stoff nur aus Luft ließ er sich zur Seite fortziehen und behielt seine Form zurück, als er den Slip achtlos fort warf. Dasselbe tat er mit ihrem Maxishirt. Die rechte Hand fuhr über ihren Rücken, während die Linke sich zwischen ihre Brüste legte und an dem Shirt zog. Wie Luft glitt es an ihr vorbei und wurde achtlos und Schaden beiseite geworfen. Erst danach verloschen seine Augen wieder.
      "Ich will das hier", wiederholte er und legte seine Hand auf ihr Herz während die Rechte sich fest in ihre Hüfte grub. Langsam und mit seichten Bewegungen glitt er nach Vorne, streifte ihren Venushügel, bis er auch zu ihrem heißesten Ort vordrang, der sich ihm prominent ins Sichtfeld drückte. "Ich will alles, wie ich es sagte. Und noch viel mehr. Und das es nicht endet, wenn wir das hier beendet haben...Und ich weiß nicht...Ich will noch so viel mehr..."
      Ehe er sich verhaspelte, glitt seine Linke in ihren Nacken und zog sie wieder zu einem Kuss herab, während seine Rechte ihre Körpermitte erkundete und gleichsam Feuer wie Wasser erspürte. Es war der reine Wahnsinn, was diese Frau alleine mit ihrem Schoß zu entfachen wusste. Allzu sehr wollte er sich darin vergraben, in dieser wundersamen Symbiose aus Elementen, während er sich gleichsam zum Maße mahnte. Nichts überstürzen, Ruairi...Wir haben Zeit...

      Die Schwarze Stadt

      Der alte Mann sah zu Jasper hinab und blickte ihn mit kalten, wissenden Augen an. Erst danach offenbarte er ein schiefes Lachen mit gelben unregelmäßigen Zähnen. Jaspers Fragen waren jugendlich einfach, wusste der alte Mann und sah neugierig in den Laden. Doch auch wenn er noch weitere Aktivität spürte, so sagten ihm seine Tiere nichts. War der Junge doch mächtiger und klüger als er dachte? Hatte er seinen Partner getarnt oder war dieser klug genug, den Laden nicht zu tief zu betreten?
      "Mitnichten trägst du ein Namensschild", murmelte er. "Ich bin tatsächlich ein Telepath, wenn du es so willst, aber deine Gedanken sind selbst für meine Verhältnisse erschreckend offen. Hat man dir nicht gesagt, dass man an diesem Ort seine Gedanken besser verstecken sollte, Junge?"
      Schnaubend hörte er seiner Frage zu und seufzte. Es traf zu, dass dieser Junge keine wirkliche Gefahr darstellte. Ja, er war durchaus fähig, magische Dinge anzurichten, aber von ihm ging keine Bedrohung aus. Zumindest schlug sein Artefakt nicht aus, als er sich ihm näherte.
      "Sicherheit...", grummelte Hill und strich sich mit langen, spinnengleichen Fingern über den Bart. "Es gäbe da etwas..."
      Mit seinen langen Händen fuhr er über die Glastheke unter sich und klickend sprang ein Schloss aus der Verankerung, als erwarte es die Liebkosung seines Herrn. Mit einer sanften Bewegung griff er hinein und fischte ein kleines Amulett heraus. Es wirkte wie ein rundes, goldenes Auge, das man zwanghaft verschlossen hatte.
      "Ist ein Sinhedron", grummelte Hill erneut. "Ein altes Artefakt. Beinhaltet die Illusion eines Tiefenkriechers in sich. Kann Feinden Angst machen während du abhaust, kleiner Jasper. Oder schwebt dir etwas anderes vor?"

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    • Die Schwarze Stadt

      Für einen Moment wurde Jasper unruhig als er sah, wie der Inhaber seinen Blick durch den Laden schweifen ließ und allein Anschein nach keine Ahnung hatte, dass August sich ebenfalls hier befand. Also war es gut, dass sich kein Gedanke an den Arkana in den Kopf des Jungen gestohlen hatte. Trotzdem rümpfte er pikiert die Nase.
      "Ganz ehrlich? Ich fühl mich halt ein bisschen aufgeschmissen hier. Ich hab echt keinen Bock drauf, dass man mich als Rogue wahrnimmt und will eigentlich so wenig wie es geht mit dem Ganzen Magiekram zutun haben. Verstehen Sie das? Deswegen hat mir natürlich auch kein Schwein gesagt, dass hier Telepathen herumlaufen..." Er blinzelte Hill an. "Äh, sorry. Nichts gegen Sie."
      Es wurde allmählich leichter. Vorallem, als Hill scheinbar auf seine Frage ansprang und sich nach etwas umschaute, das Jaspers Beschreibung entsprech. Aufmerksam folgten seine Augen jedem Handgriff, den er sehen konnte bevor ein kleines Amulett hervorholte. Es ähnelte nur von Weitem dem Kelch, den die Madame Chambers mitgebracht hatte und keine Stimmen meldeten sich in Jaspers Kopf. Das Hauptteil, das einem Auge ähnelte, sah gleichermaßen spannend und unspektakulär aus.
      "Fancy Name...", bemerkte Jasper ohne groß drüber nachzudenken und runzelte die Stirn. "Aber ich hab keine Ahnung, wie so ein Vieh aussieht. Oder was das macht. Ich glaub, Angst wird denen da oben nicht mehr sonderlich viel machen. Da muss ein bisschen was mit Wumms her." Er dachte noch immer nicht großartig über seine Wortwahl nach. "Sind ja nicht alle so Schisser wie ich..."
      Trotzdem behielt er seine Politik bei und berührte nichts, was er nicht wirklich anfassen musste. Er konnte nicht einmal ein bisschen seiner Aura einsetzen, denn sonst würde er ja direkt drauf zeigen können, was ihm am meisten interessieren würde. Außerdem ging er stark davon aus, dass ihn hier sowieso alles anschreien würde, sobald er ein bisschen seiner Kontrolle fahren lassen würde.
      "Ich mein, ich will jetzt keinen Arkana oder so von mir abhalten. Aber ich hab wenig Bock drauf, dass ich nachher vor hochrangigen Castern weglaufen muss. Ich glaub, die haben keine Angst vor Illusionen... Wissen Sie, was ich mein?"



      Embers Wohnung

      In diesem Moment, in diesen stillen Stunden, fürchtete sich Ember nicht einmal davor, wenn Ruairi seine Magie nutzte. Nicht, wenn er mit diesen begierigen Augen zu ihr aufsah, sich nach ihr verzehrte und sie sich tausendprozentig sicher war, dass er ihr rein gar nichts antun würde. Also tat sie nur einen kontrollierten, tiefen Atemzug als seine Augen zu leuchten begannen und sie ihn einfach machen ließ. Fast schon fasziniert sah sie an ihrem eigenen Körper herunter und dabei zu, wie sich ihre Wäsche in Geisterware verwandelte, die sich völlig spurlos von ihrem Körper lösen ließ. Gebannt ließ sie ihn sie völlig auf diese Art und Weise entkleiden, sodass sie am Ende noch immer mit dem gleichen Selbstverständnis auf ihm thronte, aber anerkennend schmunzelte. Er hatte es ihr ja bereits einmal vorgehalten.
      "Ich will das hier."
      Seine Worte waren klar formuliert und Ember vergaß für einen Augenblick wie atmen funktionierte. Er hatte seine Hand oberhalb ihres Herzens gelegt als er diese Worte gesprochen hatte und sie war sich absolut sicher, dass er den rapiden Anstieg ihres Pulses hatte spüren müssen. Die Hand, die sich zeitgleich in ihre Hüfte grub, war dabei nur Nebensache. Hatte er damit gerade wirklich gemeint, dass er ihr Herz wollte? Im übertragenen Sinne?
      Die weiteren Worte befeuerten diese Annahme nur noch weiter. Doch Ember war sich nicht sicher, ob sie einfach nur von Hormonen gerade geflutet wurde als er sich an ihr entlangschob und Stellen berührte, die sie erwartungsvoll aufatmen ließen. Er hatte schon einmal so eine Andeutung gemacht. Er liebte sie - das musste es sein.
      Bevor sie aber weitere vage Feststellungen in diesem Bereich tätigen konnte, tauchte Ruairis linke Hand in ihrem Nacken auf und zog sie zu einem Kuss herunter, der ihr die Gedanken einfach nehmen sollte. Oder Moment - vielleicht war es auch seine rechte Hand, die sich plötzlich am Zentrum ihrer Lust befand und ihr noch an seinen Lippen ein leises Stöhnen entlockte. Es reichte nicht, das merkte sie jetzt mehr als deutlich und griff mit ihrer Hand nach seiner Rechten. Sie überlagerte seine Hand, führte sie dorthin wo sie die Berührung am nötigsten hatte und scherte sich nicht weiter darum, dass sie ihn regelrecht benutzte. Bis jetzt hatte sie sich unter Kontrolle - doch damit war langsam Schluss.
      "Das klingt ziemlich unersättlich", brachte sie atemlos zwischen den Küssen und dem Kämpfen nach Luft hervor.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Embers Wohnung

      Atemlos verfallen waren die rechten Begriffe nach diesem Kuss, der ihre Lippen beinahe aneinander schmolz. Sinnlich süß erhob sich ihr Mund und beinahe hätte Ruairi das Wispern nicht mehr verstanden, war er viel zu gebannt, was sie mit seiner Hand anstellte. Mit einer Selbstverständlichkeit, die er sich nicht zugetraut hätte, wühlte er sich regelrecht durch ihr innerstes und genoß es auf so viele Weisen, dass er beinahe seine eigenen Sinne verlor. Seine Augen leuchteten unentwegt mal auf und wieder nicht, da er nicht mehr unterscheiden konnte, ob es ein Traum war, oder ob er wirklich nur beim Vorspiel bereits so viel Begierde verspüren sollte.
      Erst nachdem er wieder ihre Worte Prozessieren konnte, grinste er schwach und sah sie kurz an, ehe er jede Bewegung stoppte.
      "Entschuldige...", flüsterte er an ihren Lippen und warf sie mit einer kurzen, aber durchaus galanten Bewegung herum, sodass er endlich auf ihr thronte. "Aber du wolltest, dass ich es dir zeige, was ich möchte. Und gerade möchte ich einfach nur genießen, dass wir Zeit für uns haben..."
      Ungefragt, aber sicher, dass sie sich seiner Avancen nicht mehr erwehren würde, küsste er ihren Hals und zog mit der Zunge eine brennende wie kühlende Spur über ihre Haut. Sie schmeckte leicht salzig, obgleich sie noch nichts dem Akt entsprechendes getan hatten. Und doch veränderte sich das gesamte Empfinden, als er einen letzten Kuss auf ihren Venushügel warf und ihre Beine auseinander drückte, um ihrer Hitze völlig entgegen zu blicken. Ehe er seinen Mund über ihre Körpermitte legte, wusste er bereits, dass er nicht mehr heißen Honigwein schmecken würde und doch vergaß er in diese Sekunde alles um sich herum, um sie ganz zu sich zu holen. Ihr innerstes wie äußeres ZEntrum regelrecht durchwühlend fühlte er sich unsicher, ob er es ihr recht machte, aber mit der Zeit ließ er sich einfach mitreißen.
      Was hatte diese Frau an sich, dass Ruairi derart die Hemmungen vor allem verlor?

      Die Schwarze Stadt

      Abraxas war ein misstrauischer Mann, so viel musste gesagt werden, geneigter Leser. So zog er auch eine Augenbraue hinauf, als Jasper ansprach, dass man ihm nichts von den Telepathen erzählt hatte. Wieso auch? War der Junge nicht aus eigenem Antrieb hier? Schweigsam packte er das angepriesene Medaillon fort und seufzte.
      "Mehr...Wumms, huh?", murmelte er und setzte seine Suche fort, wärhend er über die Bedeutung des Wortes "fancy" nachdachte. Die Jugend von heute hatte keinen Anstand mehr vor ordentlicher Sprache. Alles wurde verdreht und europäische Worte kamen ins englische Sprachbild. Bald verstand man sie gar nicht mehr.
      Während er nach geeigneten Artefakten suchte, sah er kurz auf.
      "Sag mal...", begann er. "Wie kommst du eigentlich hier herunter? Ist jetzt nicht so, dass die schwarze Stadt für Jeden mal eben zugänglich ist. Wieso hat dich der Troll eingelassen? Was hast du ihm gegeben?"
      Falle, dachte August und seufzte. Das konnte der Junge nicht wissen und wenn er sich nicht verraten wollte, musste etwas getan werden. Mit einer kleinen Handbewegung, unsichtbar für Jasper und Abraxas, beschwor er einen kleinen Miniatur August, der seinen Weg durch die Regale suchte. Der Große indes tat das, was er am besten konnte: Chaos stiften.
      Also trat er gegen eines der Regale und ließ ein Glas mit einem grünlichen Schädel herunter plumpsen. Sogleich setzte nach dem Splittern der Scherben ein grässliches Getöse ein, das den Schreien der Sirenen gleichkam. Die Himmel wussten, was das war, aber drückte die Hände an die Ohren und zog sich in die hinterste Ecke zurück.
      Abraxas indes zuckte zusammen und sah auf.
      "Ach verdammich noch eins...", murmelte er. "Moment. Und fass nichts an, wenn du deine FInger halten willst."
      Grummelnd und Mordio murmelnd stakste die Gestalt wie eine Horrorfigur durch den viel zu kleinen Laden in das Labyrinth der Gänge zurück. Miniatur-August indes sprang aus dem Regal auf Jaspers Schulter.
      "Hey du Klotzkopf!", piepste der kleine August und boxte ihm unsanft gegen das Ohrläppchen. "Wie lange wollt ihr noch smalltalken? Frag ihn nach den richtigen Artefakten. Hortare, Schädelringe, Knochengläser und so was. Von mir aus auch nach Seelenkelchen. Wenn er fragt woher du das weißt, war dein Opa schwarzer Magier. Und die Sache mit dem Troll. Trolle nehmen als Bezahlung für die Stadt das Blut von Reinherzen. Frag nicht, was das ist."
      Erst nach einer Weile kehrte Abraxas zurück und Miniatur-August versteckte sich in Jaspers Kragen.
      "Verdammte Affenscheiße...", murmelte er. "Jetzt ist der Sirenenschädel kaputt gegangen. Und wo waren wir? Achja...Der Troll...Also?"

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    • Embers Wohnung

      Ein leises Knurren löste sich aus Embers Kehle als Ruairi in jeglicher Bewegung verharrte. Sie war auf einem so guten Weg gewesen und dann erdreistete er sich einfach, aufzuhören. Bevor sie sich jedoch weiter hätte beschweren können warf er sie herum und vertauschte ihre Positionen. Sie funkelte ihn nach seinem Kommentar an, presste ihre Beine an seinen Körper, der zwischen ihren geöffneten Beinen lungerte. Eigentlich hatte sie auf einen weiteren Kuss gehofft, doch er zog ihren Hals vor, den sie ihm durchaus gerne präsentierte. Sie ließ ihn wandern, über ihren gesamten Torso hinweg, und schloss die Augen. Er wollte die Zeit genießen, die sie hatten? Gerne doch, dann würde sie ihm die Freiheiten gewähren, die er dafür brauchte.
      Ember wies Ruairi an. Nur mit ihren Worten leitete sie ihn an, nahm ihm etwaige Unsicherheiten in seinem Tun und zeigte ihm auf, welche Bewegungen ihr gefielen. Wo er sie zu berühren hatte, mit welcher Intensität. Zwischen ihnen gab es keine Scham. Sie waren einzig darauf gepolt, dass der andere sich gut fühlte. Unter dieser Anleitung dauerte es nicht lange, da bäumte sich Ember unter ihm auf. Sie ließ ihn hören, was er mit ihr machte während er nicht gewillt war, einfach aufzuhören. Er hielt sie konstant auf der Welle, die nicht abzuebben schien und ihr Nervensystem in Brand steckte. Sie wusste nicht, wie lange es anhielt, aber irgendwann tauchte er zwischen ihren Beinen wieder auf und sie kämpfte sich schwer atmend auf ihre Ellbogen.
      Ihr Blick huschte zum Nachtisch. "Jetzt bist du dran?"


      Die Schwarze Stadt

      Das Murmeln des Verkäufers besorgte Jasper. Hatte er doch eine falsche Wortwahl getroffen oder gar dafür gesorgt, dass der Kerl misstrauisch wurde? Besorgt verfolgte sein Blick den Hünen, der sich scheinbar auf die Suche nach etwas anderem machte. Die drauf folgende Nachfrage bstätigte seine Sorge und für einen Moment stolperte der Junge über seine Gedanken. Er durfte keine Pause entstehen lassen - das wäre wirklich verdächtig.
      "Ich bin zwar jung und kenn mich nicht so sehr mit dem Magiezeug aus, aber dumm bin ich ganz bestimmt nicht. Jeder weiß, dass der Troll den Eingang zum Untergrund bewacht. War nur ein bisschen schwieriger herauszufinden, dass es noch einen Eingang gibt. Und noch schwieriger war es, rauszufinden, was man ihm dafür geben muss, stimmt", nahm er direkt die Spur auf, doch seine Gedanken wurden undurchsichtig.
      Das hatte August ihm nicht verraten. War das Absicht gewesen? Es muss Absicht gewesen sein. Er wollte, dass es zur Eskalation kommt. Er wollte sehen, wie Jasper dann reagieren würde. Gerade noch ballte er unsichtbar die Fäuste in den Taschen, da flackerten seine Augen kurz auf. Vor Überraschung weiteten sich seine Augen ein Stück, dann brach ein ohrenbetäubender Lärm aus. Jasper fluchte, als er sich die Hände vor die Ohren schlug und in die Hocke ging. Das war ja fast noch grausamer als die etlichen Auren, die er hier gehört hatte.
      Plötzlich zwackte ihm etwas am Ohr. Er senkte die Hände und hatte einen Mini-August auf der Schulter, der ihm ins Ohr zeterte. "Ja, ja, ja, ist okay! Ich mach ja schon!", zischte er ihm zu und stopfte ihn unwirsch in den Kragen seiner Jacke als er sich erhob und Abraxas wieder zurück zur Theke kam.
      "So ein Krach macht 'ne Sirene?.... Scheiße...", murmelte er und schüttelte kurz den Kopf. "Das Blut von Reinherzen hat geklappt. Keine Ahnung, ob der noch was anderes nimmt, war sowieso nur gut Glück. Das war das einzige, was in den Büchern von meinem Opa stand. Hab gedacht, ich probier's mal."
      Er zuckte mit den Schultern. Sich einen Opa erfinden, den es nicht gab, war einfach. Damit konnte er arbeiten.
      "Er hatte auch Teile erwähnt, mit denen er mal handtiert hat. Ich glaub, der hatte so einen Schädelring oder sowas auf das er geschworen hat. Hat der das hier her gehabt? Das wäre doch vielleicht was?"

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Embers Wohnung

      Beinahe musste er sich ein Lächeln verkneifen, als er bemerkte, dass Ember ihn regelrecht anleitete. Denn dann hätte er dieses Erlebnis verpasst, dass ihm sämtliche Sinne nahm und beinahe der angedachten Ohnmacht nahe trieb. Ihr Geschmack, die Hitze, die ihm entgegen schlug, seine eigene Hitze die stetig zunahm und die krumme Körperhaltung, die er aufgrund seiner eigenen, unübersehbaren Begierde anschlagen musste, ließen ihn beinahe an den Rand seiner Kontrolle gelangen.
      Ruairi genoß jede Körperwindung der jungen Frau unter sich und fühlte sich mit einem Mal verlassen von den Zweifeln und der Angst, die er vorhin erst noch empfunden hatte. Schwer atmend tauchte er aus dem Tief ihres Körpers wieder auf wie ein Verdurstender auf der Suche nach Wasser, ehe er sich nach ihrer Frage mit ihren Lippen vereinigte. Er hatte viel zu lange ohne dieses Gefühl verbracht, um es auch nur eine Sekunde missen zu wollen. Innerlich kämpfte er mit jeder Faser gegen die Bestie, die von ihnen an ihren Käfig klopfte und sich einfach über diese wunderbare Aussicht unter ihm hermachen wollte. Dementsprechend fühlte sich der Kuss an wie das Geifern eines Raubtieres, das nicht mehr warten wollte.
      "Ich bin dran"; wisperte er. Wobei dem Wispern ein dunkler, beinahe animalischer Unterton innewohnte. Als habe sich das Biest entschlossen neben der menschlichen Stimme zu brüllen.
      Der verheißungsvolle Blick glitt zum Nachttisch. Er hatte längst vergessen, was dort lag und wäre es ein Glas brennender Säure gewesen, er hätte für einen Kuss dieser Lippen und der Berührung dieses Körpers freudig hinein gegriffen. Sachte wanderte seine Hand über den Nachttisch - suchend, einem Blinden gleich - ehe er das feine Tütchen Cellophan ertastete und es unter Knistern und mit zitternden Händen zu öffnen versuchte.
      Da! Endlich glitt die Latexhülle hinaus und für eine Sekunde lang sah er an sich hinab wie ein Unwissender, ehe er Ember das Kondom hinhielt.
      "Wärest du so freundlich?", murmelte er und grinste schelmisch. "Ich fürchte, ich würde es nicht schaffen."
      Zum Beweis hielt er seine zitternden Hände hoch und versuchte ihr alleine mit einem Blick zu vermitteln, dass sie heute nicht allzu viel Zärtlichkeit erwarten konnte. Freilich in dem erlaubten Zusammenhang, dachte er dennoch pflichtschuldig.

      Die Schwarze Stadt

      Es blieb nicht zu erwähnen, dass Hill diesem jungen Mann mehr als misstraute. Jeder wusste das also? Wohl eher nur die wenigsten wussten dies. Trolle waren begierig und das Blut von Reinherzen eine der seltensten Flüssigkeiten der modernen Zeit. Nur ein mächtiger Magier vermochte es, sich einen derartigen Vorrat anzulegen. Zweifelnd blickte er an dem jungen Mann hinab und seufzte schließlich. Was sollte man machen? Richtige Antwort war richtige Antwort. Da gab es für Hill keine zwei Meinungen.
      "Dein Großvater muss ein mächtiger Mann gewesen sein...", murmelte er mit dunkler Stimme. Er wollte nach seinem Namen fragen. Er sollte danach fragen. Und doch sah er sich merkwürdig zweifelnd in seinen eigenen Räumlichkeiten um. Ihm war, als beobachte ihn etwas. Oder Jemand.
      Jemand, der ihn zu gerne zu den Teufeln schicken wollte...
      "Ja, eine Sirene macht noch viel mehr Krach, musst du wissen...", murmelte er merkwürdig abwesend vor sich her, ehe er den Kopf schüttelte. Der Junge musste weg. "Schädelringe, huh?"
      Mit einem Schulterzucken wandte er sich um und schlappte altmännisch in seine kleine Werkstatt, die im hinteren Teil des Ladens, gleich hinter der Theke verortet war.
      Als er zurückkehrte, trug er einen bleichen, alten Knochenring auf der Handfläche und hielt ihn Jasper hin.
      "Das macht 10.000 Pfund, junger Jasper. Der Fluch ist praktikabel und birgt die Seele eines Phönix'. Leg den Ring Jemandem an, den du dein Eigen nennen willst. Wenn dein Großvater dies sucht, wird er es hier finden. Wir suchen alle und finden hier."

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    • Embers Wohnung

      Ember verzog einen Moment lang das Gesicht als sie sich auf Ruairis Lippen schmeckte. Lange darüber mimosen konnte sie allerdings nicht, denn dieser Kuss war wild, fordend, ungestümer Natur. Die Worte, die er an ihre Lippen trug, waren dunkel und andersartig. Als lauerte etwas dahinter, das er bisher sorgsam unter Verschluss gehalten hatte. Aber wenn Ember eines war, dann neugierig. Sie musste herausfinden, was dahinter steckte.
      Während sich der Caster nach dem Tütchen tastete, schmiegte sich Ember nur noch näher als es eigentlich möglich war an ihn. Sie wollte jedes Fitzelchen seiner Haut an sich spüren, wie seine Muskeln arbeiteten, wie sich hin und wieder ein Brummen oder gar Grollen aus seiner Kehle löste. Jedes Mal erstickte sie es mit ihren Lippen, zwang ihn zum schweigen, fing seine Zunge ein und nötigte ihn dazu, bei ihr zu bleiben. Als es knisterte gab sie ihn frei und schaute erwartungsvoll zu ihm auf. Ihre Augenbrauen hoben sich ein wenig in Unglaube, als sie das erste Mal einen mächtigen Mann mit zittrigen Händen vor sich sah, der mit dem Plastik kämpfte als sei es sein persönlicher Endgegner.
      "Selbst das muss man dir noch beibringen? Gib her", antwortete sie lachend, nahm ihm das Latex ab, verharrte dann allerdings. Sie sah ihn einen Augenblick lang an, musterte seinen unsteten Blick und ließ eine Hand an seine Wange wandern. Was eben noch ein wilder Kuss gewesen war, war von ihr so voller Zärtlichkeit und Hingabe, als hätte man ihn aus einer gänzlich anderen Dimension geraubt. "Du brauchst doch nicht zittern. Ich bin hier, du bist hier... Niemand wird jetzt etwas dagegen tun können."
      Würde sie so etwas wie einen Schalter in diesem Mann umlegen, wenn sie ihn ausgestattet hatte? Womöglich. Doch Ember war gewillt, dieses Risiko einzugehen. Ihre eigenen Bewegungen waren nicht mehr so sicher wie üblich, nur kaschierte sie es deutlich besser als sie das Gummi über ihm abrollte als wäre es das Natürlichste der Welt. Was es irgendwie zwischen ihnen ja auch war. Als sie fertig war griff sie wieder um seinen Nacken, zwickte ihn in sein Ohr bevor sie leise hauchte: "Dann unternimm was gegen deinen Zittrigen."


      Die Schwarze Stadt

      Jasper sah den Zweifel in Abraxas' Blick und lächelte ihn einfach unbeholfen an. Frei nach dem Motto 'Machste nix' und hätte beinahe noch mit den Schultern gezuckt. Er hielt sich jedoch davon ab, genauso wie er sich davon abhielt, sich nach August umzuschauen. Seine Miniatur kraxelte noch immer in seinem Kragen herum, der glücklicherweise von der Theke abgewandt war.
      "Ich kann mir gut vorstellen, dass er mit einem Synonym unterwegs war. Der Alte war ganz schön vernarrt in Geheimniskrämerei", meinte Jasper nur während ihm auffiel, wie die Augen des alten Mannes durch seinen Laden wanderten. Konnte er nicht eigentlich auch Augusts Gedanken lesen oder gab es eine Reichweite? Wie hatte er es geschafft, dass der Gedankenleser ihn bisher noch nicht aufgespürt hatte?
      Irgendwie lief das hier scheinbar zu Gunsten des Jungen. Jedenfalls wandte sich der Verkäufer ab und verschwand in einem hinteren Abteil seines Ladens. Jasper knickte den Kopf ein und murmelte ganz leise: "Was mach ich denn, wenn er mir so'n Ding bringt?"
      Darüber hatten sie gar nicht gesprochen. August wollte ihn aus dem Verkehr ziehen - wie hatte er allerdings niemals gesagt. Mit einem Mal fiel Jasper wieder in sein Loch aus Unsicherheit weil ihm sein Faden fehlte. Er wusste nicht, was er genau tun sollte.
      Genau dieser Fall trat schließlich ein. Als der Gedankenleser zurückkam trug er einen verblichenen, unscheinbaren Ring in seiner offenen Handfläche. Auf der einen Seite faszinierte das Stück den Jungen mehr als es sollte, auf der anderen Seite warnte ihn noch immer seine Vorsicht davor. Doch als das Teil so verführerisch mit seiner horrenden Summe vor ihm lag, schien seine Hand eigenmächtig zu agieren.
      "Cool...", sagte er und verstummte in dem Augenblick, als der Ring in seine geöffnete Hand fiel.
      Sofort glühten Jaspers Augen lichterloh auf. Aber er rührte sich nicht, starrte Dinge an, die offensichtlich nicht da waren. Sein Geist war wie leergefegt, ein völlig weißer Korridor während er das Gefühl bekam, sein ganzer Körper ging in Flammen auf. Flammen, die keinen Schmerz ausstrahlten und eine Melodie so andersartig schön wie nichts anderes zuvor, dass er jemals gehört hatte. Wenn das die Seele des Phönix sein sollte....
      Jaspers Augen wurden feucht. Er wusste nicht einmal, wieso, aber seine Hand schloss sich um den Ring, sein Blick wanderte zu dem alten Mann hinauf. Noch immer glühten seine Augen in dem hellen Bernsteinton, alle anderen Stimmen, Melodien im Hintergrund waren verstummt. Einzig die Hitze und dieser abartig schöne Klang füllte seinen Kopf.
      "Sind diese Teile nicht illegal? Ich bemächtige mich eines anderen Menschen, wenn ich ihn nutze. Wenn irgendjemand ihn nutzt. Wie viele von solchen Artefakten lagern Sie da hinten?"

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Embers Wohnung

      Es war bereits zu spät, um sich derlei andere Andersartigkeiten wie Gedanken in den Kopf laufen zu lassen. Und wenn er etwas nicht mehr besaß, dann war es wohl die Tatsache, sich selbst zu kontrollieren. Gierig geiferte er regelrecht nach dem Duft ihrer Haut, ihrer Haare und alles was ihm nahe kam, während er zitternd darauf wartete, dass sie ihm half. Freilich vermochte er es selbst zu tun, aber die Berührung an seiner empfindlichsten Stelle fing ihn beinahe auf.
      Noch sachte kam er regelrecht über sie und kommentierte den Kniff in sein Ohr mit einem leichten Knurren, während er sich selbst an ihrer Halsbeuge vergrub.
      "Dein Wunsch ist mir Befehl", flüsterte er sachte in ihr Ohr, während er gleichzeitig mit einem Mal keiner Hilfe mehr bedurfte.
      Überschwänglich und fordernd, drängte er die ohnehin schon geöffneten Schenkel auseinander und kam sich vor wie ein brandschatzender Plünderer, als er in sie eindrang. Gleißende Hitze und ein Flirren vor seinem inneren Auge ließen ihn erblinden und beinahe den Bezug zu dieser atemberaubenden Nähe verlieren, während er sich mehr und mehr in sie hinein schob.
      Waren ihre vorherigen Nächte von Zärtlichkeit geprägt, so glich diese hier einem Überfall. Mit kräftigen Bewegungen seiner Hüfte verlangte er Einlass und erhielt ihn ebenso willig wie zielgerichtet. Mit jedem Mal schienen die Stöße des Mannes gieriger, fordernder und stärker zu werden. Und die Bestie in ihm brüllte, während sich Ruairi an Embers Lippen verging, sie beinahe besuldete mit seiner geifernden Gier. Zäh wie Teer tropften die Gedanken an Angst und Zurückhaltung hinfort, während er die Frau unter sich nahm.
      Ja, man konnte es nicht anders nennen. Entfernt die Gedanken an klassisches Liebesspiel und hin zur wahren Begeisterung und Begierde, die er so lange versteckt hatte.
      Ruairi bemerkte nicht wirklich, dass er sie mit seinen Bewegungen immer höher im Bett schob, bis er mit seinen Händen den Bettkopf berühren konnte und sich selbst daran festhielt. Die Bestie in seinem Inneren mochte nicht zärtlich sein, aber zumindest ließ sie ihm ein wenig der Selbstbeherrschung.
      "Dreh dich um", knurrte er an ihrem Ohr, während er ihr einen letzten Kuss von den Lippen stahl.


      Die Schwarze Stadt

      Mini August tauchte in dem Moment aus dem Hemdkragen des Jungen auf, als Hill sich grummelnd in sein Lager zurück zog. Theatralisch wedelte er mit der Hand vor der Nase herum und seufzte piepsend.
      "Also wirklich, Mann", keifte er. "Du solltest dich echt mal duschen und rasieren. Dein Hemd stinkt wie tausend Winter in einem Pferdearsch. Egal, was du tust: Leg den Ring nicht an. Ein Schädelring ist äußerst mächtig und heftet sich an deine Seele."
      Das war nur die halbe Wahrheit. Ein Schädelring bewirkte letztlich eine Abhängigkeit vom Meister. Je mächtiger die gebannte Seele darin war, um so mächtiger die Fähigkeiten, die man einem Lakaien anerziehen konnte. Dieses Artefakt war mit Abstand eines der mächtigsten und verbotensten Hilfsmittel aller Zeiten. Man konnte Lakaien mit unsäglichen Kräften erschaffen nur durch Anlegen eines Rings.
      Hill indes sah zu dem Jungen nach seiner Rückkehr hinab und zog eine Augenbraue hinauf. In seinem runzligen, faltigen Gesicht zeigte sich eine Art Erkenntnis, die er lange nicht mehr sah. Schweigsam kam er näher an die Theke heran und betrachtete die Augen des Jungen, ehe er lächelte.
      Wobei dies auch eher einer Fratze glich.
      "Du hörst sie, nicht wahr?", flüsterte er und entblößte eine Reihe gelber Zähne. "Die Stimmen aus der Tiefe. Sie singen. Sie rufen nach uns, weißt du? Je tiefer man sich wagt, umso entblößter wird die Seele."
      Ein Anhänger blitzte um seinen Hals auf und das erste Mal, das August in Aktion trat, war überfällig. Mini-August sprang aus dem Hemdkragen des Jungen und wanderte zu seinem Ohr, ehe er zu piepsen begann, wärhend Hill seinen Monolog fortsetzte.
      "Langsam zurückziehen zu mir. Nicht aus den Augen lassen. Um seinen Hals ist ein Hortar. Nicht berühren, langsam gehen. Kein Geräusch, während er verwirrt ist."
      "Sie rufen...Unentwegt, Junge. Dein Opa wird es wissen, die Angebote sind verlockend, weißt du? Sie sind so verlockend...Erst neulich, da..."
      Das Amulett um seinen Hals begann sich zu lockern und wich aus seinem Hemd hervor. Es glich einem kleinen, in Gold gefassten Orb mit einem flammenden Kern. Die Flammen darin waren von gleißender Farbe, eine Mixtur aus Weiß und Rot. Unzweifelhaft Phönixfeuer. Ungut, dachte August während er durch die Augen seines Mini-Me's sah. Phönixfeuer in einem Hortar glich einer Atombombe, wenn man es ausließ.
      "Wo gehst du denn hin, Junge?", fragte Hill und grinste irr. "Du hast nicht bezahlt! Sie alle bezahlen, nicht wahr?"



      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Embers Wohnung

      Scharf sog Ember die Luft zwischen ihren Zähnen ein als Ruairi seinen Worten Nachdruck verlieh und damit auch sein Zittern endgültig vernichtete. Kurz wölbte sie sich ihm entgegen, doch er drängte sie zurück. Ihre Beine konnten sich gar nicht um seine Hüfte schlingen - viel zu rigoros holte er sich das, worauf er so lange hatte warten müssen. Klare Gedanken fassen war nicht mehr möglich als sie an seine Lippen keuchte und sich von ihm treiben ließ. Nur aus dem AUgenwinkel bekam sie mit, dass er irgendwann umpackte sich plötzlich am Kopfende des Bettes abstützte. Er verharrte und offenbarte, wie sehr ihre eigenen Beine bereits zitterten. Mit großen Augen sah sie zu ihm auf, leckte sich über die Lippen.
      "Dann musst du dich wohl oder übel einmal von mir entfernen", erwiderte sie und zog die Knie symbolisch fast bis an ihren Leib an damit er sich löste.
      Was er tatsächlich auch tat und Ember ihre Worte beinahe korrigiert hätte. Sie wollte ihn zurück - jetzt, sofort. Beinahe hektisch rollte sie sich herum und kam auf alle Viere. Definitiv würde sie sich nicht flach liegend platt drücken lassen. Stattdessen ergriff sie nun auch das Bettgestell, stellte die Beine ein wenig auseinander und warf einen Blick zurück über ihre Schulter. Eigentlich hatte sie noch eine spitze Bemerkung auf Lager gehabt, doch da war Ruairi bereits wieder bei ihr und füllte sie ihr. Ihr Kopf fiel nach vor während sie sich dagegen wehrte, von seinen Stößen gegen die Wand gedrängt zu werden. Eine Gänsehaut überrollte ihren Körper, jede einzelne Nervenzelle schien in Flammen zu stehen. Sie liebte ihren zärtlichen Umgang miteinder, aber das hier war eine gänzliche andere Hausnummer. Manchmal war es genau das, was man brauchte: das Frönen seiner niedersten Triebe.



      Die Schwarze Stadt

      Wie konnte man es wagen, solch eine Seele in einen lächerlich kleinen Ring zu zwängen? Jaspers Knöchel traten hell unter seiner ohnehin schon hellen Haut hervor als er die Faust noch enger um den Ring schloss und spürte, wie sich die Spitzen in sein Fleisch drückten. Er verstand kein Wort von dem, was er in seinem Kopf hörte, aber der Wehklang war übermächtig. Er hörte Stimmen aus den Tiefen? Das war vielleicht dieser Frauengesang gewesen, auf den er sich davor konzentriert hatte. Doch das, was nun in seiner Hand lag, war etwas gänzlich anderes. Übermenschlich. Gotteswürdig.
      Ein Anhänger blitzte plötzlich auf und zog Jaspers Blick magisch an. Fasziniert und schockiert zugleich sah er zu, wie sich das Schmuckstück eigenmächtig zu bewegen schien. Sämtliche andere Stimmen im Raum, die wirklich real waren, schienen gar nicht richtig zu ihm durchzudringen. Hills Lippen bewegten sich, aber es rauschte nur. Das Piepsen des Mini-Augusts waren nur hohe Spitzen ohne irgendwelchen Inhalt. Seine glühenden Augen waren ausnahmslos auf den Anhänger gerichtet, in dessen Kern eine andersweltliche Flamme zu brennen schien. WIe auch immer er auf die Idee kam - für ihn schienen dieser Ring und das Amulett zusammenzugehören. Eine Einheit zu bilden, die man einst getrennt und ihnen es verwehrt hatte, sich wiederzufinden.
      Jaspers Hände waren eiskalt geworden, sein Atem ging nur flach. Seine Lippen waren eine einzige, dünne gepresste Linie, als er tatsächlich einen Schritt nach hinten wich. Je näher das Amulett gekommen war, desto stärker kribbelte seine Haut. Es war nicht mehr nur das Feuer, das er spürte. Das ging weit darüber hinaus. Bei dem Stück hatte er wahrlich Angst, sich bis auf die Knochen zu verbrennen, sollte er es auch nur berühren. Ohne sich an Augusts Worte zu erinnern wich er schweigsam zurück, starrte Hill unentwegt an, bis er rücklings sanft gegen ein Regel stieß. Der Widerstand in seinem Rücken schien ihn zu stärken und zeitgleich am Ort festzuschweißen.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Embers Wohnung

      Vermutlich war es dem Rausch geschuldet.
      Dem Rausch und dem schlagenden Geräusch von Haut auf Haut, das ihn immer weiter antrieb und regelrecht die Luft aus den Lungen blies. Schwer atmend und keuchend beugte er sich über und genoß die Geräusche, welche ihre sich liebenden Leiber produzierten. Hemmungslos und beinahe animalisch kam er sich vor, während er sich nahm, was er zu begehren suchte. Genoß das stetige Gefühl der Hitze, dem Glutofen zwischen den Schenkeln dieser Göttin, der ihn wie einen Mahlstrom einsaugte und freiwillig wieder hergab. Als Gabe und Nahme zugleich. Eine wunderbare Symphonie von Lust und Begehren.
      Die Stöße des Zauberers wurden heftiger, fordernder und beinahe animalisch, während er sein eigenes Stöhnen (vielmehr ein animalisches Grollen) nicht mehr im Zaum zu halten wusste. Die Klippe, die sie beide begehrten und merkwürdigerweise in wunderbarer Symbiose ansteuerten, näherten sich ihm in rasanter Geschwindigkeit und auch wenn er wollte: Allzu lange würde er nicht durchhalten,. Es musste doch etwas geben, was er tun konnte.
      Seine Hände gruben sich in das zarte Fleisch der Hüfte vor sich und zogen diese immer wieder an sich heran, den Kollisionskurs beibehaltend wie ein sinkendes Schiff auf einer Eisbank. Eine Spannung baute sich in seinem Inneren auf und zog in seinen Unterleib, der sich mehr und mehr anzuspannen wusste. Als würde ihm die Entscheidung abgenommen, verstärkte er seine Stöße nochmals, wobei er darauf achtete, Ember nicht zu verletzen. Gott, er könnte die ganze Nacht mit ihr...
      Noch während er den Gedanken zu Ende brachte, katapultierte er sich mit einer Urgewalt über die Klippe, dass er es zunächst nicht bemerkte und weiter zustieß, bis ihn die Kraft schlussendlich ganz verließ.
      "Ich...", wisperte er schwer atmend. "Ich...Ich weiß nicht, was...was da über mich gekommen ist..."


      Die Schwarze Stadt

      "Achso verstehe", kicherte Hill, der mittlerweile mit weißen, beinahe glühenden Augen auf ihn hinabsah. Einem Falken gleich starrte er den Jungen erbittert nieder und wirkte lebensfremd. "Du möchtest stehlen, nicht wahr? Dein Großvater war kein Zauberer und du...Du bist kein Junge, der etwas kaufen möchte...Du hast Angst davor, obgleich ein Hortar doch nichts gefährliches ist, mein Junge. Schau nur. Wenn ich ihn hier öffne, dann..."
      Seine Hände griffen nach dem Anhänger und bugsierten ihn zielsicher und beinahe geschickt in auf die Handfläche. Eilig fischten zwei Finger nach einer kleinen Öse, die lächerlich offensichtlich auf dem Rand des Hortars angebracht war. August hinter den Regalen seufzte und schoss wie ein unsichtbarer Schatten hervor.
      "Reicht jetzt auch, Abraxas!", murmelte er und zog an Jasper vorbei, um sich zwischen ihn und den Händler zu stellen, der den Hortar bereits geöffnet hatte.
      Es war schwer, Dinge zerfallen zu lassen. Es gab einen bestimmten Code dafür, der einzuhalten war und Phönixfeuer war mitnichten darin enthalten. Und dennoch.
      Seine linke Hand schnellte vor und umfasste den Hortar, dessen Flammen bereits aus dem Gold herausstiegen.
      "NEEEEIN!", donnerte Hill und schlug nach August, der sich geschickt wegduckte.
      Im gleichen Zuge nahm die Hand die charakteristische, weiße Färbung an und wuchs an Größe. Ein weiteres Fingerglied wuchs an jedem zugehörigen Finger und schwarze Krallen bohrten sich in die Brust des Mannes.
      "Könnte jetzt wehtun", murmelte August lachend und begann, das Phönixfeuer zu zersetzen.
      Galant schlang sich seine Aura um die ausbrechenden Flammen, die schockwellenartig durch das Atelier zuckten und Regale zum brechen oder stürzen brachten. Das meiste der Explosion hielt er in seiner verwandelten Faust, die weißlich zu leuchten und zu stinken begann, als die Haut darunter verbrannte. Die Adern des Armes glühten und gleichsam verzog der Arkana das Gesicht vor dem Händler, während der Schmerz sich wie ein eiserner, brennender Pfahl durch seinen Körper bohrte.
      Erst als die Welle abebbte, ließ er den Anhänger los und prallte gegen Jasper zurück, den linken Arm im Zuge des Feuers völlig verbrannt und entstellt.
      Und Hill zögerte nicht.
      Wütend preschte er vor und suchte nach August und Jasper zu schlagen.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Embers Wohnung

      Zeit besaß in ihrer Wahrnehmung kein Konzept mehr. Ember ließ den Kopf nach vorn fallen und hatte die Augen geschlossen während sie sich Ruairi praktisch ergab. Es war ihr egal, was für Geräusche er von ihr vernahm. Dass sie gar nicht so makellos war, wie er es ihr gerne weißmachte. Beweis genug waren dafür seine Finger, die sich in ihre Hüfte gruben und sie nicht gehen lassen wollten. Sie hätte einfach nur eine Hand lösen müssen, nur eine Hand mit der sich selbst anfassen konnte und dann wäre es für sie vermutlich schon vorbei. Aus Angst, dass sie sich nicht halten konnte, tat sie es nicht und wurde nur in luftige Höhen getrieben während er plötzlich kam und sie sein Zucken deutlich spüren konnte. Ein paar Mal behielt er seine Bewegung noch bei, dann wurde er zunehmends langsam bis er sich schließlich schwer atmend über sie beugte. Seine Händen fassten nach dem Kopfteil direkt neben ihren eigenen. Ember konnte nicht ganz stillhalten und wand sich noch ein wenig unter ihm. Dann legte sie ihren Kopf in den Nacken und fand sich an seinem Ohr wider. Als sie anfing zu sprechen, war ihre Stimme immer noch hauchig und belegt - hörbare Zeichen, dass sie noch nicht so fertig war wie er. "Also ich weiß schon, was da passiert ist. Hast die Kontrolle verloren. Aber ist schon okay, ich lebe ja noch."
      Sie drehte den Kopf so gut es ging und versuchte ihm irgendwo einen Kuss aufzusetzen. Irgendwas von ihm traf sie, was genau wusste sie nicht.
      "Wärst du so frei?...."
      Nach ein paar Momenten ließ er von ihr ab, sodass sie sich vom Betteil trennen und sich ordentlich aufs Bett setzen konnte. Mit einer Hand fuhr sie sich durch die Haare während sie Ruairi dabei zusah, wie er im Bad verschwand und die Tür offen ließ. Gedankenverloren strich sie sich über die Hüfte, wo sie schwören konnte, die Abdrücke seiner Finger noch fühlen zu können.
      "Hab dich noch nie so die Kontrolle verlieren sehen. Sei froh, dass ich nicht sonderlich zart besaitet bin", lächelte Ember in sich hinein.


      Die Schwarze Stadt

      Von Stehlen konnte unmöglich die Rede sein. Wenn überhaupt, dann wollte Jasper nur das, was in diesem Ring war, seine Freiheit zurückgeben. Es gehörte hier nicht hin und war das erste Mal, dass er vielleicht verstand, wieso diese Artefaktverkäufe gestoppt werden mussten. Zugegeben, er hatte Angst vor fast allem, was sich seinem Verständnis entzog und das schloss so ziemlich alles ein, das sich in diesem Laden befand. Außer, warum auch immer, diesem Ring.
      Wie in Schock sah Jasper zu, wie Hill den Hortar öffnete. Dann, erst dann, tauchte eine andere Gestalt in dem Blickfeld des Jungen auf und entdeckte August, der in Aktion trat. Jasper hatte keine Ahnung, wie brisant so ein Hortar sein würde. Und noch weniger, wie brisant das Eingreifen des Arkana war. Als sich Augusts Hand zu verfärben begann, wurden Jaspers Augen nur noch größer. Am Rande seiner Wahrnehmung trat eine neue Melodie, die er noch nicht gehört hatte, in Augenschein. Dann, fast sekündlich später, erklang eine weitere Melodie. Beide wirkten nicht verwandt aber dennoch zusammengehörig und ließen Jasper verwirrt blinzeln. Der feste Griff um den Ring lockerte sich, seine Augen strahlten noch immer gnadenlos und nahmen ihm jegliche Möglichkeit, sich abzuschirmen. Bei der ersten Schockwelle ging Jasper in die Knie und hielt sich schützend die Fäuste über den Kopf und wandte den Blick ab. Als die Welle verebbte, prallte jemand gegen den Jungen und warf ihn um. Er brauchte einen Moment ehe er August am Regal lehnen sah und dann gerade rechtzeitig zu Hill herübersah, um den Fuß kommen zu sehen.
      Wie sagte man so gern? Man trat nicht auf am Boden liegende Leute? Hill schien diesen Spruch gar nicht zu beherzigen als er Jasper gegen den Bauch trat. Ächzen krümmte er sich zusammen, eine Mischung aus Angst, Wut und Adrenalin flutete seine Gehirnzellen. Einzig und allein den Ring konnte er nicht loslassen, als er einen zweiten Tritt abbekam, dann einen dritten. Als der Vierte kam, setzte irgendetwas in Jaspers Gehirn praktisch aus. Geistesgegenwärtig klammerte er sich an den Fuß des Mannes, der dadurch leicht strauchelte. In diesem Moment bekam Jasper die Aura des Gedankenlesers zu fassen und blendete in seiner Panik alles andere aus. Fast schon in Todesangst klammerte er sich an den Fuß des Mannes, der wild versuchte ihn abzuschütteln. Doch seine wilden Versuche wurden zusehends müder während die Aura um Jasper spürbar an Dichte zulegte. Rigoros riss er einen Baustein von Hills Aura nach der anderen auseinander ohne Rücksicht auf Verluste bis plötzlich der groß gewachsene Mann zu Boden ging und Jasper ihn notgedrungen freigeben musste. Ihm war schlecht - mehr als nur übel als er sich auf den Bauch drehte und die Wange gegen den dreckigen kühlen Boden presste. Er schloss die Augen und versuchte den Schwindel, den Schmerz und die Übelkeit zu kontrollieren. Etwas Bitteres lag auf seiner Zunge und das Atmen fiel ihm schwer.
      So hatte sich das vermutlich keiner der Anwesenden vorgestellt.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Embers Wohnung

      Das Bad erweckte eine gewisse Ruhe.
      Während Ruairi seinen Körper in dem Spiegel betrachtete, stützte er sich mit den Händen auf das Waschbecken ab, bis dieses leicht zu knirschen begann. Sorgsam achtete er darauf, sein Gewicht nicht vollends hinein zu legen, aber er musste etwas Reales hören. Seine Augen schimmerten wie Kristalle auf und ab, als wären sie hinter einem Spiegelvorhang gefangen.
      Wie konnte er nur dermaßen die Kontrolle verlieren? Sie waren doch...Für einen Moment sah er in das verschwitzte Gesicht vor sich und erkannte sich nicht mehr. Sah einen anderen Mann dort im Spiegel. Einen, den er nicht mochte.
      Ob sie wütend war? Insgeheim, dort unter der lächelnden Fassade? Ob ihr das hier bereits zu viel war? Ein Ausrutscher, hätte seine Mutter gesagt. Entschuldige dich und mach weiter. Ja natürlich. Mit Sicherheit funktionierte das.
      Schweigsam beseitigte er die Spuren ihres Aktes und spritzte sich kaltes Wasser ins Gesicht, während sein Verstand langsam wieder in die Realität fand.
      Gott, wie sehr er dieses Erbe hasste. Diesen Fluch, den man nicht sah.
      Ihre Stimme erreichte ihn dumpf und wie durch Glas gesprochen, während er sich die Haare aus dem Gesicht strich und wieder in das Schlafzimmer kam. Beinahe seine ganze Körperhaltung schien sich verändert zu haben. Zusammengesunken und regelrecht kleinlaut betrat er den Raum und ein innerer Schmerz zeigte sich auf seinem Gesicht, obwohl er sich Mühe gab, ihn zu verbergen.
      "Ich...Es tut mir Leid", wisperte er. "Ich habe einfach...Ich habe keine Entschuldigung für mein Verhalten, ich...Ich weiß ehrlich gesagt nicht mal, was ich sagen soll."
      Selbst das Lächeln wirkte merkwürdig als er sich verlegen durch das Haar strich und ihr nicht einen Schritt näher kam. Erst nach einer Weile, einer Art Lauerstellung, kam er näher und setzte sich auf das Bett. Etwas hatte sich verändert und es fiel ihm nicht leicht, sich selbst dies einzugestehen.
      "Ich bin irgendwie nicht ich selbst fürchte ich...", sagte er und wies mit dem Finger auf seine Augen, die immer wieder aufflackerten wie Warnlichter.


      Die Schwarze Stadt

      Nun, das hatte sich August durchaus anders vorgestellt.
      Nicht nur, dass der Hortar stärker geladen war als gedacht und ihm seinen linken Arm beinahe fortgeschmolzen hätte, sondern auch bedingt durch die Tatsache, dass Jasper, der kleine unscheinbare zickige Jasper, einen Mann beinahe rigoros hatte zu Boden geworfen.
      Schweigsam und ächzend kämpfte er sich auf seine Beine, die noch immer ein wenig wackelig daher kamen und sah zu dem Jungen herab, der sich noch immer auf dem Boden wand.
      Das Ganze hatte einen ungeahntes Ende genommen, das er selbst nicht falscher hätte berechnen können. Nichtsdestoweniger war das Resultat durchaus beeindruckend. Hill war nach einem kurzen Kampf, wie es erschien, zu Boden gegangen und rührte sich nicht mehr. Seine bleichen Augen starrten an die Decke seines Ladens während seine Lippen leere Worte von sich gaben. Als würde er zu einem Geist sprechen.
      Ächzend erhob sich der Arkana und drückte den verbrannten und regelrecht verkohlten Arm an seine Seite, während er zu Jasper ging. Es waren nur zwei Schritte aber dennoch fühlte es sich wie hundert an.
      "Junge", murmelte er mit belegter Stimme, während in seinem Gesicht die Mixtur aus ehrlicher Sorge nebst Faszination spiegelte. Wahrlich, dieser Junge war bedeutsam. Bedeutsam und gefährlich, wenn er es nicht zu kontrollieren lernte.
      "Junge, gehts dir gut?", fragte er und sah zu ihm, während er sich sodann kurz zu Hill umdrehte.
      Aurenriss, lautete die Diagnose, wenn man es so wollte. Eine völlig zerfetzte Aura nahe der Vernichtung. Ein wahrlich schlimmeres Ende als ein gemeiner Tod. Wirklich faszinierend...
      Eine Weile lang verharrte der Blick seiner Bernsteinaugen auf dem Beinahe-Kadaver des Kaufmannes und er schluckte bittere Galle hinab, als er sich umdrehte und sich zu Jasper kniete. Schweigsam reichte er ihm die gesunde Hand und zog den Jungen auf die Beine, als dieser bereit war.
      "Das war...Das war...", begann er wieder und wieder. "Was ist passiert?"
      Man bemerke, geneigter Leser: August fragte nicht, was Jasper getan hatte. Denn auch wenn Foremar nichts von Jaspers Magie erahnte, so wusste er zumindest die Anzeichen einer magischen Auseinandersetzung zu erkennen. Nein, er fragte nach dem Kontrollverlust. Sicherlich war ein Angriff immer ein Grund dazu, aber eine derartig heftige Reaktion? Er wusste nicht mal, ob er ihm hätte standhalten können.

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    • Embers Wohnung

      Es dauerte eine geraume Weile bis Ember hören konnte, wie das Wasser im Bad aufgedreht wurde. Das Lächeln war mittlerweile aus ihrem Gesicht verschwunden als sie eher besorgt zur Tür blickte und spürte, wie eine gewisse altbekannte Verunsicherung in ihr emporkroch. Sie wollte sie nicht haben, schob sie barsch von sich und zog schließlich die Beine eng an den Körper. Je länger er fort war, desto einsamer und verletzlicher fühlte sie sich. Wie ein kühles Tuch legte sich die Einsamkeit um ihre Schultern und ließ sie frösteln. Dann, endlich, stoppte das Wasser und der Caster erschien wieder in ihrem Sichtfeld.
      Allerdings nicht jener, mit dem sie gerade noch intim gewesen war.
      Viel zu viele Worte prasselten in Embers Verstand, lediglich ihr Mund klappte auf in dem Versuch, einigen von ihnen mit Tönen zu versehen. Doch nichts kam von ihrer Seite. Verwirrung erschien auf ihrem Gesicht während sie mit aller Macht versuchte zu entziffern, wie zur Hölle dieser Mann plötzlich eine derartige Wendung hatte hinlegen können. Noch viel abstruser war die Tatsache, dass er einfach die paar Meter vor dem Bett stehenblieb. Was hatte sie getan, dass er sich nicht mehr wie sein Gott gegebenes Recht gedankenlos zu ihr ins Bett warf? Hatte sie was falsches gesagt? War ihm eine Erleuchtung gekommen, dass er sie doch nicht wollte? Die Art, wie er dort stand. Wie er ihren Blick mied. Wie er seine Worte formulierte, sich immer wieder durch das Gesicht und die Haare fuhr - das war pure Unsicherheit, vielleicht sogar Scham. Scham, wenn er splitterfasernackt vor ihr stand?
      "Warte mal. Ich versteh' nicht ganz. Wieso entschuldigst du dich? Ich hätte jederzeit stopp sagen können wenn ich wollte", erwiderte sie, nun auch mit hörbarer Verwirrung in der Stimme.
      Nach einer gefühlten Ewigkeit setzte er sich in Bewegung und nahm auf dem Bett Platz. Ember hatte ihre Haltung nicht aufgelöst und starrte ihn immer noch perplex an. Er fühlte sich nicht wie er selbst. Ausgelöst durch ihren Beischlaf? War das ein schlechter Trigger gewesen? Dann zeigte er ihr seine flackernden Augen. Da ging ihr schließlich ein Licht auf. Ohne ein weiteres Wort rollte sie sich auf die andere Seite, weg von Ruairi, und stand vom Bett auf. Grob schlug sie die Decke zurück, kletterte unter sie und hielt eine Seite für den Mann am Bettende offen. "Komm ran."
      Sie musste einen nachdrücklichen Blick einsetzen damit sich der Zauberer dazu durchringen konnte, ihrer Aufforderung zu folgen. Sie hatte sich halb aufrecht ans Bettende gesetzt, die Beine ausgestellt, damit er sich dazwischenlegen konnte. Sie schob ihn so zurecht bis er mit dem Kopf an ihrer Brust lag und sie die Decke über sie beide schließen konnte. Dann legte sie ihre Arme eng um seinen Körper.
      "Vielleicht hätte ich dich auch einfach nicht verführen sollen. Oder solange triezen. Es tut mir leid, dass ich das nicht gesehen habe. Ich hätte viel eher merken müssen, dass du nicht so entspannt bist wie sonst. Dass es dir nicht so gut geht."
      Fest schloss sie ihn zwischen ihren Beinen und Armen ein. Ihre Nase drückte sich in sein Haar während sie ihn einfach nur hielt. Einfach nur da war. Einfach nur die Wärme des Anderen spüren ließ.


      Die Schwarze Stadt

      Fragmente tanzten vor Jaspers Augen noch durch seine Lider hindurch. Wie Staub glitzerten sie in die Luft, schwebten wie Sporen umher und reflektierten das kaum vorhandene Licht in sämtlichen Farben des Regenbogens. Er hatte inhärente Angst, dass sich die Welt um ihn drehen würde, sollte er nun die Augen öffnen. Um ihn herum, in seinem Kopf, herrschte eine gähnende Leere. Selbst der heiße Ring in seiner Faust, den er partout nicht hatte loslassen wollen, schwieg endlich. Eine gespenstische Ruhe, wenn er so behaupten mochte und angesichts des Ortes wo sie sich befanden ein Ding der Unmöglichkeit.
      Augusts Stimme drang in sein Bewusstsein vor, doch Jasper reagierte nicht. Er sprach ihn an aber es war nicht sein Name. Er war nur irgendein dahergelaufener Bengel, der wie Balast abgelegt worden war und nun ausbaden durfte was es hieß, wirklich von allen guten Geistern verlassen worden zu sein. Auch auf die zweite Anfrage reagierte er nicht sondern stöhnte leise und gedehnt. Als ein Schatten sich vor seine Augen schob öffnete Jasper die Augen einen Spalt breit und entdeckte einen vor ihm knieenden Arkana. Am liebsten wäre der Junge einfach noch eine Stunde dort im Dreck liegen geblieben und hätte den festen Boden unter seinem Leib gespürt. Leider war dies keine ihrer Optionen und so ließ er sich mühsam aufhelfen. Er stand gerade einmal auf den eigenen Füßen, da zuckte Jaspers Hand von Augusts zurück als hätte er einen elektrischen Schlag erlitten. Und da kam wieder die Frage aller Fragen: Was war passiert?
      Jaspers Blick glitt an Augusts Erscheinung vorbei hin zu dem am Boden liegenden Hill. Er formulierte noch immer stumme Wörter und starrte zur Decke hinauf, wodurch seine weißen Augen nur noch trüber erschienen. Eine Erinnerung blitzte durch seinen Verstand, eine Situation vergleichbar mit dieser. Instinktiv schlang er die Arme um seinen Körper und taumelte ein paar Schritte rückwärts gegen das nächste Regal. Sein gesamter Körper fing an zu zittern, die Farbe war vollkommen aus seinem Gesicht gewichen als er den Ladenbesitzer in purem Schock anstarrte. Er begann zu hyperventilieren, brach sogar in kaltem Schweiß aus während er die anrollende Panikattacke gar nicht kommen sah.
      "Ich... ich wollte nicht... Ich weiß nicht... Stirbt er auch?"
      Seine Frage war nur gehaucht während er krampfhaft um jeden Atemzug kämpfte. Er hatte das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen, fasste sich mit klammen Fingern an den Kragen seines eigenen Shirts und riss daran. Mit einem leisen Pling fiel der Ring zu Boden. Noch immer unfähig den Blick von dem Hünen am Boden abzuwenden, überschwemmten ihn gut vergrabene Erinnerungen an jenes Mal, wo er seinen ersten Menschen getötet hatte.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Embers Wohnung

      Ruairi war kein rührseliger Mann.
      So konnte man es zumindest nicht nennen. Über die Jahre hinweg hatte er sich einen Modus operandi zurecht gelegt, wie er mit der Ablehnung und seinen Kräften fertig werden konnte. Hatte die Blicke der anderen, wenn er mit seiner Realität nicht zurecht kam, bemerkt und gemieden wie der Teufel das Weihwasser. An diese Stelle war das Versinken getreten. Ein Versinken in Kontrolle und der stetigen Aufrechterhaltung seiner magischen wie menschlichen Grenzen, um ja nicht die Kontrolle zu verlieren. Ein stetiger Kampf mit sich selbst und nur selten erlaubte er sich einen Kontrollverlust wie diesen. Eigentlich war das falsch. Er erlaubte es gar nicht.
      Schweigsam kam er zu ihr und legte sich so wie sie ihn haben wollte.
      Es war einfach, in ihrer Wärme zu versinken und die Finger auf seinem Rücken zu spüren. Die Wärme ihres Körpers die ihn nun einhüllte und vormals nur einen Teil seines Körpers in Flammen gesetzt hatte. Sachte verbarg er sein Gesicht an ihrem Brustbein und drückte sanft einen Kuss darauf, während das Flackern seiner Augen langsam nachließ und die überlappenden Realitäten wieder zu einer verschmolzen.
      "Die Verführung war ein Traum", nuschelte er an ihrer Haut und genoss den Geruch in seiner Nase viel zu sehr. "Ich bin einfach...Ich weiß nicht wie ich es sagen soll..."
      Eine Sekunde lang genoss er die direkte Nähe und hob sich dann leicht an, damit er sich zumindest ein wenig auf die Ellenbogen stützen konnte. Er hatte Furcht, sie unter seinem Gewicht zu erdrücken. Nachdenklich blickte er ihr ins Gesicht und es erschien, als sei er um einige Jahre gealtert. Sein Ausdruck glich einem zerfurchten Schlachtfeld und nur schwach glitt ein Lächeln auf sein Gesicht.
      "Ich habe Angst vor einem Kontrollverlust", begann er murmelnd. Seine Stimme klang heiser und gebraucht, als habe er herum geschrien. "Als ich 14 war...Da spielten meine Schwester und ich gemeinsam und experimentierten ein wenig mit unseren Kräften. Wir dachten uns nichts dabei, empfanden wir diese doch als normal und alltäglich. Während ich Realitäten veränderte bis zu dem Punkt, wo man beinahe über eine Neuerschaffung sprechen konnte, zerstörte sie diese. Und gerade als ich dachte, ich könnte sie kontrollieren verlor ich die Kontrolle darüber. Das Ergebnis war grausig und das Haus, in dem wir spielten, ging dabei zu Grunde. Es wurde regelrecht zerquetscht und übrig blieb nur eine Art Holzkugel..."
      Seufzend fuhr er ihr mit dem Finger durchs Gesicht. "Seitdem habe ich mir nicht mehr erlaubt, das volle Ausmaß meiner Begierden zuzulassen. Aus Angst, ich würde ihr wieder verfallen. Gott, ich will mir gar nicht ausmalen, was dir passieren könnte, ich...Deshalb tut es mir Leid."

      Die Schwarze Stadt

      Die Reaktion war wie erwartet.
      Ein unkontrollierter Ausbruch. Nichts war gefährlicher als dieses, wenn man es genau nahm. August blickte in das verschwitzte kleine Gesicht des Jungen, den er gerade erst aufgehoben hatte und sah die Panikattacke, ehe Jasper sie vermutlich selbst bemerkte. Eine Weile lang ließ er dem Jungen Zeit, um sich zu sammeln und aus eigener Kraft heraus zu kommen.
      Erst danach legte er die gesunde, rechte Hand an sein Kinn und drehte seinen Kopf in das Blickfeld des Arkana. Bernsteinaugen trafen die Seinen und bohrten sich wie Dolche in das Hirn des Jungen.
      Starb er auch? Eine merkwürdige Formulierung, der er nachgehen wollte. Aber zunächst galt es, den Jungen zu beruhigen.
      "Sieh mich an!", forderte August unsanfter als er es wollte. Seine Stimme nahm einen weicheren, versöhnlicheren Klang an, als er sich näherte und die Sicht auf Hills Kadaver verdeckte.
      "Sieh mich an, Jasper. Du hast getan, was du tun musstest. Er hat dich angegriffen und verletzt, eine Verteidigung war notwendig, hörst du? Du wirst Niemandem etwas anderes erzählen! Atme! Ein und aus!"
      Er wiederholte die Übung ein paar Mal und hieß den Jungen mehrfach ein und auszuatmen, um den Puls zu beruhigen. Es würde eine Weile brauchen, aber dafür war nicht die Zeit.
      Wie konnte er wissen...
      Erst danach sah August ihm wieder mit beinahe brennenden Augen ins Gesicht und atmete durch. Ruhig bleiben, mahnte er sich. Er kann nichts dafür...
      "Du musst hier verschwinden", wisperte er. "Auf demselben Weg, den wir gekommen sind. Sprich mit Niemandem und lass dich nicht aufhalten. Geh durch den Spiegel und die Treppen hinauf. Wenn du kein Taxi findest, sag dem Troll Bescheid, du müsstest in meinem Namen ein Taxi rufen. Fahre damit zur Detektei und warte dort! Keine Mätzchen, hörst du?"
      Kurz sah er ihn an, den inneren Konflikt auf seinem Gesicht deutlich erkennbar.
      "Und jetzt geh!"
      Mit einem sanften Schubsen drehte er ihn herum und stieß ihn sacht in Richtung Ladenausgang. Es durfte niemand wissen. Es musste geheim bleiben!
      Erst danach drehte er sich wieder zu Hills Körper um und seufzte schwer.
      Der arme Junge...Woher sollte er wissen, dass er das schlimmste magische Verbrechen begangen hatte, was es zu begehen gab?
      "Dann wollen wir mal", flüsterte August und schloss die Augen.
      Ein kleiner Tumult. Nur ein kleiner Tumult.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Embers Wohnung

      Ember hatte nicht damit gerechnet, dass Ruairi wirklich etwas auf ihre Worte erwidern würde. Umso aufmerksamker lauschte sie ihm, gab ihm den Freiraum den er benötigte, um seine Wortwahl entsprechend zu treffen. Sie schob sich etwas höher als er sich auf seine Ellbogen aufstütze. Sie entdeckte die Nachdenklichkeit in seinem Ausdruck aber seine nicht mehr funkelnden Augen trugen noch mehr als das mit sich. Er wirkte müde, geschafft und nicht beseelt wie die letzten Male, die sie zusammen verbrachten.
      Ein normaler oder gar vorsichtiger Mensch hätte sich bei seiner Erzählung aus seiner Kindheit vermutlich von ihm zurückgezogen. Die Sorge angesichts eines Kontrollverlustes war mehr als nachvollziehbar und die Vorstellung, man selbst wäre an der Stelle des kleinen Holzballs war alles andere als erheiternd. Leider war Ember zu verkorkst, um normal oder sinnvoll vorsichtig vorzugehen. Ihre Antwort war ein gedehnter Atemzug während seine Finger kühl über ihre Wange geisterten.
      "Verständlich. Aber du warst damals vierzehn, wie alt bist du jetzt, hm? Du wurdest ausgebildet, du hast ein Gefühl für deine Fähigkeiten. Und du weißt, was dir wichtig ist. Dass es dir dermaßen leid tut zeigt doch nur, wie wichtig ich dir bin. Wenn mir mal etwas Eigenlob gestattet ist."
      Welche Rolle wollte sie bei dem Ganzen einnehmen? Sie vertraute ihm - so sehr, dass sie fest daran glaubte, dass er ihr gegenüber die Kontrolle nicht verlieren würde. Er hatte es nicht getan, als er erfuhr, dass seine Schwester die Welt war. Er hatte es nicht vor ein paar Minuten. Aber sie würde ständig eine Erinnerung in seinem Alltag sein, dass er die Kontrolle nicht verlieren durfte. Er hätte konstant Angst um sie. Was unterschied diese Angst von der von Alex?
      "Ich glaube nicht, dass du bei den wirklich bedeutsamen Momenten deine Kontrolle verlieren wirst. Dass du mir etwas antust. Ich vertraue dir", brachte sie ihre Gedanken zu Wort damit er ihnen folgen konnte. "Aber heißt das nicht, dass du ständig Sorge um mich hast? Dass du bei mir nie völlig frei sein kannst? Meine letzte Beziehung ist in die Brüche gegangen eben weil mein Ex nicht ständig Angst um mich haben wollte. Er hielt es nicht aus deswegen trennte er sich. Also..."
      Ihre Stimme brach ab. Sie wollte nicht aussprechen, dass er sich aus den gleichen Gründen von ihr zurückziehen konnte. Wegen so etwas wollte sie ihn nicht verlieren. Sie tat doch ihr menschenmöglichstes, damit sich keine Sorgen mehr um sie machen musste. Sollte man ihr die Urgewalten entgegen werfen, irgendwie würde sie einen Weg finden, dem standzuhalten. Das hatte sie bisher immer geschafft.


      Die Schwarze Stadt

      Die erste wirkliche Reaktion seitens Jasper entlockte die Hand an seinem Kinn. Widerwillig wandte er den Blick ab, um in jene des Arkanas zu sehen. Ein eiskalter Schauer überlief ihn, der ihn wie eine Hand in einen See aus Eis unaufhaltsam in die Tiefe zog. Bei der doch sehr schroffen Aufforderung, Augusts anzusehen, schnappte der Junge unwirsch nach Luft. Der folgende versönlichere Tonfall wäre vermutlich davor gar nicht bei ihm angekommen, so allerdings prozessierte sein Hirn die Worte in angemessener Zeit.
      Eine Verteidigung war notwendig.... Ja, das war sie gewesen. Aber einen Menschen in ein Wrack zu verwandeln ohne auch nur sichtbar irgendetwas getan zu haben ganz bestimmt nicht. Jasper wusste ganz genau was ihn erwartete, wenn er jetzt an August vorbei auf Hill sehen würde. Eisern folgte er der Atemanweisung als sei es das Letzte, was ihn nun noch vorm Durchdrehen schützte. Die Wiederholungen fruchteten und ließen ihn zwar flach und kurz, aber immerhin ruhiger atmen. Trotzdem war der Ausdruck in seinen Augen gehetzt, der Schweiß stand noch immer auf seiner Stirn.
      Erst dann bemerkte Jasper den seltsamen Ausdruck auf Augusts Gesicht. Warum sah er so aus, als wäre er zwiegespalten? Er hatte doch gesagt, sie mussten den Händler aus dem Verkehr ziehen! Wieso sah er dann so aus, als hätte der Junge etwas unaussprechlich schreckliches getan? Was hatte Jasper getan?
      Er reagierte nicht recht auf die Worte, die man ihm zutrug. Der Schubs, mit dem August Jasper zum Ladeneingang bugsierte, war da schon eine völlig andere Hilfe. Er stolperte zur Tür hinüber, nicht gewillt ohne seine Begleitung auch nur einen Fuß in die Straße zu setzen. In seinem Kopf herrschte noch immer diese gähnende Leere und es war das erste Mal, dass er sie nicht mit Freude empfing, sondern sie fürchtete. Apathisch folgte er schließlich doch der Anweisung und befand sich im nächsten Moment schon wieder auf der Straße mit all den Leuten um ihn herum. Das Stimmengewirr war dieses Mal nicht in seinem Kopf sondern war real. Unterscheiden konnte er es nun jedoch nicht mehr.
      Also rannte Jasper die Straße hinunter. Orientierte sich notdürftig an Eckpunkten, die er vage in seinem Gedächtnis hatte, und sah nicht einer Person ins Gesicht. Er ignorierte die Stimmen, ignorierte die Wörter und Sätze, die man ihm entgegenschleuderte. Bis er auf Umwegen den Spiegel außerhalb der Stadt wiederfand und sich kopflos hineinstürzte. Das eisige Gefühl legte seine Gedanken lahm, betäubte den Körper und entsagte ihm das weitere Fühlen. Plump kam er auf der anderen Seite aus dem Glas und fiel auf den steinigen Boden. Er schrabbte sich seine Handinnenflächen und die Knie seiner Jeans auf, doch er mühte sich sofort wieder auf die Beine. Er sollte hier weg. Er hatte Augusts Gesicht gesehen. Er hatte etwas unverzeihliches getan. Diese Gedanken jagten ihn die schmalen Gänge und Treppenstufen hoch zurück zum Eingang, wo er im Dunkel an dem Troll vorbeistürzte und ein paar Meter weiter zu Boden ging. Seine brennenden Hände trafen auf feuchtes Gras, keuchend versuchte er seine Lungen mit Luft zu versorgen. Das war eine einzige Katatrophe. Alles war schiefgelaufen, er hatte einen Menschen getötet und dafür gesorgt, dass ein Arkana ihn so angesehen hatte. Er war nicht besser als ein Monster.
      "Du siehst nicht unbedingt gut aus. Alles okay?"
      Jasper erschrak fürchterlich bei der Frauenstimme, die plötzlich schräg hinter ihm erklang. Er rollte sie panisch herum und starrte eine junge Frau an, die im Halbdunkel aussah wie der Tod persönlich. Lange, aalglatte schwarze Haare umrahmten ein Gesicht, das so eingefallen war als esse sie zu wenig. Sie trug einen langen Mantel, der oben geöffnet war und in dessen Spalt eine Kette zu glitzern schien. Sie hatte sich ein wenig zu Jasper gebeugt und streckte ihm eine Hand hin während hinter der Frau ein deutlich größerer Mann auftauchte und sie beide über ihre Schulter hinweg still beobachtete. Scheinbar waren sie aus dem normalen Zuweg zum Untergrund gekommen.
      "Komm, steh erst mal auf. Du siehst aus als hätte dich der Teufel gejagt. Wie alt bist du? Neunzehn? In so jungen Jahren sollte man nicht allein hierher kommen in diesen Zeiten..."
      "Du willst ihn nicht auflesen." Der Mann klang ungehalten.
      Jasper starrte erst ihn, dann die Frau wieder an. Die Hand war noch immer ausgestreckt, doch keine wirkliche Regung war in ihrem Gesicht abzulesen. Sachte schüttelte Jasper den Kopf. Sprich mit niemanden....
      Da zuckte etwas um den Mundwinkel der Frau als sie plötzlich nach Jaspers Arm langte und ihn auf die Beine nötigte. "Schön, dann sag eben nichts. Brauchst du auch nicht. Aber wir sollten erst mal von hier verschwinden, nicht?"
      Der Mann seufzte bevor er die Hände in seinen Taschen vergrub und die Treppen hoch zu der Brücke anschlug. Die Frau winkte Jasper den Weg, der sich nicht sicher war, ob das eine wirklich gute Idee war. Immerhin wusste er nicht, wem er durch Zufall über den Weg gelaufen war.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Embers Wohnung

      Ruairi brauchte einen Moment, um ihre Antworten zu verarbeiten. Schweigsam streichelte er die weiche Haut ihres Gesichtes weiter während er ihr in die Augen sah und sich darin verlor. Vielleicht ein wenig zu sehr, denn er brauchte einen Moment länger, um eine Antwort zu formulieren. Sein Gesicht wirkte mit einem Mal ein wenig verzerrt, als kämpfe er mit der Antwort herum, obgleich es ein Gedanke war, der ihm nie einfacher gefallen war. Ein schwaches, liebevolles Grinsen zeichnete sich auf seinem Gesicht ab und er seufzte kopfschüttelnd.
      "Du bist immer optimistisch, was? Ja, du bist mir wichtig. Sogar sehr, falls es dir nicht aufgefallen ist zwischen all dem Rumstottern und Schweißausbrüchen in deiner Nähe. Aber auch wenn eine Ausbildung vorhanden ist, sind die Kräfte da."
      Woher aber wollte sie wissen, dass er nicht irgendwann die Kontrolle verlor? War es nicht bei Melissa genauso gewesen? Irgendwann war der Moment, in dem jeder Mensch einmal die Kontrolle verlor. Und was geschah dann? Würde er sie auch zerquetschen wie dieses Haus? Schweiß sammelte sich auf seiner Stirn, während er an das Auskommen dachte und es brauchte eine weitere Sekunde, ehe er zu Sinnen kam.
      "Ich...Danke!", murmelte er und sah sie an. "Ich habe nicht vor, dir weh zu tun. Ich habe nicht mal vor, meine Kontrolle zu verlieren. Und nein, ehe du jetzt den Gedanken zu Ende führst: Wenn du verdammt nochmal glaubst, dass ich mich verziehe, weil ich Angst habe, die Kontrolle zu verlieren, dann hast du dich gewaltig geschnitten, Ember Sallow. Ich erzähle dir dies alles hier, damit du verstehst, warum ich manchmal komisch werde. Ich darf mir nicht erlauben, wütend zu werden, sonst geschieht das erneut, was schon einmal geschah..."
      Er räusperte sich und fuhr fort.
      "Ich bin während meiner Ehe ein einziges Mal über die Klippe gesprungen. Habe die Kontrolle verloren. In meiner Wut habe ich einen ganzen Landstrich verwüstet - ohne menschliche Opfer - aber ich hatte eine Kuh nicht gesehen, die sich hinter einem Hügel versteckte. Durch meine Kraft ist sie regelrecht zersprungen und hat mich in Blut getaucht. Und dies war der Moment, als meine Frau mich fand. Sie hat Monate gebraucht, um mich überhaupt wieder richtig anzusehen und das brennt sich genauso ein wie deine Angst."
      Ich habe Angst, dass du mich nicht mehr willst, wenn ich wütend bin, dachte er stumm und hoffte, dass es sich auf seinem Gesicht abzeichnete.


      August - Ausgang zum Untergrund

      Dieser verfluchte Scheißdreck.
      Murrend und schimpfend torkelte August die Treppe zum Eingang des Untergrunds hinauf, während er in Gedanken rekapitulierte, was dort unten gerade geschehen war. Ja, er hatte Hill schlussendlich töten müssen. Dieser arme Irre erschien durch den Aurenriss völlig entstellt und geistig tot. Das geheime Wissen um die Aura wurde in den Akademien des Staates nicht zur Gänze gelehrt, weshalb es den Meisten abging, zu verstehen, dass Aura und Seele untrennbar verbunden waren. Es galt als schrecklichstes aller magischen Verbrechen, die Seele eines Menschen anzugreifen und diese zu schädigen. Und Jasper hatte es noch weiter getrieben. Wie Papier hatte er die Seele dieses Mannes zerfetzt und in Stücke gefleddert zurück gelassen. Der Nachteil an dieser Sache: Man konnte es nicht spurlos beseitigen. Seelenfragmente hinterließen mächtige, magische Spuren, die alsbald von der Magischen untersucht werden würden. Sicherlich, er hatte es provoziert und beobachten wollen, aber konnte man ahnen, dass der Junge auf einmal derart rücksichtslos...
      Was hättest du getan?, fragte er sich seufzend und schüttelte den Kopf. Was August zu tun hatte, war denkbar einfach. Erneut musste er für die Menschen zu dem Monster werden, was sie fürchteten und in ihm sehen wollten. Also hatte er Hill getötet und den Hortar in seinem Arm wieder aktiviert.
      Auch wenn es sicherlich nicht das war, was die meisten dachten. Phönixfeuer war nicht zu reproduzieren, aber es gab nur wenige Menschen, die echtes Phönixfeuer von Falschem unterscheiden konnten. Also hatte er eine Feuersbrunst beschworen, welcher diesem Fiasko zumindest gleich kommen konnte und war in seiner Teufelsgestalt unbeschadet den Flammen entstiegen. Freilich so, dass auch ja Jeder sein Antlitz gesehen hatte.
      Dies musste reichen, den Jungen soweit zu schützen, als dass er nicht verfolgt wurde.
      Er musste ihn nur noch einsammeln und anschließend -
      Nun, geneigter Leser, August staunte nicht schlecht als er an die frische, Londoner Luft trat und den fauligen Gestank der Themse in die Nase bekam. Die Fleet Bridge erstrahlte in fahlem Mondeslicht, während er seinen linken Arm an den Körper presste. Das Desaster hatte er mit einem Mantel verdeckt, sodass man nicht den völlig entstellten Arm sehen konnte. Noch mehr Aufsehen war nicht gut.
      "Was zum..."
      Aber wo war der Junge? Gähnende Leere empfing den Zauberer, wenn man von einem scharchenden Troll absah, der sich aus dem Gegenlicht des Säulenschattens heraus absetzte.
      August zögerte keine Sekunde. Wutentbrannt stapfte er zu dem Troll und trat unsanft gegen das gewaltige Schienbein des Ungetüms. Ein Schneidersitz war nicht immer von Vorteil.
      "Auaaatsch", grölte das Wesen und sah wütend zu August hinab. "Was das sollen?"
      "Wo ist der Junge?", fragte August und blickte kalt in die Augen des Trolls.
      "Ich nicht wissen."
      Seufzen. Schwer und genervt. Wie die besten Seufzer eben sind.
      "Natürlich...Hör zu, du Abkömmling eines Scheißhaufens: Du wirst in deinem kleinen Erbsenhirn kramen und mir berichten, was mit dem Jungen geschehen ist, der hier vor gefühlt wenigen Minuten hinaufgekommen ist. Und du wirst es jetzt tun, sonst grille ich deine Eier auf einem Autoreifen, haben wir uns verstanden, Klotzkopf?!"
      Einen Moment lang sah der Troll so aus als würde er sich auf den Zauberer stürzen wollen, der ihm da drohte. Doch eine Welle von Unsicherheit und Angst schien ihn kurz danach zu überkommen sodass er an seiner steinernen Lippe spielte und jappste.
      "Na gut, na gut. Hören auf!", jammerte er und hob einen Arm. "Sind da lang. Junge von Frau mitgenommen."
      "Welcher Frau??"
      "Frau, die aussehen wie Leiche!"
      "Was?!"
      "FRAU DIE AUSSEHEN WIE LEICHE!!"
      "Ich hab dich verstanden, du Steinschädel!", keifte August und rieb sich die Nasenwurzel. Warum war er nur von Idioten umgeben? "Ich danke dir."
      Immerhin eine Spur...Auch wenn sie nicht mehr heiß war, es war eine Spur. Und dieser Junge sollte beten, dass er in Lebensgefahr schwebte! Wenn August ihn schmausend und trinkend irgendwo vorfinden sollte, obgleich er einen anderen Auftrag hatte, würde er ihm das Fell über die Ohren ziehen und einen Lampenschirm aus seiner Haut machen.

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      The more you drag me to hell
    • Embers Wohnung

      "Ich fürchte, ohne einen gewissen Optimismus kommt man in unserer Branche nicht wirklich weit."
      Der Optimismus, den Verbrecher zu fangen. Den Optimismus, den Opfern Gerechtigkeit zu verschaffen. Den Optimismus, jedes noch so ungeklärte Detail aufdecken zu können. Der Optimismus, nicht an den unendlich vielen traurigen Schicksalen zu zerbrechen.
      Aufmerksam lauschte sie seiner Erzählung, seinen Worten, seiner Versicherung, dass er sich nicht von ihr abwenden würde. Dass er einfach nur Angst vor einem Teil in sich selbst hatte, der ihm in die Wiege gelegt wurde. Das war einer dieser Punkte, die Ember zwar verstehen aber nicht vollends nachvollziehen können würde. Schlichtweg, weil ihr diese Macht, diese Gabe, fehlte. Also begnügte sie sich damit ihre Finger über seinen Rücken streichen zu lassen während er ihr alles erzählen konnte, was er wollte.
      "Meine Angst?", fragte Ember erstaunt nach und brauchte einen Moment ehe sie verstand. Der Ausdruck, der in Ruairis Gesicht erschien war Erklärung genug. Sie war vor ihm gewichen, als er wütend geworden war. Alles in ihre hatte damals dem primitiven Befehl zur Flucht nachgeben wollen und das hatte sich scheinbar überdeutlich in ihrem Gesicht abgezeichnet. Angst, die sie ihm nicht hatte präsentieren wollen. Angst, die nicht herrührte, dass es Ruairi war, der wütend geworden war. Sondern vielmehr die Macht, die ihm innewohnte und um deren Gefahrenpotenzial Ember wusste.
      Scham trat auf ihr Gesicht als sie das alles viel deutlicher, und vorallem aus seiner Sichtweise rekapitulierte. "Ich war... überrascht damals. Verunsichert und ja, vermutlich auch etwas ängstlich gewesen. Weil ich nicht wusste was du in deinem Zorn anstellen kannst. Weil ich nicht weiß, zu was genau du fähig bist. Weißt du, ich gehöre zu den Leuten, die etwas sehen müssen, um es vollends begreifen zu können. Sicher, ich kann mir gut vorstellen wie eine zerplatzte Kuh aussieht oder ein winziger Ball, der mal ein Haus gewesen war. Ich habe davor auch Respekt aber... es fehlt was. Schwierig zu erklären."
      Ihre Finger hielten nicht einen Moment lang an. Nicht eine Sekunde unterbrach sie den Blickkontakt zu ihm und diesen wunderbaren, eisblauen Augen.
      "Du hast deine Wut aber nicht eine Sekunde gegen mich gerichtet gehabt. Jeder darf sauer oder traurig oder was auch immer werden. Vielleicht habe ich auch einfach schon zu viel Scheiße gesehen aber eine zerplatzte Kuh ist für meine Verhältnisse recht harmlos. Klar, ich hätte dich auch für einen Augenblick lang überrascht, vielleicht auch schockiert, angesehen. Aber dadurch vergesse ich doch nicht, wer unter dem besudelten Anblick steht", fuhr sie fort. Wann war sie eigentlich das letzte Mal so aufgeschlossen mit jemanden gewesen? Alex hatte diese Seite von ihr nur während des Trennungsgesprächs erlebt, dessen war sie sich mittlerweile bewusst.
      "Ich weiß zwar nicht, was Melissa für ein Mensch gewesen war", ihre Finger wanderten in seinen Nacken, um ihn dort zu kraulen, "allerdings bin ich mir mehr als sicher, dass wir grundverschieden sind. Ich halte ganz andere Dinge aus. Wirklich. Du musst nur im Hinterkopf behalten, dass ich manchmal nur etwas Zeit brauche, um angemessen zu reagieren. Lieber ausufernde Emotionen als einen Stein." Sie schloss ihre Worte mit einem sanften Lächeln.


      Irgendwo in London....

      Jasper hatte allen ernstes vor, dem Befehl von August nachzukommen. Er sprach kein einziges Wort mit der Frau, die ihm noch immer die Hand gestikulierend hinhielt obwohl ihr Freund schon längst oben an der Straße stand. Trotz mischte sich in Jaspers Miene ehe die freundlich winkende Hand sich senkte und die Frau den Jungen eindringlich ansah.
      Dann überrollte den Jungen eine katastrophale Gänsehaut, sodass sich sämtliche Haare an seinem Körper aufstellten. Binnen Sekunden begriff er, dass diese unscheinbar wirkende Frau auch nur ein wandelndes Pulverfass war. Allerdings befand er sich noch immer in einem Ausnahmezustand und somit reagierte seine Aura nicht so wie üblich. Mehr als die Kälte nahm er nicht wahr, in seinem Kopf herrschte noch immer gespenstische Leere.
      Im nächsten Augenblick ertappte er sich dabei, wie er sich auf die Beine gekämpft hatte und der Frau tatsächlich hinterher stapfte. Es wirkte zwar nicht so, doch sie hatte ständig ein Auge auf ihn damit er nicht einfach flüchtete. Oben an der Straße ging das Dreiergespann zu einem Taxi, das ihr Begleiter ihnen herangerufen hatte. Jasper blieb wie angewurzelt am Bordstein stehen während die beiden Unbekannten bereits eingestiegen waren. Die Frau klopfte auf den Platz neben sich. Ein Taxi war bestimmt harmlos. Obwohl, er könnte auch einfach laufen.
      Laufen war die beste Entscheidung.
      Ohne einen weiteren Gedanken daran zu verschwenden machte Jasper eiskalt auf dem Absatz kehrt und rannte die Straße entlang. Er sah sich nicht einmal um, spürte nichts in seinem Rücken aus den Schweiß, der ihm noch immer am Rücken klebte als er wirr die Straßen entlang flüchtete. Ihm war egal, wie die Leute ihn ansahen, ob er gegen jemanden rannte oder komplett die Orientierung verlor. Er stoppte erst keuchend als seine Lunge ihm den Dienst verweigerte und er in einer Straße hielt, wo zwar Verkehr aber kaum Fußgänger florierten. Er stützte sich auf seine Beine, war leicht über gebeugt und musste erst mal wieder zu Atem kommen. Nächste Devise: Luft holen, orientieren, zurück zum Dusk & Dawn. Vielleicht könnte er einfach Noland anrufen, der müsste ihm schließlich den Weg weisen können. Oder aber er könnte auch...
      Neben dem Jungen hielt ein Taxi. Die Tür wurde aufgestoßen und mit Verblüffung starrte Jasper wieder die Frau an, die ihn vorhin am Fluss aufgelesen hatte. "....Wie?...."
      Keine Regung in ihrem Gesicht. "Ich bitte dich nicht noch einmal, einzusteigen."
      Jasper starrte die Frau mehrere Sekunden an. Sie erwiderte sein Starren und ihm war so, als würde sich etwas in ihren Augen verändern.... Moment. Nicht die Augen. Ihre ganze... Gestalt? Er schluckte nervös bevor er schließlich in das Taxi stieg und sich neben der Frau anschnallte. Sein Puls raste aus diversen Gründen als sich der Wagen in Bewegung setzte.
      "Also, was macht ein junger Mann an Orten wie der schwarzen Stadt? Du bist doch viel zu jung dafür....?" Sie hing eine Pause an in der Erwartung, dass er ihr seinen Namen nannte.
      "James", brachte er trocken hervor.
      Ihr Blick bohrte sich regelrecht in seinen und schien die Lüge einfach so zu enttarnen. "Ich mag keine schlechten Lügner. Mich kannst du Helena nennen."
      "....Jasper", gestand er ihr und warf einen nervösen Blick nach vorn als der Mann ein abfälliges Geräusch machte. Er hatte dem Fahrer eine Adresse genannt, doch Jasper hatte sie nicht mitbekommen. Viel zu sehr war er damit beschäftigt, so gut es ging sich an die Tür des Wagens zu pressen.
      "Jasper. Das ist ein schöner Name. Sollte ich mir für mein nächstes Buch merken." Sie lächelte, wenn auch nur minimal, und ließ ihr Gesicht gleich weniger untot wirken. Wenn sie etwas aus sich machen würde, wäre sie vermutlich ein ganz ansehnliches Frauenbild. "Vielleicht wirst du ja etwas gesprächiger, wenn wir etwas essen. Ich bin nur auf Besuch hier und kenne niemanden. Ich freue mich über ein wenig Gesellschaft."
      Nur dass Jasper wirklich nicht ihre Gesellschaft sein wollte....

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Embers Wohnung

      "Naja, ich habe eher gelernt, dass Optimismus meist dazu führt, dass man sich der Abgründe einer Menschenseele mehr bewusst wird", schloss er schließlich und seufzte.
      Er genoß sichtlich die zärtlichen Berührungen ihrer Finger auf seinem Rücken und die Nähe zu ihr. Wann hatte er es sich das letzte Mal erlaubt, derart ruhig bei einem Menschen zu liegen. Wann war nicht einmal der Dienst wichtiger als alles andere gewesen?
      "Überraschung ist verständlich", gab er zu und erinnerte sich an eine der letzten Kraftdemonstrationen. Es musste schwer sein, sich eine derart abstrakte Kraft vorzustellen. "Ich meine, ich könnte es dir zeigen, zu was ich fähig wäre, aber das letzte Mal ist es mit Anderen nicht gut ausgegangen. Zumeist bekommen die Leute mit der Zeit erst Respekt, schließlich Angst vor mir, wenn sie wissen, dass ihre ganze Welt manipulieren kann. Wir waren seinerzeit Teufelskinder."
      Er versuchte mit den Schultern zu zucken, jedoch sorgte es nur fpr einen schmerzhaften Impuls in seinem Rückenbereich, den er abwiegelte.
      "Ich würde niemals meine Wut gegen dich richten", murmelte er. Warum wusste er das so genau? "Niemals! Und das du eine solche Überzeugung hast, macht mich froh, wenn ich ehrlich bin. Auch wenn ich es zumeist immer einem Test unterziehen muss. Denn wie du schob sagst: Wir haben beide schon recht viel durch. Auch wenn das hier zwischen uns das schönste bisher ist."
      Sag es ihr! Sag es ihr nicht! Sag es ihr! Nein!
      Die Inneren Stimmen konnten zumeist ein wenig nervenaufreibend sein, wenn er es genau betrachtete.
      Als er ihre Hand im Nacken spürte, hatte er sich zunächst regelrecht ergeben wollen. Jedoch wendete Ruairi seinen Blick nicht von ihrem ab, als sie einfach so über seine Exfrau sprach. Den meisten war dieses Thema unangenehm. Verständlich, wenn man es genau betrachtete. Aber hier war es nur eines von vielen Themen.
      "Du bist anders. Komplett anders", bestätigte er mit einem Nicken und kam ihrem Gesicht näher. "Und das macht mich sehr froh, Ember. Von mir aus brauch eine Ewigkeit, solange du nur nicht wegläufst."
      Das letzte, was er spürte, waren ihre zarten Lippen, noch zu einem Lächeln verzogen, die er mit seinen bedeckte. Und auch wenn der Kuss nur kurz war, legte er alles an Gefühlen hinein, was er für sie finden konnte. Als wäre es ein Abschiedsgeschenk oder vielmehr ein Versprechen an sie selbst.


      London, scheiß spät in der Nacht

      Hiermit war es offziell: August hasste Jugendliche!
      Eine ganze verfluchte Stunde war er bereits durch die Stadt gestapft und hatte versucht, eine Spur seines vermaledeiten Schützlings zu finden. Und wider erwarten hatte er nichts gefunden. Dieser Troll war nicht wirklich nützlich, auch wenn er noch kurz in dessen Erinnerungen hätte sehen wollen. Viel eher jedoch erschien ihm die Tatsache merkwürdig, dass der Junge einfach fort war. Das war ungewöhnlich, denn wie sie alle wussten hinterließ Magie Spuren. Gerade mächtige Magie, die von einem spätpubertierenden Jungen nicht kontrolliert werden konnte, war eigentlich spürbar. Und hier war nichts!
      Während August durch Whitechapel stiefelte und Flüche elesenster Herkunft auskotzte, fragte er sich mehr und mehr wo er noch suchen konnte. Und doch lag etwas in der Luft, dessen er nicht Herr werden konnte. Eine kleine Spur...Eine Art Faden von Magie, nicht mehr. Ein winziges bisschen an Energie, das sich in der Luft hielt wie ein Geruch aus fremder Zeit umfing seinen Geist und der Arkana seufzte. Zu seinem mehr als angemessenen Bedauern war dies auch noch die Aura eines sehr mächtigen Zauberers. Oder Zauberin, man wollte ja nicht sexistisch sein.
      Schweigsam folgte er dem Faden und machte sich auf einen Fußmarsch gefasst. Und Gnade - wem auch immer - Gott, wenn er ihn durch die ganze Stadt pilgern ließ. Wenn August Foremar etwas mehr hasste, als Jemanden zu suchen, so war es Jemanden ohne Ahnung eines Ziels zu suchen!
      Und so begann ein wütender August seinen nächtlichen Marsch durch London, auf der Suche nach seinem nutzlosen Schüler, der vermutlich (und ja, er kam nicht über dieses Bild hinweg!) in einem Diner saß und fröhlich vor sich hin dinnierte.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Embers Wohnung

      "Zeig es mir nur, wenn es unbedingt sein muss." Embers Worte waren klar und deutlich formuliert. "Du hast mal gesagt, dass sie dir zusetzen. Sehr sogar. Also lass es lieber, ich werde vermutlich früher oder später eh genug davon zu sehen bekommen."
      Wenn sie bis zur Frist keine Beweise für den Richter finden würde und sich Ruairi dazwischen werfen wollte. Oder falls sie sich wieder in eine Dummheit verrannte und den eigenen Nacken riskierte.
      Das Schönste bisher... Wie lang erstreckte sich denn ein bisher wohl? Wie lange würde Ember in der Lage sein, diese Beziehung aufrecht zu erhalten? Sie wollte sich Platz zwischen dem erkämpfen, worauf sie hin arbeitete und ihn wie das fehlende Puzzleteil dort eingliedern. Wenn er es denn wollte. Wenn er sich nicht abwandte.
      Er überdeckte ihr Lächeln mit seinem eigenen, verschmolz ihrer beider Lippen zu einem und packte dermaßen viel Gefühl in den Kuss, dass Embers Atem kurz stockte. Doch das Lächeln verschwand nicht von ihren Lippen als sie den Mann nur noch enger an sich zog und sich schwor, ihn diese Nacht nicht mehr gehen zu lassen.


      Sabine Rooftop Bar - nach Mitternacht

      Jasper hatte noch während der Taxifahrt sein Handy gezückt und eine Nachricht an Noland geschrieben - alles unter dem aufmerksamen Blick Helenas, die jedoch nichts dagegen einzuwenden hatte. Ein kurzer Beweis, dass er noch am leben war und zwar mit Unbekannten zwangsweise unterwegs war, allerdings sofort mitteilte, wohin es ging, kaum ließ das Taxi das Dreiergespann vor einer Bar raus. Jasper wandte sich direkt zum Gehen, doch Helena hielt ihn am Arm fest. Er junge Rogue erstarrte und ließ sich am Ende von ihr regelrecht mitziehen. Warum zur Hölle ließ sie ihn nicht einfach gehen, was war ihr verdammtes Problem?
      "Ich bin minderjährig, von daher....", begann er unsicher, doch Helena winkte ihm lediglich ab.
      "Es wird keiner fragen, keine Sorge", beschwichtigte sie ihn und klang seltsam sicher mit dem, was sie sagte.
      Vorweg ging ihre Begleitung, schloss sich kurz mit dem Servicepersonal und bedeutete Helena und Jasper nach oben auf's Dach mit dem Lift zu fahren. Auf der Terasse des Gebäudes waren etlich Holztische mit Stühlen und weichen Polstern aufgestellt. Kerzen brannten in Windgläsern auf den Tischen und Decken waren bereit gelegt worden falls es einem zu kalt würde. Helena hatte Jasper nicht einen Augenblick losgelassen als sie einen Tisch direkt am Geländer ansteuerte und ihn nötigte sich zu setzen. Sie setzte sich ihm gegenüber, faltete die Hände im Schoß und betrachtete den Jungen dabei, wie er eilig eine weitere Nachricht an seinen Onkel mit seinem Standort absetzte. Dass er dadurch auslöste, dass Noland Kontakt zu August aufnahm und ihm seinen Standort mitteilte, ahnte der Junge zu diesem Zeitpunkt gar nicht.
      "Ich bin praktisch auf Besuch derzeit in London und meine Begleitung ist ein schrecklicher Spießer. Ich hatte gehofft, vielleicht ein paar Bekanntschaften im Untergrund knüpfen zu können, aber das sind alles sehr eigentümliche Kreaturen da unten. Da muss ich gestehen, dass du mir wie ein Lichtblick erscheinst."
      In Helenas Gesicht zeichnete sich kein eindeutiges Gefühl ab, was es Jasper erschwerte, ihre Worte zu deuten. Er war noch immer aufgewühlt, verwirrt und wollte eigentlich nur wieder nach Hause, weg von all den Menschen und den potenziellen Triggern. Noch weniger war er scharf darauf, von Fremden entführt zu werden. Wenigstens kam man an einem öffentlichen Platz nicht dazu, ihn umzubringen. Hoffte er jedenfalls während er nach einer der Decken angelte und sich wie in einem stillen Protest darin einwickelte.
      "Soll ich David gleich bitten, dir einen Saft mitzubringen? Oder lieber was Warmes? Du siehst ein bisschen blass um die Nase aus..."
      "Ich will eigentlich nur nach Hause."
      "Wo ist denn dein Zuhause?"
      "Ich bin nur zu Besuch hier, ich kenn mich nicht so gut mit den Straßennamen aus, wissen Sie..."
      "Und dann bist du abends allein an der Fleet Bridge unterwegs?" Helenas Augen glitzerten während Jaspers Lider zuckten.
      "Spazieren ist doch nicht verboten?"
      "Nein, aber ich kann mir vorstellen, dass ein junger Zauberer nicht einfach so allein in diesen Zeiten unterwegs sein sollte..."
      Jasper ahnte, dass sie entweder wusste, dass er nicht allein unterwegs gewesen war oder es nur ahnte. Wie sie bestimmte Worte betonte ließ diesen Rückschluss zu und er bekam direkt Sorge, dass sie irgendwie spüren konnte, mit wem er dort gewesen war. Vielleicht war sein eigenes Chaos auch einfach zu stark, als dass man das wahrnehmen konnte.
      "Na gut, wir kriegen dich schon etwas aufgetaut während wir auf deine Begleitung warten", verkündete Helena zufrieden und angelte ihrerseits nach einer Decke. Jaspers Unwohlsein verdreifachte sich schlagartig. Sie wusste also, dass er nicht allein gewesen war. Scheinbar konnte man etwas in seiner Mimik ablesen, denn Helena betrachtete ihn mit hochgezogenen Augenbrauen. "Verwundert? Hat er dir nicht erklärt, dass mächtige Magie Spuren hinterlässt? Ich kenne nur einen Menschen auf dieser Welt, die die Spuren an dir hinterlassen haben kann."
      Das war der Beweis. Helena kannte August und wusste, dass sie zusammen unterwegs waren. Und nun lockte er ihn indirekt hierher. Jasper war ein Köder oder zumindest auf dem guten Weg, einer zu werden.

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