[2er RPG] Dusk & Dawn [Asuna & Nico]

    • D & D

      August wirkte eine Sekunde nicht mehr so souverän wie er es eben noch vor Jasper gewirkt hatte. Fragen...Ja, Antworten auf diverse Fragen waren in den Toren zu finden, so viel stand fest. Und während er seine bandagierten Arme betrachtete fühlte er mit einem Mal den eisigen Hauch des Schicksals auf seiner Brust, als habe sie ihn endlich auserkoren, seinem schäbigen Dasein einen Sinn zu geben.
      Wie lange hatte er nach einem Sinn gesucht und ihn nicht gefunden. August war alt geworden. Älter als so Mancher in diesem Jahrhundert und doch...Noch heute sehnte er sich nach den Stimmen, die er meist nur in Gedanken hörte. Stimmen, die verstummt waren, wenn er bei Ember war und die er nicht mehr zu brauchen schien. Doch jeztt...Jetzt waren sie wieder da. Ob es ein Zeichen war?
      "Ich beantworte leider nicht eine meiner Fragen", murmelte er mehr zu sich selbst als zu anderen. "Ich werde es Jasper nicht nahe bringen. Das Tor hätte niemals in diese Welt kommen sollen. Als die Menschen die Magie entdeckten erschien es das hellste aller Experimente zu sein, dieses vermaledeite Tor zu öffnen und sich seiner zu ergeben. und jetzt...Jetzt stehen wir vor einem verfluchten Bürgerkrieg nur weil es geöffnet wurde und die Menschheit sich endlich darüber im Klaren ist, dass es Schlimmeres als Zauberer auf der anderen Seite gibt..."
      Perley indes sprang regelrecht zur Seite, als Noland ihn ansprach und nickte.
      "Aye, Mr Noland", sagte er zackig und ordnete seinen Scheitel neu. "Ich mache mich sogleich ans Werk. Ich nehme an, Eier und Speck sind genehm?"
      Als ob es eine Auswahl gäbe, dachte August grinsend und legte den Kopf an den Sessel. Was Ember wohl trieb?


      Embers Wohnung

      Während Ruairi von Ember zum Stuhl in der Küche geschoben wurde, fühlte er mehr und mehr die Übelkeit in sich aufsteigen. Hier war der Dunst der anderen Aura noch stark, aber zumindest erträglich. Welches Wesen emittierte eine derart starke Präsenz, dass er sich beinahe einschiss?
      Seufzend ließ er sich nieder und nahm dankbar das Getränk an, das er wie einen Kurzen herab stürzte. Auf Ruairis Gesicht stand der Schweiß und die Anstrengung von Tagen, als er Ember ansah, die beinahe sorglos vor sich hin sprach. War das Nervosität oder kümmerte es sie wirklich nicht, dass ein Wesen dieser Art hier war. Ruairi wusste nicht mal ob es ein Mensch war.
      "Niemand sagt das...", murmelte er um ihre Frage aufzunehmen. "Aber ich hätte nicht gedacht, dass du damit so locker umgehst. Erfahrung hin oder her, zumeist macht es den meisten doch recht Angst. Scheiße, selbst ich habe Angst und ich sollte das alles hier gewohnt sein. Aber sowas..."
      Er schüttelte ungläubig den Kopf.
      Schließlich fand das übliche, breite Lächeln seinen Weg in sein Gesicht zurück und beinahe war das alles vergessen, als er seine Finger in ihre legte.
      "Ich freue mich auch", wisperte er. "Es erscheint lange her, nicht wahr? Mit allem, was so passiert in letzter Zeit erscheint mir die Zeit, die wir haben umso kostbarer...Gibt es was neues?"

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • D & D

      Es dauerte Stunden ehe Jasper wieder zum Dusk and Dawn zurückgefunden hatte.
      Nicht, dass er sich die Adresse nicht gemerkt hatte oder seinem Handy etwas widerfahren war. Er verbrachte einfach nur unverschämt viel Zeit in der londoner Innenstadt und sah sich an, wie die Hauptstadt tickte. Er war noch nie viel herumgekommen und dies war seine erste Zeit in der Hauptstadt Englands. Dass er bei seiner kurzfristigen Erkundungstour nicht nur die schönen Dinge zu Gesicht bekam hatte er ebenfalls schnell bemerken müssen.
      So sah er nicht aus wie jemand, der wunschlos glücklich und vollgepackt mit Taschen von einer Shoppingtour zurückkam. Als der junge Mann durch die Tür der Detektei herein rauschte, trug er zwar mehrere Taschen mit sich und hatte sich in neue Gewandung gekleidet, doch sein Gesicht war alles andere als entspannt. Vielmehr sah er danach aus als hätte er den puren Stress erlebt.
      Mit den Fersen schob er die Tür zu und sah sich kurz im Raum um. Von dem Frühstück Stunden zuvor war keine Spur mehr zu sehen aber Jasper roch noch vage den Geruch von gebratenem Speck in der Luft. Unweigerlich stieg der Hunger in ihm auf. Zuerst mussten allerdings die Tüten verschwinden. Also kraxelte er die Stufen hinauf in sein geliehenes Zimmer und stellte die Tüten ab. Erst hier atmete er einmal tief durch und schüttelte heftig den Kopf. Augenblicklich wünschte er sich wieder zurück in seine Kleinstadt aber das hatte ihm sein Onkel effektiv unmöglich gemacht. Unmöglich war auch der Gedanke daran, dass er defacto völlig allein unter Fremden war. Jasper war nicht unbedingt misstrauisch, dafür jedoch sehr vorsichtig. Und selbst wenn man ihm Unterkunft anbot und eine Zuflucht vor etwas, das ihm unbekannt war, stimmte ihn nicht weniger vorsichtig.
      Trotzdem fühlte er sich ohne Orientierung, ohne Weg vor sich. Bis Noland ihn von seiner Mutter weggeholt hatte, war ihm nicht einmal aufgefallen, dass er weglose gewesen war. Umso erschreckender war die Festellung für ihn, dass diese Aktion erst dazu geführt hatte, dass er es so wahrnahm.
      Nach vollrichteter Dinge machte sich Jasper auf den Weg nach unten. Der nächste Punkt auf seiner Liste lautete: Essen finden.


      Embers Wohnung

      Ember zuckte kaum merklich mit den Schultern. Ruairi konnte schließlich nur das deuten, was er bei ihr sah und nicht das fühlen, was sie fühlte. Die beinahe neurotische Sorge, dass kein Zentimeter ihrer Wohnung noch sicher war. Dass sie jeden Winkel durchsuchen würde, ob nicht doch etwas Verdächtiges getan worden war. Das hier waren ihre höchst eigenen vier Wände, ihre absolute Privatszone, die nun diese Rolle nicht mehr einnehmen konnte.
      "Ich geh deswegen so locker damit um weil ich ignorant bin. Ich spüre nicht die Präsenz, wie du es tust. Und nur weil du mir es berichtest bedeutet das nicht, dass ich es als Fakt akzeptiere. Wenn es dieses Gör gewesen sein sollte, dann wirkte sie auf mich zuerst einmal nur suspekt und nicht zwangsläufig gefährlich."
      Hoffentlich würde das morgige Training etwas bringen, damit sie etwas von dieser Ignoranz und Stumpfheit verlor. Denn wenn sie eines nicht zugeben wollte, dann die Tatsache, dass er sie wurmte, wie wenig sie wirklich wahrnehm. Sonst wäre sie vermutlich gar nicht in diese Wohnung zurückgekehrt.
      Ergo lenkte sie sich lieber mit dem Gefühl anderer Finger in ihrer Hand ab. Wie sie schon richtig erkannt hatte, war ihnen beiden nichts widerfahren und sie wünschte sich nur ein paar Stunden aus dem Strudel, der ihre Aufgaben geworden waren, zu entkommen. Und wenn das bedeuten mochte, stundenlang nur in diese hellen, blauen Augen zu sehen.
      "Wir bekleiden ja auch nicht unwichtige Posten. Natürlich findet man da wenig Zeit", stimmte Ember ihm zu und fasste nun auch mit ihrer anderen Hand über den Tisch, um mit den Fingerspitzen über seinen Handrücken zu fahren. "Das Neueste ist der glückliche Umstand, dass es noch keine neuen Leichen gibt. Stattdessen türmen sich nicht nur Berge von Briefen auf meinem Schreibtisch sondern auch mein privater Postkasten war vollgestopft. Alles Reaktionen auf die Pressemitteilung und dass ich leitende Ermittlung zum Fall Tallburn habe. Manche Briefe waren nett, andere gingen in Richtung Drohbriefe. Vermutlich ist es genau das, womit sich Tallburn zuletzt hatte auseinandersetzen müssen... Tja, und was den Richter angeht: Da tappe ich noch immer vollkommen im Dunkeln. Ich kann nichts mit den Fetzen anfangen, den mir die drei Caster geliefert hatten. Ich sollte mir nur langsam was einfallen lassen, fürchte ich."

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • D & D

      Der frühe Abend hatte im Dusk & Dawn Einzug gehalten und es war eine dieser Stunden, in denen Niemand so recht wusste, was sie mit sich anstellen sollten. Da kam eine junge Dame gerade Recht, die die Detektei betreten hatte, nur wenige Minuten, bevor Jasper von seiner Einkaufstour zurückgekehrt war. Weise und sorgsam hatte August die junge Frau, die sich als Mrs Eleonora Chambers vorstellte, in ein kleines Separee neben der schmalen Spüle gebracht. Der Raum, der vormals mit Fotos behangen war, die zwischenzeitlich alle entfernt wurden.
      Erst nachdem Jasper die Treppe wieder hinab stieg, öffnete sich die schmale Tür zum Hauptraum und August trat herein.
      "Verstehen Sie, was ich meine, Mr Foremar?", fragte eine damenhafte Stimme, die zu alt zum Kieksen und zu jung zum rauchigen Timbre einer alten Frau klang. Ihm folgte eine junge Frau in Jaspers Größe mit einer Art undefinierbarem Gesicht. Sie wirkte weder jung noch alt, doch ihre Augen verrieten eine lange Leidensgeschichte. Dunkle Schatten lagen darunter und ließen das Gesicht beinahe mager erscheinen.
      Das feste, dunkle Haar trug sie in einem eleganten Bauernzopf, den sie sich locker über die Schulter geworfen hatte. Der Rest ihres durchaus nicht schlanken, aber auch nicht dicken Körpers steckte in einem lockeren Overall, in dessen Taschen sie ihre Hände vergraben hatte.
      "Ich verstehe vollkommen, Mrs Chambers. Es ist eine Schande, dass derlei Dinge in den Verkauf kommen", bekräftigte August, der zwischenzeit erneut seine elegante Hose, ein neues weißes Hemd und eine schwarze Weste angelegt hatte. Nur das Haar wirkte noch immer zottelig und ungepflegt, aber es passte zu dem Look eines zerstreuten Professors.
      "Aber wie ich sehe, ist mein Mitarbeiter soeben von seiner Besorgungstour zurück, weshalb wir uns sofort der Sache annehmen werden", grinste er Jasper an.
      "Das wäre wunderbar", kiekste die Frau und grinste breit und gewinnend. Auch in Jaspers Richtung. "Mr Foremar hat mir so viel von Ihnen erzählt, Mr Quill. So jung und so versiert in der Bannung schwarzmagischer Objekte...Also ich muss sagen, ich bin schwer beeindruckt!"
      "Nicht wahr?", intervenierte August und die Augen zu Jasper weiteten sich merklich um ihm zu suggerieren, dass er ja mitspielen sollte.



      Embers Wohnung

      "Du bist nicht ignorant"; murmelte Ruairi und betrachtete das Spiel ihrer Hände mit einer unverhohlenen Erregung.
      Nicht, dass dem nichts erotisches angehaftet hätte, aber es war dieser kleine Moment der Intimität, die ihn regelrecht fesselte und ihn in den Bann zog. Und jede Berührung ihrer Hände verhieß so viel Gutes, das ihm beinahe nach Weinen zu Mute war, wenn man darüber nachdachte.
      "Es ist vielleicht auch von Vorteil, nicht alles zus püren", seufzte er. "Manchmal wünschte ich mir, ich wäre kein Zauberer. Wäre ein völlig anderer Mensch ohne Begabung. Dann könnte ich auf normale Dates mit dir gehen und ich würde nicht flächendeckend Angst in den Augen der Menschen sehen, wenn ich einmal meine Kräfte genutzt habe."
      Schweigend lauschte er ihren Worten und löste die Verbindung ihrer Hände nur, um einen Schluck Cola zu trinken. Und tatsächlich...Alleine durch ihre Berührungen und den Klang ihrer Stimme wurde er ruhiger. Sogar merklich ruhiger. Als nähme es ihm die Angst und gäbe die Zuversicht, alles schaffen zu können.
      War es schon das, was man landläufig als Verliebtheit betitelte? Durfte man das schon sagen?
      "Hm...", grunzte er. "Das mit den Briefen ist merkwürdig. Woher haben sie deine Privatadresse? Und mit de Richter...Ich weiß absolut nicht mal wo ich noch suchen soll. Die drei Nasen scheinen einfach alles vergessen zu haben. Ich habe noch einen Mentalmagier in der Hinterhand, aber wenn sie wirklich einer Manipulation erlegen sind, wird der nichts finden...Haben Sie denn nichts gesagt? Nichts was merkwürdig war?`"

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • D & D

      Es sollte dem Jungen nicht vergönnt sein, Essen zu finden. Bevor er im Erdgeschoss auch nur damit beginnen konnte, nach etwas Essbarem zu suchen, hörte er Stimmen und kurz darauf schwang eine Tür auf. Die, wenn er sich nicht täuschte, zu jenen gehörte, die er nicht zu öffnen hatte. Heraus trat August, wie erwartet, aber es folgte ihm eine Frau, von der sich Jasper überhaupt nicht schlüssig war, wie er sie einzuordnen hatte. Auch das nun sehr adrette Erscheinen der Arkana war ein jäher Kontrast zu der zerfledderten Erscheinung des vergangenen Abends, doch die größte Verwunderung löste seine neue Bezeichnung für ihn aus.
      Mitarbeiter??
      Wie es für den jungen Mann typisch war, fror er an Ort und Stelle regelrecht fest und starrte die beiden Erwachsenen an. Selbst er wusste, dass August ein Arkana war und dennoch wurde er einfach so aufgesucht? Dass sich die beiden siezten und eine allgemeine Distanz wahrten wies ihn darauf hin, dass hier vermutlich keinerlei Vorbekanntschaft herrschte.
      Als die beiden ihn dazu noch breit angrinsten schwante ihm nichts Gutes. Er brachte lediglich ein schwaches, leicht beschämt wirkendes Lächeln zustande, das beinahe etwas bröckelte, als man ihm etwas angedichtet hatte, das gar nicht stimmte. Unweigerlich sah er den Ausdruck in Augusts Augen und besann sich eines Besseren. Jasper bekam seine Mimik nicht vollends unter Kontrolle, untermalte seinen Gesichtsausdruck allerdings mit einem peinlich berührten Kopfkratzen. So als wären ihm die Loblieder unangenehm aber durchaus berechtigt.
      "Ähm, ja, also das Problem ist einfach, dass viele denken, ich bin einfach zu jung um versiert zu sein." Er griff die Worte der Frau auf, um sich nicht weiter als nötig zu verhaspeln. Dann nickte er der Frau zu. "Schön, Sie kennenzulernen Mrs Chand-, Chambers."
      Er hatte den Namen langsam ausgesprochen weil er ihn beim ersten Mal nicht richtig verstanden hatte. Augusts Blick reichte jedoch, um den einen Fauxpas auszubessern und den Namen richtig zu nennen. Aber wie zur Hölle kam August nur auf die Idee, ihn ausgerechnet einen Tag später schon als festes Inventar zu betrachten?
      "Was... können wir für Sie tun?"
      Mitspielen war wohl vorerst das Beste, was er tun konnte.


      Embers Wohnung

      "Man will glaube ich immer das haben, was man nicht haben kann. Ganz zu Anfang hab ich euch Zauberer beneidet weil ihr über Mächte verfügt, die wir nicht haben. Ich habe gedacht, mit solchen Fähigkeiten lässt sich einfacher etwas ändern. Jetzt weiß ich, dass wir zwar sagen, wir verstehen die jeweils andere Seite, es aber bei Weitem nicht so einfach ist."
      Ember stieß einen tiefen Atemzug aus nachdem er ihre Verbindung ihrer Hände aufgelöst hatte, um etwas zu trinken. Fast hätte sie ihm nachgegriffen, erachtete es aber als zu übergriffig und ließ ihm seine Freiheit.
      "Wie kommen die Leute heuzutage wohl an solche Informationen? Über's Internet natürlich. Google ein bisschen und du findest alles, was du wissen willst. Ist ja nicht so, als würde ich meine Anschrift über allem Maße geheimhalten", meinte sie schlicht und ergreifend und erhob sich von ihrem Platz. "Ich hab dir doch direkt an dem Tag noch alles erzählt, was die drei mir gesagt hatten. Mit dem schwarz und dem rot, dass etwas gefallen war... Völlig ohne Kontext. Allerdings denke ich auch, dass dein Mentalmagier nichts bringen wird. Noland wäre sinnvoll gewesen weil er die Erinnerungen nach einem Treffen oder dergleichen hätte durchforsten können. Ich werde schon irgendetwas finden..."
      Sie schenkte ihm ein aufmunterndes Lächeln. Immerhin das konnte sie bewerkstelligen, selbst wenn die Situation wirklich mies aussah. Es half nur nicht, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, wenn der Tag eh beinahe um war und sie eine wenig Erholung dringend nötig hatte. Gemächlich kam sie um den Tisch zu Ruairi herum, hielt vor ihm an und legte sanft ihre Hände an seine Wangen. Dann beugte sie sich zu ihm hinab und küsste ihn sanft. Als sie sich von ihm trennte, ließ sie ihre Finger über seine Kieferlinie wandern ehe sie ihre Hände von ihm zurückzog.
      "Geht's dir nun wieder besser?"

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • D & D

      August verlor sich in einem Lächeln, das - und ich wage es zu benennen, geneigter Leser - nicht minder herzlich wie gleichsam blutrünstig wirkte. Als betrachte ein Raubtier sein neuestes Opfer. Ms Chambers grinste noch immer nachsichtig und sah Jasper an, während er sprach, ehe sie eifrig zu nicken begann.
      "Oh, das verstehe ich sehr gut, Mr Quill", bekräftigte sie. "Sie sehen auch wirklich jung aus, aber Mr Foremar versicherte mir, dass Sie von außergewöhnlicher Expertise seien. Und ich will nicht bezweifeln, was er beschrieb. Auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob es gut ist, wenn man so früh mit schwarzer Magie in Berührung kommt, wissen Sie?"
      August intervenierte bevor der Junge zu viel preisgab.
      "Nun, Ms Chambers...", begann er. "Die Dosis macht das Gift, nicht wahr? Nach unserem Verständnis kann selbst die heilendste Magie durchaus eine schwarze Magie werden, wenn man sie falsch einzusetzen weiß. Aber um meinen Mitarbeiter kurz ins Bild zu setzen..."
      "Oh, natürlich, ja!", ereiferte sie sich und strich sich den Rock gerade. Warum lag er überhaupt derartig in Falten? Als hätte man ihn gerade hinauf gerafft. "Also...Ich berichtete es Mr Foremar bereits während unseres Zwiegesprächs. Ich habe vor einigen Tagen im Untergrund ein wenig gestöbert. Wollte für meinen Sohn ein Kleinod erstehen, da er vor Kurzem die Akademie abgeschlossen hat, der Gute. Und wie ich so schlenderte, fiel mir ein Laden auf, der diese merkwürdigen Artefakte verkaufte..."
      Sie griff in ihre Tasche, die sich mit sich führte und zog aus dem Wirrwarr von Gescheppere einen kleinen Gegenstand aus dem Chaos, begleitet von dem Geräusch eines umkippendes Regals. Nur dass dieses aus der Tasche zu kommen schien.

      Es glich einem kleinen, blauen Tropfen, der von einer eisernen Kralle gehalten wurde. In der blauen Masse des Steins schienen Körperformen zu wabern, als suchten sie einen Weg nach draußen, der ihnen verwehrt blieb.
      "Tja und ich erstand es. Leider habe ich seit der Berührung mehr oder minder Pech, wenn man es so will. Gestern starb mein Exmann, Gott sei seiner Seele gnädig, und heute starb ein Mann direkt in meiner Nähe, nachdem ich ihn berührte. Ich kontaktierte Mr Foremar und er war überzeugt, ein schwarzmagisches Amulett in Händen zu halten."
      August nickte bedächtig und sah Jasper an.
      "Und als Experte dachte ich, du könntest gleich mal ein Auge darauf werfen", murmelte er und reichte das Amulett weiter.
      Mal sehen wie viel Kontrolle der Junge besaß.

      Spoiler anzeigen
      Das Amulett ist kein Unglücksbringer sondern ein Seelenkelch. Jasper kennt es nicht, aber die Wirkung ist derart, dass die Seelen versuchen, von ihm Besitz zu ergreifen. Dies kann aber nur gelingen, wenn er den Stein direkt berührt. Sonst spürt er sie nur wie ein Gewitter herannahen.



      Embers Wohnung

      Ruairi fühlte sich nutz- und hilflos, wenn er ehrlich war. Er konnte ihr nicht mal bei diesem Fall oder ihren Fällen generell helfen. Als würde man einem Phantom hinterher jagen udn nicht wissen, wohin es läuft. Schweigsam hörte er ihr zu und nickte, ehe er schwer seufzte.
      "Ja, vielleicht hast du Recht", sagte er. "Hab das wohl zu ernst genommen, aber trotzdem ist es komisch. Wieso googlen so viele Leute und war es nicht auch die Masche von diesem Mörder? Ich meine, Tallburn hat auch derlei Briefe bekommen und du meinst ja auch, es habe etwas damit zu tun. Sei einfach vorsichtig, okay? Nicht, dass du bombengleich einen dieser merkwürdigen Briefe in die Hände bekommst..."
      Vielleicht war es zu viel, aber er konnte nicht aus seiner Haut. Er moichte diese Frau. Mochte sie vielleicht sogar mehr als nur mögen. Aber dennoch war er sich nicht sicher, ob man so einfach damit abschließen konnte.
      "Wenn du irgendetwas brauchst, dann mel-"
      Noch ehe er reagieren konnte, hatte er ihren grazilen Gang um den Tisch verfolgt und fand sich in der stummen Umarmung ihrer heißen Lippen wieder. Wie Feuer glitten sie durch den Panzer seiner Gedanken und brannten sich in seine Seele ein. Als richte man ein Tattoo aus. Er fühlte sich beinahe ausgelassen als er sie spürte und die Berührungen genoss. Zu schade, dass sie zu schnell endeten. n
      "Mit einem Mal...", murmelte er und seufzte. "Aber gleich noch besser."
      Seine Hand legte sich in ihren schmalen Nacken und zog sie mit leichten Druck wieder hinab, um nicht nur von ihren Lippen, sondern auch von ihrer Zunge zu kosten, die er nach einigem Gerangel erst mit überschwänglicher Freude in Empfang nahm. Es dauerte lange, sich von ihr zu lösen, denn einmal von diesem Feuer gekostet, erschien ihm das Lösen so unendlich falsch.
      Dennoch musste es sein.
      Schwer atmend löste sich Ruairi von ihr und plumpste in den Stuhl zurück.
      "Wow", flüsterte er.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • D & D

      Langsam aber sicher wurde es Jasper immer mulmiger zumute. Dieses einschlägige Grinsen, das August gerade an den Tag legte und dann der Kommentar bezüglich schwarzer Magie... Das war tatsächlich ein Ding? Bislang hatte Jasper das nur als Humbug abgetan. Jetzt damit so plötzlich konfrontiert zu werden überrumpelte ihn mehr als nur ein wenig.
      Stattdessen wurde er nur noch weiter abgelenkt, als sich Mrs Chambers den krausen Rock gerade strich. Es war wie ein Unfall, von dem man nicht mehr wegsehen konnte und Jasper nutzte die Gunst der Stunde, um August einen anklagenden und verstörten Blick zu zuwerfen.
      Welche verrückte Alte kam denn auf die Idee, ausgerechnet in einen Laden mit 'merkwürdigen' Artefakten zu gehen und einzukaufen?!
      "Ich hätt's auch toll gefunden, wenn man mir was zum Abschluss geschenkt hätte", kam es ohne nachzudenken völlig monoton über seine Lippen während die Dame begann, in ihrer Tasche förmlich unterzugehen.
      Es schepperte. Eindeutig ließ sich dieses Geräusch keiner umliegenden Quelle zuordnen außer der Tasche, aus der gerade etwas trimphierend ans Licht befördert wurde. Jaspers Augen wurden schmal während er aus der Distanz versucht, das Objekt zu identifizieren. Natürlich sah es für ihn nur aus wie irgendein dahergelaufener Anhänger samt Kette. Ein sehr schönes Stück, wenn man es genau nahm. Das Blau schimmerte selbst im trüben Licht des Raumes unheimlich intensiv, ein Schauer lief prompt seinen Rücken hinab.
      "Schon klar, dass er das Ding geil findet...", murmelte Jasper unendlich leise und beäugte den Anhänger nur noch skeptischer. "Wieso geben Sie das Stück nicht einfach.... weg? Ich wette, Sie bekommen es umgetauscht oder... verkauft?"
      Ein Glück, dass er dieser Frau nicht die Hand gereicht hatte... Wer wusste schon wie effektiv das Schmuckstück wirklich in seiner Natur war. Dann hatte August die Kette in der Hand, begutachtete sie und reichte sie zu Jasper. Dieser wich demonstrativ noch einen weiteren Schritt rückwärts, weg von dem Stück.
      "Ich fass' das nicht an."
      Eine Trotzreaktion ohne groß nachzudenken. Aber er würde unter keinen Umständen das Teil auch nur mit dem kleinen Finger anfassen. Nicht nach dieser Beschreibung und nicht nach der Tatsache, dass August es anscheinend spannend fand. Alles, was dieser Mann spannend war, bot Gefahren.
      "Ich mein, ich muss es nur angucken. Nicht anfassen. Wenn ich alles anfasse was ich untersuche ist es ein Wunder, dass ich noch alle Körperteile habe", versuchte er immerhin noch die Kurve zu kriegen. Die defensiv verschränkten Arme vor seiner Brust bewegten sich trotzallem nicht. "Also, so sieht es erst mal ziemlich... unauffällig aus..."


      Embers Wohnung

      Natürlich hatte auch Ember diese Parallele bereits gezogen. Dass sie plötzlich ähnliche Briefe wie Tallburn erhielt, war absolut kein gutes Zeichen. Auf der anderen Seite war das Volk unruhig und unsicher und ihr Name prangte fett unter der Ermittlung zum Tode eine Politikerin. Wenn die eine Anlaufstelle ausfiel suchte man sich notgedrungen die Nächste. Außerdem hatte das erste Opfer nicht diese Unmengen an Briefen bekommen. Wo lag der Unterschied von ihm gegenüber Tallburn? War es wirklich nur um den Einfluss gegangen?
      Ember schaffte gerade noch ein Schmunzeln bevor Ruairi seine Hand in ihren Nacken legte und sie wieder zu sich zog. Dieser Kuss war weniger sanft, trug mehr von dem Feuer in sich, das sie wie automatisch ausstrahlte, kaum war sie mit ihm allein und durfte sich in dem verlieren, was sie tat. So bekam sie nicht einmal mit, wie er ihr von seinem Stuhl aus ein wenig entgegen kam. Erst als er sich von ihr trennte und lautstark unter Protest des Stuhls wieder zurücksank fiel es ihr wahrlich auf. Sie leckte sich sogar noch über die Lippen während ihr Blick einen Augenblick lang ruhig auf dem Caster lag.
      "Ich möchte, dass du mir etwas versprichst."
      Wieder legte sie eine Hand an seine Wange und begann damit, sanft mit dem Daumen über die stoppelige Haut zu streichen.
      "Versprich mir, dass du nicht gegen den Richter ziehst weil ich meine Deadline nicht einhalten konnte. Sei schlauer als ich und reite dich nicht in halsbrecherische Angelegenheiten, ja?"
      Mittlerweile kannte sie ihn so gut, dass sie wusste, wie es ihn zerreißen musste, nichts für sie tun zu können. Doch es war ihr eigenes Schlamassel, dass sie sich eingebrockt hatte und zu wissen, dass er in die Bresche wegen ihr springen würde, konnte sie nicht ertragen. Das würde bedeuten, dass er sie nicht nur als eine kurzweilige Flamme sah. Obwohl... bei dieser Art der Überlegung wusste sie bereits, dass er sie so gar nicht sah.

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • D & D

      Die Jugend...
      August fühlte sich schon immer recht alt in seinem Körper, aber so manches Mal erschien ihm doch die Tatsache befremdlich, dass keinerlei Spontaneität mehr in der heutigen Jugend vorhanden war. Jasper verwehrte sich des Amuletts wie der Teufel dem Weihwasser und doch war es unabdingbar, die Not und Angst der Dame zu lindern. Er würde lernen müssen...
      August griff nach dem Amulett und ließ es durch seine Finger wandern. Es kribbelte sanft und er hörte die Totenschreie der Seelen, die dort gefangen waren. Erst danach sah er Chambers an.
      "Ms Chambers, ich danke Ihnen", begann er und schob sie beinahe unendlich geschickt in Richtung der Tür. "Wir kümmern uns um Ihren Fall. Die notwendigen Daten hat Perley bereits erhoben und ich erstatte Bericht, sobald wir eine Ahnung haben, womit wir es zu tun haben."
      "Aber..."
      Sie wollte offensichtlich noch hier bleiben. Eine merkwürdige Sehnsucht spielte sich in ihren Augen wieder als sie August ansah. Als würde sie etwas suchen.
      "Kein aber. Ich insistiere, Ms Chambers", bekannte August lächelnd und nach einer weiteren kurzen Diskussion schob er die Tür hinter der Frau zu und seufzte.
      "Okay...", seufzte er und sah zu Jasper. "Geil? Wirklich? Du hast so viel Schauspieltalent wie eine Arschbacke eines Felsentrolls, Junge. Herrje..."
      Sachte wanderte er durch den Raum und wies Jasper den Weg. An der Westseite befanden sich weitere zwei Türen, die in die Wand des anderen Hauses zu gehen schienen. Als August sie öffnete offenbarte sich Jasper das Bild, das sich auch bereits Ember eröffnet hatte. Die Welt des Koffers.
      Die Wendeltreppe, die in den kreisrunden Raum führte, von dem eine Treppe in den Keller führte. Zu den Seiten des Runds befanden sich Kräuterlabor und eine weitere Nische, wo er diverse Daten zu Artefakten sammelte. An der Wand hing ein Schrumpfkopf, der jeden Schritt kommentierte den man tat, aber er war besser als nichts.
      August ging hindurch und die Treppe hinab, während er zu Jasper sah.
      "Eine Ahnung, was das ist?", fragte er und hielt das Amulett hinauf. "Schon mal was von einem Seelenkelch gehört?"

      Embers Wohnung

      Ruairi brauchte einen Moment, um sich von dieser verführerischen Geste zu erholen. Es verging in seinem Gefühl beinahe Stunden, in denen er die Hitze auf den Lippen noch spürte und sich fragte, was er nun tun sollte. Ja, es gab eigentlich nur eine Reaktion auf das was sie dort mit ihm machte. Auch wenn er sich ehrlich nach Alternativen umsah, um nicht verzweifelt und gar bedürftig zu wirken. Schweigend legte er eine Hand um ihre Hüfte und zog sie zu sich heran. Darauf achtend, nicht kaputt zu machen, zog er sie gemächlich auf seinen Schoß, damit sie es beide bequemer hatten und er die Berührungen genießen konnte.
      Doch lag eine Düsternis in ihren Worten, die er am liebsten hinfort gebrüllt hätte.
      "Du weißt, dass ich das nicht versprechen kann", wisperte er udn seufzte. "Ich würde mich zehn Richtern entgegen stellen und ich denke nicht, dass es anders wäre. Aber lustig, dass es gerade von der Frau kommt, die sich kopfüber in alle halsbrecherischen Abenteuer stürzt die sie finden kann."
      Man könnte meinen, dass sie sich nach einem grausigen Ende sehnte. Doch so etwas sprach er nicht aus. So was tat man nicht.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • D & D

      Missmut war das falsche Wort um zu beschreiben wie Jasper Stielaugen wuchsen. Keine zehn Pferde würden ihn dazu bewegen, das Ding auch nur zu streifen und August wickelte sich die Kette regelrecht um die Finger. Was auch immer das Ding zu tun vermochte, es schien zumindest nicht sofort das Leben zu fordern. Oder was auch immer zu fordern, das wusste der Junge schließlich nicht. Stattdessen sah er sicher von seinem Platz aus zu wie der Arkana geschickt die Frau aus dem Raum bugsierte und die Tür hinter ihr schloss. Erst dann trafen sich ihre Blicke erneut und Jasper setzte eine stoische Miene auf.
      "Was denn? Was erwarten Sie wie ich reagiere wenn ich vor vollendete Tatsachen gestellt werde?", rechtfertigte er sich eher schwach und war kurz am überlegen, ob er seinem 'Ausbilder' wirklich folgen sollte oder nicht. "Ich weiß doch nicht mal, was das alles hier sein soll. Sollten Sie nicht eigentlich im Untergrund hocken und.... arkanamäßiges Zeug machen oder so?"
      Mittlerweile war er hinter August hinterher getrottet und musste ehrlicherweise kurz innehalten, als man ihm hinter eine unauffälligen Tür das Innere des für Ember bekannten Koffers präsentierte. Von hier sah man lediglich die Wendeltreppe, die verdächtig nach einem Möchtegerntreppenhaus von hier oben aus aussah. Es würde nicht mehr lange dauern, dann verstand auch Jasper den Zauber dahinter.
      "Woher soll ich wissen, was das ist? Ich hatte bis jetzt praktisch keinen Kontakt mit dem ganzen Magiescheiß. Ich weiß nur das Gröbste, was auch in den Medien rauf und runter geplärrt wird. Aber wenn ich den Namen richtig deute, dann stecken da Seelen drin, hm?"
      Er klang ein bisschen gehässig aber das war lediglich seine kindliche Reaktion darauf, seine Furcht und Unwohlsein zu kaschieren. Wieder haderte er mit sich als August einfach die Treppe runter verschwand, nur um einen Moment später ihm doch zu folgen. Vorsichtig schloss er die Tür hinter sich bevor er sachte die Stufen nach unten nahm und sich kurz vor dem Schrumpfkopf erschrak.
      Je weiter er nach unten kam, umso mehr fing sein Kopf an zu dröhnen. Als würde jeder Schritt ein Schlag auf einem Gong sein, den man in der Nähe seines Kopfes aufgestellt hatte. Unheimlich viele verschiedene Melodien und Töne begannen anzuschwellen, sodass er bei der viertletzten Stufe sich setzen und die Schläfen reiben musste. Wie eine defekte Glühbirne flackerten seine Iren unregelmäßig auf als könne sich seine Aura nicht wirklich entscheiden anzuspringen oder nicht.
      "Die Frau da eben hat also... meine Fresse... hat aus Versehen die Seelen der Typen mit dem Ding da eingesaugt oder was?", setzte er erneut an um den Willen an der Teilhabe einer Unterhaltung zu zeigen. Seine Worte waren jedoch eher gepresst und er gab unverständliche Geräusche von sich während er halb zwischen zusammengekniffenen Augen und neugierigem Umschauen schwankte.


      Embers Wohnung

      "Vielleicht bin ich ja auch einfach ein Adrenalinjunkie?"
      Ember hatte sich von Ruairi auf dessen Schoß ziehen lassen und ließ es sich nicht nehmen, sich nicht brav und anständig zu setzen. Stattdessen hatte sie eines ihrer Beine über seine geschlagen und sich rittlinks auf ihn gesetzt. Mit den Worten hatte sie versucht, die Stimmung etwas aufzulockern, nur schlug es bei ihr nicht wirklich an und sie verfiel wieder in ein musterndes Schweigen. Hätte sie stolz sein sollen, dass sie seine Einstellung richtig vorausgesagt hatte? Dass er laut seinen Worten wirklich so viel für sie tun wollte? Oder sollte sie lieber darüber erschüttert sein, dass dieser Mann nach ihrer kurzen Bekanntschaft schon so weit gehen würde? Erst recht kurz nachdem er sie des Lügens bezichtigt hatte als sie die Rolle seiner Schwester aufgedeckt hatte.
      Nach einer Weile nahm Ember einen tiefen Atemzug und schlang die Arme um Ruairis Schultern. Ihr Körper schmiegte sich an seinen, ihre Stirn legte sie oberhalb seines Schlüsselbeines ab. Sie hatte die Augen geschlossen als sie, gedämpft durch seinen Körper, wieder anfing zu reden: "Wenn ich ständig alles so ernst nehme, wie manche es tun, dann kann ich meine Arbeit nicht mehr richtig machen. Wenn ich bewusst daran denke, dass dir, einem S-Klasse Caster, diese Aura solche Angst einjagt, würde ich einfach in Panik verfallen. Ich würde aus der Wohnung flüchten und nicht mehr drauf klar kommen, dass ich bewusstlos mit dem Gör in einem Raum gewesen bin. Wenn ich daran denke, dass in knapp zwei Wochen ich einem Kjetil Prestegard mit leeren Händen und keinem Schuldigen gegenübertreten soll, dann würde ich mich am liebsten jetzt schon von einer Brücke werfen."
      Sie machte eine Pause und atmete gleichmäßig weiter.
      "Ich kann meine Angst nicht Überhand nehmen lassen. Dann lähmt sie mich und macht mich noch handlungsunfähiger als ich es ohnehin schon bin. Ich muss es als beiläufig abtun, um den Fokus nicht zu verlieren. Verstehst du das? Und wenn ich dann daran denken soll, dass meine Unfähigkeit dazu führt, dass dir Leid widerfährt... Nein. Das geht nicht. Das kann ich nicht."

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • D & D

      August wanderte eine Weile in aller Seelenruhe die schmale Treppe hinab, ehe er seine Füße auf den festen Boden setzte. Das verschmierte Siegel brannte noch immer auf dem Boden wie es das einst getan hatte, als Ember das erste Mal...Nein, jetzt nicht! Ember war jetzt nicht wichtig. Ember hatte genug mit sich selbst und offenbar Nebenbuhlern zu tun, wenn er die Worte, die Noland an ihn gerichtet hatte, Recht deutete.
      Also warum halte ich daran fest?, fragte er sich zähneknirschend, ehe er sich in einer schwungvollen Bewegung auf dem Fersenabsatz herumdrehte und Jasper in die Augen schaute.
      "Erstens: Ich bin keiner deiner Kumpels, sofern vorhanden. Ich erwarte einen gewissen Grundstock an Ehrlichkeit und Respekt. Mir bringt es nichts, einen spätpubertierenden Möchtegern zu unterrichten, der seine Angst hinter einer großen Klappe kaschiert. Angst zu haben ist keine Schwäche, Junge", bemerkte August streng und streckte ihm das Amulett entgegen. "Jedoch sie nicht zu zeigen und hinter einer Arroganz zu verbergen ist mehr als riskant."
      Erst danach grinste August gehässig, während er sich herum drehte und durch den Raum wanderte.
      "Es ist laut für dich, nicht wahr?", fragte er verständig. "Du wolltest von mir wissen, wie mans eine Aura abschaltet. Die simple und leider grausame Antwort ist: Es geht nicht. Deine Aura ist ein Teil von dir. Aber wie ein Tauber, der das erste Mal hört, kann man die Geräusche nicht herausfiltern und sie überfallen einen. Du versuchst dich zu sehr auf etwas zu konzentrieren, was nicht da ist. Nämlich Struktur. Und Struktur im Chaos zu suchen ist wie ein Gefühl rational zu erklären. Simpler Stuss. Also hier mein Vorschlag: Anstatt deine Aufmerksamkeit zu streuen, konzentrier dich auf das hier und sag mir, wie viele Seelen dort drin sind."
      Er hielt den Anhänger vor seine Nase und grinste.
      "Und nein, sie hat die Seelen nicht gefangen. Ms Chambers ist eine Rogue, die versucht, ihren Rogue-Status zu verbergen. Deswegen geht ihr Sohn auf eine staatliche Akademie und erlangte jüngst den Rang eines D-Klasse Casters. Nein, dies Artefakt wurde erworben. Und deine Aufgabe wird es sein, den Verkäufer zu finden und unschädlich zu machen."

      Embers Wohnung

      Schweigsam nahm Ruairi durchaus zur Kenntnis, dass sie die brave Nettigkeit abtat und sich stattdessen regelrecht erobernd auf ihm platzierte. Umso erstaunlicher war die Tatsache, dass sie sich um ihn schlang und an ihn schmiegte, sodass er nicht anders konnte, als seine Arme ebenfalls um ihren schlanken Körper zu schlingen.
      Ihre Stimme an seinem Schlüsselbein vibrierte leicht und er legte eine Hand in ihren Nacken, ehe er geradeaus in Richtung des Flures sah. Konnte er das verstehen? Eindeutig ja. Wollte er es verstehen? Vielleicht nicht. Vielleicht wollte er ja einen Hilferuf einer in Nöten geratenen Maid, die er retten konnte. Getreu seinem Helfersyndrom, was ihm seine Schwester immer ans Herz gelegt hatte. Doch war es wirklich so.
      Ruhig lauschte er ihren Worten und nickte dann.
      "Ich verstehe es", murmelte er und seufzte. "Ich verstehe, dass du Schutzmechanismen brauchst um nicht aufzugeben, aber...Aber ich finde, dass du es manchmal ein wenig übertreibst. Ich meine...Du kannst mir vertrauen, ich denke nicht schlechter oder besser von dir nur weil du Schwäche zeigst und dich verletzlich machst."
      Und ich wäre gerne mehr für dich, dachte er.
      "Kjetil wird dir kein Haar krümmen", murmelte er grimmig und küsste sanft ihren Hals.
      Nicht eines würde er ihr krümmen. Und wenn es das Letzte war, was er tat.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • D & D

      Jaspers Lippen waren kaum mehr als ein dünner Strich als er Augusts Blick erwiderte. Es war nicht so, dass er wirklich arrogant oder dergleichen war. Er wusste einfach nicht besser mit der Situation umzugehen und handelte bevor er dachte. Und der konstante Lärm um ihn herum gestaltete das Nachdenken nicht unbedingt leichter.
      Deswegen nickte er nur nachdem der Arkana festgestellt hatte, dass dem Jungen gefühlt das Trommelfell zu platzen drohte. "Wäre ja auch zu einfach, wenn man sie einfach abstellen könnte", meinte er leise und geschlagen.
      Es brachte nichts, die Glaubwürdigkeit dieses Urteiles anzufechten. Wenn ein gestandener Rogue das so sagte, musste es einfach so sein. Also würde sich der Junge andere Wege einfallen lassen müssen, um mit sich selbst klarzukommen. Beziehungsweise nicht er allein sondern mit Hilfe, wie er kurz darauf merkte.
      Jasper schaute noch immer nicht wirklich glücklich als er seine Hand ausstreckte und das Artefakt nur an der Kette in die Finger nahm. Schon eine Sekunde später war er mehr als dankbar dafür, bereits zu sitzen. Sonst wäre er nun vermutlich stupide nach hinten umgefallen. So aber verwandelte sich das musikalische Chaos in seinen Ohren in das Wehklagen dutzender Stimmen, die nun durch seinen Kopf geisterten. Überrascht riss er die noch immer blitzenden Augen auf.
      "Moment mal, wieso soll ich in den Untergrund gehen? Ich kann nicht kämpfen!" Und will es auch gar nicht, setzte er in Gedanken hinzu. "Dürfen die Typen nicht solche Dinger verkaufen? Ich hab doch keinen Plan von den Gesetzen um sowas..."
      Er runzelte die Stirn und starrte den Anhäger an, den er vor seinem Gesicht baumeln ließ. Selbst August hatte den Stein nicht berührt, also würde er tunlichst die Finger davon lassen. Aber es waren dutzende Stimmen, die da drin herumheulten. Auf alle Fälle waren es keine fünf Mann.
      "Is' 'n bisschen schwierig das Geheule von den Melodien zu trennen", murmelte Jasper als Erklärung warum es so lange dauerte. "Mindestens fünf Stimmen kann ich trennen, der Rest ist verdammt ähnlich... Vielleicht irgendwas zwischen zehn und zwanzig? Ich weiß nich..."
      Statt ins Nichts zu starren begann er damit, den Anhänger niederzustarren. Das unregelmäßge Flackern seiner Augen hörte zwar nicht auf, beruhigte sich allerdings zusehends und wurde gleichmäßiger, je angestrengter er den Stein anschaute.


      Embers Wohnung

      Kjetil wird dir kein Haar krümmen.
      Korrekt. Er würde ihr einfach den Kopf abreißen. Oder ihr wortwörtlich das Herz aus der Brust schlagen. Ihm würden genug Wege einfallen, wie er sie aus ihrem Leben katapultieren konnte wenn sie mit leeren Händen vor ihm aufschlug. Mühselig schob Ember diese Gedanken wieder von sich un verstärkte unweigerlich den Griff ihrer Arme um Ruairis Schultern. Solche Worte wurden schon sehr lange nicht mehr an sie gerichtet und es traf einen ungewöhnlichen Nerv bei ihr. Sie suchte nach den richtigen Worten, fand aber keine wirklich treffenden. Also murmelte sie das Einzige, das halbwegs in die Richtung ging und alles abzudecken vermochte: "Danke. Danke, dass du da bist."
      Ein Statement fern ab schlechter Meinungen. Sie war wirklich froh, jemanden zu haben, an den sie sich anlehnen konnte. Dass sie ihn fast verloren haben könnte an dem Abend, wo sie ihm die Sache mit seiner Schwester an den Kopf geknallt hatte, tat dann umso mehr weh. Seine Lippen an ihrem Hals brannten sogar noch nach nachdem sie schon lange wieder verschwunden waren.
      Schließlich nahm sie sich zusammen und lösten ihre verankerten Arme um seine Schultern und richtete sich wieder auf. Ihre Hände glitten dabei um seine Brust abwärts und blieben schließlich auf ihren eigenen Oberschenkeln liegen. Ob sie wohl richtig in ihrer Annahme lag, dass er sich in sie verliebt haben mochte? Jetzt schon?
      "Du darfst mir aber nicht zu oft helfen. Sonst gewöhn ich mich dran und verlier meinen Schneid", witzelte die Ermittlerin schlussendlich schwach, bekam aber immerhin ein Lächeln zustande. "Und ich weiß, dass du mich nur wegen meinem Schneid magst..."
      Das Lächeln wurde ein klitzekleines Bisschen breiter als sie sich wieder zu ihm lehnte und die Erinnerung vom voran gegangenen Kuss wieder auffrischte. Morgen konnte sie sich wieder ihrer Arbeit widmen. Morgen würde sie bestimmt einen kleinen Fortschritt machen und ihre Lage ein bisschen weniger misslich gestalten. Vielleicht half ja sogar der Mann unter ihr mit. Möglich war es immerhin.

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • D & D

      August vollbrachte gerade so ein genüssliches Lächeln, während er sich an einer Ecke des Forschungstisches zu schaffen machte. Dem Geräusch von Papieren und Fläschchen, die umgeschichtet wurden, folgte zumeist ein kleiner Aufschrei, als er mit einer schmalen Karte auf einem staubigen Pergament zurück kam.
      Zugegeben, das Ganze ähnelte einem Kürstück aus einem Fantasyfilm (wer malte noch Karten auf Pergament?) aber er hatte da einen kleinen Fetisch, der befriedigt werden wollte.
      "Naja"; begann er nachdenklich. "Das Positive ist: Die Gesetze da unten sind unseren nicht unähnlich. Das Problem ist eher die Fragestellung. Klar, man darf solche Dinge durchaus verkaufen. Man darf sich nur nicht erwischen lassen. Vor etwa fünfzig Jahren wurden schwarzmagische Artefakte wie diese Seelenkelche verboten, da zu viele Schwarzmagier sich daraus Energie zogen und an der Grenze zur Unsterblichkeit rangierten. Die Arkana seinerzeit und heute kämpfen gegen den Untergrundhandel von diesen Dingern, weil sie Leid für viele tausend Menschen verursachen. Menschen wie Zauberer, möchte ich anmerken."
      Auf seine Einwände zum Kampf hin reagierte August gar nicht sondern schwang seine Hand einmal um 180 Grad herum. Aus dem Nichts erstand aus Staub und Wind eine Art Stehtisch, dessen Fuß eine Baumwurzel war und sich fest in den knorrigen Dielenboden verankerte. Schwungvoll knallte er die Karte des Untergrundes auf den Tisch und grinste.
      "Gar nicht mal übel", murmelte er. "Es sind zwanzig. Zwanzig Seelen bedeuten bereits einen recht großen Seelenkelch. Die Energie darin gleicht einer mittelschweren Bombe und würde vermutlich ausreichen, um etwa 10 A-Klasse-Zauber zu wirken, ohne das man diese überhaupt erreicht. Konzentrier dich weiter. Und wenn du den Peak erreicht hast, dann versuche die Stimmen nach und nach aufzulösen. Doch achte darauf, dass du das Gefäß erst dann zerstörst, wenn die Seelen hinfort sind. Sonst haben wir Halloween im Spätwinter."

      Embers Wohnung

      Ruairi hielt sie noch eine Weile lächelnd im Arm und genoß die Wärme und Nähe ihrer Haut. Als würde er etwas in ihr oder an ihr suchen, das ihn komplettierte ohne dabei zu erahnen, dass er es bereits gefunden hatte. Seine Hand lag beruhigend in ihrem Nacken während er sich innerlich fragte, wie er sie beschützen konnte. Ja, er kam gegen den Richter an, das war nicht die Frgae. Die Frage war eher, ob einer von ihnen den Kampf überleben würde.
      "Immer", murmelte er auf ihren Dank hin und lächelte.
      Beinahe trotzig und widerwillig löste er sich von ihr und sah sie an, während sie ihre Hände an gefährliche Stellen zu legen vermochte. Sie hatte ein Gespür dafür, genau jene Stellen in Anspruch zu nehmen, die ihm die größtmögliche Kontrolle nahmen. Grinsend erwiderte er ihren Kuss, der so warm und nahe erschien, dass es ihm in der Brust zu schmerzen begann. Konnte das das böse Wort mit "L" sein, das er bisher nicht hören wollte? Wohl kaum, oder?
      "Da hast du auch wieder Recht", wisperte er an ihren Lippen. "Ich achte darauf, dass ich nicht so viel Schneid von dir weg nehme..Die Frage aber die sich mir heute stellt ist: Was stellen wir zwei noch an?"
      Seine Hände fuhren ihre Oberschenkel hinauf und legten sich wie sellbstverständlich auf ihre Hüften (nein, es war ihr Hintern!) und verharrten dort beinahe besitzergreifend.
      Es war Zeit, das Böse des Abends zu vergessen und aus dieser Küche zu fliehen, wo ihn die Übelkeit doppelt sehen ließ.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • D & D

      "Achso...."
      Diese Erklärung war durchaus logisch und irgendwie beschämte es Jasper, dass er nicht direkt daran gedacht hatte. Es würde immer diejenigen geben, die sich die Macht zu Kopfe steigen lassen würdenund selbstverständlich musste es dann Personen geben, die dagegen steuerten.
      Als August den Tisch erscheinen ließ verzog der Junge erneut das Gesicht. Die neue Melodie in seinen Ohren hatte er schon vage am Rande irgendwo in diesem Konstrukt gehört, leise und tiefer verborgen. Es war die Gleiche wie jene, die August am Vortag einmal zum Testen genutzt hatte. Gerade noch musterte er den knorrigen Tisch, da wurde schon ein Stück Pergament darauf aufgeschlagen. Jaspers Vermutung war gar nicht so fernab von der Lösung gewesen und er zuckte nur mit den Schultern. Ein bisschen Selbstgefälligkeit durfte ja wohl sein.
      "A-Klasse war schon ziemlich hoch, oder? Kam da nicht noch ein Buchstabe drüber?", fragte er nach und inspizierte weiter den Anhänger.
      Er schob die anderen Melodien wieder aus seinem Kopf und konzentrierte sich auf das Geheule im Anhänger. Da er sich so gut es ging aus sämtlichen magischen Angelegenheiten rausgehalten hatte, kannte er nicht einmal die richtigen Klassifizierungen. Auch die meisten Bezeichnungen waren ihm fremd. Es war, als müsse man ihm von der Pieke auf alles neu erklären. Also machte er sich daran, die Stimmen abzugrenzen und separiert zu halten.
      "Warum macht das Chambers dann nicht selbst? So wie Sie es erklären klingt das doch gar nicht so schwierig. Die Frau versteckt ihren Status, ich bin nicht mal so weit und scheine das halbwegs hinzukriegen...", murmelte er leise während seiner Aufgabe.
      Es dauerte eine ganze Weile bis Jasper wirklich alle Stimmen voneinander hatte trennen können. Mehrfach waren sie einfach wieder zusammengefahren als sich seine Konzentration kurz verabschiedet hatte und ließ ihn grimmig noch mal beginnen. Irgendwann war er schließlich soweit und hielt die Kette hoch.
      "Getrennt. Die sind aber alle noch hier drin und noch nicht raus. Muss man dann trotzdem den Anhänger kaputtmachen oder hab ich was vergessen?"


      Embers Wohnung

      "Also ich hätte da eine richtig sinnvolle Aufgabe", griff Ember den Faden auf und die gesprochenen Worte ließen ihre Lippen an seinen kitzeln. "Da liegen zum Beispiel etliche Briefe mit magischen Spuren auf meinem Tisch. Die könntest du aaaaaalle einmal ansehen und mir sagen, ob ich die gefahrlos so öffnen kann."
      Entgegen ihrer Worte verlor sie jedoch keinen ernsthaften Gedanken an all die Briefe auf ihrem Tisch. Viel lieber holte sie sich einen zweiten und dritten Kuss ab ehe sie noch an seinen Lippen seufzte. Sie würde ihn nicht den ganzen Abend einfach auf einem Stuhl in der Küche festhalten können... Es gab doch bessere Alternativen.
      "Oder es gibt noch etwas anderes, das wir tun könnten."
      Ember löste sich von Ruairi und klopfte ihm auf die Hände, die er noch immer an ihrem Hintern liegen hatte. Nachdem er sie freigegeben hatte, stand sie von ihm auf und bedeutete ihm, ihr zu folgen. Sie spazierte schon regelrecht durch ihr Wohnzimmer, Ruairi direkt hinter ihr, als sie beiläufig auf den Couchtisch zeigte.
      "Da wäre der Haufen an Briefen...", sagte sie leise und machte in ihrer Stimme deutlich, dass sie da definitiv nicht hin wollte, "...und da hätten wir ein Schlafzimmer. Dass du im übrigen noch nicht auf verdächtige Spuren untersucht hast."
      Sie lächelte breit ohne dass er es zu Gesicht bekam. Mit dem Fuß stieß sie die nur angelehnte Schlafzimmertür auf und wandte sich dem Caster erst jetzt zu. Ihr Blick wanderte einmal komplett über seine Erscheinung, dann lagen ihre Hände bereits wieder an seiner Brust, wanderten abwärts über seinen Bauch um sich schließlich an seine Flanken zu legen. Ein zweites Mal seufzte sie, so als könne sie nicht begreifen, dass dieser Mann vor ihr echt war.
      "Also dafür, dass du nur mal kurz meine Wohnung überprüfen wolltest hast du dich echt rausgeputzt. Ein Jammer, dass ich dir gleich Falten in dein Hemd machen werde", lächelte sie ihn warmherzig an und zog ihn zu ihrem Bett.
      Dort ließ sie ihn auf dem Rücken liegen, um sich seitlich an ihn zu schmiegen. Sie schlug ein Bein über seines und platzierte den Kopf an seiner Schulter, wo sie einfach nur seinen angenehmen Geruch und seine Atmung genoß.
      "Ist dir hier auch noch schlecht oder wird's besser?", erkundigte sie sich ohne den Kopf zu bewegen oder gar die Augen zu öffnen.

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • D & D

      Für einen Moment lang, als die Ruhe der Konzentration vorherrschte fragte sich August, während er an den Wänden seiner Behausung hinauf sah wieder und wieder, wie es wohl Ember gerade erging. Er widerstand dem Drang, ein altes Artefakt zu nutzen, dass in seiner geheimen Kemenate verweilte. Es war ein Spiegel, ein Seelenglas, wenn man es so wollte. Ein Name und ein wenig Geduld, und man bekam denjenigen zu sehen den man sehen wollte.
      Seufzend rang er sich ein Kopfschütteln ab, während er wieder zu Jasper sah.
      "Ja, es ist ziemlich mächtig. Darüber kommt die S-Klasse der Zauber. Diese ähneln in ihrer Zerstörungskraft kleinen Naturkatastrophen, deswegen sind sie selten."
      Außer bei dir selbst, dachte er und starrte auf seine Hände. Eine ganze Weile sah er dem jungen zu und betrachtete leicht beeindruckt, wie schnell er sich durch Seelenstrukturen arbeiten konnte. Die meisten brauchten Stunden oder Tage dafür und er schien einfach hindurchzusteigen, als gäbe es eine Anleitung. Ob dieses Kind Grenzen hatte?, fragte sich August und nickte zum Abschluss.
      "Bravo!", bemerkte er und applaudierte schwach. "Das war beeindruckend Jasper. Zwanzig Seelenverbindungen aufgelöst und eine wirkliche Konzentration geschafft. Es ist ein erster Schritt. Und im Grunde kannst du den Anhänger behalten. Es ist jetzt nur noch ein schöner Anhänger. Es sei denn, du willst die Seelen erlösen. Dann zerstöre ihn. Aber schütz deine Ohren vor dem Geschrei.", grinste August und sah ihn ernst an.
      "Ms Chambers mag zwar eine fähige Rogue sein, aber ihre Kräfte reichen bei weitem nicht aus, dies als Seelenkelch zu erkennen, geschweige denn die Verbindungen zu trennen. Dafür ist sie schlicht und ergreifend nicht mächtig genug. Für uns gilt es jetzt, jedoch, den Untergrund aufzusuchen."
      August schwang sich aus der Ruhephase heraus und griff einen langen Stoffmantel der über einem Stuhl hing.
      "ZIeh dich an Junge. Wir treffen uns in 5 Minuten an der Tür. Und sag: Hast du Angst vor Spinnen?"


      Embers Wohnung

      Zugegeben, die Vorstellung jetzt Briefe durchzusehen, so sinnig diese Beschäftigung auch sein mochte, regte nicht gerade seine Geister an. Während ihre Lippen die seinen regelrecht einem Schützenfeuer der Reize unterwarfen, reagierte Ruairis Körper nach völligem Belieben. Ihren Händen und dem Gefühl unter seinen Händen nach erschien ihm eine Jeans als Wahl mehr als unpassend, da sie eine schmerzhafte Enge mit sich brachte, die er nun bereute.
      Erst als Ember ihn durch die Wohnung zog und beinahe verführerisch auf den Stapel Briefe sah, verzog er das Gesicht merklich. Just in dem Moment woltle der Zauberer seinen Unmut kundtun, als bereits die schmale Tür zum Schlafzimmer geöffnet wurde und er sich mir nichts, dir nichts rücklings auf dem Bett wiederfand.
      Es brauchte auch nicht lange, ehe ein mittlerweile bereits vertrautes Gewicht wieder auf ihm lag und er sich nicht mehr um die sorgsame Enge seiner Hose zu kümmern brauchte. Nun war es ohnehin egal.
      Grinsend legte er eine Hand auf ihren Hinterkopf und kraulte ihr leicht über die Kopfhaut, die sich warm und einladend darbot. Schweigsam atmete er ein paar Mal ihren Duft ein, ehe er leise zu wispern begann:
      "Also Falten im Hemd wären kritisch, Miss", sagte er mit einem Lachen in der Stimme. "Ich bin furchtbar schlecht im Bügeln und habe nicht viele Hemden. Ich kann aber nach meiner Inspektion sagen, dass es mir hier drin gerade fantastisch geht und niemand in deinem Schlafzimmer war...Also...Um Falten zu vermeiden wirst du es mir ausziehen müssen. Sonst muss ich noch eine Nacht lang bügeln, ehe ich es hinbekomme."
      Beinahe schelmisch einladend sah er sie an und breitete sorgsam die Arme aus.
      "Nur zu. Ich gehöre ganz dir."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • D & D

      Wie man es auch drehen und wenden mochte, Jasper war sich nicht im Klaren darüber, dass er dank seiner Fähigkeit tatsächlich eine andere Affinität der Magie gegenüber besaß als die meisten anderen. Er war der Hörende unter den Tauben und wusste diesen Sonderstatus gar nicht wirklich zu würdigen. Stattdessen fragte er sich, wie man seine durchaus seltsame Fähigkeit einordnen würde. Noch war das Klassifizierungsystem in seinen Augen einfach nur ein Maßstab für Zerstörungskraft. Diese Wahrnehmung würde sich über die Zeit noch bei ihm wandeln.
      "Könnten Sie nicht sagen, dass das beeindruckend war? Ist irgendwie komisch, wenn mir das ein Arkana sagt...", war Jaspers Reaktion darauf und spiegelte überdeutlich sein Unbehagen wider.
      Ihm gefiel es nicht, dass ein hoch begabter Rogue ihm diese Komplimente machte. Er war kein Kleinkind, das ständig Belobigungen bei den kleinsten Fortschritten machte. Schließlich hätte August mit mindestens der gleichen Leichtigkeit den Seelenkelch auseinanderpflücken können.
      Allerdings musterte der Junge den Anhänger in seiner Hand ein wenig eindringlicher. Chambers war nicht mächtig genug, aber er konnte das Ding einfach so zerlegen? Jetzt wurde er doch ein wenig stutzig als er die Kette auf die Stufe zu seinen Füßen legte und sich die Ohren mit den flachen Händen verdeckte. Ohne zu zögern zertrat er den Stein mit einem Fuß und war dankbar für den Hinweis gewesen, sich die Ohren zuhalten zu sollen. Das Geheul, das kondensiert im Stein zu hören war, stob nach draußen und löste sich schlussendlich in die einzelnen Seelen auf. Fast augenblicklich begannen Jaspers Augen zu leuchten als er unendlich viele kleine Glitzerpartikel in der Luft sah, die mit der Zeit verglommen.
      Als er das Stichwort Untergrund hörte wurde sein Blick prompt wieder argwöhnisch. "Das ist nicht Ihr Ernst. Sie wollen jetzt echt den Verkäufer suchen? Mit mir?"
      Augusts Blick war unmissverständlich und Jasper flüchtete mit mehreren Treppenstufen auf einmal aus dem Inneren des Koffers, den er nicht als Inneres eines Koffers empfand.
      "Spinnen können nicht reden, also nein!"

      Wenig später fand sich Jasper wie angesagt vor der Tür bei August ein, nun wieder mit seiner Jacke und hochgeschlagenem Kragen ausgestattet. Ihm war mehr als unwohl bei dem Gedanken in den Untergrund zu gehen. Er hatte bislang nur Geschichten davon gehört, wie zum Beispiel der Zustand nach einem Kampf zwischen zwei Arkana. Es soll die Hölle dort unten gewesen sein.
      Trotzdem begleitete er seinen neuen Ausbilder zur Fleet Bridge und kraxelte mit ihm zusammen die rutschigen Stufen abwärts bis sie vor dem Troll ankamen, der den Eingang bewachte. Jasper gaffte das Ungetüm mit geweiteten Augen an. Auch mit magischen Kreaturen hatte der Junge bisher nicht viel am Hut gehabt. Er unterstand sich nachzufragen, ob der Troll echt echt war.


      Embers Wohnung

      "Hm. Wenn deine Überprüfung bereits abgeschlossen ist, könnte ich dich also einfach wieder vor die Tür setzen und danke sagen?"
      Ember wartete einen Moment, dann legte sie den Kopf in den Nacken um in das Gesicht eines höchst beleidigtem Ruairi zu blicken. Dieser Anblick entlockte ihr ein leises Prusten nachdem sie sich aufrichtete und sich auf seine Hüfte schwang. Da sie lediglich eine Jogginghose trug spürte sie direkt ihre Wirkung auf ihn, ließ es jedoch unkommentiert. Viel lieber musterte sie den Mann unter sich einen Augenblick lang bevor sich ihre Finger an dem untersten Knopf zuerst zu schaffen machten.
      "Du kannst nicht bügeln? Du trägst doch häufiger Hemden. Sag mir nicht, du bringst die alle immer in die Reinigung", spottete sie und widmete sich dem zweiten und dritten Knopf. "Weißt du eigentlich, wie underdressed ich mir gerade vorkomme, wenn ich dich so angucke?"
      Gespielt beleidigt schürzte sie die Lippen während sich sich unaushaltsam den Weg nach oben bahnte. Schließlich löste sie auch den letzten Knopf nahe seines Kragens und streifte den Stoff über seine Brust komplett zur Seite. Allerdings machte sie keine Anstalten auch seine Arme zu befreien. Stattdessen ließ sie ihre Hände schon wieder über seine Haut gleiten bis hoch zu seiner Kieferlinie. Als sich ihre Finger auf eben jene legten, beugte sie sich zu ihm herab und küsste ihn. Kein stürmischer Kuss, wie sie es sonst kannte sondern eher ein verheißungsvolles Versprechen.
      "Gib's zu, du bist nur hergekommen weil du mich ins Bett kriegen wolltest", hauchte sie ihm auf die Lippen und ließ das Grinsen die Farbe ihrer Stimme bestimmen.

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Der Untergrund, 19:21 Uhr

      Es war wirklich eine erstaunliche Wendung, dachte August während der Fahrt so bei sich. Der Junge besaß offenbar einiges mehr an Potenzial als selbst Noland in ihm sehen wollte oder gesehen hatte. Es empfahl sich, dies nicht zu laut auszusprechen, da besagter Jüngling erst gerade dem Erwachsenenalter näher gekommen war. Aber alleine die Tatsache, dass er ein magisches Artefakt der B-Klasse spielend leicht lösen konnte, veranlasste August dazu, ihn zumindest in der A-Klasse zu verorten.
      Schweigsam sah er dem Aufeinandertreffen entgegen und begab sich erneut auf den kleinen Pfad zwischen den Brückenstützen der Fleet Bridge. Erneut umfing ihn der zarte Geruch von vergorenem Fisch und Inneren, die keiner wirklich kennen wollte. Die Nachtdämmerung hatte bereits eingesetzt und tauchte London in ein angenehm rotes Licht. Beinahe wehmütig sah er zu der herabsinkenden Sonne und seufzte leise. Wie lange vermochte er wohl noch, diese zu sehen?
      Der Troll (diesmal ein Anderer!) grinste breitbackig und sah mit seinen hässlichen Knopfaugen hinab zu dem Jungen. Die magische Gestalt war noch etwas größer als der andere Troll und Steine zeigten sich auf seinen Schultern, Ornamenten gleich.
      "Wer das?", knurrte er und wies mit einer übergroßen Hand auf Jasper.
      August schüttelte den Kopf und grinste. "Niemand. Ich möchte Zugang zum Alten Teil des Untergrundes."
      "Alter Teil?"
      "Ja, genau."
      "Müssen aufpassen. Alter Teil gefährlich..."
      "Ist mir bewusst, mein Freund. Öffne bitte die Seitentür."
      Ein Geheimnis, dass er selbst vor Ember seinerzeit verborgen hatte. London fußte nicht nur auf einem Untergrund, den man durch die Trollstiege betreten konnte. Vielmehr gab es mehr..
      Als sich eine Steintür aus der Seite des Stützfußes löste, wies er Jasper an, ihm zu folgen.
      "Der Untergrund besitzt neben seiner offensichtlichen Struktur noch eine tiefere Ebene, die den meisten verborgen bleibt, wenn man nicht weiß, wo sie ist", erklärte er. "Hier unten werden Artefakte gewalttätiger Natur verkauft oder aber ernste Zauber gehandelt."
      Während sie eine tiefe, enge Treppe hinabstiegen, schienen die Wände zu ihren Seiten schwarz und bedrohlich näher zu kommen. August presste sich bereits durch den enger werdenden Gang und nicht verdeckte Anstrengung fand sich auf seinem Gesicht wieder. Leichter Schweiß tropfte herab und benetzte den Boden zu ihren Füßen. Und erst nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten sie den Spiegel.

      Ein alter, mit goldenen Ornamenten geschmückter Ovalspiegel hing am Ende einer langen Stiege und wirkte so unauffällig wie ungewöhnlich in dieser kleinen, dreckigen Kammer. Stattdessen wirkte das gesprungene Glas und die alt wirktenden Strukturen rund um ihn herum beinahe fehl am Platze. Als seien sie nicht hier.
      "Alsdann...", begann August erneut und grinste. "Nach dir. Nur hindurch, keine Angst."

      Spoiler anzeigen
      Was dahinter liegt:
      untergrund2.jpg


      Embers Wohnung

      Ruairi sah sich gar nicht in der Gelegenheit, eine Antwort zu formulieren. Diese Frau hielt ihn einfach mit ihrem Körper, ihrem Geist und ihrem Sein in sich gefangen. Und es war nicht mal dies ein Problem. Er genoß die Gefangenschaft sichtlich, als sich ihre Beine um seinen Körper schlangen. Ein erleichtertes, gar seliges Grinsen legte sich auf sein entspanntes Gesicht, auch wenn sein restlicher Körper das pure Begehren ausschüttete.
      Wehrlos ließ er das Prozedere über sich ergehen und beobachtete sie schelmisch (und ja, auch ein wenig angeregt, wie das Glitzern seiner Augen verriet). Allein ihr Outfit, so underdressed sie es auch empfinden mochte, regte seine Geister mehr an als vielleicht gut für ihn war. Bald ließ sich nicht mehr verstecken, was er begehrte.
      "Was soll ich sagen...Die Reinigung ist gut und Mrs Spottle hilft mir sehr. Ich bin dahingehend leider talentfrei", lachte er und sah ihr beim Aufknöpfen zu, ehe er ihre Hände wieder auf seiner Haut spürte. Und doch noch mehr wollte.
      Dieser eine Kuss, mochte er auch noch so nach dem süßen Verlangen und der Aussicht auf ein großes "Mehr" schmecken, war nicht genug. Dennoch bewegte er nur knapp seine Gliedmaßen um nach ihr zu greifen. Ihrem Gesicht.
      "Wie hab ich mich verraten?", grinste er spöttisch und zog sie erneut zu sich herab, um dem sanften, verheißenden Kuss eine weitere Folge zu geben. Nur dieses mal mit deutlich mehr Verlangen gespickt.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Der Untergrund, 19:21 Uhr

      Jasper kannte sich bekanntlich nicht in London aus. Demnach war er darauf angewiesen, wohin August ihn lenkte und er runzelte lediglich die Stirn als sie sich dem Fluss näherten, der sich durch die Stadt schlängelte. Allerdings zweigte ihr Weg ab von dort, wo die Massen liefen und eigentlich hätte er mit so etwas rechnen müssen.
      Trotzdem. So ein großer Troll erweckte bei einem Siebzehnjährigen schon einen gewissen Eindruck. Es verlor sich jedoch eine geraume Menge davon als der Troll zu reden begann. So entspannt wie sich der Arkana verhielt versuchte auch er sich nichts wirklich anmerken zu lassen und verfiel wieder in die Rolle des schweigsamen Begleiters. Es war allerdings auffällig, dass man ihn als Niemand bezeichnete. Damit ließ sich das Ungetüm schon abspeisen?
      Jasper hinterfragte nichts von alle dem. Stattdessen folgte er strikt den Anweisungen von August, der voran ging. Die Treppe war verhältnismäßig schmal und auch die Wände erschienen übernatürlich dunkel und finster. Wenn er es sich so recht überlegte wirkte es beinahe so, als verjünge sich der Gang. Was aussah wie eine optische Täuschung war leider Realität: August zwängte sich irgendwann durch so enge Teile des Ganges, dass selbst Jasper schauen musste, wie weit er seinen Kopf einziehen konnte.
      "Ich nehme mal stark an, die Polizei weiß hier von nichts?", fragte der Junge und erschreckte sich vor seiner eigenen Stimme, die gefühlt dreifach zu ihm zurückgeworfen wurde. "Natürlich wissen die nichts... Die hätten bestimmt längst versucht, alles hier unten auszuräuchern..."
      Sie würden also nicht nur den Untergrund, sondern quasi den Schwarzmarkt des Untergrundes betreten. Je mehr Jasper davon erfuhr, umso weniger Lust hatte er auf dieses kleine Spritztour. Seinetwegen setzte er sich mit seinem Dasein als Zauberer auseinander. Er ließ auch mit sich reden, dass ein Arkana sein Ausbilder sein sollte. Aber dann noch direkt in den richtig kriminellen Teil Londons geworfen zu werden ohne auch nur einen einzigen Zauber korrekt wirken zu können fand er mehr als abenteuerlich.
      Dann entdeckte er den Spiegel.
      Dieses Objekt war das erste und einzige hier, das ihn nicht augenblicklich verschreckte. Tatsächlich fand er das erste Mal etwas wie Bewunderung in seinen Gefühlen vor als er näher trat und den Rahmen begutachtete. Selbst er konnte sehen, dass irgendetwas merkwürdig an diesem Spiegel war. Als August ihn aufforderte, hindurchzugehen, warf der Junge ihm einen fast schon anklagenden Blick zu.
      "Ernsthaft? Mehr Klischee geht nich', oder?" Er seufzte leise. "Wenn mich das Teil jetzt in einem Riesenspinnenest oder was auch immer rausschmeißt...."
      Der Rest seines Satzes ging in Genuschle unter. Widerstand war ja bekanntlicht zwecklos also akzeptierte er einfach sein Schicksal und marschierte eisern auf den Spiegel zu. Wenn er schon einen Abgang machen musste, dann wollte er wenigstens sehen wodurch er umkam. Schließlich trat er in das Glas des Spiegels.
      Jasper hatte erwartet, dass es sich nach nichts anfühlte. Dass man einfach durch eine Wand aus Luft oder dergleichen ging und einfach in einem anderen Ort wieder auftauchte. Für ihn war es aber so als träte er in Eiswasser. Eine Kälte schien jeden Zentimeter seiner Haut zu erreichen und dort Frostbrand zu hinterlassen, der einige Sekunden lang anhielt. Als er gerade anfing sich zu fragen, ob das normal war, hörte die Empfindung auf und wurde durch etwas anderes abgelöst.
      Kaum hatte Jasper den neuen Ort betreten, er bekam gerade noch einen Blick auf eine unterirdische Stadt umringt von Mauern, schien die ganze verdammte Welt um ihn herum an zu schreien. Es war so heftig, dass es ihn buchstäblich von den Füßen riss und er mit Knien und Ellbogen auf dem modrigen Boden aufkam. Seine Hände waren nutzlos vor seine Ohren geschlagen und seine Augen zusammengekniffen während nicht nur hunderte Melodien auf ihn einprasselten sondern ganze Stimmen sich dazu gesellten. Es war so viel dass er Angst lief, sein Hirn würde platzen. In seiner Not erinnerte er sich an den Anhänger und pickte sich aus dem Chaos eine einzige Stimme heraus. Die eine Frauenstimme, die deutlicher unter allen anderen hervorstach und etwas sang, das er nicht verstand.
      Jasper konzentrierte sich nur darauf und versuchte alles andere auszublenden. Dass er etliche Minuten brauchte bis er ein Level erreicht hatte, das seinen Schädel nicht mehr sprengte, bemerkte er gar nicht. Genauso wenig wie das Erscheinen Augusts, das ihm ebenfalls entging. Er krepelte einfach am Boden in der Hoffnung zu überleben und atmete schwer und stoßartig. Als er schließlich das Getöse deutlich leiser in seinem Kopf hörte und dafür mehr von dem Singsang der Frau vernahm, öffnete er langsam die Augen und kämpfte sich schwerfällig auf die Füße. Er schaute gar nicht zu August - den vermutlich abfälligen Blick konnte er jetzt nicht gebrauchen. Stattdessen fokussierte er die Stadt an.
      "Das. Ist ne verfickte Stadt", bemerkte er überflüssigerweise und stolperte dem Arkana hinterher.


      Embers Wohnung

      Ember lachte kurz auf. "Die Reinigung ist gut... Ja sicher doch. Du wärst hoffnungslos aufgeschmissen ohne sie."
      Sie ließ sich willentlich gefangen nehmen von Ruairis Händen und ergab sich dem Kuss, den er ihr vermachte. Sie spürte, wie er sein Verlangen über seine Lippen zu ihr fließen ließ und ihr einen wohligen Schauer über den Rücken jagte. Wie er sich verraten hatte? Das war leicht zu bestimmten. Ember bewegte ihr Becken provokant, um so über das wohl offensichtlichste Anzeichen zu rutschen, das es gab.
      "Du kommst in meine Wohnung und dir wird überall schlecht außer in meinem Schlafzimmer? Was für ein Zufall...", murmelte sie noch an seinen Lippen, sie bekam das Grinsen einfach nicht mehr aus ihrem Gesicht.
      Unter ihr schien der Zauberer regelrecht zu verglühen. Seine Haut strahlte sogar durch ihr eigenes weites Shirt hindurch und erinnerte sie daran, wie sie einst einfach nur zusammen gelegen und die Nähe des jeweils Anderen genossen hatten. Der Gedanke daran, dies immer haben zu können war fast schlimmer als jede erdenkliche Droge und löste eine impulsive Handlung von ihr aus. Nach einem weiteren Kuss biss sie ihm leicht in die Unterlippe, eine Aufforderung zum Spiel.
      Dann, urplötzlich, gab sie Ruairi völlig frei und richtete sich wieder auf. Brav zog sie ihre Hände auf ihre eigenen Oberschenkel zurück und neigte den Kopf leicht. Wüsste man es nicht besser dann sah es so aus, als mache sie auf unschuldig.
      "Also... wir sind ja im Bett. Ziel erfüllt. Aber was wir hier machen hast du nicht bestimmt. Wie wär's also mit einfach nur kuscheln und schlafen?", flötete sie und grinste so breit wie es menschlich möglich war.
      Ihre Hände waren derweil hinauf zu ihrem eigenen Schritt gewandert. Ihre Hände ruhten dort noch immer an den Innenseiten ihrer Oberschenkel an der Grenze zum Becken. Sachte zeichneten ihre Finger Muster über den Stoff und berührten gerade eben empfindliche Regionen von Ruairis Körper. Ganz beiläufig natürlich.

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Der Untergrund (?)

      August glitt durch den Spiegel, nachdem Jasper fort war. Eine Sekunde lang hatte er das Gefühl, Augen auf seinem Hinterkopf zu spüren und wirbelte herum, noch bevor er die Glasscheibe berührte.
      "Wer auch immer du bist: Komm raus oder ich lasse dich deine Eingeweide fressen!", zischte er in das Dunkel der Treppe, die sie herab gekommen waren. Es wirkte surreal, aber freilich bewegte sich nicht ein Staubkörnchen.
      Seine Position der Wache aufgebend, blickte er ins Schwarz und seufzte leise. Anschließend trat er durch das Glas, das sich für ihn wie tausend Messerstiche anführte. Es hieß, der Verheißungsspiegel würde einem Menschen das Gefühl vermitteln, das er am ehesten ersehnte. August wusste es besser. Immerhin hatte Jemand, den er gut kannte, diesen Spiegel vor über 100 Jahren erstellt. Es glich dem Gefühl, was derjenige sich selbst verhieß, der durch das Glas stieg.
      Sachte kam er neben Jasper auf und blickte zur Schwarzen Stadt hin, die sich vor ihnen auftürmte. Neben den Hunderten von Zinnen und Keilen wirkte sie beinahe surreal fehl am Platze. Wenn der Junge wüsste...
      August betrachtete ihn eine Weile lang,e he er sich fragte, was vorgehen mochte. Doch auch hier offenbarte sich die Unerfahrenheit der Jugend. Es war normal, mit dem ersten Betreten eine Art Kulturschock zu erleiden. Die Auren waren so dicht beisammen, dass man sie regelrecht anfassen konnte, wenn man nur die Hand ausstreckte. August trat neben den Jungen und vergrub seine Hände in den Taschen.
      "Man nennt sie die Schwarze Stadt", begann er grinsend. "Sie ist der kriminellste Teil des Untergrundes und auch eine der ersten Bauten hier. Als einige der Zauberer und Rogues hier herunter kamen, gingen sie nicht mehr fort und bauten Häuser und Mauern um ihre Siedlungen. Erst mit der ZEit verschmolzen diese einzelnen Siedlungen der Stadt zu einem großen Konstrukt. Es heißt, wer hier verloren geht, wird nie wieder gefunden, weil die Stadt einen verschlingt."
      Leicht rümpfte Foremar die Nase während sie ihren Weg zur Stadt begannen. Es galt, eine Handelsstraße zu finden.
      "Deine Fragen betreffend: Die Polizei weiß vom Untergrund und war auch schon dort. Jedoch weiß sie nichts von der Stadt hier. Dies hier hat noch nie ein Polizist betreten, der bei Verstand war, tihihihi."
      Augusts Gesicht wirkte mit einem Male wesentlich jünger und offenbar neben der Bewunderung, mit der er die Mauern abtastete, auch eine kleine Art des "Heimkommens". Als sei er hier verbunden mit diesem Ort.
      "UNd jetzt sag mir...", murmelte er interessiert und sah den Jungen mit wachsamen Augen an. "Was hörst du?"
      Sie kamen an ein gewaltiges Tor mit schweren Gittern, die von oben auf die Besucher herab stachen. Nur ein Husten, so erschien es, setzte sie in Bewegung und würde sie herunter brechen lassen. Doch durchquerten sie das Tor beinahe mühelos um im Halbdunkel der magischen Feuerlaternen weiter durch die dunklen Straßen und Gassen zu ziehen. Sie bogen erst rechts ab und folgten einer recht großen Prachtstraße. Erst nach einer Weile begannen ihnen Menschen entgegen zu kommen, deren Haut von der Dunkelheit weißlich verfäbt war. Dennoch wirkte es sonst wie auf jedem Londoner Markt. Es wurde gebrüllt, es wurde gefeilscht und der Strom von Menschen nahm stetig zu.



      Embers Wohnung

      Es war wirklich schwer, seine Contenance zu halten, wenn nicht jeder Blick, den Ruairi Ember zu warf, regelrecht von einer merkwürdigen Gier zerstreut wäre. Als würde er sich selbst sabotieren, glitzerten seine Augen, als er ihren wunderbaren Körper entlang fuhr und mit jedem Zentimeter mehr, dieses herrlichen, in lockere Kleidung gehüllten Konstrukts in sich aufnahm. Beinahe glaubte er, ihren Körper bereits auf diese Entfernung riechen zu können. Die nackte Haut darunter, das feste Fleisch ihrer Schenkel oder was auch immer mit ihm in Berührung kam, sandte einen Schauer von elektrischen Stößen durch seinen Körper.
      War es schon immer so heiß hier? Er fühlte sich als würde er verglühen, als würde ihre Lippen die seinen entflammen oder anders herum. Nur diese eine Bewegung mit ihrem Becken reichte bereits aus, dass er sich zusammen reißen musste, ehe schlimmeres geschah. Und natürlich würde es das.
      ALs sich Ember zurück zog wollte er beinahe in das Kissen schlagen und ihr hinterher eilen. Ein Blick, ein verdammter Blick und wenn sie sich jetzt noch in die Unterlippe...
      Zu spät.
      Ruairis Blick hatte schon lange nichts mehr mit einem Menschen gemein. Es war auch nicht das Aussehen eines Raubtieres. Siegmund Freud hätte seine reine Freude über seine mangelnde Impulskontrolle gehabt, als er sich halb auf die Ellenbogen aufrichtete und Ember beinahe atemlos ansah.
      "Ich bin ehrlich...Ich liege unendlich gerne bei dir und kuschele mit dir. Aber bitte sei nicht so grausam und enthalte mir das vor, wonach ich mich seit gefühlten Ewigkeiten sehne..."
      Er ließ sich zurückfallen und legte nunmehr seine Hände auf ihre Oberschenkel und fuhr diese ebenfalls hinauf, bis zum zarten Übergang auf ihr Becken.
      "Bitte nicht...", wisperte er beinahe.
      Wann hatte er zuletzt um Sex gefleht? Und wieso nicht bereits öfter?
      Sachte berührte er ihre Hände und störte sich nicht daran, dass sie seine empfindlichsten Regionen streiften. Das war noch nicht das Schlimme. Würde sie zugreifen...Dann mochte er für nichts mehr garantieren. Auch er zeichnete Muster auf den Stoff, ehe er mit den Händen weiter fuhr und seine Hände beidseits ihres Gesichts legte. Sachte wollte er sie hinab ziehen. Mal sehen ob sie es mit sich machen ließ...

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Der Untergrund

      "Warum baut man Mauern um eine Stadt wo nichts ist?", fragte Jasper prompt nachdem er sich umgesehen hatte und nur dustere Ecken einer scheinbar gigantischen Höhle erkennen konnte. "Gegen was muss man sich schützen hier unten? Monsterspinnen?.... Drachen?"
      Jasper hatte keine Ahnung aber wenn er nervös war verfiel er entweder in Stille oder brabbelte sinnloses Zeug vor sich her, um sich abzulenken. Allerdings war sein letztes Wort mit einer gewissen Spur Ehrfurcht ausgesprochen. Immerhin kannte er viel zu wenig von dieser Seite der Welt als dass er sicher bestimmen konnte, was Realität war und was nicht.
      Ergo folgte der Junge dem Arkana während er die äußeren Ummantelungen der Schwarzen Stadt musterte. Selbst von Weitem sah es recht alt aus und er fragte sich, wie lange es diese Gebäude hier unten wohl schon geben mochte. Wer die Leute waren, die als Erstes sich unter die Erde begeben hatten und freiwillig das Sonnenlicht aufgegeben hatten. Während er so darüber nachdachte beobachtete er August dabei, wie er beinahe vertraut über das dunkle Gemäuer mit seinen Händen strich. Ohne dass August es vermutlich wollte schien Jasper eine Vertrautheit bei dem älteren Rogue zu erkennen. Es war ja auch überhaupt nicht abwegig - wer den Weg hier her kannte, kannte wohl auch diese Stadt. Außerdem war er ein Arkana und wer wenn nicht diese wussten von so verborgenen Konstrukten.
      Machte ihn das zu einem Mitwisser?
      "Was ich höre? Äh, hier nicht viel. Es tropft oder so... Steine rollen, mal bricht wohl was...", antwortete der Junge und war ernsthaft dran, eine möglichst treffende Antwort zu liefern. Als er aber in Augusts Gesicht sah fiel ihm sein Fehler auf. "Ach so, das... Unglaublich viele Melodien. Viele verschiedene Auren, zu viele, als dass ich sie separieren könnte. Sie schreien sich alle gegenseitig an, könnte man sagen."
      Nun fasste auch er die schwarzen Steine an aös sie unte reinem gruselig wirkenden Tor hindurch schritten. Er fröstelte bei dem kalten Stein unter seinen Fingern und zog die Hand ruckartig wieder zurück.
      "Apropos schreien - es sind auch etliche Stimmen dabei. Das ist neu. Ich hab sonst nur die Auren gehört, ich weiß nicht, wozu die Stimmen gehören. Sie singen in einer Sprache, die ich nicht verstehe."
      Jasper folgte Augusts Schritten noch enger als zuvor. Die Prachtstraße, in die sie nach einer Weile einbogen, war durchaus eindrucksvoll, wenn auch relativ dunkel gehalten. Langsam erschienen mehr Menschen in der Umgebung und er ertappte sich dabei wie er die Bewohner von hier unten angaffte. Solch helle Haut hatte er noch nie bei lebendigen Menschen gesehen. Also verließen sie wirklich nie ihre eigene Stadt und kannten vielleicht nicht einmal die Sonne. Waren das auch alles Zauberer wie er?
      "Sie kennen bestimmt den ein oder anderen Laden, den sie vermuten, oder? Was machen wir, wenn wir denjenigen gefunden haben, der der Dame das Amulett verkauft hat?"
      Eigentlich wollte er gar nicht die Antwort haben. Zu sehr fürchtete er sich davor, dass sie lauten würde, denjenigen unschädlich zu machen. Er wusste, dass unschädlich nur eine Beschönigung für aus dem Weg räumen war. Und wenn er auf eines nicht erpicht war, dann zu sehen, wie Menschen vor seinen Augen starben.


      Embers Wohnung

      Ember sah dabei zu, wie sich Ruairi auf seine Ellbogen stemmte. Sein Blick war gold wert, so verzerrt und wirklich schaute er sie an. Je länger sie ihm in die wunderschönen blauen Augen sah desto mehr Nuancen seines Gemützustandes schienen sich ihr zu unterbreiten. Er war getrieben, er war verzweifelt und er war verdammt. Verdammt dazu, sie um Erlaubnis zu bitten, zu hoffen, dass sie sich ihm erbarmte. Und dieses Machtgefühl war jenes, das sie nur in Situationen wie diesen ihr Eigen nennen durfte. Manch einer hätte böse Worte dafür aber Ember war es egal. Hier mit dem Caster unter ihr war sie diejenige mit der größten Macht im Raum.
      Ein völlig selbstsicheres Lächeln legte sich auf ihre Lippen als seine Hände ihre Beine hoch fuhren und sich ihren eigenen Fingern annährten. Sein Wispern war die reinste Droge, vollgesogen mit der süßen Verzweiflung.
      "Was denn? Es ist doch nicht mal eine Woche her", zog sie ihn weiter auf und hielt ihn nicht davon ab seine Hände zu ihrem Gesicht wandern zu lassen.
      Sie folgte seinem Impuls, ließ sich von ihm zu sich ziehen bis nur noch Zentimeter ihre Gesichter voneinander trennten. Sie verlor sich in seinen Augen als sie den Blick senkte und genoß, wie sie ihre Atemzügen mischten. Leicht ließ sie ihre Lippen über seine streifen, immer darauf vorbereitet, dass er sie richtig küssen wollte. Denn das ließ sie nicht zu, entfernte sich unvollrichteter Dinge wieder von ihm und seufzte gedehnt. Vielleicht war es an der Zeit, ihm ein wenig Erleichterung zu verschaffen.
      Ember rutschte ein wenig weniger nach hinten auf seine Oberschenkel. Sorgte dafür, dass er seine Beine nicht aufstellen können würde, um sie gar von sich werfen zu können. Ein flüchtiger Blick ging zu seinem Gesicht als sie ihre Hand flach auf die Ausbeulung seiner Jeans legte. Sie fühlte in kräftig unter ihrer Hand, wenn auch noch gut verborgen. Sie schmunzelte als sie ihre Finger aufstellte und mit den Nägeln über den rauen Stoff der Jeans kratzte.
      "Was kannst du mir denn anbieten damit ich dich erlöse?", säuselte sie und beschrieb den Weg sowohl auf- als auch abwärts.

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Die Schwarze Stadt

      August lachte, während sie durch die dunkle Gasse schlenderten und sich der vielen gruseligen Menschen besahen. Der Junge besaß ein gutes Gespür, das musste August mit anerkennendem Blick eingestehen. Auch die Fragen waren nicht ganz unklug, auch wenn er sich lieber Ember an seiner Seite gewünscht hätte. Warum wusste er nicht. Dies war schließlich kein Ort für Menschen. Dies hier war nur überleben, wenn man der Magie kundig war. Aber dass er die Schreie hörte, war erstaunlich.
      "Ich denke, du hast den Kern an sich so erfasst", grinste August vor sich her, während ihn ein, zwei Händler freundlich grüßten und ihm zuwinkten. "Man baut eine Mauer, weil hier nicht nichts ist. Wir befinden uns in einer anderen dimensionalen Ebene. Die Gefahren hier sind durchaus realer als so mancher glaubt nund auch die Tatsache, dass man sich vor magischen Kreaturen schützt, ist nicht weit hergeholt. Jedoch nicht vor Drachen, so viel sei gesagt. Man nennt diese Wesen "Tiefenkriecher". Sie sind den Drachen nicht ganz unähnlich und doch grundverschieden. Vielleicht werden wir einen sehen..."
      Schweigsam lauschte er Jaspers Ausführungen und nickte. Es musste merkwürdig, diese Art von Schreien zu hören. Aber hierfür war es noch nicht Zeit.
      "Du hast ein gutes Gespür", bemerkte August und nickte. "Es ist eine treffende Beschreibung, dass sie sich anschreien. Die meisten hier sind nicht gut auf die anderen zu sprechen. Der Nachteil, wenn man Verbrecher und Schwarzmarkthändler an einem Ort versammelt...Aber ja, ich habe eine kleine Ahnung, wer es sein könnte. Sein Name ist Abraxas Hill. Vor einigen Jahrzehnten eröffnete er einen Kuriositätenhandel in Tottenham und wurde von der damaligen Polizei aufgeschnappt. Damals war die Verbannung noch eine der schlimmsten Strafen, da man Zauberer jagte. Also beschloss er, Hilfe zu suchen. Zunächst verblieb er lange im Untergrund, aber als der Spiegel erschaffen wurde, kam er hierher."
      August wies mit der Hand auf ein schmuddeliges Schild am Ende der Gasse. Ein schwarz gekacheltes Haus stand dahinter und wies einen gotischen Eingang auf. Ein hoher Torbogen, gefüllt von einer schweren Holztür markierte den Eingang in das Kuriositätenkabinett. Von außen wirkte es fast wie ein normaler Laden mit zwei großen Schaufenstern. Nur, dass darin Totenschädel, Federn und unzählige Bücher wie andere Artefakte ausgestellt waren.
      "Deine Aufgabe wird es sein, meinen faltigen Hintern zu schützen", grinste August. "Befrage ihn und versuche heraus zu finden, ob er unser Mann ist. Wenn er angreiften sollte, verlasse ich mich ganz auf deine Expertise, junger Mann."



      Embers Wohnung

      Konnte diese Frau noch grausamer sein?
      Ihre Lippen schmeckten für Ruairi jedes Mal nach heißem Honigwein. Warum, das wusste der Teufel, aber es tat der Begierde, die sich in seinen Augen niederschlug keinen Abbruch. Glitzernd und mit einem Hauch von Impulsen ließ er es zu, dass ihre Lippen über seine streiften. Auch wenn er sich wirklich zurückhalten musste, sie nicht regelrecht zu überfallen, genoß er dies kleine Spielchen zwischen ihnen. Erstaunlicherweise war selten Jemand so zärtlich zu ihm gewesen und es trieb ihm beinahe die Tränen in die Augen, dass es erst jetzt geschah.
      Erst als sie sich wieder löste und Abstand von ihm nahm, wusste er, was sie vorhatte. Sie wollte doch nicht...Doch, sie wollte.
      Ihre Hand an seiner empfindlichsten Stelle, ließ seine Augen eine Spur weit größer werden. Ein Keuchen entwand sich seinen Lippen und ließ ihn beinahe selbst vor Überraschung zusammen zucken. Wann hatte er das letzte Mal überhaupt Geräusche bei diesem Akt gemacht?
      Seine Hände wollten nach ihr greifen, nach diesem herrlichen Gefühl weichen Fleisches auf seinen Oberschenkeln und doch ließ es sein Körper nicht zu. Und noch während die Begierde beinahe übertroff und seine Hüfte zu zucken begann, ächzte er unter ihr auf und wand sich.
      "Alles", wisperte er erneut. "Alles."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Die Schwarze Stadt

      August erzählte zu viele Dinge, die der Junge gar nicht richtig prozessieren konnte. Andere dimensionale Ebene? Also waren sie gar nicht mehr unterhalb Londons sondern in einer gänzlich anderen Dimension? Bevor sich Jasper darüber weiter den Kopf zerbrechen konnte, fiel auch schon das nächste Wort und er begann vehement den Kopf zu schütteln.
      "Nee. Will ich nicht sehen. Wirklich nicht. Mir reicht das hier."
      So faszinierend und spannend alles um ihn herum auch wirken mochte - alles strahlte für ihn eine unheimliche Präsenz aus. Etwas, das man besser nicht berührte. So wie man nicht zu lange in die Sonne starren sollte, um sein Augenlicht nicht zu riskieren. Deswegen gab er sich Mühe, nicht genau die Auslagen an den Ständen zu begutachten oder sich gar in Dingen zu verlieren, von denen er keine Ahnung hatte. Immerhin hatte August eine Vermutung auf Lager, was ihn davor bewahren würde, länger als nötig in dieser Gegend umher zu streunern.
      Das dachte Jasper zumindest als er dem Fingerzeig zu einem ranzigen Schild folgte und er das erste Mal bewusst vor einem Fenster mit Auslagen anhielt. Seltsamerweise schreckten ihn die Totenköpfe, von denen er sich sicher war dass sie echt waren, gar nicht mal ab. Auch der restliche Klimbim erschien ihm nicht sonderlich abschreckend obwohl die zahllosen Bücher in der Auslage schon etwas deplatziert wirkten. Allerdings entdeckte er nur zwei Teile, die Schmuck ähnlichen sahen. Ein kleines Medaillon und etwas, das aussah wie eine Haarnadel.
      "Deine Aufgabe wird es sein, meinen faltigen Hintern zu schützen", grinste August. "Befrage ihn und versuche heraus zu finden, ob er unser Mann ist. Wenn er angreiften sollte, verlasse ich mich ganz auf deine Expertise, junger Mann."
      Jaspers Blick schoss zu August an seiner Seite. Die Augen waren geweitet als er den Arkana einen Moment lang stumm anstarrte als hoffte er, er hätte einen Scherz gerissen und würde seine Aussage korrigieren. Da dies nicht eintrat wurden seine Augen sogar noch größer.
      "Das ist nicht Ihr ernst. Wie soll ich das denn machen? Ich hab doch nicht mal einen Schimmer, wie ich selbst mit mir umgehen soll", gab er entgeistert zurück, doch der Arkana ließ sich nicht beirren und betrat einfach den Laden ohne ihm eine Antwort zu stehen.
      Hier draußen wollte Jasper allerdings auf keinen Fall allein bleiben.
      Also huschte er August hinterher in den dunklen Innenraum des Kabinetts. Der lockere Plausch in den Straßen hatte ihn in eine Sicherheit gewägt, die ihn nun hart mit den Füßen trat. Die Tür war hinter ihm noch nicht mal ins Schloss gefallen, da sprang seine Aura wieder auf voller Lautstärke an. Die Frauenstimme wurde von einem Gegröhle sondergleichen verschluckt und Jasper musste sich hart zusammenreißen, nicht schon wieder in die Knie zu gehen.
      Reiß dich einmal zusammen, du Waschlappen!
      Er tarnte sein angestrengtes Stöhnen als leises Huster. Schuldbewusst blickte er sich um, entdeckte aber außer August, der sich interessiert an den Vitrinen aufhielt, niemanden. Also streunerte er selbst langsam durch die Gänge nachdem er seine Augen halbwegs wieder unter Kontrolle hatte bis er in einer sogar noch dunkleren Ecke jemanden fand. Da er keine Beschreibung von besagtem Verdächtigen hatte, ging Jasper davon aus, dass der recht altmodisch gekleidete Mann doch der Gesuchte sein mochte.
      "Äh... Hallo", sagte Jasper und bemerkte aus dem Augenwinkel, dass August aus seinem Blickfeld verschwunden war. "Ich bräuchte mal ein bisschen Hilfe. Ich suche nach was, dass ich meinem Vater zur Beförderung schenken kann und hm... ich weiß nicht so recht, was man da am Besten gibt... Könnten Sie mir da vielleicht den ein oder anderen Tipp geben? Sollte nur nicht so groß sein, denke ich..."


      Embers Wohnung

      Embers Augenbrauen hoben sich als sich ein unbekannter Laut von Ruairi löste. Sie hielt für einen Moment mit ihren Bewegungen inne während sie ihn musterte, der anscheinend genauso überrascht über dieses jähe Geräusch sein musste. So einige Geräusche durfte sie bereits von ihm vernehmen, dieses jedoch war neu. Und neu war aufregend.
      Er bot ihr alles an. Alles, was sie von ihm verlangte und was er in diesem Moment entbehren konnte. Aber Alles war nur geliehen und würde aus ihren Fingern gleiten sobald er bekommen hatte, wonach es ihn sehnte. Noch Stunden hätte sie so auf ihm zubringen können, das Zucken seiner Hüfte unter ihr auskosten können und sich an dem Ausdruck in seinen Augen satt sehen können. Diese Situation ließ langsam auch ihren Körper zu kribbeln beginnen, vielleicht auch einfach nur angesichts der Macht, die sie gerade über diesen Mann ausübte. Dabei war in den Hintergrund gerutscht, dass er ein Zauberer war. Hier und jetzt war Ruairi einfach nur ein Mann wieder jeder andere, der unter ihren Berührungen zuckersüße Höllenqualen litt.
      Ein Lächeln stahl sich auf Embers Lippen. Kein gutmütiges, freundliches Lächeln sondern ein wissendes, vielleicht auch leicht herrisch anmutendes. "Bleib liegen", befahl sie ihm und vergewisserte sich, dass er ihren Worten folgen würde.
      Dann schwang sie sich von seinen Beinen, rutschte zur Bettkante und stand auf. Sie stellte sicher, dass seine Augen ihr weiterhin folgten, auch wenn sie seinen Blick auf ihr regelrecht spüren konnte. Ihre Finger wanderten zu dem Saum ihrer Jogginghose, die sie quälend langsam über ihre Hüften abwärts schob. Galant stieg sie aus den Beinen, das weite Shirt reichte nicht aus um völlig ihren Slip zu verdecken. Achtlos hinterließ sie ihre Hose an Ort und Stelle als sie wieder zu Ruairi zurückkehrte, sich dieses Mal zwischen seine Beine setzte und anfing, seinen Gürtel und anschließend die Jeans zu öffnen.
      "Alles ist ein ziemlich allumfassender Begriff, findest du nicht?"
      Gemächlich zog sie ihm die Kleidung gerade soweit über die Hüften nach unten, dass sie das Zeichen seiner Begierde freilegte. Aus dem Augenwinkel dachte sie, ein Zucken seiner Hände zu sehen. Ein scharfes Geräusch ermahnte ihn, nicht nach ihr zu greifen. Noch nicht.
      "Bleib liegen gilt auch für deine Hände."
      Bei dem Anblick überkam sie selbst ein freudiger Schauer. Sie war inzwischen von ihrer Position geflohen und saß seitlich neben seiner Hüfte während sie ihm die Hose gerade noch ein kleines bisschen tiefer zog und dafür sorgte, dass er die Beine nicht mehr spreizen können würde. Dann legte sie ihren Zeigefinger auf die Spitze und zog eine Linie hinab bis zur Wurzel.
      "Du musst schon ein bisschen konkreter werden wenn du mit mir handeln möchtest."
      Ihre Stimme war mittlerweile so dunkel geworden wie nur er sie zu hören bekam. Sie spielte nicht nur mit seiner Grenze sondern auch mit ihrer eigenen als sie wieder ein Bein über seine Hüfte schwang und wieder in die Position von davor zurückkehrte. Gezielt platzierte sie sich auf seiner Länge, nur der Stoff ihres Slips verhinderte den direkten Hautkontakt.
      "Aber du möchtest ja mit mir handeln. Dann bekommst du schon mal eine Belohnung", grinste sie weiterhin als sie sich nach vorn lehnte und Ruairi küsste.

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Benutzer online 1

      1 Besucher