[2er RPG] Dusk & Dawn [Asuna & Nico]

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    • Ruairi wusste nicht genau, was in diesem Moment erschöpfter war. Seine Körpermitte, die sich brennend und beinahe wund anfühlte und dennoch auf alle ihre Berührungen noch zu reagieren wusste oder seine Lunge, die sich mühsam in einen Rhythmus zu werfen versuchte. Die Frau neben ihm wirkte beinahe unirdisch schön und in einem kurzen Moment fragte er sich, was gewesen wäre, wenn er ihr statt Melissa begegnet wäre. Vielleicht wären die Jahre schöner gewesen. Vielleicht wären sie...
      Ruairi stoppte seine Gedanken, als ihre Worte seine rauschenden Ohren erreichten und seufzte genüsslich als er ihre Finger wieder spürte.
      "Da ist er wieder, dieser kleine Funke Selbstherrlichkeit", lachte er und legte seinen Kopf schwer in das Kissen, ehe er die Decke sehen konnte. "Das war...einfach der Wahnsinn...Und auch wenn ich durchaus Siegen nicht abgeneigt bin, will ich, dass wir es nicht in Siege aufteilen. Ich glaube, wir sind beide auf unsere Kosten gekommen, nicht wahr?"
      SChweigend genoß er diesen kurzen Moment der Ruhe, ehe Ember eine Frage stellte, die er sich auch bereits ausgemalt hatte. Sachte drehte er sich auf die Seite und sah ihr ins Gesicht.
      Anstelle einer Antwort auf ihre beiden Aussprüche fuhr seine Hand von ihrem Bauchnabel hinauf über ihre rechte Brust bis hin zu ihrer schlanken Kieferlinie, ehe sie sich auf ihrer Wange platzierte.
      Genauso langsam wie ein Atemzug dauert zog er sie an sich heran und platzierte einen Kuss auf ihren Lippen. Es lag kein Begehren mehr darin, sondern erinfach nur die Sehnsucht nach ihrer Wärme. Diesem sagenhaften Wunderland unter ihrer Haut, das ihn so erfüllte wie lange schon niemand mehr.
      "Ember Sallow...", flüsterte er nachdem sie sich voneinander getrennt hatten. Ein schelmisches, aber warmes Grinsen huschte über seine Lippen und er verzehrte sich so sehr anch ihr dass es ihm Schmerzen bereitete. "Schlägst du mir etwa vor, unsere Affäre auf ein exklusives Niveau zu heben? Ich bin geschockt..."
      Seine Finger fuhren durch ihren Haaransatz hinter ihrem Ohr und das Grinsen wollte nicht verebben.
      "Weißt du, ich habs immer gehasst...", begann er und seufzte. "Da lernt man eine umwerfende Frau kennen und für einen Moment glaubt man diesen ganzen Kitsch-Blödsinn aus den Hollywoodstreifen. UNd dann...Dann lässt sich diese Göttin auch noch mit einem ein. Küsst ihn, übernachtet bei ihm und schlussendlich schläft sie mit ihm. Und alles woran ich denken kann, ist das Ende dieser Geschichte, das ich einfach nicht hören will. Ich will nicht, dass ich morgen früh hier raus gehe und dass es nur eine Affäre für dich oder mich ist. Ich will es auch nicht anders als so!"
      Er machte eine Atempause und seufzte.
      "Ich meine, ich will dich. Mit Haut und Haar. Mit allem was du bist und nicht bist. Wollte ich schon eine ganze Weile und war zu schissig, es auszusprechen, weil ich nicht wusste, ob es dir genauso geht..."
      Sag jetzt nicht "ich liebe dich", du Idiot! Das ist zu verkackt noch mal früh! (seit wann gab es einen schottischen Akzent bei seinen Flüchen gegen sich selbst?)
      "Also ja...Ich habe Angst davor, aber ich werde mich mit Haut und Haaren dagegen wehren, dass das hier nur Sex ist. Ich meine, der Sex ist gut...Nein, er ist gbroßartig, er...Verdammter Schafsmist! Ich meine, er ist eine ganze Welt für mich, aber ich will mehr. So viel mehr!"

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    • Es war schon lange her, dass Ember ein flaues Gefühl im Magen hatte nachdem sie ihrem Gegenüber eine für sie wichtige Frage gestellt hatte. Die Wahrscheinlichkeit, dass Ruairi nicht mit ihr übereinstimmte mochte vielleicht gering sein, sie war allerdings immer noch minimal vertreten. Dieses bisschen Ungewissheit sorgte dafür, dass ihr Herzschlag unangenehm deutlich für sie fühlbar war während sie auf seine Reaktion wartete. Als er sich zu ihr drehte und sie in seine Augen sehen konnte, schwand das Gefühl minimal. Ihr Blickkontakt brach nicht ein einziges Mal während er seine Hand auf Wanderschaft schickte und sie schließlich an ihrer Wange ihr Ziel erreicht hatte.
      In den folgenden Kuss legte Ember mehr als nur eine Momentaufnahme ihrer Gefühlswelt. Sie legte sich selbst in diesen kurzen Moment, in dem ihre Lippen aufeinander lagen und sie den Atem des jeweils anderen in ihrem Gesicht spüren konnten.
      Gerade wollte sie ihm einen schlagfertigen Kommentar drücken, da fuhr er bereits fort und seufzte. Die Worte blieben ihr im Halse stecken, die Ohren vollkommen gespitzt für jede Silbe, die seine Lippen formten. Allerdings stahl sich ein Lächeln auf ihre eigenen Lippen als sie hörte, dass er eine ähnliche Befürchtung hatte wie sie selbst. Nur dass er schon viel länger diese Gedanken zu hegen schien als sie selbst. Machte das ihre Gedanken dann weniger wert?
      "Das klingt ganz so, als wärst du noch lange nicht fertig", lachte Ember leise und rollte sich auf Ruairi.
      Sie setzte sich auf seine Oberschenkel und bedachte ihn von oben herab mit einem warmen Ausdruck in den Augen. Ihre händen lagen leicht auf seinem Bauch, der sich unter ihnen langsam hob und wieder senkte.
      "Wir sollten nur ein paar Kleinigkeiten festlegen würde ich sagen. Erstens", das Lächeln verbreiterte sich marginal, "bin ich alles andere als eine Göttin. Dafür kennst du mich noch nicht lange genau und der erste Anschein trügt bekanntlich. Was mich direkt zum zweiten Punkt bringt: Wir sind noch in der Kennenlernphase und die sollten wir nicht überstürzen. Finde ich jedenfalls. Ich weiß ja nicht mal, was du gerne isst oder was deine Lieblingsfarbe ist..."
      Auch wenn es nur Belanglosigkeiten waren, aber an solchen Details hatte sie sich schon immer aufgehalten. So wie sie ihre Hände nicht an einem Fleck halten konnte beispielsweise. Sie wanderten abwärts, begaben sich auf Tuchfühlung während sie herausfand, wie motiviert der Mann unter ihr wirklich war.
      "Wir können ja hiermit weitermachen?"


      Sonntag - 8:19 Uhr

      Ember war eigentlich schon viel früher wach gewesen. Als sie ihre Augen das erste Mal leicht verträumt aufschlug fand sie sich in inniger Umarmung verschlungen mit Ruairi in ihrem Bett wieder. Nackt wie man sie schuf und komplett ungeduscht. Sie hatten es nicht einmal mehr aus diesem Zimmer geschafft, und dafür rächten sich die Muskeln in ihren Beinen mit ungeheurer Härte. Also verwarf sie den Plan, sich aus seinen Armen zu befreien und genoß einfach einen stinknormalen Sonntagmorgen, den sie einmal nicht allein verbringen musste.
      Irgendwann drängte jedoch trotzdem ihre Blase, was sie dazu nötigte den Zauberer zu wecken, damit er sie endlich freigab. Sie kam nicht umhin sich etwas zu strecken, um ihm einen leichten Kuss auf die Stirn zu hauchen. Es waren die kleinen Dinge.
      "Morgen", sagte sie und schälte sich aus der Decke, unter der sie zusammen lagen. "Ich würde schon mal vorgehen und duschen. Nimm dir so viel Zeit wie du möchtest, ich bin quasi gegenüber. Und danach gibt's den versprochenen handaufgegossenen Kaffee."
      Als sich Ember vom Bett erhob, taumelte sie und fluchte leise. Ihre Beine sangen Engelschöre als mahnten sie sie davor, eine ähnlich ausschweifende Nacht zu wiederholen. Doch es war ihr egal, egal, wie tappsig sie aus ihrem Schlafzimmer verschwand. Sie hatte ja geahnt, dass sie ihre Finger nicht von ihm lassen könnte, doch Reue war fernab ihres Gefühlsspektrums aktuell. Ein wenig in Glückseligkeit suhlen hatte sie sich doch wohl auch verdient. Und sei es noch so kurz, wie das blinkende Handy auf der Anrichte vorhersagte, das Ember im Vorbeigehen noch übersah.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ruairi sah ihr eine kurze Weile ins Gesicht, unschlüssig, was seine Worte bewirkt oder nicht bewirkt hatten. Die Nähe ihrer Körper wirkte beinahe brennend anziehend auf ihn und auch wenn er sich nicht davon abhalten konnte, ihr ständig auf die Brust oder andere prominent hervorgehobene Körperteile zu starren, hörte er jedoch jedes Wort. Lachend quittierte er ihre Worte und schüttelte den Kopf.
      "Nein ich bin noch nicht fertig, Ember", grinste er. "Noch lange nicht."
      Ihr Körper auf seinem wirkte überirdisch wohltuend und mit der Zeit begann er sich zu fragen, ob Sallow vielleicht Recht hatte. Konnte er wirklich nie wieder die Finger von ihr lassen? Sachte fuhren seine Hände ihre Oberschenkel hinauf zu ihrer Hüfte und streichelten die zarte Rundung unter seiner Hand, während er sie kopfschüttelnd ansah.
      "Du und deine Regeln...", murmelte er. "Ich will dich schon mit Haut und Haaren, Sallow. Du brauchst keine Regeln, um mich daran zu erinnern mich nicht wie ein Teenie in einem Moment zu verlieren. Das ist hier schon mehr als ein Moment, findest du nicht auch?"
      Ehe er weitere Worte finden konnte, seufzte er als ihre Hände tiefer wanderten und grinste.
      Ja, die Idee war wirklich nicht schlecht...

      Nächster Morgen

      Schlafen wie ein Stein. In alten Legenden aus Schottland behaftete dieser Satz durchaus eine reale Komponente, die man nicht unterschätzen durfte und sollte. Und selten war es Ruairi vergönnt, derartig tief in den Schlummer der Gerechten zu sinken. Doch diese Nacht, dieser Abend und all das vorher hatte ihn regelrecht ausgelaugt sodass er sich morgens nach einem unsanften Wecken grummelnd und murrend auf den Rücken drehte und die Augen vehement geschlossen hielt. Er wollte noch einen Moment diese Ruhe genießen, diese STille und die Wärme an seinem Körper. Sie waren beide ungeduscht und nackt eingeschlafen, nachdem sie erneut (und vielleicht nochmal?) miteinander geschlafen hatten. Erst mit dem Morgen fielen Ruairi die Dutzenden von Fragen ein, die er ihr nicht gestellt und so erhob er sich nach ihren Abschiedsworten sachte aus dem Bett um sich im Raum umzusehen.
      Es war merkwürdig, genau wie gestern abend. Das klinische, Kalte im Nachbarraum und diese liebevolle Einrichtung hier. Als würde man sich bewusst verschließen. Mit einem Entschluss schwang er kurz nach ihr die Beine aus dem Bett, das unter ihm knarzte und erhob sich träge aus den Laken,. Nackt wie die Götter ihn erdacht hatten stand er vor ihrer Kommode und warf einen Blick auf die Bilder, die sich ihm darboten. Auf nicht vielen erkannte er Gesichter oder Menschen, aber die meisten wirkten zumindest echt und nicht gestellt. Seine Augen fuhren über die Bilderrahmen und das Bild mit der Locke. Beinahe manisch wollte er danach greifen, hielt sich aber zurück, ehe er seufzte und sich durchs Gesicht fuhr. Ein Blick in den Papierkorb zu seiner Rechten zauberten ihm ein Lächeln auf die Lippen. Mehr als er erwartet und erhofft hatte. Soviel musste man sagen. Was hatte er sich für eine Frau angelacht?
      Grinsend wanderte er nackt aus dem Raum, und schlug die Richtung zum Wohnzimmer ein, wo seine Tasche stand, um nach einer Unterhose zu wühlen.
      DOch dann hielt er es nicht mehr aus.
      Schweigsam trat er an die Badtür und sah die elegante Silhouette hinter der Glaswand und grinste, während er sich an den Rahmen lehnte.
      "Du wolltest mir von den Fotos erzählen...", sagte er. "Und warum dein Schlafzimmer das Wunderland gegen den Rest der Wohnung ist."

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    • Ember stand sicherlich schon eine satte Minute einfach nur regungslos unter der warmen Dusche und ließ das Wasser ins Gesicht prasseln. Mit geschlossenen Augen ließ sie den vergangenen Abend noch einmal Revue passieren und erschrak dennoch, als Ruairis Stimme das Rauschen übertönte, wenn auch nur leicht. Langsam tauchte sie aus dem Wasserstrahl wieder auf und drehte sich um, um zumindest durch die vernebelte Scheibe einen Blick auf den Mann zu werfen, der für diesen katastrophalen Muskelkater verantwortlich war. Allerdings stockte sie vehement in ihrer Bewegung bevor sie hastig den Schleier von der Scheibe wischte, um Ruairis unverschwommenes Antlitz zu sehen. Für einen winzigen Bruchteil eines grausamen Herzschlages hatte ihr Geist ihr einen bösartigen Trick gespielt. Für einen winzigen Bruchteil einer Sekunde hatte sie dort im Türrahmen nicht Ruairi, sondern einen anderen Zauberer dort stehen sehen.
      Einen Rogue.
      "Bei den Fotos musst du schon explizitere Fragen stellen sonst kann ich dir alles mögliche darüber erzählen", begann Ember nachdem sie sich das Schampoo gegriffen hatte und rigoros ihre Haare einschäumte. "Und was das Schlafzimmer angeht... Sagen wir's mal so, ich trenne gerne Arbeit von Privatem. Ich kann nicht einfach alles liegen lassen sobald ich das Büro verlasse. Meistens fallen mir Kleinigkeiten erst hier in Ruhe wieder auf oder wenn ich mein Notizbuch ergänze. Außerdem musste ich früher häufiger Schutzpersonen mit hierher nehmen. Die sollten nicht mehr als nötig von mir erfahren, und das war dann die einfachste Lösung."
      Anschließend unterbrach sie ihren Monolog als sie sich die Haare auswusch und zum Duschgel überging.
      "Was willst du zu den Fotos wissen? Die meisten zeigen meine Verwandten. Eltern, meinen Bruder, meinen Onkel. Der auffällige Rahmen gehört zu einem Bild von Emily, meiner kleinen Cousine. Eines der letzten Bilder bevor sie starb. Ich habe mir damals eine Locke abschneiden lassen, aber frag mich nicht, wieso. Vielleicht damit ich nie vergessen, dass sie wirklich existiert hat. Seltsame Begründung, ich weiß."
      Kurz darauf war auch das Duschgel wieder abgewaschen und Ember hatte endlich wieder das Gefühl, nicht mehr zu kleben oder zu miefen. Duschen waren eine großartige Erfindung, befand sie gedanklich als sie sich aus der Kabine schwang und nach dem großen Handtuch angelte, das sie bereit gelegt hatte. Dann warf sie sich das kleine Handtuch über die Haare und begann sie zu trocknen. Sie müsste demnächst wieder los ihren Ansatz färben, der sich dunkel an ihrem Skalp abzuzeichnen drohte.
      "Wenn du auch möchtest?", fragte sie Ruairi, der noch immer im Türrahmen stand wie ein verdammter Adonis und dafür sorgte, dass sie ein anzügliches Grinsen nicht verheimlichen konnte.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Dankend nickte Ruairi und schlich sich sachte an dem eleganten Körper der jungen Frau vorbei. Freilich nicht ohne zugeben zu müssen, dass er ihre Silhouette und auch ihren Körper nur anstarren konnte, während sie sich elegant abtrocknete.
      Mit einem raschen Schritt durchmaß er das Bad und küsste sie noch auf den feuchten Scheitel, während er selbst unter die Dusche sprang.
      "Naja", begann er über das Rauschen des Wassers hinweg. "Da wir ja nun beschlossen haben, dass dies hier mehr als eine Affäre ist, exklusiv ist aber wir das Kennenlernen ja nicht vernachlässigen sollen, denke ich, dass mir "alles mögliche" recht gut gefallen würde. Erzähl mir von den Menschen dort auf den Bildern. Was du möchtest!"
      Er genoß den heißen Strahl des Wassers auf seiner Haut und fragte sich, was er hier eigentlich tat. Im Grunde fühlte er sich schon fast zu gut, nicht wahr? Zu gut um wahr zu sein. Hatte nicht jeder Mensch einen Twist? Einen abstrakten Punkt, an dem er eine Kehrtwende hinlegte? Er fragte sich, ob auch Ember eine solche hatte. Ob sie auch dazu fähig wäre Jemand ganz anderes zu sein.
      "Was ist damals mit Emily genau passiert?", fragte er sie während er sich mit Duschgel einrieb und kurz hinter der Glasabsperrung hervorlugte. "Und ehrlich: Ich verstehe dich. Weißt du noch? Ich bin der Typ der zwischen Dimensionen von Realität lebt. Ich habe sowas auch. Ich muss Menschen berühren, damit ich nicht vergesse, dass sie da sind. Also ja. Es ist nicht ungewöhnlich."
      Schwiegsam lauschte er dem Rest ihrer Erzählung und wusch sich das Duschgel und Shampoo ab, ehe er aus der Dusche stieg.
      "Eine Frage...", murmelte er und sah sie verstohlen an, während er sich abtrocknete. "Foremar: Du warst mit ihm hier, oder? Also...Ich weiß natürlich dass du ihn mitgenommen hast und will dir nichts vorwerfen, aber...Wie war er so?"

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    • Ember hatte sich das Handtuch gerade um die Schultern gelegt als Ruairi nach Emily fragte. Für einen Moment sah sie einfach nur wortlos in den Spiegel, so als erwartete sie jeden Augenblick einen geisterhaften Schemen eben jenes Mädchens direkt neben ihrem Spiegelbild.
      "In meinem Heimatdorf waren zu meiner Jugend keine Zauberer ansässig, zumindest war es nicht bekannt. Wir hatten allerdings einen Rogue im Dorf, der in seiner Scheune mit irgendwas experimentiert hatte und wir waren einfach zum falschen Zeitpunkt dort. Emily wollte sich irgendetwas angucken, glaube ich und ist rüber zur Scheune gelaufen, die kurz daraufhin explodiert ist. Der Rogue darin hat seine Feuerkraft unterschätzt und die Scheune gesprengt. Ein Balkenteil oder so hat Emily durchbohrt und sie ist in meinen Armen gestorben."
      Es klang wie eine einstudierte Berichterstattung als Ember kurz umriss was damals mit Emily passiert war. Sie versuchte es so kurz wie möglich zu halten, um nicht weiterhin an das damalige Ereignis erinnert zu werden. Sonst würde sie vermutlich tagelang das Bild des kleinen Mädchens nicht mehr los wie sie einfach aufhörte zu atmen.
      Kurz darauf verschwand sie kurz rüber in ihr Schlafzimmer, um sich frische Klamotten zu holen. Kaum war sie zurück erspähte sie ihren Gast dabei, wie er gerade aus der Dusche stieg und sich das andere bereitgelegte Handtuch nahm. Sie schmunzelte, als sie sich in ihre Klamotten zwängte - eine einfache Jeans und einen weiten, weißen Pulli.
      "Natürlich war ich mit ihm hier", bestätigte Ember und verhinderte erfolgreich, dass man den Argwohn in ihrer Stimme hörte. Es gefiel ihr nicht wirklich, wohin dieses Gespräch führen konnte. "Sagen wir mal so: Er hat dafür gesorgt, dass ich mich über Nacht in meinem Schlafzimmer eingeschlossen habe. Nein, im Ernst. Es wäre gelogen wenn ich nicht sagen würde, dass er eine interessante Persönlichkeit hat. Aber er weiß, wie er mit Worten umgehen muss. Sehr gefährlich, wenn du mich fragst."
      Sie tanzte auf dem Seil zwischen Verschwiegenheit und Offenheit. Wie viel sollte und konnte sie Ruairi im derzeitigen Stand erzählen? Noch immer fühlte es sich für sie wie ein Verrat an, wenn sie zu viel über August preisgeben sollte. Bis heute bekam sie nicht die Worte aus dem Kopf, dass sie eigentlich schon zu viel wusste für ihre eigene Sicherheit.
      "Ich habe wie viele andere auch erst nur das Vorurteil gesehen und ihn mit Argusaugen bedacht. Wer tötet so einfach so viele Menschen? Im Endeffekt habe ich einiges von seiner Geschichte erfahren, die der Öffentlichkeit wohl nicht bekannt ist. Schnell wird er dann zu einer doch recht tragischen Persönlichkeit. Vielleicht habe ich mich auf einfach zu lange mit ihm abgegeben, wer weiß?"
      Sie zuckte mit den Schultern nachdem sie ihre Haare wieder in Form gebracht hatte und Ruairi wieder mit einem Blick bedachte. Da war es wieder, dieses nagende Gefühl, dass etwas unausgesprochen im Raum stand.
      "Du willst gerne mehr über ihn wissen, oder? Ich meine, wieso sollte sonst ein S-Klasse Caster einfach hierher versetzt werden außer der offensichtlichen Nähe zu etlichen Arkana."

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Das Handtuch frottierte seine Schultern mit weichester Härte und hinterließ einen schaurigen Film von Restfeuchte auf seiner Hand, während er sich kurz im Spiegel betrachtete. Das Gesicht wirkte nicht mehr so lebhaft wie früher. Die Augen lagen in tiefen Schatten und das Haar war wirr wie ein Schalk aus der Steckdose. Und doch fühlte sich der Zauberer beinahe lebendiger als die letzten Monate und Jahre zuvor.
      Als wäre ihm etwas geschenkt worden.
      Etwas, für das er dankbar und auf das er gleichsam neugierig war. Was mochte dies Gefühl noch innehalten? Er lauschte Embers Beschreibungen während er in die mitgebrachte Boxershorts schlüpfte und am Ende nur nickte.
      "Tut mir leid"; murmelte er und sah sie an. Es stand kein Mitleid darin, auch wenn es angebracht gewesen wäre. Aber irgendetwas sagte ihm, dass Ember dies nicht wollte. Stattdessen langte eine Hand kurz an ihre Schulter und drückte sie kurz. Nur als Zeichen, das er da war. "Das ist ein schreckliches Erlebnis...", sagte Ruairi und sah sie an, gleichwohl um seine Folgefragen über Bord zu werfen. Alleine der Ton ihrer Wiedergabe klang auswendig gelernt. Vermutlich weil der Schmerz zu tief saß und das Vergessen nicht schnell genug eintrat. Wie auch? Wie konnte mans o etwas hinter sich lassen?
      Schweigend sah er sie an und hängte das Handtuch sorgsam über den Ständer, damit es austrocknen konnte. Seine Größe in diesem Raum wirkte surreal und gleichsam angenehm anwesend. Als wäre seine Präsenz für Ember geschaffen, schmiegte sie sich an die junge Frau und umarmte sie recht.
      "Man sollte niemals ein Buch nach dem Deckel beurteilen", sagte er schwach grinsend. "Und ja, ich würde gern mehr über Foremar wissen. Von allen Arkana, die ich kenne, erschien er mir der gefährlichste. Nicht einmal von den Kräften her, sondern aufgrund der Tatsache, dass er bereit war, weiter als alle anderen zu gehen. Und es scherte ihn nicht, wen er zurück ließ auf diesem Weg."
      Wenn er in Embers Augen sah und ihrer Beschreibung folgte, wirkte es beinahe so als gäbe es dort mehr. Eine Tür, die sie nicht öffnete. Bewusst nicht. Oder nur ihm nicht?
      Ruairi sah sie eine Weile an, ehe er den Gedanken verwarf. Denn wenn er ehrlich war, hatte er Angst davor, was dort auf ihn lauern konnte, hinter dem Schleier von Gerücht und Wahrheit.
      "Du musstest dich einschließen?", fragte er halb kichernd. "Oh gute Güte, war er so merkwürdig? Ich meine, es muss merkwürdig sein, wenn man einen Schwerverbrecher an scih gebunden hat. Ich hatte erwartet, dass du sagst, ihr habt in einem Zimmer geschlafen, damit du ihn überwachen konntest. Hast ihm also vertraut, wie mir scheint..."
      Auch wenn er die tragische Gestalt des Foremar nicht abnehmen konnte. Ob sie die Bilder gesehen hatte? Von dem Untergrund, nachdem dieses Monstrum dort gewütet hatte?
      "Ich habe mich damals versetzen lassen, weil ich mich ungebührlich gegenüber einem Zauberer verhalten hatte. Es gab einen Fall, einen Mord um genau zu sein. Und dieser Fall zog mir die Schuhe aus. Ein 14jähriges Mädchen war von einem Caster getötet worden und man betraute mich mit der Jagd. Und was soll ich sagen...Ich habe mich nicht gut beherrschen können, als ich ihn fand. Und zur Strafe wollte man mich entlassen, ehe der Anruf aus London kam."

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    • Ganz langsam, so als wolle sie es verhindern, sanken Embers Lider herab kaum hatte sich Ruairi an sie geschmiegt. Er stärkte ihr buchstäblich den Rücken und dieses Gefühl war sogar mehr wert als jedes andere aus der vergangenen Nacht mit ihm.
      "Korrektur. Es gab Ausnahmen, die ihn sehr wohl geschert haben. Er hatte früher in seiner Jugend einen Freundeskreis aus Gleichgesinnten mit denen er zusammen geforscht hatte. Dabei sind sie alle gestorben und das hat er sich bis heute nicht verziehen. Also nein, er geht nicht über sämtliche Leichen. Wenn auch viele. Aber mich hätte er auch mehrmals sterben lassen können. Im Untergrund während des Angriffs von Bones. Nach dem Autounfall. Im Kampf gegen den Sharokh. Jedes Mal war er es, der's verhindert hat."
      Schließlich klopfte sie ihm sanft auf den Unterarm, damit er sie wieder freigab und sie ihn raus aus dem Bad hinüber ins Wohnzimmer geleiten konnte. Sie bot ihm nicht die Couch an sondern einen Platz an ihrem kleinen Esstisch in der Küchennische. Während er sich setzte holte sie eine Glaskanne mit Porzellantrichter, Filterpapier, die gute Handmühle und die Kaffebohnen aus einem unteren Schrank hervor. Dazu holte sie eine kleine digitale Waage mit der sie die Bohnen abwog.
      "Das hatte mit Vertrauen nur mittelmäßig etwas zu tun weshalb ich mich eingeschlossen hatte." Sie lächte ihm abgewandt in sich hinein. "Du wirst es vermutlich nicht richtig nachvollziehen können, aber ich hätte eh nichts gegen ihn ausrichten können. Ich konnte ihn nur mit Worten und Abmachungen locken und hoffen, dass er mich nicht beseitigen würde. Ganz ehrlich, ich hatte einfach Schiss während der Nacht mit ihm in einem Raum zu sein. Ich weiß, das mickrige Schloss an der Tür macht gar nichts, aber lass mir den Seelenfrieden."
      Für Ember waren die ersten Tage mit August gefühlt eine Ewigkeit her. Das sorgsame Taktieren beider Seiten, das sich irgendwann gelegt und in etwas anderes verwandelt hatte. Etwas, das keinen Namen trug und nur unter dem Decknamen Vertrauen gelaufen war. Dessen war sie sich zumindest nun sicher. Dafür lauschte sie nun Ruairi nachdem die Bohnen gemahlen waren und sie darauf wartete, dass das Wasser im Kocher aufkochte. Mit dem Rücken stand sie nun an ihre Küchenzeile gelehnt, den Blick auf den Mann an ihrem Tisch gerichtet.
      Ja, das war eine Ansicht, die sie jeden Tag haben wollen würde.
      "Erzähl mir Details und keine Umrisse, wenn du magst. Ich bin abgehärtet, was sowas betrifft. Mich würde viel mehr interessieren, was dir die Schuhe auszieht", meinte sie und sah ihn einfach nur ruhig an. "Ich für meinen Teil war eine Zeit lang sehr verblendet. Habe gedacht, einem Täter ähnliches Leid zuzufügen würde nicht im Ansatz ausreichen als Strafe. Deswegen hatte ich vor August auch absolut keine verzeichneten Sterbefälle weil ich dachte, der Tod wäre für sie nur eine Art Erlösung, weißt du?"
      Der Wasserkocher schrillte auf und Ember fuhr mit ihrer Prozedur fort. Keine fünf Minuten später standen zwei Tassen Kaffee auf dem Tisch. Schnell holte sie noch ihre Milchpackung aus dem Kühlschrank und setzte sich dann zu Ruairi an den Tisch.

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    • Ruairi setzte isch behände an den Frühstückstisch und sah der Frau beim Mahlen von Kaffee zu.
      Dies Bild barg eine innewohnende Ruhe, die er nicht benennen konnte und zauberte ihm ein seliges Lächeln auf die Lippen. Er hatte sich nur schwungvoll ein Shirt übergeworfen und saß begierig am Tisch, während er zuhörte.
      "Ich kenne die Geschichte um Foremars Schicksal", gab er zu und nickte. "In Schottland gab es einen Rogue, der ihm sehr zugetan war und sich brennend für den Mann der Fünf interessierte. Er berichtete die Geschichte Jedem der sie hören wollte und wenn ich ehrlich bin, frage ich mich bis heute, welch Leid dieser MAnn durchstehen musste..."
      Ruairi begann zu lahcen und nicktee.
      "Ich lasse dir deinen Seelenfrieden."
      Schweigsam dankend nahm er eine der Tassen in die Hände und nippte an dem Kaffee. Er war selbst kein großer Kenner dieses Gebräus und doch musste er zugeben, dass es vorzüglich schmeckte. Frisch, leicht bitter aber nicht zu sehr und nicht einmal der Hauch von Chemie waren erkennbar, als er den ersten Schluck genoß und nickte.
      "Bemerkenswert...", flüsterte er. "Das ist wirklich fantastisch...Zu deiner Frage: Das Abstumpfen in dieser Art kenne ich. Man will es nicht mit gleicher Münze heimzahlen. Ich verstehe den Gedanken und lange trug ich diesen ebenso. Dann kam dieser Mord. Ein ehemaliger Caster hatte sich an einem Mädchen vergangen und es mit Magie gefügig machen wollen. Dabei hat er es offenbar übertrieben und ihren VErstand quasi in Scheiben gesägt. Die kleine war nicht mehr als ein sabbernder Zombie, als man sie fand und starb kurz darauf an gebrochenem Herzen. Sprichwörtlich. Der Mann hatte ihr ein Messer in die Rippe gerammt und es mit Illusionsmagie getarnt. Ich konnte nichts mehr tun...Habe es zu spät gesehen. Als die Jagd anstand und man mich betraute, habe ich mich mit Eifer hinein gestürzt. Hat vier Tage gedauert, da habe ich ihn in Glasgow ausfindig gemacht. Und ihn in einem kurzen Kampf zu meinem Unruhm grausam abgeschlachtet und zerquetscht."
      Er prostete ihr zu und nahm einen Schluck, in Angst, dass sie ihn anders sehen würde.
      "Kann mich nicht gut beherrschen, wenn ich wirklich wütend werde. Kommt selten vor, aber dieses Mal hab ich es einfach nicht im Griff gehabt..."

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    • "Sehr zugetan? Wie genau war denn seine Version der Geschichte? Ich kenne nur bestimmte Abschnitte relativ genau, aber ich hab zum Beispiel immer noch nicht herausfinden können, ob seine Familie wirklich durch das Tor verschwunden ist. Zumindest hat er es mir nie wörtlich bestätigt. Und wieso Leid?"
      Es brach langsam wieder Embers konsequente Fragenstellung durch während sich ihre Finger um ihre warme Tasse schlangen. Vermutlich würde sie ihre forsche Art dahingehend nie wirklich abstellen können, aber das wollte sie vor Ruairi auch überhaupt nicht. Schließlich war sie es gewesen die angedeutet hatte, dass sie sich noch näher kennenlernen mussten.
      Ebenso wenig ließ sich ihr doch sehr selbstgefälliges Grinsen vertuschen, das auf ihrem Gesicht erschien kaum hatte er einen Schluck des Kaffees probiert. Wenigstens in dieser Hinsicht war sie sich absolut im Klaren darüber, wo ihre Stärke lag. Es erstarrte jedoch und ebbte schlussendlich vollständig ab als er ihr die Geschichte mit dem Fall ausbreitete. Ihre Augen wirkten in der Tat ein wenig distanzierter während sie ihn eingehend musterte. Doch der Grund dahinter war ein anderer wie er es wohl vermuten würde.
      "Ich kann es nachvollziehen, wenn man die Fassung verliert. Gerade bei solchen Fällen. Ist wirklich keine Schande. Bei mir gab es ähnliche Fälle, vielleicht weniger tragisch, aber durchaus vergleichbar. Nur war ich meistens diejenige, die herausgefunden hat, wer es war und was derjenige verbrochen hat. Den Schuldigen aber auch ausfindig zu machen und eigenmächtig einzubuchten durfte ich fast nie. Wobei ich glaube, dass es auch schwierig geworden wäre."
      Sie zuckte mit den Schultern nachdem sie an ihrem Kaffee nippte und das Gefühl der Wärme in ihrem Mund genoß.
      "Das sind so Momente, wo ich doch ganz froh bin, dass ich keine magische Begabung habe. Ich kann gar nicht so einen Schaden anrichten wie du zum Beispiel. Auf der anderen Seite begegnet man mir dadurch auch automatisch mit weniger Argwohn und Vorsicht, richtig?" Sie schmunzelte über ihren Tassenrand hinweg. "Ich glaube, dass man aus solchen Momenten lernt. Du wirst dich jetzt eher davor hüten, die Wut die Überhand gewinnen zu lassen nachdem du gesehen hast, was passieren kann. Kein Problem..."

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ruairi lächelte und nickte schwach, während er an dem Kaffee nippte.
      "Sicherlich bin umsichtiger geworden. Und ich bin nicht ungerecht Straftätern gegenüber. Jedoch habe ich aufgehört, Jedem gefallen zu wollen oder meinen Mund derart zu verbiegen, das nur falsche Worte herauskommen. Und wenn du mich fragen würdest, ob ich es wieder täte, müsste ich "ja" sagen. Denn ich habe das Kind damals gesehen...Dieses hilflose, wehrlose Kind, was dieser Bastard sich gefügig machen wollte...Und ja, er verdiente die Strafe, die er erhielt. Auch wenn ich heute weiß, dass ein Gericht mit Sicherheit fairer gewesen wäre."
      Auch wenn der Caster sich nicht vorstellen mochte, was Ember und Foremar wohl teilen oder nicht teilen mochten, so kam er nicht umhin, das aufflammende Interesse mit einem kurzen Blick zu kommentieren. Darin stand nichts Verurteilendes, mitnichten. Aber durchaus die Erkenntnis, dass da etwas mehr war als sie ihm sagte. In welcher Richtung auch immer.
      "Seine Version der Geschichte unterscheidet sich vermutlich nicht groß von der, die du kennst"; begann er dennoch und setzte die Tasse ab, um ihre Reaktionen zu sehen. "Ja, Foremars Eltern und seine Brüder sind mit hinreichender Wahrscheinlichkeit durch das Dimensionstor gezogen worden. Dem Tor, wo auch die Sharokh unter anderem herkamen. Foremars Mutter, Dolores Foremar, war eine durchaus fähige Zauberin, die nur wegen der Familiengründung im Hintergrund blieb. Unter heutigen Maßstäben wäre sie vermutlich eine Arkana gewesen. Sie experimentierte mit dem Sieben-Wege-Tor und gilt neben August als Wegbereiter moderner Erkenntnisse. Wobei August noch einen Schritt weiterging als man es vermutete. In einer Nacht schaffte sie es schließlich, das Tor zu manifestieren und eine der Türen aufzustoßen. Zum Lohn entfachte sie die Hölle in ihrem Haus und entließ einige Kreaturen in die Welt. Seine Familie wurde in das Tor gezogen. Und zurück blieb August mit seiner Schwester, die er fortan aufzog. WIe gesagt, wir reden von einer Zeit um 1900 etwa...
      Und tja...Die Freunde..."
      Ruairi machte eine Pause um diesen vorzüglichen Kaffee zu leeren und um eine Weitere Tasse zu bitten. "Es schmeckt hervorragend", sagte er und zuckte entschuldigend die Achseln. "Die Freunde...Fünf junge, begeisterte Zauberer. Die alle Arkana werden wollten, so sagte dieser Rogue. Und jeder war für sich begabt aber nicht wirklich effektiv und grausam genug, um das zu erreichen. Damals galten Arkana nur als mächtige Zauberer und waren nicht negativ konnotiert. Es war vielmehr eine Art Adelstitel unter Gleichen. AUch sie erforschten das Tor, um damit mächtiger und gleichsam klüger zu werden. Sie wollten die Grenzen der Magie ausloten und sie erweitern. Das "Mehr" finden, was sie alle ersehnten. Da Foremar den Weg kannte, manifestierte er das Tor und sie forschten. Nur um abermals das Dimensionstor zu öffnen und sie alle mit sich zu nehmen. Bis auf ihn. Den sie wie einen Hund ausspuckten. Der Rogue berichtete, dass Foremar es schaffte, die Seelen seiner Freunde in sich aufzunehmen und sprang danach selbst in das Tor, um ihre Körper zu finden. Es heißt, dass er sieben Jahre dort leben musste. In dieser schrecklichen Dimension voller Feinde und Unseglichkeit. Niemand weiß genau, wie er es geschafft hat, aber er schaffte es einige Zeit später heraus und wirkte wie verändert. AUs dem fröhlichen, kreativen jungen Mann war ein beinahe kalter, klinischer Mensch geworden, der seine Familie und Freunde niemals wieder gesehen hatte. Bis heute - so heißt es - sucht er nach ihnen obgleich Experten sagen, dass sie vermutlich tot sind."

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    • "Achso, dann hat er es also ein Stück weit von seiner Mutter wohl geerbt... Das Interesse meine ich."
      Etwas nagte an Ember. Irgendwie hatte sie erwartet, dass all diese Informationen nicht so leicht zugänglich und bekannt waren wie Ruairi es gerade erscheinen ließ. Bei ihrer eigenen Recherche damals hatte sie mitnichten so leicht so viele Informationen bekommen können. Erst recht nicht über Augusts restliche Familie. Natürlich hatte Ruairi mehr Informationen sammeln können, immerhin schien er eine nicht unbeträchtliche Zeit für seine Nachforschungen zu investieren. Allerdings gab es da einen kleinen Knackpunkt, der ihr neu war. So neu, dass sie ihre sonst so gefasste Fassade aufgab und ihn überrascht ansah.
      "Er hat eine Schwester? Gehabt, oder? Ich mein, das ist schon ewig her, entweder ist sie schon tot oder steinalt", harkte sie sofort nach als es eine neue Information gab, die sie ihrem Fundus hinzufügen konnte.
      Vielleicht hatte diese ominöse Schwester ja Kinder gehabt und der Familienstamm war doch nicht mit August beendet worden. Er hatte nie erwähnt, dass er eine Schwester hatte und sie auch noch aufgezogen haben sollte...
      Ember nutzte die Gunst, um die leere Tasse einzusammeln und sich wieder an die Küchenzeile zu stellen, um ihr Kunstwerk zu wiederholen. Währenddessen hörte sie der dunklen Stimme zu, die hinter ihrem Rücken weitersprach. Wer hätte gedacht, dass sie sich einmal so über morgendlichen Besuch freuen würde.
      "Kannst du mir mal verraten, wie dieser ominöse Rogue denn heißt? Der hat ja verdammt viel wissen und Einsicht in dem, was mit August passiert war. Würde ja schon fast meinen, dass er ihm verdammt nah stand..."
      Wo hörte eigentlich Ruairis Wissen auf und wo fing es an? Wie viel hatte er in Erfahrung bringen können und was von dem Wissen, das Ember besaß, war wirklich von so gefährlicher Natur, wenn schon so viel bekannt war? Für einen Moment hielt Ember inne, als ihr etwas auffiel. Etwas, das dem ganzen Konstrukt kurz bevor sie August erschossen hatte, einen anderen Sinn verlieh. Für einen kurzen Moment wurde ihr anders, dann setzte sich die Mühle in ihrer Hand wieder in Bewegung als sei nichts gewesen.
      "Das heißt, du weißt, welche Magie oder eher Magien August wirken kann", stellte sie fest als sie das Wasser im Kessel erneut auffüllte und anschaltete. "Du weißt auch, dass er älter ist als es ein gewöhnlicher Mensch sein sollte. Du weißt, dass er das 7-Wege-Tor erforscht und öffnet und hast eine Vermutung was die Motivation dahinter ist. Wieso hast du ihm nicht schon längst nachgestellt? Du hast genügend Gründe ihn als potenzielle Gefahr einzustufen. Selbst vor dem Massaker von vor sieben Jahren."

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    • Ruairi sah schweigsam auf die entzückende Kehrseite seiner Frühstückspartnerin. Und auch wenn er sie des Nachts gefühlte hundert Mal gesehen hatte, wurde es dennoch nicht langweilig. Auf ihre Fragen hin sah er sie wieder an und wurde für einen kurzen Moment ungewöhnlich still. Bienahe war es, als veränderte sich die Luft um ihn herum, während er kurz über seine Antworten und ihre Fragen nachdachte.
      Als er zu sprechen begann, war seine Stimme ruhiger, dunkler, als kratzte sie über Stein, während er sie ansah.
      "Vermutlich hast du Recht", gab er zu. "Vielleicht hat er das Interesse von ihr. Von dieser Frau. Hinsichtlich der Schwester. Ich weiß, dass es mehrere Polizisten versucht haben, sie aufzuspüren. Kurz bevor ich nach London kam und von diesem schrecklichen Sharokh-Vorfall hörte, griff ich mir ein paar Fallakten und versuchte, mehr über Foremar herauszufinden um sein Denken zu verstehen. Und ich gebe zu: Der Typ wandelt auf der Gradlinie zwischen Genie und Wahnsinniger. Dabei fand ich eine kleine Spur. Es gab vor einigen Jahren, genauer um die 1950er nach dem Krieg einmal die Initiative, seine Schwester ausfindig zu machen. Man vermutete damals, dass sie ein merkwürdiges Artefakt aus der anderen Dimension gestohlen haben sollte. Man hat sie bis nach Schottland verfolgt und dann verloren. Seitdem ist die Familie wie verschollen. Also was ich sagen kann, wenn man den Unterlagen glauben darf: Er hatte eine Schwester, die überlebte. VErmutlich ist sie bereits tot aber die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass es noch Familie gibt. Nur ob August das weiß, weiß ich nicht."
      Ruairi zuckte die Achseln und sah sie grinsend an.
      "Weißt du...An diese Morgengesellschaft könnte ich mich echt gewöhnen. Wie wäre es wenn wir das das nächste Mal bei mir machen und ich zeige dir die Unterlagen? Ich hab sie in Kopie daheim."
      Wenn er etwas über Ember Sallow in Erfahrung gebracht hatte, dass sie neugierig war. Vielleicht mehr als gut für sie war, aber durchaus neugierig.
      "Nun...Ja und nein. Ja, ich weiß, dass er älter ist als man denkt. Das ergibt sich aus der Aktenlage und den Berichten von 1920-1974. Da er sich nicht verändert hat in der Zeit, oder eher: Kaum verändert hat, bin ich sicher, dass er eine verlängerte Lebenszeit hat. Ich weiß, dass er das Tor erforscht, da es mir Augenzeugen berichteten (er wies mit dem FInger auf sie) und in den Akten entsprechendes vermerkt ist. Zumal hat August Anfang der 1920er und 30er ein paar recht interessante Pamphlete dazu verfasst. Daher kenne ich auch die Namen seiner Mitforschenden. Aber welche Magien sie genau besaßen kann ich nicht sagen. Der Rest ist Erzählung und Legende, von jenem Rogue. Ich kannte ihn als Peter und wir sind uns in Glasgow begegnet. Vor ungefähr zehn Jahren? Ich weiß es gar nicht mehr genau."
      In dem letzten Satz lag ein Kichern, ehe er sie ansah.
      "Und warum ich nicht nachgestellt habe...Nun, ja ich wusste das alles, das ist wahr. Zumindest große Teile davon. Das Problem war ein anderes. Besagter Peter sagte mir zum Einen, dass August die Rettung für die Arkana wäre. Alleine sein Zutun als Sprecher dieser Vereinigung habe die Rogues davon abgehalten, in den Krieg zu ziehen. In den frühen 60ern gab es schon mal eine Revolte, wenn man der Geschichte glauben kann. Zum Anderen ist es Angst, wenn ich ehrlich bin. Angst vor dem was geschehen würde, wenn ein Caster, der Realitäten manipuliert auf einen Rogue stößt, der fünf Magien gleichzeitig wirkt. Die Zerstörung wäre...Immens...Und zum Dritten war ich für SChottland zuständig. Wir hatten da oben eigene Probleme..."

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    • Ember sah den Mann an ihrem kleinen Tisch nachdenklich an. Ein Vorname brachte sie nicht wirklich weiter wenn sie August am Montag auf diesen seltsamen Fanatiker ansprechen wollte. Es würde sowieso schon ein Akt werden, ihn auf seine Schwester hin anzusprechen. Vielleicht sogar schon allgemein ein sinnvolles Gespräch auf die Beine zu stellen. Wie immer mochte sie diese Ungewissheit am wenigsten.
      "Mhh....", zog sie das Wort in die Länger als Veranschaulichung, dass sie immer noch nachdachte und abwägte. "Da du mir ja sowieso noch Input zu den Toren versprochen hast, könnten wir die Akten ja direkt hinzufügen. Was bedeutet, ich muss mein Equipment irgendwie zu dir kriegen, damit ich dir auch in deiner Küche diesen fantastischen Kaffee machen kann."
      In diesem Zuge wandte sie Ruairi wieder ihren Rücken zu während sie erneut Kaffeebohnen abwog und das Filterpapier wechselte.
      "Die Arkana sehen ihn teilweise als eine Art Anführer, wenn ich das richtig gehört habe. Ich weiß von zweien, die ihm definitiv folgen, zwei die zu Verhandlungen wohl bereit sind und vielleicht einen dritten, den man auch mundtot machen könnte. Also gehe ich auch davon aus, dass er ein gewisses Gleichgewicht hält. Dass empfindlich ins Wanken geraten wird, je nachdem was der Preis für sein Leben war."
      So viel zum Thema der Tod war unumgehbar und festgeschrieben. Wie sollte er nun jemals von der Idee ablassen, seine Freunde wiederzubeleben wenn es ihm selbst möglich gewesen war? War August überhaupt noch derselbe Mann wie vor dieser Aktion?
      "Zwei der fünf Magien hat man bei ihm schon gesehen. Das eine ist Dimensionsmagie. Damit hat er das Auto mit mir nach dem Unfall auf den Hof eines Krankenhauses geportet", erzählte Ember seelenruhig nachdem der Kessel pfiff und sie in kreisenden Bewegungen den Kaffee aufgoß. "Die zweite sieht aus wie eine Formwandlung. Keine Ahnung, was es macht, aber er sieht dann aus wie der Leibhaftige."
      In den Berichten vom Kampf mit den Angeli würde diese Form vermerkt sein. Alles andere darum würde sie vorerst für sich behalten. Ebenso, wieso genau er eine verlängerte Lebenszeit hatte. Je nachdem wie sich der Montag entwickeln würde, stellten sich sowieso andere Weichen für ihren weiteren Gang.
      "Allerdings muss ich auch sagen, dass ich es wirklich nicht sehen will, wie ihr Zwei jemals aneinander geraten solltet", stimmte sie Ruairi jedoch zu nachdem sie ihm seine aufgefüllte Kaffeetasse hinstellte und sich wieder setzte.
      Zu gern hätte sie von ihm gehört, welche Probleme es bei ihnen gab. Sie hatte die Fälle gesehen, an denen er gearbeitet hatte und grobe Stichpunkte überflogen. Aber wenn sie ganz ehrlich war, dann wollte sie gar nicht, dass Arbeit selbst den Frühstückstisch bestimmte. Weshalb ihr siedend heiß einfiel, dass sie noch kein einziges bisschen außer Kaffee beigetragen hatte.
      "Shit", fluchte sie jäh leise bei dieser Erkenntnis und war schneller auf den Beinen als ihr Gegenüber gucken konnte. "Ich wollte doch Brötchen holen. Was willst du? Ist praktisch um die Ecke, ich wäre nicht lange weg...."
      Welch fantastischer Gastgeber sie doch war.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ruairi musste grinsen, hatte er doch schlagartig das Bild einer schönen Frau und ihr ganzes Hab und Gut, das sie vor sich her schleppte vor Augen. Und es hatte sicherlich etwas, jeden Morgen fantastischen Kaffee gebraut zu bekommen. Auch wenn er dem Gebräu immer noch nicht viel abgewinnen konnte, so war es zumindest durchaus schmackhaft, wenn Ember es zubereitete.
      Sachte setzte er die Tasse ab und nickte.
      "Ja, das denke ich zumindest", sagte Ruairi. "Ich denke, dass August ein unsichtbares Gleichgewicht hält oder zumindest mittelbar beteiligt ist an der Wahrung. Ich glaube nicht, dass er es alleine aufrecht hält aber zumindest maßgeblich beteiligt ist. Und egal was es ist. Der Preis für ein Leben ist immer hoch, glaube ich."
      Sacxhte schlürfte er noch einen Schluck ehe er Ember ansah. Das war nicht ganz korrekt. Mit Sicherheit war der Preis immer hoch und Ruairi wusste es. Seine Studien hatten ihn zumindest das ein oder andere Mal zu einem Zauberer geführt, der ihm dies bestätigen konnte. Gruseliger war eher die Tatsache, wer so mächtig war, den Tod zu überlisten. Denn betrügen konnte man ihn nicht. Tod hieß Gerechtigkeit.
      "Also wenn ich den Akten glauben kann, die Knight mich gezwungen hat zu lesen, hast du vermutlich noch eine Dritte gesehen. Ich vermute, dass er ebenfalls eine Art Absorption beherrscht, wenn ich ehrlich bin. Zumindest hat er den Baum derart absorbieren können. Und diese Formwandlung...Ich habe schon von TakeOver-Magien gehört, aber eine derartige ist mir noch nicht unter gekommen. Eine Art Teufelsform wenn ich die BErichte glauben kann...Schon faszinierend auf eine Weise, nicht wahr?"
      Er stellte die Tasse ab und seufzte. Jedoch ehe er Luft holen konnte, war Ember bereits aufgesprungen und hatte ihm eine Feststellung nach der anderen um die Ohren gehauen.
      "Äh...Also...Ich hab eigentlich so viel Hunger, aber ich würde ein einfaches brötchen nehmen. Ich bin kein Frühstücker ehrlich gesagt", sagte er grinsend und sah sie an,. "Ich kann aber auch gehen und du kannst es ein wenig ruhiger angehen lassen..."

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    • "Also muss ich mir kein schlechtes Gewissen machen, wenn ich dich nur mit Kaffee am morgen füttere?"
      Eine schalkhafte Frage, wenn auch mit ein wenig Ernsthaftigkeit belastet. Ember wollte wirklich kein schlechter Gastgeber sein, erst recht nicht nachdem er ihr gestern ein abartig gutes Frühstück geboten hatte. Aber sich gleich aus dem Staub machen zu wollen, war schon etwas krass. Zumal seine Haare noch nicht einmal trocken waren.
      "Warte kurz", schob sie stattdessen einfach dazwischen und war schon aus der Küche gefegt.
      Ein paar Augenblicke später kam sie zurück und ließ sich viel zu schwungvoll für ihre eigenen Verhältnisse auf ihrem Stuhl nieder. In ihren Händen hielt sie ein gebundenes Notizbuch mit Ledereinband, das sich geschäftig aufschlug. Allerdings so, dass Ruairi nicht einen einzigen Blick in die Seiten werfen konnte. Nach ein wenig blättern schien sie gefunden zu haben wonach sie suchte, legte das Buch auf den Tisch und schob es dem Caster herüber.
      Auf den Seiten war eine ziemlich akkurate Zeichnung von August in seiner Teufelsform. Wenn auch mit ihren typischen, skizzenhaften Strichzügen gezeichnet, aber durchaus naturgetreu. Er war im Halbprofil gezeichnet worden während er die Speere beschwor, die Ember jedoch nicht mitgezeichnet hatte.
      "Es gibt keine Bilder von ihm, denke ich", sagte sie und musterte Ruairi und etwaige Reaktionen. "Aber ich würde behaupten, meine Skizzen sind verdammt nah dran. Aber die Akten sind nicht ganz richtig. Ich glaube sogar, ich habe sämtliche der Magien gesehen, über die er verfügt. Zumindest kenne ich sämtliche ihrer Bezeichnungen."
      Bis auf die Sache mit den Bannkreisen, die sich ebenfalls in diesem Notizbuch befanden. Aber sie würde die Hölle einfrieren lassen ehe auch nur jemand eine Seite in diesem Buch blättern konnte. Das und die abartige Regeneration waren zwei Aspekte, die sie noch nirgend sonst gehört hatte. Vielleicht lag dort ja der Hase im Pfeffer.
      Eilig machte sich Ember daran, ihr Buch wieder zu sich zu holen nachdem sie befand, dass Ruairi genug gesehen hatte. Mit einem deutliche Klapp schlug sie das Buch zusammen und schob es beiseite. Ihre Hände schlossen sich dann wieder um ihre eigene Tasse, die nur noch lauwarm war. Aber das war egal - sie konnte dafür so lange in Ruairis Gesicht starren wie sie wollte.
      "Vorschlag. Wenn du es wirklich so eilig hast wieder ein wenig Zeit für dich zu haben, dann warte wenigstens bis du richtig trocken bist. Dann darfst du gerne von Dannen ziehen und dich an deinen warmen Erinnerungen ergötzen", grinste Ember ihn an während sie ihre Tasse ein wenig über den Tisch bewegte. "Ich muss mich eh heute nur drauf einstellen, dass ich Knight morgen meinen Bericht vorlegen darf."

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ruairi blickte sie etwas erstaunt an und musste anschließend durchaus vernehmbar kichern.
      "Also eigentlich meinte ich, dass ich auch Brötchen holen gehen, damit du ein wenig deinen Sonntag genießen kannst. Ich wollte schon wieder kommen", lachte er und lehnte sich leicht zurück.
      Offenbar hatten sie aneinander vorbei geredet. Grinsend wartete er geduldig während er an seinem Kaffee nippte. Und Vieles hatte er wartet, aber nicht die Tatsache, dass sie das ominöse Notizbuch mit sich bringen würde. Sicherlich hätte er sich darüber echauffieren können, dass sie die übrigen Seiten vor ihm geheim hielt, aber eine innere Stimme gab ihm zu Bedenken, dass er sich nicht mal getraut hatte, sie nach ihrer Beziehung zu August zu fragen. Was gab ihm also das Recht, dies einzufordern?
      Schweigsam wartete er bis sie ihm eine Seite vor die Nase legte und tatsächlich...Die Zeichnung war durchaus akkurat und wunderbar detailliert. Er würde lügen, wenn er wusste, was er dort sah.
      "Es ist bemerkenswert", murmelte er und beugte isch leicht vor. "Du bist zum Einen außerordentlich talentiert und zum anderen...Habe ich ein solches Take Over niemals gesehen. Es gibt Magien, die sich auf tierische Pendants konzentrieren und spezialisieren. Oder aber andere Stoffliche. Aber Sagenwesen? Das ist selten und äußerst gefährlich, da die Take Over Magie von einer Vorstellung inspiriert ist, die besonders akkurat sein muss. Also entweder würde ich sagen, er hat den Leibhaftigen gesehen oder aber eine Form von Take-Over ausgebildet, die mehr als neu ist."
      AUf ihre andere ANmerkung zog er die Augenbrauen hoch.
      "Welche hat er noch?", fragte er klinisch und beinahe kalt. Aber dennoch lag kein Argwohn in seinem Blick. "Und Gegenvorschlag. Ich bleibe hier und erzähle dir etwas vom Tor und anderen Dingen, die du wissen willst. Und im Gegenzug bekomme ich Zeit mit dir. Andernfalls können wir auch gern etwas unternehmen, wenn du möchtest."

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    • Während Ruairi sein Wissen zum Besten gab hing Ember förmlich an seinen Lippen. Über diese Form der Magie wusste sie am wenigsten und somit war jeder Fetzen für sie relevant. Auf den Hinweis, dass sich diese Magien auf Vorstellungen fussten, begann sie zu grübeln. Ob es eine neuartige Form war, wusste sie natürlich nicht. Schließlich hatte August nie gesagt oder gezeigt, wie Izabella unter dem Einfluss ihrer Magie aussah. Ganz nebenbei... wer wusste schon, was der Mann alles in den Jahren in der anderen Dimension gesehen hatte?
      Auf die Frage hin welche Magien August noch beherrschte schüttelte Ember nur sehr langsam den Kopf. Sie hielt daran fest - noch würde sie nicht mehr darüber verlieren als unbedingt notwenig.
      "Mir wurde von mehreren Arkana und anderen Personen geraten, nicht alles zu erzählen was ich gesehen habe. Gefährliches Wissen und so. Ausnahmsweise würde ich diesem Ratschlag mal folgen und das tue ich nur selten", gab sie schließlich zu und ließ den Blick zurück zum Buch wandern. "Aber ich glaube du verstehst, warum ich dich keinen weiteren Blick in mein Notizbüchlein werfen lassen kann. Da sind ein paar brisante Dinge drin und auch wenn ich weiß, dass du dich wunderbar zur Wehr setzen kannst..."
      Ihr Blick kehrte zurück zu Ruairi, behaftet mit ein wenig Sorge, die sie nie vollends abschütteln können würde. "Wie du bereits sagtest. Ich will nicht sehen, wie ihr zwei aufeinander trefft."
      Obwohl es dank dir nun gar nicht mehr so unwahrscheinlich ist.
      Eine Pause entstand in der die Ermittlerin den Rest ihres Kaffees trank und schlussendlich seufzte. Ihre Miene wurde etwas heller als sie das Thema wechselte.
      "Also falls das Angebot noch steht, kannst du gern ums Eck gehen und Brötchen holen. Dann mach ich den Tisch fertig bis du wieder hier bist. Ansonsten nehme ich deinen Vorschlag gerne an, erzähl mir alles, was ich noch nicht weiß. Dann musst du mir nur noch sagen, ob meine unterhaltsame Anwesenheit schon reicht als Gegenleistung oder was dein Verständnis von Zeit mit mir noch beinhält."
      Eigentlich wollte Ember heute bei Tarah vorbeischauen und etwas zu essen abgreifen. Die Aussicht auf noch mehr Zeit mit ihrem neuen Kollegen und der nötigen Prise Informationen rückten diesen Plan jedoch jäh in weite Ferne. Sie würde ihn schon dazu bekommen noch mehr von sich zu erzählen. Sonst wäre sie definitiv nicht so gut in ihrem Job.

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    • Ruairi hielt einen Moment inne und man konnte bemerken, dass ihm die Antwort nicht gefiel. Gerade als er dachte, dass sich ein Vertrauensverhältnis langsam spannte schaffte es diese Frau aus vermeintlicher Angst heraus wieder einen Rückzieher zu machen. Private Sachen nicht her zu zeigen war eine Sache, aber einen Informationsaustausch quasi zu blockieren eine ganz andere. Schweigsam erhob er sich und schüttelte den Kopf.
      "Ehrlich gesagt, nein", sagte er mit einem kurzen Achselzucken. "Ich habe dir keinen Grund gegeben, mir zu misstrauen. Zu keiner Zeit war ich unehrlich. Und nicht nur, dass du mir selbst Antworten verwehrst bist du noch erpicht, alles aus mir heraus zu ziehen. Das erscheint mir als kein fairer Handel, Ember Sallow."
      Ein schwaches Grinsen zog sich auf sein Gesicht, während er den Raum verließ, um sich eine Sporthose und ein Shirt überzuwerfen. Als er die Schuhe überstriff und nickte, sah er sie grinsend an.
      "Vielleicht überlegst du ja noch einmal, ob man mir trauen kann oder nicht. Davon abgesehen: Denkst du, dass das was ich dir erzählte, kein gefährliches Wissen ist?"
      Mit einem schmalen Grinsen verschwand er in dem beginnenden Morgen, um den Händler um die Ecke zu finden. Beinahe viel zu eilig sammelte er die gewünschten paar Brötchen ein und ergötzte sich eine kurze Weile in einem ebenso kurzen Gespräch mit der Bedienung, ehe er sich verabschiedete und einen kurzen Weg zurück antrat.
      Auf seinem Handy erschien derweil eine kurze Nachricht seiner Schwester, die er gekonnt ignorierte. Sachte betrat er nach einem kurzen Klingeln die Wohnung erneut und hielt ihr die Jagdtrophäe unter die Nase.
      "Wie bestellt", grinste er und brachte sie in die Küche, wo bereits ein fertig gedeckter Tisch zu finden war. Ein gutes TEam gaben sie ab, wie er fand. Erstaunlicherweise. "Also...Ich wollte dich nicht mehr allzu lange belästigen. Ich dachte, wir frühstücken vielleicht noch und dann habe ich gegen Nachmittag noch ein Spiel. Und ich fürchte, dann ruft erneut die Arbeit am Montag, nicht wahr?"
      Ruairi setzte sich erneut und legte ihr ein Brötchen auf den Teller. "Nun...Was steht bei dir so an?"

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    • Ember sah Ruairi schweigend mit der Tasse in der Hand nach. Früher hätte sie vielleicht ein Fünkchen Reue geplagt. Doch das war eine veraltete Version von ihr und die aktuelle kannte in diesem Bezug keine Reue. Sie hatte allerdings die falschen Worte benutzt um ihm zu erklären, warum sie kein weiteres Wort darüber verlor.
      In der Zeit wo er Brötchen holte konnte sie ihre Gedanken dazu ordnen. In aller Ruhe deckte sie den Tisch dieses Mal ordentlich und kramte alles an Aufschnitt aus ihrem Kühlschrank, was sie gerade zur Hand hatte. Das Notizbuch hatte sie wieder zurück in sein gut gehütetes Versteck gebracht. Auf dem Weg zurück fiel ihr Blick auf ihr Handy, das noch immer blickend auf dem Sideboard lag. Im Vorbeigehen sammelte sie es auf, um sich mit ihm wieder an den Tisch und einer neuen Tasse Kaffee, nun jedoch aus dem Automaten, zu setzen. Das Leuchten wies auf zahlreiche Anrufe in Abwesenheit hin, die allesamt von derselben Nummer stammten: Tallburn.
      Ember runzelte die Stirn bei der Vehemenz mit der die Politikerin versucht hatte, sie zu erreichen. Kurzerhand wählte sie die Wahlwiederholung und ließ es klingeln bis sich die Mailbox meldete. Vielleicht war es ja auch einfach noch zu früh und die Frau genoß ihren wohlverdienten Sonntagmorgen...
      Da klingelte es an der Tür und Ember ließ das Handy achtlos auf dem Tisch liegen. Mit einem Schwall kühler Luft und dem Geruch nach Backwerk betrat Ruairi die Wohnung und fing sich direkt ein Grinsen seinerseits ein. Ihre gerade noch grüblerische Miene wich einem sanfteren Ausdruck als sie ihm in die Küche folgte und sich wieder ihm gegenüber setzte.
      "Du belästigst mich nicht", meinte Ember schlicht als sie sich selbst ein Brötchen aus der Tüte holen wollte, ihr Frühstückskumpane ihr jedoch zuvorkam. "Wäre dem so hättest du das schon mitbekommen. Ich wollte später noch im Colbeh vorbeischauen. Das tolle Restaurant, das ich mal erwähnt hab. Tarah besuchen. Wir haben uns schon eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr gesehen... Ich glaube, seitdem ich August hier hatte."
      Bei dem Gedankengang legte sie ihr Buttermesser weg und legte die Hände locker auf die Tischfläche. Sie suchte Ruairis Blick und fing erneut an zu sprechen als sie ihn hatte.
      "Ich vertraue dir schon ungewöhnlich viel. Aber du kennst mich noch nicht lange genug als dass du wüsstest, wo ich meine Grenzen ziehe und wo meine Stufen liegen. Nur eine handvoll Menschen wissen, dass Emily existiert hat. Noch weniger waren jemals in meinem Schlafzimmer. Das war für mich zum Beispiel ein großer Vertrauensbeweis. Es geht hier um dich und mich und nichts anderes. Aber gib mir ein bisschen Zeit, um mich an dich zu gewöhnen, okay? Ich war noch nie der Typ, der sofort jemandem blind vertraut."
      Sie schob ihm subtil die Butter über den Tisch zu.
      "Ich erzähle dir alles, was du von mir wissen möchtest. Weil ich mich bei dir wohl fühle und du mich auf eine Weise berührst, die so schön neu für mich ist."

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