[2er RPG] Dusk & Dawn [Asuna & Nico]

    • Ruairi musste sich wirklich an allem zusammenreißen was er finden konnte, um die Grenze zu respektieren, die Ember ihm gesettz hatte. Es wäre einfacher gewesen, sich dem Drang zu ergeben, der ihren Körper berühren, liebkosen und schlussendlich nehmen wollte. Und doch...Es war mehr als das.
      Mehr als so vieles.
      Wie schnell konnte man einer Person verfallen?, fragte er sich zeitgleich und grinste breit als sie sich langsam von ihm herabrollte, als er noch die Hitze ihrer Lippen schmeckte.
      "Nun...Ich mag dich in die Wohnung bekommen haben, aber irgendjemand schleppte mich die Treppe hinauf und ritt mich ein wenig zu, ohne mich zu reiten, wenn du verstehst", lachte er und drückte sie an sich.
      Wieso passte diese Haltung so perfekt zu ihnen beiden?
      "Ja, nicht wahr?", sagte er und blickte an die Decke, um das wunderbare Gefühl ihrer Nähe weiterhin in sich zu konservieren. Sein Arm legte sich um ihre gesamte Schulter und streichelte ihren Oberarm immer wieder auf und ab. Als sie von ihm herunter gestiegen war, bemerkte er auch wieder Blutzufuhr in seinem Hirn, während er das Gefühl ihrer Lippen an seiner BRust genoß. Und sei es nur der Hauch eines Atems, den er spürte.
      "Aber ich kann dir versichern, dass ich dich erst kennen gelernt habe, als wir uns kennen lernten", sagte er und nickte. "Und ja...Das hörst du richtig. Ich will noch viele Abende wie diesen. Auch wenn ich beim nächsten bereits nicht mehr für die ritterliche Wahrung deiner Grenzen garantieren kann. Denn wenn ich ehrlich bin, war das gerade die härteste Belastungsprüfung die mein Verstand und Körper je hatten."
      Das Lachen das er tätigte klang nur noch schwach, ehe er sich nochmals zu ihr herum drehte, um sie schwach auf den Mund zu küssen.
      "UNd ich hoffe, du willst das alles auch. Eine Wiederholung meine ich", flüsterte er und küsste sie nochmals auf die Stirn. "Aber du hast leider Recht...Wir sollten sehen, dass wir etwas Schlaf bekommen."
      NAch einer kurzen Weile schloss er die Augen und seufzte tief, als die Müdigkeit ihn übermannte. Nur um zwei Minuten später mit geschlossenen AUgen breit zu grinsen und zu murmeln:
      "Hey...Hast du morgen was vor?"
      Er wusste nicht ob Ember es hörte, aber er fand sich witzig.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Ember gluckste an Ruairis Brust bei dem doch recht flachen Wortwitz. "Wenn du das schon so so darstellst, dann warte mal ab bis ich es wirklich mache."
      Sie fühlte sich ein wenig hin und her gerissen. Diese Kuschelhaltung war zum Anbeten, wie er ihren Arm leicht streichelte und sie so an sich zog als wolle er sie nie wieder gehen lassen. Auf anderen anderen Seite war es nicht zu leugnen, dass sie fast auf das Angebot eingegangen wäre, seine Lippen noch an anderen Stellen als ihre eigenen zu spüren. Damit das lästige Pulsieren endlich verschwand.
      "Das war schon deine härteste Prüfung? Dabei habe ich noch nicht mal richtig angefangen", schob sie zwischen ihre Küsse ein und kehrte mit selig lächelnden Lippen an seine Brust zurück. "Eigentlich sollte es unsere ritterliche Grenze sein und nicht nur meine. Aber gerne zeig ich dir bei einer Wiederholung, wie mein komplettes Portfolio aussieht. Wenn du es erträgst."
      Dann verfielen sie in Schweigen, ein geruhsamer Ton stellte sich ein, als man nur noch ihre Atemzüge hören konnte. Das Lächeln wich von ihren Lippen, als auch sie die Dunkelheit einholte und zu entführen drohte.
      "Hey...Hast du morgen was vor?"
      Ember bewegte sich ein bisschen als Zeichen, dass sie noch wach war.
      "Mit einem gutaussehenden Mann frühstücken und dann mal gucken."
      Witzig konnte sie auch. Wenigstens ein bisschen.


      Kapitel III
      Die Macht von Worten

      Samstag, 7:24 Uhr

      Ember wurde in einem fremden Bett wach. Allerdings war das nicht unbedingt das Erste, das sie ein wenig aus dem Konzept brachte. Als sie sich ein wenig verwirrt herumrollte, stieß sie sanft gegen jemanden. Sie brauchte etliche Sekunden ehe sie realisierte, dass die vergangene Nacht kein Traum gewesen war. Kein Hirngespinst, das sie sich in ihren kühnsten Träumen vorgestellt hatte.
      Was zur Hölle hatte sie bloß geritten, einfach so bei einem neuen Kollegen zu nächtigen?
      Als sie sich das Gesicht rieb und Ruairis seliges, schlafendes Gesicht nicht mehr verschwommen mustern konnte, dämmerte es ihr wieder leicht. Sie murrte ganz leise, als sie nach ihrem Handy spähte und es auf einem kleinen Schränkchen erspähte. Leise schälte sie sich aus dem Bett, tappste zum Regal und doppeltippte auf den Bildschirm, damit er ihr die Uhrzeit ansagte.
      Abermals grummelte Ember angesichts der Uhrzeit und bemerkte erst dann die Nachricht. Geistensabwesend öffnete sie sie und musste sie zweimal lesen ehe sie den Sinn vollkommen verstanden hatte. August wollte sich Montag mit ihr treffen. Das würde interessant werden.
      Schulterzuckend versetzte sie das Handy wieder ins Standby und spähte zurück zum Bett, wo sich Ruairi keinen Zentimeter bewegt hatte. Innerhalb von Sekunden war Ember wieder unter der Decke verschwunden, suchte das wohlige Warm an seiner Seite und schüttelte gedanklich nur den Kopf. Sie muss doch betrunken gewesen sein um in Erwägung zu ziehen, mit ihm zu schlafen... Obwohl...
      Sie befühlte wieder diese Brust, die sich gleichmäßig unter ihren Fingern hob und senkte.
      Ganz verwerflich war es ja nun nicht...
      Schnell hatte sie den Gedanken verworfen als sie sich an seine Seite schmiegte und den Kopf auf seinen ausgestreckten Arm ablegte. So konnte sie sein Gesicht im Profil begutachten und in aller Ruhe damit beginnen, die Konturen seines Gesichts mit ihrem Zeigefinger nachzuzeichnen. Mal sehen, wie tief sein Schlaf war...

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ruairi war bereits wach, als sie sich aus dem Bett erhob.
      Aufgrund seiner leidigen Erfahrungen mit lästigen Zauberern hatte er sich einen recht leichten Schlaf angewöhnt, der ihn zwar in die wohlige Dunkelheit zog, aber nicht wirklich effektiv dort verweilte. Dementsprechend hatte er die Augen geschlossen gehalten und auf Embers Atem in der Dunkelheit gelauscht. DIesem regelmäßigen, tiefen Atemzügen, die sich so wunderbar an seine anpassten. Er hatte sich nicht einmal getraut, sich zur Seite zu legen.
      Ein Gewinn, wie er jetzt empfand. Denn erneut spürte er diese zarten Finger auf der Brust und ihren Kopf in seinem Arm. Dies wundervolle Gefühl von Nähe pulsierte wieder durch seinen ganzen Körper und beschleunigte sein Herz leicht.
      "Und?"; fragte er schließlich ein wenig verwaschen. "Wie oft wolltest du schon weglaufen?"
      Ruairi hatte ihre eiligen Schritte durch den Raum vernommen, auch wenn sie sich mühte ruhig zu sein. Die hektischen Bewegungen am Morgen verrieten zumindest eine Art Unsicherheit, auch wenn sich diese zu legen schien.
      "Beziehungsweise...", murmelte er und öffnete die Augen gerade in dem Moment, wo sie sein Gesicht langfuhr. "Wie oft hast du dich schon gefragt, wie verrückt du sein musstest, hier zu bleiben?"
      Das Grinsen auf seinem Gesicht war zwar nur angedeutet, aber das ausgiebige Schmunzeln blieb. Sachte griff er nach ihrer Hand und führte sie an seine Lippen. Ein gehauchter Kuss auf die Innenseiten ihrer Fingerkuppen später hatte er sich zu ihr gedreht und begann nun seinerseits, mit seinen Fingern über ihre Haut zu streicheln. Und ein wenig Sticheln konnte nicht schaden.
      "Weißt du...", murmelte er und langte nach ihrem Mund, indem er sich leicht vorbeugte. Der Kuss war wieder hauchzart und beinahe an die Luft verschwendet. "Ich habe da so einen Traum gehabt...Eine wunderschöne Frau, die mir in meinem Arm sagte, dass sie mir ihr ganzes Portfolio zeigen möchte, wenn wir dies hier wiederholen...Und weißt du, was das Beste war? Sie stellte sogar in Frage, ob ich es aushielt..."
      Während er sprach, küsste er ihre Stirn und beugte sich etwas über sie, um zumindest auch an ihren Hals zu gelangen. Vielleicht war das etwas stürmisch, aber er fühlte sich erst dann zufrieden, als er ihren Hals einmal bis herab zu dem großzügigen Ausschnitt geküsst hatte. Herrliches Gefühl.
      Sachte ließ er sich wieder zurückfallen und grinste in den frühen Morgen.
      "Schon ulkig, der Traum, oder? Als ob ich das nicht aushalten würde...Spaß beiseite...Wie gehts dir?"

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    • Weglaufen war das falsche Wort für das, was Ember wirklich beschäftigte. Nachdem sie noch kein weiteres Wort mit Ruairi an diesem Morgen gewechselt hatte, war ihr übliches Misstrauen wieder Herr ihrer Gefühlswelt und hinterfragte sehr deutlich, wie sie so fahrlässig hatte handeln können. Nach nicht einmal einer Woche zu behaupten, dies hier könnte Bestand haben.
      "Korrektur", murmelte Ember nachdem sie sich einmal geräuspert hatte, um die Beschlagenheit in ihrer Stimme zu lockern, "Ich hab mich eher gefragt, was mich dazu geritten hat mit dir in einem Bett zu schlafen. Übernachten bei einem Kollegen kann ja wohl harmlos sein, aber mit ihm in einem Bett zu schlafen? Na, ich weiß ja nicht."
      Sie musste ebenfalls etwas schmunzeln als er nach ihren Fingern griff und sie zu seinen Lippen zog. Es kitzelte sie an ihren Fingerkuppen, da hatte er sich bereits zu ihr gedreht und ahmte ihre Bewegung nach. Prompt verloren sich ihre Augen in den eisblauen Untiefen, die doch schon wieder irgendetwas ausheckten. Der flüchtige Kuss, der scheinbar eher der Luft vor ihren Lippen galt, erinnerte sie mit aller Härte daran, wie sie sich noch vor ein paar Stunden gefühlt hatte. Prompt übersprang ihr Herz einen weiteren Schlag und suchte nach einem neuen, angemessenen Rhythmus, den ihr morgendlicher Körper gar nicht fand.
      "Hab ich echt so einen Stuss gesagt?", harkte sie nach und wusste die Antwort selbstverständlich.
      Trotzdem zu hören, wie ein anderer ihren Wortlaut nutzte und sich auch nicht so exakt an alles erinnerte, ließ ihr dennoch ein flaues Gefühl im Magen anwachsen. Sie bereute die Worte nicht, meinte sie auch genau so. Aber neutral betrachtet klang es wie ein Versprechen, das er sicherlich überprüfen wollen würde. Und leider besaß Ember eine durchaus lebhafte Fantasie, die er auch noch befeuerte, als er ihren Hals entlang küsste und erst am Ausschnitt stoppte, sodass sie ihn fast schon angebrüllt hätte, warum er denn aufhörte.
      Stattdessen tat sie einen sehr kontrollierten Atemzug und richtete einmal den Blick zur Decke, um besagte Fantasie aus ihren Gedanken zu vertreiben. Es wurde nicht weniger gefährlich im Bett mit diesem Mann, sondern kontinuierlich schlimmer, befürchtete sie.
      "Ich würde sagen, wie jeden Morgen. Erst richtig funktionsfähig, wenn ich meinen Kaffee hatte...."
      Lüge. Die Küsse von vorhin hatten ihr bereits einen Adrenalinstoß versetzt, der sie wacher machte als jeder fünffache Espresso dieser Welt.
      "Wie war es bei dir? Hast du wirklich kein Auge zugemacht und dich ständig hinterfragt, ob's ein Traum ist?", fügte sie noch hinterher, rollte sich herum bis sie sich auf den Armen aufstützen konnte und den Mann in seinem Bett begutachten konnte.
      Immer wieder versuchte Ember das warme Gefühl in ihrem Inneren zu hinterfragen. Mit jedem Wort, das er sprach, mit jeder Handlung, die er tat, ließ es sich weniger gut infrage stellen. Als wäre der Sprung bereits getan und kein Weg führte mehr zurück. Sie vertraute doch sonst immer so sehr auf ihr Bauchgefühl, vielleicht sollte sie es in diesem Falle genauso handhaben.
      Recht entspannt musterte die Ermittlerin ihren Kollegen von oben herab. "Ich meinte meine Worte übrigens ernst. Ich bin mir nicht sicher, ob du es ausgehalten hättest wenn das bisschen dich schon an die Grenze treibt..."
      Wie zur Bestätigung ließ sie sich wieder an seine Seite fallen und schickte ihre Hand von seiner Brust aus abwärts. Umschiffte dabei höchst kritische Gefilde und fuhr über seinen Hüftknochen weiter abwärts bis sie das Ende seines Hosenbeines fand. Dort schlüpfte ihre Hand unter den Stoff, ihre kühleren Finger tasteten sich etwas nach oben an der Innenseite seines Oberschenkels. Nah genug dran, aber immer noch weit genug weg um gefährliche Zusammenstöße zu vermeiden. Dort ließ sie ihre Finger über die Haut seines Beine auf- und abwärts streichen. Sollte er sie morgens ruhig triezen, das Spiel beherrschte sie auch.
      "So, ich habe gehört, man wolle ein pompöses Frühstück bereiten?", wechselte sie beinahe grausam leichtfertig das Thema wobei ihre Hand nicht eine Sekunde lang stillstand.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ruairi grinste und legte seine Hand um ihre Schultern, um zumindest noch etwas der Zeit und der Nähe zu genießen. Alsbald schon würden sie beide in das Leben zurück gerufen werden und es blieb ihm dann nichts übrig, als diese Göttin gehen zu lassen. Ein Umstand, den er mehr als verteufelte, wenn er ehrlich war.
      "Ich glaube, du hast einfach bemerkt, dass es auch mal schön ist, sich einfach gehen zu lassen und dass ein kurzer Fall schon recht schön sein kann", murmelte er und sah wieder an die Decke, wärhend er die zarte Haut unter seinen Fingerspitzen liebkoste. "Und ja, du hast einen derartigen Stuss geredet."
      Nach den Küssen schmeckten seine Lippen nicht mehr nach der Nacht oder dem Morgen. Genüsslich leckte er sich kurz darüber und sah sie anschließend an. Ruairi konnte selbst nicht glauben, was er diese Nacht getan oder besser gesagt nicht getan hatte. Was war das hier eigentlich zwischen ihnen? Normalerweise drängte sein rationaler Verstand darauf, dem Ganzen hier einen Namen zu geben. Einen Titel oder irgend etwas, das ihm Beständigkeit verlieh. Wieso also war es so wunderbar, einfach hier zu liegen und die ersten Sonnenstrahlen des Tages zu begutachten?
      "Ich habe ehrlich gesagt so gut geschlafen wie lange nicht mehr", gab er zu und seufzte, um sich kurz im Bett zu räkeln und zu strecken. "Ich weiß nicht wieso, aber es muss die Gesellschaft gewesen sein."
      Gerade wollte er ihr eine freche Antwort auf ihre Anmerkung hinsichtlich seiner Ausdauer geben (ein Umstand, auf den Ruairi übrigens stolz war, wenn es auch nicht viel gab) als er ihre Hand an seiner Hüfte spürte. Und nicht nur an seiner Hüfte. Je näher sie seinem Gelobten Land rückte, umso mehr traten die Augen regelrecht aus den Höhlen hervor und es brauchte einen gewaltigen Atemzug, der mehr ein zitterndes Wimmern war, als ein wirkliches Luftholen. Dies mochte vor allem an dem Umstand liegen, dass ihre Finger wirklich eisig waren und sein Körper beinahe umgehen auf ihre Berührungen reagierte. Erneut bemerkte er, dass das Blut umgeleitet wurde und er schaffte es nur unter größter Willenskraft, dies zu verhindern.
      Erst nach einer ganzen Weile legte er seine Hand auf ihre und stoppte die Bewegung grinsend.
      "Gut, in Ordnung!", grinste er. "Offenbar möchtest du nicht meine morgendlichen Verführungskünste genießen...Muss ich eben mit Frühstück überzeugen."
      Ruairi wäre nicht Ruairi wenn er nicht zumindest eine einzige Provokation noch bringen könnte. Also robbte er an sie heran und drückte ihren Leib nahe an seinen. Der Kuss, den er ihr auf die Lippen drückte, diese beinahe zeitgleich beim Aufreffen teilte und mit seiner Zunge nach ihrer forschte, war an Wildheit, Gier und Verlangen kaum mehr zu überbieten. Als würden Sturzbäche aus dem Himmel fallen, entlud er seine gesamte angestaute Energie in diesem Kuss, ehe er sich zurückzog und aus dem Bett schwang.
      "Lass dir Zeit", zwinkerte er ihr zu und streckte sich nochmals, als er geade stand.
      Unten wartete das Frühstück auf ihn.

      Als er nach unten kam, erschien das Sofa beinahe menschenleer und gedankenverloren strich er mit der Hand über den sachten Stoff. Es war gut, dass er heute die Nacht nicht dort verbracht. Gott, was hätte er verpasst. Mit einem schnellen Blick zu seinem Schritt wurde er sich gewahr, dass er sich beinahe mehr als verraten hätte.
      Selsbt schuld, dachte er grinsend. Musstest sie ja reizen, nachdem du ewig lange mit keiner Frau mehr geschlafen hast.
      Kopfschüttelnd begann er, die Eier aus dem Kühlschrank zu holen. Er konnte nur Rührei aber es würde wohl ausreichen. Gleichsam fischte er Toast aus dem oberen Schrank und bereitete an der schmalen Theke der Kücheninsel bereits Besteck und Teller vor, während der Toast in den Toaster wanderte und die Eier in einer Schale verquirlt wurden. Oh, und das wichtigste, dachte er: Den Kaffee. Beinahe eilig flog er zur Maschine und ließ diese bereits ihre Arbeit verrichten, während er leise zu singen begann.
      Na, man konnte es eher Summen nennen.

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    • Es war ein Segen, dass Ember das Thema auf das Frühstück gelenkt hatte. Andernfalls würden sie beide sich vermutlich solange reizen, bis es die sagenumwobene Grenze nicht mehr gab und sie vermutlich die nächsten Stunden nicht mehr aus dem Bett kamen. Trotzdem musste sie spöttisch grinsen, als Ruairis Hand ihre eigene stoppte. Fälschlicherweise dachte sie, es könnte auch nicht viel schlimmer kommen, da war er schon an sie heran gerobbt und verwickelte sie in einen feurigen Kuss, der nach viel mehr schmeckte. Viel mehr versprach und ihr tatsächlich einen sichtlich überraschten Ausdruck auf das Gesicht zauberte, als er sich einfach von ihr löste und zusah, dass er aus dem Bett kam.
      „Lass dir Zeit.“
      Dann war er schon auf dem Weg nach unten und ließ eine starrende Ember zurück. Die sich schlussendlich leicht genervt ins Kissen zurückfallen ließ und es sie einige Minuten stupides Deckenstarren kostete ehe sie die aufflammende Hitze in ihrem Inneren bändigen und weitestgehend ersticken konnte.
      Sie hörte ihn unten schon werkeln, da hatte sie gerade erst die Beine aus dem Bett geschwungen. Mit beiden Händen fuhr sie sich durch die Haare bevor sie ihre Klamotten des Vortages suchte und sich im Bad wieder halbwegs ansehnlich machte. So sehr es jedenfalls ohne Makeup und einer Bürste denn möglich war. Den geliehenen Pyjama hatte sie sorgsam gefaltet unter den Arm geklemmt als sie sockenfüßig die Treppe hinunter kam und Ruairi in der Küche entdeckte.
      Eigentlich hätte sie sich an seine Seite gestellt und gefragt, was sie tun konnte, doch seine Worte waren noch sehr präsent in ihrem Gedächtnis. Der Mann wollte sich ums Frühstück kümmern, dann durfte er das aus.
      Im Vorbeigehen legte sie das Stoffbündel über die Rückenlehne der Couch. Das Summen, das leise aus der Küche zu ihr herüber drang, klang ähnlich wie jenes, das sie im Bad angestimmt hatte. Ein wohliges, unbeschwertes Geräusch.
      Ember lächelte, als sie sich der Küche näherte und mit verschränkten Armen sich seitlich an die Kücheninsel lehnte. Sie hatte vergessen, wie schön allein die Ansicht von einem halbnackten Mann war, der sich in der Küche abrackerte.
      „Ich weiß, ich werde mich nirgends einmischen, aber falls ich doch irgendwo was tun kann, sag Bescheid...“
      Mühsam riss sie ihren Blick von seiner Gestalt los und fokussierte die Kaffeemaschine. Gott sei Dank hatte sie sich dazu entschlossen, sich vorher wieder anzuziehen. Das setzte gewisse Hemmschwellen auf. Hoffte sie zumindest.
      „Wenn ich mich richtig erinnere, hast du mich gestern gefragt, ob ich was vor habe heute. Nicht direkt, aber ich glaube, du möchtest mich nicht bei meinem Wocheneinkauf begleiten. Oder stand bei dem vielbeschäftigten neuen Kollegen noch etwas an?“

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    • Die Zeit, die er in der Küche verbrachte, erschien ihm wie ein kurzes Aufatmen einer gewaltigen Hitze.
      Die Ausbeulung seiner Shorts hatte sich just in dem Moment gelegt, da er an die Folgen eines unbedachten Hitzemomentes an seinem besten Stück dachte, als er den Gasofen entfachte.
      Ungut, dachte er und summte weiter, während er die Eier in die erhitzte Pfanne gab und mit rührenden Bewegungen die Masse in Form oder eher Unform hielt.
      "Dein Kaffee steht bereits bereit", sagte er, ohne sich umzudrehen und wies mit dem Daumen hinter sich auf die Maschine.
      Innerlich wie äußerlich lächelte er, da er spüren konnte, wie sich Blicke auf seinen Rücken hefteten. Blicke, die er gerne intensiver verfolgt hätte. Zugegeben, sein Rücken war nicht wirklich spektakulär. Wohl durchtrainiert, aber nicht wirklich spannend wie so manch anderer. Aber etwas schien sie daran zu finden, ehe er sich kurz von der Pfanne entfernte, um den Toast auf einen kleinen Teller zu platzieren. Wie es sich gehörte, bereits in kleine Dreiecke geschnitten.
      "GEfällt dir, was du siehst?", musste er fragen, brach jedoch sogleich in schallendes Gelächter aus.
      "Sorry, sorry! Das habe ich mal in einem Film gesehen und musste den Spruch einmal bringen. Aber nein. Du kannst nur eines tun: Deinen Kaffee trinken und entspannen. Außerdem kann ich mir nicht helfen...Aber irgendiwe tu ich gern etwas für dich."
      Lächelnd kippte er das Rührei auf den Teller und verfrachtete es auf die Kücheninsel, ehe er einen Blick auf Ember warf. Die einfach umwerfend aussah, selbst ohne Schminke.
      "Wow!", keuchte er und räusperte sich. "Ein Pfund weniger würde ich sagen"
      Nachdem Ruairi einiges an Aufschnitt (Wurst, Käse und Marmelade) auf den Tisch verbracht hatte, ließ er sich ebenso an der Theke nieder und grinste Ember an, während er das kalte Glas Wasser in einem Zug herunter kippte.
      "Ja, das stimmt", murmelte er. "Also bei mir steht nicht allzu viel an. Ich habe nachher Basketballtraining und sonst nicht wirklich etwas vor, wenn ich ehrlich bin...Mit einer AUsnahme...Heute Abend gibt mein Bruder eine Show im Variete Obscur und ich wollte fragen, ob du mich begleiten willst."

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    • Schwerer als erwartet löste Ember ihren Blick von Ruairis Rücken, um ihren erwähnten Kaffee ins Visier zu nehmen. Sanft stieß sie sich von der Kücheninsel ab, um sich das Tasse unter der Maschine abzuholen und einen Blick hineinzuwerfen.
      „Hast du Milch?“, fragte sie woraufhin er sie mit einem Daumenzeig zurück an ihren Platz schickte, um ihr vermutlich gleich noch die Milch zu reichen.
      Mit der Tasse in der Hand pilgerte sie zur Insel zurück, stellte sie ab und setzte sich. Es wirkte alles so schrecklich leicht, so.... alltäglich. Gefährlich sogar wenn man daran dachte, dass man sich an so etwas gewöhnen konnte. Denn eines war sicher – einen gewissen Rogue würde sie sich nie so in einer Küche vorstellen können. Dasselbe galt für Ruairis Lachen. Jenes Lachen, das ihm vermutlich wieder diese liebenswürdigen Fältchen ins Gesicht zauberte, die sie so leider nicht entdecken konnte.
      „Kein Sorry. Natürlich gefällt mir was ich sehe“, antwortete Ember nüchtern, die Hände um die Tasse geschlossen. „Ich weiß gar nicht mehr, wann ein Mann zuletzt für mich in der Küche stand. Das heißt, ich bekomme Frühstück unddarf mir schöne Dinge anschauen.“
      Als Ruairi das Rührei brachte und somit Ember das erste Mal hier unten richtig ins Gesicht sah, blinzelte sie ihn nur mit großen Augen fragend an während er ihrer imaginären Klingelkasse mehr Futter gab. Das nötigte sie umgehend zu einem amüsierten Schmunzeln und beobachtete ihn dabei, wie er emsig Aufschnitt an die Insel trug bis sie gefühlt aus jeder Kategorie etwas zum Belegen gehabt hätte.
      „Was für ein Zufall, dass ausgerechnet heute Abend die Show ist...“, murmelte Ember leise nachdem ein Stück Toast und Rührei auf ihren Teller gewandert waren. „Beim Training muss ich dir nicht zugucken. Ich hab im Prinzip ja schon einiges gesehen.“
      Sie sah ihn während ihrer Worte nicht an. Zu beschäftigt war sie mit dem Ausstatten ihres Tellers.
      „Passt aber ganz gut vom Timing, dann kann ich in der Zeit in Ruhe einkaufen gehen und meine Wohnung wenigstens wieder etwas auf Vordermann bringen. Und was den Abend betrifft.... Meinetwegen. Sag mir eine Uhrzeit und ich bin da.“
      Die Ermittlerin nippte an ihrem Kaffee und musterte Ruairi. Ob er eine Ahnung hatte, wie fatal es sein konnte, wenn er ständig halbnackt vor ihr herumlief? Am liebsten hätte sie sich ihn einfach geschnappt und wieder nach oben in das Bett gezerrt, wo sie niemand daran erinnerte, dass es diese harte, dreckige Außenwelt gab.
      „Du kannst deinen Bruder übrigens vorwarnen. Wenn der auch nur etwas von meinen Gefühlen liest und bei dir ausplaudert, werde ich ungemütlich“, fügte sie hinzu, die meisten Worte gingen dabei in ihrer Kaffeetasse unter. „Und... hm... lässt du mich dann brav nach Hause fahren oder sollte ich mir lieber eine kleine Tasche packen?“
      Damit sie im Falle des Falles wenigstens nicht mit den gleichen Klamotten wieder zurück musste. Und die Gefahren einen überdimensionierten Pyjamas egalisierte.

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    • Sachte fischte er noch die Milch aus dem Kühlschrank und roch vorher prüfend an ihr. Doch, man konnte sie trinken. Nur danach musste sie weg. Weit weg.
      Als er sich zu ihr setzte, schaufelte er regelrecht das Rührei in sich hinein, ehe er zwei Scheiben Toast beinahe daumendick mit Marmelade bestrich. Was sollte er tun? Er mochte das süße Zeug.
      "Hat ein Mann schon so lange nicht mehr für dich gekocht oder irgendwas bereitet? Wenn das so ist: Du bist herzlich zum Essen eingeladen. Wann auch immer du willst!"
      Die schönen Dinge und die Komplimente konnte er nur ignorieren, da sein Kopf bereits rot angelaufen war. Es war nicht einfach, mit einer schönen Frau umzugehen und nicht über sie herzufallen. Warum konnte Sallow nicht mindestens einen Fehler haben, den er nicht mochte? Bisher war alles zwar eine Ecke und Kante gewesen, aber mit allem kam er klar. Innerlich.
      "Eigentlich...Ist das gar kein Zufall", grinste er. "DIe Show steht bereits seit Wochen und Logan drängt mich, sie zu besuchen. Aber ich habe immer abgelehnt, weil ich nicht alleine gehen wollte. Und gestern...Gestern wollte ich es nicht sagen, weil ich Angst hatte, der Kollege sitzt dann neben mir und macht meinem Bruder schöne AUgen...Du musst aber nicht! Es ist kein Zwang, ich dachte nur..."
      Er seufzte kurz und legte das Messer beiseite.
      "Ich habe Angst, dass das hier trotz allem etwas Einmaliges war", gab er schließlich zu und sah sie an. "Der Abend war so schön und ich merke bereits jetzt, wie sich alles in mir sträubt, dich gehen zu lassen. Also ja, vielleicht suche ich nach einer Ausrede, um Zeit mit dir zu verbringen. Wie immer eigentlich..."
      Trotz der Tatsache, dass die TAsse viel verschluckte, ließ er ein grinsen sehen und stopfte ich den letzten Toast hinein.
      "Ich werde Logan vorwarnen", kicherte er. "Wobei er eher meine lesen wird."
      Auf ihre letzte Anmerkung hin zog er eine Augenbraue hinauf und zuckte die Achseln.
      "Das liegt bei dir", sagte er und lächelte. "Wenn du meine GEsellschaft nicht willst, fahre ich dich nach Hause und wünsche dir eine gute Nacht. Wenn du sie willst, solltest du vielleicht eine Tasche packen. Oder ich packe eine und bleibe bei dir? Nur eines warne ich vor: Dieses Mal bestimme ich die Grenze!"
      Lachend zwinkerte er ihr zu und schenkte sich Orangensaft nach.

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    • „Wie gesagt, meine letzte Beziehung ist schon ziemlich lange her. Und Alex war nie so der Typ gewesen, der großartig in der Küche stand, wenn ich anwesend war.“
      Neugierig beobachtete Ember Ruairi dabei, wie er gefühlt 500 Gramm Marmelade auf seinem Taostdreieck türmte. Sie selbst begnügte sich mit nur einfachen Dingen und vor allem normalen Mengen.
      „Jaah.... Wenn ich mich da an so manch sehr interessierte Unterhaltung erinnere, war es klug, dass du nichts davon erzählt hast. Sonst hättest du garantiert einen anderen Kollegen neben dir sitzen statt mir“, stimmte Ember zu bevor er plötzlich unvorbereitet etwas ansprach, das ihr selbst genauso in der vergangenen Nacht durch den Geist gegangen war.
      Sie stockte in ihren Bewegungen nach dem Satz und erwiderte seinen Blick. Sie verstand sogar was er meinte, wenn er sagte, er sträubte sich, sie gehen zu lassen. Ihr selbst kam es vor wie ein fataler Fehler, auch nur einen Fuß aus dieser Wohnung zu setzen. Es war noch viel zu früh für …. zu früh für was eigentlich?
      „Nein, ist wirklich kein Problem. Ich komm gern mit. Immerhin hab ich ja auch gesagt, dass ich eine Schwäche für gut singende Männer habe. Also warum nicht?“
      Sie tat es als etwas beiläufiges ab, zuckte mit den Schultern und vernichtete einen Toast beinahe zur Gänze auf einmal. Dann nahm sie einen Schluck vom Kaffee und schaffte es gerade noch so, sich nicht an ihm zu verschlucken. Er wollte die Grenzen definieren?...
      „Moment. Wenn du die Grenzen definierst, gibt’s keine“, warf sie jäh dazwischen und wusste nicht recht, ob sie nun Obacht geben oder sich einfach freuen sollte. „Wenn du damit klarkommst, in einem Krankenhauszimmer zu nächtigen, darfst du gerne eine Tasche packen. Wobei ich sagen muss, dass mein Bett bei Weitem nicht so luxuriös und breit ist wie deines...“
      Er bekam einen schelmischen Blick von ihr bevor sie sich völlig harmlos ihrem Rührei widmete.

      Nach dem Frühstück machte Ember Nägel mit Köpfen. Sie haderte nicht lange, zog die Verabschiedung nicht weiter in die Länge als unbedingt nötig. Sie verwehrte ihm sogar einen weiteren Kuss mit der Begründung, dann wirklich nicht mehr seine Wohnung zu verlassen und ihn somit effektiv von seinem Training abzuhalten. Stattdessen umarmten sie sich lediglich innig bevor Ember vor die Tür trat und sie hinter sich den Blick auf Ruairi verwehrte.
      Dann machte sie sich los auf den Heimweg, denn tatsächlich war ihr Tag vollgepackter als sie ihm verraten hatte.
      Über den restlichen Tag tat sie wie angekündigt ihre Einkäufe und packte sogar noch ein wenig Sicherheitsvorrat ein für den absoluten Fall der Fälle. Danach hatte sie einen Termin im Autohaus, um endlich einen neuen fahrbaren Untersatz zu bekommen. Glücklicherweise war sie nie sonderlich anspruchsvoll und wählte einen Kleinwagen unter den Vorführmodellen, dessen Anmeldung im Laufe der nächsten Woche durch sein sollte und sie endlich wieder unabhängig vom ÖPNV machte. Anschließend kehrte sie in ihre Wohnung ein und begann, sie seit langem einmal wieder ausgiebig zu putzen. Jede Ecke, jeden Winkel. Alles, das theoretisch in Augenschein genommen werden konnte. Nur bei ihrem Schlafzimmer war sie sich tatsächlich unsicher. Sie wusste, dass sie Ruairi gern mit her nehmen wollte, aber dass jemand Fremdes in ihrem Schlafzimmer war, war Jahre her. Es bereitete ihr immer noch Unbehagen wenn sie daran dachte, dass die Frage nach dem Mädchen käme, das als Portrait an der Wand hing. Wer die Personen in dem Familienbild waren und warum es keine Aufnahmen aus eine speziellen Zeitspanne gab. Warum nur hier in diesem Zimmer die Bilder hingen.
      Am Ende entschied sie sich einfach dafür mit dem Moment zu gehen. Wenn es ihr wirklich nicht gelingen sollte, über ihren Schatten zu springen, dann brauchte sie nur etwas mehr Zeit. Und sie war sich sicher, dass er es verstehen würde.

      Embers Wohnung – 18:58 Uhr

      Ruairi war pünktlich wie die Eieruhr. Sie hatten bevor Ember gegangen war, noch Handynummern ausgetauscht, über die sie ihm ihre genaue Adresse geschickt hatte. Sie sah aus dem Fenster den prolligen Wagen vorfahren und konnte ein Schmunzeln nicht verhindern. Sie hatte sich ein weinrotes Strickkleid mit schwarzer Leggins angezogen, schwarze Ankleboots dazu und einen grauen Mantel. Ihre kleine schwarze Handtasche war unauffällig unter ihrem Arm geklemmt und ihre silbernen Haare hatte sie zu einem lockeren gedrehten Dutt gesteckt, aus dem sich ein paar kokette Strähnen lösten.
      Als Ember das Haus verließ und zu dem Wagen ging konnte sie Ruairi im Inneren noch nicht erkennen. Erst als sie die Beifahrertür öffnete und zu ihm stieg, konnte sie ihn anlächeln.
      „So, und da sehen wir uns schon wieder. Dann führ deinem Bruder deine tolle Begleitung mal vor!“

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Derselbe Tag, 18:57 Uhr

      Der Tag verging wie im Rausch.
      Auch wenn Ruairi innerlich ein wenig frustriert war, dass er nicht mal einen Abschiedskuss erhalten hatte, konnte er ihr Beweggründe verstehen. Sie beide besaßen ein Leben, das es zu führen galt, auch wenn es sich immer noch falsch anfühlte, dieser Frau nur hinterher zu sehen, während sie ihrem Leben frönen würde. Wenn er die Grenzen setzte, gab es keine...Wenn sie wusste, wie Recht sie damit hatte. Es glich einer wundersamen Fügung und gleichsam Verleumdung, wenn er ihre Grenzen nicht ausnutzen würde.
      Den Tag hatte er sonst wie beinahe jeden Samstag verbringen können. Das Basketballtraining verlief ereignislos, obgleich er fühlte, dass er ein wenig impusliver spielte als sonst. Erstaunlicherweise wenn man bedachte, dass er sonst ein ruhiger, beinahe bedachter Spieler war.
      Als er sich von seinen Freunden verabschiedet hatte, war er umgehend nach Hause gebrettert. Es fiel ihm kein besseres Wort dafür ein, denn irgendein Teufel hetzte seine durchaus verknallte Seele wie einen Zu Tode Gefolterten. Mit einer Eile, die selbst den Göttern ein erstauntes Keuchen von den Lippen gerissen hätte, flog er regelrecht unter die Dusche und reinigte sich wie ein neurotischer Waschbär. Sicherlich zum einen bedingt durch den Sport, den er unlängst gemacht hatte, auf der anderen Seite fühlte Ruairi sich unruhig und unausgeglichen. Sein Unterleib schien alleine beim Gedanken an die Frau in Flammen zu stehen und das alleine brachte ihn bereits dazu, mehrfach kalt zu duschen, ehe er sich in einen schwarzen Anzug schmiss.
      Zu dem Anzug trug er ein blutrotes Hemd auf und kämmte sich ausnahmsweise die Haare zurück, sodass es beinahe nach einer ordentlichen Frisur aussah. Ob man sich für ein Variete derart schick machte, wusste er nicht wirklich, aber zumindest sah er nicht aus wie der letzte Trottel.

      Auf dem Weg zu Embers Wohnung hasste er den Londoner Verkehr mehr denn je. Es brauchte eine gefühlte Ewigkeit, bis er von Whitechapel in Richtung Embers Wohnung fahren konnte. Zwei Telefongespräche mit seiner Schwester und seinem Bruder eledigte er auf dem Weg dorthin und fluchte mehr als einmal die Autofahrer derart zusammen, dass ihn andere aus dem Fenster regelrecht anstarrten und sich fragten, was der verrückte Mann wohl hatte. Mit beinahe quietschenden Reifen kam er pünktlich vor dem Haus an, das Ember ihm genannt hatte und sah zum Eingang hinauf. Unauffällig, nichts besonderes, dachte er nüchtern und seufzte, während er den Kopf kurz hinten an die Sitzlehne lehnte. Ruairi atmete schwer und versuchte, seine Nervosität hinter einem Lächeln zu verstecken, als die Autotür aufging.
      Und er vergaß zu atmen.
      Sicherlich hatte er bereits gestern festgestellt, dass Ember eine Göttin war. Die Augen, die Haare, das Lächeln und der Körper der jungen Frau waren eine Offenbarung des Herrn, wenn man denn gläubig war. Und Ruairi verspürte den Drang, sich zu bekreuzigen. Eine Sekunde lang starrte er Ember einfach nur an, als sie sich ins Auto setzte. Selbst das Lächeln und der Satz, den sie ansprach, erreichte ihn zeitverzögert. Als würde sein Verstand eine Weile brauchen, um sie zu prozessieren.
      "Ha-Hallo", murmelte er lächelnd und sah sie von oben bis unten an.
      Die kalten Duschen hatten einen Scheiß gebracht. Wenn du sie noch länger anstarrst, wirst du erst später ins Variete gehen können, dachte er sich und löste seinen Blick von ihr.
      "Weißt du...", begann er grinsend. "Gerade wollte ich meiner Begleitung sagen, dass sie umwerfend aussieht und ich nicht weiß, wohin mit meiner Stimme, aber sie selbst kann sich am besten Komplimente geben erscheint es mir. Wie war dein Tag?"

      DIe Fahrt zum Variete war tatsächlich recht kurz und erschien entspannt, wenn man den Rest des Tages in den Vergleich zog. Dennoch brüllte er einmal kurz einen anderen Fahrer auf Gälisch an, während dieser ihn schnitt. Ruairi hatte ein schlechtes Gewissen, aber er traute ich kaum, zu ihr rüber zu sehen. So schwer lag die Versuchung auf seinen Schultern, einfach am Variete vorbei zu fahren und sie hinter der nächsten Ecke im Auto zu nehmen, als gäbe es kein Morgen mehr. Schluckend hielt er hinter dem Gebäude und parkte den Wagen, ehe er diesmal ein Gentleman sein konnte.
      Eilig sprang er hinaus und öffnete Ember die Tür, um sie hinaus zu lassen. Etwas, das er bereits vorher hätte tun sollen. Als er vor ihr stand, bekam er kaum mit, wie er sich hinab beugte und sie einfach auf den Mund küsste, als sie aufpasste. Ein gemeiner Angriff aus dem Hinterhalt, wie er fand, aber dieser abgeranzte Hinterhof ließ ihn andere Dinge denken als das Kommende.
      "Wow", flüsterte er und beugte sich kurz an ihr Ohr. "Das war eben übrigens ernst gemeint. Du siehst wirklich unglaublich aus."
      Anschließend bot er ihr seinen Arm an, obgleich es etwas kitschig erschien.
      Gemeinsam gingen sie durch eine schmale Unterführung, die gruselig hätte sein sollen. Aber die Vorteile eines S-Klasse-Casters waren schlicht und ergreifend, dass beinahe jeder Kriminelle sein Gesicht kannte. Als sie auf die Straße trafen, die unweit der Tottenham Court Road gelegen war, wuselten wieder MEnschen um sie herum. Menschen unterschiedlichen Alters und Kleidung, offenbar unterwegs zu wichtigen Treffen. Zu ihrer Linken erhob sich ein Gebäude, das nicht merkwürdiger in die Szenerie passen würde:
      Eine schwarzgraue Fassade, deren Outlines einem rosa Schloss nachempfunden waren und zu einem pompös ausgestattenen Eingangsbereich mit rotem Teppich führten. Über der Eingangstür prangte in goldenen, blinkenden Lettern: "Varieté Obscur". Ruairi schluckte und sah hinauf,.
      "Das ist es also...", murmelte er und seufzte. "Logan hat nicht übertrieben...Es ist wirklich etwas...Kitschig? Wollen wir?"
      Die letzte Frage war mehr eine Aufforderung, sich diesem Desaster von Pink und Rosa zu stellen.

      Und hatte man den Eindruck, dass draußen bereits nicht an Kitsch gespart wurde, so war die Szenerie drinnen bereits atemberaubend klischeehaft.
      Eine Symphonie aus Rose und Pink empfing sie in halbdunklem Licht, nachdem sie den Türsteher - einen grimmigen Mann mittleren Alters, der aber durch exakt gezogenen LIdschatten bestach - passierten. Der Eingangsbereich bestand aus einem engen Flur, der gut zehn Meter ins Gebäudeinnere führte. Zu ihrer Rechten hätten sie beide eine Jacke abgeben können, wenn sie denn wollten. Eine Garderobenfrau grinste Ruairi an und winkte ihm zu, was er nur mit einem freundlichen Nicken quittierte.
      Erst als sie den durchaus gut gefüllten Innenraum betraten, musste selbst Ruairi jedes Mal von Neuem schlucken.

      Von der Decke herab hing der wohl beeindruckenste Kronleuchter, den er jemals gesehen hatte und der Raum, der leer so viel größer wirkte, schien nunmehr recht klein. Zwischen den bereits Platz nehmenden Gästen, die den Raum bereits vollständig ausgefüllt hatten, schlägelten sich leicht bekleidete Kellnerinnen mit Bauchgurten, die scheinbar eine kleine Bar von Spirituosen mit sich herum trugen. Erst bei näherem Hinsehen wurde einem gewahr, das dies Zigarren oder andere Lustmittel waren, die man für den Abend so brauchte.
      "Mein Bruder hat es nicht so mit BEscheidenheit...", flüsterte er und sah sich im Nächsten Moment einer attraktiven Kellnerin gegenüber, die sie mit ihren blitzenden Augen betrachtete.
      "Name? Haben Sie reserviert?", fragte sie und kaute lässig Kaugummi.
      "MacAllister. Ja, es ist ein Platz auf meinen Namen reservie-"
      "Sie sind Ruair!", rief die Kellnerin und machte große Augen. "Logan hat so viel erzälhlt. Kommen Sie, kommen Sie! Gleich vor der Bühne ist ein Tisch für Sie frei!"
      Ruairi blieb nichts anderes, als komisch zu kichern und Ember den Vortritt zu lassen. "Nach dir. Und halt die Hände bei dir", grinste er und zwinkerte ihr zu.
      Zugegeben, die Männer in diesem Raum waren allesamt recht gutaussehend, wenn man von den Damen absah. DIe Animateure des Clubs wurden explizit nach ihrem Aussehen ausgesucht. Das seltsamt war, dass die Männer eher Ruairi schöne Augen machten als Ember. Ein Umstand, der sich ignorieren ließ.

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    • Selbstredend entging es Ember nicht, wie ihr Fahrer sie von Kopf bis Fuß musterte und sein erstes Wort an sie stotterte. Etwas überspitzt rollte sie mit den Augen während sie sich anschnallte und Ruairi endlich den Wagen in Bewegung setzte. Das Lächeln ließ sich allerdings nicht einen einzigen Augenblick von ihren Lippen weisen. Auch dann nicht, als sie von ihrem sehr unspektakulären Tag berichtete.
      Dennoch zuckte sie harsch zusammen, als ein anderer Wagen sie beide schnitt und Ruairi wie angekündigt auf Gälisch zu fluchen begann. Oder zumindest klang es in ihren Ohren sehr danach, denn auch sie verstand diese Sprache nicht. Zu gern hätte sie jetzt einfach gelacht, aber ehrlich gesagt hatte sein Organ einen erstaunlichen Lärmpegel und Wutnote erreicht, wodurch ihr das Lachen im Halse stecken blieb. Sie sah ihn ein bisschen wie ein aufgeschrecktes Reh an, sagte jedoch nichts weiter dazu.
      Stattdessen waren ihre großen Augen auf das leuchtende Schild des Varietés gerichtet. Sie fuhren vorbei auf einen Hinterhof und für einen Moment beschlich Ember das Gefühl, dass sie es gar nicht mehr in das Etablissement schaffen würden. Der Motor war gerade erst abgeschaltet worden, da war Ruairi schon aus dem Wagen gesprungen und regelrecht an die Beifahrertür gesprintet, um sie zu öffnen. Als sie ihre Beine als Erstes aus dem Wagen auf den Boden stellte, warf sie den ersten ordentlichen Blick auf ihre Begleitung – und stockte. Männer in Anzügen waren eine Urgewalt, die jede Frau zu fürchten gelernt hatte. Zwar erkannte man im Dämmerlicht nicht jegliches Detail, aber sie hatte das imminente Gefühl, einem Adonis gegenüber zu sitzen. Und die Augen dieses Adonis waren ausschließlich auf sie gerichtet. Es wäre ein leichtes gewesen, ihn an seinem Revers zu packen und sich ins Auto zu ziehen. Die Tür zuzuschlagen und zu vergessen, dass sie eigentlich ins Varieté gehen wollten.
      Harsch erinnerte sich Ember selbst daran, weiter zu atmen und endlich aus diesem vermaledeiten Auto auszusteigen. Sie richtete gerade noch ihren Mantel, da bemerkte sie nur noch einen Schatten und das Gefühl weicher Lippen auf ihren. Etwas überrumpelt blinzelte sie ihn an als er ihr on top noch ein Kompliment ins Ohr flüsterte und dafür sorgte, dass sie den angebotenen Arm etwas fester packte als ursprünglich geplant. Sie war sich sicher, dass man eine gewisse Absicht nun in ihren Augen schon sehen konnte, als sie ihn am gehen hinderte und eindringlich ansah.
      „Mach so was nochmal und ich garantiere dir, wir kommen im Varieté nicht mehr an“, flüsterte sie ihm leise zu was wie eine Drohung für Außenstehende klingen mochte, in ihrem Kontext allerdings eher einem Versprechen glich.
      Dann setzten sie sich doch in Bewegung bevor sie dem Satz noch Nachdruck verleihen konnten.
      Vor dem Varieté konnte sich Ember ein Grinsen voller Vorfreude nicht verkneifen. Allein die Fassade war schon dermaßen einschlägig konzipiert worden, dass sie wie ein bunter Hund aus den umliegenden Gebäuden hervorstach. Während Ruairi an ihrer Seite noch schluckte und sich zu wundern schien, fand Ember einen Enthusiasmus wieder, den sie längst für gestorben gehalten hatte.
      „Oh, sag mir bloß, du warst noch nicht einmal hier? Ich dachte, du hättest schon öfter Shows von deinem Bruder gesehen? Welch verpasste Chance, mein Lieber...“, piesackte sie ihre Begleitung und stiegen gemeinsam den Teppich empor.
      Drinnen gab sie ihren Mantel an der Garderobe ab und beobachtete, wie die Dame Ruairi viel zu offenherzig angrinste. Irgendwie gefiel ihr das nicht, wenngleich ihr das konkrete Wort dafür noch nicht einzufallen schien.
      Der Innenraum war der reinste Traum aus Pink und Glitzer. Nichts hier besaß scharfe Ecken und Kanten, das Licht war schummrig und man könnte fast schon meinen, sie wären im falschen Etablissement gelandet. Erst recht, wenn man die halbnackten Kellnerinnen bedachte, die Lustmittel aller Art vertrieben.
      Seit der ersten Sekunde stellte Ember fest, dass sie diesen Ort liebte.
      Sie war dermaßen damit beschäftigt, den Raum in seiner Gänze abzuscannen, dass sie die näher kommende Kellnerin gar nicht bemerkte. Erst als diese Ruairis Namen rief, fuhr ihr Kopf herum und brauchte nur einen Augenblick, um die Dame als keine Konkurrenz für sie abzutun.
      „Vor der Bühne? Ja super“, frohlockte Ember und bewegte sich zwischen den Tischen her als sei sie selbst hierfür geboren. „Und ich glaube, du solltest eher auf dein Heck aufpassen als ich, wo meine Hände landen.“
      Ihr Grinsen schien ihr Gesicht beinahe zu spalten. Zum Gucken hatte man hier mehr als genug, aber wenn sie ehrlich war, hatte sie vorerst nur Augen für einen Mann mit Anzug in diesem Raum. Der sich halb neben sie an ihren Platz direkt vor der Bühne setzte und sie sogar noch ein Stück näher mit ihrem Stuhl an ihn heran rückte.
      „Ich glaube, ich habe noch nie so viel pink auf einmal gesehen. Gehört das alles Logan oder ist es Teilhaber? Angestellter? Keine Ahnung, ich bin auf jeden Fall sehr gespannt.“
      Das war keine Lüge. Allerdings konnte Ember ihre Finger doch nicht gänzlich bei sich behalten. Unterschwellig war ihre Hand hinüber zu Ruairis Oberschenkel gewandert, auf dem ihre Finger winzige Linien und Kreisen zu folgen schienen. Sie lehnte sie ein wenig weiter zu ihrer Begleitung des Abends damit sie die folgenden Worte näher an sein Ohr bringen konnte.
      „Du hättest mir ruhig sagen können, dass das hier zum Anheitzen gedacht war. Das wäre doch gar nicht nötig gewesen in unserem Fall... Obwohl die Vorstellung, dass hier Dooley anstelle meiner sitzen könnte doch schon arg witzig ist.“
      Ihr permanentes Grinsen bekam einen spöttischen Unterton. Insgeheim betete Ember, dass Logans Show primär eine schön anzusehende Veranstaltung war und nichts, was ihre ohnehin schon aktivierte Fantasie weiterhin beflügelte. Falls doch stellte sie ernsthaft infrage, ob sie a) die ganze Show überhaupt aushielt und b) sie es heile bis in den Wagen und c) auch wieder hinaus schafften.

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    • Ruairi wusste nicht wieso, aber er fühlte sich an diesem Abend so lebendig wie nie zuvor.
      VIelleicht war es auch das Lächeln, das Embers Gesicht wie ein Messer zerriss. Vielleicht war es ihr Auftreten oder die Tatsache, dass SIE IHN zu dem Platz zu führen schien. Schweigsam beobachtete er lachend, wie sie sich gekonnt durch die Tische und Stühle bewegte ohne auch nur einmal anzuecken. Er musste dafür seine Magie für eine Minute aktivieren, damit er ohne zu Stolpern hinter ihr her kam. Und er musste sich zusammenreißen, um ihr nicht permanent auf den Hintern zu starren. Als sie nebeneinander zum Sitzen kamen, sah er sich nochmals in dem Etablissement um, nicht ohne vorher zu bemerken, dass sie näher an ihn heranrückte. Und er genoß es.
      Schweigsam legte er seine Hand kurz auf ihre und lächelte.
      "Ich bin froh, dass du mit mir hier bist", sagte er während er zur Bühne sah. "Auch wenn ich dich nachher auf deine Worte vor der Tür festnageln werde."
      Im Grunde ergötzte sich Ruairi an der Freude, die sie ausstrahlte.
      "Um deine Fragen von vorhin zu beantworten: Ich war schon einmal hier, aber ich habe noch keine Show gesehen. Damals war es noch mehr oder minder ein Rohbau und ich habe Logan mit den Behörden geholfen", murmelte er. "Die meisten Kellner und Barleute kenne ich noch von daher. Sie waren recht freundlich, wenngleich die Herren des Hauses durchaus ein scharfes Auge auf mein Heck hatten."
      Sachte winkte er eine der Kellnerinnen heran, die ihnen beiden begeistert zuwinkte und kurz ihren Bauchladen abstellte.
      "Jedenfalls...Der Laden gehört Logan", sagte Ruairi und streichelte über ihren Handrücken. "Er hat ihn vor einiger Zeit gekauft und was soll ich sagen...Er hat Geschmack bewiesen. Auch wenn das Pink und das Rosa nicht wirklich meine Farben sind."
      Er lächelte und zog die Hand zurück, als die Kellnerin näher kam.
      "Hey Ru, schön, dass du hier bist! Er freut sich auf dich und kommt gleich mal raus", sagte sie grinsend und zog einen Block aus dem Nichts hervor. "Also. Was wollt ihr trinken? Wir haben wunderbaren Wein offen."
      Ruairi lächelte und nickte.
      "Schön dich zu sehen, Jules", sagte er und überließ zunächst Ember die Bestellung, ehe er sie nochmals ansah. "Ich hätte gern ein schlichtes, altes Guinness."
      "Schotten", verdrehte sie die Augen und grinste nochmal ehe sie wieder loszog.
      Die Aussicht auf ein Treffen mit seinem Bruder ließ ihn halb die Augen verdrehen und er beugte sich derweil wieder zu der Göttin neben sich und winkte sie etwas näher heran.
      "Du bist der Wahnsinn", flüsterte er grinsend. "Und ich bin ein ein verdammt beschissener Glückspilz, dass du so viel Spaß hier hast. Und erwähne nie wieder Dooley in Kombination mit einem Anheizer. Das verschafft mir Würgereiz. UNd nein...Zwischen uns braucht es keinen."
      Hitze hatten sie beide genug, so viel stand fest.
      Es dauerte noch eine ganze Weile, ehe ihre Getränke kamen. Doch nicht irgendwer brachte sie.
      "Hohooooo!"; rief eine helle, regelrecht voluminöse Stimme. "Hey Ruru! Na, alles klar, mein großer?"
      Ruairi verdrehte die Augen und erhob sich zart aus dem Sessel, um seinen Bruder in Empfand zu nehmen, der bereits eine enge Lederhose unter einem locker sitzenden Hemd trug, das aus dem 18. Jahrhundert stammen konnte. Ganz objektiv gesehen war Logan MacAllister ein sehr attraktiver Mann. Sein langes Haar wirkte wie ein Teppich von schwarzer Seide, während der Blick der grellblauen Augen sich an denen seines Bruders festsaugte. Das zarte Gesicht wollte nicht recht zu einem Mittdreißiger passen.
      "Logan", begrüßte ihn Ruairi und schloss ihn in die Arme, als er das Tablett auf dem kleinen Tisch abgestellt hatte. "Das ist Ember!"
      Logan grinste einen Moment lang verdattert und sah zu der wunderschönen jungen Frau, die an dem Tisch saß und die so merkwürdig heraufsah. Anschließend neigte er sich ihr zu und reichte ihr die Hand.
      "Enchantee", sagte er grinsend. "Willkommen, willkommen. Ich hoffe, euch wird die Show gefallen und du kriegst ihn dazu, sein anderes Versprechen einzulösen, Miss Ember. Und anschließend lade ich euch noch auf einen Drink an der Bar ein. Wenn mein BRüderchen schon mal eine Frau mitbringt..."
      "Das andere Versprechen ist nichts für heute..."
      "Och komm schon, Ruru!", bettelte der junge Mann und sah beinahe traurig drein. "Du hast mir versprochen, einen Song mit mir zu singen!"
      "Ich singe nicht mehr!", sagte Ruairi und seufzte, während er sich setzte.
      "Ach was, papperlapapp!", ereiferte sich Logan. "Helfen Sie mir!"





      Spoiler anzeigen
      logan.jpg Nur ohne Bart und mit dunklem Haar ;)

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    • "Festnageln im übertragenen Sinne?" hatte Ember noch murmeln können und war sich nicht mehr sicher gewesen, ob es in der Menge untergegangen war.
      Wie sie es auch drehen und wenden mochte, auf diese kleinen Bauchläden kam sie vermutlich nie wirklich klar. Zumal sie nur einen Überblick von dem bekam, was sich wirklich in der Auslage befand. Ruairi zog seine Hand von ihrer zurück, doch ihre blieb brav an Ort und Stelle. Sie würde den Teufel tun und freiwillig den Kontakt zu ihm abbrechen.
      Stattdessen sah sie dabei zu, wie er sich mit der Kellnerin, die er offensichtlich kannte, kurz unterhielt und direkt angekündigt bekam, dass der sagenumwobene Logan gleich einmal vorbei schauen würde. Ember bestellte einen Roséwein und ließ die Dame wieder von Dannen ziehen.
      Sie rückte wieder ein Stückchen näher an ihre Begleitung heran, als er ihr ein weiteres Kompliment entgegenbrachte. Theatralisch rollte nun sie mit den Augen als sie grinsend auf seine Worte reagierte: "Nur absolute Spießer amüsieren sich hier nicht. Außerdem, wer sagt denn, dass ich diese Kombination nicht absichtlich so gesagt habe? Wenn ich dir keinen Würgereiz zwischendurch bereite, dann sehen wir die Show nicht mal zur Hälfte bevor wir gehen..."
      Sie klopfte ihm auf den Oberschenkel und zog doch die Hand von ihm zurück. Dieser Gedanke war gar nicht mal so abwegig und ehrlich gesagt fragte sie sich, warum sie überhaupt gefahren waren. Er hätte einfach seinen Wagen parken sollen, mit ihr in ihre Wohnung kommen sollen und sich anderen, viel spaßigeren Dingen widmen sollen.
      Gerade war ihre Fantasie wieder dabei zu spekulieren, ob man die Sitze in Ruairis Wagen umklappen konnte, da rief eine voluminöse Stimme von weiter hinten einen sehr seltsamen Spitznamen. Ember lugte zwischen den Leuten hindurch und entdeckte einen verdammt hübschen Mann, den sie nur anhand seiner Augen als Logan identifizieren konnte. Und vielleicht der Tatsache, dass er ein Guinnes und einen Rosé dabei hatte. Wobei seine Augen vielleicht noch eine Nuance beeindruckender waren als Ruairis. Der beeindruckendste Faktor war allerdings die satte, volle Haarpracht, für die so manche Frau getötet hätte. Ember merkte nicht, dass ihr das Grinsen abhanden gekommen war und ein wenig ihrem üblichen, forschenden Blick gewichen war während sie Logan so inspizierte.
      Erst als er auf sie aufmerksam wurde und ihr die Hand reichte, stand sie ebenfalls auf und schüttelte sie, das Lächeln wieder auf den Lippen. Sie hoffte einfach, dass der Armreif ausreichte damit Logan nicht allzu viel von ihr lesen konnte.
      Auf den Kommentar mit dem Versprechen hin schoss ihr Blick zwischen Brüdern etwas fragend hin und her, bis der Jüngere es auflöste. Fast augenblicklich lagen ihre Hände an Ruaris Schulter und schoben ihn mit erstaunlicher Entschlossenheit von seinem Stuhl in Richtung seines Bruders.
      "Finde ich eine großartige Idee!", sprang Ember direkt darauf an und flüsterte Ruairi etwas ins Ohr, das nur für ihn bestimmt war. "Spring über deinen Schatten und es winkt eine Belohnung..."

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    • Ruairi machte dieser Abend mehr und mehr Verheißungen, je näher er dessen Ende rückte.
      Als Ember ihm ihren Satz mit dem Würgereiz zuflüsterte, fragte er sich ernsthaft, warum sie hierher gekommen waren Logan hätte gut und gerne noch eine Woche warten können und ein gutes Restaurant hätte es mit Sicherheit auch getan. Er wirkliches erstes Date. Romantisch, liebevoll.
      Erotisch...
      Klappe! Was denkst du wieder?!
      Die Hand auf seinem Oberschenkel machte das ganze nicht leichter und auch wenn sie bereits seit einer geraumen Zeit fort war, fühlte er immer noch das warme Brennen ihrer Hand dort. Oh, er würde ihrem Repertoire standhalten. Ruairi fragte sich schief grinsend ob sie es wohl schaffte.
      Trotzdem musste er sich erst der Ablenkung durch seinen Bruder entledigen. Dessen Augen fixierten Ember und für einen Moment sah es so aus, als wollte er seine Kräfte nutzen, doch Ruairi trat ihm mit einer schnellen ausladenden Bewegung vor das Schienbein , sodass der junge Mann zusammenzuckte und aufschrie.
      "Auaaaa", jammerte Logan und sah seinen Bruder anklagend an.
      "Keine Kräfte, Logan", grinste Ruairi liebenswürdig und steckte die Hände in die Hosentaschen. Die Unterhaltung gefiel ihm dennoch nicht. "Und diese Verbrüderung gegen mich gefällt mir gar nicht! Ich glaube nicht, dass es gut wäre wenn ich..."
      Erst danach bemerkte er Embers Lippen nahe bei seinen Ohren und hätte beinahe wimmernd aufgeseufzt. Gerade noch fing er sich und lauschte ihren Worten. Erst danach begannen seine Augen zu leuchten.
      "Nicht gut, wenn du?", fragte Logan grinsend und verschränkte die Arme vor der Brust.
      "Ich bin sowas von dabei!"
      Logan begann zu lachen, ehe ihn eine junge Dame an die Show erinnerte.
      "Als dann meine Lieben. Ich muss mich vorbereiten. Ich wünsche euch viel Spaß und du hältst dich schön bereit, Ruairi. Wäre doch schade wenn du um dein Duett kommst."
      Mit einem letzten Winken und Zwinkern in Embers Richtung verschwand der junge Mann hinter den Kulissen der Bühne und Ruairi seufzte, ehe er sich herüber lehnte.
      "Die Belohnung sollte wirklich etwas außergewöhnliches sein", flüsterte er. "Wer hätte gedacht, dass ich nochmal singen würde?"
      Das zweite sagte er lauter und lachte so glockenhell, dass sich einige Damen und Herren nach ihm umsahen.

      Nach einer kurzen Weile kamen die Getränke zu ihrem Tisch und beide stießen sie auf diesen Abend an. Selbst das Guinness wurde in hohen, edlen Gläsern geliefert, damit es zumindest den Anschein der Kultur erweckte. Mit einem kleinen, kurzen musikalischen Intro begann die Show schlussendlich doch.
      Ruairi hatte es sich nahe bei Ember gemütlich gemacht und nach einer Zeit des Wartens, war seine Hand wie von selbst auf ihren Oberschenkel gerutscht,.
      Bedeutungsschwanger verdunkelte sich der Raum und eine ganze Reihe von jungen Damen in recht ansprechenden Kostümen betraten die Bühne. Logan hatte schon immer eine Schwäche für Burlesque-Tanz, wenn Ruairi so nachdachte. Daher war es nicht verwunderlich, dass die jungen Damen allesamt mit Corsagen, Spitzenstrümpfen und Rücken mit allerlei Spitze, Tüll und weiteren ausladenden Dingen bestückt waren, die sie dem Publikum regelrecht entgegen werfen konnten.
      Die Musik wandelte sich, es spielte ein langsamer Jazz-Rhythmus, zu dem die jungen Damen (waren es Damen?) eine Performance ablieferten, die selbst Ruairi beeindruckte. Als würde er einer gut geölten Maschinerie zusehen, huschten die Damen beinahe frivol anmutend über die Bühne und wirkten kein bisschen unsicher in ihren Bewegungen. Die Meute vor der Bühne wandelte sich mit dem ersten Handschuh, der zu Boden fiel. Beinahe frenetisch wurde jedes Kleidungsstück, jeder Fetzen bloßen Stoffes bejubelt, der den Körper der jungen Damen verließ.
      Ruairi wusste nicht recht wie er reagieren sollte, also klatschte er artig mit, aber fürchtete, dass es oberflächlich blieb. Er wagte einen Blick zu Ember und fragte sich, ob es ihr gefiel.

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    • Ember sah nicht, wie Ruairi seinen Bruder trat, aber die Bewegung sah schon verdächtig aus. Da Logan nichts besonderes gesagt hatte, musste es an der Art gelegen haben, wie sie sich gerade angesehen hatten. So kam sie leider nicht dazu zu überprüfen, ob ihr Armreif bei Logan funktionierte, aber das war ihr so schon recht.
      Allerdings musste auch sie lachen als Ruairi plötzlich sehr hinterher war, nun doch das Versprechen an seinen Bruder einzuhalten. Zwar wusste Ember noch nicht ganz, was Besonders genug für diesen Mann sein würde, aber sie hätte genug Zeit, dies noch herauszufinden. Sie stimmte in sein Lachen mit ein und hatte plötzlich das Gefühl, wieder einundzwanzig Jahre alt zu sein. Ein Frischling auf einem ungewöhnlichen Date.
      "Du singst also ein Duett mit deinem Bruder, ja? Dann bin ich mal sehr gespannt, wie viel Schulband noch in dir steckt."

      Man stieß mit edlen hohen Gläser an, die eine Seite schwarz wie die Nacht, die andere transparent rot wie der Sonnenuntergang. Nicht nur, dass sie schon Ewigkeiten auf keinem Date mehr war, sondern generell einmal aus war. Ihre Wege führten sie meist nur nach Hause, zur Arbeit, in das Café und manchmal bei Tarah vorbei. Ein sehr eingeschränktes Leben, wenn man es so betrachten wollte. Bis sich Ruairi einfach dazwischenschaltete und sie aus ihrem Trott riss. Einem Trott, den Ember nicht wirklich missen würde. Dafür genoß sie viel zu sehr die Gesellschaft, die Unternehmung und die Freiheit, nicht ständig in Gedanken auf der Arbeit zu sein.
      Nun saß sie nah an ihrer Begleitung, die ihre Hand auf ihren Oberschenkel gestohlen hatte und dort von ihrer eigenen Hand begrüßt wurde. So hatte sie in ihrer sichtbaren Hand ihr Weinglas während die Finger unter dem Tisch über Ruairis Knöchel streichelten kaum wurde das Licht gedimmt und eine regelrechte Flut an jungen Damen ergossen sich auf die Bühne. Wer auch immer die Kostüme konzipiert hatte, verdiente eine Auszeichnung, denn die wahnwitzigen Details sah man tatsächlich erst von Nahem. Da die Beiden praktisch direkt an der Bühne saßen, durfte Ember zur Gänze ihr Auge fürs Detail befriedigen und bei jeder weiteren Tänzerin ein kleines anderes Detail erkennen. Bis sich Ember schließlich nicht mehr sicher war, ob es wirklich allesamt Frauen waren. Im Endeffekt war das auch völlig egal, denn die Atmosspähre hatte den Saal bereits in Brand gesetzt.
      Das Schöne am Burlesque war nicht die Tatsache von nackten Menschen, sondern die Kust hinter dem Loswerden von Kleidungsstücken. War das Publikum nicht richtig bei der Sache, bekam es auch keine fliegenden Kleidungsstücke zu sehen. Und so applaudierten sie mit jedem Handschuh, jeder Schleife, die reizvoll vom Kostüm gelöst und fallen gelassen wurden. Wohl oder übel sah sich Ember in dem gleichen Modus und versuchte auf den Takt der Musik vorauszusagen, wann und wie das nächste Kleidungsstück zu Boden fallen würde.
      Dann warf sie einen Blick zu Ruairi, der sie ebenfalls gerade ansah.
      Unverholen grinste sie ihn an bevor sie ihre Lippen an seine Ohren brachte, da ihre Worte sonst von der Musik und dem Johlen der Gäste übertüncht werden würde.
      "Weißt du, wann du dran bist? Ich hoffe doch, dass dein Bruder dich nicht auch noch dazu zwingt, was auszuziehen. Das wär ganz schlecht für mein Herz", lachte sie ihm am Ende ins Ohr und lehnte sich zurück, um die Show weiterzuverfolgen.

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    • Ob Ember wusste, dass sie alle anderen überstrahlte?
      Alleine die kindliche Neugierde und Faszination, mit der sie die Tänzerinnen und Tänzer (zwischenzeitlich war ersichtlich, dass einige der Menschen auf der Bühne keine Damen waren) betrachtete, erhellte sein und schon bald sah er sich gänzlich gefangen von einem Seitenblick zu ihr. Als würde sie sein Augenlicht regelrecht fesseln, starrte er wieder und wieder zu ihr und schaffte s nur aufgrund seiner bemerkenswerten Reflexe (keine Selbstherrlichkeit an diesem Ort), an den richtigen Stellen zu klatschen.
      "Ich hoffe es auch nicht. Ich brauche dein Herz noch voll funktionstüchtig", grinste er sie an und applaudierte, als die Damen udn Herren ihren Tanz beendeten.
      Der erste Akt des Abends neigte sich galant dem Ende entgegen, als der Vorgang spielerisch herabgelassen wurde und der letzte Tänzer einen galanten Knicks hinlegte, der ihn einsam auf der Bühne stehen ließ.
      Für den nächsten Akt wurde beinahe eine laszive, kalte Melodie eingespielt, die man zumindest kennen konnte. Der Song war immerhin die ganze Zeit in den Charts und selbst Ruiairi erkannte ihn an den ersten Takten. Passend, dachte er grinsend und griff wieder nach ihrem Oberschenkel, nur um sich ein Stück herüber zu beugen.
      "Du bist wunderschön", flüsterte er und grinste offen, ehe er sich der Bühne wieder zuwandte, die sich erneut öffnete.
      Neben einem Klavier stand nun eine groß gewachsene Frau auf der Bühne. Zumindest war dies der erste Eindruck. Nur anhand seiner Erfharung erkannte Ruairi seinen Bruder sofort, der in einem atemberaubenden roten Ballkleid auf der Bühne stand. Das dunkle Haar war in Locken gelegt worden und hing locker über seine recht breiten Schultern herab. Die Brust wurde durch eine entsprechende Latexprothese ersetzt, sodass man beinahe von echten Brüsten ausgehen konnte, wenn man sich denn der Fantasie ergab. Die schlanken Arme befanden sich in roten Samthandschuhen, die er theatralisch einzusetzen wusste.
      DIe Musik klang immer dichter durch, während das Klavier von einem schlaksigen jungen Mann besetzt wurde, der sogleich zarte Klänge in den oberen Tonhöhen anschlug.
      Logan, Pardon "Arya Viderci", wie es laut aus dem Publikum gröhlte, sonnte sich in dem brandenden Applaus seiner Person entsprechend und lächelte kokett in die Zuschauerschaft.
      "Willkommen, willkommen!"; rief Logan. "Bevor der Abend mit Tanz und Musik weitergeht, habe ich mich entschlossen, mir selbst die Ehre zu geben und Sie alle zu begrüßen. Und vielleicht werden wir es gemeinsam schaffen, meinen werten Bruder zu einem zweiten Song auf die Bühne zu holen, was meint ihr?"
      Tosender Applaus, obwohl niemand den Mann kannte, der neben Ember immer kleiner wurde und sich eine Hand vors Gesicht hielt.
      "Wollen wir beginnen...An einem Ort, wo selbst die ehrbarsten eurer Exemplare sich dem unheiligen Geist dieses Varietes ergeben...
      A lucky, lucky girl
      She got married to a boy like you
      She′d kick you out if she ever, ever knew
      'Bout all the - you tell me that you do

      Dirty, dirty boy
      You know everyone is talkin' on the scene
      I hear them whisperin′ ′bout the places that you've been
      And how you don′t know how to keep your business clean..."

      An dieser Stelle setzten Trompeten und weitere Saiteninstrumente ein um den Song zu unterstützen. Und Ruairi bemerkte, dass er selbst mitwippte.
      "Mummy don't know daddy′s getting hot
      At the body shop
      Doin' somethin′ unholy
      He's sat back while she's droppin′ it
      She be poppin′ it
      Yeah, she put it down slowly
      Oh-ee-oh-ee-oh, he left his kids at
      Ho-ee-oh-ee-ome so he can get that
      Mummy don't know daddy′s getting hot
      At the body shop
      Doin' somethin′ unholy..."

      Logan sang noch eine weitere Strophe wobei er allein diese Bühne einnahm und hier und dort kokett mit dem männlichen Publikum spielte. DIe Blicke, die der junge Mann feurig in die Zuschauerschaft warf, waren beinahe entflammbar, wenn man an den Zigarren zog. Die Männer wie Frauen hingen an den lippen des jungen Mannes mit der engelsgleichen und doch rauchigen Stimme, die so gar nicht wirklich nach einer Frau oder einem Mann klang. Man mochte gar nicht einschätzen, welche Tonhöhe dieser Zauberer noch beherrschte, während er sich Strophe für Strophe in neue Höhen balancierte.
      Als Logan den Song beendete und seine letzte Pose einnahm, brandete der Applaus erneut auf. Wellengleich zog er durch den Publikumsraum und brach sich an der schmalen Bühne, auf der Logan nunmehr einen leichten Knicks vollzog und mädchenhaft kicherte.
      "Alsdann meine Lieben", begann er und warf einen fangenden Blick zu Ruairi. "Wollen wir nun einmal schauen, ob mein Bruder herauf kommt? Meine Damen und Herren, oder eher: Ladies...Wenn ich vorstellen darf: Mein Bruder Ruairi, der ehemalige Sänger der Band "Calling Maria" ! Einen herzlichen Applaus..."
      Obgleich die Welle des Applauses recht groß war und hier und einige Pfiffe gellten, erhob sich Ruairi nur zögernd und unangenehm. Schweigsam streifte er sein Jackett ab und ließ darunter ein etwas zu eng sitzendes rotes Hemd blitzen. Er hätte das weitere anziehen sollen.
      Ruairi schluckte und sah ein letztes Mal zu Ember...
      "Wirklich?", fragte er grinsend.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Ember warf Ruairi einen Seitenblick zurück zu. Natürlich brauchte er ihr voll funktionsfähiges Herz noch. Was wollte man auch mit einem zerpflückten, kalten Organ, das sich für niemanden mehr zu erwärmen wagte? Doch sie sagte nichts drauf, löste ihren Blick von dem Mann an ihrer Seite und ehrte auch den letzten Tänzer mit ihrer Aufmerksamkeit ehe sich der Vorhang schloss und der erste Akt damit beendet war.
      Der nächste wurde zunächst mit einer Melodie eingeleitet, die unschwer zu erkennen war. Ember musste sich geschlagen geben, mit kurz geschlossenen Augen kurz auflachen ehe sie eine Hand an ihrem Oberschenkel spürte. Logan spielte scheinbar ein abgekartetes Spiel und wenn es so weiterging, dann würden sie wirklich den Rest der Show miterleben. Ergo riss sich die Ermittlerin so gut es ging zusammen, machte gute Miene zum bösen Spiel und kam Ruairi ein wenig entgegen, als er ihr einen simplen Satz ins Ohr flüsterte. Hätte sich dieser verdammte Vorhang nicht geöffnet und somit verhindert, dass Ruairi sie noch eine Sekunde länger ansah, wäre sie über ihn hergefallen. Hätte ihn wie schon am Auto ausgemalt am Revers gepackt, in einen flammenden Kuss verwickelt und ihn dazu genötigt, sie jetzt auf der Stelle aus dem Saal zu tragen, damit sie es mit etwas Glück noch bis in seinen Wagen schafften.
      Leider waren es alles nur Konjunktive.
      Etwas angefressen richtete Ember den Blick auf die Bühne und bekam riesige Augen. Am Klavier stand eine Person in einem unwerfenden Ballkleid und wenn sie nicht vorher gewusst hätte, dass es Logans Persona sein musste, wäre sie nun vom Glauben abgefallen. Seine Verwandlung war perfekt, machte einen völlig anderen Menschen aus ihm, der ihm jedoch nicht weniger gut stand. Sofort hatte sie das Gefühl, eine Facette des jungen Mannes zu sehen, der so viel mehr als nur einen Teil seiner Selbst ausmachte. Insbesondere als er anfing zu reden war das Bild abstruser Weise komplett.
      Ember kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus, sah allerdings zu ihrer Belustigung, dass Ruairi sich die Hand vors Gesicht hielt. Lachend langte sie nach seiner Hand und zog sie weg. Tadelnd schüttelte sie den Kopf und nickte zu seinem Bruder hinüber, von dem Ruairi nicht zu viel versprochen hatte.
      "Sam Smith kann ja einpacken, wenn das hier viral geht", lachte sie immer noch und beruhigte sich erst nach einem Schluck Rosé wieder ein bisschen.
      Schlussendlich reihte sich Ember in diejenigen der ambitionierten Applaudierer ein und freute sich, dass sie das hier nicht verpasst hatte. Vergessen war der Zweifel, ob das eine gute Idee war oder Dooley, der sich garantiert nach dieser Performance an Logan rangeschmissen hätte.
      Dann bewegte sich der Travestiekünstler näher an den Rand der Bühne bis er seinen Blick auf Ruairi richtete. Jetzt war also sein Moment gekommen, zu dem Ember ihn genötigt hatte. Unter dem Applaus und einigen Pfiffen erhob er sich an ihrer Seite und trennte sich von seinem Jackett, das er über die Stuhllehne hängte und ein schmackhaft sitzendes Hemd in seiner Gänze offenbarte. Prompt griff Ember nach ihrem Weinglas, um ihre Finger anderweitig beschäftigt zu halten und nicht nach ihrer Begleitung zu greifen. Sattdessen lehnte sie sich augenscheinlich entspannt zurück und überschlug die Beine während sie ihm einen mehrdeutigen Blick zuwarf. Hoffentlich war er einfach so sehr aus der Übung, dass sie ihn nicht wirklich nach seinem Auftritt von der Bühne klaubte und entführte.
      "Ja, wirklich", grinste sie und deutete mit der flachen, geöffneten Hand zu seinem Bruder auf der Bühne, "du wolltest doch deine Belohnung haben oder nicht? Kneifen geht jetzt nach den Pfiffen nicht mehr!"

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Warum auch immer sich Ruairi so sicher war, er wusste einfach, dass Ember nicht nur die schönste im Raum sondern gleichsam auch diejenige war, mit der er intim werden wollte, sofern sie sich ihm an den Hals schmiss.
      Dies mochte als sexuelle Feststellung reichen, aber wer Ruairi kannte wusste, dass er sich nicht blindlings zu anderen Frauen hingezogen fühlte. Sie waren durchaus ästhetische Wesen und er wusste auch, dass Jules, die Kellnerin, ein Auge auf ihn geworfen hatte (und ihm auch jetzt zujubelte, als er sich langsam erhob). Aber sein Blick lag auf einer Person im Raum, welche die komplette Energie zu vereinnahmen schien.
      Kopfschüttelnd lächelnd ging er unter dem Anstandsapplaus der Menge auf die Bühne hinauf, nachdem er die schmale Treppe unfallfrei hinter sich gebracht hatte. Auf der Bühne selbst erwartete ihn sein Bruder oder eher Arya mit einem Lächeln und einem ausgebreiteten Arm, der sich ihm entgegen reckte. Die Dielen gaben leicht unter seinem schweren Schritt nach, während er die Hand ergriff und seinen Bruder kurz, aber innig umarmte. Erstaunlicherweise wurde das Lächeln von Logan so breit, als er Embers Blick begegnete, dass man meinen konnte, sein Makeup bröselte herunter.
      Sachte nickend wandte er sich wieder dem Publikum zu, während ein Bühnenhelfer (ein attraktiver, halbnackter Mann mit Ledergürtelanzug) der Frau in Rot eine ebenso blutrote Gitarre in die Hand drückte. Viele Schichten schlecht geschmierten Lacks konnten die Gebrauchsspuren nicht übertünchen, die die Gitarre als "Betty" auswiesen. Die erste Gitarre, die Logan jemals erhalten hatte. Ein ebenso eleganter, wie pragmatischer kleiner Hocker wurde heran getragen, sodass Logan grazil darauf Platz nehmen konnte.
      Eine kurze Absprache der Brüder später und Ruairi stellte sich, sichtlich nervös und leicht schwitzend, an das Mikrofon, das für ihn aufgestellt worden war.
      Als die ersten Töne des Liedes erklangen, dass der beinahe augenblicklich erkannte, wandte Ruairi den Kopf zu ihm herum. Logan grinste und neigte seinen Kopf zum Mikrofon.
      "Als ich meine Trennung vor ein paar Jahren durchlebte, hat mir dieser Song geholfen. Und ich weiß, dass mein Bruder ihn nicht wirklich mag, weil es ihn an mein weinendes Gesicht erinnert. Könnt ihr euch das vorstellen, ihr Herzchen? Jedenfalls habe ich mir gedacht, ich spiele ihn noch einmal zum Gedenken an den Tag, als wir ihn das erste Mal in meiner Wohnung vor einigen Jahren gemeinsam spielten. Someone you loved, Ladies!"
      DIe Klänge der Gitarre wurden lauter und Ruairi zwinkerte Ember kurz zu, ehe er durchatmete und die Musik fließen ließ. Bereits seit jeher war es sein Bühnenritual sozusagen, die Worte und die Klänge fließen zu lassen. Als er den Mund öffnete, erklang seine Stimme voller und tiefer als jemals zuvor, da er endlich mehr Luft hindurch ließ. Dennoch: Sie war rau und eingerostet, weshalb es ihm schwer fiel, bei Stimme zu bleiben...Und doch. Auch wenn der Refrain durchaus passabel gesungen erschien und selbst Logan ein Tränchen vergoss während er die Klänge auf der Gitarre anschlug und mit ihm sang, ließ sich eine schwere Rauheit nicht aus seinem Hals verbergen. Es war wohl zu lange her.
      DIe Stimmen der beiden Brüder bildeten dennoch eine wundersame Harmonie zwischen einander. Logan mit seiner federleichten Tenorstimme, die mühelos in die Kopfstimme reichte und Ruairi, der den Bass zur Fülle ausnutzte, wirkten wie füreinander gemacht. Das Publikum indes, vormals zu frenetischem Klatschen angehalten, verharrte still und leise beieinander, denn etwas stimmte nicht. DIe beiden Stimmen passten nicht zueinander und doch wirkten sie wie eins. Wie Sirenengesang, der gleichsam erschreckend schön sein konnte.
      Erst nach Abschluss des Liedes trat Ruairi von dem Mikro zurück und sekundenlang herrschte eine gespenstige Stille im Raum. Erst danach und peu a peu begann die Meute zu klatschen, während Ruairi von der Bühne verabschiedet wurde.
      "Nun denn, meine Freunde!", rief Logan lachend und trat wieder vor. "Wir machen eine kleine Pause. Gönnt euch ein paar Getränke, feiert euch, während die heißen Damen euch ein wenig einheizen. Bis gleich!"
      MIt diesen Worten verschwand er hinter dem Vorhang und die lautsame Tanzmelodie spielte wieder auf. Noch waren keine Tänzer zu sehen, aber der Raum kam ins Leben zurück, während stetiges Gemurmel einsetzte.
      Als er sich neben Ember in den Sessel fallen ließ, sah er sie grinsend an. Die Röte des Auftritts noch im Gesicht geschrieben.
      "Sag mir bitte, ich habe mich nicht komplett blamiert. Und wenn du mich belügst", lachte er und kratzte sich an der Schläfe, ehe er nochmals dieselben Getränke bestellte.


      Spoiler anzeigen


      Akustische Beschreibung ;)

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Embers Grinsen bekam Risse, kaum hatte sich Ruairi von ihr abgewandt und war zu seinem Bruder auf die Bühne gewandert. Es lagen nun die Fingerspitzen beider Hände an dem kühlen Glasfuß ihres Weinglases während sie den Brüdern dabei zusah wie sie sich kurz drückten und vorbereiteten. Ganz kurz streifte ihr Blick Logans, der so unfassbar breit grinste, dass sie sich nicht sicher war, was sie gerade vollbracht hatte. Ob er sich einfach nur für seinen kleinen Bruder freute oder über die Tatsache, dass sie ihn dazu genötigt hatte, das Versprechen einzuhalten. Es spielte jedoch auch keine sonderliche Rolle.
      Ein Hocker fand seinen Platz auf der Bühne, eine recht mitgenommen aussehende Gitarre wanderte zu Logan, der daraufhin ein Lied anstimmte, das Ember nicht wirklich hatte kommen sehen. Das Lächeln verschwand zur Gänze aus ihrem Gesicht und traute sich selbst dann nicht zurück, als Ruairi ihr zuzwinkerte. Dafür war sie viel zu sehr davon gebannt, was sich kurz darauf für fast drei Minuten in dem Saal zutrug, dessen losgelöste Stimmung immer weiter verebbte, bis man nichts anderes außer der Musik und den Stimmen wahrnahm. Es wirkte im wahrsten Sinne des Wortes erschreckend schön.
      Selbst Ember brauchte nach dem Ende einen Moment ehe ihr auffiel, dass sie gefälligst auch zu klatschen hatte. Die Musik stimmte wieder eine lockerere Stimmung an als Ruairi zu seinem Platz zurückkehrte, empfangen von einer andächtig schmunzelnden Kollegin.
      "Also komplett blamieren würde ich das nicht nennen", sagte Ember, die sich kurz räuspern musste nachdem sie relativ lange geschwiegen hatte. Immerhin hatte sein Auftritt den gewünschten Effekt gehabt und sie daran gehindert, ihre Begleitung von der Bühne in seinen Wagen zu zerren. "Also für eine Schulband war das schon ganz ordentlich."
      Sie ließ ein wenig den Blick über die Bühne schweifen und sehnte sich ein wenig nach der losgelösten Stimmung von zuvor. Obwohl sie dankbar war, dass ihr Geist sich nicht ständig um dasselbe drehte, hatte sie eigentlich darauf gehofft, von Trennungsthemen und dergleichen verschont zu bleiben. Aber irgendwie schien es immer wieder den Bogen zu ihr zurückzufinden.
      "Wenn ich mir deinen Bruder so ansehe, scheint er seine Trennung aber ganz gut verkraftet zu haben. Er wirkt so herrlich losgelöst, zufrieden mit sich selbst. Du hättest mal sehen müssen, wie breit er mich vorhin angegrinst hat. Ich glaube, ich habe ihm mit dir einen Herzenswunsch erfüllt", lächelte Ember schließlich doch ein wenig, leerte ihr Glas und schob es ein Stück beiseite.

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