[2er RPG] Dusk & Dawn [Asuna & Nico]

    • Die kalte Nacht empfing sie beide mit grausiger Härte.
      Die Spitalfields waren dieser Tage gerade nachts nicht wirklich geheuer, weshalb sich Ruairi beinahe konsequent umsah, während er überlegte, wie dieser schöne Abend derart eskalieren konnte. Wenn er ein anderer wäre...Wenn er anders wäre, würde er sie aufhalten und sie bitten, zu bleiben. Er würde vielleicht sogar all seinen Charme, den er erst zusammenkratzen müsste, heraufbeschwören, um sich dagegen zu wappnen, dass sie ging.
      Aber nichts dergleichen geschah. Stattdessen lief er schweigsam neben ihr her und versenkte seine Hände in den Hosentaschen.
      Gemeinsam wanderten sie die schmale Seitenstraße hinab in Richtung der Hauptstraße, wo unweit noch das Ten Bells erkennbar war. Der Ort, wo das alles begonnen hatte.
      Während sie sprach, vergaß Ruairi seine eigene Wachsamkeit und sah sie beinahe unentwegt an. Und subtrahierte man die sieben Stolperer, die dadurch geschahen oder die LAterne, der er in letzter Sekunde auswich, konnte man nicht mehr von einer Nebenwirkung seiner Magie sprechen.
      "Das ist schrecklich", murmelte er nach Abschluss ihres Berichts. "Tut mir Leid zu hören, dass SIe derlei Avancen ertragen mussten. Hören Sie, ich verstehe, warum SIe vorsichtig sind. Ich wäre es an Ihrer Stelle auch. Wir kennen uns wie lange? 3 Tage? Ich würde es genauso halten und Sie nicht bedrängen wollen."
      Er lächelte schlussendlich wieder und gemeinsam wanderten sie in Richtung der Haltestelle, dem dräuenden Ende des Abends entgegen.
      "Sie haben sich bei Miller mehr als richtig verhalten. Solche Arschlöcher verdienen es, dass man ihnen die Eier abschneidet und sie zu den Fischen bläst!"
      Unbemerkt war er in den schottischen Dialekt seiner Heimat verfallen und erstaunte ich selbst damit.
      "Haben Sie diese GEschichten den Kollegen jemals erzählt?"

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      Hallo liebe Mitleser/innen,

      wer seid ihr denn alle und wo seit ihr? :)

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    • "Ich war ja nicht die Einzige, die von Miller angegangen worden war. Nur die Einzige, die was sagte. Mir war egal, ob ich entlassen werden würde weil ich einen Vorgesetzten angezeigt habe. Allein die Vorstellung, wie viele andere nicht den Mund aufgemacht haben, war für mich nicht tragbar."
      Immer, wenn Ruairi stolperte, huschte Embers Blick zu ihm herüber, nun wissend, warum dies wirklich so war. Als er allerdings einmal fast gegen eine Laterne lief, wollte sie nach ihm greifen, doch da hatte er sich bereits selbst aus der Schussbahn manövriert.
      "Ich ordnete Sie nicht in die gleiche Schiene ein. Ganz und gar nicht." Sie schenkte ihm ein ernstgemeintes Lächeln. "Dafür haben Sie mir ein viel zu gutes Gefühl vermittelt."
      Als er sich an ihrer Stelle über Miller mukierte, kicherte sie ein klein wenig. Mit so einem Dialekt hatte sie ihn noch nicht gehört und musste zugeben, dass er so sich sogar noch eine Spur natürlicher anhörte, als er es ohnehin schon tat.
      "Sicher habe ich damals versucht, es klarzustellen. Irgendwann halten Sie die Blicke und die Kommentare nicht mehr aus, aber als Frischling stand man sowieso ganz unten auf der Hackordnung. Und da Miller sich gut mit so ziemlich allen anderen gestellt hatte, war absehbar, dass man mir kein Wort glaubte. Thema Emanzipation und so ein Scheiß. Aber wie gesagt, dass ist schon ewig her."
      Während ihrer Erzählung waren sie gemeinsam an der Haltestelle angekommen, an der Ember innehielt und einen Blick die Treppe hinunter warf. Anschließend richtete sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf Ruari und sah zu ihm auf.
      "Ich hoffe, Sie hatten genauso viel Spaß wie ich. Wenn man ein paar unglückliche Sätze einmal vergisst", lächelte sie ihm zu.
      Dann trat sie einen Schritt näher an ihn heran, streckte sich ein wenig um ihre Arme um ihn zu legen und sich mit einer Umarmung von ihm zu verabschieden.

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    • Ruairi hasste es.
      Er hasste die Momente wie diese, wenn einem fragliche Taten eines Kollegen offenbart wurden und er nichts dagegen tun konnte ausser seinem beileid und bekunden. Dieser idiot von Miller gehörte nicht nur lequidiert. Er gehörte selbst in eine solche Situation gebracht. Auge für Auge, in diesem Falle nur.
      Schweigsam hörte er ihren Ausführungen weiter zu und bekam weiter Zweifel an seinen Taten. Warum hatte er sie hinaus geworfen? Aus Angst? Vor einem guten Gespräch?
      Als Ember zu kichern begann, konnte er sich eines Lächelns nicht erwehren. Es klang schön, dieses zwanglose Lachen der Detective und innerlich ertappte er sich dabei, wie er bereits Möglichkeiten austüftelte, wie er sie erneut zum lachen bringen konnte.
      "Sie...Sie haben mir auch ein gutes Gefühl vermittelt, Ember..", murmelte er nachdem sie an der haltestelle angelangt waren.
      Beide stierten sie in den gähnenden Moloch der station und schienen beide nicht so recht zu wissen wie es weiter gehen sollte. Zumindest ging es Ruairi so.
      Er sah hinab zu den noch zahlreichen Menschen und hasste sich dafür, dass er erneut eine Gelegenheit in den Wind schoss. Logan hätte ihn vermutlich bereits geohrfeigt noch ehe er die worte von vorhin ausgesprochen hatte.
      Schweigsam ergab er sich in die Umarmung der Detektive und drückte sie vielleicjt ein wenig zu sehr an sich. Vielleicht auch ein wenig zu lang. Selbst als er sich über der schicklichen Zeitschwelle befand, ließ er sie nicht los. Erst als es wirllich merkwürdig zu werden schien, löste er sich von ihr, hielt sie aber doch am Ärmel fest.
      "Wissen Sie...", begann er und räusperte sich. "Ich bin wirklich nicht wie Miller. Und ich glaube ich könnte es nicht mit mir vereinbaren wenn ich Sie alleine gehen liesse. Also bitte...bitte bleiben Sie. Ich habe einen Supermarkt in der Nähe, der noch auf hat. Bitte sagen Sie mir, was Sie brauchen, aber gehen Sie nicht. Es war ein schöner Abend und ich möchte nicht, dass er bereits endet. Oder gar so."

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    • Man begann erst dann etwas zu vermissen wenn man bemerkte, wie wichtig es einem gewesen war bevor es entwendet wurde. Das schoss auch Ember durch den Kopf als Ruairi ihre Umarmung, die sie eigentlich nur ganz kurz halten wollte, erwiderte und seine Arme um sie schloss. Schon eine Sekunde später vermochte sie den Unterschied zu spüren. Natürlich war Ruairi MacAllister kein Familienangehöriger, wie Shawn es war. Diese Vertrautheit war schlichtweg nicht gegeben. Unweigerlich kam ihr August wieder in den Sinn, aber es gab nicht einen einzigen Moment, der sich mit dieser einfachen Umarmung vergleichen ließ. Das hier war warm und sanft. Eigenschaften, die sie schwerlich mit dem Arkana in Verbindungen bringen konnte. Ruairi sprach sie auf eine völlig andere Ebene an, weshalb sie sich nicht aus der Umarmung wand. Auch nicht, als er sie etwas fester an sich drückte und den Anschein erweckte, er wolle noch Minuten so vor der Station stehen bleiben. Nach einigen Sekunden gab sich Ember schließlich geschlagen und schloss kurz die Lider, um nicht mehr verloren in den nachtschwarzen Himmel über London zu starren. Von hier aus sah man sowieso keine Sterne.
      Dann kam ein Impuls von ihm, gab sie schließlich frei, sodass sie einen Schritt zurücktreten konnte, jedoch ihren Arm bewegt vorfand. Ein flüchtiger Blick zeigte ihr, dass er sie noch immer am Ärmel festhielt. Alles deutete darauf hin, dass sie beide einfach unfähig waren, die Situation adequat aufzulösen.
      "Waren Sie es nicht eben der noch behauptet hat, es sei so spät und ich sollte gehen?", fragte Ember mit großen Augen und einer an Kindlichkeit grenzender Naivität ehe sie bestimmt seine Finger von ihrem Ärmel löste und ihn sanft anlächelte. "Aber wenn Sie mir jetzt einfach erklären, dass wir gerade nur frische Luft schnappen waren und Sie mich gar nicht vor die Tür haben setzen wollen, könnte ich noch einmal drüber hinwegsehen."
      Ember kehrte der Treppe zur U-Bahn-Station den Rücken. Er war nicht Miller. Er war weder August noch sonst einer ihrer Exen. Über die Jahre hatte sie vergessen, dass es noch eine ordentliche Kennenlernphase gab, in der beide Parteien ihre Grenzen wahrten. Und so, wie ihr Gegenüber sie gerade angesehen hatte, die Bitte in seinen Augen aufleuchtend, war sie sich sicher, dass ihr konsequentes Misstrauen einmal vielleicht falsch angebracht war.
      "Dann zeigen Sie mir doch mal den Supermarkt. Ich wage zu beweifeln, dass Sie eine frische Zahnbürste auch noch auf Lager haben." Sie nickte in die Richtung, aus der sie gekommen waren. "Oder?"

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    • Ruairi grinste breit, als sie sich voneinander lösten und schaffte es nicht wirklich, das Grinsen abzuschütteln.
      Ihr Körper in seinen Armen hatte sich verletzlich angefühlt, beinahe verloren. Als wäre sie ein harmloses Mädchen und nicht gerade eine junge Detective, die einem Alptraumwesen mühelos ein Auge herausschoss und sich todesmutig mit Sharokh anlegte. Und wieso gefiel ihm diese aufmüpfige Art so?
      Vielleicht weil er selbst lange nicht so sein konnte.
      Er ließ seine Hände wieder in den Taschen verschwinden, nachdem sie diese von der Jacke gelöst hatte und seufzte.
      "Ja, habe ich. Ich wollte Grenzen wahren und Ihnen nicht zu nahe treten. Aber ich glaube, meine Mutter würde mich enterben, wenn sie wüsste, dass ich Sie einfach alleine habe nach Hause gehen lassen. Polizistin hin oder her."
      Ja, spiel es nur runter, dass du gerade mal einen hellen Moment hattest, du Idiot!, schalt er sich und drehte sich grinsend um, um ihr den Arm darzubieten, wie es überzogener nicht hätte sein können.
      "Aber selbstverständlich. Er ist gleich da vorne. Und auch wenn ich eine Ersatzzahnbürste habe, ist dieser seit dem Besuch meines verehrten Bruders nicht mehr zu trauen", murmelte er und kratzte sich an der Nase während sie in dieselbe Richtung zurück gingen.
      Vorbei an den tiefen Häuserschluchten der Hauptstraße von Whitechapel und schließlich wieder in die Spitalfields einbiegend, trafen sie an einer Ecke auf einen schmalen, kleinen Supermarkt.
      Mit einer einladenden Geste öffnete Ruairi die Tür und ließ Ember als erste eintreten. Er selbst rannte gegen die andere Glastür, ehe er mit einem schmerzenden Laut in den Raum trat.
      "Hey, was- Ah, Ruairi!", rief ein alter Mann aus dem hinteren Bereich des Ladens und kam an die Kasse gehumpelt. "Guten Abend, Miss!"
      "Hi Mr Caulson!", sagte Ruairi und winkte ihm zu.
      "Ist dir schon wieder der Zwieback ausgegangen? Oder ist es diesmal der Zucker?"
      Ruairi grinste verlegen und kratzte sich erneut an der Nase.
      "Also eigentlich suchen wir ein paar Hygieneartikel. Zahnbürsten und so weiter."
      "Ah, kein Problem! Weiter hinten im Laden, Liebes", dröhnte Caulson, dessen wollig wirkender Haarkranz vibrierte, wenn er sich bewegte. Das zahnlose Grinsen war ehrlich und wies den Weg in den hinteren Bereich.
      "Danke, Sir", murmelte Ruairi, während er sich ein verräterisches Zwinkern von Caulson einfing.
      Sachte trat er wieder an Embers Seite.
      "Netter Kerl", sagte er und wies mit dem Daumen auf Caulson. "Hat mich gleich hier Willkommen geheißen. Was brauchen Sie noch, geht alles auf mich!"
      Was für ein Honk du bist!, dachte er und schlug sich in gleicher Manier vor die Stirn.
      "Sorry, das war dumm."

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    • "Mhhh, Ihnen fällt Ihre Mutter jetzt ein? Wirklich?"
      Kaum hielt Ruairi Ember seinen Arm hin in einer absolut klischeehaft überzogenen Geste, harkte sie sich praktisch augenblicklich ein. Ganz kurz mussten sie ihre unterschiedlichen Größen dafür aneinander anpassen, dann zogen sie gemeinsam los.
      "Oh, oder was das einfach nur ein perfider Plan weil Sie hofften, mir nun wirklich ein bisschen näher zu kommen?"
      Endlich war ihre Tonlage wieder etwas unbefangener und lehrte wieder dorthin zurück, wo sie den Abend einst angefangen hatten. Nun war auch der Fall eingetreten, dass sie sich nicht mehr für das möglicherweise leicht debile wirkende Lächeln schämte, das sie nicht mehr von ihrem Gesicht gewischt bekam.
      Der Supermarkt war eher ein kleines Geschäft, gut eingepfercht zwischen den Häuserfronten auf einer Ecke. Ember nickte Ruairi kurz zu nachdem er ihr die Tür aufgehalten hatte, nur um anschließend gegen eine weitere Glastür zu laufen. Sofort wirbelte Ember auf dem Absatz herum, aber er versicherte ihr, das alles in Ordnung war.
      "N'abend", grüßte sie den alten Verkäufer, bei dem ihr Kollege offensichtlich schon Eindruck hinterlassen hatte, sodass sie nur leise zu sich selbst murmelte: "Warum Zwieback?..."
      Ohne weitere Regung strebte sie bereits die angedeutete Richtung an und hatte asbald Ruairi wieder an ihrer Seite. In aller Ruhe suchte sich die Detective durch die gut sortierten Reihen an Regalen bis sie schlussendlich eine Zahnbürste, eine kleine Tube Zahnpasta sowie eine Flasche Schampoo mit Vanilleduft in den Armen trug. Das absolute Sparpaket.
      "Glaube ich Ihnen beim Wort, dass der gute Mann eine freundliche Seele ist. Und nein, ist alles in Ordnung, ich kann meine Artikel auch selbst bezahlen. Ich bin schon groß, müssen Sie wissen. Auch wenn's nicht so aussieht."
      Sie zog wieder an Ruairi vorbei zur Kasse, wo sie ihre Artikel Caulson reichte und anschließend das nötige Kleingeld aus ihrer Handtasche fischte. Natürlich sah es sehr eindeutig aus, aber sollten die Menschen ruhig denken was sie wollten. Beeinflussen konnte sie es eh nicht, und wollte es auch gar nicht.

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    • Ruairi verkniff sich die ganze Zeit über ein Dauergrinsen, damit gerade Sallow ihn nicht für geistig minderbemittelt hielt. Immerhin grinste er schon den ganzen Abend wie eine besoffene Robbe in Grönland und wusste nicht einmal wieso. Vielleicht aufgrund des Gesprächs, vielleicht aber aufgrund anderer Tatsachen.
      Er nahm sich vor, bereits morgen oder übermorgen bei seinem Bruder vorbei zu schauen, damit dieser seine Gefühle las. Nur so wurde er daraus schlau.
      Auch wenn er erst spät reagierte, sah er ihr bei der Auswahl der Utensilien lebhaft zu und betrachtete sie wie einen Schatz, der sich bewegen konnte.
      "Wie Sie möchten", seufzte er grinsend und zuckte die Achseln. "Davon ab: Wenn ich einen perfiden Plan ausheckte, um Ihnen nahe zu sein, müssen Sie mir ehrlich sagen: Hatte er Erfolg?"
      Nachdem sie gezahlt hatten, fing er sich noch ein weiteres Zwinkern von Caulson und schüttelte den Kopf, als sie den Laden verließen.
      "Ja,...Eine Seele von Mann und ein lächerlicher Kuppler", lachte Ruairi und schpüttelte den Kopf. "Ich habe an meinem ersten Abend in der Stadt hier Zwieback eingekauft. Ich hatte Hunger und mir ging das Bargeld aus. Also habe ich behauptet, ich benötige den Zwieback für mein Muskeltraining. Was soll ich sagen. Es war glatt gelogen und Mr Caulson hat mich sofort durchschaut. Seitdem quatschen wir regelmäßig."
      Gemeinsam schlenderten sie den Weg zurück und irgendwie erschien es ihm, als würde der Weg kürzer und kürzer. Und es freute Ruairi, dass dem so war.
      Grinsend genoß er das Gefühl ihres Armes in seinem und wäre nicht im Hauch einer Sekunde darauf gekommen, dies auszunutzen. Alleine das Gefühl von Haut auf seiner, von Gewicht in seinem Arm, etwas Lebendigem an ihm machte ihn so glücklich, dass er jubilieren wollte.
      Als sie seine bescheidene Behausung wieder erreichten schob er zitternd den Schlüssel ins Schloss und öffnete die Tür.
      Es dauerte keine Sekunden, da hatte er sie hinein bugsiert, die Tür zugeschmissen und seine Schuhe beinahe quer durch den Raum getreten.
      "Machen Sie es sich bequem! Das Bad ist oben! Ich bereite das Bett und dann beziehe ich mein Bett. Fühlen Sie sich wie Zuhause, ich...Welche Treppe...Achja!"
      Es gab nur eine Treppe.
      Eilig hastete er nach oben um das Bett entsprechend zu bereiten, damit sie es über Nacht bequem hatte. Ein prüfender Blick glitt sogleich ins Bad, wo er jedoch feststellte, dass alles ordnungsgemäß an Ort und Stelle und sauber war. Gott sei Dank hatte er wenigstens daran gedacht.

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    • Ember wartete mit einer Antwort bis sie den kleinen Supermarkt wieder verlassen hatten. Caulson hatte ihre wenigen Teile in eine kleine Plastiktüte gesteckt und ihr gereicht, sodass sie draußen ihren freien Arm wieder bei Ruairi einharken konnte. Erst als sie wieder auf dem Weg waren ging sie auf seine Frage ein.
      "Beantworten Sie sich die Frage doch selbst? Immerhin haben Sie mich länger als es für eine Verabschiedung üblich wäre festgehalten. Ich glaube, näher waren wir uns den gesamten Abend über nicht ein einziges Mal. Also ja, würde ich an Ihrer Stelle als Erfolg werten."
      Über die Story mit dem Zwieback musste sie schmunzeln. Es erinnerte sie hart an ihre Anfangszeit, wobei es in ihrem Falle eher die einfache Packung Nudeln war. Einfache Nudeln mit dem billigsten Ketchup, den sie hatte auftreiben können.
      Während sie so ihren Weg bestritten entging ihr nicht, wie sich Ruairis Gang ein wenig änderte und federnder wurde. Ein Zeichen für Glückseligkeit, das sie unkommentiert ließ.
      "Ich habe schon öfter den Eindruck bekommen, dass gerade die kleinen ansässigen Verkäufer hier allesamt gute Seelen sind. In der Nähe meiner Wohnung gibt es ein kleines Restaurant, das ich eine ganze Zeit lang aufgesucht hatte, als ich hier angefangen hatte. Ich habe mich mit den Besitzern dort angefreundet und sind ebenfalls einfach wunderbare Leute", erzählte Ember und fühlte prompt ein wenig Reue wenn sie so darüber nachdachte, wann sie sich das letzte Mal bei Tarah gemeldet hatte. Auch das lag schon viel zu lange zurück.
      Gefühlt im nächsten Augenblick standen sie schon wieder vor der Hausfassade mit der glänzenden Hausnummer. Ein wenig irritiert ging ihr Blick gen schwarzen Himmel während sie sich fragte, wann sie denn das Zeitgefühl komplett verlassen hatte. So entging ihr, wie der schlacksige Mann mit zittrigen Händen die Tür aufschloss und Ember ein weiteres Mal in seine Wohnung bat.
      Unweigerlich zuckte sie ein wenig zusammen als die Tür hinter ihr lautstark ins Schloss fiel und Ruairi vergleichbar mit einem kleinen Wirbelwind sich von seinen Schuhen unlängst getrennt hatte und durch seine eigene Wohnung fegte. Ember gluckste leise, ein Geräusch, das sie nur selten machte, als sie sich zum zweiten Mal die eigenen Schuhe von den Füßen streifte und die Jacke wieder dorthin hing, wo sie vor etlichen Minuten noch gehangen hatte. Die Tüte knisterte noch in ihrer Hand, da sah sie gerade noch, wie Ruairi drei Stufen auf einmal nahm und die Treppe nach oben hastete.
      "Es bringt übrigens niemanden etwas, wenn Sie sich sämtliche Gräten brechen in dem Versuch, die Treppe genauso schnell wieder runter zu kommen", rief sie amüsiert nach oben. "Außerdem wirken Sie jetzt gerade wie ein Teenager, der das erste Mal jemanden zur Übernachtung da hat."
      Nicht, dass sie es ihm vorwerfen würde. Dafür ergötzte sie sich gerade viel zu sehr an seiner kindlichen Freude, die sie einfach ein Stück mitriss. Stattdessen folgte sie ihm in einem deutlich ruhigeren Tempo über die Treppe nach oben, wo der Mann noch wie ein Derwisch umher peste. Ihr Blick fiel umgehend auf das nun geordnete Bett, nur um dann den Geräuschen aus einem anderen Zimmer zu folgen. Mit der Tüte in der Hand folgte sie dem Geräusch und wäre fast in Ruairi gerannt, der schon wieder um die Ecke kam.
      Das Grinsen noch immer im Gesicht schüttelte sie leicht den Kopf und nickte nach hinten zur Treppe. "Ich deponier dann mal meinen Kleinkram und Sie organisieren noch was zum Trinken, okay? Nur nichts mehr von diesem Whiskey, wenn's geht..."
      Anschließend stellte sie ihre Mitbringsel auf das weiße Porzellanwaschbecken, das in einem schönen Kontrast zur dunkelgrauen Fliesung des Bades stand. Hinter der fast ebenerdigen Eckdusche war die Wand mit dunkleren Hölzern geschmackvoll verkleidet und zeigte nicht einen einzigen Kalkfleck. Gedankenverloren summte sie kurz eine willkürliche Melodie bevor sie sich wieder auf den Weg ins Erdgeschoss machte.

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    • Ruairi ließ sich von seiner Unruhe nicht wirklich abbringen.
      Neben der Tatsache, dass er wirklich nicht viel Besuch empfing, hatte er mehr die Angst, dass man sich nicht wohl fühlte. Ein grausiges Erbe seiner Mutter und Schwester, die sich in seinen Wohnungen zumeist eher wie Parasiten aufführten und den Ort des Geschehens verließen, wenn es nichts zu holen gab. Doch jetzt stand eine junge, gut aussehende Kollegin in seinen Wänden und Ruairi hatte das Gefühl, den Boden scheuern zu müssen, während er einem Derwisch gleich durch das obere Stockwerk hauste.
      „Wirklich, ein Restaurant?“, fragte er in seinen Kreisen und steckte den Kopf aus der Tür. „Ist es gut? Wo leben Sie eigentlich?“
      Aber grundsätzlich hatte Ember Recht. Es brachte ihm nichts wenn er sich ins Krankenhaus beförderte, während er eigentlich eine Freude erlebte, die er so noch nicht kannte.
      Während er beinahe in sie hinein rannte, und es gerade so schaffte, ihr auszuweichen, musste er lachen.
      „Sie haben wohl Recht, ja“, nickte er. „Ihr Wunsch ist mir Befehl, Madame. Das Bett gehört übrigens Ihnen, ich nehme das Sofa.“
      Seine Iren begannen in just diesem Moment zu leuchten, als sie im Bad verschwinden wollte. Mit einem beinahe zufriedenen Glucksen wurde der Boden genau unter ihm erst flüssig, sodass er einsank und schlussendlich durchlässig, sodass er nach unten durchrutschte und mitten im Wohnzimmer wieder zum Stehen kam.
      Von da aus begab sich der Zauberer zu dem Kühlschrank und stierte nach einem kurzen Stoßgebet hinein. Und tatsächlich fand er neben kaltem Bier auch Utensilien wie Wasser oder Cola. Immerhin mochte er diesen Süßkram recht gerne.
      Er nahm gerade eine kleine Auswahl auf dem Arm, als Ember wieder den Weg ins Erdgeschoss bestritt. Und er zumindest noch die Ausläufer eines Summens hören konnte. Grinsend sah er sie an, nachdem er alles auf dem Tisch drapiert hatte.
      „Sie summen sehr schön“, sagte er und machte sich auf den Weg, zwei Gläser zu holen. „Ich wusste nicht, was Sie wollten, daher habe ich einfach alles mitgebracht.“

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    • "Also ich persönlich finde es sehr gut. Das Colbeh in der Nähe vom Hyde Park. Sie haben mittlerweile auf persische Küche umgestellt, aber wenn man liebt fragt, macht Tarah auch noch traditionelle afrikanische Küche. Jeder der fragt bekommt von mir den Hinweis, dass sie Couscous in ein reinstes Wunderwerk verwandeln kann."
      Ember hatte mit ihrer Antwort begonnen, da ging sie gerade noch die Treppe in Ruhe hinunter. Ruairi drapierte gerade noch eine Flasche Wasser und Cola und strahlte sie förmlich an.
      "Marylebone. In einer unspektakulären Wohnung, die so viel Persönlichkeit hat wie ein Krankenhauszimmer", antwortete Ember und folgte gerade noch so dem Caster mit den Augen, der schon wieder in die Küche verschwunden war, um Gläser zu organisieren. "Ich hab noch niemanden getroffen, der nicht schön summen kann. Kann man das überhaupt?"
      Indes hatte sie sich wieder auf der Couch niedergelassen und die Colaflasche zu sich geholt. Sie schraubte die Flasche auf und bedachte Ruairi mit einem fragenden Blick, als dieser mit zwei Gläsern zurückgekommen war.
      "Sind Sie eigentlich eher der Langschläfer oder Frühaufsteher? Nicht, dass ich morgen früh hier schon Chaos veranstalte während Sie Morgens noch gar nicht zu ertragen sind."
      Höchstwahrscheinlich würde sie eher wach sein als er. Sie schlief sowieso schon relativ schlecht und war vor ihrem ersten Kaffee fast unausstehlich, aber in fremder Umgebung lange zu schlafen ließ ihr Unterbewusstsein schlicht und einfach nicht zu.
      "Und was genau hat Sie nun eigentlich geritten, mich doch noch vor der U-Bahn wieder zurückzuholen? Sie sahen ziemlich... entschlossen aus als Sie mich zur Station brachten. Sagen Sie mir nicht, Sie haben wirklich Sorge gehabt, man könnte mich entführen", grinste sie ihn an während sie sein Glas zu ihm hinüberschob und selbst an ihrer Cola nippte.

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    • Ruairi ließ sich nach dem Gläserholen schwerfällig auf dem Sofa neben Ember nieder. Unauffällig verringerte er die Distanz dabei erneut ohne dabei aufdringlich zu werden. Aber irgendetwas zog ihn zu dieser Frau. Es war nicht mal ein sexueller Trieb, der ihn antrieb, sondern vielmehr die Aussicht auf Wärme und Nähe. So stumpf es auch klang. Aber er vermisste die Nähe eines MEnschen zu sich.
      Er nahm sein Glas mit dem süßen Softdring und strahlte regelrecht als er einen gewaltigen Schluck nahm.
      "Das Restaurant klingt doch sehr gut. Ich habe noch nie afrikanische Küche gegessen...Vielleicht sollte ich es mal ausprobieren", überlegte er laut. Sie scheinen Tarah gut zu kennen, oder? Zum einen nennen Sie die Köchin des Hauses beim Vornamen und es schwingt etwas mit..."
      Er zog die Augenbrauen hoch und nickte weiter.
      "Marylebone. Na, ich glaube, es ist halb so schlimm. Und jeder hat seinen Stil. Bei meinem Bruder zum Beispiel sieht es ausn wie in einem Puppenhaus", lachte er, während er sein Glas in der Hand drehte und sie stumm von der Seite betrachtete. Auch hier war er darauf bedacht, nicht allzu sehr zu starren. Aber wie hätte man die Bitte, die sich in seinem Kopf regte, formulieren können? Ohne wie ein Triebtäter zu wirken?
      "Ich bin Frühaufsteher", nickte er und leerte sein Glas. Sein Hals fühlte sich merkwürdig trocken an. "SIe können also so viel Chaos veranstalten wie Sie möchten. Ich lasse Ihnen auch gerne Ihren Freiraum, wenn Sie morgens lieber etwas für sich sind."
      Auf ihre letzte Frage hin errötete er leicht und zog die Flasche wieder an sich um ein weiteres Glas zu füllen.
      "Ich...", begann er und zuckte die Achseln, wobei er beinahe die Flasche verlor. "Ich fand es einfach nicht richtig und...Und ich wollte es einfach nicht. Der Abend war so schön und ihn so enden zu lassen fühlte sich für mich unerträglich an. Ich woltle lieber ein..."
      Er sah mit einer Vehemenz zu ihr die ihn selbst überraschte.
      "...ein schöneres Ende. Warum sind Sie mitgekommen?"

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    • Die einzige, optisch wahrnehmbare Reaktion seitens Ember war ein Seitenblick, als sich Ruairi neben ihr auf der Couch niederließ. Bevor sie gegangen worden war saßen sie sich mehr oder minder gegenüber, nicht einmal in Griffweite. Auch im Ten Bells war eine gewisse Distanz gewahrt worden, die erstmals ins Wanken geraten war, als sie auf den Weg in seine Wohnung gewesen waren. Komplett negiert hatte allerdings Ember sie vor der U-Bahn-Station und fragte sich umgehend, ob sie dem Mann dadurch einschlägige Signale gesendet hatte, die sie gar nicht so offen hatte kommunizieren wollte.
      "Sie bekommen hier ja genrell vieles aus der indischen Küche. An die Schärfe kommt die afrikanische natürlich nicht heran, aber sie bereiten bestimmte Wurzeln und Getreide völlig anders zu. Benutzen andere Gewürze in anderer Dosierung. Ein Versuch ist es alle Male wert, wie ich finde. Ich habe das Colbeh und Tarah in meiner Anfangszeit hier gefunden und mich schnell mit ihr angefreundet. Nun zählt sie zu den wenigen guten Freunden, die ich hier habe. Sie hat eine wundervolle kleine Tochter", erzählte Ember weiterhin und verlor sich einen Moment lang in einem abwesend wirkenden Lächeln, als sie an das kleine Mädchen dachte.
      Da fiel ihr auf, dass Ruairi sein Glas bereits geleert hatte während sie selbst vielleicht mal ein Viertel des Inhaltes ihres eigenen Glases getrunken hatte. Unweigerlich runzelte sie leicht die Stirn. Entweder er hatte wirklich unaussprechlichen Brand oder er war nervös. Beides war angesichts des widerlichen Whiskeys und der Situation denkbar. Folglich sah sie ihm stumm dabei zu, wie er flapsig die Colaflasche zu sich zog, um sich nachzufüllen. Die gerunzelte Stirn glättete sich jedoch als sie sah, dass der Mann im wahrsten Sinne des Wortes Farbe bekannte. Tatsächlich richtete sich die Detective ein Stückchen gerade auf, als er sie mit einer solchen Vehemenz ansah, dass sie selbst nicht wusste, warum.
      "Nicht richtig? Ich meine, Sie haben auf die Uhr geschaut und nicht ich. Wobei ich zugeben muss, dass der letzte Wortwechsel hier nicht unbedingt der Beste war, aber die Verabschiedung vor der U-Bahn war doch makellos?", fragte Ember mit einer Prise Verwunderung in der Stimme während sie dabei zusah, wie Ruairi sie förmlich niederstarrte. "Wo wir beim eigentlichen Thema wären."
      Sie brach den Blickkontakt, um ihr Glas zur Seite auf den Tisch zu stellen und sich ein wenig seitlich zu drehen bis sie Ruairi frontal gegenübersaß. Ein Bein hatte sie unter ihren Körper gezogen und saß halb auf ihrem Fuß während sie den Caster musterte.
      "Ursprünglich dachte ich, es sei einfach nur generelles Interesse an mir, weshalb Sie einen Grund erfanden, um mit mir aus dem PD zu fahren. Wieso sie manchmal im Flur stehen geblieben sind und überlegt haben, ob Sie einmal kurz bei mir im Büro reinschauen sollten oder nicht. Ach kommen Sie, schauen Sie nicht so, als wäre das ein Geheimnis gewesen. Aber Sie haben keinerlei Avancen gemacht, seitdem wir in Ihrer Wohnung waren. Und dann kam die Haltestelle."
      Eine kleine Pause entstand als sie ihrem Gegenüber etwas Zeit einräumte, um etwas durch seine Mimik zu verraten.
      "Ich wollte mich eigentlich nur von Ihnen verabschieden, aber Sie haben mich ungewöhnlich fest und lange an sich gehalten. Das war nicht nur weil ich Ihr Interesse geweckt habe, richtig? Deswegen bin ich mitgegangen. Nennen Sie es inneres Gespür. Irgendetwas beschäftigt Sie darüber hinaus, ich weiß nur nicht, was es ist."

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    • Ruairi sah sie an, während sie von Tarah, ihrer Tochter und dem Restaurant erzählte und lehnte sich dabei leicht zurück.
      "Sie mögen die beiden sehr, nicht wahr?", fragte er grinsend und erneut kamen die kleinen Lachfalten um seine Augen zum Vorschein, die er sonst sorgsam versteckte. "Es ist gut, Menschen zu haben, die einen lieben und mögen. Ich finde, das festigt jeden in seinem Bestreben, der oder die Bestmögliche zu sein, finden Sie nicht auch? Bei Ihnen ist es Tarah und ihre wunderabre Tochter und bei mir ist es Logan und Siobhan. Sonst habe ich nicht viele Freunde schätze ich."
      Er sah erst wieder von seinem Glas auf, als sich Ember regelrecht versteifte und ihn mit etwas konfrontierte, dass er nicht erwartete. Da war es wieder. Die unschlagbare Defensive der Frau Detective. Das Gespür, das einen niemals trügte, nicht wahr?
      Sorgsam und ernst richtete er den Blick auf sie und ließ das Lächeln langsam verblassen, ehe er das Glas wieder absetzte. Seine Finger zogen noch Buchstaben auf dem schwitzenden Glas und seufzend sah er sie an.
      "Wissen Sie...", begann er und faltete die Hände vor dem Knien. "Ich bin nicht gut darin, neue Menschen kennen zu lernen. Ja, Sie haben Recht, wenn Sie denken, dass ich Gründe erfand, um mit Ihnen Zeit zu verbringen. Oder manchmal einfach so ins Büro geschneit bin. Oder einen Kollegen absichtlich abgefangen habe, um Ihnen die Post zu bringen. Ich wäre dumm, wenn ich dies eine Lüge heiße."
      Er öffnete die Hände, nahm etwas Abstand von ihr auf dem Sofa und richtete sich so aus, dass ein Bein quer auf der Sitzfläche lag, während er sich seitlich and er Rückenlehne stützte.
      "Aber wissen Sie, Ember...Ich habe Sie lange umarmt, weil ich mich nach einer Nähe sehne, die mir keiner geben kann. Ich freue mich, wenn mich Menschen berühren. Denn auch wenn Sie richtig erkannt haben, dass viele Damen auf mich fliegen, berührt mich nur selten Jemand. Ich bin nicht auf Sex oder dergleichen aus, falls SIe das fürchten. Ich habe einfach nur Sehnsucht nach etwas Echtem. Wenn Sie - wie ich - nicht mal der Realität um Sie herum glauben können, erscheint selbst eine Umarmung als himmlisches Geschenk. Also nein...Es ist kein tieferes Geheimnis hier am Start noch irgendetwas vor dem Sie sich fürchten oder vorsehen müssten. Ich habe auf die Uhr gesehen und Sie wegschicken wollen, weil ich merkte, dass ich die Grenze verlor, die ich mir selbst gesetzt habe. Und ich mich danach gefragt habe, warum ich eigentlich ständig mein eigener Saboteur bin."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Die Lachfalten, die Ember so gern am Rande von Ruairis Augen sah, verblassten sekündlich bis sie schließlich in seinem restlichen Gesicht verschwanden. Ein wenig Reue lungerte in ihrem Blick weil sie wieder diese eine Sache anmerken musste, die fast garantiert dafür sorgte, dass die Atmosphäre sich wandelte. Also sah sie stumm dabei zu, wie er eine ähnliche Haltung einnahm wie sie selbst und sie sich nun gegenübersaßen, vielleicht anderthalb Armlängen voneinander entfernt.
      "Ich glaube, Sie sind besser darin Menschen kennenzulernen als Sie denken. Ihre Art, so wie sie sich seit Tag Eins im PD geben, öffnet Ihnen jegliche Türen. Ich habe noch nicht ein einziges Mal gehört, dass Sie im Revier von irgendjemanden nicht gemocht werden", eröffnete sie ihm kurzerhand.
      Bei seiner nun folgenden Erklärung veränderte sich wieder etwas im Raum. Ember merkte gar nicht, wie ihr vorher noch so entspannt wirkendes Gericht kaum merklich härter wurde. Wie sie unwissentlich die Lippen etwas schmälerte wenn man etwas Unschönes erzählt bekam und viel zu spät realisierte, dass man darauf hemmungslos getanzt hatte.
      "Sie missverstehen da nur eine Sache", brach Ember die im Anschluss entstandene Stille mit leiser Stimme und rutschte eine halbe Armlänge näher an Ruairi heran. "Weder fürchte ich etwas noch mache ich mir Sorgen. Weil ich bei Ihnen das Gefühl habe, es ist schlichtweg nicht angebracht. Mir kam nur gar nicht der Gedanke, dass Sie ja dieses verquerte Verhältnis zur Realität haben... Ich hab's vergessen..."
      Die letzten Worte murmelte sie schon fast ein wenig schuldbewusst, ehe sie sich ein wenig weiter zu ihm hinüber lehte und eine Hand leicht hob.
      "Darf ich?"
      Es bedurfte ein wenig weiterem Herumrutschen bis sie eine angenehme Entfernung zum Caster eingerichtet hatte. Nach seiner Erlaubnis hatte sie sich eine seiner Hände gefangen und sie nun zwischen ihre eigenen genommen. Nun lag ihre Hand auf ihrem Oberschenkel, darauf seine viel zu groß wirkende Pranke und abschließend ihre rechte Hand obenauf. Die Aufmerksamkeit der Detective lag einzig auf ihrem Konstrukt aus Händen während sie sich versuchte vorzustellen, wie es sein konnte, ständig an der Realität zu zweifeln.
      "Was für eine Grenze hatten Sie sich denn gesteckt?", fragte sie schließlich nach und begann mit ihren Fingerspitzen über Ruairis Handrücken zu streichen. "Ich finde, wir befinden uns immer noch in einer harmlosen Kennenlernphase ohne Überschreitung fragwürdiger Grenzen. Ich kann mir nicht vorstellen wie es ist, wenn meine Realität nicht die Ihre ist. Ist das ein spürbarer Unterschied, wenn man Sie so anfasst? Wir zeigt sich das?"

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ruairi blinzelte einen Moment überrascht, als sie ihren Satz sagte und das Grinsen fand stumm seinen Weg auf sein Gesicht zurück. Als ewiges Mahnmal seiner eigenen Schande, mochte man meinen. Denn auch wenn sie sicherlich mit ihren Beobachtungen nicht falsch lag, so war es doch nicht weniger weit von der Realität entfernt.
      "Das mag durchaus sein. Aber Sie haben schlichtweg nicht die Richtigen gefragt. Und nur gut darin zu sein, freundlich zu allen zu sein, macht einen Menschen nicht sicherer in dem was er tut. Ich schauspielere gut, Ember Sallow. Das habe ich immer", sagte er und nickte, wie um sich selbst zu bestiätigen.
      Dennoch entwickelte seine Tirade nicht den gewünschten Effekt, so konnte man denken. Erneut überraschte ihn diese Frau, diese Detective aus der Hinterhand, als habe man ihm einen Schlag aus dem Nichts versetzt und zum Sterben liegen gelassen.
      Als sie näher rutschte, konnte er sie fast berühren. Sie war so nah...So unendlich greifbar...
      "Es ist nicht angebracht", bestätigte er. "Wie können Sie etwas vergessen wenn Sie es nicht einmal wussten?"
      Das Lächeln war eine Sekunde da, ehe sie seine Hand nach einer Anfrage in ihre nahm.
      Die plötzliche Nähe zu dieser Frau ließ ihn noch mehr erröten und beinahe in Schweiß ausbrechen. Mit einem Mal erschien ihm die kalte Nacht draußen nicht mehr kalt und unangenehm. Stattdessen glitt einer wundersame, wunderbare Wärme durch seine Gliedmaßen, als belebe man einen alten Mechanismus aufs Neue. Sachte fühlte er ihre Handfläche und sah wie fasziniert auf ihre verschränkten Hände, ehe er leise ausatmete.
      Ob sie wusste wie es sich anfühlte?
      DAs wundersame Streicheln über seinen Handrücken? Es hätte ihm beinahe die Tränen in die Augen getrieben.
      "Befinden wir uns das?", fragte er mehr zu sich selbst und nickte anschließend. "Wir befinden uns dort. Es...Es ist sehr schwer zu erklären. So als wäre alles was Sie sehen, ein einziger Traum oder eine Spiegelseite. Sie wissen, es ist da und wie sich das Gefühl anfühlen sollte und doch ist es als greifen Sie in Wolkenkonstrukte. Ich fühle wenig, ich sehe viel zu viel. Alles um mich herum erscheint real und nicht real zugleich, als würde der Verstand Trugbilder aufbauen. Eine Weile habe ich selbst an Ihnen gezweifelt. Doch das..."
      Er drückte ihre Hand sanft in seiner und umschlang sie mit seinen Fingern.
      "Das spüre ich wie ein Leuchtfeuer in tiefster Nacht. Als würde man ein Feuer in mir zünden. Als würde warme Lava durch die Adern gepumpt. Denn Sie sind hier. Sie sind real."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Es war schon erstaunlich, wie die beiden Polizisten mit jedem Wortwechsel leiser, sanfter in ihrer Modulation der Worte geworden waren. Für Ember war dieser entfernte Kontakt ihrer Hände nichts weltbewegendes, nichts, weshalb sie sich besonders an- oder abgestoßen fühlen musste. Vielmehr versetzte es sie in einen Zustand der Ruhe während sie spürte, dass diese kleine Geste scheinbar unglaublich viel in Ruairi auslöste. Sie hatte nur einen flüchtigen Blick in sein Gesicht riskiert, nur um festzustellen, dass er nun deutlich sichtbar rot angelaufen war. Also konzentrierte sie sich auf ihre Hände und ihre gleichmäßige Atmung. Scheinbar hatte Ember Ruairi doch falsch eingeschätzt und er suchte nur deshalb ihre Nähe weil sie für ihn eine Form der Realität darstellte, die er sehnlichst misste.
      Und nicht, weil er etwaige romantische Gefühle für sie hegte.
      "Wieso sollte man an Menschen zweifeln?", fragte Ember leise und runzelte unweigerlich die Stirn. "Da fühle ich mich ja schon fast ein wenig beleidigt. Aber das muss ja furchtbar sein wenn man ständig auf unsicherem Boden geht. Kann man das nicht... ausstellen oder so? Wenn Sie doch wissen, wie sich bestimmte Dinge anfühlen müssten, dann muss es doch auch eine Zeit ohne dieser verschrobene Wahrnehmung gegeben haben."
      Kurz darauf verfiel sie in ein Schweigen, als sich seine Finger um ihre Hand schlangen und sie etwas drückte. Die Taten, gepaart mit seinen Worten verdeutlichten ihr, dass Ruairi auf der Suche nach einem Anker war. Etwas, das ihn in der Realität hielt wie sie alle sie kannten. Er einen Bezugspunkt brauchte, um seine Orientierung nicht zu verlieren.
      Doch dieser Bezugspunkt konnte jeder sein, der sich nur ein wenig Mühe dafür gab.
      "Wissen Sie, was mich dann brennend bei diesen Vergleichen interessieren würde?", fragte sie nach dem Moment des Schweigens fast schon unendlich leise. "Würden Sie genau das gleiche spüren, wenn jemand anders Sie so anfassen würde? Wenn Piper beispielsweise Ihre Hand so streicheln würde?"

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ruairi brauchte einen ganzen Moment lang, um sich aus der Umklammerung dieser Vorstellung zu befreien.
      Für einen Moment lang verschobene sich drei Ebenen der Realität übereinander und erschienen ihm das erste Mal real zu seinen Füßen. So als wäre es nichts anderes gewesen.
      "Man zweifelt an Menschen, weil die Realitäten sich überlappen. Sind Sie in meinem Kreis, so sind Sie genauso wie andere meiner Realität unterworfen. Und je nach Struktur kann es sein, dass Sie da oder nicht da sind. Ich mir also alles einbilde oder gar erträume, während sie tatsächlich dort stehen. Was sich ergibt ist eine Art prismatisches Bild der Realität, das einige Möglichkeiten offen lässt."
      Er grinste sie an und lockerte seinen Griff ein wenig. Es war schwer, sich zu konzentrieren wenn sie derart nah beieinander waren.
      "Nein, ich fürchte leider, dass dem nicht so einfach ist. Es ist vielmehr ein Dauererbe, das sich fortsetzt. Selbst wenn meine aura nicht aktiv ist und mein Kreis gebildet, so sehe ich dennoch vieles prismatisch. Große Kraft hat je nach dem große Nebenwirkungen, nicht wahr?". murmelte er und grinste traurig.
      Auf ihre letzte Frage hin, konnte er nur die Schultern zucken. Wie viele MEnschen hatten ihn ehrlich berührt? Er konnte sie an einer Hand abzählen.
      "Um einen Realitätsanker bilden zu können, bedarf es etwas mehr als Körperwärme. Es bedarf einen klaren Blick auf das Leben und die Realität, in der man sich befindet", erläuterte Ruairi und räusperte sich. "Ich befürchte, dass Piper dies nicht erfüllen kann, die sie sich selbst nicht bewusst ist, wer und wo sie ist. Also nein. Ich würde nicht das gleiche fühlen. Dies bleibt Ihnen vorbehalten, wie ich denke."
      Gott, er musste aus dieser Berührung heraus, ehe er verriet, wie sehr sie ihm gefiel. Die Wärme, die Nähe und all dies. Und dann würde er es wieder versauen.

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      The more you drag me to hell
    • Je nachdem kann es sein, dass man da war oder nicht.
      Welch eine grausame Vorstellung, dachte Ember niedergeschlagen, indes immer noch damit beschäftigt, nahezu geistesabwesend Ruairis Handrücken weiter zu streicheln.
      Schließlich hielt sie doch ein und streckte ihre Hand gerade von sich, um sie zu mustern. Sie versuchte sich vorzustellen, wie es aussehen, sich vielleicht anfühlen musste, ständig einer verzerrten Wahrnehmung zu unterliegen. Ein wahrlich anstrengendes Schicksal wenn man es nicht mehr willentlich abstellen konnte. Ob August an vergleichbaren Nebenwirkungen litt?
      "Das heißt also, wenn ich meine Hand so jetzt ansehe, wüsste ich nicht, ob sie da wäre oder nicht?", überlegte sie laut und legte den Kopf ein wenig schief. "Oder ob die Personen, mit denen man gerade spricht, wirklich da sind? Das klingt ja wie eine ständig anhaltende Halluzination, wenn Sie mich fragen."
      Probleme und Vorstellungen, die sie als einfachen Menschen niemals treffen würde. Sie beklagte sich stattdessen über andere Dinge, die vielleicht nicht weniger schwer tragbar waren, aber meistens nur zeitlich begrenzter Natur waren. Und einen nicht das komplette Leben lang begleiteten. Dieses Mal schluckte Ember die taktlose Nachfrage, wer als letztes den Platz seines Ankers eingenommen hatte. Die Antwort war diesen Abend bereits gefallen.
      "Das mag sein, dass Piper damit Schwierigkeiten hat. Spätestens seit dem Angelusangriff dürfte ich beide Faktoren mit Bravour erfüllen", seufzte Ember als sie ihre Hand wieder sinken ließ und ihren Blick auf ihre noch immer verschlungenen Hände richtete. Wie erwartet ließ er nicht freiwillig von ihr ab.
      "Dann verstehe ich wirklich gut, warum Sie die Umarmung nicht haben früher lösen wollen. Sie hatten Sorge, dass Ihnen das bisschen Realität wieder abhanden kommt. Ich glaube, ich hätte auch viel getan, um jede Sekunde hinauszuzögern... Ist es egal, wo man Sie berührt oder wie intensiv?" Wie zur Verdeutlichung hob sie ihrer beide verschlungenen Hände etwas hoch. "Gibt es Unterschiede, was die Effektivität betrifft?"
      Unverholen neugierige Fragen, um zu versuchen einen Sachverhalt zu verstehen, der sich außerhalb ihres üblichen Gedankenfeldes bewegte. Dass Ruairi immer noch rot im Gesicht war schrieb sie einfach der Tatsache zu, dass er durch sie gerade ein wenig mehr zu ihrer Realität kam und dafür eben Körperkontakt mit einer mehr oder minder Fremden in Kauf nehmen musste.
      "Wie sieht es aus, wenn Sie von sich aus andere Menschen anfassen? Wenn ich beispielsweise vor Ihnen stünde, sie mich aber nicht sehen? Dann müssten Sie mich ja trotzdem anfassen können wenn ich es so wahrnehme oder liege ich da falsch?"

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ruairi wusste nicht genau wie er es ihr erklären sollte. Eine Sicht auf das zu haben was war und nicht war zur gleichen Zeit war eine Art der Erklärung, die jeden Verstand überstieg.
      Es sei denn...
      Sachte legte er eine Hand auf ihre verschränkten, als Ember diese betrachtete und löste seine Hand aus der wohligen Wärme. Es war schwer sich dazu durchzuringen. Beinahe unbarmherzig, wie er sich herauswand und sie ansah. Das Lächeln verschwand nicht aus seinem Gesicht, aber seine Augen veränderten sich. Die schwachen Linien um seine Iris begannen leicht zu leuchten, während er sie ansah und seufzte.
      "Magie korrumpiert einen Menschen", begann er ausatmend. "Jede Nutzung von Magie zehrt an einem Körper und macht ihn schwächer. So ist es leider. Und das Los eines jeden Zauberers..."
      Anschließend drehte er sich leicht zu ihr und berührte sie sacht an den Schultern, um sie ein wenig einzudrehen und zu sich zu drehen.
      "Darf ich?", fragte er genauso wie sie und wartete das Nicken ab, ehe er seine Hände hinter ihre Ohren führte. Nur um die Fingerspitzen zart auf die Schläfen, den mittleren Schädelknochen und einem Knochen hinter dem Ohr zu legen.
      "Was ich Ihnen jetzt zeige, könnte Ihnen Angst machen. Bleiben Sie ruhig, atmen Sie weiter. Die Sicht wird sich normalisieren, sobald ich fort bin. Aber ich denke, es ist einfacher, Ihnen das Problem zu zeigen anstatt es zu beschreiben."
      Denn dies war sein Raum.
      Mit einem schwachen Puls breitete sich seine Aura um sie beide aus und zog Embers Körper in seinen Raum. Es war ein leichtes, Ihre Wahrnehmung der seinen anzupassen, wenn man wusste, wie. Er veränderte die Realität um sie herum so sehr, bis sie seiner Wahrnehmung ohne ihre Hand glich.
      Sie würde ihn sehen, wie er in dreifacher, quietschbunter Ausführung seiner Selbst vor ihr stand. Drei verschiedene Möglichkeiten seiner selbst und keine davon wirklich real um irreal zu wirken. Dasselbe würde mit den Möbeln geschehen, mit den Bildern, den Regalen und allem anderen. Nichts würde mehr real aussehen ohne dabei irreal zu sein. Alles eben eine Lüge. Nichts ist wahr. Alles real. Und alles gleichsam unmöglich.
      "Dies ist meine Sicht, wenn ich keinen Anker habe", berichtete er und lächelte. "SIe sehen...Es ist schwer, einen Fixpunkt zu finden."

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      The more you drag me to hell
    • "Dann wäre es doch eigentlich klug, so wenig Magie anzuwenden wie nur irgendwie möglich."
      Bereitwillig ließ sich Ember von Ruairi ein wenig eindrehen, zögerte aber einen Augenblick als sie sah, wie seine Iren leicht zu glühen begannen. Doch sie nickte auf seine Frage hin und schloss kurzweilig die Augen als seine Finger ihre Ohren streiften und sich dann unglaublich sanft an ihren Kopf legten.
      "Wenn Sie das immer so ansagen, macht einen das mehr Angst als ohne, schätze ich", murmelte Ember noch mit einem leichten Lächeln im Gesicht, das sich allerdings bald verflüchtigen sollte.
      Als sie das nächste Mal die Augen aufschlug, nachdem Ruairi seinen Aurapuls ausgesandt hatte und das Fußkettchen wieder seinen Teufelstanz aufführte, bereute sie es umgehend. Egal, wie oft sie blinzelte, das Bild wurde nicht besser, das sich vor ihren Augen ausbreitete. Hier merkte man deutlich, dass ihre Wahrnehmung auf solch einen Umstand überhaupt nicht ausgelegt war. Das Gefühl des plötzlichen Realitätsverlusts traf sie so hart, dass sie nicht einmal mehr wusste, ob sie saß und wenn ja, wo. Die Colaflasche stand mal auf dem Tisch, mal schwebte sie und war sich generell unsicher, welche Farbe sie eigentlich haben wollte.
      Es war ihr sogar egal, dass sie ganz offenkundig das ungläubige Starren begann. Tatsächlich war die Atmung eher weniger das Problem, so plötzlich wie sie damit anfing, Luft in ihre Lungen zu ziehen, als gäbe es kein Morgen mehr. Es kostete sie eine Menge sich davon abzuhalten, zu hyperventilieren, aber sie gab ihr Bestes. Es war absolut egal, wohin sie schaute oder auf was sie sich versuchte, zu konzentrieren. Nichts von dem schien wirklich zu funktionieren.
      Außer einer Sache, die ihr das ganze Problem, oder eher dessen Lösung, am ehesten verdeutlichte.
      Nach gerade mal einer Minute schossen ihre Hände dorthin, wo ihr Hirn Ruairis Arme vorhin noch vermutete. Es war ein unfassbar erleichterndes Gefühl, als sich ihre Finger förmlich in seine Unterarme gruben und das rettende Seil darstellten, von dem er vorhin noch gesprochen hatte.
      "Okay, okay. Kein Neid. Überhaupt kein Neid", stieß Ember zwischen mehreren Atemzügen hervor und sah sich nicht mehr wirklich in der Lage, willentlich ihre Finger von dem Mann zu lösen. "Nehmen Sie's bitte wieder weg. Das reicht mir."

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