[2er RPG] Dusk & Dawn [Asuna & Nico]

    • "Das ist wahr", grinste er und nickte. "Ihre Quote ist nicht schlecht, das gebe ich zu. Dennoch frage ich mich, wie Sie sich wohl im Kampf mit einem Gegner schlagen, der nicht so geradlinig angreift wie der Sharokh."
      Zum Beispiel mit einem Gegner, der Realitäten manipulieren kann, du Idiot?
      Gerade wollte er sie ansehen und den gehässigen Spruch abwarten, der mit Sicherheit noch folgen würde, da brach sie schon in Gelächter aus. Auf der einen Seite war es ein wenig schade, dass er ihr lachendes Gesicht nur halb sehen konnte, auf der anderen war er froh darüber, dass sie sein Gesicht nicht sehen konnte, als er sich ein wenig getroffen zum Getränk wandte und einen guten Schluck hinab stürzte.
      "Schon gut. Ich bins gewohnt"; quitterte er ihre Entschuldigung mit einem höflichen Lächeln und sah sie anschließend nochmals an, während sie sprach.
      Anschließend kicherte er leise.
      "Vielleicht habe ich mein vorheriges Angebot etwas falsch formuliert, ja. Und ich dachte, zumindest versuche ich das zu retten, ehe ich mir heute Abend die Kante geben muss."
      Ruairi sah sie ernst an und zog eine Augenbraue hoch. Die Versicherung, die sie verlangte, war merkwürdig, das gab er zu. Und erneut schossen ihm Knights Worte in den Kopf, die er sofort aus seinem Fokus verbannte wie eine schlechte Kartoffel aus dem Gemüsefach. Schweigsam sah er sie an und wusste nicht recht mit der Geheimniskrämerei umzugehen. War dies nur eine Masche oder gab es wohl doch mehr Wahrheiten an Gerüchten, als er dachte?
      "Ich kann Ihnen versichern, dass ich Geheimnisse bewahren kann"; bestätigte er. "Und mit Knight habe ich nur das zu schaffen, was Sie auch zu schaffen haben. Nicht mehr, nicht weniger."
      Mehr musste sie auch nicht wissen. Es gab Dinge, die sprach man besser nicht sofort an. Manche Dinge brauchten zeit.
      "Wie könnte ich nach dieser Ankündigung und Versicherung die ich geben musste, nicht auf eine Fortführung des Gesprächs hoffen. Und ja, dieses Gespräch zöge ich tatsächlich in trauter Zweisamkeit vor!", murmelte er und sah sie an.
      "Haben Sie eine Idee?"

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Ein Gegner, der nicht so gradlinig angriff? Wenn sie sich an die Spinne im Untergrund erinnerte, war die auch alles andere als gradlinig. Sicher, bewegte Ziele, insbesondere die der chaotischen Sorte, waren immer schwierig. Doch auch da wäre sich Ember sicher, zumindest eine Kugel sicher platzieren zu können.
      Allerdings wurde der Blick aus dem Augenwinkel kaum merklich schärfer. Man bewahrte Geheimnisse nur so lange, wie sie den Eigennutzen nicht überstiegen. Das lag rein in der Natur des Menschen, irgendwann wollte man auch das best gehütetste Geheimnis zumindest einer anderen Person nahebringen. Allerdings hoffte sie wirklich, dass sein Band zu Knight mindestens genauso schmal war wie ihr eigenes.
      Als Ruairi ihre Frage bejahte, drehte sie ihren Kopf ihm ein weiteres Stück zu. Das hier, dieser Abend, war eigentlich nicht dafür gedacht, mit jemanden nach Hause zu gehen. Erst recht nicht mit einem Arbeitskollegen. Denn auch das war jedes Mal bisher nach hinten losgegangen.
      "Wollen Sie mir gerade allen Ernstes sagen, dass Sie diese illustre Runde so einfach aufgeben würden?", harkte sie weiter nach und sprach den versteckten Rest der Frage nicht laut aus. "Oder ging es einfach nur darum, wenn ich Sie mal als Kummerkasten missbrauchen wollen würde?"
      Eine klare Abgrenzung musste her. Wenn dieser Mann mit einer Absicht hergekommen war, musste sie sie von ihm hören. Andernfalls konnte sich das ganze Schauspiel in eine völlig andere Richtung entwickeln, die keiner von ihnen vorab so beabsichtigt hatte.
      "Ich hätte üblicherweise das Auto vorgeschlagen, allerdings sind Sie sicherlich löblicherweise zu Fuß hier oder fahren mit dem Taxi heim", setzte Ember und nahm einen weiteren Schluck ohne Ruairi aus den Augen zu lassen. "Andernfalls... wenn es darum geht, dass Sie meine dunklen Geheimnisse erfahren möchten, würde ich tatsächlich einen nüchternen Kopf vorschlagen..."

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ruairi stellte sein Glas ab und sah sie lächelnd an.
      Sie hatte es nicht bemerkt. Wie auch. Die anderen hatten es ja auch nicht bemerkt. Nicht einmal Piper oder Kauley, die ihn irgendwie ständig im Auge hielten. Das Lächeln, das er Ember zuwarf, hatte etwas spitzbübisches, beinahe merkwürdig belustigtes.
      "Ich will Ihnen sagen, dass die Runde schön ist und ich mich freue alle zu sehen. Aber letztlich neigt es mich zu dem, was mich mehr interessiert. Und das sind derzeit die dunklen Geheimnisse der Ember Sallow, wenn ich ehrlich bin."
      Er grinste weiter und wies mit dem Finger um sie herum.
      "Ist Ihnen noch nicht aufgefallen, dass Sie seit dem Rempler keiner mehr angesprochen hat? Oder mich? Obwohl ich der Neue bin und gehört habe, dass es ein Ritual für alle Neuen gibt?"
      Er wies auf die Menschen, die beinahe blind an ihnen vorbei liefen und den Raum, in dem sie standen, merkwürdigerweise mieden. Als würden sie nicht gesehen werden.
      "Wenn ich wollte, dass Sie mich nur als Kummerkasten missbrauchen, dann hätte ich das hier nicht getan", sagte er und leerte sein Glas. "Mich interessiert ihre Geschichte, weil ich glaube, dass dort mehr ist, als Sie zeigen möchten. Und dieses "mehr" steht Ihrem Potenzial im Weg, würde ich meinen."
      Lautstark stellte er es auf den Tresen und wies mit dem Kinn zur Tür.
      "Ich bin zu Fuß hier und ich wohne genau zwei Blocks von hier entfernt. Es wäre eine Tasse schlechter Kaffee und ein offenes Ohr drin, wenn Sie möchten. UNd zum Thema Nüchternheit. Ich bin Schotte. Mit fünf Bieren sind Sie dort der designierte Fahrer. Also worauf warten wir noch?"

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Natürlich waren es die Geheimnisse anderer, mit der man Menschen einfach ködern konnte und warum es Motten zum Licht zog. Allerdings musste Ember gestehen, dass sie wirklich nicht infrage gestellt hatte, warum Ruairi tatsächlich von keiner Seele angequatscht worden war. Als hätte sie selbst völlig vergessen, wo sie eigentlich gerade waren.
      Unweigerlich folgten ihre Augen seinem Fingerzeig hinüber zu den Menschen, die sie wirklich alle mieden. Oder schlichtweg nicht bemerkten. Embers Augen verschmälerten sich minimal während sie versuchte den Unterschied auszumachen zwischen seiner Realitätsmanipulation und einer einfachen Täuschungsmagie.
      "Sie fassen es nur als Kompliment auf wenn ich sage, ich hatte gerade auch nur Augen für Sie", warf Ember dazwischen ein und runzelte die Stirn. Brach seine Magie, wenn sie gezielt Menschen ansprach oder anfasste? In wie weit veränderte er nur den Raum oder griff er auf die Wahrnehmung der Menschen ein?
      Es war der nächste Satz, der Embers Miene mit einem Mal leerfegte. Schweigend starrte sie den Tisch mit Kauley, Dooley und Peacock an während sie versuchte, die Flut an Erinnerungen zu übertünchen. Solche Worte kamen ihr nicht das erste Mal zu Ohren und ihr Kopf spielte ihr grausam eben jenen Moment vor ihrem inneren Auge ab.
      Bis Ruairi sein Glas mit einem lauten Klacken auf dem Tresen abstellte und sie somit aus ihrer Gedankenwelt riss. Hastig holte sie einen versäumten Atemzug nach bevor sie zu Ruairi sah, als dieser zur Tür deutete.
      Das war der Moment, in dem ein einfaches Nein eine deutliche Grenze ziehen würde. Wobei Ember langsam die Sorge beschlich, dass der vor ihr stehende S-Klasse Caster seine Magie auch zu seinem Nutzen einfach missbrauchen könnte. Und niemand würde es je bemerken. So wenig, wie sie es tat. Oder das Fußkettchen, das sich nicht einen Zentimeter gerührt hatte.
      "Okay."
      Noch während Ember die eine Silbe ausgesprochen hatte, hatte sie sich vom Tresen abgestoßen und pilgerte zurück zu der Sitzgruppe. Dort hing immer noch einsam und allein ihr Anorak, den sie vom Stuhl pflückte und einen Blick in die Runde warf. Nicht einer der Anwesenden beachtete sie nur mit einem Blick.
      "Wie praktisch...", murmelte Ember unschlüssig, was sie davon halten sollte und kehrte zu Ruairi zum Tresen zurück.
      Sie deutete mit ihrer Hand zur Tür. "Nach Ihnen. Dann zeigen Sie mir mal ihre mit Kartons vollgestopfte Wohnung. Ich weiß zwar nicht, wieso Sie versuchen Frauen mit schlechtem Kaffee zu ködern, aber sei es drum."

      Draußen auf der Straße musste sie sich zusammenreißen, Ruairi nicht einfach davonzulaufen. Auch hier schlenderte er mehr als alles andere und zwang die Detective dazu, nicht wie jemand auf der Flucht zu gehen. Sie hatte die Hände in den Untiefen ihres Anoraks vergraben während sie sich noch immer fragte, wie zur Hölle sie auf diese grandiose Idee gekommen war.
      "Jeder im Revier hat dunkle Geheimnisse. Warum sind Sie so auf meine erpicht? Weil ich eine fettere Akte hab als zwei Abteilungen zusammen? Oder weil ich so nah an Arkanas gewandelt bin und noch bei Verstand bin?"
      Ihr Tonfall war absichtlich leicht gewählt, es sollte dieses Mal nicht wie ein anklagen klingen. Oder schlimmer noch, wie ein Verhör, das man ihr ständig nachsagte. Aber sie wurde den sauren Beigeschmack einfach nicht los. Vielleicht half ja wirklich der schlechte, bittere Kaffee aus einer Plastikmaschine dagegen.

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Draußen - 22.31 Uhr

      Vor dem Ten Bells war verhältnismäßig die Hölle los, als sie den Laden verließen. Ruairi hatte seine Magie in dem Moment gelöst wo Ember zurückkam. Gemeinsam waren sie nach draußen gegangen und hatten den Weg in Richtung Zentrum von Whitechapel angetreten. Nachts waren die Spitalfields wahrlich keine gute Gegend, um auch nur ansatzweise zu wohnen, wenn er ehrlich war. Und merkwürdigerweise trafen sich immer die zwielichtigen Gestalten in Whitechapel. Arkana sah man teilweise offen auf den Straßen, wenn er an die Fotos von Foremar dachte, wie er aus der U-Bahn von Whitechapel Sation herauskam oder aber man bemerkte Menschen die irgendwie nicht in die Menge passten.
      Wie diese Aura, die ihnen folgte, aber keine Gefahr ausströmte. Wie eine streunende Katze, die sich durch die Menge schlängelte und beobachtete.
      Ruairi vergrub die Hände in den Hosentaschen und zog die Jacke eng um sich während er langsamer als sonst durch die Straßen ging. Sallow hatte bislang noch kein Wort gesagt und wenn er ehrlich war, waren sie wirklich ein seltsames Paar. Er wirkte geradezu kindlich gelassen und von ihrer Seite bemerkte er nur Argwohn und regelrechte Angst.
      "Das ist richtig", murmelte er nickend und lächelte sie dabei freundlich an. "Beides sind zwei sehr gute Gründe, weshalb der Leiter der Magischen an Ihnen interessiert sein könnte. Ein anderer, von Ihnen unbemerkt und vermutlich noch viel wahrer als die anderen Gründe ist der hier: Ich mag Sie einfach."
      Er kicherte kurz, ehe er sie in eine Seitenstraße lenkte, in der sich Reihenhäuser hochstockig aneinander reihten. Eines sah dabei so uniform aus wie das Andere. Sie alle trugen diese hässlichen Klinkerfassaden aus dem zweiten Weltkrieg noch an sich.
      "Sie werden mit Fug und Recht behaupten: Aber wir kennen uns doch erst zwei, drei Tage!", bemerkte er und kramte bereits nach seinem Schlüssel. "Aber gleichsam kann ich sagen: Das erste Zusammentreffen zweier Menschen entscheidet zumeist über Sympathie und Unsympathie. Zumeist sind es nur fünf Sekunden, wussten Sie das? Fünf Sekunden, in denen Sie entscheiden, ob Sie Jemanden mögen oder nicht. Und bei mir war das so."
      Gemeinsam gingen sie noch ein Stück weiter, ehe sie an eine schwarze, alte Holztür kamen. Die Nummer 89 prangte in goldenen Lettern an der Seite und Ruairi schob den Schlüssen in die Fassung, die sich mit einem Klicken öffnete.
      Innen empfing der Geruch von Pappe und eiligen Duschen. Es war nicht gut gelüftet, das musste er zugeben, aber unangenehm roch es nicht.


      Vor Ember offenbarte sich ein überschauberer, aber offener Raum mit hellen, holen Wänden und einer geschmackvollen, modernen Einrichtung in dezenten Beige- und Brauntönen. die Regale an der Kopfseite waren größtenteils noch leer und vieles befand sich in Kartonstapeln davor, aber zumindest die Grundausrichtung der Wohnung stand. Hinten durch fand sich eine Küche mitsamt Esstisch, wärhend eine Treppe ins obere GEschoss zu einem Maisonette-Bett führte. Bereits von unten ließ sich sehen, dass das Bett nicht gemacht war.
      "Willkommen in meinem Heim"; murmelte er und zog seine Jacke aus. "Fühlen Sie sich ganz wie daheim! Ihre Jacke?", fragte er und streckte eine Hand aus.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Recht rastlos wanderten Embers Augen von einer Straßenseite auf die andere, stetig in der Sorge, etwas zu übersehen. Sie ging selten des Nachts unbewaffnet durch Whitechapel und noch so andere Stadtteile. Allerdings hatte sie nicht alle ihre Warnschilde hochgefahren, denn der Mann an ihrer Seite beeinflusste sie mit seiner scheinbar lockeren Art mehr als sie hätte zugeben wollen.
      "Na, unbemerkt würde ich das nicht nennen. Sie haben mich praktisch zu Ihrer Familie eingeladen, bitte nicht vergessen", erwiderte sie und zuckte nur mit den Schultern, was in ihren Schritten jedoch unterging.
      "Ja, die ersten Sekunden sind entscheiden. Das wurde uns auch immer eingetrichtert, aber irgendwie scheint diese Regel bei mir nie zu funktionieren. Ich weiß nicht warum, aber jedes Mal trifft man mich in einem echt ungünstigen Zeitpunkt an. Tja, und dann sind die wertvollen fünf Sekunden meist schon vorbei, wenn ich jemanden konzentriert ansehe oder gerade mit meiner Waffe durch die Gegen fuchtel."
      Was sie selbstredend nicht tat. Aber sie ließ sich von seiner Stimmung ein wenig anstecken und verlor langsam die unglaubliche Anspannung, die sich in ihren Schultern regelrecht eingenistet hatte. Die Lichter der Laterne warfen einen scharfen Schatten auf ihrem Gesicht, wodurch das seichte Lächeln beinahe unterging.
      "Nichts gegen Ihre Wahl der Wohngegend...", murmelte Ember während sie an der nicht sonderlich hübschen Fassade emporsah und darauf wartete, dass Ruairi die Tür aufschloß, "aber so ein Umfeld und so eine Fassade? Da wird man ja deprimiert wenn man nur nach Hause kommt."
      Vielleicht ein wenig überspitzt wenn man bedachte, wie es in ihrer eigenen Wohnung aussah.
      Allerdings kam sie nicht drumherum sich ein wenig heimisch zu fühlen, als der Geruch nach Pappe und Waschzeug in ihrer Nase kitzelte. Sie machte ein anerkennendes Geräusch als sie brav die Schuhe noch am Eingang von den Füßen streifte und sie ordentlich beiseite stellte. Sie hatten vielleicht gleich viel Quadratmeter, aber schon jetzt sah seine Wohnung wohnlicher aus als die ihre.
      "Sie dürfen niemals meine Wohnung sehen", lachte Ember leise auf während sie das Wohnzimmer betrat und eine Hand über den Couchrücken gleiten ließ. "Man wirft mir vor, sie sieht schlimmer aus als ein Krankenhauszimmer. Zugegeben, an meinen Wänden hängen Whiteboards statt Bildern, aber sei es drum."
      Als sie sich umdrehte und den Anorak von den Schultern streifte, driftete ihr Blick nach oben ab. Und ließ das Lächeln stetig auf ihren Lippen bestehen. Er hatte nicht damit gerechnet, dass sie ihn hierhin begleiten würde. Andernfalls hätte er auf das lächerliche Detail mit seinem Bett geachtet. Sie reichte ihm die Jacke und spazierte hinüber zur Küche.
      "Ich fühle mich sehr in meine Anfangszeit zurückversetzt. Ich habe monatelang quasi in Kartons gelebt weil mir das Geld für alles fehlte. Weg von zuhause, weg vom Land rein in die Stadt mit einem echt bescheidenen Anfangsgehalt. Ich weiß nicht, wie lange es in meiner damaligen Wohnung ähnlich gerochen hat..."

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ruairi bedachte ihre Worte mit einem Lächeln und bewegte sich erstaunlich behände durch das Chaos hindurch, um die Jacken aufzuhängen.
      Die Selbstverständlichkeit, mit der sich Ember durch die Wohnung - zugegeben nach Aufforderung - bewegte, erfreute ihn, wenn er ehrlich war.
      Schweigsam kam er ebenfalls in die Küche und grinste.
      "Dann möchte ich Ihre Wohnung umso mehr sehen, wenn Sie mir schon die Fassade und das Viertel zum Vorwurf machen", lachte er und wanderte an ihr vorbei durch zur Kaffeemaschine, die vor ihnen auf der Theke stand. Fluchs fischte er zwei Tassen aus dem Schrank und stellte diese da runter und ließ den Kaffee in aller Ruhe durchlaufen.
      "Zugegeben, damals war nicht viel Auswahl. Da ich recht schnell nach London kam, brauchte ich eine Unterkunft. Mein Bruder ist keine Option, da wir uns vermutlich umbringen würden, also habe ich eine günstige Mietwohnung gesucht. Und ich fand diese hier. Meine Schwester hat sie eigentlich gefunden, weil sie irgendwie den Vermieter kannte, keine Ahnung. Es ist eh nur ein Übergang."
      Wie oft hatte er das schon gesagt und es wurde eine Einrichtung?
      Er blickte sich in dem Wohnzimmer um, während er ihr die Tasse reichte und in Richtung Wohnzimmer wies.
      Ruairi selbst nahm in einem der Sessel Platz, während er Ember den geräumigeren Platz auf dem Sofa bot. Lächelnd nippte er an dem Kaffee und stellte ihn alsdann auf den Tisch, während er einen prüfenden Zug mit der Nase nahm.
      "Ja, es dauert eine Weile, bis der Geruch wieder rausgeht. Aber wir werden sehen, wie lange es tatsächlich dauert", murmelte er und sah Ember an. "Also: Ab jetzt kein Ausweichen mehr. Was konnte man nicht im Ten Bells unter dem Schimmer meines brillanten Zaubers besprechen? Was sind die dunklen Geheimnisse der Ember Sallow?"

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • In aller Seelenruhe betrachtete Ember Ruairi dabei, wie er den versprochenen Kaffee vorbereitete. Er bewegte sich so sicher durch die vermutlich eher funktional eingerichtete Küche, als habe er sie seit Monaten bereits so eingerichtet.
      "Kann ich mir vorstellen, dass es mit einer extrovertierten Persönlichkeit und vielleicht viel Glitzer schwierig werden könnte." Wenn es um's Zusammenleben mit extrovertierten Persönlichkeiten ging, besaß Ember zwar nur wenige Tage Vergleichsmaterial, dafür war dieses aber extrem aussagekräftig. "Günstiger Zufall, dass sie den Vermieter einfach so kennt... Wäre ich nicht so gutgläubig würde ich ja fast behaupten, da liegt was im Argen."
      Dankend nahm Ember die Tasse an, die man ihr reichte und kehrte ins Wohnzimmer zurück. Wie gezeigt ließ sie sich auf dem Sofa nieder, musste sich allerdings kurz fangen, da sie tiefer in das Polster einsackte als sie es erwartet hatte. Routiniert blieb der Kaffee dort, wo er hingehörte, als sie sich etwas richten konnte und sich vorsichtig nach hinten anlehnte. Im Gegensatz zu Ruairi behielt sie jedoch die Tasse zwischen ihren Händen - die Nervosität verwandelte ihre Hände in waschechte Eisblöcke.
      Als Antwort klappte Ember bereits den Mund auf, besann sich aber eines Besseren und schloss die Lippen für einen Augenblick wieder. Bis sie sich dagegen entschieden hatte, ihm direkt die wirklich pikanten Details zu nennen. Immerhin musste sie erst noch abwägen, wie vertrauenswürdig er wirklich war oder ob er sie doch nur aushorchen sollte.
      "Ich hoffe mal, dass Sie nicht davon ausgehen, dass mittelmäßiger Kaffee mich dazu bringt, Ihnen jegliches kleinste Detail meiner Person zu erzählen, hm?", sagte sie und schwenkte die Tasse als Untermalung ehe sie in einen etwas ernsteren Tonfall abdriftete. "Was ich da draußen und jeder dahergelaufenen Person nicht erzählen kann ist zum Beispiel die Tatsache, dass ich ganz genau weiß, wie Foremars Magie funktioniert. Welche er einsetzen kann und wie sie wirkt. Wie Sie wissen ist er für einige Zeit in meiner Wohnung untergekommen und es ging nicht ohneher, dass ich an gewisse... Informationen kam. Ich habe mehr gesehen, als ich vermutlich sollte. Und ich bin mir absolut sicher, dass dieses Wissen nicht ganz unerheblich für Sie ist."
      Ember schloss ihre Worte indem sie die Tasse zu ihren Lippen führte und einen Schluck heißen, bitteren Kaffee nahm. Ihre Augen lagen völlig fokussiert auf Ruairi, gespannt, ob er unterscheiden konnte, wann sie ihm die Wahrheit erzählte und wann sie ihn lediglich ködern wollte. Denn mehr zu diesem Thema würde sie nicht sagen. Es nicht können.
      "Oder wollten Sie lieber etwas persönliches von mir wissen?"
      Es verging ein Augenblick, den sie nicht wirklich zeitlich bemessen konnte, aber sie meinte, etwas in Ruairis Augen blitzen zu sehen, das eine Antwort auf eine der vielen Fragen sein konnte. Sachte ließ Ember die Hände mit der Tasse sinken bis sie sie auf ihrem Oberschenkel abstellen konnte.
      "Ich bin ein verdammt schlechter Teamplayer, das wissen wir beide. Erinnern Sie sich noch an den Moment in Ihrem Büro als ich mich korrigiert habe? Es stimmt, dass ich eine Abneigung gegenüber Zauberern hege. Weil ein Rogue meine kleine Cousine getötet hatte. Weil ich das Gefühl habe, ihnen ständig unterlegen zu sein. Und weil das eine Mal, wo ich vertrauen wollte, es aufs Letzte missbraucht worden ist."
      Ihr Blick wurde etwas unstet als sie überlegte, wieviel sie noch erzählen sollte.
      "Und dann seh' ich da diese Ansammlungen von Leichenbergen quer im Land verstreut. Angriffe auf Zivilisten, gezielt auf Rogues und deren Angehörigen. Ich wusste gar nichts davon bis ich die Bilder gesehen habe... Das ist einfach nur falsch. Wussten Sie davon was?", fragte sie und ließ eine Frage zu, die ihr wohl am meisten auf der Seele mitunter brannte

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Asuna ()

    • Ruairi lachte, während Ember Platz nahm und sah sie nach einem tiefen Schluck seines Kaffees an.
      "Sehen Sie, da unterscheiden wir uns. Ich weiß, dass meine Schwester mich niemals wirklich hintergeht oder argwöhnt. Sie ist eine Seele von Mensch", bekräftigte er.
      Schweigsam lauschte er ihren ersten Sätzen und bestach nur durch einen konzentrierten, wenngleich offenen Blick. Seine ganze Statur schien sich merklich entspannt zu haben und das Lächeln auf dem Gesicht des Polizisten schien festgetackert zu sein.
      "Ich habe mir bereits gedacht, dass Sie derlei Wissen besitzen", gab er zu und setzte die Tasse ab. "Und wie Sie feststellen, habe ich nicht einmal danach gebohrt. Ich habe diverse Theorien, wie Foremars Kräfte funktionieren, aber wenn ich ehrlich bin, ist das mehr die Informationsart, die mich nicht wirklich anlockt. DIe Kräfte meiner Gegner sind mir größtenteils egal, weil..."
      Einen Moment lang unterbrach er sich und räusperte sich.
      "Weil ich zumeist stärker bin...Davon abgesehen: Was ich wissen möchte oder nicht, steht nicht zur Debatte. Ich bot Ihnen die Gelegenheit, Ihren Gefühlen und GEdanken freien Lauf zu lassen. Sie bestimmen, was SIe berichten möchten und was nicht, Ember."
      Er sah sie weiterhin an und nickte nur hin und wieder zu den Ausführungen. Gerade die persönlichen Erzählungen überraschten ihn nicht wirklich. Jedoch das Letzte durch aus. Bei den Berichten über die Leichenberge stockte er kurz und setzte seinen Kaffee ab.
      "Nein, von Leichenbergen wusste ich nichts...Wann waren diese Funde? Und wo?", fragte er.
      "Hinsichtlich Ihrer Korrektur...Ich dachte mir bereits, dass Sie Zauberer sagen wollten. Es tut mir Leid, was mit Ihrer kleinen Cousine passiert ist. Ich wünschte, ich könnte irgendetwas tun, um es Leichter zu mahcen, aber...Viele der Rogues sind leider recht ungezügelt, was das angeht..."
      Ruairi kratzte sich an der Nase und hielt einen Moment inne.
      "Sie sagten, Sie wurden regelrecht missbraucht als sie vertrauen wollten. Wem haben Sie zu trauen versucht?"

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Ember zuckte ein wenig mit den Schultern.
      "Natürlich haben Sie das vermutet. Wer wären Sie denn, wenn nicht? Ich war gezwungenermaßen so nah an ihm dran, dass es eigentlich nichts anders möglich sein sollte, oder?"
      Als Ruairi sich unterbrach und sich räusperte, hielt auch Ember kurz inne. Ein ganz klein wenig kräuselten sich ihre Augenbrauen während sie überlegte. Wenn er sich selbst als so mächtig hielt, warum verschwendete er dann seine Zeit als irgendein Angestellter in leitender Position?
      "Nein, von Leichenbergen wusste ich nichts...Wann waren diese Funde? Und wo?", fragte er.
      "Paris. Warschau. München...", zählte sie auf während ihr Blick in scheinbare Ferne abdriftete als sie sich die Bilder wieder vor die Augen rief, die sie in der Detektei gesehen hatte." Glasgow und Birmingham."
      Gerade bei dem Namen Glasgow zuckte ihr Blick zu Ruairi hinüber.
      "Es wurden fast zeitgleich Anschläge verrichtet, die scheinbar auf die Bevölkerung aussahen wie Unfälle oder dergleichen. Mein Bruder lebt in Birmingham und ihm ist nichts aufgefallen. Die Bilder, die ich gesehen habe, zeigten alle möglichen Opfer jeden Alters. Von Kindern bis zu Rentnern. Sie alle haben wohl irgendetwas mit den Arkana zu schaffen gehabt und sind wie durch Zufall ums Leben gekommen. Ich hatte eigentlich gedacht, dass Sie vielleicht irgendetwas wissen, egal was. Sei es nur ein Verdacht..."
      Ember nahm einen weiteren Schluck und seufzte anschließend in ihre Tasse hinein. Kaum war das Gefäß sicher in ihrem Schoß gebettet, lehnte sie ihren Kopf zurück auf die Rückenlehne der Couch und sah die Decke an.
      "Die Sache mit dem Rogue ist einfach, dass ich weiß, dass es ein Unfall war. Er war praktisch ein Nachbar in meinem Kaff und hat lediglich unterschätzt, wie groß seine Feuerkraft wirklich ausfällt. Unfälle passieren... Aber man hat mir die Schuld dafür gegeben, dass meine Cousine damals in der Nähe der Scheune war. Deswegen können Sie nicht viel machen, man kann Geschehenes nicht rückgängig machen, Worte zurücknehmen."
      Schließlich schloss sie die Lider und genoss für einen Moment das Dunkel, sich nicht auf etwas fixieren zu müssen.
      "Spielt der Name der Person überhaupt eine Rolle? Im Endeffekt hab ich einem Rogue vertraut, der mich ausgespielt hat. Er hatte ein größeres Ziel im Auge und hat mich dahingehend gelenkt, dass ich ihn am Ende erschossen habe. Er war der Erste, wissen Sie? Ich habe mich so lange damit gerühmt, nicht einen einzigen Menschen je getötet zu haben. Und dann dachte ich, es geht nicht anders, nur um später herauszufinden, dass es alles so geplant gewesen war. Dass viele, mit denen ich damals Kontakt gehabt hatte, davon wussten. Ich stand am Ende als Einzige inmitten eines Kreises, umrandet von Menschen die allesamt wussten, was vorging, nur ich nicht."
      Ihre letzten Worten wurden so bitter, dass sie sich selbst davon abhalten musste, noch mehr Worte zu verlieren. Der Ton würde nicht schöner werden und die Wut und der Frust saßen noch immer kalt in ihrer Brust wie ein eisernes Schloss um ihr Herz.

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ruairi verhielt sich die längste Zeit ihrer Ausführungen ruhig und kam nicht umhin, an vielerlei Ecken und Räumen ihrer Erzählung Wut und regelrechte Verzweiflung zu spüren. Dennoch erzürnte ihn die Geschichte mit den Attacken auf Zivilisten, die offfenbar Bande zu Rogues besaßen, mehr als gut für ihn war. Er zog die Augenbrauen zusammen, als der Name seiner Stadt fiel und sah sie einen Moment lang entsetzt an.
      "Glasgow ebenfalls?", fragte er und schüttelte den Kopf. "Ich hatte keine Ahnung, dass es so viele sind. Schrecklich...Haben Sie eine Ahnung, wer diese Angriffe befohlen hat? Es erscheint mir ja zumindest eine Art System dahinter zu liegen. Man sollte die Schuldigen ins nächste Gefängnis werfen...So viele Opfer..."
      Ruairis Betroffenheit zog neue Wellen als er an die Berichterstattungen der letzten Tage dachte. Und nicht eine berichtete von diesen Massakern.
      "Nein, tut mir Leid", sagte er und sah sie traurig an. "Ich habe nichts davon gewusst. Ich weiß nur, dass ich am Montag meine Fühler ausstrecken werde und einige Kollegen in Glasgow befrage. Vertrauenswürdige Kollegen, keine Sorge."
      Als sie von ihrer privaten Krise und Vergangenheit berichtete, nahm er sich einige Punkte zu Herzen.
      "Weshalb gab man Ihnen die Schuld?", fragte er ruhig und trank einen Schluck.
      "Und nein, der Name spielt natürlich keine Rolle."
      AUch wenn er sich denken konnte, wen sie wohl meinte. Die Zeit mit Foremar war wohl recht prägend, wenn er sich das Ganze so betrachtete.
      "Diese Situation, die Sie beschreiben ist sicherlich nicht angenehm oder richtig. Man hätte Sie mehr einbeziehen sollen, vor allem wenn man Jemandem vertraut. Und auch wenn Sie es mir nicht direkt sagen, so kann ich zumindest zwischen den Zeilen heraushören, dass Sie diesem Rogue offenbar durchaus eine nicht unerhebliche Menge an Vertrauen entgegen brachten, oder? "

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • "Wie gesagt, ich weiß rein gar nichts außer dem Fakt, dass es passiert ist. Zeitgleich in verschiedenen Städten der Welt. Vielleicht hängt Europol mit drin, ich weiß es allerdings nicht. Die Informationen sind für mich auch noch recht frisch... ich glaube... vorgestern, wenn ich mich nicht täusche."
      Es war mehr als offensichtlich, dass Ruairi mit dem gleichen Schrecken an die Berichterstattung der letzten Tage dachte wie auch Ember es getan hatte. Wie so oft zeigten die Medien nur einen Auszug von dem, was in der Welt wirklich geschah. Und erst recht nichts von dem, das die Bevölkerung aufwühlen konnte.
      "Weshalb gibt ein am Boden zerstörter Vater anderen die Schuld am Tode seiner Tochter?", fragte Ember und richtete ihren Kopf leise ächzend wieder auf. "Ich war zu Besuch zuhause. Hatte meine Ausbildung schon begonnen und irgendwie hatte sich in den Köpfen der Leute festgesetzt, dass so jemand doch in der Lage sein müsste, ein kleines Kind zu schützen. Aber was hätte ich machen sollen? Niemand hat vorausahnen können, dass die Scheune explodiert und Splitter der Bretter Emily pfählen würden. Sie ist in meinen Armen gestorben und das war alles, was mein Onkel damals als Erstes gesehen hatte. Natürlich muss er irgendwo die Schuld suchen. Zuerst war es der Rogue, dann später ich weil ich sie nicht weiß Gott wie gerettet habe."
      Kaum merklich spannten sich ihre Finger an, mit der sie die Tasse in ihrem Schoß hielt, bevor sie auch den letzten Rest des Kaffees hinunterstürzte und die Tasse nach vorne auf dem kleinen Tisch abstellte.
      "Und am Ende kam mir immer nur wieder in den Sinn: Was, wenn du zumindest ein bisschen Magie beherrschen könntest? Hätte Emily dann vielleicht überlebt? Wieso nutzt man so eine Gabe für Gewaltverbrechen?... Irgendwann hat es sich dann gegeben, es verlief im Sand. Die eigenen Vorwürfe wurden leiser bis sie nur noch ein Rauschen im Hintergrund waren."
      Nach einem Moment der Ruhe langte Ember wieder nach vorn zu ihrer Tasse und stand auf. Sie musste sich etwas bewegen, um die Anspannung loszuwerden. Augenscheinlich gelassen schob sie sich an Ruairi vorbei zur Küche, um die Tasse auszuspülen und zur Seite zu stellen.
      "Stimmt", bestätigte sie ihm leise. "Nur leider war ich so töricht und habe ihm seine Bekundung auch geglaubt. Obwohl... wenn ich es mir so recht überlege, dann war es nicht komplett umsonst. Es gab hier und da kleine Anzeichen, dass ich doch eine kleine Rolle in seinem Leben gespielt habe."
      Bei den letzten Worten musste sie wahrlich etwas lächeln. Ein trauriges Lächeln, von dem sie froh war, es nicht Ruairi zeigen zu müssen. Als sie wieder zurück zur Couch zurückkam war das Lächeln einer neutraleren Mimik gewichen.
      "Gleiches gilt für Noland. Ihn hätte ich auch als Freund bezeichnet, beziehungsweise ist er das noch. Aber dass er einfach so verschwindet ohne auch nur den Hauch einer Nachricht? Sehr ungewöhnlich. Was auch immer Foremar mit ihm besprochen hat, schien ihn wohl davon zu überzeugen, doch seinen sicheren Hafen zu verlassen", erzählte Ember weiter und schüttelte kaum merklich den Kopf, so als schließe sie das Thema für sich gedanklich ab.
      "Sie sagten vorhin, Sie halten sich für recht mächtig ja? Ich hab ein bisschen ja gesehen, aber wie weit erstreckt sich das? So eine kleine Kostprobe oder so? Kommen Sie, ich bin unter Arkana gewandelt und habe Gruseligeres gesehen als Ihre Magie", lächelte sie schwach während August in Teufelsgestalt vor ihren Augen auftauchte.

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Während Ruairi noch ihre letzten Worte durch den Kopf schossen bezüglich Europol und das Ausmaßes durchdachte, fuhr Ember fort in ihrer beschreibung es war für den jungen Mann, als habe sich ein Damm ein Leck geschlagen. Nicht nur, dass sie mitteilsamer wurde, sie drangen gleichsam an den Kern des eigentlichen Problems vor.
      "Es erscheint mir, als ist nicht Schuldgabe Ihres Onkels das Problem, oder?", fragte er mit einer hochgezogenen Augenbraue, nachdem sie den ersten Teil beendet hatte. "Sie geben sich selbst die Schuld, erscheint es mir. Sicherlich, dieser Unfall war tragisch und schrecklich. Und das was geschehen ist, tut mir sehr Leid. Aber dennoch war es in erster Linie ein unvorhersehbarer Unfall, den Sie selbst mit Magie nicht zwingend hätten verhindern können. Es ist eines, Magie zu beherrschen und ein anderes sie schnell nutzen zu können. Und so mancher kann das nicht."
      Er sah sie traurig an und kniff die Lippen zusammen.
      "Ich weiß nicht, ob es hilft, aber ich kann Ihnen sagen, dass Sie nicht Schuld sind. SIe hätten ihre kleine Cousine niemals retten können, selbst wenn Sie die mächtigste Zauberin dieses Planeten wären."
      Schweigsam saß er dann da und sah sie nachdenklich an. Ihre Frage hinsichtlich der philosophischen Herkunft der Verbrechen hatte durchaus Zündstoff in sich. Er fuhr sich mit den Händen durch das zottelige Haar und zuckte die Achseln.
      "Die Frage ist durchaus philosophischer Natur. Warum nutzen wir unsere Kräfte für Böses statt für Gutes? Was ist gut? Was ist böse? Ein Arkana, der seine Kräfte nutzt, wie zum Beispiel Foremar oder Mueller, würde niemals zugeben, dass seine Künste für etwas Böses gebraucht werden. Ich denke, wir nutzen unsere Kräfte nach unserem Moralkodex. Auch wenn dieser nicht wirklich einwandfrei ist, wie ich zugebe."
      Schweigsam sah er ihr hinterher wie sie erzählte und die Tasse ausspülte. Erst als Ember zurückkam, beugte sich Ruairi leicht vor, sodass seine Ellenbogen auf seinen Knien ruhten.
      "Wissen Sie, was mir auffällt?", fragte er schließlich. "Sie reden sich alles auf eine betörende Art und Weise schlecht. Sie haben einem Rogue vertraut. Und mit Verlaub, wir beide wissen, welcher Rogue das war, also hüllen Sie sich nicht in Nebel. Ich bin nett, nicht dumm."
      ein leises Kichern entfuhr ihm, um ihr zu zeigen, dass er es nicht böse meinte.
      "WIe auch immer. Sie haben vertraut. Und wurden enttäuscht. Ja, aber gerade das zeichnet doch Ihre Stärke aus, Ember. Schauen Sie, trotz all dieser Enttäuschungen und Vertrauensbrüche sind Sie immer noch hier und wollen vertrauen. Sie sitzen hier und erzählen mir dies, ohne zu wissen, ob ich es Knight erzähle oder nicht. Und nein, das werde ich nicht. Ich finde das bemerkenswert, lassen Sie sich davon nicht ausbremsen!"
      Ruairi lächelte sie an und hörte sich den letzten Teil an, ehe er schwer seufzte und den Kopf schüttelte.
      "Wie können Sie sagen, Sie haben gruseligeres gesehen, wenn Sie gar nicht wissen, was ich kann?", fragte er mit leicht veränderter Stimmlage. "Ich halte mich nicht für mächtig. Objektiv gesehen bin ich es. Zu meinem Leidwesen..."
      Kurz angebunden erhob sich der Mann und seufzte erneut. Dass er sich dazu herabließ wie ein Schausteller seiner Kraft unter Beweis zu stellen.
      Allein das Aktivieren seiner Aura, sollte Embers Fußkettchen in heillose Panik versetzen, wurde der Raum mit einem Mal drückend und beinahe eng. Nichts, aber auch gar nichts schien sich real anzufühlen, während Ruairi Ember bedeutete, sich zu erheben.
      "Haben Sie keine Angst", murmelte er und richtete seinen Blick auf den Fußboden zu ihren Füßen.
      Und mit einem Mal kippte die Welt.
      Der Boden zu Embers Füßen begann sich in einer Millisekunde zu verflüssigen, sodass sie Knöcheltief in den Boden sank, als stünde sie in Treibsand. Mit einem zweiten Schnippen der Finger wurde der Boden wieder fest, wobei Ruairi darauf achtete, die Verfestigung nicht bis zu den Beinen kommen zu lassen.
      "Ich beherrsche die Manipulation von Realitäten. Eine Realität definiert einen bestimmten Raum. Wände sind hart, der Boden ist Hart, Luft ist durchlässig und so weiter. Für mich gilt dies alles nicht. Ich bestimme in einem vorgegeben Raum die Realität und wie sie aussieht. Also sinken Sie, wenn ich es will, in einem Marmorboden wie in Wasser und die Luft wird zum Gefängnis für Ihren Kopf."
      Mit einem schmalen Wink seiner Finger löste er die Verfestigung und half ihr hinaus.
      "Als ich 11 Jahre alt war, gab man mir in Glasgow einen Spitznamen. Man hieß mich einen Tyrannen. Weil ich anderen meine Realität aufzwinge"; schloss er seinen Bericht und lächelte wieder während er seine Aura deaktivierte.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • "Ich habe mir lange Zeit die Schuld gegeben, ja. Jetzt kann ich allerdings ihr Bild in meiner Wohnung ansehen ohne mir ständig Vorwürfe zu machen. Aber es hat lange gedauert."
      Es war das einzige Bild neben einer flüchtigen Aufnahme ihrer Eltern und ihrem Bruder mit einem Angehörigen darauf, das in Embers Wohnung einen Platz gefunden hatte. Alle hingen in ihrem Schlafzimmer, gut geschützt vor den neugierigen Blicken von Besuchern. Der einzige Raum in ihrer Wohnung mit ein wenig Persönlichkeit.
      Ember warf ihm einen vielsagenden Blick gepaart mit einem Schulterzucken á la Ich hab's probiert zu. Ruairi war nicht ohne Grund in seinem Amt und das setzte nicht nur ein gewisses Machtlevel voraus sondern auch den dafür notwendigen Grips. Allerdings würde sie vorerst den sprichwörtlichen Teufel tun und ihm verraten, wie tief diese Beziehung wirklich gegangen war.
      "Sie waren es der mir versprochen hat, nichts weiterzutragen. Tun Sie es doch so finde ich Wege, Ihnen das Leben zur Hölle zu machen. Dafür schmeiße ich dann gerne meinen Rang und Namen hin, wenn es sein muss", gab sie nüchtern zurück und das Funkeln in ihren Augen verdeutlichte, dass sie jedes Wort davon auch so meinte.
      In der Regel bereute Ember es nicht wenn sie kundgab, was sie als gruselig erachtete und was nicht. Allerdings kam sie nicht drum herum, sich ein wenig zu versteifen als Ruairi sich erhob. Es war eine seltsame Mischung aus Spannung und Sorge, die nun in Embers Augen lag während sie wie gebannt zu ihrem Gesprächspartner schaute. Im nächsten Augenblick erzitterte das Fußkettchen noch bevor sie die veränderte Atmosphäre bemerkte. Ihr Blick schoss eine Sekunde auf ihren Knöchel, dann war sie wieder bei Ruairi.
      Hätte sie in ihrem Leben jemals Drogen konusmiert, würde sie den Eindruck damit am ehesten wohl vergleichen. Nichts war ihr lieber als einfach auszuharren und darauf zu warten, dass es aufhörte. Aber der Ärger über die eigene Furcht siegte schließlich und ließ sie langsam auf die Füße kommen. Es lag keine Angst in ihrem Gesicht, vielmehr waren ihren Augen etwas zu sehr geweitet in dem kläglichen Versuch sich auf etwas vorzubereiten, von dem sie gar keine Ahnung hatte.
      Keine Angst zu haben ließ sich einfach sagen, wenn man nicht bis zu den Knöcheln im Boden steckte. Als Ember versackte, konnte sie ein überraschtes Quietschen nicht verhindern, biss sich jedoch prompt auf die Zunge, damit es aufhörte. Soweit kommt's noch, dachte sie gequält.
      Trotzdem war sie mehr als dankbar, als er die Demonstration beendete und ihr aus dem Boden half. Anstelle die helfende Hand sofort loszulassen, hielt sie weiter an ihr fest und hätte beinahe nach seinem ganzen Arm gelangt, hätte sie sich nicht in letzter Sekunde an ihren Stolz erinnert.
      "Das ist so absurd", hauchte sie noch immer völlig fasziniert den Boden anstarrend, selbst nachdem der Caster seine Aura wieder deaktiviert hatte. "Ich dachte immer, es gibt Grenzen, aber je mehr ich sehe, desto mehr zweifel ich daran. Ich weiß nicht, warum Tyrann dann so treffend sein soll, aber vielleicht müsste ich dafür mehr demonstriert bekommen. Was ich mir heute Abend zumindest gerne sparen würde, wenn möglich."
      Das waren ihre ehrlichen Worte. So sehr sie es leugnete sich für Magie zu interessieren, so fasziniert war sie von ihr. Ein perfider Kampf zwischen Neugier und gesunder Vorsicht, die sich stets versuchten gegenseitig zu übertrumpfen. Allerdings nicht mehr diesen Abend. Diese kleine Demonstration hatte gereicht, dass sie den einzigen Halt, die Hand, die sich noch wirklich real anfühlte, nicht loslassen konnte.

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ruairi blickte sie einen Moment an, um die Reaktionen abschätzen zu können, nachdem er seine Magie gewirkt hatte.
      Und auch in Embers Gesicht sah er die Emotionen, die er bei den Anderen, die seine Kräfte kannten, auch sehen konnte. Eine Mischung aus Erstaunen, Erkenntnis und Angst. Gerade letzteres machte ihn unsicher, ob es nicht ein Fehler gewesen war, Ember seine Kräfte zu zeigen.
      Selbst jetzt, als ihre zarte Hand in seiner lag und er die Wärme spüren konnte und ihren Puls zu spüren glaubte.
      "Absurd trifft es sogar sehr genau", murmelte er und zog sie etwas zu sich, damit sie auch einen räumlichen Abstand zu dem ehemals versunkenen Boden gewann.
      "Oh es gibt Grenzen", sagte Ruairi und lächelte. "Ich zum Beispiel habe brennende Schmerzen, wenn ich diese Kräfte anwende und kann sie kaum lange aufrecht halten. Diese meine Magie ist nicht für Menschenkörper ausgelegt und wird ihn zerstören wenn ich sie zu lange nutze."
      Ruairi musste ein wenig schmunzeln, als er bemerkte, dass er ihre Hand noch immer halten durfte. Auch wenn vielleicht Angst oder der Drang, etwas Reales in der Hand zu halten der Grund war. Es sprach nichts dagegen, diesen Umstand ein wenig genießen zu dürfen.
      "Der Spitzname des Tyrannen war durchaus treffend", murmelte er, während er sie an der Hand zu den Sesseln führte. "Ich zwinge Jedem meine Regeln auf. Der Raum den ich umspanne dient meinem Gusto. Alles, was dort real erscheint, ist es nur, weil ich es will. Sie verstehen? Als wir in der Bar waren...Habe ich den Raum mit meiner Aura umspannt und uns durchsichtig erscheinen lassen. Dadurch konnte man sie nicht sehen. Sehr nützlich übrigens, wenn man ein wenig Alkohol aus dem Schrank des Großvaters klauen möchte. "
      Letzteres sagte er mit einem grinsenden Augenzwinkern, ehe sich sein Gesichtsausdruck wieder dem Ernst zuwandte.
      "Es gibt da etwas, dass ich Ihnen sagen möchte", begann er und räusperte sich. "Da wir eben von Vertrauen und Ehrlichkeit sprachen und ich sehe, dass Sie noch immer im Zweifel sind, möchte ich Ihnen folgendes sagen: Achten Sie auf sich und was Sie tun! Knight hat das Messer auf Sie geschliffen und hat mich veranlasst, Sie zu bespitzeln und Ihre Geheimnisse an ihn weiter zu tragen. Und ehe Sie gleich explodieren: Nichts, was Sie bisher gesagt haben, hat Knight erreicht. Und wird es auch nie. Ich spioniere keine Kollegen aus und bin kein einfacher Spion oder Henker."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • "Das hab ich jetzt schon mehrfach gesehen, dass mit verhältnismäßig großer Macht meistens auch Nebeneffekte eintreten. Bei August ist das ähnlich", überlegte Ember laut. "Dafür, dass Sie solche Schmerzen haben müssten sahen Sie am Tresen aber verdammt entspannt aus."
      Trotzdem konnte sie den Drang nicht bekämpfen, einen prüfenden Blick über Ruairi gleiten zu lassen. Tatsächlich hatte sie ihm keinerlei Regung ansehen können, aber vermutlich war das einfach nur jahrelanges Training zu verdanken. Willentlich ließ sie sich weg von dem Sofa hinüber zu den Sesseln führen wobei sie tunlichst darauf achtete, ihm nicht in die Fersen zu treten.
      Sie machte ein nachdenklich zustimmendes Geräusch. "So gesehen stimmt es wohl, ja. Wie geneau funktioniert das dann? Ist das nur eine Täuschung oder Verzerrung oder wirklich echt, was Sie damit verändern? Also war die Eigenschaft des Bodens wirklich anders? Gott, ich weiß gar nicht, wie ich das anders fragen soll..."
      Noch während sie sprach ließ sie sich in den Sessel sinken und gab endlich Ruairis Hand frei. Die einen Augenblick, so reimte sie es sich jedenfalls zu lange, zu lang im Raum schwebte ehe er sie zu sich zurückholte. Anschließend räusperte er sich, weshalb Ember mit großen und noch sehr freudsam gestimmten Augen zu ihm aufsah.
      Das änderte sich jedoch schlagartig, als er ihr Knights Absicht offenbahrte. Wie zuvor holte sie Luft, um zu protestieren, besann sich aber eines besseren. Ihr Gefühl war richtig gewesen, dass ihr fantastischer neuer Kollege Informationen aus ihr beschaffen sollte. Dass er allerdings von sich aus diese Info offenlegte und dementierte, dem Commissioner die gewünschten Detail zu liefern, erstaunte sie schon ein wenig.
      In Konsequenz neigte sie ihren Kopf ein wenig, zeigte jedoch ein schwaches Lächeln. "Ich habe mir bereits gedacht, dass Sie für wen auch immer Infos aus mir generieren sollten. Vielleicht bin ich auch einfach zu misstrauisch, aber das hätte ich jedem unterstellt. Aber ich glaube Ihnen. Sie hätten mich hier sonst spielend leicht überwältigen können ohne dass es jemals einer erfahren hätte. Von daher rechne ich Ihnen das nicht böse an. Sofern Sie mir noch etwas zu trinken besorgen, versteht sich."
      Das schwache Lächeln wurde deutlicher als eine zuvor ungesehene Mauer in ihr zu brechen schien. Üblicherweise hätte sie direkt blockiert, alle Mauern noch höher gezogen und wäre einfach gegangen. Sich von diesem Mann distanziert. Jetzt das Gegenteil zu tun war erstaunlich... befreiend für sie.
      "Wieso ist er denn so scharf auf mich? Einfach nur weil ich ein bisschen Zeit mit August und zwei anderen Arkana verbracht habe?"

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ruairi war für einen Moment lang unsicher, ob das, was er preisgegeben hatte, zu viel war. Vielleicht zu viel für ein Leben, aber zumindest für einen Abend.
      Nachdem er sie zu dem Sessel bugsiert hatte, betrachtete er Ember für eine kurze Weile, um keine Abnormitäten in ihren Augen festzustellen. Doch sie schien Herr ihrer Sinne zu sein. Zumindest für den Moment.
      "Ich hole Ihnen alles, was Sie wollen", grinste er schließlich und erhob sich, um in der Küche schnell zwei Gläser und eine Flasche eines Whiskeys, dessen Namen er nicht mal als Schotte mit gälischen Sprachkenntnissen aussprechen konnte. Zumindest erschien es ihm als das rechte Getränk für diesen Abend.
      Behände trug er die Flasche und die zwei Gläser zum WOhnzimmertisch, wo er erst Ember, dann sich ein Glas zur guten Hälfte mit dem Fusel füllte und hinreichte.
      Danach setzte er sich ihr gegenüber auf das Sofa.
      "Zu meinen Kräften ist es ein wenig schwer zu erklären. Wer meine Fähigkeiten besitzt, der weiß, dass die Realität wie wir sie sehen eine Lüge ist. Nichts ist real in diesem Moment. Und gleichzeitig doch. Es ist eine Realität, die zu meiner Realität wird. Und auch wenn ihre Grundeigenschaften manipulieren kann, so ist es nicht minder eine Realität. Also ja, der flüssige Boden war real und keine Illusion", berichtete er grinsend un prostete ihr zu.
      Der Whiskey schmeckte scheußlich.
      "Gott, was ist das für ein Zeug?", fragte er angeekelt udn wischte sich den Mund ab. "Davon abgesehen habe ich keine Ahnung, warum Knight das Messer auf Sie geschliffen hat. Er bat mich darum, da er glaubte, dass die Gerüchte um Ihre Person wahr seien. Zumindest die Gerüchte, mit denen Sie eine Liebschaft mit August Foremar begonnen haben und maßgeblich an diesem Fiasko der Sharokh beteiligt gewesen seien sollen. Ich vermute, dass er Angst hat oder einen Weg zu Foremar sucht, aber fragen Sie mich nicht warum. Nur langsam kommt mir das Ganze spanisch vor, wenn ich das im Lichte der Attacken auf die Zivilbevölkerung sehe..."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Ember sah die Flasche noch bevor sie ein Glas in Händen hielt und fragte sich umgehend, ob das eine so gute Idee war. Sie streckte sich ein wenig nach vorn, um von Ruairi das Glas entgegen zu nehmen und schnupperte vorsichtig daran. Allerin der Geruch war schon... grenzwertig.
      "Wirklich verwirrend, wenn man das so von Ihnen hört. Tut einer eh schon misstrauischen Person sicherlich keinen Gefallen, wenn man alles ständig hinterfragen muss..", formulierte sie ihre Gedanken laut und erwiderte seinen Prost mit dem eigenen Heben des Glases.
      Sie hätte auf ihre Nase hören sollen und lieber nichts von dem ach so tollen Whiskey trinken sollen.
      Was Ruairi als ihrer beiden Gedanken kundgab, resultierte bei Ember in einem Absacken des Kopfes. Sie schüttelte sich sogar ganz kurz während sie ihre durchaus angewiderte Miene lieber dem Boden als dem Gastgeber präsentierte. Als ihr Gesicht wieder auftauchte, hatte sie noch immer eine leicht verzogene Mimik ausgelegt. Vorsichtig lehnte sie sich wieder nach vorne und stellte das Glas auf dem Tisch ab.
      Ganz weit weg von ihr.
      "Wieso haben Sie Whiskey hier stehen wenn Sie nicht mal wissen, wie der schmeckt? Sowas bieten Sie ihren Gästen an?" Sie lachte kurz und bekämpfte einen weiteren Schauer, als ihre Stimme Noten des Whiskeys wieder auf ihre Zunge zauberten.
      "Maßgeblich beteiligt war ich, das kann ja wohl keiner abstreiten der sich ein wenig mit dem auseinandergesetzt hat, was da passiert ist. Ich dachte ursprünglich, dass ich ganz allein an dem Massaker so schuld war. Viel später habe ich erst erkannt, dass nicht nur ein Handel mit einem Sharokh aktiv war, sondern zwei. Was übrigens in den Punkt des Missbrauchs des Vertrauens spielt."
      Ember nickte.
      "Ich war mir nicht sicher, mit wem ich über die gewonnenen Erkenntnisse sprechen konnte. Mit Hawthorne hätte ich es , ja. Er wäre vermutlich auch direkt auf die Zivilisten angesprungen, aber Knight kann ich gar nicht einschätzen. Ich meine, Sie kenne ich ja nun auch nicht wirklich..." Ihr Blick glitt zu dem einsamen Glas auf dem Tisch, dann wieder zu Ruairi. "Ich nehme auch ein Bier. Oder noch einen Kaffee, wenn mich nur noch so ein Whiskey erwartet."

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ruairi begann zu lachen, als sie die schlechten Getränke ansprach und nickte ihr zu.
      Schwungvoll erhob er sich und wanderte zum Kühlschrank, um zwei Flaschen Bier herauszufischen, die zumindest akzeptabel kalt waren. Besser als dieser Schund von Whiskey.
      Grinsend kam er wieder und drückte ihr eine bereits geöffnete Flasche in die Hand, ehe er sich wieder setzte und ächzte, als er seinen Kopf auf die Rückenlehne ablegte.
      "Ich hab diesen Whiskey von meiner Schwester", murmelte er. "Wir haben da so eine Regel. Wir schenken uns zu Feierlichkeiten nur schrecklichen Krempel, den wir nicht brauchen oder ausstehen können. Und letztes Jahr bekam ich diesen Whiskey. Und dann hab ich ihn vergessen und mich gerade daran erinnert, was das für ein Schund war. Zum Nächsten bekommt sie eine verzauberte Decke, die sie beißt. Mal sehen.."
      Er nahm einen Schluck des Bieres und spülte den Nachgeschmack herunter ehe er Ember wieder ansah.
      "Dachte mir schon, dass es Foremar war", grinste Ruairi. "Den Berichten nach hat er eine recht einnehmende Art. Hab einige Abhandlungen über ihn und seine Kraft gelesen, in denen es hieß dass er als König der Illusionen gilt. Schreckliches Los wenn Sie mich fragen. Aber ich denke, dass es Knight dann eher um den Zugang geht...
      Haben Sie noch Kontakt zu Foremar? Ehrlich jetzt,..."
      Er grinste schmallippig und prostete ihr zu.
      "Ich war mir auch nicht sicher, ob man Ihnen trauen konnte", gab er zu. "Wenn ich ehrlich bin weiß ich es jetzt auch nicht. Immerhin ist Ihre Statistik was Vertrauen angeht nicht so besonders, oder? Aber Knight...TRauen Sie Knight nicht mehr als Sie ihn werfen können, wenn ich Ihnen ein Tipp geben darf. Der Mann ist absolut skrupellos, wenn man den Berichten aus Wales glauben kann."
      #

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Ember musste breit grinsen bei der Vorstellung, mit einer beissenden Decke zu kuscheln. Vorallem, wenn man nicht damit rechnete und sich dann wunderte, warum es plötzlich überall zwackt.
      "Ist doch auch ganz witzig, wenn man sich nur Schrott schenkt. Es eröffnet einem ganz neue Horizonte, wenn man sich etwas überlegen muss, was der Andere wirklich nicht mag statt liebt. Sorgt immerhin für den gewissen Nervenkitzel, würde ich sagen."
      Dankbar nahm sie einen ausgiebigen Schluck vom Bier, das den Nachgeschmack des Whiskeys endgültig vertrieb.
      "Wir schenken uns mittlerweile nichts mehr. Stattdessen gehen wir zusammen irgendwo hin oder kochen oder sowas. Meine Eltern stehen auf Zeit mit ihren Kindern, sei den Alten auch gegönnt. Klingt aber so, als hätten Sie einen ganz guten Draht zu beiden Ihrer Geschwister. Wie ist Ihre Schwester denn so drauf?"
      Dann sprach Ruairi den einen Punkt an, von dem sie wirklich nicht sicher war, ob sie es offenlegen sollte. Sie haderte damit zu gestehen, dass August auf eine lächerliche SMS geantwortet hatte, aber noch viel mehr mit der Tatsache, dass das Dusk and Dawn existierte. Mit ein wenig Recherche würde man das Gebäude leicht finden, aber dass er seine Finger im Spiel hatte und sie einbinden wollte, war vielleicht zu viel des Guten.
      "Ich muss ehrlich sagen, dass ich während meiner Zeit mit ihm selten an den Titel gedacht habe. Keine Ahnung, wie viel von dem Echt war, was ich sah, aber ich würde behaupten, dass Illusionen das war, was ich am wenigsten bei ihm gesehen habe. Dafür hab ich anderes gesehen, was unvorbereitet schon sehr grenzwertig war. Haben Sie das mitbekommen mit dem Angriff im Untergrund? Wir waren auf Informationsbeschaffung und wurden von Bones angegriffen. Ich war als Erste abgehauen und er kam später zu meiner Wohnung zurück. Hat den kompletten Flur des Hauses mit einer Blutspur versaut und wäre mir fast auf dem Sofa verreckt. Das wusste zum Beispiel auch niemand im PD außer Hawthorne. Und vielleicht Cunningham. Ruhe in Frieden, du alte Schreckschraube."
      Ember hob kurz die Flasche in die Höhe für jemanden, der gar nicht anwesend war. Ein leichter Schatten huschte kurz über ihr Gesicht bei dem Gedanken an die Toten, die sie zum Teil mitzuverantworten hatte. Alles Seelen, die nicht mit ihrem Tod auf diesem Feld gerechnet hatten.
      "Meine Statistik ist fantastisch, ja? Was kann ich dafür, wenn die Anderen sämtliche meiner Handlungen hinterfragen?" Sie zuckte gespielt beleidigt mit ihren Schultern bevor sie einen weiteren Schluck nahm und die Beine überschlug. "Nein, es stimmt schon. Vieles was ich tat war grenzwertig und hätte einen eventuellen Partner mehr in den Dreck gezogen als ich es gewollt hätte. Je weniger die Umstehenden eingeweiht waren desto leichter war es zu bekräftigen, dass man ihnen keine Schuld anhängen durfte. Aber was Knight betrifft..."
      Ember stellte die Flasche auf ihrem Oberschenkel ab und strich sich ein paar wild gewordene Silbersträhnen aus dem Gesicht.
      "Ich fand allein den Punkt, dass er als Mensch Arkanaanwärter in Schach hielt schon sehr spannend. Der Kerl besitzt eine Präsenz, die ist jenseits von Gut und Böse. Wenn ich nicht generell ein Problem mit Autoritäten hätte, dann würde das allein schon reichen, dass ich ihn nur mit einer Kneifzange anfassen würde. Ich war ein wenig damit beschäftigt, Sie zu recherchieren, dass ich nichts über ihn herausfinden konnte, aber was sagen die Berichte denn? Erhellen Sie mich mal", bat sie ihren Sitznachbarn.

      copyright by Vertify


      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Benutzer online 23

      23 Besucher