[2er RPG] Dusk & Dawn [Asuna & Nico]

    • Die Docks

      Emmett Whites Gesicht erhellte sich ein wenig, als Ember zumindest auf den Trichter kam. ZWar war dies immer noch nicht die Frage, die es im Kern zu beantworten galt, aber zumindest war die Richtung korrekt.
      "Die Frage ist gänzlich leicht zu beantworten", murmelte Emmett und verschränkte die Arme vor der Brust, während er hinter der Tonne hervortrat. "Warum Sie? Nun, sehr einfach: Weil Sie dort waren. Es hätte Jeder andere sein können, der August ein wenig näher gekommen war. Dies Wesen spürt genau wie ich und James hier, dass Sie sich zu August hingezogen fühlen. James mag dies aus Menschenkenntnis tun, ich jedoch sehe ihre Auraspuren. Ich sehe, dass es nicht lange her ist. Vielleicht eine halbe Nacht? Und dieses Wesen sieht es noch wesentlich mehr. Er suchte Jemanden, der AUgust nahe kommen konnte. UNd die Frage, was Sie berechtigt oder befähigt: Gar nichts, Ember. Sie sind ein normaler Mensch", kicherte Emmett.
      "Aber die Tatsache ist wesentlich bemerkenswerter, wenn wir es herum drehen..."
      Jetzt erst wirkte Hawthorne wie aufgewacht und räusperte sich. Er hatte eine weitere Zigarette angezündet und seufzte.
      "Wieso kann der Sharokh es nicht selbst?", fragte er knurrend und sah zu Ember und Emmett.
      "Und da haben wir die rechte Frage", kicherte dieser und nickte. "Weil er es eben nicht kann. Der Sharokh kann es nicht, weil es ihm nicht möglich ist."
      Für einen Moment herrschte Stillschweigen in der Halle ehe Hawthorne sich geräuschvoll an den Tisch lehnte.
      "Das würde heißen..."
      "Haargenau, James", grinste Emmett. "Haagenau. Aber nichtsdestoweniger müssen wir sehen, dass wir August aus Julias Fängen holen. NUr lebendig ist er Ihnen nützlich, Ember."


      PD

      August lächelte.
      Man konnte das Lächeln als boshaft oder gar grausam beschreiben, aber für manche war es einfach nur ein ambivalentes Grinsen. Das Grinsen eines Teufels eben.
      "Ich bin nicht machtsüchtig", bemerkte er und sah auf seine Fingernägel, die mit einem Male länger erschienen. Seine Lippen hatten eine leichte Graufärbung angenommen und seine Augen wirkten blasser. Als sei ihnen die Farbe verloren gegangen. "Ich habe seit jeher nur eines gewollt: Eine Welt ohne Hass und Blut. Eine Welt, in der Rogues neben anderen Wesenheiten existieren können, ohne unter staatlicher Jagd zu stehen. Ich habe in den vielen Jahren meines Lebens so viele von uns leiden sehen. Sah Kinderleichen, aufgereiht in Straßen und Menschen, die um Gnade bettelten, ehe man sie abschlachtete. Alles unter der Fahne der Gerechtigkeit und des Rechts. Und nichts davon war in irgendeiner Angelegenheit gerecht, Noland. Sie selbst werden es doch noch wissen...Die Plakate, die Schmutzkampagnen, die Prozesse uns gegenüber. Und bisher haben die Menschen nur Glück gehabt, dass sich die Arkana nicht organisieren konnten, nicht wahr? Doch was wäre, wenn?"
      Er räusperte sich und sein Antlitz entsprach wieder der Normalität.
      "Ich muss mitnichten König oder ANführer sein", sagte er lächelnd. "Aber wenn es die Gemeinschaft will, werde ich gerne meinen bescheidenen Teil dazu beitragen, die Menschen in ihre Schranken zu weisen und ihnen zu zeigen, dass wir kein Schlachthausvieh sind. Sondern eine Partei, mit der man zu rechnen hat!"

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    • Die Docks

      Inzwischen hatte Ember ihr Handy gezückt und scrollte konzentriert durch das Telefonbuch. Es war nicht so, als wären nicht noch immer zig Fragen offen, die Zeit viel zu kurz um sie allesamt beantworten zu können. Wie sie es drehte und wendete, in dieser Angelegenheit würde niemand das bekommen, was er sich wünschte.
      "Wenn ich richtig tippe, dürfte sich August zur Zeit noch bei Noland befinden", sagte Ember gedehnt während sie eine Nachricht schrieb und diese an einen ihrer Kontakte abschickte. "Er wird so viel Zeit schinden, wie er nur kann. Das Klügste wäre ein wenig Chaos zu stiften und ihn so herauszubekommen. Sonst könnte nur ich ihn unter einen Vorwand zum Evenstar führen, allerdings nur unter Aufsicht."
      Ihr Blick richtete sich auf Hawthorne, der schon wieder einen Glimmstengel zwischen den Zähnen hatte.
      "Sie müssten ein paar Ihrer Helferlein animieren damit ich ohne großartigen Widerstand mit August aus dem Präsidium spazieren kann." Schnell schwang ihr Blick hinüber zu Emmett. "Vielleicht würde das ein oder andere Abbild Ihrerseits ein bisschen Chaos stiften können."
      Anschließend ließ sie das Handy wieder in ihrer Tasche verschwinden und zog den Kragen ihres Mantels ein wenig gerade. Ins Präsidium würde kein Problem werden, aber mit einem ungesicherten Arkana unter Haftbefehl würde es schwierig werden, allein weiterzukommen. Sie war auf die Mithilfe anderer angewiesen, so unliebsam es ihr auch war.
      "Verschwinden die Markierungen für das Tor, wenn der Handel zustande kommt? Eher unwahrscheinlich. Wer ist also sonst noch in der Lage, diese Bäume zu entwurzeln? Das Problem bliebe doch bestehen, selbst wenn August stirbt", merkte sie an, wobei sie den Autoschlüssel bereits zurückte.
      Emmett hatte recht. Die Zeit war nicht auf ihrer Seite also würde sie sich beeilen müssen. Während sie zu Präsidium fuhr, konnte Hawthorne seine Anrufe machen und sie selbst noch einen Abstecher bei Heyden machen. Für das, was sie vorhatte, würde sie ihre Ausrüstung brauchen.
      "Ich fahre dann zum Präsidium. Wenn Sie so freundlich wären und die Anrufe tätigen? Wenn was ist, ich hab mein Handy auf laut."


      PD

      In Nolands Augen lief eine dermaßen rasche Abfolge von Gedanken sichtbar ab, dass es unmöglich war, Schritt zu halten. Der ältere Mann verstand ein bisschen zu schnell gewisse Zusammenhänge und haderte ganz offensichtlich mit sich, ob er dahingehend Fragen stellen sollte oder nicht. Schließlich befand er jede Frage als völlig sinnlos, da er den Arkana vor sich so einschätzte, dass er sowieso nur auf das Geringste antworten würde.
      Es war die Spur von überaus gesundem Respekt, die in seinem Blick am längsten verweilte. Die subtil veränderte Gestalt schindete den gewünschten Effekt und sorgte dafür, dass sich Noland unweigerlich ein Stückchen von August entfernte. Obwohl der Gesichtsausdruck alles andere als Furcht versprach.
      "Zugegeben, Sie erscheinen mir nicht machtsüchtig. Und doch besitzen Sie Fähigkeiten, die eigentlich nicht für eine einzige Person gemacht sind", stellte Noland fest, ließ die genaue Formulierung jedoch lieber im Raume stehen. "Ich sehe und höre tagtäglich die Prozesse, die Anschuldigungen, der Rufmord, der nicht bei dem Ruf eines Zauberers stoppt. Ich habe hier in diesen Wänden meinen Teil dazu beigetragen, um ein wenig Ungerechtigkeit aus dem Wege zu räumen. Allerdings gilt dies für beide Seiten."
      Er verschwieg, dass sich ein Fünkchen Emotion in seinem Inneren rührte, dass er sorgsam abzutöten suchte. Selbstverständlich erinnerte er sich an all das, was August ihm gerade aufgezählt hatte. Und das nicht nur seinem eigenen Blickwinkel sondern aus dem hunderter Anderer. Manche gaben ihm den Titel 'Hüter der Erinnerungen', aber in diesen Wänden machte niemand Gebrauch von diesem Aspekt seiner Fähigkeit. Einem, der durchaus eine schöne Seite seiner Magie darstellte.
      "Sie wollen eine längst überfällige Revolution starten. Mit der Sie, mitnichten, Erfolg haben werden. Der Großteil der Menschheit ist ein nicht wehrhafter Haufen, die verlernt haben, was ein wahrlicher Kampf ist. Sie werden flüchten und sich dem ergeben, der als Sieger hervortritt. Glauben Sie, dass ein Gleichgewicht erreicht werden kann? Ist das nicht eine utopische Annahme?"
      Noland selbst zweifelte daran. Ein wirkliches Gleichgewicht würde in seiner Auffassung niemals entstehen können. Eine Seite würde ewig benachteiligt werden und sobald die Zauberer verstanden, ihre Macht gegen die Schwächeren in der Überzahl einzusetzen, war das Verhältnis unaufhaltsam gestört.
      "Vielleicht bin ich geneigt, mich der Revolte nicht direkt anzuschließen aber ihr beizuwohnen", fügte er nach einer kurzen Weile hinzu und begann, mit Zeigefinger und Daumen die Fingerglieder der anderen Hand abzufahren. "Was gedenken Sie mit James zu tun? Er wird sich höchstwahrscheinlich dagegen stellen. Und Ember? Was, wenn auch sie sich gegen Sie stellt?"

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Die Docks



      Emmett nickte ihren Plan, Chaos zu stiften dankend ab und grinste.

      „Meine Duplikate sind bereits auf dem Weg, Ember. Es werden an der Zahl mehr als ausreichend sein, glauben Sie mir. Einen derartigen Ansturm von Emmetts hat die Polizei noch nicht vernommen,…“

      Ein merkwürdiges Kichern breitete sich auf seinem Gesicht aus, wissend, dass Ember mindestens 100 dieser Duplikate erwarten würden, die nur auf ihr Kommando das Gebäude stürmten. Diese Menschen würden nicht mal eine Ahnung haben was ihnen geschähe, selbst wenn man es ihnen ankündigte.

      Beide Männer sahen sie an und Hawthorne schüttelte den Kopf.

      „Sie werden das Gebäude nur peripher betreten. Wenn Cunningham erfährt, dass Sie dort sind, wird sie Foremar schneller verlegen als den 9. Harry Potter Band. Williams und Darwin sind meine Kontaktmänner. Ich alarmiere sie, sie bringen sich in Stellung und werden Ihnen Foremar übergeben.“

      Als sie verschwunden war, sahen sich Hawthorne und White an. Erst danach umarmten sie sich wie alte Freunde und schlugen sich kurz auf den Rücken.

      „Für einen Moment habe ich gedacht, du seist tot“, murmelte Hawthorne.

      „Wie könnte ich meinen Schwager denn so im Stich lassen?“, kicherte Emmett und sah ihn zwinkernd an. „Jim, die Lage ist mehr als ernst. Ich habe keine Ahnung was hier genau abgeht, aber deine Vermutung war mehr als richtig.“
      „Du meinst…“

      „Ja. Ember hatte mit ihrer Frage durchaus nicht Unrecht. Es gibt einen Grund weshalb der Angelus ihn nicht berühren kann…“
      Hawthorne tippte bereits eine Nummer in sein Handy und hielt es an sein Ohr.

      „Dann muss sie es erfahren“, zischte er.

      Doch Emmett schüttelte den Kopf.

      „Nein. Zu früh. Sie sollte nicht mehr in die Verstrickungen der Foremar-Familie eintauchen als notwendig…Ich werde es ihr sagen, wenn sie das nächste Mal Kontakt sucht. Es wird freilich der Moment sein, wo August sie zu töten versucht…“
      „Denkst du wirklich…Oh, es klingelt. Williams? Hören Sie…“







      PD



      „Sie haben weiß Gott dazu beigetragen, Noland“, bestätigte August und lächelte. Erneut erinnerte es an das Lächeln eines Dämons, bereit, sein Opfer zu reißen. „Und vielleicht kann ich Ihrem Leben ja etwas mehr Perspektive bieten. Bruder, wir sind nicht mehr allein. Wir sind es nicht mehr…“

      Er kicherte und langsam verbannte sich die Finsternis in sich selbst und August nahm seine ursprüngliche Gestalt wieder an.

      „Es mag eine Utopie sein. Aber jeder Gedanke einer besseren Welt ist Utopie, ehe man ihn verwirklicht. Alsdann werden die vielen Wegbereiter immer nur sagen, dass sie es immer gewusst haben. Ich habe nicht vor, die Menschen zu töten, Noland. Ich möchte sie nur daran erinnern, dass man Menschen nicht so wie uns behandeln kann. Und sollte dies nur mit einer Prise Gewalt erreicht werden können, so bin ich bereit dafür…“
      Sollte man nun, geneigter Leser, nicht auf den Trichter gekommen sein, einen ausewachsenen Soziopathen vor sich zu haben, so wäre spätestens nach diesem Satz der Beweis erbracht.

      Gerade wollte August antworten als es an der Tür zu hämmern begann.

      „Noland?!“, rief eine tiefe Stimme und rasch wurde die Tür geöffnet. „Williams“, sagte der Mann. „Foremar muss nun verlegt werden. Es eilt. Befehl vom Chief. Vom richtigen!“

      August zuckte die Achseln und erhob sich langsam, ehe er zu Noland sah.

      „Also…Überlegen Sie sich mein Angebot, wenn Sie frei sein wollen, Noland. Ich freue mich auf Sie…Und zu Ember und James: Wir werden sehen was sich ergibt.“

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    • Police Department - 14:21 Uhr

      Als es an der Tür klopfte, ahnte Noland bereits, dass etwas im Argen war. Tatsächlich sogar auf viel zu vielen Ebenen, wie er feststellen musste, als ein treuer Anhänger Hawthornes eintrat und August auf dessen Geheiß herausholte. Der alte Mann sah dem Arkana lediglich hinterher, als dieser aufstand und mit seinen letzten Worten den Raum verließ.
      Geistesabwesend steckte sich Noland ein weiteres Bonbon in den Mund. Ihm war es egal, wenn August für seine Revolte einen Thron auf einem Berg an Leichen jeglicher Ethnie errichtete. Dass er gewillt war dazu Gewalt zu nutzen und das verrückte Gleichgewicht einmal ordentlich durchzuschütteln. Vielleicht war das ja sogar längst überfällig. Allerdings waren es die letzten Worte, die Noland wirklich nachdenklich stimmten. Er wusste um die Beziehung zu James sowie zu Ember und diese paar Worte hatten ihm verdeutlicht, dass August diese beiden Figuren aus dem Weg räumen würde, sollten sie sich nicht mehr als nützlich erweisen.

      Ember war über den abgeschiedenen Hintereingang des Gebäudes angefahren und staunte nicht schlecht, als sie immer mehr Emmett Whites entdeckte. Bei etwa dreißig hatte sie aufgehört zu zählen und wäre beinahe in Lachen ausgebrochen, wäre die Situation nicht so angespannt gewesen. Während der Autofahrt hatte sie ihren Entschluss überdacht, die Worte vergangener Tage abgewägt und möglichen Konsequenzen in Betracht gezogen. Wenn sie wirklich mit ihrem Entschluss ging, durfte sie nicht einen Moment zaudern sondern musste mit vollster Überzegung dahinter stehen.
      Irgendwie würde es schon alles funktionieren.
      Sie seufzte, als sie aus dem Wagen ausstieg und den Blick von ein paar Emmetts auffing. Ihre Augenbrauen hoben sich ein wenig bevor sie zum Gebäude nickte und keinerlei Anstalten machen würde, es selbst zu betreten. Man hatte ja auf die harte Tour gelernt, Tipps anderer zu befolgen, die mindestens genauso gut wie ihr eigener Dickkopf war.
      Als sich vom Vorplatz des Gebäudes auf einmal Schreie erhoben und Stimmen laut wurden, lehnte sich Ember mit verschränkten Armen an den Kotflügel von Shawns Auto. Es war allerdings die Bewegung an der Stahltür des Hintereingangs, die ihre Aufmerksamkeit auf sich zog. Aus dem Spalt löste sich eine plumpe Figur mit roten Haaren, die ungelenk mit einem Stoffbeutel zu Ember hinüberhastete und lächerlicher nicht aussehen konnte.
      "Wieso laufen da eine Horde Emmett Whites herum?!", fragte Heyden völlig außer sich als er bei der Detective ankam und ihr fahrig die Tasche in die Hände drückte. Offensichtlich wollte er sie so schnell es ging loswerden. "Als würde es nicht schon reichen, dass August Foremar bei Noland einsitzen darf. Das ist, als würde der Mann eine Bombe streicheln."
      Embers Blick ging in die Tasche. Ihre Glock, drei Magazine sowie drei Packungen Munition. Heyden hatte indes sein Handy hervor gekramt und scrollte auf dem Bildschirm herum ehe er fand, wonach er gesucht hatte.
      "Ich denke, das solltest du zumindest einmal gesehen haben", sagte der Techniker zurückhaltend als er ihr das Display hinhielt und den Anhang der SMS abspielte.
      Ember sah schweigen zu, was sich auf dem Bildschirm abspielte und zeigte keinerlei Reaktion. Mindestens genauso schweigend steckte der korpulente Mann sein Handy wieder ein und deutete auf die Tasche.
      "Die Roten kennst du. Blau sind Stumpfgeschosse. Du musst einen Rogue mit mindestens zwei davon treffen damit die Kugel seine Aura vollständig auflöst. Die Grünen sind Spitzgeschosse mit Ummantelung. Sie brechen jeglichen Auraschild, unf funktionieren dann wie normale Munition. Du musst allerdings recht nah dran stehen."
      Ember nickte nur. "Danke. Sieh zu, dass du dich in deinem Labor da verschanzt."
      "Nichts lieber als das."
      Damit machte sich Heyden wieder aus dem Staub und ließ Ember allein zurück. Während sie darauf wartete, dass Hawthornes kleine Vögelchen August aus dem Schlangennest brachten, kramte sie ihre Glock aus dem Beutel und steckte das erste Magazin ein. In absoluter Routine repetierte sie den Schlitten durch, klickte die Sicherung ein und steckte die Waffe an ihr Hüftholster, das sie dieses Mal dem Brustholster vorgezogen hatte. Die anderen zwei Magazine verschwanden hinten an ihrem Gürtel. Man wusste ja nie, was noch passieren sollte. Mittlerweile rechnete Ember mit allem.
      Jetzt würde es heißen, abzuwarten bis das Chaos seinen Höchststand erreichte.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Das PD - 14:15 Uhr

      Julia Cunningham hasste es, zu warten. Sie hasste es aus den verschiedensten Gründen, auch wenn der vorrangige Grund war, dass sie nicht ersehen konnte, was zu welchem Zeitpunkt geschehen sollte. Es war schon eine Genugtuung der anderen Seite in ihr gewesen, als sie Foremar an Noland übergeben musste, aufgrund irgendwelcher Vorschriften. Seither war sie in ihrem Büro, dem berüchtigten Glaskasten, gewesen und fühlte sich gefangen. Julias Gedanken tobten bei dem Gedanken, dass Foremar alle Zeit der Welt bekam, um mit Noland über das Sein und Schein zu philosophieren, während er eigentlich ins Evenstar überführt werden musste.
      Gerade setzte sie die Tasse Kaffee ab und wollte sich nach dem Vorkommen erkundigen, als Peacock und Richardson herein stürmten.
      "Chief! Draußen ist fürchte ich etwas, das Sie sehen sollten!", riefen sie unisono und Julia wusste, dass dies nur Schlechtes bedeuten konnte und mochte.
      Seufzend erhob sie sich und trat an das schmale Fenster was nach außen gerichtet war und sah hinab.
      Hinab auf eine Menge von Emmett Whites, der tot in einem Leichenschauhaus liegen sollte. Und Cunningham wusste ab diesem Tag, dass es ein mieser Tag werden würde...

      Vor dem PD

      Emmett White war kein wirklich begabter Mann oder Zauberer.
      Dennoch gab es eine Sache, die er wahrlich meisterhaft beherrschte: Die Tatsache, Chaos überall zu verbreiten wo er ging und stand. Auch hier, in dieser lauschigen Hautpverkehrsstraße von London schafften seine Duplikate binnen Sekunden, den Verkehr vor dem Gebäude völlig lahm zu legen und eine Art Demo zu organisieren. Die Parolen waren dabei egal. Die Einen Duplikate forderten "BIER FÜR DAS VOLK!" während die anderen von ungerechten Löhnen für Taubenzüchter skandierten. Wieder Andere monierten die Polizeigewalt im Staate und sahen sich alsbald einer Masse an Castern gegenüber, die aus dem Gebäude stürmten.
      Wie eine Horde Ameisen strömten Menschen wie Caster aus dem Gebäude und zogen einen dichten Ring um das Haus und den Haupteingang, damit niemand wirklich Einsicht hatte, was hinaus kam und was nicht. Cunningham folgte auf dem Fuße, mit ein paar hochrangigen Würdenträgern und platzierte sich zentral vor dem Haupteingang.
      "Was soll dieser Scheiß, Emmett?", rief sie über den Platz hinweg und sah sich einer Horde von lachenden Gesichtern gegenüber.
      Als das Kichern nicht verebben wollte, streckte Julia ihre Hand aus.
      Das Erschaffen eines Vakuums war ihr ins Blut gelegt worden. Von ihrer Mutter aus. Ophelia. Die gute Frau. Eine Rogue, bevor es das Gesetz gab. Eine wundersame Frau.
      Ein meckerndes Lachen erfüllte ihren Ohren und plusterte sie mit Wut, sodass sie ein Vakuum um den Kopf eines Emmetts legte, der sogleich nach Luft zu ringen begann, als sie den Sauerstoff herauszog.
      Mit dem Schließen der Faust zog sich das Feld ruckartig zusammen und der Kopf des Emmetts wirkte wie eine Dose, die man zerknüllte. Gurgelnd fiel er zu Boden und ergoss sein Hirn auf die Straße.
      "Also...Wollen wir nun re-"
      Und die Emmetts stürmten los.

      PD-Seitenausgang

      Das Geräusch der Schreienden Emmetts wurde mit einem Mal lauter und brachialer, als August mit Williams aus dem Seiteneingang stieg.
      "Ich danke Ihnen", sagte er und sah den dunkelhäutigen Polizisten an, der den Kopf schüttelte.
      "VErstehen Sie mich nicht falsch, Foremar. Ich halte Sie für ein Monster. Einen Mörder, ein Monster und eine Bedrohung für das Wohl der Menschen. Aber leider...Leider brauchen wir gerade so ein Monster."
      Mit diesen Worten und einem leichten Nicken verabschiedete sich August und wanderte seelenruhig das Gebäude entlang. Vor dem Gebäude begann ein Kampf zu toben. Caster und Menschen schossen um sich, Cunningham tötete Emmetts in großem Stil, während diese mit sprichwörtlichen Mistgabeln und Fackeln versuchten, in das Haus und an Julia zu gelangen.
      August nahm es mit einem Kichern hin und eilte sich, auf das Auto zu, das er kannte. Und Ember.
      "Na? Sind SIe mein Taxi?"; grinste er und hastete ins Auto. "Hat dich meine Nachricht also erreicht?"

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    • 2. Stock des PDs

      Noland hatte sich aus seinem Zimmer begeben und stand nun vor der Glasfront, von der man hinunter auf den Vorplatz des Gebäudes sehen konnte. Das gesamte Gebäude war bereits erfüllt mit lauten Stimmen jeglicher Gefühlsregungen, was ihm direkt indizierte, sich emotional abzuschotten. Seine faltige Hand legte sich auf das kalte Glas als sein Blick auf die Horde an Emmetts fiel, die gerade versuchten das Gebäude zu stürmen und dafür an einer aufgebrachten Cunningham vorbei mussten. Hinzu kamen etliche Caster, die einen Zauberer wie sie selbst rigoros außer Gefecht setzten, als seien sie Fremde.
      Wie in einem schlechten Film stand sie als letzte Barrikade vor dem Mob mit ausgestreckter Hand und ließ Köpfe platzen wie Spielzeuge. Weiter hinten, direkt an der Hauptstraße, hatten sich Schaulustige versammelt. Selbst von hier oben konnte der alte Mann erkennen, dass sowohl Schock als auch kranke Faszination in den Gesichtern der Passanten lag. Eine ambivalente Stimmung, die normal war für ein gemischtes Volk.
      Trotzdem fühlte sich Noland leer während er sah, was ein einziger Zauberer bereits für ein Chaos anrichten konnte, nur um einen anderen zu befreien. Denn diese Absicht war innerhalb von Sekunden klar gewesen. Wie sollte es enden, wenn August Foremar es schaffen sollte, sämtliche der 21 Arkana hinter sich zu organisieren?


      PD-Hinterhof

      Ember bewegte sich nicht ein Stück als sie sah, wie August aus dem Seiteneingang des Gebäudes geschleust wurde und sie schließlich entdeckte. Ihre Mimik war konzentriert, immer darauf bedacht zu schauen, ob nicht doch plötzlich jemand unerwartetes von der Seite her auftauchen und ihren Plan durchkreuzen würde. Als er grinsend bei ihr ankam und ins Auto hüpfte, stieß sie einen angehaltenen Atemzug aus, löste ihre Starre und tat es August gleich.
      "Taxi wider Willen, wenn du mich fragst. Es gibt da so einige Dinge, die du mir vielleicht doch noch beantworten müsstest", sagte Ember schlicht während sie die Zündung startete und vom Parkplatz fuhr.
      "Offensichtlich hat die Nachricht mich erreicht. Zweifach. Ich muss sagen, ich bin schon ein wenig angepisst wie gut du schauspielern kannst. Ich hätte schwören können, der Schock in deinen Augen in Croydon war echt. Man lernt eben doch nie aus."
      Als sich Shawns Wagen in den Verkehr Londons einpflegte sollte eigentliche ihre Anspannung ein wenig abfallen. Stattdessen blieb sie auf einem konstant hohen Level, vermutlich solange bis sie sich sicher sein konnte, an einen geschützten Ort zu gelangen. Und dieser war aktuell nicht das Twisted Mind, sondern die Bruchbude in Chelsea.
      "War deine kleine Unterhaltung mit Noland aufschlussreich?"
      Es würde eine kurze Fahrt werden bis nach Chelsea. Dort würden sie auf Emmett und vermutlich auch noch Hawthorne treffen. Vielleicht würde Ember dann auch endlich ein paar Antworten auf das Offensichtliche bekommen. Wenn sie den ruhigen Moment dafür bekommen sollten.


      Die Docks

      Es dauerte nur ein paar Minuten, dann fuhr der unauffällige Wagen von Shawn vor dem Lagerhaus vor. Ember zog die Handbremse an, stieg aus und schüttelte sich, um die noch immer in den Knochen sitzende Verspannung etwas zu lösen. Ihr Blick ging zu August, der ebenfalls gerade ausgestiegen war, und verriegelte den Wagen.
      "Ich dachte immer, du drückst dich kryptisch aus. Dein Freund da drin schlägt dich um Längen", bemerkte die Detective etwas amüsiert bevor sie um den Wagen schritt und dem Rogue folgte, der sich bereits zu den Treppen zum Eingang des Lagerhauses gemacht hatte. "Ich glaube, die anderen Arkana will ich gar nicht treffen, wenn die alle so verschroben sind. Hält man ja nicht aus."
      Embers Augen saugten sich an Augusts Fersen fest, wie er vor ihr die Stufen nahm und sich als erstes durch die Tür schob. Ab diesem Zeitpunkt hatte sie das Gefühl, keinen Boden mehr unter den Füßen zu haben.
      Tell me why I feel like there's no way out.
      Einzig und allein der Fakt, dass sie mit aller Macht an ihrer Entscheidung festhielt sorgte dafür, dass sie an Ort und Stelle nicht in die Knie ging.
      Trying hard to heal as the pain pours out.
      Dann trat sie nach ihm ins dunklere Lagerhaus, der muffige Geruch kam ihr plötzlich nur noch belanglos vor. Alles was sie wahrnahm war Augusts Erscheinung nur knapp drei Meter vor ihr als sich ihre eiskalten Hände in Bewegung setzten.
      I don't wanna feel this way but it's hard
      'Cause I know that in the end
      There's no, no way out.

      Embers Routine setzte ein, als sie lautlos die Glock aus dem Holster an ihrer Hüfte zog, den Lauf auf Augusts Schulterblatt richtete und wusste, dass sie aus dieser Distanz niemals verfehlen würde. Niemals verfehlen konnte und genau wusste, wohin sie schießen musste, um einen Menschen wie ein Kartenhaus zusammenfallen zu lassen. Ihr Kopf war absolut leer als sie nicht länger zögerte, die Sicherung löste.
      Ein ohrenbetäubender Knall zerriss die Stille im Lagerhaus. Die hohen Räume brachen den Schall mehrfach, sodass es in Embers Ohren klingelte. Sie hatte das Magazin mit den Spitzgeschossen gewählt. Damit ein einziger Schuss sitzen musste, um jemanden zu töten.
      Und Ember verfehlte ihr Ziel nicht.

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    • Kapitel 5:
      Ein Walzer für die Gottlosen


      Man sagt, ein menschliches Herz blutet nur einmal aus.
      Denselben Gedanken, geneigter Leser, richtete ich bereits zu Beginn dieser Geschichte an dich, als die Fäden des Schicksals zwar gesponnen, aber nicht verbunden erschienen. Und erneut ist es nun dies Bild, das uns begleiten wird, nicht wahr?
      Als August Foremar in den Wagen stieg, bemerkte er eine veränderte Stimmung. Ember lag etwas auf der Seele, so viel ließ sich beantworten. Auch wenn es nicht zu den Dingen der Weisheit zählte, denn sie berichtete ihm davon, dass etwas war. Fragen, die es zu beantworten galt. NUn, auch das sollte möglich sein, so dachte er.
      "Wider Willen?", kicherte er und fuhr sich durchs Haar. "Ja, sehr gerne. Aber ich muss zunächst duschen und etwas zu mir nehmen. Unsere Zeit läuft ab und ich kann dir nicht sagen, wie froh ich bin, nicht mit in diesem Bürokomplex zu sitzen..."
      Für eiune kurze Weile schwieg er während sie fuhren. Wie hätte er es ihr sagen können? Manche Dinge mussten geheim bleiben, damit sie wirksam blieben, nicht wahr?
      "Der Schock war echt", murmelte er. "Auch wenn ich wusste, dass es nur ein Duplikat war, war es nicht einfach, sein totes Gesicht zu sehen. Meine Unterhaltung mit Noland war...interessant, würde ich sagen. EIn interessanter Zeitgenosse, soviel sei gesagt. Ich kann verstehen, weshalb das PD Interesse an ihm hat."

      Als sie das Lagerhaus erreichten, wanderte er bereits die Treppen hinauf, als er auf ihren Satz reagierte.
      Er spürte sie. Spürte sie in seinem Rücken und aus irgendeinem Grund fühlte es sich gut an, sie dort zu wissen. Man mochte August für verrückt halten aber manchmal genoß er die Nähe zu dieser Frau. Auch wenn ihre Zeit durchaus begrenzt war.
      "Ja, vermutlich ist das eher eine Zusammenkunft von Verrückten"; lachte er und wandte sich nach vorn, um die Tür aufzuziehen.
      Etwas in August riet ihm, sie vorgehen zu lassen, aber die Höflichkeit gebot es, dass er in unbekanntes Terrain vorging. Gerade überlegte er noch, einen Witz zu machen und ihr einen besonders zweideutigen Spruch in Reminiszenz ihrer gemeinsamen Nacht zu drücken, als der Boden unter seinen Füßen nachgab.

      August Foremars Brust explodierte.
      Der Widerhall des Knalls erreichte die bereits tauben Ohren des Zauberers erst verspätet und klang wie ein dumpfer, hohler Puls in seinem Kopf. Seine Bewegung, der Schritt nach vorne, das Atmen. Alles fror in der Sekunde, als er sein eigenes Fleisch, sein eigenes Blut sah, wie es aus seiner Brust heraus explodierte. Er sah sogar den kleinen Funken, den die Kugel schlug, als sie in eine Säule einschlug.
      Warum schmeckte es so komisch?
      Seine Zunge fuhr über seine Lippen und leckten den Blutfaden fort, der sich bereits gebildet hatte, als die Lungen sich langsam mit Blut füllten und so unendlich schmerzhaft schwer wurden, dass es ihn nach unten zog.
      Ein letzter Atemzug.
      Er wünschte, er könnte sie nochmal sehen.
      Ein letztes Mal atmen, August. Doch seine Lunge reagierte bereits nicht mehr. Seine Augen sahen nur noch die Schattenwanderungen, als James und Emmett aus ihrem Separee geschossen kamen. Dumpfe Stimmen an seinem Ohr.
      Es blieb nur ein letztes Grinsen. In Emmetts Richtung. Endlich frei...
      Ehe der Leib des Rogues wie ein Sack vornüber fiel und bäuchlings auf den harten Boden klatschte. Die starren Augen des Zauberers blickten in eine Ecke des Raumes, während es um ihn still wurde.
      Und kalt.
      So kalt.

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    • Der Schuss wirkte wie ein Windzug, der alles mit sich wegzureißen schien. So fühlte Ember nichts, hörte nichts, nahm nichts wahr außer dem Bild wie der tödlich getroffene August einfach vorne rüber kippte und mit einem unwirklichen Geräusch auf dem Boden aufkam. Erst zwei Herzschläge später, die so unglaublich falsch die einzige Bewegung in ihrem Körper zu sein schien, schlug die Realität mit aller Macht zu.
      Ember hatte gerade ihren ersten Menschen getötet.
      Im Hintergrund sah sie Gestalten, die für sie nur mehr Schatten waren, auftauchen. Doch sie hatte nur Augen für den Mann vor ihr am Boden und das viel zu schwere Gewicht der Waffe in ihrer Hand. Kraftlos sackten ihre ausgetreckten Arme gen Erde, ihre Finger krampfhaft um das eiskalte Metall geschlossen.
      Ein weiterer Herzschlag verging, ein weiterer brennender Atemzug, dann gaben Embers Knie nach und sie ging in die Hocke. Die Mündung der Waffe berührte dabei den Boden, noch immer hielt sie an ihr fest als sei es das Einzige, das ihr gerade noch Halt gab. Sie konnte ihre Augen nicht von ihm lösen, so als hoffe doch noch ein winziger Teil in ihr, dass er einfach wieder aufstünde. Sich herumrollte und ihr einen wutentbrannten Kommentar entgegenschleuderte, aber die Stimmen in der Halle verrieten ihr, das dem nicht so sein würde.
      Schließlich sah sie nichts mehr scharf, als Tränen ihre Augen fluteten und heiße Bahnen über ihr Gesicht zogen. Sie musste atmen. Weiter Luft holen, ihre Lunge schrie danach. Aber ihre Brust schien wie erstarrt, wehrte sich gegen jeden verzweifelten Atemzug, als sie schließlich nach vorn auf ihre Knie sackte und endlich den Halt an ihrer Waffe verlor. Überdeutlich hörte sie nur ihr eigenes Japsen nach Luft und der Muskulatur, die nur noch krampfartig arbeitete. Eiskalte Hände legten sich an ihre Stirn, von denen sie zunächst gar nicht realisierte, dass es ihre eigenen waren. Schlussendlich löste sich ihr starrer Blick von Augusts Körper, ihr Körper ein einziger kraftloser Haufen Elend.
      Und dann schrie Ember.
      Ein einziger, langgezogener gequälter Laut, der es gar nicht vermochte all das zu verpacken, was sie gerade fühlte. Niemand hatte ihr je gesagt, dass es sich so anfühlen würde. Dass sie sich selbst einmal brechen sah aufgrund einer Entscheidung, die sie zu treffen hatte. Die letzten Töne wurden heiser, brachen entzwei wie sprödes Holz, während sie komplett verlor, wer sie eigentlich war.
      Sie musste hier weg. Sie musste den Ort verlassen, den Anblick vergessen, das Gefühl abtöten. Doch ihr Körper funktionierte nicht. Sie fand nicht einmal die Kraft, ihre Beine zu bewegen, geschweige denn aufzustehen.
      Jetzt gerade existierte nichts mehr für die Detective. Übermannt von Reaktionen, deren Ausmaß sie niemals hätte vorausahnen können, saß sie bitterlich weinend auf dem kalten Boden der stinkenden Lagerhalle, während nur Meter vor ihr Augusts Körper sekündlich an Wärme verlor.

      Now there's no reason
      Now there is pain
      Now you may be temporarily insane

      But I'm here... let me help
      Okay maybe not
      I just let you yell at me all you want
      I'll let you make me into something that I'm not
      If it helps you carry on

      Forgive me

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"

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    • Wo Wut und Trauer keine Wege kannten und sich die Hände reichen, verbleibt nur die Träne der Verzweiflung.
      Der Schrei, den die beiden Männer hörten, die alarmiert in den Raum geschossen haben, brach sich so oft in dem Raum, dass es beinahe so erschien, als weinte eine ganze Welt.
      Emmett White und James Hawthorne blieben kurz hinter der schmalen Tür stehen, durch die sie gekommen waren und blickten Ember und August an. Einen August, der keinen fiesen Spruch mehr brachte oder selbstherrlich durch den Raum gockelte. Die erschlaffte Realität seiner Glieder erreichte Emmett zuerst, als dieser - wie in Trance - auf den Leichnam zuging und sich vor Ember hockte. Er beachtete die Detective nicht wirklich, sondern starrte nur unwirklich in die starren Augen des Zauberers.
      Und auch wenn sie alle geahnt hatten, dass es irgendwann passieren würde, war die Erkenntnis, seinen Freund vor sich zu sehen, erschreckend.
      Wie friedlich er aussah.
      Entspannt. Beinahe stoisch ruhig. War das dort ein Lächeln? Oder der Anflug von dessen?
      James Hawthorne quittierte die Szene mit einem Grunzen (oder war es ein Seufzen?) und steckte seine eigene Pistole wieder in das Holster unter seiner Achsel. Schweigsam kam er zu Ember und beugte sich kurz zu den beiden hinab.
      "Ember...", flüsterte er mit rauchiger, tiefer Stimme und legte ihr seine Hand auf die Schulter. "Kommen Sie...Kommen Sie hoch..."
      Sachte, aber mit deutlichem Nachdruck zog er die junge Frau auf die Beine und entwendete ihr die Waffe aus den eisernen Fingern. Mit erstaunlich wenig Widerstand.
      "Ich weiß...", flüsterte er und drehte ihren Körper sachte hin um. "Ich weiß, Ember..."
      Er wusste nichts gescheites zu sagen. Mit einem kurzen Blick zu Emmett versicherte sich James, dass er das Richtige tat und erntete ein kraftloses Nicken.
      "Kommen Sie...Kommen Sie, wir gehen...Wir müssen gehen, Ember..."
      Diesen Ort durfte niemand sehen. NIcht mehr als notwendig. Wenn die Arkana erführen, dass August verstorben war, würde eine Revolution losbrechen...
      Langsam wand er seinen Mantel über ihre Schultern und führte sie ohne eines Blickes hinaus zu ihrem Auto. Er nahm ihr beinahe vaterschaftlich die Schlüssel ab und packte sie auf den Beifahrersitz. Es war nur eine kurze Fahrt bis zu ihm. Aber Ember Sallow war mit diesem, Mord die Gesuchte Nummer 1. Sie musste fort.


      Als James und Ember die Halle verlassen hatten, saß Emmett noch immer auf dem Boden neben dem Leichnam und sah in das starre Gesicht.
      Er wusste, dass es eilte, sollten sie eine Chance haben wollen. Aber weshalb sah er so friedlich aus?
      "Gott, August...", murmelte er und stützte die Stirn auf die Hand.
      Wie sehr musste der Mann unter dem gelitten haben, was ihm widerfahren war, wenn er den Tod wie einen alten Freund willkommen hieß? Schweigsam sah er dem Toten ins Gesicht und seufzte schließlich, nach einer gefühlten Ewigkeit.
      Mit seiner Hand kramte er nach seinem Telefon, einem alten Smartphone-Modell, dass seine Liebste einmal aussortiert hatte. Mit zwei schnellen Klicks wählte er eine Nummer.
      Nach dreimaligem Klingeln wurde klickend abgenommen und er lächelte.
      "Bist du es?"
      "Was willst du Emmett?"
      Die Stimme am anderen Ende kannte er nur zu gut. Was war dies für eine Nacht in Paris gewesen...
      "Eva, ich...Ich wollte dir nur Bescheid geben, dass es geschehen ist."
      "Was, geschehen?"
      "Es."
      Das Schweigen war beinahe zu viel in der Situation.
      "Verstehe"; murmelte Eva und ein Zittern war in der Stimme zu hören. Die Unsicherheit nagte an ihnen allen.
      "Aktiviere bitte Plan Lazarus. Den Standort der Halle habe ich dir gesendet."
      "Ich bringe den Gehängten mit. Rühr dich nicht vom Fleck und bereite alles vor. Hast du das Blut?"
      "Alles vorrätig, meine Liebe. Bitte beeil dich."
      "Emmett?"
      "Ja?"
      Ein kurzes Zögern, wie ein zäher Atemzug.
      "Denkst du, es funktioniert?", fragte Eva.
      Und nichts, geneigter Leser, ist trügerischer als Hoffnung. Selbst das wusste Emmett White nur zu gut. Für einen Moment seufzte er erneut und rieb sich über die Stirn, während seine Hose sich mit Augusts Blut vollsog.
      "Beeil dich einfach", sagte er schließlich und beendete das Gespräch.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Was hätte die junge Frau dafür gegeben, die Zeit zurückdrehen zu können. Seien es auch nur fünf Minuten, die sie von diesem Desaster erlösen und einem anderen, naiveren Ausweg hätten wählen lassen können. Stattdessen wurde sie erschlagen von den Konsequenzen, die sie wissentlich mit ihrer Tat in Kauf genommen hatte und sich ewig die Frage stellen würde, ob die Wahl die richtige gewesen war.
      Hawthornes Stimme erkannte Ember zunächst gar nicht. Auch seine große Hand, die er ihr auf die Schulter legte, nahm sie nur peripher am Rande wahr. Ihr Hals brannte, der Brustkorb schmerzte und sie hatte das Gefühl, sich jeden Moment übergeben zu können. Erst als er sie an den Armen packte und auf die schwankenden Beine zog, hob sie den Kopf und schien sich wieder mehr im Hier und Jetzt zu befinden. Wie ihr Howthorne die Waffe aus den klammen Fingern nahm, konnte sie später nicht mehr beschreiben.
      Unweigerlich hefteten sich Embers Augen auf Augusts Leichnahm.
      "Ich weiß... Ich weiß, Ember..."
      Da hatte er sie wegdreht, dem Schrecken den Rücken gekehrt und begleitete sie nach draußen. Weg von dem Ort des Geschehens, weg von dem Anblick. Doch sie würde sich ewig daran erinnern, wie steif sich ihre Beine angefühlt hatten. Wie weich der Asphalt unter ihren Füßen war und wie schnell sich der Planet um die eigene Achse drehte. Der Mantel des suspendierten Commissioners lag so schwer auf ihren Schultern, dass sie das Gefühl bekam, so schwer müsse sich die sprichwörtliche Schuld auf ihren Schultern anfühlen.
      Völlig neben der Spur ließ sie sich auf den Beifahrersitz drücken. Das Zuschlagen der Tür ließ sie so heftig zusammenzucken, dass sie sich die Knie an der Armatur anschlug. Doch mehr als den Stoß fühlte sie nicht. Als wäre sie von innen heraus völlig ausgebrannt. Einzig die heißen Tränen, die sich noch immer ihren Weg über ihre Wangen suchten, waren das Mahnmal des vorangegangenen Ereignisses.

      Während der kurzen Fahrt über sprach Ember nicht ein einziges Wort. Ein grausames Zittern hatte ihren Körper erfasst, als die Tränen schließlich versiegt waren und eine eiserne Kälte ihr Herz in Besitz nahm. Ihre Psyche zog einen klaren Trennstrich, um sie nicht völlig zu verlieren.
      Was hätte die junge Frau dafür gegeben, doch noch einmal einen Blick in die Augen jenes Mannes zu werfen, der für sie kein Monster gewesen war.
      Als Shawns Wagen mit einem sanften Ruck zum Stehen kam, kehrte Leben in den Körper der Detective zurück. Sie sah aus dem Fenster, als müsse sie sich orientieren wo Hawthorne sie hingefahren hatte, um dann hart die Tür aufzustoßen und mit steifen Beinen auszusteigen. Ihre krampfhafte Atmung hatte sich auf ein flaches Minimun zurückgezogen als sie versuchte einen ordentlichen Atemzug zu tun, schließlich jedoch aufgab. Ungelenk schlug sie die Tür hinter sich zu und starkste auf die Eingangstür zu. Ihr Miene war nicht mehr ein ausdrucksloses Gebilde - sie war so kalt und zerrüttet wie von jemandem, der auf dem Todestrakt wandelte.
      Vor der Tür blieb sie stehen bis Hawthorne zu ihr aufgeschlossen und die Tür geöffnet hatte. Noch immer schwieg sie, als sie in die Küche ging, den nächstenbesten Stuhl heranzog und sich schwer darauf fallen ließ. Es kostete sie mehrere Versuche, ihre Stimme wiederzufinden, die sich unwahrscheinlich fremd in ihren eigenen Ohren anhörte.
      "Ich hab' Dolores versprochen auf ihn aufzupassen."
      Du hast das einzig Logische getan. Du hast die Seiten abgewogen, deine Chance eingeschätzt und selbst Emmett hat dir gesagt, er wäre der gleichen Meinung bezüglich der Wahl.
      "Er hat es gar nicht erwartet. Er hat nicht damit gerechnet, dass ich diese Wahl jetzt schon treffe. Wer schießt denn jemanden feige von hinten in den Rücken?"
      Du weißt, dass du keine Chance gehabt hättest. Hätte er auch nur eine Sekunde lang vorausgesehen was du planst, hättest du ihn niemals töten können.
      Ember legte den Kopf in den Nacken, um die Decke anzustarren. Die schöne, unaufregende weiße Decke ohne Muster, die sie davor bewahrten, wieder in Tränen auszubrechen.
      "James, ich habe gerade einen Menschen umgebracht. Nur wegen meiner Dummheit."
      Ihre Hände falteten sich kalt in ihrem Schoß, als sich langsam ihr Verstand wieder einzuschalten drohte und die stillgelegten Zahnräder mit Gewalt wieder in Bewegung versetzte. Nicht nur hatte sie einen Arkana erschossen, der als einer der wenigen die Ankerpunkte des Sharokhs entfernen konnte. Sie hatte darüber hinaus eine Lawine losgetreten, die einen Ruck durch die Gesellschaft gehen lassen könnte. Embers Augen weiteten sich marginal während sie ohne zu blinzeln die Decke anstarrte.
      "Er wollte Gleichberechtigung für Zauberer erreichen. Wenn die restlichen Arkana erfahren, dass er tot ist, wird das eine Revolte auslösen. Das, was er schon immer gewollt hatte. Deswegen hat er sie hier vor Ort versammelt. Ein Haufen, der sich nie hatte organisieren lassen."
      Es war schon immer faszinierend, zu was der menschliche Verstand in Extremsituationen imstande war. Während sie sturr die Decke anstarrte und sorgsam darauf achtete, jedes aufkeimende Gefühl im Kern zu ersticken, griffen Zahnräder rigoros ineinander.
      "Sie machen sich zum Komplizen wenn Sie mich hier verstecken und es herauskommt, dass ich ihn erschossen habe."
      Sie werden die Kugel auf Heyden zurückführen können. Und dann finden sie dich. Cunningham wird ihre Rache an dir auslassen.
      "Sie erinnern sich an den fast fertigen Kreis auf der Karte im Lagerhaus?", fragte Ember plötzlich monoton aus dem Blauen heraus nachdem sie sich schwerfällig wieder auf die Beine begeben hatte. "Emmett White sagte, er habe seine Abbilder auf Augusts Geheiß dorthin geschickt. Genau den gleichen Kreis hab ich in Augusts Reisekoffer gesehen. Wo er seine Freunde verloren hat. Sie selbst haben ein wenig Ahnung von dem Sieben-Wege-Tor. Er hat die Doppelgänger benutzt, um einen großen Kreis in ganz London zu ziehen."
      Wieso war ihr das erst jetzt so wirklich aufgefallen? Am liebsten wäre sie nun in ein hysterisches Lachen ausgebrochen bei dem Gedanken daran, sich Detective nennen zu dürfen. Die Geschwindigkeit, mit der ihr Verstand gerade vorauseilte und der noch immer zitternde Körper verlangten ihren Tribut, wodurch sich die Welt vor Embers Augen zu drehen begann und ihr die Beine versagten. Unschön brach sie auf dem Stuhl hinter ihr zusammen, eine eisige Hand über ihre Augen gelegt. Kaum tauchte die Schwärze vor ihren geschlossenen Augen auf, kehrte auch das Bild aus dem Lagerhaus zurück.
      Ember schluckte schwer die altbekannte Übelkeit hinunter.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Hawthorne House - 17:30 Uhr

      James Hawthorne machte Kaffee.
      Nicht, dass er das besonders gut konnte, aber vielerlei Organismen lebten erst durch die belebende Kraft des Abfallsuds erneut auf. Und auch wenn es in der SItuation sicherlich andere Getränke gab, die man bevorzugte, erschien ihm Kaffee das rechte zu sein. Nach dem Vorbild seiner Frau, Nancy, goss er den Kaffee auf und wartete geduldig auf die kleine Maschine, während er seine Jacke achtlos auf das Sofa im angrenzenden Wohnzimmer warf.
      Ember redete und redete. Auch wenn Vieles davon sicherlich Hand und Fuß hatte und einer Antwort wie Rechtfertigung bedarf, so ließ Hawthorne sie reden. Es war ohnehin besser, in derlei Situationen nicht zu forsch zu sein.
      Sachte ließ er sich ihr gegenüber auf einem Stuhl nieder und schob eine Tasse Kaffee in ihre Richtung, während er in seinem gefühlte sieben Stücke Zucker verrührte.
      "Ihr Erster, hm?", murmelte er und legte den Löffel beiseite. "Es ist niemals leicht, einen Menschen zu erschießen. Sei er Zauberer oder Mensch. Sie befanden sich die letzten Tage in einer absoluten Ausnahmesituation, Ember. Ihre Familie, Freunde und alle die sie lieben, wurden von einem metaphysischen Wesen bedroht. Und da ist es absolut verständlich, dass sie Entscheidungen am Rande der psychischen Belastbarkeit treffen. Und wie hätten Sie sonst eine Möglichkeit erhaschen können, als ihm in den Rücken zu schießen? Er hätte sie gnadenlos getötet..."
      Hawthorne trank geräuschvoll einen Schluck und winkte dann ab.
      "Machen Sie sich nicht lächerlich. Mittäter oder nicht, sei es drum. Wir sind ohnehin schon zu tief drin. Und wissen Sie was? Zu verlieren habe ich auch nichts mehr. Also...Ihre Entscheidung war nicht dumm, nur verzweifelt. Und sicherlich könnten wir Tage darüber streiten, ob es recht war oder nicht. Ja, August war ein Lügner und Manipulator in diesem Falle. Aber dennoch war die Entscheidung deshalb nicht falsch."
      Als sie von dem Kreis berichtete, seufzte er bereits und schob sein Smartphone über den Tisch. Darauf war die Abbildung einer Karte Londons mit blauen Energiepunkten, die gerade im Herald veröffentlicht wurde. Darüber thronte die Schlagzeile "SIE KOMMEN!".
      "ICh weiß...", sagte er schließlich. "Und ich kann verstehen, wenn Sie aufgeben möchten, Ember. Aber wenn Sie noch einen Funken Polizei in sich haben, müssen wir helfen, dieses Chaos beseitigen. Mit Augusts Tod ist einer der letzten Energiebarrieren gefallen, wie es scheint. Das Positive: Cunningham wird einen Arsch voll Arbeit haben und sich nicht um uns scheren. Trinken Sie den Kaffee, laden Sie Ihre Waffe durch und kommen Sie mit. Oder trinken Sie und verschwinden Sie in ein anderes Leben. So lange Sie es können."
      Hawthornes Blick war undeutbar, als er sie fixierte und erstaunlicherweise ein Lächeln produzierte. Während er sich langsam erhob und zum Wohnzimmerfenster ging, war ein deutliches Rumpeln und DOnnern aus dem Boden zu hören. Als rebelliere selbst die Erde gegen die Invasion der Fremdlinge.
      Mit einem Ruck riss er die Vorhänge zurück, wo selbst hier deutliche blaue Lichtstreifen zu sehen waren, die wie Speere in den Himmel stachen.
      "Also ich weiß nicht wie Sie denken..."; murmelte er und grinste versonnen. "Aber ich will meine Rente hier erleben. Also werde ich gleich da raus gehen. Nehmen Sie sich Zeit. Ich warte am Auto. Machen Sie Anrufe, sammeln Sie sich. Aber seien Sie sicher: Ihre Entschiedung war gut! Ein Leben für Viele. Und diese Vielen müssen wir jetzt schützen."


      Das Lagerhaus - 17:15 Uhr

      Es hatte beinahe eine halbe Stunde gedauert, ehe Eva Beauregard ihren schlanken Körper durch das Tor presste. In ihrem Schlepptau fand sich ein Mann, der die römische Zahl "12" auf den Nacken tätowiert hatte.
      Alane Zekulu Armah war ein Riese von einem Mann. Er überragte die zwei Meter Grenze beinahe spielend und wirkte unendlich stark, als er sich in seinem traditionellen Flattergewand präsentierte und auf einen schweren Hirtenstab stützte. Seine Augen waren leer. Es hieß, er sei blind, jedoch bewegte er sich sicher durch den Raum, um den Leichnam von August zu inspizieren, während Eva an Emmett heran trat.
      "Bist du sicher, dass...", begann sie direkt ehe sie durch Whites Blick zum Schweigen gebracht wurde.
      "Egal ob sicher oder nicht. Wenn es nicht klappt, ist August tot und wir haben kaum eine Chance gegen die Massen. Wir müssen die Arkana mobilisieren wenn wir können und ich weiß noch nicht wie."
      "Ich brauche Hilfe!"
      Armah richtete sich kurz auf und sah zu Emmett. Sein Akzent war schwer und die Worte undeutlich, die er sprach. Der Kongo und England waren nun mal zwei Welten.
      "Was können wir tun?"
      "Ich brauche Blut. Blut des Mörders und Blut des Unschuldigen."
      Emmett nickte.
      Mit drei Schnellen Schritten durchmaß er den Raum bis zu dem Schreibtisch und dankte dem HErrn dafür, dass Ember niemals in die Schubladen gesehen hatte. Aus der Lade zog er ein Reagenzglas voller Blut, dessen Aufschrift "Ember Sallow" auswies. Gestohlen aus dem Krankenhaus, als sie dort gelegen hatte und eine Infusion bei der OP brauchte. Wie einfach es war, sich dort einzuschleichen, ließ er ausser Acht.
      "Und das Blut eines Unschuldigen", sagte Emmett und zog eine weitere Phiole hervor. Darauf stand "James Hawthorne".
      Armah nahm beide Reagenzien in Empfand und blickte da rauf. Die leeren AUgen fixierten die Aufschrift nund beinahe achtlos öffnete er beide Korken udn sah zu Augusts erstarrtem Leib hinunter.
      "Er ist schon lange tot", bemerkte der Gehängte und legte den Kopf schief. "Es schlagen fünf Herzen in einer Brust."
      "Bekannt. Kannst du ihn zurückholen? Hast du so etwas wie eine Zeitmaschine oder so was?"
      Evas Fragen waren verzweifelt aber gleichsam klug, wenn man das Zittern wegdachte.
      Armah schüttelte den Kopf.
      "Nein...", grinste er plötzlich, eine Reihe von schneeweißen Zähnen bleckend. "Es ist nicht mehr als ein Deal mit dem Tod selbst. Ein Leben für ein Leben...Also...Wer möchte das Leben sein?"
      Er legte eine kleine Puppe auf den Boden. SIe war aus Stroh gefertigt und beinahe zerbrechlich anzusehen. Sorgsam platzierte er ein Haar von Augusts Schopf auf dieser und beträufelte sie mit dem Blut. Mit dem Donnern des Bodens setzte auch die Aura des Arkana ein und nahm den Raum völlig ein. Eva zuckte zusammen udn Emmett spürte einen Druck auf seiner Seele, dass es ihn fast in die Knie zwang.
      Ein silberner Ritualkreis erschien auf der Puppe und auf Augusts Leib.
      LEben für Leben...
      "Nun? Welches Leben gebt ihr mir?", fragte Armah und sah sie dämonisch an, während ihm Hörner aus der Stirn wuchsen.
      "Gemäß..."; keuchte Emmett und sah ihn an. "Gemäß den Wünschen des Verstorbenen....Wünschte er, sein Leben zu geben...."
      Das Gelächter des schwarzen Mannes war ohrenbetäubend laut und kurz vibrierte die Luft danach. Ein Leben für ein Leben...Und man gab das Gerettete her. Gegen ein wenig mehr Zeit...Wie clever...
      "So sei es!"

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    • Der gewohnte angenehme Geruch von Kaffee drang als erster Geruch wahrlich zu Ember durch, sodass sie ihre Hand sinken ließ und einen verstohlenen Blick zum Tisch und der dampfenden Tasse warf. Sicher, sie hatte sich einer Außnahmesituation befunden. Aber diese wurde rein dadurch ausgelöst, dass sie sturköpfig wie sie war im Alleingang hatte arbeiten wollen. Und nun mit den damit verbundenen Konsequenzen nicht klarkam.
      Ihr Blick war ein wenig apathisch während sie Hawthornes Worten lauschte und das Bildmaterial sowie die Aussicht aus dem Fenster betrachten durfte. Es ergab keinerlei Sinn zu behaupten, das hier wäre allein ihre Schuld gewesen. Dass August nun kalt und starr auf dem dreckigen Boden einer Lagerhalle lag war ihr verschulden. Dass der Rogue jedoch diesen Kreis geplant hatte stand schon fest lange bevor sie sich kannten. Dessen war sich Ember absolut sicher. Und diese Sicherheit sorgte dafür, dass das Schuldgefühl auf ein ertragbares Level rutschte.
      Nachdem Hawthorne aus dem Haus gegangen war, wie angekündigt sich eine Zigarette vor seinem Wagen ansteckte und wartete griff Ember zu der Kaffeetasse. Während sie den viel zu heißen Kaffee regelrecht hinunter stürzte, wälzte sie ihre Gedanken. Seit dem Moment, wo August Foremar durch ihre Kugel getroffen auf den Boden aufgeschlagen war, fühlte es sich an, als hätte man der Detective den Sand aus den Augen gepustet. Wie ein vages Kontrukt längst vergangener Tage spielten sich manche Unterhaltungen vor ihrem geistigen Auge nochmal ab, Dinge, die sie gesehen hatte und es eigentlich nicht sollte. Sie wusste eine Menge über diesen Rogue, und doch war es nur ein Bruchteil, wie die blauen Säulen draußen ihr eindrucksvoll bewiesen. Wie der Kreis in der ganzen Stadt es ihr eindeutig bewies. Vielleicht hatten die findigen außenstehenden Betrachter recht gehabt mit der Annahme, dass er sie von Anfang an doch manipuliert hatte. Und sie ihm eiskalt auf den Leim gegangen war.
      Sie erinnerte sich an das erste Aufeinandertreffen mit August zurück. Wie schnell er auf den Einfall gekommen war, dass es ein Sharokh gewesen sein musste. Eigentlich hätte sie dort schon stutzig werden müssen und nicht glauben sollen, der hochintelligente Mann besaß einfach nur ein immenses Wissen.
      Mit einem lauten Klack stellte Ember die Tasse zurück auf den Tisch. Wie geheißen nahm sie ihre Waffe, überprüfte das Magazin und lud die Spitzgeschosse nach.
      "Du hast was zu verlieren, James." Die Worte waren leise, bedacht gewählt, als ein Seitenblick zum Kühlschrank ging. "Du hast Frau und Kind, mein Lieber."
      Und in einem weiteren Punkt irrte sich der Commissioner. Ember war nicht der Typus der aufgab, wenn es hart auf hart kam. Sie hatte eine Wahl getroffen, doch das Ziel blieb im Endeffekt dasselbe. Ob sie auf diesem Weg eine Person Namens August Foremar getroffen hatte oder nicht war nicht mehr von Belang. Vielmehr zeigten ihr die ganzen vermaledeiten Zauberer erneut, wie leicht man einfache Menschen an der Nase herumführen konnte. Da fehlte es eigentlich nur noch, dass August plötzlich wieder auf den Straßen ihr über den Weg lief.

      Die besagten Telefonate fielen unglaublich kurz aus. Tarah bekam eine kurze Nachricht, da sie schon Ewigkeiten nichts mehr von ihr gehört hatte. Das Telefonat mit Shawn dauerte etwas länger als sie ihm den Fall schilderte und ihn dennoch anwies, sich bedeckt zu halten. Das altbekannte Misstrauen in allem Magischen war mit einem Schlag zurückgekehrt.
      "Wieso hast du das getan, Emmi?"
      "Shawn, ich stand als Einzige mitten im Chaos und fast alle anderen sind einfach um mich herum getanzt. Ich habe mich blenden lassen. Ihr hattet recht, okay?"
      "Wie?"
      "Rückendurchschuss."
      "Schlaue Frau. Er hätte dich einfach -"
      "Ich weiß. Shawn." Scharf unterbrach Ember ihren Bruder ehe sie sich räusperte und einen sanfteren Ton anschlug. "Sag Dolores nichts davon. Sag niemanden etwas davon und warte einfach ab. Ich traue der ganzen Geschichte nicht. Wenn die Stadt eine Evakurierung anordnet, folgst du ihr. Klar?"
      "...Sicher.... Ember? Lass uns darüber sprechen, wenn's vorbei ist, ja?"
      "Mhm. Hab dich lieb."
      "Ich dich auch."
      Damit ließ Ember Sallow, neuerdings Mörderin eines Arkana, das Handy in der Tasche verschwinden und erhob sich geräuschvoll vom Stuhl. Noch immer waren ihre Glieder steif, doch ihr Geist war nicht mehr so vernebelt. Oder zumindest kam es ihr so vor. Vielleicht war er aber auch einfach nur dermaßen losgelöst von ihr, dass sie den Unterschied gar nicht merkte.
      Als Ember über die Türschwelle nach draußen trat sah es fast so aus, als hätte sie nie auch nur einen Hauch ihrer Entschlusskraft eingebüßt. Sie setzte ihre Schritte wieder mit der Selbstsicherheit, wie sie es immer getan hatte, und doch war etwas anders an ihr. Wo sonst eine Prise Argwohn und Vorsicht dem findigen Auge aufgefallen war, trat nun etwas Anderes auf den Plan.
      "Alles klar, Hawthorne. Dann wollen wir mal."

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • St. Pauls Cathedral - 17.58 Uhr

      Die Fahrt durch London war ein heilloses Chaos.
      Das Donnern und Rumpeln hatte sich mittlerweile verstärkt und die Boden aufreißen lassen wie Papiersalven. Als wäre die Steindecke beinahe nicht existent. Mit einem nicht unerheblichen Tempo brausten sie durch den beinahe stillgelegten Verkehr, während sich am Himmel ein schwarzes Loch einzubrennen schien. Augengleich beäugte es die Straßen der Welt unter sich und wirkte fremd und vertraut zugleich, wenn man es ehrlich nahm.
      Im Himmel zogen sich die Wolken wie in einer Spirale um das schwarze Gebilde zusammen und ergaben einen immerwährenden Puls, während das Zentrum auf die St Pauls Cathedral strahlte.
      Hawthorne wirkte auf der Fahrt seltsam ruhig, auch wenn er selbst den Druck in der Luft merkte. Dieses Wesen war dort. Im Park um die St. Pauls. Er spürte es bereits einige Hundert Meter vorher wie ein dräuender Schatten, der sich ihm entgegenstreckte und seine widrigen Hände ausfuhr.
      Mit schlitternden Reifen kam er zum Stehen und betrachtete das Schlachtfeld um den Park um die Kirche.
      Polizeiautos lagen aufgetürmt wie Spielzeug am Rande der Straße. Wenige Überreste hatten Feuer gefangen. Dutzende von Polizisten drangen hinter ihren Trümmern von Autos in Sicherheit, während die Caster Schilde spannten. Gerade wurde ein Caster von einer unsichtbaren Attacke wie nichts nach hinten geschleudert und schlug auf Hawthorns Auto ein.
      "Heilige!", schrie er auf und lsöte den Gurt. "Raus hier und Deckung Sallow!"
      Als wäre das vonj Nöten. Er schwang sich aus dem Auto und duckte sich gerade noch rechtzeitig unter einem Stein weg, wärhend er den Angreifer ausmachte.
      Da stand er!
      Inmitten des Parks, im Zentrum des Wirbels am Himmel, stand der Angelus in seiner gesamten schaurigen Pracht und breitete die Flügel lachend aus. Schwarze Dornen schossen daraus hervor und hätten Hawthorne und Sallow beinahe erwischt, wenn er zumindest nicht hinter einem Trümmerteil Schutz gesucht hätte.
      "Gottverfluchte Scheiße!", wisperte er und lud seine Waffe durch. Würden diese Kugeln etwas ausmachen?
      Das Wesen blickte in viele Richtungen gleichzeitig und nahm es mit einer ganzen Einheit Castern auf. War diesem beizukommen ohne die Arkana?
      "Sallow!", rief er und machte eine Geste mit der Hand. Sie sollte vorrücken.
      Langsam schälte er sich aus der Deckung heraus und machte sich auf den Weg, ehe ein Körper schwer neben ihm einschlug, gepfählt von einem Ungetüm von Dorn.
      Ein schweres Ächzen durchzog die Luft und Julia Cunningham hielt sich die Schulter, die an den Boden gepinnt war.
      "Julia!?"
      "James?!"
      "Was zum Teufel ist hier los?"
      (ein fliegendes Auto krachte in einen Baum)
      "Keine Ahnung...VErfluchte Scheiße!"


      Das Lagerhaus

      Die Luft um den Leichnam schien sich zu verdichten und einem zähen Teppich zu gleichen. Der verrückte Afrikaner (so erschien es Emmett) beugte sich gruselig lachend über den Leichnam seines Freundes und wirkte mit einem Mal nicht mehr Menschlich. Hörner stießen aus seiner Stirn und verwandelten ihn mehr in das Antlitz eines Dämons, der sich gierig über Beute beugte.
      Das Blut aus den Reagenzien kreiste eine Weile über dem Körper ehe es sich mit ihm erneut verband und die Wunde auf seiner BRust mit einer sternförmigen Narbe verschloss.
      "Ich gebe dir ein Leben. Für ein Leben", rief der Zauberer und schlug mit dem Stab einmal auf den Boden, sodass sich zum Donnern ein Pulsschlag gesellte.
      Ein Pulsschlag der sich alsbald als Herzschlag entpuppte, denn August riss die Augen auf und zog die Luft gierig ein. Kalt und unbarmherzig strömte sie in seine Lungen und brannte sich ihren Weg durch die Widrigkeiten seines ungleich schlagenden Herzens. Schwerfällig fiel der Körper wieder zu Boden, nachdem er sich kurz über den Boden erhoben hatte und das bläuliche Leuchten seiner Augen ließ nach.
      Emmett und Eva stürzten zu ihm.
      "August! Geht es dir gutr?!"
      Der Rogue sah mit einer Mischung aus Überraschung und Zufriedenheit zu ihnen hoch und grinste breit, ehe er einen Daumen aufwärts zeigte.
      "Helf...Helft mir hoch...", flüsterte er mit rauer, gurgelnder Stimme.
      Nur unter gemeinsamer ANstrenung schafften sie es, ihn auf wackelige Beine zu stellen, währennd der Afrikaner seine Puppe in seinem Mantel verschwinden ließ.
      "Danke...DAnke euch allen...", flüsterte er und keuchte schwer, als er seine Brust abtastete.
      "Hat der PLan funktioniert?", fragte Eva.
      August nickte.
      "Ja...Ja, er scheint funktioniert zu haben. Ich bin nicht tot und ich fühle das Siegel des Handels mit dem Sharokh nicht mehr..."
      "Du hattest auch einen?", fragte Alane beinahe erstaunt.
      "Ja...Ja, ich hatte einen Handel mit einem Sharokh. Zum Preis dessen, dass ich ihrem großen Masterplan zu DIensten sein musste, schützte man mich und hielt mich am Leben. Aber das..."
      "Ist vorbei", schloss Emmett und beide grinsten sich an. "Deswegen meintest du, dass sie dich töten müsste..."
      "Ja. Der Handel war nur gültig solange ich am Leben gehalten wurde. Aber da mein Sharokh seinen Handel nicht halten konnte, ist er hinfällig und ich bin endlich nach über 100 Jahren frei."
      "Und was jetzt?", fragte Eva und verschränkte die Arme. Auch auf ihre Züge war ein erleichtertes Grinsen eingekehrt.
      "Jetzt, meine Liebe...Gehen wir Ember Sallow retten", grinste August beinahe bösartig während seine Augen wieder eine weißliche Färbung annahmen.
      "Du meinst die Welt."
      "Habe ich doch gesagt", sagte er und lachte meckernd. "Alarmiere den Richter und Bones. Ich will sie beide dabei haben. Halte die Liebenden in der Hinterhand falls wir Heilung brauchen. Und sag mir, wo dieses verfluchte Scheusal ist, damit ich ihm endlich die Eingeweide herausreißen kann..."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • St. Pauls Cathedral - 17.58 Uhr

      Das Bild auf der Straße kam schon einem Untergang gleich. Es glich einem Auszug aus einem Weltkrieg, wie die Erde um sie herum aufbrach und der Himmel ein Auge auf sie herabblicken ließ, als würde Gott persönlich sie richten wollen. Als sich dann noch dieser Druck dazugesellte, erinnerte sich Ember lebhaft an ihre Begegnung mit dem Sharokh. Mit dem Wesen, vor dem sie dieses Mal kein Wort unausgeprochen lassen würde. Noch während sie fuhren schrieb sie wortlos eine Nachricht an ihren besten Mann. Klappte der bisherige Plan, würden die paar Schuss ganz bestimmt nicht ausreichen.
      Die Spielzeugautos, die freilich keine waren, lagen in allen Himmelsrichtungen verteilt um die Kathedrale. Dahinter suchten Polizisten jeglicher Ränge Schutz und Caster versuchten ihr Bestmöglichstes zu tun. Als einer der Caster mit einem Höllenlärm wie ein Geschoss in Hawthornes Auto prallte, hatte der Commissioner gerade mal ein Wort ausgesprochen, da war die Detective bereits aus dem Wagen regelrecht geflogen, kaum hatte sie ihren Gut von sich gerissen.
      Zeitgleich orteten sie den Angelus, der inmitten des Parks stand und sich offensichtlich köstlich amüsierte. Jegliche Ehrfurcht, die Ember bei dem ersten Aufeinandertreffen mit dem Sharokh gehabt hatte, war wie weggeblasen. Sämtliche Gedanken, die jetzt gerade unnütz waren, wirkten wie weggeblasen, als sie hinter dem umgekippten Polizeiwagen verschwand und sich zur Seite warf, als ein riesiger Dorn das Wrack durchbohrte als sei es aus Pappe.
      Umgehend suchten ihre Augen nach Hawthorne, um dessen Lebendigkeit zu überprüfen. Sie machte ihn hinter einem Trümmerteil aus als er ihr gerade ein Zeichen gab zum Vorrücken.
      "Schießen Sie nicht sondern warten!", rief sie ihm herüber bevor sie sich von Deckung zu Deckung stahl, immer darauf bedacht, den Commissioner nicht aus den Augen zu verlieren.
      Normale Munition würde gegen das Metawesen nichts bringen. Man müsste es vorerst schwächen und dafür war sie jetzt der richtige Ansprechpartner. Mit geübten Griffen tauschte sie das Magazin ihrer Glock gegen jenes mit der blauen Munition. Sie wusste nicht, wieviele sie brauchen würde um überhaupt einen Effekt zu erzielen. Aber zwei Treffer sollte sie spielend hinbekommen. Gerade, wenn man sie noch unterschätzte.
      Ein Schatten, vermutlich eine Person, flog über ihren Kopf hinweg und schlug bei Hawthorne ein, wodurch sie kurz einen Blick zurück warf und feststellte, dass es scheinbar jemand gewesen war, den er kannte. Er hielt ein in seinem Vorstoß, seine Worte drangen in dem heillosen Chaos jedoch nicht bis an ihre Ohren.
      "HAWTHORNE", brüllte Ember, nicht gewillt, allein weiter zu pirschen.
      Ein paar Meter brauchte sie noch, dann war sie sich sicher, nah genug dran zu sein. Immer wieder lugte sie nur knapp um die Bruchkanten herum und pirschte sich weiter bis sie das Gefühl hatte, jeder weitere Meter würde ihr endgültig die Luft zum atmen nehmen. Sie wusste nicht, wie viel Effekt das Armband von Heyden wirklich hatte, aber der kleine Anzeiger an ihrem Knöchel würde ihr bald den Knochen durchtrennen, sollte er weiter so vibrieren.
      Als etwas weiteres, undefinierbares an ihr vorbeigeflogen war, lugte sie wieder über die Kante hinweg. Es war schlichtweg unmöglich zu sagen, wo das Wesen seine Augen nicht hatte, aber selbst wenn es sie sehen sollte, war sie nichts anderes als ein Pappmännchen mit Gummikugeln.
      Nur dass ihre Munition nicht legal und getestet im Umlauf war.
      Mit einer absoluten Konzentration ging sie halb hinter der Deckung mit der Glock in Anschlag, zielte auf den wabernden Körper des Angelus und drückte zweimal schnell hintereinander ab. Umgehend tauchte sie hinter ihrer Deckung ab, den Rücken zu Hawthorne gewandt, für den sie jetzt gerade keine Augen mehr hatte. Stattdessen spitzte sie die Ohren, versuchte mehr zu fühlen als es physisch überhaupt möglich war, ob Heydens tolle aura- oder energieauflösende Patronen auch bei einem Angelus eine Wirkung erzielten.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Die erste Kugel schlug in einen Dorn ein, der just in diesem Moment aus dem Nichts manifestiert wurde. Mit einem klirrenden Geräusch, als würde Panzerglas zerbersten, zersprang der Dorn in tausend kleine Teile, die qualmend zu Boden fielen. Als das Geräusch ertönte, riss der Angelus seinen Kopf herum und blickte zielsicher und wütend in die Richtung des geplatzten Dorns, nur um im gleichen Moment in der Brust getroffen zu werden.
      Ein Schrei, gellend wie ein Blitzschlag auf Schiefer, durchriss das Tuch des Krieges und ließ die Caster in unmittelbarer Nähe die Hände an die Ohren legen. Die ersten fielen um und hielten sich ebenso schreiend die Ohren während Blut darunter hervorquoll. EIn Pulsschlag einer Aura, mächtiger als ein Bombeneinschlag, warf etwa zehn Polizisten der Nichtmagischen Einheit wie Pappfigürchen um und sie schwer auf ihren Hintern landen.
      "Formation! Formation!"; brüllte Hawthorne über seine Deckung hinweg, doch das Wesen scherte sich einen Teufel um diese Männer und Frauen.
      Die Kugeln hagelten regelrecht auf das Vieh ein und wurden von einem Auraschild oder dessen FLügeln regelrecht absorbiert. Der flammende Kreis um seinen Kopf herum loderte hellorange auf, als es noch einmal schrie und ein weiterer Puls durch die Menge ging.
      "WO BIST DU?!", donnerte es und schlug einen Caster achtlos beiseite.
      Dessen Kopf schlug mitsamt seinem Oberkörper einige Meter weiter gegen den Stein der Kirche und verharrte wie ein Pfeil darin.
      "KOMM RAUS, KOMM RAUS!", kreischte der Angelus und rieb sich die Brust, an dessen Einschlagstelle ein Schimmer weißlicher Haut sichtbar war.
      Wie das Wesen Feigheit hasste.
      Die Caster nutzten diese Gelegenheit. Vier von ihnen postierten sich hinter dem Wesen und manifestierten Feuer- und Erdpfeile, die wie Speere auf das Engelswesen zielten.
      Auf ein gerufenes Kommando hin schossen die Pfeile auf den Angelus, der nicht einmal die Dreistigkeit besaß, sich herum zu drehen. Mit einem seiner Schattenflüggeln wischte er darüber und die Pfeile einfach weg, als seien es Spielzeugstäbchen.
      "WO BIST DU?! SALLOOOOOOOOOW!"
      Der letzte Laut glich einem gurgelnden Schrei, ehe es sich nun doch umdrehte. Die Caster erblickten ihr Ende, ehe sie es realisierten. Vier schwere Dornen bohrten sich in die Körper der Polizisten und pfählten diese nach kurzer Flugzeit in die Mauern der Kathedrale.
      Hawthorne indes schaffte Julia aus der Schussbahn und sah zu Sallow. SIe mussten näher ran.
      Mit zwei kurzen Zeichen wies er auf die Autos anderen Trümmer vor ihnen. Es war ein Parkour, den sie zu durchleben hatten. Schweigsam wuchtete er sich hinauf, um in geduckter Haltung auf das Wesen zuzulaufen, in vorsichtiger Deckung verharrend.
      Und gerade, als Hawthorne seine Waffe in den Anschlag legte und über die Deckung hinaus sah, wurde ihm übel.
      Sehr übel.
      Denn aus dem Wirbel über ihnen, das sich als Loch im Himmel manifestierte, stoben nunmehr zig Wesen. Vielleicht waren es 50, vielleicht waren es 100. Es konnten auch Tausende sein, waren sie noch kleine Punkte am Himmel. Allesamt beflügelt, in merkwürdige Schatten gehüllt und mit weißlich bleicher Haut, die Fallschirmjägern gleich aus dem Himmel tanzten und in Richtung Erdboden segelten.
      Eine Invasion, dachte er. Wahrlich eine Invasion.
      "Bereitmachen!", rief er schließlich allen Einheiten zu, die wieder Konzentration fanden.
      Gott, wo blieben diese Idioten von Arkana nur?!

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      The more you drag me to hell
    • Der abartige Schrei war selbst aus dieser Distanz ein absolutes Grauen. Ember kniff die Augen hinter ihrer Deckung zusammen während sie hörte, dass zumindest eine Kugel getroffen und eine Wirkung erzielt haben musste. Was wutentbrannt schreien konnte, fühlte auch Schmerz. Von etwas weiter weg sah sie Hawthornes Oberkörper hinter einem Wrack auftauchen und etwas rufen, auf das niemand wirklich hören wollte, es aber schlussendlich doch tat. Auch Ember lugte seitlich um ihren Trümmerberg herum und sah den Aurapuls, der etliche ihrer Kollegen einfach von den Füßen fegte. Als der Angelus dann auch noch ihren Namen in den Mund nahm, konnte sie ein wirr anmutendes Grinsen nicht mehr verkneifen.
      Wow, es kennt meinen Namen. Sollte ich mich geehrt fühlen?
      Trotzdem war der Abstand zu groß, die Distanz zu weit, als dass sie ruhige Schüsse setzen konnte ohne dass sich das Wesen wehren konnte. In angewiderter Faszination sah Ember dabei zu, wie das Metawesen die Reihe an Castern zu neuen Mahnmalen an der Wand der Kathedrale kürte.
      Ein schneller Blick zurück zu Hawthorne, der ihr just in diesem Moment zwei Handzeichen gab und selbst direkt vorrückte. Ember folgte mit ihrem Blick der Richtung und erkannte den Weg, den der Commissioner einschlagen wollte. Sie ließ ihn als erstes die Lage sichten, doch die Detective hielt inne, als ihr Partner verharrte und etwas anstarrte. Ember wirbelte herum und sah mit gleichem Schrecken, dass der Himmel seine Tore geöffnet hatte und es Metawesen regnen ließ.
      Das war es, was August gewollt hatte? Wie krank war dieser Mensch wirklich gewesen?
      Verzweifeln brachte nun niemanden weiter. Zunächst einmal musste das Ding vor ihnen eingedämmt werden und wenn sie dann noch Köpfe und Leben besitzen sollten, würde der Rest folgen. Musste der Rest folgen.
      In diesem Chaos nutzte die Frau die Gunst der Stunde und bestritt den lebensgefährlichen Parkour, den niemand freiwillig hätte wählen sollen. Immer in dem Moment, wenn der Angelus Unschuldige vom Angesicht der Erde tilgte, rückte sie weiter vor und fragte sich ernsthaft, wie sie sich es eigentlich vorgestellt hatte, so einem Vieh allein gegenüber zu treten. Ihr Vorstoß jetzt war einzig und allein den Männern und Frauen zu verdanken, die wie Streichhölzer abgeknickt wurden und ihr somit eine Chance ließen. So wütend, wie das Metawesen sich gerade allerdings gebärdete, hatte Ember einen Vorteil.
      Hinter ihrer nächsten Deckung, die eine abstruse Mischung aus Trümmern, Metallteilen und Körpern darstellte, atmete Ember tief durch. Die Glock fest in der Hand wusste sie, dass sie viel näher vermutlich nicht an den Angelus herankommen würde. Ergo wartete sie einen weiteren gesammelten Aufschrei ab ehe sie aus ihrer Deckung auftauchte, sich gerade postierte und die Waffe in Ruhe, soweit sie sie denn aufbringen konnte, auf das Metawesen richtete. Sollte es sie ruhig sehen - vielleicht half ihr die Rage weiter.
      Dieses Mal drückte Ember dreimal ab. Etwas weniger schnell als die Salve zurvor, um kleine Abweichungen noch zu korrigieren ehe sie wieder hinter ihrer Deckung verschwand und dieses Mal direkt den Standort wechselte. Sie hechtete hinter den nächstbesten Brocken, etwas näher zu Hawthorne bevor der Angelus auf die Idee kam, einfach ihren Trümmerschutz in Gänze zu pulverisieren.

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    • Während Ember Sallow den Last-Action-Hero in sich entdeckte, blickte Hawthorne mehr denn je auf die einfallenden Massen. Es blieb nichts anderes, als das Chaos zu bändigen. Und Cunningham kauerte noch immer am Boden und zog sich den Dorn aus der Schulter. In der Hitze des Gefechts riss er ihr das Funkgerät von der Schulter und schaltete es ein.
      "Hier spricht Chief Hawthorne. Zuhören, ihr idiotischen Affen!", bellte er und duckte sich unter einem Baum fort, den der Angelus in seiner Wut schmiss. Herrgott...Dieses Vieh war wirklich mehr als man ertragen konnte.
      "Die verbliebenen Einheiten, sammeln an der St. Paul und gleichsam in Abstand. Abstand zwischen den Einheiten: 2 Meter. Die Magische schützt die Nichtmagische. Nichtmagische verwendet antimagische Munition. Alles was nördlich des Scheitelpunkts des Gartens steht ist fortan die nördliche Kompanie unter meiner Leitung.
      Alles was darunter steht ist die südliche Kompanie unter Leitung von Ember Sallow."
      Er drehte sich zu Sallow um, die dummerweise immer noch auf das Vieh schoss.
      "Reihen schließen und auf Befehle warten! Richten Sie ihre Blicke nach oben. Da kommen die Fallschirmjäger des Feindes!"
      Wütend schmiss er das Funkgerät weg, just als Ember hervorkam. Und der Angelus sie erblickte.
      Heilige Maria, dachte Hawthorne und seufzte, ehe er sich hinter seiner Deckung hervor schob. Ember hatte etwas vergessen. Bisher konnte das Vieh sie scheinbar nicht sehen. Just als sie in sein Blickfeld geriet, grinste es bestialisch und blickte mit seinen brennenden Augen zu ihr.
      Die Geschwindigkeit, die es an den Tag legte, war beinahe tödlich. Es durchmaß den gesamten Garten mit drei langen Schritten und schoss pfeilartig auf Ember zu, bereit zum Absprung, um den Kugeln, deren drei Schüsse zeitlich mit Hawthornes Schuss erklangen, auszuweichen.
      Die erste Kugel durchschlug den Auraschild des Wesens, was es nicht wirklich zu kümmern schien. Es schoss noch immer vor und drückte die Knie ein um abzuspringen, als Hawthornes Kugel zeitgleich mit Embers zweiter Kugel traf. Ein Flügel wurde nach hinten gerissen und mit einem weiteren Schrei begleitet, während Hawthornes Kugel in den Knöchel des Wesens einschlug.
      Und natürlich sah das Vieh wie angezogen zu ihm.
      "Na Mahlzeit...", murmelte er und sah zu Julia.
      Das war ein Dilemma.
      Die dritte Kugel verfehlte ihr Ziel leicht, streifte aber die Wange des Wesens, ehe dieses innehielt und wütend in die Gegend starrte.
      "Feiglinge...", murmelte der Angelus. "ALLES FEIGLINGEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEE!"
      Mit dem Schrei kam das Donnern zurück und eine hastige Bewegung zum Boden hin. Seine Finger glitten wie heiße Messer in die Erde und hoben mittels der Aura, die es um einen gewaltigen Teil des Gartens schlang, den Boden an. Gleich einem Teppich den man vom Boden hob, riss der Angelus die halbe Gartenfläche aus der Erde und warf diese wie einen gewaltigen Tisch auf Ember und Hawthorne zu. Einige hundert Tonnen Erde befanden sich im freien Fall, während Hawthorne nach oben sah.
      "Ach du dickes Ei...", murmelte er.

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    • Ember, die mittlerweile fast bei Hawthorne angekommen war, warf den Kopf in den Nacken und starrte die Wand aus Erde an, die sich unaufhaltsam in ihre Richtung bewegte. Tonnenschwer würde der Boden auf sie hinabbrechen und sie vollständig begraben, wenn nicht sogar direkt erschlagen. Fahrig ging ihr Blick in die Richtung, in der der Commissioner das Funkgerät geschleudert hatte. Zu wenig Zeit, um ihren Trupp zu befehligen. Der Blick ging weiter am Angelus vorbei zu den Castern, die viel zu weit weg standen und nicht wussten, dass sie hier gleich begraben werden würden. Selbst nicht befähigt genug, um sich selbst aus dem drohenden Übel zu retten. Sie hatten quasi die Arschkarte gezogen.
      Wäre da nicht der Lichtball gewesen, der plötzlich wie eine Signalrakete über ihre Köpfe hinweg segelte und sich zwischen der Erdwand und den zu erschlagenden Personen schob. Perplex starrte Ember den Lichtball an ehe es blitzte und ein unfassbar lauter Knall die Luft erschütterte. Eine Druckwelle presste Ember und Hawthrone auf den Boden als es kurz strahlend weiß wurde und es dann zu regnen begann.
      Es regnete Gras, Erde und Steine.
      Schützend hielt sich die Detective die Arme über den Kopf während es in ihren Ohren fiepte und Dreck auf sie hinabrieselte. Mühsam richtete sie sich wieder auf und verfolgte die Richtung, aus der der Lichtball gekommen war. Ihr Blick ging zur Hauptstraße zu den Schaulustigen, unter denen sich eine kleine Gruppe abgeteilt hatte. Inmitten dieser Gruppe stand ein Mann mittleren Alters, im schön gepflegten Anzug, so als käme er gerade aus einem Bürogebäude um die Ecke. Er hatte seine Hand ausgestreckt, die Aktentasche lag neben seinen Füßen. Ein nicht registrierter Zauberer. Nach einem kurzen Augenblick bewegte er wieder seine Hände und ein weiterer Lichtball flog aus seiner Richtung herüber in die Luft, wo er mit einem weiteren lauten Krachen hochging und einen der Fallschirmjäger aus dem Himmel riss.
      Die übrigens schon verdammt nah am Boden waren.
      In dem ganzen Getümmel wirbelte Ember herum, um Hawthorne in Cunninghams direktem Umfeld zu sehen. Wann war die Frau denn bitte aufgetaucht? Allerdings störte sie sich nicht weiter daran, sondern hastete in die Richtung, in der das Funkgerät liegen musste. Unter den Castern war kein Übertragender zu sehen gewesen und bis Mundpropaganda weitergegangen war, hatten die Fallschirmjäger schon längst Boden unter den Füßen und Unheil angerichtet.
      Noch immer rieselte es Erde als Ember hinter Trümmern umhertauchte und endlich verstanden hatte, dass der fette Angelus sie wohl besser nicht erspähen sollte. Ihre Munition zeigte Wirkung, die Zauberer hingegen hatten ihre Schwierigkeiten mit ihm. Doch die kleinen Einheiten am Himmel zeigten andere Schwächen.
      Wie Ember in dem Chaos das Funkgerät hatte ausmachen können, war ihr nie wirklich klar gewesen. Man mochte es Fügung nennen als sie das Gerät auf ihre Funktionalität überprüfte und kurz nach Luft rang, kaum hörte sie ein Rauschen aus dem Lautsprecher. Mit doch nicht ganz ruhigen Fingern erteilte Ember die ersten Befehle an ihre Einheit.
      "Hier spricht Ember Sallow. Südliche Kompanie Fokus auf die Fallschirmjäger. Abstand untereinander wahren, mindestens ein Caster je Jäger. Die Jäger sind verwundbarer als der Angelus im Zentrum. Ich erteile die Erlaubnis, tödliche und aggressive Magie gegen die Jäger zu nutzen!"

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    • Die Befehlskette wirkte.
      Als die Caster den Funkspruch an ihren Schultern hörten, wurden auch auf dieser Seite Befehle gebellt und Formationen bezogen. Mit der linken Hand sprachen die Caster einen Schildzauber, mit der Rechten ihre jeweiligen Angriffszauber. Beinahe zehn Sekunden nach Embers Befehl riss es die ersten der Angeli aus dem Himmel, als Feuerbälle und -speere, Blitzschläge oder gar gewaltige Felsen sie umrissen und gegen Hinternisse schleuderten.
      Der Sharokh im Zentrum indes wirkte verwirrt unter dem Regen aus Staub, ehe er seinen Blick wieder erneut zur vorrückenden Menge richtete.
      "Nein, nein...", murmelte er deutlich hörbar. "Es muss ein gerechter Kampf sein. Ein fairer Kampf sein...Das...DAS IST NICHT FAIR!"
      Mit den letzten Worten entließ er einen Großteil seiner Aura und warf die vorrückende Masse einer Eliteeinheit zurück. Richardson, die treudumme Seele, stand inmitten einer Sandbank im Schlossgarten und sah mit großen Augen zu dem Sharokh, der ihn fixierte.
      "Ach du je...", murmelte Richardson. "DAS IST AUCH NICHT FAIR!"
      Der Schrei zeigte Wirkung, denn der Sharokh hielt inne, während zu seiner Rechten und Linken die Angeli vom Himmel stürzten.
      "SIE WAR ES! SIE HAT GESCHOSSEN!", schrie Richardson und zeigte mit seiner Waffe auf Ember, die er gerade so im Ascheregen ausmachen konnte. Gleichzeitig zuckte er entschuldigend mit den Schultern.
      "Sallow...", murmelte der Sharokh und lächelte bösartig. Da war es wieder. Gerechtigkeit.
      "Ja, Sie war es! Nimm sie! Nimm sie di-"
      Mit einem sachten Schmatzen war der Sharokh herangeeilt und hatte dem Polizisten ohne ein Wort der Warnung den Kopf von den Schultern gerissen.
      "Schnappt sie euch!"
      DIe Angeli, welche den Boden im Zentrum des Gartens erreicht hatten, starteten nun mit dem Angriff. Dem letzten Angriff, wenn es nach dem Sharokh ging...


      Wie geifernde Hunde preschten die Angeli vor, nicht mehr HErren ihrer selbst und blutdurstig. Schreiend breiteten sie die Flügel aus und schossen wie Pfeile auf Embers Verteidigungswall an, der sich schnellstmöglich schloss. Als der Aufprall der Körper deutlich anhand des vielerorten hörbaren Ächzens und Schreiens vernommen werden konnte, wollte sich der Anführer der Einheit noch nach hinten drehen.
      Doch da glitt bereits eines dieser Viecher über ihn. Sie überrannten sie einfach.
      "EIner ist durch!"; schrie der Caster und wollte ihm einen Zauber hinterher werfen, befand sich aber sogleich in tödlichem Ringen mit einem weiteren Angelus.
      Schnell wie ein Speer und filigran wie eine Elfe schoss der Angelus auf Ember zu und fletschte die spitzen, raubtierhaften Zähne. Kurz vor ihr sprang er ab um sie wie eine Katze auf seine Beute zu stürzen.
      Und hielt doch inmitten der Luft in der Bewegung inne.
      Die Flügel waren verschwunden, so erschien es auf den ersten Blick. Doch erst genaueren Blickes konnte wahrgenommen werden, dass sie an den Wurzeln gepackt wurden und den Angelus zurückrissen.
      Ein Mann in einem feinen Anzug und einer glitzernen Hand stand neben Ember und warf den Angelus wie ein Spielzeug von sich. Sein Gesicht war auf allen Plakaten dieser Welt gewesen.
      Kjetil Prestegard kannte die Welt nur als den "Richter". Er war ein groß gewachsener Mann, größer noch als August und kräftig gebaut. Sein Kinn zierte ein neuer Vollbart und das silbergraue Haar war artig nach hinten gekämmt. Seine rechte Hand glich einem Edelstein, so sehr brach sich das Licht in Regenbogenfarben darin, als er zu Ember sah.
      Das hieß, nicht direkt zu ihr.
      Sondern an das Konstrukt dahinter.
      Denn bereits hinter Ember und an einigen Orten des Gartens hatten sich Dimensionsrisse gebildet, durch die jetzt nach und nach Menschen stiegen.
      Zauberer um genau zu sein. Und die Auradichte dieses Ortes nahm ein beängstigendes Muster an. Drückende, beiernde Schwere legte sich über den Garten, als die größten Schwerverbrecher dieser Welt aus dem Nichts heraustraten und die hereinfallende Meute betrachteten.
      Susannah Bones trat hinter Hawthorne aus einem Portal, welches sich nicht schloss. Gleich dahinter stieg ein Wesen unendlicher Grausamkeit aus dem Loch, das einem Teufel ähnelte: Ein Glücksdämon. Das Hornbesetzte Haupt war bereits gewaltig und der Körper der hinter ihr herausstieg hätte das Haus beinahe überragt. Gleich neben Prestegard stieg Eva Beauregard aus einem Portal und eilte zu Ember, auf der Stirn ein drittes Auge geöffnet.
      Nach und nach traten weitere Gestalten aus den Toren, einer merkwürdiger und gleichsam schrecklicher als der andere. Bis sie beinahe alle versammelt waren.
      Erst nachdem der Ritualzauberer Amrah aus dem Portal gestiegen war, stieg auch August Foremar selbst durch das Portal links in einiger Entfernung neben Ember.
      "Sorry", rief er und winkte dem Sharokh. "Wir sind zu spät. Haben noch Erinnerungen ausgetauscht. Ist so, bei einem Klassentreffen dieser Art. Mein Name ist August Foremar...!"
      Der Sharokh blicktte zu August und lachte.
      "Mein Name ist - "
      "Uninteressant und überflüssig, Flattermann. Das einzige, was du wissen musst, ist, dass du im Arsch bist."

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    • Hin und her gerissen zwischen Abscheu und Faszination hatte Ember zum Himmel geblickt, als es kleine Angeli zu regnen begann. Nach ein paar Sekunden löste sie ihre Augen von dem Schauwerk und kehrte zu dem Hauptproblem zurück, das sich offensichtlich verwirrt im Schuttregen umsah. Dann schien er auf etwas zu reagieren, das zu entdecken die Detective einen Augenblick kostete.
      Mit vor Schreck geweiteten Augen starrte sie zu Richardson hinüber, der dem Sharokh seine eigenen Worte entgegenschlug, nur um dann auf Ember zu zeigen. Er konnte so viel mit seinen Schultern zucken wie er wollte - er bekam keinerlei Verständnis für diese Aktion. Allerdings hatte selbst sie nicht damit gerechnet, dass im nächsten Augenblick sein Kopf rollte anstelle ihres. Zu einem stummen Schrei öffnete sich ihr Mund, doch kein Laut verließ sie. Richardson hätte es eh nicht mehr hören können. Stattdessen hatte der Sharokh nun seine Horde auf sie angesetzt.
      Die beiden Fronten prallten nicht allzu weit entfernt von Embers Standpunkt aufeinander während sie das Funkgerät an ihren Gürtel pinnte und ihre Waffe nachlud. Es musste schon ein Wunder geschehen damit sie die Horde aufhalten konnten und selbst dann wäre da noch immer der Sharokh, der irgendwo in dem Chaos untergegangen war. Sie musste sich etwas einfallen, doch da überflügelte ein Angelus den menschlichen Schutzwall einfach und raste auf sie zu. Ember war noch nie der Typ gewesen, der sich eher an der Flucht als am Kampf versuchte. So zogen sich nur ihre Augenbrauen zusammen, als sie die Waffe hob und dem Vieh wenigstens eine Kugel durch die hässliche Fratze jagen würde, bevor es auch nur einen Zahn in ihr versenken können würde.
      So weit kam es allerdings nicht, als der Angelus regelrecht in der Luft gefror und anschließend beiläufig zur Seite geworfen wurde. Erst dann merkte Ember, dass jemand neben ihr stand, und zuckte von der Person zurück. Ihr Blick glitt aufwärts zu dem Mann, den man als Richter kannte, und der geradezu in ihre Richtung sah. Seine Aufmerksamkeit galt jedoch nur dem, was sich hinter ihr im Rücken abspielte. Sie wandte sich herum, um Dimensionsrisse ausmachen zu können, die sie nur einer Person zuzuschreiben wusste. Doch alle Stimmen ihres Verstandes sagten ihr, dass es unmöglich war.
      Ungläubig starrte Ember die Personen an, die aus den Rissen traten und fasste den Griff ihrer Pistole nur noch fester. Er hatte es geschafft. Er hatte sie alle an einen Ort versammelt bekommen und nun würde die Welt sehen, was diese Ansammlung an Macht bewirken konnte.
      Ember zuckte abermals zusammen, als eine Hand sie an der Schulter berührte. Eva Beauregard stand plötzlich neben ihr mit einem unwirklich erscheinenden dritten Augen inmitten ihrer Stirn. Irgendwie hatte die Detective damit gerechnet, dass die Arkana sie als erstes aus dem Leben befördern würden weil sie August auf dem Gewissen hatte. Folglich war sie schlichtweg völlig überrumpelt, dass die Arkana anscheinend auf ihrer Seite standen.
      Spätestens als eine ihr sehr bekannte Stimme erklang, gefror ihr Blut in den Adern. Die Überraschung fiel augenblick aus ihrem Gesicht, als Ember nach dem Ursprung der Stimme suchte und ihn dann tatsächlich in nur einigen Metern Entfernung unter dem Himmer stehen sah.
      "Du!", fauchte Ember leise während sie sich ungehalten aufrappelte und dabei Schutt und Erde von den Schultern und Haaren verlor.
      Starr heftete sich ihr Blick an August Foremar, der gerade den Sharokh reizte als sei es das Natürlichste der Welt. Zu keinem Zeitpunkt hätte Ember August als ein Monster beschrieben, doch diese Einstellung geriet heftig ins Wanken.
      Der Mann hätte tot sein sollen. Sie hatte es gesehen, wusste, dass ihr Schuss richtig gesessen hatte. Was einmal tot war, kann nicht wiederbelebt werden. Seine Worte von einst.
      In dem Versuch, nicht vollständig zu zerbrechen, suchte sich ihr Verstand die nächstbeste Ausrede aus. Dieser Mann dort war nicht echt, ein Trugbild, eine Täuschung. Es wimmelte von Arkana von denen sie teilweise nicht mal wusste, wie sie hießen geschweige denn was genau sie konnten.
      Er war nicht echt!
      Mühsam riss Ember ihren Blick von dem Trugbild los und richtete das Wort an Eva zu ihrer Seite. "Die Caster können etwas gegen die Angeli ausrichten, wenn man die Masse etwas reduzieren würde. Aber gegen den Sharokh kommen sie nicht an. Meine Kugeln machen ihn wenigstens wütend. Wie schließen wir am besten das Tor um die Nachhut zu stoppen?"

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