[2er RPG] Dusk & Dawn [Asuna & Nico]

    • Foremar verzog genau zweimal das Gesicht.
      Das erste Mal, als Ember zugab, dass sie miteinander geschlafen hatten. Oder war es wegen des ersten Teils der Frage? Er mochte es nicht denken oder beschwören aber ein schmales Schnauben glitt über sein Gesicht, während Cunningham genüsslich grinste.
      Fürs Erste war genug offenbart worden.
      "Zunächst einmal: Vielen Dank, Ms Sallow", bemerkte Cunningham süffisant. "Sie haben Recht, wir haben keinerlei Signatur gefunden und wussten nicht, wer dieses Massaker auch nur ansatzweise in Gang gesetzt haben könnte. Nun weiß ich zumindest, dass Sie es waren. Meiner Vermutung entsprechend."
      August wollte Luft holen, schloss aber den Mund direkt wieder. Er hatte es versprochen. Obgleich er Cunningham am Liebsten über den Mund gefahren wäre,.
      "Ich weiß, dass Hawthorne Ihnen einiges durchgehen ließ. Habe mich in Ihre Akte vertieft. Diverse Disziplinarverfahren, Tadel und weitere Gründe, Ihnen umgehend die Marke zu entreißen und Sie auf die Straße zu setzen, Sallow", giftete sie und sah zu den beiden Gästen. "Und dann auch noch Sex mit einem Schwerverbrecher und Mörder! Ich muss wirklich an Ihrem bisher so positiv dargestellten Verstand zweifeln, Sallow. Sie wissen, dass sexuelle Interaktionen mit Strafgefangenen nicht nur verboten sondern gleichsam strafbar sein können. Und so Leid es mir um Ihren Bruder tut: Eine volle Überwachung von London kann und werde ich nicht in die Wege leiten, nur weil Sie einmal mit einem Arkana vögeln und sich danach aufführen wie die letzte Axt im Walde!"
      Mittlerweile wurde ihre Stimme laut und pressend, als unterdrücke sie Wut. Wenn man der Schlagader an ihrem Hals Glauben schenkte, war dem auch so.
      "SIe haben eigenmächtig und ohne Genehmigung ein halbes Desaster im Aurenzirkel der Stadt ausgelöst, um einen Sharokh anzulocken. Sie verkehren nicht nur mit einem Verbrecher, Sie schlafen mit ihm. Und wir beide wissen, Ms Sallow, es wird nicht bei einem Mal bleiben!", donnerte sie und klappte den Laptop zu. "Und zu aller guten Enden haben Sie auch noch die Dreistigkeit an sich, mir vorschreiben zu wollen, was ich als Ihre Vorgsetzte zu tun habe!? ICh denke, Sie wissen nicht mehr genau, wo Ihr Platz in dieser Behörde ist!"
      "Julia...", murmelte August.
      "KOmmen Sie mir nicht mit Julia!", keifte die ältere Frau. "Es ist ein Unding, was hier läuft! Es werden keine Ermittlungen abgesprochen, es werden eigenmächtige Entscheidung ohne Okay des Vorgesetzten getroffen und wenn Sie in der Scheiße sitzen, kommen Sie angekrochen! Sagen Sie mir dass es anders ist, Sallow!"

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    • Manch einer würde Ember unterstellen, dermaßen gleichgültig zu sein um die ständigen Einläufe einfach zur Seite und von sich zu schieben. So wie die Ermittlerin nach außen hin scheinbar ruhig im Glaskasten einer völlig aufgebrachten älteren Frau gegenüberstand, kam diese Annahme nicht von ungefähr. Die Wirklichkeit war leider eine andere. Ember war sich durchaus ihrer Position bewusst, so sehr, dass sie geflissentlich Antworten auf die Fragen gab und sich nicht im Ton vergriff, wie es Cunningham gerade tat.
      "Es ist anders, Ms. Cunningham."
      Dieser Satz schwebte einen Augenblick lang mit einer Schwere im Raum während Ember Cunningham von oben herab förmlich niederstarrte. Noch immer lagen ihre Hände entspannt auf der Lehne, ihre Haltung war nicht angespannt und ihre Augen hatten einen Nachdruck im Blick, der fernab von Überheblichkeit oder Angegriffenheit lag.
      "Die ganze Stadt sitzt in der Scheiße, wenn nicht sogar ganz England. Dass der Sharokh mit meinen Vertrauten anfängt, ist belanglos. Dass er allerdings in dieser verstreichenden Zeit Kraft ansammelt und später nicht mehr aufzuhalten sein wird, scheint Ihnen im Moment ihrer Rage zu entfallen."
      So sehr sich Ember unter Kontrolle hatte - irgendwann war auch bei ihr das Maß voll.
      "Scheinbar scheint es Sie sehr zu treffen, dass ich mich mit einem Arkana eingelassen habe. Ich kenne Ihre Akte nicht im Gegensatz zu Ihnen, aber ich würde beinahe vermuten, dass Ihnen etwas ähnliches widerfahren ist und sie da noch ein wenig dran zu knabbern haben. Anderfalls würden Sie nicht gerade Schwierigkeiten haben, Ihren Blutdruck zu kontrollieren."
      Der Glaskasten bestand im Moment nur noch aus Cunningham und Ember. Die Detective hatte August ausgeblendet während sie versuchte, ihr gemeinsames Ziel zu erreichen. Er hatte ihr mitgeteilt, was ihre Aufgabe war und sie würde alles daran setzen, sie zu erfüllen.
      "Wenn ich Ihnen dermaßen gegen den Strich gehe, dann entlassen Sie mich nach dieser Aktion aus dem Dienst. Schmeißen Sie eine Untergebene raus, die nur versucht ein größeres Übel zu verhindern als das, was Sie gerade vor sich sehen. Sie sagten, ich solle über den Tellerrand schauen - das bekommen Sie, mit Verlaub, in Ihrer Rage gerade selbst nicht hin. Es geht hier nicht darum, wer mit wem verkehrt oder welche Anweisungen missachtet. Wir müssen den Sharokh aufhalten bevor es nicht einmal mehr die versammelte Mannschaft der Arkana kann. Geht das nicht in Ihren Dickschädel rein?"

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    • Cunningham machte ein schnippisches Geräusch und verschränkte die Arme vor der Brust. Erst bei ihren letzten Sätzen weiteten sich die Augen beider Beteiligten und selbst August starrte Ember entsetzt an.
      Ehe sich sein GEsicht entspannte und er ein Schmunzeln verstecken musste. Da sieh mal einer an, dachte er. So einfach kam sie auf ein gut gehütetes Geheimnis. Auch wenn Ember völlig falsch lag, erboste sich Cunningham zusehends.
      "Wie können Sie...", murmelte sie und wurde mit einem Male wieder völlig ruhig. "SIe sollten weniger von sich auf andere Fehlverhalten schließen, Ms Sallow. ICh habe freilich niemals mit einem Verbrecher kopuliert. Dieses Vergnügen obliegt Ihnen allein. Und auch wenn Sie es mir nicht glauben wollen: Mir ist sehr wohl die Gefahr für die Stadt und das Land bekannt. Und ich kann beschwören, dass alles Mögliche getan wird, um den Sharo-"
      "Julia, es reicht."
      Augusts Stimme erschien wie ein Schwert in kalter Nacht. Durchschnitt den Vorhang eines Monologs und brachte die Kommandantin mit einem Ruck zum Schweigen. Zwar nicht von Dauer, aber zumindest für den Moment.
      "Auch wenn dich der Hass zerfressen mag, sollten Sie sich Ms Sallows Argumente gut anhören. Denn im Gegensatz zu Ihnen erscheint es mir, als würde hier nur eine Frau die Lage korrekt erfassen, während die andere sich an Regeln versucht zu halten, die Sie nicht retten werden."
      Damit war seiner Meinung nach alles gesagt. August schloss den Mund und drehte sich wieder ab, während Cunningham kochte.
      "Diese Impertinenz...", flüsterte Cunningham und sah Sallow an, die sich immer noch nicht bewegt hatte. "Dickschädel nennt sie mich...Also wirklich..."
      Mit einem Mal flutete eine Aura den Raum, sodass die Stühle bebten und das Glas zu schwingen begann. Bislang war diese Unterhaltung noch lustig gewesen, aber die Wut dieser Frau ging zu weit.
      "Ich werde dafür Sorgen, dass Sie mich respektieren, Sallow. UNd wenn es das Letzte ist, was ich tu..."
      So schnell wie sie gekommen war, schien sie abzubrechen, als Cunningham erstaunt mit ihrem Narbengeflecht zu August starrte, der sie nur ansah,.
      "Wenn du es auch nur wagst, sie anzurühren, wird es das Letzte sein."
      IN seiner Stimme lag ein Knurren, das wie subkutanes Gewebe mitschwang. Ein tiefes, unirdisches Grollen, als habe man die Hölle selbst entfesselt.
      "Du wirst tun, was Ember sagt. Andernfalls offenbare ich deinen schnuckeligen Vorgesetzten unser schmutziges, kleines Geheimnis. Und es wird mir eine Freude sein..."
      "Das wagst du nicht!", keifte Cunningham.
      "Ich wage. Mit Liebe und Leidenschaft. Und jetzt tu, was Sallow dir gesagt hat!"
      Mit einem Mal kehrte Ruhe in das GEsicht der älteren Frau und ein schweres Räuspern ging durch den Raum, als sie SAllow wieder ansah.
      "Ich entschuldige mich", bemerkte sie und sah sie zerknirscht an. "UNd ich werde nach dem Sharokh suchen lassen...Ich halte Sie über alles weitere auf dem Laufenden."
      August nickte und sah zu Ember.
      "Wollen wir?"
      Auch wenn er sich nicht ganz an sein Wort gehalten hatte, aber diese Unterhaltung musste beendet werden. Es war viel mehr zu tun und er würde einen Teufel tun, als einen Angriff nochmal zuzulass-
      äh...Natürlich gab es noch Dinge zu erledigen!

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    • Ember konnte sich nur aus einem einzigen Grund so selbstsicher und gefasst geben. Sollte es zu einer Konfrontation kommen und sie in ein Handgemenge kommen war sich die Detective absolut sicher, die gleichgroße Cunningham zu überwältigen. Schwierig wurde es ab dem Zeitpunkt, wenn sie ihre Magie einsetzte, so wie sie es nun zu tun gedachte. An eben jener Stelle kam Ember zugute, dass August sie doch begleitet hatte. Das Urvertrauen, das sie ihm jetzt gerade zuteil werden ließ, sorgte dafür, dass sie nicht einmal mit der Wimper zuckte, als eine Aura den Raum flutete. Eigentlich war dieses Gebäude Embers Spielplatz, der Ort, wo sie das Gefühl hatte, Einfluss zu haben und etwas bewirken zu können. Ein gewisses Maß an Macht zu besitzen. In diesem Augenblick wurde ihr jedoch bewusst, wie wenig dies eigentlich zutraf. Hätte sie nicht die Sicherheit in Form des Arkanas im Rücken gehabt, hätte Cunningham sie vermutlich wirklich ernsthaft verletzt. Und sie hätte rein gar nichts dagegen tun können. Das war der Grund, warum sie ihren Stand zu den Zauberern so hasste, die Machtlosigkeit im Vergleich, die sich immer wieder zeigte. Ember hätte in der Lage sein sollen, ohne Hilfe die Leiterin dazu zu bewegen, eine Überwachung zu starten. Am Ende war es doch wieder August gewesen, der der Sache einen Riegel vorgeschoben hatte, und nicht sie selbst.
      Einer Statue gleich verharrte Ember an Ort und Stelle, selbst als Cunningham August ankeifte und erst danach wieder zu ihrer Unterstellten sah. Nicht einmal Überraschung blitzte in Embers Miene auf während sie noch einige weitere Herzschläge lang die Leiterin lediglich musterte, um sich dann endlich zu bewegen und ihr den Rücken zu zudrehen.
      "Gehen wir. Wir müssen noch einen Abstecher bei Heyden machen", antwortete Ember seltsam kühl, nickte Cunningham kurz zu und verließ mit August zusammen den Glaskasten.

      Das Bild, das Heyden abgab, als er August Foremar in seinem Labor erblickte, war Gold wert. Der korpulente Techniker saß an seinem Tisch und bastelte gerade mit einer Schutzbrille an irgendeiner technischen Spielerei herum als Ember mit August eintraten. Zunächst reagierte Heyden gar nicht als Ember ihn begrüßte sondern erwiderte den Gruß nur mit einem konzentrierten Brummen. Schließlich legte er die Teile zur Seite, klappte die Brille hoch und warf einen Blick zu seinen Gästen.
      In der Sekunde, in der sich sein Blick an August heftete, weiteten sich direkt seine Augen. Ember rollte bereits mit den Augen und schritt unwirsch auf den Tisch zu, um ihre Handtasche darauf zu drapieren, da war Heyden unlängst auf die Beine gesprungen, warf den Stuhl dabei um und zeigte mit seinem Zeigefinger auf August.
      "Das gibt's doch nicht!", rief er aus und stellte just in der Sekunde fest, dass ein nackter Finger nicht auf angezogene Leute zeigen sollte. Schuldbewusst ließ er die Hand sinken, starrte August aber immer noch mit einer Faszination jenseits von Gut und Böse an. "Wow. August Foremar. Ich werde wahnsinnig. Du hast echt keinen Scheiß erzählt, Ember."
      "Hab' dir doch gesagt, dass du ihn vielleicht mal treffen wirst. Vor allem, wenn wir einen Sharokh stoppen müssen. Jetzt hör schon auf andere anzustarren und schau hier her", forderte Ember Heyden auf, nachdem sie ihre Glock, das Magazin sowie das Artefakt des Angelus auf dem Tisch ausbreitete. "Deine Aurageschosse funktionieren gut. Aber ich brauche was, das einem Angelus gefährlich werden kann. Das Artefakt hier kann Auren auflösen und ist selbst für den da hinten gefährlich."
      Sie deutete fast schon beiläufig auf August.
      "Kriegst du irgendwas in der Richtung hin?"
      Sichtlich unzufrieden löste Heyden seinen Blick von August, um das Artefakt zu untersuchen. Dieses weckte mindestens genauso großes Interesse beim Techniker und dank Embers Warnung fasste er es lediglich mit einer Zange an. Er klappte seine Brille wieder hinunter, die so viel mehr als eine einfache Schutzbrille war, drehte und wendete das Artefakt ehe sein Blick zu August ging.
      "Ich möchte ja nun wirklich, wirklich nicht anmaßend sein... Aber ich nehme an, Sie haben mitbekommen, wie Ember den Sharokh angelockt hat? Meinen Sie, ich könnte eine Phiole Ihrer Aura haben? Für diesen Zweck? Die eines Arkanas kann ich noch nicht in meinem Besitz nennen..." Er druckste etwas herum, sichtlich peinlich berührt bei dem Thema.
      "Kommst du auf die Idee und baust da irgendeinen Schwachsinn draus, Heyden...", Embers Worte waren immer noch kühl, nun aber schneidend.
      Schuldbewusst ließ Heyden das Artefakt los und wedelte abwehrend mit beiden Händen.
      "Nein, nein! Jeder hier weiß nur, dass du im Park die Erschütterung ausgelöst hast aber nicht, dass es meine Sammlung war!"
      Ember blinzelte den größeren Mann unfreundlich an. Mundpropaganda war eine furchtbare Sache. Dann seufzte die Frau, zog sich einen Stuhl an und ließ sich darauf fallen. Ihr Blick ging über ihre Schulter zu August.
      "Deine Wahl, August. Wenn du kein Pröbchen abgeben willst, auch in Ordnung. Aber ich würde fast mit dir wetten, dass der gute Mann hier eine ordentliche Gefahr für Leib und Leben entwickeln könnte. Selbst nur mit dem Artefakt hier. Kannst du den Effekt kopieren, Heyden?"
      Ein selbstsicheres Grinsen tauchte auf dessen fetten Lippen auf. "Ohne Zweifel. Mit einem Muster ist das gar kein Problem. Ach, falls Sie sich Sorgen machen, dass ich herausfinden könnte, wie Ihre Magie funktioniert; das kann ich nicht anhand einer Probe. Sie ist funktionsfähig, aber losgelöst von ihrem Ursprung wodurch sie ihren Auslöser verliert."
      Ember ließ den Kopf in den Nacken fallen und schloss die Augen. Lang streckte sie ihre Beine aus und überschlug ihre Füße während sie gedehnt in den Raum sagte: "Mit ein wenig Glück kriegt er zu morgen erste Ergebnisse zustande. Ich würde die Chance ja nutzen und dir Noland vorstellen, aber ich glaube, wir haben dafür nicht die Zeit. Also machen wir das hier fertig und fahren wieder zurück?"

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Menschliche Gefühle waren ein Gräuel.
      Gemessen an der Tatsache, wie lange ein Mensch darauf verschwendete, diese zu erforschen war es schon beinahe lachhaft, wie schnell sie brachen. Er verließ mit Ember den Raum udn fühlte sich unwohl und ein wenig allein. Er hatte dies Gefühl lange nicht mehr besessen, doch hier wurde ihm wieder bewusst, wie gejagt sie alle waren. Als Rogue wurde er angesehen wie ein Tier, jedoch als Arkana? Da waren es Blicke voller Abscheu, Hass und vor allem Furcht, die ihm begegneten. Eine lebende Atombombe in einem Haus voller Caster. Diese Menschen waren erbärmlich in ihrem Streben, auch nur ansatzweise zu verstehen, was er war oder was er durchmachte.
      Sollten sie zur Hölle fahren.
      Als sie in das Labor dieses Heyden eintraten, wirkte die Welt wie ausgesperrt. Hier drin konnte ein großer Verstand in einem fülligen Körper durchaus Wunderdinge leisten. Zumindest die Begrüßung war eine ganz Andere, als er sie gewöhnt war. Beinahe wäre er zusammen gezuckt und hätte den Finger vermutlich abgetrennt, aber so konnte er sich zumindest ein wenig im Zaum halten.
      "Freut mich ebenso", murmelte er und wanderte interessiert durch den Raum und betrachtete die Auslagen, die freilich keine waren.
      Wie erwartet stürzten sich die beiden wieder in die Arbeit und August genoss die Momente der Ruh-
      Freilich wusste dieser Heyden wie man einem genervten noch weiter auf den Wecker ging.
      Beinahe boshaft lieblich grinste August ihn an und schüttelte den Kopf.
      "Nein, ich denke das ist nicht möglich", bemerkte er. "Und ja, Ihre...Werke...sind mir durchaus bekannt."
      Aura in Phiolen...Vor 100 Jahren hatte man nicht einmal an solch Hokuspokus gedacht.
      Es ärgerte den Rogue viel mehr, dass sie ihn als "den da hinten" bezeichnete. Der da hinten stand im Stall und fraß Heu. Zumindest wo er herkam. Kopfschüttelnd wandte er sich ab und betrachtete wieder die Einrichtung, sodass er der Unterhaltung nicht mehr wirklich folgte.
      Erst als Ember ihn ansprach nickte.
      "Was immer du willst", bemerkte er.

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    • Bei Augusts einfacher Bemerkung öffnete Ember ihre Augen und beobachtete den Mann kopfüber während er Heydens Ausstattung betrachtete. Ihr war schon aufgefallen, dass nicht nur sie sich ein wenig anders gab seitdem sie aus dem Gespräch mit Cunningham gekommen waren. Schweigend verharrte sie in ihrer Position bis Heyden sie ansprach.
      "Ich rufe dich morgen dazu mal kurz an. Bis dahin sollte ich zumindest etwas haben, das funktioniert. Darf ich solange deine Waffe behalten?"
      "Sicher", antwortete Ember und holte ihren Kopf mühsam aus ihrer überstreckten Haltung zurück, um den Techniker anzuschauen. "Niemand erfährt von dem Artefakt, ja? Ist mir schon nicht ganz geheuer, das hier bei dir liegen zu lassen..."
      Heyden grinste nur spöttisch während er das Messer mit seinen Zangen zu einer Art Tresor herüber trug, es hinein legte und die Tür schloss. Er hatte etwas aus dem Konstrukt gegen das Messer getauscht und schob es Ember über den Tisch rüber.
      "Vielleicht solltest du doch anfangen, sowas zu nutzen. Das hier kann man dir leicht wieder abnehmen, aber die hier wären als Vorbereitung vielleicht nicht schlecht."
      Ember hatte sich vorgelehnt und die beiden Gegenstände in Augenschein genommen, die Heyden herüber geschoben hatte. Das eine war ein kleines Glasgefäß, ähnlich jenen, die sie für die Aktion mit dem Angelus dabei hatte. Sie hatten schon öfter über diese Tabletten gesprochen, die eine gänzlich andere Wirkung erzielten und offiziell nicht zugelassen waren. Heyden hatte sie im Selbstexperiment getestet und hatte sie Ember als Feldversuch angeboten. Bisher hatte sie jedoch immer abgelehnt. Nun jedoch ließ sie die kleine Flasche in ihrer Tasche verschwinden bevor sie den zweiten Gegenstand in die Hände nahm von dem sie wusste, was es war. Ein schmalgliedriges Armband, das vom Stil her ihrem Fußkettchen ähnelte. Nur war sein Zweck nicht das Bemerken von Aurenaktivitäten sondern das Blockieren eben jener. Der Effekt des Armbandes war nichts weltbewegendes, da es sich nur wie eine schützende Blase um den Träger legte und bis zu einem bestimmten Grad Einwirkungen von Außen abschirmen konnte. Im Gefecht mit Cunningham hätte es vielleicht ausgereicht, damit Ember die Leiterin wenigstens KO hätte schlagen können.
      "Hat ja ganz schön gedauert seit dem Prototypen", meinte Ember nüchtern während sie sich das Armband um das linke Handgelenk legte und feststellte, dass sie gar keine Veränderung spürte. "Aber danke, ich denke drüber nach. Ich warte also auf deinen Anruf."

      Ember entschied, dass sie Noland keinen Besuch mehr abstatten würden. Angesichts des Zeitdruckes hätte keine Seite einen Nutzen aus dem Treffen weshalb sie lieber den Rückweg vorzog. Außerdem wollte sie Shawn nicht länger als nötig allein im Palace wissen, erst recht nicht, wenn sie August im Schlepptau hatte.
      Scheinbar hatte sich herumgesprochen, dass Cunningham fast explodiert wäre und August sie maßregeln musste. Die Blicke, die sie beiden nun auf ihrem Weg aus dem Department zugeworfen bekamen, waren eine Spur ehrfürchtiger als noch zuvor. Wobei die Detective sehr schnell bemerkte, dass diese Blicke einzig und allein dem Arkana hinter ihr galten. Sie selbst bekam praktisch keine Aufmerksamkeit und wenn, dann hätte sie schwören können, Spott in ihnen lesen zu können.
      Sallow kommt nicht allein mit der Leiterin klar und muss sich einen Rogue und Mörder in den Rücken stellen, um sich zu behaupten.
      Unweigerlich biss sie ihre Zähne zusammen, ihr sonst so entspannter Ausdruck bekam leichte Risse. Erst, als sie wieder unter freiem Himmel standen, gewährte sich Ember die Gelegenheit, durchzuatmen. Die komplette Spannung fiel von ihren Schultern, als sie mit August im Auto saß und sich in den Verkehr Londons eingliederte. Eine Ameise unter tausenden.
      "Ich habe ja gesagt, dass Cunningham auf die Sache mit der Affäre zu sprechen kommt", warf Ember plötzlich völlig unerwartet in das Schweigen ein. "Ich hoffe du weißt, was ich zwecks meiner Arbeit sagen muss und was ich davon nicht so meine?"
      Dieses Mal würde sie keine Missverständnisse so stehen lassen. Das Frühstück hatte ihre seltsame Beziehung etwas gekittet, aber der Besuch im Department schien sie wieder ein wenig von einander abgerückt zu haben.
      "Ich musste ihr bestätigen, dass es ein einmaliger Fauxpas gewesen war. Wobei ich persönlich es nicht als Fehler werten würde. Ich weiß zwar nicht, was du darüber denkst, aber so viel zu meiner Meinung..."
      Geschmeidig band Ember den Wagen in einen Kreisverkehr ein, um die zweite Ausfahrt zu nehmen und weiter Richtung Twisted Mind Palace zu fahren. Vielleicht sollte sie ihn ja darum bitten, noch einmal unter vier Augen mit ihr zu sprechen. Möglicherweise gerieten sie dann aber wieder wie im Keller aneinander...
      "Ich habe gedacht, ich komme allein mit Cunningham klar. Dass das Department mein Spielplatz ist. Wärst du nicht dabei gewesen, hätte die Schreckschraube weiß Gott was mit mir angestellt." Sie machte eine kurze Pause, um ihr Ego herunterzuschlucken. Obzwar es ihr unheimlich schwer fiel. "Danke."
      Anstelle einer Leichtigkeit bildete sich ein zäher Kloß in ihrem Hals, den sie einfach nicht losbekam. Sicher, sie war ihm dafür wirklich dankbar und genoß den Fakt, dass sie sich auf ihn stützen konnte. Aber er hatte es ihr damals schon prophezeit: er würde nicht ewig an ihrer Seite stehen und dann war sie wieder allein.
      "Du sprichst sie mit dem Vornamen an, also kennt ihr euch doch. Ich glaube ihr, dass es nicht um Intimitäten ging bei ihrem Wutausbruch. Aber eine Art Vertrauensbruch wird es wohl sein, bei ihrem Charakter dürfte das einen ebenso heftigen EInschlag hinterlassen. Man kennt die Gerüchte zu ihrer Vergangenheit. Dass sie beinahe zu den Rogues übergelaufen wäre. Sag mir nicht, du hattest deine Finger im Spiel."
      Ember warf August einen flüchtigen Blick zu und war sich nicht sicher, welche Antwort ihr lieber wäre. Immerhin hatte das konzentrierte Autofahren den Vorteil, dass sie ihre ruhige und leichtfüßige Stimme wiedergefunden hatte. Selbst wenn sie sich so gar nicht fühlte.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • August hielt sich vornehm zurück, als sie noch mit Heyden über antimagische Hilfsmittel sprach. Und auch wenn August die Idee nicht gut fand, so musste er doch anerkennen, dass dieser vermeintliche Wissenschaftler offenbar einiges auf dem Kasten hatte. Auch wenn es Ember nicht lange schützen würde. Eine Aura manifestierte sich nicht immer in physischer oder blockierbarer Gestalt. Und auch wenn er die antimagische Präsenz um ihr Handgelenk bemerkte wusste er, dass dies Glück nur von kurzer Dauer sein konnte.

      Im Auto erschien die Stimmung sich wieder ein wenig zu lockern, auch wenn er es nur für eine weitere Farce dieser Frau hielt. Sie versteckte ihre Gefühle zumeist hinter einer kalten Fassade aus gespielter Selbstsicherheit, auch wenn es ihr offenkundig nahe ging, was dort drin geschehen war. Dennoch beschloss er, zu schweigen. Zu oft hatte er sich aus dem Fenster gelehnt und war dafür bestraft worden. Zuletzt mit einem "der da hinten".
      Man mochte es kleinlich oder eifersüchtig nennen, aber dem war ganz und gar nicht so. Doch für einen Moment, dem Moment ihres Verkehrs miteinander, hatte er das erste Mal seit langem das Gefühl eine Spur in Jemandes Leben zu hinterlassen. Und sei es nur eine kurze Spur eines Orgasmus' und das war es. Aber es war etwas.
      Es derart herabgewürdigt zu wissen, schmerzte ihn auf eine Art und Weise, die er schlecht in Worte kleiden konnte. Dafür hätte es wesentlich mehr Offenheit beider Seite bedurft.
      "Affäre", zischte er und schnaubte. "Wir hatten einmal Sex. Das kann man wohl nur schwerlich als Affäre bezeichnen."
      Es kam genauso unerwartet, wie die Wut, die er empfand wenn er daran dachte. Also schüttelte er den Kopf und sah aus dem Fenster wo der Verkehr sich pulsierenden Adern gleich durch die Stadt schlängelte.
      "Ich weiß schon, was du sagen willst. Mach dir keine Gedanken"; sagte er kryptisch und behielt den Rest für sich. Es war besser, die Sache nicht zu verkomplizieren. Ihre Wege würden sich unweigerlich trennen,. Letzten Endes führten sie zwei verschiedene Leben, die nur schwerlich überein kamen.
      "Ich halte es ebenso für keinen Fehler. Es war in der Nacht notwendig und gut. Lass es uns nicht verkomplizieren."
      Nun hatte er es doch gesagt. Dummkopf.
      "Schon gut. Ich merke, wie es dir nahe geht, das auch nur auszusprechen. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, meinen Mund zu halten", murmelte er. "Aber diese Frau treibt einen bis zum Äußersten des Wahnsinns. Wie kann man nur so eine verfluchte..."
      Er sparte sich die Ausführung verschränkte stattdessen die Arme vor der Brust.
      "Ich hatte meine Finger nicht im Spiel", entgegnete er. "Nun, zumindest nicht so wie du glaubst. Julia Cunningham wollte vor Jahren einen persönlichen Gefallen von mir erwirken und ich habe es abgelehnt. Das war alles."

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    • Ember verfiel nach Augusts Erklärung in Schweigen. Die restliche Fahrt über ließ sie seine Worte Revue passieren und passte dabei auf, nichts davon in ihrem Fahrstil widerspiegeln zu lassen. Als sie schließlich auf dem Parkplatz des Palace vorfuhr, stellte sie den Motor ab und verriegelte die Türen von innen. Dann rutschte sie auf ihrem Sitz herum bis sie August mehr oder minder frontal gegenüber saß.
      "Ich glaube, wenn wir da jetzt reingehen und uns nicht einmal wie zivilisierte Menschen ausgeprochen haben, tun wir unverzeihliche Dinge", begann Ember und schälte sich halb aus ihrem Mantel.
      "Wir verkomplizieren es nur, indem wir weiter aneinander vorbei reden. Es war nicht notwendig, dass wir miteinander geschlafen haben, aber verdammt gut. Wie kann man sowas generell als notwendig beschreiben..." Ember fuhr sich mit der flachen Hand einmal über ihre untere Gesichtshälfte bevor sie ihren abgedrifteten Blick wieder auf den Mann ihr gegenüber richtete.
      "Scheinbar weißt du nicht, was ich damit sagen will. Ich hab dir mehrmals gesagt, dass ich es weder bereue noch als Fehler sehe. Du reagiert sauer wenn ich es herunterspiele und weichst aus, wenn ich versuche es anzusprechen. Was ist also dein Problem jetzt genau?"
      Embers folgende Handlung war rein instinktiver Natur. Sie streckte ihre rechte Hand nach ihm aus und berührte ihn zunächst vorsichtig an der Schulter. Dann glitt ihre Hand seinen Arm hinab bis sie ihre Hand auf seine legen konnte.
      "Ich hab mich vorhin bei Cunningham nur so aufführen können weil ich dich in meinem Rücken wusste. Wusste, dass ich mich auf dich verlassen kann. Das wird sich auch nicht mehr ändern genauso wie der Fakt, dass du ihr unmissverständlich klar gemacht hast, dass sie mir kein Haar krümmen sollte. Ich brauche dich nicht nur in meinem Leben, ich will es auch."

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Gerade woltle August an der Tür rütteln, ehe er die Verriegelung der Tür hörte.
      Und während sie sich offenbar fein säuberlich versuchte, in Position zu bringen um ein gottverdammt lästiges Gespräch zu führen, fragte er sich, ob es wirklich ihr Ernst war, ein derartiges Gespräch unter Gefängnisbedingungen zu führen?
      "WIe kann man es sagen...", murmelte er. "Sehr einfach. Ich sage es, weil es so war. Wir beide hatten es nötig und haben Nähe vermisst. Und haben offenbar eine nicht unerhebliche Anziehung zwischen uns wahrgenommen. Ich habe mit keinem Wort gesagt, dass es schlecht war, aber darf ich dich daran erinnern, dass du diejenige warst, die schnellstmöglich danach Abstand zwischen uns beiden wollte? Ich werde das demnach nicht weiter kommentieren. Es war gut, ja. Aber genauso notwendig wie es gut war."
      Anschließend sah er sie mit einer Mischung aus Erstaunen und Ärger an, während er seufzte.
      "Was genau sprichst du an? Sag mir, Ember. Was genau?! Ist es in deinen AUgen ein klärendes Gespräch wenn man sich gegenüber setzt und einfach nur das Offensichtliche wiederholt? Ich reagiere deshalb so sauer, weil hier kein Wort über Gedanken und Empfindungen verschwendet wird. Du beschreibst selbst diese Dinge entweder sachlich, zynisch oder wütend. Wirst aber sauer, wenn ich das tue. DIe Tatsache ist folgende, Ember: Ich bin nicht begeistert, als "der da hinten" oder "das da" tu gelten, weil ich einmal das Gefühl hatte, eine Spur in einem Leben zu hinterlassen, die nicht mit Tod und Blut beschmiert ist!"
      Ihre Hand auf seiner war ein merkwürdiger Ansatz, aber nicht unangenehm. Er ließ sie gewähren und bewegte sich nicht fort. Mehr konnte er sich selbst nicht zugestehen.
      "Begrab diesen Wunsch Ember", sagte er schließlich. AUch wenn es ihn schmerzte, wenn er ehrlich war. "Wir beide führen zwei unterschiedliche Leben, auf zwei unterschiedlichen Seiten. Mein Leben wird immer das von Tod und Blut sein, während deines noch eine Wendung nehmen kann, die schön ist. Das Selbstbewusstsein hast du in dir, dafür brauchst du weder mich noch irgendjemanden. Also weshalb solltest du mich brauchen?"
      Die Frage war überfällig. Aber nicht leicht zu stellen oder zu beantworten.

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    • "Kann ich dich mal kurz daran erinnern, dass auch ich nur ein Mensch bin und Fehler mache?"
      Embers Stimme klang etwas gepresster, aber sie rückte mit ihrer Hand nicht von seiner ab.
      "Ich bin auf Abstand gegangen weil ich selbst erst einmal für mich festlegen musste, was das hier werden sollte. Tut mir leid, dass ich eher der Kopf- als Bauchmensch bin."
      Schließlich löste sie doch ihre Hand von seiner, zog sie zurück und legte sie sinnbildlich an ihre Brust.
      "Dann schau mich einmal an ohne über irgendetwas nachzudenken. Ein einziges Mal", forderte sie ihn auf, schlagartig wurde ihre Stimme weicher als sie langsam realisierte, welche Tragweite Augusts Worte tatsächlich beinhielten.
      "Es tut mir wirklich leid, wie ich dich bezeichnet habe. Und es tut mir auch leid, dass du so über deine Wirkung auf andere denkst. Aber jetzt gerade sitze ich vor dir und sage dir, dass dein Gefühl völlig richtig ist, August. Egal was du tust oder sagen wirst, ich werde dich nie als der vergessen, der du bist. Du hinterlässt eine Spur, die viel größer ist als du denkst. Du sorgst dafür, dass ich mich ändere und das Selbstbewusstsein raushole, was du schon lange in mir siehst."
      Dann sackte ihre Hand in ihren Schoß nachdem sie die Verriegelung des Wagens geöffnet hatte und den Arkana mit leicht gesenktem Blick ansah. Die Verwundbarkeit, die sie nur bei ihm zeigte, kehrte in ihre Augen zurück.
      "Ich begrabe gar keinen Wunsch. Mir bringt jedes noch so großes Selbstvertrauen nichts, wenn ich niemanden habe, auf den ich mich stützen kann. Ich habe über die Jahre so lange allein vor mich hin gelebt und so viel von mir weggestoßen, das vielleicht hätte gut werden können. Den Fehler mach' ich nicht noch einmal. Ich brauche dich weil du mich aus dem Loch reißt, in dem ich versackt bin. Weil kein Mensch sein Leben lang allein sein sollte und du der Erste bist, der meiner beschissenen Art Paroli bietet. Das sieht Shawn, das sieht Dolores. Jeder sieht das, nur du nicht. Also zwing mich bitte nicht, diesen Wunsch zu begraben."
      Es war das erste Mal, dass Embers Gesicht in Augusts Gegenwart zu glühen begann und sie mit den Tränen kämpfen musste. Als stereotypische starke Frau hatte sie nicht vor anderen zu weinen und tat es nicht einmal vor ihrem Bruder. Aber sie wusste nicht, wie sie es ihren Gegenüber anders verdeutlichen sollte, damit er seine Rolle in ihrem Leben endlich verstand.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Seufzend schlug er einmal kurz gegen die Armlehne des Autos und legte den Kopf gegen die Kopfstütze.
      "Hast Recht, tut mir Leid", murmelte er. "ich bin einfach ein wenig gestresst und deute Dinge falsch, die man mir an den Kopf wirft. Ich weiß, dass du diese Dinge sagen musst."
      Anschließend winkte er ab und zuckte die Achseln. Dennoch kam er ihrem Wunsch nach und sah sie an. Das erste Mal ohne Spott, Zynismus oder ein perfides Grinsen im Gesicht. Einfach nur als der Rogue, der nunmal war.
      "Es brauch dir nicht Leid zu tun. Wir alle tun nur das, was wir für richtig halten in diesen Situationen. Und wie du sagtest: Wir sind Menschen. Wir machen Fehler", sagte er und lehnte sich wieder zurück. "Das Selbstbewusstsein brauchst du nur hervorzuholen. Aber es ist schön zu hören, dass ich auch eine kleine Rolle spielen darf in diesem Stück."
      Eigentlich war es sogar etwas Großes. Etwas tolles und beinahe lebendiges, wenn er so darüber nachdachte. Taten das nicht normale MEnschen? SIch unterstützen und derlei Zeugs?
      "Weshalb glaubst du eigentlich, dass du eine beschissene Art hast?", fragte er und sah sie wieder an. "Ich meine ja, du bist ein Kopfmensch. Ja, du hast nicht wirklich Fähigkeiten in sozialer Kriegsführung wenn ich es mal so nennen darf und ja, manchmal bist du verklemmter als meine Großmutter, aber da sehe ich nichts Schlimmes dran. Du hast viel durchgemacht, wie wir alle. Und das ändert Menschen leider. Ich wünschte ich könnte sagen, dass es an dir läge, aber so ist es nicht. Du bist nicht anormaler als der ganze Rest, was deine Art betrifft."
      Schweigsam sah er sie an und zuckte mit den Achseln.
      "Gut, in Ordnung...Ich zwinge dich nicht mehr. Aber heul jetzt nicht los, sonst verhaut mich Dolores."
      Einer musste sein. Nur den einen..
      Er schunzelte ein wenig und sah an den Himmel des Fahrzeugs.
      "Weißt du wovon ich träume?", fragte er und grinste verschmitzt. "Es gibt ein Dorf im Norden. Gerade an der Grenze zu Schottland. Berwick upon Tweed. Beschissenster Name aller Zeiten...Aber dort gibt es Wälder, leichte Hügel und die Seeluft ist reiner als an so manchem Bergsee...Dort wollte ich ein Haus bauen. Und mit einer Familie sesshaft werden..."
      Anschließend sah er sie an.
      "Zumindest vor 100 Jahren. Heute...Ich weiß nicht, weas heute ist."

      The more that I reach out for heaven
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    • Mit den Ärmeln ihres Oberteils fuhr sich Ember über die Augen bis nur noch ein rötlicher Schleier darauf hindeutete, dass sie fast geweint hatte. Währenddessen lauschte sie Augusts Erzählung und legte schließlich den Kopf seitlich an die Kopfstütze. Dieser kleine abgebrochene Ausbruch hatte etwas befreiendes an sich wodurch es ihr wieder leichter fiel zu atmen.
      "Ein wirklich beschissener Name", pflichtete sie ihm mit einem Lächeln bei, "aber ich kenn' das Örtchen gar nicht. Keine Ahnung, wie es nun nach einhundert Jahren aussieht, aber man könnte sich dort doch wenigstens einmal umschauen, oder?"
      Immerhin besaß August einmal Pläne, denen er folgen wollte. Sogar sehr schöne und nachvollziehbare Pläne, die vielleicht auch Ember so vor sich gesehen haben könnte, wäre da nicht der Zwischenfall mit Emily gewesen.
      "Als ich noch jung war wollte ich eigentlich in der Nähe meiner Eltern bleiben und ihnen das Dasein der Großeltern ermöglichen, wie sie es sich immer gewünscht hatten. Dabei sein, wie sie alt werden und ein glückliches Rentnerpärchen abgeben. Meine bescheidene Art hat wohl viel kaputt gemacht. Keine Beziehung hat wirklich lange gehalten, dank meines Sturkopfes habe ich wohl viele vergrault. Hab' gedacht, sie kommen nicht damit klar, wenn ich meinen Job so mache, wie ich es mir vorstelle. Seitdem hab' ich nicht mal mehr etwas, das ich nur für mich mache."
      Ihren Job hatte sie gewählt für das Wohl Anderer. Ihre Heimatstadt verlassen, damit ihre Eltern sich nicht immer anhören mussten, wie die Nachbarn sich das Maul über ihre Tochter zerrissen. Den Kontakt zu ihrem Bruder unterbrochen, da er sich sein eigenes Leben aufzubauen versuchte und nicht noch ihren Dreck mit verdauen musste. Immer, wenn es darum ging das eigene Glück zu finden sabotierte sich Ember schlussendlich selbst.
      "Versprich mir, dass wir zusammen mal den Ort mit dem beschissenen Namen aufsuchen. Dann verrate ich Dolores nicht, dass du mich zum Weinen gebracht hast. Ich glaube, die alte Dame hat noch ziemlich Zug auf der Faust wenn sie möchte", sagte Ember leise, das Lächeln war noch immer nicht von ihren Lippen gewichen.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • August blickte eine Weile lang aus der Windschutzscheibe, bis diese bereits leicht beschlug, ehe er lächelte und nickte. Umsehen...Man konnte sich ein Städtchen ansehen und entscheiden, ob man dort leben wollte. Wie es normale Menschen taten, nicht wahr? Konnte das wirklich eine Möglichkeit sein?
      "Ja, ich denke, man könnte sich einmal dort umsehen, wie es in dem beschissenen Kaff aussieht", lenkte er ein und sah sie an. Hatte sie schon immer so gut ausgesehen, oder erst, nachdem sie etwas Farbe durch die Tränen bekam?
      Anschließend sah er sie weiterhin wie hypnotisiert an, während er seine Brille abnahm und diese blind an seiner Weste reinigte.
      "Thema Beziehungen...", murmelte er und zog eine Augenbraue hinauf. "Was ist mit deiner letzten Beziehung geschehen? Es gab einige Erwähnungen und Hörensagen, aber wirkliche Informationen gab es nicht. Kam er oder sie auch nicht mit deiner Art klar, die Dinge zu regeln?"
      Anschließend setzte er die Brille wieder auf und griff nach ihre Hand, um sie theatralisch vor sich zu halten, als mache er ihr einen Antrag.
      "Also Ember, vielleicht hat sie noch einen zweiten Vornamen oder nicht, Sallow: Was tust du gerne? Was würde dich glücklich machen? Und ich verspreche, wir werden es nach diesem Fall unternehmen. "
      Das Lächeln auf seinem Gesicht war ehrlich gemeint und aus irgendeinem Grund fiel es ihm schwer, ihre Hand loszulassen.
      "In Ordnung. Wir besuchen diesen Ort gemeinsam", murmelte er und öffnete nach langer Zeit die Tür. "Und jetzt lass uns hinein gehen. Wir haben Probleme für Tage und du machst dir keine Vorstellung, was die alte Frau alles noch kann."



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      Rechercheergebnisse Shawn:
      Verschwinden von zwei Männern in Hampton, Südküste; 1 Mord in Ipswich

      SMS an Ember:
      Vertrauen Sie Foremar nicht. Absender unbekannt. Dateianhang den man nicht öffnen kann

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    • Ember begann zu rätseln. Die Art, wie August sie gerade ansah erinnerte sie an jene Nacht, in der sie Nähe des jeweils anderen gesucht hatten und doch schien in diesem Augenblick mehr hinter diesen alten Augen verborgen zu sein, als man auf den ersten Blick entdecken mochte. Unweigerlich schnitt der Rogue wieder das leidige Thema der Beziehungen an, das ihn immer wieder zu reizen schien.
      Ember seufzte leise und schloss die Lider. "Ich hatte früher ein Händchen für Männer, die sich selbst gern profilierten und viel von sich hielten. Lange Zeit dachte ich, mein Pendant muss mindestens so willensstark sein wie ich um mit mir Schritt halten zu können. Meine letzte Beziehung war meine längste. Er hieß Alex und hat es knapp drei Jahre mit mir ausgehalten bis er gegangen ist. Er war gänzlich anders, viel weicher und ruhiger als ich. Ich habe ihn im Department kennengelernt weil er als Sozialarbeiter auf ein Kind damals aufgepasst hat, dass den Mord seines Vaters miterlebt hatte. Ich habe Alex nie wirklich erzählt, was genau ich in meinen Fällen behandelte, aber der gute Mann war alles andere als unaufmerksam. Oft bin ich körperlich geschunden Heim gekommen und wollte ihm nicht erzählen, was passiert ist. Damit er sich den Schuh nicht anziehen muss oder sich permanent den Kopf zerbricht, ob mir etwas passieren könnte. Selbstverständlich tat er trotzdem genau dies und dann führte irgendwann eins zum Anderen. Meine Eltern hatten ihn geliebt weil er so gut mit Kindern konnte und wirklich ein guter Mann war. Er hielt es nur nicht aus sich ständig Gedanken um mich zu machen und da ich ihm versichert habe, nie meinen Job an den Nagel zu hängen, hat er keinen anderen Ausweg gesehen."
      Ember schlug die Augen auf nachdem sie kurz mit den Schultern zuckte. Daran war nichts zu ändern gewesen. Sie hatte sich mit Alex ausgesprochen, wusste um seine Beweggründe und ließ ihn schlussendlich ziehen. Sie konnte nicht verantworten, dass er ständig Angst um jemand anderen hatte und er nicht, sie von ihrem Job lösen zu wollen. Also trennten sie sich einvernehmlich - ohne großes Geschrei.
      Sichtlich überrascht blinzelte sie den Arkana an als dieser ihre Hand ergriff und eine theatralische Geste anstimmte. Die Überraschung wich asbald einem breiten Grinsen bei seiner Fragestellung.
      "Ein bisschen Urlaub von der Arbeit wäre nicht verkehrt, denke ich. Ich hab' gehört, es gibt da so ein ländliches Kaff, das man mal besuchen könnte. Wusstest du, dass ich vor Ewigkeiten gerne geangelt habe?"
      Als er ihre Hand wieder losließ hätte sie ihm fast nachgegriffen. So blieb es in einem müden Zucken ihrer Finger, kaum hatten sie ihre Freiheit wieder zurück und den Kontakt eines Anderen verloren. Aber ja, sie hatten noch einiges zu tun und so stieg auch Ember aus dem Wagen und kehrte mit August zusammen ins Palace zurück.

      Da ab Nachmittag der normale Betrieb im Haus wieder begann hatte sich Shawn in sein Zimmer zurückgezogen. Ember und August hatten sich derweil wieder getrennt, als die Detective bei ihrem Bruder anklopfte und kurz darauf eintrat. Shawn saß am Tisch mit einem Laptop vor sich und einem Getränk mit frischen Eiswürfeln neben sich. Er sah relativ konzentriert aus und klickte sich durch irgendwelche Seiten.
      "Und hast du was herausfinden können?", fragte seine Schwester nach und setzte sich auf den zweiten Stuhl, nachdem sie ihn neben ihren Bruder gezogen hatte und auf den Bildschirm schauen konnte.
      "Nicht sonderlich viel. Das Meiste sieht auch nur nach reißerischer Propaganda aus, die nicht in deinen Bereich fallen dürfte. Wir haben das Verschwinden von zwei Männern bei Hampton ohne jeglichen Hinweis. Das Zweite wäre ein Mord in Ipswich. Allerdings scheint ihr hier schon die ansässige Polizei eingeschaltet worden zu sein. Hast du keine Mitteilungen auf deinem Handy?"
      "Nicht, dass ich wüsste", entgegnete Ember während sie ihr Handy hervorkramte und stutzte, dass sie doch eine Nachricht hatte. "Oder vielleicht doch."
      Shawn beugte sich zu ihr hinüber als sie die Nachricht öffnete und die Stirn runzelte. Unbekannter Absender, Untitled Anhang. Es hatte kaum jemand diese Nummer und noch weniger würden sie einfach so rausposaunen. Umgehend antwortete Ember mit den Worten Und Sie sind wer? .
      "Wer verschickt denn heute noch unbenannte Anhänge?", wunderte sich Shawn ebenfalls und sprach den offensichtlichen Elefanten im Raum nicht an.
      "Viel spannender finde ich den Punkt, dass solche Leute auch noch heute denken, dass man ihnen bei so einer Nachricht glauben sollte. Ich will wenigstens einen Namen von der Person haben, die solche Nachrichten schreibt. Lächerlich."
      In einem Atemzug leitete sie die Nachricht an Heyden weiter. Wenn sie den Anhang nicht öffnen konnte, dann fand er garantiert einen Weg dazu. Sollte der Technikfreak doch ein bisschen mehr spielen können als üblich. Da klappte Shawn den Laptop vor ihnen zu.
      "Ihr habt euch also wieder ein bisschen zusammengerauft?"
      "Ein bisschen, ja. Ausflugpläne wurden geschmiedet."
      "Ernsthaft? Wollt ihr mich irgendwo auf einen Scheiterhaufen drapieren wo möglichst wenig andere Menschen in Mitleidenschaft gezogen werden?"
      "Du schaust zu viele Filme. Wirklich. Wir fahren an die Grenze Schottlands, wenn das hier überstanden ist."
      Shawn rückte ein wenig ungläubig von seiner Schwester ab. "Du kannst mir nicht erzählen, dass diese Cunningham eure Beziehung durchgehen lässt."
      Ember rollte den Kopf im Nacken. "Es ist auch keine Beziehung in der Hinsicht. Aber es ist schön, wenn man mal etwas in Aussicht hat, das nicht von Tod und Blut gezeichnet ist."
      Unweigerlich musste Ember lächeln als sie seine Worte kopierte und es unkommentiert so stehen ließ.

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    • Noch an der Tür, hinter der sie sich trennten murmelte August seinen letzten, beitragenden Satz, nachdem er ihre Beziehungsgeschichten gehört hatte. Nicht, dass so etwas ungewöhnlich sei, aber die Geschichte ließ sich recht gut herleiten. Doch auch sie machte den Fehler, den er viel zu häufig gemacht hatte.
      "Manchmal ist es gerade der Gedanke, Menschen zu schützen, der sie verletzt. Zumeist leidet unter dem Schutzgedanken die Ehrlichkeit und Offenheit des Einzelnen und verbirgt sich hinter guten Absichten. Man kann es so und so nehmen...Aber die meisten MEnschen sind verletzt wenn man ihnen Infos vorenthält."
      Wie oft hatte sich Izabella beschwert oder Rem? Oder Thomas oder...Ja, auch Prim hatte sich beschwert...
      NAch einem kurzen Lächeln und einem letzten bestätigenden Kopfnicken verschwand August in den Untiefen des Twisted Minds.


      Sein Weg führte ihn über einige Umwege zu Dolores, mit der er die Zahlen für den kommenden Monat durchging. Die Augen der alten Dame wurden schlechter und sie brauchte Hilfe dabei. Sie sprachen noch eine Weile über eine Angestellte, die leider ihren Verpflichtungen nicht nachkam, ehe August auch auf sein Telefon schaute.
      Ein Anruf mit unbekannter Nummer. Verpasst zu dem Zeitpunkt, als sie im Revier waren. Eva konnte es nicht sein, sie würde er erst später erwarten. Aber zumindest merkwürdig war es. Ein Rückruf war aus technischen Gründen nicht möglich und so feuerte er das Telefon in eine Ecke des Raumes.
      Schweigsam wusste er nichts mit sich anzufangen, ohne weitere Ergebnisse zu erhalten. Also wanderte er wieder in den Schankraum, wo er von einigen der Mädchen umringt wurde. Es war üblich, dass er an gewissen Tagen im Foyer des Hauses ein wenig spielte, um Stimmung zu verbreiten.
      Und so kurz vor der Begegnung mit der vermutlich stärksten Wesenheit, die er kannte, setzte sich der Zauberer an das Klavier, dass ein wenig versteckt im Raum hinter der Bar stand. Dort, in einer Nische, einer unbedachten Ecke, stand ein einsames Klavier und war vermutlich das einzige, das nicht verstaubt erschien.
      Als er sich setzte, knarrte die Bank ein wenig und das Pedal klopfte leicht. Es musste gestimmt werden, so viel war einmal sicher. Und es gab nur ein Stück, dass er jetzt spielen mochte, als sich die elfenbeinfarbenen Tasten unter seinen Fingern ausbreiteten.


      DIe Mädchen unterbrachen ihr Tun und sahen teilweise hinüber, teilweise sahen sie auch einfach nur aus dem Fenster, während August spielte und ein wenig mit kratziger Stimme dazu sang. Es war ein guter Tag. Zumindest noch.


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      Antwort SMS, nach 10 Minuten: "Ein Freund. Was sonst."

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    • "Was bedeutet, dass Heyden mir aus dem Artefakt nun etwas basteln wird. Ich tippe mal auf Munition, das ist das einzige mit dem ich wirklich jemanden gefährlich werden kann."
      "Hat August dir das Armband da geschenkt?", fragte Shawn plötzlich völlig aus dem Nichts als Ember ihren Bericht beendet hatte.
      Er hatte wieder diesen belanglosen Tonfall gewählt, der seiner Schwester nicht gefiel sobald der spitzfindige kleine Bruder etwas entdeckt hatte und Dinge interpretierte.
      "Wie kommst du denn auf sowas. Nein, das ist ein schwacher Schutz gegen Einflüsse, getarnt als Schmuck. Schlägt in die gleiche Riege wie das Fußkettchen", antwortete Ember ein wenig pikiert und wollte auf das Thema nicht weiter eingehen.
      "Für den Rest des Abends hast du Feierabend. Mach was draus. Vielleicht solltest du dir doch noch eines der Mädchen anlachen, wer weiß, ob du nochmal eine Gelegenheit dazu bekommst."
      Üblicherweise erwiderte Shawn auf solche Kommentare gerne einen spitzen Spruch, doch nun sah er seiner großen Schwester dabei zu, wie sie aus dem Raum stiefelte und die Tür leise hinter sich schloss.
      Auf dem Flur hielt Ember umgehend inne. Es drang von unten Musik nach oben, die eindeutig nicht aus Boxen stammte. Für einen Moment haderte Ember, dann setzte sie sich in Bewegung nach unten. Schließlich gab es nur unten was zu trinken. Redete sie sich zumindest ein.
      Sie musste nur in den großen Barbereich treten, da erkannte sie Augusts Spiel, nach ein paar weiteren Schritten hörte sie auch seine Stimme dazu. Sie schmunzelte nur, als sie sich an die Bar setzte und der netten Barfrau ein Zeichen gab, dass sie doch gerne ein Glas hätte.
      Während die Detective wartete ließ sie ihren Blick schweifen. Man konnte den Rogue am Klavier von ihrem Sitzplatz aus nicht direkt erspähen, aber das brauchte sie auch gar nicht. Viel spannender war, wie die anwesenden Damen auf sein Spiel reagierten und Ember kam nicht drum herum sich zu fragen, ob der Zauberer dieses Stück nicht nur für sich sang. Dann schüttelte sie den Kopf. Natürlich sang er es nicht nur für sich.
      Dann vibrierte es in ihrer Hosentasche. Die kurze Nachricht, die als Antwort auf ihre SMS kam, war nicht unbedingt das, was sie erwartet hätte. Murrend schrieb sie eine Nachricht zurück: Normalerweise haben meine Freunde einen Namen. Wenn Sie wissen, wer ich bin wissen Sie auch, dass ich leeren Worten keinen Glauben schenke. Und lernen Sie bitte, funktionierende Anhänge zu schicken.
      Damit steckte sie das Handy wieder zurück in ihre Tasche und erschrak, als Shawn plötzlich neben ihr saß.
      "Ich wusste gar nicht, dass August spielt."
      "Gott, Shawn, schleich dich nicht so an Leute heran!", fauchte sie ihn an und erntete nur ein amüsiertes Lachen.

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    • Emma, die Bardame des Twisted Minds, erwachte erst aus ihrer Starre, mit der sie den Rogue bei seinem Spiel beobachtete, als Jemand ihren Namen rief.
      Es war Rosie, die sie nach einem Champagner fragte und die einer Bitte nur murrend und kopfschüttelnd nachkam. Es war selten, dasss der Rogue wirklich aus der Seele spielte. Und so wie die langen Finger über die Tasten tanzten, wirkte es heute echter als an so manch anderem Abend.
      Schweigsam schob sie das Glas herüber und sah wieder zu August, ehe sie erneut abgelenkt wurde. Diesmal war es die Polizistin, die sich am ersten Abend hier komisch aufführte. Schweigsam folgte sie ihrem Wunsch und schon ihr schwach grinsend ein Glas herüber. Als sie eine weitere Person bemerkte, die ihr unglaublich ähnlich sah, grinste sie breiter und schob ein weiteres Glas über den Tisch.
      August ging in das zweite Lied über.
      Das erste endete nicht wirklich und kannte auch keines, als die Melodie beinahe gleich blieb und sich doch veränderte. Wie ein Rogue eben zu sein hatte. VIelschichtig und gleichsam anders wie gleich. Nicht zu durchschauen eben. Seine Finger fuhren wie ein Streicheln über die Tasten als er den Rhyhtmus wechselte und ein Raunen durch die Mädchen ging. Selbst die Freier hatten ihre GEspräche eingestellt und sahen zu dem jungen Mann der so eingekauert hinter dem Klavier saß und die Musik zu fühlen schien.



      Anstelle von Ember grinste Dolores von der anderen Thekenseite und prostete den beiden zu.
      "Das tut er", bestätigte sie Shawn und lächelte nachsichtig. "Jede Woche an einem Tag für ein paar Stunden ist August eben August. Kein Zauberer, kein Verbrecher, kein Monster. Er ist einfach ein Junge, der die Musik schon seit seiner Kindheit liebte. Und es nie ausleben durfte. Und es ist lange her, dass er derartig traurige Musik spielte. Zumeist ist es eher eine lustige Polka oder etwas, das die jungen Männer dazu anregt, ihre Tätigkeiten aufzunehmen, wenn Sie verstehen. Aber heute...Heute ist es, als hätte August etwas zu sagen."
      Sie sah verträumt und doch verschmitzt grinsend zu dem Rogue hinüber, der die Augen geschlossen hielt, wie es seine Art war. Nur Wenige wussten, dass er es aus Nervosität tat und um sich nicht der Blöße hinzugeben, dass man ihn ansah. Und doch wirkte die Stimme, sei sie noch so kratzig, doch zärtlich bis zu dem Punkt, wo man dachte, er würde zu schreien beginnen. Doch jedes Mal ließ er ab von diesem Vorhaben, ehe er sein Spiel zu Ende brachte.
      Erst dann senkte sich Stille über den Raum, als er sich geräschvoll erhob und erst nach kurzer Zeit das Gemurmel wieder einsetzte.
      Niemand klatschte und rief etwas. Es schien, als seien sie alle in GEdanken versunken, während August sich den Schweiß von der Stirn wischte und zur Bar herüber schlenderte. Sachte grüßte er Dolores und nickte Ember und Shawn zu.
      "Ich nehme das gleiche wie die beiden!", sagte er und lehnte sich an die Bar.


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      Antwort SMS: Der Anhang ist funktional. Sie finden eine Möglichkeit.

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    • Als sich die Musik langsam und subtil wandelte fiel Ember auf, dass sie einen Großteil des ersten Stückes verpasst haben musste, wenn August jetzt schon das zweite Stück anstimmte. Ein sehr kontrollierter Atemzug bugsierte den überfälligen Sauerstoff hoch in ihr Hirn während ihre Finger sich um das kalte Glas schlossen und sie amüsiert feststellen durfte, dass Shawn ohne einen Hinweis genau das gleiche zugeschoben bekam. Findige Barkeeperin.
      Allerdings drehten sich die Gedanken der Detective um andere Dinge. Noch immer kam sie nicht über den Punkt hinweg, dass irgendjemand, den sie nicht kannte, ihre Nummer zugespielt bekommen hatte. Und darüber hinaus etwas Wichtiges mitzuteilen hatte, wenn er eine Datei anhängte. Bei genauerer Überlegung war es allein schon seltsam, wie lange Heyden für das Dechiffrieren brauchte. Sonst war er innerhalb Minuten soweit, dass er immerhin eine Einschätzung abgeben konnte. Entweder konnte er dies immer noch nicht oder er hielt den Inhalt für fragwürdig.
      Dann wurde Ember hart mit dem Ellbogen von der Seite angestoßen. Sofort fuhr ihr Kopf herum und ihr Blick allein hätte ihren Bruder fast durchbohrt. Erst danach glitt ihr Blick an Shawn vorbei, der Dolores bereits zurück prostete, und tat es ihm gleich. Darüber hinaus bedachte er seine Schwester mit einem Blick samt kurz hochzuckender Augenbrauen, so als würde sie etwas Wichtiges übersehen. Oder in diesem Fall überhören.
      Da sich Shawn mit seinem Kopf von Ember wieder abgewandt hatte, sah sie nicht, wie er Dolores einen entschuldigenden Blick herüber warf. Im Gegensatz zu seiner Schwester hatte er jeden Fetzen der Lyrik mitangehört und da ihm eine gewaltige Menge an Hintergrundinformationen fehlte, zog er seine ganz eigenen Rückschlüsse, erst recht nach Dolores' Kommentar.
      Ab da lauschte Ember aufmerksamer Augusts Stimme während sie an ihrem Glas nippte. Sie konnte verstehen warum die alte Frau zu diesem Schluss gekommen war. Außerdem kannte sie ihn buchstäblich ihr ganzes Leben lang. Trotzdem konnte Ember das Gefühl nicht abschütteln, dass diese Worte aus seiner Kehle für niemanden bestimmt war, der sich hier im Raum befand. Nicht, seitdem sie wusste, wie sehr er seine Liebsten an sich gerissen hatte und all die Jahre mit sich trug.
      "Naja, wenn wir einmal bedenken, dass wir uns mit einem gottgleichen Wesen auseinander setzen wollen, fände ich leichte Kost auch irgendwie fehl am Platze. Wenn er sich so sehr der Musik hingezogen fühlt, dann sollte man ihm diese Freiheit auch lassen, oder nicht?", erfasste Shawn die Situation in Windeseile, nur um dann seinen Blick unbemerkt zu seiner Schwester zu stehlen.
      Er hatte bisher rigoros den Gedanken aus seinem Kopf verbannt, dass jeder Augenblick mit ihr zu den letzten Erinnerungen gehören mochten, die sie beide teilten. Was für den jungen Mann die Zeit nur umso kostbarer machte. Dennoch stand er zwischen den Fronten, einem stillen Beobachter gleich, der seine sturköpfige Schwester endlich dabei beobachten konnte, wie sie etwas zu finden suchte, das sie komplettieren würde. Dass sich dabei beide Fronten nur mittelprächtig talentiert anstellten, bereitete ihm wirkliche Kopfschmerzen.
      Dann verebbte die Musik und hinterließ eine schwere Stille im Raum, die erst von einem Knarren und danach von Schritten durchbrochen wurde. Einige Sekunden später setzte das Gemurmel wieder ein und belebte die Bar ansatzweise wieder. Shawn reagierte schneller als Ember und prostete dem Rogue bereits einfach zu und strahlte ihn regelrecht an. Ein Blinder mit Krückstock sah, dass der junge Kerl vielleicht viel zu viel in die vorausgegangenen Zeilen dichtete bevor er sein Grinsen mit seinem Glas zu verstecken suchte.
      Erst danach neigte Ember ihren Kopf in Augusts Richtung, ihr Lächeln war deutlich schmallippiger als jenes ihres Bruders.
      "Klingt viel schöner, wenn du für Andere spielst", bemerkte Ember, Shawn hinter ihr rollte mit den Augen. "Ich ändere meinen Wunsch. Wir gehen nicht angeln. Du bringst mir was einfaches am Klavier bei."
      Ihr Blick ging wieder zurück zu ihrem Glas. Sie wollte leichtfüßig klingen, die Schwerelosigkeit zurückholen, die sie scheinbar im Auto zurückgelassen hatte. Ihr Getränk schmeckte ihr einfach nur fad während sich Bauch und Kopf gerade um die Vorherrschaft stritten. Sie war nicht so blauäugig und ging direkt davon aus, dass diese Lieder möglicherweise an sie gerichtet sein konnten. Dafür wusste sie einfach schon zu viel. Aber Dolores' Kommentar ließen sie zweifeln und dieser Zweifel war der Treibstoff für ihr Bauchgefühl, das mit aller Macht versuchte, den ach so starken Kopf in den Hintergrund zu drängen.
      Sie musste dem Kampf ein Ende setzen. Jetzt und sofort.
      Ember zog das Handy aus der Tasche und bemerkte dabei die neue Nachricht, die sie kurz las und dann die Stirn runzelte. Sie beantwortete die Nachricht dieses Mal nicht, sondern ließ das Gerät in ihrer Tasche verschwinden. Anschließend lehnte sie sich etwas auf den Tresen, näher zu August hin.
      "Ich hab eine anonyme Nachricht bekommen mit dem Text, ich solle vorsichtig sein. Diese Nummer bekommt niemand leichtfertig und wir können nicht zurückverfolgen, wer das war. Irgendwas seltsames auf deiner Seite?"
      Shawn hob die Augenbrauen zu einem stillschweigenden Protest an als er hörte, dass Ember wieder versuchte etwas zu vermeiden, was ihr unangenehm war. Fast augenblicklich drehte er sich zu Dolores um und gestikulierte harsch zwischen Ember und August hin und her und betete, dass zumindest die alte Frau verstand, was er damit gerade meinte. Dass der Arkana seine Aktionen mitnichten übersehen würde, war ihm in diesem Moment absolut egal. Wenn seine Schwester ihm riet, noch mal in die vollen zu gehen, dann würde er das auch tun. Auf mehreren Ebenen.

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    • Dolores kicherte, als Shawn ein gar lebhaftes Interesse an dem Liebesleben seiner Schwester aufzubringen schien. Man konnte es halten, wie man es wollte, aber sie mochte den jungen Mann. Er brachte Leben in ein karges Haus und eine karge Beziehung wie es schien. Auch wenn es natürlich keine war.
      August wirkte ein wenig irritiert, als er das breite Grinsen von Shawn bemerkte der sich redlich Mühe gab, bemerkt zu werden. Ob es an der Jugend liegen mochte, dass man so federleicht in derlei Dinge hinein ging? Er wusste es nicht. Der Rogue nickte Shawn zu und nahm sein Glas in Empfang, um es einmal kurz zu heben. Zumindest als Zeichen des guten Willens.
      "Dann sollte ich das wohl öfter tun, nicht wahr?", grinste er kurz, ehe er das Glas beinahe in einem Zug leertrank und ein weiteres orderte. Ihm war nach Trinken. Denn die Welt ging doch in zwei Tagen unter, nicht wahr? Warum also nicht mit einem Knall abtreten?
      "Was immer du möchtest, Ember Sallow", grinste er und merkte bereits wie der Alkohol ihm zu Kopf stieg. Wann hatte er das letze Mal gegessen?
      Gerade genehmigte er sich noch einen weiteren Schluck des neuen Drinks, als er bemerkte, wie Ember ihm erneut nahe kam. Roch sie so gut oder war es der Likör, der hier offen herumstand. VErmessen, in einem Raum voller Parfum und unechter Frauen die Eine ausmachen zu können, die wohl roch. Was für ein Blödsinn, dachte August und zog die Augenbrauen leicht kraus, als er sich hinüberlehnte, das Ohr so nahe an ihren Lippen, dass er beinahe hörten konnte wie sich ihre Gesichtsmuskeln bewegten.
      Wie lange war ihr Techtemechtel her?
      Bei der Sache bleiben, August!
      "Und bei was sollst du vorsichtig sein?", fragte er und zog eine AUgenbraue mit hinauf, ehe er sein Telefon auf den Tisch legte und darauf herum spielte. "Nein, hier ist alles normal. Keine Nachrichten, die üblichen Morddrohungen in der Post, also alles beim Alten. Ne Ahnung, wer das ist?"
      Nach der letzten Frage zog er auch das zweite Glas leer und orderte mit einem Grinsen ein neues. DAs musste betäubt werden. Das alles hier.
      Er bemerkte Shawns wilde Gestikulation und zog ein erstauntes Gesicht, während Dolores nur lachte und die Achseln zuckte. Offenbar verstand sie es auch nicht, was er meinte. Oder doch?
      Warum glaubte er, sich in einer Soap zu befinden?
      "Shawn, ich weiß nicht, was los ist, aber mit Penicillin bekommen Sie das glaube ich gut weg", kicherte er und wies auf seine Gesten. "Oder möchten Sie uns etwas sagen?"

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    • "Anscheinend hat jemand Wind von unserem Vorhaben bekommen und versucht, zu warnen. Sinnlos, wenn ich nicht mal einen vertrauenswürdigen Namen zu der Nachricht habe."
      Ember zuckte mit den Schultern bei ihrer Antwort. Solange sie nicht wusste, was in dem Anhang war, würde es keinen Sinn ergeben zu erzählen, dass sie vor ihm Acht geben sollte. Praktisch jeder, der nicht enger mit einen von ihnen involviert war, betete ihr exakt das Gleiche vor. Sie hatte es sichtlich satt ständig auf die Worte anderer zu hören.
      Bei Augusts folgendem Kommentar in die Richtung ihres Bruder fuhr Ember auf ihrem Hocker herum. Sie ertappte Shawn gerade noch so dabei, wie er zwischen ihr und dem Rogue hin und her gestikulierte und offensichtlich eine Verbündete in Dolores suchte. Als sich Shawn wieder zu den beiden drehte, gefror er augenblicklich in seinen Bewegungen. August konnte es nicht sehen, aber Ember brannte Löcher in die Augenhöhlen ihres Bruders. Dieser lächelte nur etwas peinlich berührt, schnappte sich sein Glas und machte sich auf, um sich unter die Damen zu mischen und dem Rat seiner Schwester zu folgen.
      Ember schickte ein Stoßgebet gen Himmel. Sie hätte ihm beinahe alles mögliche an den Leib gewünscht, wäre da nicht die Tatsache, dass er vielleicht in drei Tagen nicht mehr auf der Erde wandelte. Seufzend leerte Ember ihr Glas und schob es ein Stück von sich. Noch immer schienen ihr die Töne des Klaviers und Augusts Stimme in ihren Ohren nachzuhallen. Früher hätte sie ihn direkt gefragt, wem er seine Worte gewidmet hatte. Nun jedoch fürchtete sie sich vor der Antwort.
      Dann wurde dem Arkana das dritte Glas vorgestellt, doch Ember war schneller. Blitzschnell hatte sie das Glas vor ihm weg zu sich gezogen noch bevor er einen Finger an es hatte legen können. Mit erhobenen Augenbrauen betrachtete sie erst das Glas, dann August.
      "Verträgst du kein Lob, dass du dich im Alkohol ertränken musst?", witzelte sie und nahm demonstrativ einen Schluck ohne auch nur einen Moment lang ihren Blickkontakt zu unterbrechen.
      "Du hast mindestens genauso wenig Basis wie ich. Wenn du ein ein Saufgelage draus machen willst, sollten wir 'ne Grundlage schaffen. Übrigens macht sich deine Rebellensträhne wieder selbstständig."
      Sie hatte ihren Arm mit dem Glas in der Hand auf den Tresen gelegt und langte mit der anderen freien Hand nach August. Geschwind strich sie ihm diese vermaledeite graue Strähne zurück, die ganz sicher ein Eigenleben entwickelt haben musste. Dabei kam sie ihm wieder so nahe, dass geflüsterte Worte nur noch zwischen ihnen hörbar waren.
      "Waren das nur deine Lieblingslieder oder steckte da mehr dahinter? Sonst spielst du ja eher frohe Musik...", kam es ihr in einem unüberlegten Moment doch über die Lippen.

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