[2er RPG] Dusk & Dawn [Asuna & Nico]

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    • Auf ihren Satz hin wagte es August, ein wenig seiner Komposition aufzugeben und einen Blick auf ihren Körper zu werfen. Nicht, dass er es nicht vorher bereits getan hätte. Er würde lügen, wenn er keine Begierde emfpand, wenn er eine schöne Frau sah. Und selbst jetzt – gekleidet in den Schlabberlook, den sie zur Schau trug – strahlte sie eine gefährliche Attraktivität aus. Er schluckte und lehnte sich ihrer gleich auf den Tisch, um sie anzusehen.
      „Hm, schade“, bekannte er und grinste schief, während er sich die Brille rückte. „Abfinden ist so ein hartes Wort. Ich denke, du könntest durchaus noch entsprechenden Erfolg einfahren, wenn du es wollen würdest.“
      Nicht, dass er dafür nicht empfänglich wäre. Auch er hatte lange nicht mehr von dieser Frucht des Baumes gekostet, schämte sich dergleichen ebenso nicht.
      „Neun Jahre ist eine lange Zeit. Aufgegeben oder kein passender Kandidat zugegen?“
      Er mochte diesen sanften Austausch von Geheimnissen. Zumindest solche, die er erzählen konnte, ohne gleich wieder in den Knast zu wandern.
      Als sie von dem mysteriösen Mann namens Noland zu sprechen begann, spitzte August die Ohren. Ein Rogue in den Diensten der Caster und des Staates? Kein Wunder, dass er unter dem Radar flog und sich bedeckt hielt. In ihren Kreisen würde er vermutlich notgeschlachtet und die Eingeweide seiner Familie zugesandt.
      „Ein Rogue, soso…Wie kommt es, dass deine Behörde die Dienste von Rogues so freimütig in Anspruch nimmt? Und nein, ich kenne keinen Rogue mit derartigen Fähigkeiten. Zu meinem Bedauern wie ich feststelle. Ich würde ihn gerne abwerben. Seine Fähigkeiten könnten mir sogar recht deutlich zu nutzen sein, wenn ich die Konflikte bedenke, denen wir uns zu stellen haben.“
      Und vor allem konnte er damit je nach dem auchs eine eigene Existenz aus den Hirnen löschen. Und vielleicht endlich ein anderes Leben beginnen.
      „Schrecklich“, bemerkte er. „Dass der arme Mann in Isolation leben muss…Ich nehme nicht an, dass du mir gestatten wirst, ihn kennen zu lernen? Ich würde ihm zu gern einige Fragen stellen. Mich interessiert die Wirkweise seiner Magie. Wie du siehst, sammle ich Merkwürdigkeiten.“
      Er wies auf die immer blühende und vergehende Blume in ihrem Rücken. Oder auf das oberste Regal eines Schrankes, wo sie eine goldene Eule anblickte, die mit Smaragdaugen in den Raum sah.
      „Als Teufel muss man gewisse Angebote parat haben, damit Menschen anbeißen“, bemerkte er und grinste schelmisch, ehe er begann seine Finger zu kneten. Warum er nervös wurde konnte er nicht mal sagen, aber ein kurzes Durchatmen löste das Problem.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • "Sicher kann ich einen Teilerfolg einfahren. Sofern ich mich denn dahinter klemmen würde. Aber die Arbeit frisst leider den Großteil meiner Bemühungen", eröffnete Ember August und bereute diese Entscheidung keineswegs. Die Arbeit war bisher ihre Familie gewesen und nach ihrer letzten Beziehung hatte es eh gedauert, bis sie wieder geläutert war.
      "Ja, neun Jahre ist die genau die Zeitspanne, in der ich zum Senior Detective aufgestiegen bin. Da bleib keine Zeit um mich für mein Privatleben zu interessieren. Natürlich, man war hier und da mit den Kollegen auf ein paar Bier weg, aber das war es auch schon. Vielleicht hatte der ein oder andere auch Avancen gemacht - ich hab's damals womöglich nur nicht so wahrgenommen. Tja, und jetzt wird es langsam etwas eng mit der Bilderbuchfamilienplanung, fürchte ich."
      Auf Anhieb erinnerte sich Ember lebhaft an zwei ehemalige Kollegen, die sich an sie rangemacht hatten. Den einen hatte sie geflissentlich ignoriert, da er einen leichten Kontrollzwang angedeutet hatte. Der andere hingegen starb im Dienst, noch bevor sie das erste Mal in einer ihrer Wohnungen abgestiegen waren. Ein junger, talentierter Mann, der in die Schussbahn eines Rogues geraten war und mit seinem Leben dafür bezahlt hatte.
      "Nicht RogueS. Nur Rogue. Einer", korrigierte die Detective August und legte ihre Wange in ihrer aufgestellten Hand am Tisch ab. Was auf den ersten Moment gelangweilt wirkte, war in Wirklichkeit eine etwas unauffälligere Form der Beobachtung. "Man hat schnell den positiven Nutzen seiner Fähigkeit gesehen und ihm versicht, dass er nicht auf Lebzeiten im Knast landen müsse wenn er zur Koorperation neigen sollte. Noland war als Teenager kriminell und hatte keine Perspektive. Wie gesagt, kein Familienmitglied erinnerte sich an ihn und frei herumlaufen lassen konnte man ihn nicht mehr. Ich glaube, er hat irgendwann einfach seine Erfüllung darin gefunden, dass er Menschen jeglicher Art von ihren Traumata befreien kann. Und wir haben festgestellt, dass er mit Erinnerungen besser als jeder Lügendetektor ist."
      Ein flüchtiger Blick ihrerseits auf seine Hände genügte um zu sehen, dass sie ihn mit Noland womöglich stärker köderte als ursprünglich geplant. Natürlich war ihr unlängst aufgefallen, dass ihn alles interessierte, was neu und magisch für ihn war. Ein Rogue mit Nolands Fähigkeiten war keine Ausnahme.
      "Er muss nicht in Isolation sitzen. Er wohnt nur in der Hauptzentrale. Wenn er es wollte könnte er mittlerweile auch einfach einen Spaziergang nach draußen machen, aber er wird's nicht tun. Zu groß die Gefahr, dass man ihn auf offener Straße aus dem Leben schießt. Er weiß besser als alle anderen, dass er durch seine Arbeit selbst ins Exil geschossen hat. Und nein, ich werde dich nicht in die Zentrale mitnehmen. Kann ich nicht. Wenn ich mit einem Arcana da auftauche, der frei umher läuft, bricht eine Panik aus. Genauso wenig wird Noland die Einrichtung verlassen. Und noch weniger werde ich ihn in deinen Koffer einladen. Ich kann ihm den Vorschlag gerne unterbreiten, aber er wird es ausschlagen."
      Ember wusste ganz genau, dass Noland einem Treffen nicht zustimmte weil er August als niederträchtigen Mörder betrachtete. Er sah in dem Arcana einen Mann in Grautönen und fällte kein Urteil über seine Taten. Allerdings vermutete Noland durchaus richtig, dass man ihn nur aufgrund seiner Fähigkeiten ausnutzen würde - und das wünschte er nicht.
      "Wir wissen auch nicht, wie seine Magie funktioniert oder was genau er da macht. Wir wissen nur was die Grundvoraussetzungen sind. Zumal wir keinen anderen Zauberer kennen, der soetwas beherrscht wie er. Außerdem", ihr Blick hellte sich etwas auf, "damit ihm ich theoretisch den Vorschlag unterbreite, brauche ich natürlich etwas von Wert von dir. Du verstehst? Ein Geheimnis für ein anderes?"

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • August sah sie einen Moment lang beinahe stoisch an. Die Arbeit war die Familie. Lange Zeit hatte er genauso gedacht und es so gehandhabt. Nur dass die Menschen, die er im Zuge seiner Forschungen als Kollegen kennenlernte, auch seine Freunde wurden. Und später die Reminiszenzen seiner Unfähigkeit.
      Schweigend fuhr er sich mit der Hand durch die Haare und öffnete sie dadurch erneut, sodass sie ihm als strubbelige Masse ins Gesicht fielen.
      „Eine Bilderbuchfamilie…“, murmelte er nachdenklich. „Es hat durchaus eine Zeit gegeben, da hätte ich mir derartiges ebenso vorstellen können. Doch wie du sagst: Das Leben spielt Roulette, während du aber Schach spielen willst. Und schnell wird ein Vorhaben ein fernes Sehnen nach einer besseren Zeit. Und so lange du mit deiner Wahl zufrieden bist, gibt es nichts zu beanstanden, nicht wahr?“
      Er sah sie aus wachen Augen und seufzte. Seine Hände behielt er endlich unter Kontrolle. Immer wieder brach dieser Tick aus ihm aus, wenn er an die damaligen Zeiten denken musste. Als sie alle hier saßen, lachten und gemeinsam im Foyer ihre Teerunden abhielten und fachsimpelten. Beinahe war es ihm, dass er die Spuren von den Stühlen und Tischen noch immer sehen konnte.
      „Vielleicht solltest du dennoch manchen Avancen nachgeben. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass hin und wieder stattfindende Leibesertüchtigung im horizontalen Bereich den Horizont erweitert“, grinste er schließlich und sah über den Tisch hinweg.
      Ein Geheimnis. Natürlich wollte diese Frau erneut den Arm, wenn man den Finger reichte. August beugte sich ebenfalls vor und lehnte den Kopf auf die abgestützten Handflächen ab.
      „Und weshalb sollte ich auf diesen Handel eingehen, Ms Sallow?“, fragte er grinsend und durchdringenden Augen. „Wenn du ihm den Vorschlag unterbreitest, aber gleichsam weißt, dass er ihn ausschlägt, springt für mich doch nichts dabei heraus. Außer dass ich dir ein Geheimnis anvertraut hätte.“
      Seufzend verblieb er so und sah sich kurz im Raum um.
      „Magie ist manchmal vielschichtig und zuweilen gefährlich, möchte ich meinen. Aber nach wie vor das faszinierendste, was ich jemals erforscht habe“, grinste er. „Davon abgesehen: Nachdem wir morgen aus Bisham zurückkehren, müsste ich mich für einen Nachmittag empfehlen. Ich habe eine dringende Verabredung im Hurenhaus von Dolores und möchte die gute Dame nicht warten lassen.“

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      The more you drag me to hell
    • Für den Bruchteil einer Sekunde glitt Embers Blick zu August hinüber. Wenn sie ganz ehrlich wahr, dann war sie nicht damit einverstanden, dass die Arbeit ihr Baby war. Sicher, dieser Job erfüllte sie maßlos, aber sollte er jemals wegbrechen, was bleib ihr dann noch, das den leeren Platz in ihrem Herzen füllen konnte?
      "Vielleicht sollte man das, ja. Aber ich muss gestehen, dass ich nicht so der Typ bin, der abends in die Bar geht und einen Typen für eine Nacht aufreißt. Dafür bin ich vielleicht schon zu festgefahren", meinte die Detective nachdenklich und benutzte dabei absichtlich nicht die Formulierung zu alt sein.
      Wenn sie völlig frei sprechen würde, dann würde schnell klar werden, dass sie nach jemanden suchte, auf den sie sich zu einhundert Prozent verlassen konnte. Der sie nicht bei der kleinsten Schwierigkeit verlassen würde und zumindest einen Teil ihrer Leidenschaft mit ihr teilte. Denn ohne dies wäre die Frau einfach nicht vollständig.
      Schlussendlich suchte Ember doch wieder Augusts Blick und zögerte dieses Mal nicht, seinem durchdringenden Blick mit der gleichen Intensität zu begegnen. "Du könntest mir auch einfach einen Anreiz geben zu versuchen, ihn zu überreden."
      Selbstverständlich war sie scharf auf jedes kleinste Detail, das der Arcana bereit war, preiszugeben. Sie wusste bereits jetzt schon mehr über diesen Mann als jeder einzelne beim MEG. Eine kleine Meisterleistung, wenn sie es so nennen durfte.
      Doch als August seine Pläne für den morgigen Tag offenlegte, stutzte Ember kurz. Das stellte ein Problem dar, denn weder wollte Ember August aus den Augen lassen noch ihn mit in ein Bordell begleiten. Beides Szenarien, die sie eigentlich gerne vermeiden würde. Schweigend trippelte sie mit ihren Fingern auf dem Tisch nachdem sie ihren Kopf wieder gehoben hatte und sich schließlich auf die Beine schwang.
      "Normalerweise würde ich sagen: Tu, was du nicht lassen kannst. Aber wenn du in der Zeit, wo ich dich nicht im Blick habe, Scheiße baust, hab' ich in erster Linie ein Problem. Ich habe keinerlei Garantie, dass du wieder zurückkommst. Wobei ich dir hoch anrechne, dass du nach der Aktion mit Bones dein Wort gehalten hast."
      Das tat sie wirklich. Es wunderte sie noch immer, dass er wirklich vor ihrer Tür gestanden hatte. Vielleicht war das Beweis genug, um dem jahrelang weggesperrten Mann ein bisschen Spaß und eine Priese Vertrauen zu gönnen. Ember hatte derweil eine Hand auf dem Tisch flach abgestützt und sich etwas nach vorn gelehnt während sie es einmal auskostete, von oben herab auf den sonst größeren Zauberer zu sehen.
      "Wenn ich mich darauf verlassen kann, dass du vor der Bettgehzeit wieder Zuhause bist, dann darfst du ein bisschen spielen gehen."
      Diese Satz schien ein komplett neues Licht auf Ember Sallow zu werfen. Sie hatte dem Rogue bereits erzählt, dass es ein 'Davor' noch gab, und dieses ließ sie für einen Moment kurz das Tageslicht erblicken. Ein unverfangenes Lächeln lag noch immer auf ihren Lippen als sich die Detectiv vom Rogue abwandte und sich auf den Weg zur Treppe machte. Über die Schulter gab sie ihm noch ein paar weitere Worte mit, doch der Zauber des letzten Satzes war längst verflogen und eine altbekannte Seriösität war wieder eingekehrt: "Ich wollte eigentlich nur schauen, ob bei dir alles okay ist. Da dem so ist, kann ich ja wieder gehen. Falls was sein sollte", sie deutete mit dem Finger nach oben, "ich bin da, falls du was brauchst."
      Mit den Worten begab sich Ember auch die letzten Stufen nach oben und kletterte aus dem Koffer. Es gab da noch ein paar Dinge an ihrem Lapton zu tun, bevor sie morgen nach Bisham fuhren.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Für ein paar Sekunden blieb Foremar still und sah sie nur beinahe rätselhaft an. Es war keine Emotion oder gar eine Regung in seinem Gesicht oder seinem Blick erkennbar. Als habe er vergessen, eindeutig zu schauen. Der Blick des Rogue wurde glasig und für eine Sekunde hatte er ein gänzlich anderes Bild vor Augen.
      Eine Bar...
      Eine Frau an dieser, die ein Getränk zu sich nahm..
      Und ein hagerer Mann, der diese Bar betrat und sich neben die Frau setzte, um sie belanglos anzusprechen.
      Noch ehe der Gedanke weiter Farbe annahm, schüttelte er den Kopf und räusperte sich.
      "Verzeihung", murmelte er. "Wir fahren uns immer selbst am besten an die Wand. Wenn du es wirklich wollen wrüdest, würdest du auch das finden was du suchst. Manchmal ist dafür nur ein Augenaufschlag notwendig."
      Als sie den Blick mit derselben Intensität erwiderte, musste er lachen und zog sich ein wenig zurück.
      "Vielleicht gebe ich dir irgendwann einen Anreiz", muremlte er mit tiefer Stimme und schob seine Brille auf das Gesicht zurück. "Aber nicht jetzt, wo ich die Met hinter jedem deiner liebreizenden Augenaufschläge sehe. Irgendwann, wenn du mich wirklich sehen willst, wirst du es erfahren!"
      Als sie über seine Pläne sprachen, war ihm klar, dass es für sie ein Problem darstellte. Aber die Tatsache, dass er sich immer wieder verdeutlichen musste, dass er kein Gefangener war und sie lediglich eine Detective, mchte das ganze zu einer Zwickmühle.
      "Ich habe dir mein Wort gegteben, dass ich dir helfe", begann er lächelnd und lehnte sich zurück, den einen Arm über die Lehnte gelegt. "Aber ich werde mich nicht herbei zitieren lassen wie einen Köter. Von daher: Ich kehre zurück, nachdem ich meinen Termin beendet habe. Aber es ist in Ordnung. Ich wünsche dir vorab eine gute Nacht, Ember Sallow. Vertief dich nicht zu viel in den Fall und versuche, auch mal zu leben. Solltest du mich allerdings brauchen...So bin ich hier."
      Er grinste und wies mit dem Daumen nach unten und sah ihr nach, als sie die Treppe hinauf ging.
      "Übrigens: Ein geiler Hintern!", rief er noch hinterher und konnte nicht anders als ein schelmisches Grinsen auf seinem Gesicht zuzulassen.
      Just in dem Moment, als ein wenig Ruhe in den Koffer einkehrte und er die letzte Tasse des Karmesinrosentees schwenkte, kam Ulysses aus der Falltür geklettert.
      "Was war das denn?", frafgte er empört, während er die Falten seines Anzugs gerade strich.
      "Was meinst du?"
      "Die Tatsache, dass du es ihr beinahe erzählt hättest! Ich habe es gespürt. Es hatte nicht viel gefehlt und du hättest ihr alles verra-"
      Der Blick, den der Rogue dem Goblin schenkte, hätte man getrost als monströs bezeichnen können. Weiße Augen, die durch Risse in der Haut stachen, sie aussah wie gesprungenes Papier auf einem Spiegel. Die Lippen regrelrecht zurückgezogen und zu einem barbarischen Lächeln gebleckt.
      Ulysses erstarrte in seiner Bewegung und wich zurück, während August sich erhob und ihn ansah.
      "Denkst du wirklich, ich wäre so nachlässig?", fragte er zwischen und beugte sich hinab.
      "N-Nein?"
      "Gut...Also mach dir keine Sorgen, mein kurzgeratener Freund. Und geh wieder an die Arbeit."
      Schließlich hatte auch er noch zu tun.

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    • 22:43 Uhr

      Über Stunden saß Ember nun schon in ihrem Büro bei offener Tür und brütete über die Kombination aus Laptop und Notizbuch. Auf dem Bildschirm glühte fein säuberlich jedes kleinste Detail, dass sie über Bones sowie das Verschwinden des Little Mikey herausfinden konnte. In weiser Voraussicht hatte sie Peacock darauf angesetzt ihr zu helfen und in der Zwischenzeit alles ans Tageslicht zu fördern, was er ausgraben konnte. Dass auf ihrem Handy entliche Anrufe eingegangen waren, darunter auch einer von Hawthorne, der vermutlich schon Galle sprühte, war nicht verwunderlich. Immerhin war sie im Untergrund dabei gewesen, als das Desaster seinen Lauf genommen hatte und die gesamte Stadt erschüttert hatte.
      Das kleine Notizbuch vor der Frau sprach eine völlig andere Sprache. Ember besaß zwar kein eidetisches Gedächtnis, allerdings hatte sie eine andere, durchaus praktische Begabung. Das Notizbuch war übersäht mit Skizzen. Auf den ersten Blick erschien es wie eine hoffnungslose Ansammlung von Strichen, wild und ohne Ordnung über dem Papier verteilt, mal in Blau, mal in Schwarz. Aus dem richtigen Winkel ergaben die Linien hingegen einen Sinn und bildeten das nach, was die Detective als Wichtig erachtete und mit ihrem wachen Blick gesehen hatte. Das waren zum Beispiel die Bannkreise, die sich auf Augusts Brust und seiner Hand befunden hatten. Die Veränderungen in seinem Gesicht, als die Kräutermischung gewirkt hatten. Williams Klauen, die den winzigen Stift völlig verschluckten oder auch die Tättowierungen samt den Namen, die der Rogue ihr fast beiläufig gezeigt hatte. Ember wusste genau, dass ihre Skizzen, so flüchtig sie auch erscheinen mochten, dem Original zum Verwechseln ähnlich sahen. Und das war der Grund, warum sie dieses kleine Büchlein niemanden Unbefugten sehen ließ.
      Das Ende vom Lied war, dass sie noch immer in gleicher Kleidung vor dem Bildschirm hockte und sich ein Glas Wein, der noch immer unberührt in der Küche gestanden hatte, zu Gemüte gezogen hatte. Wie befürchtet hatte man das Verschwinden des Kindes nicht gemeldet, weil es sich in einem Waisenhaus ereignet hatte. Nur selten wurden solche Fälle gemeldet, da diese Kinder sowieso unter dem Radar flogen. Wenn der Junge dann noch auffällig gewesen war, wunderte es niemanden mehr. Es war einer Aushilfskraft zu verdanken, dass sein Name überhaupt in der Kartei geführt worden war. Online zu recherchieren, ob in anderen Einrichtungen Kinder verschwunden waren, trug ebenfalls selten Früchte. Man musste schon vorbeifahren und direkt vor Ort nachfragen, ob ein Verschwinden aufgetreten war oder nicht.
      Ember seufzte schwer als sie sich in die Lehne ihres Stuhles fallen ließ und zur Decke sah. Spätestens morgen Abend hätte sie den nächsten Anruf über eine Leiche. Sie wagte zu bezweifeln, dass es sich bei Bisham ereignen würde. Wenn doch, dann müssten sie nur dort ausharren und würden dann auf den Angelus treffen. August hatte ihr berichtet, dass sie vermutlich nichts gegen ihn ausrichten könnten. Aber vielleicht musste man solch eine Einheit erst einmal zu Gesicht bekommen, um einzuschätzen wie man am besten das Ungreifbare in einen Käfig sperren konnte.
      Und dann war da noch die Waffe in ihrer Tasche, die mittlerweile ihren Weg auf den Schreibtisch gefunden hatte. Sie würde sie zurück zu ihrem Besitzer bringen, sofern dieser noch lebte. Dieser Gedanke brachte Ember direkt zu dem nächsten. Wie war es da unten nun eigentlich abgelaufen? August sagte, er sei geflüchtet. Bedeutete dies, dass Bones noch immer da unten war und sich vielleicht doch mit dem Richter in kürzester Zeit anlegen würde? Welches Problem war schlimmer: Ein Angelus mit ein paar wenigen Opfern oder ein Krieg zwischen zwei Arcana mit unzähligen Kausalitäten?
      Ein weiteres Seufzen erklang. Zu viele Optionen, zu viele Brennpunkte und zu wenig Nervenzellen, sich dem allem zu stellen. Vielleicht war auch einfach die Kombination aus dem Tee und dem anschließenden Wein nicht unbedingt die beste Kombination, sodass die Detective nicht verhindern konnte, dass ihre Gedanken kurz zum morgigen Abend abdrifteten und sich vorstellten, wie Augusts "Termin" wohl ausfallen würde. Irgendwie bezweifelte sie stark, dass sein Termin das war, wonach es aussah. Dafür hätte er genauso gut jedes Etablissement dieser Stadt aufsuchen können und musste nicht extra zu diesem einen Haus fahren. Auch wenn er dort vielleicht schon öfter eingekehrt war in seiner Vergangenheit.
      Am Ende riss sie sich selbst aus den Gedanken, klappte den Laptop zu und verfrachtete das Notizbuch wieder in ihre Tasche. Nach einem kurzen Strecken stand sie auf, um das Weinglas zurück in die Küche zu bringen. Auf ihrem Weg warf sie einen Blick auf den Koffer, der noch immer mit geschlossenem Deckel auf dem Couchtisch lag wie sie ihn dort zurückgelassen hatten. Bei genauerer Überlegung hatte Ember dem Rogue eigentlich richtiges Bettzeug versprochen. Als sie sich aber eines besseren besannte, schüttelte sie nur müde den Kopf und rieb sich die leicht brennenden Augen. Der Mann hatte alles, was man sich nur vorstellen konnte in seinem Koffer. Sogar sie würde dafür ihre heißgeliebte Couch verbannen. Ember hatte ja noch nicht mal alle Räume gesehen, die er in dem endlosen Koffer angebracht hatte.
      "So viele Baustellen", murmelte Ember leise zu sich selbst, so als müsse sie sich das noch einmal vorsagen, um es zu realisieren.
      So viele um genau zu sein, dass sie sich eigentlich jetzt keinen Kopf mehr darüber machen wollte. Als sie das Glas neben die leere Weinflasche zur Spüle stellte, zögerte sie einen Augenblick.
      Vertief dich nicht zu viel in den Fall und versuche, auch mal zu leben.
      Etwas schien sich in ihren Gedanken abzuspielen während ihr Blick in unbekannte Weiten abdriftete. Schlussendlich ließ Ember vom Glas ab, kehrte ins Wohnzimmer zurück und musterte den Koffer. Wie viel schlimmer sollte es denn noch kommen können?
      Ohne weitere Umschweife klappte sie den Deckel auf und lugte in den Koffer. Wie erwartet hörte sie nichts - wer wusste schon, was der Arcana da gerade noch trieb. Aber ein Versuch war's zumindest wert.
      "Schläfst du jetzt im Koffer oder hier oben?", rief sie in mittlerer Stärke hinab, zu leise um jeden Winkel zu erreichen aber laut genug, dass man nicht mehr von einem Heulen im Wind hätte sprechen können. "Dein Wein hier oben ist leer und ich erinnere mich, du hast da unten Winzerelfen."
      Dann wartete Ember, ob es Antwort gab.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Nachdem Ember sich von dannen begeben hatte, war August in seinen Arbeitsmodus verfallen, wie es Rem immer gesagt hatte. Noch ein paar Minuten hatte er an dem Tisch gesessen, ehe er ihn verschwinden ließ und sich in die unteren Geschosse begeben. Die Chimäre war ausnahmsweise ruhig in seinem Ansinnen und schien nach dem eifrigen Mahl eine satte Runde Siesta zu halten, wenn er sich das schlafende Ungetüm ansah. Die Geräusche des Feenwaldes hatten sich mit dem leisen Schnarren von Dutzenden betrunkenen Feennasen verschmolzen. Von der Feier, die die Feen begangen hatten, war lediglich eine Spur verblieben: Eine Flasche goldenen Mets, die auf einem kleinen Beistelltisch stand. Der Pfand für den Schutz, den August ihnen gewährte.
      Doch all das wirkte ein wenig fehl am Platze, waren seine Gedanken doch eine ganze Weile bereits abgeschweift und nicht mehr Herr des Ganzen. Schweigend wand er sich an den Ungetieren des Kerkers vorbei an eine Wand, die beinahe leblos steinern erschien. Die groben Steine waren ebenfalls grob gemörtelt, so als müssten sie nur das Mindestmaß an Haltbarkeit besitzen. Schwiegend legte er seine Hand an die Steine und sogleich begannen diese sich zu bewegen, als die Hand des Arcana sich veränderte. Statt einer normalen Hautfarbe verfärbten sie sich graulich weiß. Die Finger wurden länger, als bahnte sich ein weiteres Fingerglied seinen Weg in die Knochen und die Fingernägel wuchsen weiß zu klauenartigen Gebilden heran, die genau in eine Aussparung passten. Miteinem rasselnden und schiebenden Geräusch schoben sich die Steine auseinander und gaben den Weg frei in einen wesentlich älteren Teil des Koffers, der bislang vor Blicken verschont blieb. Die Wände standen vor Spinnenweben und der grobe Stein setzte sich hier fort. In der Mitte des Raumes stand ein gewaltiges Rednerpult, an dessen Scheitelpunkt ein gewaltiges Buch lag, dessen Innenleben mit schwarzen Seiten gefüllt war. Seiten, die bei Berührung der weißen Hand des Zauberers mit ebenso gräulich weißen Runen erstrahlte.
      "Alsdann...Beginnen wir erneut!", sagte er mit fester Stimme und im gleichen Moment begannen Kerzen in den Kerzenleuchtern aufzuflammen und die Seiten des rechteckigen Raumes zu erhellen. In der Mitte war derselbe weiße Kreis abgezeichnet wie er sich oben fand, nur hier waren die Linien sichtbar und durchgezogen. IN den äußeren Ringen fanden sich zudem Runen.
      Als er zu seiner Rechten in einen Spiegel sah, erblickte er dort das Gesicht einer jungen Frau, die er kannte. Ein freudnliches Lächeln rann über seine Lippen, als er die Flasche Met abstellte, die er aus einem merkwürdigen Grund mitgenommen hatte. Ehe er sich versah, blätterte er bereits in dem Buch, und die Frau zu seiner Rechten begann zu sprechen.
      "Du hast dich nicht verändert", murmelte die frau, die von wunderschönem platinblonden Haar war. Lediglich eine hässliche Narbe entstellte ihr ebenmäßiges Gesicht. Die Haut um ihr linkes Auge war wie ein Spiegel zersprungen und zeichnete sich als finstere Gebilde ab, während das Auge schneeweiß war. Es erinnerte ihn an seine eigenen Augen, wenn er...
      "Du auch nicht", sagte er. "Schön, dass du da bist, Rem..."
      "Habe ich eine Wahl?"
      Hatte sie nicht. Sie befand sich im Spiegel und selbst wenn sie wollte, konnte sie nicht hinfort.


      22:45

      Immer und immer wieder hatte er es versucht und war jedes Mal gescheitert. Als laste ein Fluch auf dem Vorhaben und selbst wenn er die Zeilen vor und zurück las, wurde er nicht schlauer.
      Die Haare des Rogues hingen in verschwitzten Strähnen herab und Schweiß tropfte ihm von der Nase. Die Flasche mit dem Feenmet war zu zwei Dritteln geleert und erneut hatte das Getränk seine vernichtende Wirkung mehr als bewiesen. Der Raum vor seiner Nase schien sich mehr und mehr zu verzerren und zu schwanken. Und selbst wenn er es wollte, er hätte nicht mehr nach oben gehen können. Er hatte sich sein Hemd nach dem achten Fehlversuch vom Leibe gerissen und seinen hageren Leib der rauen stickigen Luft des mittelalterlich anmutenden Raumes überlassen. Selbst auf diesem stand der Schweiß wie ein Teppich auf der blassen Haut. Mittlerweile waren beide Unterarme verwandelt und hatten sich in weiße, klauenartige Gebilde mit drei Fingergliedern verwandelt.
      "Vielleicht solltest du es für heute gut sein lassen", bemerkte Rem und sah besorgt aus.
      August winkte mit den abartigen Händen ab und torkelte zu einem Bücherregal, wo er das Weinglas herausfischte, dass er bisher genutzt hatte. Ein letzter Rest hatte sich darin gesammelt und er trank ihn wie einen kurzen. Der wohlige Rausch des Alkohols flutete seinen Körper und ließ ihn beinahe grunzend an dem Regal zusammensacken und auf den Hosenboden setzen.
      "Ich schaffe es nicht", flüsterte er. "Egal, wie mächtig und egal wie hoch der Preis...Ich schaffe es nicht, dieses vermaledeite TOr zu kontrollieren..."
      "Vielleicht ist es nicht dazu gedacht..."
      "Ach halt den MUnd!", keifte er. "Welche Ahnung hast du von meinem Leid?"
      Er erhob sich zu schnell und fing sich am Rednerpult ab und brüllte gen Spiegel.
      "Du hast keine Ahnung,w as ich durchmache, Rem! Du hattest nie eine Ahnung! Ständig dieses Bessergewisse, ständig die Vorwürfe und ständig die altklugen Ideen...Was weißt du schon..."
      Seine Sprache war für die Tatsache des vernichteten Alkohols beinahe klar. Nur sein Blick wurde fahrig, als er eine Stimme leise rufen hörte.
      Zum Teufel mit diesem Ganzen!
      "Ich bin unten!", rief er lautstark hinauf und hoffte, dass es ausreichte. Er hatte keine Lust, Ulysses zu erklären wo der Keller war. Zumindest klang es nach dem kleinen Rabauken.




      Spoiler anzeigen
      rem.jpg: Ember sieht sie jedoch nicht und hört sie nicht.

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    • Es waren drei unglaublich leise Worte, die Ember aus den Untiefen des Koffers wahrnehmen konnte. Aber es war das erste Mal, dass sie diese Betonung in Augusts Worten gehört hatte. War sie eben noch ein bisschen müde und mental kaputt, gingen jetzt schon wieder ein paar Sirenen in ihrem Kopf los. Möglicherweise hatte sie sich verhört oder interpretierte Dinge, die gar nicht da waren in drei lächerliche Worte.
      Stillschweigend kletterte Ember in den Koffer und bahnte sich sockfuß einen Weg über die Treppenstufen nach unten. Wie erwartet war das Foyer menschenleer - selbst der Tisch samt Stühlen war verschwunden. Der Spiegel noch immer abgehängt, nichts auf den ersten Blick verrückt. Wäre da nicht die offenstehende Falltür gewesen, die zu Augusts Zoo führte. Weder sah sie Ulysses, noch hörte sie irgendetwas verdächtiges außer den Tiergeräuschen, die sie aus dem Stockwerk tiefer bereits kannte.
      Trotzdem wurde die Detective ein ungutes Gefühl nicht los.
      Innerhalb weniger Schritte stand die Frau am Rande der Falltür und lugte hinab. Dann erstarrte sie. Ihr Blick wanderte zu ihrem rechten Fußknöchel, wo die Socke ein feingliedriges Fußkettchen verbarg. Dieses vibrierte mit einer Intensität, die sogar den Tatort des Angelusangriffes überstieg. Ein Frühwarnsystem für außerordentliche starke Magie, die nicht passiver Natur war. Viele beim Met besaßen solche Indikatoren, aber ihres hatte einen kleinen Twist. Sicherheitshalber hatte sie es abgelegt, als sie in den Untergrund aufgebrochen waren, um instinktive Reaktionen zu vermeiden, ausgelöst durch die Vibration des Kettchens.
      Nun hingegen hatte Ember ernsthaft Sorgen. Zu keinem anderen Zeitpunkt hatte das Schmuckstück reagiert seitdem sie mit dem Arcana verkehrte. Dass es das nun tat, schürte etliche Regungen in seiner Trägerin. Sorge, dass es zu unvorhersehbaren Schwierigkeiten kam. Frust darüber, dass da vielleicht etwas passiert sein mochte, kaum hatte sie den Rogue aus den Augen gelassen.
      "Ist unten hier unten?", fragte sie in etwa dergleichen Lautstärke wie vorhin in den Raum und kletterte bereits abwärts.
      Mit jeder Stufe schien das Kettchen stärker zu vibrieren. Also näherte sie sich dem Ursprung. Und da sie wusste, warum das Kettchen so gut in seinem Job war, ahnte sie, dass unten definitiv hier unten war.
      "Alles okay?", setzte sie nach, wobei sie sich noch immer an der Treppe hielt.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • August lehnte ich nach seinem Rufen gegen die raue Steinwand und machte sich nicht die Mühe, seine Arme zurückzuverwandeln. Was sollte es schon. Jahrzehntelanger Forschung und wofür? Für einen lausigen Bannkreis aus weißer Kreide auf dem Boden. Rem indes sah ihn mitleidig an und schüttelte den Kopf.
      "Du gibst auf", stellte sie fest und wirkte beinahe eingeschnappt, wärhend sie die Arme vor der Brust verschränkte.
      "Ich gebe einen Scheiß!", sagte August und funkelte sie böse an. "Ich habe Jahrzehnte meines Lebens damit zugebracht, diesen Mist zu erforschen und die ganze Zeit erfahre ich nur Rückschläge."
      "Du hättest uns gebraucht..."
      "Hätte ich! Aber ihr seid nicht mehr da!", rief er beinahe erbost, während er sich an dem Regal hinauf zog, in der rechten Hand eine Flasche MEt, die beinahe darin zu verschwinden glaubte.
      Langsam und mit grausiger Zeitlupe wurde die Haut wieder rosig und die Hand verwandelte sich in eine menschliche.
      "Ihr seid nicht mehr da...", flüsterte er, ehe er Hitze auf seiner Wange bemerkte.
      Fahrig fuhren seine Hände zu seinen Wangen und er stellte eine Feuchtigkeit fest. Er musste schwer geschwitzt haben, schließlich war es auch anstrengend. Aber wieso zerrte es dann an seinem Herzen? Erst nach einer kurzen Zeit wurde im klar, dass es Tränen waren.
      "Ist unten hier unten?", ertönte die stimme erneut.
      Das Rauschen in seinen Ohren erstickte die Hälfte, aber er seufzte lautstark.
      "Ulysses, bei den verfluchten Klöten des Fälnisgottes: Ja, ich bin hier unten! Im Keller! Kennst du den Koffer nicht mehr?"
      Genervt ließ er sich auf einen Stuhl fallen und wischte sich die Tränen vom Gesicht, während er die Flasche Met leerte und verloren vor sich hin starrte.
      Was hatte das alles noch für einen Zweck? Sein ganzes Leben schien er einer Illusion erlegen zu sein, die nicht wirklich das war, was sie versprach. Oh bittere Ironie. Der Täuscher wird getäuscht.
      "Du solltest das Trinken aufhören", sagte Rem und sah ihn wieder so an. Diese mitleidigen Augen, die alles gesehen hatten. Und dieses eine Auge, was durch ihn stach wie ein Speer.
      "Hör auf mir zu sagen, was ich zu tun habe", murmelte er und seufzte. "Das hat schon früher nicht geklappt."
      "Ich weiß...Und seitdem versuchst du, dich mit Alkohol und diesem blinden Streben selbst zu töten, August. Ich weiß nicht, ob du bemerkt hast, aber es gibt doch Dinge, für die es sich zu leben lohnt..."
      "Ach ja?", fragte er spöttisch und sah das Spiegelbild an. "Und welche? Eine Frau vielleicht? Dass ich nicht lache. Geld? Macht? Eigentum? All das besitze ich bereits. Aber was ich nicht besitze, ist eine Zukunft, Rem. Eine Zukunft, die euch hätte gehören sollen..."

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    • Bei genauerem Hinhören konnte Ember Stimmfetzen aufschnappen, die eindeutig von keinem Wesen hier unten stammen konnte. Vermutlich hätte sie Augusts Stimme unter Hunderten erkannt was allerdings nicht bedeutete, dass es ihre Alarmbereitschaft minderte. Als sich seine Stimme hob und somit deutlicher vom restlichen Wirrwarr abhob, stockte Ember. Sollte der Arcana im vollen Besitze seiner geistigen Kräfte sein hätte er niemals ihre Stimme mit der des Goblins verwechselt. Was bedeutete, dass er es nicht war.
      Noch immer mit einem unguten Gefühl behaftet, löste sich die Detective von der Treppe und schob sich den Gang zwischen den Gattern entlang. Ihre Augenbrauen waren in solch einer Konzentration zusammengezogen, das sie fast eine geschlossene Einheit bildeten. Dann entdeckte sie den seichten Schein von Kerzenflammen, die das letzte Mal hier unten noch nicht da gewesen war. Auf genau diese Richtung bewegte sie sich nun zu, noch immer angestrengt lauschend. Mit jedem Meter wurden die Stimmfetzen lauter, deutlich, bis sie sich schließlich definitiv als die Stimme des Rogues herausstellte. Allerdings erhielt er nie eine Antwort - führte er einen Monolog?
      Als Ember um einen weiteren Käfig bog, sah sie die ehemals gemauerte Wand, die sich wie ein Schlund völlig deplatziert vor ihr auftat.
      "Ach ja? Und welche? Eine Frau vielleicht? Dass ich nicht lache. Geld? Macht? Eigentum? All das besitze ich bereits. Aber was ich nicht besitze, ist eine Zukunft, Rem. Eine Zukunft, die euch hätte gehören sollen..."
      Augenblicklich gefror Ember zu einer Salzsäule. Es war nicht der Inhalt, der die Detective beinahe in Schockstarre verfallen ließ. Es war der Frauenname, den sie bereits mehrfach gehört hatte und ziemlich sicher war, ihn auch einmal geschrieben gesehen zu haben. Wenn sie sich nicht verhört hatte, und das hatte sie nicht, dann sprach August entweder mit einer Toten oder halluzinierte bitterlich. Das stark vibrierende Kettchen an ihrem Fuß machte ihr mehrmals deutlich, dass er aller Wahrscheinlichkeit nach nicht halluzinieren würde.
      Tatsächlich schaffte Ember es nur bis zu dem Rand der Öffnung, wo sich der Kerker in einen neuen Raum öffnete. Die Einrichtung allein hätte schon Stunden ihrer wertvollen Lebenszeit gekostet, um ihn zu untersuchen. Sie brauchte aber nur zwei Sekunden, um August auf einem Stuhl ausfindig zu machen. Und eine weitere, um die verunstaltete Hand zu sehen. Langsam folgte ihr Blick der Richtung, in die er zwischendurch blickte und erkannte, dass er mit einem Spiegel sprach, der auf der anderen Seite an der Wand angebracht war.
      Es gab nur eine Sache, der sich Ember absolut sicher war. Dass der Arcana diesen Raum ihr nie freiwillig und so schnell gezeigt hätte. Und noch weniger, was er da mit seinem Körper angestellt hatte.
      Es bedurfte vier Anläufen bis die Frau ihre Sitmme wiederfand. Die Finger an den kühlen Stein gepresst wagte sie es nicht, einen weiteren Schritt ohne Erlaubnis in den Raum zu setzen. Selbst als Nichtmagische schien die reine Präsenz im Raum sie zu erdrücken.
      "August, was tust du da?", war alles, was sie trockenen Mundes formulieren konnte während das Fußkettchen ihren Knöchel bereits betäubt hatte.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • für eine kurze Weile hatte der Rogue einfach nur dagesessen und sich bemitleidet, wenn man es ehrlich nahm. Hatte den Spiegel angestarrt, wo Rem ihn kopfschüttelnd und ihrer Art gemäß betrachtete und sich gefragt, wie zum Teufel es alles soweit kommen konnte?
      Der Met schmeckte fad, als er ihn ansetzte, um diese vermaledeite Flasche zu leeren und sie achtlos in die Ecke zu feuern, wo sie mit einem Hölleninferno zersprang. Verfluchte Flasche.
      August erhob sich schwerfällig aus dem Stuhl und wollte sich gerade wieder ans Pult begeben, um das Buch zu schließen, als er eine Stimme hörte, die nicht hier sein sollte.
      Eine weibliche Stimme, die nicht aus dem Spiegel kam, um es genau zu sagen.
      Mitten in der Bewegung erstarrte der Rogue und blickte sich mit einem fahrigen, beinahe gehetzten Blick um, der einem gefangenen Tier glich. Durchdringend und eisig blickte er die Polizistin an, die im Türrahmen stand und gleichsam fragte er sich wie sie hinuntergekommen war, ohne dass er es bemerkte.
      Ulysses.
      Die Stimme.
      AUch im trunkenen Zustand schaltete sein Verstand zu schnell und er schlug sich mit de rmenschlichen Hand vor die Stirn.
      Seufzend klappte er das schwarze Buch zu, ehe er bemerkte, dass seine Hand noch immer verwandelt war.
      Als würde er eine lästige Fliege verscheuchen schüttelte Foremar diese aus und schlagartig schien sie wieder rosig zu werden und menschliche Züge anzunehmen, ehe er sich erneut umdrehte und zwei Schritte auf sie zukam, ihr beinahe den Blick in den Raum versperrte. Seine Züge wirkten angepannt, ja trotz der Trunkenheit beinahe wütend und er sah leicht zu ihr hinab, ehe er durchatmete und sich zu entspannen versuchte.
      "Was tust du hier unten?", fragte er kalt. "Ich dachte, du wolltest deinen Abend oben verbringen?"
      Schweigsam betrachtete er die Polizistin und ihm fiel auf, wie dumm er sich verhielt. Das Kind war in den Brunnen gefallen, also trat er einen Schritt zurück und verschränkte die Arme vor der Brust.

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    • In einer atemberaubenden Geschwindigkeit markierte die Detective gedanklich wichtige Punkte im Raum, die sich als Anhaltspunkte heraustellen mochte. Das Pult in der Mitte, der Spiegel, das seltsame Buch mit den schwarzen Seiten und der weiße Kreis auf dem Boden, der dem ein Stockwerk höher zu sehr ähnelte. Die Glasscherben an der Wand. Augusts verwandelte Hand, die unlängst damit begonnen hatte, ihre ursprüngliche Gestalt wieder anzunehmen. Das Fehlen seines Hemdes, der Galnz auf seiner Haut und schlussendlich die geröteten Augen, die stumme Zeugen heißer Tränen waren.
      Ember wurde schwer ums Herz. Allein die Tatsache, wie sich die Haltung des Arcana innerhalb einer Minute verändert hatte bewies ihr, dass sie ihn bei etwas höchst Persönlichem gestört hatte. Das in Verbindung mit den Worten, die sie gehört hatte, ließ nur einen Schluss übrig. Wie er es allerdings versuchte und warum sich seine Gestalt dabei wandelte, erschloss sich ihr nicht. Dafür verstand sie einfach zu wenig von dem, was er da trieb.
      "Das war vor etlichen Stunden, ja", antwortete sie wahrheitsgemäß. "Eigentlich hatte ich nur fragen wollen, ob wir noch ein Glas Wein... hm... trinken und dann hast du mich hinab gerufen. Hab zu spät erst gemerkt, dass du mich für Ulysses gehalten hast."
      Das Thema Wein war offensichtlich vom Tisch wenn sie die Glasscherben an der Wand in Betracht zog. Angenommen, dass er die ganze Flasche selbst gekippt hatte, gab er noch eine erstaunlich gefasste Version seiner Selbst ab. Allerdings kam sie nicht drum herum zu merken, wie sich der Ton in seinen Worten verändert hatte und wie er die Arme vor der Brust verschränkte, was er noch nie zuvor getan hatte.
      Zwar trat er einen Schritt von ihr zurück, trotzdem fiel Ember deutlicher als üblich auf, dass der Zauberer sie um ein gutes Stück überragte. Noch immer hielt sie an den Steinen fest, die eine kühle Sicherheit unter ihren Händen vortäuschten. Alles, was sie mit ihren Augen gerade sah, würde später eins zu eins in ihrem Notizbuch landen.
      "Du siehst furchtbar aus." Ember würde jetzt keine Fragen stellen, was und wie hier unten geschehen war. Stattdessen war ihre Stimme sanft, beinahe verständnisvoll für eine Lage, von der sie eigentlich nichts wissen sollte. "Vielleicht solltest du Schluss für heute machen."
      Rein aus Reflex hob sich ihr rechter Arm, der die ganze Zeit über leblos an ihrer Seite gehangen hatte. Ember streckte August ihre Hand entgegen in einer Geste, um ihn aus dem Raum zu bekommen. Aus seiner vielleicht festgefahrenen Gedankenwelt zu holen.

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    • Eine dargebotene Hand.
      Lange schon hatte ihm keiner mehr eine Hand dargeboten, geschweige denn versucht, ihn aus dem Moloch zu ziehen. Hinzu kam, dass noch immer die Magie in dem Raum flirrte, obgleich sie wirkungslos geblieben war. Innerlich kämpfte der Rogue mit der Tatsache, sie eiligst herauszuwerfen und mit den Versuchen fortzufahren, ein anderer Teil von ihm, wollte nach der Hand greifen, die sich ihm darbot.
      Kurz blickte August über die Schulter zurück in den Raum und sah Rem, die lächelnd zu nicken begann. Als wollte sie ihm erneut sagen, dass es genug war für heute.
      Seufzend wandte er sich wieder Ember zu und nickte.
      "In Ordnung", murmelte er und ergiff die federleichte, warme Hand, die sich ihm darbot.
      es war ein merkwürdiges Gefühl, eine so zarte und umgängliche Hand zu halten. Mit der anderen Hand machte er eine wegwerfende, beinahe beiläufige Bewegung und schlagartig klappte das Buch zu, die KErzen erloschen und hinter dem Spiegel erhob sich eine Plane, die ihn rasch verdeckte. Als er hinaus ging und Ember mit sich zog, rückten die Steine unter grausig Geknarre und Geschabe wieder an ihre ursprüngliche Position und verschlossen den Gang wie einst.
      Erst dann fiel ihm das Glas Wein wieder ein, während er gar nicht merkte, dass er sie überholte und sie trotzdem an der Hand hiner sich herführte. Es fühlte sich beinahe unwirklich an, dass ernoch gerade laufen konnte, aber sein Kopf wirkte wie in einem eisigen Rausch. Nebel erfüllte seine Gedanken und betäubte den Schmerz, der sich in ihn ergoss.
      Als sie an dem Feengehege vorbei kamen, klopfte er sachte ean einen schmalen Stamm einer Planze.
      "Noch einen...", murmelte August und wie durch Zauberhand erschien eine weitere Flasche Met auf dem kleinen Tischchen neben dem Gehege.
      "Wir sollten den Wein lieber oben trinken..Ich...Ich kann das hier alles nicht mehr sehen..."
      Seine Zunge wirkte schwer, aber dennoch artikulierte der Zauberer die Worte klarer als gedacht. Nur schwer schaffte er die schmalen Stufen hinauf, um sich gleich darauf im Foyer wiederzufinden und auch diese Stufen mit Erschwernis und halbnackt wie er war, zu erklimmen. Immer sicher gehend, dass Ember ihm folgte, hatte er ihre Hand bereits losgelassen und sah nur zu, dass sie dort war. Und nicht dort unten.
      Als sie wieder im Wohnzimmer angelangt waren, seufzte er und setzte sich behutsam auf das Sofa, wähernd er den Koffer schloss.
      "Tut mir Leid, dass ich dich für Ulysses gehalten hab...", murmelte er. "War eine schlechte Zeit und ich habe nicht gut gehört..."
      Anschließend sah er sie an, so aus der Tiefe des Sitzens und seufzte erneut. Als wäre das alles was er noch könnte.
      "Hast du Gläser? Ich würde gerne noch einen mit dir trinken."
      Trinken, um zu vergessen. Großes Kino, August. Großes Kino.

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    • Es war eine verzwickte Situation, in der sich Ember gerade befand. Nachdem August ihre Hand tatsächlich ergriffen hatte, war er an ihr vorbeigeschritten und zog sie leicht hinter sich er. Es war nicht so, dass sie sich dagegen wehren wollte. Immerhin fühlte sie, wie klamm sich schon seine Hand allein anfühlte.
      Allerdings erschloss sich ihr erst ein weiterer Zusammenhang, als der Rogue mit eindeutigen Worten eine neue Flasche aus dem Feenhain einsammelte. Da erinnerte sich die Detective an seine Worte. Dass allein schon eine Flasche einem aus dem Leben bugsieren konnte. Das waren die Scherben gewesen, die sie in dem Raum hinter sich an der Wand entdecken konnte. Umso erstaunlicher die Tatsache, dass er noch gerade ging und Treppen steigen konnte.
      Wäre der Umstand anders, hätte die Frau dem offensichtlich geschlagenen Mann wortwörtlich unter die Arme gegriffen. Doch so folgte sie ihm stillschweigend während er eigenständig die Treppenstufen erklomm. Auch wenn sie nur seinen Rücken direkt sah erhaschte sie hin und wieder einen fadenscheinigen Blick seinerseits in der ständigen Kontrolle, dass sie ihm wirklich noch folgte.
      Etwas erleichtert seufzte Ember als sie schlussendlich aus dem Koffer stiegen, ihn schlossen und August sich auf ihre Couch sinken ließ. Noch immer stand sie neben dem Beistelltisch und sah auf den Arcana hinab.
      "Kein Problem. Man kann sich gern mal verhören", sagte sie leise und ließ dabei ihren Blick nochmals über seinen Oberkörper wandern. "Warte einen Moment."
      Nicht, dass er jetzt noch aufstehen und gehen würde.
      Anstatt in die Küche zu gehen und Gläser zu holen schlug Ember die gegensätzliche Richtung ein. Sie verschwand im Badezimmer, dann ertönte das Geräusch von aufgedrehtem Wasser. Nach ein paar Minuten wurde ein Wasserhahn geschlossen und sie kam mit einem feuchten, warmen Handtuch zu August zurück.
      "Hier. Ich fürchte, eine Dusche packst du nicht mehr." Mit diesen Worten reichte sie ihm das Handtuch und entfernte sich erst, nachdem er es angenommen hatte.
      Abermals verschwand sie aus dem Wohnzimmer, dieses Mal hingegen in die Küche. Zurück kam sie mit zwei Weingläsern und einem mit Leitungswasser gefüllten Glas. Jeweils eines davon stellte sie auf den Beistelltisch vor August, das zweite Weinglas stellte sie an ihre Seite. Ember murrte kaum hörbar, als sie sich auf den Teppich am Boden setzte und den Feenwein an sich nahm. Ein kurzer Blick in Augusts Richtung, dann füllte sie ihre Gläser, jedoch nur zu einem Viertel. Die Geste zählte schließlich.
      "Hast du die ganze Zeit seitdem wir uns getrennt haben in diesem Raum verbracht?", fragte sie letztenendes doch nach und hielt dabei das Wasserglas in Augusts Richtung.
      Das Fußkettchen hatte derweil aufgehört mit Lichtgeschwindigkeit an ihrem Knöchel zu vibrieren.

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    • Es war schon lustig. Der Rausch, der sich eben noch wie ein beflügelndes Schimmern ins einem Kopf anfühlte, wirkte jetzt wie ein beiernder Hammer, der ihn niederstreckte.
      Während Ember sich von dannen machte, stützte er die Unterarme auf seine Knie und blickte zwischen seine Beine. Die FLasche Met, den die Feen bereit gestellt hatten, schwitzte leicht in der wärmeren Luft und ein Tropfen fing seine Aufmerksamkeit. Er sehnte sich nach kühlendem Nass. Erst jetzt bemerkte er, dass er außer seiner Hose und seinen Schuhen praktisch nichts mehr trug und der träge Verstand des Zauberers wirkte angekettet, als er sich fragte, wann er sich seiner Habe entledigt hatte.
      Er kratzte sich über die Nase und seufzte als Ember mit einem Tuch zurückkam und es ihm in knappen Worten reichte.
      "Danke", murmelte er hinterher, obgleich sie bereits wieder Hummeln im Hintern zu haben schien und verschwand. Diese Frau kannte wirklich keine ruhige Minute.
      Ausdauernd wusch er sich mit dem weichen, warmen Handtuch und wusch sich den Schweiß und die Tränen vom Gesicht und den Schultern, während er auch nicht die Brust, Achseln und seinen Bauch ausließ. Als er fertig war, legte August sich das warme Tuch aufs Gesicht und genoß die wärmende Feuchte auf seiner Haut, die seinen Verstand beinahe wieder tauglich werden ließ.
      Erst nach dem Gluckern des Weines nahm er es ab und sah in die GLäser. Ein Viertel. Diese Frau konnte nichts anderes als bevormunden, nicht wahr?
      Schweigsam nahm er das Glas und leerte es nach einem kurzen Zuprosten in einem schnellen Zug. Es würde nicht helfen, aber das konnte sie nicht wissen. Feenwein war nicht zu unterschätzen und er hatte ihn nicht unterschätzt. Er wollte nicht mehr fühlen und sich betäuben. Und das gelang mit jedem Schluck.
      Schweigsam nahm er das gefüllte Weinglas an sich und prostete ihr zu.
      "Habe ich. Ich habe meine Forschungen wieder aufgenommen und bin zu meinem Leidwesen ein weiteres Mal gescheitert. Aber das war abzusehen, weißt du...Denn ich bin dumm, hihi...Strunzendämlich, um genau zu sein...Denn ich versuche immer noch, diesen vermaledeiten Mist zu erforschen...Was hast du so gemacht?"
      Und warum sitzt du nicht hier?, dachte er sich im zweiten Zuge, als er das Glas ansetzte. Der Duft des Mets stieg ihm in die Nase und das Glas ward so schnell geleert, dass man sich fragen musste, wohin es gegangen war. Verschleierten Blcikes sah er sie an und seufzte.
      "Was hast du so gemacht, den ganzen Abend über? Sag mir nicht, dich hat die Sehnsucht gepackt..."
      Wer sollte sich nach ihm sehnen? Tote vielleicht. Aber nein, er sehnte sich. Nach ihnen.
      "Weißt du, was ich mich seit unserem Gespräch frage", fragte er mit schwerer Zunge. "Ich frage mich...Und das meine ich ehrlich...Warum zum Teufel du keinen Mann oder keine Frau hast. Ich meine,..Du bist nett, du bist hübsch, hast einen wirlklich ansehnlichen Allerwertesten...", red keinen Unsinn, August! "Und dass die Arbeit dazwischen steht...ich weiß ja nicht...Das erscheint mir irgendwie komisch...Meine, ich hab viele Polizi...Polizo...Poliziostiten kennen gelernt, weißt du...Und die waren knallhart...Bis sie starben...versteh ich nicht..."

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    • "Wärst du so dumm wie du dich beschreibst, würdest du nicht als einer der Arcana gelten. Dann hättest du auch nie die Freunde gefunden gehabt und mit ihnen diesen Koffer fertiggestellt."
      Ember angelte nach ihrem Weinglas, prostete August zu und hielt ihre Nase in das Glas. Ihre Reaktion auf den Geruch war ein anerkennendes Geräusch und ein Hochzucken ihrer Augenbrauen.
      "Was ich gemacht hab? Nachforschungen angestellt und Notizen gemacht", klärte sie ihn auf und sah dabei zu, wie er den Met in einem Zug seine Kehle hinab stürzte. Okay, der Mann war defintiv fertig mit dem Abend. "Oh komm, gib das her..."
      Ember beugte sich zu dem Mann auf der Couch um ihm das Glas abzunehmen und allen Ernstes wieder aufzufüllen. Dieses Mal jedoch bis zur Hälfte, und reichte es es ihm wieder.
      "Folglich trifft's Sehnsucht nicht ganz", murmelte sie halb in ihr eigenes Weinglas und nahm einen Schluck.
      Der kleine Schluck reihte schon aus, damit sie ungläubig den Kopf schüttelte. August hatte nicht untertrieben. Das Zeug knallte einen wirklich aus dem Leben. Und er hatte davon eine ganze Flasche allein gekillt?
      In der Zwischenzeit hatte Ember ihre Beine angewinkelt, damit sie einen Ellbogen auf ihrem Knie abstützen und das Kinn auf ihrer Handfläche ablegen konnte. So blinzelte sie August einfach nur an während seine Worte langsam etwas undeutlicher wurden.
      "Das ist ja schön und gut, wenn sie knallhart waren. Aber das schützt leider nicht vor Dummheit". Sie zuckte kaum merklich mit den Schultern. "Ich kann niemanden gebrauchen, der mich entweder ständig in Schutz nehmen will oder sich für etwas Besseres hält. Das Mittelmaß scheint... rar zu sein. Ganz ehrlich? Da käme ich besser mit dir zurecht als allen anderen bei Met."
      Das war sicherlich einer der Gründe. Ein anderer war schlicht und ergreifend, dass sie in ihrem Kopf einfach einen Platz dafür geschaffen hatte, jemand anderen zu lieben. Es war manchmal schon schwierig genug, Tarah nicht noch näher an sie heranzulassen, als es für sie beide vielleicht gut war.
      "Wenn ich's nicht besser wüsste würde ich fast behaupten, du hast 'ne Schwäche für mich", grinste sie plötzlich nachdem auch ihr Glas leer war und sie sich ein weiteres Viertel einschenkte. Mühsam ernährte sich Eichhörnchen. "Ich hab' mir Sorgen gemacht als ich nach Stunden nichts gehört hab. Darf ich mir keine Gedanken über Andere machen?"
      Wenn Ember die Lage richtig einschätzte, würde sich August morgen vielleicht nicht mehr an alle Detail erinnern. Vielleicht war seine Hemmschwelle nun auch dermaßen abgesenkt, dass sie einen Blick hinter die Fassade erhaschen konnte. Zumindest schien er betrunken ein wenig offener zu sprechen.
      "Sag mal, wenn du dir jetzt gerade einen Wunsch erfüllen könntest, was wäre es? Was käme dir als Erstes in den Sinn, was du möchtest?"

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • August begann heiser aufzulachen, als sie zu sprechen begann.
      "Arcana...", murmelte er und machte eine wegwerfende Handbewegung. "Arcana bin ich geworden, weil meine MAgie einzigartig ist. Weil ich etwas konnte, was andere nicht konnten, so einfach is' das..Das hatte nichts mit Dummheit oder Inteli...Intello...Intelloginenz zu tun,.."
      Als sie ihm das Weinglas erneut füllte, dies mal zu einer guten Portion, grinste er und nickte. "Endlich sprechen wir dieselbe Sprache...", flüsterte er und nahm es wieder an sich.
      "Klingt nach Arbeit, dein Abend", murmelte er und hielt es einen Moment lang nur fest. Es stimmte schon, Wein trinken machte mehr Spaß, wenn man es nicht alleine tat. Ein typisches Gesellschaftsgetränk. Widerlich. "Wann machst du eigentlich mal Feierabend und lebst etwas?"
      Wie zum Beweis hielt er kichernd das Weinglas hinauf und trank einen gehörigen Schluck. Etikette war nicht mehr sein Steckenpferd, soviel stand fest.
      "Nein, das ist wahr. Härte schützt nicht vor Dummheit...Aber wer würde dich in Schutz nehmen wollen? Du hast ner Sp-Spi-Spinne im Unnergrund ein Auge rausgeschossen, hihi. Meine, das is' doch schon was, oder nich'?"
      Die zwei folgenden Bemerkungen erregten doch mehr Aufmerksamkeit seines betrunkenen Hirns als er es viellicht wollte. Lächelnd sah er zu ihr hinab und beugte sich leicht vor, sodass ihre Köpfe zwar auf der gleichen Höhe, aber genügend Abstand dazwischen war.
      "Ich glaube auch, du würdest mit mir...besser zurecht kommen...", murmelte er grinsend. "Und natürlich habe ich eine Schwäche für dich! Andernfalls wäre ich nicht hier, nicht oder? ODer würde dich komplementieren! Ich meine, mehr kann ich fast nicht machen, außer ein Schild schreiben und es mir umhängen, hihi..."
      August kicherte in sein Weinglas und leerte es erneut. Der Wein stieg ihm eindeutig zu Kopf, auch wenn seine Sprache halbwegs klar verblieb. Aber das Rauschen in seinen Ohren wurde stärker und der Nebel hintet seiner Stirn dichter. Es war ein wunderbares Gefühl nach diesen Jahren der Geißelung.
      "Ist das erste Mal, dass ich seit Jahren trinke...", flüsterte er. "Und ich bin froh, dass ich...Na egal. Unwichtig. Papperlapapp. Huuuhumbug, hihi."
      Auf ihre letzte Frage hin verdunkelte sich seine Miene urplötzlich und trotz der lähmenden Wirkung des Alkohols fühlte er sich unsicher und wolle sich am liebsten zurückziehen. Doch nicht mit Captain Honigwein, so erschien es. Er setzte das Glas sorgsam ab und blickte Ember durchdringend an, während er den Kopf auf seine Hände abstützte, die sich wiederum auf den Knien abstützten.
      "Einen Wunsch...", murmelte er. "Ich möchte...Ich will...Ich würde meine liebsten Menschen wieder lebendig machen..."
      Ein Wunsch, der so unmöglich wie die Zeit war, soviel stand fest.
      "Ich möchte wieder etwas fühlen, wenn ich Menschen ansehe...Möchte mein schlagendes Herz spüren...Ja, ich denke, das is' gut...Und was ist mit dir?", fragte er wähernd er sich neuen Wein einschenkte.

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    • "Japp, Arbeit wie jeden Abend. Aber das hier", Ember schwenkte das Weinglas in der Hand, "ist definitiv mein Feierabend."
      Noch nie hatte Ember Menschen dafür verurteilt wenn sie mithilfe von Mittelchen versuchten, Dinge zu vergessen, die ihnen viel zu tief in der Seele saßen. Sie selbst hatte sich von dem Versuch auch nicht losschreiben können und deswegen war die Arbeit von Noland auch so essenziell beir der Met.
      "Wow, ich hab' einem magischen Kontrukt ein Auge ausgeschossen. Wahnsinn. Hat das Vieh trotzdem nicht davon abgehalten, die Leute da unten zu fressen glaube ich." Ein weiterer dedizierter Schwenker des Glases. Natürlich machte sie sich nicht für den Tod der Leute da unten verantwortlich. Es gab nichts in ihrer Macht stehende, was sie zu dem Zeutpunkt hätte tun können. Dieses Wissen war Gold für die Seele und hatte sich erst über Jahre etabliert.
      Als sich August mit einem Lächeln zu ihr auf Augenhöhe begab, kam sie um ein amüsiertes Prusten nicht herum. Man sah in seinen Augen, wie sehr ihm der Alkohol schon zu Kopf gestiegen war. Vielleicht erinnerte er sich morgen nicht mal an ihre Unterhaltung. Also sprang sie auf den rasanten Zug einfach auf.
      "Hey, wäre ich an deiner Stelle und ein gutaussehender Mann hätte mich aus dem Loch geholt, dann würde ich mich dem auch an den Hals werfen. Aber der müsste größer sein als ich.... sooo ungefähr." Sie gestikulierte mit der flachen Hand ein gutes Stück über ihrem Kopf und zeigte eine imaginäre Kopfhöhe an.
      Doch dann antwortete August auf ihre Frage nach dem Wunsch hin dermaßen ehrlich und direkt, dass es die Detective etwas straucheln ließ. Er verbarg seine Reaktionen nicht vor ihr, sodass sie ihn wie ein offenes Buch lesen konnte. Seitdem sie das erste Mal das Thema mit seinen ehemaligen Freunden angerissen hatte, war ihr die Tragweite dessen bewusst. Dass er nie über den Verlust hinweg gekommen war und es feinsäuberlich maskierte. In diesem Aspekt konnte man sie Beide nebeneinander stellen und bekam das gleiche Bild, die gleiche Geschichte.
      Ember ließ einen Moment der Stille einkehren während sich der Rogue nachschenkte und sie selbst noch immer an ihrem zweiten Glas nippte. Realistisch betrachtet sollte sie für diesen Mann innerhalb dieser kurzen Zeit keine große Sympathie entwickeln. Aber wie konnte man es nicht, wenn sie manchmal den Eindruck hatte in einen Spiegel zu sehen?
      "Weißt du, was richtig belastend bei deinem Wunsch aus meiner Sichtweise ist?", fragte Ember leise und ließ damit erste Mal wirklich einen Einblick darüber zu, was sie wirklich an der Magie störte. "Für uns ist es wirklich das Ende, wenn jemand stirbt. Wir müssen es akzeptieren, es gibt keinen anderen Weg. Aber ihr, ihr habt zumindest eine kleine Hoffnung, das Unmögliche möglich zu machen. Auch wenn man es vielleicht nicht sollte. Wäre ich an deiner Stelle würde ich genau das Gleiche tun."
      Früher hätte Ember alles in die Wege geleitet, um Emily zurückzuholen. Dem kleinen Mädchen das Leben zurückzugeben, dass ihr eigentlich noch bevorstand. Wohl oder übel hatte sich die Frau damit abfinden müssen, dass sie es nie wahr werden lassen konnte. Trotzdem... ständig waberte in ihren Gedanken, dass sie als Magische vielleicht doch einen Weg hätte finden können. Und dieser Gedanke war es, der sie im Kern die Magie verurteilen ließ.
      Bei diesen Gedanken nahm auch Ember einen ordentlichen Schluck ehe sie das Glas zur Seite stellte und August musterte. Dann streckte sie die freie Hand nach ihm aus und zupfte an einer seiner grauen Strähnen.
      "Willst du mir damit sagen, du fühlst nichts wenn du mich ansiehst? Gar nichts? Egal was?", fragte Ember ohne tiefere Hintergedanken. "Wenn ich mir 'n Wunsch erfüllen könnte, dann dass ich nicht mehr für so hart kämpfen muss, das ich haben will."
      Ein Wunsch, der sich kaleidoskopartig aufzufächern begann. Innerhalb eines Satzes konnte sie nicht beschreiben, was sie sich eigentlich genau wünschte. Es waren zu viele Aspekte, die sie in diesen Satz versuchte, unterzubringen. Sie hatte es satt, sich ständig vor anderen beweisen zu müssen. Immer wieder ihre eigene Unfähigkeit vorgeführt zu bekommen. Unfähig zu sein, jemanden zu vertrauen und soweit an sich heranzulassen wie niemanden zuvor.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • August kicherte, nachdem sie geendet hatte und lehnte sich wieder auf das Sofa zurück, da ihm leicht schwindelte.
      "Du hast einem magischen Konstrukt ein Auge ausgeschossen...", resümierte er. "Einem Konstrukt, dass acht Augen besitzt, sich schneller bewegt als so manches Tier und zudem noch ein angsterfüllender Alptraum war. Und das, meine Liebe, ist eine bestechende Leistung, zu der ich nur applaudieren kann..."
      Gut, er hätte das Wesen vermutlich in zwei Teile gerissen, aber das konnte er ihr selbst im besoffenen Kopf nicht antun. Sie wirkte verloren, wenn er sich das recht betrachtete. Und ihre Leidensgeschichten wiesen nicht abweisbare Parallelen auf. er sah dasselbe Leid, dieselbe Schuld, dieselben Masken in ihren Augen wie er in seinen sah. Das Gebrochene, das wieder zusammengesezt worden war. Feinsäuberlich und mit Rissen an den Kanten. Aber dennoch nur teilweise intakt.
      Am liebsten hätte er nach ihr gegriffen, weil sein Körper es ihm regelrecht befahl,a ber was sollte er machen. Seine Hände fühlten sich an wie Bleigewichte.
      "Groß also...", murmelte er und lachte kurz auf. "Es hat nichts damit zu tun, dass du mich aus dem KNast geholt hast. Dafür verkaufe ich nicht meinen Körper, ich bin doch keine Hu- Halt. Ich bin doch eine Hure. Aber nur wenn es um Magie geht. Nein, es war etwas anderes...Du bist wie ich...Ich sehe dasselbe Sehnen in deinen Augen, das selbe Verlorensein."
      Als sie über Magie sprach richtete er sich wieder zu ihr hin und stüttze sich wieder auf seine Knie auf und sah sie an. Und auch wenn sie sich irrte, mochte er die Ehrlichkeit, die sie gerade ihre Fassade sprengen ließ.
      "Magie...", begann er und seufzte, während er einen Schluck asu dem Glas trank. "Magie ist nicht allmächtig...Tote wiederzubeleben ist nicht möglich. Die Zeit zurückzudrehen ist nicht möglich. Und Unmögliches zu shaffen, ist auch nicht möglich. Wir haben Grenzen, auch wenn diese weiter von euren weg sind, als ihr glaubt. Aber selbst Arcana können keine Götter sein..."
      Zumindest nicht auf legalem Wege, fügte er finster hinzu.
      Als sie seine Haare anfasste, wirkte Foremar für einen Moment verstört, aber ließ die Berührung zu. Es fühlte sich merkwürdig an, eine fremde Hand in seinen Haaren zu spüren und dennoch gab es ihm eine wohlige Wärme. Und wie ein Junge, der ein scheues Tier beobachtete, beschloss er, gar nichts zu tun, damit es anhalten möge. Wie lange war ihm kein körperlicher Kontakt zu einem Menschen erlaubt gewesen? Er konnte die Jahre nicht mehr zählen..
      "Ist'n großer Wunsch", murmelte er mit tiefer, heiser Stimme. "Nicht mehr so hart zu kämpfen, für das was du haben willst. Nichts, was du haben willst, fällt dir in den Schoß, Ember Sallow. Für alles wirst du kämpfen müssen, aber eine Sache kann ich dir aus Erfahrung sagen: Du kannst mehr als du glaubst. Du bist mehr als du glaubst. UNd manchmal muss man seine Zurückhaltung diesbezüglich aufgeben und die Menschen um einen herum simpel und ergreifend daran erinnern...Hab ich auch gemacht...Habe bei einer Inauguration in die Arcana mich mit einem der Größten dort angelegt. UNd habe ihn in seine Schranken verwiesen. Seitdem war ich akzeptiert... Es ist wie -"
      Er hatte nicht gemerkt, wie er seinen Kopf immer näher zu ihr geschoben hatte, damit sie es leichter hatte, ihn zu berühren. Es war beinahe mechanisch.
      "Wie Tiere...", murmelte er und sah sie an. "Und ich empfinde...Ich weiß nicht, was ich empfinde..."
      Gar nichts stimmte nicht. Aber was war es?

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Ein dezentes Lächel umspielte Embers Lippen. Vermutlich lag es an seinem vernebelten Geisteszustand, aber jetzt gerade war es leicht, August ein wenig zu lenken. Der Fakt, dass er keinen Namen für das besaß, was er empfand, war besser als gar nichts. Sogleich ließ sie von seiner Haarsträhne ab wobei ihre Hand auf ihrem Rückzug seine Wange streifte.
      "Na bitte. Nicht wissen, was es ist ist immer noch besser als gar nichts fühlen", merkte die Detective, griff zur Seite nach ihrem Glas und nahm einen Schluck, der eine Spur zu hektisch aussah.
      Dann bedachte sie den Rogue, der sich ihr unterbewusst ein wenig angenähert hatte, mit einem nachdenklichen Blick.
      "Wenn du so reagierst, wenn ich nur deine Haare anfasse, wie willst du morgen bitte im Freudenhaus absteigen?"
      Ember war sich nicht sicher, wo dieser Mann die Grenze zog. Stellte er sich bei ihr nur so an eben weil er nicht wusste, wie er seine Empfindungen benennen sollte oder war es ein generelles Ding? Sollte der 'Termin' morgen dafür sorgen, dass er eben nicht mehr diese Reaktion zeigte, wenn man ihn berührte?
      "Vorhin hattest du kein Problem damit, als du mich aus dem Keller gezogen hast", stellte sie fest, leerte ihr Glas in einem weiteren Zug und stellte es beiseite. Das Brennen in ihrer Kehle trieb ihr die Tränen in die Augen. Mehr als das war definitiv nicht drin.
      "Pass auf. Ich hab' dir gesagt, dass du mich über dich urteilen lassen sollst. Kann natürlich nur über das urteilen, was du mir erzählt hast", sie zuckte ein wenig mit den Schultern weil sie wusste, dass er ihr unglaublich viel noch nicht erzählt hatte, "aber so wie ich das sehe gehst du an diesem Schmerz zugrunde."
      Ember lehnte sich vor, um August mit dem Zeigefinger leicht an die Brust zu tippen. Bei der Bewegung kam sie ihm so nah, dass sie den Met in seinem Atem riechen konnte. Sie sprach erst weiter, als sie sich wieder zurückgelehnt hatte.
      "In diesen paar Tagen hab' ich mehr über dich erfahren als dir vermutlich lieb ist. Nicht ein einziges Mal hab' ich dich seitdem verteufelt, oder? Schenk' mir ein bisschen deines Vertrauens und schau, was passiert. Was hast du noch zu verlieren?"
      Unter normales Umständen hätte Ember nun laut gelacht. Dass gerade sie über Vertrauen sprach war das Sahnehäubchen auf dem Törtchen. Die Kirsche war lediglich die Tatsache, dass sie ihm ihres bereits zu einem gewissen Teil zukommen ließ. Sonst wäre sie niemals mit Sorge um ihn als Person in den Koffer zu ihm hinabgestiegen.
      Oder ertränkte mit ihm die gemeinsamen Sorgen.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"