[2er RPG] Dusk & Dawn [Asuna & Nico]

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    • Der Raum, den Ember abging, schien sich in seiner Stimmung zu verändern. Ein kleiner Luftzug kam auf und legte sich genauso schnell wieder. Als würde eine Tür geöffnet und wieder geschlossen, drang ein grobes Klopfen an die Oberfläche des Hörens und nahm kurz den Koffer ein. Kurz danach erfolgte wieder eine beinahe gespenstische Ruhe. Nur die Schritte des Arcana in der oberen Etage waren hörbar, wie er auf und gab ging und scheinbar mit sich selbst sprach.
      Doch dann erhob sich eine Stimme, hörbar für alle die, die hören wollten, so erschien es. Beinahe so, als würde der Spiegel zum Leben erwachen, warf er Wellen wie ein See, in den man einen Stein geschmissen hatte und eine flüsternde Kreischstimme hallte in Embers Ohren (oder vielleicht ihrem Kopf) wider:
      "Ich weiß, wenn ich geh, wird die volle Wahrheit mit mir sterben,
      sodann wird ihr ganzes Sein nicht mehr als ein lügend Werben?
      Wenn sich gar niemand ihrer Geschichte erinnert?
      Wenn niemand die traurig' Sage erzählt? Niemand, der am Leide zehrt?

      Stellt euch nun vor: eine Nacht, stygisch schwarz, während ihr wohlig und warm,
      Imaginiert den Sturm , der heulend und unausweichlich daher kam,
      und wenn ihr nun bereit seid und ich besitz' euer vollstes Ohr
      werd ich erzählen die Geschicht' des Hauses Foremar von Bamburgh's Shore.

      Wo eine Familie lebte - doch was merkwürdig war
      war nicht das Leben, sondern das Verschwinden immerdar
      Nicht eine Seel' war zu finden, von der Halle bis zur kleinsten Kammer,
      das große Haus Foremar stand von da ab stand leer, ohne Jammer...

      Sie lebten in einem Haus, gebaut aus Traum und gebranntem Stein,
      von sich selbst gar freilich eingenommen,
      gaben guten Freunden ein Heim und einigen finster'n Gestalten,
      Sirenen lauerten, kann es sein, dass die Schreie nicht verhallten?

      Kümmerten sie sich je um andere als sich selbst?
      Warum sollte man sich also um sie scheren, mein Kind
      Leere Räume, nicht viel Hinterlassen auf alten Regalen,
      sie endeten im Rauch, aber Wahrheit flüstert nur der Wind.

      Aber sie sind alle bereits lange fort...
      Ein Rätsel, was mit ihnen geschah,
      Heut' weiß kaum Jemand mehr, dass sie hier lebten,
      noch warum sie im Rauch verschwanden,
      Sie sind alle bereits lange fort...

      Vielleicht lebten zu viele Monster unter der Stiege,
      man weiß nicht, wurden sie ausgesetzt oder gebannt?
      Sahen das Jüngste Fremdaugen, als es lag in der Wiege?
      Waren sie begeistert als sie verschwand?

      Niemand weiß, ob verwirrt oder geführt,
      Staubig' Kammern, keine Diener zum Verräumen
      Weinten sie, oder gingen sie fort ohen Reu'
      Kein Lebwohl, kein Reden oder Debatten...

      Hach...Sie sind alle bereits lange fort..."

      Es dauerte einen kurzen Moment, da die Spiegelwellen sich wieder zu glätten vermochten und die Stimme in irhem Kopf verhallte. Für einen Moment wehte noch ein zarter Wind, der leicht nach Apfelbäumen und Zimt roch durch den Raum, ehe sich August am Fuß der Treppe räusperte.
      "Wie ich sehe, hast du Gefallen am Flüsterspiegel gefunden" sagte er.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Mit einer Hand rieb sich Ember ihre Schläfe, als sie einen Blick über ihre Schulter zu August warf. Noch immer war sie wahrlich kein Fan von körperlosen Stimmen in ihrem Kopf. Dann glitt ihr Blick zurück zum Spiegel, der Geruch von Zimt und Apfel lungerte noch immer in ihrer Nase.
      "Du hast mal erwähnt gehabt, dass du erst in die Stadt gegangen bist nachdem deine Mutter gestorben war. Vom Rest deiner Familie weiß ich gar nichts. So wie es klingt, sind alle deine Verwandten einfach... verschwunden?"
      Im Vorfeld hatte sich Ember natürlich informiert. Aber alles, was sie an Informationen bekam, war die Bestätigung, dass das Haus der Foremars existierte und mehr nicht. Es gab keine Aufzeichnungen zu der Familie per se, was unterstreichen mochte, wenn sie alle auf mysteriöse Art und Weise verschwunden waren. Aber an den Küsten wuchsen keine Apfelbäume.
      "Wenn ich so recht überlege wissen wir nicht einmal, ob du Geschwister hast. Aber gut, wenn niemand mehr da ist, bedarf es auch keiner Auflistung. Du solltest so ein Objekt nicht einfach offen stehen lassen, wenn es von sich aus private Dinge von dir erzählt." Kurz zuckten ihre Finger, so als wolle sie die glatte Oberfläche doch einmal anfassen. "Aber warum Apfel und Zimt?"
      Schlussendlich löste die Detective ihren Blick vom Spiegel, wandte sich August zu und kam gemächlich zu ihm hinüber. Als sie nur noch ein paar Meter von ihm entfernt stand, stutzte sie. Seine Augen waren leicht gerötet, eindeutige Spuren zogen sich über seine Wangen. Obzwar man es nicht in seiner Stimme gehört hatte - sein Gesicht sprach andere Bände.
      "Ulysses hat Recht gehabt. Hätte nicht gedacht, dass du dein Spiel auch noch besingst. Hab da oben zwar nicht so viel von gehört, aber es war eindrucksvoll."
      Sie benutzte gezielt keine Worte wie schön, toll oder zauberhaft. Das Wenige an Text, das sie verstehen konnte, war alles andere als schön von der Bedeutung her gewesen. Zusammen mit dem Anblick, den er ihr gerade bot, waren etliche Worte als Beschreibung nicht angebracht. Ein Blick hatte genügt um zu verstehen, dass eine Tragik hinter dem Lied steckte, die sie nicht ganz greifen konnte. Dass es aber mit den Personen zusammenhängen musste, die er auf seinen Rippen trug, war unumstößlich.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Es brauchte eine kleine Weile, bis er die Treppen ins Foyer hinab geklommen war und lächelte schief, als er auf sie zukam. Es wäre vermessen gewesen, die Tränen fortzuwischen. Es war keine Schwäche zu weinen und zu trauern. Wenn er ehrlich war, hatte er sich nie verboten, nur lange nicht mehr gemacht.
      "Ein schwacher VErsuch der Wiederaufstehung einer Freundin", beschrieb er sein Spiel und trat an ihre Seite, die Hände in den Hosentaschen der neuen Hosen vergraben. Sein Haar hatte er etwas nach hinten gelegt, sodass nur wenige störrische Strähnen den Weg in sein Gesicht fanden, das wieder eine Brille zur Verzierung trug.
      "Ich sehe zumindest, dass Neugierde offenbar nicht die KAtze tötet", bemerkte er und grinste weiter schief, während er in den Spiegel sah. "Nun...Faktisch gesehen ist der Flüsterspiegel auch kein Objekt, das Geheimnisse über mich ausplaudert. Es ist vielmehr so, dass er einem Informationen einflüstert, bei denen er vermutete, dass der Hineinschauende sie braucht oder besonders haben will. Bei mir würde er einiges anderes zu erzählen wissen."
      Auf die Informationen der jungen Polizistin hin musste er ein wenig kichern, während er den Spiegel mit einer Decke verhing, die auf einem benachbarten Stuhl lag. Es gestaltete sich als nicht gerade einfach, aber es gelang ihm schlussendlich.
      Foremar blickte um den Spiegel herum, als wollte er sich verstecken. Und wenn er ehrlich war, wollte er das auch.
      "Nun, ihr wisst nichts, weil ich es so wollte", lächelte er. "Es macht keinen Sinn, einer VErgangenheit hinterher zu trauern. Ich hatte GEschwister, ja. Aber zu mehr dieser Dinge möchte ich nichts sagen. Zumal der Spiegel nun schon genug Gerüchte und Vermutungen in die Welt hinaus gepustet hat. Außerdem: Informationen gibt es nur gegen Gegeninformationen"
      Das Zwinkern, das er ihr zuwarf, ging schon beinahe über normales Flirten hinaus. Es lag eine intensive Hitze darin, obgleich August selvst nicht wusste, weshalb.
      "Wie war das mit dem Schlafzimmer, das immer abgesperrt ist, der kargen Wohnung und dem Waschzwang nach einem kleinen, schweinischen Ausbluten?"
      Er zog es ins Lächerliche, sicherlich. Aber gleichsam waren es ebenfalls Fragen, die ihn faszinierten.
      "Ich glaube, wir sind uns nicht unähnlich, Detective. Zumindest, was das angeht..."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • "Ich muss ehrlich gestehen, dass ich so ein Teil sehr gerne in meinem Büro auf der Arbeit stehen hätte", merkte Ember an und beobachtete August dabei, wie er den Spiegel mit ein wenig Mühe wieder verhang.
      Sie hatte nicht infrage gestellt, ob alles, was der Spiegel preisgab, wirklich der Wahrheit entsprach. Die Reaktion des Rogues bedeutete ihr allerdings, dass diese Annahme korrekt gewesen war. Innerhalb dieser kurzen Zeit, in der sich die Beiden kannten, hatte sie vermutlich mehr über den so verschrieenen Mann erfahren als viele andere zuvor. Ob es gefährliches Halbwissen war, konnte sie zu diesem Zeitpunkt nicht einschätzen.
      Ember machte sich nicht die Mühe, das angedeutete Lächeln auf ihren eigenen Lippen zu verstecken. Natürlich gab es nur Informationen im Austausch gegen andere. So lief es in ihrer Welt ab, so lief es bisher zwischen ihnen beiden ab. Wieso eine altbewährte Formel umschreiben, wenn man bislang sehr gut damit fuhr? Allerdings wurde ihr Lächeln etwas... steif, als August ihr zuzwinkerte. Ihre gerade noch geordneten Gedanken stolperten leicht während sie versuchte, diese Mimik einzuordnen. Mittlerweile war sie eigentlich auf seine kleine Sticheleien eingespielt, aber das gerade ging darüber hinaus.
      "Ist es immer abgesperrt?", entgegnete die Detective leicht provokant und verschränkte als sichtbare Untermalung die Arme vor ihrer Brust. "Das war es zuletzt, als du es gesehen hattest. Seitdem ist es das nicht mehr. Wenn du da wirklich rein wollen würdest, gäbe es kein Schloss der Welt, das dich davon abhalten kann." Sie zuckte leicht mit den Schultern. "Warum also die Mühe machen? Außerdem reizt dich nur das Unbekannte daran. Sobald du den Grund erfährst, ist das Zimmer so langweilig wie ein Besuch bei IKEA."
      Wenn man die Einrichtung ihrer Wohnung betrachtete verstand man schnell, dass Ember nicht viel für Möbelhäuser generell übrig hatte. Wieso gingen Leute da so furchtbar gerne einkaufen und durch fest eingerichtete Miniräumchen, um sich dann doch für was ganz anderes zusammen gewürfeltes zu entscheiden?
      Langsam wurde Embers Miene wieder weicher. Wenn auch nur ein kleines bisschen. "Wären wir uns nicht ein wenig ähnlich, dann wären wir uns vermutlich schon an die Gurgel gegangen, fürchte ich. Du entwickelst einen Zauber gegen gewisse Dinge, ich versuch' sie mir von den Händen zu waschen. Du hast diesen Koffer, wo du deine Erinnerungen verstaust", sie machte eine Pause, ihr Blick ging kurz zur Decke, "und ich habe mein Schlafzimmer."

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Mit einem kurzen Wink seiner Hand und dem wiederum minimal aufflammenden Siegel an seinem Handgelenk erschienen aus dem Nichts zwei Stühle und ein Tisch.
      Dieser Zauber unterschied sich von den anderen Dimensionszaubern. Hatte er vormals wie ins Nichts gegriffen und Dinge hervorgeholt, so setzten sich jetzt jedoch die Stühle zusammen. Als würde der Staub der Umgebung sich zu neuem zusammensetzen, weil August es befahl.
      Während der Rogue sich schweigend setzte und eine erneute Drehung und Wendung mit seinen Fingern und der ganzen hand machte, diffundierte aus dem Nichts heraus eine Kanne und zwei Tassen von altem Schlag. Es sah aus wie ein Landhausgedeck, dass er scih regelrecht aus den Fingern zog.
      "Setz dich", murmelte er und begann, die Flüssigkeit in die Tassen zu füllen.
      Zum allgemeinen Erstuanen, wie er vermutete, war die Flüssigkeit blutrot und zäh.
      "Karmesinrosentee", erklärte August. "Da ich Alkohol regelrecht zum Kotzen finde und der Tee eine ähnlich starke Wirkung wie drei Gläser Whisky hat, denke ich, sind wir damit gut beraten, nicht wahr?"
      Er nahm einen klienen Schluck davon und leckte sich die Lippen.
      "Also ich entnehme deinen Worten, dass dein Schlafzimmer dein Erinnerungszimmer ist", stellte er fest. Nun, das war nicht wirklich verwunderlich, wenn man die Möglichkeiten der Wohnugn bedachte. Irgendwo musste sich ein Mensch erinnern. "Und es ist nicht mehr abgeschlossen, soso..."
      Seine Stimme nahm erneut diesen Unterton an. Oberflächlich wirkte es so, als nähme er es flirtend zur Kenntnis, dass eine schöne Frau ihm gerade ihr Schlafgemach angeboten. Sublimer jedoch war die Tatsache, dass sich eine sengende Hitze hinter diesen Worten verbarg. Und der Teufel wusste warum.
      "ICh weiß nicht, ob es langweilig werden würde", sagte er schließlich. "Aber fair ist fair: Du gabst mir eine Information, ich gebe dir eine. Ich habe Geschwister. Hatte. Einen Bruder und eine Schwester. Sie beide waren jünger als ich und so viel begabter und besser. Und die zweite Information für deine ist: Der Flüsterspiegel spricht nicht alles wahr, aber der Grundsatz der Geschichte stimmt. Meine Familie verschwand. Punktum."

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    • Vermutlich würde die Art, wie August mühelos Dinge im Raum erscheinen ließ, nie langweilig werden. Jedoch entging es Embers findigen Blick nicht, dass die Art, wie sie erscheinen nun eine gänzliche andere war. Höchstwahrscheinlich würde sie sich nie an den Anblick gewöhnen, wie selbstverständlich es für den Zauberer war.
      Sie folgte seinen Worten nicht umgehend. Vielmehr beobachtete sie, wie er eine ihr unbekannte Flüssigkeit in einer sehr fragwürdigen Farbe und Konsistenz in die Tassen füllte. Zu gern hätte sie geleugnet, dass sich ihr Magen zu verkrampfen drohte. Beide Eigenschaften der Flüssigkeit riefen Erinnerungen in ihr hervor, erweckten das Gefühl zum Leben, wie warm sich ihre Hände angefühlt hatten und die Wärme in der kalten Luft zu Wölkchen kondensierte.
      Schon im nächsten Augenblick fand sich Ember auf dem Stuhl August gegenüber wieder. Ihre Hände lagen auf dem kleinen Tisch und sie musste sich überzeugen, dass das Gefühl unter ihren Fingern tatsächlich von echtem Holz herrührte. Ihr Augen verweilten einen Moment auf dem Inhalt ihrer Tasse, dann schlug sie ihren Blick hinüber zu August, der sich gerade noch die Lippen ableckte.
      Nein, sie würde sicherlich nichts von dem "Tee" trinken.
      Wieder fröstelte Ember, als sie diesen Unterton in seiner Stimme wahrnahm. "Jeder Mensch braucht einen Ort für seine Erinnerungen. Alles ständig im Kopf zu behalten macht den Geist träge."
      Eine simple Bemerkung, der sie erst viel zu spät wirklich Glauben geschenkt hatte. Als man ihr damals in der Therapie dazu riet, den Gedanken eine physische Form zu verleihen, um sie nicht als ständigen Begleiter mit sich herum zu tragen, hatte sie es als lächerlich abgetan. Immerhin hatte sie sich geweigert, Nolands Dienste in Anspruch zu nehmen. Am Ende war sie dankbar für den Tipp gewesen und schätzte es, sich in Erinnerungen verlieren zu können, wann sie es wollte und nicht, wann immer ihr Geist schwach wurde.
      "Und diese Informationen hättest du mir nicht einfach so erzählen können wenn wir irgendwo auf dem Weg hin sind?", fragte Ember völlig unbehelligt nach. "Ich gestehe, es ist ein bisschen atmosphärischer hier unten als in meinem klinischen Wohnzimmer. Aber dafür extra Stühle, Tisch und... Tee beschwören?"
      Noch immer hatte sie keinerlei Anstalten gemacht, die Tasse zu berühren. Das Rot schimmerte am Rande ihres Sichtfeldes wie ein roter Signalknopf, ihre Gedanken drehten sich konsequent um die Frage, ob August absichtlich diese Flüssigkeit gewählt hatte und sie absichtlich triezte. Gepaart mit dem Unterton, den er immer wieder anschlug, war sich die Detective nicht mehr ganz sicher, was er Zauberer hier gerade bezwecken mochte. Für ihren Geschmack hegte er ein Interesse in etwas, was sie nicht unbedingt wahrhaben mochte. Sie war zu geübt darin, die versteckten Botschaften aus Worten herauszuhören als dass sie hätte überhören können, dass in dem offensichtlich Gesagtem mehr steckte.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • August nippte weiter an seinem Tee, während er die berauschende Wirkung des Getränks genoss. Und auch wenn er Alkohol wirklich nicht zu seinen Lieblingsgetränken zählte, musste er zugeben, dass es eine Art Hassliebe verblieben war.
      schweigend stellte er die Tasse klickend auf einen passenden Unterteller und lächelte sie an, ehe er seine Beine überschlug und die Hände auf den Tisch legte, sodass er sich leicht über ihn beugte.
      "Das Holz ist echt, falls du dich fragst", murmelte er und grinste. "Davon abgesehen: Ja, ich hätte dir all diese Informationen auch auf einem Weg erzählen können. Oder in einem Cafe, einem Hotelzimmer, auf der Straße oder im Knast. Aber zum einen ist mir so wohler und zum anderen wäre das stilllos. Und hier unten kann man sich gut unterhalten. Ohne Störungen von Außen."
      Er blickte einmal in dem Raum umher, wie um sich slebst zu beweisen, dass keinerlei Störungen hier zu finden waren. Wie auch? Das Gebäude war leer. Bis auf ihn und Ulysses gab es keine Bewohner hier.
      Auf die Beschwörungen angemerkt, sagte er hingegen nichts. Sicherlich war es nicht einfach, derartiges aus dem Nichts zu holen, aber wenn man wusste, wie es geht, war es eigentlich recht einfach. Eigentlich.
      August nahm einen erneuten Schluck vom Tee und betrachtete Ember mit schiefgelegtem Kopf. Das Lächeln war beinahe völlig aus seinem Gesicht verschwunden und er sah sie mit durchdringenden Augen an.
      "Wie lange schon hast du Angst vor Blut?", fragte er und wies mit dem Kinn auf den abkühlenden Tee. "Es ähnelt Blut, nicht wahr? Konsistenz und Farbe sind gleich. Vom Geschmack darf ich behaupten, dass dieser durchaus nicht vergleichbar ist, aber mir ist eben schon aufgefallen, dass Blut zu sehen nicht zu den Stärken gehört, nicht wahr?"
      Er beugte isch auf den Tisch und stellte die Tasse ab.
      "Wen hast du verloren?"

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    • "Stillos? Ich glaube, über stillos sind wir schon längst hinweg", lächelte Ember sanft und erwiderte so Augusts Grinsen. "Aber ja, hier habe ich immerhin nicht das Gefühl, dass jemand im nächsten Augenblick durch die Tür brechen könnte oder dergleichen."
      Intuitiv folgte ihr Blick dem seinen quer durch den Raum ehe sich ihre Blicke wieder kreuzten. Als er seinen Kopf wieder leicht schieflegte, ahnte sie bereits, dass er etwas vermutete und gleich danach fragen würde, allein schon um seine Neugier zu besänftigen. Diese Annahme wurde bestätigt, als das Grinsen vollständig aus seinem Gesicht verschwand und einer Ernsthaftigkeit wich, die ihren verkrampften Magen nicht wirklich entspannen ließ.
      "Ich muss dich da korrigieren", setzte Ember schließlich an, legte die Finger ihrer rechten Hand an ihre Tasse und bewegte das Gefäß langsam, bis sich die Flüssigkeit darin kreisförmig in Bewegung setzte. "Wenn es darum ginge, dass ich kein Blut sehen kann, dann hätte ich am Tatort anders reagiert. Im Untergrund mich anders verhalten. Dann hätte ich den Flur nicht fast zwei Stunden lang geschrubbt weil eine gewisse Mrs. Jones sich über den verunstalteten Hausflur beschwert hat. Es ging vielmehr um die Parallelen."
      Und dass sie dem Tee trotzdem nicht über den Weg traute und deshalb ihn nicht berührte. Eigentlich hatte sie nur darauf gewartet, dass der Mann sie nach ihrem Verlust fragte. Ein Teil ihrer Selbst wollte es verneinen, die Schotten schließen und versiegeln, damit der Rogue nichts davon mitbekam. Auf der anderen Seite fühlte sie sich schon fast dazu verpflichtet, ihm auch ein wenig mehr mitzuteilen nach allem, was sie von ihm bereits erfahren hatte. Das, und die Frage, ob er genauso reagierte wie all die anderen Personen, denen sie fälschlicherweise davon berichtet hatte. Bis auf Tarah natürlich.
      Nachdem sie sich entschlossen hatte, brach Ember den Blickkontakt und senkte die Lider leicht. Jedes Mal, wenn Ember über sie sprach, erschien unweigerlich ein Abbild ihrer vor ihrem geistigen Auge.
      "Meine kleine Cousine Emily", antwortete sie schließlich.
      Wie aufs Stichwort erschien das süße sechsjährige Mädchen mit dem blonden Lockenschopf vor ihren Augen mit einem Lächeln, das die ganze Welt zu erobern vermochte. Die Tochter ihres Onkels Charles war der Sonnenschein der Familie gewesen bis es zur Tragödie kam.
      "Die Tochter meines Onkels. In unserem Kaff wohnen die Verwandten nicht weit auseinander, du kennst es vielleicht. Mein Onkel war eher wie ein zweiter Vater für mich und Emily eine kleine Schwester. Unfälle passieren und sie ist mir in meinen Armen verblutet."
      Da schlug Ember die Lider wieder auf und wirkte so ungerührt, als lese sie einen Bericht nüchtern vor. Aber in ihrem Inneren sah es anders aus. Sie musste sich davor bewahren, zu tief in ihren Erinnerungen abzudriften und die Bilder wie es passiert war in ihren Verstand zu holen. Als Reaktion griff sie zur Tasse, ignorierte den nur noch lauwarmen Temperaturgrad des Tees und nahm einen Schluck davon, nur um danach kurz die Mimik zu verziehen und die Tasse wieder abzustellen.
      Japp. Mehr als eine Tasse sollte sie davon besser nicht trinken.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • August sah sie von der Seite an und hörte aufmerksam zu, während er sich eine zweite Tasse eingoss. Der Tee schmeckte süß, beinahe perfekt, wenn er es genau nahm. Aber er hatte auch eine Schwäche für süße Dinge.
      Foremar sah ihr zu, wie sie erzählte und nippte hin und wieder an seinem Drink, der mit der Zeit immer schmackhafter wurde. Er musste aufpassen, dem Gesöff nicht ganz zu verfallen.
      Am Ende ihrer Erzählung lachte er leise, als sie den Mund verzog und prostete ihr zu.
      "Nicht so dein Ding, nicht wahr?", fragte er und trank einen großen Schluck. "Ich mag süße Dinge. Abgesehen von den Endorphinen, die freigesetzt werden, gibt es nichts himmlischeres."
      Anschließend wurde der Rogue wieder ernst als er seine Tasse abstellte.
      "Das klingt schrecklich", murmelte er. "Mein herzliches BEileid, wenn auch verspätet. Gibst du dir die Schuld?"
      Er hatte sich vor geraumer Zeit angewohnt, Fragen lieber direkt zu stellen, anstatt darum herum zu reden. Es hatte keinen Sinn, einem Menschen Honig ums Maul zu schmieren, nur weil man selbst nicht in der Lage, diese Dinge zu akzeptieren. Niemand wusste besser als der Zauberer, dass Tod und Verlust zum Leben hinzugehörten. Auch wenn man es gerne ignorierte.
      "Als ich Menschen verlor, die ich liebte, waren meine Erzählungen genau wie deine. Stoisch, kalt und sachlich. Als redete ich über die neuesten Artikel eines einträglichen Möbelherstellers. Und da ich denselben Blick bei dir bemerke - und verzeih mir die Impertinenz - möchte ich beinahe behaupten, dass du etwas versuchst, von dir zu halten. Als würdest du versuchen, eine Welle mit einem Mülltonnendeckel abzuwehren, nicht wahr?"
      "Wie war das Verhältnis mit deiner Familie nach dem schrecklichen Unfall?"
      Die letzte Frage fiel selbst ihm schwer. Da fragte der Mann, der keine Familie hatte und keine Freunde nach Familie und Freunden seiner Gesprächspartnerin. Oh, du süße Ironie.

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    • "Nein, ich gebe mir keine Schuld", kam so schnell ihrerseits, dass jeglicher Zweifel vom Tisch gefegt wurde. "Ich bin nicht schuld an dem Unfall und auch nicht, dass sie gestorben ist. Es dauerte nur Minuten, dann war sie schon eingeschlafen. Jeder Notarzt war zu spät."
      Das Problem war ein anderes. Und das war es, was sie so innig von sich zu weisen versuchte. Vage erinnerte sie die Situation an jene vor etlichen Jahren, als sie nach dem Zwischenfall beim Therapeuten saß. Zwar hatte Ember keinen Tee und einen Arcana vor sich gehabt, aber die Art der Fragestellung war ähnlich. Nur die Art, wie sie darauf antwortete, unterschied sich drastisch zu ihrem Selbst von damals. Denn ein Unfall war es keineswegs im üblichen Sinne gewesen.
      "Unser Verhältnis? Fast unverändert wenn man außen vor lässt, dass die Trauer und der Schmerz allgegenwärtig war. Mein Onkel hat mir nie die Schuld gegeben, dafür war jemand anderes da. Aber er hat alles aus seinem Haus gerissen, das ihn an seine Tochter erinnerte. Ich konnte sein Haus eine Ewigkeit nicht betreten und als ich dachte, ich könnte es, hatten wir schon den nächsten Sterbefall."
      Ember zuckte mit den Schultern. Ja, sie agierte genau so, wie August es beschrieb. Aber mit jedem Wort, das sie verlor, geriet ihr sorgsames Gleichgewicht weiter ins Schwanken. Sie wies die Erinnerungen von sich, um nicht von alten Lasten überrollt zu werden. Ihren Job neutral machen zu können, war ihr wichtiger als vieles andere. Doch ihr Magen war mittlerweile auf die Größe eines Tennisballs zusammengeschrumpft und sie sperrte sich davor, auch nur einen weiteren Schluck des Tees zu nehmen. Nur zu gut kannte sie die Anzeichen, bevor eine Angstattacke ausbrach und die Signale erkannte ihre Geist sofort.
      "Deswegen bin ich raus aus meinem Kaff gezogen. Ich konnte nicht ertragen, wie meine Eltern und mein Bruder so taten, als sei nichts gewesen. Verdrängten, dass das leerstehende Haus in unserer Nachbarschaft einst zu unserer Familie gehörte. Die Blicke der Nachbarn, die Worte, wie sie sich die Münder darüber zerrissen wer als nächstes dahingerafft werden würde. Das war alles zu viel. Ich musste da weg."
      Die einzige Person, die diese Formulierung so gehört hatte, war Tarah gewesen in einer Nacht, wo Ember einen ihrer schwersten Rückfälle erlitten hatte. Ihre Freundin hatte sie die ganze Nacht über im Restaurant behalten in der Sorge, dass die damals junge Polizistin sonst zu dummen Taten gegriffen haben könnte.
      Als sich Embers Blick wieder auf August fokussierte, wirkten ihre Augen wie aus Glas. Durscheinend und kalt, aber zeitgleich genauso zerbrechlich. Ein fragiles Konstrukt, das sich allzu leicht mit den richtigen Mitteln brechen ließ und trotzdem den Anschein wahrte, es sei alles in Ordnung.
      "Wie du siehst, mache ich nicht ein allzu großes Geheimnis daraus. Nur so weit, wie es für mich erträglich ist. Es ist nichts, was tausende andere Menschen nicht tagtäglich erleben. Es ist nicht fair anzunehmen, dass es jemanden schlimmer getroffen hat als einen anderen. Schmerz ist subjektiv und für jeden anders schlimm. Deswegen sehe ich auch in dir nicht den Mörder, wie es die Medien gerne darstellen. Ich verurteile dich nicht für das, was du getan hast. Du hast deine Gründe dafür. Ich verurteile nicht denjenigen, der Emily umgebracht hat. Ich...."
      Ember seufzte und brach ihren Satz ab. Sie konnte den letzten Teil ihrer Gedanken dazu nicht aussprechen. Denn wenn sie es tat, dann legte sie offen, was das Kernproblem war und vielleicht sogar noch lächerlicher war als alles andere, was sie bisher erzählt hatte. Es schnürrte ihr die Kehle zu, sorgte dafür, dass sie nicht mehr richtig Luft bekam und führte ihr vor Augen, dass sie bereits empfindlich aus dem Gleichgewicht geraten war und schleunigst zusehen musste, ihre Balance wiederzufinden.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • August sah sie aufmerksam an und vergaß sogar, an seinem Tee zu nippen, der kalt werdend vor ihm auf dem kleinen Tisch stand. In seinen Augen stand dasselbe wie in Embers: Gleichmut und gleichermaßen keine Verurteilung für irgendwelche Entscheidungen die sie auf dem Lebensweg getroffen haben musste. August wusste selbst am besten, wie es war, falsche Entschiedungen zu treffen und manche auf dem Weg zurückzulassen. AUch wenn er es gerne ändern würde.
      "Ich verstehe nur eines nicht", sagte er, nachdem sie den letzten Teil preisgegeben hatte und sich ihre Aura merklich veränderte. Etwas stimmte nicht, sie verlor die Komposition, als brächte etwas sie durcheinander. "Wenn es ein Unfall war, ein schrecklicher, zugegeben, aber kein Groll, kein Hass oder keine Missgunst in deiner Familie aufgrund dessen herrschte...Warum hast du dieses Trauma entwickelt?"
      Er legte erneut den Kopf schief und verschränkte die Arme vor der Brust. Eine Stimme in seinem Kopf flüsterte ihm zu, dass er gerade gut von sich reden mochte. Niemand hatte seither den Keller betreten und er hielt ihn schlimmer vercshlossen als Fort Knox.
      "Und wieso reagierte Niemand in dem angemessenen Maße darauf? Ich meine...Eine Nichte, eine Cousine oder Mitbewohnerin stirbt. Und man zerreißt sich das Maul? Man ignoriert es? Ich meine, versteh mich nicht falsch: Ich bin selbst kein Experte in Fragen der Trauer, aber ich denke doch, es sollte anders sein, oder nicht?"
      Er kämpfte den Drang nieder, ihre Hand zu ergreifen und ihr Trost zu spenden, nachdem er in ihre Glasaugen sah. Aber trotz und deshalb war August Foremar nicht in der Lage dazu. Er kannte diese Augen. Er hatte sie bei Thomas und bei Rem gesehen, als die ersten Versuche missglückten.
      "Davon abgesehen...Überschätze mich bitte nicht", sagte er noch und grinste geheimnisvoll. "Ich bin ein Mörder und ich habe alle diese Menschen getötet. UNd ich hatte keinen Grund dazu."

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    • Ember schloss die Augen. Vielleicht für fünf, sechs Herzschläge lang. Diese Zeitspanne reichte der Frau, um zumindest das Gleichgewicht auf dem Hochseil wiederzufinden, auf dem sie sich tagtäglich bewegte.
      "Die Psyche des Menschen ist vielfältig. Jede Kleinigkeit kann unter den richtigen Umständen ein Trauma hervorrufen."
      Die Detective wusste genau, was August von ihr hören wollte. Wusste genau, dass sie es nicht so einfach aussprechen würde, nicht ihm gegenüber. Langsam verloren ihre Augen die durchscheinende Glaspotik und kehrte allmählich zu dem Anblick zurück, den sie tagtäglich der Außenwelt präsentierte.
      "Man ignoriert es, wenn man nicht weiß, wie man sonst mit dem Schmerz umgehen soll. Man läuft davor weg." Das bezog sich auf ihre eigene Familie. "Unter den Umständen, wie es passiert ist, ist es ein gefundenes Fressen für die Landmenschen, um sich endlich einmal das Maul über etwas anderes zu zerreißen als dem Seitensprung des Pastors. Stell dir vor, du hast einen Polizisten inmitten des Chaos, der nichts tun konnte. Logisch, dass die Leute über diese Person herziehen. Ich sehe nicht das Gute in Menschen, ich sehe lieber, wie wenig Verwerfliches sie getan haben."
      Erst jetzt fiel ihr auf, dass August seine eigene Tasse seit geraumer Zeit nicht mehr angefasst hatte. Ein Zeichen dafür, dass er voll in der Unterhaltung involviert war und sich nicht nur einen Dreck um das scherte, was die Frau am Tisch ihm gerade alles erzählte. Es waren die letzten Sätze des Arcana, die ihr mit aller Härte vors Gesicht führten, wen sie eigentlich vor sich sitzen hatte. Am liebsten hätte sie ihm in sein grinsendes Gesicht geschlagen. Nur ihre kurz zuckenden Fingerspitzen verrieten diesen kurz aufkeimenden Drang.
      "Es gibt immer einen Grund für Dinge, die man tut. Ob sie von vorn herein offensichtlich sind oder nicht ist eine andere Frage", kommentierte sie leise die letzten Worte seinerseits in völliger Überzeugung. Nichts, was eine Person in ihrem Leben tat, war grundlos.
      "Wieso interessiert dich mein Trauma so sehr? Ich bin mir sicher, du weißt um die Wirkung deiner Worte und dass sie nicht unbedingt weiteres Vertrauen schüren. Und ich nicht mit jedem Detail hausieren gehe. Du warst derjenige der mir sagte, ich verstehe es nicht und verurteile dich genau wie alle anderen. Also hat es einen Grund gehabt. Nur siehst du ihn nicht als solches."
      Unterdessen war ihr leicht schwindelig geworden. Sie zwang sich dazu, ihren Blick auf August fokussiert zu halten, die Süße vom Tee lungerte noch immer auf der Spitze ihrer Zunge. Das ständige Wechselbad der Gefühle zehrte stärker an ihr als sie es zugegeben hätte. Was brachte es dem Zauberer, dem Trauma einer Detective auf den Grund zu gehen?

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • August Foremar besaß nicht die Gefühlswelt eines normalen Menschen.
      Zumindest dachte er so. Sicherlich empfand er Dinge, aber zumeist erschienen sie ihm hohl und farblos, als würde man Stilleben malen. Von daher wurde Ember mehr und mehr interessant, als ihre Fassade zu bröckeln begann und er für ein paar wenige Sekunde den echten Menschen unter allen professionellen Masken hervorblitzen sah.
      Traurig war nur, dass sie es recht schnell wieder schaffte, sich selbst zu stabilisieren. Auch wenn es ein komischer Gedanke war, der ihm durch den Kopf zog.
      "Das ist wahr", murmelte er. "Die Psyche eines Menschen ist vielfältig. Mal lässt sie einen Angst empfinden, mal Trauer und mal Hass auf die, die gegangen sind. Ich denke, deine Aufassung einen Menschen danach zu beurteilen wie wenig verwerfliches er oder sie getan hat, ist eine lobenswerte Eigenschaft. Du solltest sie beibehalten, auch wenn dieser Fall hier beendet ist und du vermutlich deien Welt neu ordnen musst, nachdem ich fort bin."
      Er schloss kategorisch aus, wieder nach Evenstar zu gelangen, so viel stand fest. August war sich zwar sicher, dass Ember dies wusste und bereits Pläne schmiedete, aber es würde nichts daran ändern, dass er nicht mehr in dieses Loch zurückkehrte.
      Das Zucken ihrer Hände bemerkte, beschloss aber außer einem shmalen Lächeln nichts weiter dazu zu sagen. Überzeugungen waren tauschbar und wandelbarer als Schauspieler der heutigen Zeit.
      "Trink einen Schluck", murmelte er und wies mit dem Kinn auf den Tee. "Ich will dich nicht abfüllen, aber bringt einen wieder ins Gleichgewicht. Und warum sollte mich dein Trauma nicht interessieren? Ich sah das erste Mal die ware Ember Sallow vor, auch wenn es nur für ein paar Sekunden war. Die knallharte Polizistin und die neugierige junge Frau kannte ich schon, aber die wahre Ember ist der Schatz unter der Erde, nicht wahr? Niemand zeigt je sein wahres Gesicht und letztlich ist es einfacher, es einer fremden Person zu zeigen als einem Freund oder einem Lieben Menschen."
      Er hob die Tasse an und prostete ihr zu.
      "Ich weiß sehr wohl um die Wirkung jedes meiner Worte", sagte er und lächelte. "Von daher: Ja, es gab einen Grund. Nur ist es keiner in meinen Augen und in den Augen der meisten Menschen keiner."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Abermals sprach der Arcana einen der Brennpunkte an, die seit Minute Eins ihres Aufeinandertreffens in ihrem Geist umher waberte. Je nachdem wie sich der Fall mit dem Angelus entwickelte war der Rogue vielleicht das unkonventionelle Mittel, das Ember brauchte, um endlich den Ruck zu bewirken, den sie sich wünschte. Sei der Umkreis, der dabei Wellen schlug, auch noch so klein.
      Einen flüchtigen Blick warf Ember tatsächlich auf den Tee und verwarf die Idee so schnell, wie sie gekommen war. Dass sein Ratschlag vielleicht die bessere Wahl gewesen sein mochte, kam der Detective jetzt gerade nicht in den Sinn. Einzig und allein das Gefühl des tennisballgroßen Magens war dominant in ihrer Wahrnehmung und suggerierte ihr, dass jegliche Aufnahme von Lebensmitteln kategorisch abgelehnt werden würde.
      "Jeder trägt Masken", erwiderte Ember während es in ihren Ohren klingelte. Leise, dezent wie eine kleine Warnung im Hintergrund hörte sie Geräusche aus längst vergangenen Zeiten. Das Lachen, das sie sich über Stunden hätte anhören können. Was zur Hölle war in dem Tee?
      "Es sollte dich nicht interessieren, eben weil ich nur Ermittlerin bin, die dir doch alle möglichen Vorwürfe an den Kopf knallt. Du gehst davon aus, dass wir nach dem Fall getrennte Wege gehen werden."
      Du siehst ganz genau, welche Möglichkeiten er dir bieten kann. Wie du dir seine Fähigkeiten zu nutze machen und endlich etwas erreichen kannst. Du hast Sorge, dass er seine Worte wahr macht und einfach verschwindet. Das bedeutet, dass du ihm irgendwann vertrauen musst aber das kannst du nicht weil -
      Plötzlich fluchte Ember leise und fuhr sich mit den Fingerspitzen an ihrer Schläfe entlang. Ein Unwissender würde behaupten, sie erlitt gerade einen akuten Anfall von Migräne. Diese Leute hörten aber auch nicht die Stimmen in ihrem Kopf. Sie hatten ihren Kopf leicht geneigt, den Blick abgewandt vom Mann ihr gegenüber. Es war zwar keine Migräne, der Schmerz kam dem aber verblüffend nah. Ihre Lider waren fest geschlossen, jetzt etwas zu sehen überspannte den sowieso schon gereizten Bogen.
      "Ich weiß ja nicht wie's dir dabei geht, aber ich lass ungern jemanden in mich sehen, der ständig darauf pocht, er sei ein hemmungsloser Mörder. Wenn du die ungefilterte Wahrheit von mir haben willst, dann tu' auch was dafür und stell dich nicht als schlechter dar als du bist. Überlass' mir das urteilen, wie ich dich sehen will, verdammt."
      Embers Worte klangen gepresst und im späteren Verlauf hörbar gereizter. Ein Blitzer von dem, was unter der sorgsamen Kontrolle steckte und ein bisschen ihrer Gedankenwelt preisgab.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Für eine gute Sekunde lang zeichnete sich Überraschung auf dem Gesicht des Rogues ab, als er ihre Reaktion zur Kenntnis nahm. Er blickte zweifelnd zu der Tasse der jungen Polizistin und fragte sich, warum sie derartig auf den Tee reagierte. Sicherlich hatten einige Menschen bereits schlechte Reaktionen auf das Gebräu gezeigt, aber derartig schlechte?
      Dennoch schien zumindest der Kopfschmerz, den sie mit dem überflüssigen Reiben an den Schläfen verhindern wollte, einen Zweck zu erfüllen, der ihm zugute kam. Denn nach und nach blitzte auch unter der hörbaren Gereiztheit ihrer Worte der Schatz empor, den er zu heben gedachte.
      Wie sollte er einem Menschen vertrauen können? Menschen hatten ihn zu dem hier gemacht. August sah die Frau mit dem gesenkten Kopf und den zusammengepressten Augen an und beugte sich leicht auf den Tisch, ehe der zu knarren begann.
      "Ja, ich gehe davon aus, dass ich nach diesem Fall meine Verplichtungen in den Reihen der Arcana wieder aufnehme, so wie sich das Chaos derzeitig entwickelt. Ich kann nicht zulassen, dass Bones und der Richter einen Bürgerkrieg auslösen, der nur noch mher Opfer fordern wird als das andere System schon gefordert hat. "
      Schweigsam blickte er auf den weißen kreis, auf dem sie saßen udn er schüttelte den Kopf.
      "Willst du mir sagen, was du für schmerzen hast oder zählt es zu den Dingen, die du lieber in dir versteckst, weil doch nicht alles so einfach erscheint, wie es aussieht?"
      VIelleicht lag er damit falsch, aber auch Augusts Nervenkostüm war nur ein Konstrukt das ein Ende hatte. Er trank seine Tasse in einem Ruck aus und räusperte sich, ehe er aufstand und um den Tisch herumlief. Sachte, beinahe lautlos beugte er sich an ihr Ohr und flüsterte:
      "Gut, dann beurteile du, Ember Sallow", sagte er beinahe direkt an ihrem Ohr, wobei seine Stimme klang wie eine rasselnde finstere Kette.
      "Was bin ich in deinen Augen?"
      Die Frage aller Fragen, nicht wahr? Was sah die Frau, die sich vor ihren Erinnerungen versteckte in einem Mann wie ihm? Einem Mann, der gezeichneter als ein Gemälde war.

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    • August konnte einen Bürgerkrieg, der auf zwei Arcana zurückzuführen war, nicht zulassen? Normalerweise wäre Ember auf diese Sätze direkt angesprungen, aber das Lachen in ihrem Kopf verwehrte ihr dies. Noch immer strich sie sich über die Schläfen und hoffte, dass sie früh genug dazwischen gegrätscht hatte, um nicht vollkommen ausgeknockt zu werden.
      "Kopfschmerzen, wie man sieht", gab sie schnippisch zurück, überdachte aber ihre Worte nochmal. "Es gibt da jemanden beim MEG, der sich fantastisch im Thema Traumabewältigung auskennt. Eigentlich. Ich hab mich damals ein bisschen zu sehr gesperrt und seitdem gibt's hin und wieder... Rückfälle."
      Weder wollte die Detective dem Arcana sagen, dass Noland ein Rogue im Dienste der Polizei war noch dass sie sich das Problem selbst eingebrockt hatte und sich seitdem davor sperrte, Noland auch nur ein einziges weiteres Mal in ihren Kopf zu lassen.
      Das Stechen in ihrem Kopf schien allmählich nachzulassen und auch das Lachen verklang immer weiter bis es nur noch ein Echo war, das in ihrem Schädel nachhallte. Wann immer sie sich zu sehr an Emily erinnert fühlte, brandeten explizite Bilder und Geräusche aus ihrer Erinnerung auf, so als durchlebe sie die Momente erneut. Dies war eigentlich eine einmalige Grundvoraussetzung für Noland, um die Erinnerungen dauerhaft aus den Geschädigten zu entfernen. Da sie mittendrin abgebrochen hatte, durchlebte sie diesen Zustand immer wieder während eines Rückfalles.
      Folglich hatte Ember gar nicht mitbekommen wie August aufgestanden und zu ihr hinüber gekommen war. Erst als seine Stimme direkt an ihrem Ohr erklang, reagierte sie. Es waren reine Instinkte, die sie aufschrecken und umgehend nach Augusts Arm greifen ließen. Jahrelanges Training und die ein oder andere brenzlige Situation hatten dazu geführt, dass ihr Körper bei Unachtsamkeit direkt in die Defensive ging. Embers Finger gruben sich in Augusts Oberarm mit der Intention, ihn nach vorn zu reißen. Im gleichen Moment flog ihr Kopf herum, der zerbrechliche Gesichtsausdruck war vollkommen verschwunden. Stattdessen trug sie eine schier unermessliche Konzentration zur Schau ohne ein Fünkchen Reue für das, was sie sonst getan hätte.
      Sofern die Detective nicht in dem Augenblick realisierte was sie gerade tat, als sie Augusts Blick streifte. Als hätte sie einen elektrischen Schlag bekommen riss sie ihre Hand von ihm los, die Konzentration wich Bestürzung. Ihr Puls kam erst jetzt richtig hinterher und obwohl sie sich niemals für ihre Reflexe schämen würde, bereute sie trotzdem diesen intuitiven Übergriff.
      "Sorry", setzte Ember trockenen Mundes an und führte ihre Hände auf dem Tisch zueinander. "Es ist... schwierig. Ich brauche Zeit um es in Worte zu fassen. Muss mehr von dir sehen ohne ständig den Eindruck zu haben, dass du versuchst ein bestimmtes Bild von dir zu erzeugen. Auf alle Fälle bin ich weg von dem Standpunkt zu behaupten, du seist ein rücksichtloser Mörder. Dann wären dir Zivilopfer egal."
      Ihr Blick löste sich von ihren Händen und glitt zu dem Mann an ihrer Seite.
      "Am ehesten würde ich zur Zeit sagen, dass du jemand bist, der etwas suchst und es nicht benennen kann. Kann mich aber auch täuschen..."

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Für eine Sekunde wirkte die Szenerie wie festgefahren.
      August stand hinter ihr, während sie seinen Arm gegriffen und ihn regelrecht anfunkelte. Erstaunlich, wie sehr sich die Persona einer einzigen Polizistin abwechselten. Beinahe gruselig mit anzusehen. Das traurige jedoch war die Tatsache, dass sie die Hand seitlich von ihrem Kopf nicht bemerkte.
      Das rote Siegel war um seine rechte Hand wieder aufgetaucht und leuchtete gierig, während er seine Hand bereits erhoben hatte. Ein Ruck und selbst seine Reflexe hätten sie um ein Körperteil erleichtert. Schweigsam ließ er selbst die Hände sinken und vergrub sie in den Hosentaschen. Es kam selten vor, dass er dies bei Menschen tun musste. Doch umso erstaunlicher war, dass sie diese fassade brach.
      "Schon gut", murmelte er. "Ich habe dich überrascht. Was solltest du tun. Und immerhin, kein Mörder in deinen Augen reicht mir fürs Erste."
      Er wanderte hinter ihr zu der Blume die stetig blühte und wieder verging und warf ihr einen Blick zu.
      "Ich suche etwas...", murmelte er. "Ja, ich denke, das trifft den Kern der Sache gut. Jedoch benennen kann ich es schon. Ich benenne es nur nicht gern vor anderen."
      Anschließend wandte sich Foremar um und sah sie an.
      "Wenn du Jemanden beim MEG hast, der dir dabei helfen kann, stellt sich mir die Frage, warum er es nicht tut? Offensichtlich kommen diese Kopfschmerzen nicht von einer Schieflage deines Nackens, denn - mit Verlaub - dort sind zu viele Muskeln. Also schließe ich darauf, dass sie eher somatischer Natur sind, wenn ich alles körperliche dreisterweise ausschließe. Hast du dich mit deinem Doktor verkracht?"
      Ein Lächeln umspielte die Züge des Rogues während er durch den Raum ging, darauf achtend, immer genügend Schrittabstand zu halten.
      "Darf ich dich noch etwas fragen?", fragte er bereits und grinste wieder schelmisch. "Da du derzeit offenbar ungebunden bist: Hattest du mal einen Freund oder Ehemann?"

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    • Überrascht war maßlos untertrieben. Eigentlich neigte sie nicht zu überspitzten Handlungen, selbst wenn das Unerwartete sie traf. Erst als August etwas auf Abstand ging merkte Ember, dass sie die gesamte Zeit über nur flach geatmet hatte und ihre Lungenflügel sich schlagartig wieder zu entfalten schienen. Sie hatte viel zu spät das rötliche Schimmern in ihrem Augenwinkel gesehen, das von der Hand des Arcana ausgegangen war. Es versetzte ihr einen Stich, dass sie ihre Mauer bei ihm scheinbar doch beträchtlich gesenkt hatte.
      Bei seinem Murmeln hingegen wurde Ember sofort hellhörig. Sie hatte dahingehend also richtig getippt und da er sich vor ihr sperrte bestätigte es weiterhin ihre Annahme, dass er in ihr nicht mal ansatzweise eine Vertrauensperson sah. Das, oder sein Ziel war von einer zu persönlichen Bedeutung. Oder natürliches beides traf zu.
      Ember erwiderte Augusts Blick und löste sich ein wenig aus ihrer verschachtelten Haltung. Sie drehte sich seitlich auf dem Stuhl, legte einen Arm lässig auf die Rückenlehne und überschlug die Beine wenig stilvoll in ihrer Jogginghose.
      "Mit dem Doktor verkracht?", wiederholte Ember und kicherte tatsächlich bei der Vorstellung von Noland, der so weit weg von einem Arzt war, wie es nur irgendwie möglich war. "Man verkracht sich nicht mit dem Einzigen beim MEG, der wirklich frei jeglicher Moral ist. Der gute Mann ist ein Magischer, der mit seiner Gabe Erinnerungen anderer manipulieren kann. Man geht zu ihm, wenn man Traumata vergessen will oder in einer Ermittlung Bestätigung braucht, dass der Verdächtige wirklich nicht der Täter ist. Aber ich mag es nicht, wenn man in meinem Kopf rumwühlt."
      Teilwahrheit. Zum einen das, zum anderen wehrte sich Ember vehement davor, auch nur einen Fetzen ihrer Erinnerungen an Emily abzugeben. Egal, wie grausam die Bilder in ihrem Kopf auch sein mochten - sie wollte keines davon missen und mit dich tragen, wie das Mädchen von ihnen gegangen war.
      Doch August ließ ihr keinen weiteren Moment, um selbst in Gedanken abzudriften. Er stellte ihr direkt die nächste Frage und bis zu einem bestimmten Punkt war sie ihm dankbar für die Ablenkung. Denn das half ihr wirklich aus der Spirale wieder hervorzuklettern. Nur seine nächste Themenwahl war etwas... spezieller.
      "Spannend wie schnell du selbst Vorurteile triffst", gab Ember nüchtern zurück und ging dieses Mal nicht auf sein Grinsen ein. "Wir kennen uns nicht mal eine Woche. Und wie du selbst bemerkt hast, gleicht meine Wohnung einem Krankenhauszimmer. Vielleicht habe ich ja einen ganzen Harem und du hast ihn nur noch nicht kennengelernt."
      Objektiv betrachtet gab es genug kleine Details die darauf hinwiesen, dass sie zur Zeit nicht gebunden war. Weder hielt sie regen Kontakt mit jemanden via ihrem Smartphone, noch gab es ein weiteres Badeset in der Dusche oder am Waschbecken. Da sie wusste, dass der Rogue ein spitzes Auge hatte, würde er daher geurteilt haben.
      "Wäre es nicht traurig wenn ich mit Mitte Dreißig noch keinen Freund gehabt hätte? Pfft, als eiserne Jungfrau würde ich auch nicht sterben wollen. Dann hätte ich ja mitunter das Beste verpassen können."
      Der spöttische Tonfall unterschied sich drastisch von ihrer noch immer neutralen Miene. Ihr gefiel nicht, wie August um sie herum zirkelte wie ein ausgehungertes Tier. Wobei... wahrscheinlich war er das sogar. Trotzdem fühlte sich Ember unfassbar unsexy in ihrem Schlabberlook, sodass sie ein stoisches Selbstbewusstsein wahrte, das seinesgleichen suchte. Fast wäre sie geneigt zu fragen, ob unter seinen toten Freunden eine dabei gewesen war, für die er was besonderes empfunden hatte - sie besann sich rechtzeitig eines besseren.
      "Und wusstest du, dass kleine, selbstbewusste Frauen bei der Polizei scheinbar Männer davon abhalten, eine Ehe in Betracht zu ziehen? Vielleicht haben sie ja Sorge, dass ihre kleine Frau bei der nächsten Handgreiflichkeit einfach überrannt wird." Sie zuckte mit den Schultern und biss sich gerade noch so auf die Lippen, um nicht breit zu grinsen. Diese Worte hatte sie tatsächlich einmal genauso gesagt bekommen.
      "Sag mir bloß, du achtest so penibel auf genug Sicherheitsabstand weil du fürchtest, ich könnte wieder handgreiflich werden. Oder was soll das ganze Herumgelaufe da?" Sie hob die andere freie Hand und deutete mit ihrem Zeigefinger in Augusts Richtung.

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    • Foremar begann zu lachen. Ein Lächeln, das eine gewisse Jugend unterstrich, die er eindeutig mit sich trug, aber gleichsam auch ironisch genug um es nicht vollends überzogen wirken zu lassen. Freilich unterband der Rogue sein Tun nicht für eine Sekunde und wanderte weiterhin im Raum herum, während er die Hände in den Hosentaschen vergraben hielt.
      "Das Herumgelaufe", er betonte das Wort mit Absicht schräg. "hat nichts weiter zu bedeuten. Ich denke. Und wenn ich denke, muss ich laufen, so einfach ist das. Davon abgesehen: Nein, es wäre nicht traurig, wenn du noch niemals eine Beziehung gehabt hättest. Erstaunlich ist und bleibt einfach nur, dass du die Frage nicht beantwortet hast."
      Er hielt in seinem Laufen an und sah sie direkt an.
      "Hast du Angst, ich würde über dich herfallen? Keine Angst, kein Interesse. Mich hat nur interessiert, ob die Dame, die vor mir sitzt und meist so kalt und abgebrüht daher redet einmal anders war. EIn "Davor" sozusagen."
      Foremar grinste nochmals und wanderte wieder zum Tisch, um sich auf den kleinen Stuhl zu setzen. Niemand hätte in dieser Sekunde sagen können, was er dachte oder auch nur ansatzweise empfand. Sein Gesicht erschien wie eine Festung, die man nur unter größter Last erstürmen konnte.
      "Ich hatte meine erste Beziehung mit siebzehn", murmelte er und lehnte sich in den stuhl zurück. "War eine junge Frau aus dem Ort, in dem ich lebte. Hatte Talent für Handarbeiten und war nicht ungeschickt. Sie wurde im Dorf nicht beachtet, weil sie nicht wirklich ansehnlich war, aber ich fand sie hinreißend. Ein Kinn wie ein Bauarbeiter aber mir fielen nur ihre Augen auf. Ihre herrlichen blauen Augen"
      Ein leicht versonnener Blick trat auf sein Gesicht, ehe er diesen brach und sie ansah. "Bis sie mich verließ. Für einen Anderen. Klasskiker, nicht war?"
      August kicherte leicht und beugte sich dann über den Tisch, was ihrer lässigen Haltung so gar konträr lief.
      "Davon ab: Ein Magischer, der Erinnerungen entfernen kann? Das klingt interessant, kenne ich ihn? Oder ist er eher unbekannt in euren Reihen? Wüsste von keinem Caster, der dies beherrscht und würde ihn gern kennen lernen. Vielleicht kann ich ihn abwerben", murmelte er und zwinkerte ihr zu ehe er sich wieder zurückzog.

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    • Ember beäugte August zunächst nur mit fadenscheinigem Interesse in den Augen, als er zurück zum Tisch wanderte. Dann ließ sie doch zu, dass ein süffisantes Lächeln sich auf ihre Lippen legte.
      "Ich hab' mich damit abgefunden, dass niemand mehr über mich 'herfallen' wird. Zugegeben, ich mach's einem auch nicht gerade leicht. Dein "Davor" gibt's noch. Kriegt nur kaum einer zu sehen."
      Sie wechselte ihre Beine, stellte einen Ellbogen auf dem Tisch ab und warf August einen Blick aus dem Augenwinkel zu. "Siebzehn", wiederholte Ember und man sah, dass sie gedanklich zurückrechnete, wie lange das schon her war. "Blutjung noch. Ich hab' meinen Ersten erst hier in London kennengelernt. Auf dem Dorf kennt jeder jeden, das hält man ja nicht im Kopf auf. Ich war... hm... glaube einundzwanzig und hab mir derart die Rübe im ersten richtigen Rausch weggeblasen, dass ich anschließend meinen ersten Freund gehabt hab. Hat aber auch nicht lange gehalten. Als ich das erste Mal übersäht mit blauen Flecken zurückgekommen bin, war er Stunden später schon weg. Auch nicht viel besser, fürchte ich. Lass mich überlegen..." Sie tippte sich mit einem Finger gegen das eigene Kinn. "Meine letzte Beziehung ist gut 9 Jahre her." Exakt das Zeitfenster, in dem sie rapide die Ränge geklettert war.
      Natürlich sprang der Rogue auf Noland an. Wie konnte er auch nicht. Immerhin war der alte Rogue selbst unter seinesgleichen eine Rarität und nutzte daher die Anstellung beim MEG als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme.
      "Dachte ich mir, dass er dein Interesse weckt. Nein, ich denke, du kennst ihn nicht. Er hält sich sehr unter dem Radar weil er keinen Ärger möchte. Es reicht ihm, dort zu stehen, wo er nun gerade ist. Er wird sonst was tun, um ausgerechnet einem Arcana über den Weg zu laufen."
      Ember mochte Noland aufgrund seiner Art und Einstellung. Der Mann hatte dank seiner Gabe sich von jeglicher Moral verabschieden müssen und kannte kein Gut oder Böse. Eine herrlich erfrischende Ansicht, die niemand so ehrlich leben konnte wie dieser Mann. Nur zu gut wusste er, dass seine Fähigkeiten viel zu leicht zu missbrauchen waren weshalb er sich selbst in die Isolation verfrachtet hatte.
      "Noland ist auch kein Caster. Er ist ein Rogue", erklärte Ember es schließlich offen und ahnte, dass sie mit der Erwähnung von Nolands Existenz einen kleinen Hebel bei August gefunden haben konnte.
      "Hat seinen eigenen Eltern quasi das Leben als Teenager versaut. Die armen Eltern hatten am Ende nicht mal mehr eine Ahnung, dass sie einen Sohn haben. Er hat ein kriminelles Leben geführt, seine Fähigkeiten bis ins Extreme ausgereizt und ist schlussendlich bei der MEG aufgeflogen. Man ließ ihm die Wahl: er entschied sich für ein Leben mit Einschränkungen als gar keines. Irgendwann hat er sich sozusagen in Selbstisolation verfrachtet als er merkte, was er tatsächlich alles anstellen konnte. Und dann hatte man ihm den ersten jungen Polizisten vorgestellt der darum bat, die Bilder einer Explosion aus seinem Gedächtnis zu löschen. Zack, Noland hatte seinen Sinn im Leben gefunden."

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