[2er RPG] Dusk & Dawn [Asuna & Nico]

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    • "Deswegen sagte ich ein bisschen Vertrauen. Nicht volles, bedingungsloses Vertrauen. Ein feiner Unterschied", korrigierte die Detective den Rogue.
      Sicherlich, sie würde und könnte diesem Mann nicht vollkommen vertrauen. Aber allein die Tatsache, dass sie unter seiner Führung in den Untergrund ging bewies, dass sie eine nicht ganz unabdingbare Menge an Vertrauen in ihn platziert hatte. Schließlich verließ sich die Frau darauf, dass er sie unbeschadet wieder hervorbringen würde. Wenn das kein Vertrauen war, was sonst?
      Sie waren gerade wieder auf dem Rückweg aus dem Koffer, da polterte es plötzlich. Bei Ember schrillten direkt alle Alarmglocken so kaut auf, dass sie die aufkeimende Anspannung ihren Körper direkt in Aktionsbereitschaft versetzten. Doch dann hörte und sah sie den Ursprung dessen und kam nicht drum herum, ungläubig zu blinzeln. Ihre Haltung entspannte sich sichtlich als August in einem Austausch mit dem Goblin verfiel. Ember hatte Mühe, nicht zu laut loszuprusten kaum hatten ihre Augen realisiert, was der Goblin da eigentlich trug. Und dass er Haare auf dem Kopf hatte, die er offensichtlich sogar versuchte zu stylen. Der Fakt, dass sie gerade über eine Chimäre sprachen, rückte dabei in weite Ferne.
      Allerdings konnte sie ein offenherziges Grinsen nicht verbergen als sie auf Ulysses Frage antwortete: "Ember Sallow, Detective der Magischen. Bin quasi nur auf Durchreise hier."
      Sie nutzte weder ihren vollen Titel noch umschweifende Erklärungen. Titel und Bezeichnungen waren nur leere Worte in ihren Augen, um den Menschen einen Wert in der Gesellschaft zuzuschreiben. Der abgebrochene Meter vor ihr würde sich nicht einen Deut um diese Ausführung scheren weshalb sie sie einfach direkt unter den Tisch fallen ließ.
      "Netter Anzug, wäre da nicht das Loch." Einen Hauch Belustigung schwang ungewollt in ihrer Stimme mit. "Aber du hast dir einen wirklich beschissenen Arbeitgeber ausgesucht, wenn er dir nicht mal einen Lohn bezahlt. Ich wäre ja schon längst streiken gegangen." Das Grinsen wurde so breit, das es fast unwirklich in ihrem Gesicht aussah.
      Irgendwas an dieser Gestalt ließ sämtliche Barrikaden in der Frau fallen. So als hätte sie keine Chance sich gegen die Absurdität zu wehren, die der Goblin in seiner Gestalt und Wortwahl erzeugte. Und dann diese Frisur...
      "Aber ich muss gestehen, ich würde auch eher das im Auge behalten, dass mir Gift entgegen speien kann?"

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • August war sicherlich nicht erpicht, dass dieser halbvolle Meter seine Aufwartung just in dem Moment machte. Im Grunde war sein Koffer ein gut gehütetes Geheimnis, dass er nicht jedem preiszugeben gedachte.
      Schweigend lauschte er dem Austausch während er ganz in das Foyer zurückkehrte und schnaubte nur abschätzig.
      "Ach, eigentlich ist er gar nicht so schlecht, wenn da nicht die nächtlichen Klavierorgien und das schreckliche Gesinge wäre."
      "Es geht dich nichts an, was ich in meiner Freizeit tue."
      "Ach Papperlapp und Humbug sein Großvater wie die Jugend sagt.."
      "Welche Jugend?"
      "Welche Jugend...Gehst du nicht mit der Zeit, Großvater?"; stichelte der klleine Goblin und baute sich vor ihm auf. "Ich habe sogar Instagram, da lernt man derartiges!"
      Zu Ember gewandte verneigte er sich leicht.
      "Ulysses von Stratenwalde zur Erzsteinhöhle. Eine Freude. Dass er einmal eine Dame und dazu noch eine Polizistin mitbringt, ist mir zwar ein Rätsel, bedenkt man die Sterblichkeitsrate der Insassen hier, aber immerhin mal eine menschliche Seele, die etwas Anstand mitbringt meine Kleidung zu komplementieren."
      August seufzte und machte isch auf den Weg zu einer weiteren Treppe, die durch eine offene Falltür im Boden erreichbar war. Starker Schwefelgeruch drang an seine Nase un brachte ihn beinahe zum Würgen, als er den Kopf hinunter steckte.
      Wähenddessen nutzte Ulysses die ungewohnte Aufmerksamkeit.
      "Ach, was soll ich sagen. Er ist kein schlechter Arbeitgeber, aber der Lohn ist grausig. Arbeite nicht für ihn, mein Kind! Alter Leuteschinder ...Lässt mich ständig mit diesem Vieh allein."
      "Würdest du das Handbuch befolgen, wären wir jetzt nicht hier!", keifte August und sah auf. "Hast du ihm Schwefel zu essen gegeben?"
      Ulysses nickte
      "Die gelbe Suppe, ja."
      "Du weißt, dass das Blähungen verursacht?!", fragte Foremar seufzend.
      "Woher denn?"
      Ein ärgerliches Knurren später blickte er Sallow an und seufzte schwerer als je zuvor. Man konnte meinen, seine gesamte Interatkion schien hieraus zu bestehen. Während er die Haare nach hinten schlug, die ihm vorwitzig ins Gesicht hingen, sah er sie an und ein Leuchten seiner Augen verriet nichts gutes.
      "Da Sie eben so neugierig waren: Haben Sie Lust, eine Chimäre zu füttern? Dann müsste ich nicht beobachten, dass dieser Wilde hier Betriebsgeheimnisse ausplaudert!"
      "Du plauderst..."

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    • "Sie singen?"
      Ember konnte nicht anders als August überrascht anzublicken. Zugegeben, sie hätte ihm einige sehr fragwürdige Hobbies angedichtet, aber Spielen und Singen zählten definitiv nicht dazu. Wobei... man beschrieb ihn nicht umsonst als kreatives Monster. Was lag da näher, als die Musik in ihrer Komplexität?
      Schnell wandte sie sich wieder an Ulysses, um dem seltsamen Thema nicht weiter nachzugehen. "Ich gedenke auch nicht, mich länger als nötig hier aufzuhalten. Wie gesagt: Durchreise. Außerdem klingt Insasse furchtbar. Wie in eine Gefängnis."
      Flüchtig warf die Detective dem Rogue einen Blick zu, der sich schnurrstracks auf den Weg zu der offenen Falltür samt Treppe gemacht hatte. "Außerdem ist er mir nicht ganz so geheuer", fügte sie grinsend hinzu und deutete mit dem Daumen auf August ohne dass dieser es sah.
      Dann verwickelte August den Goblin in eine Auseinandersetzung, die von außen betrachtet wahrlich komisch wirkte. Ember hatte nichts mit magischen Wesen am Hut, und obwohl sie genau gehört hatte, dass August hier tatsächlich irgendwelches Ungetier beheimatete, war es etwas anderes wenn man sie noch nicht zu sehen bekommen hatte.
      Wie aufs Stichwort funkelte der Mann nun Ember an und ihr schwante überhaupt nichts Gutes.
      "Ähm.... ich muss gestehen, dass ich auch nicht unbedingt so auf Säure erpicht bin...", versuchte die Frau ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen, die sich unlängst um ihren zarten Hals festergezogen hatte, "und eigentlich wollen Sie mir doch gar nichts mehr zeigen, was ich potenziell gegen Sie verwenden könnte."
      Ihre Worte verhallten im Raum ohne jegliche Reaktion. Nach ein paar Sekunden brach sie die Stille mit einem fast schon theatralischen Laut. "Okay, okay, ich komm' ja schon mit! Ich kann ja auch ganz weit hinten stehen und sagen, wenn das giftige Ende Spirenzchen macht..."

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    • August hatte theatralisch die Augen verdreht, während er sich das Haar öffnete und ausschüttelte. Sorgsam verstaute er die Brille in der Innentasche seiner Weste und begann mit dem Abstieg, sichergehend, dass Ember ihm folgte. Die Treppe, die sie hinunter nahmen war eng und gewunden und hätte vermutlich in einem Schaustellermuseum alle Ehren erfahren. Überall hingen kleine Girlanden und an den schmalen Nischen, die ihnen entgegen kamen, befanden sich Kräuter und allerlei Krimskrams, den er über die Jahre gesammelt hatte.
      "Ja, ich spiele", murmelte er und schüttelte den Kopf. "Ist es so unwahrscheinlich? Ich wurde katholisch erzogen und man zwang mich in die musikalische Früherziehung. UNd da ich immer mit den Händen geschickt war, erlernte ich das Klavier. Es half mir nicht unerheblich bei der Festsetzung einiger Kreaturen."
      Gemeinsam betraten sie einen weiteren Raum.
      Eine Art Keller, die sich unter dem großen Foyer zu befinden schien. Auf magische Weise waren die Decken hier übermannshoch und schienen kein Ende zu finden, während sich die Szenerien der einzelnen Gehege, die hier aufgereit waren, drastisch voneinander unterschieden. Das erste, welches direkt nahe der Treppe lag, wies Ähnlichkeit mit einem Dschungel auf. Wilde Bäume wuchsen daraus und merkwürdige Affengeräusche drangen neben dem betäubenden Gestank nach Dung an ihre Ohren.
      "Nehmen Sie das. Es verhindert den Geruch", murmelte August und griff nach einer kleinen Dose Creme, deren Inhalt er sich auf die Oberlippe tupfte. "Nur einen Tropfen. Es reicht sonst zur Betäubung eines Elefanten."
      Ein sanfter Duft nach Minze erreichte sein Hirn und beruhgite ihn, ehe sie das Gehege der Chimäre betraten.
      Es war ein großer, beinahe leerer Raum mit massivem Boden. Steine schienen aus Eisen gegossen worden zu sein und in den Boden versenkt, sodass es wie ein übergroßer Käfig wirkte. Dennoch kam es der Chimäre zupass, denn zumeist lebten sie in Untergründen und waren dort auch heimisch. Doch die schiere Größe des Wesens war etwas, das August von vornherein Sorgen machte. Als das Wesen aus dem SChatten des Kerkers kroch, den man nachgebaut hatte, wirkte es so enorm und gewaltig, dass es den gesamten Raum einnahm. Ein Löwenkopf, beinahe kahl, so weiß erschien das Fell, blickte mit hellgelben Augen aus der Dunkelheit und fletschte knurrend die Zähne. Ein Ziegenkopf, gewaltig wie der Andere meckerte laut und schlug brechend die Hörner in die Steinwand, die zu bröckeln begann. Der dritte der Köpfe schien jedoch zu schlafen, als würden ihn die anderen nicht interessieren.
      "Ruhig, mein Mädchen", murmelte August und trat furchtlos an die Kreatur heran, die nur lauter knurrte.
      Und nur für eine Sekunde, beinahe weniger, geschah etwas mit dem Rogue, das die Sinne eines Menschen durcheinander bringen konnte:
      Die Präsenz des Wesens war bereits eine Angelegenheit für sich. Als erschien sie übergroß und nicht durchschaubar. Doch für den Bruchteil einer Sekunde war Foremars Präsenz, ein winziger Aurapuls, so gewaltig, dass selbst die Chimäre gehorsam den Kopf senkte und das Knurren einstellte.
      "Na geht doch...Hat der blöde Ulysses dich wieder mit Schwefel gefüttert?"
      Er blickte zu Sallow.
      "würden Sie mir den Eimer zu ihrer Rechten geben? Der mit dem Fleisch."


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    • "Nein nein, alles gut. Ich beneide nur insgeheim Menschen, die gut ein Instrument spielen können. Bei mir hat's nie dazu gereicht."
      Ember folgte August über eine viel zu steile Treppe, die sich gewendelt nach unten wand. Es musste einen Höllenarbeit gewesen jede, wirklich jede einzelne Nische mit irgendetwas zu bestücken. Allgemein war das Interior des Koffers so gut dekoriert wie nur wenige Wohnungen in der Realität es waren.
      Als sie in einen nach oben offenen Raum traten, legte Ember den Kopf in den Nacken und starrte aufwärts. Ihre Orientierung sagte ihr, dass über ihren Köpfen das Foyer sein müsste. Aber diese unglaublich hohen Wände schienen nicht dazu zu passen. Bei genauerer Betrachtung fiel ihr auf, dass das Schwarz über ihr keine Decken waren - sondern das Schwarz einer unschätzbaren Tiefe war.
      Im Endeffekt kam sich der Detective ein wenig wie in einem Tierheim oder Zoo vor. Gehege bildeten die Wegbegrenzung durch den Keller und schienen je nach Käfig extrem zu variieren. August musste über Jahre eine beachtliche Sammlung an Wesen zusammen gestellt haben, die so manchen Zooologen neidisch machen würde. Dankbar nahm sie den kleinen Tiegel entgegen, der wie die Duftpaste funktionierte, die die Pathologen nutzten, wenn sie an verwesten Leichen herum doktorten. Daher wusste sie, dass der Hinweis auf den kleinen Tropfen alles andere als übertrieben war. Sie achtete allerdings tunlichst darauf, dem Käfig, aus dem irgendwelche nicht ganz schlüssigen Geräusche kamen, nicht zu nah zu kommen. Man wusste ja nicht, ob das Ding darin Arme hatte und durch die Lücken greifen konnte.
      Ember folgte August weiter bis sie durch eine schwer gesicherte Tür eines Geheges traten. Es dauerte einen Moment ehe sie realisierte, dass sie einfach so in ein Gehege gelaufen waren, das nach hinten hin im Dunkel verfiel. Es war ersteckend leer und erschreckend groß, sodass Ember nur knapp hinter der geschlossenen Tür stehenblieb und den Rogue allein weiterlaufen ließ. Was im Nachhinein auch nicht verkehrt war, denn als sich die Chimäre aus dem Schatten schälte, wurden Embers Augen groß.
      So ein riesiges Vieh hatte sie noch nicht live gesehen.
      Das Knurren ging der Frau durch Mark und Bein. Völlig regungslos starrte sie das Monster an, das seinen Titel durchaus verdiente und den kleinen Mann vor sich wie eine Puppe wirken ließ. Zwei der drei Köpfe waren wach und aktiv, sodass Embers Blick zwischen ihnen hin und her schoss. Der Schwanz war hingegen noch nicht zu sehen.
      Besagte Puppe im Angesicht der Chimäre machte dann in einem winzigen Moment deutlich, wer das eigenliche Monster im Käfig war. Embers Beine knickten fast weg als sie ein Impuls erreichte, der ihr einer Druckwelle gleich die Luft zum Atmen nahm. Bereits im nächsten Augenblick jedoch schien alles wieder normal zu sein und das Knurren der Bestie war verstummt. Aufrichtig schockiert starrte sie den Rücken Augusts an, der einfach so eine riesige Chimäre übermannt hatte.
      "Würden Sie mir den Eimer zu ihrer Rechten geben? Der mit dem Fleisch."
      Erst jetzt schienen Embers Glieder wieder zu funktionieren, als sie aus ihrer Starre erwachte den und Blick zur Seite wand. Den Eimer hatte sie im ersten Moment gar nicht gesehen. Schweigend nahm sie den Eimer am Henkel und schleppte ihn hinüber zum Zauberer. Dabei blieb sie etwas hinter ihm während sie den Eimer an seine Seite stellte.
      "Die ist... beeindruckend", meinte Ember nüchtern und konnte den Blick nicht von den Köpfen abwenden. Wie hatte der Goblin es geschafft, dass das Ding ihn nicht in einem Stück verschluckt hatte?
      "Wieso halten Sie sie hier? Oder besser - wie haben Sie sie überhaupt hier rein bekommen?"

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    • August nahm dankbar nickend den Eimer entgegen und begann, große Fleischbrocken heraus zu ziehen und sie der Chimäre hinzuwerfen. Das Fleisch troff von einer grünlichen Flüssigkeit, von der er wusse, dass es eine Art Gewürzpaste aus Tannennadeln war. Dr ganze Raum, so groß er auch war, hüllte sich mit dem betäubenden Duft ein.
      Die Chimäre warf sich knurrend - zumindest der Löwenkopf - auf die Fleischbrocken und begann sie unter dem wachsamen Blick des Ziegenkopfes zu verspeisen. Der Ziegenkopf und der andere Kopf würden heute keine Nahrung erhalten, da man die Köpfe abwechselnd füttern musste. Sonst waren es einfach zu viele Zähne für Foremars Geschmack.
      "Ja, beeindruckend ist sie wohl", murmelte er ohne Ember anzusehen, während er weiterhin Fleisch asu dem Eimer zog. Sein Hemd hatte sich bereits grünlich verfärbt während ihm der Schweiß auf die Stirn trat.
      "Ein Freund...", sagte er dann und sah kurz zu ihr. "Ein Freund von mir fand sie auf dem Schwarzmarkt als Kleintier. Und da sie eine magische Aura ausströmte, wurde er angezogen wie Fliegen von einem Scheißhaufen. Er kaufte sie und brachte sie mit in unsere damalige Behausung und was soll ich sagen: Es dauerte keine Woche, da war das Vieh zu groß für unsere Wohnung. Also musste sie anders untergebracht werden. Eine weitere Freundin und ich hatten zwischenzeitlich diesen niedlichen Koffer fertiggestellt und beschlossen, dort einen Keller einzubauen. Und naja...Eins führte zum Anderen."
      Als er die letzten Fleischstücke hingeworfen hatte, richtete er sich auf und betrachtete zufrieden die Chimäre, die das Fleisch zwischen den spitzen Zähnen zermalmte. Erst danach wandte er sich zu Sallow wieder um und wies mit der Hand auf die Treppe. Es war alles getan. Au dem Gehege neben der Treppe drangen noch immer merkwürdige GEräusche und August schüttelte nur den Kopf darüber. Erstaunlich, wie kontrolllos diese Viecher waren.
      "Wollen wir?", fragte er schließlich grinsend. "Sie gehen vor!"

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    • Warum das Fleisch für die Chimäre extra gewürzt werden musste, entzog sich Embers Verständnisses. Aber das erklärte, woher der kaum wahrnehmbare Geruch von Weihnachten kam, der sich hin und wieder hinter dem Minzgeruch hervortraute. Trotz ihrem gewaltigen Respekts dem Monster gegenüber sah sie fasziniert zu, wie der Löwenkopf das Fleisch verschlang und die Ziege dies nur aus ihren waagerechten Pupillen beäugte. Warum der dritte Kopf noch immer schlief, wollte sie vielleicht gar nicht wissen.
      "Dann ist der Koffer mit seinem Inhalt also doch ein gemeinsames Projekt gewesen", stellte sie fest und machte sich einen gedanklichen Haken hinter ihrer Vermutung. Niemals konnte August den Inhalt des Koffers allein bewerkstelligen. Es musste noch andere gegeben haben, die sich hier drum gekümmert hatten. Höchstwahrscheinlich jene, die er nun auf seinen Rippen trug.
      Ember war allerdings mehr as erpicht darauf, die Behausung der CHimäre möglichst schnell wieder zu verlassen. Folglich hatte sie auch überhaupt kein Problem damit, vor August voran zu gehen. Mit einem doch etwas... schnelleren Schritte als zuvor. Als sie wieder an dem Dschungelgehege vorbei kamen, wurde sie etwas langsamer und warf doch einen flüchtigen Blick zwischen die Gitterstäbe, der ihr nicht viel brachte.
      "Was zur Hölle ist da eigentlich drin? Hören die nie auf mit ihrem Krach?"
      Noch immer wahrte die Frau ihren Sicherheitsabstand zu den Stäben. Insgeheim war sie aber froh darüber, dass hier unten nichts passiert war. Niemand würde auch nur den Hauch einer Ahnung haben, wo ihr Leichnam abgeblieben war, sollte sie hier unten das zeitliche segnen. Es war keine Angst, die sich in ihre Knochen einniste. Vielmehr eine nüchterne Rationalität und das Wissen, dass man viel zu leicht Körper verschwinden lassen konnte. Einen vielsagenden Blick warf sie über die Schulter dem Gehege der Chimäre zu. Jap. Es war verdammt einfach nicht mal Knochen übrig zu lassen.
      "Ihre Freundin muss brilliant gewesen sein", merkte Ember an als sie den ersten Fuß auf die Wendeltreppe gesetzt hatte und sich daran machte, sie zu erklimmen. "Wer auch immer diesen Koffer konzipiert hat, weiß, was er macht. Hätte ich die Chance würde ich meine Bewunderung bei ihr ausdrücken." Aber ich denke, das geht nicht mehr. "Aber schon spannend. Einfach ein Tier vom Schwarzmarkt zu kaufen, das drei Köpfe und einen Schlangenschwanz hat, ist schon abenteuerlich. Ich will nicht wissen, wie sehr Ihre Einrichtung damals gelitten hat."

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    • August wanderte ihr hinterher die Treppe hinauf und hätte lügen müssen, wenn er gesagt hätte, dass er ihr nicht auf den Hintern schaute. Was sollte man machen? letzten Endes waren sie alle nur intelligente Tiere. Noch während sie die schmale Trreppe hinaufliefen, kicherte er über ihre Bemerkung.
      "Nein, die geben niemals Ruhe", bekannte er. "Es sind Feen! Und sie begehen gerade das Lichterfest, möchte ich meinen. Da wird es immer laut und etwas merkwürdig hier unten. Aber der Wein, den sie kredenzen, ist wunderbar. Wenn wir Zeit und den Raum hätten, würde ich Sie einladen, aber Sie würden sich ja sicherlich nicht mit einem Mörder betrinken, nicht wahr?"
      Er erwartete nicht einmal eine Antwrt auf diese Frage. Als sie oben angelangt waren, begriff er erst ihre gesprochenen Worte. Ulysses hatte das sinkende Schiff offenbar verlassen und war in seine Behausung eingekehrt, weswegen August einen kurzen Abstecher in sein Kräuterlabor vornahm.
      Die Pflanzen wucherten zu beiden Seiten aus den WÄnden und schienen ihn regelrecht Willkommen zu heißen, während er jede Blüte und jedes Blatt sorgsam kontrollieren und mit den Fingern zart entlang fuhr. Es war wichtig, dass sie gut gepflegt waren. Sonst wäre Jemand sehr wütend, wenn er sich dem nicht annahm.
      "Sie war die Beste von uns", murmelte er gedanken verloren. "Auch wenn ich nicht ganz uneigennützig sagen darf, dass ich maßgeblichen Anteil daran hatte. Aber der grundlegende Zauber stammte von ihr."
      Als sie von dem Tier sprach musste er lachen. Ein ehrliches, beinahe lausbübisches Lachen.
      "Ja, Thomas war davon begeistert. Ständig verirrte er sich auf Märkten oder Schwarzmärkten und kaufte magisches Zeugs oder Tiere. Der ganze Keller ist voll von ihnen. Selbst die Feen brachte er von einer Auktion mit und beschloss, sie zu erforschen. Zur Belohnung haben sie ihm ein drittes Auge gehext und ihm einen Bart aus Wurzeln erstehen lassen. Hat mich fünf Tage gekostet, das Zeug zu entfernen."

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    • "Da drin sind Feen? Wow, ich wusste nicht, dass die so einen Krach machen können. Ich hab gedacht, die wären nur so groß und niedlich." Ember zeigte etwa zehn Zentimeter zwischen ihrem Daumen und den anderen Fingern während sie August hinterher in sein Kräuterlabor folgte. "Ein Glas probieren würde ich nicht unbedingt als betrinken abtun. Aber wir haben noch Wichtigeres zu tun."
      Zum Beispiel dafür sorgen, dass das nächste Opfer das letzte bleiben wird.
      Embers wachsamer Blick überflog das immense Grün, das sie in seinem Labor erwartete. Es sah eher aus wie ein viel zu vollgestopftes Grünhaus, viele von den Pflanzen kannte die Detective nicht. Allgemein war die Flora nicht unbedingt ihr Spezialgebiet. Das war auch der Grund dafür, dass sie nicht eine der Blüten berührte, egal wie sehr sie sie mit ihrer Schönheit zu locken versuchten. Fremde Dinge anzufassen hatte sich die Detective über die Jahre abgewöhnt. Meist kam nämlich nur Ungutes dabei rum.
      "Immerhin haben Sie das alles wieder von... Thomas, abbekommen. Ich kenn genug Leute, die das wahrscheinlich nicht geschafft hätten ohne ein beträchtliches Stückchen Fleisch des Betroffenen mit rauszuschneiden."
      Nicht anfassen bedeutete allerdings nicht, sich den Blüten nicht zu nähern. Eine besonders Schöne, die entfernt an eine Lilie erinnerte und einen Farbverlauf von pink nach lila auswies, hatte Embers Aufmerksamkeit erregt. Sie hatte die Hände in den Taschen vergraben, als stumme Warnung an sich selbst wirklich nichts anzufassen, während sie sich den Blättern auf ein paar Zentimetern näherte.
      "Auf alle Fälle wirkt der gesamte Koffer hier wirklich wohnlicher als meine Wohnung. Wobei Sie mir vielleicht noch verraten könnten, warum Sie mir das alles hier zeigen. Nüchtern betrachtet wäre ich ein Sicherheitsleck."
      Unlängst hatte die Frau beschlossen, nicht ein Wort über die Existenz dieses Koffers zu verlieren. Ein Blinder sah, dass dieses Stück ein dermaßen wichtigen Platz in August's Herz einnahm, das man ihm genauso gut die Kehle durchschneiden konnte, sollte dieser Koffer je zu Schaden kommen.

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    • August kicherte, während er sorgsam die Pflanzen um ihn herum goss. Als würde er sie nicht sehen, wuselte er in der kleinen Nische gekonnt umher und schob hier und dort eine merkwürdige Phiole beiseite, in der eine schimmernde Flüssigkeit schwappte.
      "Passen Sie auf mit der Blüte", murmelte er und schnippte zweimal mit seinen Fingern. Eine kurze Bewegung mit zwei weiteren Fingern und eine kleine Kanne kam herangeschwebt und flog zielsicher in seiner Hand. "Sieht aus wie eine Lilie, ist aber eine Todesglockenblume. Dieses Miststück in eine Flüssigkeit eingelegt erzeugt ihnen schlimmere Halluzinationen als LSD."
      Foremar schlug sein Haar aus dem Sichtfeld und überlegte eine kurze Sekunde. Im Grunde klang das recht reizvoll. Einfach eine Stunde lang wegblasen aus der Welt. Warum nicht? Was gab es für ihn hier. Die Menschen, die er liebte, waren fort. Und an der Backe hatte er eine junge Frau, die ihn so lange hier duldete bis der Fall gelöst war. Er hasste die Aussicht, jemandem Schmerzen zufügen zu müssen, aber am Ende würde es vermutlich nötig sein.
      August nahm sich vor, Evenstar niemals wieder von innen zu sehen, während er die Bodenpflege eines kleinen Baumes abschloss und sich umdrehte.
      "Der Koffer war auch immer als Wohnung gedacht. Es sollte eine Zuflucht zwischen den Dimensionen sein."
      Und eine Möglichkeit, immer beieinander zu sein. Letztlich - so dachte - hatte sie das Schlimmste nicht gesehen und es würde auch ein Geheimnis bleiben, solange er es hüten konnte. Wenn sie die Leichen entdeckte war er geliefert.
      "Hm...Warum...Eine gute Frage. Ich denke, es hat mehrere: Zum einen, damit ich Sie endlich voll und ganz verführen kann. Kleiner Scherz, natürlich. Nein, ich denke, dass Ihnen ohnehin Niemand glauben wird. Und wenn Sie jemanden fänden, der Ihnen glaubte, so bin ich sicher, dass Sie sich in größerer Gefahr befänden als ich. Denn es gibt Mächte, die diesen Koffer haben wollen, die weitaus größer als Sie und ich sind."
      Er lächelte sie aus nächster Nähe an und schlängelte sich an ihr vorbei.
      "Alsdann...Wollen wir? Ich denke, Ihr Essen wartet und auf mich der erholsame Schlaf der Gerechten."

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    • Ember summte einen nicht definierbaren Ton, als sie etliche Zentimeter von der schönen Blüte zurückwich. Zugegeben, die Detective hatte praktisch keine Erfahrung mit dem Konsum von sinneserweiternden Drogen, aber der Vergleich genügte ihr schon. Man kannte schließlich die Berichte.
      "Wie gut, dass ich sehr gut bin, was Verschwiegenheit betrifft", antwortete sie und stutzte einen Moment als August sich praktisch an sie angeschlichen hatte und ihr ein Lächeln zuwarf, das sie ziemlich off guard traf. Es war das erste Mal, dass sie es nicht als Störung wahrnahm als er in ihren persönlichen Raum eingedrungen war. Vielleicht lag auch einfach etwas von den Pflanzen in der Luft, das ihre gesunde Vorsicht etwas schmälerte.
      Just in dem Moment als August das Essen wieder ins Gespräch brachte, wurde Ember blass. Sie hatte es vergessen. Vollkommen.
      Kaum waren sie aus dem Kräuterlabor gegangen und hatten wieder ein bisschen mehr Freiraum, war Ember bereits losgesprintet. Im Laufen klaubte sie das Kleid auf, das sie über das Geländer der Treppe gehangen hatte, die nach oben und aus dem Koffer führte, und nahm drei Stufen auf einmal aufwärts. Ob ihr der Rogue folgte oder nicht flog kurz aus ihrem Bewusstsein, da war sie schon oben angekommen und hastete aus dem Koffer hervor. Das Kleid warf sie auf die treue Couch. Im nächsten Augenblick stand sie schon vor dem Backofen, der immerhin einen Timer besaß und nicht ins Unendliche weiterheizte. So hatte sie immerhin nichts Verbranntes sondern nur etwas Trockenes aus dem Ofen ziehen können.
      Sie seufzte während sie die Fish'n'chips auf beiden Tellern verteilte und hörte, wie ein neues Geräusch aus dem Wohnzimmer erklang. August war wohl gerade dem Koffer entstiegen und sicherte ihn hoffentlich wieder ordentlich. Geflissentlich stellte sie die Teller, das Besteck und die Salatschale auf dem kleinen Ecktisch ab, der gerade mal drei Stühle hatte. Einen für sie, einen für Tarah und einen für Kumilah. Wenn sie denn mal wieder zu Besuch vorbeikamen.
      "Ziehen Sie eine Dusche in Ihrem Koffer meiner Dusche vor?", fragte Ember und stellte damit erst gar nicht infrage, ob er es überhaupt in Erwägung zog. Bereits von hier konnte sie die Tannennadeln riechen, gemischt mit dem typischen Geruch von Fleisch.
      Eine Sekunde später kam August ins Sichtfeld und bestätigte die Annahme, dass er mit seinem nun grünen Hemd immer noch Quell des Geruches war. Ein belustigstes Lächeln ließ Ember dennoch auf ihren Lippen zu als sie mit einer Hand auf einen Stuhl gestikulierte.
      "Dann wappnen wir uns mal für morgen und den Untergrund, richtig, Mr. Foremar?"

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    • August nickte ihr über den Rücken zu und trocknete sich die Hände an einem Tuch, das er noch aus der Kräuterecke aufgeklaubt hatte.
      "Ja, das ist von Vorteil. Wollen Sie ..."
      Weiter kam er nicht, da er einen Schatten an sich vorbeihuschen sah, der vielfältiger nicht sein konnte. Wie gesagt, im HErzen war er nichts anderes als ein Mann, der einer nicht unbedingt unansehnsichlichen Frau hinterher sah, wie sie rannte. Und er wusste nicht wieso, aber irgendwie hatte es etwas anregendes.
      "Nun..:Dann wohl nicht", bemerkte er grinsend und warf das Handtuch auf die Treppe, wo er es aufklauben würde. Sein Hemd stank noch immer nach dem Gewürz für die Chimäre und gerade knöpfte er es auf, als Ulysses aus seinem Versteck unter der Trreppe kam.
      "Ist sie weg?", fragte er näselnd.
      "Hatte es wohl eilig. Ich habe die Chimäre gefüttert. Du solltest sie überwachen! Und sag den Feen, sie sollen nicht so laut feiern. Das hält keiner aus!"
      Ulysses nickte und stemmte die knubbeligen Hände in die Hüften.
      "Und jetzt mal Butter bei das Steak:"
      "Bei die Fische."
      "Was?
      "Die Redewendung."
      "Ach egal! Sag mir: Ist es nur mir aufgefallen, oder ähnelt diese Polizisten ihr ziemlich?"
      Es war das Falscheste, was dieser kleine Klotzkopf hätte sagen sollen. Foremar sah ihn wütend funkelnd an und trat schnellen Schrittes auf ihn zu. Der Goblin wich in einer nie gesehehen Panik gegen die Holzwand des Kamins zurück und presste sich dagegen, als August sich hinabbeugte, mit Augen die keinem irdischen Herrn dienten.
      "Sie ist ihr in nichts ähnlich!", knurrte er und Ulysses nickte.
      "Schon gut schon gut! Ich wollte nicht abschätzig sein!"
      Knurrend erhob sich der Magier und richtete seine Brille, währnd er die Treppe hinaufging. Dieser vermaledeite Goblin. Wie konnte er es wagen...Ulysses sah ihm noch lange nach und schluckte, nachdem der Koffer sich schloss und August nach draußen in die durchaus heiße Küche trat.
      "Eine Dusche?", fragte er lächelnd und blickte an sich hinab. "Oh! einen Moment!"
      Er riss sich das Hemd vom Leib und warf es nach einem kurzen Blick hinab den Koffer hinunter. Das Gekeife von unten schloss er aus und den Koffer ebenso. Sie würde ihn eine Stunde ohne eine Bekleidung des Oberkörpers ertragen können. Immerhin kannte sie die meisten seiner Tätowierungen bereits, während er sich an den Esstisch setzte.
      "Ich würde eine Dusche hier draußen vorziehen", murmelte er und seztte die Brille ab. "Waren Sie noch niht zu spät?"
      Spoiler anzeigen
      tattoo_Brust_links.jpgTattoo linke Brust



      Tattoo_Brust_rechts (2).jpg

      Tattoo rechte Brust


      Namen auf den Rippen:
      Izabella, Rem, Thomas, Marya, William

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    • "Könnte vielleicht ein bisschen trocken sein, aber ein Timer am Backofen war die beste Idee, die man haben konnte."
      Ember ließ sich auf den Stuhl August gegenüber sinken und hatte Mühe, ihren forschenden Blick beiläufig wirken zu lassen. Von vorne hatte sie den Mann noch nicht gesehen, lediglich einen Seitenblick hatte sie beim letzten Mal auf die Namen erhaschen können, die seine Rippenbögen zierten.
      Dass er ihr jetzt so unverblümt oberkörperfrei gegenübersaß, ließ sie etwas stutzen. Vorhin war er noch extrem erpicht darauf gewesen, dass sie seine Tättowierungen nicht zu Gesicht bekam. Und nun präsentierte er die schwarze Kunst auf seiner Haut ihrem viel zu neugierigen Blick ohne Zurückhaltung. Selbstverständlich brannten die Fragen auf der Zunge der Detective. Allerdings erinnerte sie sich auch nur allzu gut an seine Worte von vor ein paar Stunden zurück. Selbst, wenn sie ihn danach fragen sollte - es war wahrscheinlich, dass er die Informationen weiter unter Verschluss halten würde.
      "Dann hoffe ich einfach mal, dass Sie mit Mandelmilchwaschlotion kein Problem haben", merkte Ember an während sie sich aus der Salatschüssel Grünzeug auf den Teller löffelte. "Das Bad ist schräg gegenüber von meinem Schlafzimmer. Im Schrank unter dem Waschbecken sind Handtücher. Nehmen Sie sich, welche Sie brauchen."
      Sie schob August die Salatschüssel rüber. Innerlich schüttelte die Detective noch immer den Kopf. Sie war wahrlich vom Regen in die Traufe gekommen. Nicht nur, dass sie einen der Arcana erfolgreich aus Evenstar hatte ausbrechen lassen, nein, er saß jetzt auch noch halbnackt in ihrer Küche, aß mit ihr und würde später noch ihre Dusche entweihen. Das war ein Wandel der Ereignisse, den sie niemals so vorhersagen hatte können.
      "Ist das eigentlich nur Ihre Masche oder versuchen Sie jedes weibliche Wesen, das Ihnen von nun an über den Weg läuft und halbwegs ansehnlich aussieht zu bezirzen?", erkundigte sich Ember mit einem kaum wahrnehmbaren Lächeln auf den Lippen.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • August Foremar galt in magischen Kreisen durchaus als talentiert. Vielleicht sogar als das größte magische Rogue-Talent der letzten 100 Jahre, weshalb man ihm den Spitznamen "Professor" verpasst hatte. Einen Namen, den er absolut nicht mochte. Was mit einem derartigen Talent jedoch einhergehen musste, war die Fähigkeit der Beobachtung und genauen Deduktion eines Gegenübers, um auch nur ansatzweise gegen Angriffe gefeit zu sein.
      Demnach wunderte es nicht wirklich, dass August die neugierigen Blicke der Polizistin bemerkte. Auch wenn sie sich große Mühe gab, diese beiläufig wirken zu lassen, so waren es doch die Augen einer erfahrenen Ermittlerin, die seinen Körper regelrecht absuchte. Und auch wenn die Verlockung mehr als groß war, ihr ihre Fragen zu beantworten, grinste er nur schwach und tat sich von dem Grünzeug auf den Teller.
      Gott, er hasste Salat. Es gab nichts übleres. Vielleicht noch Pilze. Pilze waren der Teufel unter den Gemüsen, wenn es überhaupt eines war. Er würde sich nicht wundern, wenn selbst die Götter diese Dinger verteufelt hatten.
      Auf ihre Bemerkung zog er leicht die Augenbraue hoch, während er sich ungefragt vom Hauptgericht nehmen wollte.
      "Uh-la-la. Direkt gegenüber, soso. Sie führen mich in Versuchung, Ms Sallow. Wie unanständig."
      August überzog es mit absicht ein wenig und verging sich anschließend in einem kurzen Kichern.
      "Ich werde schon zurecht kommen, vielen Dank!", sagte er wesentlich ernster und begann im Salat herumzupicken. Auf ihre Frage hin jedoch sah er sie unvermittelt und direkt an und begann, breit zu grinsen.
      Er griff mit der linken Hand ins Leere und förderte zwei Weingläser zutage, die er sorgsam auf den Tisch drapierte. Sein Zeigefinger vollzog eine beinahe unmögliche Drehung und während er, an das Glas gelegt, immer höher fuhr, füllte sich das Glas mit einem blutroten Wein, der ganz bezaubert zu riechen schien.
      "Ich weiß es nicht", murmelte er grinsend und füllte sein eigenes Glas. "Sagen Sie es mir. Was glauben Sie?"
      Anschließend hob er das gefüllte Weinglas, um zwart mit ihr anzustoßen.
      "Auf einen gelungengen Abend in Freiheit, nicht oder?"

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      The more you drag me to hell
    • "Ich habe nicht über den Grundriss dieser Wohnung entschieden. Bedanken Sie sich also beim Architekten für die Lage beider Räume."
      Das leichte Grinsen ihrerseits wurde etwas breiter als Ember sah, wie August nicht unbedingt beigeistert den Salat in Augenschein nahm. Zwar tat er sich etwas auf, seine Augen sprachen allerdings Bände. Scheinbar hatte der gute Zauberer etwas gegen gesunde Rohkost.
      Normalerweise hätte Ember vehement darauf bestanden zu sagen, sie bereute ihre Frage. Spätestens, als der Mann ihr gegenüber wieder dieses Grinsen auspackte, das sie am Ehesten als unberechenbar beschreiben würde. Dass er kurz darauf zwei Weingläser aus dem Nichts zog und sie zwischen sich stellte, war beinahe schon... normal. Fast so normal, wie er nur mit seinen Gestiken die Gläser mit tiefroter Flüssigkeit sich füllen ließ.
      "Das gibt einen fantastischen Partytrick ab", bemerkte Ember und war sich zeitgleich nicht sicher, ob sie besorgt oder begeistert sein sollte.
      Mit langen Fingern zog sie das eine Glas an seinem dünnen Stiel näher zu sich. Irgendwie beschlich sie das Gefühl, dass auch nur ein Schluck aus diesem Glas ihm für irgendetwas eine Erlaubnis gab, das sich ihr noch nicht ganz erschloss. Als gute Detective konnte sich sich das bisschen Argwohn nicht nehmen lassen und beäugte den Wein im Glas.
      "Ich habe eher den Eindruck, dass Sie versuchen würden mich loszuwerden anstelle allem anderen", ließ sie August an ihren Gedanken teilhaben, stieß aber dennoch mit ihm an. Allerdings wartete sie immer noch ab, auch nur einen einzigen Schluck zu nehmen. "Das ist aber sicherlich nicht der angepriesene Wein von den Feen in Ihrem Koffer, richtig?"
      Schließlich gab sich Ember geschlagen. Nüchtern betrachtet lag ihr Schicksal so oder so in den Händen eines Schwerstverbrechers. Da konnte sie sich auch mal ein Glas Wein gönnen und sich nicht darum scheren, wo der eigentlich her kam. Diesen Entschluss sah man in ihrer Haltung, als sie unweigerlich mit den Schultern zuckte und ein Schluck vom Wein nahm. Die Reaktion war ein anerkennendes Zucken ihrer Augenbrauen.
      "Naja, gelungen in Ihrer Hinsicht bestimmt. In meiner... fraglich."
      Es wanderten ein paar Stücke des Hauptganges auf ihren Teller ehe sie sich ihrem Salat widmete. Vergaß man für einen Moment, wer sie beide waren und wie es zu diesem Umstand gekommen war, hätte man das hier als echt schlechtes Date betiteln können. Aus diesem Blickwinkel gesehen konnte die Detective nur müde darüber lachen. So schnell hatte sie sich schon lange nicht mehr in die Scheiße geritten.
      "Verraten Sie mir denn, wo dieser Wein dann herkommt? Ich glaube, ich will gar nicht wissen, wenn er aus irgendwelchen dubiosen Quellen stammt. Aber aus irgendeinem Grund müssen Sie den ja unter anderen ausgewählt haben. Übrigens haben Sie sich einer Mammutaufgabe gestellt wenn Sie versuchen sollten, mich abzufüllen. Lassen Sie sich nicht von meiner Körpergröße täuschen. Und nein, das war keine Herausforderung, bevor Sie auf den Gedanken kommen."
      Ember konnte nicht anders als auf August einzugehen. Geflissentlich bewegte sie das Weinglas auf dem Tisch, wodurch der Wein in Wallungen geriet und in rhythmischen Bewegungen im Inneren schwappte. Sie trank nicht besonders häufig, aber wenn sie es tat, dann brachte ihr das meist die Anerkennung ihrer männlichen Kollegen ein. Viel zu viele von ihnen hatte sie in ihrer Vergangenheit schon unter den Tisch getrunken.

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    • Das leichte Klingen der Glasränder erfüllte den Raum und August lächelte sie gewinnend an. sacht nahm er einen großen Schluck vom Wein und genoß ihn regelrecht. Es war das erste Getränk, dass er neben Wasser zu trinken erhielt udn er fragte sich allen Ernstes, ob Wein jemals so gut geschmeckt hatte?
      Ebenso elegant setzte er das Glas ab und nahm von der Hauptspeise reichlich und begann vorsichtig zu essen. Es war lange her, dass er mit Manieren essen musste, aber umso spaßiger war das hier.
      "Sie haben keine Ahnung, welche Tricks ich auf Partys vom Stapel lasse, Ms Sallow", grinste er lausbübisch und genoß die Fish'n'Chips.
      gut, sie waren etwas trocken, aber gerade waren sie fpr seinen verstaubten Magen das Heil der Welt und schmeckten nach den Früchten des Paradieses. Als sie weiter sprach, zog er eine Augenbraue hinauf.
      "Wie kommen Sie darauf, dass ich Sie loswerden wollte?", fragte er und sah von seinem Essen auf. "Nein, es ist nicht der Feenwein. Und damit die Neugierde ein wenig besänftigt wird:"
      er griff nochmals ins Nichts und sein Arm verschwand beinahe bis zur Schulter in einem wirbelnden Kreisel aus flirrender Luft. Anschließend zog er eine angebrochene Flasche aus dem Nichts zurück, auf dem eindeutig ein Etikett prangte.
      "Ein simpler Supermarktwein", sagte er grinsend. "Ich bin nicht allmächtig, wenn es auch nahe kommt."
      August stellte die Flasche auf den Tisch und nahm einen weiteren Schluck aus dem Glas, wie um ihr zu zeigen, dass er sie nicht vergiftete.
      "Ich habe mitnichten vor, Sie abzufüllen", bemerkte er anschließend, nachdem er einen weiteren gewaltigen Bissen des Hauptgerichtes verschlungen hatte. "Ich mag es nicht, Frauen gefügig zu machen. Ob Sie es glauben oder nicht, ich stehe auf willentliche Annäherungen. Und auch wenn sie offenbar nicht so recht Spaß an diesem Abend haben, amüsiere ich mich prächtig."
      Er sah sie nochmals an und grinste breit.
      "Davon abgesehen, glaube ich nicht einmal, dass der Abend für Sie nicht in irgendeiner Version unterhaltsam war. Ich erinnere mich an eine junge Frau, die mit leuchtenden Augen durch meinen Koffer ging. Also würde ich sagen, ist mir hier zumindest ein Teilerfolg gelungen, nicht wahr?"
      Der letzte Bissen seines Tellers verschwand beinahe artistisch in seinem Mund, ehe er er die Augenbrauen nochmals erhob und ein nuschelndes Geräusch bon sich gab, ehe er wieder sprechen konnte.
      "Verflucht. Heiss. Was ich sagen wollte: Wenn wir morgen gen Untergrund gehen, möchte ich Sie bitten, mich nicht mehr August Foremar zu nenne. Ich pflege dort unten den NAmen Abimael Glass zu tragen. Selbiges würde ich Ihnen ebenso empfehlen. Suchen Sie sich einen anderen Namen aus. Es ist nicht gut, wenn gewisse Individuen Ihren Namen kennen."

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    • Allem Anschein nach hatte Ember nicht vollkommen verlernt, eine blickdichte Maske um sich selbst zu wahren. Denn auch wenn es nach außen hin nicht so aussah: Die letzten Stunden waren in der Tat spaßiger gewesen als die letzten Wochen zusammen. Nicht nur, dass sie einen echt heftigen Fall verfolgen musste. Obwohl sie eigentlich vehement darauf pochen müsste, sich etwas einfallen zu lassen, wie sie den Arcana wieder ins Evenstar verfrachten konnte, fand sie eine abstruse Art von Gefallen daran, mit dem Rogue zusammen zu arbeiten. Man möge es die verbotene Frucht schimpfen, aber August war soweit ab von den stocksteifen Kollegen bei der Magischen, dass er durchaus einen frischen Wind hereinbrachte und sinnbildlich die dicke Staubschicht auf Embers Gesicht fort bließ.
      "Warum Sie mich loswerden wollen? Ich gehe mal stark davon aus, dass Sie nicht ins Evenstar zurück wollen und mich so einschätzen, dass ich Sie genau dorthin wieder hinbringen will. Also wäre es praktischer für Sie, mich loszuwerden, egal in welchem Kontext. Zumal ich ja nun auch das ein oder andere von Ihnen weiß."
      Wie zuvor mit dem Glas angelte Ember nach der Weinflasche,um einen Blick auf das Etikett zu werfen. Sie hob eine Augenbraue, als sie die Marke erkannte und wusste, dass der Laden, in dem Tarah vorhin war, genau den gleichen verkaufte.
      "Dass Sie sich amüsieren hab ich mir schon fast denken können", erwiderte sie, wobei ihr Mundwinkel leicht zuckte während sie ein Grinsen nur leicht verbarg. "Und ja, der Koffer war wirklich spannend. Hab auch nichts dagegen, einen weiteren Abstecher da rein zu machen und zu schauen, was Sie da drin noch alles verstecken." Dass sie dabei unwissentlich mehr oder weniger genau ins Schwarze traf, wusste sie zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht.
      Während die Detective einen weiteren Schluck vom Wein nahm, beobachtete sie den Mann ihr gegenüber etwas eingehender. Die Art, wie er aß und mit unverholener Begeisterung den Wein trank, sprach Bände. Fast hatte sie vergessen, wie lang dieser Mann bereits im Gefängnis eingesessen und demnach auch nichts Ordentliches mehr kredenzt bekommen hatte. Was für einen Außenstehenden mit einer guten Portion Verwirrung gesehen werden mochte, war für Ember schon fast ein kleines Highlight. Noch nie hatten trockene Kartoffelstreifen und panierter Fisch solch eine Begeisterung bei einem Menschen ausgelöst.
      Er machte es ihr schwer, die notwenige kalte Distanz zu ihm halten.
      "Sie erwähnten bereits den Punkt mit den Namen. Erinnern Sie mich doch morgen nochmal daran, falles ich es in so kurzer Zeit vergessen sollte." Als sie selbst den ersten Bissen von ihrem Fisch nahm, verzog sie das Gesicht. Das nächste Stück ertränkte sie beinahe vollständig in Mayonaise. "Alles klar, ich überleg' mir bis morgen was Schönes. Wann ziehen wir los? Gibt's eine Präferenz? Aufgrund gewisser Umstände bin ich plötzlich viel flexibler als vorher."

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • August sah mit verdattertem Blick zu, wie sie ein Stück kostbaren, wohlschmeckenden Backfisches in einer Salve von Majonaise ertränkte, dass es ihm beinahe hochkam. Kopfschüttelnd leerte er sein Glas und schob seinen Teller von sich.
      "Es war schmackhaft, Ms Sallow. Ein paar häusliche Fähigkeiten scheinen sich auch ihrem stählernen Körper entlocken zu lassen", bemerkte er grinsend und erhob sich leicht. Als er sich herumdrehte, um zur Tür zu gehen, erstrahlte auch das letzte seiner Tätowierungen in voller Pracht. Wobei man das Kunstwerk auf seinem Rücken nicht als Tätowierung verstehen konnte. Auf dem Rücken befand sich eine schwere, tiefe Narbe, die offenbar mit einem grobem Messer in die Haut geritzt wurde. Dort stand in klaren Lettern und bleicher Hautheilung das Wort "TEUFEL" deutlich hervorgehoben. Darüber, knapp unter seinem Haar beginnend, eine eingekreiste "15", die seinen Arcana-Rang festigte.
      "Ich behaupte", begann er ungeachtet seiner Offenbarung und während er sich in den Türrahmen lehnte. "Dass sie mich nicht mehr loswerden wollen, wenn der Fall vorrüber ist. Ansonsten habe ich ja einen Koffer, der Sie neugierig macht. Was hinderte mich daran, Sie dort einfach einzusperren oder der Chimäre vorzuwerfen? Zumindest einer der Köpfe frisst Menschenfleisch. Aber es ist wie es ist, Ms Sallow.
      Jeder, der mich mit diesen kalten, berechnenden Augen ansah, naschte von der verbotenen Frucht, die ich bot. Für jeden Mag sich das anders darstellen, aber was ich auch Ihnen bieten kann, ist Freiheit, meine Liebe. Die Freiheit, endlich die zu sein, die sie sein wollen. Ohne ein Urteil oder Richtspruch. Und jeder möchte doch nur frei sein, nicht wahr?"
      August grinste breit und ehrlich, während sie ihre Frage stellte.
      "Ich denke, sobald wir wach sind und Sie landfein, ziehen wir los. Der Untergrund schläft nie. Ach, ehe ich es vergesse: Wir sollten ab morgen eventuell zum "du" übergehen, da wir sonst dort unten auffallen. Es gibt keine Höflichkeit unter Gaunern. Das spart man sich für den Richter."
      Kichernd wandte er sich um und winkte.
      "Wenn SIe nicht vorhaben, mir zu folgen und mir bei einer Dusche Gesellschaft zu leisten, würde ich nun gerne Ihre Dusche entweihen, wenn es recht ist."

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    • "Dann wünsche ich viel Spaß beim Duschen. Wie gesagt, Handtücher findest du unter dem Waschbecken."
      Eigensinnig runzelte Ember die Stirn. Erstaunt darüber, wie schwer es ihr fiel, den Mann tatsächlich zu duzen. Es mag durchaus lächerlich klingen, aber das Siezen erzeugte in ihrem Kopf eine weitere Ebene der Distanz, die sie nun einbrechen lassen musste. Es wäre fatal, wenn sie August morgen fälschlicherweise Siezen würde. Also musste sie sich jetzt schon mit dem Gedanken und vorallem dem Klang auseinander setzen.
      Ember wartete solange ruhig am Esstisch bis sie den gewohnten Klang der knarrenden Badezimmertür hörte, die sich wegen der Feuchtigkeit ständig verzog. Erst dann verfiel sie in ein Grübeln über das, was sie gerade gesehen hatte. Bereits die Verzierungen auf der Brust des Rogues waren spannend gewesen, obwohl sie vermutlich bei einem Kundigen deutlich mehr Begeisterung hervorgerufen hätten. Es war sein Rücken gewesen, der sie nachdenklich stimmte. Auch davon hatte die Detective nur gehört, wie sich die Arcana ihren Namen und Rang quasi auf die eigene Haut brannten. Wie das geschah, wusste niemand. Womit es geschah schon eher. Während sie nachdachte schob sie einzelne Krümel auf ihrem Teller hin und her ehe sie seufzte und auch ihr Weinglas leerte. Einen Augenblick lang musterte sie die Flasche, die August einfach auf dem Tisch hatte stehen lassen. Dann gab sie sich einen Ruck und füllte ihr Glas wieder auf.
      Kurz darauf hörte sie, wie das Wasser aufgedreht wurde. Das unmissverständliche Signal für die Ermittlerin, sich endlich vom Esstisch zu lösen. Das Weinglas war halbleer als sie es an die Spüle stellte und sich damit ablenkte, den Tisch abzuräumen und die Reste mit Frischhaltefolie abzudecken und im Kühlschrank zu verstauen. Anstatt händisch zu spülen räumte sie alles in ihre Spülmaschine.
      Mit dem Weinglas in der Hand kehrte Ember halb ins Wohnzimmer zurück. Unwissentlich lehnte sie sich wie der Zauberer zuvor in den Türrahmen, einen Arm um die Taille gelegt, der andere hing halb in der Luft mit dem Weinglas in der Hand. Hin und wieder nahm sie einen Schluck, den Blick eisern Richtung Badezimmertür gerichtet. Es war schon so lange her gewesen, dass Ember männlichen Besuch in ihrer Wohnung empfangen hatte, dass der pure Gedanke daran sie nicht wirklich zur Ruhe kommen ließ. Das ständige Gefühl von fehlender Privatssphäre war allgegenwärtig. Natürlich würde sie ihm nicht ins Bad folgen. Ganz bestimmt nicht. Sie betete die Worte wie ein Mantra in ihrem Kopf während sie das nun leere Weinglas zur Spüle stellte und langsam zur Badezimmertür schlenderte. Allerdings bog sie ohne zu zögern vorher ab in ihr kleines Büro. Es gab da ein paar Dinge, die sie heute gesehen hatte und besser festgehalten werden wollten.

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    • Foremar schloss die Badezimmertür hinter sich und betrat das kleine Bad.
      Eine Toilette, eine Dusche, ein paar Handtücher in einem behelfsmäßigen, aber ordentliche Regal. Der Stil der Wohnung setzte sich auch hier weiterhin fort, wenn er so darüber nachdachte. Und irgendwie gab es ihm eine bissige Zufriedenheit wieder. Schweigend entledigte er sich seiner Kleidung als er so nackt im Bad stand, blickte er kurz auf die Tür. Ihm war beinahe, als würde sie sich bewegen und gleichsam öffnen. Es mochte aber auch das typische Knarren gewesen sein, welches sich scheinbar regelmäßig an der Tür vollzog.
      August seufzte und bemerkte ersst jetzt, dass das "du" in ihren Sätzen. Es klang falsch und beinahe zu vertraut, dass es ihm übel würde. Er hätte nie gedacht, dass er Ulysses einmal für eine Äußerung derart hassen konnte,a ber erstaunlich war es schon. Sallow war ihr ähnlich. Zwar nicht in allem,a ber zumindest in ein paar EIgenschaften und wenn er ehrlich war ängstigte ihn das auf eine Art und Weise, die er nicht in Worte fassen konnte.
      Foremar starrte sich kurz im Spiegel an und nahm seine dreckigen, gräulichen Haare in die Finger und zwirbelte sie leicht. Sein Gesicht wirkte noch immer hager und die durchdringenden Augen noch immer stumpf und tot. Wann hatte er zuletzt gelebt? Oder Leben gespürt? Musste eine ganze Weile her sein.
      Schlussendlich sprang er unter die Dusche und genoß das warme Wasser auf seiner Haut. Der Ankündigung gemäß nahm er kein Duschgel oder Shampoo, sondern fuhr nur mit schlanken Fingern über seine Haut, die vom Dreck befreit wesentlich besser aussah. Als er über die Narbe seines Rückens strich musste er grinsen. Es sah aus, als habe man es absichtlich reingeritzt. Schweigsam erinnerte sich schmerzhaft an die Tatsache, dass es Thomas war, der dieses Wort in seinen Rücken ritzte.
      Teufel...
      Ja, das war er wohl, nicht wahr? Ein Teufel unter Menschen. Ein Wolf im Schafspelz. Der Mann, der zu tief blickte. Der zu weit ging. Weiter als die anderen.
      Während er sich abtrocknetete sinnierte er noch eine Weile und schlang sich das Handtuch um die Hüften. Nichts gegen einen kleinen Spaß, aber er mochte nach einer Dusche keine Kleidung an seinem Körper. Knarrend öffnete sich die Tür und immer noch in Gedanken wanderte er zum Sofa, um seinen Koffer hervorzunehmen. Klamotten sollten reichlich vorhanden sein.

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