[2er RPG] Vessels [Asuna & Winterhauch]

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    • Ein dezentes Lächeln stahl sich auf Syleas Lippen, als Cain ihr das Handtuch aus den Fingern wand, um sie eigentständig abzutrocknen. Sei neigte den Kopf ganz leicht, damit er leichter an ihre Haut gelangen konnte. Seine Worte bestätigten ihren inneren Wunsch, dass er seinen Gefühlen endlich Worte verleihen konnte. Während er sie weiterhin abtrocknete, drang ein leises Summen aus des Vessels Kehle. Eine Melodie, die sie irgendwo mal gehört hatte, jedoch nicht zuordnen konnte. Sie vermittelte ihr jedenfalls ein Gefühl des Friedens, das sie gerade für sehr angebracht hielt.
      Als Cain zufrieden war, nahm Sylea das Handtuch entgegen, um ihre Haare abzutrocknen. Früher oder später würde sich die junge Frau daran gewöhnen müssen, dass ihre einstige Haarpracht sich vorerst verabschiedet hatte. Immer wieder brachen einzelne Erkenntnisse aus ihr hervor, wie jetzt zum Beispiel der Gedanke, dass die kürzeren Haare wesentlich schneller trocknen konnten.
      "Ich bin absolut jederzeit für Essen zu haben", grinste Sylea unverholen bei dem Gedanken, wie viele Kalorien allein er vorhin verbaucht haben musste. "Sag mir, wenn ich dir helfen kann."
      Kaum hatte sie sich das Handtuch um den Leib gewickelt, ergriff Cain ihre Hand und führte sie aus dem Badezimmer. Allerdings stoppte er fast umgehend, als seine Aufmerksamkeit auf sein Handy landete, das sich hörbar bemerkbar machte. Ab der Sekunde, wo sich ihre Hände voneinander lösten, begann ihre Auraverbindung empfindlich an Konstanz zu verlieren. Mit jedem Schritt, den der Seeker von ihr weg tat, verdünnte sich der Nebel zwischen ihnen, brauchte länger, um von einer Seite zur anderen zu gelangen. Cain konnte es nicht sehen, aber Sylea sah eindeutig, wie sich ihre Auren spannten und versuchten, in einer Einheit zu bleiben.
      Bei Cains Worten wurde Syleas Ausdruck ernst. Sie antwortete nicht direkt, sondern verfiel in ein Schweigen als sie begann, ihre Auren voneinander zu trennen. Vorsichtig, mit der Präzision eines Chirurgen, löste sie die Verbindungen, schaffte klare Grenzen wo vorher keine mehr waren. Mit jeder weiteren Sekunde verlor das Vessel ein Stück der Gefühlswelt des Mannes ihr gegenüber. Bis sie schließlich wieder allein in ihrer Welt war und froh darüber war, dass sie die Trennung eigenständig und sorgfältig durchgeführt hatte.
      Grübelnd verschränkte sie die Arme vor der Brust. "Es ist okay, wenn er vorbei kommt. Es ist nicht so schlau, wenn er mit mir reden will. Geht das nicht vielleicht über Telefon? Ich befürchte, wenn er in Reichweite kommt wird Anifuris aktiv."
      Sylea lauschte in sich. Und hörte nur Stille.
      "Ich gehe stark davon aus, dass er immer noch ein Auge auf deinen Kumpel werfen wird... Ich meine ja nur. Ich tue mein Bestes, damit nichts passiert aber wohl ist mir dabei nicht."
      Mit diesen Worten schob sie sich an Cain vorbei zum Schlafzimmer hin. Sie musste sich neue Kleidung suchen, nachdem er die alte einfach unter der Dusche ertränkt hatte. Obwohl... eigentlich war sie ja daran schuld gewesen. Bei dem Gedanken kaute sie an der Innenseite ihrer Unterlippe herum während sie die Tasche nach etwas Anziehbarem durchsuchte, das nicht Kleinkind schrie.
      Nach einigen Minuten trat sie zu Cain in die Küche, nun mit einer viel zu weiten Jogginghose und dem pinksten Hoody ausgerüstet, den sie hatte finden können. Dank der Farbe wirkte sie immerhin nicht mehr ganz so kränklich blass.
      "Wann wird er hier sein? Weißt du, was genau er fragen will?", versuchte sie an weitere Informationen zu kommen als sie neben den Seeker an die Küchenzeile trat und beobachtete, was er da trieb.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Eine unsichtbare Kraft zerrte an der goldschimmernden Aura.
      Mit jedem Schritt spannte sich das gewobene Band zwischen ihnen und dehnte sich bis an die Grenzen seiner Möglichkeiten aus. Bevor jedoch die Energien schmerzlich und ruckartig zurück schnappten, löste Sylea präzise die leuchtenden und pulsierenden Auren von einander. Eine andere Erklärung für die sanfte Trennung hatte der Seeker nicht. Die letzten Verknüpfungen trennten sich, öffneten die verschlungenen Knoten, die sein Bewusstsein mit Syleas verband. Was zurückblieb, war eine fremdartige Leere in seinem Kopf, der sich ohne die Gedanken und Gefühle der jungen Frau seltsam hohl anfühlte. Das Gefühl ein Stück von sich verloren zuhaben, erstreckte sich bis in das Gold seiner Aura, das sich noch viele Minuten suchend und wirr nach seinem Gegenstücke streckte und ausdehnte.
      Erst Cain, der seine schützenden Kontrollwände wieder hochzog, gebot den wuchernden Ausläufern seiner Aura Einhalt. Er würde sich an diesen Zustand wieder gewöhnen müssen. Es war unmöglich diese innige, tiefe Verbindung zu jeder Zeit aufrecht zu erhalten. Der Verstand benötigte ebenfalls eine Form der Ruhe, um sich von den vertrauten aber fremden Emotionen und Gedanken zu trennen, um das eigene Selbst nicht aus den Augen zu verlieren.
      Schweigend suchte er ein paar verstreute Kleidungsstücke zusammen, um sich endlich wieder etwas brauchbares anzuziehen. Lediglich mit einem Handtuch um die Hüften am Herd zustehen, erschien ihm unpassend. Schmunzelnd, aber über ihre Bitte nachdenkend, schlüpfte er in eine trockene Jogginghose und ein einfaches Shirt, dass zufällig im Bad auf der Kommode lag. Er hatte alles am Morgen dort liegen lassen, bevor er das Apartment verlassen hatte.
      Als Sylea die Küche betrat war der Seeker gerade dabei Champignons zu vierteln und in eine Schale zu werfen. Mühelos glitt das scharfe Messer durch das weiche Pilzgewächs. Neben ihm auf einem Backblech hatte Cain bereits einen Teig ausgerollt.
      Er spürte die Rubra bevor sie die Küche überhaupt betreten hatte und lächelte still, während sie sich neugierig näherte und an ihm vorbei auf die Arbeitsfläche schaute.
      "Um auf deine Frage zurückzukommen.", fing er an und nahm sich eine Zwiebel, die er vorsichtig zu schälen begann. "Wenn dir das Risiko zu groß ist, sage ich Jace, dass ich später zu ihm komme. Wobei dich allein zu lassen, mir nicht behagt. Es geht dabei nicht darum, dass ich deinen Fähigkeiten nicht traue, aber wir werden noch immer gesucht. Falls sie diese Wohnung finden, will ich hier sein."
      Der beißende Geruch der Zwiebel stieg ihm in die Augen und er blinzelte, während er unterdrückt und unverständlich fluchte.
      "Jace wird erst spät hier sein, vermutlich zwischen 22 Uhr und 23 Uhr. Wenn es in den Straßen etwas ruhiger geworden ist. Zu viele Menschen sind nicht wirklich sein Ding.", erklärte Cain und fing damit an die Zwiebel in feine Würfel zu hacken. "Und nein, er hat mir am Telefon nichts verraten. Jace ist etwas paranoid. Ein Telefongespräch birgt immer das Risiko abgehört zu werden, auch wenn er sehr gründlich arbeitet. Hier ist er sich zumindest sicher, dass alles wanzenfrei ist."
      Cain zuckte mit Achseln und warf einen Blick zu Seite. Beim Anblick des fürchterlich, pinken Hoodies verzog er gleichzeitig grinsend und missbilligend das Gesicht. Er musste dringend mit dem Hacker über die Kleiderauswahl sprechen.
      "Ich bin kein Gourmetkoch. Kannst du mir den Käse aus dem Kühlschrank holen?", lachte Cain. "Ist Pizza okay für dich?"
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • "Mir ist das Risiko nicht zu groß. Ich mache mir eher Sorgen um Jace. Er weiß nicht, was da in mir steckt. Du schon."
      Sylea konnte nicht anders als den hellen Teig auf dem Backblech mit ihrem Zeigefinger zu pieken. Sie mochte das Gefühl, wie der weiche Teig nachgab und eine kleine Delle hinterließ, kaum größer als ihre Fingerspitze.
      "Vielleicht haben wir ja auch Glück und Anifuris hält sich zurück. Er ist sowieso die gesamte Zeit über ungewöhnlich still. Seit dem Balkon hat er sich fast gar nicht mehr bemerkbar gemacht. Ich bin mir nicht sicher, ob das gut oder schlecht sein soll...."
      Das Vessel ließ vom Teig ab und fischte sich ein Pilzstück aus der Schale, um es sich in den Mund zu stecken. Mit der Hüfte angelehnt an der Arbeitsfläche stand sie da und musterte Cain, wie er die Zwiebeln würfelte. Dann warf er ihr einen Blick zu, verzog das Gesicht in einer nicht ganz eindeutigen Art und Weise und widmete sich wieder der Zwiebel.
      "Hab mir fast gedacht, dass das Pink zu krass ist", grinste die junge Frau und machte sich auf den Weg zum Kühlschrank, um den besagten Käse zu holen. "Pizza klingt toll. Hatte ich das letzte Mal mit Acht, glaube ich. Meine Mutter hat die immer selbst gebacken weil sie der Meinung war, die Industrie kriegt den Boden nicht richtig hin."
      Als sie die Tüte mit dem bereits geraspelten Käse entdeckt hatte, brachte sie die Tüte zu Cain, der sie mit einer Schere öffnete. In der Zwischenzeit inspizierte Sylea ein weiteres Mal den Kühlschrank. Machte er die Soße selbst oder hatte er irgendwo ein Glas versteckt?
      "Ich werde mich mental einfach ein wenig rüsten bevor er hier auftaucht. Kannst du Jace aber wenigstens vorwarnen, was passieren könnte? Er darf auf keinen Fall blind hier rein geworfen werden. Überraschungspotenzial ist für Anifuris nur föderlich."
      Das hatte die alte Seele ihnen mehr als nur einmal bewiesen.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • "Erwarte kein kulinarisches Highlight. Mit der Erinnerung werde ich bedauerlicherweise nicht mithalten können", lachte Cain. "Besondere Wünsche für den Belag?"
      Dabei rieb er mit den Fingerspitzen über seine Nasenflügel, um das juckende und beißende Gefühl der Zwiebeldämpfe zu vertreiben. Den gewünschten Erfolg hatte es leider nicht, so dass sich der Seeker theatralisch mit dem Ärmel über die tatsächlich tränenden Augen wischte. Gott, er hasste es Zwiebeln zu schälen. Das beste Essen taugte ohne das quälende Gewächs leider nichts. Schief grinsend nahm er Sylea den Käse aus der Hand. Der suchende Blick war ihm nicht entgagngen, da zauberte Cain ein Glas mit Schraubverschluss und roter Soße hervor und reichte es Sylea mit einem auffordernden Nicken.
      "Das Pink ist...gewöhnungsbedürftig.", scherzte der Seeker. "Und eindeutig nicht deine Farbe. Wir müssen dir dringend vernüftige Klamotten organisieren. Wenn du in dem Ding draußen herumläufst, findet dich der Rat auch ohne die Hilfe von Seekern oder Helyon."
      Mit einer flüchtigen Bewegung seiner Hand wischte er die gewürfelten Zwiebeln in die Schüssel mit den Pilzen und sah abwartet zu der jungen Rubra, die die Soße mit einem Löffel auf dem Teig verteilte.
      "Okay. Ich verspreche dir, Jace vorher aufzuklären, bevor ich ihn in die Wohnung lasse. Aber wir werden um das persönliche Gespräch nicht herumkommen. Da war er sehr deutlich.", murmelte Cain. "Weißt du welches Interesse Anifuris an Jace hat? Hat er irgendeinen Hinweis darauf gegeben?"
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    • "Nichts", verneinte Sylea Cains Frage, ob sie etwas über Anifuris Beweggründe wusste. "Ich habe nur gespürt, dass er ein Interesse hegt. Aber ich glaube, das tut er bei allem, was ihm potenziell nützlich sein kann. Ich kann mir gut vorstellen, dass er mithilfe Jace's Erinnerungen sich einige der neusten Technologien und Zusammenhänge erklären kann. Immerhin war er gut zehn Jahre in mir eingesperrt und davor.... hm... keine Ahnung wie lange nicht auf Erden."
      Wenn du jetzt fragen willst, ob ich Autos und Flugzeuge kenne....
      Sylea schüttelte vehement den Kopf, eine autonome Reaktion, die sie nicht wirklich kontrollieren konnte. Stattdessen strich sie emsig weiter die Soße aus. Anders konnte sie sich das Interesse der Seele nicht erklären.
      "Ich war damals ein riesen Fan von Thunfisch. Oh, allgemein Fisch gab's in der Kathedrale nicht. Da war zwar ein Fluss, aber mehr als Rotaugen sind da nicht gewesen. Und versuch mal, die kleinen Fische mit bloßer Hand zu fangen."
      In Erinnerungen schwelgend legte sie den Löffel in die Spüle, krallte sich die Schüssel mit den Champignons und verteilte sie auf dem Boden. Dann nahm sie Cain die Schüssel mit den Zwiebeln weg, da er noch immer mit den Tränen am kämpfen war. Sylea hingegen war Feuer und Flamme für alles, was sie seit Ewigkeiten nicht mehr gegessen oder gerochen hatte. Das traf auch für so etwas lächerliches wie Zwiebeln zu.
      "Na gut. Dann machen wir Pizza, essen was und warten dann auf Jace.... Kann ja nur gut werden", murmelte Sylea und wurde das ungute Gefühl einfach nicht los.

      Einige Stunden später saß Sylea gesättigt auf der Couch im Wohnzimmer und starrte durch die Panoramafenster nach draußen. Es war bereits dunkel, doch durch die Lichter der Stadt konnte man keine Sterne am Firmament erkennen. Einzig die Scheinwerfer der Autos auf der Straße bewegten sich wie kleine Glühwürmchen in bestimmter Richtung vorwärts.
      Sylea hatte noch immer den grausamen pinken Hoody an, die Beine auf dem Sofa angezogen und die Arme darum geschlungen. Nach dem Morgen traute sie sich nicht mehr im Dunkeln nach draußen, selbst wenn Anifuris ihr bestätigen sollte, dass die Luft rein war. Die Vögel am Morgen waren Zeichen genug gewesen, dass sie nicht aufmerksam genug war und eine nahende Gefahr vermutlich nicht frühzeitig orten konnte.
      Als es an der Tür klingelte warf das Vessel nicht mal einen Blick zurück. Stattdessen schloss sie die Augen, zog das Netz um Anifuris' Aura enger, fast schon zum zerreißen gespannt. Er würde den Teufel tun und tun und lassen können, was er wollte. Er war in ihrem Körper, das hatte sie ihm hoffentlich zur Genüge klar gemacht.
      Ich sage es dir gerne noch einmal: Frage die Fragen, wie ich es auch täte und du musst dich nicht sorgen.
      Ach, und ich soll dir vertrauen? Nach all dem? Wenn du nur tust, was dir persönlich etwas bringt und nicht mir, ja?
      Du bist zu jung, Sylea. Dir war nicht mal im Ansatz klar, dass der Rat ein größeres Ziel verfolgt, zu dessen Erfolg ich... wir maßgeblich beitragen könnten. So ungern ich das sage: Du solltest einmal in Betracht ziehen, mit mir zusammenzuarbeiten.
      Sylea schnaubte hörbar. Ihr Kopf zuckte leicht nachdem sie gehört hatte, dass Cain zur Tür gegangen war und leise Worte mit jemanden ausgetauscht hatte. Das weitere Klacken bedeutete ihr, dass Jace eingetreten war. Ohne ihr zutun erstreckte sich ihre silberne Aura, streifte das Gold des Seekers und traf dann auf die Farbe, die sie zuvor nur vage gefühlt hatte. Ein tiefes Violett, das teilweise von weißen Blitzern durchzogen war.
      Seufzend ließ die junge Frau ihre Beine los, streckte sie aus und setzte sich etwas ansehnlicher hin. Zumindest soweit, wie es der grausige Hoody zuließ.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ein Klingeln holte Cain aus der tiefen Konzentration zurück.
      Der Seeker stand mit den Armen hinter dem Rücken verschränkt am großen Panoramafenster und blickte durch die Lücken zwischen den schweren Vorhängen in die Nacht hinaus. Die Stadt wirkte trotz der angebrochenen Dunkelheit lebendig und pulsierte mit der Energie zahlreicher Nachtschwärmer, die ihren Weg nach Hause noch nicht finden konnten. Oder wollten. Ein kaum merkliches Zucken erfasste seine Schultern aufgrund des schrillen Geräusches der Türklingel. Er warf einen flüchtigen Blick zu Couch, auf der Sylea mit geschlossenen Augen saß und ganz und gar nicht entspannt wirkte. Cain konnte es ihr nicht verdenken. Die junge Rubra musste doppelt präsent sein, sowohl für Jace Ankünigung als auch um Anifruis in Schach zu halten.
      Ein blitzschnelles Telefonat hatte den Hacker nicht davon überzeugen können, ihr Gespräch über die nötige Distanz zu führen. Cain wusste, dass der Blonde eine ungesunde Neugierde für alles Unbekannte hatte. Und jeder kannte das Sprichwort über die neugierige Katze.
      Cain war in wenigen Sekunden an der Tür und ließ seinen alten Freund über die Schwelle treten. Mit einer Hand auf dessen Brust stoppte er ihn jedoch vor weiteren Schritten in die Wohnung hinein. Die beiden lieferten sich ein zunächst stummes Blickduell, ehe sie in gedämpften Stimmen zu sprechen begannen. Der Seeker war bemüht nicht zu viele Details auzuplaudern, aber zumindest Jace ein deutliches Bild davon zu machen, welcher Gefahr er sich womöglich aussetzte. Genervt verdrehte der Hacker die Augen und wischte die Hand, die ihn aufhielt, fort.
      "Ich bin kein verdammter Frischling, Cain. Also reg dich ab.", wisperte Jace und schob sich an ihm vorbei.
      Der Hacker betrat das Wohnzimmer und entdeckte augenblicklich die sitzende Person auf der Couch. Der pinkte Hoodie machte es auch völlig unmöglich Sylea NICHT zu sehen. Ein schiefes Grinsen legte sich auf das feingeschnittene Gesicht. Jace wirkte jünger als Cain, obwohl sie beide das gleiche Alter besaßen. Unter seinem Arm klemmte ein Laptop. Lässig pustete sich Jace die blonden Ponysträhnen aus der Stirn und ging in gerade Linie direkt auf Sylea zu. Allerdings sah er davon ab ihr die Hand zu reichen. Die Information, dass direkter Hautkontakt jeglicher Art quasi eine Einladung für die alte Seele darstellte, nahm er durchaus ernst.
      "Da muss ich Cain ausnahmsweise Recht gebe. Und der Mann hat nun wirklich keinen Geschmack.", begrüßte er Sylea und machte eine wegwerfende Bewegung mit der Hand. "Aber das Pink sieht grauenvoll aus. Ich bin Jace, aber das weißt du sicherlich schon. Ich muss sagen, ich bin sehr erstaunt, wie schnell deine Verletzungen verheilt sind. Die Rückbank eures Jeeps sah aus wie nach einem Massaker."
      Cain war hinter das Sofa und somit in Syleas Rücken getreten und stützte sich auf der Rückenlehne mit den Händen ab, während Jace in einem der gemütlichen Sessel Platz nahm und den Laptop auf dem Couchtisch öffnete.
      "Obwohl mir nach wie vor nicht klar ist, was ihr mit diesen angestaubten Chroniken vorhabt, habe ich eventuell eine Möglichkeit gefunden Cain in den Sicherheitsbereich zu schleusen. Das Museum ist auf der Suche nach neuem Sicherheitspersonal. Ich könnte dich entsprechend einschleusen, aber es besteht das Risiko, dass sie während deiner kleinen Erkundungstour merken, dass noch gar keine Auswahl in der oberen Führungsetage stattgefunden hat."
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    • Die erste Warnung, die Sylea bekam, war ein Knistern in ihren Ohren. Eine Welle tausend kleiner Nadelstich schwappte über ihren Körper hinweg in dem Moment, als sich ihre Augen auf Jace legten. Ihre Blicke trafen sich, dann bewegte sich der Gast in gerader Linie auf das Vessel zu. Augenblicklich versteifte sie sich. Eine weitere Welle ergoss sich über sie, als er viel zu nah an ihr stehen blieb und immerhin daran dachte, ihr nicht die Hand zu reichen. Die plötzliche Spannung dürfte Cain, der in ihrem Rücken stand, nicht entgangen sein.
      "Noch keinen Kontakt mit einem Vessel mit einer mächtigen Seele gehabt?", fragte Sylea auf Jace's Bemerkung hin, die Grundspannung übertrug sich sogar bis in ihre Stimme.
      Sie wollte nicht feindlich klingen. Aber die ständige Angst, dass bei einem Moment der Unachtsamkeit die Hölle losbrechen könnte, ließ sie hadern. Die Empfindung gerade waren eine natürliche Reaktion Anifuris' gewesen - ein unbedachtes Abtasten, dass er immer tat, wenn jemand Neues in Reichweite kam, den er erst einmal einschätzen musste.
      "Ich per se habe mit den Chroniken nichts vor. Die Seele in mir hingegen schon", entgegnete Sylea schlicht und ergreifend während sie sich noch immer keinen Zentimeter bewegt hatte. "Das klingt doch besser als ein offensichtlicher Einbruch, wenn du mich fragst. Sollten sie es merken, dürfte Cain schnell genug sein, um einfach abzuhauen."
      Schließlich hatte Sylea gesehen, wie schnell der Seeker reagieren konnte wenn er auf der Höhe war. Sie bezweifelte stark, dass das Wachpersonal eines Museum einen trainierten Seeker wirklich aufhalten konnte, wenn dieser es darauf ankommen ließ. Trotzdem...
      Unwillkürlich schlossen sich ihre Finger um ihre Oberarme etwas fester. Sie hatte nur Sekunden gebraucht um festzustellen, dass Jace wirklich nicht in ihrer Liga spielte, weder fremde Aurafetzen noch andere Einflüsse in seiner Aura mit sich trug. All das konnte sie erörtern ohne Anifuris zu Rate zu ziehen.
      "Aber das alles hätte man auch anders kommunizieren können. Dafür müsstest du nicht hier persönlich auftauchen. Ich weiß, dass Cain dich gewarnt hat, aber du unterschätzt maßlos zu was meine Seele fähig ist. Du denkst, die Rückbank des Jeeps war ein Massaker? Dann hättest du sehen müssen, was die Seele in Hollow Point alles angestellt hat. Sie hat deinen Freund dazu genötigt, mir die Knochen zu brechen. Einfach so. Sie hat erfahrene Hunter sich selbst umbringen lassen. Eine andere Seele einfach freigesetzt. Das war vor ein paar Tagen und du wähnst dich in Sicherheit?"
      In diesem Moment besaß Sylea so viel Kontrolle über Anifuris wie zu keinem anderen Zeitpunkt zuvor. Das bedeutete aber noch lange nicht, dass sie fahrlässig wurde. Es war nur eine Frage der Zeit, eine Frage des Willens, bis sie beide wieder aneinander gerieten und dann neu ausspielen durften, wer eigentlich wen unterjochte.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Einen Augenblick lang reagierte Jace gar nicht auf das Gesagte.
      Geschäftig tippte der Hacker auf der Tastatur herum, wobei die Anschläge wenig sanft und von einem rasanten Tempo waren. Die Außenwelt existierte für ihn nicht. Bis er er den Kopf ruckartig hob und Sylea mit skeptischem Blick fixierte. Das Lächeln auf seinem Gesicht fortgewischt, wie eine lästige Angewohnheit. Stattdessen fand sich bitterer Ernst in seiner Miene wieder.
      "Oh, ich weiß sehr wohl, was du und dein gestaltloser Freund in Hollow Point angerichtet habt.", bemerkte Jace spitz und drehte in einer geschmeidigen Bewegung den Laptop gut sichtbar für die junge Rubra um.
      Bilder einer Überwachungskamera flimmerten über den Bildschirm. In einer fast altmodischen Aufnahme in Graustufen war deutlich Cain zu erkennen, der mit Sylea auf dem Arm durch die Halle eilte und dabei Tod und Verwüstung hinterließ. Nein, nicht der Seeker selbst, sondern die ohnmächtige Frau, die er trug wie einen kostbaren Schatz. Um den Flüchtigen herum stürtzten Hunter auf unschuldige Mitarbeiter und einfache Reinigungskräfte auf bewaffnete Sicherheitskräfte. Das Chaos war kaum in Worte zu fassen, nur das reichlich Blut floss.
      Jace blickte beinahe entschuldigend zu Cain hinauf, als er mit dem Zeigefinger eine Taste betätigte und das Bild zurücksprang zur einer vorherigen Aufnahme. Diese zeigte den manipulierten Cain, der ohne jegliche Reue mit aller Gewalt das Knie der am Boden liegenden Sylea zertrümmerte und dabei grinste. Die Finger des Seekers schlossen sich so stark um die Rückelehne, dass das Polster knirschte.
      Der Hacker drehte den Bildschirm wieder zu sich und beendete die gestohlenen Aufnahmen der Überwachungskameras.
      Mit verschränkten Armen lehnte er sich im Sessel zurück und betrachtete Sylea eingehend.
      "Ich gehe davon aus, das Cain vertrauenseelig aus dem Nähkästchen geplaudert hat.", fuhr Jace fort und schlug ein Bein eglegant über das andere. "Dann weißt du, dass ich bereits einen Bruder an ein völlig durchgeknalltes Vessel verloren habe. Nichts für ungut, meine Liebe. Ich wollte mich nur davon überzeugen, dass Cain nicht durch dich manipuliert wird. Oder besser durch die Entität in deinem Verstand. Und das ist am Telefon schlichtweg unmöglich."
      Jetzt war es der Seeker der überrascht eine Augenbraue hob.
      "Herrgott, Cain.", schnaubte Jace. Sein Blick richtete sich wieder auf den Laptop. "Glaubst du wirklich ich habe keine Nachforschungen angestellt, nachdem du mich kontaktiert hast? Sylea Rubra, Seelengefäß für eine Seele mit der Codebzeichnung 'Der Gefangene'. Eine ganze Datei voller Basisdaten, die keine noch so gerringste, wichtige Information enthält. Nur allgemeines Blabla. Die aktuellen Berichte sind da interessanter. Hunter, die sich selbst erschießen. Ein Seeker, der sich selbst eine fast tödliche Überdosis verpasst. Was immer da in dir schlummert ist ein Aurenmanipulator richtig?"
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    • Sylea presste die Zähne so stark aufeinander, dass man von außen die Kiefermuskeln arbeiten sah. Das Erlebte noch einmal von außen zu sehen entschärfte die Erinnerungen nicht sonderlich. Besonders der Aspekt, dass sie ab dem Zeitpunkt der Ohnmacht nicht mitbekommen hatte, was um sie herum geschehen war. Jetzt zu sehen, wie sich die Menschen regelrecht gegenseitig abschlachteten, war einfach nur widerlich anzusehen.
      Innerlich spürte sie eine Hauch Freude, der nicht von ihr selbst stammte. Auch wenn sich die alte Seele noch nicht sonderlich bemerkbar machte - er hörte aufmerksam zu und konnte aufgrund ihrer stetig komplexer werdenden Verbindung nicht mehr alles vor ihr verstecken. Besonders jetzt, wo sie ihn so stark an sich riss, fühlte sie mehr wie zwei Einheiten als eine alleinstehende.
      Sylea ließ Jace in aller Ruhe ausreden, ließ ihn jedoch keine Sekunde aus den Augen. Als er mit seiner Frage geendet hatte, verfiel das Vessel allerdings in ein Schweigen. Noch immer war ihr Blick auf den Mann ihr gegenüber gerichtet, doch der Fokus in ihren Augen schien ein wenig abgedriftet zu sein. So als starre sie in die Leere. Einen kleinen Moment später blinzelte sie und war wieder vollends anwesend.
      "Er ist mindestens ein Aurenmanipulator, ja. Soweit wir es wissen, geht er aber noch darüber hinaus. Und er möchte, dass ich dich darüber in Kenntnis setze, dass du nicht nachvollziehen könntest, wann er jemanden manipuliert und wann nicht. Du hast die offensichtlichen Fälle gesehen...", sagte Sylea mit einer Spur Besorgnis in der Stimme.
      Anifuris hatte sie selbst bereits recht subtil manipuliert. Sie in eine Zusammenarbeit genötigt und ihr eingeredet, dass es keinen anderen Weg gab aus der Einrichtung zu verschwinden. In kürzester Zeit hatte er eine Seele in einem Vessel einfach berührt und freigesetzt, ohne das Vessel dabei zu töten. Er wusste Bescheid um die Farben der Auren, was sie bewirkten und wie man mit ihr tricksen musste, um bestimmte Ergebnisse zu erzielen. Solch eine Kenntnis war weder dem Seeker noch dem Mitglied des Rubra-Clans bekannt.
      "Hat Cain dir eigentlich auch erzählt, dass wir ihn vom Blind Eye runter bekommen haben?"
      Eine komplett aus dem Kontext gerissene Frage mit einem kaum hörbaren, aber dennoch stolzen Unterton. Das war eine gute Sache, die sie seitdem vollbringen konnte. Ihre einzige wirklich gute Tat bislang.
      "Anifuris ist nicht irgendein Aurenmanipulator. Er hat dazu mehr Wissen als der gesamte Rat zusammen. Er will die Memoiren haben weil ihm Teile in seiner Zeitlinie fehlen und erhofft sich dadurch lose Stränge wieder zu verknüpfen. Aber bitte tu' mir den Gefallen und zeig uns nicht, was dich in irgendeiner Art und Weise für ihn interessant werden lässt. Es hat mich einiges gekostet, ihn soweit unter Verschluss zu bekommen aber der Deckel ist alles andere als fest."

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Mit dem wissenschaftlichen Intresse eines Akademikers beoabchtete Jace die subtilen Veränderungen im Gesicht der Rubra.
      Der dirftete zur Seite, als blickte sie eine Person an, die nur das Vessel selbst sehen konnte. Diese Form der Anzeichen für die geistige Kommunikation zwischen Seelengefäß und besagter Seele selbst, war nicht von ungewöhnlicher Natur. Zur seiner Zeit im Dienste des Rates hatte Jace unzählige Stunden an Bildmaterial ausgewertet und beleuchtet. Anfang war ihm jedoch nicht bewusst gewesen, welchen Sinn seine Berichte hatten, bis er hinter die vermeintlichen Forschungen gekommen war. Leider fehlte ihm bis heute ein unwiderlegbarer Beweis. Der Hacker würde den ganzen, verseuchten Laden hochgehen lassen. Und wenn es das Letzte war, was er in seinem Leben tat. Für dieses Ziel verzichtete er auf ein freies Leben. Auf eine eigene Identität ebenfalls.
      "Ah, er hört also zu.", war die einzige Erwiderung auf die Warnung der alten Seele. Oder auf die Drohung. Je nachdem, aus welchem Blickwinkel die Worte betrachtet wurden.
      Bei der Erwähnung des Blind Eye hob sich der Blick des Hackers zu Cain. Die Überraschung auf seinem Gesicht ließ sich nicht verbergen. Offenbar hatte der Seeker ihm diese winzige Kleinigkeit verschwiegen. Jace verzog die missfallend die Mundwinkel.
      "Nein, dass hat dein Lover mir nicht erzählt.", antwortete Jace wahrheitsgemäß und amüsierte sich köstlich über den schockierten Gesichtsausdruck des Schwarzhaarigen hinter der Couch. "Euch beiden ist bewusst, dass diese Wohnung für den Notfall überwacht wird oder? Keine Sorge ich bin kein Perversling und habe ganz brav woanders hingesehen. Sei's drum...", winkte er grinsend ab und zwinkerte tatsächlich Sylea zu. "...es ist gut zu hören, dass er von dem Teufelszeug los ist. Auch wenn er dafür erschreckend lebendig aussieht."
      "Na vielen Dank...", brummte Cain und legte seine Hände auf Syleas angespannten Schultern ab.
      "Die beleidigte Leberwurst steht dir nicht, Cain.", grinste er und wandte sich an die Frau. "Es ist äußerst wichtig, dass eine zweite Abhängigkeit verhindert wird. Es gib keinen Nachweis darüber, was passiert wenn die Droge erneut injeziert wird. Bisher hat niemand einen vollständig Entzug überlebt. Muss ich mich dafür bei deinem manipulativen Freund bedanken?"
      Geräuschvoll klappte Jace den Laptop zu und wirkte zu entspannt für jemanden, der gerade eine überlebenswichtige Warnung von Sylea bekam.
      "Unter anderen Umständen würde ich mich von dem Interesse geschmeichelt fühlen.", lachte er und obwohl man es Jace kaum ansah, nahm er die Worte der jungen Rubra sehr ernst. "Wenn es dich beruhigt, Sylea, ich bin nicht dafür bekannt viel Persönliches über mich preiszugeben. Das hat in diesem Fall Cain bereits ausreichend für mich erledigt."
      Den Seitenhieb konnte er sich nicht verkneifen, worauf Cain schuldbewusst das Kinn neigte.
      "Allerdings habt ihr oder besser wir ein anderes Problem.", fuhr der Hacker fort. "Sie sind zwar sehr neutral und unauffällig, aber die ersten fleißigen Arbeitsbienchen des Rates sind bereits in der Stadt. Das heißt, euch rennt sie Zeit davon."
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      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Es waren Cains Hände auf Syleas Schultern, die ihren angespannten Körper und den kontrollierten Aurenfluss einmal kurz durcheinander brachten. Seine goldene Aura traf auf ihren Silberstreif, der dadurch erzitterte und die scharfen Ränder der nachtblauen Aura verwischten, die Anifuris' Anwesenheit bezeugten.
      Doch das Vessel war nicht eine Sekunde lang so schockiert wie der Seeker hinter ihr als Jace ihnen offenbarte, dass die Wohnung überwacht worden war. Nach alldem, was Cain ihr erzählt hatte, war diese Tatsache nicht mehr aus der Welt zu schieben und obwohl es stetig in Anifuris Gedanken präsent war, hatte sich niemand auch nur einen Moment darüber den Kopf zerbrochen. Dann müsste der Hacker auch gesehen haben können, wie sie auf dem Balkon die Vögel abgeschossen hatten.
      "Er ist nicht mein Freund", war ein bissiger Kommentar, den die junge Frau nicht gänzlich zurückhalten konnte. Dass sie sich dabei auf die alte Seele in ihr bezog, war im ersten Augenblick nicht sofort ersichtlich. "Allein die Tatsache, dass du uns gezeigt hast, wie schnell und einfach du an Bildmaterial aus gefühlt der ganzen Welt kommen kannst, macht dich ungemein interessant in seinen Augen."
      Das sagte Sylea nicht ohne Grund. Sie fühlte, wie das andere Bewusstsein in ihr rumorte, in seinen eigenen Gedanken schwelgte und offensichtlich überlegte, wie wertvoll diese Fähigkeit für ihn sein könnte. Welchen Nutzen er aus ihr ziehen konnte.
      "Wir haben schon Schwärmer gesehen. Vögel, die beeinflusst worden sind um Ausschau zu halten. Anifuris hat sie alle vom Himmel geholt. Er würde eine Schutzmaßnahme errichten können, aber die wäre angesichts der Räumlichkeiten nur mittelmäßig praktikabel. Wir wussten, dass uns nicht viel Zeit hier bleibt und wenn es nach mir ging, dann wären mir diese Memoiren herzlichst egal. Aber es ist nicht so, als könnte ich komplett eigenständig agieren. Wenn er nicht will", sie tippte mit ihrem Zeigefinger zweimal gegen ihre Schläfe, "dann wird er mich davon abhalten, zu gehen."
      Langsam aber sicher kehrte das bleierne Gefühl in ihren Beinen zurück. Das Gefühl der Rastlosigkeit, dass sie dazu anhielt zu überlegen, wie lange sie hier noch bleiben konnten und wohin es als nächstes ging. Nur ganz zu Beginn hatte sie sich kurz der Illusion hingegeben, für einen kleinen Zeitraum niemand zu sein, einfach ein Leben ohne Verpflichtungen zu führen. Doch schon nach Stunden war sie aus dieser Illusion erwacht und hatte mit Anifuris Gedankenexperimente gestartet, von denen der Seeker hinter ihr nicht den Hauch einer Ahnung hatte.
      "Wie viel fragwürdiges Material hast du während deiner Zeit beim Rat aufdecken können?", fragte Sylea mit einer Mimik, die das Unwohlsein regelrecht in die Welt hinausschrie. Sie formulierte Anifuris' Fragen aus, so wie er es sich gewünscht hatte.
      "Ich bin mir sicher, dass der Rat Zugriff auf den ein oder anderen Aurenmanipulator hatte. Wie weit sind ihre Forschungen vorgedrungen? Ich konnte von dem kleinen Seeker nur ein wenig Einsicht erhalten, aber ich vermute, der Rat weiß beispielsweise nichts über die Bedeutung der Aurenfarben und -signaturen?"

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Selbstverständlich wusste der Hacker von der kleinen Schießübung der Rubra.
      Aber es überraschte ihn positiv, dass sie von selbst mit der Wahrheit herausrückte und er nicht erst Beweismaterial aufzeigen musste. Jace entging beinahe nichts. Aber auch er konnte seine Augen nicht überall haben.
      "Welche Bedingungen wären notwendig um ausreichende Schutzmaßnahmen zu errichten?", fragte Jace schließlich. "Ich bin ein Meister meines Handwerks aber kein Magier. Um alle nötigen Vorbereitungen zutreffen, werde ich noch etwas Zeit brauchen. Aber vielleicht können wir uns mit den Schutzmechanismen deines Freundes, pardon, Nicht-Freundes ein paar Tage dazu erkaufen."
      Cain war derweil um das Sofa herum gegangen und hatte aus der Küche drei Gläser und eine Flasche Mineralwasser geholt. Er war ein miserabler Gastgeber, das wusste er. Aber immerhin war dieses Treffen nicht als amüsanter Kaffeekaltsch gedacht. Er stellte alles auf dem niedrigen Couchtisch ab und ließ sich neben Sylea auf den Polstern nieder. Die Ellbogen stützte er auf den Knien ab als er sich zu Jace vorbeugte.
      Cain öffnete den Mund und verstummte jedoch sofort wieder. Sein Kopf ruckte herum zu Sylea, die zu sprechen begonnen hatte. Offensichtlich nicht ihren eigenen Worte, so viel konnte er bereits ausmachen. Die Formulierungen sprachen für Anifuris und es passte dem Seeker nur wenig, dass er sich persönlich in das Gespräch einmischte. Aber wie die Rubra selbst, konnte auch Cain nichts dagegen unternehmen.
      "Jace besitzt eine beträchtliche Sammlung von fragwürdigen Versuchsaufbauten an Vesseln. Es gibt Bild- und Tonaufnahmen. Wir besitzen auch Kamerabilder mutierter Vessels, die Chaos verbreiten.", sagte Cain und wirkte dabei äußerst widerstrebend. Die Bilder waren nichts für schwache Nerven und er war nicht erpicht darauf auch nur eine davon Sylea unter die Nase zu halten. Vor allem nicht seine eigene fast tödliche Begegnung.
      "Das Problem ist", unterbrach der Hacker und griff nach einem der Wassergläser. "Die Aurenmanipulatoren des Rates sind ziemliche Pfuscher. Das größte, was diese Idioten bewerkstelligen können, ist jemanden dazu zuwingen sich in der Nase zu bohren. Sie schaffen es nicht die Aura des Hauptbewusstsein mit dem parasitären - nehmt es mir nicht übel - Bewusstsein in Balance zu bringen. Es gibt zu große Differenzen in den Aurasignaturen, die sich auch unter Zwang und Manipulation nicht korrigieren lassen. Nicht, dass der Rat es nicht trotzdem versuchen würde. Der menschliche Verstand erträgt den Druck nur bis zu einem gewissen Grad, wie bekannt sein dürfte. Und rein physisch ist das Gehirn nicht dafür ausgelegt, auf Dauer zwei verschiedene Bewusstseine zu halten. Das Ergebnis: Wahnsinnige oder tote Vessels."
      Jace machte eine Pause, um einen Schluck zu trinken und seufzte dann.
      "Nein, der Rat weiß um die Existenz der Farben und Signaturen, aber hält es für nicht relevant. Wir wissen alle, dass das ein Fehler ist."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Hallend hörte Sylea in ihrem Kopf Anifuris lachen als Jace ihnen mitteilte, dass der Rat sich einen Dreck um die Farben scherte. Wenn er bereits bei diesem Punkt das Interesse verlor, dann würde er ohne einen Tipp niemals mit seiner Forschung weiterkommen. Was bedeutete, es war nur eine Frage der Zeit bis der Rat eine Seele in die Finger bekam, die ein wenig mehr von den Auren verstand. Als Resultat dessen verzog Sylea das Gesicht, als hätte sie Kopfschmerzen. Das Lachen klang hart und schneidend in ihrem Geist und ließ nicht wirklich viel Freiraum zum Fassen eines eigenen Gedankens.
      "Mein kleiner Technikfreund", hörte das Vessel sich dann selbst reden und es dauerte einen Moment ehe sie realisierte, dass sie die Worte nun nicht mehr eigenständig nach Abwägung formulierte, "ich brauche weder Bild noch Ton. Ich habe über die Jahrhunderte genug Menschen gesehen, die die zweite Seele in ihrem Inneren nicht halten konnten. Ich weiß, wie das aussieht. Aber ich weiß auch, wie es sich auf die Aura auswirkt. Und mit Verlaub - du kennst dich damit nicht im Ansatz aus."
      Sylea wusste wohin das lief. Wieder presste sie die Zähne aufeinander, ihre Finger pressten sich in ihre Oberschenkel in dem Versuch, das grässliche Lachen aus ihrem Geist zu verbannen. Diese Art des Terrors war neu, selbst für Anifuris.
      "Ich weiß nicht, ob der kleine Seeker es dir so deutlich gesagt hat, aber ich werde früher oder später Sylea assimilieren. Ihr kleines Bewusstsein in winzige Teilstücke zersetzen und sie mir einverbleiben bis nichts mehr von ihr übrig bleibt aus diese Hülle. Besäße sie nicht ihre Silberaura, dann hätte ich schon längst den Körper gewechselt. Aber so bin ich dazu verdammt, solange in diesem schwächlichen Leib zu verweilen bis ich eine Lösung finde."
      Ihre Stimme klang viel zu alt für den jugendlichen Körper, aus dem sie drang. Ihre komplette Körperhaltung sprach gegen den doch recht entspannten und forschen Gesichtsausdruck, mit dem sie Jace regelrecht niederstarrte. Sofort zog Sylea das bläuliche Netz von Anifuris' Aura näher an sich, aber der gewünschte Effekt blieb aus. Anstelle wieder alleinige Herrin ihres Körpers zu werden, spürte sie keinerlei Veränderung. Sofort beschleunigte sich ihr Pulsschlag.
      "Wenn du weißt, dass der Rat nur Amateure zur Verfügung hat, erscheint es mir als ziemlich töricht, dich freiwillig in meine Nähe zu begeben. Entweder unterschätzt du mich maßlos oder du bist zu selbstsicher. Beides ist nicht ratsam."
      Anifuris ignorierte Cain zu seiner Seite komplett. Würde der junge Mann auch nur den Anschein wagen, eingreifen zu wollen, würde er ihm direkt Einhalt gebieten. Dies gab die alte Seele dem Seeker ohne Worte zu verstehen, indem er seine Aura etwas aus dem Netz löste und wie eine dünne Wand aus Eis zwischen dem Seeker und dem Vessel aufbaute.
      Stattdessen streckte Anifuris, der nun die Kontrolle über den Rest ihres Körpers hatte, die rechte Hand nach Jace aus. Die Geste, die erschreckend harmlos nach einem Handschlag aussah, konnte nicht weniger imposant sein.
      "Du bist ein findiges kleines Köpfchen. Ich brauche dich nicht einmal anzufassen, um mir Zugriff auf deine Psyche zu verschaffen, dein Training reicht nicht aus. Aber du hilfst mir, an die Memoiren zu kommen. Dann bin ich gewillt dir zu zeigen, wie ein Aurenmanipulator agiert, der kein völliger Tölpel ist."
      Jeder im Raum wusste, dass dieser Handel mit einem Damoklesschwert über ihren Köpfen verknüpft war. Entweder die alte Seele sprach die Wahrheit oder er täuschte sie wieder und nutzte die Gelegenheit für ein Auskommen, dessen Ausgang für alle unbekannt war.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Der Seeker spürte den Wechsel der Persönlichkeit mit wenigen Sekundenbruchteilen der Verzögerung.
      Zwischen Sylea und ihm selbst baute sich eine für ihn unsichbare aber fühlbare Wand auf. Ein eisger Schauer jagte seine Wirbelsäule hinunter, der alles andere als angenehm war. Der Kopf ruckte reflexartig in die Richtung des Vessels und glühende Augen behielten den Körper der jungen Frau ganz genau im Auge. Im Notfall konnte selbst Cain nichts gegen Anifuris ausrichten. Die verstärkende Wirkung seiner Aura war an dieser Stelle keine große Hilfe. Er konnte sich nur selbst wappnen und zog sämtliche Schutzwälle um seinen eigenen Verstand hoch. Der Goldschimmer hörte auf damit gemächliche Wellen zu schlagen und wurde zu seiner spiegelglatten Oberfläche, die fast keine bis gar keine Angriffsfläche übrig ließ.
      "Cain hat mich ausreichend gewarnt. Das Risiko einzugehen, war ganz allein meine Entscheidung.", antwortete Jace. "Allerdings hätte er mir ruhig vorher sagen können, was für ein riesiges, überhebliches Arschloch du bist. Und richtig, ich bin ein Technikgenie, keine Fachkraft für Aurenmanipulation und durchgeknallte Seelen. Meine Unwissenheit sei mit daher verziehen."
      Über das Gesicht des Hackers huschte ein Grinsen, obwohl Anifuris sicherlich eine gegenteilige Reaktion erwartete. Eingehend betrachtete er dei angebotene Hand und erinnerte sich an die Warnung vor Körperkontakt. Wenn Anifuris allerdings so mächtig war, wie die alte Seele selbst behauptete, würde er den Handschlag nicht benötigen um seinen Standpunkt klar zu machen. Mit dem nächsten satz hatte Anifuris diese Vermutung auch schon selbst bestätigt.
      Cain hielt sich mit Absicht zurück und ließ sein wachsames Auge über die beiden anderen Personen im Raum schweifen. Anifuris hatte ihn sowieso zum Stillsitzen verdammt. Auch wenn den Seeker das ab einem gewissen Punkt nicht mehr abschrecken würde. Wenn das alte Bewusstsein seine Kräfte entfesselte, blieb ihm nur der Weg nach vorn. Ein Entkommen gab es nicht.
      "Ein großzügiges Angebot, aber ich muss leider ablehnen.", sagte der Hacker und strich sich eine verirrte Strähnen des blonden Haares aus der Stirn. "Ich tue das hier für einen Freund, nicht für dich. Und für meine Bedürfnisse habe ich genug Bildmaterial, um für den Rest des Lebens Albträume davon zu bekommen. Ich verzichte also liebengerne auf weitere Inspiration an Grausamkeiten."
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    • "Ein überhebliches Arschloch ist nur jener, der sich selbst maßlos überschätzt", bemerkte Anifuris mit einem leicht amüsierten Lächeln auf den Lippen.
      Hätte der Technikfreak ohne zu zögern eingeschlagen, dann hätte die alte Seele ihm ziemlich genau prognostizieren können, wie ihn früher oder später das Zeitliche segnen würde. So allerdings wähnte er sich halbwegs sicher im Raum - und unterschätzte Anifuris somit trotz allem.
      Noch immer schwebte die ausgestreckte Hand zwischen ihnen, doch langsam wurde Anifuris' Lächeln kalt. Er leugnete es zwar gerne, aber sein Ego war doch leicht angegriffen bei der Tatsache, dass sich ein gewöhnlicher Mensch so sorglos in seiner Nähe aufhielt. Also ließ er seine blaue Aura wie eine Schlange um seinen Arm wandern hin zu seinen Fingerspitzen. Er wusste exakt, dass der Seeker es zwar nicht sehen, aber spüren konnte, wie die alte Seele ihre Aura verschob und scheinbar unbeeindruckt von Syleas Netz agierte. Dann löste sich die Aura träge vom Körper, überbrückte die Luftlinie und traf auf Jace's violette Aura.
      Wie ein Virus grub sich das Blau hemmungslos durch das Violett, riss dabei aber keine Bahnen auf sondern schien sich inmitten der anderen Farbe einzunisten. Bei jemanden, der nicht in der Verteidigung gegen Angriffe solcher Art geschult worden war, hatte die alte Seele ein leichtes Spiel. Er brauchte nur einen Augenblick, um den Zugriff zu erhalten, den er für seine Zwecke brauchte.
      Vor Jace's Auge zog ein Sandsturm auf, der ihn aus seiner derzeitigen Lage riss. Wie üblich wusste Anifuris nicht exakt, was genau der Technikfreak gerade sah, aber er stimulierte die tief vergrabenen Gefühle in dem jungen Mann. Die Verlustangst, den Schmerz, die Wut und den Zorn. Wie genau es dazu kam, konnte die alte Seele nicht bestimmen.
      Allerdings erfüllte es seinen Zweck als Jace dem Drang nicht mehr widerstehen konnte, nach der Hand seines verstorbenen Bruders zu greifen.
      Anifuris Lächeln wurde breiter als seine kleinere Hand sich um Jace's schloss wie beim Handschütteln. Genau in diesem Moment brach seine Manipulation ab, er zog sein Blau vollständig zurück und ließ das Silber wieder die Oberhand gewinnen. Doch er war nicht gewillt, die Hand loszulassen.
      "Siehst du? Alles noch richtig in deinem Köpfchen", lächelte Anifuris weiterhin und ergötzte sich an dem Ausdruck in den Augen des Mannes ihm gegenüber. "Sei das nächste Mal nicht so widerspenstig. Manchmal meine ich meine Worte auch ernst."
      Er blinzelte dem blonden Mann beinahe aufmunternd zu, dann verschwand die Präsenz der alten Seele so schnell wieder, wie sie gekommen war und Sylea war wieder da. Ob und was Anifuris bei seinem kleinen Ausflug gesehen hatte, wusste sie nicht. Allerdings, was seine Absicht mit dieser Aktion gewesen war.
      Die junge Frau räusperte sich, ließ aber ebenfalls die Hand nicht los. "Sorry", entschuldigte sie sich leise, "er ist manchmal etwas.... wankelmütig. Seine Worte waren ernst gemeint. Er oder eher wir wollten dir was zeigen."
      Ihr Blick ging zu Cain, der sie immer noch anstarrte und genau das befolgte, was sie von ihm gefordert hatte. Die perfekte mentale Mauer. Sanft lächelte sie ihm zu, dann widmete sie sich wieder dem Techniker.
      "Der Rat wird den Zustand der Symbiose nie erreichen, wenn er sich nicht um die Signaturen kümmert. Er versucht, eine Aura zu unterdrücken und nur als Basis bestehen zu lassen. Es muss allerdings nicht aussehen wie zwei separate Einheiten", erklärte Sylea und ließ ihren Silberstreif über die Verbindung ihrer Hände zu Jace wandern bis das Silber das Violett komplett umhüllte.
      Ähnlich wie bei Cain überlief sie ein Schauer, allerdings ein kalter. Eine komplett fremde Aura so einzuhüllen glich sich vor tausenden Menschen einfach nackt auszuziehen. Ein widerstrebend privates Gefühl, auch wenn sie nicht nach seinen Gefühlen suchte. Stattdessen übertrug sie ihm ihre Sicht auf die Auren, nur momentär, aber aussagekräftig. Nun sah der junge Mann den aalglatten Goldschimmer um Cain und Syleas Silberstreif mit dem blauen Netz um ihren Kern.
      "Das Silber ist meine Aura. Das blaue Netz stellt Anifuris da. Das ist die Form, die der Rat anstimmen muss um zur Symbiose zu kommen. Sollte er erfahren, wie wir das angestellt haben, haben sie ihre Superwaffen."

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    • Zähneknirschend und zu Regungslosigkeit verdammt, spürte Cain wie sich das Unheil anbahnte.
      Er konnte es nicht sehen, aber die nachblaue Aura erkämpfte sich spielend leicht die Kontrolle und der Seeker fragte sich im Stillen ob Sylea ihm den dafür notwendigen Freiraum gewährte. Sollte Anifuris tatsächlich so mühelos durch die Kontrolle der Rubra gleiten, war ihr Lage noch wesentlicher gefährlicher als angenommen.
      Der exakte Moment, in dem das Nachtblau auf die bisher unbekannte Aura stieß, war selbst für gewöhnliche Menschen sofort ersichtlich. Über die Augen des Hackers zog sich ein milchiger Schleier, als erblindete Jace binnen Sekunden. Durch den Körper lief ein zunächst unauffälliges Zittern, das sich in ein regelrechtes Beben verwandelte. Die ganze Körperhaltung spannte sich an. Aber Jace hatte nicht die gerringste Chance sich gegen den übergreifenden Einfluss zu wehren. Cain konnte nur vermuten, was sein alter Freund sah. Der Schrecken im Gesicht des ehemaligen Ratsangestellten wandelte sich von Fassungslosigkeit zur purem Grauen. Er hatte einen derartigen Gesichtsausdruck erst einmal in Jace Gesicht gesehen. Damals hatte der Hacker endlich die Aufnahmen des fehlgeschlagenen Einsatzes seines Bruders bekommen. Es hatte die Einheit aus Hunter regelrecht zerfetzt. Cain war noch heute dafür dankbar, dass die Aufzeichnungen kein Tonspur besaßen.
      In Zeitlupe hob Jace schließlich seine Hand und beugte sich dem Willen der alten Seele. Das Gedankengefüge durch die grauenhaften Bilder und Erinnerungen durchlöchert und geschwächt, hatte er keine anderen Wahl als der Suggestion von Anifuris folge zuleisten. Cain hatte die Verzweiflung selbst gespürt und die Verlockung den geflüssterten Eingebungen nachzugeben. Es lief ihm eiskalt den Rücken herunter.
      Der Hacker hatte jegliche Farbe im Gesicht verloren, als er mehrfach blinzelte und sich sein Blick klärte.
      Verwirrt und schwer atmend blickte er auf die verschlungenen Hände, die sich in einem gezwungen Handschlag hielten.
      Die Finger zuckten unruhig um die Hand und Jace sah unentschlossen aus, ob er die Hand ruckartig zurückreißen oder sich seinem Schicksal fügen sollte.
      "Das...", brachte Jace nur mit einem dünnen Flüstern hervor. "Ist auf eine erschreckende, grauenhafte Weise unheimlich faszinierend."
      Die Morbide Faszination des Hackers ließ Cain eine Augenbraue skeptisch in die Höhe ziehen. An Wissensdurst hatte es bei Jace noch nie gehapert.
      Cains Blick huschte kurz zu Sylea. Also hatten sie und Anfuris sich ein weiteres Mal zusammen getan und gemeinsam agiert. Er wusste noch immer nicht, was er von diesen kurzen Episoden der Verschmelzung halten sollte.
      Die Augen des Technikers leuchteten, obgleich des Schreckens, förmlich auf als sich ihm für einen kurzen Augenblick eine völlig neue Welt eröffnete. Es zu hören war eine Sache, aber tatsächlich eine perfekte Symbiose zweier Wesen zu erblicken...Es gab Menschen, die für dieses Wissen töten würden. Jace wirkte mit einem Schlaf todernst.
      "Dieses Wissen darf niemals in die Hände der Forschungsabteilung für Aurensymbiose fallen. Das wäre eine weltumspannende Katastrophe. Stell dir die Macht vor, die der Rat in den Händen halten würde? Der Rat ist bereits höchstgradig korrupt. Das hier...", erblickte auf die Auren und fühlte einen unangenehmen Schauer, durch die einhüllende silberne Aura. "...verwandelt machtgierige, alte Männer in die Bösewichte aus James Bond Filmen."
      "Ich denke das reicht.", schaltete sich Cain an, dem es gar nicht behagte, dass Sylea ihre Aura zu nah an Jace brachte. Er wusste wie intim diese Verbindung wirken konnte, auch wenn der Techniker und Hacker sich davon sehr unbeeindruckt zeigte. Ein Funken beißender, bitterer Eifersucht legte sich ohne es wirklich zu wollen, auf seine Zunge.
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    • Bei Cains Worten löste Sylea ruckartig ihre Hände voneinander und ließ Jace mit dem harten Gefühl zurück, in seine blinde und kalte Welt zurück gestoßen worden zu sein. Das Vessel schnappte kurz nach Luft als ihre Aura zu ihr zurückkehrte und sich wieder auf ein normales Level brachte. Sie rieb sich im Nachhinein die Hand, so als hätte sie sie verbrannt.
      "Für jeden, der die Auren sehen oder fühlen kann, ist dieser Umstand ersichtlich. Aber ohne eine Erläuterung wird niemand wissen, wie es zustande gekommen ist und warum. Das ist der eigentliche Trumpf dahinter. Übrigens: Wer ist James Bond?"
      Was es jedoch wirklich bedeutete, hatte die junge Frau nicht mal dem Seeker offenbart. Nicht ein Wort hatte sie an ihm verloren über die sich immer weiter annähernden Bewusstseine. Das verstärkte Teilen von Erinnerungen, zeitgleiche Anwesenheit beider Bewusstseine sowie eine immer schwerer werdende Trennung von ihren und seinen Gefühlen. So sehr sie es zu bekämpfen versuchte - sie näherten sich immer weiter an und wenn sie einen Moment lang nicht Acht gab, hatte die alte Seele ihre eigene mit Leichtigkeit übermannt und verbannt.
      Wie von selbst wanderte Syleas Hand hinüber zu Cain und legte sich dort auf seinen Oberschenkel. Ein feiner Rinnsal Silber tröpfelte hinüber in sein Gold und versuchte somit, den Seeker ein wenig zu beruhigen. Dann ging ihr Blick doch zu ihm hinüber.
      "Keine Absprache. Hat sich selbstständig gemacht. Ich wusste nicht, was er genau tut bis er fertig war."
      Ein kleiner Verweis darauf, dass die Aktion gerade nicht so einvernehmlich gewesen war, wie es aussah. Jetzt fügte sich das Nachtblau wieder friedlich in den Rest des Netzes ein und Sylea bekam langsam das Gefühl, dass ihre vorerst so kluge Aktion nur in Anifuris' Karten gespielt haben mochte. Vielleicht war sie der Schlüssel gewesen, dass sich ihre Angleichung so rapide beschleunigte. Weil sie dachte, sie würde ihn fester einsperren anstelle sich mit ihm zu verbinden.
      "Deswegen darf mich der Rat nicht wieder bekommen, ja. Anifuris teilt diese Meinung. Er sagt, er hat wenig Spaß daran sich mit dem Rat auseinander zu setzen und ihm seine Geheimnisse zu offenbaren. Kann ich verstehen...", stellte sie den Standpunkt klar an Jace gerichtet, um dann wieder den jungen Mann an ihrer Seite anzusehen. "Hältst du es für klug, wenn wir Jace in einige andere Details einweihen, die er nicht kennt? Oder willst du ihn lieber raushalten?"
      Sie fragte den blonden Mann nicht direkt weil sie die Meinung Cains dazu haben wollte. Er würde besser einschätzen können, wie gut sich sein Freund mit gefährlichen Informationen zurechtschlagen konnte.
      "Das heißt, wir müssen uns beeilen mit den Memoiren und dann vermutlich schnell wieder hier aus der Stadt verschwinden. Ideen, welches Ziel wir als nächstes ansteuern sollten?"

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    • Nichts lag ihm ferner, als unnötige Besitzansprüche zu stellen.
      Cain war nicht die Art Mensch, die andere als ihr Eigentum betrachtete und doch war der glatte Goldschimmer für den Bruchteil einer Sekunde etwas in Wallung geraten. Kontrolliert atmete er durch die Nase ein und glättete die Beschaffenheit seiner Aura, bis diese wieder aalglatt um seinen Körper lag. Lediglich ein dezentes Glühen seiner Augen ließ sich nicht vollständig verbergen.
      Eine zarte Hand legte sich auf seinen Oberschenkel und Cain spürte, wie die Wärme ihrer Haut durch den rauen Jeansstoff sickerte.
      Eine Geste die ihm die dringend benötigte Balance und Ruhe zurückgab, die Anifuris kleines Spielchen etwas gekippt hatte. Die Hand des Seekers zitterte kaum merklich, als sich seine Finger um Syleas Hand schlossen. Silber tröpfelte in den glatten, goldenen See und schlug kleine Wellen, die sich über die gesamte Oberfläche seiner Aura ausbreiteten. Friedliche Schwingungen, die etwas Beruhigendes an sich hatten.
      Bei Syleas Worten erfasste Cain ein ungutes Gefühl. Aber solange Jace sich mit ihnen in einem Raum befand, sah er davon ab in die Details zu gehen. Der Technikexperte war dafür bekannt zwangläufig immer an die Informationen zu kommen, die er haben wollte. Allerdings war es dem Seeker ebenfalls zu heikel, Jace bereits an diesem Punkt in Alles einzuweihen. Er vertraute dem Hacker, aber jeder, der zu viel wusste, stellte eine Gefahr für Syleas Existenz da. In der Hinsicht überwog der ausgeprägte Beschützerinstinkt einen möglichen Vorteil, den sie aus Jace ziehen konnten.
      Cain hob die Hand von seinem Oberschenkel und hauchte einen flüchtigen Kuss auf ihre Fingerknöchel.
      Am Rande seines Blickfeldes beobachtete er den Hacker, der mittlerweile die Arme verschränkt und sich weiter in den Sessel zurück gelehnt hatte. Offensichtlich suchte er Abstand von dem Mädchen auf seinem Sofa. Helfen würden ihm die paar Zentimeter gegen Anifuris auch nicht. Das interessierte Leuchten in den Augen seines Freundes, gefiel Cain dennoch nicht. Er konnte sich grob ausmalen, welche Zahnräder sich gerade im Kopf des Hackers in Bewegung setzten. Eine Idee, die sich formte, die bei Cain auf Granit stieß.
      "Nimm es mir nicht übel, Jace. Aber je weniger du im Augenblick weißt, umso sicherer ist für uns. Sollte der Rat dich in die Finger bekommen, können sie nicht alles aus dir heraus quetschen.", sagte Cain und lächelte schmal.
      In dem gemütlichen Sessel kicherte der Hacker und klang dabei viel amüsierter als er eigentlich sein dürfte.
      "Du weißt, dass ich Mittel und Wege habe, Cain.", antwortete er.
      "Dann bitte ich dich darum, mir zu vertrauen.", erwiderte Cain darauf.
      Der Technikfreak nickte nachdenklich und schien das Thema fürs Erste Ruhen zu lassen.
      "Und zu deiner Frage, Liebes...", begann Jace. "Ich besorge euch bis morgen Abend die Sicherheitsfreigabe und die entsprechenden Papiere. Wir sollten die ganze Aktion nicht unnötig in die Länge ziehen, vor allem da euch die Hunter im Nacken sitzen. Und ein kleiner Tipp: Sucht euch als nächstes Versteck etwas bedeckteres aus. Eine menschenleere Gegen vorzugsweise. Vielleicht finde ich etwas passendes für euch, das sich als Versteck eigenet. Und bis dahin...muss du ihr dringend ein bisschen Filmkultur beibringen! Wer ist James Bond? Allein für diese Frage müsste ich dich an die Hunter verfüttern, Sylea."
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    • Syleas Gesichtsausdruck wurde hart. Nicht, dass sie den Witz hinter Jace's Satz nicht verstand. Aber er machte sich über etwas leichtfertig lustig, dass sie sich nicht ausgesucht hatte. Sie entzog sich Cain gänzlich, um sich auf die Beine zu schwingen und dabei zu merken, wie Jace bei ihrer plötzlichen Bewegung selbst etwas in seinem Sessel umher rutschte.
      "Ich dachte, du hast meine Berichte gesehen? Dann solltest du wissen, dass ich praktisch zehn Jahre lang in einer Zeitkapsel gelebt habe", gab sie unterkühlt zurück und ging zu den Panoramafenstern, um einen Blick nach draußen zu werfen.
      Eine abgelegene Gegend also. Sicher, das war bei Weitem die beste Lösung für ihr Problem. Wenn sie mit niemanden in Kontakt kam, würde niemand wissen wo sie sich aufhielten. Dass ihr dadurch aber das Leben, das sie sich so sehnlichst wünschte, durch die schmalen Finger glitt, schmerzte sie ungemein. Und es schürte die Abneigung gegenüber dem Umstand, der sie in diese Lage gebracht hatte.
      "Wenn der Rat Jace in die Finger bekommt und weiß, dass er mit uns Kontakt stand, dann werden sie nicht aufhören. Sie werden davon ausgehen, dass er Informationen hat und ihn solange foltern bis er ein brabbelnder Haufen Zellen ist. In manch einer Hinsicht wäre es sogar klüger, wenn er das ein oder andere Bisschen weiß. Damit könnte er sich im Notfall etwas Zeit erkaufen. Weswegen wir ihm zumindest gezeigt haben, wie es auszusehen hat. Aber es ist deine Entscheidung, was wir deinem kleinen Freund mitteilen."
      Die Worte, die Sylea sprach, waren stark von Anifuris geprägt. Sie hatten einvernehmlich diese Worte an die beiden Männer hinter ihnen gerichtet, denn das Vessel glaubte der alten Seele bezüglich der Vorgehensweise des Rates. Wenn das Unterfangen nicht so utopisch wäre, würde sie vorschlagen den Rat eigenhändig zu zerschlagen.
      Du willst etwas zerschlagen dessen wahren Umfang du nicht kennst?
      Sie sind doch für das ganze Leid zuständig oder sehe ich das falsch?
      Wenn dem so wäre, warum gab es nicht viel eher einen Aufstand? Warum weiß der Großteil der Bevölkerung nicht, dass wir existieren? Menschen sind gierige Wesen, sie wollen alles haben um sich zu profilieren. Selbst wenn du den Kopf der Hydra abschlägst wachsen zwei nach.
      Sylea verzog grübelnd das Gesicht während sie ihre flache Hand gegen das kalte Glas der Scheibe legte. Wenn sie sich nciht ständig schlecht fühlen wollte musste sie früher oder später den Umstand akzeptieren, dass sie nie das haben konnte, was sie sich wünschte. Sie sollte froh darüber sein, dass sie überhaupt noch am Leben war und immerhin im Teilbegriff ihres Körpers.
      "Cain, wenn Anifuris sich dazu entscheidet, dass eine Zusammenarbeit mit Jace für seine Ziele besser ist als eine mit dir, dann kommt es zum Konflikt. Er hat gesehen, wie sehr Jace den Rat verabscheut. Vielleicht sogar so sehr wie er selbst. Und das führt zu einer Sympathie, die sogar ich fühlen kann."
      Sie wandte sich halb um, um den blonden Mann im Sessel betrachten zu können.
      "Anifuris kann meinen Körper nicht verlassen. Aber er sucht nach einem Weg. Wenn er es schaffen sollte, dann ist mein Leben verwirkt. Nur wegen ihm existiere ich überhaupt noch. Eigentlich bin ich schon längst gestorben."
      Sie sprach diese Worte mit einer Nüchternheit als lese sie einen Artikel aus einer Fachzeitschrift vor. Sie versuchte sich mit aller Macht von dem Gedanken abzuhalten, dass es die genaue Beschreibung für ihre derzeitige Lage war. Die Erinnerungen wegzudrücken, wie sie bei dieser Erkenntnis in die Knie gegangen war. Allerdings erachtete sie diese Information als durchaus teilenswert, ein weiteres Bröckchen im Tausch für etwas mehr Zeit. Im Notfall, natürlich.

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    • Der Technikexperte erschien amüsierter über die Gesamtsituation als er sein sollte.
      Cain gefiel der Ausdruck auf dem Gesicht seines Freundes und Verbündeten überhaupt nicht. Der intressierte Blick hatte sich förmlich an Sylea geheftet, die sichtlich getroffen und mit unterkühlter Miene an die großzügigen Panoramafenster getreten war. Das Verlangen mit den Fingern vor dem Gesicht des Hackers zu schnipsen oder, noch besser, ihn am Kragen zu packen um seine Aufmerksamkeit in andere Bahnen zu lenken, ließ sich nur mit großer Mühe im Zaum halten. Der Seeker kannte Jace lange genug, sodass er die eifrig drehenden Zahnräder durch dessen Schädeldecke rattern hören konnte. Jace war gedanklich bereits meilenweit entfernt und abertausende Schritte voraus.
      Während Cains Wachsamkeit die Skala durchschoss, als er eindeutig Anifuris Einfluss in den kalkulierten Worten erkannte, blickte der Hacker scheinbar ungerührt in Richtung der Glasfront. Jace lehnte leicht nach vorn in Richtung Sylea, die Ellbogen locker auf den Knien abgestützt und saugte jede Information wie ein Schwamm auf.
      "Um mich einem zweifelhaften Verhör zu unterziehen, müssen der Rat und seine kleinen Lemminge mich erstmal finden. Und wie Cain bereits erwähnte, existiere ich im eigentlichen Sinn nicht mehr. Ich bin sehr sorgfältig darin meine Spuren zu verwischen.", erwiderte Jace und blickte dabei direkt und ohne Umwege direkt zu Sylea oder Anifuris, je nachdem wen man in der Stimme erkennen wollte.
      Das alte Bewusstsein musste bei seiner kleinen Erkundungstour ohne Zweifel gespürt haben, wie abgrundtief der Hass gegenüber dem Rat in der Seele des Hackers verankert war. Ein düsterer, schwarzer Kern umgeben von verzehrender Wut, der sich in seiner Brust eingenistet hatte. Der Verlust seines Zwillings hatte den Punkt der Trauer schon vor Jahren überwunden und hinterließ nichts als gähnende Leere, die mit Abscheu und Schwärze gefüllt wurde.
      Cain spürte das. Und nicht erst seit gestern. Jace bewegte sich Zeit seines Untertauchens in moralischen Grauzonen, um unter dem Radar zu bleiben und die Informationen zu bekommen, die er brauchte. Eine Person mit flexibler Moral spielte Anifuris eher in die Karten.
      Aber der Techniker hatte dem Seeker nie einen Anlass gegeben, an seiner Vertrauenswürdigkeit zu zweifeln.
      Mit einem Seufzen erhob sich Cain langsam von der Couch und wanderte im Raum auf und ab, wie ein Tiger in seinem Käfig.
      "Dann befindest du dich sprichwörtlich mit dem Rücken zu Wand.", sagte Jace und tippte sich nachdenklich mich mit Zeigefinger an die Unterlippe. "Ich bedaure das Schicksal, dass dir auferlegt wurde. Entweder Anifuris löscht deine Existenz aus oder er verlässt deinen Körper und lässt seine leere Hülle zurück. Eine Zwickmühle, keine Frage. Beides endet mit dem gleichen Ergebnis. Und ich befürchte, dass ich dir nicht helfen kann, Sylea."
      Der Blonde stand ebenfalls auf und umrundete den Tisch mit eleganter Leichtigkeit. Für jemanden, in dessen Gefühlskern gerade herum gestochert wurde, wirkte er erstaunlich gefasst.
      "Aber in eine gebe ich dir Recht. Ich verabscheue den Rat, das ist kein Geheimnis. Und sie werden bezahlen. Früher oder später.", murmelte er. "Wobei mir früher wesentlich lieber ist. Du hast diese unglaubliche Kraft in deinen Händen. Warum also die Zeit nicht nutzen, die dir bleibt. Wir könnten..."
      "Ich denke es reicht für heute, Jace", mischte sich nun Cain ein und legte eine große Hand auf die Schulter des Hackers.
      Die Richtung gefiel ihm ganz und gar nicht.
      Für einen Augenblick sah es danach aus, als würde der Blonde protestieren wollen. Die gesamte Schulterpartie spannte sich unter der Hand an, ehe er tief ein- und ausatmete.
      "Ganz wie du willst...", murrter er und schüttelte die Hand ab, ehe er sich zum Couchtisch begab, um seine Sachen zusammen zu klauben.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”