[2er RPG] Vessels [Asuna & Winterhauch]

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    • Extrem selbstzufrieden betrachtete Sylea das Feuer, das sie unter der Herdplatte zum Brennen gebracht hatte. Immerhin das war einer der Vorteile, die das Leben in der Natur völlig abgeschottet von jeglicher Technik mit sich brachte. Sie konnte praktisch aus allem Feuer machen. Ganz zu schweigen von ihrer Kenntnis über essbare Pflanzen.
      Ohne Vorwarnung streckte Sylea ihre Hand aus und presste sie an Cains Stirn. Der Ausdruck auf ihrem Gesicht war weder sanft noch sorgenvoll sondern nachdenklich und ernst. Sie hätte nicht mal die Kraft, um ihn über den Boden irgendwohin zu schleifen. Selbst wenn sie es gewollt hätte.
      "Vielleicht sollten wir dich dann jetzt gemeinsam da schon hinschleifen", bemerkte sie nüchtern und beachtete gar nicht, dass man das auch hätte falsch auffassen können. "Ich kann fantastisch humpeln. Eine Dose kriege ich auch so auf."
      Mühsam zog sich Sylea an der Kante der Arbeitsfläche hoch. Sie kam nicht umher zu spüren, dass Cain nun doch Initiative ergriff und ihr zumindest unter die Arme packte, damit sie leichter hochkam. So konnte sie sich jetzt immerhin auf der Fläche abstützen und ihr Bein etwas entlasten. Trotzdem war das Flackern seiner Aura fast schon unerträglich an ihrer eigenen. Ob er es wollte oder nicht, er übertrug das Gefühl und ließ sich das Vessel ebenfalls leicht zittrig fühlen. Ihr Blick wanderte kurz durch den Raum und wägte ab, hinter welcher Tür sich das Bett befinden mochte. "Ist das Bett da?", fragte sie lediglich und als Cain nickte, begann sie in die Richtung zu humpeln.
      In ihrem Rücken spürte sie Cains Blicke und hörte schließlich seine Schritte hinter ihr. Früher hätte sie in dieser SItuation vermutlich gelächelt, jetzt hingegen war ihr Blick nur fest entschlossen. Sichtlich darum bemüht, ihr verletztes Bein so wenig wie möglich zu belasten, hopste Sylea bis an den Bettfposten eines verhältnismäßig kleinen Bettes. Es war ordentlich gemacht, aber es konnte dringend ein Aufschütteln vertragen. Man hatte es in weiser Voraussicht mit einer Tagesdecke abgedeckt, die Sylea umständlich vom Bettzeug riss.
      "Setz dich", forderte sie den jungen Mann hinter sich auf mit einem fast schon herrischen Tonfall, der sie selbst erschreckte. "Bitte."
      Es dauerte einen Moment ehe der Seeker ihrer Aufforderung Folge leistete. Mehr als sich setzen tat er allerdings tatsächlich nicht, sodass ein gedehntes Seufzen aus ihrer Brust entfleuchte. Zwei weitere Humpler, dann stand sie vor Cain und sah zu ihm hinab. Eingehend musterte sie seine Augen sowie seine Aura. Beide hatten an Intensität und Glanz so stark verloren, dass es erschreckend war.
      Sylea biss sie auf die Unterlippe. Dann hob sie beide Hände an und legte die Daumen an Cains Schläfen. Mit leichtem Druck begann sie, kreisende BEwegungen auszuüben. Wie vermutet brannte sein Kopf unter ihrer Berührung.
      "Wir wussten, dass das früher oder später passieren würde. Also lass mich dir helfen, so gut ich kann. Was soll ich tun?"

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ein Ausdruck stillen Protestes lag auf seinem Gesicht, als sich ihre Hand bestimmt aber sanft auf seiner Stirn legte. Die ernste Miene gefiel ihm nicht, wo sie doch Sekunden zuvor sehr zufrieden mit sich selbst das Feuer betrachtet hatte. Ein gewisser Ernst schien allerdings angebracht zu sein, da seine Haut unter ihren Fingern heiß glühte. Die Anzeichen schritten schneller voran, als Cain anfangs vermutet hatte. Den forschen Tonfall nahm der Seeker ihr nicht übel. Es fühlte sich nur eigenartig, dass Sylea nun die Stimme der Vernunft zwischen ihnen war. Die Kontrolle an die junge Rubra abzugeben, kostete ihn in diesem Fall einiges an Überwindung.
      Cain konnte nicht anders, als ihr nun doch stützend unter die Arme zugreifen, als sie sich mühevoll an der Arbeitsplatte hochzog. Sein Blick wanderte im Zuge ihrer Frage zu der noch verschlossenen Tür, hinter der sich das winzige Schlafzimmer befand. Mehr benötigte man auch nicht in dieser Abgeschiedenheit. Vor allem da die gesamte Jagdhütte für eine Person konzipiert war. Ohne Aufforderung folgte Cain ihr nach kurzem Zögern durch den Raum, immer in einem gewissen Abstand, der ihm erlaubten würde im Notfall stärkend in ihrem Rücken sein zukönnen, sollte sie den Halt verlieren.
      Jetzt war es Cain der sich schrecklich nutzlos vorkam und träge ließ er sich auf der Kante des Bettes nieder, nur um sie mit einem fragenden Blick anzusehen.
      "Zufrieden?", murmelte er und konnte breits an ihrer Miene sehen, dass sich Frust aufbaute. Dazu brauchte er nicht einmal ihre Aura zu erfühlen. Seine eigene schwebte durchlässig um seinen Körper, während vereinzelte Stränge sich lösten und wirkten wie dünne, zebrechliche Fäden. Die Hülle seiner Aurensignatur wirkte ausgefranst wie ein abgewetztes Stück Stoff. Die Fingerspitzen an seinen Schläfen waren herrlich kühle und schenkten ihm einen kurzen Augenblick etwas Linderung. Brummend schloss er die Augen und genoss die kreisenden Bewegungen, die das Pochen in seinem Kopf vertrieben.
      Der Seeker schloss die Augen und gab schließlich ihren Bitten nach. Immerhin ließ sie sich nicht davon abbringen.
      "In einer der Taschen...", Cain räusperte sich beim kratzigen Klang seiner Stimme. Lächerlicherweise ähnelten seine aktuellen Symptome mehr einer gewöhnlichen Grippe, die sich rasant ausbreitete. "In einer Tasche sind Schlaf- und Beruhigungstabeltten. Kannst du mir von jeder zwei und Wasser bringen? Vielleicht kann mich die Mischung für die ersten Stunden einfach ausknocken." Es widerstrebte ihm, Sylea mit ihrem kaputten Knie, darum zu bitten. "Aber behalt den Rest außerhalb meiner Reichweite."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • "Hm..." Ein nachdenklicher Ton, der über Syleas Lippen kam.
      Ehrlicherweise hatte sie nicht erwartet, dass er auf Medikamente zurückgreifen würde. Langsam verschlechterte sich das Gefühl, dass sie die Folgen vielleicht doch zu sehr unterschätzt hatte.
      Hast du. Such seine Aura nach der Sucht ab. Dann siehst du es.
      Sie tat, wie Anifuris ihr aus schier unendlicher Weite auftrug. Noch immer ließ sie ihre Daumen an Cains Schläfen kreisen als sie ihre silberne Aura ausstreckte und über das mattgoldenen Fransenteppich gleiten ließ. Es dauerte einen ganzen Moment und kostete einiges an Konzentration, bis Sylea einen gut versteckten Farbton ausmachen konnte, der eine seltsame gelbrosa Mischung darstellte. Die Farbe war so gut in den anderen integriert, dass sie sie zunächst gar nicht hatte ausmachen können. Jetzt aber sah sie die Spuren überall.
      Deswegen ließ sich das so schwer isolieren. Die Sucht war eine mentale Krankheit, nistste sich wie ein Parasit ein. Genau das spiegelte Cains Aura wider. Wenn er es schaffen sollte, die Sucht zu bekämpfen, würden sich überall Risse in seiner Aura bilden. Das waren die Folgen, die die Seeker am Ende in den Wahnsinn trieben.
      Du kannst ihn aber bis dahin ablenken. Ganz einfach.
      Sylea klickte bei dieser Erkenntnis mit der Zunge. "Anifuris hat recht. Ich kann deine Sucht nicht aus deiner Aura isolieren, aber er schon." Sie warf einen Blick über die Schulter zurück, wo in Gedanken die Tüte mit den Medikamenten stehen dürfte. Wenn er sie darum bat, dann würde sie sie holen. "Warte kurz", sagte sie und machte sich dann auf dem Weg zurück zur Küchenzeile.
      Einen Moment später kam Sylea bereits zurückgehumpelt und hatte ein Glas Leitungswasser und die Tüte am Arm hängend dabei. Mehr tragen konnte sie nicht auf einmal. Außerdem musste er ihr sagen, welche Tabletten er brauchte. Die Namen auf den Verpackungen sagten ihr schließlich nichts. Sie reichte das Glas Cain, der es auf dem Nachttisch abstellte, und stellte die Tüte auf dem Boden neben sie ab.
      Ihr Blick war forschend mit einer unausgesprochenen Frage in ihren Augen. Abermals streckte sie ihre Hände aus und berührte Cain aber dieses Mal mit beiden flachen Innenseiten an seiner Brust. Sie schloss die Augen, als sie probierte, was man ihr vorgeschlagen hatte.
      Sylea verschob ihre Aura. Eine hauchdünne Schicht umgab noch immer ihren Körper, aber den Großteil schob sie von sich und ließ sie über ihre Hände auf Cain übergehen. Dort kämpfte sich das Silber durch das Gold, reicherte sich darunter an und trennte schließlich das Gold von Cains Körper. Wie eine zweite Schicht lag nun Gold auf Silber und schirmte ihn kurzzeitig vom Schmerz, Angst und Terror ab. Syleas Augenwinkel zuckte. Es kostete mehr Energie, als sie vermutet hätte und ließ ihre Beine leicht zittern. Sie öffnete ihren Augen einen Spalt breit um zu sehen, wie es sich auf den Körper der Seekers auswirken mochte.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Wahrscheinlich würde sich Cain nie wirklich an das Gefühl einer anderen Aura auf seiner eigenen gewöhnen. Der zarte Silberstreif legte sich erneut forschend und tastend über das kläglich blasse Gold. Unter ihren Händen erschauderte der Seeker und lehnte seinen Kopf mit ein wenig Nachdruck nach vorn. Ein beruhigende Welle aus Energie erfasste ihn. Trotz des stetig wachsenden Unwohlseins genoss Cain die beispiellose Nähe ihrer Auren. Die Hände auf seinen Oberschenkeln zuckten, als wollte er nach der jungen Rubra greifen. Wie zäh fließender Honig drang ihre Stimme an sein Ohr und sickerte nur langsam mit Bedeutung in sein Hirn. Bei der Erwähnung von Anifuris schlug er endlich die Augen auf.
      "Das sagt er.", murmelte er und vermisste bereits das Gefühl ihrer liebevollen Berührungen an seinem Haupt. Das Fehlen ihrer Aura hinterließ ein kaltes Gefühl von Verlust. "Aber können wir ihm trauen?" Wie hoch standen die Chancen, dass die alte Seele sich davon machte, wenn Cain gerade keinerlei Chance hatte ihn einzuholen und außer Gefecht gesetzt war. Sie hatten sich einmal zuviel getäuscht, was die Kontrolle von Sylea anging. Andererseits hatten die beiden Bewusstseine im Körper der Vessel bereits zuvor sehr perfekt zusammen agiert. Sehr zu Cains Leidwesen.
      Mit halbschgeschlossenen Augen sah er ihr nach und widerstand dem Drang seines Körper sich bereits unter den Decken zu vergraben, um die Außenwelt für eine Weile auszublenden. Er bekam immer noch ein schlechtes Gewissen, wenn er ihre humpenden Schritte beobachtete.
      Zitternde Finger umfassten das Glas, dass er augenblicklich auf dem Nachttisch abstellte, damit es ihm nicht aus der Hand glitt. War es schon soweit, dass er nicht einmal mehr ein Glas halten konnte?
      Cain ließ Sylea gewähren, als sie ihre Hände auf seine Brust legte. Was dann geschah, ließ sich nur schwerlich in klare Worte fassen. Ein Ruck ging durch den Seeker, als die silbrige Aura sich zwischen jeden Riss und jeden Brust des goldenen Schimmers zwängte. Es geschah mit mehr Nachdruck als zuvor und fühlte sich beinahe wie ein Übergriff an. Das Gold flammte in schwacher Abwehr auf und konnte in seinem zerfaserten Zustand doch nichts ausrichten. Die Hände des Seekers schnellte nach oben und umfinden die schlanken Handgelenke. Ein keuchendes Ausatmen war die Folge.
      "Was tust du?", sprach Cain und die Worte klangen alarmiert. Und fühlte er nichts mehr. Der verkrampfte Griff seiner Finger lockerte sich nach und nach. Verwunderung schlug sich in seinem Blick wieder. Etwas, und es dauerte etwas bis er begriff das es Syleas Aura war, schirmte alle negativen Schwingungen ab, die ihn aus dem Gleichgewicht brachten. Das Bernstein seiner Augen wirkte noch immer matt und kraftlos, doch seine Muskeln hatten aufgehört unkontrolliert zu zittern. Prüfend streckte er seine Sinne aus. Seine Aura war noch immer an ihrem Platz, aber zwischen seiner selbst und dem goldenen Schimmer, lag der Silberstreif wie eine Rüstung. Er spürte Sylea wie eine direkte Berührung überall auf seinem Körper. Der fiebrige Verstand klärte sich, obwohl das Fieber noch immer unter seiner Haut wütete. Es war nicht die Hitze des Fiebers, die er nun spürte, sondern eine aufkeimende Glut, ausgelöst durch den direkten und unmittelbaren Kontakt ihrer Aura.
      Mit neuem, geschärften Blick erfasste er das Zittern ihrer Beine und löste seinen Griff, nur um mit seinen Händen um ihre Oberschenkel zu greifen.
      "Du zitterst...", er sah in ihre halbgeöffneten Augen. Mit kurzzeitig neugwonnener Kraft zog er Sylea zu sich. Darauf bedacht, ihre Hände auf seinem Körper und das verletzte Knie nicht zu erschüttern, bugsierte er sie zu sich auf Bett, bis sie seitlich auf seinem Schoß saß. Das versteifte Bein Bequem auf der Matratze ausgestreckt.
      “We all change, when you think about it.
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    • Sylea kam nicht einmal dazu sich auch nur ansatzweise gegen Cains Zug zu wehren. Willig ließ sie sich auf seine Schoß ziehen, das kranke Bein lang ausgestreckt auf der Matratze. Noch immer waren ihre Augen halb geschlossen während sie sich darauf konzentrierte, die Aura da zu lassen, wo sie gerade war.
      "Das ist anstrengender als gedacht", murmelte sie leise und konnte sich nicht verkneifen, Anifuris ein Stückchen Respekt dafür zu zollen.
      Ich mache das auch nur ein paar hunderte Jahre länger als du.
      "Er hat mir gesagt, man kann so einen anderen Menschen abschirmen", erklärte sie weiter, noch immer darauf bedacht, den Körperkontakt nicht zu unterbrechen. Diese Verschiebung der Aura funktionierte nur solange, wie sie den Körperkontakt aufrecht erhielt und das Bewusstsein nicht verlor. Sie fühlte mit ihren Händen, was ihre Augen sonst sehen würden. Die kranke Farbe der Sucht schien diesen Eingriff zu spüren und aufzubegehren. Die feinen Linien fingen an, sich auszudehen und mehr von den anderen Farben von Cains Aura zu fressen.
      Sylea verzog das Gesicht. Wenn sie jetzt nachlässig wurde und ihre Aura zurückzog, dann traf Cain all diese Auswirkungen viel härter und auf einen Schlag. Anifuris hatte das gewusst und sie geschickt dahin manipuliert. Dieses Schwein. Als Bestätigung spürte sie ihn diabolisch lächeln. So viel zum Thema Absprache und Vertrauen.
      Langsam schlug Sylea die Augen auf nachdem sie ein Gefühl dafür bekommen hatte, wie sich ein konstanter Schub anfühlen musste, um ihn aufrecht zu erhalten. "Es funktioniert, solange man sich direkt berührt. Ich bin nicht so stark, als dass ich meine Aura ohne Kontakt verschieben kann."
      Erst jetzt bewertete das Vessel ihre Lage neu. Sie blinzelte ein paar Mal ehe sie Cain direkt in die Augen sah. Eingehend musterte sie seine Augen, die noch immer kaum leuchteten. Aber er hatte aufgehört zu zittern und das übermächtige Schwächegefühl schien gewichen zu sein.
      Da lächelte Sylea bitter. "Das Arschloch hat aber nicht erwähnt, dass die Sucht ein Eigenleben hat", erklärte Sylea und war sich durchaus bewusst, dass ihr Wortschatz gerade ein wenig litt, "sie flippt gerade völlig aus weil ich sie von dir separiert hab. Ich glaub du willst nicht, dass sie jetzt auf dich zurückspringt."

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • "Das heißt, du benutzt deine Aura als Schutzbarriere gegen meine eigene, die mit den parasitären Auswüchsen des Suchtgefühl befallen ist?", fragte Cain ehrlich interessiert nach. Da der Nebel sich in seinem Kopf gelichtet hattet, viel es ihm leider auch den komplexeren Gedankengängen wieder zu folgen. Es war erstaunlich wozu Sylea mittlerweile im Stande war, auch wenn es wohl ein hohes Maß an Konzentration dafür benötigte. Der Seeker rührte sich so wenig wie möglich, um die junge Rubra bei ihrer Aufgabe nicht zu stören. Ein Teil von ihm wollte sie dazu bewegen, ihre Kräfte zu sparen und ein anderer Teil wollte sie nie wieder von sich fort lassen.
      Beinahe hätte Cain bei der ungewohnten Wortwahl laut aufgelacht, wenn die Lage nicht so bitterernst gewesen wäre. Die volle Wucht des Suchtgefühl auf einen Schlag um die Ohren gepfeffert zu bekommen, erschien ihm wenig einladend. Dabei fühlte er sich gerade wesentlich besser, auch wenn die einhüllende, silbrige Aura auch ihm Konzentration abverlangte. Jedoch bezog sich das auf seine rein physischen Reaktionen. Jede Regung des Silberstreif sandte gleichzeitig einen sanften Schub aus Ernergie direkt in seine Nervenbahnen.
      "Nein, das klingt nicht sehr verlockend.", murmelte er und hielt dem Blick der jungen Rubra stand, während er versuchte seine Atmung möglich ruhig zu halten. "Nicht erschrecken.", fügte er noch hinzu und legte die Arme um den zierlichen Körper in seinem Schoß, mit möglichst vorsichtigen Bewegungen und es war wirklich nicht einfach, schob er sich weiter zurück auf das Bett. Es war ein Kunststück die Berührung ihrer Hände aufrecht zu erhalten, während er sie beide in eine bequemer Position brachte. Wenn sie versuchte dieses Zustand länger zu halten, würde ein paar anstrengende Stunden vor ihnen liegen. So lange bis der Parasit keine Nahnung mehr fand, und die Sucht an Mengel förmlich aushungerte. Erst dann konnte sich das Gold seiner Aura wieder regenerieren und sich gereinigt wieder herstellen. Und bis dahin hatte auch der Körper die Entgiftung weitestgehend abgeschlossen.
      Cain lehnte sich gegen das Kopfende des Bettes, damit er nicht die ganze Zeit verkrampft aufrecht sitzen musste. Sylea hatte er fest an seine Seite gezogen und legte nun eine Hand auf ihre.
      "Der Bastard hat auch bestimmt nicht erwähnt, was ein dauerhafter und direkter Kontakt deiner Aura auslöst?"
      Die Stimme des Seekers war um ein paar Tonlagen tiefer geworden und er blickte Sylea trotz der glanzlosen Iren, mit einem scheifen Grinsen an. Wie aufs Stichwort ging ein erneuter Schauer durch seinen Körper, als die Frau an seiner Seite noch einmal den Schub korrigierte und die Welle an Auraenergie sein Körper durchströmte. Es war definitiv nicht mehr nur das Fieber, dass seine Haut zum glühen brachte.
      “We all change, when you think about it.
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    • "Wie eine Schutzbarriere kann man es sehen, ja."
      Mittlerweile erschreckte es Sylea wirklich nicht mehr, wenn Cain ihre Ausgangslage etwas veränderte. Sie musste allerdings schmunzeln weil er sehr darauf bedacht war, ihre Hände nicht zu verrücken. Ihre Worten waren Körperkontakt - das schloss nicht den Rest ihres Körpers aus. Niemand hat auch nur ein Wort darüber verloren, dass sie ihre Hände dazu benötigte. Ihr vormals bitteres Lächeln war einem weichen, echten Lächeln gewichen, als der Seeker seine Hand auf eine der ihren legte. Seine immer noch deutlich erhitzte Körpertemperatur drang durch jeden Fetzen ihrer Kleidungs und übertrug sich auf ihren Körper. Jetzt gerade fühlte sie sich aufgrund ihrer kaum vorhandenen eigenen Aura ein wenig wie entblößt. Daraufhin korrigierte sie ihren Aurenschub ein wenig und löste ein Schaudern in dem Körper unter ihr auf. Sylea runzelte die Stirn etwas. Hatte sie eine Stelle übersehen?
      "Der Bastard hat auch bestimmt nicht erwähnt, was ein dauerhafter und direkter Kontakt deiner Aura auslöst?"
      Augenblicklich riss sie die Hände zurück, so als hätte sie sich verbrannt. Die deutlich tiefere Tonlage des Mannes wirkte auf sie wie eine rote Fahne weil sie irgendeine Kleinigkeit nicht bedacht hatte. Da sie aber immer noch eng aneinander geschlungen dasaßen, brach der Schub nicht ab. Er flackerte lediglich.
      Anifuris lachte lauthals in ihrem geteilten Geist auf.
      "Hat er natürlich nicht!", rief das Vessel lauthals aus, war sich allerdings nicht im Klaren darüber, dass der Schub eine... nunja... aufregende Wirkung auf den anderen haben konnte. "Er hat nur gesagt, man kann damit manipulieren und schützen!"
      Meine Güte, bist du unbeholfen. Schau dir den kleinen Seeker mal genauer an. Das ist nicht nur ein Fieber, weshalb er so am Glühen ist.
      Sylea fiel so ziemlich alles aus dem Gesicht als Anifuris ihr anhand von Bildern zeigte, was der Aurenzug sowie -schub tatsächlich bedeutete. Und dass sie gerade Cain buchstäblich mit ihrem ganzen Wesen eingehüllt hatte und ihre Hände praktisch über seinen kompletten Körper glitten.
      Die junge Rubra konnte nicht anders als den Blick abzuwenden. Ihre Augen waren geweitet, stumpf starrte sie die andere Seite des Raumes an. Dann ergab es Sinn, warum Cain sie berührt hatte, sie geküsst hatte. Ohne es zu wissen hatte Sylea ihn praktisch verführt und manipuliert. Was sie nur noch zerworfener zurückließ. Denn sie wusste, dass sie ihre Aura nun vorerst nicht zurückziehen durfte.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Die folgende Reaktion war eindeutig. Ein unterschwelliger Ärger erfasste Cain, wenn er daran dachte, wie Anifuris sich vermutlich köstlich über ihre verzwickte Sitatioin amüsierte. Der Seeker schob sich ein paar verirrte, feuchte Haarsträhnen aus der Stirn. Sylea zog panisch ihre Hände zurück, mit der Sorge etwas Falsches getan zu haben. Reflexartig streckte der Seeker seine Händen nach ihr aus, als fürchtete er, sie könnte sich zu weit von ihm entfernen. Und das hatte zu seiner eigenen Schande nichts mit dem drohenden Verlust ihrer schützenden Aura zu tun. Er wollte die Nähe zu ihr nicht verlieren, dafür genoss er es im Augenblick viel zu sehr, sie an seiner Seite zu wissen.
      Sicherlich spielte die Manipulation ihrer beiden Auren eine Rolle, aber sie verstärkte nur das, was ohnehin längst vorhanden war. Verborgenes wurde hervor ans Tageslicht gelockt. Seine Hände bekamen ihre Ellbogen zu fassen. Der Blick in den graubraunen Augen gefiel ihm nicht. Die junge Rubra wirkte abwesend und er konnte die förmlich hören, wie die Zahnräder in ihrem Kopf sich drehten.
      "Sylea...", versuchte er es mit einem ruhigen Ton, und damit der Rauheit in seiner Stimme noch mehr Raum ließ. Cain schluckte kurz und versuchte es noch einmal. Es klang schon wenig beherrschter als zuvor. "Sag mir was lost ist. Sprich mit mir."
      Als sie ihren Blick weiterhin starr auf die kahle Wand richtete, rutschten seine Hände hinab zu ihren, um diese sanft zu umfassen. Ohne Zögern legte er ihre Handfläche über das schlagende Herz in seiner Brust. Der Rhythmus war beschleunigt, aber wieder regelmäßig in seinem Takt. Ohne das Eingreifen der Vessel hatte es einen holprigen und ungesunden Takt geschlagen. Die Wärme ihrer Hand brannte sich intensiv durch sein dünnen T-Shirt.
      "Du musst das hier nicht tun, wenn...wenn es dir unangenehm ist." Natürlich, sie hatten sich geküsst und eng umschlungen auf dem Sofa beineeinander gelegen, aber das setzte nicht vorraus, dass seine aufkeimende Erregung selbstverständlich für sie war. Cain war dankbar dafür, dass er sich für eine Jeans entschieden hatte. Der feste Stoff kaschierte wenigsten noch ein kleines Bisschen die natürlichen Reaktionen seines Körper auf ihre Auramanipulation. Wäre er jünger, wäre er höchstwahrscheinlich vor Scham im Boden versunken.
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    • "Ich... ich wusste wirklich nicht, dass es das auslöst..."
      Von jetzt auf gleich war sich Sylea der Nähe ihrer Körper auf einem anderen Level bewusst. Cain hatte ihre Hand auf seine Brust direkt über sein Herz gelegt, wo sie nun seinen gleichmäßigen Herzschlag spüren konnte. Zeitgleich traute sie sich keinen weiteren Zentimeter zu, sich zu bewegen. Vermutlich täuschte sie sich, aber sie hatte das Gefühl, dass alles hier an seinem Nervenkostüm zehrte.
      Am liebsten hätte sie sich dafür geohrfeigt, dass sie unwissentlich etwas getan hatte, von dessen Wirkung sie gar nichts wusste. Wie konnte sie auch nur einen Funken Glauben in eine alte Seele in ihr stecken, die eigentlich nur scharf auf ihren Körper als Basis ihrer Selbst war? Auf der anderen Seite...
      Syleas Blick kehrte zu Cain zurück. Wenn auch nur angedeutet. "Ich hab keine Wahl. Du überstehst es nicht, wenn jetzt alles ungefiltert auf dich zurückgeht." Im Gegensatz zu dem Seeker sah sie, welches Ausmaß das Suchtpotenzial bereits angenommen hatte. Wie ein eigenständiges Wesen schlug es Wellen, vernichtete auf seinem Weg die anderen Farben und war sichtlich nicht amüsiert, dass es langsam aber sicher seine Basis verlor. Schlug das jetzt auf den sowieso schon gereizten Mann zurück, war sie sich sicher, dass er es nicht überstehen würde.
      Also hatte sie keine Wahl.
      Seufzend drehte sie ihm nun vollends das Gesicht zu. Nochmals sondierte sie sein Gesicht ehe sie ihres seinem annäherte. Vorsichtig legte sie ihre Stirn an seine, die so viel mehr Wärme abgab als die ihre. Sie versuchte mit ihrer Aura zu erfühlen, was er gerade fühlen mochte. In welcher Intensität er es tat. Und vielleicht auch, was er jetzt gerne tun würde.
      Anifuris hatte ihr Bilder, Ausgänge gezeigt. Langsam rückte sich das Vessel etwas zurecht und spürte unter sich, was der junge Mann gern verdeckt hätte. Unwillkürlich biss sie sich auf die Unterlippe. Ihr verdammtes Herz sollte aufhören, so zu rasen. Seines tat es schließlich auch nicht.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • "Das war kein Vorwurf", erwiderte Cain tatsächlich mit einem Lächeln auf den Lippen.
      Trotz des Risiko wäre es immer noch möglich gewesen, Sylea von sich zu schieben. Auch wenn er dafür die Konsequenzen ihrer gut gemeinten Hilfe in Kauf nehmen musste. Der Gedanke kam ihm, dass die junge Rubra dem Irrglauben erlag, ihn in diese Richtung manipuliert zu haben. Und selbst der zarte Kuss, bei dessen Erinnerung sich kein über die Lippen leckte, nur ein Nebeneffekt der Manipulation gewesen war. Ein Gespräch war definitiv angebracht, aber zu diesem Zeitpunkt eine eher schwierige Angelegenheit. Cain hatte nicht die nötige Konzentration dafür und Sylea benötigte ihre Eigene, um den Seeker mit aller Kraft am Leben zu halten. Die harte Wahrheit war, dass ihre silbrige Aura die einzige Schutzbarriere zwischen ihm und einem qualvollen Ende stand. Wenn Sylea Recht hatte, würde ein Zurückschnappen seiner Aura und der parasitären Sucht ihn am Ende umbringen. Er war nie sorgsam mit sich oder seinem Leben umgegangen und hatte sogar seinen Verstand vergiften lassen, aber hatte nie einen Todeswunsch verspührt.
      Im Gegensatz zu seiner fiebrigen Stirn fühlte sich ihre Haut wunderbar kühl auf seiner Stirn an. Seufzend schloss er die Augen und hob leicht den Kopf an, um die Geste mit sanften Druck zu erwidern. Warmer Atem kitzelte sein Gesicht. Zuvor ein stetiger aber schneller Rhythmus, nahm sein Herz schlagartig an Geschwindigkeit zu. Zur dem einhüllenden Gefühl ihrer Aura, die ihn gänzlich umfasste, gesellte sich der zarte Druck ihres Körpers an seiner Seite und nun auch halb auf ihm. Völlig von selbst fand seine Hand den Weg zu ihrer Hüfte, vielleicht ein wenig tiefer als es angebracht. Sein Daumen entdeckte den schmalen Streifen Haut, wo sich das weiße T-Shirt ein wenig angehoben hatte.
      Goldene Augen, die ohne ihren eigentümlichen Glanz eher wie ein warmes goldbraun wirkten, blickte abwartend zu ihr auf.
      Es war absolut wahnsinnig, dass er auf dem gefährlichen Schwebeakt zwischen Leben und dem Verlust seiner Selbst, an nichts anderes denken konnte, als sie erneut zu küssen.
      Die Antwort auf ihre warnenden Worte kam viel zu verzögert, aber sein Denken verwandelte sich in eine zähe Masse.
      "Dann wirst du wohl bleiben müssen...", raunte er und die letzte Silbe ging in ein unterdrücktes Keuchen über, als sich ihr Körper näher an ihn schmiegte.Sämtliches Blut in seinem Körper rauschte in schwindelerrgender Geschwindigkeit seinen Körper abwärts.
      Cain ließ ihre Hand los und schob seine Finger fahrig in ihren Haarschopf. Er hielt sie nich mit Kraft an Ort und Stelle, damit sie sich jeder Zeit fort bewegen konnte.
      Als sie sich auf die Unterlippe bis, brannte in seinem Hirn eine Synapse durch. Cain reckte das Kinn und fing ihre Lippen zu einem zärtlichen Kuss ein, der wie Lava in seinen Adern brannte.
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    • Es waren diese feinen Tonnuancen, die Sylea immer wieder besonders hart trafen. So auch als Cain ihr zuraunte, dass sie wohl bleiben müsse. Dann keuchte er plötzlich auf und entlockte ihr zeitgleich ein ähnliches Geräusch. Sie wollte fragen, was passiert war, da spürte sie, wie sich wilde männliche Finger in ihren Haaren vergruben. Ein ganz kleines Stückchen zuckte Sylea zurück bei der Art und Weise, wie er seine Hand führte. Das war im nächsten Augenblick aber schon fast vergessen. Scheinbar hatte sie ihn gereizt ohne es zu merken, denn da bewegte sich sein Kopf bereits ein Stück und verwickelte Sylea in den nächsten Kuss des Tages.
      Ein etwas überrumpelter Laut blieb ihr in der Kehle stecken bei der Zärtlichkeit, die der Seeker in diesen Kuss legte. Er stand in einem dermaßen starken Kontrast zu seinen Fingern, die sich noch immer unnachgiebig in ihrer Haarpracht verfangen hatten. Er wollte sie nicht freigeben, diesen Kuss in die Länge ziehen, sie nicht gehen lassen. Auf der anderen Seite spürte sie überdeutlich, dass er sich in einem Zwiespalt befand. Ein Spagat zwischen dem, was seine Instinkte ihm rieten und dem, was sein Verstand für richtig hielt. In diesem Moment hatte Sylea die Macht zu entscheiden, welche Seite gewinnen mochte. Es war leicht, so leicht...
      Ihre Hände hoben sich von ihrem Schoß und umrahmten Cains Gesicht. Ihre Hände schmolzen regelrecht auf seinen Wagen während sie die Augen geschlossen hatte und einfach nur in dem Moment versank. Die Aura zu verschieben war auf einmal keine Bürde mehr, auf die sie sich konstant konzentrieren musste. Es war einfach...da. Vermutlich hing es damit zusammen, dass sich die Beiden sowohl körperlich als auch auf emotionaler Ebene so sehr annäherten, dass sie fast wie eine Einheit agierten.
      Dann ließ das Vessel ihre Hände ziehen. Sie wanderten über Cains Hals abwärts, über seine Schlüsselbeinknochen hinweg, vorbei an seinem ach so rasenden Herz und über die Bauchmuskeln hinab. Schlussendlich verweilten sie auf seinen Hüften, wo sie den rauen Stoff der Jeans unter ihren Fingerspitzen als willkommene Abwechslung wahrnahm. Atemlos löste sie den Kuss, der noch immer so zart und vorsichtig war, als könne er sie mit der geringsten Prise Wildheit beschädigen.
      Abwechselnd lief es ihr warm und kalt hinunter. Seitdem sie wusste, dass sie ihn permanent weiter über die Klippe trieb, war da dieses erwartungsvolle Frösteln. Die Nervosität brachte ihre Haut zum kribbeln bis sie nach einem weiterem sinnlosen Atemzug Cains Lippen wieder fand. Noch immer waren ihre Augen geschlossen - sie wollte nichts sehen, nur fühlen. Fühlen, dass diese Berührungen echt waren, ihr wunderbare Schauer über den Rücken jagten und so unendlich weit weg von den Qualen waren, die sie bisher miterleben musste.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Für den Bruchteil einer Sekunde befürchtete Cain mit den letzten Resten seines faserigen Verstandes, dass Sylea sich verschreckt zurück zog. Das Zucken, das ihren Körper erfasste, veranlasste ihn beinahe dazu seine Hände von ihrem Körper zurück zunehmen. Allerdings schrie jeder Nerv unter seiner Haut danach, sie noch näher an sich zu ziehen. Dabei passte jetzt schon kaum noch ein Blatt zwischen sie. Erst die Hände an seinem Gesicht beruhigte die aufgewühlten Zweifel in seinem Kopf. Es glich einem Drahtseilakt, als ihre Fingerspitzen über seinen Hals tanzten und den vertrauten Weg über sein Schlüsselbein entlang wanderten. Dieses Mal sollte ihre neugierige Erkundung hier nicht stoppen.
      Der Seeker hätte niemals geglaubt, dass die glühende Hitze in seinem Körper noch weiter angefacht werden konnte, aber ihre Hände auf seiner Brust, die sich stetig weiter nach unten schoben, belehrten ihn eines Besseren.
      Ein kehliges Grollen löste sich in den Tiefen seines Brustkorbes. Ein Geräusch, das beinahe seine gesamte Menschlichkeit abgelegt hatte. Unter ihren Händen zuckten die Bauchmuskeln verräterisch und ihm war erst ein wenig Ruhe vergönnt, als Sylea am Bund seiner Jeans stoppte.
      Unter gesenkten Augenlidern betrachtete Cain ihr Gesicht, dass einen zarten rosafarbenen Ton angenommen. Der Gedanke, wie wunderschön sie aussah, zuckte durch seinen Geist. Wenn er gekonnt hätte, wäre seine Aura weit geöffnet auf sie zugeströmt, wie die Wellen eines unruhigen und tosenden Meeres. Leider hatte er gerade nicht die gerringste Kontrolle darüber und begnügte sich damit ihren Körper mit den Händen zu erkunden.
      Der zweite Kuss in dieser heiklen und gleichzeitig aufregenden Begebenheit, ging dieses Mal von der jungen Rubra aus. Cain, der dies als Zustimmung wahrnahm, löste die Hand aus ihren Haaren um sie ihren Rücken hinab fahren zu lassen. Am Steiß angekommen, glitten seine Fingerspitzen wieder die feinen Wölbungen ihrer Wirbelsäule hinauf. Er widerholte seine Streicheleinheiten ein-, vielleicht zweimal, bis sich beide Hände zielstrebig unter ihr Shirt schoben, um die nackte Haut auf ihrem Rücken zu streicheln.
      Mit deutlichem Verlangen presste er seine Mund an ihren, schmeckte mit einem elektrisierenden Nervenkitzel ihren süßen Geschmack auf seiner Zunge. Der Seeker hatte ab diesem Zeitpunkt aufgehört zu denken. Die andauernde Präsenz ihrer Aura, der zarte Silberstreif um seinen Körper und die tatsächliche Wärme ihres Leibes zu spüren, gab ihm den Rest. Wenn es sich so anfühlte den Verstand zu verlieren, nahm er es mit Freude in Kauf. Er hatte nie so intensiv die Nähe einer Frau gefühlt.
      Erst als seine Lungen nach dringend benötigtem Sauerstoff schrien, lehnte Cain den Kopf zurück und sah das Vessel mit einem eindeutigen Feuer in den Augen an.
      "Sag mir, dass ich aufhören soll...", hauchte er. Es war der letzte Strohhalm, den den er sich klammerte.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Sylea richtete sich kerzengerade auf, als Cains Hand seinen Weg über ihren Rücken beschrieb. Spätestens als sich beide seiner Hände unter ihr Shirt nach oben schoben und dabei eine Gänsehaut nach der anderen auslösten, war das Mädchen nur noch ein einziges fühlendes Nervenbündel. Sie zog ihre Schulter nach hinten, sodass seine Fingerspitzen über die dünne gespannte Haut über den Schulterblättern hinweg glitt. Parallel dazu wurde sein Kuss intensiver, drängender. Irgendwann schien die Luft ihn zu verlassen, sodass er den Kuss löste und sie sehr, sehr eindeutig ansah.
      "Sag mir, dass ich aufhören soll...", hauchte er.
      Sylea schwieg. Ihre Augen sahen das Feuer, das in den Augen ihres Gegenübers loderte. Sie war schuld an diesem Zustand, der ihn soweit an den Rand trieb, dass er die letzte Entscheidungsmöglichkeit in ihre Hände legte. In jene, die ihn mehr als einmal fast getötet hätten. Quälende Sekunden verstrichen, in denen sich beide stumm anblickten, nach Luft schnappten und in einem Zustand der Unsicherheit verweilten. Zu jeder einzelnen dieser quälenden Sekunden war dem Mädchen bewusst, dass sie das Zepter in der Hand hatte. Er nur auf das reagierte, was sie ihm zeigte. Tief in ihr hatte sich eine Glut entzündet, die sie nicht einmal vorher in ihrem Leben gespürt hatte. Bereits jetzt wusste sie, dass diese Glut zu schwelen beginnen würde und sich durch jede einzelne Zelle ihres Körpers fressen würde, wenn sie sie einfach machen ließ.
      "Was wenn nicht?...", hauchte sie als Antwort zurück, selbst nicht im Klaren darüber, wie verführerisch das in den richtigen Ohren klingen mochte. Als sie das sagte, legte sie den Kopf leicht in den Nacken, schloss die Augen und atmete tief ein. Noch immer fuhren seine Hände über ihren Rücken und forderten ihre gesamte Aufmerksamkeit. "Ich kann nicht denken, wenn du das machst..."

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Die Ungewissheit, die über ihnen schwebte, zerrte an den letzten dünnen Fäden seiner Selbstbeherrschung. Mit jeder verstreichenden Sekunde entglitt ihm mehr und mehr die Kontrolle über seine Hände. Sylea wölbte sich ihm entgegen, während seine Fingerspitzen den Schwung ihrer Schulterblätter nachzogen, als wollte er sich Form und Struktur ihrer Haut ins Gedächtnis brennen. Durch ihre schauernden Bewegungen stahlen sich seiner Finger kurzzeitig unter die dünnen Träger ihres BHs.
      Die gehauchte Frage von ihren Lippen klang in für ihn wie die pure Verführung. Wusste die junge Rubra eigentlich, was sie mit Cain anstellte, wenn sie ihn so ansah? Bei ihrem fehlenden Erfahrungsschatz war es wohl undenkbar. Umso mehr verwundert war der Seeker darüber, wie sie sich vertrauensvoll an ihn schmiegte und seine Nähe suchte. Ein Knurren zwischen Frustration und Begierde erfüllte seine Kehle, und vibrierte wie ein weit entferntes Donnergrollen durch seinen Brustkorb. Dabei fühlten sich die Impulse ihrer Aura klar und eindeutig an.
      Cain spürte keine Angst, nur eine verständliche Unsicherheit und selbst diese wurde von etwas gänzlich Anderem überschattet. Freudige Aufregung erfüllte den Seeker, da er deutlich fühlte, wie sehr sie seine Berührungen genoss. Dabei war es nur die zarte, gespannte Haut ihres Rückens. Wie intensiv würde ihre Aurasignatur sich wandeln, wenn er...
      Cain verlor den sprichwörtlichen Faden endgültig und reckte das Kinn leicht vor, bis er seine Lippen mit Nachdruck gegen die dünne, empfindliche Haut unter ihrem Ohr pressen konnte. Tief atmete er ein, wie ein Spürhund, der die Fährte seiner Beute aufnahm. Erneut ertönte das Knurren in seiner Kehle und seine Küsse wanderten ihren zarten Hals hinab.
      "Dann wirst du mir wohl oder übel vertrauen müssen...", brummte er mit rauer Stimme, währen sein heißer Atem ihre Haut liebkoste.
      Seine Hände hatten ein Eigenleben entwickelt und waren über ihren Rücken hinab bis tief auf ihre Hüften gewandert. Ohne Umschweife folgten sie ihrem Pfad über ihr Gesäß, bis er kraftvoll ihre Oberschenkel umfasste. Mit einem energischen Ruck zog er Sylea direkt auf sich, bis ihr ganzes aber federleichtes Gewicht auf seinem Körper lag. Er hoffte nur, dass ihr versteiftes Knie ihm die recht ruppige Aktion nicht übel nahm. Er winkelte seine langen Beine an, damit sie zwischen ihnen Platz fand und ihr verletztes Bein ungestört ausstrecken konnte. Seine Handlung hatte zur Folge, das ihre Hüften nun direkt auf seinen Lenden auflagen. Cain keuchte atemlos an ihrem Hals auf.
      "Liegt du bequem?", murmelte er an ihrem Hals und wartete ihre Antwort gar nicht erst ab. Eine Hand ruhte noch immer knapp unter ihrem Gesäß, als er mit vorwitzigen Fingern den Saum ihres T-Shirt Zentimeter um Zentimeter ihren Rücken hinaufschob. "Darf ich?"
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
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      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Cains Stimme, seine Taten, selbst seine pure Anwesenheit rissen Syleas Wände des Widerstandes gnadenlos nieder. Für einen gewissen Moment färbte sich ihre Gedankenwelt weiß und leer, völlig frei von Sorgen, Bedenken und Wünschen. Ein Zustand des Nichts, der ihre konfusen Überlegungen einfach fortschickte. Bis sie Cains Lippen unterhalb ihres Ohres wahrnahm und ihre Schulter etwas hochzog weil es eine Mischung aus Verheißung und Kitzeln war. Ungeachtet dessen zog er seine Bahn abwärts, wieder ertönte dieses Knurren, das dem Vessel einen Schauer durch die Glieder jagte. Nie hätte sie damit gerechnet, solche Laute von einem Menschen zu hören.
      "Du solltest lieber mir vertrauen, dass ich die Kontrolle behalte", korrigierte Sylea ihn leise murmelnd, da ging bereits ein Ruck durch ihrer beide Körper.
      Einen Augenblick lang war sie wie überrumpelt. Ihre Kontrolle über den Aurenschub flimmerte, als sich ihre Aura zu ihr zurückziehen wollte, um einen potenziellen Übergriff zu verhindern. Cains Griff an ihren Oberschenkeln war so stark, dass sie instinktiv davor zurückschreckte und ein leises Quietschen ihrerseits zu hören war. Ihr Puls sprang schlagartig in eine panische Höhe, den sie nur mit Mühe wieder unter Kontrolle bringen konnte. Ebenso wie ihre Aura, die zwischenzeitlich gefährlich über Cains Körper ausgedünnt hatte. Rigoros schob das Mädchen ihre eigene Aura wieder von sich, kaum hatte sie den Schock überwunden und sich an ihre neue Lage angepasst. Wobei anpassen nicht ganz richtig war. Schließlich konnte der Mann sie scheinbar nach belieben verschieben.
      "Ich dachte, du hast nicht mehr so viel Kraft", empörte sich Sylea spielerisch, verschluckte sich aber regelrecht an ihren Worten, als sie ein paar Finger an ihrem Rücken spürte.
      Bei Cains Frage zögerte sie, zog die Pause in unerträgliche Längen. Sie musste sich erden, ihre beiden unregelmäßigen Herzschläge hören und sich vergewissern, dass noch jedes Stückchen Aura dort war, wo sie hingehörte. Konzentriert lauschte sie den Eindrücken, die ihr das Silber wortlos mitteilte. Noch immer war da die eiserne Raison des Seekers, wobei sich empfindliche Risse mittlerweile abbildeten. Gleichzeitig horchte das Vessel in sich selbst hinein. Sobald er ihr das Shirt vom Leib streifen würde, sähe er das ganze Ausmaß der Narben, die sich über ihre Haut verteilten und ihre ganz eigene Geschichte erzählten. Unter all Nervosität, Vorfreude und Spannung entdeckte sie aber ein anderes Gefühl in sich, winzig klein und gut versteckt: Angst. Tief in ihr hatte die Angst ihre Wurzeln geschlagen, flüsterte in ihr Ohr, dass sie vielleicht doch nicht das war, was der junge Mann unter ihr wollte. Dass er sich abwenden würde, sobald er ihren verunstalteten Körper sah. Dass sie ihm nicht das geben konnte, was er gerade wollte. Und dass er vielleicht nur deswegen sich nicht von ihr löste weil er dann den Verlust ihrer schützenden Aura riskieren würde.
      Sylea legte beide Hände an Cains Schultern und stützte sich von ihm ab. Diese Gedanken hatten mittlerweile ihre Augen erreicht weshalb ihr Ausdruck jegliche Verzückung verloren hatte. Stattdessen sah man eine Unsicherheit, eine Frage in ihrem Blick auftauchen.
      "Mach nur", forderte sie ihn mit trockenem Munde auf und gewährte ihm somit seine Frage.
      Das letzte Stück des Shirts zog sie sich eigenständig mit einer Hand über den Kopf und warf es achtlos auf den Boden neben dem Bett. Augenblicklich richtete sie ihren Blick wieder auf Cain. Noch immer hatte sie sich von ihm abgestützt, sodass er nun das volle Ausmaß sehen konnte. Von der dünnen weißen Linie an ihrem Hals erstreckte sich ein wortloser Geschichtenteppich ihren gesamten Körper abwärts. Weiße Flecken über ihrem rechten Schlüsselbein rührten von einem Splitterbruch, der ihr an dieser Stelle die Haut zerfetzt hatte. Zwischen den Rippen waren kleinere helle Stellen, die die Eintrittstellen von Pfeilspitzen darstellten. Zahllose kreisrunde rötlich verfärbte Flecken wild verstreut über ihren Bauch waren glühenden Eisenstäben zu verdanken. Mehr konnte Cain zur Zeit nicht sehen.
      Syleas Atem ging stoßweise während ihre unsteten Augen den Seeker eingehend beobachteten.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Was er hier tat, war absolut Leichtsinnig und im wahrsten Sinne des Wortes lebensgefährlich. Zumindest für seine Person. Eine Tatsache, der er sich schmerzlich bewusst wurde, als sich ihre Worte bewahrheiteten. Der schützende Silberstreif um seinen Körper dünnte gefährlich aus, was er nicht sehen aber umso deutlicher spüren konnte. Unter Sylea erzitterte der Seeker. Dieses Mal allerdings nicht unter den langsam aufblühenden Leidenschaft, die ihn in seinen Fängen hielt, sondern unter einem brennenden Schmerz, der sich schleichend über seine Haut ausbreitete. Die Muskeln zogen sich in ihrer Gesamheit krampfartig zusammen und Cain riss die Augen auf, als er den Kopf zurück in das spärlich gefüllte Kopfkissen drückte. Der Schock darüber stand ihm ins Gesicht geschrieben und ergoß sich wie ein eiskalter Eimer Wasser über seinen Kopf.
      Umso mehr war er froh darüber, dass Sylea mit aller Willenskraft ihre Aura wieder in Position brachte, um seinen fahrlässigen Fehler wieder zu korrigieren. Schwer atmend blickte der Seeker zu ihr auf und brachte es trotz der heiklen Situation fertig schief zu grinsen.
      "Fühlt sich...", Cain stockte kurz und nahm noch einen beruhigenden Atemzug. Das war knapp gewesen. "Fühlt sich an, als hättest du das Ganze ziemlich gut im Griff. Um ehrlich zu sein, ich habe mich selbst ein wenig damit überrascht."
      Ihm entging nicht, dass Sylea von seiner vorsichtigen Frage überumpelt war. Aber es war nicht nur das. Das erste Mal, seit die junge Rubra ihre Aura beschützend und isolierend um ihn geschlossen hatte wie eine alles umfassende Umarmung, spürte er die vertrauten Wellen der Angst. Verborgen unter all den aufwühlenden Emotionen und gemischtne Gefühlen, war sie dennoch deutlich für ihn spürbar. Cain befürchtete einen Schritt zu weit gegangen zu sein und hielt mit seinen Händen auf ihrem Rücken inne. Ihre aufkeimende Angst am eigenen Leib zu erfarhren, war eine Sache. Der Blick, als sie sich mit Hilfe seiner Schultern aufstützte, traf ihn wie ein heißes Messer, das ihm jemand zwischen die Rippen bohrte. Von dem Feuer, das ihre Augen zu wunderbar lebendig erschienen ließ, war nichts mehr zu sehen.
      "Sylea, du musst nicht...", setzte er versichernd an. Das Letzte, das er wollte, war ihr das Gefühl zu geben, sie müsste sich dazu zwingen. Oder sie sich schuldig fühlte. Es war nicht ihre Pflicht oder ihre Verantwortung, dass sein Körper im unpassensten Augenblick beschlossenen hatte, dass er sie wollte. Die Vorstellung ihrer Haut auf seiner, den zierlichen Leib der jungen Frau unter sich, während sie sich ihm entgegen bog...
      Cain zwang sich die Bilder in den Hintergrund zu drängen, während entgegen seiner hart erkämpften Kontrolle, sich die deutlich spürbaren Anzeichen seiner Erregung gegen ihre Hüften pressten.
      Da hatte sie sich das T-Shirt schon eigenständig über den Kopf gezogen. Der Seeker bekam nicht mehr mit, wo das lästige Kleidungsstück landete, denn sein Blick klebte beinahe sofort auf ihrem freien Oberkörper. Vor seinen Augen eröffnete sich der Anblick eines von Leid und Qualen geprägten Lebens und er verstand, warum sie diese Verunsicherung spürte. Obwohl er bereits zuvor, in dem in klinischen Weiß gekachelten Bad einen Blick auf das Ausmaß ihrer Gefangenschaft werfen können. Die Narben vo Nahen zu sehen, war dennoch Schlag ins Gesicht.
      In Cains Augen spiegelte sich keine Abscheu vor den markanten Spuren auf ihrer Haut. Eine unsagbare Wut auf die Peiniger der jungen Frau brach sich seine Bahn und der abschreckende und furchterregende Wunsch jedem Einzelnen von ihnen dasselbe Schicksal aufzubürden, funkelte in seinem Blick. Prüfend sah er zu Sylea auf, die ihn einfach nur schweigend ansah. Er nahm die Hände von ihrem Rücken und es schien beinahe, als würde er sich ein wenig zurückziehen, da berührten seine Fingerspitzen die weißlichen Narben an ihrem Schlüsselbein. Seine Finger folgten der Spur aus Narben von dem einst gebrochenen Knochen, über ihre Rippen bis er das kreisrunde Narbengewebe ihrer Haut erreichte. Die Bauchdecke erzitterte unter seiner federleichten Berührung.
      Der Seeker hob den Kopf vom Kissen an und lehnte seine Stirn in einer breits vertrauten Geste gegen ihre.
      "Du bist so schön. Und so stark...", murmelte er leise. "Ich wünschte, ich könnte jedem Einzelnen von Ihnen denselben Schmerz zufügen, den sie dir zugefügt haben."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Syleas Finger krallten sich in Cains Schultern, als seine Welle der Wut sie traf. Da sie selbst kaum schützende Aura um sich besaß, war sie empfänglicher denn je für starke Emotionen, und Wut zählte definitiv dazu. Mühsam hielt sie ihren Blick auf Cain gerichtet in dem Versuch, den Rest ihres Körpers entspannter zu halten.
      All ihre Versuche verliefen sich jedoch im Sand, als er seine Finger von ihrem Rücken löste und sie neu platzierte. Mit aller Macht zwang sich Sylea dazu, sich nicht zu bewegen, ihre zitternden Arme zu unzerbrechlichen Säulen werden zu lassen. Es waren nicht die vernarbten Stellen, die ihr eine Gänsehaut über den kompletten Körper jagte. Denn Narben waren totes Gewebe, nicht in der Lage, Reize weiterzuleiten. Ihre unversehrte Haut hingegen schon. Und so waren es die Abschnitten zwischen den Landmarken, die ihr fast die Kraft raubten. Schließlich brachte Cain seine Stirn an ihre und holte sie auf den Boden der Tatsachen zurück.
      "Du bist so schön. Und so stark...", murmelte er leise. "Ich wünschte, ich könnte jedem Einzelnen von Ihnen denselben Schmerz zufügen, den sie dir zugefügt haben."
      "Tu' das nicht. Dann bist du nicht besser als sie. Sie haben nur versucht, eine Gefahr loszuwerden. Ich werfe ihnen das nicht vor." Das Fehlen von Zorn ihrerseits verriet dem Seeker, dass Sylea in eigener Überzeugung sprach. Wie Anifuris ihnen einst berichtet hatte, hatte das Vessel nicht alle Schandtaten bei vollem Bewusstsein miterlebt. Er war an ihrer Stelle gewesen und hatte sie ertragen.
      "Deine Sucht läuft gerade Amok...", flüsterte sie und fühlte, wie ihre eigene Sorge dank seinen Worten stetig weiter verebbte.
      Ihre Lider öffneten sich einen Spalt breit, nachdem sie in ihrer vertrauten Geste ihre Augen vor der Welt verschlossen hatte. Sie blickte an Cains Nasenspitze abwärts, musterten kurz seine Lippen, die nicht mehr so blass aussahen wie Stunden zuvor. Sylea fröstelte ein wenig, ausgelöst durch das Fehlen des Tshirts sowie ihrer emotionalen Lage gerade. Doch sie wusste, dass der Mann ihr gegenüber diesen Zustand spielend leicht ändern konnte.
      Wenn seine Worte wahr waren, dann würde er nicht von ihr ablassen. Es stünde gar nicht in ihrer Macht, ihn von sich abzuweisen. Sylea hatte vorhin ganz genau gesehen, wie sein Blick zu ihrem Oberkörper geschossen war, kaum hatte sie sich des überfälligen Stoffes entledigt. Sie reizte ihn auf eine Weise, die sie nicht gezielt zu lenken wusste. Wie eben ihre Aura, die wieder parallel zum Anstieg ihrer Nervosität zu vibrieren begann.
      Einen Wimpernschlag später gab das Vessel ihre Sicht wieder ab und richtete sich nach dem, was sie fühlte. Sie neigte den Kopf ein wenig, um Cains Mundwinkel mit einem sanften Kuss zu schmücken. Ihre Arme wurden langsam schwach, sodass sie sich nicht mehr lange halten konnte und mit ihrem Körper an seinen zurücksackte. Doch sie ließ sich davon nicht abhalten, strich mit ihrer linken Hand hauchzart an seinem Ohr vorbei, um sich schließlich dahinter im Kissen abzufangen. Ihre andere Hand war als leichte Stütze an seine Brust gewandert, wo nun unter ihren Fingern sein Herz trommelte. Aus dem Mundwinkel war unterdessen Cains Oberlippe und letztlich die Unterlippe geworden. Sie wusste nicht, von wessen Atem nun die größere Hitze stammte, aber sie wollte es wissen. Wollte sehen, wie sie weiter seine Nerven strapazieren konnte.
      Mit einer Vorsicht, die sonst von dem Seeker standard war, zwickte Sylea Cains Unterlippe mit den Zähnen. Die Mischung aus Nervosität, Aufregung und einem gewissen Leichtsinn angesichts des Umstandes waren wie ein Rausch für die junge Rubra, die all diese Regungen das erste Mal in ihrem Leben am eigenen Leibe zu spüren bekam.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Sicherlich, Sylea hatte in diesem Punkt Recht. Das Gefühl nach Rache machte erhob ihn nicht über die Menschen, die ihrem Körper diese Narben verpasst hatten. Es ließ ihn auf die gleiche Stufe sinken und auch, wenn die Worte nur schwer zu akzeptieren waren, entsprachen sie der Wahrheit. Der Clan der Rubra hatte lediglich versucht eine Bedrohung abzuwenden und dafür sgar einen der eignen Nachkommen willentlich geopfert. Heiße Scham brannte in seinem Nacken, über seine erbosten Worte. Da war er der Ältere und musste sich von der jungen Frau über das Leben und dessen Konsequenzen belehren lassen.
      "Deine Sucht läuft gerade Amok..."
      Cain spürte, dass sich mit dieser Aussage ins Schwarze traf. Wie eine Horde winziger Klauen schabten und kratzten die grellen Partikel, die seine Sucht verkörperten, an dem silbrigen Schutzwall. Wie ein gefangender Organismus rebellierte das Suchtpotenzial, das es sein volles Potenzial nicht entfalten konnte. Die eigentlich vorprogrammierten Folgen wie das Versagen seiner Organe oder die Überladung der Synapsen in seinem Gehirn blieben einfach aus. Und ein rasender Organismus, der seinen Zweck nicht erfüllen konnte, begann zwangsläufig zu mutieren. Tief atmete Cain durch und lenkte seinen gesamten Fokus auf Sylea, die seinen Verstand in ihren Händen hielt. Und gerade brauchte es nicht die Folgen eines Entzuges, um ihm das Denken unmöglich zu machen. Es waren die sanften Küsse, die dafür verantwortlich waren, dass er mit beiden Händen die Hüften der jungen Frau umfasste und ihre Körpermitten fester zueinander zog. Schwer atmend presste er seine Lenden in ihre Hüften, um sich durch den entstehenden Druck ein wenig Linderung zu verschwaffen.
      Sylea musste spüren, wie sein Herz gefährlich in seiner Brust stolperte, als freche Zähne seine Unterlippe neckten. Es war ein süßer, kurzer Schmerz und seine Fingerspitzen drückten sich mit einem zufriedenen Knurren aus seiner Kehle in ihre weiche Haut. Der Herzschlag beschleunigte sich besorgniserregend unter dem Einfluss ihrer Lippen, Hände und ihrer streichelnden Aura.
      Der Seeker spürte den Körper über sich erschaudern und er konnte der Sehnsucht nicht länger widerstehen, ihre Haut an seiner zu fühlen. Umständlich und mit einiger Mühe schob er sein eigenen T-Shirt über Bauch und Brust nach oben. So geschickt wie möglich in seiner etwas beengten Lage mit dem zarten Körper, der ihn bedeckte, griff er sich in den Nacken und zerrte das Schwarze Shirt über seinen Kopf. Der dunkle Haarschopf wirkte herrlich zerzaust und entgegen seines sonst ordentlichen Erscheinungsbildes.
      Anifuris hatte die senkrechte, wulstige Narbe unter seinem Bauchnabel bereits im Anssatz gesehen. Aus der Nähe war die wulstige Narbe deutlich zu erkennen, sie war breit und folgte keiner geraden Linien. Es war keine Schnitt- oder Stichwunde, sondern jemand hatte gewaltsam mit sehr viel Kraftaufwand Haut und Muskeln aufgerissen. Krallen oder Klauen, die sich in seinen Körper gegraben hatten. ein großer Teil davon verschwand im Bund seiner Jeans, die gefährlich tief auf seinen Hüften hang.
      Cain verlor keinen Augenblick. Nachdem er das Shirt mit einem achtlosen Schnauben vom Bett befördert hatte, legte er eine hand auf ihren Rücken und zog Sylwa an seine Brust. Fordernd legten sich seine Lippen auf ihre, ehe er ihren Kopf in die richtige Position führte, um sie inniger den je zu küssen, bis ihm die Luft wegblieb. Dabei ihre warme Haut direkt auf seiner Spuren, war atemberaubend.
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    • Ein Lächeln erschien auf Syleas Lippen während sie dabei zusah, wie sich Cain etwas ungelenk sein eigenes schwarzes Shirt über den Kopf riss und einfach irgendwo hin warf. Nur einen ganz kurzen Moment lang entfaltete sich das Bild eines aufgewühlten Mannes, dessen Augen förmlich brannten, unter dem Vessel. Sie konnte diesen Augenblick gar nicht lange genug betrachten. Sein völlig aus den Fugen geratenes Haar, als hätte ein Wirbelsturm seine schwarzen Haare wild in alle Richtungen zerstreut. Sein brennender Blick, der ihren eigenen nur kurz streifte. Sein rasender Puls unter ihren Fingern auf einer Haut, die förmlich unter ihrer Berührung zu vergehen drohte.
      Zwei aufmerksame Augenpaare richteten sich zeitgleich auf die Narbe, die den Körper des Seekers brandmarkte. Sylea schenkte ihr nur einen flüchtigen Blick. Das hier sah schlimmer aus, als die meisten Narben auf ihrem eigenen Leib. Wild und zerrissen wie von einem Tier und nicht kontrolliert zugefügt wie es bei ihr einst der Fall gewesen war.
      Anifuris hatte eine andere Sicht auf dieses Bild, das sich einer sich entrollenden Schriftrolle glich. Er bemerkte für sich Dinge, die er im Hinterkopf behalten würde und bei Zeiten darauf zurückkam. Vorerst hatte er nur leider keine Daseinsberechtigung - oder viel mehr, wollte gar nicht da sein. In dem von Hormonen gefluteten Hirn wurde ihm übel und schwindelig, sodass er sich weitestgehend an den Rand ihres Bewusstseins zurückzog.
      Besagter Moment verstrich augenblicklich. Bereits im nächsten hatte sich Cain seinen Wunsch erfüllt und Sylea an seine Brust gezogen. Ihre Reaktion kam ohne Umschweife. Es war das erste Mal in ihrem jungen Leben, dass ein Großteil ihrer Haut in direktem Kontakt mit der eines anderen war. Dieses Gefühl von nackter Haut aufeinander ließ das Mädchen nach Luft schnappen. Doch der Seeker ließ ihr keinen Raum für den Gedanken, sich von ihm zu stoßen oder um eine Pause zu bitten. Er zog sie hinab in einen Sog aus Verlangen, Genuß und dem Gefühl, das nur sie beide gerade existierten. Als sie schließlich in ihrem bisher innigsten Kuss einen Hauch Zunge verspürte, stöhnte sie urplötzlich leicht gequält auf. Der junge Mann unter ihr hatte gerade ihre sorgsame Kontrolle kurzzeitig einfach ausgesetzt. Ihre Körper aufeinander gepaart mit dem Kuss lösten einen Hitzesturm in ihr aus, der ihr jegliche Kontrolle über ihre Aura raubte. In Folge dessen rammte das grausam schöne Farbenspiel der Sucht mit aller Macht den hauchdünnen Silberstreif, der den Seeker umgab. Als Konsequenz erlitt Sylea physische als auch psychische Schmerzen, die sie durch den Schockmoment allerdings etwas verdrängen konnte. In Windeseile hatte sie ihre Aurendicke korrigiert und konnte sehen, wie die Sucht noch vehementer als zuvor versuchte, die Barriere zu brechen. Ohne Erfolg.
      Sylea musste einige Male tief durchatmen. Dabei bewegte sie ihre Hand ganz automatisch über Cains Flanken, wo sie die einzelnen Wölbungen seiner Muskelpartien ertasten konnte. Nie hätte sie gedacht, dass sich die Haut eines anderen so anfühlen konnte. Doch nun war sie wie hin und her gerissen. Konnte sie ihre Kontrolle wahren während Cain ihr immer neue Dinge zeigte?
      "Ähm....ich war.... etwas überrascht", sagte sie atemlos und strich sich etliche verirrte Strähnen aus dem Gesicht. Es brannte wie Feuer unter ihren eiskalten Fingern.
      Noch immer lagen seine Hände an ihrer Hüfte und drückten sie erbarmungslos aneinander. So als wolle er sie niemal wieder loslassen. Als sie ihren Körper etwas verlagerte spürte sie einen sehr eindeutigen Druck an ihrem Schambein. Es war ein fragender Blick, den sie nun Cain zuwarf. Nicht fragend, was das sei - sondern fragend, wie sie beide damit umgehen würden.

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      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ein stechender Schmerz bohrte sich durch den hauchdünnen, silbernen Schuld und entlockte Cain ein gequältes Stöhnen. Ein ähnliches Geräusch erklang mit derselben Qual von der jungen Rubra über ihm, verschluckt durch den leidenschaftlichen Kuss. Und erstaunlicherweise waren sie beide dabei absolut synchron, da sie den brennenden Schmerz im selben Augenblick verspürten. Zurückblieb ein unfassbarer Adrenalinschub, von dem Cain beinahe berauschend schwindelig wurde. Das Klügste wäre es gewesen, ein wenig Abstand zu gewinnen und sich von dem erhitzten Hoch etwas abzukühlen. Aber nun rauschte reinstes Adrenalin durch seine Adern, dass ihm auch noch das letzte Bisschen seiner kostbaren Kontrolle raubte. Atemlos blickte er Sylea an. Die tiefschwarzen Pupillen so erweitert, dass nur ein feiner, goldener Ring seiner Iris übrig blieb. Die Zunge des Seekers glitt über seine Unterlippe, als wollte er den unvergleichlichen Geschmack ihrer Lippen bis zur Gänze auskosten.
      "Das...", Cain räusperte sich, da ihm die von Begierde erfüllte Stimme einfach wegbrach. "Das hab ich gemerkt."
      Das Zerren und Reißen der parasitartigen Sucht ließ nicht nach, sondern schien nach diesem kleinen Erfolgserlebnis regelrecht angestachelt. Der daraus resultiernde Nervenkitzen setzte die Funktionen seines Gehirns völlig aus. Obwohl Syleas Kontrolle das Einzige war, dass ihn schützte, und sein Leben an einem seidenen Faden hing, wenn man so daramtisch sein wollte, fühlte er sich freier als je zuvor. Der Kontrollverlust förderte ungeahnte Begierden zu Tage. Selbst mit seinen vorherigen Liebschaften war Cain stets kontrolliert gewesen, immer darauf bedacht, nicht zutief in die emotionale Ebene abzudriften, um sich selbst damit nicht zu verlieren. Aber hier war er für Sylea ein offenes Buch und ebenso konnte in ihr lesen. Er brauchte seine Aura dafür nicht. Seine Emphathie reichte dazu völlig aus. Und sie genoß es, das Neue und das Unbekannte. Etwas, das sie ebenso reizte wie den Seeker selbst.
      Spürbar schob Cain seine Hände von ihren Hüften aufwärts über ihre Seiten, die zarten Wölbungen ihrer Rippenbögen unter seinen Fingerspitzen. Seine Daumen fuhren mit sanften Druck über die Außenseite ihrer Brust, noch verdeckt von dem einfachen Baumwollstoff ihrs BHs. Aber es gab nichts, dass ihn weniger interessierte, als die Einfachheit dieses Kleidungsstückes.
      Sylea verlagerte ihre Position und entlockte Cain damit ein raues, ersticktes Stöhnen. Sein Kopf schoss hinauf als er seine Lippen gegen ihr Schlüsselbein legte, heißer Atem streichelte über den geschwungenen Knochen. Wagemutig, weil er nicht wusste, wie sie reagieren würde, biss er sanft in die dünne Haut. Er wusste nicht wohin mit sich, da der Körper der jungen Rubra auf ihm, ihn zum Stillstand zwang.
      "Vertraust du mir?", knurrte er beinahe gegen ihre Schulter, die er mit weiteren Küssen bedeckte und mit einem erstickten Laut in seiner Kehle sein Becken gegen ihres schob. Mit Küssen und zarten Bissen bahnten sich sein Mund einen neuen Pfad bis er auf den störenden Stoff ihres BHs traf.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”