[2er RPG] The Lesser Evil [Winterhauch & NicolasDarkwood]

    Aufgrund einer größeren Serverwartung kann es aktuell zu vereinzelten Fehlern kommen. Meldet diese gerne unter: https://www.anime-rpg-city.de/index.php?board/7-fragen-ideen-und-probleme/

    • Andvari lachte darüber, dass Volgast derart aus dem Raum stürmte. Noch mehr als Tilda mit ihrer gewohnten Trockenheit bemerkte, dass keine Richtung festgelegt worden war.
      "Oh, er wird jeden ansprechen", bestätigte der Elf und fragte sich einmal mehr, warum er die Verrückten gerufen hatte.
      Aus der Ferne konnte man leicht verzerrte Schreie hören, als der Riese vermutlich an einem weiteren Passanten vorbei kam und diesen nach dem Weg anbrüllte. Er würde Meliorn finden, soviel stand fest. Die Frage war eher wie viele Bürger den Schocktod dabei starben.
      Noch während sie gemeinsam die Schänke verließen, geraute Andvari wieder mal, weshalb sie eigentlich hier waren.
      Zwischenzeitlich hatte sich die Sonne über die Dächer erhoben und die Welt in ein graues, aber durchaus helles Kleid getaucht. Die Menschen wuselten bereits wieder umher und es wirkte wie eine traute Szenerie, wenn man außer Acht ließ, dass eine gewisse Schwere über allem lag. Als würde die Stadt selbst wissen, was sie erwartete.
      Symon wackelte neben Tilda her, während Andvari sich nach hitnen ziehen ließ.
      "Ach, det nötigste, det nötigste", winkte er ab und zog erneut seine klobige Pfeife aus dem Holster an seinem Gürtel. Vermutlich war dieses eigentlich für ein Messer gedacht, aber welcher Zwerg kämpfte mit Messern? Nur Elfen taten dies.
      "Ick ha' scho' Krije jeführt mit weitaus wenijer, weeßte? Dajejen is det hier rüschtisch anjenehm. Schnieke, wie mer in den Minen sagen! Und Bauern sin' die besten Krawallmacher, ick sachet dir!"
      Andvari indes beugte sich leicht zu Viola und seufzte.
      "Was soll ich sagen...", murmelte er. "Die beiden waren in den Zeiten, in denen sie beide eine Familie brauchten, genau das füreinander. Sylvar fand ein Kind, das seinen Kräften entsprach. Einen weiblichen Dagda. Sehr selten, musst du wissen. Er entschloss sich früh, sie zu unterweisen, aber mit der Zeit wurde mehr daraus. Lysandra wuchs ihm wie eine Schwester ans Herz, während sie ihn abgöttisch liebte, ja gar verehrte. Also offiziell war es nie mehr als eine Schülerin und ein Meister. Aber inoffiziell und aus Lysandras Richtung war es mehr. Viel mehr. Und ich fürchte, sie wird mich halb tot prügeln, wenn sie erfährt, dass ich es zugelassen habe."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • "Dann hat Sylvar sie also großgezogen...", murmelte Viola und blinzelte in das fahle Licht der Wintersonne.
      "Bei all ihrem Zorn sollte sie nicht vergessen, dass sie nicht die Einzige ist, die einen Verlust erlitten hat. Sylvar war dein Bruder, Andvari, und neben deiner Mutter das einzige Familienmitglied deines Blutes, das dich aufrichtigt geliebt hat und deinen Kopf nicht auf eine Lanze stecken will. Dein Vater und Lysanthir trachten dir nach dem Leben, weil sie eine Bedrohung ihrer Herrschaft in dir sehen und Faolan neidet dir deine von den den Göttern gegebene Gabe so sehr, das er dich am liebsten bis an dein Lebensende in seinem Folterkeller von der Decke hängen würde."
      Unter den Elfen war Sylvar ein einzigartiges Wunderkind gewesen, so viel wusste Viola über die verworrene Familiengeschichte der Valverden. Zugehörigkeit war ein Gefühl, dass sie alle anstrebten sowie die Person zu finden, die einen verstand. Und die Kinder des Königs Oberon hatten untereinander genug böses Blut vergossen um diese Bande zu zerstören. Aus Furcht, aus Neid und aus Bitterkeit.
      Die federleichte Berührung an der Innenseite seines Handgelenkes war derart sanft, dass es Einbildung sein konnte.
      Während sie sprach, hatte Viola den klammernden Griff ihrer Finger aus seinem Wams gelöst und die Hand seinen Arm abwärts geführt, über den Ellbogen bis hinab zu seiner Hand. Über die vernarbten Unebenheiten seiner Handflächen suchten sich die Fingerspitzen ihren Weg, bis ihre kleine Hand fast gänzlich in seiner verschwand.
      "Ich verstehe ihren Schmerz.", fuhr Viola fort. "Die Vorstellung, dass dieser sinnlose Kampf dein Leben kosten könnte, macht mir Angst. Wir alle haben etwas oder jemanden zu verlieren. Und ich glaube nicht, dass Sylvar es gut heißen würde, wenn in seinem Namen getötet wird. Obwohl er im Falle von Dorryn der hinterhältigen Schlange sicherlich eine Ausnahme machen würde. Was ich sagen will, ist, Lysandra sollte weiter sehen, als nur bis zum Rande ihres eigenen Schmerzes bevor sie dir den Kopf abreißt."
      Viola schob ihre feingliedrigen Finger zwischen seine und hielt seine Hand fest in der Eigenen.
      Ein warmes Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie die verschlungenen Hände zwischen ihnen anhob und einen flüchtigen Kuss auf die vom Kampf und kaltem Wetter rauen Knöchel drückte.
      "Es war nicht deine Schuld.", flüsterte sie.
      Dabei wusste Viola nicht einmal wirklich, welche Bestien sie selbst befreien würde, sollte Andvari fallen.
      Vermutlich würde sie ein Zuhause bei den Schwertern finden, immerhin war sie eine von ihnen. Aber was nützte es, wenn der Geliebte fort und ebenso der Lichtrufer, der die chaotische Ansammlung von Kämpfern aus allen Völkern und Himmelrichtsungen zusammenhielt, nicht mehr war?
      Viola nickte in Richtung des Zwergs und der Wirtin, die eifrig plaudern bereits um die nächste Ecke verschwanden.
      "Komm, bevor wir den Anschluss verlieren...", sagte sie

      Die Stunden verstrichen und Viola hatte breits aufgegeben, sich all die zahlreichen Löcher und Beschädigungen in dem hölzernen Schutzwall zu merken. Um es gelinde auszudrücken: Für einen Laien sah es schlichtweg katastrophal aus.
      Die Palisade, die aus gespaltenen Baumstämmen bestand hatte den Winter mehr schlecht als recht überlebt und selbst für das ungeübte Auge war schnell ersichtlich, dass viele Stämme ausgetauscht werden müssen. Eine Arbeit die unter normalen Umständen Wochen benötigte und sie hatten vielleicht nur noch Tage.
      "Du siehst...", erklärte Tilda mit einer ausschweidenen Handbewegung. "...auf uns wartet ein gewaltiger Berg an schwerer Arbeit, wenn wir uns verteidigen wollen. Mit Mistgabeln und und einer handvoll Bauern gegen ein elfisches Heer. Das ist Irrsinn."
      Aber war ebenso unausweichlich.
      Das Heer würde kommten, ob sie es wollten oder nicht.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Winterhauch ()

    • Andvari nickte zu ihren AUssagen.
      "Großgezogen trifft es", sagte er lächelnd und wanderte genüsslich neben ihr her. "Nein, ich denke nicht, dass sie es vergisst. Lysandra ist keine schlechte Person. Sie ist einfach nur schnell reizbar und wütend, wenn man ihr nimmt, was sie liebt. Ich könnte mir vorstellen, dass sie Dorynn einen grausamen TOd angedeihen lässt."
      Lächelnd spürte er endlich ihre Hand. Ich schreibe endlich, geneigter Leser, auch wenn der Elf nicht einmal wusste, dass er die Hand misste, die sich in seine legte. Die weiche Haut rieb sich ein wenig an seiner rauen Handfläche und war angenehm kühl, als er sie umschloss und seufzte.
      "Ich habe genauso Angst davor", murmelte er. "Ich habe gar fürchterliche Angst vor diesem Kampf. Meine Brüder sind die einzigen Kämpfer dieses Landes, die mir Angst machen und wo ich nicht weiß, was mich erwartet. Es könnte genauso gut sein, dass ich mein Leben in einer dieser vielen Schlachten lasse. Aber es ist wie du sagst: Slyvar hätte es nicht gewollt. Und Opfer gehören zum Leben dazu...Leider."
      Vielleicht ließen sich aber unnötige Opfer vermeiden.
      Schweigend nickte er ihr nochmals zu als sie langsam aufschlossen,.

      NAch einer Weile erreichten sie die Palisade der Stadt und das Ergebnis war wie beschrieben: Katastrophal. Das war kein Wall, das war ein Sieb. Selbst Andvari, der nicht viele Schlachten geschlagen hatte im Gegensatz zu dem knurrigen Zwerg, der auf seiner Pfeife herumkaute, wusste, dass diese Mauer nicht mal einem Husten eines Zauberers standhielt. Das war gänzlich schlecht.
      Tilda indes fasste es passend in Worte, sodass der Zwerg seufzte und sich am Schopf kratzte, dass es nur so rieselte.
      "HeidaleckmichanneFüße!", murmelte er. "Det is keen Berg voll Arbeit, Madame Tilda. Det is et Chaos! Die Mauer is ja löchriger als die Socken meina Mutter! Und sie truch nüsch ma welche, wa!?"
      "Kannst du es verbessern?", fragte Anvdari und legte eine Hand auf das Holz der Palisade. Es war trocken und angegriffen, aber standhaft. Das musste man lassen.
      "Nee.", sagte der Zwerg. "Ick kann nüx verbessern, wat nüsch verbessert werdn kann, wa?"
      "Das war erstaunlich gar nichts gesagt", bemerkte der Elf und der Zwerg schnaubte.
      "Du verstehst et nur nüsch. Na jednfalls: Die Mauer wird keenem Angriff standhalten. Aber det da! Det schon!"
      Er wies mit den knubbeligen Fingern auf das Stadttor, dessen Flügel sichtbar wurden.
      "MEinst du?"
      "Aye!", bestätigte der Zwerg. "Det Tor is Wertarbeit, wa?!"
      "Na immerhin...Das heißt, der Angriff darf nicht auf die Mauern geleitet werden...", sagte ANdvari und seufzte. Das war unmöglich. Es sei denn...
      Symon sah ihn zur gleichen Zeit an und lächelte fies.
      "Ick würd sagen...wir brauchen Bogenschützen...", murmelte er. "Und Pfähle aus der Palisade am anderen Ende der Stadt."
      "Du willst..."
      "Jaklaaa!", rief der Zwerg. "Der Feind greeft an, wo wir et ihm sagn, wa?! Anstatt ihm die Stadt zu präsentiern, zwingn wa ihn auf det Tor zu jehn! Wo ick warte, wa?!"
      Das Grinsen des Zwergs war beinahe schaurig.
      "Ick un meine schöne Mathilda", sagte er und tätschelte das Bündel auf seinem Rücken, dass beinahe doppelt so groß war wie er. "Un Volgast macht den Rest, wa?"

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Das Urteil des grimmigen Zwerges war vernichtend.
      Während Viola sichtlich beunruhigt wirkte, schenkte Tilda den Anwesenden ein langezogenes Seufzen. Vermutlich hatte sie mit keinem anderen Urteil gerechnet und ließ ihren Blick über die löchrige Palisade wandern, die in den letzten Jahren einen schlechten aber trotzdem ausreichenden Schutz geboten hatte. Die Wirtin beschloss, dass es fürs Erste klüger war nur einen ausgewählten Personenkreis in die schlechte Lage einzuweihen. Eine kopflose Panik konnte nun wirklich niemand brauchen.
      "Albert wird sich um die Pfähle kümmern. Er hat ein gutes Auge dafür und genügend Männer, wenn alle ohne Aufgabe mit anpacken. Was Eure Bogenschützen angeht, sollten wir Meliorn und die Jäger aufsuchen. Kein Zweifel, dass die alten Herrschaften noch etwas von unserem Schützen lernen können. Dafür muss aber jemand den armen Kerl von seinem Wachdienst in der Scheune befreien, sofern euer ungestümer Freund Volgast noch etwas davon übrig gelassen hat.", entgegnete Tilda und verdrehte dabei die Augen.
      Bei der Erwähnung einer gewissen Mathilda drehten beide Frauen ihre Köpfe in Richtung des Zwerges.
      Als bemerkten sie das große Bündel auf seinem Rücken das erste Mal, legten beide einen fragenden Gesichtsausdruck auf. Wobei die Wirtin eher besorgt aussah, welchen Schaden der Zwerg mit der rätselhaften Dame anrichten konnte. Ein weiteres Mal sefuzte Tilda und griff sich dabei mit zwei Fingern an die Nasenwurzel.
      "Ich fürchte mich zu fragen, aber wer um Himmelswillen ist Mathilda?", fragte sie
      Der Gedanke kam ihr, ob es unter den berühmten Schwertern, wie sie mittlerweile durch Erzählungen von Meliorn wusste, auch nur eines gab dem ein wenig Normalität anhaftete.
      Viola beobachtete das Gespräch mit einem tiefen Schweigen.
      Etwas schien sich hinter ihrer Stirn zu einer Idee zu formen, wobei der Ausdruck ihrer Augen bereits verkündete, dass der Vorschlag auf wenig Anklang stoßen würde. Die Heilerin verschränkte die Arme vor der Brust und warf einen Blick zurück in Richtung des Marktplatzes.
      "Tilda?", brach sie schließlich die Stille.
      "Du sagtest es gibt einen versteckten Fluchttunnel aus der Stadt? Wo genau liegt dieser?"
      "Unter der Kapelle am Markplatz, Kindchen", antwortete Tilda.
      "Hmhm...", murmelte Viola nachdenklich. "Wir benötigen einen Fluchweg, falls dein Plan scheitert, Symon. Wenn Lysanthir und Faolan eintreffen, sollen sie alle, die nicht kämpfen können auf dem Marktplatz vor der Kapelle sammeln. Mein Schild reicht aus, um diesen einzufassen. Falls wir das Tor nicht halten können, kann ich euch etwas Zeit verschaffen, Tilda."
      "Schild?", kam es von Tilda.
      "Ich erkläre es dir später...", sagte Viola mit einem milden Lächeln.
      Die Heilerin würde ihnen Zeit verschwaffen.
      Und sich selbst dabei auf einem Silbertablett servieren.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Schweigsam betrachtete der Zwerg die Palisade erneut und fing Andvaris Blick, der ebenso forschend über das Holz wanderte.
      Selbst wenn man viel Fantasie einbrachte, war dies mehr als löchrig zu betrachten. Vermutlich hätte man mit einem Husten dieses Gerüst zum Einsturz gebracht, wenn man nicht aufpasste. Und selbst wenn sie alle Kräfte nur für die Verteidigung aufboten: Die Löcher waren nicht zu reparieren. Normalerweise würde keine Armee hier einen Kampf wagen, so viel stand fest.
      VIelleicht musste es das auch nicht...
      Andvari holte Luft und nickte Tilda zu, als sie die Bestellung des Zwergen ausführte. Erstaunlich war, dass sie Volgasts Rolle nicht einmal ansatzweise in Frage stellte.
      "Kekekekekeke", kicherte der Zwerg kantig und kaute auf seiner Pfeife herum, ehe er das Bündel von seinem Rücken riss. Mit einer schwungvollen Bewegung riss er die Plane von dem Bündel und offenbarte eine längliche Waffe.
      Ein Gewehr, geschmiedet aus dem Stahl der Elfen, mit der Hand eines Zwergs und dem Wissen eines Menschen, der die Steinschlosspistolen im Süden des Landes goss. Der Zwerg wuchtete die übergroße Waffe, die beinahe TIlda an Größe erreichte vor sich her und stellte sie geschickt auf zwei kurze Beinchen, damit der Lauf ruhig auflag.
      Andvari indes grinste, als sein Blick über den Stahl fuhr.
      "Deswegen nennen wir Symon, den Bohrer!", sagte er lächelnd. "Symon Starkarm ist einer der wenigen Zwerge, die magische Munition herstellen können, indem sie rohe Magie in eine Form gießen. Er ist ein begnadeter Scharfschütze und laut Erzählungen verschiedener Zwerge vermag er sogar den Himmel zu durchbohren."
      Symon tätschelte die Waffe und grinste breit.
      "Aye", sagte er. "Det Schätzchen is meen janzer Stolz, wa."
      Als Viola von ihrem Schild und dem Fluchttunnnel sprach, horchten beide auf und sahen sie neugierig an. DIe Idee an sich war gut, wenn sie nicht einen beträchtlichen Haken hätte. Andvari und der Zwerg sahen sich kurz an, ehe sie beide Luftholten.
      "Das ist keine gute Idee", sagte Andvari entschieden. "Wenn du das Schild projizierst, wirst du dich feilbieten. Und die Götter wissen, dass ich mir eher selbst in den Hintern beiße als das zuzulassen."
      "Recht hatta, Kindchen!", murmelte Symon. "Mach dir ma keene Sorjen! Ick ha'scho schlechtere Schlachtn jeschlagen wa?!"
      "Einen Fluchttunnel zu besitzen ist nicht schlecht, aber nicht auf Kosten von ihr!"
      Symon wirkte ein wenig gleichgültig wärhend er Mathilda schulterte und sich auf den Weg zu Meliorn machte.
      Andvari indes sah zu Viola, dann zu Tilda und dann wieder zu Viola.
      "Das lasse ich nur über meine Leiche zu...", flüsterte er.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Der Einfallreichtum an tödlichen Kriegswerkzeugen erschreckte Viola stets aufs Neue.
      Eine Waffe, wie die des Zwerges, hatte die Heilerin in ihrem gesamten aber kurzen Leben noch nie zu Gesicht bekommen. Über die sonderbaren Schusswaffen der südlichen Lande rankten sich zahlreiche Gerüchte, aber noch hatte niemand in der kaiserlichen Garde auch nur jemals ein Exemplar davon wahrhaftig gesehen. Präzise und tödlicher als jeder Schwertstreich, sofern der Schütze damit umzugehen wusste. Die meisterhaften Bogenschützen des Militärs hatten über die Erzählungen von ohrenbetäubendem Lärm und dem beißenden Gestank von Schießpulver die Nase gerümpft. Gleichzeitig schürte die Entwicklung dieser Waffen eine gewisse Furcht unter dem gemeinen Volk. Vor einem Pfeil half dem einfachen Bürger zur Not auch eine einfache Holztür. Die Kugeln der Steinschlosspistolen zerschmetterten das Holz mit besorgniserregender Leichtigkeit.
      Viola verschränkte die Arme vor dem Körper und blickte mit einer Mischung aus Neugierde und Respekt auf die ungewöhnliche Waffe, die Symon ihnen präsentierte. Das Lächeln, das sie zuvor Tilda geschenkt hatte, verblasste auf ihren Lippen.
      Der Gedanke, welches Unheil und welches Leid die trickreichen Pistolen der Südländer anrichten konnte, behagte ihr nicht. Die Menschen der freien Königreiche betrachteten die Elfen als barbarische Eindringlinge, mit ihrem Glauben an Magie und fremde Götter, und waren nach wenigen Schlachten eines Besseren belehrt worden, denn nun hing ihr aller Schicksal an einem seidenen Faden. Die Grenze der Schlachten verschob sich stetig Richtung Osten zur Hauptstadt. Angesichts der Kunstfertigkeit der Menschen aus dem Süden sahen die kaiserlichen Garden eher wie blutige Anfänger aus mit ihren Schwertern, Äxten und Bögen.
      "Dann sollten wir dankbar sein, dass Du auf unserer Seite stehst, Symon.", antwortete Viola in vertraulichem Ton.
      Ein wenig suchte die Heilerin das schlechte Gewissen heim. Der gute Meliorn bekam es gleich mit zwei kuriosen und eigentümlichen Gestalten zu tun. Der Zwerg und der Priester hatten das Potenziel den Elf mit den lädierten Ohren für eine ganze Weile auf Trab zu halten.
      Grübelnd sah sie Symon nach und fragte sich, wie Volgast in das Bild passte.
      Bevor Viola ein Wort äußern konnte, erklang Andvaris Stimme fest entschlossen in ihren Ohren.
      Diesen Tonfall kannte sie.
      Ein Klang, der keinen Widerspruch duldete und obwohl Viola wusste, dass der Elf sie beschützen wollte, traf der entschiedene Protest einen Nerv. Zunächst schweigend schoss eine der geschwungenen Augenbrauen angesichts des Tonfalles in die Höhe.
      Der Elfenprinz wandte sich an Tilda, die verteidigend die Hände zu einer beschwichtigen Geste anhob.
      "Schaut mich nicht so an, Andvari.", erwiderte sie. "Der Vorschlag stammt nicht von mir. Das klärt ihr mal schön unter euch Turteltäubchen. Ich behalte indes eure Freunde im Auge, bevor sie mir sämtliche Leute zu Tode erschrecken. Außerdem muss ich eine Wachablöse für Meliorn organisieren."
      Die Wirtin raffte die Röcke über dem schlammigen Boden und stapfte davon. Scheinbar nahm sie ebenso reißaus wie der brummige Zwerg.
      Ein angespannter Zug ließ die für gewöhnlichen sanften Gesichtszüge der Rothaarigen verhärtet wirken. Nicht eine Sekunde lang hatte sie den Blick von den bersteinfarbenen Augen genommen, auch nicht als sie Tilda beiläufig zum Abschied winkte.
      "Jemand muss die beschützen, die nicht für sich selbst kämpfen können, Andvari.", flüsterte sie ebenso. "Die Alten, die Kranken, Frauen und Kinder. Falls...Falls etwas geschieht und das Tor nicht zuhalten ist, können wir sie nicht einfach ihrem Schicksal überlassen. Wir haben die Aufmerksamkeit deiner Brüder auf diese Stadt gerichtet. Das Mindeste, das wir tun können, ist ihnen ein Chance zur Flucht zu geben."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Für einen Moment lang erstarrte Andvari, als Tilda ihm ihre Hilfe verweigerte.
      Nun, es war nicht ungewöhnlich. Er hätte sich vermutlich auch nicht in derlei Streitigkeiten gemischt, aber dennoch wirkte das bedingungslose Herausziehen als Vertrauensbruch in seinen Augen.
      Und Andvari wusste, dass er übertrieb. Gnadenlos.
      Aber der Elf fühlte sich hilflos und gleichzeitig aufgebracht, wenn er daran dachte, dass seine Liebste, seine Viola sich dem Feind derart offenherzig und schutzlos präsentieren würde, während er von diesen Monstern von Familie in Beschlag gehalten wurde. Ein Zustand, den er mehr als alles andere zu hassen begann.
      "Ich verstehe ja, was du sagen willst, aber...", begann er nach dem er Tilda beinahe missbilligend, aber resignierend hinterher gesehen hatte. Ein schweres Seufzen umgab seine Aura als er die Scxhultern hängen ließ. "Ich will das nicht! Das soll so nicht sein. Du würdest auf dem Präsentierteller liegen udn ich werde das nur über meine verfluchte Lei-"
      "Sie is det erste Schwert, Spitzohr!", sagte Symon nachdenklich und verschränkte die massigen Arme vor der Brust.
      "Und?", keifte der Elf, als er wütend zum Zwerg hinüber sah.
      "Nüscht und. Et is eenfach so. Sie is det eerste Schwert, wa. Det bedeutet, sie hat ooch ne Verpflichtung ihren Leutn jejenüber, wa. Wat bringt uns det erste Schwert, wenn se nüsch mitkämpft oda du ihr det nüsch zutraust, wa."
      "Ich traue ihr...", begann der Elf wütend, doch sah schließlich traurig zu Viola. "Du hast Recht...Ihr habt beide Recht. Die Menschen müssen geschützt werden. Dies ganze gute Volk muss geschützt werden..."
      Die Stimme des Elfen verdunkelte sich.
      "Macht was ihr wollt."
      Auf dem Fußballen fuhr er herum und machte sich auf den Weg in Richtung der Scheune. Er brauchte Ablenkung von diesem Wahnsinn. Und vielleicht auch einen Moment der Ruhe für sich...
      Symon indes hob bereits den Arm, ehe er den Ruck durch Violas Körper sehen konnte. Er würde kommen, so viel stand fest.
      "Loof ihm net nach, Kindchn...", murmelte Symon. "Er broocht nen Moment, wa?"


      Die Scheune

      Volgast erreichte die Scheune beinahe in schnellem, hüpfenden Schritte. Zwischenzeitlich hatte er den Bäcker und auch einen Schmied nach dem Weg gefragt und sie beide regelrecht in das nächste jahrtausend gebrüllt. DIe Menschen waren teils schreiend fortgelaufen oder hatten ihre Werkzeuge fallen lassen als der Riese sich in den Laden gebeugt hatte. Doch zwischenzeitlich hatte er seinen Weg hüpfend und jubilierend durch die Stadt zurück gelegt und öffnete jetzt die schwere Holztür zur Scheune.
      "HEIßAJUCHHEEEEEHEEEEE!"; donnerte er in den Innenraum und betrat die sengende Schwärze der Scheune, die nur von zwei Lebewesen bewohnt wurde.
      Einem Elfen und einem Nachtelfen, die vermutlich beide in seine Richtung starrten.
      "FÜRCHTET EUCH NICHT, DENN ICH BIN JETZT DAAAHAAAA!"; rief er und breitete die Arme aus.
      Dorynn, der Nachtelf, saß noch immer mit Prellungen im Gesicht an die Säule gelehnt und seufzte auf als der Riese näher kam.
      "Na klasse...", keifte er. "Noch so einer von dieser Verrückten. Ich würde mich ja glatt freuen, wenn ich nicht wüsste, dass ihr allesamt wie dieser Versager von Sylva-"
      Mit einem Mal änderte sich die Aura in der Scheune drastisch, sodass der Elf seine Tirade beenden musste. Es schien, als stünde der bedrohliche Mensch vor ihm in schwarzen Flammen, als er seine glühenden, wütenden Augen auf den Nachtelf richtete. DIe Luft erkaltete und Dorynn hatte das Gefühl, nackt in einem Schneesturm zu stehen. Alles an seinem Körper riet ihm zur drastischen Flucht, einer unüberlegten und gleichsam dummen Aktion. Hauptsache fort von diesem Monster, das sich jetzt aus dem Schatten schälte.
      "Ich empfehle dir, deinen Mund zu halten, Bursche...", murmelte Volgast und seine Stimme glich einem Donnern in der Tiefe. "Andernfalls werde ich deine Ohren als Bettvorleger auslegen..."
      Er sah zu dem anderen Elfen.
      "Ihr seid Meister Meliorn?", fragte Volgast mit einem herzlichen Lächeln.

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Ein bodenloses Gefühl der Machtlosigkeit erfasste die Heilerin.
      Bevor Viola gedanklich überhaupt den Entschluss fasste, dem davonstürmenden Andvari zu folgen, hatte sie bereits unterbewusst einen Schritt nach vorne gemacht - und stieß dabei gegen den ausgestreckten, wuchtigen Arm des Zwerges. Für einen Augenblick lang fühlte es sich verdächtig danach an, als hätte ein massiver Felsbrocken ihre ruckartige Bewegung ausgebremst. Der aufgewühlte Blick in den waldgrünen Augen heftete sich zwischen die breiten Schultern des Elfenprinzen, der schon bald aus ihrem Sichtfeld und um die nächste Weggabelung verschwunden war. Violas Fokus schrumpfte auf den Zwergenkrieger zusammen, dessen Arm mit sanfter Bestimmtheit ihren Weg blockierte. Obwohl es ein Leichtes gewesen wäre, den gut gemeinten Rat in den Wind zu schlagen und ihrem Gefährten zu folgen, verstand die junge Frau besser als es momentan den Anschein machte. Oft begriff sie mehr, als ihr aufgrund ihrer Jugend zugetraut wurde.
      Andvari fürchtete sich.
      Und wer konnte es dem willensstarken Mann verdenken, der seine Geschichte auch nur ansatzweise begriff. Die Verluste seines Lebens und die Schuld, an der er durch einen boshaften Fluch beinahe erstickt wäre, vergingen nicht einfach. Ein Menschenleben war flüchtig und zebrechlich. In den Augen der Elfen war es bisweilen kaum mehr als ein Wimpernschlag und Viola nahm willentlich hin, die ohnehin bereits kurze Zeitspanne, die ihnen blieb, weiter zu schmälern. Eine ähnliche Furcht ergriff sie, wenn sie daran dachte nicht an Andvaris Seite zu sein, wenn seine verhassten Brüder eintrafen. Unschuldige und hilflose Menschen sich selbst zu überlassen, kam dennoch für die Heilerin nicht in Frage. Der Elfenprinz war Jahrzehnte ohne sie zurecht gekommen und hatte seine Schlachten geschlagen.
      Er würde auch diese überleben. Das musste er.
      Ein langes, gedehntes Seufzen entfuhr ihr, ehe sich Viola mit den Händen über das Gesicht und durch die wilde, herbstrote Haarmähe fuhr.
      Das Lächeln auf den Lippen wirkte blass und erreichte kaum ihre Augen.
      "Hab Dank für deine Unterstützung, Symon.", sagte Rothaarige und warf einen Blick nach vorn, wo Andvari verschwunden war. "Ich verstehe, dass er mich beschützen will, aber ich kann mich nicht jedes Mal hinter ihm verstecken. Irgendwann wird er mich kämpfen lassen müssen, also warum nicht dieses Mal."
      Viola hatte das Gefühl Symon mögen zu können.
      Ein zweites Seufzen folgte, ehe sie die Hände in die eingenähten Taschen in den Rockfalten schob um ihre kalten Hände zu wärmen.
      "Komm, ich bring dich zu Albert. Er ist der Meister der Zimmermannsgilde. Wenn dir jemand sagen kann, welche Stämme aus der Palisade nach etwas taugen, dann er."
      Andvari wäre ebenso dazu in der Lage, aber das gestaltete sich augenblicklich schwierig.
      Und etwas Ablenkung und eine Aufgabe würden Viola sicherlich etwas ablenken. Während sie Symon durch die verschneiten Straßen führte, nagte sie unruhig und besorgt auf ihrer Unterlippe.
      "Symon?", fragte sie schließlich, zögerlich. "Sei ihm nicht böse, aber Volgast hat mir von deiner Familie erzählt. Es tut mir aufrichtig leid, was passiert ist."
      Viola hatte ebenfalls ihre gesamte Familie verloren und konnte den Schmerz nachempfinden, der einen des nachts nicht schlafen ließ.
      Auch wenn ihr Schmerz mit jedem neuen Tag ein bisschen weniger wurde.
      In der Ferne erspäte sie Albert und seine Männer und hob die Hand zu Gruß.

      Zur selben Zeit in der Scheune

      Mit der grobschlächtigen Eleganz einer Axt stürmte eine gewaltige Gestalt in die Scheune, die allein durch den dröhnenden Klang der Stimme vom Einstuz bedroht schien. Die Stützbalken über dem Heuboden wackelten jedenfalls besorgniserregend.
      Meliorn, der beinahe gelangweilt ein filigranzes Messer durch seine Finger gleiten ließ, fuhr geradezu aus der Haut als Volgast erschien.
      Erschrocken glitt ihm die Klinge aus den Fingern und er schaffte es nur mit Müh und Not sowie allem Geschick, das er aufbringen konnte, sich nicht hektisch in die Hand zu schneiden als sein Rhythmus rüde unterbrochen wurde. Das Messer hüpfte von einer Hand in die andere, ehe er es endlich wieder sicher zu fassen bekam.
      Sehr gelegant, dachte Meliorn.
      Erleichtert verstaute er das spitze Utensiel an seinem Gurt und drehte sich endlich zu dem lärmenden Eindringlung um.
      "Wer wagt es einen Fuß in diese Scheune zu setzen ohne die Erlaubnis von...von...", der Elf hielt inne.
      Mit großen Augen betrachtete der Elf den riesigen Fremden, gegen den der schmächtige Bogenschütze wie ein dahergelaufener Lausejunge wirkte. Oder wie ein Zahnstocher.
      "Volgast Tenebria, die Faust des Westens...", murmelte er.
      Natürlich kannte er die Namen der Schwerter aus den Geschichten, aber immerhin hatte er auch die Botschaften dem Wind zugeflüstert. Bevor er zu einer angemessenen Begrüßung kommen konnte, schien die Temperatur in der Scheune ins Nichts zu sinken. Ein Schauer lief ihm über den Rücken, obwohl die drohende Warnung nicht in seine Richtung ausgesprochen wurde.
      Für ein paar Sekunden sah es ganz danach aus, als würde das Mitglied der Schwerter, dem Gefangenen mit einer Hand den Kopf abreißen, da erstrahlte ein breites Lächeln auf seinem Gesicht und die Scheune wirkte etwas weniger dunkel.
      Von dem Stimmungswechsel würde Meliorn noch Kopfschmerzen bekommen.
      Das Erscheinen des hünenhaften Volgast erklärte allerdings die allgemeine Unruhe vor der Scheune.
      "Ich?", ertönte es wenig geistreich. "Ich meine...Ja, ich bin Meliorn. Nur Meliorn, kein Meister. Zu Euren Diensten. Und Ihr seid Volgast Tenebria. Es ist mir eine Ehre. "
      Der Elf verbeugte sich respektvoll wobei die zahlreichen Silberringen an seinen Ohren munter klimperten.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Symon lächelte schief, als Viola versuchte, ihrem Liebsten nachzulaufen. Es erinnerte sie an seine liebe Frau, die ebenso willensstark durch die Lande gezogen war. Marodiert, konnte man es beinahe nennen.
      Schweigsam hielt er den zarten Körper des ersten Schwertes und paffte an seiner Pfeife weiter, während er nachdenklich dem Weißhaarigen hinterher sah. Er hatte sich verändert, dachte Symon und seufzte. Vermutlich einen ganzen Ticken zu früh. Aber die Veränderung war nicht unwillkommen, soviel blieb gesagt.
      "Nee kannste nüsch", murmelte Symon und nickte. "Un det weeß ooch Andvari, wa. Nur mussa noch lernen, dass man ooch dir vertrauen muss. Un wenn ich recht seh, beherrschte det Glasding von Messerchen schon janz jut,wa?"
      Er wies mit der massigen Hand auf das Schwert. Dieses verteufelte, vermaledeite Ding, dass sie bereits beinahe einmal alles gekostet hätte.
      Gemeinsam setzten sie sich nach einem Nicken des Zwergs auf den Weg zu diesem Albert. Paffend und nachdenklich wanderte er neben ihr her und versuchte, sich nicht vorzustellen, was sie alle noch erwarten würde. Diese Ungewissheit, mit der er durch den Tag wandelte, machte ihn regelrecht fertig, wenn er so darüber nachdachte. Erst als Viola ihn wieder ansprach, sah er zu ihr auf und nahm ihren Satz mit einem "Hmpf" zur Kenntnis.
      "Danke", sagte er. "Et is schon lang her, wa. Verdammt lang."
      Und doch wie gestern, so manches Mal. Als sie die Hand hob, sah er in das grobschlächtige Gesicht eines alten Zimmermanns und nickte brummend.
      "Pass uff, ick brooch jute Hölzer. Lange, anjespitzte Hölzer von den Palisadn vorn am Tor, wa. Ick würd euch helfn wa. Aber et muss schnell jehn, ehe die Armee vor der Tür steht, verstehste?"
      Das würde ein Spaß werden, dachte Symon und fuhr sich durch die borstigen Haare während er zu den Zimmermännern sah. Keine Krieger, so viel stand fest.
      "Ick brooch jedn Hammer. Nu ran, Freunde. Der Tach is nüsch ewig, wa. Kiekn wa ma wat wa ausse Hölzer kriejen."


      Die Scheune

      Volgast hatte ein anderes Empfangen erwartet. So war es umso erstaunlicher, dass der Elf vor ihm nervös zu werden schien, als er sich cvon dieser Ratte abwandte. Nicht ohne ihm nochmals mit dem Finger zu drohen und bestialisch zu grinsen-
      "Dein Hintern gehört Lysandra", murmelte er. "ICh bin nicht neidisch, nein nein."
      Anschließend wandte sich der Hüne Meliorn zu, den er mit einem freundlichen und offenen Lächeln empfing, nachdem dieser geendet hatte.
      "Oh, in meinen Augen seit Ihr das", sagte Volgast und nickte eifrig. "Eure Stimme glitt über den Wind, nicht wahr? Eine bemerkenswerte Technik, so viel sei gesagt. Ich würde sie gerne lernen, bei Gelegenheit. Nun, seis wie es sei..."
      Anschließend blickte er sich in der Scheune um, wärhend Dorynn mehr und mehr den ABstand zwischen ihnen beiden suchte und sich an den Stamm drückte wie ein Ertrinkender an eine Insel.
      "NUN HAB DOCH KEINE ANGST; DU KLEINER SCHNUCKELSCHEIßER!"; donnerte Volgast und brach ich manisches Gelächter aus, dass er nach wenigen Sekunden wortlos abbrach und wieder zu Meliorn schaute.
      "Ich habe ein Anliegen, MEister Meliorn. Tilda, die gute Seele, berichtete mir, dass Ihr ebenfalls des Windes Herr seid, nicht wahr? Vielleicht sollten wir uns ein wenig mehr über diese Form der Magie unterhalten. Lasst den kleinen Parasiten dort ruhig sitzen, er wird nicht fliehen. Nicht wahr, Dorynn Hosenvoll?"
      Der Blick, den er dem Nachtelfen zuwarf, war vernichtend genug, dass dieser nickte und resignierte.
      "Nun...Folgt mir folgt mir", sagte er lächelnd und wies nach draußen. "Vielleicht kann ich Euch das ein oder andere zeigen..."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Albert, unerschütterlich und standfest wie eine alte Eiche während eines Sommersturms, betrachtete die aufgebrachten Burschen vor seiner bescheidenen Hütte. Burschen deshalb, weil sie in seinen Augen allesamt noch grün hinter den Ohren waren.
      Der Meister der Zimmermänner lebte etwas außerhalb des zerfallenen Stadtkerns von Beleriand in der Nähe der Palisaden. Die Gebäude standen hier weniger beengt und damit seiner verstorbene Frau einen kleinen, hübschen Garten ermöglicht. Zu dieser kalten Jahreszeit waren die Obstbäume bedauerlicherweise kahl und erstahlten nicht in ihrer grünen Vielfalt.
      Während er versuchte Mael und die anderen Lehrlinge davon abzuhalten wie kopflose Hühner und mit Hämmern nach den Neuankömmlingen zu suchen bevor Tilda ihr Urteil verkündet hatte, bemerkte er am weißen und grauen Rand seines Sichtfeldes einen leuchtenden Farbschimmer. Violas rotes Haar stach wie eine farbenprächtige Blüte aus der kargen Winterkulisse hervor und zauberte selbst dem grimmigen Albert ein schmales Lächeln ins Gesicht. Umso erstaunter war er, als sich die Begleitung der Heilerin als Zwerg entpuppte. Albert hatte Fragen, viele Fragen. Zwar hatte Tilda bereits in einer ruhigen Minute ihren alten Freund etwas erleuchtet, da sie offenbar mehr wusste, als der Rest.
      Bei der unwirschen und direkten Andrede verschränkte der Zimmermann die Arme vor der breiten Brust.
      Viola lächelte beinahe entschuldigend und sorgte sich bereits um einen möglichen Konflikt zwischen den beiden fremden Männern, deren Gemeinsamkeit wohl in ihrer brummigen Art lag. Die Miene Albert schien sich allmählich zu verfinstern, während er zuhörte und sich wenig darüber zu freuen schien, dass ein Zwerg seinen Männern Befehle erteilte.
      "Hmpf...", grummelte Albert und setzte sich schweren Schrittes in Bewegung, direkt in Richtung Symon.
      Vor dem Zwerg blieb er stehen und sah zu diesem herab. Die wohl erwartete Überheblichkeit blieb allerdings aus und obwohl Viola den erfahrenen Zimmermann nicht für einen boshaften Mann hielt, waren ihre Nerven zum zerreißen gespannt.
      Plötzlich hob Albert eine seiner schwieligen Hände und kopfte dem Zwerg grob zweimal, dreimal auf die Schulter. Offensichtlich traute die gutherzige Heilerin dem fremden Halunken an ihrer Seite, also verließ er sich auf ihr Urteil. Abgesehen davon hatte sich Andvari bereits die Stille Anerkennung des Altmeisters durch seine Arbeit verdient. Er mochte den Elf.
      Angesichts der erschrockenen Miene der jungen Frau erklang ein bellendes Lachen.
      "Ein Mann der Tat, der nicht um den heißen Brei herumredet. Gefällt mir."
      Viola blinzelte irritiert, ebenso wie die restlichen Lehrlinge unter denen sie einige missmutige Blicke erkannte. Allen voran war dort Mael, dessen Blick sich grimmig in den Rücken seines Meisters bohrte. Sie hoffte, dass der Junge keinen Ärger machte.
      Albert wies seine Männer barsch an sich auf den Weg mach.
      "Wenn ich mich nicht irre, haben wir einige zu besprechen, Herr Zwerg.", knurrte Alfred auf seine bekannte Art und Weise.
      Viola sah den Männern hinterh und fand sich allein auf dem verschneiten Weg wieder.
      Was nun? Seufzend blickte sie erst nach Links, dann nach Rechts und entschied sich Tilda aufzusuchen, um ihr bei den Vorbereitungen zuhelfen. Den Drang Andvari zu suchen, war dabei nur schwerlich zu ignorieren.

      Die Scheune

      "Das Begabung der Windsänger begleitet meine Familie seit langer Zeit.", antwortete Meliorn.
      Windsänger. Ursprünglich genossen diese Elfen den angesehenen Ruf als wandernde Geschichtenerzähler, die sich selbst zu den Nomanden zählten. Über alle vier Winde hinaus verbreiteten sie die wunderlichsten Märchen und Erzählungen aus allen Winkeln des Königreiches. Die Geschichten teils in wunderlichen Versen gesungen, brachten ihnen den Namen der Windsänger ein. Ein jeder von ihnen besaß eine sanfte und klangvolle Stimme, die mit dem eigensinnigen Wind perfekt harmonierte. Jede Silbe und jede Schwingung bildete ein unverwechselbares Paar. Es heißt, dass sie den unzähmbaren Wind allein mit ihrern Stimmen bezirzten. Mit der Zeit verlor sich die Verbundenheit und Faszination zu den alten Geschichten und die Windsänger verschwanden von der Bildfläche. Zumindest verstummten ihre Stimmen im Wind. Viele, so wie auch Meliorn, verdingten sich schließlich als Boten. Vor allem Nachrichten von der Front ließen sich so absolut zuverlässig überstellen.
      Zweifelnd warf er einen Blick zu Dorynn, der sich förmlich zusammenkauerte. Bis vor ein paar Minuten hätte er schwären können, dass dem Nachtelfen nichts und niemand das Fürchten leeren konnte. Ein wirklich unangenehmer Zeitgenosse war dieser Nachtelf.
      Die Erwähnung des ermordeten Erzmagiers zuvor hatte ihn etwas blass um die Nase werden lassen. Er hatte in der Botschaft nicht jedes Detail erwähnt, vor allem nicht, dass er den Dolch aus der Brust des Toten gezogen hatte. Die Schuld woh schwer.
      Weshalb er sichtlich zögerte seinen Wachposten zu verlassen. Dorynn zeigte sich gefügsam, aber das konnte Täuschung sein.
      "Es wäre mir eine Ehre von Euch zu lernen, Meister Volgast.", sagte er und trat nur zögerlich in Richtung Tor. "Seid ihr sicher, dass wir ihn alleine lassen können und diese Schlang sich nicht herauswindet?"
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Die Scheune - Vormittags

      Volgast Tenebria blickte auf den schüchternen Elfen hinab, der neben ihm in Richtung Scheunentor ging. Sein LAchen hallte bellend durch die Katakomben des Holzkonstrukts und ließen die Schnittstellen beben, während zwei gewaltige Hände seinen Brauch hielten.
      "Macht Euch keine Sorgen, Meister Meliorn", sagte er und sah zu Dorynn zurück, der noch immer verängstigt zu dem Mönch hinaufsah. "Dorynn Hosenvoll wird sich nicht rühren. Denn er weiß, dass er sterben wird, wenn er sich rührt. Und es wird nicht meine Hand sein, die sein Ende besiegelt. Ich glaube, wenn Lysandra ankommt, werden wir noch viel zu reden haben..."
      Der dunkelhaarige Mönch bemerkte die Stimmung des Elfen, doch sagte nicht ein Wort dazu. VIelmehr gingen sie Seite an Seite in die graue Tristesse des Tages hinaus und seufzend nahm der General einen Zug der kalten Luft, ehe er die Hände in die Hüften stemmte. Seine Brust vibrierte als er Meliorn ansah.
      "Es ist selten, einen Windsänger vorzufinden", murmelte er erstaunlich leise. "Es hieß, ihr seid ausgestorben. Aber so ist es wohl auch mit den Lichtrufern nicht wahr? Hat man auch gedacht und siehe da: Hier sind beide. KAZEHAHAHAHAHA"
      Sachte schlug er Meliorn auf die Schulter und wanderte genüsslich mit dem Elfen durch die STadt, auf der Suche nach einem kleinen schmalen Platz.
      "Meister Meliorn, wie Ihr wisst, ist der Wind stetiger Bewegung unterlegen. Unsereins manipuliert Luftströme während Ihr hingegen Eure Stimme auf dem Wind reiten lasst. Eine Gabe, die meine um Welten übersteigt, wenn ihr in der Lage wäret, meine Manipulation zu beherrschen, nicht wahr?"
      Erst mit einer kleinen Verzögerung errreichten sie einen kleinen Vorplatz unweit des Stadttores und blickten auf den menschenleeren Ort.
      "Hier wird es gehen", sagte Volgast und lächelte breit. "Wohlan."
      Er postierte sich unweit der Palisade der Stadt und richtete seine Beine in breite Stellung aus. Leicht ging der Mönch in die Knie und mit dem Moment, wo das Lächeln aus seinem Gesicht verschwand, schien der Schnee um ihn herum nicht mehr zu fallen. Als hielte er sich in der Luft und verdampfte beinahe augenblicklich, während der Mönch seine muskulösen Arme ausbreitete.
      "Ich manipuliere Windströme", sagte Volgast. "Soll heißen: Meine spärliche Aura greift nach der Bewegung in der Luft und hält sich diese Strömung fest. Habe ich diese Strömung gefasst, so kann ich sie beschleunigen."
      Zum Beweis griff er mit seinem rechten Arm ins Nichts und beinahe augenblicklich erschien ein kleiner Tornado, der sich um seinen Unterarm zog. Nur dass es ein einzelner Luftstrom war.
      "Je mehr ich ihn beschleunige, umso mehr vermag ich ihm Gestalt zu geben. Jedoch beschränkt sich mein Können lediglich auf die Form meiner Faust oder Füße", grinste der Mönch. "Aber ich bin überzeugt, Ihr könnt dem Wind mehr Formen geben. Formt den Wind mit mir und sendet ihn auf seinen Flug. Und nie wieder müsst ihr einen Pfeil spannen oder gar ein Messer ziehen. Der Wind wird Eure Waffe sein, Meister Meliorn."
      Volgast grinste breit und machte eine einladende Geste.
      "Kommt. Versucht es!", sagte er grinsend und sah ihn an. "Sammelt den Wind und greift nach ihm. Wenn ihr ihn habt, dann nutzt Eure einzigartigen Talente und sendet etwas über den Wind. Gebt ihm Form. Einen Ball vielleicht. Oder etwas Leichtes für den Anfang. Nur um es zu testen. Eine Verdichtung der Masse erreichen wir mit Geschwindigkeit."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Vor der Scheune begrüßte Meliorn der graue, neblige Tag.
      Die Eintönigkeit der tristen Atmosphäre schlug bisweilen auf das Gemüt und doch blinzelte der Bogenschütze träge in das fahle Tageslicht, nachdem seine Augen seit Einbruch der Nacht der Helligkeit des natürlichen Lichts beraubt worden waren. Eisige Luft schlug ihm ins Gesicht und sein Atem formte sich zu kleinen, weißen Wölkchen. Meliorn sehnte den Frühling und die warmen Sonnentrahlen herbei. Die Unbarmherzigkeit der Winter im Königreich der Menschen war mit dem milden Wetter hinter der Bergkette nicht zu vergleichen. Im Elfenreich fühlte sich selbst der strengste Wintermonat angnehmer an, als die feuchte Kälte, die sich durch die kleinsten Löcher in der Kleidung stahl und sich bis tief in die Knochen fraß.
      Der kräftige Schlag auf die Schulte brachte den schlaksigen Elf ins Straucheln.
      "Das Königkreich hat keinen Bedarf mehr für Geschichten und Märchen seid König Öberon den Thron bestiegen hat.", murmelte der Elf mit den kastanienbraunen Haaren und senkte dabei seine Stimme, als hätte er Furcht seine verräterischen Worte könnten die falschen Ohren finden. "Jedenfalls erzählte mein Großvater stets vom Zerfall der Tradition und schimpfte vor dem Kaminfeuer. Je älter er wurde, umso schlimmer wurde es. In den Anfängen verbreiteten die Windsänger die Kunde über die Lichtrufer. Bis ihre Botschaften verstummten."
      Mit anderen Worten hatte die Krone in Tirion die Legenderzähler zum Schweigen gebracht.
      "Seitdem verstecken sich die meisten dieser Zunft an den äußersten Grenzen oder verdingen sich als Kundschafter in den blutigen Kriegen des Königs. Es gibt sie noch, verstreut mit Wind. Nur liegt auf unseren Schultern nicht das Schicksal eines ganzen Landes."
      Den kleinen Vorplatz beäugte der Elf mit wachsamen Augen und warf dabei einen Blick zurück über die Schulter. Dorynn unbewacht zu lassen, behagte ihm nicht. Allerdings musste er zugeben, dass der Nachtelf durchaus eingeschüchtert ausgesehen hatte. Der Anblick hatte ihm ein wenig Genugtuung geschenkt, auch wenn nicht die Schuld überwog, die er auf seinen eigenen Schultern trug.
      Beeindruckt beobachtete Meliorn des hünenhaften Mönch und lehnte sicherheitshalber seinen kostbaren Bogen gegen den nächsten, dürren Weidezaun. Ein kleines Gatter in dem sich vor Ewigkeiten wohl Schafe oder dergleichen zu Hause gefühlt hatten. Heute war es wie viele Winkel in Beleriand verwaist und ohne jegliches Leben.
      "Für mich siehst das alles andere als spärlich aus.", sprach der Elf über das Windrauschen hinweg, das ihm die ungebändigten Haarsträhnen ins Gesicht schlug, während um Volgast herum jegliche Bewegung einfror.
      Einem gelehrtigen Schüler gleich ahmte der Bogenschütze die Haltung des Mönches nach und beugte liecht die Knie, doch im Gegensatz zu Volgast streckte er nicht beide Arme von sich sondern führte die Hände zu einer hohlen Schale geformt an sein Gesicht. Ein Wispern erfüllte die Luft und verschmolz mit dem Rauschen des Windes zu einem eigentümlichen Singsang. Als er die Hände öffnete strömten schmale Luftströme durch die Zwischenräume seiner Finger in die geöffneten Handflächen. Der Schnee um Meliorn wirbelte unkontrolliert vom Boden auf. Der Windsänger griff nicht nach dem Wind sondern rief ihn herbei, in Manier der Windsänger. Erst als sich die Ströme zwischen seinen Fingern wanden wir kleine Schlangen, begann er nach ihnen zu greifen und ihren Fluss zu lenken.
      Auf seiner Stirn bildeten sich einzelne Schweißtropfen, während er konzentriert auf seine Finger schaute damit ihm der nun zu einem einzigen Strom geflochtene Wind nicht entglitt.
      Die Finger zitterten unter den Geschwindigkeit des Luftstromes.
      Tatsächlich verbog sich der trudelnde Wirbel in seiner Hand zu einer kleinen wenn auch instabilen Kugel.
      Ein Wirbel war eine vertraute Übung, aber die Beschleunigung war neu und eigentartig zu fühlen.
      "Wie schafft ihr es bei dieser Geschwindigkeit die Form zu behalten.", presste Meliorn konzentriert hervor und betrachtete wie aus der Kugel ein ovales Ei wurde ehe er es zurück in seine kreisrunde Form brachte.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Während Volgast beiseite trat und den Elfen seinen Versuch wagen ließ, ging er die Worte eben jenes Bogenschützen durch, den er neugierig betrachtete. Man mochte es sehen wie man wollte. Die Elfen waren ein gepeinigtes Volk. Zerrissen, gar schlimmer als die Menschen oder Zwerge in ihrer Überheblichkeit und dem Wahnsinn, dem die Herrschergilde verfallen war. Eine Schande war es, ein derart wertvolles Erbe so verklingen zu lassen.
      Während der Elf sich erprobte, räusperte sich der Mönch und setzte sich träge auf einen Stein, der mitten im Wege stand. Den Blick auf die maroden Palisaden gerichtet und den Elfen, der sein Möglichstes tat, erkannte der alte Mönch doch das Feuer wider, was er einst in seiner Jugend gesehen hatte. Das Feuer derer, die die Traditionen nicht aufgegeben hatten und noch immer an das Heil der Welt glaubten. Ein wahrhaftig seltener Fund, dachte Volgast und lächelte.
      "Ich kannte einen Windsänger", begann der Mensch und erzählte. "Sein Name war Ecthelion. Er war natürlich ein Elf und voller Herzensgüte. Er liebte sein Weib, herzte seine Geschwister und Kinder und respektierte seine Feinde. Immer wenn er die Kunden und Sagen seiner Heimat zum Besten gab und sie über den Wind sang, hielt die Welt gespannt den Atem an und Menschen wie Elfen versammelten sich um ihn. Man nannte ihn zeitweilen "das eiserne Herz". In Eurer Sprache kenne ich den Begriff nicht, aber seine Weisen waren legendär. Und der Spitzname wurde ihm gerecht, denn gerade als die Sänger fielen und die Legenden im Wind verstummten war er es, der seine Weisen immer weiter sang und die Legenden weiterhin kundtat. WIe ein Herz, ein eisernes Herz, das niemals aufhört zu schlagen, pulsierte seine Kunde über den Wind und sprach von der Rückkehr des Wandernden Königs. Immer und immer wieder wurde es geflüstert: "Das Licht ist zurück. Die Stimmen erklingen wieder." Die Truppen des Königs jagten Ecthelion wie Schlachthausvieh und dennoch wurden sie seiner kaum habhaft. Erst als er es wollte und seine Stimme kurz vor dem Verklingen war, sandte er seine letzte Botschaft über den Wind:
      "Denn es heißt, er kehrt zurück
      Genau in jenem Augenblick
      Wenn die Welt in Flammen steht
      Wenn der Wind sich wieder dreht
      Wenn der Hass das Tun regiert
      Uns in dunkle Zeiten führt
      Uns verblendet und fürwahr
      Ich glaube diese Zeiten sind nah""
      Volgast endete und räusperte sich ehe er sich erhob und lächelnd auf den Elfen zutrat und das Seinige bewunderte, was er zustande gebracht hat. Eine massige Hand landete auf der schmächtigen Schulter des Elfen und drückte sie leicht.
      "Windsänger werden wieder gebraucht. Es wird ein Tag kommen, da die drei Kontinente in Krieg versinken werden. Und dann wird man die Hoffnung brauchen, die Ihr spendet. Also gebt sie weiter, diese legendäre Gabe, mein Junge, und versteckt sie niemals! Denn Ihr seid besonders. So besonders..."
      Wehmut ergriff das Herz des Riesen ehe er sich dem Luftball zuwandte, den Meliorn geschaffen hatte.
      "Das ist beeindruckend für den Anfang, Meister Meliorn. Wahrlich talentiert. Und Eure Frage ist gleich einfach wie zielführend beantwortet: Indem ich es nicht tue", grinste Volgast. "Der Wind, wie Ihr wisst, ist ein Fluss. Es wäre kontraindiziert, ihn in eine Form zu pressen. Vielmehr sollten wir ihm zeigen, dass sein Weg auf Unsrigem viel besser durchflossen werden kann als die Richtung, die er sonst einschlagen würde. Und dafür braucht es lediglich Fantasie. Stellt euch einen Pfeil vor, während ihr den Wind zu Euch ruft. Verbindet Euch mit ihm und zeigt ihm Eure Leidenschaft zur Beschaffenheit des Holzes, dem Gewicht, dem Schwund der Federn und der Schärfe der Spitze...Nehmt dies und kommuniziert mit ihm. Ihr könnt es leichter als ich..."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Ecthelion. Verwunderung spiegelte sich beim Klang des vertrauten Namens im Blick des Elfen.
      Ein Name, geflüstert in den sanften Winden eines beginnenden Morgens und gehört von wenigen, die ein ähnliches Schicksal nicht fürchteten. Eine Stimme, die selbst eine lange Zeit nachdem sie für immer verklungen war, wie ein Echo in der Welt widerhallte. Eine Geschichte über Herzenstreue und den festen Glauben an den Wandel der Zeiten. Die Legende eines Mannes, den ein tragisches Ende ereilte, weil sich nicht von seiner Hoffnung abwandte. Meliorn hatte den Namen nicht mehr vernommen, seit den letzten Tagen seines Großvaters.
      Mit Verwunderung und gleichzeitig beschämt blickte Meliorn von seinen Händen auf.
      Die Furcht hatte seine Stimme in ein leises Flüstern verwandelt, versteckt im Rauschen des Windes. Im Elfenreich wartete eine Familie, die zuvor auf seinen Sold angewiesen gewesen war. Eine verwitwete Mutter und zwei jüngere Schwestern, die vom Nötigsten lebten und hart arbeiteten. Und nun galt er als verschollen oder gar tot. Er hatte ihnen nicht einmal mitgeteilt, dass er noch lebte. Die Scham über seine ehrlose Flucht war zu groß und es gab nichts, womit er ihnen helfen konnte.
      Wehmütig lauschte er den altbekannten Versen und bewegte stumm im Einklang die Lippen ohne dabei einen Ton zu erzeugen.
      Dabei bemerkte der Bogenschütze nicht einmal die schweren Schritte auf dem verschneiten Boden und das Knirschen des Schnees unter massiven Stiefeln. Die riesige Hand auf seiner Schulter ließ ihn kurz zusammen fahren. Die Konzentration brach und zitternde Kugel in seinen Händen löste sich in die einzelnen Ströme auf, wobei Schnee zu allen Seiten aufgewirbelt wurde.
      Meliorn ließ die Worte einsinken.
      Jede Silbe suchte sich den Weg durch gespitzte Ohren in Verstand und Herz.
      Die Luftströme zwischen seinen Fingern wurden ruhiger und gleichmäßiger ehe sie sich fließend um die Fingerglieder schlangen.
      Der Elf schloss die Augen und stieß den angehaltenen Atem auf während er das deutliche Gewicht der Hand auf seiner Schulter als Ankerpunkt benutzte.
      "Ecthelion. Ein Name, den ich seit sehr langer Zeit nicht mehr gehört habe. Mein Großvater liebte es uns Kindern seine Märchen und Geschichten zu erzählen.", begann Meliorn und krümmte dabei die Finger zu einer losen Schale. "Ich bin nicht besonders, Meister Volgast. Ein Feigling, das bin ich. Ein passabler Überlebenskünstlern, der sich im Niemandsland versteckt, weil eine Rückkehr in die Heimat den Tod bedeutet obwohl meine Familie mich braucht. Und mein Erbe...Sagen wir die Aufgabe unsere Familie fortzuführen liegt auf den Schultern meiner Schwestern. Und bis es soweit ist, verspreche ich mein Möglichstes zu tun."
      Bei dem Gedanke lachte Meliorn beinahe tonlos, als sich die trudelnden Luftströme erneut zusammen fanden. In seinen Handflächen verformten und erneuerten sich die Ströme stetig neu, als könnten sie sich nicht entscheiden. Dabei war es der Elf, der zwiegespalten war. Die Gedanken flogen zu fernen Grenze, an der ein junger Menschenprinz das Unmögliche versuchte.
      Wage veränderten sich die fließenden Konturen der neugeformten Kugel, nicht in einen offensichtlichen Pfeil, sondern in den winzigen Kopf eines Vogels. Gefiederte Schwingen erzitterten beim ersten Schlag und wie ein filigrane Figur aus Glas geformt flatterte die Miniatur eines zierlichen Greifvogels in seinen Händen. Das Element lauschte den Schlägen seines Herzens und gab dem Schweigen des Elfen eine Gestalt.
      Isobelle. Dieses nervtötende Federvieh, dass ihm stets in die Finger zwickte und dem Prinz mit der blonden Mähne ein Lachen entlockte. Ein Zeichen der Zuneigung, hatte Lucien es genannt. Bei dem Gedanken allein verspürte Meliorn das Bedürfnis die Augen zu verdrehen. Der verdammte Vogel war einfach nur eifersüchtig. Meliorn beugte sich etwas zu dem zierlichen Vogel in seiner Hand hinab. Ein Flüstern erfüllte die aufgewirbelte Luft, ein sanfter Klang, der an den Herzen jener zerrte, die ihn hörten. Die Worte waren nicht zu entziffern, so leise waren sie. Meliorn richtete sich auf und blickte den kleinen Raubvogel aus reinster Magie an, der den Kopf fragend schief gelegt hatte. Er wartete.
      "Die letzte Botschaft von Ecthelion...", murmelte der Elf. "...war eine Prophezeiung, die König Oberon in seinem weißen Turm das Fürchten lehrte. Prinz Andvari wird sein Schicksal erfüllen, auch wenn er dafür einen Preis zahlen muss. Jeder von uns wird einen Preis für den Sieg zahlen, für den Frieden, den wir herbei sehnen. Das Fräulein Viola wird ihren Prinzen ziehen lassen müssen, früher oder später. Ebenso wie ich."
      Damit streckte er die Hände empor und entließ das Konstrukt aus Wind und Magie in die Freiheit.
      "Flieg. Finde Prinz Lucien. Eile ist geboten."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Volgast lächelte schwach, als er Elf zu sprechen begann und hob seine Hand von dessen Schulter. Der Wind hatte etwas zugelegt und ein Schneesturm kündigte sich an. Die Wolken zogen sich grau am Himmel zusammen und bildeten eine merkwürdige Front, wärhend die Menschen und ihre Geräusche unter Strömen von Böen verschluckt.
      "Angst ist ein treuer Begleiter in der Not der Tapferen, mein Junge", murmelte der Riese in seinen Bart und verschränkte die Arme vor der Brust. "Und es ist gleich, ob ihr feige, mutig oder der Größte seid. Ihr seid besonders, Meliorn Windsänger. Denn wenn ich in Augen sehe, die sich fürchten, sehe ich meist auch Wut und Ungestüm. Und in Euren sehe ich Reue. Ich sehe Wut, aber nicht auf die Welt, sondern mehr auf Euch. Und ja...In diesem Punkte dachte ich für eine Sekunde, Ihr seid ein Nachfahre meines treuen Freundes. Denn nur wer bereit ist, zu reuen und seine Fehler zu sehen, vermag wahre Stärke in sich selbst zu finden..."
      Eine Weile lang sah er noch dem Elfen zu, der in seinen Händen die Gestalt eines Vogels formte. Das Erstaunen traf den Mönch nicht schlecht, da es eine Sache war, eine Form zu geben. Aber eine andere, eine wahrlich intelligente Form zu geben. Dies bedurfte hoher Kunst und freilich eine ganze Portion Talent, nicht wahr?
      Volgast lachte kurz und nickte zu Meliorns letzten Worten.
      "Möglich, dass es eine wahr. Vielleicht war es auch nur das Gewäsch eines alten Mannes. Wir Menschen glauben, dass wir die Herren unseres Schicksals sind. Zumindest ein Teil von uns. Niemand muss Götter anbeten und Prophezeiungen glauben, wenn man an sich selbst glaubt und das Herz der Dinge sieht. Und die Worte die Ecthelion sprach, waren durch aus auf den Wandernden König gemünzt. Aber wer sagt,. dass es Andvari sein muss?", murmelte Volgast und zwinkerte, ehe er sich herum drehte und zum Gehen wandte.
      "Übt noch eine Weile, Herr Elf!", rief er lautstark in seiner kehligen Art. "Und wenn Ihr nicht besonders seid, Meliorn Sturmgeboren, dann verratet mir, weshalb Euer Wind bereits denken kann wie ein Tier! Kazehahhahaahah!"


      Das Tor - später Nachmittag

      Symon hatte den ganzen Morgen und Mittag damit verbracht, mit Alfred und den anderen Zimmersleuten die tauglichen Palisaden aus den Untauglichen zu hieven. Es war ein KRaftakt, der sich jedoch lohnte, wenn man bedachte, dass Volgast diese als lebende Geschosse nutzen konnte. Die Feinde würden sicherlich ihresgleichen noch missen, wenn sie diese Belagerungsmaschine sehen würden.
      Grimmig grinsend sah der Zwerg über die geschäftigen Leute und seufzte schwer in seine Pfeife. Es tat gut, nach all der Zeit des Trauer und des Leids wieder eine Waffe in HÄnden und einen Krieg vorzubereiten.
      Erst als der Abend sich ankündigte, machte er sich nach einer kurzen Verabschiedung auf den Weg zum Dorfplatz. Die Menschen wirkten zwar geschäftig, jedoch legte sich eine bittere Ruhe über die Stadt, die er nur allzu gut kannte. Ultima Nocte. DIe Nacht vor der Schlacht. Oder die Nächte, man wusste es ja nun nicht wirklich.
      Auf dem Weg zur Schänke sah er Tilda bereits von fern und winkte ihr zu.
      "Oy!", rief er. "Hörnsema! Wir ham die Palisadn rausjeholt und jetz strotzt det Tor vor Holz, wa! Wie sieht dat aus mit die Bewaffnung von den Bürjern! Wat habt Ihr hier, Tilda?!"

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Meliorn Sturmgeboren.
      Über das von Wehmut erfüllte Gesicht, dessen Blick sich gen Himmel richtete, huschte ein kaum merkliches Lächeln. Einen neuen Namen zu bekommen, erfüllte Meliorn mit Stolz. Das Gewicht auf seinen Schultern erschien ihm ein wenig leichter und das einschnürende Gefühl um seinen Brustkorb etwas weniger bedrückend. Der Elf nahm einen tiefen Atemzug der kalten Winterluft und folgte dem flatternden Konstrukt seiner Magie bis er den zierlichen Vogel aus den Augen verlor.
      Volgast, der riesenhafte Mönch mit seiner durchaus einschüchternden Art, hätte nicht zielsicherer ins Schwarz treffen können. Schuld und Reue begleiteten ihn seit dem verhängnisvollen Augenblick, in dem ihr Heerführer unter den tödlichen Speeren der Menschen gefallen war. Einem geprügelten Hund gleich war er von den Feldern des Krieges geflohen um seine eigene Haut zu retten. Freunde und Kammeraden hatte er unehrenhaft der Grausamkeit der Menschen überlassen. Letztendlich fügte Meliorn der langen Liste von unzähligen Namen, die er des Nachts in den Himmel flüsterte, den Namen des bewunderten und respektierten Erzmagiers hinzu.
      Meliorn blickte über die Schulter und fragte sich, wie er nicht bemerken konnte, das Volgast längst gegangen war während er gedankenversunken über das Gleichgewicht zwischen Schuld und Sühne sinnierte.
      Das Lächeln verblasst zu seinem eigenen Erstaunen eine ganze Weile lang nicht.
      Volgast konnte unmöglich erfassen, wie sehr Selbstzweifel und Zerrissenheit sein Leben bis zu diesem Punkt stetig beherrschten. Meliorn gewährte nur selten einen flüchtigen Blick hinter die Fassade, ein Mechanismus, der lediglich mit viel Geduld und Mühe ausgehebelt werden konnte. Das Privileg wurden nur wenige zuteil.
      Meliorn, Nachfahre der Windsänger, schüttelte mit einem atemlosen Lachen den Kopf, wobei die silbernen Ringe ein weiteres Mal auf charakteristische Weise munter klimperten.
      Er machte auf dem Absatz kehrt und wandte sich Richtung Scheune. Zwischen seinen langgliedrigen Fingern glitten die schmalen Windströme spielend hindurch
      Ein Wandel lag in der Luft. Er spürte es in dem eisigen Wind, der sein Gesicht streifte und roch es in dem frischen, nebligen Geruch der Winterluft. Ein Sturm zog auf, bereits der Zweite in kürzester Zeit.
      Ein schlechtes Zeichen, dachte der Elf.

      Vor der Taverne

      Mit dem Handrücken wischte sich Tilda über die Stirn.
      Den gesamten Tag hatte die energische Schankdame zusammen mit zahlreichen Bürgern Vorräte aller Art in Richtung der Taverne getragen. Sollten sie die Flucht durch den Tunnel wagen, mussten sie vorbereitet sein. Auch wenn es ihr nicht gefiel, sich hinter einem jungen Mädchen wie Viola zu verstecken. Vielleicht hätte sie dem weißhaarigen Elf ihre Unterstützung nicht versagen sollen.Letztendlich war es aber nicht ihre Aufgabe sich in die Liebelei und derlei Probleme anderer einzumischen.Der Elf und die Heilerin erschienen ihr erwachsen genug ihre Differenzen allein beizulegen.
      Der Rücken schmerzte und erinnerte die Frau daran, dass sie tatsächlich nicht mehr zu den jungen Hüpfern zählte. Etwas streif legte sie eine Hand in den Rücken und drückte das Kreuz durch. Dabei verzog sie leicht das Gesicht. Allerdings traute sich keiner der Anwesenden die Wirtin darauf anzusprechen. Tilda verabscheute es auf die langsam einhaltenden Spuren ihres Alters angesprochen zu werden. Sie war nicht eitel, darum ging es nicht. Mit jedem Winter verspürte sie einen weiteren Kräfteverlust ihres Körpers. Mit jedem Jahr fiel ihr die kräftezehrende Arbeit in der Taverne schwieriger.
      Eine bellende Stimme ließ sie auf sehen.
      Der grobschlächtige Zwerg mit seiner wunderlichen Waffe und dem wilden Aussehen näherte sich.
      Aus dem Augenwinkel bemerkte Tilda wie paar der Schaulustigen etwas Abstand nahmen.
      „Grüßt Euch, Herr Zwerg.“, erwiderte Tilda in derselben Lautstärke. „Die Wenigstens haben jemals in ihrem Leben mehr als eine Mistgabel in der Hand gehabt. Meliorn und die Marodeure seines Zuges haben allerdings noch ein paar Bögen und Schwerter aus dem Nähkästchen gezaubert. Dazu kommen Äxte, ein paar weitere Bogenschützen aus den Reihen der Jäger und alles, was unsere Schmiede zu bieten hat. Ihr solltet mit Lhoris sprechen. Und dieses Mal bitte ohne ihn ins Land der Träume zu befördern.“

      Außerhalb des Schutzwalls in der Nähe der verlassenen Hütte

      Anderorts blickte eine blutjunge Heilerin in den Himmel, der sich langsam aber stetig verfinsterte.
      Mit bloßen Händen grub sie Wurzeln aus der gefrorenen Erde. Neben ihr kniete die grimmige Kräuterfrau ebenfalls auf dem eiskalten Boden und verstaute allerlei dürre Pflänzchen und Wurzeln in einem kleinen Beutel. Die Aussichten waren schlecht, aber keine der heilkundigen Fragen hatte ihren Eid vergessen. Tildas Schwester ihren Göttern gegenüber und Viola gegenüber ihrem Orden.
      Ein offener Kampf bedeutete zahlreiche Verwundete.
      „Die Dunkelheit kommt.“, murmelte Marlena und rieb sich die eisigen, tauben Finger.
      Viola war sich nicht sicher, ob sie nur die Tageszeit ansprach oder eine kryptische Prognose ihrer Siegeschancen abgab.
      „Gehen wir zurück.“, schlug die Heilerin vor und zog die Kapuze tiefer in ins Gesicht, um sich vor dem beißenden Wind zu schützen. Die Frauen hatten sich im Laufe des Tages vor die Palisaden gewagt, um im angrenzenden Wald und in der Nähe von Marlenas alter Hütte nach nützlichen Heilpflanzen zu suchen. Die Ausbeute war bei dieser Witterung allerdings mehr als dürftig.
      "Ja, gehen wir. Bevor jemand merkt, dass wir uns rausgeschlichen haben. Das Donnerwetter möchte ich nicht erleben.", schnaubte die Kräuterfrau mit den geschorenen Haaren und klopfte sich beim Aufstehen, den Schnee vom Umhang.
      Viola tat es ihr gleich, ehe sie den Rückweg über den schmalen Pfad einschlugen.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Winterhauch ()

    • Vor der Taverne - Später Nachmittag

      Symon betrachtete die Frau Tilda mit wachsendem Interesse. Nicht des verdorbenen Antriebes heraus sondern vielmehr aufgrund der Tatsache, dass sie seiner verstorbenen Frau so ähnelte. Auch diese versuchte die Zeichen des Alters zu verstecken, die sie ereilt hatten und tat es mit Stolz bis zu ihrem Tod in den Tiefen.
      "Also Bauern und Kinder", murmelte der ZWerg in seinen roten Bart, wobei das Gewehr auf seiner Schulter bedenklich klimperte. Die Stimmung in der Stadt hatte sich merklich verändert und selbst hier auf dem Marktplatz erschien es ihm so, als würden die Menschen inne halten, ihre Schritte verlangsamen und die Ohren spitzen, um ja nichts zu verpassen was die beiden in ihrer Lautstärke sagten. "Also Lhoris, wa?"; grinste der Zwerg und nickte. "Habt keene Furcht, wa. Det is son Ding zwischen uns. Wir möjen dit. kekekekeke"
      "Das ist nicht wahr, fürchte ich", sagte Lhoris, der gerade aus Richtung der Schmiede heran kam und sich den Schweiß von der Stirn wischte. Das schwarze Haar klebte an seinem Kopf und wirkte nichte mehr unirdisch schön, wie die meisten der Spitzohren es taten.
      "Ach wat. Sei nüsch so! Und jetz sei so jut und zeeg dem Onkel Symon ma die Waffenkammer, wa?"
      "Waffenkammer? Du meinst die paar Schwerter und Schilde, die wir haben?", flüstgerte Lhoris und sah besorgt herab.
      "Zeeg se mir alle!", murmelte Symon wesentlich weniger amüsiert und gemeinsam machten die beiden sich nahc einer kurzen Verabschiedung von Tilda auf.

      Die Hütte - früher Abend

      Andvari war lange gelaufen.
      Bis über die Winde und die Hügel hinauf, hinweg über den Fluss und auch das Tal, das sie durchschritten hatten auf ihren Reisen. In der Hoffnung, Zeichen zu sehen oder Boten zu erspähen. Und erst nach beinahe einem Tag ohne Schutz und Waffe hatte er endlich sein Ziel erreicht.
      Auf der Marksgrenze des Tales erstreckte sich hinter einem Hügel eine grausige Gewissheit: Die Armee des Feindes hatte sie erreicht. SIe waren vielleicht einen halben Tagesritt entfernt und ruhten die Pferde aus. Eine Horde von weißsilbernen Rüstungen, die in der Ruhe des Mittags klimperten und schepperten wärhrend ein Mahl gekocht, Vieh geschlachtet und die Jünglinge trainiert wurden. Der Prinz hielt sich nicht lange im Schatten auf, um keine Spuren zu hinterlassen sondern entschied den Rückzug zu wagen. Ohne Gewissheit, dass seine Brüder dort waren, war er zurück geeilt und hatte das Stadttor beinahe erreicht. Doch dann kamen die Geräusche.
      Ein grausiges Schaben in der Ferne, während der Himmel sich verdunkelte. Das war kein gutes Omen.
      Der Lichtrufer schüttelte den Kopf und eilte durch das hervorstechende Unterholz, das sich ihm entgegen warf und bog Äste beiseite, während er an den Bäumen vorbei in die Tiefe des Waldes huschte. Egal, was es war, das er fand. er würde sich zu wehren wissen. Sachte krochen Lichtfäden aus seinen Fingern um seine Hand und bildeten ein atemberaubend schönes Messer, dass er wie ein Assassine in der Deckungshaltung bei sich trug. Nicht mehr weit, dann...
      Erkannte der Weißhaarige, dass er mehr Narr war als andere.
      Vor ihm, im Schnee des Tages, saßen Viola und die Kräuterfrau MArlena auf den Knien und gruben nach Pflanzen und Kräutern. Und er stand dort wie ein namenloser Schatten und ließ den Lichtdolch sinken.
      "Bei den Bäumen...", murmelte er und seufzte. "Ihr habt mich erschreckt. Was tut ihr noch hier? Ein Sturm kommt, seht ihr das nicht?"

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Über den Köpfen der Frauen raschelten die Baumwipfel im auffrischenden Wind.
      Die starken Äste der kahlen Baumkronen bogen sich knarzend und ächzend unter den stürmischen Böen, während die stolz gewachsenen Nadelhölzer dem aufziehenden Sturm kerzengerade trotzten. Durch die Geräusche des Waldes, die beinahe bedrohlich in den Ohren erklangen, merkte keine der fröstelnden Frauen, dass sich schleichende Füße sich lautlos näherten. Wie leicht wäre es gewesen für einen umherstreifenden Halunken die Heilerinnen zu überraschen.
      Die vertraute Stimme erklang völlig unvermittelt und vor Schreck hätte Viola beinahe den mühevoll gesammelten Inhalt ihrer Schürze auf dem Waldboden verteilt. Fluchend bekam sie das entglittene Ende des Stoffes zufassen und wirbelte mit überraschtem Gesichtsausdruck herum. Die wärmende Kapuze rutschte ihr vom Kopf und gab den Blick auf das vor Kälte gerötete Gesicht frei. Augen, die im fahlen Licht der untergehenden Wintersonne funkelten, obwohl kaum ein Sonnenstrahl die grüne Iris berührte. Überraschung wandelte sich in unmissverständliche Verwirrung. Ohne den Blick von Andvari abzuwenden, streckte Viola den Arm zur Seite aus und legte die Hand über den Arm der Kräuterfrau. Diese hielt zwischen den erhobenen Fingern eine äußerst scharfe, kleine Sichel. Das Schneidutensil war von feiner Handwerkskunst und wunderhübsch verziert. Den Lichtdolch in der Hand des Elfenprinzen vermochte es dennoch nicht zu übertreffen.
      Neben ihr beruhigte sich langsam der Atem der älteren Frau, die ohne Zweifel dazu bereit gewesen wäre sich einem möglichen Angreifer entgegen zu stellen. Marlena machte nicht den Eindruck einer Frau die weglief.
      Schnaubend senkte sie die Sichel und befestigte diese wieder sicher an ihrem Gürtel.
      "Hat Euch niemand beigebracht, dass es sich nicht gehört, sich klammheimlich an eine Frau heran zu schleichen?", murrte sie.
      Marlena war weniger freundlich und offenherzig im Gegensatz zu ihrer Schwester. Die Kräuterfrau hatte Schwierigkeiten sich mit den Elfen in Beleriand zu arrangieren. Nach allem, was geschehen war, sicherlich keine große Überraschung.
      "Wir haben versucht etwas Brauchbares unter dem Schnee und Eis zu finden, aber der Boden ist zu hart. Das Wetter ist noch zu eisig, um Kräuter oder ähnliche nützliche Pflanzen zu finden.", antwortete die Rothaarige, als sie sich sicher war, dass ihre Begleiterin dem weißhaarigen Elf nicht mit der Sichel an die Kehle springen würde.
      Für Marlena war es unbegreiflich, dass Viola, die in ihren Augen noch ein junges Mädchen war, offenbar einem Elf zugetan war. Ein Zauber musste ihr den Verstand vernebeln. Tildas Schwester verspürte das Bedürfnis die gleichgesinnte, junge Frau zu beschützen. Die Antwort, dass Viola den Elf freiwillig begleitete und er sie nicht mit Hilfe von Drohung gefügig machte, hatte die Kräuterfrau mit einem widerwilligen Murren hingenommen.
      "Was ist passiert?", fragte Viola schließlich und trat einen Schritt auf Andvari zu. Sie hatte den Streit, wenn man es so harsch betrachten wollte, noch nicht vergessen. "Du siehst aus, als hättest du einen Geist gesehen."
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”
    • Andvari ließ den Dolch in seinen Händen sinken und langsam lösten sich die zarten Lichtkränze auf. Mit dem Aufgeben der Form verfielen sie in ihre wilde Urgestalt und wickelten sich wie ein Armband um seinen Arm, ehe sie im Nichts verpufften.
      Marlena war ihrer Stimmung gemäß erneut missmutig. Und auch wenn sich Andvari alle Mühe gab: Er mochte die Frau nicht besonders.
      "Es tut mir Leid, wenn ich Euch erschreckt haben sollte, Frau Marlena", murmelte er und trat durch das Unterholz näher. "Aber euer Scharren war leider gut hörbar und ich fürchte, eine Sichel wird Euch gegen einen Krieger nicht wirklich schützen. Also dachte ich, ich sehe lieber nach. Ehe die Feinde schon näher sind als gedacht..."
      Sachte trat er heran und lauschte Viola, ehe er nickte.
      "Das ist wahr. Es wächst kaum etwas hier", bemerkte der Elf und sah sich seufzend um. "Ich meine, ich könnte den Boden aufwärmen, aber es ersetzt keine gute Natur. Es würden kümmerliche Pflanzen sein. WIr bräuchten..."
      Sylvar.
      Kopfschpttelnd schob er seine Hand wieder unter den Reisemantel und sah Viola an, während er gleichsam ein Auge auf die Bewegungen der Kräuterfrau hielt. Die Feinseligkeit beider Parteien war durchaus spürbar, wenngleich nicht angebracht.
      "Einen Geist eher nicht", murmelte er und trat ebenfalls heran, um sie kurz zu berühren. "Vielmehr die Armee. Ich habe den Weg nachverfolgt, den Volgast und Symon gekommen sind und bin auf die Armee meiner Brüder gestoßen. Sie lagern im nördlichen Tal hinter der Bergkette."
      Kurz wischte er sich über das Gesicht und sah sich erneut um, als suchte er etwas oder versuchte, es zu finden.
      "Und es sind Viele, Viola", bekannte er schließlich und wirkte das erste Mal wirklich ratlos. "Es sind mehr als erwartet. Sie haben beinahe die ganze Königsgarde mitgebracht und wenn Faolan dabei ist, wird er mit seinen Kreaturen ebenfalls angreifen. Das ist wahrlich eine Armee, die uns jagt. Und keine dahergelaufene Söldnertruppe..."
      Sachte wandte er sich zur Stadt.
      "WIr sollten hinein gehen. Es wird dunkel und wir müssen Kriegsrat halten. Vielleicht müssen wir auch fliehen, cih weiß es nicht...", sagte er und sah zu Marlena. "Wäre es möglich, die Höchsten Eures Dorfes zu versammeln? Wir werden jeden Rat brauchen, den wir finden können."

      The more that I reach out for heaven
      The more you drag me to hell
    • Die grimmige Kräuterfrau ließ sich durch die Entschuldigung fürs Erste besänftigen.
      Marlena schlug die fadenscheinige Kapuze zurück - der Umhang hatte schon bessere Tage gesehen - und blickte in den wolkenverhangenen Himmel hinauf. Mit jedem verstreichenden Augenblick verfinsterte sich der Horizont ein wenig mehr und die Dunkelheit des anbrechenden Abends schien schneller seine schattenartigen Klauen nach den wandernden Gestalten auszustrecken als gewöhnlich. Ein böses Omen, dachte die Kräuterfrau ohne zu ahnen, dass es dem elfischen Bogenschützen innerhalb der spärlichen Schutzwälle ebenso erging.
      Mit den wachsamen Augene einer aufgeplusterten Glucke beobachtete Marlena den zaghaften Umgang zwischen Elf und Heilerin.
      Die winzigen Gesten waren geprägt von Besorgnis und gleichzeitig lag in dem Zögern der Wunsch nach Gewissheit, dass alles in Ordnung war. Unsicher, wo sie standen und was im Kopf des anderen vor sich ging.
      Die ältere Frau verschränkte die Arme vor der Brust und versuchte den beißenden Wind zu ignorieren, der sich durch die mehrfach geflickten Kleidungsstücke zog. Was der Elf zu berichten hatte, stieß auch bei der misstrauischen Heilerin alter Schule auf gespitzte Ohren.
      Ein lautloses, stummes Seufzen entfloh Viola.
      Die federleichte Berührung und das vertraute Gewicht einer warmen Hand vertrieb die Kälte aus ihrem Körper und das bedrückende Gefühl aus ihrem Herzen. Die angespannte Stimmung in der Luft drückte der jungen Frau auf Gemüt. Trotz der schlechten Nachrichten ruhte ein schmales Lächeln auf ihrem Gesicht, als sie ihr eigene zierliche Hand auf seine legte. Viola wusste nicht, wie sie die winzige Kluft zwischen ihnen überschreiten sollte, denn sie hielt an ihrem Vorhaben fest.
      Lysanthirs Reiter waren bereits zuvor ein furchteinflößender Anblick gewesen mit den schimmernden Rüstungen und den flatternden Bannern inmitten von eisigen und felsigen Berketten. Welches Unheil Faolan über sie bringen konnte, entzog sich ihrer Vorstellungskraft. In ihren Erinnerungen war der boshafte Blick jedoch nicht verblasst, den der jüngste Sohn des Elfenkönig ihr durch die rostigen Gitterstäbe von Andvaris erbärmlicher Zelle entgegen geworfen hatte.
      Das die Elfenprinzen mit einer ganzen Armee und grausamen Kreaturen aufwarteten allein zu dem Zweck ihren ungeliebten Halbbruder vom Angesicht der Erde zu tilgen, zeugte von der größe ihres Hasses. Und einem versteckten Funken der Furcht vor der Macht, die dem Lichtrufer inne wohnte. Die Heilerin vermochte nicht zu sagen, welcher Grund am Ende mehr Leid hervorbrachte.
      "Im nördlichen Tal? Gemäß dem Fall, dass die Armee die Nacht und den Sturm nicht abwartet, könnte sie im Morgengrauen bereits an unser Tor klopfen.", murmelte Viola und drückte sanft seine Finger. "Du hast Recht. Wir sollten sofort zurück."
      Marlena folgte ihnen wie ein Schatten und lauschte.
      "Die höchsten unseres Dorfes?", schnaubte die Kräuterfrau. "Tilda und Albert kümmern sich um die wichtigen Entschheidungen, die es zu treffen gilt. Ihr werdet also mit den beiden Vorlieb nehmen müssen."
      Über die Schulter blickte Viola zu der heilkundigen Frau. Sie hatte das ungeute Gefühl, dass Marlena ihnen noch Probleme bereiten würde, wenn ihre Schwester sie nicht in ihre Schranken wies. Die Rothaarige kannte die Feindseligkeit und den blanken Haar in den von Krähenfüßen umrahmten Augen. Auf diese Art hatten die Soldaten der Garde ihre Feinde angesehen. Und im Moment bohrte sich dieser Blick in den weißen Haarschopf des Elfen. Die Bürger Beleriand zeigten sich überwiegend offenherzig und oder mit vorsichtiger Neugierde, dass Viola schlicht und ergreifend vergessen hatte, dass es auch noch andere Menschen gab.

      Der Weg zurück in die Stadt verlief eilig und überwiegend in stillen Schweigen.
      Der eisige Ostwind frischte stärker auf und kroch durch jede Naht und jedes kleinste Loch in der Winterkleidung. Den gesamten Weg über hatte Viola die raue Hand nicht freigegeben, die schwer und tröstlich in ihrer lag. Obwohl die Heilerin gefasst wirkte, spiegelte ihr Gesicht eine Mischung aus Furcht und Entschlossenheit. Mit gesundem Menschenverstand betrachtet, war es Wahnsinn sich einer solchen Kriegsmacht mit Bauern und Mistgabeln entgegen zu stellen. Viola wollte nicht glauben, dass die Reise hier zu Ende sein sollte und sie alle ein Schicksal in den modrigen Kerkern Tirions erwartete. Wie weit würden sie einer Armee entfliehen können ohne die Hilfe von Magie?
      Und nun saß sie hier.
      Das Knistern eines Feuers erfüllte ihre Ohren und die hitzigen Stimmen am Tisch rückten in den Hintergrund bis sie zu einem dumfpfen Rauschen verkamen. Tilda und Albert stritten mit Marlena und dem Anführer der Jägergilde über das Für und Wider einer Flucht. Erstere wollten bleiben und kämpfen - immerhin hatte Tilda dem Kronprinzen ihr Wort gegeben. Letztere weigerten sich Kopf und Kragen für den dahergelaufenen Bastardsohn des Elfenkönig zu riskieren. Das war nicht ihr Kampf. Wie schnaubende Stiere standen sich die zwei Seiten gegenüber und wussten weder vor noch zurück. Der Meister der Schmiede und zwei weitere Gildenmeister anderer Zünfte hielten sich höflich zurück. Viola bildete sich ein, dass der stämmige Schmied mit den Händen so groß wie Tellern Lhoris entschieden zunickte. Er würde kämpfen.
      "Beruhigt euch, bitte.", sprach die Heilerin mit aller Ruhe, die sie aufbringen konnte. Mitten in der lautstarken Auseinandersetzung hatte sich die zierliche Frau erhoben und ließ den Blick über die Runde schweifen. Symon und Volgast saßen neben Andvari, ebenso wie Lhoris.
      "Die Streiterei führt zu nichts. Wir werden niemandem zum Kampf zwingen. Wer sein Glück in der Flucht versuchen will, werden wir nicht aufhalten.", fuhr sie fort und seufzte. "Ich habe Tilda bereits erklärt, dass ich allen, die den Tunnel unter der Kapelle aufsuchen, den Rücken frei halten werde."
      "Du?", der Jägersmann lachte bellend. "Ich fass es nicht. Wir sollen unser Leben dir anvertrauen?"
      Mit einer ruckartigen Bewegung hatte Viola Dandelost von ihrer Hüfte gezogen und das Schwert vor sich mit etwas mehr Kraft als nötig auf den Tisch gelegt.
      "Ja, mir.", antwortete sie und wirkte dabei ungewöhnlich kampflustig ehe sie ihre Hand auf die gläserne Schneide presste.
      Die Miniatur des gegantischen Lichtschildet umhüllte ihre Hand, während ihre Augen mit goldenen Tupfen funkelten. Nicht alle hatten Viola am Tag zuvor bei der Schwertübung mit Lhoris gesehen und starrten nun auf die Lichtkuppel aus reinster Magie.
      “We all change, when you think about it.
      We’re all different people all through our lives.
      And that’s OK, that’s good, you gotta keep moving,
      so long as you remember all the people that you used to be.”